Baugepreis bobmenalich 1.20 Maik, Einzelaummel 13 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Nuhr). Poschaekkonten: Vormund 2332 und Hannoer 21674. Geschäststelle: Große Marktstr. 3—3 Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernru 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Arzigs pente fie de acbhigzslpot. mm ai: e Pla, Anspék. singmsamtiche u. gericktliche Anzeigen 1o Pig., Lekamezesle 40 Pf, cu teleson ausgegedene Inserate üdernedmen wie kaime Gewöbt Ber unoo. dergesehn. Verriedestörungen, heroorgerusendura bodere Gevoalien, üdernahmnen oir keinertei Gewähe str pünkliches Erscheinen der Jeltunz u. kann auch keinerlei Ansoruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770| Schwerter Volksblat: Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gmp Kreisblett für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn Nr. 86(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Freitag, den 11. April 1930 63. Jahrgang Neues in Kürze. Ueberreichung des Hindenburg=Pokals durch den Reichspräsidenten. wib Berlin, 10. April.(Tel.) Der Herr Reichspräsident empfing heute den Gewinner des Hindenburg=Pokals für das Sportflugwesen im Jahre 1929, Diplom=Ingenieur Wolfram Hirth, und überreichte ihm unter herzlichen Glückwünschen für seine hervorragenden fliegerischen Leistungen, insbesondere die bei schwierigster Wetterlage durchgeführte Alpenüberquerung und den Englandflug nach Isle of Man, den Hindenburg=Pokal. Einberufung des Reichs=Eisenbahnrats. wtb Berlin, 10. April.(Tel.) Der Reichsverkehrsminister hat zum 1. Mai d. J. den ReichsEisenbahnrat nach Berlin einberufen, insbesondere um seine Stellungnahme zu dem Antrag der Deutschen Reichsbahngesellschaft auf Erhöhung der Personer= und Gütertarife einzuholen. Ergebn'#e Ministerpräsidentenwahl in Sachsen. * Dresden, 10. April.(Tel.) Der Sächsische Landtag machte heute wieder einen ergebnislosen Versuch, einen Ministerpräsidenten zu wählen. Es erhielien der Präsident des Sächsischen Rechnungshofes. Schieck, 42, der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Fleißner 31, der Kommunist Renner 12 und der demokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Külz 5 Stimmen.“ Da die verfassungsmäßige Mehrheit 47 Stimmen betrug, so war auch diese Wahl ergebnislos. Am 6. Mai soll die nächste Sitzung zur Vornahme der Ministerpräsidentenwahl stattfinden. Belgien ratifiziert. wtb. Brüssel, 10. April.(Tel) Die Belgische Telegraphenagentur meldet: Die Kammer hat die allgemeine Aussprache über den Gesetzentwurf zur Inkraftsetzung der Haager Vereinbarungen abgeschlossen und den Artikeln des Entwurfs zugestimmt. Meuterei französischer Kolonialtruppen? wtb. Paris, 10. April.(Tel.) Nach einem Bericht eines in Paris eingetroffenen indochinesischen Blattes vom 26. Februar, der von der kommunistischen Humanite abgedruckt wird, sollen etwa 200 französische Soldaten des 11. Kolonialregiments in Saigon als Protest gegen die schlechte Ernährung und schlechte Bezahlung einen Demonstrationszug durch die Stadt unternommen haben. Die Heuschreckengefahr in Aegypten. wtb. Kairo, 10. April.(Tel.) Aegypten wird von zwei riesigen Schwärmen von Heuschrecken bedroht, von denen der eine vom Sudan her und der andere aus Palästina vorrückt. Die Schwärme bedecken den Boden stellenweise einen Meter hoch. Auf den Eisenbahnlinien in Palästina wurden verschiedentlich Eisenbahnzüge aufgehalten. Arscheibuns enb. Berlin, 11. April.(Eigene Radiomeldung.) Die parlamentarischen Verhandlungen am Donnerstag drehten sich um zwei Probleme: einmal um den Versuch, ein Kompromiß in der Biersteuerfrage zu finden, das auch der Bayrischen Volkspartei die Zustimmung möglich machte. Die Bayrische Volkspartei war aber nur bereit, eine Erhöhung von 40 v. H. zuzugestehen. Dafür verlangte sie eine Ueberweisung an Bayern, die einer Erhöhung von 75 v. H. entsprochen hätte Diese Konzession haben die übrigen Regierungsparteien abgelehnt, und so ist die Frage, welche Haltung die Bayrische Volkspartei bei der Abstimmung zur zweiten Lesung der Deckungsvorlagen am Freitag einnehmen wird, noch vollkommen ofsen.. 4.1 den Eantigan u. Zum zweiten ging es bei den heutigen Besprechungen darum, das sogenannte Junctim abzubiegen, das die Deutschnationalen zwischen Agrar= und Finanzfragen durch ihren Antrag schaffen wollen, der die Erhöhung der Agrarzölle an die Benzolzollvorlage anfügt. Der taktische Gegenzug der Regierungsparteien ist ein Initiativ= gesetz, das gestern von ihnen unterschrieben wurde — auch von der Bayrischen Volkspartei— und das am heutigen Freitag im Reichstag eingebracht werden wird. Das Initiativgesetz ist an die Regelung der Finanzfragen gebunden. Es enthält das Agrarprogramm, wie es die Regierungsparteien am Dienstagabend vereinbart haben. In ihren Kreisen wird übrigens betont, daß die Regierungsvorlage in vielen Punkten höhere Zollsätze vorsieht, als der deutschnationale Antrag, in dem außerdem eine Reihe von Zollpositionen sehlen. Die Benzol= und die Benzinvorlage wird nun von neuem an den Ausschuß verwiesen, obgleich sie noch als erster Punkt auf der morgigen Tagesordnung steht. Man will auf diese Weise den Vorrang beseitigen, den die deutschnationale Taktik den Agrarfragen geben würde. Man befürchtete. daß die Deutschnationalen bei den Finanzfragen leichter Schwierigkeiten machen könnten, wenn die Agrarfragen vorweggenommen würden. Diese Besrendp? fürchtung wird aber nicht auf allen Seiten geteilt, weil die zweite und dritte Lesung der Agrarfragen doch erst hinter der Erledigung der Deckungsvorlagen rangieren wird. 97 M Der Kanzler hat die Verhandlungen mit den Parteiführern am Donnerstag abend unterbrochen, um der Bayrischen Volksparlei noch einmal Gelegenheit zu geben, die Situation unter sich zu besprechen. Es kam hinzu, daß er sich nicht wohl Nach dieser Sitzung der Bayrischen Volkspartei waren in der Wandelhalle des Reichstags alle möglichen Gerüchte verbreitet. Richtig ist daran, daß der Kanzler am morgigen Freitag unter allen Umständen eine Entscheidung herbeiführen will. Staatssekretär Dr. Meißner war gestern abend längere Zeit im Reichstag, und man schließt daraus, daß die Forderung des Kanzlers nach Klatheit auch den Wünschen des Reichspräsidentenentspricht. Sollten sich in den Reichstags=Verhandlungen am Freitag wesentliche Schwierigkeiten ergeben, so würde die Regierung die Vollsitzung unterbrechen lassen, um in einer Kabinettssitzung ihre Entscheidung zu treffen. Nach Lage der Dinge könnte sie nur die Reichstags=Auflösung bedeuten. In Kreisen, die dem Kabinett nahestehen, beurteilt man die Lage aber durchaus ruhig und glaubt, daß es soweit nicht kommen werde. Dieser Optimismus hat offenbar seinen Grund in Bespre=schungen, die gestern nachmittag mit führenden Mitgliedern der deutschnationalen Fraktion stattgefunden haben. Die Bayern noch unentschlossen. vdz. Berlin, 11 April.(Funkspruch.) Die Reichstagsfraktion der Bayrischen Volkspartei hielt am Donnerstag abend eine Sitzung ab, in der die gegenwärtige politische Situation, besonders die Haltung zur Biersteuererhöhung erörtert wurde. Ein Beschluß wurde am Donnerstag abend noch nicht gefaßt. Die Fraktionsverhandlungen sollen vielmehr am Freitag fortgesetzt werden. Das Familiendrama Linde. Auch die Frau erschossen. cub. Berlin, 11. April.(Eig. Radiomeldung.) Groes Aufsehen erregte am vergangenen Sonntag die Auffindung der Leiche des früheren Gutsbesitzers Gustav Linde und seines 7 Jahre alten Sohnes Rolf. Wie schon ausführlich berichtet, hatte Linde den Knaben im Grunewald erschossen. Er war dann zum Schlachtensee weitergegangen und hatte sich dort durch einen Kopfschuß getötet. Geschäftliche Fehlschläge hatten den einst sehr begüterten Mann zu der Tat getrieben. Seine Frau, von der er seit einiger Zeit geschieden war, die er aber immer noch unterstützte, war nach dem Tode des Mannes und des Sohnes nicht mehr aufzufinden. Inzwischen meldete sich eine Bekannte Lindes, der er brieflich seinen Selbstmord angekündigt hatte. In dem Schreiben hatte Linde angedeutet, daß seine Frau tot sei und auf einer kleinen Insel in einem See begraben liege. Nach längerem Suchen gelang es am Donnerstag der Polizei, die Stelle ausfindig zu machen, auf die Linde in seinem Briefe angespielt hatte. Sie liegt auf einer kleinen Halbinsel des Treplin=Sees, der von der Berlin=Frankfurter Chaussee durchschnitten wird. Auf der kleinen Halbinsel zeigte sich frisch ausgeworfene Erde und in etwa 1 Meter Tiefe stieß man auf die Leiche der Frau Linde. Wahrscheinlich hat Linde seine Frau im Auto erschossen und die Leiche dann etwa 40 Meter weit bis zur Grabnähe getragen. Die Tat hatte er vermutlich vorbereitet. mmipf um der Gesriersteischimporieute! enb. Berlin, 10. April.(Eigene Meldung.) Angesichts der geplanten Verhinderung der Einfuhr von Gefrierfleisch weist der Fachausschuß für Fleischversorgung als Organ der an der Schlachtvieh= Fleisch= und Fetteinfuhr beteiligten Zentralverbände darauf hin, daß durch eine im Reichsgesetzblatt enthaltene Verördnung vom 2. November 1923 die Einfuhr von Gefrierfleisch mindestens bis zum 31. Dezember 1933 nicht verhindert werden darf. Auf Grund dieser Bestimmung haben sich die an der Gefrierfleischernfuhr beteiligten Schiffahrts=, Industrie= und Handelskreise veranlaßt gesehen, größere Kapitalinvestitutionen vorzunehmen, um eine reibungslose und hygienisch einwandfreie Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Wenn nun 2¾ Johre vor dem in Aussicht genommenen Termin die Einfuhr von Gefrierfleisch unmöglich gemacht wird, so soll, wie die Voss. Ztg. berichtet, für die den beteiligten Kreisen entstehenden Schäden das Reich haftbar gemacht werden. Die Höhe der Schadenersatzansprüche wird auf viele Millionen geschätzt. Das Reich und Thüringen. Staatsminister Baum bei Reichsminister Dr. Wirth wtb. Berlin, 10. April.(Tel.) Im Reichsministerium des Innern fand heute eine eingehende Aussprache des Reichsministers Dr. Wirth mit dem Vorsitzenden des thüringischen Staatsministeriums, Staatsminister Baum, statt. Gegenstand der Aussprache bildeten außer den weiter zurückliegenden Schwierigkeiten insbesondere die Zweifel, die hinsichtlich der Frage bestehen, ob der 8 3 Abs. 1 des thüringischen Ermächtigungsgesetzes mit Art, 129 der Reichsverfassung vereinbar ist. Die thüringische Staatsregierung wird Anfang der kommenden Woche über die Art und Weise, wie diese Zweisel auszuräumen sein werden(wie es Art. 13 Abs. 2 der Reichsversassung vorsieht), Beschluß fassen und gleichzeitig zu der Frage einer Beilegung der sonst noch bestehenden Differenzen abschließend Stellung nehmen. 158. Sitzung des Deutschen Reichstags. V2Z. Berlin, 10. April.(Tel.) Im Reichstag sollte heute die zweite Beratung der Deckungsvorlagen erfolgen, aber der krisenhafte Zustand, unter dem die Zusammenarbeit der Regierungsparteien gerade heute besonders stark zu leiden hatte, ließ es zu einer wirklichen Beratung nicht kommen. Die Regierungsparieien waren noch nicht in der Lage, eine Erklärung abzugeben, weil sie mit der Bayrischen Volkspartei noch nicht ganz einig sind und weil auch über die Haltung der Deutschnationalen noch keine Klarheit geschaffen ist. So soll die zweite Beratung nach dem Wunsche der Regierung morgen— die Sitzung beginnt schon um 11 Uhr— erledigt werden, aber kein Mensch weiß, was noch alles dazwischen kommen kann. Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer leitete heue die Aussprache ein, indem er bedauernd feststellte, daß der Ausschuß von seinen Deckungsvorlagen nur noch einen Torso übrig gelassen habe, zumal auch das Kernstück, die Biersteuer. im Ausschuß abgelehnt wurde. Da die Regierung aber mit allen verfassungsmäßigen Mitteln schleunigst die Sanierung der Reichskasse und die steuerliche Entlastung der Wirtschaft durchführen wolle, werde sie dem bekannten Kompromißantrag der Regierungsparteien zustimmen, daß die Biersteuer statt um 75 Prozent nur um 50 Prozent erhöhen und als Ausgleich dafür eine Erhöhung der allgemeinen Umsatzsteuer und die Sonderumsatzsteuer für Umsätze über eine Million bringen will. Dieser Kompromißantrag lag dem Reichstag aber noch nicht gedruckt vor, ebensowenig die vielen Aenderungsanträge, die von anderen Parteien eingebracht waren. Darum stimmte die Mehrheit dem sozialdemokratischen Antrag zu, die Sitzung auf einige Stunden zu vertagen. In dieser Pause kam allerhand zusammen, um die Schwierigkeiten der Regierungsparteien zu vergrößern. Die Hoffnung, daß die Bayrische Volkspariei ihren Widerstand gegen eine Biersteuererhöhung um 50 Prozent oder wenigstens um 49 Prozent aufgeben würde, verwirklichte sich nicht Man hörte vielmehr, daß die Bayern höchstens eine 25prozentige Erhöhung bewilligen und im übrigen sich der sozialdemokratischen Forderung eines Notopfers durch 10 prozentigen Zuschlag zur Einkommensteuer bei Einkommen über 8000 Mark anschließen wollen. Inzwischen hatten auch die Deutschnationalen den Schachzug gemacht, in der Form von Aenderungsanträgen zur Vorlage über die Mineralölzölle. Agrarzollerhöhungen zu fordern, die über das Schieleprogramm in einigen Punkten noch hinausgehen. Damit würde die Absicht der Regierung durchkreuzt werden, das Agrarprogramm erst nach vorheriger Annahme der Deckungsvorlagen zu erledigen. So standen die Dinge, als um 5½ Uhr die Plenarsitzung wieder eröffnet wurde. Der sozialdemokratische Abg. Keil ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, um der Regierung vorzuhalten, wie groß ihre Abhängigkeit von den Fraktionen der Regierungsparteien, aber auch von der noch in der Opposition befindlichen Deutschnationalen Volkspartei sei. Das als starke Regierung angekündigte Kabinett Brüning sei in Wirklichkeit die schwächste Regierung, die je vor dem Reichstag gestanden habe. Abg. Keil lehnte den Kompromißantrag der Regierungsparteien und mit besonderer Schärfe die Warenhaussteuer ab. Nachdem noch der Kommunist Ende eine heftige Kampfrede gegen die Regierung und Sozialdemokratie gehalten hatte, mußte die Weiterberatung auf morgen vertagt werden. Die auf der Rednerliste stehenden Abgeordneten des Zentrums und der Deutschen Volkspartei wollten angesichts der ungeklärten Lage heute noch nicht sprechen. Neue Verhandlungen über die Agrarfrugen. vdz. Berlin, 11. April.(Tel.) Nach einer Plenarsitzung traten die Führer der hinier der Regierung stehenden Parteien mit dem Reichsminister für Ernährung, Schiele, zu neuen Verhandlungen über die Agrarfragen und deren Verbindung mit den Deckungsvorlagen zusammen. Es kam, wie das Nachrichtenbüro des VDZ. hört. eine Verständigung darüber zustande, daß das von den Sachverständigen der Regierungsparteien vorgestern entworfene Agrarprogramm insosern mit den Deckungsvorlagen verbunden werden soll, daß es in dem Gesetzentwurf über Zolländerungen, und zwar bei den Bestimmungen über den Benzin= und Benzolzoll, eingefügt wird. Dieses Agrarprogramm ist übrigens in einer großen Reihe von Punkten vollständiger als das Programm, das von den Deutschnationalen als Abänderungsantrag bei wtb Hamburg, 10. April.(Tel.) Vor Eintritt in die Verhandlung im„Falke"=Prozeß wird beschlossen, von den für heute geladenen Zeugen nur die Kaufleute Müller und Schulz und den Kapitän Freyer in den Nachmittagsstunden zu vernehmen. Die übrigen werden für morgen erneut geladen. Am Samstag sollen dann die Offiziere und die Mannschaft des„Falke“ gehört werden. Prenzlau berichtigt darauf zunächst seine Aussagen über das erste Zusammentreffen von Cukal und del Gado, das in Wirklichkeit in Berlin stattgefunden habe. Darauf wird in die Vernehmung des Kompagnons der Firma=Prenzlau u. Co., Kramarski. eingetreten. Nach seiner Aussage wurden zunächst Metallgeschäfte gemacht. 1924 in Schwierigkeiten geraten, verbanden sich Prenzlau und er mit der Firma Ludwig Bing u. Co., die Waffengeschäfte nach China besorgte. Das Geschäft nahm einen lebhaften Aufschwung. Kramarski bemerkt, daß er von Waffen so viel verstehe wie jeder Soldat. Als 1929 Prenzlau wieder wegen einer Waffenlieferung nach China in Paris weilte, gab er seinem Teilhaber, dem jetzigen Mitangeklagten, Nachricht von den dort eingeleiteten Verhandlungen mit del Gado. Dieser sowie der ehemalige Gesandte Dominici, sollten nach Prenzlaus Angaben durchaus seriöse und zahlungsfähige Herren sein, später jedoch habe sich herausgestellt, daß Bargeld nicht vorhanden sei. del Gado meinte, es werde in diesen Sachen zu viel Luft gemacht. Kramarski ging, wie er weiter erklärte, an das Geschäft mit del Gado heran, weil er angeblich der Meinung war, es solle sich nur um ein einsages Exvorigeschäft in Krle Venezuelo blich der Meinung war, es solle sich nur um einfaches Exporigeschaft in Kriegsmaterial nach Venezuela handeln. Die Verträge habe er erst nachher gesehen, und zwar erst nach der Vernehmung Prenzlaus durch den Untersuchungsrichter. Er könne nicht Französisch und sei daher nicht fähig gewesen, den Vertrag zu lesen. Er habe sich deshalb damit begnügt, was sein Teilhaber ihm über das Geschäft sagte. Auf Vorhalten gibt er zu, von der„Belohnung" nach geglückter Revolution gewußt zu haben. Um diese zu erhalten, sei er intensiv im Interesse del Gados tätig gewesen. Kramarski versuchte zunächst sein Glück in Belgien. Da dort seine Bemühungen zu keinem Erfolge führten, charterte Prenzlau dann den„Falke“ mit der Kaufrechtsklausel. Bezüglich der Bestimmung, daß das Schiff 13—14 Knoten lausen müsse, will auch Kramarski ohne jeden Verdacht gewesen sein; es sei eben nur eine Bedingung gewesen. Zur Zeit der Anheuerung der Mannschaft war Kramarski in Warschau, um die Waffen usw. zu kaufen. Auch Prenzlau kam später dorthin, und es wurden 2000 Gewehre. Modell 88, mit 2 Millionen Schuß für 30.000 Dollar gekauft. Es handelte sich um alte Waffen, die das polnische Kriegsministerium abstieß. 9g Sei Die weitere Vernehmung ergab, daß Kapitän Zipplitt schon in Gdingen gewußt haben muß, daß die Reise nicht, wie er der Behörde angab, nach Las Palmas gehen würde, sondern nach Blanquilla. Auf den Vorhalt, was er hätte iun können, wenn del Gado unter dem Schutze seiner mit an Bord gebrachten und mit Revolvern und Karabinern bewaffneten Leute die Kommandogewalt verlangt hätte, sagte Zipplitt: Das hätte ich keinem Menschen raten wollen; denn ich hatte 2000 Gewehre und 30 deutsche Soldaten an Bord. Von Punta Araye nach Blanquilla mit abgeblendeten Lichtern gefahren zu sein, gab der Angeklagte zu. der Benzinzollbestimmung eingebracht worden ist. Die sämtlichen hinter der Regierung stehenden Parteien haben den Entwurf ihres Agrarprogramms unterzeichnet, jedoch erklären sie, daß ihre Unterschriften nur für den Fall gelten sollen, daß die sämtlichen Deckungsvorlagen angenommen werden. Der weitere Hergang in der parlamentarischen Behandlung wird etwa der sein, daß am Freitag und Samstag die Deckungsvorlagen in zweiter und dritter Lesung erledigt werden bis auf die Bestimmungen über den Benzin= und Benzolzoll, die wegen des Abänderungsantrages über das Agrarprogramm an einen Ausschuß überwiesen werden sollen. Voraussichtlich wird dann darüber erst am Anfang der nächsten Woche entschieden werden können. Für den Donnerstag abend war noch eine Kabinettssitzung in Aussicht genommen; sie hat aber licht mehr stattgefunden. Die Arbeitslosenversicherung. Regierungsvorlage abgelehnt. vdz. Berlin, 10. April(Tel.) Im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages wurde heute der Kompromißantrag der Regierungsparteien zur Arbeitslosenversicherung mit 12 gegen 12 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei Stimmenthaltung der Deutschnationalen abgelehnt. Auch die wesentlichsten Teile der ursprünglichen Regierungsvorlage wurden abgelehnt. Heimfahrt der toten Königin. wtb. Berlin, 11. April.