Vougeprets dalbenonalich 1.20 Mak, Einsekaumne 3 Pfg. Druck u. Veragvon C. Braus,=chwerte(Rudr, Losischeckonten: Dorimund 2832 und Honnover 21 874 Geschäststelle Grohe Marktst. 3—3 Verantwortich für die Schriftleitun H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Anztigenpete finr de achizsval. mm au: e Plg, Anzoek. singnamtiche u. gericktliche Anzeigen 1o Pig., Zek omezeile 40%P, Lu teleson. aufgegebene Inserate üdernehmen witr keine Gewäht Bei un vorbergesehn. Beiriebsstörungen, vervorgerusen durc bodere Gewalen, öbernetmen oir heinerei Gewäbr sir pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden ensdu u u e. eeei. bein## n gas ies Gandtraias Miesiehn Sageblat für die Stadt Schwerte und das Ami Westhofen Hp, Rretuoktu. Nur. 92. 95(Erstes Blatt) Neues in Kürze. Eine unzutreffende Nachricht. wtb. München, 23. April.(Tel.) Die von einer ausländischen Nachrichtenagent:: verbreitete Nachricht von einem Anschlag auf den bayrischen Justizminister Dr. Gürtner ist aus der Luft gegriffen. Verhaftung des Stuttgarter Attentäters. wtb. Stuttgart, 23. April.(Tel.) Der Händler Karl Staengle, der, wie gemeldet, gestern nachmittag einen tätlichen Angriff auf den württembergischen Justizminister Dr. Beyerle begangen hat, konnte heute nachmittag von der Kriminalpolizei in Ulm a. Donau, wo er sich bei Bekannten aufhielt, verhaftet werden. Der Völkerbundsrat. * Genf, 23. April.(Tel.) Der Völkerbundsrat wird am 12. Mai zu einer Tagung zusammentreten. Den Vorsitz wird der serbische Außenminister Marinkowitsch führen. Französische Manöver an der deutschen Grenze. * Paris, 23. April.(Tel.) Für kommenden Herbst werden jetzt schon große Manöver an der deutschen Grenze, zwischen Meurthe und Saar, angekündigt. Daran sollen teilnehmen 21 Bataillone Infanterie, 6 Bataillone Jäger zu Fuß, 4 Regimenter Divisionsartillerie, 12 Bataillone algerischer Schützen, 32 Schwadronen Kavallerie, 4 Schwadronen Maschinengewehrautgmobile, 2 motorisierte Regimenter Dragoner, 2 Regimenter beritener Artillerie, ferner Tanks, schwere Artillerie, Pioniere und Fliegergeschwader. Rumänischer Militärbesuch in Polen. * Warschau, 23. April.(Tel.) Der rumänische Generalstabschef wird, begleitet von einer Anzahl Generalstabsoffiziere, dem polnischen Generalstabschef hier einen Besuch abstatten. Die deutschen Schadenersatzansprüche in Amerika. * Washington, 23. April. Der Gemischte deutsch=amerikanische Ausschuß zur Reglung der Schadenersatzansprüche aus dem Weltkrieg hat sich, einer Meldung der United Preß zufolge, vertagt und wird in Hamburg am 15. September wieder zusammentreten. Der Dienst in Preußen am 1. Mai. wtb. Berlin, 23. April.(Tel.) Nach einer Mitteilung des Amtl. preußischen Pressedienstes hat das Preußische Staatsministerium beschlossen, daß für die Regelung des Dienstes am 1. Mai die Bestimmungen des Jahres 1923 auch für das laufende Jahr und bis auf weiteres gelten. Beamte. Angestellte und Lohnempfän= ger, die am 1. Mai dem Dienst oder der Arbeit fernbleiben wollen, haben rechtzeitig bei ihren Dienstvorgesetzten um Befreiung vom Dienst nachzusuchen. Solchen Anträgen ist grundsätzlich überall insoweit zu entsprechen, als dadurch die notwendige Fortführung des Dienstbetriebes nicht in Frage gestellt wird. Hiernach beantragte und bewilligte Freizeit ist bei Beamten und Angestellten auf den Erholungsurlaub anzurechnen. Das gleiche kann auf Wunsch bei Lohnempfängern geschehen. Wird von Lohnempfängern nicht ausdrücklich um Anrechnung auf den Erholungsurlaub nachgesucht, so wird für die Dauer der Arbeitsversäumnis Lohn nicht gewährt. Untergrundbahnunglück in Paris Verwaltungsrat der Bis verhandelt über Mbonisterung der Repurmiteneschult! mth. Basel, 23 Arril.(Tel.) Der Verwal60 Verletzte. wtb. Paris, 23. April.(Tel.) Heute früh fuhr zwischen zwei Stationen ein Untergrundbahnzug auf einen anderen auf, der hinter einer Kurve hielt und dessen Signallichter deshalb von dem Zugführer nicht rechtzeitig hatten bemerkt werden können Drei Wagen wurden bei dem heftigen Anprall stark beschädigt und 60 Reisende mehr oder weniger schwer verletzt. Die neisten Verletzten konnten, nachdem ihnen Notverbände angelegt worden waren, ihre Wohnungen aufsuchen. 13 Personen mußten ins Krankenhaus gebracht werden, drei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden. wtb. Paris, 23. April.(Tel.) Die Untersuchung über das Untergrundbahnunglück hat bisher keine Aufklärung gebracht. Der Stationsleiter behauptet, den auffahrenden Zug erst abgelassen zu haben, als die Signallampen weißes Licht zeigten. Die Ingenieure erklären diese Behauptung für unzutreffend. da im Falle einer Besetzung der Strecke das weiße Licht automatisch gesperrt sei. Die erste Sitzung des Verwaltungsrates der B33. wtb. Basel, 23. April.(Tel.) Der Verwaltungsrat der B33 setzte heute vormittag seine Beratungen fort. Die Frage der Ernennung der leitenden Beamten der Bank, des Sekretärs des Generaldirektors, der vier Abteilungsdirektoren und eines Generalkontrolleurs wurde verhältnismäßig rasch erledigt. Die Namen der Gewählten werden später offiziell bekanntgegeben werden. Einen wichtigen Punkt der Beratungen bildete, wie die Schweizerische Depeschenagentur erfährt, die Doppelfrage der Emission der Aktien der B. J. Z. und die Auflegung der Obligationen, welch letztere die eigentliche Mobilisierung und Kommerzialisierung der deutschen Reparationsschuld darstellt. In gewissen Kreisen der B. J. Z.=Leitung hegt man die leise Befürchtung, daß durch die starke Nachfrage nach den B. J. Z.