h ÖPETTUE Due„Schwerter Zeitung" erscheint wöchentlich sechs mal Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 13 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr). Postscheckkonten: Dortmund 2832 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5 Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Ferncuf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Papiorpraise fü de achigzesol mm u: e P/g, Ansoik. tige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., 2#eklame= zeile 40 P: Fur teleson. aufgegedene Onserate üdernehmen wit keine Gewähr Bei unvolbergesehn. Beiriedsstörungen, bervorgerufen durch böbere Gewalten, übernetzmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gmp Kreisblatt Nr. 101(Erstes Blatt) für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn 63. Jahrgang einlandfahrt des Reichspräsidenten. Aoscies der Pielch...... Die Rheinlandfahrt des Reichspräsidenten. wp. Trier, 30. April.(Tel.) Reichspräsident von Hindenburg wird, wie amtlich bekannt gegeben wird, nunmehr bestimmt am 25. Juli das befreite Trier besuchen. Am gleichen Tage reist der Reichspräsident nach Aachen weiter. Die Deutsche Volkspartei für Amnestie. vdz. Berlin, 30. April.(Tel.) Im Rechtsausschuß des preußischen Landtages hat am Dienstag, wie ergänzend zu berichten ist, auch die Deutsche Volkspartei für den Antrag der Wirtschaftspartei auf Erlaß einer allgemeinen Amnestie aus Anlaß der Rheinlandräumung gestimmt. Die Todesstrafe. vdz. Berlin, 1. Mai.(Tel.) In der gestrigen Sitzung des Rechtsausschusses des Landtages wurde ein deutschnationaler Antrag auf Beibehaltung der Todesstrafe gegen Deutschnationale, Wirtschaftspartei und Deutsche Volkspartei abgelehnt. Hellpach nicht aus der Dem. Partei ausgetreten. enb. Berlin, 1. Mai.(Eigene Meldung.) Wie die Vossische Zeitung meldet, bezeichnet Prof. Willy Hellpach auf Anfrage die Meldung der DA3, er sei der Volkskonservativen Vereinigung beigetreten, als„frei erfunden“. Er gehöre nach wie vor zur Demokratischen Partei. Die Altersgrenze der Richter. vdz. Berlin, 30. April.(Tel.) Der Rechtsausschußdespreußischen Landtages beriet am Mittwoch den Antrag der Deutschnationalen und der Volkspartei auf Heraufsetzung der Altersgrenze für Richter von 65 auf 68 Jahre. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Volkspartei, der Wirtschaftspartei und der Deutschen Fraktion abgelehnt. Verhaftung eines komm. Reichstagsabgeordneten. enb. Hamburg, 30. April. Eig. Meldg.) Wie die Hamburger Volkszeitung behauptet, ist der kommunistische Reichstagsabg. Maddalena auf Grund eines Vorführungsbefehles des Untersuchungsrichters beim Reichsgericht heute in seiner hiesigen Wohnung verhaftet worden. Mordverdacht gegen zwei Deutsche in Holland. wtb. Smeermaes, 30. April.(Tel.) Hier wurde eine furchtbare Mordtat aufgedeckt. Zollbeamte, die ein nördlich von Maastricht im Kanal liegendes Schiff revidieren wollten, fanden den Schiffer tot auf. Er war anscheinend mit einem Beil erschlagen worden. Seine Personalien konnten noch nicht festgestellt werden. Der Befund der Leiche läßt darauf schließen, daß die Tat bereits am Sonntag begangen worden ist. Ein Deutscher im Alter von 20 Jahren wurde im Verlaufe der sofort angestellten Untersuchungen verhaftet, ein zweiter Deutscher, der auf dem Schiff als Knecht tätig war, ist verschwunden. Ein ehem. persischer Minister als Angeklagter. wtb. Teheran, 30. April.(Tel.) Zum ersten Male in der Geschichte Persiens stand gestern ein ehemaliger Minister vor Gericht, um sich gegen eine schwere Anklage zu verteidigen. Es handelt sich um den vormaligen Finanzminister Prinz Friuz Nosrat ed Dauleh, der angeschuldigt ist, Bestechungsgelder in Höhe von 16.000 Tomans (ungefähr 64000 Mark) angenommen zu haben. Der Prinz bestreitet jede Schuld. Der Lebenshaltungsinder. wtb. Berlin, 1. Mai.(Tel.) Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und„Sonstiger Bedarf“) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats April auf 147,4 gegenüber 148,7 im Vormonat. Sie ist somit um 0,9 v. H. zurückgegangen. Dieser Rückgang ist im wesentlichen durch eine weitere Senkung der Ernährungsausgaben bedingt. Daneben haben auch die Preise für Bekleidung ihre rückläufige Bewegung fortgesetzt. Bei der Gruppe Heizung und Beleuchtung haben die Preise für Briketts nachgegeben. Die Ausgaben für die Wohnung sind durch die Erhöhung der Umlagen und dergl. in mehreren Städten um 06 v. H. gestiegen.„„„ Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen(1913/14 gleich 100): Für Ernährung 142,8, für Wohnung 127,5, für Heizung und Beleuchtung 152,2, für Bekleidung 167,6, für den „Sonstigen Bedarf“ einschließlich Verkehr 193,4. deutsche Wirtschaft braucht Vertrauen, Geldstrom, Kapitalstrom, „Rilschlamm“, sagt Reichsbankpräsident Dr. Luther. wtb. Berlin, 30. April.(Tel.) Im Anschluß an die heutige Generalratssitzung der Reichsbank hatte Reichsbankpräsident Dr. Luther die Mitglieder des Generalrats zu einer kleinen Abschiedsfeier in der Reichsbank eingeladen, an der neben Mitgliedern des Reichsbankdirektoriums auch der Reichskanzler teilnahm. Bei dieser Gelegenheit hielt Dr. Luther eine Ansprache, in der er u. a. darlegte, von wie großer Bedeutung das Vertrauen ist, das dem Geldwesen eines Landes entgegengebracht wird. Weiter führte Dr. Luther aus: Für ein Land in der Lage Deutschlands mit seiner Reparationslast haben die Beziehungen nach außen eine vervielfachte Bedeutung. Das Vertrauen, das die Arbeit des Generalrates erfüllt hat, hat einstmals seinen Einzug in die Reichsbank durch das Tor des Mißtrauens gehalten. Bei den Erörterungen, die zu dem späteren sog. Dawesplan geführt haben, hat vorübergehend sogar die Gefahr bestanden, daß ein ganzes Gebäude des Mißtrauens errichtet wurde, das zu groß und zu wuchtig war, als daß das zarte Pflänzlein jungen Vertrauens neben ihm hätte gedeihen können. Wer die damaligen Erwägungen beobachtet hat— ich war in jener Zeit Reichsfinanzminister— weiß, daß sogar der Gedanke aufgetaucht ist, die Emissionsabteilung der neu zu gründenden Notenbank im Auslande zu errichten und daß das Sachverständigenkomitee dem Generalrat die Möglichkeit überlassen wollte, den Metallbestand der Bank und die Notendruckstelle in das neutrale Ausland zu verlegen. Daß das dann eingesetzte Organisationskomitee sich entschlossen hat, die neue Bank als eine Fortsetzung der alten Reichsbank ins Leben zu rufen, war solchen Plänen gegenüber ein Zeichen beginnenden Vertrauens. Ich gedenke gern in diesem Zusammenhang des einzigen ausländischen Mitgliedes des damaligen Organisationskomitees, Sir Robert Kindersley, der der Entwicklung verständnisvolle Förderung entgegengebracht hat. Besonderer Dank gebührt hier aber meinem um die Reichsbank und den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft so hochverdienten Amtsvorgänger, Herrn Dr. Schacht, der als deutsches Mitglied des Organisationskomitees mit voller Einsetzung seiner Persönlichkeit dafür gesorgt hat, daß das Deutsche Reich sein ihm eigentümliches Währungsinstitut, seine Reichsbank, als Träger auch der neuen Währung Der Redner gedachte sodann der Mitarbeit der ausländischen Persönlichkeiten und führte aus: Wenn wir in Erwartung der bevorstehenden Natifikation des Youngplanes durch die erforderliche Anzahl von vertragschließenden Staaten uns heute von Ihnen verabschieden, so wollen wir nicht gleichzeitig von der aufbauenden Kraft des Vertrauens Abschied nehmen, und dadurch seine Einfuhr herabzusetzen und der Notwendigkeit auf der anderen Seite, seine Ausfuhr fortgesetzt zu steigern. Gerade Sie wissen auf das Genaueste, daß auf die Dauer das Wirtschaftsleben Deutschlands und damit die Fähigkeit Deutschlands, seine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen, von nichts mehr abhängig ist, als von der Bereitwilligkeit der ausländischen Märkte, deutsche Waren und Leistungen aufzunehmen. Sie haben, wie ich mit Bestimmtheit hoffe, erkannt, wie aufrichtig und fest der Wille des deutschen Volkes ist, Deutschland wieder aufzubauen und die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Urteil im Holstenbank=Prozeß. wtb. Kiel, 1. Mai.(Funkspruch.) In dem Strafprozeß gegen die früheren Leiter der zusammengebrochenen Holstenbank in Kiel, die Kaufleute Tilsen, Vater und Söhne, fällte das erweiterte Schöffengericht am Mittwochabend nach dreistündiger Beratung das Urteil. wurden verurteilt Tilsen sen. zu drei Jahren Gefängnis und 200 Mark Geldstrafe, Wilhelm Tilsen jun. zu einem Jahr Gefängnis und 200 Mark Geldstrafe, Franz Tilsen zu drei Monaten Gefängnis und 200 Mark Geldstrafe. Der Haftbefehl für die beiden Erstgenannten bleibt bestehen. Die Bewährungsfrist wird für Wilhelm Tilsen Vater und Sohn abgelehnt, während Franz Tilsen eine dreijährige Bewährungsfrist erhält. Als schwerste Straftat sah das Gericht den Betrug gegenüber den 8000 kleinen Sparern an. Nur der Umstand, daß Tilsen persönlich keinen besonderen Aufwand rettete ihn vor dem Ehrverlust. trieb, Die Neichsbuhn nn Fahre 1983. Aus dem Geschäftsbericht der Reichsbahngesellschaft für das Jahr wtb. Berlin, 1. Mai.(Tel.) Die Deutsche ihm fließenden Einnahmen„Hoßen,nhahge nie Reichsbahngesellschaft legt ihren Geschäftsbericht erwartete Höhe nicht erreicht. Im Gesamtergel für 1929 vor, der vom Verwaltungsrat am 26. d. M. genehmigt worden ist. Das Jahr 1929 begann unter ungünstigen Verhältnissen. Der Rückgang im Güterverkehr, der Ende 1928 als Folge des Lohnkampfes in der westlichen Eisenindustrie eingesetzt hatte, verschärfte sich in den ersten Monaten des Berichtsjahres, weil infolge des ungemein harten Winters viele industrielle Anlagen ihren Betrieb einschränken oder stillegen mußten. Im März belebte sich das Frachtgeschäft wesentlich und blieb auch während der folgenden Monate lebhaft. Gegen Ende des Jahres führte aber die Verschlechterung der deutschen Wirtschaftslage erneut zu einem Verkehrsrückgang und einer Minderung der Frachteinnahmen. Der Personenverkehr war mit Ausnahme der Sommermonate etwas schlechter als 1928. Die aus hat die Jahreseinnahme nahezu den Erwartungen entsprochen.. Mu2f144 K.11, Auf der Ausgabenseite verursachte der starke Frost namhafte Mehraufwendungen. Höhere und bleibende Ausgaben wurden dem Geschäftsbericht zufolge der Gesellschaft durch den Lohnschiedsspruch vom Mai auferlegt, für den keine Einnahmensenkung vorgesehen war. So konnte das Geschäftsjahr nur dadurch ohne Fehlbetrag abschließen, daß die Sachausgaben nicht in dem an sich erforderlichen Umfang ausgeführt, sondern weiterhin gedrosselt wurden. Die Einnahmen der Betriebsberechnung betrugen 5 354 Millionen RM(im Vorjahre 5 159 Millionen RM); ihnen stehen an Ausgaben für Betrieb, Unterhaltung und Erneuerung 4 494(4294) Millionen RM gegenüber. Das Verhältnis der BetriebsausDer Verier nerruptlonefump. enb. Berlin, 30. April.(Eig. Meld.) Der Beschluß der städtischen Stadtverordnetenversammlung, die Vorgänge in der städtischen Schulverwaltung nachzuprüfen, die zur Suspendierung des städtischen Stadtoberinspektors Borcherdt geführt haben, wird, der„B. Z.“ zufolge, zur sofortigen Vernehmung des Stadtschulrats Nydahl führen. Nydahl, der sich infolge einer Gallensteinoperation in einem Sanatorium befindet, wird beschuldigt, nicht nur davon gewußt zu haben, sondern auch nicht dagegen eingeschritten zu sein, daß der Stadtoberinspektor Borcherdt von Firmen, die Bedarfartikel für die Schulen lieferten, die Sie uns geschenkt haben. Wir Deutsche emp= insgesamt 186 000 RM an Provisionen nahm. finden es als eine Erlösung von schwerer Last, daß durch die Annahme des Youngplanes die ausländischen Kontrollbefugnisse wegfallen. Wenn der Geldstrom heute wieder mit einiger Leichtigkeit über die Erde fließt, so ist der Kapitalstrom an manchen Stellen noch aufzubringen und andere Plätze entbehren deshalb der Befruchtung durch den so fruchtbar wirkenden Nilschlamm, den im Wirtschaftsleben das für produktive Zwecke und zu günstigen Bedingungen geliehene Kapital darstellt. Daß Deutschland dieses Nilschlammes besonders bedarf, brauche ich Ihnen, die Sie alle genaue Kenner der deutschen wirtschaftlichen Wirklichkeiten und Möglichkeiten geworden sind, nicht mehr zu erläutern. Daß hier im Vordergrund die Umwandlung des kurzfristigen Kredites in einen langfristigen Kredit steht, ist Ihnen genau so bekannt wie mir. Sie, die Sie uns stets die Hand geboten haben, um Deutschlands Wiederaufbau zu erleichtern, können diese Ihre Arbeit auch fruchtbar fortsetzen, wenn sie weiter dahin wirken, auch in der breiten Masse der Kapitalisten des Auslandes das Zutrauen zum deutschen Volk und seiner Wirtschaft zu festigen und zu erhöhen. Sie werden sicher nicht vergessen, daß Deutschland unter dem Druck einer sehr großen Arbeitslosigkeit steht, Sie werden nicht vergessen, daß Deutschland seinen Weg finden muß zwischen der Notwendigkeit, auf der einen Seite die eigenen produktiven Kräfte nach Möglichkeit zu entfalten Die Angelegenheit liegt bald ein Jahr zurück, ist vom Magistrat aber geheimgehalten worden. Sowohl der Stadtoberinspektor als auch Stadtschulrat Nydahl bestreiten, sich strafbar gemacht zu haben. In der Personalkommission der Stadt ist es vor einiger Zeit über die Vorgänge in der Schulverwaltung zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, die dazu führten, daß man die Stellung des Stadtschulrats als erschüttert bezeichnete, wenn er sich nicht restlos von dem gegen ihn ausgesprochenen Verdacht reinigen kann. Vom Magistrat wird dem Blatt mitgeteilt, daß der Fall Borcherdt erst im März d. J. bekannt wurde. Ende des vergangenen Monats habe der Magistrat die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft unterbreitet und gegen Borcherdt das Disziplinarverfahren mit dem Ziel auf Amtsenthebung eingeleitet. Bei den Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft sei Nydahl von einem Zeugen beschuldigt worden und ebenso eine dritte Person. Beschwerdebriefe wurden in den Papierkorb geworfen. enb. Berlin, 1. Mai.