uin Schaodin Zeshus uichen uschaunich uchr nd Bezugepreis halbmonatlich 1.20 Maik, Enzeinummer 13 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Rudr), Posscheckonten: Dortmund 2632 und Hannover 21874. Geschöststelle Große Marhtstr. 3.—3 Verantworlich für die Schriftleitun H. Linner, Schwerte. Jernruf zato Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Volkszeitung Shharin. Soiseiu. Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Eapignpen; I. de echhslbot mm eie e. Pla, Autoir. lige, finanzamtiche u. gerichtliche Anzeigen 1o Pltz., Lekamczeile 40 Pf: Sur teleson. aufgegedene Inserate übernehmen wir bemne Gerich. Laluioen berigseo, Lensdleltungen, erenr. gerasen durck böbere Gewaten, übernekmen oir keinertei Gewädr sir pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erboden werden eerscaun un uen. u ee beta## D i# Sene een Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Anit Westhofen S Kreisvirtt für den nördlichen Len des Einbrreises Iserivon 63. Jahrgang K Nr. 88(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Montag, den 14. April 1930 Neues in Kürze. Abschluß der deutsch=österreichischen Handelsvertragsverhandlungen. wtb. Berlin, 13. April.(Tel.) Die deutschösterreichischen Handelsvertragsverhandlungen, die seit einigen Wochen in Berlin stattgefunden haben, sind am 12. April zum Abschluß gebracht worden. Gleichzeitig mit dem Handelsvertrag sind ein Vertrag über die Rechtshilfe in Zollsachen sowie ein Abkommen über den kleinen Grenzverkehr heute unterzeichnet worden. Im Anschluß an die Unterzeichnung gab der Reichsminister des Aeußeren, Dr. Curtius, im Hotel Kaiserhof ein Frühstück zu Ehren der österreichischen Delegation. Beschmutzung des Reichstagsgebäudes. wtb. Berlin, 13. 4.(Funkspruch.) Mehrere Portale des Reichstagsgebäudes wurden in der vergangenen Nacht mit roter Farbe beschmiert und die Inschrift angebracht:„Tod dem Young!“ Darunter war ein Hakenkreuz gezeichnet. Die Täter sind unerkannt entkommen.— Die Ludwigskirche in Wilmersdorf wurde in der vergangenen Nacht badurch verunziert, daß von zwei Personen am Westportal der Kirche ein Plakat der Internationale angeklebt wurde. Die Personen, die KPD=Plakate und Kleistertopf bei sich trugen, wurden festgenommen und der Abteilung 1 A eingeliefert. Index der Großhandelspreise. wtb. Berlin, 13. April.(Tel.) Die auf den Stichtag des 9. April berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes hat sich mit 126,9 gegenüber der Vorwoche(126,6) um 0,2 v. H. erhöht. Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,0 v. H. auf 1,0 v. H. auf 112.2(111,1) gestiegen. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist mit 125,4(125,6) und diejenige für industrielle Fertigwaren mit 152,0(152,1) leicht herabgegangen. Die Madrider Anwälte gegen die Strafen des Diktators. wtb. Paris, 14. April.(Tel.) Havas berichtet aus Madrid, daß die Mitglieder der Anwaltskammer einstimmig eine Entschließung gefaßt haben, die die Abschaffung der im Jahre 1928 erlassenen Strafbestimmungen fordert. Der Sohn des verstorbenen Diktators Primo de Rivera verteidigte diese Bestimmungen. Der Blaubart von Marakesch. enb. Paris, 13. April.(Eigene Meldung.) In Marakesch in Marokko ist ein eingeborener Schütze festgenommen worden, der nicht weniger als sieben eingeborene Frauen ermordet hat. Begeisterter Empfang freigelassener Katalanier in Barcelona. wtb. Barcelona, 14. April.(Tel.) Vier der kürzlich begnadigten sieben jungen Katalanier sind nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis hier eingetroffen. Sie wurden von etwa 40.000 Personen, meist Arbeitern, Frauen und Studenten, begeistert begrüßt. Die englisch=russischen Handelsvertragsverhandlungen. wtb. Moskau, 13. April.(Tel.) Nach einer Meldung aus London sind der Botschafter der Räteunion, Sokolnikow, und Staatssekretär H erson in allen Hauptfragen eines provisorischen Handelsabkommens zwischen England und der Räteunion zu einer Einigung gelangt. Ihre Vereinbarung wird die Grundlage eines endgültigen Handelsvertrages bilden. Sie sieht u. a. die Schaffung einer Rätehandelsvertretung in London unter Bedingungen vor, die dem Außenhandelsmonopol entsprechen. Annahme der Frauenstimmrechts in Südafrika. wtb. Kapstadt, 13. April.(Tel.) Die Frauenstimmrechtsvorlage wurde vom Abgeordnetenhaus in dritter Lesung angenommen. Freispruch im Ulitz=Prozeß. Mehrhen für Radmen Trunig. wtb. Kattowitz, 12. April.(Tel.) Unter atemloser Spannung der Zuhörer, unter denen sich vor allem auch zahlreiche hohe Beamte des Gerichtes und hohe Offiziere befanden, verlas der Vorsitzende Zehenter um 5 Uhr nachmittags folgendes Urteil: Das Urteil erster Instanz wird aufgehoben; der Angeklagte Ulitz wird freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. 160. Sitzung des Reichstages. vdz. Berlin, 12. April.(Tel.) In der Samstagsitzung des Reichstages ist von den Regierungsparteien zum Gesetz über Zolländerungen ein Antrag eingegangen, der bestimmt, daß die Deckungsvorlagen zugleich mit der Agrarvorlage in Kraft treten. Vor Eintritt in die Tagesordnung begründete Abg. Stöcker(Komm.), einen neuen kommunistischen Mißtrauensantrag gegen das Kabinett Brüning auf die Tagesordnung zu setzen.— Diesem Antrage wurde entsprochen. Reichskanzler Dr. Brüning(mit lebhafter Bewegung und Aha=Rufen empfangen): Zwei Aufgaben sind von der jetzigen Reichsregierung in ihrer Erklärung am 1. April als vordringlich bezeichnet worden:„Die Sanierung der Finanzen von Reich, Ländern und Gemeinden und die Durchführung von Notmaßnahmen für Rettung der Landwirtschaft, insbesondere in den schwerbedrängten östlichen Gebieten. Unter Führung der Reichsregierung haben die hinter der Regierung stehenden Parteien für die heutige Abstimmung in der zweiten Lesung einen Antrag eingebracht, wonach das Gesetz zum Schutze der Landwirtschaft nicht in Kraft treten kann, ohne gleichzeitige Bewilligung der dem Hohen Hause unterbreiteten Deckungsvorschläge.(Hört, hört!) Sämtliche Entscheidungen, vor denen der Reichstag heute steht, bilden ein unteilbares Ganzes. Ohne Sanierung der Reichskasse können die unbedingt gebotenen Notmaßnahmen für die Landwirtschaft nicht durchgeführt werden. Die Reichsregierung kann die Verantwortung nicht übernehmen, wenn nicht schon in der zweiten Lesung entsprechende Sicherheiten geschaffen werden. Diesen Gedanken bringt der vorliegende neue Antrag zum Ausdruck. Wird er abgelehnt, oder wird nachher in den einzelnen Abstimmungen das Deckungsprogramm in seinen finanziellen Erträgnissen geschmälert, so wird die Reichsregierung noch am heutigen Tage die notwendigen Entscheidungen herbeiführen. Versagt das Hohe Haus die Mithilfe, so wird die Reichsregierung das, was für die Lebensnotwendigkeit des deutschen Volkes erforderlich ist, auf anderem Wege durchsetzen. Die Sozialdemokratie lehnt ab. Abg. Dr. Breitscheid(Soz.): Wir wünschen die sofortige Abstimmung über den Verbindungsantrag, damit die Entscheidung nicht länger hinausgeschoben wird. Wir haben keine Veranlassung, dem Kabinett aus den Verlegenheiten zu helfen, die es sich selber geschaffen hat. Wir werden also das in dem Verbindungsantrag liegende Klammergesetz ablehnen. Wenn man das Agrarprogramm für lebensnotwendig hält, dann muß man es ohne jede Bedingung und ohne jede Bindung an Finanzvorlagen durchführen. Wird das Klammergesetz abgelehnt, woran wir angesichts der entschlossenen Haltung der Deutschnationalen(Lachen links) nicht zweifeln, so werden wir nach der Reichstagsauflösung den Wahlkampf führen für die Erhaltung der Sozialpolitik gegen den großagrarischen Uebermut, für die finanzielle Sanierung (Lautes Gelächter bei den Regierungsparteien.), für die demokratische Republik.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Erwiderung des Zentrums. Abg. Esser(Ztr.): Wir sind durchaus damit einverstanden, daß sogleich über das Klammergesetz abgestimmt wird. Wir brauchen eine Reichstagsauflösung nicht zu scheuen. Es mutet seltsam an, daß Dr. Breitscheid, der den Reichskanzler Brüning vor der Anwendung des Artikels 48 gewarnt hat, jetzt Dr. Brüning einen Vorwurf daraus macht, daß er die Lösung auf parlamentarischem Wege versucht hat. Die Wählerschaft wird erkennen, wem die eigentliche Schuld zufällt an der jetzigen Entwicklung der Dinge.(Beifall.) Der Kommunist für Reichstagauflösung. Abg. Torgler(Komm.) erklärte, dieser Reichstag müsse sofort aufgelöst werden. Demokratische Abwehr. Abg. Koch=Weser(Dem.): Die Demokraten hätten den Wunsch gehabt, auch die Sozialdemokraten zur Regierung heranzuziehen, weil sie eine stetige Regierung wollen. Wenn Dr. Breitscheid jetzt den übrigen Parteien die Schuld an der Entwicklung der Dinge zuschiebt, so müssen wir dagegen die schärfste Verwahrung einlegen. Nationalsozialisten lehnen die Steuergesetze ab. Abg. Stöhr(Nat.=Soz.) stellte in einer Erklärung fest, die Regierung unternehme jetzt im Auftrage der internationalen Hochfinanz den ernstlichen Versuch, durch unerträgliche Lasten in Form von Verbrauchssteuern dem Youngplan zur Durchführung zu verhelfen. Die Partei des Herrn Dr. Hugenberg und die ChristlichNationale Bauernpartei hätten in historischer Stunde erneut materielle Erwägungen den nationalpolitischen Interessen vorangestellt. Seine Freunde lehnten die Steuergesetze entschlossen ab. Entschließung der Regierungsparteien. Inzwischen war eine Entschließung der Regierungsparteien eingegangen, die einen Gesetzentwurf über eine wirksame Hilfe für den Osten verlangt. Ein deutschnationaler Biersteuerantrag. Abg. Hergt(DN.), mit lebhaften Zurufen empfangen, verwies auf die von den Regierungsparteien vorgelegte Entschließung über das Ostprogramm und stellte fest, daß seine Partei heute morgen der Regierung vorgeschlagen habe, einem Zusatzantrag zum Biersteuergesetz zuzustimmen, wonach die Biersteuererhöhung am 1. August außer Kraft tritt, wenn bis dahin nicht die Hilfsaktion für den Osten mit einem Betrage von 200 Millionen sichergestellt ist. Zu seinem größten Bedauern habe die Reichsregierung dem Antrage bisher nicht zugestimmt. Eine Stellungnahme im Sinne dieser Forderung könnte von Bedeutung sein.(Heiterkeit und Zurufe.) Des Reichsfinanzministers Nein. Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer erwiderte namens der Reichsregierung, daß diese nicht in der Lage sei, diesem Antrage zuzustimmen. Wir können die Durchführung der Kassensanierung, so fuhr der Minister fort, nicht davon abhängig machen, daß irgendein anderes Gesetz oder eine Maßnahme bis zu einem bestimmten Zeitpunkt durchgeführt wird. Wir können ebensowenig in diesem Augenblick auf den Heller und Pfennig die Beträge nennen, die für die Osthilfe zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Regierung hat sich klar und deutlich zur Osthilfe bekannt. Die Gesetze sind in Vorbereitung. Es werden alle verfügbaren Mittel flüssig gemacht werden, um diese Hilfe wirksam durchzuführen. Entweder hat man das Vertrauen zur Regierung, daß sie die ihr gestellten Aufgaben durchführt, dann bedarf es keiner besonderen Sicherung, oder man hat das Vertrauen nicht, dann kann man das in der Abstimmung zum Ausdruck bringen.(Beifall bei den Regierungsparteien.) Die Bauernpartei stimmt zu. Abg. Döbrich(Chr.=Nat. Bauernp.) erklärte, seine Partei stimme wegen der Not des Volkes Drei Personen bei einem Großener ungekonmen. wtb. Greiffenberg(Schlesien), 14. 4. (Funkspruch.) Im benachbarten Großstöckigt brach in der Nacht zum Sonntag in der Scheune des Stellenbesitzers Walter Feuer aus, das die Scheune, das Wohnhaus und Stallungen einäscherte. Der 71jährige Vater, der Schwager und der zehnjährige Sohn des Besitzers erstickten im Qualm und verbrannten. Absturz eines Krankenkranstorsagenges. Ein Toter, vier Verletzte. wtb. Stockholm, 14. April(Funkspruch.) Ein schweres Unglück ereignete sich Sonntag nachmittag in den Stockholmer Schären in der Nähe der Insel Dalarö. Dort stürzte ein Krankentransportflugzeug des Roten Kreuzes mit fünf Insassen ab und zerschellte. Der Bootskonstrukteur Ingenieur Plym wurde getötet und der Kranke, ein Bruder des Getöteten, schwer verletzt. Die übrigen drei Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht bekannt. und des deutschen Bauernstandes den Agrargesetzen und den Deckungsvorlagen zu. Sie sei sich bewußt, daß sie damit die nationale Linie nicht verlasse. Eine Erklärung der DVp. Abg. Dr. Scholz(DVp.) betonte, daß niemand Veranlassung habe, an dem ernstesten Willen der Regierungsparteien zu zweifeln, die Not des Ostens mit allen verfügbaren Mitteln zu beheben. Es folgte dann die Abstimmung über den Antrag der Regierungsparteien, ob die Finanzund Agrargesetze gleichzeitig in Kraft treten. Von der deutschnationalen Fraktion stimmten die meisten Mitglieder mit Ja, andere mit Nein oder mit blauen Karten, die Stimmenthaltung bedeuten. Das Ergebnis der Abstimmung war die Annahme des Verbindungsantrages mit 217 gegen 206 Stimmen, bei einer Stimmenthaltung. Mit Pfuirufen der Kommunisten und mit Gelächter der Sozialdemokraten wurde das Abstimmungsresultat ausgenommen. Präsident Löbe: Wir müßten nun mit der sachlichen Beratung der Zollvorlagen beginnen. Es wird aber vorgeschlagen, die Sitzung auf 10 Minuten zu unterbrechen, damit sich die Herren erholen.(Heiterkeit.) Die Beratung der Deckungsvorlagen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung ging die Erledigung der Deckungsvorlage in der zweiten Beratung ziemlich glatt vonstatten. Bei den einzelnen Vorlagen sprachen nur Sozialdemokraten und Kommunisten. Die Zölle für Benzin und Benzol wurden nach Ablehnung sozialdemokratischer Aenderungsnträge mit den Stimmen der RegierungsBeisetzung der Königin von Schweden. wtb. Zeichen Die letzte Ruhestätte. Stockholm, 13. April.(Tel.) Zum der Trauer hatten die öffentlichen Aemter, die Büros aller Art, die Banken und Läden gestern von den frühen Nachmittagsstunden an geschlossen. Um 1,30 Uhr trafen die Kreuzer„Gustaf V.