=Aktien das Interesse für die deutschen Obligationen, deren Mobilisierung speziell im Jahre 1930 die Hauptaufgabe der Bank sein wird, beeinträchtigt werden könnte. Uebereinstimmend herrschte jedoch die Ansicht, daß vorher die Aktien begeben werden sollen, und zwar soll der Emissionspreis, ob nun die Aktien frei begeben werden oder ob sie von Syndikaten unter Amgehung der öffentlichen Zeichnung übernommen werden, so festgesetzt werden, daß die Emissionskosten gedeckt werden. Die Schweizer Nationalbank wird voraussichtlich ca. 6000 Titel übernehmen, die größtenteils ohne öffentliche Zeichnung an das Kartell der Schweizer Banken gehen, wenn es die Nationalbank nicht vorzieht, selbst ein großes Paket der Aktien zu behalten. Der Zinsfuß der Obligationen der Reparationsanleihe, der bekanntlich auf 6 Prozent festgesetzt ist, dürfte angesichts der auf den Finanzmärkten herrschenden Baisse dazu angetan sein, eine relative Unterbringung der ersten Tranche der 300 Millionen DollarReparationsanleihe zu sichern. Die heutige Sitzung des Verwaltungsrates der B.3.3. begann kurz vor 11 Uhr und ging um 13.30 Uhr zu Ende. Wie der Vertreter der Schweizerischen Depeschenagentur erfährt, genehmigte der Verwaltungsrat drei Berichte: Einen Bericht über die Besoldungsfragen, den Reichsbankpräsident Dr. Luther erstattete, einen weiteren von McGarrah erstatteten Bericht über die Fragen der inneren Organisation und schließlich einen Bericht über die Frage der Emission der Aktien der B.5.3. Berichterstatter über diese Frage war der Amerikaner Fraser. Es wurde beschlossen, die Aktien der Bank acht Tage nach der vollständigen Ratifikation des Youngplans durch alle Staaten zu emittieren, und zwar zu pari. Weiter wurde beschlossen, mit der Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien ein gleiches trust agreement abzuschließen, wie dies bereits mit den sieben Gründermächten der B.J.3. besteht, sobald die Ostreparationsfragen in Paris erledigt sind.— In dem Bericht über die innere Organisation und zur Besoldungsfrage wurde festgestellt, daß gegenüber den Kosten, durch Durchführung des Dawesplans, die jährlich 1.5 Millionen Dollars betrugen, erhebliche Ersparnisse erzielt werden können. Der Reparationsagent Parker Gilbert hatte in Berlin ein Büro, das 130 Personen beschäftigte. Dazu kamen noch 50 Personen der Reparationskommission in Paris. Die Bank will ihre Tätigkeit nunmehr mit einem Personal von ungefähr 50 Leuten aufnehmen.„,, Wm binigg MRahle Im weiteren Verlauf wurden einige Wahlen vorgenommen, und zwar wurde zum Vorsteher des eigentlichen Bankdepartements und Stellvertreter des Generaldirektors der Deutsche Dr. Huelse gewählt. Zum Generalsekretär der Bank wurde der Italiener Pilotti ernannt. Die Abteilung für Emissions= und Investitionsfragen wurde dem Belgier Paul van Zeeland übertragen; die Abteilung für die Beziehungen zwischen der B.J.3. und den verschiedenen nationalen Emissionsbanken bleibt vorläufig unbesetzt und wird interimistisch von Generaldirektor Pierre Quesnay verwaltet. Für die Abteilung Devisen und Währungsfragen wurde ein Japaner bestellt. Was die Frage Unterschriftberechtigung betrifft, so wurde diese dahin geregelt, daß Präsident MeGarrah und sein Stellvertreter Fraser allein unterschriftberechtigt sind, während alle übrigen Unterschriften durch Gegenzeichnung zu erfolgen haben. wrd. Basek, 25. April.(Tel.) Der Verwaltungsrat der Bank für den internationalen Zahlungsausgleich schloß heute seine erste inoffizielle Sitzung ab. Die Bank wird ihre Tätigkeit offiziell erst dann aufnehmen können, wenn die notwendigen Ratifikationen des Young= planes vorliegen. Beschlossen wurde prinzipiell, jeden zweiten Montag eines Monats eine Sitzung des Verwaltungsrates abzuhalten. Falls die notwendigen Ratifikationen bald eintreffen, würde die nächste Sitzung am 12. Mai in Basel stattfinden. Reichsbankdirektor Huelse. wtb. Berlin, 23. April.(Tel.) Der in der heutigen Sitzung des Verwaltungsrats der 833 zum Stellvertreter der Generaldirektion gewählte Reichsbankdirektor Ernst Huelse, geboren 1881, steht seit 1906 im Dienste der Reichsbank. Nach längerer Tätigkeit im Provinzdienst, kam er 1918 in die Statistische Abteilung der Reichsbank. Er wurde 1925 von hier nach Hamburg versetzt als zweiter Vorstandsbeamter der Reichsbankhauptstelle daselbst und 1926 nach Berlin an die Stelle eines Referenten beim Reichsbankdirektorium zurückberufen. Er hat Riesiger Brand bei Charleroi. wtb. Charleroi, 24. April(Funkspruch.) In den Dienstgebäuden der Eisenbahnverwaltung in Mareinelle bei Charleroi brach am Mittwoch zwischen 9 und ½10 Uhr abends ein Brand aus, der rasch einen ganz außerordentlichen Umfang annahm. In einem Augenblick war der ganze Gebäudekomplex in hellen Flammen. Es besteht Gefahr für sämtliche umliegenden Straßenzüge. Schiffsuntergang im Jonischen Meer. 20 Personen ertrunken. wtb. Athen, 23. April.(Tel.) Wie gemeldet wird, kamen in Pyros 3 Italiener an Land, die erklärten, die einzigen Ueberlebenden der 23köpfigen Besatzung des italienischen Dampfers „Trederica Corolo“ zu sein, der infolge einer Kesselexplosion am Samstag zwischen Zante und Kephalonia untergegangen sei. hier insbesondere die Reichsbank in der Beratungsstelle für Auslandskredite beim Reichsfinanzministerium vertreten, allgemeine kreditpolitische Fragen bearbeiten und an der Pflege der Zusammenarbeit der Zentralnotenbanken größern Anteil genommen. In Baden=Baden und im Haag hat er an den vorbereitenden Verhandlungen für die B33 teilgenommen. Reichsminister Treviranus über die politische Lage. este Klscl e ece eiechicte in diesem neuen Kabinett einen starken Einschlag von Frontsoldaten, nicht weil wir glaubten, es besser zu verstehen, als die anderen, sondern weil wir uns das eine geschworen hatten, daß wir die Frontkameradschaft auf die Volksgemeinschaft übertragen wollen. Wir wollen den anderen gelten lassen, ganz einerlei, woher er kommt, und wir wollen nicht politische Auseinandersetzungen mit persönlicher Polemik verbinden. Wir glauben, daß dieser Geist einer echten Frontkameradschaft in unserem deutschen wtb. einer vom hiesigen Arbeitsaushuß der. Valls; konservativen Vereinigung veranstalteten stark besuchten Versammlung sprach am Mittwochabend Reichsminister Treviranus über die politische Lage. Er führte u. a. aus, die Parteien hätten allmählich im deutschen Volk an Ansehen verloren. Eine Osterhoffnung sei eingezogen, und zwar nicht in die schlechtesten Kreise unseres Vaterlandes.