(Eig. Meld.) Zu den Verfehlungen bei der Berliner Schulverwaltung, die gegenwärtig von der Staatsanwaltschaft und vom Oberpräsidenten untersucht werden, wird noch gemeldet: Stadtoberinspektor Albert Borcherdt hatte schon seit Jahren das Dezernat der Lernmittelbeschaffung für die Bezirke 1—6 unter sich. Er hatte es nach und nach verstanden, die Zahl der Schulbücherlieferanten bis auf 2 zu verringern. Mit diesen beiden Geschäften schloß Borcherdt Lieferungsverträge ab, bei denen er sich eine Provision ausmachte, die sich zwischen 5 und 10 Prozent stellte. Die beiden Firmen gingen auf diese an sich erheblichen Forderungen Borcherdts ein, da dieser ihnen als Entschädigung die Alleinlieferung zusicherte. Um die Ausgaben für die Provision wettzumachen, sollen die beiden Buchhandlungen dafür die Bücher, die sie an die Schulverwaltung lieferten, in ungewöhnlich schlechter Aufmachung herausgebracht, minderwertiges Papier und Einbände geliefert haben, die schon nach kurzer Zeit sich im wahrsten Sinne des Wortes auflösten. Klagen, die von einzelnen Schulleitern wegen der schlechten Beschaffenheit des gelieferten Materials einliefen gingen immer wieder an Borcherdt, der die Beschwerden in den Papierkorb warf. Die Stadt Berlin, bezw. der Magistrat, erfuhren von dem Treiben Borcherdts zum erstenmal im Januar d. J., als Briefe an die Schulverwaltung gelangten, in denen„gute Freunde“ Borcherdts darauf aufmerksam machten, daß der Stadtoberinspektor Ausgaben mache, die sich mit seinem Einkommen als Beamter unmöglich vereinbaren ließen. Darauf wurde sofort eine Prüfung der Angelegenheit vorgenommen, und es ergab sich der dringende Verdacht, daß der Stadtoberinspektor in der Tat sich Provisionen in Höhe von 200000 RM von den beiden Lieferanten habe zahlen lassen. Der Magistrat übergab diese Angelegenheit daraufhin dem Oberpräsidenten, der ein Disziplinarverfahren gegen Borcherdt einleitete und schon nach mehreren Vernehmungen die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft zur weiteren Verfolgung übertrug. Bei den Vernehmungen hat ein Zeuge bekundet, daß Stadtschulrat Nydahl um die Provisionen Borcherdts gewußt habe, aber nicht dagegen eingeschritten sei. Die Staatsanwaltschaft hat Nydahl daraufhin vernommen, der jedoch ausdrücklich bestritt, von den Dingen irgend etwas gewußt zu haben. — gaben zu den Betriebseinnahmen, die Betriebszahl, betrug 83,93(83,24) Prozent. Die Reparationszahlungen sind pünktlich geleistet worden. An Beförderungssteuer wurden im ganzen 325 Millionen RM an die Reichsfinanzverwaltung abgeführt, wovon 290 Millionen RM an den Reparationsagenten weitergezahlt wurden, sodaß dem Reiche noch 35 Millionen RM verblieben. Infolge der ungeklärten Lage der Reichsbahn während der Dauer der Reparationsverhandlungen konnte der Geldmarkt nicht in dem erforderlichen Umfange in Anspruch genommen werden. Neue Vorzugsaktien wurden 1929 nicht begeben. Nur zwei Kredite mit dreijähriger Laufzeit(100 Millionen RM für Beschaffung von Wagen und 10 Millionen RM für Brücken) sind hereingekommen. Die Ausgaben für Anlagenzuwachs mußten infolge der Schwierigkeiten der Finanzierung stark eingeschränkt werden; sie betrugen 100 Millionen RM weniger als im Vorjahre. Mit der Reichsregierung ist nunmehr ein Abkommen zu§ 8 des Reichsbahngesetzes, betr. Tilgung der ausgenommenen Kredite innerhalb einer Frist von 60 Jahren abgeschlossen worden. Danach erklärt sich die Reichsregierung bereit, unter bestimmten Umständen die über den 1. Januar 1965 sich erstreckenden Lasten bei Ablauf des Betriebsrechts zu übernehmen. Ueber das neue Geschäftsjahr wurde bei der Besprechung des Berichtes mitgeteilt, daß die schlechte Geschäftslage eine Entlastung unbedingt notwendig mache. Besonders betont wurde außerdem, daß für die erforderliche Behebung von Kriegs= und Nachkriegsschäden bisher immer noch nichts geschehen konnte. Die Notwendigkeit, der Reichsbahn finanzielle Erleichterungen zu schaffen, sei unabwendbar. Die Reichsbahnverwaltung wäre froh, wenn dies ohne Tariferhöhung möglich wäre, hege aber wenig Hoffnung, daß ihr auf einem anderen Wege geholfen werden könne. Der Kriegsverhütungspakt. Abschluß der Genser Generaldebatte. wtb. Genf, 1. Mai.(Funkspruch.) Im Sicherheitskomitee wurde am Mittwoch die allgemeine Aussprache über die Schaffung eines allen Staaten zum Beitritt offenstehenden Kriegsverhütungspaktes abgeschlossen. Die Verhandlungen standen zum ersten Male unter der Leitung des inzwischen in Genf eingetroffenen Vorsitzenden des Komitees, des tschechoslowakischen Außenministers Benesch. Zunächst erklärte der polnische Delegierte Sokal, der sich am Vormittag gegen den Abschluß einer Generalkonvention ausgesprochen hatte, daß die kriegsverhütenden Maßnahmen durch ein wirksames Kontroll= und Sanktionssystem ergänzt werden müssen. Zum Schluß der allgemeinen Aussprache betonte als Vertreter Chinas der chinesische Gesandte in Berlin, Tsing=TsoTing, die bereitwilligkeit seiner Regierung, der Konvention bei genügender Teilnahme auch anderer Staaten beizutreten. Er hielt es aber für unerläßlich, daß das Komitee eine Prüfung des Entwurfes und besonders auch der Sanktionsfrage vornehme Am Schluß der Sitzung brachte die deutsche Delegation den bereits am Vormittag von Minister Göppert angekündigten Antrag ein betr. Errichtung einer doppelten Demarkationslinie zur Vermeidung militärischer Zusammenstöße. Das Landwirtschaftkammergesetz vdz. Berlin, 1. Mai.(Tel.) Der Landtagsausschuß zur Vorberatung des Landwirtschaftskammergesetzes setzte am Mittwoch die Einzelberatung der Vorlage fort. Zu§ 5, der den Aufgabenkreis der Landwirtschaftskammern umschreibt, und grundsätzlich kaufmännische oder gewerbliche Unternehmen ausschließt, wurde ein Antrag des Zentrums angenommen, wonach die für eine Beteiligung an solchen Gesellschaftsunternehmungen erforderliche Genehmigung des Ministers festgelegt werden soll, und „soweit eigene Unternehmungen der Landwirtschaftskammer zugelassen sind oder eine Beteiligung an Gesellschaftsunternehmungen gestattet worden ist, der Vollversammlung der Kammer regelmäßig die Bilanzen und Geschäftsberichte vorzulegen sind.“ Zu§ 7, der die Bildung der Wahlbezirke regelt, wurde auf sozialdemokratischen Antrag beschlossen, daß für die Gruppe der Betriebsinhaber jeder Regierungsbezirk einen Wahlbezirk bilden soll. Wenn der Kammerbezirk aus mehleren Regierungsbezirken besteht, soll eine Zusammenlegung von Regierungsbezirken zu einem Wahlbezirk erfolgen können. Bei§ 8, der die Wahlberechtigung und die Wählbarkeit vorsieht, wurde das Wahlalter für die Wahlberechtigung auf 20 Jahre, für die Wählbarkeit auf 25 Jahre festgesetzt. Die Wählbarkeit der Arbeitgebersekretäre und Arbeitnehmersekretäre wurde mit 16 gegen 13 Stimmen angenommen. Dann wurde die Weiterberatung auf Dienstag, 13. Mai, vertagt. Die Mehrheit der deutschnationalen Frattion. enb. Berlin, 1. Mai.(Eig. Nadiomeld.) Zu der heute abend stattfindenden Sitzung der Mehrheit der deutschnationalen Reichstagsfraktion hat Graf Westarp Einladungen an folgende Herren ergehen lassen: Bachmann, Bazille, Dingler, Domsch, von Dryander, Fromm, Gerns, Gottheiner, Haag, Hampe, Hartmann, Haslacher, Hemeter, Hergt, Der Handurger Rausmere! enb. Hamburg, 30. April.(Eigene Meldung.) Ueber den Raubmord im Juwelierladen in der Theaterstraße, dessen Inhaber Teller, wie seinerzeit sein Vorgänger Neuner, einem Verbrechen zum Opfer fiel, gibt die Verkäuferin Frau Peters einem Mitarbeiter des Hamb. Fremdenbl. eine Schilderung, der folgendes zu entnehmen ist: Der Mörder, der keinen auffallenden Eindruck erweckte, ist schon seit einigen Tagen, da er angeblich Interesse für einen Ring hatte, auf jeweils kurze Zeit in das Geschäft gekommen. Am Montag verhandelte er über den Ankauf zweier billigerer Ringe. Ein Smaragdring im Werte von 5—6000 Mark schien eine große Anziehungskraft auf ihn auszuüben. Die Kaufentschließung über die drei Ringe sollte am Dienstag fallen. Als ich vom Mittagessen zurückkam, sagte mir Herr Teller freudig erregt:„Der Kunde wartet drüben in der Eckwirtschaft; er will den Ring für 3000 Mark kaufen. Kurz vor 4 Uhr erschien der Kunde in Begleitung von Herrn Teller an der Ladentür. Ich hatte sofort den Eindruck, daß der Käufer unter Alkoholwirkung stand; er faßte sich an den Kopf und murmelte unverständliches Zeug. Er ließ sich den einen Ring nochmals zeigen und streifte den teuren Smaragdring ebenfalls über die ungepflegte fleischige Hand. Mit den Worten: „Nun muß ich ja zahlen“, zog der Mörder plötzlich aus der Brusttasche einen Revolver und gab auf Herrn Teller, der hinter dem Ladentisch stand, hintereinander drei Schüsse ab. Schon nach dem ersten Schuß brach mein Chef zusammen. In meiner Angst kroch ich in die Ecke, um hinter den Schaukasten Deckung zu finden. Die beiden anderen Schüsse, die mir galten, haben ihr Ziel verfehlt. Der Mörder verließ dann ohne Hast den Laden. Ich stürzte über den Ermordeten, der kein Lebenszeichen mehr von sich gab, auf die Straße und rief um Hilfe. Wenige Augenblicke später liefen Vorübergehende und Schutzleute hinter dem Mörder her. Jandrey, Kleiner, Koch, Leopold, von LettowVorbeck, Lind, Mentzel, Ohler, Philipp, Preyer, Rademacher, Reichert, Freiherr von Richthofen, Sachs, Schmidt(Stettin), Schröter(Liegnitz), Schulz(Bromberg), Staffehl, Strathmann, Vogt, Walraff. In dem Brief des Grafen Westarp heißt es, dem„Berliner Tageblatt“ zufolge: Gegen den in der Anlage beigefügten Beschluß des Parteivorstandes vom 25. d. M. habe ich lebhaften Einspruch erhoben. Mit mir haben 15 Herren dagegen gestimmt. Ich habe vor und nach Annahme des Beschlusses folgende Vorbehalte erklärt: Entgegen der Kritik an der Abstimmung der Fraktionsmehrheit vom 12. und 14. d. M. müßte ich mir vorbehalten, meinen Standpunkt auch weiterhin in der Oeffentlichkeit zu vertreten. Ferner müßte ich mir vorbehalten, mich gegebenenfalls der in den beiden letzten Sätzen des Parteivorstandsbeschlusses vorgesehenen Entscheidung des Herrn Parteivorsitzenden nicht zu fügen. Ich habe außerdem erkennen lassen, daß meiner Ueberzeugung nach die gleichen Vorbehalte auch von anderen Mitgliedern der Fraktion gemacht werden. Dabei habe ich zur Begründung u. a. ausgeführt, daß in den beiden letzten Sätzen des Parteivorstandsbeschlusses ein nach meiner Auffassung unzulässiger Eingriff in die Abstimmungsfreiheit des einzelnen Abgeordneten liege. Ferner brachte Staatssekretär Zweigert eine Reihe von Mitteilungen zur Sprache, die dem Reichsminister des Innern von verschiedenen Seiten, insbesondere auch aus der Presse, bekanntgegeben sind, und die sich in der Hauptsache auf politische Strömungen in der Landespolizei Thüringens beziehen. Die einzelnen Fälle wurden erörtert. Soweit eine Aufklärung noch nicht möglich war, hat die thüringische Regierung zugesagt, die Fälle nachzuprüfen und dann dem Reichsminister des Innern weitere Mitteilung zu machen. Was insbesondere die Nachricht über Veränderungen in der thüringischen Schutzpolizei betrifft, so hat die thüringische Regierung nochmals auf ihre dem Herrn Reichsminister Dr. Wirth abgegebene Erklärung verwiesen, daß seit dem Dienstantritt des Herrn Ministers Frick irgend welche Neueinstellungen oder Entlassungen von Polizeibeamten nicht vorgenommen worden seien, mit Ausnahme derjenigen, die schon vor dem Amtsantritt des Herrn Ministers Frick in Aussicht genommen waren. Scharfer deutscher Einspruch gegen die voln.Erenzverlehungel. Verlängerung des Syndikats im Ruhrbergbau. wtb. Berlin, 1. Mai.(Tel.) Durch Verordnung des Reichswirtschaftsministers ist das mit dem 30. April 1930 ablaufende Syndikat im Ruhrbergbau um einen Monat verlängert worden. Die vor dem 1. April geltende freiwillige Regelung der Syndikatsverhältnisse ist damit für den Monat Mai aufrechterhalten. Die Verlängerung des Syndikats war erforderlich, um dem Reichskohlenrat, der nach den Bestimmungen des Kohlenwirtschaftsgesetzes für die Genehmigung des Syndikatsvertrags zuständig ist, Gelegenheit zu geben, den von der Mehrheit der Bergwerksbesitzer geschlossenen Vertrag einer eingehenden, den Schwierigkeiten der Sachlage angemessenen Prüfung zu unterziehen. Die Frage des Absatzes der Zeche Minister Achenbach wird für den Monat Mai durch das Syndikat im Sinne der Vorschläge von Herrn Berghauptmann Bennhold geregelt werden. Der Reichswirtschaftsminister wird die Verhandlungen mit den außenstehenden Zechen sofort aufnehmen, um sich ein klares Bild über die Gründe zu verschaffen, aus denen die in Frage kommenden Bergwerksbesitzer den Beitritt zum Syndikat abgelehnt haben. Der Konflikt Thüringen-Reich. Staatssekretär Zweigert in Weimar. wtb. Berlin, 30. April.(Tel.) Staatssekretär Zweigert hat die zwischen dem Reich und Thüringen bestehenden Meinungsverschiedenheiten heute in einer eingehenden Konferenz mit dem Vorsitzenden und den beteiligten Mitgliedern des thüringischen Staatsministeriums besprochen. Gegenstand der Aussprache bildete zunächst die Meinungsverschiedenheit über die Frage, ob der§ 3 Absatz 1 des thüringischen Ermächtigungsgesetzes mit Artikel 129 der Reichsverfassung, wonach die wohlerworbenen Rechte der Beamten unverletzlich sind, vereinbar ist. Die Rechtsfrage wurde nochmals durchgesprochen. Eine Einigung wurde nichterzielt. Die Frage soll deshalb, wie schon früher in Aussicht genommen war, gemäß Artikel 13 Absatz 2 der Reichsverfassung zur Entscheidung des Reichsgerichts gebracht werden. Die Auffassungen des Reiches und der thüringischen Regierung wurden in der Form, wie sie dem Reichsgericht unterbreitet werden sollen, im einzelnen endgültig festgelegt. Der gemeinsame Antrag des Reiches und Thüringens, über die Meinungsverschiedenheit zu entscheiden, wird dem Reichsgericht sofort zugehen. Eine Entscheidung ist in Kürze zu erwarten, da beiderseits auf Abgabe weiterer Erklärungen und auf mündliche Verhandlung verzichtet ist. Bis zur Entscheidung des Reichsgerichts, die in diesem Falle Gesetzeskraft hat, verbleibt es bei der Zusage der thüringischen Regierung, solche Versetzungen in den Wartestand, die ihre Stütze nur in dem§ 3 Abs. 1 des Ermächtigungsgesetzes finden, nicht vorzunehmen. enb. Berlin, 30. April.(Eig. Meldung.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird die deutsche Regierung den Gesandten in Warschau anweisen, mit allem Nachdruck gegen die verschiedenen Grenzverletzungen durch polnische Militärflugzeuge Beschwerde zu führen und darauf hinzuweisen, daß die deutsche Regierung es auf keinen Fall dulden könne, daß eine Wiederholung systematischer Flüge in ostpreußisches Gebiet durch polnische Militärflugzeuge, etwa wie im Vorjahre, auch in diesem Jahre stattfinden. Die polnische Regierung wird gebeten, die Schuldigen zu bestrafen und es sicherzustellen, daß eine Wiederholung solcher Grenzverletzungen nicht vorkomme. Die polnische Regierung hatte im vorigen Jahre erklärt, daß sie eine ernsthafte Erinnerung gegen das Ueberfliegen der deutschen Grenze an ihre Militärflieger richten werde. Seitdem sind die Ueberfliegungen bis zur letzten Zeit unterblieben. In der letzten Woche sind aber wiederholte Ueberfliegungen der deutschen Grenze erfolgt. Es war natürlich äußerst schwierig, festzustellen, ob es sich um Ueberfliegung durch polnische Flugzeuge, und zwar Militärflugzeuge gehandelt hat. Die Zeugenvernehmungen darüber waren äußerst langwierig. Lastattsbalenranststaue in Sachsen verboten. enb. Berlin, 1. Mai.(Eig. Radiomeldung.) Wegen des entsetzlichen Todes des Luftakrobaten Hundertmark in Düsseldorf hat, nach einer Meldung des„Lokalanzeigers“, das sächsische Ministerium des Innern die Vorführungen des Flugzeugakrobaten Dimpfel am 4. Mai in Chemnitz verboten. Dagegen kann das übrige das die fliegerische Werbewoche vorsieht, durchgeführt werden. „Die Brüder Saß sind die Tresorrauber. Eine Erklärung des Oberregierungsrats Kopp. enb. Berlin, 1. Mai.