(Tel.) Am Donnerstag abend um 6.50 Uhr lief der Sonderzug, der die sterblichen Ueberreste der Königin von Schweden nach ihrer Heimat bringt, auf dem Bahnhof Lichterfelde=Ost ein. Das Gebäude hatte halbmast geflaggt. Eine riesige Zuschauermenge umsäumte den Verladebahnhof, den Vorplatz und den Bahnsteig der Stadtbahn. Unter den Trauergästen, die sich im Wartesaal versammelten, bemerkte man den schwedischen Gesandten af Wirsén. ferner Prinz Eitel Friedrich. Prinz August Wilhelm, Prinz zu Wied. Vom Auswärtigen Amt war Gesandtschaftsrat von Plessen anwesend. Gleich nach der Ankunft des Zuges begaben sich der König von Schweden und die Prinzessin Ingrid mit der Trauergemeinde nach dem Waggon, in dem der von einer schwedischen Flagge bedeckte Sarg aufgestellt ist, und verrichteten ein kurzes Gebet. Sodann stiegen der König und ein Teil der Trauergäste wieder in den Zug, der um 657 Uhr abfuhr. Flottenkonferenz vor dem Ende. MacDouald über die letzte Phase der Flottenkonferenz. wib London, 11. April.(Funkspruch.) Gestern abend gegen 9½ Uhr gab MacDouald im Unterhaus eine von ihm angekündigte Erklärung über die Flottenkonferenz ab. Er freue sich, sagen zu können, daß heute vormittag ein endgültiges Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Japan und Großbritannien über ein Marineprogramm erreicht worden sei, das alle Schiffskategorien umfaßt. Verschiedene strittige Punkte, die seit Beginn der Konferenz von Zeit zu Zeit den Fortschritt auf dem Wege zur Abrüstung behinderten, seien geregelt worden. Die Unterschiede in den Marinebedürfnissen Frankreichs und Italiens hätten sich als zu verwickelt erwiesen und seien bisher nicht gelöst worden. Es werde daher auf der nächsten Vollsitzung vorgeschlagen, daß die jetzt erreichten Vereinbahrungen unterzeichnet werden und daß die Konferenz vertagt werde unter der Voraussetzung, daß Frankreich, Italien und England ihre Bemühungen fortsetzen werden, um zu einer Vereinbarug zu gelangen, die im Einklang stehe mit der Vereinbarung, die zwischen den Vereinigten Staaten. Japan und England selbst erreicht worden sei. Nach der Erklärung des Premierministers sagte Baldwin, der einzige Punkt, über den ich heute Aufklärung habe möchte, ist der Dreimächtevertrag. Ich möchte wissen, wann und in welcher Weise diese Vereinbarung Gültigkeit erhalten wird. Einisvernlungen der Rizenn Preomuwlager. wtb. Düsseldorf, 10. April.(Tel.) In der heutigen Plenarsitzung des 77. Rheinischen Provinziallandtages trat das Haus in die Einzelberatung des Haushalis ein... Geric Dr. Louis Hagen erstatteie ven Bericht über den Haushaltsplan für die Verwaltungskosten der Landesbank der Rheinprovinz. Die Anträge wurden ohne Widerspruch genehmigt. Eine längere Aussprache entspann sich über den Bericht des Provinzialausschusses über die Förderung des Kleinwohnungsbaues, wobei Redner aller Parteien zu Worte kamen. In der Abstimmung wurden Anträge der Kommunisten und Sozialdemokraten auf Erhöhung des Zinsverbilligungssonds um 100000 RM. abgelehnt, dagegen fand der Antrag der Sozialdemokraten, den Betrag für den gemeinnützigen Wohnungsbau um 15 Millionen RM. zu erhöhen. Annahme. Anträge der Nationalsozialisten beir die Bereitstellung von Mitteln für Landarbeiterwohnungen und solcher der Wirtschaftspartei auf Bewilligung langfristiger Kredite wurden dem Provinzialausschuß bzw. dem Verwaltungsrat der Landesbank überwiesen. Abgelehnt wurde ein Antrag der Wirtschaftspartei, bei der Staatsregierung die Niederschlagung der in den Jahren 1924—1927 gewährten staatlichen Kredite zu beantragen. Der Haushaltsplan der Provinzial=Feuerversicherungsanstalt der Rheinprovinz fand unveränderte Annahme. Dem Provinzialausschuß überwiesen wurden verschiedene Anträge von Verbänden beir. Umgruppierung der Besoldungsgruppen und vorzugsweise Berücksichtigung älterer Arbeiter und Angestellten bei Neueinstellungen bei der Provinzialverwaltung usw. Berichterstatter Abg. Gerhard begründete einen Antrag des 4. Fachausschusses. in dem der Landeshauptmann beauftragt wird, bei den Reichs= und Staatsstellen vorstellig zu werden, daß die in Aussicht gestellten Mittel aus der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorge für das Rechnungsjahr 1929 nachträglich genehmigt und die für 1931 beantragten Forderungen für die Arbeiten an den Kraft= wagenstraßen Köln—Bonn und Köln— Düsseldorf in dem beantragten Umfange bewilligt werden. Das Haus stimmte diesem Antrage zu. Unveränderte Annahme fanden die Haushaltspläne der Provinzialstraßenverwaltung für das Rechnungsjahr 1930 für Unterstützungen zum Bau und Bau von Kleinbahnen sowie des Gemeindeund Kreiswegebaues. Ablehnung fand ein Antrag der Nationalsozialisten, die Autostraße Köln— Siegen so zu leiten, daß die Hauptpunkte des Oberbergischen Landes berührt werden. Anträge der Kommunistischen Partei auf Bau von Umgehungsstraßen in Vallendar und Alsdorf und von Radfahrwegen an der Provinzialstraße Köln— Düren wurden dem Provinzialausschuß überwiesen. Unverändert angenommen wurde ein Antrag der Zentrumsfratkion, vor weiteren neu in Angriff zu nehmenden Hochbauplänen zunächst die Mittel für den Neubau der Taubstummenanstalt in Aachen bereitzustellen im Haushaltsplan für Landesfürsorge für 1930. Der Antrag der Christlichen Volksdienst= und Bauernpartei für eine beschleunigte Durchführung eines Reichsgesetzes über Bewahrungund Wanderfürsorge wurde dem Provinzialausschuß überwiesen. Gleichfalls angenommen wurden die Haushaltspläne für das Taubstummenwesen und das Blindenwesen. Das Haus vertagte sich dann auf Freitag 10 Uhr. Der liberale Abgeorduete Sir Herbert Samuel sprach sein Bedauern darüber aus, daß es nicht gelungen sei, den Erfolg vollstänoig zu gestalten. MacDonald erwiderte: Was die Methoden der Inkraftsetzung des Abkommens angeht, so ist mir nicht bekannt. in welcher Weise dies nach der japanischen Verfassung vollzogen wird. In den Vereinigten Staaten wird das Abkommen dem Senat vorgelegt werden, und ich nehme an, daß dies so bald wie möglich geschehen wird. Was uns betrifft, so wird das Abkommen, wenn es die Form eines Vertrages erhalten soll, in der üblichen Weise ratifiziert werden. In der Zwischenzeit zwischen der Unterzeichnung und der Ratifizierung wird das Unterhaus bestimmt Gelegenheit erhalten, seiner Ansicht über den Inhalt des Abkommens Ausdruck zu verleihen. Die Lage in Indien. Zusammenstoß zwischen Hindus. wtb. Nasik(Bez. Bombay), 10. April.(Tel.) Reuter meldet: Im Lause des heutigen Tages kam es zu einem Zusammenstoß zwischen orthodoxen Hindus und Unberührbaren, der niedrigsten Kaste der Hindus. Den Anlaß bildete ein religiöser Festzug, in dem ein riesiger Wagen mit der Statue des Gottes Rama mitgeführt wurde. Ungefähr 100 Personen, darunter mehrere Polizisten, wurden verletzt. 26 Unberührbare mußten ins Krankenhaus übergeführt werden. Der Kampf gegen das Salzmonopol. wtb Allahabad. 11. April.(Funkspruch.) Der Vorsitzende des Nationalkongresses. Nehru, hat sich an die Spitze einex Gruppe gestellt, die Salz herstellte und dann versteigerte. Die Polizei hat sich um den Vorgang nicht gekümmert. wtb Bombay, 11. April.(Funkspruch.) Die Polizei veranstaltete eine Haussuchung im Gebäude des Nationalkongresses. Der Sekretär des Kongresses wurde verhaftet. Salzherstellung im indischen Kongreßgebäude. wtb. Bombay, 10. April.(Tel.) 200 Freiwillige, die an dem Feldzug des zivilen Ungehorsams teilnehmen, darunter sechs Mohammedaner und drei Frauen, schöpften Wasser aus dem Meer und begaben sich dann zum Kongreßgebäude, um Salz herzustellen. Es wurden 32 Gefäße für die Salzgewinnung aufgestellt. Gransstauehandier Walschiler„Haul aus! Polizeimaßnahmen gegen Ghandis Anhänger. wtb. Jalalpur, 11. April.(Funkspruch.) 300 Polizeibeamte, die mit Bambusstöcken bewaffnet waren, zerstörten alle Pfannen, die von Ghandis Anhängern zur Gewinnung von Salz benutzt wurden und beschlagnahmten die Salzvorräte und alle Werkzeuge, die zur Herstellung des Salzes verwendet wurden. Frauen und andere Personen, die Widerstand leisteten, wurden von den Polizeibeamten mit Gewalt zurückgetrieben. Drei Personen erlitten ernstliche Verletzungen. Vom eigenen Sohn ertränkt. wtb. Rheine, 10. April.(Tel.) Ein schweres Verbrechen trug sich vorgestern in der Bauernschaft Neuenkirchen zu. Dort hat der Maurer Heinrich Puls seinen Vater, den Landwirt Gerhard Puls, in den Brunnen geworfen, so daß der alte Mann ertrank. Heinrich Puls erschien gestern auf der Neuenkirchener Polizei und gab an, daß sein Vater betrunken in den Brunnen gefallen und ertrunken sei. Da indessen bekannt war, daß in der Familie Puls des öfteren Streitigkeiten herrschten, so wurde die Meldung mit Mißtrauen ausgenommen und Heinrich Puls vorläufig verhaftet. Bei der Vernehmung verdichteten sich die Verdachtsmomente gegen Puls derart, daß dieser endlich das Geständnis ablegte, er habe den Vater, als dieser betrunken nach Hause gekommen sei, skandalierte und ihn beschimpfte, außer sich vor Erregung gepackt und in den Brunnen geworsen. Hungerkünstler Jolly freigesprochen. enb. Berlin, 11. April.(Eig Meldung.) Der Kaufmann Heinrich Herz, der unter dem Namen „Jolly“ vor einigen Jahren als Hungerkünstler in Berlin auftrat und angeblich einen Hungerrekord von 43 Tagen aufstellte, war, wie erinnerlich, vom Schöffengericht zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Es hatte sich nachträglich herausgestellt, daß er sich mindestens in der letzten Periode seiner Schaustellung nachts Schokolade durch die Röhren stecken ließ. Auf die Berufung des Angeklagten hob die Strafkammer des Landgerichts I das Urteil des Schöffengerichts auf und sprach Herz frei. Das Gericht hielt es für erwiesen, daß er seit dem 28. Tage seines„Hungerns“ nicht mehr gehungert hatte. Eine Verurteilung konnte aber nicht erfolK gen, da niemand da war, der sich für die von ihm gezahlten 50 Pfennig Eintrittsgeld geschädigt gefühlt hätte. Selbstmord eines Küstenwehroffiziers. enb. Kiel, 10. April.(Eig. Meldung.) Wie die Schleswig=Holsteinische Zeitung meldet, wurde ein Oberleutnant der Marineartillerie in Kiel, gegen den bei der Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Diebstahls schwebte, in einer Feldmark erschossen aufgefunden. Der Tote hatte den Dienstrevolver noch in der Hand; es muß daher angenommen werden, daß Selbstmord vorliegt. Der Oberleutnant war vor einigen Tagen zur Vernehmung in dem Verfahren gegen ihn bestellt worden; er kam jedoch nicht und war seitdem verschwunden. Aus Nah und Fern. Der Tod auf den Schienen. wp. Remscheid, 10. April.(Tel.) In der Nacht zum Donnerstag wurde auf der Strecke RemscheidLennep ein 43jähriger Polierer aus Remscheid von einem Zuge erfaßt und getötet. Es soll Freitod vorliegen. wp. Unna, 10 April.(Tel.) Gestern mittag gegen 12 Uhr wurde auf der Strecke Unna—Bönen der Reichsbahnleitungsaufseher Karl Landwehr von einem Eilzug erfaßt und getötet. Der Unfall ist auf die Unachtsamkeit des Beamten zurückzuführen. Ein betrügerischer Bankier verhaftet. wtb. Friedberg(Schwaben), 10. April(Tel.) Der Bankier Georg Scheuchl wurde wegen Verdachts des betrügerischen Bankrotts auf Veranlassung der Augsburger Staatsanwaltschaft verhaftet. Die Ueberschuldung des Bankgeschäfts Scheuchl beträgt etwa 640000 Marks, Bei den geschädigten Gläubigern handelt es sich in der Hauptsache um den gewerblichen und bäuerlichen Mittelstand. Zugzusammenstoß in Belgien. wtb. Turnhout, 10. April.(Tel.) Ein Personenund ein Güterzug sind im Bahnhof von Thielen zusammengestoßen. Fünf Bahnbeamte wurden verletzt, darunter einer sehr schwer. Außerdem wurden fünf Reisende leicht verletzt. Durch eine Granate zerrissen. wtb. Warschau, 10. April.(Tel.) In dem ostgalizischen Dorf Wierczany wurde der Ukrainer Kiba durch die Explosion einer aus dem Kriege stammenden Granate, die er unvorsichtig handhabte, zerrissen. Bei der polizeilichen Untersuchung in der Behausung des Verunglückten wurden große Vorräte an Explosivstoffen gefunden, die offenbar zur Herstellung von Bomben bestimmt waren. Kiba war Mitglied der geheimen ukrainischen Gesellschaft Surma. V23. Berlin, 10. April.(Tel.) Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags für die„Mißwirtschaft in der Berliner Stadtverwaltung" mußte am Donnerstag zur Kenntnis nehmen, daß ihm wieder einmal der Zeuge unerreichbar geworden ist. Der frühere Besitzer des von der Stadt Berlin erworbenen Rittergutes Marienfelde. Kiepert, ist„für dauernd in die Schweiz gezogen“ und kann daher nicht mehr sagen, ob Böß=Busch ihn gezwungen habe, etwas in den Festspielfonds zu tun. Dagegen packte der Grundstückshändler Wulschner ordentlich aus. Er hatte von Kiepert 1925 den Auftrag erhalten, Berlin das Rittergut Marienfelde anzubieten, versuchte es erst auf direktem Wege und ging, als das Grundstücksdezernat„zu teuer“ sagte, zu Felir Günther, dem Vertrauensmann Buschs,„von dem es hieß, er wisse am besten, wie man mit Berlin Grundstücksgeschäfte zu verhandeln habe.“ Günther sei auch bereit gewesen, habe aber bis zu 5000 Al für den Wahlfonds der Wirtschaftspartei verlangt und 200000 M Provision, also rund 7 Prozen:. während damals 3 Prozent üblich gewesen seien. Je weniger man knausere, um so eher werde der Ankauf perfekt, habe Günther gesagt. Die Verquickung mit der Wirtschaftspartei hätten aber sowohl er, Wulschner, wie Kiepert abgelehnt, womit auch dieser Weg verschlossen war. Nun habe er sich direkt an Busch gewandt. Er hätte die Verhandlungen hinausgezogert und inzwischen hinter dem Rücken Wulschners sich direkt mit Kiepert verständigt, zu dem gleichen Preise, den das Amt zuerst als zu teuer abgelehnt hatte. Er, Wulschner, prozessiere noch wegen seiner Provisionsansprüche Zur Geldhergabe an die Wirtschaftspartei sei es dann seines Wissens in der Tat gekommen. Dagegen sei ihm von dritter Stelle gesagt worden, daß im Zusammenhang mit dem Aukauf des Flugpiatzes Johannisthal durch Berlin 70.000 Mark von den Provisionen für den Stadtrat Busch„abgezweigt“ seien, während weitere 50000 Mark in Diebstähle im Wiener Arsenal. wtb. Wien, 10. April.(Tel.) Wie die PolizeiKorrespondenz meldet, sind heute nacht unbekannte Täter vom Hofe aus in das im Arsenal befindliche im Hochparterre gelegene Heeresmuseum, das nicht unter militärischer Bewachung steht, eingedrungen; u. a. wurden gestohlen zwei Vitrinen mit 100 Maria Theresien=Orden von der Zeit der Befreiungskriege bis zur jetzigen Zeit, weiter aus der Zeit der Freiheitskriege ein großer silberner vergoldeter Pfosten von der Fleischhauerinnung mit Dukaten gefüllt, eine Augsburger Schmiedearbeit aus dem 17. Jahrhundert, ein silbernes Huseisen der Chemnitzer Bergleute, zahlreiche goldene und silberne Tapferkeitsmedaillen und aus der Zeit des Feldmarschalls Radetzky die beiden Schlüssel der Festung Venedig nach der Erstürmung Venedigs im Jahre 1849. sowie der aus Stahl hergestellte vergoldete Schlüssel der Stadt Mailand, den Feldmarschall Radetzky im Jahre 1848 Kaiser Franz Joseph übersandte, ferner ein goldenes Halsband mit Diamantenkreuz, ein Geschenk der österreichischen Armee an den Fürsten Colloredo=Mansfeld. Genau vor 40 Jahren, in der Nacht zum 10. April, ist der Marschallstab Radetzkys, den Kaiser Franz Joseph und die gesamte Armee dem Feldmarschall zum Geschenk gemacht haben, gestohlen worden. den Sportfonds des Oberbürgermeisters Böß geflossen sein sollen. Kurz vor Bekanntwerden des Sklarekfalles habe Günther sich mit ihm, Wulschner einigen wollen und ihm 50000 Mark angeboten. Diese Bekundungen erregten im Ausschuß großes Aufsehen. Doch konnte man den gleichfalls geladenen Günther nicht hören, weil er nicht erschienen war. Gus. Mau vernahm daher zum Ankauf des Rittergutes Schöneiche einige Zeugen. Dies ist ein direkt — ohne Vermittler— von der Stadt getätigter Kauf, wobei der Quadratmeter nur 50 Pfg. kostete. Eigenartig ist, nach Meinung des Berichterstatters, daß Busch trotzdem gegen diesen Kauf gestimmt hatte, weil er ihm, der sonst bis zum Vierfachen bewilligte, zu teuer war. Aufsehen erregte noch, daß ein Kaufmann Eras bei den Verhandlungen über den Verkauf von Düppel vom Vermittler Hiller zugezogen wurde, weil er„nahe Beziehungen zum Stadtbaurat Hahn“(der selbst mit der Sache nach seiner Bekundung gar nichts zu tun hatte), habe, und für eine Besprechung 25000 Mark erhielt. Hiller sollte dann an Düppel 2 Millionen verdienen, sagte Eras, was wären da 25000 Mark! Der Rechtsvertreter des Prinzen Leopold von Preußen, Lubsczynski, bekundete, Berlin hätte Düppel um 1,6 Millionen billiger kaufen können, wenn nicht der Vermittler Hiller dazwischen geschoben worden wäre. Direkte Verhandlungen habe aber Busch abgelehnt und nachträglich auf Vorhaltungen erklärt, Düppel sei das glänzendste Geschäft für Berlin, an dem schon jetzt das Doppelte verdient wäre. Hiller sagte aus, er habe als Reinverdienst an dem Geschäft eine Million gehabt. Unter seinen darüber hinaus entstandenen, von der Stadt auch noch bezahlten Unkosten seien auch für den Kunstfonds 30000 Mark gewesen, die Busch verlangt habe. Vielleicht habe er auch Günther ein paar hundert Mark gezahlt. Zur Sache Düppel wird am Freitag u. a. auch Böß vernommen. nis Lurch Hunksprauft Der Ministerwechsel im Reichsinnenministerium. wtb. Berlin, 11. April.(Funkspruch.) Am Donnerslag vormittag verabschiedete sich der bisherige Reichsinnenminister Severing von den Beamten, Angestellten und Arbeitern des Reichsinnenministeriums. In einer längeren Abschiedsrede würdigte Staatssekretär Zweigert die Verdienste des scheidenden Ministers um das Amt und um das deutsche Volk und begrüßte zugleich in herzlichen Worten den Reichsminister Dr. Wirth. Minister Severing dankte für die freundlichen Ausführungen des Staatssekretärs und überreichte seinem Amtsnachfolger ein im Reichsinnenministerium aufbewahrtes künstlerisch ausgestattetes Exemplar der Verfassung. In Zukunft sollen alle Reichsinnenminister sich in dieses Buch einzeichnen. Reichsinnenminister Wirth dankte beiden Rednern und versicherte, daß über allen Wechsel hinaus die politische Stetigkeit des Verfassungswerkes von Weimar die oberste Aufgabe seiner Amtstätigkeit sein und bleiben werde. Die republikanische Linie seines Amtsvorgängers werde immer innegehalten werden. Nationalsozialisten sprengen eine demokratische Versammlung. enb. Berlin, 11. April.(Eigene Radiomeldung.) In der Hohenzollern=Oberrealschule in Schöneberg veranstaltete gestern die Demokratische Partei eine Versammlung mit dem Thema:„Die Nationalsozialisten Feinde wahrhaft nationaler Politik.“ Reserenten waren Chefredakteur Nuschke und Freiherr von Richthofen. Schon zu Beginn war der Versammlungssaal zum großen Teil mit jugendlichen Nationalsozialisten besetzt. Kaum hatte der erste Redner begonnen, als die Nationalsozialisten die Versammlung zu stören versuchten. Es wurde ununterbrochen gelärmt, gesohlt, gepfissen und gesungen. Nur mit größter Mühe konnten sich die beiden Reserenten gegen den Lärm durchsetzen. Schließlich gelang es den Nationalsozialisten doch, die Versammlung zu sprengen. 15 Personen wurden von der Polizei zwangsgestellt. Gerüchte von einem kommunistischen Staatsstreich in China. wotb. Paris, 11. April.(Funkspruch.) Nach einer Havasmeldung aus Schanghai erklärt man, daß das Zentralkomitee der Kuomintang zahlreiche Nachrichten erhalten habe, wonach die Kommunisten im Begriffe ständen, einen Staatsstreich vorzubereiten. Die Untersuchung habe das Vorhandensein von Waffenlagern ergeben. Das Gerücht sei verbreitet, daß die sehr bekannte Revolutionärin Sume Tschang verhaftet worden sei. Die nordchinesischen Truppen rückten weiter vor und bedrohten Hankau. Die Regierung beabsichtige, Hankau zu räumen und Verteidigungsstellungen bei Nanking zu beziehen. Rücksichtsloses Vorgehen eines rumänischen Offiziers. wtb Bukarest, 11. April.(Funkspruch. Nach einer Rekrutenvereidigung in Temesvar beobachtete ein Offizier beim Abmarsch der Rekruten, daß einige Passanten den in Rumänien üblichen Gruß vor der Regimentsfahne unterließen. Darauf schlug er mit dem Säbel auf die Passanien ein und verletzte fünf Personen. Eine Delegation unter der Führung des deutschen Bezirksrats Meyer hat gegen diesen Vorgang beim Kommändeur und beim Stadtkommandanten Einspruch erhoben. Ein amerikanischer Pilot für Do. X? wtb Newyork, 11. April.