— die Hoffnung nämlich, daß eine Regierung da ist, die den Willen hat, die Verantwortung, die ihr gebührt, zu tragen, d. h. auch tatsächlich zu regieren. Wer das mit habe ansehen müssen, wie in den vergangenen Monaten immer wieder gefeilscht wurde zwischen den Parteiführern, der habe Verständnis für die Munnionssprengung in Erier. E“ mitte##mine Anglahach wurde auch an einem wp. Trier, 23. April.(Tel.) Heute mittag wurde Trier plötzlich durch einen gewaltigen Schlag erschüttert. Die Häuser zitterten und die Fensterscheiben klirrten. Bald darauf wurde bekannt, daß die französische Besatzung auf dem Exerzierplatz Grüneberg angeblich eine Sprengung mit Munition vorgenommen habe. Die genaue Ursache konnte noch nicht festgestellt werden. Auf der von der Sprengstelle 250 Meter Luftlinie entfernt gelegenen staatlichen Domäne Avelsbach wurden durch den Luftdruck an drei Doppelhäusern die Dächer abgedeckt bezw. schwer beschädigt, im Innern der Stuck und der Verputz abgerissen, Türen aus den Angeln gerissen und die Fensterscheiben zertrümmert. Ein auf dem Dach mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigter alter Mann wurde ins Innere des Hauses geschleudert, blieb aber unverletzt. Auch sonst sind dort Personen nicht verletzt worden. Der Luftdruck war so stark, daß im Tal spielende Kinder davon umgeworfen wurden. Die Bewohner der Domäne waren von der Sprengung vorher nicht in Kenntnis gesetzt worden. Auch auf dem Exerzierplatz selbst sollen Schuppen beschädigt worden sein, doch war Näheres nicht festzustellen, da der Platz durch Soldaten streng abgesperrt gehalten wird. enb. Trier, 24. April.(Eigene Meldung.) Ueber die Munitionssprengung ist noch zu berichten: Die französische Besatzung hatte eine Anzahl Fässer mit Sprengstoffen, die aus Geschossen stammten, nach dem ehemaligen, von ihr beschlagnahmten deutschen Exerzierplatz auf dem Grüneberg fahren lassen, wo die Sprengstoffe vernichtet werden sollten. Der kommandierende Offizier ließ eine Grube graben und in diese die Sprengstoffe schütten. Die Sprengung riß einen Trichter von 4 bis 5 Meter Tiefe und 10 bis 12 Meter Durchmesser am obern Rande. Die Explosion wurde viele Kilometer weit im Umkreis gehört und brachte die Häuser zum Erzittern und die Fensterscheiben zum Klirren. Außer an den sechs Häusern der staatlichen Domäne Avelsbach wurde auch an einem auf dem Exerzierplatz selbst stehenden Wirtshaus schwerer Schaden angerichtet. Die Fenster wurden zertrümmert, die Türen beschädigt, die Gesimse teilweise herausgerissen und im Innern Möbel und Geschirr beschädigt. Die Bewohner saßen gerade beim Essen und wurden teilweise an die Wände geschleudert, ohne daß jedoch jemand verletzt wurde. Schwer gelitten hat auch das Vorwerk des Gutes Grünhaus. Hier wurden mehrere Decken durchbrochen, die Fensterscheiben zertrümmert und Schäden an Möbeln und Geschirr angerichtet. Ein Knecht des Vorwerks, der sich auf dem Heimweg befand und auf einem vor einen Wagen gespannten Pferd ritt, wurde im Augenblick der Explosion abgeworfen und blieb schwerverletzt liegen. Auch in verschiedenen Ortschaften der umliegenden Täler wurden Schäden an Fensterscheiben und Schornsteinen angerichtet. In der Kirche von Ruwer fiel ein Teil des Verputzes von der Decke. In der Kirche unterichtete gerade der Pfarrer die Kommunionkinder, die eine Panik ergriff, so daß sie die Kirche fluchtartig verließen. Die Besatzung hatte den deutschen Behörden von der beabsichtigten Sprengung keinerlei Mitteilung gemacht, so daß diese nicht in der Lage waren, irgendwelche Vorkehrungen zu treffen. In einem gewissen Umkreis um die Sprengstelle waren allerdings einzelne Posten aufgestellt, die die Leute von dem Betreten der Wege abhielten. Auch die Domäne Avelsbach war nicht benachrichtigt worden. In einiger Entfernung war ein Posten aufgestellt, der die Leute mit der Warnung zurückhielt, drüben werde zweimal gesprengt. Nach der ersten Sprengung liefen die Bewohner der Domäne zu dem Posten und forderten ihn auf, den kommandierenden Offizier von dem entstandenen Schaden zu benachrichtigen, damit die zweite Sprengung nicht vorgenommen werde. Dies geschah denn auch. Gestern nachmittag haben bereits Kommissionen der deutschen Behörden und der französischen Besatzung begonnen, die Schäden im einzelnen festzustellen. * DReS uge. rbig in Augue Aan. IN Se Auswahl Dundtzre enk'a ... Lualität für Kleide a ere n. u. u ug olesr Neuheit Kaschkunstseide s P 8roßer A,# ca. 70 *„ w a h i c m b r t. nhgg TOlle de soi. Vollvoile N. 