(Eig. Radiomeldung.) Oberregierungsrat Dr. Kopp, der stellvertretende Leiter der Kriminalpolizei teilte einem Mitarbeiter der Deutschen Allg. Ztg. über die Festnahme der Brüder Saß u. a. mit: Nach Ansicht der Berliner Kriminalpolizei haben die Brüder Franz und Erich Saß ein Versteck im Keller unter dem Zigarrenladen in der Flemmingstraße anzulegen versucht, um hier ihre Beute vom Tresorraub in der Filiale der Diskonto=Gesellschaft am Wittenbergplatz zu verbergen. Es muß angenommen werden, daß die Brüder Saß tatsächlich mit den Tresorräubern tatsächlich identisch sind. In der Schornsteinklappe konnten sie ihre Beute nicht verstecken, da für eine Kassette hier zu wenig Platz war. Sie bemühten sich daher, ein sicheres Versteck oberhalb der Klappe in dem Luftschacht zu schaffen. Zu diesem Zwecke mußte die Wand des Luftschachtes durchbrochen werden. Ein Einbruchsversuch in den Zigarrenladen kommt nicht in Frage, denn hier in dem kleinen Laden hätten sie nur Ware von geringem Wert gefunden und dazu bedurfte es nicht der Ausschachtungsarbeiten im Keller. Bei ihrer Vernehmung im Ponzeipräsidium haben die Brüder Saß, ihre alte Methode, die zweifellos als sehr geschickt angesehen werden muß, angewandt und jede Aussage verweigert. Sie beschränkten sich lediglich auf boshafte Aeußerungen gegenüber den Kommissaren. Vorläufig werden die Brüder in der Untersuchungshaft des Polizeipräsidiums bleiben. Strafrechtlich können sie, wie die Dinge zur Zeit liegen, nur wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, da sie ohne Erlaubnis des Hauseigentümers oder der Mieter in die Kellerräume eingedrungen sind, verantwortlich gemacht werden.“ Wasser fortgerissen worden. Bei Calahorra ist der Ebro über die Ufer getreten. Drei Personen durch Gas umgekommen. wtb. Faaborg(Dän. Insel Fünen), 30. April. (Tel.) Drei Handwerksburschen, die die Erlaubnis erhalten hatten, im Badezimmer des hiesigen Gaswerkes zu übernachten, wurden heute früh tot aufgefunden. Der Tod ist auf Gasvergiftung zurückzuführen. Man vermutet, daß die Handwerksburschen betrunken waren und beim Versuch, das Licht anzuzünden, einen Gashahn offengelassen haben. Aus Nah und Fern. Die Mülheimer Einbrecher ermittelt. wp. Köln, 30. April.(Tel.) Die beiden Einbrecher, die am 27. April 1930 den Oberwachtmeister Pingel durch einen Schuß schwer verletzten, sind ermittelt. Es sind zwei bekannte Einbrecher aus Köln=Mülheim, Wilhelm Barun und Ernst Menges, beide 29 Jahre alt. Menges wurde heute früh in seiner Wohnung verhaftet und ist geständig, behauptet aber, nicht er, sondern Braun habe geschossen. Flugzeuglandung auf einem Dache. enb. Paris, 30. April.(Tel.) Gestern landete eine französische Fliegerin mit zwei Passagieren auf dem Dache einer Flugzeughalle bei Le Bourget, weil ihr Motor ausgesetzt hatte. Keiner der Insassen kam dabei zu Schaden. Ueberschwemmungen in Spanien. wtb. Bendaye, 30. April.(Tel.) Aus der spanischen Provinz Logrono werden große Ueberschwemmungen gemeldet. Nach den ersten Nachrichten sind mehrere Städte völlig von Wasser umgeben; ebenso sind in den ländlichen Bezirken große Verwüstungen angerichtet worden. Eine über den Leza=Fluß führende Brücke ist vom Sieben spanische Fischer ertrunken. wtb. Madrid, 30. April.(Tel.) Wie aus La Coruna gemeldet wird, ist ein mit sieben Personen besetztes Fischerboot gesunken. Alle sieben Insassen sind ums Lebengekommen. Juntielrungen. Kundgebung des Reichslandbundes. wtb. Berlin, 1. Mai(Funkspruch.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen: Der Reichslandbund spricht allen, die durch ihre Haltung in den politischen Auseinandersetzungen der letzten Zeit sich für die Rettung der deutschen Landwirtschaft eingesetzt haben, seinen Dank aus. Sie haben durch Annahme der Agrar= und Finanzgesetze die ersten Voraussetzungen für das von Minister Schiele begonnene Rettungswerk geschaffen. Bis jetzt ist jedoch nur der Grundgelegt. Ein umfassendes und durchgreifendes Ostprogramm für die bedrohten Gebiete zur Rettung des Ostens, zur Gesundung der Landwirtschaft muß die selbstverständliche Fortsetzung sein. Der endgültige Erfolg hängt entscheidend von der Art der Durchführung des Agrar= und Ostprogrammes ab. Diese erfordert umfassende Sachkenntnis, Energie und größte Beschleunigung. Deshalb muß das Steuer der Agrarpolitik in der Hand des Vertrauensmannes der Landwirtschaft gesichert bleiben. Der Reichslandbund geht dabei von der Ueberzeugung aus, daß mit einer derartigen Politik der inneren Festigung unseres gesamten Wirtschaftslebens auch die Grundlage für eine wahrhaft nationale Befreiungspolitik geschaffen wird. Die Arbeiten der Saarkonferenz. wtb. Paris, 1. Mai.(Funkspruch.) Die erste Unterkommission der Saarkonferenz(für Grubenfragen) hat heute eine Sitzung abgehalten. Am 2. Mai wird die zweite Unterkommission(für Zoll= und Handelsfragen) zusammentreten. Damit haben die beiden Unterkommissionen ihre Arbeiten gemäß dem vor Ostern zwischen den Führern der beiden Saarabordnungen vereinbarten Arbeiterprogramm ausgenommen. Das Großkreuz der Ehrenlegion für Schober. wtb. Paris, 1. Mai.(Funkspruch.) Der Präsident der Republik hat am Mittwochnachmittag den österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober empfangen und ihm bei dieser Gelegenheit die Abzeichen des Großkreuzes der Ehrenlegion überreicht.— Im Anschluß an seinen Besuch im Elysee wurde Dr. Schober von Ministerpräsident Tardieu empfangen. Bluttat in einer spanischen Gastwirtschaft. wtb. Granada, 1. Mai.(Funkspruch.) Ein Handelsreisender, der kürzlich aus Buenos Aires hier eintraf, hat in einer Gastwirtschaft zwei weibliche Gäste getötet und einen Mann wer verletzt. Der Täter wurde bei seiner Festnahme schwer verwundet. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Schwerer Zusammenstoß. Vorgestern abend gegen 8 Uhr kam es zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem zwei Personen lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Als der Lieserwagen der Brotfabrik Fritz Peine, DortmundEving, die Beukenstraße in Dortmund=Hörde in westlicher Richtung befuhr, um anscheinend nach der Straße Am Heedbrink zu gelangen, befuhr zu gleicher Zeit der Motorradfahrer Bomke, Steinkühlerweg wohnhaft, mit seiner Maschine, an der sich ein Beiwagen befand, von der Hochofenstraße aus in südlicher Richtung die Gildenstraße. Auf der Kreuzung Gildenstraße prallten die beiden Fahrzeuge mit furchtbarer Gewalt zusammen. Der schwere Lieferwagen ersaßte das Motorrad und schleuderte es mit großer Wucht gegen eine Mauer der Besitzung des Schlossermeisters Selzer. Das Motorrad mit Beiwagen wurde vollständig zertrümmert. Zwei Aerzte und die benachbarte Feuerwehr waren in wenigen Augenblicken an der Unglücksstelle und leisteten die erste Hilfe. Der Motorradfahrer Bomke, sowie auch die Insassin des Beiwagens, Ehefrau Meyer, Neuer Markt 4 wohnhaft, erlitten durch den heftigen Zusammenprall sehr schwere Verletzungen. Beide Personen wurden ins Krankenhaus Bethanien gebracht. Dem Motorradfahrer Bomke, der bereits von einem früheren Unfall her ein steifes Bein hatte, mußte das gesunde Bein amputiert werden. Aber auch bei der Ehefrau Meyer wurden komplizierte Knochenbrüche und Quetschungen eines Beines festgestellt, während das andere Bein einen Gelenkbruch erlitt. — Ein mutiger Lebensretter. Auf der Schachtanlage„Minister Stein“ in Dortmund Eving brach in der Nacht zum Dienstag gegen 12 Uhr in einem Rutschenbetrieb des Ostfeldes das Hangende plötzlich auf eine Entfernung von etwa 60 Meter herein. Während die übrigen dort beschäftigten Leute flüchten konnten, wurde der Hauer Max Kahnke zwischen einigen Holzkästen von den Bruchmassen eingeschlossen. Die Rettungsmannschaften wurden sowohl unterhalb als auch oberhalb des Bruches angesetzt. Gegen 18,30 Uhr gelang es dann dem Hauer Richard Rahr unter großen Schwierigkeiten und unter eigener Lebensgefahr, sich bis zu dem Eingeschlossenen vorzuarbeiten und ihn freizumachen. Kahnke ist unverletzt geblieben. — Schwerer Unfall in Hörde. Mittwoch mittag um 13,35 Uhr wurde ein Motorrad von einem Omnibus der Dortmunder Straßenbahn an der Ecke Niederdorfenerstraße angefahren. Der Omnibus wollte von der Verbandsstraße in die Niederhofenerstraße einbiegen, um nach Hörde zu fahren. Der Motorradfahrer Heinrich Schulte aus der Heidestraße 28 in Dortmund=Barop kam dem Omnibus auf der Verbandsstraße entgegen und wollte noch vor dem Omnibus die Niederhofenerstraße überqueren. Dieses glückte ihm nicht mehr, er wurde von dem Omnibus erfaßt und ungefähr 15 Meter mitgeschleift. Der Motorradfahrer erlitt schwere innere Verletzungen sowie eine schwere Gehirnerschütterung. Seine Maschine wurde völlig zertrümmert. Der schwerverletzte Motorradfahrer wurde sofort in den Omnibus gebracht, um ihn zum Krankenhaus zu befördern. Auf dem Wege dorthin ist er bereits gestorben. Wer den Unfall verschuldet hat, kann erst nach eingehender Vernehmung aller in Frage kommenden Zeugen angegeben werden. o Hagen. Einen grausigen Fund machte heute morgen gegen 6 Uhr ein Milchbauer von Hunsdiek, der mit seinem Wagen nach Dahl fuhr. In der Kurve, wo der alte Weg den neuen kreuzt, stand ein Luxuswagen, daneben lag ein Toter. Der Polizei von Dahl wurde dieser Vorfall gemeldet und diese stellte fest, daß es sich um einen Kaufmann aus Hag.Delstern handelt. Die Staatsanwaltschaft hat sestzustellen, ob ein Unglück oder Selbstmord vorliegt. Allem Anschein nach kann man auf Selbstmord(Herzschuß!) schließen Die Motive zu dieser Tat haben sich noch nicht feststellen lassen. 1 Arnsberg. Die„Belohnung“ eines ehrlichen Finders. Auf einer Landstraße im Kreise Arnsberg, fand ein Handwerker eine beschädigte Schachtel mit leichtem Inhalt u. die Anschrift an einen Geschäftsmann in der Gegend. Der Finder glaubte, daß ein Milchmann, der ihn auf der Straße überholt hatte, die ihm zur Besorgung an den Adressaten übergebene Schachtel verloren habe. Er suchte den Milchmann auf, um den Fund abzuliefern, erfuhr aber, daß dieser die Schachtel nicht verloren hatte. In Gegenwart von Zeugen öffnete er die Schachtel, um deren Eigentümer zu ermitteln, und er fand darin zwei neue Damenhüte und eine mit der Aufschrift auf der Schachtel übereinstimmende Paketadresse. Nun suchte der Finder den Empfänger auf, der die Annahme der Schachtel aber verweigerte und Zustellung durch die Post verlangte, die die Schachtel offenbar verloren hatte. Der Handwerker trug seinen Fund nun zur Postanstalt, wo festgestellt wurde, daß das Postbestellauto die Hutschachtel tatsächlich verloren hatte. Zu seiner Bestürzung wurde ihm aber noch gesagt, daß er das Postgeheimnis verletzt, keinen Finderlohn beanspruchen könne und Strafe zu gewärtigen habe. Kurz entschlossen nahm der Finder das Paket an sich, verließ die Post und gab den Fund bei der Polizei ab, wo die Hüte nun des Abholens warten. Der Handwerker wird sich künftig hüten, mit einem solch gefährlichen Fund kostbare Zeit zu vertrödeln und dann nnoch zu erfahren, daß er für seine Ehrlichkeit noch bestraft werden dürste. h Detmold. Der„Herr von der Lebensversicherung". Bei verschiedenen älteren Leuten erschien ein besser gekleideter Mann, der sich als ein„Herr der Lebensversicherung“ ausgab und den Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber behauptete, die durch die Inflation hinfällig gewordenen Gelder würden demnächst ausgezahlt, es müsse vorher nur ein rückständiger Betrag gezahlt werden. Hierdurch hocherfreut, zahlten die Leute sofort. Dann hörte man von dem„Herrn“ nichts mehr. Jetzt kommt aus Hameln die Mitteilung, daß man einen Reisenden namens Sch. aus Bielefeld bei einem Autodiebstahlsversuch festgenommen habe. Es hat sich herausgestellt, daß es der erwähnte Schwindler ist. ! Euskirchen. Eine Frau an Alkoholvergiftung gestorben. Im Hofe einer Wirtschaft in Eschweiler fand man eine Frau total betrunken auf und brachte sie zur Polizeiwache. Nach kurzer Zeit ist die Betrunkene gestorben, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Der hinzugerufene Arzt stellte Tod durch Alkoholvergiftung fest. h Iburg. Durch scheuende Pferde verunglückt. Ein Gehilfe des Landwirts Röckener war im Begriff, die Pferde auszuspannen. Plötzlich scheuten die Pferde und gingen durch. Der Knecht geriet dabei zwischen Wagen und einen Baum und zog sich erhebliche Quetschungen zu, die eine Ueberführung ins Krankenhaus erforderlich machten. 1 Blomberg i. L. Beide Augen verbrannt. Der Geselle eines Bäckermeisters aus Schwalenberg wollte eine Gesellschaft photographieren. Als das Blitzlichtpulver sich in der vorgeschriebenen Zeit nicht entzündete, wollte er nachsehen. In diesem Augenblick flammte es auf und verbrannte dem jungen Manne beide Augen. Man zweifelt daran, daß der Verunglückte jemals wieder sehen wird. ! Sögel. Schweres Gewitter. Ueber dem Hümmling zog in den späten Nachmittagsstunden ein schweres Gewitter von Süden her auf, das z. B in Haselünne etwa eineinhalb Stunden anhielt und in Herzlake einen wolkenbruchartigen Regen hervorrief. Ein Blitz traf das Haus des Gutsbesitzers Hemmen in Sögel, ohne jedoch zu zünden. Vom Schornstein wurden einige Steine fortgeschleudert und aus dem Rauchfang eine Eisenplatte gerissen. Ein weiterer Blitzstrahl schlug in das Wohnhaus des Bauunternehmers Göddicken in Werlte, zündete und legte in kurzer Zeit das Gebäude in Asche. Da das Gebäude sofort in hellen Flammen stand, konnte außer dem Vieh nichts gerettet werden. Der Besitzer selbst wäre um ein Haar vom Blitz getroffen worden, wenn er nicht kurz vor dem Einschlag auf Bitten der Gattin den Platz unter dem Schornstein verlassen hätte. Aufgabe für den fünften Tag der Feuerschutzwoche Ueberprüft alle Gasleitungen, Gaskocher, Gashähne, Apparate usw. in Eurem Betrieb und in Eurem Haushalt. Wo Gasschläuche vorhanden sind, seht nach, daß sie nicht rissig gesprungen oder zerlöchert sind. Wenn Ihr irgendwo einen Schaden endeckt, dürst Ihr nicht selbst„ausbessern", basteln und flicken. Ihr müßt sofort einen Fachmann zuziehen und den Schaden reparieren lassen. Die zuständigen Gaswerke stehen mit Rat und Tat gern zur Verfügung. Sind Benzin, Petroleum und sonstige feuergefährliche, leicht brennbare Stoffe richtig aufbewahrt, die Behälter mit den nötigen Aufschriften versehen? Warnung vor Verwendung von offenem Licht. Zehn Gebote für den Muttertag 1. Nimm der Mutter am Sonntag alle Arbeit ab, damit sie einen Feiertag hat. 2. Stelle früh leuchtende Blumen auf den Tisch. 3. Schicke ihr, wenn du fern von ihr weilst, ein Zeichen des Gedenkens. 4. Gehe zum Friedhof, wenn dort deine Mutter liegt, und schmücke das Grab mit den Blüten des Frühlings. 5. Horche um in der Nachbarschaft, wo eine Mutter Not und Sorgen leidet, besuche sie und hilf ihr. 6. Weißt du deine Mutter im Krankenhause, im Siechenhaus, suche sie auf und mache ihr eine kleine Freude. 7. Sprich auch mit deinen Freunden darüber, wie ihr die Mutter am besten ehren und erfreuen könnt. 