“ und„Drottning Viktoria“, der letztgenannte mit der Leiche der Königin an Bord, mit ihrem Geleit von Torpedobootszerstörern ein. Der Sarg wurde unter einem Salut von 21 Kanonenschüssen auf die königliche Barkasse geschafft. Der König, der Kronprinz und Prinz Wilhelm begaben sich auf die Barkasse, die dann von Matrosen nach der Insel Skeppsholmen gerudert wurde, auf der sich die Stockholmer Marine= station befindet. Unter den Trauergästen befanden sich der König und der Kronprinz von Norwegen, der König und die Königin von Dänemark, der finnländische Staatspräsident, die Großherzogin Hilda von Baden, Schwägerin der verstorbenen Königin, Prinz Berthold von Baden, ihr Vetter, Prinz Adalbert von Preußen und der Fürst von Hohenzollern=Sigmaringen, Prinz Viktor zu Wied, Prinz Gustav und Prinzessin Thyra von Dänemark, sowie sämtliche Mitglieder des Diplomatischen Korps in Stockholm. Unter dem Gesang der Hymne Sverige und den Trauerklängen einer Marinemusikkapelle wurde der Sara von zehn hohen Marineoffizieren an Land gebracht. Als sich der Trauerzug mit dem von sechs Pferden gezogenen Leichenwagen an der Spitze in Bewegung setzte, begannen alle Stockholmer Kirchenglocken ein Trauergeläut. Der Sarg wurde in die Ridderholmskyrkan getragen und vor dem Altar auf einen Katafalk gestellt. Den Trauergottesdienst hielt der Erzbischof von Stockholm Assistenz von drei Hofkaplänen ab. Während dieser Zeit löste die Marinestation auf Skeppsholmen einen Trauersalut von 42 Schuß. Die Offiziere, die den Sarg in die Kirche gebracht hatten, trugen ihn in die Grabkapelle der Dynastie Bernadotte, wo er auf einen neben den Katafalken der drei letzten Könige und Königinnen stehenden Katafalk gesetzt wurde. parteien und der Rechten angenommen in der Fassung der Regierungsvorlage. Bei der Ausgleichssteuer auf Mineralöle beantragten die Regierungsparteien die Wiederaufhebung der im Ausschuß beschlossenen Befreiung des Petroleums von der Steuer. Dieser Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit 244 gegen 178 Stimmen bei acht Stimmenthaltungen angenommen. Das Agrarprogramm der Regierungspar= teien wurde in einfacher Abstimmung angenommen. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten, Kommunisten und von der demokratischen Fraktion die Abgg. Lemmer und Nönneburg. Angenommen wurde eine Entschließung der Regierungsparteien, wonach die Einnahmen aus den Mineralölzöllen für Zwecke des Wege= und Straßenbaus verwandt werden sollen. Die Aenderung der Tabaksteuer wurde nach der Kompromißfassung der Regierungsparteien in namentlicher Abstimmung mit 241 gegen 184 Stimmen angenommen. Dafür stimmten auch die meisten Deutschnationalen. In einfacher Abstimmung wurde dann auch die Aenderung der Zuckersteuer beschlossen. Hierauf wurde in namentlicher Abstimmung mit 215 gegen 208 Stimmen das Biersteuerkompromiß der Regierungsparteien angenommen. Dagegen stimmten Sozialdemokraten. Kommunisten, Nationalsozialisten und verschiedene Deutschnationale. Die Erhöhung der Umsatzsteuer von 0,75 auf 0,85 Prozent wurde mit 220 gegen 204 Stimmen beschlossen. Die Warenhaussteuer in der vom Ausschuß abgelehnten Fassung der Regierungsparteien wurde mit 214 gegen 204 Stimmen, bei einer Stimmenthaltung, angenommen. Bei beiden Abstimmungen stimmte der Zentrumsabg. Schlack mit der Opposition, während Minister Stegerwald mit Ja stimmte. Die Vorlage zur Aenderung des Branntweinmonopols wurde nach Ablehnung deutschnationaler Aenderungsanträge angenommen, dazu eine Ausschußentschließung, die Abwehrmaßnahmen gegen die Schädigung des deutschen Weinbaues und der deutschen Branntweinerzeugung durch hochgespritete Weine und ähnliche Stoffe fordert. Ein kommunistischer Antrag auf Ablehnung der Mineralwassersteuer wurde in namentlicher Abstimmung mit 213 gegen 204 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen abgelehnt.(Pfuirufe bei den Kommunisten.) Ein sozialdemokratischer Aenderungsantrag verlangte Steuerfreiheit für Erzeugnisse, die unentgeltlich oder zum Selbstkostenpreise abgegeben werden an die in Unternehmungen oder Verwaltungen beschäftigten Personen, ferner von Krankenkassen oder in gemeinnützigen Kranken=, Heil=, Pflege= und Erziehungsanstalten, in Jugendherbergen und auf Spiel= und Sportplätzen. Dieser Antrag wurde mit 240 gegen 185 Stimmen abgelehnt. Nach Ablehnung weiterer Aenderungsanträge wurde die Mineralwassersteuer in der Kompromißfassung der Regierungsparteien angenommen. Die Aufbringungsumlage wurde angenommen. Der dazu von den Sozialdemokraten gestellte Antrag auf Erhebung eines Notopfers durch Einkommensteuerzuschlag auf Einkommen über 8000 Mark wurde mit 239 gegen 187 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen abgelehnt. Für den Antrag stimmten die Sozialdemokraten, die Kommunisten und der Zentrumsabg. Schlack. Angenommen wurde die weitere Hinausschiebung der Bindung der Länder und Gemeinden an, die Reichseinheitswerte. Es folgte dann der inzwischen vom Ausschuß eingereichte Entwurf zur Vorbereitung der Finanzreform, der auch die Sanierung der Arbeitslosenversicherung enthält. Die Abstimmung über die Kompromißfassung der Regierungsparteien, in der der Beitrag von 3½ Prozent beibehalten wird, blieb zunächst zweiselhaft, da die Deutschnationalen sich der Stimme enthielten. Im Hammelsprung stimmten aber die meisten Deutschnationalen mit den Regierungsparteien, sodaß§ 1 der Kompromißvorlage mit 213 gegen 186 Stimmen angenommen wurde. § 3, der den Vorstand der Reichsanstalt zu Reformvorschlägen ermächtigt, wurde mit 243 gegen 185 Stimmen angenommen, der Rest der Vorlage in einfacher Abstimmung gegen die Sozialdemokraten, Kommunisten, Nationalsozialisten und eine Minderheit der Deutschnationalen. Ein kommunistischer Antrag auf Erhöhung der Besitzsteuern wurde in namentlicher Abstimmung mit 383 gegen 48 Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten abgelehnt. Vizepräsident Esser teilte mit, daß der Reichskanzler noch heute die Abstimmung über das von den Kommunisten gegen das Kabinett eingebrachte Mißtrauensvotum wünsche. Bei der namentlichen Abstimmung über den Mißtrauensantrag stimmten die Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten geschlossen mit Ja, bei den Deutschnationalen stimmten der Parteivorsitzende Hugenberg und einige andere Mitglieder mit Ja, die übrigen mit Nein. Der Mißtrauensantrag wurde mit 222 gegen 203 Stimmen, bei einer Enthaltung, abgelehnt.(Pfuirufe und Pfiffe bei den Kommunisten, Händeklatschen bei den Regierungsparteien.) Um 7 Uhr vertagte sich das Haus auf Montag 10 Uhr vormittags. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung der Deckungsvorlage. rungsparteien angenommen, die die baldige Vorlage eines Gesetzes über die Osthilfe verlangt. Politische Zusammenstöße. wtb. Magdeburg, 13. April.(Tel.) Bei einer am Samstag veranstalteten Erwerbslosen=Kundgebung kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Straßenpassanten. Wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums dazu mitteilt, wurde ein Polizeibeamter, der die entstehende Schlägerei verhindern wollte, zu Boden gerissen, mit Schlagringen bearbeitet und am Kopfe erheblich verletzt, sodaß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Einem zweiten Polizeibeamten wurde die Uniform zerrissen. Als ein zu Hilfe eilender dritter Beamter seinen Revolver zog, zerstreute sich die Menge, ohne daß geschossen zu werden brauchte. Es wurden zwei Verhaftungen vorgenommen. Von den Demonstranten und Straßenpassanten ist, soweit bisher festgestellt wurde, niemand verletzt. wtb. Magdeburg, 14. Apcil.(Funkspruch.) Nachdem erst am Samstagabend hier kommunistische Unruhen stattgefunden hatten, kam es gestern mittag wiederum zu schweren politischen Zusammenstößen. Die Nationalsozialisten, die einen Demonstrationsumzug durch die Stadt veranstalteten, wurden von Kommunisten angegriffen. Es kam zu einer schweren Schlägerei, während der mit Steinen geworfen und auch geschossen wurde. Auch die angreifenden Polizisten wurden mit Steinen beworfen. Als die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machte, flüchteten die Kommunisten. Sowohl auf Seiten der Kommunisten wie der Nationalsozialisten gab es mehrere Verletzte. Die Luge i Indien. Zwei Bombenattentate in Indien. wtb. Bombay, 13. April.(Tel.) Im Wartesaal des Bahnhofes Byculla und in einem Zuge in Masjid explodierte je eine Bombe. Zwei Personen wurden verletzt. Die Bombenattentate werden mit dem Eisenbahnerstreik in Zusammenhang gebracht. Zuchthausstrafen in Indien. wtb. Kalkutta, 13. April.(Tel.) Der Führer der Steuerverweigerungsbewegung im Bezirk Contai, Sureschandra Banerjes, wurde zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Ferner erhielt Dayal, der in der Inderbewegung in Südafrika eine hervorragende Rolle gespielt hat, eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren. Am Freitag abend veranstalteten 10 000 Schüler im Rahmen der nationalen Unabhängigkeitswoche, die heute zu Ende geht, eine Kundgebung, bei der es zu einem Zusammenstoß mit der Polizei kam. Mehrere Personen wurden verletzt und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Freiwillige für den Salzkrieg. wtb. Karachi, 14. April.(Funkspruch.) Aus allen Teilen der Provinz Sind strömten hier die Freiwilligen der Bewegung zur Verweigerung des zivilen Gehormsams zusammen, um in Uebertretung des Salzmonopols Salz herzustellen, wie dies bereits in den vergangenen Tagen geschehen ist. Boykottfeldzug der Inder gegen ausländische Kleidungsstücke. wtb. Madras, 14. April.(Funkspruch.) Im Zeichen des Boykottfeldzuges gegen die ausländischen Waren zugunsten der Heimweberei wurden hier allerorts Freudenfeuer aus ausländischen Kleidungsstücken angezündet, die sowohl hier wie in Calicut, Bellary und Coimbatore hergestellt wurden. Zeppelinfahrten. Wegen Beleidigung des Berliner Poltzeipräsidenten verurteilt. wtb. Berlin, 13. April.(Tel.) Wegen Beleidigung des Berliner Polizeipräsidenten ist am Samstag der Redakteur Werner Hirsch vom Schöffengericht zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Die Note Fahne hatte im November 1929 einen Artikel veröffentlicht, der sich mit den Maiunruhen beschäftigte und in dem der Polizeipräsident als Massenmörder und Arbeiterschlächter bezeichnet wurde. In derselben Sache war bereits gegen den verantwortlichen Redakteur des Blattes, Firl, Anklage erhoben worden. Während des Prozesses gegen Firl, der zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden ist, hatte Hirsch unter Eid freiwillig bekannt, daß er der Verfasser des Artikels sei und damit das Verfahren gegen sich herbeigeführt. Er erklärte nun, daß er diesen Prozeß mit Absicht herbeigeführt habe, um die seinerzeit abgelehnten Beweisanträge über die Vorgänge in den Maitagen wieder aufnehmen zu können. Landgerichtsdirektor Dr. Neumann erwiderte dem Angeklagten, daß das Gericht kein politisches Forum oder ein Theater sei und auch kein Untersuchungsausschuß. Es bestehe nicht der geringste Anlaß, auf Dinge einzugehen, die mit der Anklage in keiner Verbindung stehen. Sämtliche Beweisanträge wurden abgelehnt. Der Versuch, aus dem Prozeß eine große politische Aktion der Kommunistischen Partei zu machen, war damit gescheitert. Unglücksfälle im Bergbau. wtb. Recklinghausen, 14. April.(Funkspruch.) Im unterirdischen Betriebe der Zeche Reckling= hausen l in Recklinghausen=Süd brach am Samstag vormittag infolge von Gebirgsstößen ein Stollen zusammen. Hierbei wurden zwei Bergleute auf der Stelle getötet, ein weiterer Bergmann schwer und ein vierter leicht verletzt. Der Schwerverletzte starb auf dem Transport zum Krankenhaus, sodaß drei Tote zu beklagen sind. Auf dem in Herten=Langenbochum gelegenen Schacht III/IV der Zeche„Schlägel und Eisen“ geriet zur gleichen Zeit ein Bergmann unter herabfallende Gesteinsmassen und war sofort tot. Auf dem Schacht I/II der gleichen Zeche in Disteln kam ein Bergmann dadurch zu Tode, daß er in einem Fahrstollen einem Zuge ausweichen wollte und dabei mit dem Kopf an die Starkstromleitung stieß. Die beiden letztgenanten Bergleute waren verheiratet. davon, während ein Komplize im Kraftwagen folgte. Unterwegs warf der Mann das Fahrrad, nach dem er die Tasche losgerissen hatte, weg, bestieg den Kraftwagen und jagte in schnellstem Tempo davon. Die bestohlene Firma hat auf die Herbeischaffung des Geldes eine Belohnung von 10 Prozent ausgesetzt. Regierungspräsident a. D. Dr. Kruse gestorben. wtb. Bad Godesberg, 13. 4.(Tel.) In der Nacht zum Sonntag ist hier der frühere Düsseldorfer Regierungspräsident, Wirkl. Geheimer Oberregierungsrat Dr. Francis Kruse im fast vollendeten 76. Lebensjahre gestorben. Unfall eines Tankwagens. wtb. Mittweida, 12. April.(Tel.) Ein schwerer Unfall, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, ereignete sich heute hier, als ein riesiger Tankwagen des zurzeit hier gastierenden Zirkus I. Busch eine abschüssige Straße hinabraste und gegen die Ecke eines zweistöckigen Wohnhauses rannte. Die Zimmerdecken des Hauses stürzten infolge des Anpralles zusammen. Ein Riß durch das ganze Gebäude ließ völlige Einsturzgefahr als wahrscheinlich erscheinen, weshalb das Haus gestützt werden mußte. 9 Stundenfahrt des„Graf Zeppelin“. wtb. Friedrichshafen, 13. April.(Tel.) Das Luftschiff„Graf Zeppelin", das am Samstag 7,55 Uhr aufgestiegen war, ist am Samstag nachmittag nach neunstündiger Fahrt in die Schweiz glatt gelandet. Gegen 4 Uhr erschien das Luftschiff über Friedrichshafen. Bei herrlichem Wetter kreuzte es noch längere Zeit über der Stadt. Die Fahrt hatte über St. Gallen, Zürich, Lausanne, Bern. Interlaken in das Jungfrauengebiet geführt. Bei der Rückfahrt wurde Basel bei teilweise schlechter Sicht überflogen. Die nächste Fahrt wird nach Spanien führen, wo in Sevilla eine Landung vorgenommen werden soll. Der Start wird am Montag erst in den Nachmittagsstunden erfolgen. Die Spanienreise des Graf Zeppelin. wtb. Friedrichshafen, 14. 4.(Funkspruch.) Wie aus einer Unterredung mit Kapitän Lehmann hervorgeht, wird der Start des Graf Zeppelin für die Spanienfahrt am Montag nachmittag zwischen 4 und 6 Uhr erfolgen. Der genaue Zeitpunkt hängt jedoch von dem Ergebnis der letzten Wetterprüfung ab. Ueber den Weg, den das Luftschiff nehmen wird, ist noch nichts Bestimmtes festgelegt, doch dürfte der gleiche Weg wie bei der Atlantikfahrt geflogen werden. Der Ankermast in Sevilla ist noch nicht fertig, und das Luftschiff wird daher von einer bereitstehenden Haltemannschaft in Empfang genommen werden. Nach ein bis zwei Stunden, in welcher Zeit die Passagiere zum Teil ausgetauscht werden und neue Fracht und übernommen wird, wird die Heimfahrt Aus verschmähter Liebe niedergeschossen. WP. Mülheim(Ruhr), 12. 4.(Tel.) Am Freitag abend, kurz vor 7 Uhr, wurde die 37 Jahre alte Ehefrau des Diplomkaufmanns Alexander Niedenhoff, die ahnungslos mit einer anderen Dame durch die Wilhelmstraße ging, von dem 47jährigen stellungslosen Kaufmann Wilhelm Stieglitz aus einer Entfernung von etwa sechs Metern von hinten angeschossen. Die Dame stürzte sofort auf den Bürgersteig und blieb bewußtlos liegen. Der Täter versuchte dann sich selbst zu erschießen, sprang aber, als er sich verfolgt sah, in den Schleusenkanal, aus dem er von einem zufällig anwesenden Aufseher herausgezogen wurde. Man brachte ihn dann zur Polizei. Die schwerverletzte Frau wurde sofort zum Krankenhaus gebracht, wo sie gegen 9 Uhr abends ihren Verletzungen erlegen ist.