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An die Ausschußsitzung schließt sich um 11 Uhr eine Sitzung der Vorsitzenden der Kreisverbände der Provinz Westsalen, der 19. Westsälische Kreisbrandmeistertag, an. Um 15 Uhr wird eine große sachtechnische Ausstellung in der Halle Münsterland eröffnet, zu der u. a. auch ein Teil des Rheinisch=Westfälischen Feuerwehrmuseums von Gelsenkirchen nach Münster gebracht werden wird. Um 18 Uhr sind Ausschußsitzungen der Provinzialverbände, die gegebenenfalls am Samstagvormittag sortgesetzt werden. Der Abend des ersten Tages ist vorgesehen, den Gästen im städtischen Kurhause Schloß Boniburg am idyllischen Strande der Werse, dem Dorado der Münsteraner, einen westfälischen Abend unter Vorführung westfälischer Volkssitten und Bräuche zu bieten. Samstag, den 16. August, ist der Hauptberatungstag. Vormittags 10 Uhr beginnt der 40. Westfälische Feuerwehrtag(der 68. im alten Verbande), und um 15 Uhr wird der 1. Preußische Feuerwehrtag unter der Beteiligung zahlreicher Behördenvertreter seinen Anfang nehmen. Für den Abend stellt die Stadt ihre sehenswürdigen historischen Festräume am Prinzipalmarkt zur Verfügung und läßt dessen Bodengänge gleichzeitig mit dem Rathaus und der Lambertikirche in Flutlicht erstrahlen. Am Sonntag vormittag 10 Uhr sind Schulübungen der Münsterischen Wehr geplant, und um 14,30 ist ein Festzug durch die Stadt. Im Anschluß daran Schauübungen der Münsterischen und gleichzeitig Vorführung von Leibesübungen der Bochumer Wehr. Abends wieder Festabend in historischen Räumlichkeiten der Stadt. Für Montag, den 18. August, dem letzten Tag des 1. Preußischen Feuerwehrtages, ist Sitzung und Beratung der Kreisbrandmeister der preußischen Provinzen in Aussicht genommen, außerdem Uebungen und Filmvorführungen. Tagung des Westfälischen Blindenvereins e V. vom 5. bis 6. April 1930 zu Meschebe(Ruhr), Blindenheim Alljährlich finden sich die Blinden mit ihren sehenden Helfern zu gemeinsamer Besprechung zusammen, um über die verschiedensten Fragen des Blindenwesens zu beraten. Gilt es doch, die Wünsche und Forderungen von rund 2300 Blinden, die es in Westfalen gibt, zu erfüllen. Dem Westfälischen Blindenverein sind rund zwei Drittel der westfälischen Blinden(Erwachsene) angeschlossen; Kinder und Jugendliche gehören dem Verein nicht an. Sämtliche 29 Ortsgruppen hatten Vertreter mit ihren sehenden Beiständen entsandt, des weiteren waren 15 Vertreter von den örtlichen Wohlfahrts= und Fürsorgeämtern anwesend; außerdem der Vertreter des Herrn Landeshauptmanns, Leiter des Fürsorgeverbandes, Herr Landesrat Schmidt, die Leiterin der ProvinzialBlinden=Anstalt Paderborn, Schwester Bonita, und der Direktor der Provinzial=Blindenanstalt Soest, Direktor Grasemann. Am Samstag, den 5. April wurde ausschließlich über die Gestaltung der örtlichen Blindenfürsorge gesprochen. Vier Vorträge wurden gehalten, woran sich jedesmal eine längere Aussprache schloß; hierbei kamen die Erfahrungen der einzelnen Vertreter zum Ausdruck. Morgens gegen 9 Uhr begann Herr Arronge, Bielefeld, mit dem Vortrag:„Wie werben wir für unsere Blinden". Redner wies darauf hin, daß die Leistungen der Blinden zu wenig bekannt seien. Man müsse durch geeignete, moderne, zweckmäßige Reklame— immer wiederkehrende Zeitungsanzeigen, Schriften, Flugblätter, Vorträge, Rundfunk, Filme, Ausstellungen u. dergl.— die breite Oeffentlichkeit interessieren und vor allen Dingen ausklären, damit gewissenlosen Personen, welche die Blindheit für ihre Zwecke ausnutzen, das Handwerk gelegt oder zum mindesten erschwert wird. Der zweite Vortrag wurde von Herrn Hupfer aus Castrop=Rauxel gehalten über das Thema: „Wie gestalten wir die Versammlungen in den örtlichen Blindenvereinen?" Die Interessen der Blinden sind vielseitig, und die Mitglieder setzen sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammen, weshalb es für den Vorstand äußerst schwierig ist, immer allen Mitgliedern gerecht zu werden. Bei allem Vereinsgeschäftlichen, Beruflichen und dergleichen dürfte das Geistige und Unterhaltende nicht vergessen werden, da ein großer Teil der Blinden nur die VersammlunDer Kampf um die Lanzerkreuzer Zu den am heftigsten umkämpften Fragen der deutschen Innenpolitik gehört der Bau der Ersatzkreuzer für unsere veralteten Kriegsschiffe, die unter dem Namen Panzerkreuzer A, B usw. nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. Wie erinnerlich, wurden die Bauraten für den Panzerkreuzer A nur nach erbitterten Reichstagskämpfen bewilligt. Das gleiche Schicksal droht dem jetzt spruchreif werdenden Panzerkreuzer B, dessem Bau sich die vorhergehende Regierung Müller entschieden widersetzt hatte. Nunmehr hat der Reichsrat einen Antrag der Regierung Preußen auf Streichung der ersten Baurate für das neue Kriegsschiff mit Stimmengleichheit abgelehnt und das Reichskabinett hat sich diesen Beschluß zu eigen gemacht. Der Panzerkreuzer B wird also gebaut, vorausgesetzt, daß der Reichstag nicht sein Veto einlegt. Die diesbezüglichen Reichstagsdebatten werden die nächste schwere Belastungsprobe für das Kabinett Brüning sein. Unser Bild zeigt den Schiffstyp, den die neuen Panzerkreuzer verkörpern. Obwohl ihre Tonnage auf 10000 Tonnen begrenzt ist, hat deutscher Erfindungsgeist doch durch größte Raumausnutzung und stärkere Verwendung von Leichtmetallen eine weit stärkere Bestückung des Schiffes ermöglicht, als es sonst bei Schiffen dieser Größenklasse der Fall ist, so daß die neuen Panzerkreuzer an Gefechtswert selbst größeren Kriegsschiffen der anderen Mächte weit überlegen sind. Die Brandkatastrophe in Riga Die lettische Hauptstadt wurde von einem Riesenbrand heimgesucht, wie ihn der Osten Eurapas seit jahrzehnten nicht zu verzeichnen hatte. In den Fabrik= und Speicherräumen der Textilwerke„Prowodnik“ in Riga, einem Gebäudekomplex von 800 Meter Länge, brach ein Brand aus, der in kurzer Zeit die gesamten Baulichkeiten einäscherte. Bei den Löscharbeiten