8. Sei auch im öffentlichen Leben gegen jede Frau höflich und hilfsbereit— als ob sie deine Mutter wäre. 9. Wirb jetzt am Muttertage selbst für den Gedanken und setze ihn in die Tat um. 10. Nimm dir fest vor, deine Mutter und alle deutschen Mütter auch in Zukunft stets zu achten, zu ehren und zu unterstützen, immer und alle Tage— wie am Muttertage. Sorge dafür, daß auch andere es tun. Dann wird der Muttertag ein Segen für das deutsche Volk werden! zeichnete den Kleintiermarkt. Daneven waren Eierhändler und Butterverkäufer in großer Zahl vertreten. Erstere gaben frische Trinkeier nach wie vor zu 10 J je Stück ab, während Molkereibutter zu 1,50—1,60 M abgesetzt wurde. Der Blumenmarkt prangte in den schönsten Farben. Goldlack, Tulpen, Veilchen, Stiefmütterchen und die verschiedenartigsten Topfblumen, sowie Sämereien wurden gern gekauft. Am Fleisch= und Wurstmarkt war die Nachfrage verhältnismäßig lebhaft. Rindsleisch notierte mit 1 M, Schweinefleisch mit 1,30—1,40 M, Kalbfleisch mit 1,10— 1,30 M, Wurst, bessere Sorte, mit 1,50—2,60 M, Speck mit 1,40—1,50 M. — Dortmunder Zucht= und Faselviehmarkt vom 30. April. Auftrieb: 866 Stück Großvieh, 16 Kälber, 215 Schweine. Der Handel war langsam. Es kosteten Kühe 300—640 M, Rinder 250—500 M. Beste Tiere wurden über Notiz bezahlt. Sämtliches zum Markt aufgetrieben gewesenes Großvieh ist gegen Maul= und Klauenseuche geimpft worden. Am Schweinemarkt war der Handel langsam. Es kosteten Ferkel im Alter von 6 bis 8 Wochen 30—40 M, von 8 bis 10 Wochen 40—50 M, von 10 bis 12 Wochen 50—65 A. Der nächste Markt findet am 7. Mai statt. Was hören wir im Rundfunk? Freitag, den 2. Mai 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Wettervorhersage. 07,05: Morgenkonzert. 07,30: Brunnenkonzert aus Bad Oeynhausen. 10,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstände. 11,30: Schulfunk. 12,10: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdien“ 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Funkwerbung. 15,00: Kinderspielstunde. 15,30: Wirtschaftsfunk. 16,05:„Familie und Steuerrecht". 16,25: Feuerschutzwoche. 16,50: Jugendsunk. 17,30: Kammermusik. 18,30: Der westdeutsche Wirtschaftsraum. 18,50: Vom Tage. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Englische Unterhaltung. 19,40: Technik für Alle. 20,00: Franz=Baumann=Abend. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Konzert. Börsen und Märkte — Dortm. Wochenmarkt. Der Monatsletzte ist immer ein untrügliches Zeichen der schwächeren Kaufkraft des Publikums, die sich auch auf dem gestrigen Wochenmarkt mehr oder weniger deutlich auswirkte. Immerhin hatten die Händler erhebliche Vorräte aufgeboten, die den Besuchern eine leichte Auswahl ermöglichten. An Gemüse wurde vor allem Stielmus(je Bund 15..), Kopfsalat zu 15 J, Spinat zu 15 J., Blumenkohl zu 60 J. Porree zu 15§. und Wurzeln 2 Psund zu 25§ feigehalten. Frischer Spargel war diesmal zu bedeutend ermäßigten Preisen erhältlich, und zwar zu 1 M. Die Obstverkäufer erfreuten sich eines lebhaften Umsatzes in Apfelsinen zu 7 Stück für 50 J, Bananen zu 50—55 J, Zitronen zu 5 J je Stück und Aepfel zu 50—60 H. Am Fischmarkt wur der Bedarf nicht so umfangreich wie in der vergangenen Woche. Starkes Angebot an Küken, Hühnern, Tauben und geschlachtetem Geflügel kennGeschäftliches Im Kampf gegen die Schlange Schmutz braucht die Hausfrau Helfer. 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Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Sesstössel 6 aus 10tirER St unze ubusts wassen Manche, freie Stunde verschafft Ihnen O! Wenn Sie O zum Geschirrspülen, zum Aufwaschen und Reinigen nehmen, haben Sie es viel leichter und sind viel schneller fertig, o rückt aller Schmutz und Fett energisch zu Leibe. Messer, Gabeln und Löffel, Teller und Schüsseln, Töpfe und Pfannen, kurz alles Geschirr säubert C im Augenblick. Auchbeim Putzen von Steinfliesen, Wandsockeln, Badewannen und Spülbecken bewährt sich O vortrefflich. Ospart Ihnen soviel Mühe und Arbeit, daß es rückständig wäre, es nicht zu benutzen. Es kostef doch nur 25 Pfennige und ist außerordentlich ergiebig. KA EH Ro! Kriegerverein zu Schwerte e. B Die 1701 Mai-Versammlung findet nicht am 3., sondern am 10. M.! statt. Der Vorstand. Mchterseiste) Schüler(innen) aller Schulen, können Zeitverlust einholen. Individueller Un erricht, kleine Klassen. Paedagoglum Privatschule Schülerheim Ssen Kohschtshrest.) Schwache Nerven sind die Grundursachen der meisten Krankheiten. Bei Blutarmut, Herzklopfen, Schwächezuständen aller Art. Zittern, Appetitlosigkeit, nervösen Magenbeschwerden soll man Doppelherz, das anerkannte Nervenkräftigungsmittel nehmen. Doppelherz-Dragees M. 1.50 Drogerie W. Heppe& Co., Ostenstr. 3, Ecke Friedrichstraße, Drogerie M. Mehlhose, Postplatz u. Hörderstraße 2, Westhofen: Drogerle W. Engels, Hörde: Drogerie F. Wallrabe, Drogerle J. Schenuit, Weingartenstraße 2, HospitalDrogerie W. Roos. in axees puc Uhsworst zi Gillicun bei 433 MARX Schwerte, Brückstraße Guterhaltene 169: Flur=Garderobe u. Kinderwagen billig zu verkaufen. Näheres in der Gesch. Nehme noch einige Rinder 166 auf gute Weide an, daselbst 20 bis 30 Str. gutes Wiesenheu z. verk. Wo, sagt die Geschäftsst. Eleg. möblierte Wohn= und Schlafzimmer evtl. auch einzeln, an bess. Dame oder Herrn sofort zu vermieten. 1696 Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung. Gasherer Albers u. 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Der arme verblendete Narr, der das liebenswerteste Mädchen zurückläßt, um seiner Narrenliebe bis tief nach Rußland hinein zu folgen und der das Weib, das er sucht, als Sterbende findet! Zwei Narren: Peter Voßberg. ein Narr der Liebe, und Katja, ein engelsgutes Mädchen, das rettungslos in Peter vernarrt ist. Ein Roman, so packend und ergreifend, so rührend und eindringlich, daß man ihn nie wiedervergessen kann. Der Roman erscheint ab morgen in unserer Zeitung IIDSSE! 9 Eröffne mit dem heuti-= gen Tage(1. Mai) mein Bedachungsgeschäft= im Hause des Herrn Degwer, Hagenerstr. 18. Halte mich bestens empfohlen auch für Arbeiten= außerhalb Schwerte, zu annehmbaren Preisen.= Heinrich Kassel! s Lest Bücher! Wissen ist Macht! Besichtigt die Buchhandl. C. Braus, Bahnhofstr.! Balletmeisterin HANNAH SPOHR fanzt mit 25 Damen Ihres Ballets am 3. Mai iimn Freischütz Telmimmel 7076 Wir machen hierdurch bekannt, daß ab 1. April 1930 uns das Gesellen=Prüfungsrecht für das Maurer=, Zimmerer=, Klempner= und Schmiedehandwerk verliehen ist. Gesuche um Zulassung zur Gesellenprüfung sind zu richten an den Vorsitzenden des Prüfungs=Ausschusses Herrn Wilhelm Scherff jr., Moltkestraße Nr. 10. Fernerhin fordern wir unsere Mitglieder auf, die Eintragungen der Lehrlinge in die Stammrolle baldigst ebenfalls bei Herrn Scherff vornehmen zu lassen. 1698 Allgemeine Freie Innung Schwerte=Westhofen. 4Technikum Lemgo I. Maschinen-, Auto-, Brückenbau- Elektrotechnik- Betriebs##echnik- Hochbsu-Tietbeu- Eisenbetonbau- Archlitektur unde un ahging 1e Barge Sterbewäsche, Decken, Kissen usv. in reicher Auswahl. Ueberführung per Bahn oder Auto. Schwerter Beerdigungs-Institut Aug. Müller, Haselackstr. 3, Ruf 2281. Erna Schäfer Schwerte Bahnhofstraße 1 Schlüpfer Unterröcke Maco und Seide größte Auswahl billigste Preise Nr. 101(Zweites Blatt) „Schwerter Henunp Donnerstag, 1. Mai 1930 Ven Bemen und Sraußen Berlin, April(Mai=Wende 1930. Der Kaiser Vespasian hätte auch durch anderes populär bleiben können. Zum Beispiel als Feldherr. Oder als Verbesserer der tief gesunkenen Sitten. Oder— welcher Ruhm gerade in unserer Zeit!— als Erbauer des Friedenstempels auf dem Forum, der, wie man sich überzeugen kann, das Schicksal aller„Friedenstempel“ gehabt hat. Aber nein— populär geblieben ist er bei den„Gebüldeten" durch ein einziges Wort. Durch eine witzige Antwort, die er seinem Sohn Titus gab. Der hatte kronprinzlichen Anstoß genommen an der vom kaiserlichen Vater auf Roms Bedürfnisanstalten gelegten Steuer. Da hielt ihm der Kaiser Vespasian lachend ein paar der eingenommenen Münzen unter die kronprinzliche Römernase und sagte: „Non olet!“(Das Geld riecht nicht). Seit der Zeit ist der kaiserliche Satz das fröhliche Glaubensbeknntnis aller geworden, die flink und pfiffig Geschäfte machen wie— nun, wie zum Beispiel der Verkauf von Düppel oder die mit Herrn Barmat oder mit den Gebrüdern Sklarek getätigten Geschäfte... Jetzt aber gehen dunkle oder besser fettige oder ölige Gerüchte, daß man — d. h. daß der große Handelsmann im Westen über dem großen Tisch— heimlich bestrebt sei, die Lüneburger Heide so weit wie möglich an sich zu bringen, um dort unter Findlingssteinen und Wachholderbüschen nach Oel zu bohren! Nach Petroleum. Ob's wahr ist? Und dann — was kann man— was kann ich schon machen segen das Kapital drüben—? Nun ward zu meinem Leide Entdeckt und aufgetan Die Lüneburger Heide Vom Bruder Jonathan. Und wo erst dieser Brave Die Eisentürme baut, Da weiden keine Schafe, Da blüht kein Heidekraut. Da weisen die Maschinen Weit Hirt und Herde aus; Da bringen fleiß'ge Bienen Nicht Honig mehr nach Haus. Da dröhnt bald hart der Hammer. Es wird bei Sonn' und Mond Des Hünengrabes Kummer Vom Bohrer nicht geschont. Und wo der deutsche Waller Durch Herbst und Heide fuhr, Dort zwischen Elb’ und Aller Herrscht bald der Dollar nur. Herrscht, das zur Wüste werde Der Hügel wie das Tal, Und holt aus deutscher Erde Sich fremdes Kapital. Der gold'ne Fluß der Oele Dem fremden Volke zinst; Daß feucht und fettig blinke Der Rest des Wiesenplans Und doch zum Himmel Die Münze Vespasians! Und wird erst die deutsche Lüneburger Heide dem Oel=Mexiko da drüben gleichgemacht, so ist wieder mal ein Stück deutscher Poesie gestorben und lebt nur noch in Märchen und Heideliedern fort.— In diesen Tagen jährt sich's übrigens zum 125. Male, daß die deutsche Poesie einen ihrer allerschwersten Verluste, das deutsche Drama aber seinen größten erlitten hat. Auf dem schlichten Schreibtisch des plötzlich— im Theater— wieder schwer Erkrankten lagen noch die Verse des Monologs der Marfa— die letzten Zeilen, die der große Dichter schrieb. Klarheit des Philosophen, der soeben noch ruhig den Schluß zog:„Der Tod kann kein Uebel sein — Weil er ein Allgemeines ist—“ wechselte zwischen Schüttelfrösten mit den Phantasien des Fiebernden:„Ist das eure Hölle— Ist das euer Himmel!?“ Und dann— prophetisch wie eine seiner größten Figuren, der Wallenstein, die klaren Worte zu der abschiednehmenden Freundin:„Ich denke, diese Nacht gut zu schlafen, wenn es Gottes Wille ist.— Am Morgen eines klaren Maitages, draußen schluchzten die Nachtigallen, trat die Bewußtlosigkeit ein. Sein letzter Trunk war ein vom Arzt verordnetes Glas Champagner. Gegen abend starb Friedrich Schiller, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben... Dumme Jungen und aufgeblähte Nichtskönner, unterstützt von Kaffeehaus=Literaten, denen kein kultivierter Vierzeiler gelingt und die nur kampfkraft„literarisch“ werden, wenn sie ihr Neidgift auf das Können und den Fleiß— Genie ist Fleiß, hat Goethe gesagt— der andern speien können, haben immer wieder einmal versucht, Schiller als Dramatiker zu verkleinern, als Pathetiker zu verspotten. Aber— Schiller lebt und wird leben! Seine kleine Karoline, des Dichters Töchterchen, hat am Tag nach des Vaters Begräbnis ein „Schloß“ in den Wolken gesehen und gejubelt: „Das ist das Haus vom lieben Gott! Und der Papa wohnt jetzt mit darin!"— Im Ruhmestempel der Deutschen wird er wohnen— der große Vater der kleinen Karoline, so lange das deutsche Wort klingt und die deutsche Seele lebt... Nach einer ernsten Verbeugung in der Richtung der Weimarer Fürstengruft, wieder vom Tode zum Leben zu finden— wo ist der mutige Balladendichter, der noch große Stoffe zu großer Behandlung sucht? Ich könnte ihm jetzt einen empfehlen. Da kam just von Amerika herüber, von New York, ein italienischer Dampfer„Saturnia". Fast zwölfhundert Griechen hatte das Schiff an Bord. Lauter Männer. Lauter Junggesellen, die da drüben im Wunderlande Brot und Verdienst haben, im Dollarlande haben, im Dollarlande. Und die jetzt nur vorübergehend mit Rückfahrkarten in die alte Heimat nach Hellas fahren, um— sich griechische Frauen zu holen. „Saturnia' teilt die Wellen Der endlosen Wasserbahn, Zwölfhundert Junggesellen Durchqueren den Ozean. Jünglinge mit heißem Sehnen Verlassen die United States, Eintausend zwölfhundert Hellenen—— Zur alten Heimat geht's! Und wo auf den Uferklippen Verfallen ein Tempel steht, Da bilden der Fahrenden Lippen Ganz heimlich dies Gebet: „Schaumgebor'ne Aphrodite, Göttin, so die Herzen paart, Ach, vor der der Ahnherr kniete, Segne unsre kühne Fahrt!“ Die durch die Wellen treiben Im Golf von Salamis, Die müssen sich beeilen Des Schicksals ungewiß. Der Väter Brauch zu üben, Drängt sie's gen Attika, Weil, ach, kein„Girl“ da drüben Ihr Aug' mit Freude sah. Nur ihrer Heimat Frauen Führten sie gern davon Und grüßen voll Vertrauen Am Berg das Parthenon: „Heilige Pallas, Unvermählte, Die aus Jovis Schädel trat, Schaff's daß unser Herze wählte Klug und gut nach deinem Rat!“ Und stellt dem frommen Glauben Sich nicht Erfüllung ein, Kurz wird in Sommerlauben Ein Glück zu finden sein. Der Mensch wird so bescheiden In Kampf und Erdenpflicht, Und gleich für„Ewigkeiten“ Braucht er die Liebe nicht. Schon dankbar für die Spende Auch flücht'gen Rausch=Gebräus, Erheben sie die Hände Zum großen Vater Zeus: „Scheint die Ehe dir zu teuer, Und der Goldreif' schwere Last, Schenk' uns flücht'ges Abenteuer, Wie an deines Herzens Feuer Dues oft entzündet hast!" Diogenes Senfattonen um Lord Kudsener Der Stich eines schwedischen Publizisten ins Wespennest englischer Kriegspropaganda.— Lioyd Georges greift ein.— Ein unterdrückter literarischer Skandal in London. Von Dr. Fr. Meltzer, Stockholm. senhysterie greift um sich und steigert sich, bis „Auf dem Kampfplatz des internationalen Wettbewerbs und Konfliktes haben die Menschen die Vaterlandsliebe als unerläßliche Tugend der Staatsmänner über die Wahrheitsliebe gestellt." Dieses bittere Bekenntnis Stanley Baldwins drückt nur zu gut den im Kriege konsequent vertretenen Standpunkt Englands aus:„Wrong or right— my country!“ Wir wissen heute, wie gerade die angelsächsische Welt systematisch in einen Zustand hemmungsloser Kriegspsyche versetzt worden war, die an Umfang und Hartnäckigkeit kaum ihresgleichen in der Weltgeschichte findet. Arthur Ponsonby Mitglied des Unterhauses, hat in seinem sehr lesenswerten Buche„Lügen in Kriegszeiten“— dessen deutsche Uebersetzung uns jetzt vorliegt(Verlag von Georg Stilke, Berlin, 1930)— versucht, eine Sammlung von Lügen, die während des Weltkrieges bei allen Völkern im Umlauf waren, kritisch zu werten und zu analysieren. Ponsonly ist nicht davor zurückgeschreckt, Old=Englands eigene „Kriegspropaganda“ scharf unter die Lupe zu nehmen, wenngleich er sich auch bemüht hat, diese aus den sie umgebenden Zwangsläufigkeiten psychologisch zu erklären. „Der Gebrauch der Lügenwaffe“, schreibt er u. a.,„ist in einem Lande, wo keine Wehrpflicht besteht, notwendiger als in Ländern, wo die Männer der Nation automatisch zum Heere, zur Marine oder zum Luftdienst eingezogen werden. Die Gefühle des Volkes können durch Scheinideale erregt werden. Eine Art Masschließlich auch nüchterne Leute und angesehene Zeitungen von ihr erfaßt werden.