— Wie wir weiter erfahren, handelt es sich um einen Racheakt. Der Täter hatte schon vor der Verheiratung der Getöteten versucht, mit ihr ein Verhältnis anzuknüpfen, war aber abgewiesen worden. Auch nach der Heirat verfolgte Stieglitz die Frau mit Liebesanträgen, so daß diese mehrfach sich bei der Polizei beschwerte; hier gab der Täter das Versprechen ab, die Frau nicht mehr zu belästigen. Nach der Tat versuchte Stieglitz übrigens auch auf die Frau Wiedenhoff begleitende Dame zu schießen, doch versagte anscheinend die Waffe. Furchtbares Autounglück. Sechs Mitglieder einer Familie schwer verletzt. wtb. Mainz, 14. April.(Funkspruch.) Auf der Provinziallandstraße Bingen—Mainz, etwa 3 Kilometer oberhalb der Gemeinde Gaulsheim bei Bingen, ereignete sich Sonntag abend ein schwerer Autounfall. Ein aus der Richtung Mainz kommender offener Personenwagen, in dem das Ehepaar Veit aus Budenheim bei Mainz mit seinen drei Söhnen und der Tochter Platz genommen hatte, überschlug sich aus noch nicht festgestellter Ursache während der Fahrt, sodaß alle sechs Personen unter das Auto zu liegen kamen und zum größten Teil schwer verletzt wurden. Bei einem der Verunglückten besteht Lebensgefahr. Straßenbahnunglück. wtb. Glasgow, 14. April(Funkspruch.) In der Nacht zum Sonntag sprang ein überfüllter Straßenbahnwagen aus den Schienen, fuhr gegen einen Wagen und stürzte um. Männer, Frauen und Kinder wurden durcheinandergeworfen und zwischen die geborstenen Holz= und Eisensparren des Wagens eingekeilt. Zwei Personen wurden getötet und 65 verletzt, darunter 30 schwer. Sämtliche Verletzten wurden in ein Krankenhaus übergeführt. Einige von ihnen schweben in Lebensgefahr. in einem amerikanischen wtb. Tacoma(Washington), 14. April. (Funkspruch.) In der Kohlengrube Carbonado der Pcific Coal Company ereignete sich Samstag abend im zweiten Stollen heftige Gasexplosion. 21 Bergie: ihr Leben ein. ###s überaus * d e h e i Halririer Post nach Friedrichshafen wieder angetreten. Die Ferner wurde die Entschließung der Regie= Rückkunft wird für Mittwoch abend erwartet. Aus Nah und Fern. Ein Vierzehnjähriger springt aus dem 4. Stock. wp. Düsseldorf, 13. April.(Tel.) Hier sprang ein vierzehnjähriger Schüler in Abwesenheit seiner Eltern aus einem Fenster des vierten Stockes. Er erlitt einen Schädelbruch und Oberschenkelbrüche und starb, kurz nach seiner Einlieferung im Krankenhaus. Der Junge hatte eine besondere Vorliebe für chemische und physikalische Experimente. Als er sich wieder mit derartigen Versuchen beschäftigte, verursachte er eine leichte Explosion. In seiner Verwirrung tat er dann den verhängnisvollen Sprung. Die Kindesentführung in Essen. enb. Essen, 13. April.(Eig Meldung.) Das Schicksal des seit dem 21. Februar verschwundenen 6½jährigen Schülers Günther Kosten ist nach wie vor ungeklärt. Die gestern, wie bereits gemeldet, aufgetauchte Nachricht, daß Günther Kosten bei einer Zigeunertruppe entdeckt worden sei, hat sich als ein Irrtum herausgestellt. Die Frau, von der die Nachricht herrührte, hat sich, wie die Polizei feststellen konnte, von einem Zigeunerknaben zum besten halten lassen. Raub einer Aktentasche mit 10.000 Mark. WP. Köln, 12. 4.(Tel.) Heute vormittag wurde an der Ecke Eigelstein und Platz der Republik einem Kassenboten, während er sich in einem Zigarrengeschäft eine Wochenkarte kaufte, von einem Mann, der aus einem anfahrenden Kraftwagen sprang, das Fahrrad, an dem eine Aktentasche mit 10000 Mark Inhalt befestigt war, gestohlen. Der Mann fuhr mit dem Rad Haussuchungen in der Se Grundstücksaffäre. anb. Berlin, 14. April.(Eig. Nurtomeld) Die staatsanwaltschaftlichen Vernehmungen über die Grundstücksgeschäfte der Stadt Berlin wurden am Samstag bis in die späten Abendstunden weitergeführt. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg beauftragte, wie der„Montag“ meldet, auf Grund des Ergebnisses der Verhöre den Kriminalkommissar Seiffert, an mehreren Stellen, darunter auch bei Personen, die in den letzten Tagen vom Landtagsausschuß als Zeugen vernommen wurden, Haussuchungen abzuhalten. Bei dieser Gelegenheit wurde, dem Blatt zufolge, sehr wertvolles Material beschlagnahmt und der Staatsanwaltschaft zugeführt. Darunter befindet sich auch ein Teil der Aufzeichnungen des Mühlenbesitzers Felix Günther, der vor einiger Zeit dem Magistrat Material zum Kauf angeboten und dafür 25000 Mark gefordert hatte. Gleichzeitig hat die Staatsanwaltschaft im Laufe des Sonntags gegen eine Reihe von Personen, deren Namen bei den Vernehmungen im Landtagsausschuß im Zusammenhang mit der Affäre genannt worden sind, Ermittlungsverfahren eröffnet. Die Grundstücksmakler, die bei den Gutsankäufen der Stadt beteiligt waren, werden bereits am Montag und Dienstag vom Staatsanwalt vernommen werden. Jagd nach den Autobanditen von Mühlhausen. enb. Berlin, 14. April.(Eig. Nadiomeldung.) Die Kasseler Landeskriminalpolizei verfolgt, laut Montag, eine Spur der Verbrecher, die dem Staatlichen Lotterieeinnehmer von Schrader in Mühlhausen 3000 Mark geraubt haben. Der von den Tätern benutzte Kraftwagen ist in Bebra und Schlüchtern gesehen worden. Man vermutet, daß die Autobanditen, die wahrscheinlich aus Berlin stammen, an mehreren in Mitteldeutschland verübten Einbruchsdiebstählen beteiligt sind und hat gemeinsam mit der Frankfurter Landeskriminalpolizei einen besonderen Dienst eingerichtet, um die Verbrecher dingfest zu machen. Gegenkaiser in Abessinien? enb. London, 14. April.(Funkspruch.) Observer berichtet aus Kairo, aus gewöhnlich zuverlässiger Quelle verlautet, daß es in Abessinien zu Unruhen gekommen sei. Ein führender Ras habe sich gegen Ras Tafari zum Kaiser ausrufen lassen. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Durch einen Pistolenschuß verletzt. Freitag abend gerieten auf der Leibnizstraße, Ecke Lessingstraße, mehrere Personen in Streit, wobei einer der Beteiligten eine Pistole zog und auf seinen Gegner, den Arbeiter Erich O. aus der Schützenstraße, einen Schuß abgab. Kugel blieb im rechten Oberarm stecken. Dem Verletzten wurde zunächst auf der Polizeiwache ein Notverband angelegt, dann mußte er sich zum Arzt begeben. Den Pistolenschützen konnte die Polizei nicht mehr fassen. Er hat am Tatort lediglich seinen Hut liegen lassen. — In die Herzgegend gestochen. Nachts entstand in einer Wirtschaft auf der Rheinischen Straße eine Schlägerei, die auf der Straße fortgesetzt wurde. Bei dieser Schlägerei wurde der Musiker T. von einem Karl P. aus der Bessemer straße mit einem feststehenden Messer in die Herzgegend gestochen. Von hinzukommenden Polizeibeamten wurde der Messerstecher festgenommen, während der Verletzte dem Luisenhospital zugeführt werden mußte. — Fassadenkletterer in der Franziskanerstraße. Ein verwegener Einsteigediebstahl wurde in einer der letzten Nächte in einem Hause der Franziskanerstraße verübt. Der Dieb stieg vom Hofe aus auf den Balkon einer Wohnung und kletterte von hier aus an der Dachrinne bis zur dritten Etage hinauf. Hier stieg er in zwei Wohnungen ein. Aus einer dieser Wohnungen hat er ein Paar Schuhe gestohlen. Der Täter entkam unerkannt auf demselben Wege, auf dem er gekommen war. — Eheliches Intermezzo auf der Kaiserstraßee. Abends- nach 20 Uhr geriet ein Ehemann aus Dorstfeld auf der Kaiserstraße in hestigen Streit mit seiner Frau und erregte einen großen Menschenauflauf. Ein Polizeibeamter brachte die Streithähne zur Wache. Hier wollte der tobende Ehemann sich wieder auf seine Frau stürzen. Die dazwischentretenden Beamten griff er tätlich an. Einen von ihnen biß er in den Arm. Nachdem er mit dem Gummiknüppel etwas beruhigt worden war, verließ er Arm in Arm mit seiner Ehefrau die Polizeiwache. Sölde. Grober Unsug und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Ein Bergmann aus Sölde verübte auf der Bahnhofstraße in Sölde gegen 3 Uhr nachts ruhestörenden Lärm und groben Unfug, sodaß zwei Landjägereibeamte gegen den Mann einschreiten mußten. Als die Beamten seine Personalien haben wollten, wurde er frech und griff sie an. Als ein Musiker aus Sölde dieses hörte, kam er ebenfalls hinzu und ergriff Partei für den Ruhestörer. Beide griffen die Landjägereibeamten tätlich an. Ein Beamter erhielt einen Schlag gegen den Arm, wodurch ihm die Taschenlampe zertrümmert wurde. Dem anderen Beamten wurde der Umhang zerrissen. Erst als die Beamten von ihrem Gummiknüppel Gebrauch machten, gelang es ihnen, die Personalien der beiden festzustellen. Die Täter wurden zur Anzeige gebracht. Witten. Östertagung der Kindergärtnerinnen. In den Räumen des Diakonissen=Mutterhauses und des Kindergärtnerinnenseminars zu Witten fand die diesjährige Ostertagung vom 4.—7. April statt, zu der zahlreiche Kindergartenschwestern und Kindergärtnerinnen, die auf den Stationen des Wittener Mutterhauses beschäftigt sind, sowie zahlreiche frühere Schülerinnen des Wittener Kindergartenseminars erschienen waren. Samstag, der 5. April war ausgefüllt durch 2 große Vorträge durch Oberstudiendirektor Dr. Prüfer=Leipzig. Vormittags sprach er über Fröbel und Montessori und über die Bedeutung dieser beiden Pädagogen für die Kindergartenarbeit. Nachmittags stand die„pädagogische Kasuistik“ im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit. Am Sonntag, den 6. April, sprachen die beiden Jugendleiterinnen des Kinderseminars Fräulein Menzel und Fräulein Köhling über den Kinderhort und über praktische Arbeit im Kindergarten. Am Montag, den 7. April lenkte Schwester Auguste Mohrmann aus Berlin die Aufmerksamkeit auf die sozialistische Kinderfreundebewegung. Ebenso wichtig als die Vorträge waren die lebhaften und ausgedehnten Aussprachen und die Konferenzen, die sich mit besonderen Berufsfragen beschäftigten. Die Ostertagung der Kindergärtnerinnen wurde geleitet von Pfarrer Schallenberg=Witten. Von der Östertagung 1930 wird wiederum viel Anregung und Segen auf alle die Kindergärten, Kinderheime und Erziehungsanstalten ausgehen, an denen die zahlreichen Teilnehmerinnen tätig sind. a Arnsberg. Wieder eine ungültige Stadtverordnetenwahl. Gegen die hiesige Stadtverordnetenwahl vom 17. November hatten die Nationalsozialisten Einspruch erhoben, weil die fünf Unterschriften unter dem Wahlvorschlag der Kommunisten nicht Original= zeichnungen waren, sondern von einer Hand geschrieben waren. Zwar stellte der Bürgermeister fest, daß die Unterschriften im Einverständnis mit den Unterzeichnern unter dem Wahlvorschlag standen, und daraufhin erklärte er die Stadtverordnetenversammlung für gültig. Der Bezirksausschuß war jedoch anderer Ansicht und entschied für Ungültigkeit der Wahl. Der Antrag auf Entscheidung des Bezirksausschusses war von den Nationalsozialisten gestellt worden. Cassel. Starrkrampf durch Primeln. In das Landeskrankenhaus wurde die Ehefrau eines Schrankenwärters aus Ihringhausen eingeliefert. Die Aerzte stellten fest, daß die Kranke in Starrkrampf verfallen war. Beim Planzen von Primeln hatte sie sich eine leichte Rißverletzung an der Hand zugezogen, in die der Saft abgebrochener Blätter und wahrscheinlich auch Blütenstaub der Primeln eingedrungen waren und den Krampf herbeigeführt haben. Die junge Frau schwebt noch in Lebensgefahr, doch hoffen die Aerzte, sie am Leben erhalten zu können. Für die sogenannte Primelkrankheit ist zwar nicht jeder Mensch empfänglich, doch zeigt dieser Fall von neuem, daß größte Vorsicht beim Berühren der Blüten und Stengelenden von Primeln am Platze ist. h Greven. Tödlicher Sturz durch die Bodenluke. Die 34jährige Landwirtin M. im benachbarten Saerbeck stürzte beim Abwerfen von Stroh durch die Bodenluke auf die Tenne und blieb schwer verletzt liegen. Man brachte die Frau sofort ins Maria=Josefs=Hospital nach Greven, wo sie bald nach ihrer Einlieferung verstarb. a Ibbenbüren. Vom Pferde geschlagen. Beim Anschirren eines Pferdes schlug ein Pferd aus und iraf einen Landwirt aus Ostenwalde. Er erlitt schwere Verletzungen und mußte dem Krankenhause in Hopsten zugeführt werden. h Drensteinfurt. Ein Kirchenräuber verhaftet. Kinder beobachteten, wie zwei Männer sich in der Pfarrkirche an einem Opferstock heranmachten, und riefen den Küster herbei. Die Opferstockräuber flohen, einer von ihnen wurde aber wieder eingefangen und gefangen gesetzt. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um die gleichen Täter, die schon vor kurzem die Opferstöcke erbrochen und beraubt hatten. Was hören wir im Rundfunk? Dienstag, den 15. April 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. (10,30: Tagesdienst, Wasserstände). 12,10: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Funkwerbung. 15,00: Kinderspielstunde. 15,30: Wirtschaftsdienst. 16,05: Dichter und Abenteurer. 17,10: Wirtschaft und Gesellschaft im Buch. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Wirtschaftspolitische Umschau. 18,50: Vom Tage. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Französische Unterhaltung. 19,40: Gespräche über Menschentum. 20,00: Abendmusik. 21,00:„Prozeß Sokrates". Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Werft kein Papier, keine Obstschalen, keine Abfälle auf die Straße! 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Mit wenig Aussicht auf Sieg jedoch mit großem Siegeswillen hatten die Holzener die Reise ins Vest Recklinghausen angetreten. Mit einer Ausnahme war die alte Mannschaft wieder zur Stelle. Recklinghausen hatte seine Mannschaft durch einige Spieler benachbarter Vereine verstärkt. Gleich vom Anpfiff weg legen beide Mannschaften ein starkes Tempo vor. Den Holzenern wollte trotz guter Kombination im Anfang nichts glücken, während es den Recklinghausenern schon nach kurzer Zeit gelang, infolge einer Fehlentscheidung des sonst sehr guten Schiedsrichters zu einem Erfolge zu kommen. Der Ausgleich gelang den Holzenern kurz vor Halbzeit, nachdem der Sturm die ganze Hintermannschaft Recklinghausens überspielt hatte. Nach der Halbzeit will Recklinghausen mit Sonne und Wind im Rücken zu weiteren Erfolgen kommen. Dieses war jedoch bei der guten Holzener Hintermannschaft nicht möglich. Die Holzener setzten jetzt zum Endspurt an und können durch einen unhaltbaren Wurf des Halbrechten in Führung gehen. Aber auch nachdem zwei Holzener Spieler infolge Verletzungen ausgeschieden sind, können die Holzener unter Einsatz ihrer ganzen Kraft das Spiel weiter überlegen gestalten und das Endrusultat festhalten. Wer die Holzener in den Spielen gesehen hat, war erstaunt über das gestern vorgeführte Zusammenspiel, daß an die besten Tage der Hochsorm erinnerte. Waren in den früheren Spielen die Außenstürmer Statisten, so sah man gestern ein Spiel, das alle Spieler beschäftigte. Wird dieses System beibehalten, so werden weitere Erfolge nicht ausbleiben. Tv. Recklinghausen 62 2.— TSV. Holzen 07 2. 