wurden drei Feuerwehrleute unter herabstürzenden Trümmern verschüttet und getötet. Die in den Speichern aufgestapelten 8000 bis 9000 Tonen Flachs, die einen Wert von etwa 11 Millionen darstellen, wurden ein Raub der Flammen. Der Gebäudeschaden selbst wird auf weitere 6 Millionen Mark beziffert. Flieger Rehring tödlich abgesturzt Der Flieger Nehring, der zu den bekanntesten deutschen Piloten gehört und sich namentlich durch seine Rekord=Segelflüge einen Namen gemacht hat, ist während eines metereologischen Höhenfluges, den er allmorgendlich unternahm, bei der Rheininsel Kühkopf abgestürzt. Während sich sein Begleiter, der Beobachter Dr. Steinhäuser, durch einen Fallschirmabsprung retten konnte, wurde der Pilot nur noch tot unter den Trümmern der völlig zerstörten Maschine aufgesunden. gen besuche, um einmal einige Stunden zwanglos mit Schicksalsgefährten zusammen zu sein, ihre Erlebnisse und Erfahrungen gegenseitig auszutauschen. Nachmittags sprach zuerst Herr Willig, Datteln, über„Die Zusammenarbeit in der örtlichen Blindenfürsorge". Während Herr W. einerseits schilderte, wie das Verhältnis zwischen Vorstand und Mitgliedern sein müsse, schilderte er zum anderen, wie wertvoll für die gesamte Blindenfürsorge ein erträgliches Zusammenarbeiten zwischen öffentlicher und privater Fürsorge sei, nicht nur im Interesse der Blinden, sondern auch im Interesse der Fürsorge sei es dringend zu empfehlen, daß die Sachberater der Wohlfahrts= und Fürsorgeämter für das Blindenwesen die Vorstandssitzungen und Versammlungen des Vereins regelmäßig besuchen und womöglich tatkräftig und als Vorstandsmitglieder mitzuarbeiten. Nur dann wäre es möglich, den Blinden die verschiedensten Vergünstigungen zu verschaffen und vor allem den Blinden, die zum Teil zu den verschämtesten der Armen gehören, die oft peinlichen Wege zum Wohlfahrtsamt zu ersparen. Zum Schluß sprach noch Meurer=Dortmund, „Wie unterstützen wir unsere Mitglieder und deren Angehörige?“ Sämtliche Vorträge mit Aussprache werden in der monatlich erscheinenden Vereinszeitung des Westfälischen Blindenvereins e. V.,„Nachrichten“, welche kostenlos durch die Geschäftsstelle Dortmund, Kreuzstraße 4, zu beziehen veröffentlicht. Sonntags vormittags 10 Uhr eröffnete der 1. Vorsitzende, Kuhweide=Bochum, die an diesem Tage stattfindende erweiterte Arbeits=Ausschuß=Sitzung des Westfälischen Blindenvereins, die ebenfalls von rund 90 Teilnehmern besucht war. Nach den vereinsgeschäftlichen Angelegenheiten hielt der Geschäftsführer Meurer=Dortmund den Tätigkeits= und Kassenbricht über das verflossene Jahr 1929. Er verwies hierbei auf die Veröffentlichung in der Vereinszeitung„Nachrichten" und auf den Kassenbericht, der in der Einnahme 90360,94 und in der Ausgabe 98 841,45 RM. enthielt.— Die neugegründete Verkaufsabteilung des Westfälischen Blindenvereins, welche den Vertrieb der Erzeugnisse der blinden Handwerker übernimmt, wird weiter ausgebaut. Sie übernimmt das gesamte Rohstoff= und Fertiglager der Provinzial=Blindenanstalt Soest. Sie hat nunmehr 36 Vertriebsstellen in Westfalen. Ein umfangreiches Warenverzeichnis mit rund 150 Abbildungen ist fertiggestellt.— Hierauf wurde der Haushaltsplan für 1930 beraten— Unter Punkt 3 der Tagesordnung erledigte man die verschiedensten von den Ortsgruppen eingegangenen Anträge.— Punkt 4 befaßte sich mit den Fragen des Reichsdeutschen Blindenverbandes sowie mit dem vom 27. Juli bis 2. August zu Nürnberg stattfindenden Blindenwohlfahrtskongreß.— Unter Punkt„Verschiedenes“ wurde unter anderem noch beschlossen, daß der nächste „Westfälische Blindentag" am Sonntag, den 29. Juni in Bielefeld stattfinden soll. Gegen 6 Uhr schloß der stellvertretende Vorsitzende Seydel=Bielefeld, die anregend und harmonisch verlaufene Tagung. Die Verpflegung der Teilnehmer erfolgte in dem idyllisch gelegenen Erholungsheim des Westfälischen Blindenvereins, woselbst auch die Tagungen stattfinden. Nunmehr wird das Heim wieder seiner eigentlichen Bestimmung, den kranken und erholungssuchenden Blinden kostenlos oder zu einem geringen Verflegungssatz für einige Wochen Gesundung und Ausspannung zu bieten, übergeben. Bücherbesprechung Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind zu haben in der Buchhdlg. C. Braus. Schwerte. Was die Amerikaner über ihren Geheimkrieg gegen uns sagen. Uns allen macht gerade der letzte Teil des Krieges und sein unglücklicher Ausgang schmerzliches Kopfzerbrechen, aber darüber sind wir uns wohl alle klar, daß Sphinr Amerika dahinter zu suchen ist. Ueber Amerikas Mitwirkung ist das Material bisher noch sehr unvollkommen gewesen. Wir haben im Kriege den Fehler gemacht, über den Yankees zu lächeln. Sie waren aber keineswegs so harmlos, wie wir meinten, und sie waren es, die unter Ausnutzung unseres geringschätzigen Lächeln uns das Wasser abgruben. Wir empfehlen Ihnen daher dringend, das neue Buch zu lesen:„Dunkle Wege Amerikas im Weltkrieg" Enthüllungen— Spionagegeschichten von Thomas J. Johnson. Autorisierte deutsche Ausgabe, Verlag Dieck und Co., Stuttgart, Preis in Ganzleinen 6,50 Mark, geh. 4,50 Mark. Thomas J. Johnson war selbst im amerikanischen Hauptquartier an der amerikanischen Front tätig. Das Buch ist im Zusammenwirken mit Autoritäten des amerikanischen Geheimdienstes entstanden. Wirklich ein Buch, von dem jeder erschüttert sein wird. Ein Buch, das mit Recht nicht einfach mit Stillschweigen übergangen wurde. Uebersetzer und Verlag sagen, sie wären es unserem Volkstum schuldig, ihm Kenntnis davon zu geben, was draußen in der Welt enthüllt wird über den letzten Kampf unseres gequälten Vaterlandes im Augenblick, als ihm neben den Vielen noch USA.