“ Man muß diese englische Mentalität verstehen, um ermessen zu können, wie peinlich das Foreign Office von gewissen Enthüllungen berührt werden mußte, die kürzlich ein schwedischer Publizist im Dienste der Wahrheit in London vorzunehmen versuchte. Die englische Presse erwies sich dabei als ebenso schweigsam wie wohl diszipliniert, und wenn sich nicht der Verfasser selbst im„neutralen" Auslande zur Sache geäußert haben würde, wäre wohl kaum etwas über diese merkwürdige Angelegenheit an die Oeffentlichkeit gelangt. Der Tatbestand war folgender: Unter dem Titel„Personalities and Powers“ tauchte vor nicht langer Zeit das Werk eines schwedischen Historikers namens Dr. Knut Hagberg im Londoner Buchhandel auf. Die Allgemeinheit hätte sicherlich nicht viel Notiz von dieser Neuerscheinung genommen, wenn das Buch nicht, wie einige Nachfragen ergaben, ebenso plötzlich aus den Fenstern der shops verschwunden wäre, wie es dort erschienen war. Der Verlag hatte unverzüglich die gesamte Auflage von den Buchhandlungen zurückgefordert und die Tagespresse dringend gebeten, vorläufig von einer Besprechung des Buches Abstand zu nehmen. Was veranlaßte dieses seltsame Vorgehen des britischen Verlages? Wenn man dem Verfasser, der den Ruf einer seriösen PersönlichDr. Hella Welling auf der Anklagebank Meun ur Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S.). 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Leise stöhnte sie auf. Als habe sie den Seufzer vernommen, wandte sich Hella Welling erschrocken um, eilte zu der Freundin, neben der ihr Gatte stand. „Wasser!" stieß Hanny mit zuckenden Lippen hervor. Wend Malward holte schnell ein Glas Wasser. „Laß mich allein!“ Das klang wie ein Befehl. „Verzeih! Ich will dir alles erklären, wenn es dir wieder besser geht. Jetzt gehe ich. Doch vergiß nicht, wenn du mich rufst, bin ich bei dir!“ * Schwere Tage. Furchtbar das Abschiednehmen, das kein Wiedersehen kennt. Dabei gab es so viele Dinge zu erledigen, daß die Frauen nicht zur Ruhe kamen. Doktor Lumtowsky hatte seine ärztliche Hilfe angeboten. In der Fremde war Hanny von Malward froh, ein bekanntes Gesicht um sich zu wissen. Auch Hella Welling fühlte eine große Dankbarkeit gegen den Russen, der ihr hilfsbereit viel schwierige Verhandlungen abnahm. Mit Hanny Malward verstand er vorzüglich umzugehen und umsorgte sie mit behutsamer Sorgfalt. Die vollkommene Schlaflosigkeit bezwang er durch Hypnose, später verschrieb er ein Schlafmittel. Malward war bei der Beisetzungsfeierlichkeit zugegen. Trotz des unerwünschten Zwischenfalls mit der Prinzessin hatte er Hoffnung auf Versöhnung. Er nutzte die Zerrissenheit einer weichen Trauerstimmung, zu seinen Gunsten aus, warb um die Verlorene, zärtlicher, inniger fast wie einst als Bräutigam. Seine Liebe war unaufdringlich und doch überall gegenwärtig. Gegen ihren Willen empfand Hanny Malward sie wohltuend. Durch Doktor Lumtowsky erfuhr Hella Welling, daß die Prinzessin Chutteryee Capri noch am Tage der Ankunft verlassen hatte. Hella fürchtete, daß Hanny sich in ihrer augenblicklichen Stimmung von ihrem Gatten wieder betören ließe. Sie durchschaute sein Spiel und glaubte nicht einen Augenblick an die Ehrlichkeit seiner Reue. Doch fühlte sie sich nicht berechtigt, die Freundin auf die Gefahr abermaliger Täuschung aufmerksam zu machen. Hanny war durch die Erfahrungen in ihrer Ehe genügend gewarnt worden. Nach der Beisetzung. Hanny gab ihre Zustimmung zu einer Aussprache mit ihrem Gatten, was sie bisher vermieden hatte. Nie war sie weicher, versöhnungsbereiter gewesen als jetzt. Malward nutzte ihre Schwäche geschickt aus. Er gab sein Unrecht zu, beschönigte nichts, nur wehrte er sich gegen die Beschuldigung des Falschspiels. „Ich bin leichtsinnig, aber nicht schlecht!“ sagte er. Seine Worte umgarnten sie; noch war ein letztes Zögern in ihr, ein leises Mißtrauen, das sie warnte. Malward aber war voller Hoffnung. Siegesgewiß verließ er sie, überzeugt, daß Hanny wieder zu ihm zurückkehren werde. Er hatte sie überzeugt, daß er mit der Prinzessin Award Hera keine nähere Gemeinschaft und niemals daran gedacht habe, sie zu heiraten; sie aber liebte ihn und wollte ihn sich erobern. * Gab es einen Zufall? Als Wend Malward in der Gewißheit kommenden Sieges seine Frau verlassen hatte, saß diese nachdenklich grübelnd im Sessel. Auf dem Boden vor ihr lag ein weißes Briefblatt. Mechanisch bückte sie sich, hob es auf, öffnete es in der Annahme, eines der vielen Kondolenzschreiben in der Hand zu haben, die sie noch nicht gelesen hatte. Mit ihren Gedanken bei der verflossenen Unterredung, las sie: „Heißgeliebter!“ Ein schwüles Liebesgeständnis— der Name Wend... Der Brief war an ihren Gatten gerichtet. In raschem Entschluß wollte sie nicht weiter lesen, den Bogen in den Umschlag zurückschieben. Sie zögerte, überlegte. Die Gewißheit kam ihr, daß sie ihn lesen müßte. Vielleicht barg der Brief die Lösung von Zweifeln oder Rettung vor Schlimmerem, als sie erlebt hatte. Sie brauchte Klarheit. Da begann sie entschlossen zu lesen, sorgsam, Wort für Wort. Furchtbares stand für sie darin. Wend hatte sie verraten; er stand in engstem Einvernehmen mit der Prinzessin Award Hera. Sie war mit seinen Plänen in jeder Hinsicht einverstanden. „Heirate sie, stelle die Ehe wieder her, sorge dafür, daß Du das Werk in die Hände bekommst, und dann... wollen wir weiter sehen.“ Mit Beteuerungen ihrer Liebe schloß der Brief der Prinzessin Chutteryee. Bitter lachte Hanny Marward auf, erkannte die Rolle, die sie spielen sollte. Um das Geld, um das Werk. Und dann... Ein eisiger Schauer durchrann sie, wie eine Ahnung kommenden Unheils; dies war dann wie unentrinnbares Schicksal. Lange saß sie allein, langsam löschte sie die letzten Funken der verzuckenden Glut ihrer Liebe Es tat weh, sehr weh. Als das Schwerste überstanden war, weckte sie ihren Willen zu neuer Tat. Sie mußte ein neues Lebensziel haben, ein Leben der Arbeit und Pflicht. Neben ihr stand ja Hella Welling. die Freundin; die würde ihr helfen. Ein harter Zug trat in ihr Gesicht. Verächtlich faltete sie das Briefblatt zusammen, schob es in den Umschlag, ging zum Schreibtisch, suchte ein größeres Kuvert und legte das Schreiben hinein. Mit fester Hand schrieb sie die Adresse ihres Gatten darauf, schloß dann den Umschlag, ohne ein Wort hinzuzufügen. Als hätte sie eine schwere Arbeit beendet, überkam sie eine furchtbare Abspannung. Schwerfällig erhob sie sich, klingelte. Das kleine schwarzhaarige und schwarzäugige Zimmermädchen, Marietta, erschien. „Der Brief muß sofort besorgt werden, sofort, durch Boten!" Dann brach sie zusammen. Entsetzt schrie die Kleine auf, holte Frau Doktor Welling zu Hilfe. Doktor Lumtowsky stand ihr wieder getreulich zur Seite. Gemeinsam durchlebten sie angstvolle Stunden. „Was ist vorgefallen?“ Sie wußten es beide nicht, wenn auch die kleine Marietta von dem Briefe an den Baron gesprochen hatte, der sofort besorgt worden war. „Eine plötzliche seelische Erschütterung.“ „Wenn ich nur wüßte, was geschehen ist?“ Doch sie erfuhr nichts; auch Hanny schwieg darüber, als sie wieder bei Bewußtsein war. Doch das Quälende war beierkbar. Sie war voller Unruhe, und Lumtowsky mußte abermals zur Hypnose schreiten, um sie zu beruhigen. Am folgenden Tage verschrieb er ihr ein Schlafmittel., g7.. a. Werktes gin„Ein Produkt der Lisenins=Wln, erinnerte er Hello. 946 f4 82 g „Ja, ein sehr gutes sogar, das ich burch Entgiftung des Morphiums unschädlich zu machen Lebhaft interessiert ließ sich der Russe Hellas Versuche durch veränderte Dosierung und Zusatz ihres I.=O.=Giftes, das das Morphium auflöste, ohne die Wirkung zu beeinträchtigen, erklären. Fortsetzung folgt. 1 keit genießt, Glauden schenken will, so enthält sein Buch nichts als den Niederschlag sorgfältig gesammelter und verarbeiteter hist. Wahrheiten. Nach englischer Auffassung brachte es jedoch angeblich ehrenkränkende Einzelheiten über die Vorgeschichte der merkwürdigen Todesfahrt Lord Kitcheners. Die Reklamation des Verlages erfolgte sogar auf ausdrücklichem Wunsch Lloyd Georges, der die entsprechenden Abschnitte im Hagberg'schen Buche persönlich gelesen und als anstößig bezeichnet hatte. Und das Auswärtige Amt scheint diese„Anregung“ des ehemaligen Premiers gutgeheißen zu haben. Der Verfasser,— Dr. Knut Hagberg wohnt in Malmö— wurde daraushin von einer großen sk..ndinavischen Zeitung um seine Meinung befragt und äußerte sich darüber sehr freimütig. Er habe im Kapitel über Lord Kitchener mit größtmöglicher Sachlichkeit zu den verschiedenen, sich widersprechenden Gerüchten Stellung genommen, die sich an das tragische Ende des Lord und die Vorgeschichte dieses reichlich mysteriösenn Ereignisses knüpften. Hagebergs Kronzeuge ist der inzwischen verstrobene amerikanische Botschafter in London, Walter Page. Page hatte, wie die Ausführungen des Verfassers besagen, bei seinem Tode eine Reihe von Aufzeichnungen und Dokumenten hinterlassen, die in Amerika nur in einem beschränkten wissenschaftlichen Kreise zur Veröffentlichung gelangten. Aus diesem Nachlaß ergab sich nun ein Charakterbild Lord Kitcheners und seiner staatsmännischen Rolle während der Kriegsjahre, das ganz erheblich von dem in der angelsächsischen Welt verbreiteten abwich. Hier ist der Lord nicht jener stolze Kriegsheld, der in so tragischer Weise sein Leben auf dem Altar des Vaterlandes opferte, sondern ein armseliger Propanz, nützlich für die Propagandazwecke der englischen Regierung am Weltkriege, aber unangenehm und lästig, sobald er mehr sein wollte als eine geschickt in Szene gesetzte Schachfigur brit'scher Geheimdiplomatie. Beim Trauergottesdienst zu Ehren des ertrunkenen Lords wußten alle Eingeweihten, heißt es in den Aufzeichnungen von Page, daß wenn der Sensenmann Lord Kitchener nicht von seinem Kriegsministersessel heruntergerissen hätte, Lloyd George dies unverzüglich getan haben würde. Im Namen britischer Wohlanständigkeit verkniff man sich natürlich in London diese Nachrede auf einen„Helden", was aber nicht hinderte, daß dem hellhörigen Page„unter Diskretion" die tollsten Gerüchte zu Ohren kamen. Die Kunde von dem Lloyd George so sehr belastenden Nachlaß Pages gelangte bald darauf auch über den großen Teich nach England und begegnete drot, wie nicht anders zu erwarten war, eisigem Stillschweigen. Aber der„Fall Kitchener" selbst war nicht mehr aus dem Bereich historischer Forschungen herauszulösen. „Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.“ Es ist ein weiter Weg von den Lobesbezeugungen des„Kriegspremiers" Lloyd George, die er dem„toten Helden“ zollte, bis zu dem unerhörten Vorwurf, der gegen diesen Premier erhoben wurde und der nicht weniger besagt, als Lloyd George habe die gewaltsame Beseitigung Kitcheners kaltblütig vorbereitet. Dieses Gestrüpp menschlicher Irrungen und Wirrungen in seiner ganzen Verästelung leidenschaftlos aufgedeckt zu haben, ist das Verdienst Hagbergs, daß er dabei in England Anstoß erregen mußte, menschlich begreiflich. Wie verlautet, plant der Verfasser im Einvernehmen mit seinem englischen Verlage eine revidierte Neuausgabe seines Werkes, die dann vielleicht eine günstigere Aufnahme bei einigen englischen Staatsmännern finden wird als die jüngst erschienene. „Wir vermengten unsere Lügen stets mit rechtschaffener Entrüstung und hoher Sittlichkeit und versuchten, sie so staatsmännisch und so edel wie möglich zu gestalten“, bekennt Ponsonby von seinen Landsleuten. Der„Fall Kitchener“ ist ein Musterbeispiel dafür Wonnemonat Mai Schwerte, den 1. Mai 1930. * Der Wonnemonat Mai tritt jetzt seine Herrschaft an. Vielbesungen und von Poesie durchweht, mit der bevorzugten Liebe der Menschenkinder bedacht, ist uns der Mai eine wonnige Zeit, ein einziger großer lieber Frühlingstraum mit Blüten, Blumen und blauen Himmeln, mit Sang und Klang und neu aufgesproßter Liebe. Keine Zeit des Jahres hat sich so die Herzen zu erobern verstanden wie die Maienzeit, in der das Leben köstlich bezaubernd einherrauscht in Sonne und Helle, in der die Natur ihr prächtiges Sommergewand allgemach anlegt, so daß die Reiselust und Fernsehnsucht unbezähmbar erwachen und uns verlocken, in die grünende herrliche Weite zu schweifen und zu wandern. Da begleitet frohes Vogelgezwitscher und silbernes Lachen den munteren Wanderer, da reisen am hohen Himmel die Wölklein alle mit, und Lerchensang und Lieder schwingen in den milden Lüften, ist doch die ganze Welt wie ein Lied geworden, wie ein einziger schöner melodischer Sang vom Leben. Nun, Herz, tu dich auf: wenn der Mai an der Schwelle steht, wenn's Mailüfterl weht, da sei mit den Jungen jung, lausche dem Kinderreigen auf blumengeschmückter Au, dem RingelRingel=Reihe um den blühenden Apfelbaum, lausche dem Gezwitscher der ersten Schwalben um des Hauses First, höre im Wind das Raunen des grünenden Hains, spüre im Sonnenschein die Güte Gottes und glaube, das Angesicht ins leuchtende Frühlingsabendrot gewendet, an die Schönheit, die nie stirbt und ewig, ewig neu ist! Mit Freude sehen wir den kommenden Tagen entgegen. Hat uns schon der April für seine paar launigen, unsreundlichen Tage reichlich durch ein lenzliches Gesicht entschädigt und uns zuguterletzt sommerliche Milde und strahlende Tage beschert, so wird der Mai, der erklärte Wonnemonat, sicher diesen Frühlingstraum um uns fortsetzen und vollenden. Das Erwachen der Natur wird er mit Anmut und Milde krönen. So wenigstens glauben wir; immerhin vergessen wir nicht, daß nach alter Bauernregel erst in der Mitte Mai der Winter vorbei ist, daß auch der Wonnemonat Mai oft enttäuscht hat und regnerisch war, außerdem recht kühl zur Zeit der Eismänner Pankratius, Servatius und Bonifatius. Aber wir sind heute, wo die Erde uns ihre Frühlingswonne entgegenlacht, keine Pessimisten. Wir glauben an die Schönheit des kommenden Wonnemonats, der zudem für viele noch besondere Gaben hat; so den Maiwein, den Maibock, was ein besonders guter Tropfen für durstige Kehlen ist, die Maikuren und Maiwanderungen und tausend andere Dinge. Jetzt hebt langsam die Reisezeit an, gewaltig zieht es uns in die prangende Gotteswelt a. Gedentigge 1 Mai: 1218 Rudolf von Habsburg auf Schloß Limburg geboren(gestorben 1291)— 1821 Der Forschungsreisende Karl Ritter von Scherzer in Wien geboren(gestorben 1903)— 1862 Der Schriftsteller Marcel Prevost in Paris geboren— 1872 Gründung der Universität Straßburg— 1873 Der Reisende David Livingstone am Bangweolosee gestorben(geboren 1813). : Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 30. April 1930. Das Tiefdruckgebiet über Frankreich hat sich seit gestern verflacht, während sich das Hochdruckgebiet über dem Nordmeer wieder etwas südwärts ausgebreitet hat. In Mitteleuropa ist daher der Luftdruck überall gestiegen. Heute früh war es in Deutschland teils heiter, teils wolkig und in Schlesien regnerisch. Die heutigen Morgentemperaturen lagen allgemein niedriger als an den vorhergegangenen Tagen und betrugen 3 bis 11 Grad. Der Kahle Asten hatte frischen Nordostwind, bedeckten Himmel und 0 Grad. Aussichten bis Freitag: Vorwiegend trocken bei wechselnder Bewölkung und nordöstlichen Winden; tagsüber ziemlich warm. . Dienstjubiläum. Am heutigen Tage kann der beim Reichsbahnausbesserungswerk Schwerte beschäftigte Reichsbahnobersekretär Wilhelm Schmalenberg, wohnhaft in Westhofen, auf eine ununterbrochene 40jährige Tätigkeit im Dienste der Reichsbahn zurückblicken. Vielen Bewohnern unserer Stadt ist Schmalenberg von seiner langjährigen Tätigkeit bei der hies. Güterabf. wohl bekannt. Seit 1920 ist Sch. beim hiesigen Reichsbahnausbesserungswerk, das bekanntlich zu den modernsten der Deutschen ReichsbahnGesellschaft zählt, tätig.