1:4(0:4). Beide Mannschaften zeigten ein vorbildlich faires Spiel. Durch bessere Kombination und gutes Wursvermögen konnte Holzens 2. Garnitur die Gegner im geschlagenen Felde lassen. Im nächsten Spiel darf der Rechtsaußen besser beschäftigt werden. TSV. Holzen 07 1. Jugend— Reichsbahn Schwerte 1. Jugend 5:0(3:0). Holzens Junioren hatten die nur mit acht Mann antretenden Reichsbahner aus Schwerte zu Gast. In einem zwei Mal zwanzig Minuten=Spiel konnten die verhalten spielenden Holzener den Torwart der Reichsbahner fünf Mal überwinden. Schiedsrichter Grothstück leitete, abgesehen von einer unwesentlichen Fehlentscheidung einwandfrei. Turnerstädte in Westfalen. Nach der neuesten Bestandserhebung sind folgende westfälischen Städte die größten Turnstädte: Dortmund mit 7500, Hagen mit 4986, Die letzte Fahrt der Schwedenkönigin Die sterblichen Ueberreste der Königin von Schweden sind von Rom nach Swinemünde überführt worden, wo sie an Bord des dort liegenden schwedischen Kreuzers„Drottning Viktoria“ aufgebahrt wurden, der sie in rascher Fahrt nach Stockholm brachte. Schwedische Kriegsschiffe und deutsche Torpedoboote gaben der toten Königin das Geleit. Bochum mit 3135, Bielefeld mit 2859 und Lüdenscheid mit 2819 Turnern und Turnerinnen. Die Zahl der Turnvereine beträgt in Dortmund 43, Hagen 26, Bochum 23, Bielefeld 10, Lüdenscheid 6. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat letztere Stadt die meisten Mitglieder der D. T. Verhältnismäßig am meisten Turnerinnen hat Bielefeld: 1100. * Schwerter Turnerschaft. Bürger von Schwerte, für heute in 3 Wochen hat unsere Stadt durch Vermittlung der Schwerter Turnerschaft von 68 ein turnerisches Ereignis zu erwarten, wie es in den Mauern unserer Stadt noch nicht geboten wurde. Es handelt sich um das Kunstturnen der „Westfalenriege: Das sind die ausgesuchten Leute aus der Provinz Westfalen, welche bisher die besten Leistungen aufzuweisen hatten. Für gewöhnlich meint man, daß die Turnerschaft hauptsächlich durch ihre Massenvorführungen imponieren wolle, aber an diesem Tage ist das nicht der Fall. Am Samstag, den 3. Mai werden von dieser Elite=Mannschaft Einzelleistungen auf dem Gebiete des Kunstturnens gezeigt, die jeden Zuschauer in Staunen setzen werden. Man hält es einsach nicht für möglich, daß unsere Leute, z. T. sind sie persönlich bekannt, es im Kunstturnen auf solche Höhe gebracht haben, was man nicht mit „Akrobatie" abtun soll, nein, es ist immer noch„Turnen". Kommet, sehet, staunet. Sport der Angestellten Jugendbund im G. D. A.— 1. Mannschaft D. T. Drüpplingsen 1:2(0:0). Obige Mannschaften standen sich am Sonntag in Drüpplingsen zum Rückspiel gegenüber. Der Platz war in sehr schlechter Verfassung. In der ersten Halbzeit war das Spiel völlig offen, trotz der körperlichen Ueberlegenheit der Drüpplingser. Torlos wurden die Seiten gewechselt. Auch die zweite Halbzeit verlief zunächst ruhig. Erst zehn Minuten vor Schluß konnte der G. D. A. das erste Tor erzielen. Die bei Drüpplingsen vorgenommene Mannschaftsumstellung bewährte sich; Drüpplingsen konnte den Ausgleich erzielen und kurz vor Schluß in Führung gehen. Es war ein sehr abwechslungsreiches und faires Spiel. Um die wesideutsche Meisterschaft Schalke 04— Homberger Sp. V. 5:3. VfL. Benrath— Sp.=Vg. 07 Köln=Sülz 5:0. Runde der Zweiten. S. C. M.=Gladbach— Sp. V. Kassel 3:2 Preußen Krefeld— Hagen 72 2:1. Vorsicht bei Tinlenstift! Verletzungen durch Tintenstist ziehen häufig ernste Gesundheitsschädigungen nach sich. Die Reichspost kann ihn nicht entbehren, ermahnt jetzt aber ihre Leute durch ein eindringliches Merkblatt, das bei allen in Betracht kommenden Dienststellen in die Augen fallend ausgehängt werden soll. Jeder Beamte usw., der den Stift benutzen muß, erhält eine Schutzhülse. Das Blatt hat die Ueberschrift: Vorsicht bei Benutzung von Tintenstisten Dann heißt es weiter: Vermeide jede Verletzung durch einen Tintenstist! Laß keinen Tintenstiftstaub in Wunden gelangen! Wenn du offene Wunden an der Hand oder den Fingern hast, spitze keinen Tintenstift an! Hüte deine Augen vor herumfliegenden Splittern von Tintenstiften! Blase deshalb niemals Tintenstaub und vom Anspitzen herrührende Reste von Tintenstistminen weg! Feuchte nie einen Tintenstist mit der Zunge an! Hast du dir eine Verletzung durch einen Tintenstist zugezogen, eine Wunde mit dem Farbstoff verschmutzt oder ist dir etwas von ihm ins Auge gekommen, so gehe sofort zum Arzt! Gefährlich ist, wenn der Farbstoff des Stiftes in die Blutbahn oder in die Augen gelangt. Die Beleidigung, die ich gegen Frau Friedr. Westarp Buchholz ausgein sprochen habe, nehme ich hiermit zurück. 149 Wilh. Trepper. Höh. Beamte sucht sofort Ltage mögl. Neubau. Diingl. Off. mit Preis unter Nr. 1490 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. Lept binnige Eler in Leeres, einlaches Hirninter mögl. Parterre, mit kleinem Stallraum zu miet. gesucht. Offerten unter Nr. 1492 an die Geschäftsstelle dies. Zeitung. oder Spezial=Qualitäten erhalten Sie in der MedizinalOrogerie Meehihese = Postplatz= Statt jeder besonderen Anzeige. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Tante u. Schwägerin, die Wwe. Wilhlelfmine Schfnidt geb. Wegener nach langem, schwerem mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 83 jahren zu sich in den Himmel zu nehmen. Um stille Teinahme bitten im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Breer. Geisecke, den 11. April 1930. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 15. April, nachm. 2½ Uhr vom Trauerhause aus und um 3 Uhr auf dem Friedhof zu Geisecke statt.[1495 Dr. ing. Curt Bennedik Eva Bennedik geb. Wischnath Vermählte Aachen Lousbergstraße 19 den 11. April 1930 497 Weiße Zähne machen jedes Antlitz ansprechend und schön. Oft mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste erzielen Sie einen wundervollen Elfenbeinglanz der Zähne, auch an den Seitenflächen, bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodont-Zahnbürste mit gezahntem Borstenschnitt. Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumen als Ursache des üblen Mundgeruchs werden restlos damit beseitigt.— Chlorodont: Zahnpaste, Mundwasser, Zahnbürste Einheitspreis je 1 Mk., in bekannter blau= weiß grüner Originalpackung in allen Chlorodont=Verkaufsstellen zu haben. Freischütz Am I. Ostertag, 4 Uhr und 8 Uhr Milltar=Konzerte 6. Artillerie Münster Miitwirkend: Schwerter Doppelquartett Nachmittags gelöste Karten gelten auch abends Heute abend 11½ Uhr entschlief sanft und gottergeben, meine liebe Frau, meine gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante, die Ehefrau Wilhelm Hildebrandt im Alter von 77 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Hildebrandt sen. Wilhelm Hildebrandt und Frau 496 Schwerte, den 11. April 1930. Kloltkestr. 30 Die Beerdigung findet Dienstag nachm. 3 Uhr, vom evangelischen Krankenhaus, aus statt. Schwerhörige sof. Hören nur durch uns. ürztl. empfohl. „Origimel Olaplogt!“ Regulierbare Kleinhörer in Wirkung unerreicht. Für jeden Schwerhörigen geeignet. Natürliche, klare, nebengeräuschfreie Sprachenwiedergabe, Ueberrasch. Fernwirkung. Unverbindl. Vorführung durch unsern gepr. Spezialisten am Mittwoch, 16. April, von 2—5 Uhr im Hotel Kaiserhof, in Schwerte. Deutsche Otophone Comp. G. m. b. H. Frankfurt a. M-West, Königstr. 71, Gegr. 1910 Aussteuerbett„Standard“ Oberbett 2 Schl., aus la säureecht. federdichten Inlett, Füll. 8 Pfd. doppelt gereinigte Halbdaunen Kissen aus la säureecht., federd. Inlett, Füllung 2 Pfd. weiße Halbdaunen Paradekissen aus la säureecht., federd. Inlett, Füllung 2 Pfd. weiße Halbdaunen komplett Mark Aussteuerbeit„Monopo!“ Oberbett 2 Schl., aus la säureecht. federdichten Inlett, Füll. 6 Pfd. weiße doppelt gereinigte Halbdaunen Kissen aus la säureecht., federd. Inlett, Füllung 2 Pfd. weiße Halbdaunen Paradekissen aus la säureecht., federd. 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Es ist schwer, zu sagen, das wievielte es ist, aber mit einiger Wahrscheinlichkeit läßt sich voraussagen, daß es nicht das letzte sein wird. Vorkäusig ist nämlich für diesen neuen Deckungsvorschlag keine Mehrheit im Reichstag vorhanden, denn nicht einmal die Regierungsparteien haben sich geschlossen zu dem Kompromiß bekannt. Die Bayerische Volkspartei macht auch diesmal nicht mit, weil das Kompromiß noch immer eine Erhöhung der Biersteuer vorsieht. Allerdings soll diese Erhöhung nicht 100, sondern nur 50 Prozent betragen unter Freilassung der kleinen Brauereien bis zu 10000 Hektoliter. Der Ertrag wird mit 148 Millionen Mark berechnet, wovon 93,2 Millionen an das Reich und 54,8 Millionen an die Länder gehen sollen. Die allgemeine Umsatzsteuer soll von 0,75 v. H. auf 0,85 v. H. erhöht werden. Hier wird mit einem Ertrage von 110 Millionen gerechnet, wovon 77 Millionen das Reich und 33 Millionen die Länder erhalten sollen. Schließlich soll eine Sondersteuer auf die großen Umsätze der letzten Hand, also eine Warenhaussteuer, erhoben werden, und zwar in Höhe von 0,5 v. H., was einen Ertrag von 27 Millionen ergeben soll, wovon 19 Millionen auf das Reich und 8 Millionen auf die Länder entfallen. Die Steuer beginnt bei Umsätzen von einer Million Mark. Die übrigen Deckungsvorlagen werden aufrechterhalten, und zwar die Tabaksteuernovelle in der Fassung, die sie vor der Ablehnung im Ausschuß erhalten hat, also Zahlung von einhalb v. H. Verwaltungskostenbeitrag für die Zigarettensteuerläger. Insgesamt wird mit einem Ertrage von 532 Millionen gerechnet, wovon das Reich 356,2 Millionen und die Länder 175,8 Millionen erhalten sollen. Auf die Länder entfallen also 5,8 Millionen mehr als nach dem ursprünglichen Deckungsprogramm. * Trotz der angeblichen Einigung Briands und Macdonalds über die Auslegung des Artikels 16 des Völkerbundsvertrages scheint ein Fünfmächteabkommen endgültig erledigt zu sein. Ueber Ostern hinaus wird man die Flottenkonferenz kaum noch zusammenhalten können, und es ist nicht ersichtlich, wie bis dahin eine Einigung zwischen Frankreich und Italien erzielt werden soll. Auch von einem Viermächtepakt spricht man zur Zeit nicht mehr, dagegen scheint ein Dreimächtevertrag nun doch noch Tatsache werden zu sollen. Auf diesem geretteten Kahn werden die Amerikaner heimtreiben. Aber auch mit diesem Dreimächtevertrag hat es eine eigene Bewandtnis. Nach dem„Daily Chronicle“ scheint das Wichtigste in dem bereits fertiggestellten Entwurf eine Klausel zu sein, die man kurz mit dem uns aus der Inflationszeit so vertrauten Worte„freibleibend“ kennzeichnen kann. Diese Klausel gibt nämlich jede der Unterzeichnermächte das Recht, nach Ablauf der Vertragsdauer einer kommenden Konferenz beliebige Quotenforderungen zu unterbreiten. Außerdem wird in dieser Schutzklausel festgestellt, daß bei irgendeinem ernsten Wechsel in dem politischen Ausblick oder in dem Flottenbauprogramm der anderen Mächte jeder der Vertragspartner das Recht haben soll, die Einberufung einer Konferenz zu verlangen,um darauf die Erhöhung der eigenen Tonnage zu fordern. Sollte diese Konferenz nicht zu einer Einigung über ein zusätzliches Programm gelangen, so würde jede der Signatarmächte frei sein, nach entsprechender Notisizierung an die mitunterzeichneten Mächte den Bau der Tonnage durchzuführen, die für ihre Sicherheit unter den veränderten Umständen notwendig erscheint. * Was den Artikel 16 anbetrifft, so entsprechen die aufgebauschten Londoner Meldungen über eine Einigung zwischen Briand und Macdonald nicht ganz den Tatsachen. Die Dinge liegen vielmehr so: Großbritannien hat eine Denkschrift über die Auslegung des Artikels 16 ausgearbeitet, die von Frankreich weder angenommen noch abgelehnt wurde, aber als Ausweg für eine äußere Rettung der Konferenz angesehen wird. Die darin enthaltene Auslegung des Artikels 16 schließt aber nicht, wie ursprünglich vorgesehen, ein obligatorisches Entscheidungsrecht des Haager Gerichtshofes für den Fall der Nichteinstimmigkeit im Völkerbundsrat ein. Da Großbritannien im Rate einen ständigen Sitz hat, könnte es die Einstimmigkeit über eine Entscheidung jeder Zeit verhindern. Was es Frankreich gibt, wäre danach im wesentlichen eine moralische Unterstützung, aus der die Franzosen straktische Kapital schlagen könnten, wenn die Frage der Land= und Luftabrüstung in Genf auftaucht. Frankreich seinerseits lehnt es ab, diese moralische Unterstützung seines Standpunktes durch erhebliche Verminderung seiner Gesamttonnage zu erkaufen, und zwar aus dem tieferen Grunde, weil es in London nicht bereits Zugeständnisse machen will, die es in Genf bei der späteren Regelung der Land= und Luftabrüstung teuer verkaufen kann. Da aber Frankreich aus allgemeinen politischen Gründen ebenso stark den Wunsch hat, nicht mit dem Mißerfolg der Konferenz belastet zu werden, da ferner der Dreimächte=Vertrag die Lage zuungunsten Frankreichs geändert hat, arbeiten England und Frankreich aus verschiedenen Motiven auf die Rettung der Konferenz hin. Daher das gegenwärtige politische Versteckspielen, in dem England etwas geben und sich nicht binden und Frankreich etwas nehmen und nichts geben will. Mitgliederversammlung des Westfälischen Pferdestammbuchs Hamm. Nach voraufgegangenen Vorstandssitzungen hielten zunächst die Kaltblut= und die Warmblutzuchtabteilungen des Westfälischen Pferdestammbuchs ihre Mitgliederversammlungen ab, in denen Gutsbesitzer Aloys Lohmann (Vinnum) zum Vorsitzenden und Gutspächter Otto Pellengahr(Oelde) zum stellv. Vorsitzenden der Kaltblutzuchtabteilung, sowie Gutsbesitzer Elpermann(Telgte) zum Vorsitzenden und Oekonomierat Peitzmeier(Lintel bei Wiedenbrück) zum stellv. Vorsitzenden der Warmblutzuchtabteilung einstimmig wiedergewählt wurden. In der dann folgenden Mitgliederversammlung des Westfälischen Pferdestammbuchs wurden Graf von Westphalen(Meschede) zum Vorsitzenden und Gutsbesitzer Bischoff(Wolbeck) zum stellv. Vorsitzenden gleichfalls durch Zuruf einhellig wiedergewählt. Die Versammlung beschloß dann, der Landwirtschaftskammer als Ort für die Abhaltung der Hengsthauptkörung Münster und für die Nachkörung Hamm vorzuschlagen. Die Hauptkörung soll in den Tagen vom 28. bis 30 Oktober abgehalten werden. Eintragungsgebühr und Jahresbeitrag wurden nicht geändert. Bei Gelegenheit der Beratung des Haushaltsplanes, der mit 99 900 Mark balanciert, wurde die Frage der Beschickung der Aachener Verkaufsausstellung erörtert, die aus Westfalen mit 12 Warmblutpferden beschickt werden wird. Die Landwirtschaftskammer leistet dazu einen Zuschuß von 1000 Mark. Für die Förderung der Halblutzucht stellt das Reich zinslose Darlehen in Höhe von 30000 und für die Warmblutzucht 1000 Mark zur Verfügung. Dem. Haushaltsplan wurde nach eingehender Aussprache zugestimmt. Weiter wurde beschlossen, entgegen dem Beschluß des Vorjahres in Zukunft nur noch eine Frühjahrsversteigerung von Zuchtpferden abzuhalten. Zum Schluß hielt der Geschäftsführer des Pferdestammbuchs, Landwirtschaftsrat Böllhoff, einen beachtenswerten Vortrag über Aufzucht und Fütterung des Pferdes. Die Versammlungen sanden im großen Saale des kath. Gesellenhauses in Hamm statt. Wagenanforderungen konnten voll befriedigt werden. Auch der Personenverkehr ist gegenüber dem Vormonat gestiegen. Es wurden 14,5 Prozent mehr Fahrkarten verausgabt. Gegenüber März 1929 wurden 6.06 Prozent weniger verausgabt. Die Zunahme gegenüber dem Vormonat ist auf die günstige Witterung zurückzuführen, die sich besonders im Wochenend= und Sonntagsausflugsverkehr auswirkte. Die Sonderzüge nach der Leipziger Messe waren sehr stark besetzt. Aus Anlaß der Karnevalsumzüge in Köln und Düsseldorf wurden neben einer Verstärlung der planmäßigen Züge zehn Sonderzüge zur Hinfahrt und 14 Sonderzüge zur Rückfahrt gefahren. Die Frühjahrsmesse in Köln hatte nur bei einzelnen Zügen etwas stärkeren Verkehr zur Folge. Der Wintersportplatz kam nicht zu besonderer Entwicklung. Nur in einem Falle konnte ein Sportsonderzug nach Winterberg mit einer Besetzung von rund 400 Personen gefahren werden. Der Gepäck= und Expreßgutverkehr ist ebenfalls entsprechend der Zunahme im Personenverkehr gestiegen. Die Zahl der abgefertigten Gepäck= und Expreßgut=Sendungen stieg auf den Kalendertag berechnet um 2,5 Prozent. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ist in diesem Verkehr eine Abnahme von 9,8 Prozent zu verzeichnen. Der Betrieb hat sich glatt und ohne Stockungen abgewickelt. im März 1930 Die alljährlich im Frühjahr einsetzende Besserung in der Verkehrslage gegenüber den Wintermonaten blieb auch in diesem Jahre nicht aus. Der Güterverkehr zeigt gegenüber den Vormonaten eine Steigerung. Die Zunahme ist aber wesentlich schwächer als im März des Vorjahres, was teis auf die verschlechterte Wirtschaftslage, teils darauf zurückzuführen ist, daß im März 1929 die durch den voraufgegangenen strengen Frost zurückgehaltenen Versendungen stoßweise einsetzten. Die Zahl der abgesertigten Frachtbriefe ist gegenüber dem Februar 1930 um 12,5 Prozent und auf einen Arbeitstag bezogen um 3,9 Prozent gestiegen. Gegenüber März 1929 sind arbeitstäglich 5,8 Prozent weniger Frachtbriefe abgefertigt worden. Ungefähr das gleiche Bild zeigen die Zahlen der behandelten Stückguttonnen. Die Zahl der arbeitstäglich gestellten Wagen stieg von 8 483 im Februar auf 8911 im März=+ 5,0 Prozent. Gegenüber März 1929 wurden 4,6 Prozent weniger gestellt. Die Der Karfreitag in Preußen Der Minister des Innern hat für den Karfreitag bestimmt: Theater, Zirkusse, Varitees, Kabaretts, Konzert= und sonstige Vergnügungslokale sind grundsätzlich zu schließen. Ausnahmen sind nur zulässig: a) für Theater bei Stükken religiösen oder legendären Inhalts, andersartige Theaterstücke sind verboten; b) für Theater= und Konzertsäle, in denen regelmäßig nur Darbietungen von höherem Kunstwert stattfinden, wenn es sich um rein geistliche Musik handelt; c) für Lichtspieltheater, wenn Bilder religiösen und legendären Inhalts vorgeführt werden. Dagegen sind in Lokalen mit Schankbetrieb musikalische Darbietungen jeder Art, also auch ernste Musik grundsätzlich verboten. Das gleiche gilt für öffentliche gewerbliche Veranstaltungen, wie Rennen, Boxkämpfe und ähnliche Darbietungen. Außer den öffentlichen sind auch alle privaten in Theatern, Konzertund sonstigen öffentlichen Vergnügungslokalen veranstalteten Lustbarkeiten mit Einschluß der Gesangs= und deklamatorischen Vorträge, Schaustellungen, theatralischen Vorstellungen und Musikaufführungen verboten.— An den Vorabenden des Karfreitags und des 1. Ostertages sowie am 1. Ostertage selbst dürfen öffentliche Tanzveranstaltungen, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten(auch Karussels und ähnliche Betriebe) nicht veranstaltet werden. Der Sehzlals Roman von Robert Misch. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S). 50. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ein Delikateßfritze!“ meinte Toni verächtlich. „Ach was— so ein großes Geschäft, das ist doch was anderes als ein Kramladen. Uebrigens, wenn er dir nicht gefällt...!“ Toni ließ sich nicht weiter darüber aus. Aber je näher der Tag der Doppelhochzeit kam, je mehr sie die aufgehäuften Wäsche= und Kleiderschätze wachsen und fertig werden sah, um so nachdenklicher wurde sie. Und als man die beiden Bräute endlich festlich zur Trauung schmückte, sagte sie tiessinnig: „Die Ehe ist doch der einzig wahre Beruf für uns Mädchen.“ * Die Doppelhochzeit war vorüber. Man hatte sie im stillen Familienkreise gefeiert. Außer der ganzen Villa Kaltenbach hatten ihr nur noch Ahlers Vater und dessen Intimus Röpke beigewohnt. Kolb ließ die beiden Brautpaare leben, dann wurde die Verlobung von Fritz und Maxi offiziell proklamiert, und zuletzt feierte der dicke Röpke die„Villa Kaltenbach“ in einer humoristischen Bierrede. Am andern Morgen reiste das junge Paar für einige Wochen nach Italien. Das ältere wollte seine„Flitterwochen“ daheim verleben, denn Frau Charlotte plante für den Sommer eine längere Schweizer Reise. Ihr Gatte hatte scheinbar eingebilligt, mit dem stillen Hintergedanken, daß sich bis dahin manches geändert haben würde. Jetzt war beinah eine Woche vergangen seit der Hochzeit. Von allen Seiten flatterten die Rechnungen auf Kaltenbachs Schreibtisch nieder — ein wahres Schneegestöber! Hätte das auch einen minder geizigen Mann nicht gerade erfreut— Herrn Kaltenbach machte es rasend. Da kamen Ausgaben, von denen er keine Ahnung hatte, die er auch für völlig überflüssig hielt. In ihm gärte und kochte es; und es brauchte nur eines kleinen Anstoßes, um die Bombe zu Platzen zu bringen. Gestattete sich Charlotte solche Ausgaben, so sollte sie sie endlich selber zahlen— von ihrem eigenen Geld. Er hatte immer darauf gewartet, daß sie ihm vielleicht freiwillig dieses Anerbieten machte. Aber sie ließ ihn ruhig weiterzahlen, als sei er ihr Bankier, nicht derMann. Natürlich hatte er nicht gleich in der ersten Woche den Kampf entfesseln wollen. Denn ohne Kampf würde es schwerlich abgehen, wenn er sich seiner Gegnerin bedeutend überlegen fühlte. Es war gewissermaßen eine„Schonzeit“, diese erste„Flitterwoche“— aber mehr als eine brauchte er nicht. Und so lauerte er nur auf eine passende Gelegenheit, um loszubrechen und dann gleich alles auf einmal abzumachen. Und sie kam denn auch endlich. Es war nach Tisch. Nach dem übrigens opulenten Mittagsmahl— das mußte aufhören— zog sich Toni gewöhnlich in ihr Zimmer während Frau Charlotte auf der Wiener Maschine— auch Verschwendung—, die sie ihm geschenkt hatte, Mokka für ihren Gatten braute. Minna hatte eben abgedeckt. Auf dem blütenweißen Tischtuch— das zu Kaltenbachs Aerger fast alle Tage gewechselt wurde— stand die Maschine und das neue Meißner Kaffeeservice, das seine Frau gelegentlich der Hochzeit angeschafft hatte.— Drinnen, auf seinem Schreibtische, lag noch die Rechnung. Frau Charlotte zündete die Spirituslampe und für sich eine Zigarette an und lehnte sich behaglich in ihren Sessel zurück, während er mit unruhigen Schritten auf und ab ging. Heute wollte er es ihr bei der erstbesten Gelegenheit sagen. Ganz wohl war ihm bei seinem Vorhaben nicht; aber es mußte endlich sein. Während des Essens hatte sie einen ausführlichen Brief von Anna aus Venedig verlesen, der ein Entzücken über die herrlichen Naturund Kunstschönheiten Italiens war. Dieses „Paradies der Erde“, dieser„blühende Garten“ und so weiter hieß es darin.„Das müßtet ihr auch sehen“, schrieb das begeisterte junge Weibn. Frau Charlotte machte allerlei dunkle Andeutungen, daß sie Italien längst habe sehen wollen, und daß man die Kinder in Pallanza treffen könne, wo das junge Pärchen zwei Wochen Rast machen wollte, ehe es nach Rom und Neapel ging. Kaltenbach überhörte das natürlich geflissentlich. Das fehlte ihm gerade noch. Jetzt setzte sie sich neben ihn, der gerade sein erstes Täßchen trank und sagte in schmeichelndem Tone, die Hand auf seine Schulter legend: „Weißt du, lieber Emil, was ich gedacht habe? Wir packen heute noch ein und fahren morgen, übermorgen auch nach dem Süden". „Unsinn!" „Wieso denn? Ich will dir einen Vorschlag machen. Wir reisen statt im Sommer nach der Schweiz jetzt nach Italien. Im August, wenn es hier heiß wird, fahre ich dann auf drei, vier Wochen mit Toni nach der Ostsee. Das genügt mir vollkommen.“ „So, das genügt dir!?“ eröffnete Kaltenbach das Gefecht. „Nun, Männchen, das ist dir doch recht?“ „Fällt mir gar nicht ein!“ „Aber es kann dir doch gleich sein, ob wir nach der Schweiz oder Italien gehen.“ „Ich gehe auch nicht nach der Schweiz!“ sagte er kurz. „Was denn? Das ist ja abgemacht?! Das hast du mir doch versprochen?" „Dann nehme ich eben mein Versprechen wieder zurück.“ So, das war der erste Schuß! Frau Chartotte zuckte aber nur leicht mit den Achseln und sagte spöttisch: „Ach, das ist ganz deine Art! Dir muß man alles mit Gewalt abzwingen.“ „Mir zwingt man gar nichts ab, weder mit Bitten, noch mit Gewalt. Das hört jetzt auf!“ „Was heißt das?“ „Das heißt— das heißt“— So mit der Tür ins Haus wollte er doch nicht fallen.„Das heißt ganz einfach: ich wünsche nicht, daß diese Reise stattfindet. Ich habe in letzter Zeit so ungeheure Ausgaben gehabt, daß ich nicht auch noch die Kosten...“ Ich glaubte immer, du würdest wenigstens einen Teil der Rechnungen selber begleichen. Aber das fällt dir gar nicht ein. Dazu bin ich da! Prost Mahlzeit! Ich habe es satt, deinen Kassierer zu spielen, der immer nur zahlt und nie etwas einnimmt. Nach Italien will sie und später ins Seebad— und alles auf meine Kosten? Nein, meine Liebe, davon kann gar keine Rede sein! Wir reisen weder jetzt noch im Sommer; weder nach der Schweiz noch nach Italien, noch ins Seebad. Wir bleiben hübsch zu Hause. Punktum.“ So, nun hatte er es ihr endlich gesagt, das war wenigstens ein Anfang. Das andere würde sich später finden. Nun sollte sie nur loslegen. Er war auf das ganze Repertoire vorbereitet: erst Wut und Zorn— dann Beschwörungen, Bitten, zuletzt Tränen. Würde alles machtlos an ihm abprallen! Sein Herz war mit Erz gepanzert. Aber sie brach nicht in Wut aus, noch weniger bat oder weinte sie— sie lachte nur, lachte, daß sie sich schüttelte. „Du bist wirklich komisch, lieber Emil!" sagte sie endlich ruhig.„Du bist und bleibst doch unverbesserlich. Du wirst dir deinen Geiz nie abgewöhnen, und wenn du hundert Jahre alt würdest und hundert Millionen hättest.“ „Mir ist durchaus nicht so scherzhaft zumute wie dir. Ich habe eben nicht hundert Millionen! nicht mal eine!" Frau Charlotte lachte von neuem: „Ist auch gar nicht nötig zu einer italienischen Reise. Die gestatten sich ja heute schon die kleinsten Stenotypistinnen. Beruhige dich nur! Das Leben dort ist kaum teurer als hier. Wenn du mir die Reisekasse anvertraust, will ich mit meinem Wirtschaftsgeld auskommen von den Billets natürlich abgesehen.“ „So! Damit willst du auskommen?“ höhnte er.„Das ist mir eben auch zu viel! So viel dürfen wir in Zukunft nicht mehr brauchen. Das sage ich dir ein für allemal, und danach bitte ich, dich von jetzt ab zu richten.“ Fortsetzung folgt Der Appetit=Saft handelt wurde. Eine polizeiliche Vernehmung in dieser Angelegenheit ist bereits erfolgt. Schwerte, den 14. April 1930. Es ist wohl jedem schon einmal„das Wasser im Mund zusammengelaufen", wenn er an irgendeine besondere, pikante Speise dachte, z. B. an einen sauren Apfel, eine Zitrone oder dergleichen. Wie hat man sich das zu erklären? Der mit dem Nobelpreis gekrönte russische Physiolog Pawlow hat äußerst wichtige und interessante Studien über den Wert der Gewürze in der Nahrung gemacht. Wir sind gewohnt, anzunehmen, daß wir die Speisen nur würzen, um sie schmackhaster zu machen. Pawlow hat nun aber festgestellt, daß die Gewürze geradezu ein Bedürfnis für unseren Verdauungsapparat sind. Der Magen bedarf zu seiner schweren Arbeit der Ausscheidung von Verdauungssästen aus den Verdauungsdrüsen, z. B. Salzsäure, Pepsin usw. Die Gewüree aber fördern die Ausscheidung, sie üben eine safttreibende Wirkung auf die Verdauungsdrüsen aus, was zur Folge hat, daß die Speisen chemisch stärker bearbeitet und dadurch wieder besser verdaut, also auch besser ausgenutzt werden. So ist man denn auch immer bei gutem Appetit, wenn die Absonderung des Magensastes, des Appetitsastes, lebhaft vor sich geht. und dies geschieht eben durch das Würzen der Speisen. Interessant ist nun, daß die stärkere Produktion des Magensaftes auch das Nervensystem günstig beeinflußt und auch von ihm selbst wieder günstig beeinflußt wird. Schon wenn man nur an eine Lieblingsspeise denkt, wird die Verdauung angeregt, der Appetitsaft macht sich in gesteigertem Maße geltend und führt zu der Empfindung des„Zusammenlaufens von Wasser im Munde“, wie man sich ausendrücken pflegt. Gedenktage. 14. April: 1854 Der Bildhauer Max Kruse in Berlin geboren.— 1868 Der Architekt Peter Behrens in Hamburg geboren.— 1926 Der Asienforscher Gottfried Merzbacher in München gestorben(geboren 1846).— 1927 Der Verlagsbuchhändler Joh. Klasing in Bielefeld gestorben(geboren 1847). 15. April: 1632 Sieg Gustav Adolfs über Tilly bei Rain am Lech.— 1771 Der österreichische Feldmarschall Karl Philipp Fürst von Schwarzenberg in Wien geboren(gestorben 1829).— 1800 Der britische Seefahrer James Clarke Roß in Balsorroch geboren(gestorben 1862).— 1832 Der Dichter und Zeichner Wilhelm Busch in Wiedensahl geboren(gestorben 1908). -. Der MGV.„Liedertafel“ Schwerterheide veranstaltete unter Mitwirkung des Zithervereins Schwerte am gestrigen Sonntag nachmittag im großen Saale des„Freischütz“ ein Frühjahrskonzert, das sich eines guten Besuches erfreuen konnte. Das umsangreiche Programm wurde exakt und einwandfrei durchgeführt. Unter der Leitung seines Dirigenten Willy Peters stellte der MGV.