— gesättigt mit Geld und Menschen— an die Kehle sprang. Da sehen Sie, wie sie es gemacht haben— unserer Gegenspieler— Die sie mit einer Ueberzahl von Menschen und Geld die deutschen Erkundungen von dem, was der Feind vorhatte, immer schwerer machten, wie sie wie Mäuse im Tunkel wühlten. Wie wir niedergedrückt und auch in der Zivilbevölkerung matt gemacht wurden von den Satten, während wir hungerten, wie sie noch nach dem Waffenstillstand ihre Spionenfallen aufstellten, wie die Herren Spione in Berlin regelmäßige Lebensmittelpakete von der Rheinarmee bekamen als Verführungsmittel für ausgehungerte Deutsche. Der Uebersetzer betont dabei, daß er sich mit dem Inhalt des Buches im Einzelnen nicht identifiziert, ihm und dem Verlag liegt nur daran, eine ungetrübte Wiedergabe von dem zu geben, was der Amerikaner gesagt hat, und es unserer Kenntnis und Kritik zu unterbreiten. Es ist wohl kaum bisher über den Krieg ein Buch erschienen, das über Dinge, die im Kriege zum Geheimsten gehörten und die auch jetzt noch sehr geheim gehalten werden, in so weitgehender Weise den Schleier gelüftet hat. Uns tritt daher ein sehr wichtiges Material zur Beurteilung von Kriegsende und Nachkriegszeit entgegen. Diese Enthüllungen beschränken sich keineswegs nur auf das Militärische, sondern greifen in alle Gebiete des Volkslebens, der Wirtschaft und Politik hinein. Auch über die Arbeit des Geheimdienstes der Engländer, Franzosen und der Zentralmächte sowie das lichtscheue Treiben der verschiedenen Kriegsmächte in den neutralen Randstaaten wird außerordentlich Interessantes ausgeplaudert. Wirklich, dieses Buch muß jeder lesen! Dabei kommt auch der auf seine Kosten, dem vor allem daran liegt, spannende, aufregende Dinge zu lesen, die hier in ungewöhnlicher Fülle geboten werden. Roman von Iritz Poppenberger Copyrighi oy Martin Feuchtwanger Halle(Saale) 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Enttäuscht und seelisch gebrochen lehnte sie sich an die Mauer, hinter der ein Mann auf und ab ging, mit sehnendem, laut pochendem Herzen. Ein Mann, der nicht wußte. daß die Frau, die er erwartete, nur wenige Meter von ihm entfernt sei. Ein Mann, der sich nie mit einem unlauteren Gedanken an sie herangewagt hätte, ja, der sie jetzt kniend, wie eine Madonna, eine Märtyrerin empfangen hätte, wenn er wüßte, weswegen sie sich seinerzeit an Reiner weggeworfen hatte. Ein Mann, der sie voll in ihrer Unnahbarkeit als Frau respektiert hätte, wenn er wüßte. daß all das Gerede seines Freundes Schröder nur haltlose Annahmen giftiger Zungen waren. Und so nahe, daß er sie fast mit der Hand ergreifen konnte, stand die Frau, die aufjauchzend zu ihm geeilt wäre, hätte sie ihn verstanden. Hätte sie gewußt, wie und welch harter Amboß ihn zum leidenschaftsdurchtosten Manne geschmiedet hatte. Doch er konnte sie nicht ergreisen, denn beide wurden durch eine Mauer getrennt, die dunkle, verhängnisvolle Mauer eines düsteren Schicksals. Nur wenige Worte zueinander, aus dem Munde der beiden Menschen, die sich zu hassen glaubten und doch liebten, und sie würden sich verstehend finden. Kurt hatte sich dem Fenster genähert und blickte, den Vorhang beiseite schiebend, in die Dunkelheit der Nacht. Erschreckt hatte Nelly am Schatten bemerkt, daß er sich dem Fenster näherte; sie kauerte sich, zitternd vor Angst, in einen Mauerwinkel. Und als der Vorhang wieder zugezogen wurde, floh sie aus dem Garten, hinaus auf die menschenleere Straße, und lief, bis ihr Atem keuchend ging, immer weiter. Erst nach geraumer Zeit begann sie wieder klar zu denken. Wohin soll ich jetzt? Nach Hause zu einem Manne, der mich kalten Blutes veräußern wollte? Zu meinem Vater, der mich an ein Ungeheuer verkaufte? Zu Larowicz. der mich in beleidigender Weise als willenlose Ware betrachtet? Nein, niemals! Möge er meinen Mann in den Kerker bringen. Er verdient es nicht besser. Mir ist es einerlei. Lebensmüde, hoffnungslos, angeekelt von dem Schmutz einer verlogenen Welt, irrte Nelly fröstelnd in den menschenleeren Gassen umher. Ziellos, planlos. Und erst nach Stunden, als sich die Kälte immer mehr in ihre warme Kleidung hineinfraß, sah sie ein, daß sie nicht die ganze Nacht über auf der Straße bleiben konnte. Wohin aber? Doch zu Reiner zurück? Ich habe mir doch geschworen, die Schwelle seines Hauses nicht mehr zu betreten. Soll ich jetzt wieder heimkommen? Nein, dieses Geschenk verdient er nicht! Nelly war in einem Zustande, der vollkommener Teilnahn slosigkeit gegenüber ihrem weiteren Schicksal gleichkam. Und zum ersten Male, seitdem sie ziellos in den Straßen der Stadt ging, hob sie, um sich blickend, den Kopf. Da bemerkte sie hinter sich eine wuchtige Gestalt, die ihr schon längere Zeit zu folgen schien. Sie sah, wie ein Mann lässig den Hut lüftete und löthelnd zu ihr sagte: „Na, willst du mitkommen, Kleine?" Entsetzt floh sie vor ihm und irrte weiter durch die (Straßen. In völlig ermattetem Zustande wurde sie von einer unverheirateten Arbeiterin, die ein schweres Leben hinter sich hatte, aufgefunden. Die Arbeiterin stieß die auf einer Schwelle kauernde Gestalt an und fragte: „Sie! Was machen Sie denn da?