— Dem Jubilar wurden seitens der Mitarbeiter allerlei Ehrungen zuteil. Werkdirektor Gremler widmete dem Jubilar ehrende Worte der Anerkennung für die der Reichsbahnverwaltung geleisteten treuen Dienste und überrreichte ihm je ein Glückwunschschreiben des Reichspräsidenten, des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn=Gesellschaft und des Präsidenten der Reichsbahndirektion Köln. : Die Allgemeine Freie Iunung SchwerteWesthofen erläßt heute eine Bekanntmachung, wonach ihr ab 1. April 1930 das Gesellen=Prüfungsrecht für das Maurer=, Zimmerer=, Klempner= und Schmiedehandwerk verliehen ist. Alles Nähere besagt das Inserat. Werbewoche für Leibesübungen. Heute abend 8 Uhr findet im Lokale Rost, Hörderstraße, eine Sitzung des Gesamtausschusses für die Werbewoche für Leibesübungen statt. Das Erscheinen aller Ausschußmitglieder ist dringend erforderlich, da wichtige Punkte noch zur Beratung stehen. Jubelfeier des Ruhrtaler Sängervereins. Wir weisen noch einmal auf die Feier des 25jährigen Bestehens des Ruhrtaler Sängervereins am Sonnabend, den 3. Mai und Sonntag, den 4. Mai im„Freischütz“ hin. Beide Tage bedeuten Höhepunkte in der Geschichte des Vereins und werden sicher unvergeßlich sein. Sind doch für die Ausgestaltung des Programms Kräfte gewonnen worden, die dem Feste einen . Klang geben. Die Tanzregisseurin Spohr aus Dortmund hat mit ihrer Tanzgruppe eine Vortragsfolge aufgestellt, mit der sie Hauptversammlung der Deutschen Volkspartei Im Hotel Jungesbluth fand vorgestern abend 8.30 Uhr die Hauptversammlung der Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei für Schwerte und Umgegend statt, die der Vorsitzende Herr Studienrat Dr. Berkenkamps mit begrüßenden Worten eröffnete und dann der Generalsekretärin Frau Käte Rahmlow das Wort gab, die in längeren und interessanten Ausführungen sich über das Thema:„Die Frau und die Politik“ verbreitete. Durch die Revolution hat die Frau das Stimmrecht erhalten; die Partei gewinnt nun an Macht, welche die Frau und die Jugend zu gewinnen sucht. In den letzten zehn Jahren hat die Deutsche Volkspartei 75 blühende Frauenausschüsse gründen dürfen, die Frauenausschüsse im Wahlkreis Westfalen=Süd stehen an der Spitze im Reich. Was wollen wir nun in unseren Frauenorganisationen? Wir wollen keine Ministerposten, keine Mandate, wir wollen vielmehr durch unsere Arbeit die Herzen emvorreißen für vaterländische Politik, für den Dienst am Vaterland. Das Leben in der Partei ist dort lebendiger, wo auch die Frauen mitarbeiten. In unseren 75 Frauenausschüssen sind neunzehntel aller Mitglieder Frauen aus dem werktägigen Volk, Frauen der Bergarbeiter, denen die Erziehung ihrer Kinder am Herzen liegt und die eine religiöse Erziehung ihrer Kinder wollen. Am 17. und 18. Mai versammeln sich die Frauen des Wahlkreisfrauenausschusses Westfalen=Süd auf der Alexanderhöhe in Iserlohn, um politische Aufklärung zu empfangen und sich mit den Dingen zu beschäftigen, die sich um die Begriffe Vaterland und Volk lagern. Nachdem die Rednerin noch über die Arbeit in den Frauenausschüssen gesprochen forderte sie zur Gründung eines Frauenausschusses in Schwerte auf. Unter dem Eindruck der prächtigen Ausführungen wurde dann auch alsbald zur Gründung eines Frauenausschusses für unsere Stadt geschritten. Ein gebildeter Vorstand wird das Weitere veranlassen, und die Frau Generalsekretärin ist bereit, diese neue Frauenorganisation mit Rat und Tat zu unterstützen. Nun wurden zunächst einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt. Um den Beitritt zu der Ortgruppe zu erleichtern, wurde der Jahresveitrag auf nur 2 Mark festgesetzt. Wer die wöchentlich erscheinenden„Westfälischen Politischen Nachrichten" durch den Verein bezieht, zahlt 6 Mark jährlich. In der nächsten Versammlung findet eine Umwahl des Vorstandes statt. In derselben wird ein Abgeordneter sprechen; außerdem werden die Mitglieder aus dem Kreistag und der Stadtverordnetenversammlung Bericht über ihre Tätigkeit erstatten. Dann nahm Generalsekretär Schütz das Wort, um sich über„Wichtige Fragen der Politik“ zu verbreiten. In längerer Rede gab er ein klares Bild über die drängenden politischen Fragen, insbesondere über die Frage der Entlastung von dem Ueberdruck an Steuern, über die Reichs= und Verwaltungsreform und die Erwerbslosenversicherung. Man könne zwar wenig optimistisch in die Zukunft blicken, aber wenn wir an die steigende Weltgeltung denken und an die großen Taten deutschen Geistes und deutschen Fleißes, so hätten wir zwar noch keinen Grund für übergroße Hoffnungen. Aber es biete sich wieder eine Basis für unser eigenes Vertrauen auf den unerschütterlichen deutschen Lebenwillen und die deutsche Kraft zum Wiederaufstieg.— Mit herzlichen Worten des Dankes an die Redner des Abends schloß dann der Vorsitzende die Versammlung. bei ihrer letzten Sonderdarbietung in Dortmund rauschenden Beifall erntete. Am Sonntag, den 4. Mai beginnt das große Sängertreffen des„Ruhrtaler Sängergaues" um 3 Uhr im „Freischütz. Alle Vereine werden durch Vortrag schöner Lieder den Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit zeigen. Beide Tage werden mit einem Festball beschlossen.— Wir empfehlen den Besuch dieser Veranstaltung sehr. — Madrigalchor. Für das Konzert am 8. Mai ist die Vortragsfolge mannigfaltig. Gerard Bunks Werke werden wir kennen lernen unter seiner eigenen Leitung: zunächst den Frauenchor„Die Wallfahrt nach Kevlaar“ mit Tenorsolo(Herr Buckemüller), Sopransolo(Frau Ihlefeld), Klavier(Liselotte Wertz, Hagen) und Harmonium(Oswald Schrader, Unna). Als weiteres Chorwerk wird aufgeführt„Der Geiger von Gmünd“ mit Klavier, Harmonium, Tenorsolo(Herr Buckemül ler), Violin=Solo(Konzertmeister Letzel), Harfe (Aenne Schmidt=Reinecke) und Glockenspiel.— Herr Konzertmeister Letzel wird eine Violin=Sonate von Bunk spielen. Es folgen einige Lieder für Tenor(Herr Buckemüller) und schließlich einige Walzer für 4=händig=Klavier. Wir erhalten also einen weitgehenden Einblick in das Schaffen eines Künstlers, der uns allen bestens bekannt ist.— Wir weisen noch daraufhin, daß die fördernden Mitglieder außer der Freikarte eine weitere Karte für ihre Familienangehörigen zum Vorzugspreise von 1 M erhalten können u. zwar bei den Mitgliedern des Chores. : Uebungsfahrt der freiwilligen Feuerwehr. Unter Leitung des Oberbrandmeisters Hudeck unternahm gestern abend gegen 5,30 Uhr die freiwillige Feurwehr eine Uebungsfahrt mit Mannschaftswagen und Motorspritze. Die Fahrt ging durch Schwerte, über Geisecke, Villigst, Ergste, Westhofen und zurück. Die Uebung, die gegen 8 Uhr beendet wurde, verlief durchaus befriedigend und hatte gleichzeitig den Zweck, auf die Bedeutung der Feuerschutzwoche hinzuweisen.— Gleichzeitig bemerken wir, daß das Gerätehaus an der Bismarckschule täglich von 5—6 Uhr zur Besichtigung geöffnet ist. . Der gestrige Wochenmarkt war bei angenehmer Witterung von Verkäufern und Käufern gut besucht. Bei ziemlich reger Kauflust entwickelte sich ein recht zufriedenstellendes Geschäft. Doch blieben unerhebliche Teile unverkäuflich. Auf dem Gemüsemarkt wurde vorwiegend Melde, Stielmus, Spinat und Kopfsalat, welche recht billig zu stehen kamen, angeboten. Während diese flotten Absatz fanden, waren Spargel und Gurken, wohl noch zu teuer, weniger gefragt. Zur Aussaat bestimmte Pflanzen und Sämereien sah man in großen Mengen. An Obst waren vorwiegend hochaufgestapelte Apfelsinen vertreten. Butter und Eierpreise blieben unverändert. Der Fischmarkt war nur schwach belebt. Der Blumenmarkt war mit einer üppigen Pracht vertreten. Fleischwaren: Rindfleisch 1 M, Schweinefleisch 1,30, 1,40 M, Schinken 1,80 M, Speck 1,20—1,50 M. Mettwurst 1,40 M, Blut= und Leberwurst 1 M, Jagdwurst 1,40 K, Bierwurst 1,30 M, Braunschweiger 1,50 M, Kalbsleberwurst 1,60 M, Plockwurst 1,80—2,20 K, Zervelatwurst 2—2,40 M. Butter= und Eier: Butter 1,70 und 1,80 M. Eier 10 Stück 1 M. Obst=, Südfrüchte und Gemüse: Aepfel 25, 55 und 70 J, Apfelsinen 10—22 Stück 1 M, Bananen 35, 40 und 45 J, Gurken 85 Blumenkohl 70 und 80 J, Zwiebel 2 Pfund 25 J, Wurzel 10 J, Rote Beete 10 J, Schwarz= wurzel 35 J., Porree 10§, Weißkohl 15 J, Wirsing 15 H, Spinat 15 und 20 J, Melde 20 J., Kopfsalat 10, 15 und 20 J, Stielmus 15 J. Fischwaren: Bratschellfisch 30 und 35 J., Kabeljau 35 und 40 J., Schellfisch 40 J, Heringe 12 und 16 Stück 1 M. ha Wo Patzmauern noch stehen. Ueber den gegenwärtigen Stand der Paßschranken macht Oberregierungsrat Krause, der verdiente Referent für das Paßwesen im Reichsministerium des Innern, eine zusammenfassende Mitteilung. Für Deutsche ist Nord=, Mittelund Süd=Europa sichtvermerkfrei. Im Westen besteht der Sichtvermerkszwang nur noch gegenüber Belgien und Frankreich, im Osten noch gegenüber Litauen, Polen und Rußland, im Südosten gegenüber Albanien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, der Türkei und Ungarn. Außerhalb Europas ist der Zwang beseitigt in Cuba, der Dominikanischen Republick, Ecuador, Haiti, Island, Japan, Kanada, Neufundland, Neuseeland, Nicaragua, Panama, Salvador, Siam, Süd=Afrika, Süd=Rodesien, Tanganyika und Uruguay. Sichtvermerke bis zu Jahren erteilen Aegypten, Belgien, Frankreich, Griechenland, Polen, Rußland und Ungarn. Für Nordamerika und Mexiko erhalten Nichteinwanderer den Sichtvermerk gebührenfret. Zahlreiche Erleichterungen bestehen im Grenzverkehr mit Belgien, Dänemark, Danzig, Frankreich, den Niederlanden, Oesterreich, Polen, der Schweiz und der Tschechoslowakei. ha ½Milliarde Fehlbetrag bei der Arbeitslosenversicherung. Der Fehlbetrag der Arbeitslosenversicherung ist nach dem jetzt vorliegenden Abschluß von Ende Februar auf 520,8 Millionen Mark angewachsen. In diesem Monat war allein ein Gesamtzuschuß von 105,3 Millionen notwendig. Sämtliche Landesarbeitsämter brauchten Zuschüsse, allein die von Brandenburg 14 Millionen, Sachsen und Bayern je 12,9, Schlesien und Mitteldeutschland je 11,4, das Rheinland 8,8, Hessen 7,3, Niedersachsen 5,8, die Nordmark 5,5, Ostpreußen 4,2, Südwestdeutschland 4,0, Pommern 3,9, Westfalen 2,6, Millionen. Im ganzen wurden 71,7 Millionen eingenommen und 177,1 Millionen ausgegeben, für die Arbeitslosenversicherung 163,9 Millionen, die Verwaltung 10,3 Millionen usw. ha Briefe nach Amerika im Mai. Briefe nach den Vereinigten Staaten gehen im Mai mit 16 Dampfern, am 3. von Southampton, 6. Bremerhaven, 7. Hamburg, 9. Cuxhaven, 10. Southampton, 13. Bremerhaven und Southampton, 14 Hamburg, 16. Cuxhaven, 17. und 21. Southampton, 22. Bremerhaven, 23. Bremerhaven und Curhaven, 28. Southampton, 31. Bremerhaven. Sie erhalten sämtlich Nachversande in Cherburg, für Southamp= ton an demselben Tage, für Bremerhaven, Hamburg und Cuxhaven am nächsten Tage. Dir Ueberfahrt nach New York beansprucht von Bremerhaven, Hamburg und Southampton 6 Tage, von Bremerhaven am 23. sieben, von Cuxhaven acht, von Hamburg neun Tage. Schlußzeit ist für Bremerhaven am 22. in Bremen 15,00, sonst für Bremerhavven am Tage selbst in Hannover 5.42, Bremen 8,00, für Hamburg tags zuvor in Bremen 13,00, Hamburg 19,00, für Cuxhaven am Tage selbst in in Hamburg 6.00, für Southampton tags zuvor in Köln 7,21, für Cherburg tags zuvor in Frankfurt 12,14. Tarnen Szlat Ezrtl Deutsche Turnerschaft Geräte= und Kunstturnen. Zur Hebung und Belebung des Geräteturnens haben die seit einer Reihe von Jahren Überall stattfindenden Städtewettkämpfe und Werbeveranstaltungen wesentlich beigetragen. Wenn man das Geräte= und Kunstturnen zur Betrachtung heranzieht, so hat es in der neueren Zeit oft den Anschein erweckt, als ob man ihm nicht mehr die gebührende Wertschätzung zuteil werden ließe. Tatsächlich fehlte es nicht an Stimmen, die forderten, es mehr in den Hintergrund treten zu lassen. Selbst als unnatürliches Turnen wurde es von vielen, die die Eigenart des deutschen Turnens gar nicht kennen, abgetan. Natürliches Turnen wollen sie in den Vorgrund gestellt wissen. Da aber gerade das Kunstturnen bei seiner Zusammenstellung der verschiedenen Uebungsteile den natürlichen Fluß der Bewegung als Grundlage haben muß, wäre es dem Kunstturner unmöglich, eine glatte Durchführung seiner Uebung zu erzielen, wenn er die Natürlichkeit nicht berücksichtigte. Ein Aufgeben starker Erziehungswerte würde es auch bedeuten, wenn man das Geräte= und Kunstturnen aus den Schulen und Vereinen verschwinden lassen wollte, denn die Ueberlieferung hat gezeigt, welchen großen Wert es zweifelsohne für die Erziehung von Körperkultur und Charakterbildung besitzt. Das Geräte= und Kunstturnen steht aber auch mit an erster Stelle, wenn es gilt, Kraft, Gewandtheit und Geschicklichkeit anzuerziehen, ebenso zur Bildung von Mut, Entschlossenheit und Geistesgegenwart. Deshalb betont man das Geräteturnen nicht mit Unrecht als die hohe Schule des Mutes. Die einfachsten Bewegungen am Gerät ersordern Mut, Entschlossenheit und Geistesgegenwart. Das Kunstturnen aber zeigt uns wahre Musterbilder von Mut, Tatkraft und Entschlossenheit, denn wenn die Uebung gelingen soll, dürfen die Gedanken nicht einen einzigen Augenblick abgelenkt werden, ein einziger verkehrter Griff könnte für den Turner einen schweren Unfall zur Folge haben. Darum helfen Ausdauer und Kaltblütigkeit dem Turner zum guten Gelingen seiner Uebung. Während beim Gipfelturner die körperliche und seelische Eignung und besondere Veranlagang den Ausschlag geben, soll die Anfängerstufe des Geräteturnens nur Mittel zum Zweck und der allgemeinen Ertüchtigung sein. Wie der Spieler, der Schwimmer, der Boxer für seine Betätigung von Haus aus Veranlagung haben muß, wenn er etwas Besonderes erreichen will, so muß auch der Geräteturner für das Kunstturnen berufen sein. Daß die Kunstturner vom Kreise 8a Westfalen diese Berufung mitbringen, werden alle die sehen, welche am Sonnabend, den 3. Mai bei der Schwerter Turnerschft 1868 den Vorführungen der Westfalenturner beiwohnen dürfen. Lange wird das Erlebte in Erinnerung bleiben und an dem Gezeigten wird auch der Laie ermessen können, welche Unsumme fleißigen Uebens und treuer Arbeit von dem Kunstturner verlangt wird, um den Grad künstlerischer Vollendung in der Vorführung natürlichen Kunstturnens zu erreichen. Einzelne Bilder aus dem Kunstturnen am 3. Mai finden wir ausgestellt im Schaufenster des Herrn Schriewer(Feinkostgeschäft) und Gastwirtschaft Wilh. Braukhoff. Wer nun die Schönheiten deutschen Turnens sehen will und was durch Kraft, Gewandheit und Geschicklichkeit gepaart mit Mut, Entschlossenheit, Ausdauer und Geistesgegenwart geleistet werden kann, der gehe am Sonnabend zur Schwerter Turnerschaft 1868„Im Reiche des Wassers“ Niemand sollte diese Gelegenheit versäumen, denn so leicht wird man wirkliche Kunstturner, zumal von der Deutschen Turnerschaft, nicht wieder nach Schwerte verpflichten können. Wie stark die Bedeutung des Kunstturnens in der Oeffentlichkeit eingeschätzt wird, geht daraus hervor, daß überall, wo diese westfälische Turnermannschaft ausgetreten ist, das Haus ausverkauft war, sodaß, wie in Düsseldorf, tausende wieder umkehren mußten. Und auch hier zeigt sich schon starke Nachfrage nach Karten. Sch. Fußball Bereits zwölf Kandidaten ermittelt. Teilnehmer an der Fußballmeisterschaft. Die Teilnahme an den Spielen um die Deutsche Fußballmeisterschaft, die am 18. Mai mit der Vorrunde beginnen, haben sich bereits folgende 12 Vereine gewahrt: Berlin: HerthaBSC. und Tennis=Borussia; Süddeutschland: Beuthen 09 und Sportfreunde Breslau; Baltenverband: BfV. Königsberg und Titania Stettin; Süddeutschland: Eintracht Frankfurt und Spielvereingung Fürth; Mitteldeutschland: VfB. Leipzig; Westdeutschland: Schalle 04 und VfL. Benrath; Norddeutschland: Holstein=Kiel. Es fehlen also nur noch die zweiten Vertreter aus Mittel= und Norddeutschland und die dritten aus Süd= und Westdeutschland. Hierfür kommen nur noch in Frage: 1. FC. Nürnberg oder FSV. Frankfurt, Köln=Sülz 07, Fortuna Düsseldorf und Preußen Krefeld, Hamburger SV. und Hannover 96, sowie Dresdener SC. oder eventl. Wacker Leipzig. Pferdesport Mittwoch=Rennen in Dortmund=Wambel Tirano bringt 158:10. Ein kräftiger, kalter Wind segte über das Land, als die Mittwoch=Rennen auf der schönen Wambeler Bahn augeläutet wurden. Der Umschlag von dem milden Wetter am Sonntag auf eine vorfrühlingsmäßige Temperatur war etwas heftig Man mummelte sich ein, so gut es ging und bezog trotzdem blaue Nasen und kalte Finger. Aber der guten, rennsportlichen Stimmung tat die Witterungsunbill kaum Abbruch. Die Rennen boten soviel Abwechslung und wickelten sich so interessant ab, daß man beinahe vergaß, wie wenig freundlich der Wettermacher es diesmal mit den Turfliebhabern meinte, die in leidlicher Zahl erschienen waren. Der Renn=Nachmittag verdient als Ganzes die Note„gut"; besonders auch für unsere Leser, die bei ihren Wettoperationen unseren Voraussagen folgten. Fünsmal gingen die von uns an erster Stelle genannten Pferde als Sieger durchs Ziel, darunter Tirano mit der netten Siegquote von 158:10! Im 7. Rennen gab es für den von uns an 3. Stelle genannten Fer aut Feri 75:10.