(Funkspruch.) Wie die Abendzeitung„The Sun“ von maßgebender Seite erfahren haben will, soll der amerikanische Marineleutnant Clarence Schildhauer, einer der tüchtigsten Marineflieger, als Pilot für den geplanten Transozeanflug des Do. K in Aussicht genommen seil. * * Aus dert Maehsür-Stadten Aus Groß=Dortmund — Motorradfahrer überfährt eine Frau. Am Mittwoch gegen 14.45 Uhr befuhr ein Motorradfahrer die Eneisenaustraße in südlicher Richtung. Als er sich in der Höhe der Lessing= straße befand, lief ihm die Ehefrau Wilhelmine Jansen, Mallinckrodtstraße 242 wohnhaft, vor das Rad. Frau J. wurde umgerissen und zu Boden geworfen. Sie mußte zu einem Arzt gebracht werden, der am linken Arm eine Verletzung feststellte. Außerdem klagte sie über heftige Schmerzen an der linken Hüfte. Sie konnte in ihre Wohnung gebracht werden. Ueber die Schuldfrage steht Endgültiges noch nicht fest. — Zu einem folgenschweren Unfall kam es am Mittwoch um die Mittagsstunde an der Ecke Lütgendortmunder Straße— Klarastraße. Kurz vor der Kreuzung stand ein Lieferwagen auf dem Fahrdamm in der Klarastraße. Ein anderer Lastkraftwagen, befuhr die Klarastraße, um in die Lütgendortmunderstraße einzubiegen. Dieser Lastwagen war mit Eisenstangen beladen, die etwa 3,5 Meter über die Ladepritsche hinausragten. Beim Einbiegen streiften die Stangen den knapp an der Kreuzung stehenden Lieferwagen, so daß diesem die vordere Karosserie schwer beschädigt wurde. Personen wurden glücklicherweise nicht verletzt. Der Unfall lehrt, daß man mit einer solchen Ladung äußerste Vorsicht walten lassen muß, daß aber auch parkende Fahrzeuge niemals knapp an einer Straßenkreuzung aufgestellt werden sollen. — Selbstmordversuch. Am Mittwochabend versuchte kurz nach 23 Uhr die in der Linienstraße 20 in Dortmund wohnhafte Else Terhörst sich durch Einatmien von Leuchtgas in ihrem Wohnzimmer das Leben zu nehmen. Dieser Versuch wurde von Hausbewohnern jedoch noch rechtzeitig bemerkt, so daß die sofort vor##enommenen Wiederbelebungsversuche Erfolg hatten. Die T. wurde in das Luisenhospital übergeführt. Lebensgefahr besteht für sie nicht mehr. — Ruhestörer greift Polizeibeamten an. Zu obiger Notiz in unserer gestrigen Ausgabe können wir noch ergänzend mitteilen, daß die Polizei noch einen Arbeiter aus der Österholzstraße ausfindig machen und festnehmen konnte. Der Mann wollte den verhafteten Schlosser P. befreien und stachelte die Masse auf, bei der Befreiung mitzuhelfen. Der Arbeiter wurde der Kriminalpolizei übergeben. — Zwei Warenhausdiebe gefaßt. Mittwoch vormittag kurz nach 11 Uhr wurde der Arbeiter Gustav Z. aus der Bornstraße in Dortmund in dem Warenhause der Epa am Steinplatz beim Diebstahl ertappt. Bei ihm fand man vier Taschenmesser, ein Kartenspiel und ein Notizbuch. Diese Gegenstände hatte er von den luslagen der Firma gestohlen. Er wurde der kriminalpolizei zugeführt.— Mittwoch nachnittag wurde kurz vor 18 Uhr der Arbeiter Bustav R. aus der Scheffelstraße in demselen Kaufhause ebenfalls beim Diebstahl ertappt. ir hatte gerade für 1,20 M Schokolade entvendet. Auch R. wurde der Kriminalpolizei lbergeben. — Einbruchsdiebstahl. Am Mittwochnachmittag wurde auf dem Westfalendamm Nr. 61 ein Einbruchsdiebstahl verübt. Durch ein anscheinend offenstehendes Fenster gelang es dem Der Semztals Roman von Robert Misch. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S). 48. Fortsetzung. Nachdruck verboten So vorsichtig Toni auch im allgemeinen ihr Geheimnis behütete— teils, weil sie es„ihm“ versprochen hatte, teils aus instinktiver Angst, daß eine Aussprache ihr Glück schädigen könnte so vermochte sie in der letzten Zeit doch nicht immer, vielsagende Bemerkungen zu unterdrükken. Erst gestern morgen, vielleicht gereizt durch die Ankunft der prächtigen Hochzeitskleider, hatte sie die Tante und Anna durch einen überraschenden Ausspruch in Erstaunen gesetzt. „Wenn ich eines Tages vor den Altar trete", lächelte sie hochmütig,„dann habe ich über den Myrtenkranz ein neunzackiges Diadem auf dem Haupt.“ Und heute sagte sie anläßlich des Besuches eines jungen Kaufmanns aus der Nachbarschaft:„Wenn man erst mehrere Männer kennengelernt hat, erscheinen einem die gewöhnlichen plump und ordinär.“ Tante Charlotte hatte ähnliche, wenn auch nicht so deutliche Redensarten in letzterer Zeit öfters von ihrer Nichte vernommen, ohne dieselben weiter zu beachten. Das kleine, phantastische Hirnchen hatten offenbar Neid und Aufregungen ein wenig aus dem Konzept gebracht. Heute aber wurde sie doch aufmerksam. Mit leiser Gewissensangst erinnerte sich Frau Charlotte plötzlich, daß sie ihrer Nichte durch das Chauffieren viel Freiheit verschaft, von der diese in den letzten Monaten einen auffallend ausgiebigen Gebrauch gemacht hatte. Vorsichtig begann sie ein Verhör, in dessen Verlauf Toni, ohne in Worten etwas zu verraten, durch abwechselndes Erbleichen und heftiges Erröten ein verdächtiges Schuldbekenntnis ablegte. Dieb, in das Haus einzudringen. Der Dieb hatte es auf Schmucksachen abgesehen. Er entweudete zwei Diamantringe, Armbänder und eine Armbanduhr. Der Wert des gestohlenen Sachen beläust sich auf 1300 Mark. Die Kriminalpolizei warnt vor Ankauf der Sachen und bittet alle diejenigen, die Angaben, die zur Aufklärung des Diebstahls dienen, machen könneu, sich beim Polizei=Präsidium Dortmund, Rathenauallee, Zimmer 114, zu melden. Berghofen. Der Verkehr an der Wegekreuzung Gockel. Seit Jahren wurde ein Verkehrsposten verlangt. Die am Freitag stattgefundene Verkehrszählung beweist die Notwendigkeit. Es haben während des bezeichneten Tages 2865 Fahrzeuge jeglicher Art die Wegekreuzung passiert, und zwar 290 Motorräder, 1034 Personen=Kraftwagen, 314 Lieferwagen, 60 schwere Lastwagen ohne Anhänger außerdem 767 Fahrräder und an Pferdefuhrwerk: 166 Personen= und Lieferwagen und 65 schwere Lastwagen. w Auf dem Schnee. Kindesleiche gefunden. Hinter einem Gartenzaun wurde die Leiche eines neugeborenen Kindes gefunden. Die sofort benachrichtigte Kriminalpolizei ermittelte als Mutter die ledige Erna H. Sie will das Kind nachts in der elterlichen Wohnung geboren und dann selbst zum Fundort getragen haben. Ob das Kind nach der Geburt gelebt hat, wird die Obduktion der Leiche ergeben. Die Mutter wurde dem Krankenhause in Witten zugeführt. Gelsenkirchen=Buer. Sonntagskarten auf der Straßenbahn. Ein Novum, wie es auf den gesamten Straßenbahnen des Industriegebietes noch nicht verzeichnet ist, wird vom 13. April ab in Gelsenkirchen=Buer eingeführt. Um den Ausslugsverkehr zu verbilligen, ist vorgesehen, von diesem Zeitpunkt ab Sonntagskarten auf der Straßenbahn einzuführen, und zwar auf den Strecken, die vornehmlich in Frage kommen. Es sind dies die Strecken von Gelsenkirchen nach Buer zum Besuch von Schloß Berge und Buerschen Stadtwald u. die Strecke nach Steele zum Besuch des Ruhrtales. Die Fahrpreisermäßigung wird 25 Prozent betrater. w Wissen. Uinglualicher Sprung aus dem Zug. Der jugendliche Bäckergeselle Dr. Gerhards aus Dattenfeld, der in Godesberg, beschäftigt ist, kam von Siegburg aus mit dem Zug, der planmäßig bis Herchen fährt und von dort aus als Leerzug bis Betzdorf läust. G. war eingeschlafen und sprang in Wissen, wo er seine Weiterfahrt bemerkte, vom Zuge. Er stürzte jedoch und schlug mit dem Kopf auf eine Schiene auf. Er mußte schwerverletzt dem St. Antoniuskrankenhaus hier zugeführt werden. Der Arzt stellte einen schweren Schädelbruch fest. ha Ordnungsstrafen kommen nicht mehr ins Strafregister. Die Strafregisterverordnung wird zum 1. Mai geändert. Für die Behörden der Reichsfinanzverwaltung ist es von Bedeutung, daß dann Festsetzungen von Ordnungsstrafen oder solchen nach dem Branntweinmonopolgesetz dem Register nicht mehr mitgeteilt werden. Verurteilungen wegen Steuer= und Zollordnungs= sowie Monopolordnungswidrigkeit sind dann von der Registerpflicht befreit. Bestrafungen wegen sonstiger Steuer= und Monopolzuwiderhandlungen werden aber nach wie vor eingetragen. Insbesondere gilt dies wegen Steuerhinterziehung, Steuergefährdung und Steuerhehlerei sowie wegen Monopolhinterziehung, Monopolhehlerei und unerlaubter Reinigung von Branntwein. Vom rheinisch=westfälischen Wertpapiermarkt Mitteilungen des Bankhauses Gebrüder Stern, Dortmund, den 9. April 1930. (Vor der Börse). Das schnelle Zustandekommen einer Regierung befreite die Börse von einem lange auf ihr lastenden Druck. Auch die leichte Verfassung des Geldmarktes regte die Unternehmungsluft kräftig an.— Während jedoch an der Berliner Börse die so erzielten Kursgewinne sich zum größtenteil nicht behaupten konnten, zeigte der rheinisch=westfälische Wertpapiermarkt ein recht freundliches Bild. Dies ist umso bemerkenswerter, als im Kohlenbergbau weiter Feierschichten eingelegt werden müssen und die Haldenbestände zunehmen, wie dies bei der Generalversammlung der Harpener Bergbau A.=G. wieder hervorgehoben wurde. Im Mittelpunkt des Interesses standen am Kohlenkurenmarkt wiederum Heinrich, die in größeren Beträgen aus dem Markt genommen wurden und ihren Kurs von 7525 A auf 7950 A verbesserten. Guter Nachfrage erfreuten sich auch Graf Schwerin Kuxe. Bei ständigen Käufen zog der Kurs von 2300 A auf 2750 M an. Von den übrigen Werten waren Diergardt=Mevissen(3550 M) 100 M höher und Ewald(16 400 M) unverändert im Verkehr. Die Käufe in Lothringen Bergbau Aktien(58 Prozent) setzten sich auf letzter Preisgrundlage fort. Am Braunkohlenmarkt erfuhren Bruckdorf=Nietleben(2850 M) eine Kursverbesserung von 200 M. Sehr lebhaft gestaltete sich gegen Ende der Berichtswoche der Verkehr in Gute Hoffnung Kuxen(4300 M), für die bis zu 250 J höhere Preise angelegt wurden. Auch Vesta wurden bei nicht einheitlicher Kursentwicklung mehrfach umgesetzt. Die Preise schwankten hier von 7000 M— 6725 M— 7100 M. Der Kalikuxenmarkt tritt gegen die übrigen Märkte etwas zurück. Größeren Umfang nahm hier das Geschäft nur zeitweilig in Beienrode=Kuxen(2950 A) an; für die Kuxe wurden im Verlauf 150 M höhere Preise gelöst. Burbach waren zwischen 8350 M— 8450 J— 8400 A vereinzelt im Verkehr. Auch in Dr. Wilhelm Sauer=Werten waren die Umsätze gering. Die Nachfrage nach diesen Werten war jedoch unwesentlich besser als bisher. Für Bergmannssegen 1(6 000 M0) wurden 1000, für Hugo(11 500 M Geld) und Hohenfels (10 500 M Geld) 500 M höhere Gebote abgegeben. Einigkeit und Siegfried I(13.000 M) wechselten 250 Ml höher ihre Besitzer. Die Werte des Aschersleben Konzerns lagen im allgemeinen ruhig. Interesse bestand nur für die führenden Werte, wie Hope, Mariaglück und Ransbach. Die Steigerung der elsässischen Werte hielt auch in dieser Woche an. Mit der Höherbewertung der Reichsschuldbuchforderungen, die diese Gewerkschaften als Entschädigung erhalten, ist auch der Wert der Kuxe gestiegen. Max gingen von 1325 MA auf 1550 M, blieben jedoch dann später mit 1500 M angeboten. Marie bewegten sich von 1400 M— 1550 M — 1500 M. Dagegen erzielten Marie Luise (1325 M) nur einen Gewinn von 25 M. Reichsland konnten den in der Vorwoche erreichten Stand von 3550 A nicht behaupten und gaben bis auf 3400 A nach. Von Kaliaktien mußten Burbach(184 Prozent) einen Gewinn von 2½ Prozent wieder hergeben. Lebhaft gehandelt wurden Hallesche Kali(226— 228 225 Prozent). Adler Kali(147 Prozent) und Hallesche Kali(165 Prozent) wurden 5 Prozent höher gesprochen. Am Terminmarkt gewannen Montanwerte zu Beginn der Woche durchschnittlich 5—6 Prozent, wovon sie jedoch einen größeren Teil wieder hergeben mußten. Auch die übrigen Werte konnten ihre gebesserten Kurse nicht behaupten. Die Bewegungen waren für: Wintershall 198½— 203½— 198 ¾, Salzdetfurth 374— 380— 370, Kaliwerke, Aschersleben 216— 222— 216. Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 10. April. Es notierte: Westf. Weizen 28,50—28,75, Westf. Roggen 18.50—18.75, Westf. Hafer 18.75 bis 19,25, Ostfr. Hafer 21, Inl. Gerste, Ausl. Weizen, Ausl. Roggen und Ausl. Hafer ohne Notiz, Ausl. Gerste 20—20.50, Platamais 21, Cinquantinomais 22, Bäckermehl 41—41.25, Roggenmehl 29,75—30, Ostdeutsch. Roggenmehl 27.50—28, Weizenkleie 10—12, Trockenschnitzel 10—11, Zuckerschnitzel 15.50—16. Diese Preise sind Großhandelsverkaufspreise und verstehen sich per 100 Kg. waggonfrei Dortmund in Ladungen von 15 To., bei Mehl zu den Mühlenkonventionsbedingungen. Tendenz: stetig. Die Tante bemerkte dieses mit Bestürzung. Hatte sie da mit ihren amerikanischen Erziehungsprinzipien etwa Unheil angerichtet?! Vater Kaltenbach tauchte wie ein Schreckensgespenst vor ihr auf. Sie mußte um jeden Preis Gewißheit darüber erhalten. Aufs neue begann sie mit möglichst diplomatischer Feinheit Toni auszuforschen; aber vergebens. Das junge Mädchen antwortete auf alle Fragen nur durch ein etwas albernes, viesagendes Lächeln. Da war nichts zu machen, das sah Frau Charlotte endlich ein. Aber ihr Verdacht war nun zur Gewißheit geworden. Etwas war da nicht in Ordnung. Als Anna gegen Mittag nach Hause kam, nahm Frau Charlotte sie mit in ihr Zimmer und machte sie mit ihren Beobachtungen bekannt. Zu ihrem Erstaunen wußte Anna bereits mehr. Toni hatte ihr, der glücklichen Braut, aufgestachelt vom Neid, von einer hochstehenden Persönlichkeit, einem glühenden Verehrer erzählt. Sie hatte das aber nur für Flunkerei und Einbildung gehalten, wie sie ja bei Toni in dieser Beziehung gang und gäbe waren, die in jedem jungen Manne, der sie anlächelte, einen Anbeter sah. Frau Charlotte verabredete nun mit Anna einen Plan. Diese sollte in einer günstigen Stunde, unter dem Schein vertraulichster Teilnahme, das verdächtige Geheimnis aus Toni herauslocken, damit die Tante gegebenenfalls energische Schritte tun könnte. Anna machte sich sogleich ans Werk. Mit echt weiblicher Schlauheit griff sie zu dem sichersten Mittel, um ihren Zweck zu erreichen. Sie malte erst ihrer Kusine die Freuden des Brautstandes und des zukünftigen Eheglücks in glänzenden Farben aus, sing dann an, sie herablassend zu bedauern. In nicht allzu ferner Zeit, sagte sie tröstend, würde Toni vielleicht auch einen Bewerber haben. Sie verstünde es wohl nicht so recht, den Männern zu gefallen, weil keiner sich um sie bemühte.— Das war genug für Toni. Die Wangen vor Zorn gerötet, Blitze aus den schmachtenden Augen schießend, platzte sie los. Sie, die eine glänzende Zukunft vor sich hatte, die einmal diese simplen Bürgerbräute hier im Hause bei weitem überstrahlen würde, sie sollte keinen Mann fesseln können?! Mit triumphierendem Lachen schleuderte sie der Kusine nun ihr ganzes Geheimnis entgegen. Nicht einem gewöhnlichen Referendar, nicht einem Zahnarzt oder Kaufmann oder sonst einem Plebejer habe sie gefallen— ein, ein wirklicher Graf liege zu ihren Füßen und würde demnächst um sie werben. Anna öffnete ihre Ohren. Aber sie mußte noch mehr, sie mußte alles wissen. Ungläubig schüttelte sie den Kopf und drückte starke Zweifel an der Richtigkeit von Tonis Angaben aus. „Dein Graf hat wohl selbst keinen Namen“, fragte sie spöttisch. Ja, er habe einen; Kowalski heiße er, Stanislaus Kowalski. Und heute, gerade heute trafen sie sich wieder in Halensee, wie schon so oft. „Der hält dich ja nur zum besten“, meinte Anna spöttisch. „Zum besten?!" lachte Toni schrill auf.„Er hat gesagt, ich sei der heilende Balsam seines wunden, zerrissenen Herzens, der Trost seines armen, zerstörten Daseins. Eine Lichtgestalt im Auto hat er mich genannt.“ „Und“— Anna wurde rot bei der Frage — hat er schon versucht, dich zu küssen?" Annas Erröten war nichts gegen Tonis Purpurglut, als sie stockend erwiderte: „Ach, Unsinn! Auf die Hand natürlich nur! Hast du'ne Ahnung! Ein Graf küßt immer nur die Hand.“ „Wohnt seine Familie auch hier?“ „Ja... nein... das weiß ich nicht.“ „Und was treibt er denn sonst?" forschte die neugierige Anna weiter. Aber auch das wußte Toni nicht. Ein Graf sei eben ein Graf. Der brauchte doch weiter Lehrerin Fräulein G. wird von den Kleinen, die mit einer beinahe zärtlichen Vers ehrung an ihr hängen,„unser Fräulein“ genannt. „Weißt Du, Mutti, unser Fräulein trinkt immer Kaffee Hag. Sie hat gesagt, daß Kaffee Hag soger Kindern nicht schadet. Das Coffein, das sonst im Bohnenkaffee drin ist, wird aus dem Kaffee Hag herausgezogen. Dabei schmeckt er genau 30, wie der allerkeinste andere Kaffee. Und denn ist in jedem Peket ein Gutschein für schöne bunte Wappenmarken. Elly het schon ne ganze Menge. Mutti, nicht wahr, Du kaufst jetzt auch Kaffee Hag? Soll ich gleich welchen holen? Das große Paket kostet RM 1.80, des kleine nur 90 Pfg.“" nichts zu tun. Die Fragerei fing an, sie zu ärgern. Und außerdem— sie war jetzt fertig mit dem Anziehen und hatte Eile.„Er“ wartete. Sie beschwor ihre Kusine, um Gottes willen reinen Mund zu halten und das Geheimnis zu bewahren; noch müsse es ein solches bleiben. Dann bestieg sie das Auto und fuhr kreuzvergnügt dem Geliebten entgegen. * Wenige Minuten später saßen sich Frau Charlotte und Anna mit besorgten Mienen gegenüber. Das war ja eine nette Bescherung! Toni, das geduckte, sonst so harmlose Hühnchen, auf verbotenen Wegen. Sie berieten, was nun zuerst zu tun sei. Anna war nicht für strengere Maßregeln; sie, die liebende Braut, konnte die Gefühle ihrer Kusine nachempfinden. Frau Charlotte aber, die Welterfahrene, hielt Eile und Strenge für geboten. Um so mehr, als es ihr in ihrem Schuldbewußtsein am Herzen lag, bald hinter die Sache zu kommen und sie in Ordnung zu bringen, ohne daß Kaltenbach etwas davon erAls Toni einige Stunden später von ihrer Exkursion heimkehrte, dief sie die Tante in ihr Zimmer und sagte ihr alles auf den Kopf zu. „Ich hoffe nicht, mein liebes Kind“, fuhr Frau Charlotte ernst fort,„daß du dein Herz an ihn und solche Illusionen gehängt hast, denn ich glaube, dein Graf ist ein Schwindler.“ Toni war entrüstet. Man gönne ihr den Grafen nicht, man beneide sie. Mit welchem Recht die Tante so etwas behaupten könne?! „Aber liebes Kind, die ganze Sache ist so phantastisch geheimnisvoll... Lehre du mich die Menschen kennen! Heiratsschwindeleien so was kommt alle Tage vor.“ Toni brach in einen Weinkrampf aus und konnte nur mühsam beruhigt werden. Aber sie glaubte so unerschütterlich an ihren Grafen, daß Frau Charlotte stutzig wurde. Fortsetzung folgt. Schwache Mittwoch morgen 10½ Uhr entschlief sanft und gottergeben nach kurzer, schwerer Krankheit, versehen mit den heiligen Sterbesakramenten, mein lieber Mann, unser guter treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel im Alter von 78½ Jahren. In tiefer Trauer im Namen der Hinterbliebenen: Wwe. Wilhelmine Falkenberg geb. Menke nebst Kinder Nerven sind die Grundursachen der meisten Krankheiten. Bei Blutarmut, Herzklopfen, Schwöchezuständen aller Art, Zittern, Appetitlosigkeit, newvösen Magenbeschwerden soll man Doppelherz, das anerkannte Nervenkräftigungsmittel nehmen. Doppelherz-Dragees M. 1.50 Drogerie W. Heppe& Co., Ostenstr. 3, Ecke Priedrichstraße, Drogerie M. Mehlhose Postvlatz u. Hörderstraße 2, Westhofen: Drogerle„W. Engels, Hörde: Drogerie F. Wallrabe, Drogerie J. Schenuit. Weingartenstraße 2, HospitalDrogerie V. Roos. Schwerte, Holzen, Gerresheim, Hagen, Bochum, Castrop-Rauxel, Berlin, den 9. April 1930. Die Beerdigung findet am Samstag, den 12. April 1930, nachm. 5 Uhr vom Sterbehause Lessingstr. 8, aus statt. Das feierliche Seelenamt ist am Montag morgen 770 Uhr, in der hiesigen Pfarrkirche. Kranzspenden sind im Sinne des Verstorbenen dankend verbeten. Der Verstorbene war Mlitglied des Cäcilienvereins. Klotz-Boot das bewährte, stabile, kentersichere Faltboot Einsitzer, komplett 165 Mk. 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Artillerie Münster Mitwirkend: Schwerter Doppelquartett Nachmittags gelöste Karten gellen auch abends frischen Fisch zu bestellen. Folgende Sorten Fisch direkt ab See: 1451 Angelschellfisch, Kabeljau, Brat=Schellfisch, Rotbarsch, Schollen, See=Aal, Hecht. Frische Ware! Billigste Preise! Alt bekannte gute Bedienung. Bestellungen werden entgegen genommen in meinem Geschäft, Beckestraße 80, auch Samstags und Mittwoch auf dem Wochenmarkt. Scheidt, Schwerte Beckestraße 80. 1469 Auto-Fahrten bei Tag und Nacht Wwe. Dietr. Werth Beckestr. 94 Rut 2926 Für den Vertrieb unserer natürlichen, flüssigen für feste Rechnung in Schwerte suchen geeigneten Abnehmer, der eigenes Fuhrwerk besitzt. Kohlensäurewerk Hönninger Sprudel G. m. b. M.(1417 Hönningen am Rhein Sieht Dein Schuh nicht gut mehr aus, Sind durchlöchert seine Sohlen, Bring ihn Brutkuhl schnell ius Haus, „Wie neu“ kannst Du zurück ihn holen. Einheitspreise, genäht, geklebt oder gepinnt. Schu So Lei Fritz Brutkuhl Schuhmachermeister. 