“ Als keine Antwort erfolgte, bog sich die einsame Frau zu der Gestalt herab und blickte in zwei weit aufgerissene, verzweifelte Augen. „Ihnen scheint es auch nicht gut zu gehen. Sie haben wohl kein Zimmer? Soll ich Sie mitnehmen?" Dankbar nickte Nelly. Ohne große Umstände, ohne irgendwelche Fragen nahm die wackere Frau die erschöpfte Nelly mit in ihr einfaches Stübchen und legte sie ins Bett. ** Der Morgen brach an und warf sein fahles Licht in ein geräumiges Schlafzimmer, dessen Betten unberührt waren. Tastend glitten die ersten Morgenstrahlen über helle Wände, über schwere Teppiche und seidene Decken. Das Zimmer schien keinen Menschen zu beherbergen. Doch nein... Zwischen den Aesten hindurch schlüpfte ein vorwitziger Sonnenstrahl und drang in das verwaiste Schlafzimmer. Keck huschte er über ein vergrämtes, farbloses Gesicht, in dem kein Muskel zuckte. Wären die Augen nicht halb geöffnet gewesen, man hätte Reiner für einen Schlafenden halten können. Doch er schlief nicht. Kraftlos kauerte er auf seinem Sessel; seine Gedanken aber ließen ihm keine Ruhe: Wo bleibt Nelly? Eine ganze, lange, furchtbare Nacht ist vorbei, und noch immer hat mir der Erpresser mein Weib nicht zurückgeschickt. Die Pendeluhr schlug wieder. Gequält sah Reiner auf das Zifferblatt. Acht Uhr morgens schon... Wo bleibt Nelly? Sein durchfurchtes Gesicht begann nervös zu zucken. Er hatte viel gelitten. Seine Beherrschung verließ ihn. Stöhnend sprang er auf; mit wirrem Blick durchmaß er das Zimmer in großen Schritten. Und wieder vergingen Stunden. Da hielt Reiner das Warten nicht mehr aus. Die Verzweiflung fraß sich in sein Hirn und ließ keinen anderen Gedanken aufkommen, als den irren Schrei: Gib mir mein Weib zurück! Genug eine endlose, entsetzliche Nacht! Gib mir mein Weib zurück! Genug eine furchtbare Nacht!— Genug. Genug.. Genug! Mit hastigem Griff nahm Reiner seinen Mantel und kürzte ins Freie. „Genug! Genug!“ knirschte er zwischen den Zähnen. „Gib mir mein Weib zurück!“ Sein Atem ging laut, als er das Haustor zu Larowicz Heim aufriß. Die alte Bedienerin wollte ihn aufhalten, doch er schob sie zur Seite, blickte fragend auf die drei ins Vorhaus mündenden Türen, und klopfte dann gleichzeitig an zwei Türen. Eine müde Stimme rief:„Herein!“ Im nächsten Augenblick stand Reiner vor Larowicz: „Wo ist meine Frau?“ Larowicz antwortete nicht gleich. Langsam legte er die Feder aus der Hand und betrachtete seinen Gast, der in höchster Aufregung zu sein schien, mit prüfendem Blick. Da trat Reiner mit funkeindem Blick an Kurts Schreibtisch. „Wo ist meine Frau? Geben Sie mir meine Frau zurück!“ Larowicz zuckte mit den Schultern. „Lesen Sie das!“ Reiner ergriff das ihm gereichte Papier, warf einen Blick darauf und wurde blaß. „Was soll das heißen? Das ist doch gegen unsere Abmachung! Wollen Sie mich jetzt doch verhaften lassen?“ Da sprang Larowicz auf. Voller Ingrimm kam es über seine Lippen: „Ja, mein Herr, weil ich stundenlang vergeblich auf Ihre Frau wartete... Weil Sie sich wohl dachten, mit mir auch anders fertig zu werden.“ „Meine Frau war nicht bei Ihnen?“ Fast jauchzend klang es. Dann warf sich Reiner in einen Sessel und lachte, lachte laut und froh.„Und ich raufte mir die Haare... Hahaha“ Larowicz betrachtete seinen unfreiwilligen Gast mit einem bösen Seitenblick. Dann faltete er das Papier sorgsam zusammen, schob es in ein Kuvert, schrieb eine Adresse darauf und rief die alte Dienerin: „Wersen Sie den Bries in das nächste Postkästchen!“ Reiner hörte zu lachen auf. Dann stürzte er auf die alte Frau zu, die schon im Weggehen begriffen war und entriß ihr den Brief. Spöttisch sah Larowicz zu, wie Reiner den Brief in kleine Stückchen zerriß. „Glauben Sie wirklich, daß ich keinen zweiten mehr schreiben kann?“ Reiner ließ die Papierreste aus den Händen gleiten und blickte Larowicz angstvoll an. Sein Selbsterhaltungstrieb zeigte sich und verwischte seine erste Freude, daß sein Widersacher ihm seine Frau nicht nahm. Er begann zu flehen und schwor, daß er alles getan habe, was in seiner Macht stand, um Kurts Wunsch zu erfüllen. Larowicz blickte finster zum Fenster hinaus. Es war ihm nicht leicht, Reiner anzusehen. Denn in seinem Innern stieg leise Scham über sein Vorgehen auf, das er sich selbst als unedel eingestand. Das Schweigen legte Reiner für sich in ungünstigem Sinne aus. Immer kläglicher bat er Larowicz, Schonung walten zu lassen. „Lassen Sie mich endlich in Ruhe“, herrschte Kurt ihn an.„Ihre Frau kam nicht; die Konsequenzen kennen Sie.“ „Aber, um Gottes willen, es ist doch nicht meine Schuld. Ich verspreche Ihnen, alles zu tun, daß sie doch...“ Unangenehm berührt, fiel Kurt der bittenden Jammergestalt ins Wort.„Lassen Sie das; ich will nichts mehr hören. Gestern wartete ich, heute aber...“ „Sie hören aber doch, daß ich Nelly zu Ihnen schickte. Sie ging, versprach sich zu fügen, und.. „Und kam nicht", ergänzte Kurt leise.— Lange dachte er nach, den Blick zum Fenster hinaus gerichtet, und hörte kein Wort von dem, was Reiner zu ihm sprach. Endlich schwieg auch Reiner. Stumm saßen sich dann die beiden Männer gegenüber. Der eine tief in Gedanken versunken, der andere in zitternder Erregung, wie ein Angeklagter, der sein Urteil erwartet. Und während sich Reiner das langandauernde Schweigen seines Todfeindes nicht erklären konnte und mit Bangen auf die Entscheidung wartete, hatte Kurt Reiners Anwesenheit ganz vergessen. Er dachte an Nelly, sah sie wieder in ihrer Mädchengestalt vor sich und bat sie in Gedanken um Verzeihung. Arme Frau, dachte er, Schweres hast du ertragen müssen. Wie sehr du auch fehltest, daß du dich an eine elende Kreatur, nur des Geldes wegen, kettetest, du hast es reichlich abgebüßt. Denn eine größere Strafe, als sich von dem Manne seiner Wahl verkauft zu wissen, gibt es wohl nicht für dich. Arme Nelly... Nun handeltest du nicht nach seinem Willen und setzt ihn dem Verderben aus: Ein Beweis, daß er dir vollkommen gleichgültig ist. Arme Nelly. Endlich wandte sich Kurt wieder seinem Gaste zu: „Ah. Sie sind ja noch da!?“ Angstvoll fragend sah Reiner ihn an: „Run?