— Es lohnt sich also.— Die nächsten Dortmunder Renntage sind: 21., 25. und 29. Mai. U. a. wird dann der„Preis von Westfalen“ gelaufen(Ehrenpreis und 15000 Mark).— Zum Rennverlauf: 1. Rennen: 1000 Meter Flachbahn: 1. Tirano(Reiter Stock), 2. Leibwache, 3. Albruna. Ferner Arminus, Furie, Völkerbund, Maharadscha. Toto: Sieg 158, Platz 34, 96, 27:10, — Tirano geht mit der Spitze ab und braucht nur einen Angriff von Leibwache abzuwehren, um klar mit 3 Längen zu gewinnen. 2. Rennen: 1400 Meter Flachbahn. 1. Laertes (Zimmermann), 2. Arlette, 3. Goldener Ehrenschild. Ferner: S. A., Wohawk. Toto:: Sieg 17, Platz 15, 19:10.— S. A. zeigt dem kleinen Felde den Weg. Eingangs der Geraden schiebt sich Laertes vor Arlette in Front. Kurzer Kampf, dann ist Laertes frei und erreicht mit 2 Längen Vorsprung das Ziel.— 3. Rennen: 3000 Meter Jagdbahn. 1. Mozart(Glitsch), 2. Edelgunde, 3. Waldo Ferner: Euphrat, Loilach, Belmont, Legion, Ferina, Harriett. Toto: Sieg 73, Platz 27, 32, 16:10. Vom Start weg führt Mozart. Hinter ihm Positionskampf der Uebrigen. Mozart aber zieht— nach langer Zeit wieder anknüpfend an seine alte gute Form— unangefochten nach Hause. 8 Längen trennen ihn vom nächsten Pferde. 4. Rennen: 1400 Meter Flachbahn. 1. Orion (Höllein), 2. Fernpaß. Ferner: Selim, Spitzweg. Toto: Sieg 17, Platz 12, 17:10.— Guter Start. Spitzweg ist bald vorn. An der Distanz dringen die Anderen auf ihn ein. Im Endkampf behält Orion mit 1½ Längen die Oberhand. 5. Rennen: 1600 Meter Flachbahn. 1. Bundschuh(Zimmermann), 2. Franziskus, 8. Postillon. Ferner: Peloria, Cordelia, Pollyduck. Toto: Sieg 29, Platz 17, 31:10.— Nach gelungenem Start heißt es Postillon vor Pollyduck. In der Geraden kommt Bundschuh, von Zimmermann kräftig geritten, nach vorn. Franziskus geht mit. Postillon muß sich nach Kampf mit dem 3. Platz begnügen. Bundschuh gewinnt mit 1½ Längen. 6. Rennen: 3000 Meter Jagdbahn. 1. Aeolus(Baumgärtner), 2. Hofnarr, 3. Maharadha. Ferner Alpenjäger, Trumbe, Jubilate, Phönix. Toto: Sieg 12, Platz 13, 15, 16:10. Der heute heiße Favorit Aeolus, am Sonntag von uns als einziger Tageszeitung an 1. Stelle genannt, aber vom Reiter Broda unglücklich geritten, zeigt jetzt unter seinem Mitbesitzer, Herrn Baumgärtnern, war er kann. 10, 20, 30 Längen trennen ihn bald von den Mitbewerbern. In der Diagonale— bergan— ein kurzer Pull, dann legt Aeolus wieder einen tüchtigen Streifen Boden zwischen sich und das auseinandergerissene Feld. Im Ziel sind es mindestens 40 Längen.— Erst freudige Gesichter der Wetter, nachher etwas weniger, als die Sieg=Quote 12:10 herauskommt. Heute „wußten“, es alle und sind auf Acolus mit „eingestiegen“. 7. Rennen: 1600 Meter Flachbahn. 1. Fer aut Feri(Buge), Maikater, 3. Freimaurer. Ferner: Fahnenweihe, Mistral, Sandoval, Mispel. Toto: Sieg 75, Platz 17, 18, 15. Gleich nach dem Ablauf sieht man Mistral in Front. In der Geraden scharfer Kampf mit Fer aut Feri und Maikater. Mistral fällt zurück. Fer aut Feri gewinnt ganz knapp(Kopf). Freimaurer kommt erst, als es zu spät ist und muß mit dem 3. Platz vorlieb nehmen. * Beste Klasse im„Großen Preis von Berlin“. Zahlreiche französische Vollblüter genannt. Die beiden bedeutendsten Ereignisse der Berliner Internationalen Rennwoche, der mit 55000 Mark ausgestattete Große Preis von Berlin und das Internationale Fliegerrennen im Werte von 27000 Mark haben beim jetzt erfolgten Rennungsschluß ausgezeichnet abgeschnitten. Der am 20. Juni auf der Grunewaldbahn über 2600 Meter zur Entscheidung gelangende Große Preis von Berlin erhielt in Berlin 31 in Paris 21 Unterschriften. Von älteren deutschen Pferden seien nur Graf Isolani, Walzertraum, Avanti, Wilfried und Lateran hervorgehoben, dann weiter die Dreijährigen Ladro, Präfect, Wiener Blut, Herakles, Napoleon, Mellitus, Liberator und Merian. Die französischen Ställe können u. a. Leonidas, den Sieger im diesjährigen„Lincolnshire", dann Barrabas, der den Prix des Sablons gegen Hotweed gewann, sowie Charlemagne, Saint Corentin, Arbaletrier, die Dreijährigen Pearlash, Doriflor, Bootlegger, Besant, Energie usw. entsenden. Auch aus Ungarn und Polen gingen drei Nennungen ein. Für das am 13. Juli über 1400 Meter zu laufende Internationale Fliegerrennen wurden in Berlin 29 und in Paris 19 Unterschriften abgegeben. Aus deutschen Ställen findet man hier u. a. Attila, Napoleon, Mellitus, Markgraf, Herakles, Präfect, Calcum, Merian. Auch aus England lief eine Nennung ein, und zwar für Mr. C. Woods Blanc, einem vierjährigen Hengst von Blink a..d Chi. Chi. Frankreich ist hier mit Alma Savoia, King Arthur, Miel Rosa, Argonaute, Energie und Kantara besonders stark gerüstet. zuschläge wie im Vorjahre erhoben werden. Es kommen also 260 Prozent Zuschläge zur Grundvermögenssteuer, 600 Prozent Zuschläge zu den Steuergrundbeträgen nach dem Gewerbeertrage end 1500 Prozent des Steuergrundbetrages nach dem Gewerbekapital zur Erhebung. Unter Verschiedenes wurden noch einige kleinere Vorlagen beraten, insbesondere löste die geplante Errichtung eines neuen Schulgebäudes aus. Eine besondere Kommission wird mit der weiteren Ausarbeitung der Vorlagen beauftragt. Kalthof. Feuer. In der vorvergangenen Nacht ist das Wohnhaus des Feilers Otto Schäfer in Barendorf ein Raub der Flammen geworden. Der Bewohner des Hauses Bysterbosch wurde durch das Knistern des Feuers geweckt und mußte zu seinem Erstaunen feststellen, daß das Dach an allein Seiten am brennen war. Der Zugreisen der freiwilligen Feuerwehr und der Nachbarn ist es zu verdanken, daß nur das Dach abgebrannt ist. Die Zimmer können weiter bewohnt werden. Nach Lage der Sache wird unbedingt Brandstistung vermutet. Die polizeilichen Ermittelungen sind dieserhalb eingeleitet. Der Schaden an Haus und Mobilar ist durch Versicherung gedeckt. Fserlohn Amt Westhofen Weststhofen. Stadtvertretersitzung. Am Montag, den 5. Mai findet nachm. 4,30 Uhr im hiesigen Amtshause eine Sitzung der Stadtvertretung statt. Die reichhaltige Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: 1. Antrag der kommunistischen Fraktion betreffend Stellung des Stadtvorstehers, 2. Antrag der kommunistischen Fraktion betreffend Beschäftigung von Erwerbslosen. 3. Wiedereinführung der Wohnungszwangswirtschaft, 4. Ankauf eines Grundstückes, 5. Vorrangeinräumung einerHypothek zu Gunsten der Gemeinnützigen Baugenossenschaft e. G. m. b. H. Westhofen. 6. Antrag des Stadtvertreters Ebeling betreffend Eingemeindung der Stadt Westhofen, 7. Zurückstellung der Anfertigung des Kanalisationsobjektes, 8. Antrag auf Beschaffung von Feldbahngleisen und Kippwagen, 9. Kenntnisnahme von dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts betreffend Titularstädte und 10. Mitteilungen und Beantwortung von Anfragen. l Westhofen. Motorradunglück. In der Kurve auf dem Buchholz, oberhalb der Besitzung Lang, kam ein Motorradfahrer zu Fall und blieb mit erheblichen Verletzungen liegen. Die Soziusfahrerin erlitt auch Verletzungen, konnte sich aber nach einiger Zeit wieder erheben. Sie benachrichtigte dann die Anwohner mit deren Hilfe der Motorradfahrer ins nächste Haus gebracht wurde, wo man ihm Notverbände anlegte. l Westhofen. Beim unberechtigten Fischfang in der Ruhr wurde der jugendliche Arbeiter E. D. aus Schwerte von einem Landjägerbeamten ertappt. D. hatte eine vollständige Fangausrüstung bei sich. Amt Ergste Ergste. Hauptversammlung. Der hiesige Krieger= und Landwehrverein hält am kommenden Sonntag um 5 Uhr im Gasthof Schneider eine Hauptversammlung ab. In dieser soll besonders die Schießkommission über die abzuhaltenden Schießen Bericht erstattet werden. Außerdem wird man sich über die Einführung der Kreisverbandszeitung klar werden müssen und die erforderlichen Wahlen vornehmen. Ergste. Unfälle. Einen erheblichen Unfall erlitt der Landwirt Ovelgönner jun. von hier dadurch, daß er beim Ausfahren mit einem Einspännerfuhrwerk vom Hof in die Unterdorfstraße an der unübersichtlichen Kurve mit einem Lastkraftwagen des Kartoffelhändlers Müller aus Schwerte beinah zusammen gestoßen wäre. Im letzten Augenblick sprang das rasende Pferd links, so daß der Wagen umschlug. Etwa 1000 Meter weiter rannte sich das Pferd fest. Der Verletzte war vom Wagen gefallen und wurde mitgeschleift, wodurch er sich erhebliche Verletzungen am ganzen Körper zuzog. Einen weiteren Unfall erlitt der Landwirt Wilhelm Börsting aus Kalthof bei der Bearbeitung seines Kartoffelfeldes. Beim Wenden der Walze, ließ das Pferd die Walze an abschüssiger Stelle rückwärts in eine Böschung laufen. Bei dem Versuch,das Pferd vorwärts zu bringen, kam der Verletzte mit dem Pferde zu Fall, wodurch er sich eine Verletzung der linken Schulter zuzog, welche eine Krankenhausbehandlung erforderlich machte. Berchum. Gemeinderatssitzung. In der Wirtschaft Großmann hierselbst fand unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers Hirtzbruch eine Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung statt. Zunächst wurde der in der voraufgegangenen Schulvorstandssitzung aufgestellte Schulhaushaltsplan durch den erschienenen Bürgermeister Overbeck vorgetragen und festgestellt.— Alsdann schritt man zur Beratung des Gemeindehaushaltsplans für 1930. Nach längerer Aussprache wurde der von dem Bürgermeister und Gemeindevorsteher aufgestellte Haushaltsplan angenommen. Zur Deckung des Fehlbetrages sollen für 1930 die gleichen RealsteuerGeschäftliches Höhere Handelsschule— Hagen Die Zahl der Anmeldungen von Schülern und Schülerinnen für die höhere Handelsschule ist so groß, daß sich die Notwendigkeit der Bildung von 4 Unterstufen der Höheren Handelsschule ergeben hat. Hierdurch ist es möglich, noch eine beschränkte Anzahl von Schülern mit Obersekundareife und von Schülerinnen mit dem Abschlußzeugnis des Lyzeums aufzunehmen. Anmeldungen werden täglich im Büro der Kaufmannsschule entgegengenommen. * Sind Sie Kaufmann, dann können Sie nicht mehr interesselos an etwas vorübergehen, das in Ihrem Berufskreise zum Gegenstand täglicher Erörterung geworden ist! Oder sollte es Ihnen noch unbekannt sein, daß jedem Kaufmann, der ein Studium an einer Hochschule nicht durchführen kann oder konnte, führende Professoren deutscher Universitäten und Handelshochschulen eine Studienmöglichkeit geschaffen haben, die eine hochschulmäßige, wissenschaftliche Ausbildung, ähnlich dem Studiengang eines Diplomkaufmanns, auf dem Wege des Fernunterrichts gewährleistet. Gewiß eine willkommene Sache, die alle die Kaufleute, ob sie nun angestellt oder selbständig sind, begeistern wird, denen etwas an ihrer beruflichen Entwicklung liegt. Wir haben selbst Einblick in das Werk genommen und sind davon überzeugt worden, daß hier ein Studiengang ins Leben gerufen wird, den man jedem einzelnen Kaufmann auf den Schreibtisch legen möchte! Wir Aelteren müssen die Jugend geradezu beneiden, der so etwas geboten ist! In den vergangenen zwei Monaten wurden„Allgemeine Volkswirtschaftslehre“ (Lfg. 54a),„Bankbetriebslehre".(Lfg. 54 b), „Nachrichten= und Güterverkehr"(Lfg. 55) zu Ende behandet, während anschließend daran mit „Volkswirtschaftspolitik“(Lfg. 56) sowie„Bücher= und Bilanzrevision"(Lfg. 57) begonnen worden ist. Wer es da versäumt, sich mit einem hochschulmäßigen Wissen zu versehen, nachdem er hier spielend Gelegenheit dazu hat, zumal der Preis pro Woche nur 75§ beträgt, dem ist wohl nicht mehr zu raten. Lassen Sie sich vom Industrieverlag Spaeth u. Linde Berlin W 10, Genthinerstraße 42 näher beraten, der gegen Vorausstattung der Portokosten von 15§ ausführlichen Prospekt und eine sehr intereskante Probelieferung abgibt. Schuhe für kranke Füße unter Garantie tadellosen Sitzes, schmerzlindernd, fertigen als Spezialität an H. Hitzegrad& Sohn Schwerte, Senningsweg 26. Erstes Fachgeschäft am Platze! Silberne Niedaille 1925 Gelsenkirchen, 1926 Bochum, 1927 Münster Wo spare ich Geld? 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Er hörte nicht die gedämpfte Tanzmusik an sein Ohr klingen, sondern blieb im Banne des geheimnisvollen Fludiums, das von der Fremden auszugehen schien. Ihr, der Fremden, mußte er sein Geschick erzählen; vor ihr mußte er seine Anklage gegen das ungerechte Schicksal erheben; vor ihr, die im Lebenslauf der Menschen unumstößliche Logik zu erkennen vorgab; vor ihr, die ihn mit ihrer seltsam=traurigen Stimme gefangen nahm; vor ihr, die er nicht kannte und die ihm doch so bekannt erschien. Und er sprach von blühenden Büschen und knospenden Blumen an lauen Frühlingsabenden, von glutvoll niedergehender Sonne und verheißungsvoll blinkenden Sternen. Er erzählte von blumenreiner Liebe, von unschuldvollen Herzen und zartem Hoffen. Voll Bitterkeit klagte er über die Hartherzigkeit eines Mädchens, das ihn, den aufrichtig Liebenden, verließ. „Warum handelte sie so?“ unterbrach ihn die Fremde mit gleichgültiger Stimme. „Warum? Weil ich nichts hatte. Weil ich ein armer Student war und der andere“ ein reicher Mann.“ Die weißen Hände der Fremden tippten nervös auf die Tischplatte.„Eine schwere Anklage, die Sie gegen das Mädchen erheben Und wenn ich sie verteidige, geschieht dieses, weil ich für jede Geschlechtsgenossin ein Gefühl der Solidarität empfinde: vielleicht lag der Handlungsweise des Mädchens doch ein edleres Motiv zugrunde?