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Nicht nur über dem engräumigen Europa ballen sich immer wieder politische Wetterwolken zusammen; auch in dem erst spärlich besiedelten südamerikanischen Erdteile wollen diese Unheilverkünder nicht weichen. Der Weltkrieg nahm seinen Anfang in einem kleinen europäischen Staate. In Süd=Amerika war das kleine in seiner Mitte gelegene 250 000 Geviertkilometer umfassende Paraguay mit seiner knapp einer Million Einwohner schon einmal das Land, mit dem und um das die Nachbarstaaten Brasilien, Uruguay und Argentinien von 1865—1870 Krieg führten. Seit länger als Jahresfrist schwebt über diesem Lande wieder die Gefahr des Krieges, dieses Mal vorerst nicht mit seinen alten Gegnern, sondern mit Bolivien. Ein volles Jahr wurde in Washington und später in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo über Beilegung der zwischen beiden Ländern über angebliche Grenzstreitigkeiten in den größtenteils noch unerforschten Waldgebieten des„Gran Chaco" verhandelt. Jetzt aber sind von neuem zwischen den Grenzposten beider Staaten Gewehrschüsse gewechselt. Damit wächst die Gefahr, daß alle Versuche, den Streit friedlich zu schlichten, vergeblich gewesen sind und Bolivien und Paraguay, obwohl sie beide dem Völkerbunde angehören und den Kelloggpakt unterzeichnet haben, doch eine Entscheidung durch die Waffen suchen werden. Bolivien übertrifft an Raumumfang mit seinen 1,3 Millionen Geviertkilometern wie an Zahl mit seinen 3,5 Millionen Bewohnern— davon sind allerdings rund 50 v. H. Indianer und 30 v. H. Mischlinge— seinen Gegner wesentlich. Dennoch steht es an Gebietsgröße in Blanca(Argentinien). Süd=Amerika erst an vierter, an Einwohnerzahl sogar erst an sechster Stelle. Bliebe der Streit auf Bolivien und Paraquay beschränkt, so würde selbst ein mehrjähriger sich in GuerillaKämpfe auflösender Krieg zwischen beiden Staaten für die übrige Welt kaum von Bedeutung werden. Leider aber ist die Gefahr sehr groß, daß nicht nur die unmittelbar angrenzenden Nachbarstaaten in den Streit hineingerissen werden. Daß es sich für Bolivien, das offenbar der Angreifer ist, nicht nur um die Austragung eines kleinen sogenannten Grenzstreites handelt, erscheint jedem klar, der sich näher mit der Angelegenheit besaßt und die Geschichte der letzten Jahrzehnte im Herzen Süd=Amerikas verfolgt hat. Bolivien erössnete zusammen mit Peru gegen Chile 1879 den Salpeterkrieg. Nach seiner Niederlage bei Tacna zog sich Bolivien 1880 vom Kampfe zurück, der von Peru bis 1883 allein gegen Chile weiter geführt wurde. Ohne förmlich Frieden zu schließen, trat Bolivien im Vertrag vom 4. April 1884 seine Küstenprovinz Antofagasta an Chile ab und verlor dadurch den Zugang zum Meer. Chile versprach dafür, die Bahn Arica=La Paz zu bauen und so dem bolivianischen Handel den Zugang zum Pazifischen Ozean zu erleichtern. Zwischendurch hatte Bolivien in einem Grenzstreite mit Brasilien das wegen seines Reichtums an Gummiwaldungen umstrittene Acregebiet 1903 abtreten müssen. Brasilien verpflichtete sich dafür, durch Bau einer Eisenbahn die Verbindung Boliviens mit dem Amazonenstrom und damit dem Atlantischen Ozeane zu verbessern. In beiden Fällen war Bolivien fortan auf seine Nachbarstaaten und deren guten Willen angewieser: In dem udert, das seit der endgülti des Küstenstriches an Chile d. horte Bolivien nicht auf, seinem Verlangen nach Einräumung eines direkten Zuganges zum Meere Ausdruck zu geben. Inzwischen hatten die reichen Mineral= und Erdöllager, besonders nach Kriegsende, fremdes, vor allem nordamerikanisches Kapital ins Land gezogen. An Stelle des bis dahin stark vertretenen deutschen Einflusses rückte der nordamerikanische. Für die Bewilligung einer großen Anleihe erhielten die Yankees 1922 die Kontrolle über die Finanzen und wichtigsten Eisenbahnen des Landes. Sie erkannten sofort, daß eine Hebung der bolivianischen Volkswirtschaft und durch sie eine bessere Verzinsung ihres Kapitals den Ausbau der Verkehrswege und Verkehrsmittel, vor allem jedoch die Gewinnung eines direkten Zuganges zum Meere, sei es zum Pazifischen oder Atlantischen Ozean, voraussetzte. Damit aber begann der Ende 1928 notdürftig geschlichtete Grenzstreit mit dem kleinen, für Bolivien ungefährlichsten Gegner und Nachbarstaate Paraguay in ein neues Stadium einzutreten. Die nordamerikanischen wie die bolivianischen Kapitalisten sahen, daß sich Bolivien nach Regelung des Streites zwischen Chile und Peru vorerst keine Hoffnung auf Rückerwerbung eines Zugangsstreifens zur Südsee machen durfte. Sie blickten daher nach der anderen Seite, zum Atlantischen Ozean. Der gewaltige Paraguayfluß bildete die breite Zufahrtsstraße Schon einmal— 1879— war seinethalben ein Vertrag zwischen Bolivien und Paraguay abgeschlossen worden. In ihm hatte Paraguay dem Nachbarstaate große Gebietserweiterungen im Chaco zugestanden. Der Vertrag kam aber nicht zur Durchführung, da Bolivien ihn nicht ratifizierte. In dem Wühlen des in Bolivien eingedrungenen fremden Kapitals und der von ihm bestochenen bezw. geleiteten Presse liegt die Gefahr. Ihnen ist an einer Regelung des Grenzstreites nicht viel gelegen. Sie wollen aufs Ganze gehen und bestehen auf der Erlangung einer möglichst breiten Front, auf der sie an den Paraguayfluß herankommen und damit den Zugang, wenn auch nur den indirekten, zum Atlantischen Ozean erringen können. Die Annahme, daß auch die Oellager im Chaco Bolivien zu seinem aggressiven Vorgehen gegen das kleine Paraguay veranlassen, hat manches für sich. Doch ist das nicht der einzige oder Hauptgrund. Bolivien besitzt selbst starke Erdölquellen, zu deren Ausbeutung es viele Jahrzehnte braucht. Für diese wie das Erdöl im Chaco sucht Bolivien ebenso wie für alle anderen Bodenschätze, die östlich der Anden sich vorfinden, einen billigen Transportweg. Für ihre Beförderung kommt der Weg über die hohen Anden nach dem Pazifischen Ozean nicht oder meist kaum in Frage. Die Verschiffung auf dem breiten Wasserwege dagegen verbilligt die Erzeugungskosten und ermöglicht es vielfach erst, diesen Erzeugnissen lohnenden Absatz auf dem Weltmarkte zu verschaffen. Der Weltkrieg ist als Wirtschaftskrieg entstanden und wird auch noch als solcher gegen Deutschland fortgesetzt, obwohl er aus durchsichtigen Gründen vom internationalen Großkapital auf politische Ursachen zurückgeführt wurde. Das Gleiche spielt sich jetzt im Gran Chaco ab. Wieder sollen unschuldige Schlachtopfer— dieses Mal nicht Poilus und Tommies außer Micheln und Muschiks, sondern noch Aermere— Indios, Cholos, Criollos und andere meist des Lesens und Schreibens unkundige Menschen für das seelenlose internationale Kapital bluten, das weitere Strecken der Erde unter seiner Botmäßigkeit zu bringen sucht. Ohne Zweifel würde der Krieg auf die beiden Länder nicht beschränkt bleiben. ha. Keine Gemeinnützigkeit bei Zweifeln. Die Gemeinnützigkeit bedingt u. U. gewisse Vorteile bei der Körperschaftssteuer. Nach einem Urteil des Reichsfinanzhofs können aber nicht gemeinnützige Zwecke anerkannt werden, über deren Gemeinnützigkeit bei einem überwiegenden Teile der Volksgemeinschaft oder des von den Zwecken berührten kleineren Gemeinschaftskreises ernsthafte Zweifel herrschen. Zerman 9048 P FEIS OSSTeh Eine Röchstkeistung 1st unser 40 Dieser moderne Ulster gus veinwoll. blauen Gabardine, in mod. zweirerh. 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Schon von jeher erfreute sich die Birke als Maien=, Österund Pfingstbaum großer Beliebheit. Die Sage erzählt, Frau Birke habe den Frühlingseinzug verschlafen und sei dann mit fliegender Hast ins Brautkleid geschlüpft, um doch noch zurecht zu kommen. Aber in der Eile habe sie so mancherlei vergessen, und nun nestle und bastle sie in ewiger Unruhe an sich herum, immer in geschäftiger Bewegung und ohne den rechten Ernst. Dem Naturfreund, der sich über jeden Baum in seiner Eigenart freut, ist es schon lange ein Aergernis, wenn er sehen muß, wie viele Tausende junger leibiger Birken unter der Axt fallen, um zwei drei Tage in alten Konservenbüchsen vor Toren und Türen der Vernichtung entgegenzugehen. Und es ist kein geringeres Aergernis, wenn mann immer wieder dem Unfug begegnet, daß jeder Wanderer, jeder Radler gerade dem jungen Birkengrün zusetzt. Jetzt, wo alles in der freien Natur wieder grünt und sprießt, wo man allsonntäglich hinaus in die Wälder, hinauf auf die Berge wandern kann, ist es wahrlich nicht mehr nötig, verwelkten Schmuck mit nach Hause zu schleppen. Die jungen Sprosse brauchen im ersten Safttrieb außerordentlich viel Wasser. Die Spaltöffnungen auf der Unterseite der Blätter verdunsten in der Frühlingssonne verhältnismäßig große Mengen Feuchtigkeit, und so genügen wenige Stunden, in denen den Zweigen frische Wasserzufuhr fehlt, um sie vollkommen verwelken zu lassen. Leichten Herzens werden dann die unscheinbaren Zweige weggeworfen, und wo sich irgend Gelegenheit bietet, wird der Raub des Birkengrüns wiederholt. Was an einzelnen Sonntagen im Frühjahr in dieser Beziehung gesündigt wird, ist jammervoll. Eltern und Lehrer, Vereinsvorstände und alle wahren Naturfreunde, Wandervögel und Touristenklubs könnten sich wirklich große Verdienste um die Erhaltung der Schönheiten ihrer Heimat erwerben, wenn sie nicht müde würden, gegen den Unfug der Birkenschändung vorzugehen. Vereinter Arbeit muß es gelingen, alte Volkssitten, die sich zu übertriebenen Unarten und Unsitten ausgewachsen haben, endlich in ihrem Uebermaße zu beschneiden. Gedenktage. 11. April: 1825 Der Sozialist Ferdinand Lassalle in Breslau geboren(gestorben 1864). — 1914 Der Zoologe und Forschungsreisende Karl Chun in Leipzig gestorben(geboren 1852). 1921 Kaiserin Auguste Viktoria in Haus Dorn in Holland gestorben(geboren 1859). Wetterbericht der Wetterdienststelle Essen vom 10. April 1930. Das Hochdruckgebiet über Nordosteuropa hat an Höhe etwas abgenommen, beherrscht aber noch die Wetterlage, während das gestrige Tiefdruckgebiet über Großbritannien nordostwärts abzieht. Ein flaches Teiltief liegt über dem Eingang des Kanals, während sich über Irland wieder hoher Luftdruck ausbreitet. Heute früh war es in Deutschland größtenteils bewölkt, sowie in Sachsen und Schlesien teilweise regnerisch bei 3 bis 8 Grad Wärme. Der Kahle Asten hatte Windstille, bedeckten Himmel u. 5 Grad Wärme. Wetteraussichten bis Samstag: Meist trocken bei wechselnder Bewölkung und wenig geänderten Temperaturen. Sterbefall. Am Mittwoch morgen starb nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 78½ Jahren Herr Friedrich Falkenberg sen., Schwerte, Lessingstraße 8.— Möge er den ewigen Frieden finden. Berufsschule. Die diesjährige Aufnahme zur Berufsschule erfolgt Mittwoch, den 23. April und Tonnerstag, den 24. April, abends 6 Uhr, in der Bismarckschule an der Kuhstraße. Nach dem Ortsstatut sind alle im Bezirke der Stadt Schwerte wohnhaften und beschäftigten männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren, auch wenn sie noch keine Arbeits= oder Lehrstelle gefunden haben, sofern sie keine weitergehende wissenschaftliche oder kaufmännische Ausbildung genießen, zum Besuch der hiesigen gewerblichen Berufsschule verpflichtet.— Ferner haben die städtischen Vertretungen beschlossen, die Berufsschulpflicht vom 1. April 1930 ab auch auf weibliche kaufmännisch Angestellte, die in Schreibstuben und Laden beschäftigt sind, auszudehnen. Die Aufnahme dieser Mädchen findet ebenfalls an den genannten Tagen in der Bismarckschule statt. Eine nähere Bekanntmachung erscheint noch vor Ostern und gleich nach Ostern in dem Inseratenteil unserer Zeitung. * Angeschossen wurde gestern abend gegen 10 Uhr in der Ostbergerstraße(Schwerterheide) ein Mädchen von einem jungen Manne, mit dem es verlobt gewesen war. Auseinandersetzungen werden wohl die Ursache zu dieser Tat gewesen sein. Während das Mädchen einen Streifschuß erhielt, wurde der junge Mann von herbeigeeilten Personen derart zugerichtet, daß er dem Krankenhause zugeführt werden mußte. Wie wir erfahren, hat er mehrere Stichwunden davongetragen. Unsauberkeit der Straßen. Flugblätter bedecken in Massen die Bürgersteige und Fahrdämme der inneren Stadt und rufen ein Bild der Unsauberkeit dadurch hervor. wäre empfehlenswert, auch in dieser Richtung für Abhilfe zu sorgen, damit in Zukunft etwas derartiges nicht mehr vorkommt. ha Wer bewilligt Zivilversorgungsgebührnisse? Für die Bewilligung und Anweisung von Zivilversorgungsgebührnissen sind bestimmte Stellen der Reichsverwaltung zuständig. In dieser Beziehung sind verschiedene Aenderungen eingetreten. Zuständig sind die Reichsministerien des Innern, der Finanzen, der Wirtschaft, der Justiz, des Verkehrs, für Ernährung, die besetzten Gebiete, das Reichspatentamt, der Reichssparkommissar, der Reichstag und die Reichskanzlei. Das Reichsministerium des Innern bewilligt auch für das Verlagsamt, die Reichsstelle für das Auswanderungswesen, verschiedene Reichsanstalten, die Filmprüfstellen usw., das Finanzministerium auch für den Reichspräsidenten, das Wirtschaftsministerium auch für den Reichswirtschaftsdienst, das Statistische Reichsamt, das für Ernährung für die biologische Reichsanstalt usw. ha Ein Fünfmarkstück für jeden Bewohner. Ueber 62 Millionen der großen Fünfmarkstücke sind jetzt im ganzen hergestellt, so daß auf jeden Einwohner ungefähr ein Stück kommt. In März haben sich wieder alle Münzen an der Prägung beteiligt, Berlin allein mit 511912 Stück. Auch neue Zehnpsennigstücke gab es wieder in Berlin, Stuttgart und Karlsruhe, im ganzen 347643, so daß sich ein Bestand von 621 Millionen ergibt. Auch Einpfennigstücke sind weiter fast 7 Millionen geprägt worden, woraus sich mehr als 425 Millionen ergeben haben. Frühjahrsversammlung des Westfälisch=Lippischen Handwerkerbundes Am 8. April fand im Gewerbeverein zu Dortmund die diesjährige Frühjahrsvollversammlung des Westfälisch=Lippischen Handwerkerbundes stau, zu der nahezu sämtliche Mitgliedskörperschaften ihre Vertreter entsandt hatten. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde der bisherige Vorsitzende, Obermeister Feuerbaum, Dor mund, einstimmig auf 4 Jahre wiedergewählt; zum 2. Vorsitzenden wurde der Vorsitzende der Handwerkskammer Dortmund, Steinkühler=Hagen, ebenfalls einstimmig wiedergewählt. Nach Erledigung weiterer Regularien referierte Herr Bäckerobermeister Willmann, Präsident des Norddeutschen Handwerkerbundes, Hannover, über„Handwerkerbünde und Junghandwerkerbewegung"; Dr. Reiners vom Reichsverband des deutschen Handwerks, Hannover, über„Förderung der rationellen Gestaltung der berufsständigen Gemeinschaftsarbeit im Handwerk im Hinblick auf die Arbeiten des Rationalisierungsausschusses beim Reichsverband des deutschen Handwerks.“ Zum Schluß wurde auf Antrag von verschiedenen Seiten zur Bausparkassen=Bewegung nachfolgende Entschließung gefaßt: Zur Frage der Bausparkassen=Bewegung, die in der letzten Zeit einen bedeutenden Umfang angenommen hat, stellt der WestfälischLippische Handwerkerbund fest, daß der Bauspargedanke gesund und im Interesse des Handwerks und der Gesamtwirtschaft zu fördern ist. Die seit einem Jahre geplante und in vielen vorbereitenden Besprechungen der Turn= und Sportvereine und des Ortsausschusses für gendpflege durchgearbeitete große Werbeveranstaltung für alle Zweige der Leibesübungen im Turnen und Sport nimmt immer festere Gestalt an. Sie beginnt, nachdem nunmehr festgelegten Plan, am Sonntag, den 11. Mai vormittags mit dem Sternlaus der beteiligten Vereine zum Neuen Rathaus in Schwerte, wo die Weihe des Jugendbanners Wanderpreis) und eine Kundgebung für die Leibesübungen stattfindet. Ansprachen und Musikvorträge gehören hier noch zum Programm. Nachmittags beginnen die Vorrundenspiele im Fußball. An einzelnen Wochentagen finden weitere Ausscheidungskämpfe in Fußball, Handball usw. statt. Am Sonntag, den 18. Mai folgt als Hauptveranstaltung der Vereinszehnkampf in den volkstümlichen Uebungen(Leichtathletik, Schwimmen) um den wertvollen Wanderpreis. Diese Veranstaltung wird von anderen Darbietungen in den Leibesübungen umrahmt. In der Woche vom 18. bis 24. Mai werden die Ausscheidungskämpfe bis zu den Endrunden durchgeführt, z. T. auch einschließlich der Endkämpfe. Für den Schlußsonntag, am 25. Mai, sind nachmittags Fußballendrunden=Kämpfe vorgesehen. Den der ganzen Veranstaltung bildet der mit 1 kostbaren Wanderpreis ausgestattete Kunstturnkampf am„Freischütz". Im Anschluß daran findet die Siegerverkündigung und Siegerehrung statt. Neben den Fußballkämpfen um die Meisterschaft der Stadt Schwerte wird die Fußballmeisterschaft der Landvereine um Schwerte ausgetragen. Beide Veranstaltungen sind mit wertvollen und einmalig bestehenden Wanderpreisen für den ersten Sieger ausgestattet. Die Jugend kämpft im Fußballturnier um das Jugendbanner. Hierbei besteht kein Unterschied zwischen den Stadt= und Landvereinen. Der Vereinszehnkampf ist den Stadt= Vereinen vorbehalten, weil die Beteiligungszisfer sonst zu groß werden würde. Dagegen können am Kunstturnkampf wieder sämtliche Vereine teilnehmen. Das gleiche gilt für Handball, Faustball und Schlagball der Stammmannschaften und für Fußball und Faustball der„Alten Herren". Nach den bisherigen Meldungen sind die Beteiligungsziffern: 1. Fußballmeisterschaft der Stadt Schwerte: 4 Vereine. 2. Fußballmeisterschaft der Landvereine: 5 Vereine; 3. Fußballbannerkämpfe der Jugend: 5 Vereine; 4. Vereinszehnkampf: 8 Vereine; 5. Kunstturnkampf: 4 Vereine; 6. Handball: 3 Vereine; 7. Faustball: 3 Vereine; 8. Schlagball:— 9. Faustball:„Alte Herren“: 2 Vereine. 10. Fußball„Alte Herren“: 2 Vereine. Durch noch ausstehenden aber bestimmt noch zu erwartende Meldungen wird sich die Zahl der teilnehmenden Vereine und Mannschaften noch erhöhen. Nach Ausmaß und Bedeutung der Werbewoche für Leibesübungen für Schwerte und Umgebung dürfte diese Veranstatlung alle bisherigen auf dem Gebiete der Leibesübungen in unserer Gegend weit in den Schatten stellen. Sie darf deshalb das größte Interesse bei der ganzen Bevölkerung von Schwerte und Umgegend beanspruchen und verdient es auch. Leider wird jedoch dem Gedanken der Bausparbewegung dadurch erheblich Abbruch getan, daß zweifelhafte und auf unsicheren Grundlagen aufgebaute Bausparunternehmungen unter Ausnutzung der Leichtgläubigkeit dem Publikum Versprechungen machen, für deren Erfüllung jegliche nachprüfbaren und stichhaltigen Unterlagen fehlen. Der Zusammenbruch von mehr als 30 Bausparkassen weist dringend auf die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung hin. Grundlegend für die gesetzliche Regelung fordert das westf.=lippische Handwerk die Reichsaufsicht und Genehmigungspflicht sowie den Zwang der öffentlichen Bekanntmachung der mathematisch errechneten Geschäftsunterlagen. Damit die Bausparer vor weiteren Verlusten bewahrt bleiben, ist eine sofortige Verabschiedung des vorliegenden Gesetzentwurfes dringend erforderlich. Landkreis Iserlohn 9 Iserlohn. Schadenfeuer. Vorgestern abend entstand aus bisher noch unbekannten Gründen in dem Hause Hagenerlandstraße 33 ein Schadenfeuer, dem das Anwesen zum Opfer fiel. Die schnell herbeigeeilte Feuerwehr konnte sich nur darauf beschränken, die benachbarten Gebäude zu schützen, vor allem die unmittelbar nebenstehende Möbelfabrik der Fr. RoederSöhne. Entstanden ist das Feuer angeblich in den Räumen der Firma Boecker. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. Der in den Räumen der Firma Roeder gemietete Betrieb der Firma Heitmann wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Amt Ergste m Ergste. Falschmünzer festgenommen. Gestern vormittag erschienen zwei mit Fahrrädern versehene Personen in dem Kolonialwarengeschäft des T. und in dem Manufakturwarengeschäft P., um irgend, welche Kleinigkeiten einzukaufen. Sie bezahlten zedesmal mit einem Fünfmarkstück. T., dem das Stück nach dem Fortgang der Personen etwas verdächtig vorkam, zeigte dieses einem im Lokal anwesenden Geschäftsreisenden aus Hagen. Dieser stellte fest, daß es ein Falschstüc war. Der Letztere wollte seinen Kraftwagen zur Verfügung stellen und machte sich mit—. auf den Weg, um die Personen zu suchen. Nach langsamerem Hin= und Herfahren und Verstandigung des Oberlandjägers Jeuschede fanden sie die beiden Personen in der Nähe der rruhrtalstraße mit den Rädern am Graben liegen. Der in der Nähe weilende Oberlandjäger Jeuschede schritt sofort zur Festnahme. Es gelang ihm auch den Haupttäter, der einen Ausreißversuch machte, hinter Schloß und. Riegel zu setzen. Jeuschede hatte dem Haupila#r bei der Festnahme bereits 14 Falschstücke abgenommen. Während der Begleiter seinen Namen und Personalien nannte, verweigerte der Haupttäter, der anscheinend zu einer ten Falschmünzerbande gehört, jegliche Angaben. Ein Stück Papier, welches als stück in Frage kommt, versuchte er auf dem Polizeibüro zu verschlucken. Er wurde jedoch von dem Oberlandjäger Jeuschede daran gehindert. Die sofort benachrichtigte Landeskriminalpolizeistelle erschien nach kurzer Zeit mit einem Kriminalkommissar hierselbst. Es wurde festgestellt, daß die Hersteller der falschen Fünfmarkstücke schon seit längerer Zeit in Dortmund eifrig gesucht werden. Die Beschuldigten wurden im Kraftwagen mit zum Polizeipräsidium nach Dortmund gekommen, da sie anscheinend einer organisierten Falschmünzerbande angehören und ihre Komplizen sowie die Werkstatt nicht verraten wollen. Amt Westhofen +- Holzen. Taubenprozeß Exnowsk Bekanntlich hatte die Reisevereinigung Apler= beck im vorigen Jahre gegen Walter Exnowski aus Holzen Strasantrag wegen Betrugs bei der Staatsanwaltschaft gestellt. E. wurde beschuldigt, durch unlautere Eingriffe in seine plombierte Brieftaubenuhr gegenüber den übrigen Mitgliedern der Reisevereinigung sich erhebliche finanzielle Vorteile verschafft zu haben. In der ersten Instanz erhielt E. einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft legte Berusung gegen das Urteil ein und in der Berufungsverhandlung vor der großen Strafkammer in Dortmund, zu der ein großer Zeugen= und Sachverständigenapparat aufgeboten war, wurde E. wegen schwerer Urkundensälschung und Betruges zu drei Monaten Gesängnis verurteilt. E. konnte sich jedoch mit diesem Urteil nicht abfinden und ließ durch seinen Verteidiger beim Reichsgericht in Leipzig Revision anmelden. Die Revision hatte Erfolg. In der Verhandlung vom 24. März 1930 wurde das Urteil der Strafkammer Dortmund aufgehoben und die Sache zur erneuten Prüfung und Entscheidung an die Vorinstanz, also die Strafkammer, zurückverwiesen. ! Geisecke. Ermittelter Dieb. Einem, bei einem hiesigen Landwirt bediensteten landwirtschaftlichen Gehilfen wurde vor einigen Tagen ein Anzug und sonstige Gegenstände gestohlen. Der Verdacht richtete sich sofort auf einen Arbeitskollegen. Derselbe kündigte auch einige Tage später seine Stellung und verzog vor hier. Er wurde in Odenkirchen, wo er sich ohne Anmeldung aufhielt, ermittelt, u. bei einer vorgenommenen Durchsuchung tatsächlich die gestohlenen Sachen gefunden. Dieselben konnten dem Eigentümer wieder ausgehändigt werden. ! Westhofen. Die diesjährige Bullenkörung findet am Mittwoch, den 23. April, nachmittags 3,30 Uhr in Westhofen an der Wirtschaft„Zum Amtshaus“(Schulte) durch die Körkommission des Tierzuchtamtes der Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen statt. ! Westhofen. Ein ehrlicher Finder. Auf der hiesigen Kirmes wurde von einem Polizeibeamten am Montagabend ein Damenportemonnaie mit einem Geldbetrage, gesunden. Später bemerkte er einige junge Damen, die eifrig über den Kirmesplatz ihre Blicke schweifen ließen. Er dachte sofort, daß es sich um die Verliererin der Geldbörse handelte. Als dieselbe dann schließlich wieder in den Besitz ihres Eigentums gelangt war, war natürlich ihre Traurigkeit mit einem Schlage verloren. In der Tasche befand sich ein Geldbetrag von 30 Mark, welcher den Monatslohn der Verliererin darstellte. I. Westhofen. Die älteste Einwohnerin gestorben. Am gestrigen Vormittag verschied nach kurzer Krankheit die 89jähr. Ww. Wilhelmine, Meininghaus, geb. Braß, Westhofen, Hochstraße 28 wohnhaft. Die Verstorbene konnte noch vor einigen Wochen die Feier ihres 89. Geburtstages begehen. Möge ihr die Erde leicht sein. I. Westhofen. Offenlegung des Amtshaushaltsplanes. Der Haushaltsplan des Amtes Westhosen für das Rechnungsjahr 1930 ist aufgestellt und liegt vom 10. ds. Mts. ab 14 Tage lang zur Einsicht der Amtseingesessenen auf dem hiesigen Amtsbüro, Zimmer 1, offen. l. Westhofen. Wochenmarkt. Der gestrige Wochenmarkt wies eine reiche Warenanfuhr auf. Das schöne Wetter und viele Marktbesucherinnen gaben dem Wochenmarkt das rechte Gepräge. Die Kauflust, besonders für Frühgemüse, war recht gut, so daß mancher Stand schon frühzeitig ausverkauft hatte. Erstmalig sah man schon Schlangengurken. Auch Pflanzkartoffeln: Odenwälder zu 5, Holländer Mäuse zu 8 und Bonisatius zu 10 Pfg. fanden guten Absatz. Das Sinken der Eierpreise hat(wahrscheinlich wegen des nahen Osterfestes) aufgehört; es kosteten Hühner= und Enteneier 10 Stück 1.— Mk. Die übrigen Warensorten wurden in den ortsüblichen Preislagen angeboten. In Lichtenderf son gebam werden Gemeindevertretersitzung in Lichtendorf * * Lichtendorf, den 11. April 1930. * Gestern nachmittag sand im Lokale Wiemhoff auf dem Eichholz eine Sitzung der Gemeindevertretung statt, die sich u. a. mit einer wichtigen Bauangelegenheit zu beschäftigen hatte. Bürgermeister Arndt=Westhofen war zu dieser Sitzung erschienen, und auch mancher Zuhörer nahm an den össentlichen Verhandlungen teil, die einen angeregten Verlauf nahmen. Es handelte sich um die Errichtung eines Vierfamilienhauses an der Römerstraße und eine Kommission, aus 3 Herren bestehend, hatte bereits mit Landrat Dr. Loos in Iserlohn Besprechungen bezgl. Klarstellung der Kostenfrage gehabt. Der Kreis Iserlohn hatte sich danach bereit erklärt, einen Antrag auf Gewährung von Hauszinssteuer in Höhe von 16 000 Mark zu bewilligen. Der Neubau soll aber 32000 Mark kosten, so daß 16000 Mark noch aufgebracht werden müssen. Kurz nach 4 Uhr eröffnete Gemeindevorsteher Hohenschwert die Sitzung. Zunächst lag ein Antrag vor, daß zwei Herren, die in Iserlohn Verhandlungen geführt haben, im Interesse des Wohnungsbaues an der Sitzung teilnehmen könnten. Gem.=Vertr. Sybel begründete diesen Antrag näher und bittet die Versammlung um Zustimmung, damit die erforderliche Klarheit geschaffen werde, jedoch verfällt der Antrag der Ablehnung. Gem.=Vertr. Kötter(SPD.) teilte mit, daß seine Fraktion aus den Kommissionen ausscheide, ausschließlich der Schulvorstandskommission. In Lichtendorf seien öffentliche Niederschristen und Aeußerungen gemacht worden, wogegen er sich ganz entschieden wende. Bedauerlich sei, daß man Arbeiter gegen Arbeiter aufhetze. Gem.=V. Schäfer will auf die Anpöbeleien nicht näher eingehen, stellt jedoch fest, dast 80 Prozent der Einwohner anders eingestellt seien, als der Verfasser der Schriftstücke. Daß solche Niederschriften an die Oeffentlichkeit kämen, sei ungehörig und beschämend. Er stellte den Antrag seitens der Wirtschl. Vereinigung, in der nächsten Sitzung eine neue Kommission zu wählen. G.=V. S“bel erklärte, daß er nur das System bekämpfe, von einer Verhetzung der Arbeiterschaft könne keine Rede sein. G.=Vorst. Hohenschwert sagte, daß es richtiger gewesen wäre, wenn die Leute das Geld zu etwas anderem gebraucht hätten, als zu solchen Sachen. Leider sei es daß erste Mal, daß derartige Anfehdungen in der Gemeindevertretung erfolgten und bedauerlich, wenn sie sich weiter ausbreiteten.— Die Neuwahl der bürgerlichen Liste in den Kommissionen soll demnächst vorgenommen werden. Punkt 1 betraf die Wohnungsneubauten. Hierzu sagte G.=Vorst. Hohenschert, daß ein Antrag von 16 000 M. auf Hauszinssteuer durch den Landkreis bewilligt worden sei, der Neubau aber 32000 Mark kostetete. Wie sollten die fehlenden 16000 Mark beschafft werden. Hierfür käme höchstens die Sparkasse in Schwerte infrage. Er habe s. Zt. in Westhofen mit einem Herrn aus Iserlohn und Vertretern der Baugenossenschaft„Mark", Verhandlungen gepflogen und nach allen Erwägungen würde eine Dreizimmerwohnung mit Bodenzimmer etwa 46—48 Mark an Miete kosten. G.=V. Sybel teilte mit, daß er vor etlichen Wochen mit der Kommission in Iserlohn gewesen sei und nachdem er die baulichen Zustände in Lichtendorf dem Landrat vorgetragen habe, habe sich dieser bereit erklärt, 16000 Mark zur Verfügung zu stellen. Es sei vielleicht möglich, die restlichen 16000 Mark bei der Pfandbriefstelle in Münster zu 8 Prozent zu erhalten. Er glaube dann, daß der Wohnungspreis mit 48 Mark zu hoch gerechnet sei. Die Interessenten seien evtl. bereit, die Ausschachtungsarbeiten selbst zu übernehmen. Evtl. käme auch die Verwendung von alten Steinen in Betracht, die z. B. in der Aplerbecker=Hütte preiswert zu haben seien. G.=Vorst. Hohenschwert teilte dann noch mit, daß die Zwangsmiete für die Gemeinde Lichtendorf versuchsweise aufgehoben worden sei. Hinsichtlich des Neubaues erklärte er, daß die nötige finanzielle Deckung vorhanden sein müsse und daß vier Mieter einzögen, die die Gewähr dafür leisten, daß sie auch die Mietsätze aufbringen könnten. Seitens der Gemeinde könne kein Zuschuß geleistet werden. Außerdem könnten in Lichtendorf noch drei weitere Wohnungen bezogen werden. G.V. Stei:weg ist der Ansicht, daß zunächst ein Grundstück vorhanden sein müsse, auf dem man bauen wolle. Bürgermeister Arndt machte dann zur Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft einige Ausführungen, die sich auf Grund des Gesetzes stützten. Für jede Wohnung käme eine Hauszinssteuerhypothek von 4000 Mark zu etwa 4 Prozent in Betracht. An Baukosten entständen pro Wohnung 480 Mark, hierzu kämen noch die Kosten zur Erwerbung des Bauplatzes, da gemeindeeigene Bauplätze nicht vorhanden seien. Gelände müßte von der Kreisbaugesellschaft Dortmund=Hörde erworben werden und das betrage etwa 1200 Mark, für die Wohnung 300 Mark. Die Verzinsung ergäbe ungefähr 30 Mark, zusammen 510 Mark, so daß die notwendige Miete 40 Mark übersteige. Erforderlich seien zunächst folgende Feststellungen: Sicherung der Hauszinsteuerhypothek und Bereitstellung einer zweiten Hypothek durch die Schwerter Sparkasse oderein anderes Kreditinstitut, Erwerb eines Baugeländes durch die Kreisbaugesellschaft und die Feststellung des Vorhandenseins von Reflektanten, die die Wohnung beziehen und die Miete aufbringen können. G.=V. Sybel hält die Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft für bedauerlich, mancher Einwohner würde dadurch demnächst auf der Straße liegen. Der geplante Neubau sei bestimmt durchzuführen und auch zu einem erträglichen Zinssatz. G.=Vorst. Hohenschwert bedauerte es, daß die vor Wochen vorgesehene Gründung einer Baugenossenschaft nicht zustande gekommen sei, was hinsichtlich der Verzinsung vielleicht besser gewesen wäre. Er setzte sich ebenfalls zunächst für die Feststellungen ein, die der Bürgermeister bereits erwähnt habe. Richtig wäre es auch, eine Baukommission zu wählen, die die ganze Angelegenheit vorbereiten solle. Nachdem man sich noch über die Verwendung alter Steine unterhalten hatte, teilte G.= Vorst. Hohenschwert mit, daß er bei sich eine Liste auflegen lassen werde, in der sich die Wohnungsreflektanten eintragen könnten. Eine Gewähr müsse die Gemeinde haben. Die Abstimmung ergibt dann die einmütige Zustimmung zu dem Antrag des Bürgermeisters, zunächst die einzelnen Feststellungen zu treffen und danach eine Baukommission zu wählen. Punkt 2: Neuwahl eines Mitgliedes des Schulvorstandes. Das gewählte Mitglied Thiemann hat die Wahl nicht angenommen, an seine Stelle wurde W. Dreier, Römerstraße, in den Vorstand gewählt. Der nächste Punkt betraf die Anlage von Hydranten. Dieser Punkt wurde von der Tagesordnung abgesetzt und zurückgestellt. Unter„Verschiedenes" teilte Bürgermeister Arndt noch mit, daß ein Steigerturm für die Gemeinde bestellt worden sei und bald zur Aufstellung gelangen würde. Nachdem G.=V. Sybel noch für die ausgesteuerten Erwerbslosen das Wort ergriffen hatte und u. a. sagte, daß keiner von den Lichtendorfer Erwerbslosen am Stausee beschäftigt würde und hier wohl Unterschiebungen vorgekommen seien, konnte die Sitzung geschlossen werden, nicht ohne daß G.= Vorst. Hohenschwert über die letzte Anfrage Aufklärung gegeben hatte, worin er betonte, daß er nach wie vor sich dafür einsetzen werde, den Erwerbslosen Arbeitsmöglichkeiten nachzuweisen und nach Möglichkeit zu verschaffen. Turnen, Spiel, Sport Handball Teutonia Westhofen 1.— Turnverein Delwig 1. Sonntag empfangen die Teutonen den Turnverein Dellwig zu einem Freundschaftsspiel. Den Gästen geht ein guter Ruf vorauf. Um sich gegen diese Mannschaft behaupten zu können, müssen die Hiesigen alle Register ihres Könnens ziehen. Die Teutonen treten in stärkster Aufstellung an und werden so mit aller Macht versuchen, den Dellwigern den Sieg streitig zu machen. Werden die Hiesigen so kombinieren wie am vergangen Sonntag, so wird es zu einem hochinteressanten Kampf kommen. Das Spiel findet um 3,30 Uhr auf dem Spielplatz an der Bruchstraße statt. Vorher spielt zum ersten Male die Jugend Teutonia Westhofen— Turn= und Spielverein Herdecke. Deutsche Jugendkraft Am Sonntagnachmittag findet auf dem Schützenhof das Freundschaftsspiel zwischen den Ortsgegnern DJK. Schwerte 1.— Eichenkranz Schwerte 1. statt. Da Eichenkranz einen achtbaren Gegner abgibt, konnten sie den Reichsbahnern ein„Unentschieden“ 2:2 erringen, Ein spannendes Spiel ist zu erwarten. J. R. Das Gaststättengesetz Am Dienstag hat der Reichstag in dritter Lesung das Gaststättengesetz erledigt. Um dieses Gesetz ist im Ausschuß lange erbittert gerungen worden, aber der Kampf hatte nicht einen ausgesprochenen parteipolitischen Charakter, sondern es standen sich die Freunde und die Gegner des Alkohols gegenüber. Auch von seiten der Alkoholgegner ist allerdings in keinem Stadium der Verhandlungen der Versuch zu einer völligen Trockenlegung Deutschland unternommen worden. Das wäre in der Tat auch ein äußerst bedenktiches Experiment gewesen, und zwar noch weniger für die Gastwirtschaften als für die deutsche Wirtschaft schlechthin. In den deutschen Weinbaugebieten herrscht ohnehin schon größere Not, und eine Vernichtung der hochentwickelten deutschen Brauerei=Industrie wäre volkswirtschaftlich ebensowenig zu verantworten gewesen. Der Kampf ging überhaupt weniger um Wein und Bier als um den Branntwein. Besonders gingen die Bestrebungen dahin, die Jugendlichen vor dem Branntweingenuß zu bewahren. Das Gesetz enthält zu diesem Zweck einige wichtige Bestimmungen. So verbietet Paragraph 16 den Verkauf von Branntwein oder überwiegend branntweinhaltigen Genußmitteln zu eigenem Genusse an Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Ferner dürfen an Personen, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, und die sich nicht in Begleitung ihrer Erziehungsberechtigten befinden, weder geistige Getränke noch Tabakwaren zu eigenem Genusse verabreicht werden. Verboten ist auch das Feilbieten von Branntwein oder überwiegend branntweinhaltigen Genußmitteln durch Automaten und das Verabreichen derselben auf Turn=, Spiel= und Sportplätzen oder in solchen Hallen. Bei der Veranstaltung von Schul=, Jugend= und Sportfesten, an denen überwiegend Jugendliche beteiligt sind, ist ein vorübergehendes Bedürfnis für den Ausschank geistiger Getränke in der Regel nicht anzuerkennen. Viel erörtert worden ist im Volkswirtschaftlichen Ausschuß die Frage, ob eine Beschränkung der Zahl der Gastwirtschaften empfehlenswert sei. Es war vorgeschlagen worden, daß auf je 400 Einwohner nur eine Gastwirtschaft entfallen darf. Man hat aber schließlich diese Forderung fallen lassen. Sie wäre doch nur sehr langsam durchzuführen gewesen, da es nicht gut möglich gewesen wäre, die überzähligen Gaststätten zwangsweise zu schließen. Letzten Endes wäre diese Maßregel wohl auch mehr auf eine Wertsteigerung der„konzessionierten“ Gaststätten hinausgelaufen, als auf eine Minderung des Alkoholismus. Denn die richtigen „Hartsäufer“ würden wohl immer noch eine Gaststätte finden, wo sie ihren Durst befriedigen können. Als ein wirksames Mittel gegen die Trunksucht wird sich vielleicht eine Bestimmung erweisen, wonach Forderungen eines Gast= und Schankwirtes aus dem Ausschank von Branntwein eingeklagt noch in sonstiger Weise geltend gemacht werden können, wenn die Personen gestundet worden sind, die dem Gast= und Schankwirt eine frühere Schuld gleicher Art noch nicht bezahlt haben. Dasselbe gilt für Forderungen in der Abgabe von Branntwein im Kleinhandel, sofern nicht die Lieferung mit Bezug auf den Geschästsbetrieb des Empsän= gers erfolgt. Durch diese Bestimmung soll das leichtsinnige Kreditgeben von Gastwirten unterbunden werden. Man darf allerdings annehmen, daß auch bisher schon nur selten Alkoholschulden eingeklagt worden sind; aber allein schon die Möglichkeit, daß es geschehen konnte, mag doch so manchen Gast veranlaßt haben, seine Trinkschulden zu bezahlen. Da die Moral von Gewohnheitstrinkern häufig nicht sehr gefestigt ist, so muß künstig aber jeder Gastwirt damit rechnen, daß so mancher seiner Stammgäste, sobald er zu tief in die Kreide geraten ist, einen Stellungwechsel vornimmt und einer anderen Gaststätte seine zwar dem Umsatz an Branntwein hebende, finanziell aber nicht gerade lohnende Kundschaft zuwendet. Viel umstritten war auch die Frage der Polizeistunde. Man hat sie schließlich auf 1 Uhr festgesetzt, aber Ausnahmen zugelassen, wenn besondere örtliche Verhältnisse vorliegen. Vücherbesprechung Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind zu haben in der Buchhdlg. C. Braus. Schwerte. Ein unheimlicher Roman aus dem großen Kriege. Eine wirklich sehr gute Geschichte erscheint soeben im Verlage Dieck u. Co., Stuttgart: Major W. F. Morris„G. B. Khaki oder Feldgrau"(Deutsche autorisierte Uebersetzung von Baron und Baronin Werkmann, Preis gebd. 6,50 Mark, geh. 4,50 Mark). Hier haben wir einen Roman, der etwas ganz anderes ist, als alle bekannten Kriegsbücher, das äußerst aufregende Erlebnis einer doppelten Persönlichkeit, die spannungsgeladene Geschichte eines Mannes, der nacheinander infolge eigenartigen Schicksals auf englischer und deutscher Seite kämpft. Humorvoll, spannend, einzigartig in den Schilderungen des Erlebens an der beiderseitigen Front und im Hinterland. Kämpfe— mehrfache abenteuerlichste Flucht— Gedächtnisschwund— Mysterium— Spionage. Die Geschichte ist ungewöhnlich aufregend und geheimnisvoll geschrieben, sehr sinnreich entworfen und famos erzählt. Diesen übrigens durchaus deutschfreundlichen und neuartigen Roman müssen Sie lesen, denn er schlägt jeden Sensationsroman des Tages, mag er noch so schlau aufgebaut sein, glatt aus dem Felde. Geschäftliches Vorführung des neuen Schnellkochtopfes„Kochtrumpf“ im Geschäftshause C. Feit, Hüsingstr. Im Geschäftshause C. Feit, Hüsingstraße wird augenblicklich ein neues Kochwunder praktisch vorgeführt und zwar handelt es sich um den Schnellkochtopf„Kochtrumpf“, der sich schnell die Herzen der Hausfrauen erobern wird. Die Vorführung, die noch bis einschließlich Sonntag, den 13. April stattfindet, sollte sich keine Interessentin oder Interessent entgehen lassen. Hier wird unter Beweis gestellt, wie man Speisen in kürzester Zeit und schmackhaft zurichten kann. Die Vorteile des aus Alluminium bestehenden Topfes liegen u. a. darin, daß die in ihm zubereiteten Speisen diejenigen, die im offenen Topfe hergerichtet werden, im Geschmack noch übertreffen. Weiter ist ein Anbrennen der Speisen ausgeschlossen, besonders kommt ein Verdampfen nicht in Frage. An Brennstoffen, gleich welcher Art, werden mindestens 80 Prozent eingespart, sodaß z. B. bei einer Gasrechnung von 10 Mark 8 Mark verdient werden. Dem Kochtopfe wird eine hohe Lebensdauer(10—15 Jahre) zugesichert. Der Topf ist vornehmlich für den Sommer unentbehrlich; die praktischen Vorführungen finden in der Zeit von vormittags 10—1 Uhr und nachmittags von 4—7 Uhr statt; Kostproben werden verabfolgt. Es sei noch bemerkt, daß z. B. eine Erbsensuppe mit den erforderlichen Einlagen in ¼ Stunde und Eisbein, Sauerkraut und Kartoffeln(zusammengekocht) in ca. 12 Minuten mundgerecht hergerichtet sind. Man möge sich also selbst von diesem Kochwunder überzeugen, das noch bis einschließlich Sonntag, den 13. April im Geschäftshause C. Feit gezeigt wird. Veroantwontich iier Lololech, Loummnadostaick. Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Wie immer alles auf Teilzahlung Herren-Anzüge 79.- 68.- 49.