„Liedertafel“ erneut unter Beweis, daß seine Mitglieder zu singen verstehen und daß seinen Mitgliedern prächtige Stimmen zu eigen sind. Es wäre verfehlt, hier einzelne Kompositionen herauszuheben, denn jede Darbietung sprach für sich selbst und war geeignet, dem Verein für seine hervorragenden gesanglichen Leistungen ein besonderes Lob auszustellen. Das bewies auch der immer wieder einsetzende Beisall der zahlreichen Zuhörerschaft, die nicht müde wurde, den einzelnen Darbietungen des Vereins aufmerksam zu lauschen. Nicht minder verdient der Zitherverein Schwerte und sein Dirigent Königröhr warme Anerkennung, der mit schönsten Leistungen überraschte und bewies, daß in seinen Reihen Kräfte vorhanden sind, die auf den einzelnen Instrumenten ein beachtliches Können offenbaren. Alles in allem, dieses Frühjahrskonzert, dem sich ein Ball anschloß, war ein herzhafter Genuß und es wäre zu wünschen, wenn die genannten Vereine in absehbarer Zeit einmal wieder vor die Oeffentlichkeit mit einer derartig künstlerischen Veranstaltung treten würden. . Dem Sonntag Palmarum war der Wettergott gerade nicht günstig gesinnt. Am Morgen öffnete der Himmel seine Schleusen und es regnete zum Verdruß aller Ausflügler, die diesen Sonntag in Gottes freier Natur verleben wollten. Erst dem Nachmittage war es vorbehalten, mit ein wenig Sonnenschein und Himmelbläue aufzuwarten, sodaß die Spaziergänger noch in etwa zu ihrem Recht kamen. Hoffentlich läßt nun das Österwetter keine Wünsche offen. Achtung Hausputz! Ueberall ein emsiges Schaffen und Putzen. Zimmer werden ausgeräumt und der Inhalt der Kleider= und Wäscheschränke, sowie der Strumpsschublade wird gründlich unter die Lupe genommen. Auch das Schuhgestell bleibt nicht verschont. Alles wird auf seine Brauchbarkeit geprüft. Manches Teil bekommt die Zensur:„Nicht mehr zu gebrauchen“, und die Frage ist, wohin mit den Sachen? Nichts ist leichter zu beantworten als diese Frage. Schickt sie in die Herberge zur Heimat. Der Schuhmacher und Schneider bringen auch die schadhasten Sachen wieder in Ordnung und manchem Wandersmann ist dann Gelegenheit gegeben sich durch Arbeit, solch ein Teil zu verdienen, denn wenn er dafür gearbeitet hat sind ihm die Sachen viel mehr wert, als wenn er sie an der Tür umsonst bekommt. Auf Wunsch werden die Sachen abgeholt, Telefon 2213. Gründung eines Rasensportverbandes Schwerte und Umgegend Im Lokale Haselhof tagten am Samstag abend die Vereinsvertreter der WSV=Vereine von Schwerte und Umg., die, bis auf drei Landvereine, restlos erschienen waren, um den Rasensportverband ins Leben zu rufen. Mit einleitenden Worten gab Herr O. Appelt(S. S. C. Union) kurz die Begründung für die Notwendigkeit der Gründung des Verbandes und erteilte alsdann dem Bürovorsteher A. Schwarz= kopf(S. S. V. 06) das Wort zu eingehenden Ausführungen über die Bedeutung, den Zweck und die Ziele des Rasensportverbandes. Herr Schwarzkopf wies zunächst auf die allgemeine Notlage der Sportvereine, insbesondere der kleineren Landvereine hin und betonte, daß man unbedingt einen Zusammenschluß herbeiführen müsse, wenn die Vereine bei den maßgebenden Instanzen ihr gutes Recht suchen wollten. Wie häufig erlebe man, daß die berechtigten Wünsche der kleineren Vereine einfach unberücksichtigt blieben, weil es diesen Vereinen an Mitteln mangele, sich wirksam durchsetzen zu können. Als geschlossenes Ganzes könne viel mehr erreicht werden, um dem Publikum wieder sportlich Erstklassiges bieten zu können, damit die breite Masse, auf die die Vereine eben angewiesen sei, hinter dem Sportgedanken stehen könne. Durch Austragung von Propagandaspielen, leichtathl. Wettkämpfen, Abhaltung von Kursen, Vorführung von Sportfilmen und Abhaltung von Bildungsabenden müsse der sportliche Gemeinschaftssinn unter den Sportlern neu belebt werden. Insbesondere gelte es, auf dem Lande die dem Sport noch Abseitsstehenden zu erfassen und sie für den Gedanken der Leibesübung zu begeistern. Deshalb sollen auch Werbevorführungen in den kleineren Orten durchgeführt werden. Nachdem noch eine Reihe Stimmen aus der Versammlung für die Gründung des Verbandes eintraten, wurde einstimmig die Gründung des Rasensportverbandes durch Unterschriftsleistung der Vereinsvertreter unter ein Gründungsprotokoll vollzogen. Die alsdann getätigte Vorstandwahl ergab folgendes Bild: 1. Vors. O. Appelt(Union Schwerte), 2. Vors. F. Krämer(Spurtklub Hennen), 1. Geschäftsführer A. Schwarzkopf(S. S. V. 06), 2. Geschäftsführer F. Rüsse(Sp. V. Geisecke), 1. Kassierer Karl Lange(S. C. Alemannia), 2. Kassierer W. Viebahn(V. f. B. Westhosen), 1. Beisitzer M. Derne(VfB. Lichtendorf), 2. Beisitzer Th. Städtler(Sportklub Ergste). Die Versammlung beauftragte den Vorstand bis zur nächsten Sitzung, die am Samstag nach Ostern in Lichtendorf stattfindet, einen Satzungsentwurf auszuarbeiten und zur Genehmigung vorzulegen. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen l. Holzen. Böse Streitigkeiten. In den letzten Wochen sind an der unteren Kreisstraße auf dem sogen. Kötters Hof wiederholt Streitigkeiten und Ruhestörungen vorgekommen. Einige Mieter, die sogar miteinander verwandt sind, scheinen ohne gegenseitige Beleidigungen nicht mehr auskommen zu können. An einem der letzten Abende kam es wieder zu scharfen Auseinandersetzungen, die in Tätlichkeiten übergingen und eine große Menschenansammlung zur Folge hatten. Bei der Schlägerei wurden Knüppel und ein Waschmaschinenschwengel als Schlagwerkzeuge benutzt. Der Mieter E. L. blutete aus mehreren Kopfwunden und mußte von einem Sanitäter verbunden werden. l. Wandhofen. Sitzung des Schulvorstandes. Unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Arndt, Westhofen, fand eine Sitzung des Schulvorstandes statt, die sich in der Hauptsache mit der Festsetzung des Schulhaushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1930 zu befassen hatte. Nach Prüsung der einzelnen Positionen wurde der im Entwurf vorliegende Haushaltsplan festgesetzt in Einnahme auf 6371(6347) Mt. und in Ausgabe auf 17 200(18 500) RMk., sodaß seitens der Schulgemeinde ein Betrag von 10 829 (12 153) Reichsmark aufzubringen ist. Die eingeklammerten Beträge sind die Zahlen des Vorjahres. Zwei vorliegenden Anträgen von Schwerter Einwohnern auf Gestattung des Besuches der Wandhofener Schule durch ihre Kinder wurde stattgegeben. l. Westhofen. Beim Spielen von der Mauer gefallen. Der 6jährige Schüler Hans O. hatte beim Spielen hinter der elterlichen Wohnung an der Bahnhosstraße eine Mauer erklommen. Durch abbröckelnde Steine siel er hinunter und erlitt neben schweren Verstauchungen einen Bruch des linken Handgelenks. I. Westhofen. Beim unberechtigten Fischen im Wannebach ertappt wurden von Landjägereibeamten ein aus Holzen und ein aus Schwerte stammender junger Mann. Der Fischfrevel am Wannebach hat in letzter Zeit so zugenommen, daß der früher sehr forellenreiche Bach bald ganz ausgeräubert ist. Der neue Haltepunkt Hohensyburg Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 13. April 1930. Während im Südwesten, Südosten und Nordosten Europas Hochdruckgebiete fortbestehen, haben sich die Ausläufer des über dem Nordmeer liegenden Tiefdruckgebiets weiter über Mitteleuropa ausgebreitet. In Deutschland war es heute früh im Osten ziemlich heiter, sonst wolkig und im Westen vielfach regnerisch. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 4 und 11 Grad. Der Kahle Asten hatte starken Südwind, Regen und 4 Gcad Wärme. Wetteraussichten bis Dienstag: Wolkig mit vereinzelten Regenschauern und im allgemeinen etwas kälter. - Unser aktueller Bilderdienst im Schaufensteraushang der Buchhandlung C. Braus zeigt folgende Aufnahmen: Oeldampfer in Flammen; D. 422 Franksurt—Köln im Taunus abgestürzt; Mexiko in Deutschland; Motorradrennen auf der Traberbahn Ruhleben; Straßenrennen Berlin— Kottbus— Berlin; Die Turnerhandballmeisterschaft für Sachsen; Rugby=Länderkampf Deutschland— Frankreich; Auswahl der deutschen Davis=Cup=Mannschaft. Sterbefälle. In Schwerte verschied im 77. Lebensjahre die Ehefrau Wilh. Hildebrandt.— Geisecke starb im Alter von 83 Jahren die Ww. Frau Wilhelmine Schmidt geb. Wegener.— Möge ihnen die Erde leicht sein. Schulpersonalie. Der Schulamtsbewerber Heinrich Grundmann ist als Oberschullehrer an dem Realgymnasium Schwerte ernannt worden. Schwerhörige! Beachtet die Ankündigung der Deutschen Otophon G. m. b. H., Frankfurt a. M.=West in unserem heutigen Anzeigenteil. + Zusammenstoß. Am Wilhelmsplatz stieß am Samstag abend ein Lieferwagen der Stiftsbrauerei mit einem Motorradfahrer zusammen. Glücklicherweise ist der Unfall noch insofern glimpflich abgelaufen, als keine Personen dabei zu Schaden gekommen sind; das Stahlrößlein konnte allerdings erst nach längerer Zeit wieder flott gemacht werden. Der Vorfall hatte eine große Menschenansammlung im Gefolge. + Angeschossen. Zu unserer diesbezgl. Notiz am letzten Freitag wird uns mitgeteilt, daß der verlette und ins Krankenhaus überführte junge Mann von der Schwerterheide nicht von herbeigeilten Personen, sondern vom Vater des Mädchens mißDas ist der Lenz, den alles lieben muß Hausputz in Schwerte.— Die fleißigen Schwerter Hausfrauen und Gartenbesitzer mütige Hanomag— Frühlingsstimmung in Schwerte=City. Der über* Die Schwerter haben ihm die Herzen weit geöfsnet, dem singenden, frohlockenden Lenz, der in eine Welt voll Sonnenschein und unter einem blauen Himmelszelt seinen Einzug gehalten hat. Von allen glitzernden Dächern und grünschimmernden Bäumen, aus allen knospenden Hecken in den Vorgärten klingen uns die Lieder der gefiederten Sänger entgegen und vom Morgen bis zum Abend werden sie nicht müde, immer wieder ihre herzerfrischenden Melodien anzustimmen. Hier und dort haben sich die ersten Blumen aus ihren schützenden Verstecken hervorgewagt und lassen ihre Pracht im Sonnenlicht aufleuchten gleich einem frühen Märchenspiel. Und die Menschen wandern wiederum auf vertrauten Wegen, auf weißen Straßen und an silbernen Wassern vorüber, durch die bezaubernden Täler und Wälder in die zarte Schönheit dieser Tage hinein. Das Alte ist vergangen und muß vergangen sein. Das beherzigen auch die Schwerter Bürger und vornehmlich die Hausbesitzer, die dem Frühling eine besondere Reverenz erweisen wollen. Viele geschäftige Hände geben grauem, vom Regen abgewaschenem Gemäuer ein neues Aussehen und verdecken alles unschön Gewordene mit einem glänzenden nicht selten bunten Kleid. Selbst die dunklen Ziegel und Schieferplatten werden gründlich poliert und die Sonne hat an diesem eifrigen Menschenwerk ihre helle Freude, kann sie doch dann noch einmal so intensiv mit ihren Lichtstrahlen brillieren. Die Hausfrauen sind aber nicht minder untätig und im Hinblick auf das bevorstehende Osterfest gibt es noch manche Arbeit zu erledigen. Hinter blitzblanken Fenstern grüßen blütenweiße Gardinen den Frühling und schaut dieser einmal in die guten Stuben, Schlafzimmer und Küchen hinein, so muß er die angenehme Feststellung machen, daß den Schwerter Bürgerinnen wegen der Sauberkeit und Reinlichkeit in den einzelnen Wohnungen das Prädikat „Lobenswert“ zu erteilen ist. Gewiß ein schmeichelhaftes Urteil. In den Gärten und auf den Feldern finden Ehemänner und die heranwachsende Jugend in dieser Zeit ein reiches Betätigungsgebiet vor. Da heißt es Schollen stürzen und in die durchgearbeitete Erde den Samen für eine neue Ernte zu legen. Blumenbeete werden instand gesetzt— besonders in der Siedlung am Reichsbahn=Ausbesserungswerk will man sich in künstlerischen Entwürfen gegenseitig geradezu übertreffen. Wer einmal in den Abendstunden hier hinauswandert, wird erstaunt sein über den Fleiß der einzelnen Gartenbesitzer, die bis in die hereinbrechende Dämmerung unermüdlich an den gefälligen Arrangements der Rabatten beschäftigt sind. Frühlingsstimmung überall, zuweilen auch ein überschäumendes Frühlingsbegehren, das selbst einem Hanomag überkommen kann Besagtes Kleinaute wollte am letzten Donnerstag, nachdem es die Sedanstraße verlassen hatte, das Vorrecht einer herannahenden Straßenbahn streitig machen und eiligst die Hüsingstraße überqueren. Aber Uebermut, besonders im Lenz, tut selten gut, und so kam es, daß besagter Hanomag von der Straßenbahn einen empfindlichen Rippenstoß erhielt, der sein Ansehen gerade nicht verschönte. Mit etlichen Beschädigungen mußte er der stärkeren Gewalt weichen und sich zu einem Plätzchen begeben, wo die erlittenen Verletzungen wieder ausgeheilt werden. Auch in Schwerte City weiß man von diesen Frühlingsstimmungen zu berichten. Stärker denn je wickelt sich der Verkehr in der Hüsing=, Hörder= u. Bahnhofstraße ab u. besonders in den frühen Abendstunden geht es auf dem sogenannten„Bummel“ recht lebhaft zu. Die ersten Frühlingskleider unserer Jungdamenwelt werden in ansprechender Weise den stillen Bewunderern klassischer Linien vorgeführt und versehen mit den neufarbigen Klassenmützen, die den Besitzern väterlichen und mütterlichen Stolzes ein fortschrittliches österliches Zeugnis ausstellen, ist es ein angenehmes Vergnügen, den zartduftenden Kleidchen feurige Blicke nachzusenden. Und oft erweisen sich die Passagen als zu schmal, sodaß man mit den entgegenkommenden Herrschaften kollidiert und die gebräuchliche Redewendung„Verzeihung“ zum suundsovielten Male wiederholt.„Bitte rechts gehen“, d. h. rechts stadtauf und rechts stadtab. Die Schwerter sind sonst an Ordnung gewöhnt und an diesem abendlichen Durcheinander trägt zweifellos der Frühling schuld, der Lenz, den alles lieben muß. Und diese Liebe, wenn auch in Ausmaßen, ist zu verstehen und durchaus ertüürlich. 2r. Der in unmittelbarer Nähe des HengsteySees gelegene neue Eisenbahn=Haltepunkt Hohensyburg an der Strecke Hagen—Westhofen soll schon zu den Osterfeiertagen und an den nachfolgenden Sonntagen bis zum Fahrplanwechsel in Betrieb genommen werden. Am 20., 21., 27. April, sowie 4. und 11. Mai werden die nachgenannten Personenzüge an dem neuen Haltepunkt halten: In Richtung Schwerte Aus Richtung Schwerte: Hohensyburg=Hp. 8.46/47, Hagen 8.54, 14.51, 17.34, 18.52, 20.51. 9.09, 13.53. 14.43/44, 17.26/27, „ 18.44/45, „ 20.43/44, Aus Richtung Altena: Hohensyburg=Hp. 9.01/02, Hagen „ 13.45/46, Außerdem verkehren an den vorgenannten Tagen folgende Sonderzüge: Aus Richtung Dortmund: ab 9.00, Schwerte 9.23/24, Hohensyb.=Hp. 9.33/35, Hagen 9.43. ab 13.40, Schwerte 14.03/04, Hohensyb.=Hp. „ 14.13/15, Hagen 14.23. In Richtung Dortmund: Hagen 19,07/14, Hohensyburg=Hp. 19.22/24, Schwerte 19.33/35, Dortmund an 19.57. Hagen ab 21.00, Hohensyburg=Hp. 21.08/10, Schwerte 21.19/22, Dortmund an 21.43. Ain Prgggt der Gewing des jebt das Medu g Re s erer eW Ge unnec c reußen Krefeld— Hagen 72 2: 1(nach Verlängerung). Das Walder Stadion hatte am Sonntag mit 2000 Zuuise iuev e.„p., und viel Atich keinen Geaner aus dem einzelnen Feinbeten wichte beGzulg, s,.— Gegner aus den aus schwachen Angriffslinie Schußvermögen fehlen ließen. Die Läuferreibe, Pgeorr### Sctußermiöbegebien bichen. 2 he, Mitelauser geltirg. war sie taktisch recht schwach, da sie meistens zu Feingr Der und dadurch manche brenzliche Stuatiop der angenehmen Geite. dem nur der Rechtsaußen wirklich annehmbare Leistungen vollobe, de Stum, die sich alzu sehr auf die, Verteidizung durch die Läuferreive, oit zu allzu sehr auf die„ergite beschränkte. Die Verteidigung und vor allem der Torhü entäuichten nach der angenehmiten Soitze1agt im Angrif, der Bei der Eröffnung liegen die 72er leicht zm Leutpergt aber ebenso wie die gelegentlichen Besupe 9einte,rmannstaften los bleibt. Auf beiden Seiten missen die Anz, den zeinen klären. Scheinbor Lönnen.,„ginden. Dach einem Strafloß „ nur schlechr aufinven. Nas Trotz der simlechten Bilerung, die gestern an verschiedenen Orten des hiesigen Bezirks herrschte, ließen sich die Mannschaften aber nicht verblüffen und trugen die angesetzten Gesellschaftsspiele fast restlos aus. In der 1. Bezirksklasse weilten einige Vertreter außerhalb des Bezirks, doch war es diesmal wieder nur der Südwestfalenmeister Hüsten 09, der seinem Bezirk Ehre machte. Innerhalb des Bezirks wurden dagegen nur drei Gesellschaftsspiele ausgetragen. Die 2. Bezi war ebenfalls mit ihren Mannschaften recht fleißig. In der Gauklasse wurden die angesetzten Meisterschaftsspiele restlos ausgetragen.