“ „Was nun?“ Und wieder begann Reiner zu bitten: „Lassen Sie mich nicht verhaften! Lassen Sie mich frei! Ich verspreche Ihnen, Nelly zu suchen und sie zu zwingen.“ Erregt sprang Kurt auf: „Schweigen Sie!“, herrschte er ihn an. „Aber?“ „Schweigen Sie!" „Werden Sie mich schonen?“ Mit unstetem Blick sah Kurt in das vor Angst verzerrte Gesicht. Dann kam es, gedankenverloren, von seinen Lippen: „Ja, ich lasse Sie frei! Gehen Sie!" Reiner sprang auf. Er wollte es erst gar nicht glauben. Er konnte Larowicz nicht begreisen. Kein Wunder, denn dieser verstand sich selber nicht. Warum war er plötzlich großmütig? Schämte er sich vor sich selbst und vor Nelly? Wollte er sein Vergehen durch Groß nut wieder gutmachen? Oder hatte er Mitleid mit Nelly? Wollte er sie keinen weiteren Roheiten durch ihren Gatten aussetzen? Er wußte es nicht. Doch als Reiner noch immer vor ihm stand, nicht wußte, daß Menschen mit so weltvergessenem Blick nicht lügen, und nochmals seinen Freispruch hören wollte, da warf ihn Kurt, aufbrausend, zur Tür hinaus. „Ich schone Sie! Lassen Sie sich aber nicht mehr sehen, sonst überlege ich es mir noch!“ *„ Matt hob Nelly die Lider. Mit umschleiertem Blick sah sie um sich, fremd, nicht verstehend. Plötzlich kamen ihr die letzten Stunden wieder in Erinnerung. Ruckhaft setzte sie sich in dem knarrenden Bett auf. Sie war allein in dem dürftigen Raume. Unentschlossen ließ sie ihren Blick in die Runde gleiten. Da fiel ihr Blick auf einen Zettel, der auf dem Stuhl, der neben ihrem Bett stand, lag. Teilnahmslos überflog sie die eckige, ungelenkige Schrift: „Ich muß zur Arbeit. Wollte Sie nicht stören. Wenn Sie weggehen, so ziehen Sie den Schlüssel ab und legen ihn unter die Matte vor der Schwelle." Gewaltsam schüttelte Nelly ihre lähmende Niedergeschlagenheit ab. „Ich kann hier nicht länger bleiben“, murmelte sie halblaut.„Meine Rache habe ich erfüllt; jetzt fort von hier, fort... Doch wohin?“ Sie hatte sich inzwischen angekleidet und hüllte sich in ihren Pelzmantel.„Fort von hier... Doch wohin? Die Schwelle zum Hause meines Mannes überschreite ich nicht mehr. Zu meinem Vater? Er, der mich verkaufte? Er, der schuld daran ist, daß es mit mir so weit kommen mußte? Nein, zu ihm nicht! Doch wohin?“ Sachte verschloß Nelly die Tür und schlich alsdann über den dunklen Gang ins Freie hinaus. Im kalten Morgenwinde wich ihre Müdigkeit, zugleich hämmerten aber auch ihre quälenden Gedanken immer lauter auf sie ein. Wohin nun?, fragte Nelly sich immer wieder. Sie verspürte Hunger. Ein leises Schwächegefühl ließ sie bedauern, ihr Heim ganz ohne Geld verlassen zu haben. Müde schritt sie weiter, ohne Ziel und ohne Zwang; nur weil sie auf der Straße nicht stehenbleiben konnte. Da fiel ihr Blick auf die reiche Auslage eines Juweliers. Ein rettender Gedanke kam ihr. Entschlossen betrat sie den Laden. Der Inhaber erkannte sie: „Guten Morgen, gnädige Frau! Womit darf ich Ihnen dienen?“ Statt einer Antwort löste Nelly ein kleines Goldkettchen von ihrem Handgelenk. „Was geben Sie mir dafür?“ „Ich soll das Kettchen abschätzen?“ „Nein! Sie sollen es kaufen!“ Der Juwelier schien erstaunt zu sein. Doch schwieg er. Wahrscheinlich wollte der Gatte ihr irgendeinen Wunsch nicht erfüllen; irgendeine kleine Laune, dachte er und betrachtete das Kettchen eingehend. Dann na nte er einen Preis. Der Preis schien Nelly gering. Sie war aber zu gleichgültig, um Einwendungen zu machen. Mit einem Kopfnicken akzeptierte sie den Vorschlag und verließ nach Empfang des Geldes den Laden. Auf der Straße angelangt, kaufte Nelly von einem Zeitungsjungen eine Zeitung, überflog die Anzeigenseite; sie fand bald, was sie suchte: Ein möbliertes Zimmer für eine alleinstehende Dame... Tage vergingen. Reiner fühlte sich unglücklich. Nach langem Suchen hatte er Nellys Aufenthaltsort gefunden, doch sie weigerte sich, ihn zu empfangen. Nirgends fand Reiner Ruhe. Sein Heim schien ihm öde und verlassen. Wenn er auf der Straße war, trieb es ihn wieder nach Hause. Nochmals entschloß er sich, Nelly um ihre Rückkehr zu bitten. Denn erst ihr Fehlen brachte ihm wieder das Bewußtsein, daß er ohne sie nicht leben konnte. Doch Nelly wollte ihn gar nicht anhören. Sie wies ihm die Tür. Als er ihrer Aufforderung nicht nachkam, nahm sie selbst Mantel und Hut, und verließ das Zimmer. Ihr gütlich zuredend, eilte Reiner nach. Ohne ihn anzusehen, schritt Nelly dem Ringplatz zu. Bittend ging Reiner seitlich hinter ihr.— Ein seltsames Ehepaar. Die spöttischen Blicke der Passanten bewogen Nelly, stehenzubleiben. Mit finsterem Blick musterte sie den Mann, den sie Gatten nennen mußte. „Du kennst meinen Entschluß. Was willft du noch?“ Mit zuckendem Gesicht sah Reiner sie an. „Nelly!“ Bittend klang es.„Nelly! Was soll ich dir geben, damit du zu mir zurückkommst?“ Verächtlich zuckte es um ihre Mundwinkel: „Geben? Kennst du nichts, als nur Geben oder Nehmen? Soll und Haben? Glaubst du, eine Frau erst verschachern und dann ihre Gunst wieder erkaufen zu können?“ „Nelly! Rede doch nicht. Ich gebe...“ „Schon wieder geben, geben, geben?“ Angewidert wandte Nelly ihrem Manne den Rücken. Da fiel ihr Blick auf die Auslagen eines Geschäfts. Es war ein Juwelierladen. Und darauf blitzte es in ihren Augen auf.„Nun, was möchtest du mir geben, damit...“ „Was du willst!“ Langsam hob Nelly ihre Hand und zeigte auf einen Schmuck. Spöttisch huschte es um ihre Lippen. „Diese Brillantkette möchte ich.“ „Ader Nelly!“ Gequält, vorwurfsvoll klang es. Doch ihr machte es Freude, Reiner zu quälen.„Ja, diesen Schmuck und nichts anderes will ich, dann komme ich zu dir zurück.“ (Fortsetzung folgt.)