- 2350 Damen-Mäntel 59.- 39.- 1680 950 Herren-Mäntel 84.- 65.- 59.- 2930 Damen-Kleider 58- 38.- 25.- 975 Burschen-Anzüge 49- 39.- 29.- 1950 Kinder-Mäntel 22.- 19.- 1150 550 Manufakturwaren, Kleiderstoffe, Wäsche, Betten und Steppdecken in großer Auswahl zu billigen Preisen. Sonntag bis 6 Uhr geölther. Man PASCHRULISNT DORTMUND 3 Brückstr. 12-14, 1. Etage 1/4 Anzahlung Spielend leichte abzableung! Angezahlte Ware hann sofort mitgenommen werden. Durcngehend geöffnet! Schmügbies=Komani auf der Osiser Von Hermann S Um den„Schmuggler=König von der Ostsee“ ist es still geworden. Zehn Länder hatten auf ihn Jagd gemacht, ohne ihn zu erwischen. Schließlich lud er die Vertreter der verschiedensten Zeitungen zu einem Stelldichein in den Dünen bei Aarhuns ein und gewährte ihnen ein Interview, in dem er betonte, daß er bereit sei, mit der Seepolizei Frieden zu schließen. Es muß ein recht unruhiges Leben gewesen sein, das der„Schmugglerkönig“ in den zwei Jahren geführt hat. Jeder Falle, die man ihm stellte, verstand er aus dem Wege zu gehen oder entwischte doch noch im letzten Augenblick. Alle drahtlose Verständigung zwischen den einzelnen Prohibitionsländern nützte nichts. Sicherlich haben sie den Friedensvorschlag angenommen. Der„Schmugglerkönig“ der Ostsee war ein Deutscher. Aber sein wahrer Name blieb unbekannt. Kein Volk an den Ostseegestaden kommt an Kühnheit auf dem Meere den Deutschen und den Schweden gleich, und diese sind als Schmuggler am gefürchtetsten. Viel Schätze wird der„Schmugglerkönig“ nicht aufgespart haben! Ost genug mußte er die Trümmer seiner zerschossenen Boote im Stiche lassen und von neuem anfangen. Möglicher Weise steht der Schmugglerkönig nun im Dienst der norwegischen Regierung und macht Jagd auf seine ehemaligen Parteigäng; man hat es vielleicht ähnlich wie auf dem Balkan und in Kleinasien gemacht, wo man Brigantenführer, deren man nicht Herr werden konnte, zu Gendarmerieführern erhob. Wer da glaubt, in Europa gebe es keine wilde Lomantik mehr, irrt sich sehr. Verhandlungen vor den Seegerichten in den deutschen Hasenstädten der Ostsee gewähren manchen Einblick in das waghalsige Leben der Alkoholschmuggler auf dem baltischen Meere; denn was heute dort vor allem und in großem Maße geschmuggelt wird, ist der Alkohol. Er kommt in die Länder, die entweder teilweise oder auch gänzliches Alkoholverbot haben. In Deutschland kostet ein Liter Sprit 7 Mk. Das Ausland bezieht ihn im großen von uns zum Preise von 40 Pfennig! Das ist wirklich ein gewaltiger Unterschied! Selbst die Polen liefern ihren Getreidesusel für 60 Pfennig das Liter. Verkauft wird er„hintenrum“ in den Prohibitionsländern für den dritten Teil des Preises, den wir in Deutschland zahlen müssen. Die Zustände auf der Ostsee sind ja oft grotesk. Wie ein großer, fahrbarer Schnapsladen liegt da ein Spritdampfer auf dem Meere. In kurzer Entfernung, im Hoheitsgewässer eines Landes, lauert ein Zollboot. Beide warten auf die Boote der Küstenschmuggler, die einen, um ihre Ware zu verkaufen, die anderen, um sie abzufangen. Das große Spritschiff, das sich keiner Grenze nähert, sondern in entsprechender Entfernung von der Hoheitsgrenze kreuzt, gilt natürlich nicht als Schmugglerschiff, obgleich es nur mit den Schmugglern Geschäfte macht. Es gehört bekannten oder unbekannten Gesellschaften. Es gibt aber auch kleinere, flinke Dampfboote, die den Sprit gleich bis an eine verabredete verschwiegene Stelle an der Küste fahren. Auch diese sind meistens von einer geheimen Gesellschaft ausgerüstet. Die Seeleute, die für Schmugglerfahrten angeworben werden, müssen entsprechende Erfahrungen haben und dazu geeignet sein. Bezahlung und Verpflegung sind sehr gut. Fast immer wird ihnen ein gewisser Betrag gewährcharfenberg. leistet, außerdem erhalten sie bei gelungener Fahrt einen prozentualen Anteil vom Erlös. Manchmal— und zwar zu besonders gefährlichen Fahrten— werden Leute angeheuert, die gar nicht wissen, um was es geht, und darüber erst klug werden, wenn die Geschosse über Deck fauchen. So traf vor nicht langer Zeit in seiner oberbayerischen Heimat ein Bursche ein, der an mehreren„Spritfahrten" teilnehmen mußte, endlich aber, als die Mannschaft eines Küstenfahrers nach einem guten Geschäft traumlos betrunken lag, entwischen konnte. Viele Geschichten von Gefahr, Mut und „Schnippchenschlagen" erzählt man sich an der Waterkant. Aehnlich wie der am Anfang erwähnte„Schmugglerkönig“ ist zur Zeit ein Seemann berühmt, der den Spitznamen„Fleenz“ führt und auch noch der„Suderwiecker" genannt wird. In allen Ostseeländern bekannt, hat er überall einen anderen Spitznamen. In Hangö z. B. heißt er„Däuwkirl!“ weil er die Gewohnheit hat, bei jedem Satz zu sagen, „Deuw„Kirl!"(„Na, warte Kerl!“ in drohendem Sinne). Die gefährlichsten und am strengsten bewachten Passagen nimmt er, ohne daß man ihn zu erwischen vermochte. Einmal schien es unmöglich zu sein, sich an der finnländischen Küste durchzuschmuggeln. Die Zollbeamten hatten hn scharf im Auge, und acht Tage lang konnte der Suderwiecker vor Gulkrona nicht vom Fleck. Da kam ihm ein Einfall. Die See ging mittelstark, die Nacht war mondlos. Er rüstete ein altes Segelboot aus, mit einigen verkleideten Holzpuppen bemannt und mit zwei Höllenmaschinen an Bord. Das Boot flog in die Luft. Alle Aufmerksamkeit samt den Scheinwerfern war auf die „Schiffskatastrophe“ gerichtet, und,„Däuwkirl“ konnte bequem durch die Sperre schlüpfen. Es wird in den Kreisen der Schiffer behauptet, daß die Schmuggler Unterseeboote besäßen. Dies ist sicher nicht wahr. Daß der Suderwieker Schmugglerheld eine eigenartige Taucherkugel besitzt, die es ihm ermöglicht, sich längere Zeit unter Wasser zu halten und so in höchster Gefahr zu entkommen, kann jedoch durchaus stimmen. Den russischen Zollbeamten hatte man z. B. ein Schmugglerboot mit ihm gemeldet. Als man es erreichte, war die Ladung fort, auch der Suderwiecker. Die Schmuggler benutzten vielerlei Beförderungsmittel, z. B. schiffsähnliche, bis zwei Meter lange Eisenblechbehälter, die unter Wasser manchmal zehn Kilometer weit durch eine Winde von einem Spritschiff an ein Boot oder an Land heran geholt werden. Paradora der Natur Fische, die ertrinken, auf Bäume klettern, kreischen, grunzen und brummen. Wenn man das Leben der Millionen und Milliarden von Lebewesen beobachtet, die den Erdball bewohnen, so könnte man glauben, daß in der Natur stets ein gewisses Einheitsprinzip, das uns auf den ersten Blick das Naturleben so zu vereinfachen scheint, oft geradezu auf den Kopf stellt. Wem erschiene es nicht absurd, von Fischen zu hören, die ertrinken können? In den ostindischen Gewässern ibt eine Familie von Fischen, deren Atmungswerkzeuge eine ganz eigenartige Bauart besitzen. Diese Fische atmen nämlich durch eine mit dem Mund verbundene und in zwei Taschen zur Schwimmblase wie zur Schwanzflosse führende Höhle, die sogenannte Labyrinthhöhle, weshalb die Fische auch den Namen Labyrinthfische führen. Will der Fisch Luft schöpfen, so muß er an die Oberfläche des Wassers steigen, wobei, wenn er den Mund öffnet, die Labyrinthtaschen durch einen von der Schwimmblase ausgeübten Druck lustleer gemacht werden und sich nun mit frischer Luft füllen können, die dem Fisch als Atemluft dient. Die Atmung des Fisches ist also nur dann möglich, wenn er seinen Luftbedarf der Außenluft entnehmen kann; wird er hieran verhindert, so ertrinkt er bei längerem Aufenthalt im Wasser ebenso rettungslos wie jedes andere luftatmende Tier. Diese Zusammensetzung ermöglicht ihm auch allerdings manchen Vorteil außerhalb des Wassers. Mit Hilfe ihrer Kiemendeckelstachel und ihrer Schwanzflossen können die Labyrinthfische tagelang, und zwar ziemlich rasch— etwa im Tempo eines normal gehenden Menschen— auf dem Lande umherlaufen, ja sogar auf Bäume klettern. Hat man es hier mit einer lungenähnlichen Einrichtung zu tun, so handelt es sich bei den in Afrika und Australien lebenden Lungenfischen, den Resten einer einst über die ganze Welt verstreuten Fischordnung, um Fische, die tatsächlich zeitweilig durch Lungen atmen. Da sie in Flüssen und Sümpfen leben, die oft ganz austrocknen, so ist ihre Schwimmblase derart eingerichtet, daß sie außerhalb des Wassers als Lunge funktioniert, weshalb diese Fische längere Zeit auf dem Trockenen leben können. Der afrikanische Schlammfisch bringt laute Kreischtöne hervor; eine andere Art der Lungenfische läßt, wenn sie Luft aufnimmt, ein stöhnendes Grunzen vernehmen; wieder eine andere pflegt ihr Liebeswerben mit Gebrumm zu begleiten, und ein in Amerika heimischer Lungenfisch stößt, wenn er gefangen wird, so komische Töne aus, daß sie die Indianer in ihren Gesängen nachahmen. Deutsche Turnerse aft Vorturnerstunde des Bezirks 4a(Märkischer Gau). Die erste Bezirksvorturnerstunde findet am kommenden Sonntag für alle Gebiete beim Turnverein„Eintracht" Iserlohn nachmittags 2,30 Uhr statt. Es turnen Männer, Altersturner und Volksturner in der Turnhalle des Iserlohner Turnv., Wolfsgasse. Turnerinnen, Turnhalle der kath. Südschule, Brüderstraße. Jugend und Schüler Turnhalle der ev. Ostschule, Mendenerstraße. Uebungsstoff ist bei allen Abteilungen, Frei= und Wettübungen für das am 31. Mai und 1. Juni in Leckingsen stattfindende Bezirksturnfest. Die Leitung liegt in den Händen des Bezirksoberturnwarts Otto Lewe und den Fachwarten. Außerdem stellen die Vereine Berchum, Dröschede und Allg. städt. Turv. Iserlohn je einen Vorturner mit einer selbgewählten Uebungsgruppe, bei der Jugend des Turnvereins Jahn Iserlohn. Die Nachversammlung findet um 5,30 Uhr im Lokale des Turnbruders Seyfarth, Mühlentor, statt. Die heutige Ausgabe umfaßt 16 Seiten. Lichtspiele zur Reichskrone Heute bis Montag bringen wir den größten und spannendsten Detektivfilm, der jemals im Kino gezeigt worden ist. Der Hund von Baskerville Nach dem Roman des bekannten Detektiv= Roman=Schriftstellers: Conan Doyle Cherlock Holmes der Meisterdetektiv in der Hauptrolle. Anun Sensationelles Lustspiel in 7 Akten. Monty Banks in der Hauptrolle. Nochenschau Lustspiel Samstag nachm. 4 Uhr Kinder-Vorstellung feinster gewalzter Stocksisch Samstag, den 12. ds. Mts., vorm. 8 Uhr, wird auf der Freibank Rindfleisch verkauft, das Pfund zu 40 Pfg. 1446 Schlachthofverwaltung. 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Mehrere Tage verstrichen, und die verzweifelten Eltern gaben schon die Hoffnung auf, den Kleinen jemals wieder zu sehen. Zufällig veranstalteten nun Eingeborene ein Kesseltreiben auf einige Leoparden, welche die Gegend unsicher machten. Fünf der großen Katzen fielen den Speeren und Kugeln der Jäger zum Opfer. Auf der Suche nach einer im Dickicht verschwundenen angeschossenen Leopardin hörte man plötzlich aus einer Höhle ein leises Wimmern. Man glaubte zunächst, junge Leoparden vor sich zu haben, drang vorsichtig näher und entdeckte unter dem Körper der soeben verendeten Leopardin den vermißten Säugling, der den Jägern fröhlich entgegen krähte. Der Kleine war völlig unverletzt. Wie er in die Leopardenhöhle geraten ist, wird wohl nie aufgeklärt werden. Wie man in Neusceeland Reklame macht. Ein Einwohner von Willington auf NeuSeeland, der vergessen hatte, den Bezug einer von ihm gelesenen Zeitschrift rechtzeitig zu erneuern, erhielt von dieser kürzlich eine originelle„Mahnung". Es war eine kleine Geschichte folgenden Inhalts:„Jemand besand sich in einem dichten Walde auf der Jagd, als ein heftiges Unwetter ihn überraschte. Vor dem strömenden Regen flüchtete er in einen hohlen Baum, der ihm gerade Platz bot. Der Regen hielt stundenlang an und durchdrang schließlich das Holz, das sich zusammenzog und den in dem Stamm Steckenden nicht wieder herausließ. Angesichts der Unmöglichkeit, sich zu befreien, gab der Gefangene sich verloren. Wie es in solcher Lage üblich ist, ließ er sein ganzes Leben an sich vorüber ziehen und dachte besonders auch über seine verschiedenen Unterlassungssünden nach. Plötzlich fiel ihm ein, daß er ja den Bezug des X93=Magazins zu erneuern vergessen habe. Er wurde deswegen so klein und häßlich, daß er jetzt ohne Schwierigkeiten aus dem Baum herauskriechen konnte!" Die Moral soll natürlich sein: Vergiß nicht, rechtzeitig Dein Zeitungsabonnement zu erneuern Aber es gibt dazu auch noch eine zweite. Hätte der Mann rechtzeitig erneuert, so wäre er nicht klein und häßlich geworden, sondern steckte heute noch im Baum. Das hatten die biederen Neu=Seeländer Zeitungsleute natürlich nicht bedacht. 225 000 Mk. für eine ungetreue Lebensgefährtin. Der städtische Beamte N. Gupta in Kalkutta klagt gegen den Störenfried seiner Ehe, den früheren Abgeordneten T. C. Goswina der Gesetzgebenden Versammlung in Delhi, auf einen Schadenersatz von 225000 Mark. Frau Romola Gupta, die umstrittene Dame, ist die Tochter des letzten Lond Sinha, die heiraten zu können Herr Gupta ohne Zweifel einmal als befonderen Vorzug betrachtet hat. Nach englisch=indischem Recht kann der hintergangene Ehemann auf Schadenersatz gegen die von seiner Frau ihm bevorzugten Bekanntschaften klagen und tur das auf jeden Fall. Die Schadenhöhe wird von den Gerichten allerdings sehr genau nachgeprüft, und ebenso stellen sie auch meist die Zahlungsfähigkeit des Beklagten fest. Es ist schon vorgekommen, daß einem Ehemann bedeutet wurde, seine Frau sei nicht so viel wert gewesen, wie er dafür als Schadenersatz beanspruche. Es ereignen sich aber auch Fälle, in denen die Ehemänner der Anregung eines Richters, eine höhere Forderung zu stellen, nicht nachkamen, sondern gelassen erklärten, das Gericht übertreibe den tatsächlichen Wert dieser Frauen, und es befriedige sie durchaus, daß auch ein anderer Mann einmal Gelegenheit habe, mit ihnen schlechte Erfahrungen zu machen. Ein Arzt in Jamaica weigerte sich kürzlich sogar hartnäckig eine ihm zugesprochene Entschädigung von 30000 Mark für seine ungetreue Frau überhaupt anzunehmen. Er stellte es dem Gericht anheim, die Summe für die Frau festzulegen, da diese doch eines Tages hilflos dastehen werde. Homer besingt seinen eigenen Mut. Homer hieß er. Doch er war kein griechischer Sänger, sondern ein junger Engländer, der zwar auch ein Lied von Liebe und Heldenmut singen wollte, aber nicht den dichterischen Schwung seines großen Namensvetters aufbrachte und es lieber auf neuzeitliche Weise versuchte. Das wurde ihm zum Verhängnis. Homer, der Neunzehnjährige, liebte eine junge Dame, die einen Lenz weniger gesehen hatte als er. Leider mußte er bald entdecken, daß die Geliebte ihn zwar sehr gern sah, aber doch keine große Meinung von seinem männlichen Mute besaß. Und das kränkte ihn. Da erhielt die junge Dame eines Tages einen Brief, der ihr Blut erstarren ließ. Drohte doch der Schreiber mit schrecklichen Worten, er werde sowohl sie als Homer mit Hilfe einer Pistolenkugel in die Unterwelt schicken, wenn beide nicht sofort von einander lassen würden. Kaum hatte sich das Mädchen notdürftig von dem Schrecken erholt, da schrillie der Fernsprecher unheilverkündend. Eine Grabesstimme klang aus der Hörmuschel:„Laß Homer fahren, sonst fährst du zur Hölle und er dir nach!" Der armen jungen Dame fiel der Hörer vor Entsetzen aus der Hand. Doch sie besann sich rasch, rief die Polizei an und berichtete von den ungeheuerlichen Drohungen. Fünf Minuten später klang die Flurglocke. Homer stand vor der Tür. Er sand seine Liebste in Tränen gebadet:„Uns droht der Tod!“ Sie erzählte ihm alles. Da warf sich Homer in die Brust und nahm die Geängstigte in seine starken Männerarme:„Beruhige Dich. Wir lassen nicht voneinander. Ich werde Dich schützen. Sollten sich auch alle schurken der Welt gegen uns verschwören!" Ein Lächeln unter Tränen dankte ihm für sein mutiges Wort. Da sagte plötzlich eine brummige Stimme hinter ihnen:„Junger Mann, machen Sie kein Theater. Sie haben den Brief selbst geschrieben, und der geheimnisvolle Anruf von vorhin ging auch von Ihnen aus!“ In der Tür standen zwei Schutzleute, von deren Eintreten die beiden Liebenden begreiflicherweise nichts gehört hatten. Entsetzt sah das Mädchen seinen Helden an:„Sag', daß es Unsinn ist, was der Schutzmann behauptet!" Da sackte der mutige Jüngling in die Knie:„Nein, es stimmt! Ich habe es getan, weil du mich für einen tapferen Mann halten solltest.“— Hinaus! wies der Finger der jungen Dame zur Tür. Homer verschwand schleppenden Schrittes, um während der drei Tage Haft, die ihn erwarteten ein wenig darüber nachzudenken, daß Vorsicht immer noch der bessere Teil der Tapferkeit ist. Fische halten Gericht. Manoel Soares de Oliveira Frias. Der Name klang stolz genug, um einem General Ehre zu machen. Doch sein Träger war ein Pferdedieb. Kein gewöhnlicher freilich, denn über 400 Tiere hatte er während seiner Laufbahn im Nordteil des brasilianischen Staates Minas Geraes gestohlen und stets den Nachstellungen der Geschädigten und der Polizei entgehen können. Zwanzig Pferde waren die Beute seines letzten Raubzuges. Er holte sie von der Weide fort, und der Besitzer erfuhr erst am nächsten Morgen vom Diesstahl. Die Spur führte am San Franciskofluß entlang. Der Besitzer jagte mit seinen berittenen Knechten hinter Oliveira her. Diesmal begünstigte das Glück den Banditen nicht. Als er gerade mit der Koppel Pferde die einzige Brücke betreten wollte, die auf Stunden hin den San Francisko überquert, trat ihm Polizei entgegen. Der Dieb wollte umkehren. Doch schon verlegte ihm der Besitzer mit seinen Berittenen den Weg. Ein Entkommen schien unmöglich. Einen Augenblick war es, als wollte sich Oliveira in sein Schicksal ergeben. Doch plötzlich hieb er seinem Pferde die Sporen in die Weichen und jagte es über das Brückengeländer hinab, zwanzig Meter tief in den Fluß. Die Brust des Pferdes fing den Ausprall auf. Sekundenlang nur bedeckte das Wasser den Reiter. Dann tauchte er wieder auf. Entkommen! Doch im nächsten Augenblick gellte ein Entsetzensschrei zu den Verfolgern herauf. Eine Sekunde lang wurde das angstverzerrte Gesicht des Diebes wieder sichtbar. Dann schlug das Wasser über ihm zusammen. Ein breiter roter Streifen mischte sich in das Grün des Wassers und verriet den Verfolgern das Schicksal des Banditen. Piranhas, jene gierigen kleinen Raubfische von Heringgröße, die fürchterlichsten Fresser der Tierwelt, zerrissen mit ihren messerscharfen Zähnen den Unglücklichen bei lebendigem Leibe. Wenige Minuten später spülte der Fluß unterhalb der Brücke reingenagte Knochen ans Ufer. Großartige Heiratsaussichten kirchlicher Beamtinnen. Im Verlauf einer Untersuchung der Lage der Beamtenschaft kirchlicher Organisationen in England erklärte der Abgeordnete W. J. Brown als Generalsekretär einer einschlägigen Organisation über die weiblichen Beamtinnen aller Grade:„Wir verlieren sie viel zu früh; denn sie werden kurz oder lang weggeheiratet. Mindestens 75 Prozent aller Beamtinnen haben durchweg in sehr kurzer Zeit den Bund fürs Leben schließen können. Das durchschnittliche Heiratsalter bei ihnen beträgt 28 Jahre. ist ein Beweis, daß die Männer von heute sich nicht bevorzugt an nur„schöne", aber untätige Frauen wenden, sondern daß ihre Wahl fürs Leben viel eher auf Frauen fällt, die den Kampf ums Dasein kennen gelernt haben und keine Arbeit scheuen.“ Aus diesen Darlegungen darf man den Schluß ziehen, daß in England ganz ähnlich Verhältnisse vorherrschen wie bei uns. Berufstätige Frauen, insbesondere Beamtinnen, verheirateten sich durchweg auch in Deutschland viel leichter als die einst so unvermeidlichen „Haustöchter“. Der Fastnachtsfußball von Chester=le=Street. Mit der Verhaftung von zehn Mann schloß kürzlich ein„Fußballspiel“, das nach einer Jahrhunderte alten Sitte an jedem Fastnachtsdienstag in den Straßen des Städtchens Chester=le=Street in Durham in Beisein einer zahlreichen Zuschauerschaft abgehalten wird. Wegen der dadurch verursachten Verkehrsstörungen verbot die hohe Obrigkeit in diesem Jahre das Spiel und drohte, jeden zu verhaften, der einen Ball auf die Straße würfe. Ein zahlreiches Schutzmannsaufgebot gab dem Verbot den nötigen Nachdruck. Im Laufe des Vormittags fuhr nun ein Krastwagen langsam durch die Hauptstraße; plötzlich siel aus ihm ein Fußball in die Menge, die sich begeistert darauf stürzte, während der Wagen um die nächste Ecke verschwand. Einem Schutzmann gelang es mit einiger Not, sich des Balles zu bemächtigen und ihm mit einem Messerstich das Lebenslicht auszublasen. Aber schon war ein neuer Fußball da, der das gleiche Los erlitten haben würde, wäre er nicht mit Papier ausgestopft gewesen. Er war kaum beschlagnahmt, als aus einem Dachfenster ein gleicher Ball auf die Straße fiel, mit dem die inzwischen auf 2000 Köpfe angewachsene Menge ihr lustiges Spiel trieb, bis auch er nach einer Viertelstunde der Polizei in die Hände fiel. So ging es den ganzen Tag. Kaum war ein Ball„verhaftet“, flugs trat ein anderer an seine Stelle. Den Fußbällen folgten kleine Gummi= und Tennisbälle, schließlich flogen sogar eine pralle Schweinsblase und eine blecherne Wärmflasche durch die Luft. Erst die Dunkelheit machte dem seltsamen Spiel ein Ende, das trotz der gemachten zehn„Gefangenen“ und der die Taschen der Schutzleute füllenden„Beute“ keineswegs mit dem Siege der Polizei geendet hatte. Der ewige Hechdener Die Frau, die nur mit ihrem Manne tanzen sollte.