“ „Was könnte dieses sein?" „Nun, etwa, daß das Mädchen oder dessen Vater sich in der Hand des.anderen befanden. Vielleicht konnte er auf sie einen Zwang ausüben... Kurt blickte betroffen auf.„An diese Möglichkeit habe ich nicht gedacht...“ „Nun, denken Sie einmal nach: Finden Sie keine Anhaltspunkte für meine Annahme? Vielleicht ein Geheimnis des Vaters, von dem der„andere wußte? Vielleicht ein gemeinsames Interesse...“ „Großer Gott. Sie können recht haben! Vater und Schwiegersohn wurden später des Schmuggels überführt.“ Verwundert sah Kurt auf die Fremde, vor deren Scharfsinn er Respekt bekam. „Was kam dann weiter, nachdem Sie das Mädchen verließ?“ Niedergeschlagen setzte Kurt seine Erzählung fort. „Später versuchte ich mich ihr, der Frau des anderen, wieder zu nähern. Ich war nahe daran, sie ihm wieder zu entreißen..." „Ich verstehe Sie nicht: Wie konnten Sie dem„anderen“ die Frau entreißen?“ „Ich kannte ein Geheimnis ihres Gatten und zwang ihn, seine Frau zu mir zu schicken...“ „Und sie kam nicht", ergänzte die Fremde gedankenverloren. „Woher wissen Sie das?“ fragte Larowicz überrascht. „Weil es nicht anders sein kann. Sonst wäre sie keine Frau gewesen, die nicht erschachert, sondern erworben werden will.“ Larowicz antwortete nicht. „Finden Sie nicht, daß Sie hier den ersten großen Fehler Ihres Lebens machten?“ „Nein und tausendmal nein“, antwortete Kurt entschieden.„Eine Frau, die sich ihrem Manne gegen Geld verkauft...“ „Sie vergessen, daß diese Annahme gefallen ist.“ Kurt schwieg einen Augenblick betroffen.„Aber“, setzte er fort,„konnte ich dieses wissen? Ist dieses mein Fehler?“ „Wenn ich von Fehlern sprach“, antwortete die monotone, leidenschaftslose Stimme,„dann dachte ich nicht nur an Fehler in subjektivem Sinne. Es gibt auch Fehler, für die man nicht verantwortlich ist... Doch weiter“ dir wohlergehe. „Dann erlitt ihr Vater und ihr Gatte gleichzeitig den Tod.“ Die Fremde schien zu zittern. Fast überlaut klang ihre Stimme:„War jetzt nicht die Zeit gekommen, um der Verlassenen hilfreich den Arm zu bieten? Sie wartete bestimmt darauf, hoffte, harrte.“ Kurts Lippen verzogen sich, als litte er körperlichen Schmerz.„Ich wollte es... Ich schrieb einen innigen Brief... und ein Narr unterschlug ihn...“ Da brach es verzweiflungsvoll, unaufhaltsam, aus dem Munde der Fremden hervor: „Du schriebst mir? Du schriebst mir? Und ich wartete und wartete und wartete. Du hattest mich nicht vergessen? Und jetzt... und jetzt...“ Taumelnd suchten die weißen Hände einen Halt, krampften sich in das Tischtuch und zogen es herab. Die Fremde war ohnmächtig geworden. Fassungslos, wie erstarrt, blickte Kurt auf die zusammengesunkene Gestalt. Dann kam ihm die Erkenntnis. Taumelnd sprang er auf die Fremde zu und riß ihr die Larve vom bleichen Gesicht. „Nelly!!! Nelly!!!“ schrie er und rüttelte sie, um sie zum Leben zurückzurufen.„Nelly!!!“ Nach kurzer Zeit, die Kurt endlos schien, schlug Nelly wieder die Augen auf. Verständnislos eilte ihr Blick in die Runde; dann weiteten sich ihre Augen schreckensvoll. „Verzeih'... ich wollte es nicht... ich wollte fort, ohne daß du mich erkanntest Verzeih', ich wurde schwach... Kurt streichelte die fahlen Wangen.„Nelly, mein Nellychen! Warum denn? Warum denn?" Dann huschte ein erschrockenes Verstehen über sein Gesicht.„Bindet dich eine neue Ehe?“ „Nein, mich bindet keine neue Ehe“ antwortete Nelly betont. Kurt strahlte vor Glückseligkeit.„Warum denn fort von mir, warum denn? Jetzt kann doch wieder alles gut werden?!— Und wie ich gelitten habe.“ „Jetzt kann alles wieder gut werden", wiederholte Nelly mit gezwungen=froher Miene. Doch Kurt merkte es nicht. Er jubelte vor Glückseligkeit.„Wie ich litt“, stieß er hervor.„Ich suchte dich wochenlang in dieser Stadt. Doch endlich hat das Elend sein Ende gefunden. Nelly, mein Nellychen.“ Nelly nickte mit dem Kopfe.„Endlich hat das Elend sein Ende gefunden“ wiederholte sie abermals. Doch der leere, nach innen gekehrte Ausdruck ihrer Augen bildete einen scharfen Kontrast zu ihren Worten. Kurt merkte es und faßte Nelly aufmunternd am Arm, als wollte er ihre Traurigkeit verscheuchen.„Freust du dich gar nicht? Jetzt kann doch alles werden wie einst! Vergessen ist alles Leid... „Kannst du vergessen?" „Warum denn nicht? Jetzt. da ich weiß, daß du mich nur gezwungen verließest. Glaubst du denn, ich verstehe jetzt nicht alles, was du mir vorhin sagtest. Doch“— Kurt wurde nachdenklich—„damals fiel es mir nicht ein, daß du dazu gezwungen wurdest Kannte ich doch deine Selbständigkeit und deinen Eigenwillen.“ Um Nellvs Mundwinkel zuckte es bitter.„Selbständigkeit? Eigenwillen? Wie hätte ich die bewahren sollen, wenn es um den Kopf meines Vaters ging? Wie konnte ich die Wünsche meines Vaters mißachten, wenn er das vierte Geboi zitierte?... daß es dir wohlergehe...“ „Daß es dir wohlergehe..., wiederholte Larowicz halblaut,„ und wie du littest! Welch frivole Vergewaltigung des vierten Gebots!“ Nelly schwieg Inzwischen betrachtete er ihr blasses, noch immer schönes Gesicht Sie ist älter geworden, dachte er. Der Gram hai Falten um den Mund gezogen, ihre Augen haben einen fremden Ausdruck. Und doch ist es meine Nelly, meine kleine, süße Nelly. Auch Nelly betrachtete ihn. Kann er vergessen? dachte sie. Alles? Wird er mich begreifen können? Wird er begreifen, daß ich durch die Not gezwungen wurde, mich selbst zu vergessen? Kann dieses ein Mann, der liebt, überhaupt begreifen? Kann ein Mann verstehen, daß keine *• Copyright by Martin Feuchtwanger Halle(Saale) Frau sich selbst überlassen werden darf? Wird er es überwinden, daß ich mich so herabiassen mußte?“ „Kannst du vergessen?" wiederholte sie gedankenverloren. „Warum soll ich nicht? Doch, jetzt fällt es mir erst ein: Was machst du eigentlich in dieser Stadt? Wie kamst du zu diesem Fest?“ Einen Augenblick sah Nelly in die ehrlichen, offenen Augen Larowicz', als wollte sie seine Frage deuten. Sein unbefangener Blick erinnerte sie an vergangene Zeiten der ersten frühlinghaften Liebe. Er ist noch immer der gute, unverdorbene Junge, dachte sie, und zögernd rang sie sich die Worte ab:„Ich wohne bei einer Freundin— in ihrer Begleitung bin ich auch hier.“ „Welches Glück, daß ich dich traf“ warf Kurt ein. Im selben Moment flammte helles Licht auf. Es war die Stunde gekommen, in der auch der Wintergarten, nunmehr in voller Beleuchtung erstrahlend, den Tanzenden freigegeben wurde. Er mit seiner bunten Lampionbeleuchtung sollte die Uebecraschung des Abends sein. „Bald werden wir nicht mehr allein sein. Sieh, alle Türen zum Saal werden geöffnet“, sagte Nelly. Von toller Freude übermannt, sprang Kurt auf.„Jetzt begreife ich es, wie man tanzen und jubeln, johlen und lachen kann Warte nur einen Augenblick, eine der Zigeunerkapellen muß herein. Wir feiern Verlobung...“ „Nicht doch“, rief Nelly und faßte ihren wiedergefundenen Freund am Arm.„Auch ich habe volles Vertrauen zu dir, auch ich habe die Hoffnung, daß wir bald Verlobung feiern können... aber noch ist es nicht so weit... So viele Mißverständnisse, so viele Irrtümer haben uns unsere Jugend vergällt, haben uns all diese Jahre getrennt... Wenn es nun wirklich ernst werden soll, wenn nun wirklich unser Glück heraufziehen soll, dann sollen keine Mißtöne mehr zwischen uns herrschen. Die volle Wahrheit soll die Grundlage für unser Zusammenleben sein... kein Geheimnis, kein Falsch und Arg soll zwischen uns sein...“ Erschrocken sah Kurt auf Nelly, deren Züge müde und abgespannt waren, wenn auch die Hoffnung auf ein neues Glück in ihren Augen widerstrahlte. „Noch etwas?“ fragte er erschrocken.„Ich wüßte nicht, was sich unserem Glück jetzt noch in den Weg stellen könnte." „Lieber Freund, wir wollen in Ruhe und ganz für uns allein alles, was hintei uns liegt, nochmals durchgehen; und erst, wenn du alles von mir weißt und ich alles von dir, dann wollen wir von der Zukunft sprechen.“ Sie verließen den Trubel des Festes, und Hand in Hand saßen sie dann, stundenlang plaudernd, auf dem Ecksofa eines kleinen, stillen Kaffeehauses. Nelly verschwieg ihm nichts. Alles, alles erzählte sie. Wie sie mehr als einmal drauf und dran war, sich wegzuwerfen, der Gier gewissenloser Männer zum Opfer zu fallen. Sie erzählte, wie man ihr hundertmal zu nahe getreten sei, wie es häufig fast zum Alleräußersten gekommen wäre, und welche Mühe und Opfer es sie gekostet hatte, doch rein zu bleiben. Ihre Erzählung war zu Ende. Zagend und doch hoffend blickte sie in die ernsten Augen Kurts: „Lieber, kannst du mir verzeihen? Wirst du wirklich all das Schreckliche vergessen können, was über mich gekommen ist? Wirst du immer noch die Reine, Unschuldige in mir erblicken können, die du ehemals geliebt hast?“ Er drückte ihre Hände fester. „Ein Schuft wäre ich, wenn ich dich das entgelten lassen wollte, was dir schlechte, skrupellose Menschen antun wollten. Nein, ich will versuchen, dich all das Furchtbare vergessen zu lassen, dich zu lieben und für dich zu sorgen, daß sich ein Schleier über alles Vergangene senkt und du all die Widerwärtigkeiten vergißt...“ Der Tag dämmerte bereits, und lichte rote Wölkchen zogen am Himmel herauf, als sich die beiden Liebenden trennten Da wußte Nelly, daß auch für sie und ihr Leben eine neue Morgenröte angebrochen war... Ende. Von Egid Filek. (Nachdruck verboten.) Der Arzt macht sein Doktorengesicht:„Wie gesagt, lieber Freund, es ist nichts von Bedeutung— hm, ja—, vielleicht nur eine Reizung der motorischen Nerven infolge allgemeiner Neurasthenie— aber Sie müssen unbedingt Ihre Sprechmuskeln aufs äußerste schonen. Schweigen— absolutes Schweigen. Es wird Ihnen schwer fallen, allerdings— hin, ja—. aber im Interesse der Gesundheit... Und mit dieser Tinktur lassen Sle sich täglich auspinseln“ Ich beginne also seufzend meine Schweigekur. Die ersten Tage sind wirklich sehr traurig. Es tut weh, mitten unter den fröhlichen, lachenden, plaudernden Menschen scherzendessen; denen man se gi, und gern. ein garsen oder scherzendes Wort sagen möchte; nicht aussprechen durfen, wovon das Herz voll ist— in den Gesichtern der anderen jenes schale Mitleid lesen, das verletzt statt zu trösten— ausgeschaltet sein aus ihrem Kreis, bald auch gemieden und halb vergessen als einer, der nicht mehr mitzählt. Da ist es doch schöner in dem stillen, nachdenklichen Bibliothekszimmer, wo die ernsten, braunen Bücherrücken mit den matten Goldbuchstaben von den Regalen leuchten und die Namen großer Denker und Dichter zu stummer Zwiesprache einladen. Ich aber, der in der grauenvollen Zersplitterung des Alltagswirkens die wahre Kunst des Lesens schon fast verlernt hat, lösc die großen Toten aus ihrem Bann, einen nach dem anderen, und spreche mit ihnen, weil ich mit den Lebenden nicht sprechen darf. Und sie verstehen mich und geben mir Antwort auf so manche Fragen, bessere als die Lebendigen von heute und gestern es vermögen. Und ich finde im Umgang mit ihnen die Güte wieder, die ich längst verloren geglaubt: Trost und Ruhe, Vertiefung und Einkehr in mich selbst. Wie sonderbar aber ist mir zumute, wenn ich dann wieder in den Kreis der Lebenden treie! Ich schweige und beobachte. Man kann nur dann richtig beobachten, wenn man selbst nicht spricht. Warum reden sie alle so viel? Sind von hundert Worten, die sie von sich geben, nicht immer neunzig im Grunde genommen überflüssig? Wissen Sie nicht, daß ein Wink, ein Blick, ein Lächeln oder Achselzucken viel mehr ausdrücken kann als die Rede, und daß die besten und feinsten Dinge sich gar nicht sagen lassen? Warum sind ihre Gesichter so leer, wenn sie reden? Warum hört ein jeder am liebsten nur sich selbst sprechen und achtet gar nicht darauf, was der Nachbar sagt? Und so wird mir das Schweigen, das ich so schwer und ungern erlernt habe, zur reichen Quelle von Anregung. Ich finde, daß es mein Lebensgefühl und meine Daseinsfreude erhöht. Ich lache über mein ganzes inneres Gesicht, wenn sie sich alle heiß sprechen, wenn einer dem anderen seine Meinung mit Gewalt aufzwingen und ihn nicht etwa überzeugen, sondern einfach nur überschreien will. Dann darf ich dabeisitzen, in den köstlichen Mantel meines Schweigens gehüllt, und heimlich lächeln. Und nach und nach wird mir klar, daß das Schweigen eine der feinsten Lebenskünste ist, und daß, wer sie versteht, ein großes Stück wertvollen Gutes besitzt. Das Beste und Tieffte in uns offenbart sich im Schweigen. Jenes Schweigen der Liebe zwischen Mann und Weib, das die innigste Gemeinschaft der Seelen bedeutet; das Schweigen, das durchs Zimmer geht, wenn die letzten Töne Schuberts oder Beethovens verklingen— es ruht in sich selbst als ewige. unantastbare Wahrheit, als wunschloses Glück der Erfüllung. Aber nach drei oder vier Wochen kommt der Arzt mit seinem Kehlkopfspiegel, schaut mir in den Schlund und konstatiert höchst befriedigt eine namhafte Besserung, sehr erfreut über den Erfolg seiner Therapie. „Ausgezrichnet, mein Lieber— hm, sa— von morgen an dürfen Sie wieder sprechen. Es ist alles in Ordnung!“ Ich sehe ihn feindsellg an und— schweige. Mit dem linken Juß aufge stauben. (Nachdruck verboten.) „Ich bin heute zu nichts aufgelegt! Diese bequeme Ausrede kann man alltäglich hören, und man sieht es dem, der sie ausspricht, schon am Gesicht an, daß er mißgestimmt ist, daß er, wie der Volksmund sagt,„mi: dem linken Fuß aufgestanden ist“. Unter dieser selbst suggerierten Einbildung ist es dann gar nicht anders denkbar, daß ihm alles, was er angreift, mißlingen muß. An dem rasch hinuntergeschluckten Kaffee hat er sich sicher die Lippen verbrannt, beim Rasieren sich in die Backe geschnitten, und beim Binden der Krawatie hat er sicher einen Wutanfall bekommen. Von seiner Gattin ist er grollend mit einem unfreundlichen Wort geschieden; unten angelangt, fährt ihm todsicher die Straßenbahn vor der Nase weg, und der sonst auf die Minute Pünktliche kommi zu spät ins Geschäft. Dort treibt die eingebildete Verärgerung weitere Blüten. Man macht seine Arbeit unsicherer als sonst, verkracht sich mit seinen Kollegen— kurz, die ganze Welt scheint sich verschworen zu haben, diesen Tag zu einem Unglückstag zu stempeln. Die Welt hat aber weit Wichtigeres zu tun, als einen einzelnen Menschen zu ärgern. Nur die eigene Mißstimmung ist es, die alle Handlungen beeinflußt, und die man dann damit zu entschuldigen sucht, daß man heute nicht recht aufgelegt sei. Dann müßte je jeder Tag ein Pechtag sein. Denn auch an anderen Tagen kommt es vor, daß wir die Elektrische versäumen, daß uns eine Arbeit nicht recht gelingen will; aber Selbstbeherrschung und gute Laune helfen immer harmonisch über diese kleinen Aergernisse hinweg.„Ich bin heute nicht recht aufgelegt!“ Diese Ausrede sollte es überhaupt nicht geben. Sie entspringt nur einer Laune, einem Sich=gehen=lassen, das man bekämpfen muß. Wer dazu nicht fähig ist, sollte an einem solchen Tage nichts Wichtiges unternehmen, keine Entscheidungen treffen, die von weittragender Bedeutung sein könnten. Die Unluststimmung wird immer die klare Urteilskraft trüben und andere gegen uns einnehmen. Hier hilft nur etnes: die Erkenntnis, daß man err über sich selbst ist, daß der Wille alle Launen beherrscht ann wird man nicht mehr mit dem linken Kuß aufstehen,