— Im Handball waren es mal wieder der West: deutsche Meister Sportfreunde Siegen und die Stadtmannscha,. Hagen, die ihrem Bezirke Ehre machten. Fußball. Bezirksklasse. Gesellschaftsspiele. Vornssia M.=Gladbach— Sp. u. Sp. Hüsten 09 2:2 L'sn Weidenau— Sportfreunde Siegen 6:3 Im Lokaltreffen gegen Sportfreunde Siegen bewies VfB. Weidenau sein großes Können und vermochte den Gast mit 6:3 klar niederzuhalten. Besonders während der ersten Spielhälfte lagen die Weidenauer dauernd in Front und zielten schon in regelmäßigen Abständen ein 5:0. Dann ist der Platzverein stark abgekämpft, die Siegener dagegen kommen etwas mehr auf und werden dem Gastgeber oftmals recht gefährlich, doch vermögen sie nicht die Oberhand zu bekommen und müssen sich schließlich mit drei Ehrentoren, denen die Blau=Weißen noch eins entgegensetzen, zufrieden geben. Spv. Hemer 08— Spp. Unna 08 2:1 Einen knappen, aber sicheren Sieg erfocht der Sportverein Hemer 08 auf eigenem Platze gegen einen vorzüglichen Vertreter aus dem Westfalenbezirk Unna 08. Der Gast gab eine recht gute Figur ab und erwies sich als sehr spielstark, sodaß erst der Schlußpfiff den Sieg sicherstellte. FC. Boele 19— Sppgg. Hagen 11 2:2 Der FC. Boele 19 lieferte dem Sonderklassenvertreter Hagen 11 eine fast gleichwertige Partie, sodaß das Unentschieden für beide Parteien verdient war. Die Boeler zeigten in diesem Kampf, daß sie mit den besten Aussichten zur 1. Bezirksklasse aufsteigen. Spv. Teutonia Lippstadt— Sp. u. Sp. Gevelsberg 09 7:1 Spiel und Sport Gevelsberg 08 vermochte in Lippstadt keine Lorbeeren zu ernten und ließ sich mit einem annehmbaren Päckchen von 7:1 abfertigen. Das Resultat entsprach dem Spielverlauf. Jugend Betzdorf 06— Spp. Hurst=Rosbach 4:0 In Betzdorf weilte der Tabellendritte der 2. Bezirksklasse (Gruppe Betzdorf). Hurst=Rosbach. Die Gäste zeigten wohl recht annehmbare Leistungen, waren aber dem besseren Kombinationssystem des Gastgebers nicht gewachsen und mußten sich schließlich mit 4:0 geschlagen bekennen. Viktoria Netphen— SC. Lichtenplatz 3:0 Auch dem zweiten Vertreter der Ennepesträßer war es nicht vergönnt, gegen einen Gauklassenvertreter des Siegerlandes. Vikloria Netphen, erfolgreich zu sein. Bis zur Pause waren die Lichtenplatzer ihrem Gaste gleichwertig, dann aber liefen die Siegerländer zur großen Form auf und bewiesen durch einen 3:0=Sieg, daß sie in letzter Zeit wieder stärker in Schwung gekommen sind 2. Bezirksklasse. Meisterschaftsspiel. Westfalia Gevelsberg— Sportfr. Lüdenscheid 08 3:4 Lüdenscheid os und Westfalia Gevelsberg trugen in Gevelsberg ihr letztes Meisterschaftsspiel aus. Nach einer gleichwertigen Partie blieben die Lüdenscheider Gäste mit dem knappen 3:4 glücklicher Sieger. Gesellschaftsspiele Spp. Milspe 11— SC. Westig 08 7: 4 Sportklub Westig as mußte in Milspe erkennen, daß die Gruppe West recht spielstarke Vertreter hat. Nachdem man anfangs wohl noch dem Gaste etwas gleichwertig sein konnte, blieb aber später der Sieg aus, dabei waren die Leistungen der Gästeelf aber noch recht ausprechend. bringt den Hagenern den ersten Erfolg ein Der von besem mit Von pesegf ,u ger igor Vum gerbeigeführten verwandelt wird. Bei die. u. uu. 41. Minute.nur nag mit Erzebnis kleibt es bis zur, Pause, wo die Beit,„ verteiltem Feldspiel ausgenillt wird. Dann Pgoteng am soste weversegenbet, eznenischlosen, als daß außer einigen Ecken einas Zählbares herausgekonnen wäre. Außerden i vüngerung heHezauerscher Unsall. Der Halbrehte von Preield wird vertepe, Ermüihngtenscheinungen sind underder 13. Minute die Entschelbung. Der Hoishen orgziter und Vrteibieung aut audwudend zié eine Tor genügte, um den SpC. M.=Glabbach— Spielverein Kassel 3:2. BV. Iserlohn 11— Spp. Menden 09 2:0 Der Ballspielverein Iserlohn 11 hielt, was er ver bartem Kampfe für die in Menden erittene Niederlage re. dabei waren die Leistungen der Gäste nicht um ein bißchen schwächer. Westig 08 Hemer 08 komb.— Iserlohn 05 3:2 Die Kombination Wesig 08 und Heme;, Poxr ge. u g schickt zusammengestellte Elf, die die spielstarte von####### im Samstagabendspiel auf eine harte Probe stellte, die gut bestand, wenn der Sieg auch auf dem Felde blieb. Iserlohn 05— Spp. Bärenstein 09 2:1 Bärenstein 09 weilte gestern in Iserlohn und mußte knapp Federn lassen. Die Iserlohner hatten in ihrem eigenen Platze ein kleines Plus voraus, was auch für das Spiel ausschlaggebend war, da die Bärensteiner ihrem Gastgeber nicht viel nachgaben. Spp. Letmathe 98— VfB. Altena 7:2 Schwer erging es den VfBern aus Altena in Der Gastgeber stellte seinem Besuch eine ausgeglichene Mannschaft entgegen, gegen die man schwerlich Das Ergebnis entsprach wohl nicht ganz dem Spielverlauf, obschon die Altenaer für einen Sieg nicht in Frage lumen. Spv. Olpe— Spp. Attendorn 2:1 Der Sportverein Olpe erfreute gestern seine Anhänger mit einem schmeichelhaften Sieg über den Meister der Gauklasse Siegen=Nord. Die Olper legten ihrem Gaste ein Tempo oo., dem sich die Attendorner wohl gewachsen zeigten, doch mußten sie den Sieg, der für sie ebenso gut verdient gewesen wäre, auf der Strecke lassen. Sppag. Plettenberg— Union Haspe 7:3 Der Weg der Unioner aus Haspe nach Plettenberg war gestern nicht gerade rosig. So ließen sie sich nach dauernd überlegenem Spiele des Platzvereins glatt und sicher mit 7:3 niederhalten was für die Gruppe Hagen=West eine Ueberraschung bedeutet. Dazu kommt noch, daß die Gästeelf für einen Sieg auch schwerlich in Frage kam. Union Schwerte FC. Haspe=Harkorten 1:1 Ein schönes, faires Treffen gab es in Schwerte zwischen Haspe=Harkorten und dem Platzverein Union Schwerte. Auf beiden Seiten wurden sehr gute Leistungen geboten, sodaß das Unentschieden beiden Parteien gerecht wurde. Spv. Trupbach— BC. Eintracht Siegen 4:2 Der BC. Eintracht Siegen scheint sich augenblicklich auf einer absteigenden Stufe zu befinden, so verlor er gestern in Trupbach, wo man bestimmt mit einem Siege des Gastes gerechnet hätte. Die Leistungen des Platzvereins waren um ein Großteil besser SC. Bestwig 07— Spygg. Neheim(Res.) 2:? Der Sportklub Bestwig 07 erfuhr gestern, daß auch die zweite Garnitur des Gruppenmeisters der Gruppe Oberruhr eine recht starke Kampfeinheit stellt, die sich so leicht nicht überwinden läßt. Nachdem beide Mannschaften zweimal zu Wort gekommen waren, trennten sich die beiden gleichwertigen Gegner. Spp. Herdringen— Spp. Arnsberg 09 2:0 Sportunion Hagen— Spp. Vorhalle 09 S: 1 Spp. 1. Gauklasse(Sauerland). Haspe 28— Schwarz=Weiß Silschede 2 Sportfr. Kabel— FC. Volmarstein 4: 1 Spp. Eiringhausen— Spv. Neuenrade 2:2 Sp. u. Spo. Balve— RSV. Höh 0:0 Sportfr. Hohenlimburg— VfB. Grüne P:0 SC. Hennen— Borussia Dröschebe 1:1 : 1 2. Ganklasse(Sauerland). Spv. Wandhofen— VfB. Westhofen 0: 2 VfV. Lichtendorf—. VfL. Iserlohn 5:4 Tv. Oestrich— Spp. Bremke 2: 2 Gesellschaftsspiele. FC. Wengern— Sppag. Hagen 11(Res.) 2: 2 Spy Deilinghofen— Spp. Sundwig 1:3 SC Eslohe— Sp. u. Sp. Hüsten(Res.) 2:1 SC. Eilpe— FC. Schwarz=Weiß Breckerfeld 2: 1 Handban. Gesellschaftsspiele Sportfr. Siegen— RSV. Mülheim=Ruhr 7:2 be, geebe, unr aun Auschauter, De den Veroeze. leig. kennen. as waren un. euo Grschauer, die berzig iu ume. ten. Auch waren die Siegener zunacht gemiutizglgg, waren. wo se den Torwurf gänzlsch vermissen, auferdem stelle s9h ihnen in der Siegener Verteibiauyg.uut. us mit dem TorVollwerk entgegen. Nach der Pause klappre v..s, war feh, wurf besser und besonders die rechte Sturmsenwurffreudig Sportunion Hagen— Sppgg. Oberhausen 6:7 Die Sportunion Hagen hatte zum Rückspiel die Spielvag Oberhausen zu Gast. Die Oberhausener sind in letzter Zeit wieder recht spielstark geworden, doch war ihr Könnzen nicht so überzeugend, daß sie zu einem klaren Siege Hagener kommen konnten. Im Gegenteil, das dem Spielverlauf nach auch umgekehrt lauten können. Jahn Werdohl— Spp. Attenborn 5:1 Der Sportverein Atteidorn hatte sich mit der Reise nach Werdohl etwas zuviel vorgenommen, denn dem Meiste Gruppe Lenne ist doch noch nicht so leicht beizukommen blieben die Werdohler nach fast dauernd überlegenem Spiel verdienter Sieger. * V. 9pv. Sintruh, Lizenscheig#s ee) 1! Der D. T.=Vertreter Eintracht Lüdenscheid hatte im Lokalkampf den WSV.=Vertreter Lüdenscheid 08 zu Gast und ließ sich klar mit 1:5 abhängen. Sp. u. Sp. Halver— Lüdenscheid O8 2. 5:0 Der Spiel. und Sportverein Halver versuchte gestern erstmalig eine Handballmannschaft gegen die zweite von Lüdenscheid o8 und blieben auch klarer Sieger. BfR. Altenbundem— Reichsbahn Hagen 5:3 Eine Enttäuschung bereitete der BfR. Altenhundem Zuschauern, indem die Spielvereinigung Hagen 11 zu diesem Spiel nicht antrat, sondern sich dafür den Reichsbahnsportverein Hagen verpflichtete. Die Gäste zeigten wohl ein recht anneh bares Spiel, doch reichten sie an das Können der in der vorschau erwähnten Mannschaft bei weitem noch niat heran und blieb auch somit allerdings noch mit einem recht schmeichethaften Ergebnis unterlegen. Stadtm Münster— Stadtm. Hagen 3:5 SC. Hagen 05(WSV.)— Tv. Altenhagen 74(D. T.) 1: 8 W. S. L, Waldlaufmeisterschaften. Bei den westdeutschen Waldlaufmeisterschaften in Düsseldorf waren auch einige südwestfälische In der Meisterschaftsklasse ging auf der 9,5 Klm. langen Strecke Paul, Sportfreunde Siegen, in 4,11 als Dritter Im Mannschaftswettbewerb der Meisterklasse nahmen Germania Düren und Sportfreunde Siegen mit je 46 Punkten den 1. Platz ein. In der offenen Klasse, Strecke 4,5 Klm., wur Faßbender, SSV. Gevelsberg, Zweiter mit 13.41 und Kapellmann, Iserlohner Spp., Dritter mit wettbewerb gelangte Iserlohner Spo. mit 25 Punkten an di zweite Stelle. Der Gautag in Früne. Der diesjährige Gautag des Hagener Gaues fand am Samstag im Restaurant Zobel in Grüne statt. Ein solch stattlicher Besuch ist wohl noch auf keinem Gautage zu verzeichnen gewesen. 46 Vereine(von insgesamt 71 des gesamten Gaues) waren mit 246 Stimmen vertreten; 160 Abgeordnete der Vi Nach einer kurzen Begrüßung durch den Gauvorsitzenden Vorberg, Vorhalle, und den Vereinsvorsitzenden Hahn Grüne, wurden die Berichte zur Besprechung gestellt. der vom Gau herausgegebenen„sportlichen Rundschau“ scheinen. Eine Aussprache wurde nicht gewünscht. Die Entlastung übernahm Dr. F. Sälter, Hagen 05, der gleichzeitig den Bezirksvorstand vertrat. In wenigen Minuten war die Entlastung vorgenommen, die Neuwahl getätigt und dem gesamten Vorstand einmütiges Vertrauen ausgesprochen. sehr gutes Zeugnis für die tadellose Zusammenarbeit zwischen Gauvertretung und Vereinen. Gauvorsitzender ist auch für das kommende Jahr Vorberg, Vorhalle 09. Wietzorek, Hagen 72, wurde wiederum Geschäftsführer, Sieper, Hagen 05, Jugendobmann, Hähnel, Postsportverein Hagen, Beisitzer, Athietikobmann Brinker, Hagen 05. und Schiedsrichterobmann Bläser, Hagen 05. Auf Vorschlag des Bezirksrrferenten Klüber, Polizei Hagen, soll die Wahl des Gausachbearbeiters für Handball durch den Gauvorstand erfolgen. g 4„84urn gi. Satzungsgemäß wurde die Wahl von sieben Vertreiern die Hauptversammlung(früher Wahlversammlung) des WSV. vorgenommen. Da der Gau mit seinen 71 Vereinen jetzt die Zahl vovn 9000 Mitgliedern hat. stehen ihm sieben Vertreter zu. Gewählt wurden: Vorberg, Vorhalle 09. Sieper, Hagen 05, Wietzorek, Hagen 72. Hesterberg, Gevelsberg 09, Reinecke, Jahn Werdohl. Gröning. Hagen 72. Pfitzner, Iserlohn 05. Der nächste Gautag wird in Hagen stattfinden. Mit der ordentlichen Tagung soll ein größeres Gaufest berbunden werden dessen Programmvorbereitung dem Gauvorstand überlassen bleibt. Meyer, Union Haspe. schlug vor, Hagen=Haspe als Tagungs= und Festort zu nehmen. Aus den vielerlei behandelten Punkten ist noch zu erwähnen, daß die Entscheidung. ob am 15. Juni und 10. August(also in der Sperrzeit) noch gespielt werden darf, wird auf der WSV.=Versammlung in Godesberg fallen. Angenommen wurde auch einmütig der Antrag des Bezirkshandballreferente Klüber, künftig neben der Runde der Ersten auch eine A scheidungsrunde der Bezirkszweiten vorzunehmen.— Bei Nichtantreten von unteren und Jugendmannschaften soll in allen Fällen dem Gau Mittilung gegeben werden, um aegen die säumigen Vereine vorgehen zu könne Noman von Fritz Poppenberger „Daß es dir wohlergehe. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der Prokurist blickte überrascht auf:„Diesen Namen habe ich schon mal gehört. Waren Sie nicht... waren Sie nicht... warten Sie, gleich werde ich es wissen“ Mit der Hand sich über die Stirn fahrend, dachte er nach. Möglichst unbefangen fiel Larowicz ein:„Sie dürften meinen Bruder kennen, denn ich war noch nie in dieser Stadt..“ „Ja, so wird es sein“, antwortete Reiner aufblickend, „jetzt erinnere ich mich. Die Aehnlichkeit ist auch stark. Nicht wahr, Sie sind der Aeltere?“ Larowicz nickte mit dem Kopfe. „Ja, man erkennt es. Ich lernte Ihren jüngeren Bruder einmal bei einem Abend kennen. Doch, apropos, spielen Sie gern?“ „Mitunter!" „Bitte, wenn es Ihnen nicht unangenehm ist— in meinem Hause kommt an jedem Sonnabend eine lustige Gesellschaft zusammen. Die einen tanzen, die anderen spielen— ich meine Karten, denn die Musik besorgt ein Grammophon. Also, wenn Sie nichts Besseres vor haben, besuchen Sie mich ruhig einmal an einem der nächsten Sonnabende.