— Das unvorhergesehene Ende einer zu großen Liebe. Von Harry Wilkins, Milwaukee. „Die Liebe macht das Männchen wie den Auerhahn so blind.“ Nicht nur das, sondern sie treibt manchen Mann zu unsinnigen Handlungen, die einmal der verliebteste Auerhahn begehen würde. R. C. Stallings aus Cape Girardeau in Missouri hat diese bittere Erfahrung am eigenen Körper machen müssen. Um die Jahrhundertwende begann der Roman dieses wohlhabenden Farmbesitzers. Auf einer Festlichkeit in Rector(Arkansas) lernte Stallings ein junges Mädchen kennen, das ihn sofort fesselte. Es waren aber weniger ihre geistigen und körperlichen Vorzüge, die den Farmer zu dieser jungen Dame hinzogen, als vielmehr ihre hervorragende Tanzkunst. Stallings besaß nämlich eine geradezu an Marotte grenzende Vorliebe für diesen Sport. Da der Gegenstand seiner Leidenschaft außerdem sehr hübsch genannt werden konnte, so fand es jedermann recht verständlich, wenn Stallings der jungen Dame Vermögen und Namen zu Füßen legte. Bald nach der Trauung mußte Stallings die ihn bedrückende Entdeckung machen, daß seine junge Frau nicht die Absicht hatte, in Gesellschaft fernerhin nur mit ihm allein zu tanzen. Das wäre ja mit der Zeit eintönig geworden. Besonders, da der Farmer so wohlhabend war, daß weder er noch seine Frau sich um die Farm zu kümmern brauchten und sie also keine einzige gesellschaftliche Veranstaltung in zwanzig Meilen Umkreis versäumten. Stallings versuchte, seiner Frau erst mit zager Bitte, dann mit ernster Mahnung das Versprechen abzugewinnen, sich von keinem anderen Manne mehr über das Parkett führen zu lassen. Frau Stalling aber erklärte ihm, bei aller Liebe könne sie einen so weitgehenden Wunsch nicht erfüllen. Da versuchte es der eifersüchtige Gatte mit anderen Mitteln. Vor jeder gesellschaftlichen Veranstaltung, die sie besuchten, überhäufte er seine Frau mit Geschenken und allen erdenklichen Beweisen seiner unverbrüchlichen Liebe, und jedesmal war seine Mühe von Erfolg belohnt: Frau Stallings tanzte nur mit ihm. Er aber lebte in ständiger Angst, sie könne doch einmal den Arm eines anderen Tänzers annehmen. Allgemein wird behauptet, Ehen, die das erste Jahrzehnt überdauerten, hätten ihre Widerstandsfähigkeit gegen alle Anfechtungen und Fährnisse des Lebens bewiesen. Demnach hätte auch Stallings Ehe felsenfest stehen müssen, denn allen höflichen Einladungen anderer Tänzer zum Trotz war seine Frau seinem Arm einundzwanzig Jahre lang treu geblieben. Zu ihrem Unglück hatte die Zeit dem guten Aussehen der Frau Stallings keinen Abbruch tun können. Die jugendlich Aussehende wußte recht wohl, daß sie nicht Mauerblümchen gewesen wäre, hätte ihr Mann ihr beim Tanz Freiheit gelassen. Leider wollte das Schicksal auch noch, daß Stallings ihren Wohnsitz wechselten. Die Gesellschaftskreise, in die das Ehepaar jetzt eintrat, wußten nichts von der krankhaften Eifersucht des Gatten. Die Männerwelt drängte sich um Frau Stallings' Tanzkarte, und diese unausgesprochene Anerkennung ihrer guten Erscheinung schmeichelte der Vierzigjährigen. So erlitt der Eifersüchtige den für ihn schrecklichen Schlag: Seine Frau tanzte mit einem andern. Erregte Szenen zwischen den Gatten waren die unausbleibliche Folge. Stallings glaubte schon, allen Grund zu haben, auf einen Mann, der bedeutend jünger war als er, besonders eifersüchtig zu sein, weil dieser am häufigsten mit seiner Frau tanzte. Nach einer neuerlichen Auseinandersetzung wollte der Farmer ein Machtwort sprechen und seiner Lebenspartnerin jeden Tanz mit anderen verbieten. Frau Stallings' Selbstbewußtsein sträubte sich plötzlich gegen eine solche Bevormundung, die sie doch einundzwanzig Jahre lang geduldet hatte. Sie packte ihren Koffer und ließ ihren Mann mit seiner Eifersucht allein. Ein paar Wochen später war die Ehe geschieden. Stallings schien sich zuerst mutig über den Verlust trösten zu wollen. Doch bald packte ihn die Verzweiflung. Der Gedanke, daß seine geschiedene und immer noch geliebte Frau nun von jedem Fremden zum Tanze geführt werden konnte, wurde ihm unerträglich. Eines Tages verschwand er von seiner Farm. Kurz danach erfuhr die Nachbarschaft, daß Stallings seine tanzende Göttin wiedererobert, geheiratet und sich mit ihr in Allensville niedergelassen hatte. Man sollte nun annehmen, der Farmer würde nach seinen bitteren Erfahrungen seiner Frau jetzt ein wenig gesellschaftliche Freiheit gewähren. Doch die Liebe verblendete den Alternden noch mehr als den jungen Ehemann von einst. Wieder mußten Geschenke über Geschenke jeden Verzicht seiner Frau auf den Tanz mit anderen Männern erkaufen. Zwei Jahre lang quälte sich das Ehepaar gegenseitig mit seiner Eifersucht und seiner Lebenslust. Dann verschwand Frau Stallings zum zweiten Male, und die Ehe wurde wieder geschieden. Dieses Mal machte Stallings gar nicht den Versuch, sich zu trösten. Ein paar Wochen schlich er mit gesenktem Kopfe herum, dann verschwand er aus Allensville. Er fand seine geschiedene Frau bald und mischte sich sofort unter die Schar ihrer Bewunderer. Die lebenslustige Tänzerin war durch den Schaden leider noch nicht klug geworden und erlag nach einem halben Jahre Stallings Werbungen zum dritten Male. Das ewige junge Brautpaar wählte seinen neuen Wohnsitz in Cape Girardeau, wo sein bewegter Roman noch nicht im Munde der ganzen Gesellschaft war. Die dritte Ehe schien friedlich verlaufen und für den Rest des Lebens währen zu wollen. Doch bald mußte das Ehepaar erfahren, daß trotz des vorgeschrittenen Alters weder in ihm die Eifersucht noch auf der anderen Seite die Lebenslust erloschen war. Vier Jahre lang quälten sie sich gegenseitig, dann verzichtete Frau Stallings zum dritten Male auf das Vergnügen, mit ihrem Gatten länger verheiratet zu sein. Die Scheidung gab ihr dreißig Jahre nach Beginn ihres Romans die ersehnte Freiheit, mit jedermann zu tanzen. Stallings, nun schon grauhaarig, versuchte dieses Mal gar nicht erst, die Frau zu vergessen, ohne die er doch nicht leben konnte. Er verließ Cape Girardeau mit einem Kraftwagen und suchte monatelang im ganzen Staate nach ihr. Jeder Abend sah ihn auf einem anderen Ball, wo er ihr zu begegnen hoffte. Sie schien sich vor ihm zu verstecken. Doch eines Abends stand er ihr bei einer festlichen Veranstaltung plötzlich gegenüber. Als sei niemals etwas zwischen ihnen vorgefallen, bat er sie um einen Tanz. Auch die lebenslustige Fünfzigerin beherrschte sich. Sie öffnete höflich ihre Tanzkarte und erklärte bedauernd, keinen Tanz mehr frei zu haben. Doch ihre Stimme schien dabei ein wenig zu schwanken. Stallings fühlte, daß sie ihn noch nicht vergessen hatte, und bat erneut um einen Tanz. Da fuhr die Frau mit dem Bleistift durch einen der Namen auf ihrer Karte und schrieb an dessen Stelle: Mr. Stallings. Der ewige Freier war glücklich. Doch im nächsten Augenblick stieß eine Faust ihn unsanft zur Seite.„Sie brauchen nicht mit ihm zu tanzen, wenn sie nicht wollen!“ sagte ein junger Mann und bot der Frau den Arm. Stallings warf ihm ein Schimpfwort ins Gesicht. Der Jüngere schlug ihn zu Boden. Wütend riß der Liegende die Pistole aus der Tasche und feuerte dreimal, ohne zu zielen. Als ihn ein paar Gäste entwaffneten, lag der Tänzer der Frau Stallings verwundet am Boden. Eine andere Kugel hatte den bewegten Roman der Lebenslustigen für immer beendigt. Stallings selbst wird in den nächsten vierzehn Jahren im Gefängnis keine Gelegenheit zum Tanzen finden. Sein Urteil. „Siebste, Emil, so wird unsere Kunst durch die Maschine vernichtet.“ S 9. B S 8 B#SSSRSS PgE DEIg n S#s # BT%SS* S S S 8ag 50 •.* S•SOS * 5 ** 8 8 B 67 2 00• —— E 2%•• S 9 02 S• 8—80T S. — 0 S. =SPTBTOTG“AES F.ScügeSnäress Saßsss *-"ESTEMTTSOSGTWTNTTMME Fßnrönsdurfaau aCBa a 6 u Was der Laie von der Rechtspflege wissen muß? Risse in der Seitenwand eines Gebäudes, hervorgerufen durch den Eisenbahnbetrieb. Schadenersatzanspruch des Hauseigentümers. Das im Jahre 1897 in Berlin errichtete Haus des Klägers grenzt mit einer Seitenwand an das Gelände der Eisenbahn, die seit dem Jahre 1842 dort betrieben wird. Im Jahre 1926 errichtete die Bahn auf ihrem Gelände eine Bekohlungsanlage, und einige Zeit später zeigten sich an der Seitenwand des erwähnten Gebäudes Risse, die nach der Annahme des Hauseigentümers verursacht wurden durch den Betrieb der Bekohlungsanlage. Der Hausbesitzer strengte daher gegen die Bahn eine Schadensersatzklage an, die er auf den noch heute gültigen § 25 des Preuß. Eisenbahnges. stützte, wonach der Bahnunternehmer zum Ersatze verpflichtet ist, für allen Schaden, der„bei der Beförderung auf der Bahn“ an den auf derselben beförderten Personen und Gütern oder anderen Personen und deren Schaden entsteht. Die Vorinstanz hatte den Anspruch abgelehnt mit der Begründung, es lasse sich nicht feststellen, daß nur die der Beförderung dienenden Züge den Schaden verursacht hätten, vielmehr kämen auch Leer= und Rangierzüge wesentlich dabei in Betracht. Auf die Revision des Hauseigentümers hat das Reichsgericht zu seinen Gunsten erkannt. Es ist nicht angängig, so heißt es in den Gründen, den Sachschaden, den Leerund Ragierzüge anrichten, grundsätzlich als einen„bei der Beförderung auf der Bahn“ entstandenen Schadens anzusehen. Weder Wortlaut noch Sinn des§ 25 gibt Anlaß zu einer derartigen Unterscheidung, vielmehr ist anzunehmen, daß diese Worte gleichbedeutend sein sollten mit den Worten„bei dem Betriebe einer Eisenbahn“ in§ 1 des Haftpflichtges.— Aber auch die weitere von dem Vorderrichter vorgenommene Trennung zwischen„Betriebsschaden“— als dem Schaden, der durch jahrelange Benutzung der Bahnanlage in ihrer Gesamtheit entsteht— und Beförderungsschaden“— als dem Schaden, der von einem anderen Zuge oder von bestimmten Zügen verursacht ist— entspricht nicht dem Gesetz, denn die Worte„bei der Beförderung auf der Bahn“ zwingen keineswegs zu dieser Unterscheidung. (Reichsger., V. 444. 28.) Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten eines Stadtteiles. Neufestsetzung der FriedensMiete. Auf Antrag eines Hauseigentümers hatte das Mieteinigungsamt die Friedensmiete für die an den Beschwerdeführer vermietete Wohnung neu festgesetzt, weil die allgemeine Wohnlage des betreffenden Stadtteiles sich gegenüber dem Stand von 1914 derart verbessert hatte, daß eine Neufestsetzung der Friedensmiete gerechtfertigt sei. Die hiergegen erhobene Rechtsbeschwerde des Mieters wurde vom Landgericht Frankfurt a. M. als begründet erachtet. Allerdings werden in dem in Rede stehenden Stadtteil neue Straßen gebaut, er ist auch durch engeren Anschluß an das Straßenbahnnetz im allgemeinen besser mit der inneren Stadt verbunden, aber die ganze Entwicklung— so meinte das Gericht— ist noch im Fluß, und es ist noch nicht abzusehen, welches Gepräge sie der Straße verleihen wird, in der die Wohnung des Beschwerdeführers liegt.— Nur solche Veränderungen einer Stadtgegend vermögen nach der Rechtssprechung des Kammergerichtes eine Neufestsetzung der Friedensmiete zu rechtfertigen, die das„Wesen“ der Gegend derart verändern, daß die Veränderungen auch den Charakter der in der betreffenden Gegend derart verändern, daß die Veränderungen auch den Charakter der in der betreffenden Gegend befindlichen Wohnung ergreifen. Davon kann hier keine Rede sein. Die Veränderungen, die die allgemeinen Verhältnisse des in Rede stehenden Stadtteiles betreffen— nicht die nähere Umgebung der Wohnung des Beschwerdeführers— liegen sämtlich in der Richtung der weiteren Entwicklung des Verkehrs. Der Bau neuer Straßen in anderer Gegend des fraglichen Stadtteiles und die Errichtung von Parkanlagen in jener anderen Gegend können den Charakter der Wohnung des Beschwerdeführers, in deren unmittelbaren Umgebung überhaupt keine Veränderung eingetreten ist, nicht beeinflussen.— Die Gutachten der als Sachverständige gehörten Architekten, die wegen verbesserter Wohnlage des Stadtteiles zu einer Höherschätzung der Friedensmiete gelangen, vermögen den Standpunkt des Gerichtes um so weniger zu erschüttern, als sie die Vor= und Nachteile der Wohnung des Beschwerdeführers mit den Vergleichswohnungen nur unvollkommen abwägen und zum Teil sogar Vergleichsobjekte aus einem anderen Stadtteil heranziehen. Die Aenderung der allgemeinen Verhältnisse des Stadtteiles kann keinen Grund zur Neufestsetzung der Friedensmiete der fraglichen Wohnung abgeben, denn das wäre mit dem Sinn des Reichsmietengesetzes nicht vereinbar. (Landger. Frankfurt a. M., 14 T. 433. 29). Brandschäden und Sengschäden in der Wohnung. Die Verbreitung der elektrischen Hilfsmaschinen im Haushalt— nicht zum wenigsten der elektrischen Bügeleisen— bringt es mit sich, daß in den letzten Jahren die dadurch verursachten sog.„Kleinschäden“ ganz erheblich zugenommen haben. Manche Versicherungsgesellschaften lehnen es ab, für „Sengschäden“ zu haften, indem sie behaupten, es handle sich dabei nicht um Schäden, die durch einen Brand entstanden sind. Derartige Schäden seien nicht durch die Feuerversicherungs=Police gedeckt. Das Landgericht I Berlin hatte jüngst über einen solchen Fall zu entscheiden. Die Ehefrau eines Wohnungsmieters hatte einen Augenblick im Zimmer das an die Stromleitung angeschlossene elektrische Bügeleisen unbeaufsichtigt gelassen, während sie in der Küche nach dem Essen sah. Das Bügeleisen war heruntergefallen und hatte eine Beschädigung verursacht, wofür der Versicherte Ersatz von der Feuerversicherungsgesellschaft forderte. Die Gesellschaft lehnte die Zahlung ab, indem sie behauptete, Voraussetzung ihrer Haftung sei nach ihren Bedingungen ein Feuerschaden— es müsse sich um einen durch ein Brandereignis verursachten Schaden handeln, hier aber liege nur ein Sengschaden vor. Das Landgericht! Berlin hat jedoch ebenso wie die Vorinstanz, die beklagte Versicherungsgesellschaft zum Ersatz des Schadens verurteilt. Es könne dahingestellt bleiben, ob man die in Rede stehende Beschädigung als„Sengschaden" oder als„Brandschaden“ zu bezeichnen hat. Weder das Versicherungsgesetz, noch die Allgemeinen Versicherungsbedingungen der Gesellschaft geben eine klare Antwort, ob der Schaden unter die Schäden fällt, die nach den Bestimmungen vom Versicherer zu ersetzen sind. Entscheidend kann daher nur die allgemeine Verkehrsauffassung sein, und diese geht zweifellos dahin, daß ein Schaden wie der vorliegende von der Feuerversicherung gedeckt werden muß. Wollte die beklagte Gesellschaft derartige Kleinschäden nicht unter die Versicherung begreifen, so wäre es ihre Sache gewesen, in ihren Bedingungen klar zum Ausdruck zu bringen, daß Kleinschäden, insbesondere Sengschäden, von der Versicherung ausgeschlossen sein sollen.(Landger. I Berlin, 20. S. 207. 29). Wer trägt die Kosten des Krankentransportes? Ein Landarbeiter war am Darmkatarrh schwer erkrankt. Der Kassenarzt ordnete sofortige Ueberführung in ein bestimmtes Krankenhaus an und bestellte den Krankenwagen der Stadt, in dem das Krankenhaus liegt. Die Krankenkasse hatte auch die Einweisung des Kranken in das Krankenhaus genehmigt, weigerte sich aber, die Kosten der Ueberführung in Höhe von über 50 Mark zu tragen, vielmehr erklärte sie sich nur zur Tragung von 20 Mark für den Transport bereit, da sie nachwies, daß ein gewöhnlicher Personenkraftwagen zu dem Zweck genügend gewesen wäre, was nur 20 Mark verursacht hätte. Der Kassenangehörige klagte auf Ersatz des Rechtsbetrages. In dem Rechtsstreit erklärte der als Sachverständiger vernommene Kreisarzt, nach der Art der Erkrankung hätte ein gewöhnlicher Kraftwagen genügt, und auch der behandelnde Arzt mußte zugeben, daß sich hiergegen nicht einwenden lasse, er habe aber seinerzeit die Benutzung eines gewöhnlichen Kraftwagens gar nicht in Erwägung gezogen. Das Reichsversicherungsamt entschied dahin, daß die Krankenkasse die gesamten Transportkosten zu tragen habe. Zur Krankenhauspflege gehören nicht nur ärztliche Behandlung, Heilmittel, Kost und Unterkunft— so heißt es in den Gründen—, sondern auch alle Leistungen, die notwendig sind, um die Pflege zu ermöglichen. Allerdings hat die Kasse stets nur das Notwendige zu gewähren und nur den Betrag der notwendigen Aufwendungen zu erstatten. Daß die Ueberführung des Kranken mittels Krankenkraftwagens nicht erforderlich war, ist durch das Gutachten des Kreisarztes und des behandelnden Arztes festgestellt. Der Kranke selbst aber war weder berechtigt, noch verpflichtet, die Maßnahmen seines behandelnden Arztes nachzuprüfen. Insonderheit war nicht von ihm zu verlangen, daß er erkennen mußte, daß die Anordnung des Arztes über das Maß der nach der Erkrankung notwendigen Heilbehandlung hinausging. (Reichsversich.=Amt, II. a. K. 381. 