“ Kurt antwortete nur mit einer leichten Verbeugung. Als ihm Reiner dann freundschaftlich die Hand schüttelte und ihn verließ, zog er das Taschentuch aus der Tasche und wischte sich die rechte Hand ab:„Ekelhaft feucht=kalte Hände“, murmelte er,„und diesem Manne muß Nelly gehören. Unbegreiflich. Was mag sie dazu bewogen haben? Nur das Geld! Und deswegen ließ sie mich fahren!" Finster ließ sich Kurt wieder an einem Tisch nieder, und saß bei einem Glase Wein regungslos, bis ihn der Kellner aufmerksam machte, daß die Polizeistunde gekommen sei. Noch vor wenigen Stunden glaubte er für immer seine Ruhe wiedererlangt zu haben, und jetzt sah er sich wieder in den Bannkreis der Geschehnisse gezogen, die er längst für vergessen hielt; Geschehnisse, die ihn wieder in den wirbelnden Strudel hineinzuziehen drohten. Erst jetzt wurde er sich auch bewußt, daß er nur deswegen Reiner beim Spiel geholfen hatte, weil ihm eine heimliche, lockende Stimme zuraunte, er könnte so wieder Gelegenheit finden, sich Nelly zu nähern. Nicht Spielerleidenschaft war es— dieses erkannte er nun, denn er hatte bisher nie Gefallen am Spiel gefunden— sondern eine nie erstorbene, höchstens schlummernde Leidenschaft für Nelly, die ihn für einen Augenblick sogar seinen tiefgehenden Haß gegen Reiner vergessen ließ. Es war eine Leidenschaft, die, in einer lauen Frühlingsnacht mit elementarer Gewalt in der Brust des zum Manne gewordenen Jünglings erwacht, keine Schranken kannte, auch nicht das neunte Gebot. Und was er von Nelly nicht glauben wollte, als Schröder sie in seinen Mitteilungen in Beziehung zu anderen Männern brachte, dieses tauchte in dunklen, vervorgenen Winkeln seiner eigenen Seele als keimendes Begehren auf. Larowicz war ein anderer geworden. Doch wußte er, daß er bei diesem Spiel sein eigenes Ich als Einsatz bot. Denn wenn er nicht sein Ziel erreichte, würde er nie mehr die Ruhe aufbringen, in die eintönige Tretmühle des Lebens zurückzukehren. Er zögerte, ob er die Einladung Reiners annehmen sollte. Der Schritt über die Schwelle zu Reiners Heim war für ihn der Schritt in den Kreis eines brausenden, tosenden, nervenaufpeitschenden Reigens, der ihm nur die Erfüllung oder den Untergang bringen konnte. Und als er müde, nachdenklich seinen Hut aufsetzte und den Garten verließ, dachte er: Soll ich gehen? Sinnend blickte Nelly auf ihr Bildnis, das im Schlafzimmer hing und sie im Brautschleier darstellte. Ich glaubte den Tag der Hochzeit nicht überleben zu können und jetzt ertrage ich diese Ehe schon mehr als ein Jahr, dachte sie. Mit einer müden Bewegung kehrte sie dem Bilde den Rücken und warf sich auf ein Sofa. Ihre ganze Haltung drückte tiefen Ueberdruß an allem aus, was ihr Leben erfüllte. Ein Jahr lang hetzte sie sich selbst von Unterhaltung zu Unterhaltung, von Zerstreuung zu Zerstreuung, die sie innerlich vollkommen kalt ließen, ihr aber die Möglichkeit boten, trübe und schmerzliche Erinnerungen nicht an sich herankommen zu lassen. An dem regnerischen Nachmittag aber, der sie an ihr Heim fesselte, überkam sie eine von Hoffnungslosigkeit und Ueberdruß erfüllte Müdigkeit, die ihr die Kraft nahm, an sie heranschleichende, wehmütige Gedanken von sich zu weisen. Es war ein Augenblick, der wohl jeden Menschen einmal überkommt, in dem er sich Rechenschaft über die Pfade gibt, die er in seinem Leben durchschritten hat. Willenlos gab sich Nelly ihren Gedanken hin. Solange sie in ihrer Erinnerung bei der sorgenlosen Kindheit verweilte, behielt ihr Gesicht den Ausdruck reiner, ungetrübter Glückseligkeit bei. Doch schon bei ihrer frühesten Backfischzeit angelangt, wob sich ein schmerzlich=wehmütiger Zug in den Ausdruck glückhafter Freudigkeit hinein. Es war die Zeit, in der Kurt Larowicz zum ersten Male ihre Lebenspfade kreuzte. Denn zugleich mit den schönen, von strahlender, frühlingshafter Jugend erfüllten Erinnerungen erhob sich auch vor ihrem geistigen Auge im Hintergrund der dunkle Schatten zweier gierig gekrallter Hände, die erbarmungslos nach dem unschuldvollen Paare griffen und das zarte Band zwischen ihnen unbarmherzig zerrissen. Es waren dieselben roten, immer feuchten Hände, die Nelly später immer abgrundtiefer hassen lernte und die nur in zwei Augenblicken sich gleich gierig=zitternd zu Krallen bogen: wenn sie die Kleider von Nellys erschauerndem, bebendem Körper rissen oder das blanke, die Allmacht bedeutende Geld zählten. Und weiter wanderten Nellys Gedanken. Da umflog ein leises, spöttisch=triumphierendes Lächeln ihren schönen Mund. Sie sah, wie der Mann, der erst die Kraft hatte, ihr den freien Willen zu rauben, nun immer mehr vor ihrer unerbittlichen Härte zur willenlosen Kreatur herabsank. Mit Genugtuung dachte sie daran, wie der sparsame Reiner zum Verschwender wurde, wenn es galt, ihr eine Freude zu bereiten, und wenn er hoffte, sich dadurch bei ihr eine freundliche Miene zu erkaufen. Sie fühlte lebhafte Freude bei dem Gedanken, daß Reiner, der früher mit seinem Reichtum protzte und dem das Geld der Inhalt des Lebens bedeutete, sich nun ihretwegen zum Bettler machte. Sie war sich nicht ganz klar bewußt, weswegen sie ihn dem Ruin entgegenführen wollte. Denn sie wußte, daß auch sie dann vor dem nackten Nichts stand. Doch so weit wollte sie ihre Gedanken gar nicht weiterspinnen. Vorläufig war es ihr einziges Lebensziel, ihrem Haß Genüge zu tun, und dem Manne, der ihr das Glück raubte, ebenfalls die Lebensfreude zu nehmen. Während sie darüber nachdachte, wie sich ihre Zukunft gestalten würde, glitten ihre Gedanken wieder zu einem Manne hinüber, der in ihrem Herzen noch immer den größten Raum einnahm: Kurt.— Sie hatte ihn seit ihrer Verlobung nicht mehr gesehen. Sein weiteres Schicksal war ihr unbekannt, und sie wagte es auch nicht, jemanden nach ihm zu fragen. So sehr scheute sie sich, selbst an ihren unvernarbten, schmerzenden Wunden zu rühren. Doch an diesem Nachmittag weilte sie mit ihren Gedanken rückhaltlos bei Larowicz. Wo mag er jetzt sein? dachte sie. Wie hat er die schwere Enttäuschung überwunden? Werde ich ihn je wiedersehen? Wie würde er sich mir gegenüber verhalten? Hat er mich schon vergessen, oder denkt er noch mitunter an mich? Alle diese Fragen stürmten auf Nelly ein, und— da sie unbeanwortet blieben— wollten sie nicht mehr weichen. Bald gesellten sich aber auch andere hinzu, die ihr Inneres noch heftiger aufwühlten. Hält mich Kurt für herzlos und falsch, oder ahnt er es, daß ich das Opfer unheilvoller Umstände wurde? Wahrscheinlich verachtet er mich als Komödiantin. Und leise keimte in ihr der Wunsch auf, ihn über ihr hartes Geschick aufzuklären. Wie von neuem Leben durchströmt, leuchteten ihre Augen freudig auf. Dann aber schloß sie wieder müde die Lider. Sie sah die Unmöglichkeit ein, einem ihr jetzt fremden Menschen das Geheimnis anzuvertrauen, das die Existenz ihres Vaters umgab. Langsam erhob sich Nelly wieder und suchte ihre quälenden Gedanken zu vertreiben. Da fielen ihre Blicke auf all die Möbel um sie her, von denen jedes Stück von Reiner gekauft war Wie fortgeweht waren mit einem Schlage alle Wünsche und grauen Erinnerungen. Die Wirklichkeit war stärker als nebelhafte und schwankende Gebilde, und mit einem Schlage sah sie ein, daß sie als Gattin Reiners für immer mit der Vergangenheit abgeschlossen hatte. Während in den Augen noch ein feuchter Schimmer glänzte, ging sie mit entschlossenen, lebhaften Bewegungen in das nächste Zimmer, um nachzusehen, ob alles für den Empfang ihrer Gäste vorbereitet sei. Reiners Salon füllte sich. Es war eine bunte Gesellschaft. Trotzdem hätte ein scharfer Beobachter zwei verschiedene Kreise von Besuchern herausfinden können. Die einen waren junge, durch den modernen Schnitt ihrer Kleider, durch ihr aalglatt gekämmtes Haar oder durch nicht gerade geschickt in das Auge geklemmte Monokel gekennzeichnete Herren: die Tänzer und Verehrer der Frau Nelly. Die anderen waren nachlässig gekleidete, berufsmäßige Kaffeehausbesucher oder beschäftigungslose Direktoren nicht bestehender Unternehmen, Künstler, die ihre ganze Karriere noch vor sich hatten, oder protzige Börsianer, bunt durcheinander gewürfelt und nur durch einen gemeinsamen Wunsch vereinigt: recht bald und recht oft zwei As zu ziehen. Und während sich die Angehörigen der ersten Gruppe möglichst geistreich— soweit es der Rahmen ihres sich auf Tanz und Sport, Mode und Flirt beschränkten Wissens gestattete— mit den anwesenden Damen unterhielten, drückten sich die anderen gelangweilt in den Winkeln der Zimmer umher und warteten, bis sie Reiner in das Spielzimmer einladen würde. Die Hausfrau schien in glänzender Laune zu sein. Mit jedem tauschte sie einige muntere Worte aus; überall hörte man ihr silberhelles Lachen, und wie immer zog sie die ganze Gesellschaft in den Bann ihres sprühenden Temperaments. Wer jedoch in ihre Seele hätte blicken können, dem wäre aufgefallen, daß sie nur mit aller Macht versuchte, eine ihr unbegreifliche Unruhe zu unterdrücken. Auch Reiner war in besserer Stimmung als sonst. Wenigstens verzog er oft sein Gesicht zu einer Miene, die man als freundliches Lächeln auslegen konnte. Gegen seine Gewohnheit unterhielt er sich mit einzelnen Herren, die Nelly eingeladen hatte, und gab erst später als sonst das Zeichen zum Beginn des Spiels. Im Moment aber, als auf den Spieltischchen die elektrischen Stehlampen aufflammten, legte Nelly auf das grüne Samtrad des Grammophons den neuesten Tanzschlager. Die Einleitung war vorüber, der eigentliche Zweck, der so zahlreiche Personen in den gleichen Räumen vereinte, trat jetzt offen zutage. Denn die einen waren doch nur gekommen, um Geld zu gewinnen; die anderen, um unter dem betäubenden Rhythmus irrer Musik die Hand um die Hüfte jenes anziehenden, fast unheimlich schönen Weibes zu legen, dessen Hand sonst nicht wärmer als üblich gedrückt werden durfte. Und all diejenigen, die die vollschlanke, biegsame, katzenartig geschmeidige Gestalt Nellys mit heißen Blicken betasteten und jede ihrer Bewegungen beim Tanz verfolgten, hatten die gleiche Empfindung, daß Rellys Charakter ein unlösbares Problem sei. Copyright by Martin Feuchtwanger Halle(Saale) S W Aufreizend temperamentvoll und doch eisig kühl, wenn der von ihr ausgehende Funke zündete; selbst selten frei in ihrem Benehmen und doch beleidigt, wenn sich einer ihrer Bewunderer auch nur die kleinste Freiheit herausnahm; immer lustig und doch in den Augen ein fremder, schwermütiger Zug; ihren Mann verachtend und ihm doch treu bleibend; stets nach neuen Bewunderern und Verehrern suchend und diese wieder herb zurückweisend, wenn sie rettungslos dem Zauber dieser Frau verfallen waren. Doch Nelly beschäftigte sich in ihrem Geiste nicht so sehr mit ihren Gästen, wie diese sich mit ihr. Sie dachte darüber nach, warum sie innerlich eine solch rätselhafte Unruhe ergriffen hatte. Einsilbig antwortete sie ihrem Tänzer auf seine scherzhaften Fragen, und war froh, als sie sich in einer Tanzpause ungestört in eine Sofaecke zurückziehen konnte. Sie war plötzlich müde geworden, und das Stimmengewirr um sie her klang an ihr Ohr, als käme es aus weiter Ferne. Ehe sie es sich versah, träumte sie wieder— träumte von vergangenen Zeiten Deutlich sah sie Larowicz vor sich, mit seinen schwarzen Augen und seinem dunklen Teint, mit der hohen Stirn und dem kleinen, fast mädchenhaft zierlichen Mund, mit den breiten Schultern und der kraftvoll=geschmeidigen Gestalt. Seltsam deutlich stand er vor ihr, als wäre er es wirklich. Da erkannten ihre sich starr weitenden Augen, daß die Phantasiegestalt sich lächelnd vor ihr verneigte. So deutlich sah sie es, daß sie unwillkürlich die Hand ausstreckte, als wollte sie sich überzeugen, ob nicht wirklich Larowicz in Fleisch und Blut vor ihr stehe. Und leise ergriff Kurt die Hand der Hausfrau und führte sie an die Lippen. Mit angenehm voll klingender Stimme— etwas tiefer, männlicher, vibrierender, als Nelly es aus vergangenen Jahren in Erinnerung hatte— kam es von seinen Lippen:„Gnädige Frau, obwohl mich Ihr Mann in sein Haus eingeladen hat, halte ich es doch für meine Pflicht, erst Sie als Hausfrau zu begrüßen.“ Mechanisch erhob sich Nelly von ihrem Sitz. Sie sah ein, daß sie nicht mehr träumte. Es war Larowicz selbst und kein Trugbild. Ein leises Zittern durchlief ihren Körper und ließ ihre Stimme undeutlich werden, als sie sagte: „Willkommen, mein Herr. Mein Mann ist im Spielzimmer.“ Eine leichte Verbeugung, und Kurt ging ins Nebenzimmer. Er begrüßte den Hausherrn, der ihn warm empfing und ihn gleich zur Teilnahme am Spiel einlud. Doch Kurt dankte:„Vorläufig noch nicht. Ich möchte mich erst mit allen Anwesenden bekanntmachen lassen und...“ „Ja, ja, lassen Sie sich durch meine Frau vorstellen. Ich, ich...“, und vom Spiel ganz gefesselt, wandte sich Reiner wieder den Karten zu.„Noch ein Blatt, bitte! So, ich habe geschlagene Einundzwanzig!“ Kurt verließ das Spielzimmer und sah, auf der Schwelle stehend, den Tanzenden zu. Seine Augen glitten nervös von Paar zu Paar, und blieben erst auf der Gestalt Nellys haften, die wieder am Arm ihres Tänzers durch den Raum glitt. Doch auch sie blickte mit ihren großen, erschrockenen Augen unruhig um sich. Plötzlich fand ihr flackernder Blick die hohe Gestalt Kurts. Scheu wandte sie ihren Kopf wieder ab. Und doch zwang sie ein quälendes Gefühl immer wieder, zu ihm hinzusehen. Durch ihren Kopf gingen ihr allerlei Gedanken. Warum ist er gekommen? Hat er mich schon ganz oder überhaupt nie vergessen, daß er mich wieder aufsucht? Auch Larowicz dachte nach. In seinem Innern tobten widerstreitende Gefühle. Er wußte nicht, ob er Nelly gegenüber vollkommene Gleichgültigkeit an den Tag legen oder versuchen sollte, sich ihr zu nähern. Er war sich nicht im klaren: sollte er sich bemühen, sie zu hassen, oder sollte er sie lieben? Während er mit sich selbst kämpfte, folgten seine Blicke mechanisch den Bewegungen Nellys. Wie graziös sie ist, dachte er. Man sieht, sie ist älter geworden; voller und fraulicher, aber auch hübscher. Und während er Nelly ansah, erfaßte ihn plötzlich der brennende Wunsch, sie ebenfalls so an sich zu pressen, wie es ihr Tänzer tat. Mit aller Macht kämpfte er gegen seine triebhaften Gefühle an, und entschlossen sagte er sich: Nein, ich darf nicht. Inzwischen setzte er aber schon, fast ohne es zu wissen, langsam einen Fuß vor den andern, und im nächsten Augenblick verneigte er sich vor ihr: „Darf ich bitten?“ Willenlos glitt Nelly aus den Armen ihres Tänzers und setzte mit Kurt den Tanz fort. Sie wagte es nicht, ihn anzusehen. Sie empfand, daß sie irgendeine gleichgültige Phrase sagen müßte, doch sie brachte kein Wort hervor. Und auch Kurt wußte nicht, wie er das Gespräch anknüpfen sollte. Darf ich die Vergangenheit erwähnen? Oder soll ich tun, als wäre ich ein Fremder? So schwiegen denn beide. Dem Takt der Musik folgend, schwebten sie durch den Raum. Kurt sah nicht die Tanzenden um sich her; sein Blick war starr auf das blasse, zarte Gesicht Nellys gerichtet, das dem seinen so nah war. Die Wärme des geschmeidigen Körpers, den er eng umfaßt hatte, teilte sich ihm mit und tauchte ihn in einen betäubenden Rausch. Sein Blick umflorte sich, ihr Atem traf ihn wie eine glühende Welle, und immer fester preßte er die schweratmende Frau an sich— das Weib eines anderen. Widerstrebend wollte Nelly seinen Griff lockern. Doch bald versank ihr Widerstand in der üppigen Blüte aufkeimender Leidenschaft.— Ihr Mann hatte ihre Liebe nicht erringen können; er erweckte sie nur zum Weibe, und nun schlug ihr übervolles Herz demjenigen entgegen, der ihre Träume ausfüllte. Mit Grauen erkannte sie, Baß Larowicz in seiner kraftvoll herangereiften Männlichkeit alle Hemmnisse in ihr erdrückte. Der Gedanke an ihren Gatten versank in graue Nebel, als wäre er nie gewesen.(Fortsetzung folgt.)