29). S 2 5 S. 9 2 S S S Dg S 2. BaSS. 8 S 2 S 5 5 S 9 5. S SSSGGE Sgn Pagßs S 2SES S Tooea SS ARAE 88791359. AGT%L SNTNDSSE R S S.S S SSST PESOESSSaMTP #ESSSDTDEE S SESn T SBüT S 9 55 S S TEs. S PSSSSSSSSBSS: Fe * 63. Jahrgang Nr. 86 Unterhaltungsblatt zur„Schwerter Zeitung“. Freitag, 11. April 1930 Hochzeitsbräuche im Sauerland Von Ferdinand Wagener: Wenn man eine große Bauernhochzeit, die nach den alten Regeln gestaltet ist, miterlebt hat, dann erst lernt man die Schönheit der heimischen Hochzeitsbräuche kennen. Es war in vielen Punkten ein großartiges Erlebnis für mich, als ich vor einiger Zeit zum erstenmal eine klassische Bauernhochzeit mitfeiern durfte— und daraus entstanden diese Zeilen. Die schönste Bauernhochzeit wird in einem Dorfe oder auf einem Gehöfte gefeiert, jedenfalls dort, wo man in seiner Freizeit in keiner Weise beschränkt oder gestört ist, wo keine Polizeistunde schlägt. Eine echte Bauernhochzeit dauert acht Tage. Geraume Zeit vorher wurden früher durch einen berittenen Boten die Gäste eingeladen. Diese Einladungsweise wird man heute leider kaum mehr finden. Die Einladungen werden heute gedruckt und der Post übergeben. Neben den Verwandten bis zum xten Grade von beiden Seiten werden auch alle Nachbarn mit Familien eingehoden. Am Sonntag vor dem Hochzeitstage begibt sich das junge Volk der Nachbarn des Bräutigams zu dessen Hause. Alle Mann zum Kränzemachen! Die Burschen holen von draußen Grün und die Mädchen winden Kränze. Die Hochzeitskutsche muß bekränzt werden. In der Regel wird die Bauernhochzeit nicht in einem Salon, sondern auf dem Balken oder in einem ähnlichen Raume gefeiert, der zu einer Bauernhochzeit besser als der schönste Salon, paßt; dieser Raum wird selbstverständlich auch reich mit Grün und Kränzen geschmückt. Daß dieses Kränzemachen keine knechtliche Arbeit ist, sieht man schon daraus, daß die Arbeit gewöhlich am Sonntag vollzogen wird. Unter munteren Erzählungen, reichen Witzen und anderem Kurzweil fließt die Arbeit munter fort. Abens gibts ein reiches Mahl, schon ein Vorgeschmack des Hochzeitstages, der diesmal auf den Donnerstag fiel. Der Montag bringt reiche Arbeit für die Hausangehörigen, für einige Verwandte und für die Hochzeitsköchin, die schon eingetroffen sind. Schon am Samstag ist das Schwein geschlachtet worden, wenn ein großer, oder Ochse, wenn ein größerer, oder beides, wenn ein ganz großer Bauer Hochzeit hält. Heute ist Großwursttag, es wird der ganze große Ochse, der in der letzten Zeit sich einer besonderes guten Mast ersreuen durfte, sowie das schmierigste Schweinchen in einen appetitlichen Zustand verwandelt. Es ist leicht möglich, daß in der Nachbarschaft sich eine besonders gute Köchin einen Ruf erworben hat, und diese muß dann als Festköchin bei jeder passenden Gelegenheit, selbstverständlich bei der Hochzeit, ihre Kunst zeigen. Da auch die Sauerländer eine gute Tafel nicht verachten, so ist die Festköchin eine wichtige Persönlichkeit, die man am Ende des Festes noch besonders hochleben läßt. Am Dienstag ist noch mehr Leben im Hause des Bräutigams und in seiner Umgebung. Der Brautwagen wird heute gebracht.. Schon früh bricht er auf, von den Angehörigen der Braut, wenn diese Pferde und Wagen haben, oder von den Nachbarn gefahren und vom Schreiner der Möbel begleitet. Der Fuhrmann ist oft ein Bruder der Braut oder ein Bekannter, der umsonst oder für ein Taschentuch, das er von der Braut empfängt, den Wagen fährt. Hat die Braut noch eine unverheiratete Schwester so nimmt diese den Führersitz auf dem Brautwagen ein, und neben ihr befindet sich ein Mädchen, das den Korb mit einem Schinken, Butter und Eiern in Gewahrsam hat. Schon früh ist der Wagen aufgebrochen, fast ebenso früh sind die Leute wach, die, mit gutem Mut, gern für ein gutes Trinkgeld dem Wagen mit einer Leine und einigen Versen den Weg versperren. Nicht selten sind es zwei Wagen, auf denen die Möbel gut in Stroh verpackt sind, und da muß manchmal der Nachbar des Bräutigams, wenn die Wege uneben sind, noch Vorspann leisten. Schon deutet Radgerassel, Pferdegewieher, das Jolen der Führerinnen und der Peitschenknall des Führers, das Blöcken der Brautkuh dem Bräutigam an, daß der Brautwagen kommt. Aber wenn er denkt, er hätte ihn schon da, dann ist er im Irrtum; vielmehr zeigt der erneute Peitschenknall und das verstärkte Rusen an, daß der Bräutigam gewünscht wird. Es entspinnt sich eine längere Verhandlung, die zur Folge hat, daß der Bräutigam erst Frühstück für die Fahrer, Pferde sowohl als Menschen, holt und allerlei wetterwendische Wünsche der Führerinnen zu erfüllen hat. Unterdessen muß das Mädchen mit dem Schinkenkorb aber darauf acht haben, daß dieser ihr nicht durch List oder Gewalt entrissen wird, denn dann muß der Brautwagen folgen. Erst nach manchen mühsamen Schritten von seiten des Bräutigams, nachdem es mancher ermutigender Worte, kräfteerregenden Kaffees und durststillenden Weines bedurft hat, fährt der Wagen allgemach vor, und jetzt obliegt dem Empfänger noch manche besondere Mühewaltung, bis er die hartnäckigen Führerinnen vom Bock in die beste Stube geleiten kann. Indes geht die Brautkuh, majestätisch einen Kranz um den Hals, über eine Serviette in den Kuhstall an ihre neue Futterkrippe. Dann aber entspinnt sich der Kampf um die Kränze des Brautwagens. Gewöhnlich läßt man die Leute, die den Wagen gebracht haben, sich erst an reichbesetzter Tafel vergnügen, bis die Nachbarn des Bräutigams, die dann gewöhnlich schon da sind, um die Möbel helfen abzuladen, die Kränze in ehrlichem Diebstahl entwenden, denn es ist Regel und Pflicht, daß Brautwagen, wenn er am Morgen zurückfährt, heile, unzerbrochene Kränze auf dem Wagen hat. Am Nachmittag werden die Möbel abgeladen und aufgestellt, das Geschirr gereinigt und gemustert; es ist eine besondere Freude, wenn nichts zerbrochen ist. Auf dem Wagen befand sich früher immer ein Spinnrad sowie viele Werkzeuge zur Flachsbereitung, die man heute kaum mehr kennt. Angenehm wird die Arbeit durchbrochen, wenn die Mädchen aus der Nachbarschaft mit den Körben kommen, in denen sich ebenfalls Schinken, Eier und Butter befinden. Sie sammeln sich gewöhnlich und melden durch Jodeln, das meistens ein noch lebender Kikeriki verstärkt, dem Bräutigam ihre Ankunft Dieser muß sich ähnlich um sie bemühen, wie um den Brautwagen. Der Mittwoch ist der letzte Vorbereitungstag. Alle Schüsseln und Geschirre werden nochmals einer eingehenden Reinigung unterzogen und gebrauchsfertig gestellt. Wichtiger ist, daß heute von den Nachbarn des Bräutigams in bekränzter Kutsche die Braut abgeholt wird. Gewöhnlich wird sie auch für die Nacht auf den Hochzeitstag von den Nachbarn beherbergt. Es gibt schöne und passende Gedichte, die für diese Gelegenheit, wenn der Kutscher die Braut von ihren Eltern fordert, passen. Der Donnerstag, der hohe Hochzeitstag, beginnt nicht sehr früh, denn die Messe beginnt an diesem Tage in einem Dorfe gewöhnlich spät, etwa um 9 Uhr. Die Hochzeitsmesse ist besonders feierlich; der Pfarrer, der Organist, die vielen befreundeten, bekannten und verwandten Sänger lassen es sich angelegen sein, die Messe recht herrlich zu gestalten, so daß die Eheleute nicht leicht den Tag vergessen, an dem sie ihren Bund fürs Leben schlossen. Böllerschüsse empfangen nach der hl. Messe das Brautpaar und die vielen Gäste. Am Eingang ihres Hauses wird das Paar „gefangen“, d. h. durch ein Gedicht, das von den Nachbarmädels vorgetragen wird, beglückwünscht und durch ein Glas Wein erquickt. Nachher drängen sich Angehörige und Gäste, dem Paar Glück zu wünschen. Punkt 12 Uhr oder etwas später läutet die Glocke oder ruft die Stimme der Oberköchin zum Festessen. Wer kennt die Speisen, nennt die Namen? Wenn man sie kennte, könnte man wohl ein eigenes Kochbuch zusammenstellen, von Gerichten, die man an diesem Tage auch im Sauerlande schön und schmackhaft herzurichten versteht. Wenn die Weinslaschen entkorkt werden, dann wird die erste Tischrede vom Pfarrer gehalten. Nachher werden noch mehrere Tischreden gehal ten, ernsteren oder heiteren Inhaltes, Gedichte vorgetragen, die Hochzeitszeitung, mag sie gedruckt sein oder nicht, vorgelesen. Nach dem Mittagessen lockt die Sonne ins Freie, bis zur Kaffeezeit alle Tische wieder unter Torten, Kuchen und anderem Backwerk brechen. Nach dem wiederum reichlichen Abendessen werden die Tische weggeräumt und der Balkenraum zum Tanz frei gemacht, da mittlerweile die Musikanten angekommen sind. Zwischen den Tänzen werden noch Lieder gesungen, Reime und Couplets vorgetragen. Selbstverständlich wird auf jeder Bauernhochzeit das„unbändig schoine Laid vam Pastauer seyner Kauh" gesungen, das von einem Dorspoeten diesbezüglich erweitert wird. Der Hochzeitstag wird fast immer so lange ausgedehnt, bis die Morgendämmerung des grauen Alltags durch die Fenster scheint. Ein rechter Bräutigam sorgt dafür, daß Speisen und Getränke nicht zu Ende gehen, und ein anständiger Gast hält Maß, betrinkt sich aber auf keinen Fall. In angeheiterter Stimmung verübt man gern Scherz oder Witz; es muß offiziell ein Hochzeitsscherz verübt werden. Daß, wie ich kürzlich las, einmal am frühen Morgen eine Kuh aus Liebhaberei aus dem Nachbarhause gestohlen und zur Hochzeit geführt wurde, gehört wohl zu den komischen Ungeheuerlichkeiten auf diesem Gebiete. Daß ein solches Ereignis dazu auffordert, die Feier noch auszudehnen, ist klar. So kommt auch noch der halbe Freitag für die Feier in Betracht. Samstag ist Ausruhtag. Der folgende Sonntag ist für diejenigen serviert, die zur Hochzeit nicht erscheinen konnten. Sie feiern in kleinem Kreise die Hochzeit nach. So hat denn die Hochzeit eine Woche gedauert. Es wird manchem übertrieben erscheinen, so lange Hochzeit zu feiern; wenn ich aber trotzdem den Standpunkt vertrete, daß wir auch diese Sitten aufrecht erhalten müssen, so geschieht das unter der Voraussetzung, daß eine Bauernhochzeit nicht oft und nicht von jedem, der zwei Kühe hat, in diesem Ausmaße gefeiert wird, daß andererseits die Grenzen innerhalb dieser Feier eingehalten werden, und daß Streit unbedingt vermieden wird. Dann aber wird ein jeder, der einmal das Glück hat, eine solche Hochzeit mitzufeiern, nicht nur an die Schönheit dieses einzelnen Festes erinnert, sondern die Schönheit der ganzen Heimat in ihren Aeußerungen, in ihren Regeln, Bräuchen und Festen steht vor ihm als eine herrliche Tatsache, die er staunend und im glücklichen Heimatbewußtsein anerkennen muß. Die Heimkehr Um die Dämmerstunde saß der Bruchbauer am Fenster, rauchte sein Pfeischen und grübelte vor sich hin. Die letzten Jahre hatten schlechte Ernten gebracht. Auch heuer schien nicht viel zu werden. Was das Hochwasser verschonte, das hatte der Sonnenbrand verdorben. Dem Bruchbauer gefiel das Leben gar nicht mehr. Der Postbote trat ein.„Guten Abend“ sagte er und griff in die Tasche.„Wünsche gute Nachricht!" Dann ging er. Dem Alten zitterten die Hände, als er das Telegramm erbrach. Er hielt die Augen dicht über das Papier. Plötzlich hatte er keine Sorgen mehr. Er lief auf den Hof. „Mutter, Mutter, der Junge kommt!“ „Nanu!“ brummte die Alte und sah nicht auf vom Melken.„Wann denn? Hernachen?“ „Vielleicht mit dem Neun=Uhr=Zug. Er hat von Berlin aus depeschiert". Da hatte auch die Frau keine Ruhe mehr. Schneller ging ihre Arbeit von der Hand. Scheuerte die Dielen, streute weißen Sand, nahm eine frische Decke aus der Truhe, putzte die Lampe und rückte die Bilder an der Wand zurecht. Die Hände waren nicht mehr müde, und die Füße schmerzten nicht mehr. „Hier ist das Messer, Vater. Geh! Es müssen Blumen in den Zimmern sein!" sagte die Alte und schob den Bruchbauer auf den Hof hinaus. Sie selbst humpelte über die Straße und klopfte an ein Fenster.„Gebt mir Papierguirlanden. Aber schnell! Ihr habt sie von der Hochzeit noch. Der Junge kommt!" Wieder daheim, schrieb sie mit ungelenken Fingern den Willkommensgruß auf ein Stückchen Pappe. Wenige Handgriffe später war die Tür umkränzt. „So! Nun kann er kommen“, sagte die Bäurin, strich über die Schürze, setzte sich an das Fenster und legte die Hände in den Schoß.„Nun kann er kommen", wiederholte der Bruchbauer und blies vergnügte Kringel in die Luft.——— Der Neun=Uhr=Zug war längst aus der Station gefahren. Stockdunkel wurde die Straße. Als die ersten Sterne aufblitzten, erhob sich der Alte:„Heut kommt er doch nicht mehr. Wir wollen schlafen gehen.“ Scheinwerferkegel tasteten die Straße ab. Glitten näher und näher. Eine Bremse knarrte. Ein Auto hielt vor der Tür.„Jessas“ der Junge!“ rief die Bäurin und vergaß, daß sie die Lampe löschen wollte. Dieses Wiedersehen war das erste nach vielen, schweren Jahren. Also erzählte man lange. Und je länger man erzählte, um so unruhiger wurde der Bruchbauer.„Ich kann mir nicht helfen, Jung'. Wer seinen Eltern nicht in die Augen sehen kann, bei dem ist nicht alles in der Ordnung. Schon die Geschichte mit dem Auto gefällt mir nicht. Er schüttelte mit dem Kopf, als wollte er die Mißbilligung unterstreichen.„Wie verdienst du nur das viele Geld?“ „Was du auch immer mit dem Jungen hast!“ murmelte die Alte. Doch ließ der Bruchbauer sich nicht beirren.„Nun sag, wie machst du das?" „Ein Vierteljahr in Halle, ein paar Wochen in Kiel, Monate in Ludwigshafen— bald auf der Werft, bald in der Fabrik— mal als Ingenieur, mal als Werkmeister — heute hier, morgen dort...“, antwortete der gleichgültig. „Aber du hast doch nicht gelernt?“ „Man macht das heute halt so. Man nimmt sich das so an. Und wenn es gar nicht mehr gehen will, dann fahre ich zu guten Freunden. Nach Mainz. Oder nach Koblenz. Dann geht es allemal weiter.“ Der Alte wird es schon glauben, dachte er. Wenn er es auch nicht versteht. Dem Bruchbauer kam ein Verdacht. Einen Augenblick ging sein Atem schwer. Doch dann machte er sich frei und kramte unter den Zeitungen. Irgendwo hatte er das schon gelesen. Im Roman? Im Gerichtshof? Gestern? Vorgestern? Irgendwo! Da war auch einer— ein Spion—, der hier und dort in den Fabriken herum lungerte. Der von Zeit zu Zeit nach Mainz, nach Koblenz fuhr. Der war ein Schuft, ein Verräter. Man hatte ihn hart bestraft. Endlich fand der Bruchbauer die Zeitung Er schob sie seinem Jungen hin.„Hier— lies das! Meinst du das?“ Totenbleich wurde der Heimgekehrte. Viele Verfolger hatte man schon auf ihn gehetzt. Aber er konnte noch immer überzeugende Ruhe und trügerische Würde bewahren. Das hatte ihn noch immer gerettet. Jetzt, im Elternhause, verließ ihn die Sicherheit. Aufgeregt und aus Trotz trommelte er mit den Fingerspitzen auf den Tisch. Einen Augenblick— dann schob er das Papier wortlos beiseite. Dem Alten kam die Schande in den Bauernschädel.„Dann— Junge— ist es wohl das Beste— du gehst wieder!“ „Jessas, der Junge!“ schrie die Bäurin. Früh am Morgen fuhr der Bauer in das Bruch. Vom Amboß her rief der Schmied ihm zu:„Nun, ist der Junge all aufgestanden?“ Der Bauer hielt an.„Er kommt nicht mehr. Er ist— verschollen...“ „Verschollen? Und ich glaubte all, das Auto gestern...“ Langsam nickte der Alte.„Es war jemand da, der hat es erzählt.“ Zweimal fuhr er mit dem Handrücken über die Augen. Dann faßte er die Zügel straffer und trieb die Pferde an. In der Ferne radelte der Landjäger. Der Bruchbauer fuhr ihm entgegen. Die Beleda=Höhle zu Velmede Hoch oben im Sauerland, etwa 15 Min. von Velmede entfernt liegt die Veleda=Höhle Es lohnt sich, ihr einen Besuch abzustatten. Steigen wir also den Berg hinan. Schon von weitem erkennt unser Auge einen langgestreckten Höhenzug. Noch etliche hundert Meter geht es hinauf, und wir sind bei der Höhle angelangt. Auf unserm ersten Blick sehen wir ihren Eingang, gesperrt von einem alten eisernen Gittertor. Von der Länge der Zeit ist dieses schon ganz mit Grünspan bedeckt. Gehen wir hinab in die Höhle, und steigen wir auf einer rund fünf Meter langen eisernen Treppe hinunter, biegen unten links ab und steigen auf ein paar in Felsen gehauenen Stufen wieder hinauf in einem langen Wandelgang, dann befinden wir uns auf dem Weg zu dem sog. Schusterstübchen. Wunderbar wirft die Lampe ihren Schein auf die so sonderbaren Tropfsteingebilde, welche uns gespenstisch ansehen. Wir kommen jetzt in das eigentliche Schusterstübchen. Nach einer alten Sage soll hier zu Zeiten der Germanen die Wahrsagerin„Veleda", welche später ins Ruhrtal gezogen ist, gewohnt haben. Nach dem Namen dieser Zauberin ist das naheliegende Dorf Veleda und später„Velmede“ genannt worden. Das Schusterstübchen hat seinen Namen durch einen eigenartigen Tropfstein erhalten. Es ist hier nämlich der Sitz eines Schusters, der die Arme zurück an die Wand lehnt, zu sehen. Gehen wir wieder zurück und steigen steil, tieser, hinab. Vorsichtig müssen wir weiterschreiten, da schon einige Stufen aus der alten Treppe hinausgefallen sind. Dann gehen wir über einiges Steingeröll hinweg und sind bei dem allbekannten Braukessel angelangt. Nach unten fließt der Tropfstein glockenförmig auseinander. An der anderen Seite dieses Kessels sehen wir eine Orgel. Weiter kann man hier wegen der Tiefe eines Wassers, das zum Vorschein kommt, leider nicht vordringen. Es würde gerade hier noch so manches Gebilde zu finden sein. — Hierauf ist unsere Höhle noch nicht weiter nachgeforscht worden. — * Sttern und Aind Schuls und Erren Das Kind und der Erwachsene Herr Schneider bespricht mit seiner Frau die neuesten üblen Streiche, die ihr Sohn sich geleistet hatte.„Ich weiß nicht,“ fährt er dann fort,„warum es mir gerade bei meinem Sohn nicht glücken will, ihn gefügig zu machen und ihn zum Arbeiten zu erziehen. In meinem Büro sind mir ein volles Dutzend Leute unterstellt, die auch arbeiten und sich gut benehmen müssen. Aber selten stoße ich dort auf Widerstände und Schwierigkeiten. Im Gegenteil: Ich kann mich jeden Tag von der guten Gesinnung eines jeden überzeugen.— Nur dieser fünfzehnjährige Bengel da, der scheint aus anderem Holz geschnitzt zu sein. Vielleicht verstehe ich es nicht, den Ton anzuschlagen, der für einen Jungen der passendste ist. Mit Kindern umzugehen, ist wohl etwas ganz anderes, als Erwachsene seinem Willen unterzuordnen. Kinder muß man vermutlich doch anders behandeln als diese... Umgang mit Kindern— Umgang mit Erwachsenen! So lautet die Frage, die Herr Schneider in seiner Sorge um den Jungen stellt. Wir wollen einmal untersuchen, ob sich nicht ein Irrtum, ein Trugschluß in seine Gedankengänge und Folgerungen geschlichen hat. Wie behandelt Herr Schneider seine Arbeitskräfte im Büro, wie seinen Sohn? Im Büro wird ab und zu ein kleiner oder auch größerer Fehler begangen. Was tut da Herr Schneider? Er ist zwar stark versucht, sofort einzugreifen und den Schaden zu beheben, vielleicht auch(je nach Laune) zu brummeln oder gar loszudonnern. Aber er hat sich angewöhnt, vorher von einer Instanz die Erlaubnis dazu einzuholen. Diese Instanz ist seine kühl abwägende, weitblikkende Vernunft. Und diese erteilt dem aufgebrachten und vielbeschäftigten Herrn Schneider gar häufig nicht die Genehmigung zum Eingreisen und zwar mit der Begründung:„Herr N. hat sicher eine Dummheit gemacht. Aber man muß mit ihm Geduld haben, denn er ist noch nicht lange im Büro. Daß er seine Sache bald besser machen wird, bezeugt der gute Kern in ihm“ Oder:„Es ist nicht zweckmäßig, den leichtsinnigen Buchhalter auf jeden einzelnen Fehler in seinem Kassenbuch aufmerksam zu machen und ihn zur Beseitigung des Fehlers anzuhalten. Wer mit wenig Achtsamkeit arbeitet, muß eben auch die schlimmen Folgen tragen und nach Feierabend so lange über den Büchern sitzen, bis der Fehler gefunden ist.“ Diese Gründe leuchten Herrn Schneider jedesmal ein. Er hält sich deshalb zurück und wenn er noch so gerne poltern möchte.— Von seinem Recht, Zwang zu üben, macht er nur ungern und darum höchst selten Gebrauch. Durch ein barsches „So wird es gemacht, basta!“ erreicht er zwar auf dem kürzesten Weg, was er erreichen will, aber er weiß, daß ein so deutliches Herausstellen des Machtstandpunktes die Arbeitsfreude nicht gerade hebt und daß durch übermäßigen Druck die ihm Unterstellten gereizt werden, bei der nächsten Gelegenheit durch List und Schläue oder noch schlimmere Mittel seine Befehle zu umgehen. Darum beherrscht er sich und geht fast immer den allerdings zeitraubenden Weg, seine Untergebenen von der Notwendigkeit seiner Anordnungen zu überzeugen, deren Meinung: einzuholen und wichtigen Gegengründen sich allenfalls zu fügen.— Auf der anderen Seite hütet er sich, seine Leute persönlich zu treffen, ihr Ehrgefühl zu verletzen. Er weiß, daß eine mittelmäßige Arbeitskraft noch mittelmäßiger wird, wenn er deren Leistung geringschätzig beurteilt; er weiß aber auch, daß er aus manchem Menschen schon vieles herausholen konnte, weil er kleine Verdienste anerkannt und mit Lob ausgezeichnet hat. Nun begleiten wir dieser Herrn Schneider bei Geschäftsschluß nach Hause! Dort setzt er sich an den Tisch, neben seinen Sohn, der eben die Aufgaben fertigt. Die ganze Art, wie dieser zu arbeiten pflegt, seine Haltung, das häufige Unterbrechen und Fortrennen, dann aber auch Schrift und Fehler machen den ermüdeten Vater unwillig. Er rügt, sieht immer wieder zu seinem Sohne hinüber und redet diesen ärgerlich, vorwurfsvollen Tones an. Der Vater läßt nicht nach, bis nicht alle Aufgaben mustergültig vor ihm liegen. Und das erreicht er meistens nicht ohne Schimpfworte, Drohungen und Strafungen. Der Vater denkt sich nicht:„Schmiere nur so weiter! Dann gibt man Dir morgen die Arbeit zur Neuanfertigung bestimmt wieder zurück.“ Statt dessen wettert er:„Du bist ein ganzer Faulpelz! Schau den Herbert an! Der braucht keinen Vater zur Anfertigung seiner Aufgaben. Mach nur so zu! Dann wirst Du Dich im Leben einmal sehr schwer tun...“ Wir sehen schon: Die weise Zurückhaltung und Ueberlegung in der Behandlung seiner Untergebenen im Büro vergißt der Vater ganz und gar, wenn er seinem Sohne gegenüber sitzt. Er merkt nicht, um wieviel ungeduldiger, gereizter, barscher er zuhause ist, wie starken Druck er auf seinen Sohn ausübt und in welchem Maße er dessen natürliches Geltungsstreben und Ehrgesühl verletzt. Und diese Einstellung zum Sohn, diese Behandlungsweise, diese Art, ihn anzureden, ihn zu erziehen, beliebt der Vater nicht etwa erst seit gestern, sondern schon immer. Und darum lassen sich auch die Früchte der häuslichen Erziehung mit den schönen Erfolgen im Büro in keiner Weise vergleichen: Der Junge hat infolge der häufigen väterlichen Rügen und schlimmen Prophezeiungen zu sich selbst kein rechtes Vertrauen mehr. Er ist durch das viele Bemuttertwerden nach und nach gleichsam zur Maschine geworden, denkt nicht mehr an seine Pflichten, sondern wartet, bis er zum Arbeitstisch befohlen wird. Von innen heraus nimmt er keinen Anlauf, denn der Ansporn zum Schaffen kam ja immer noch vom Vater. Weil dieser aber fast immer treibt und über Gebühr Zwang übt, sträubt sich der Junge, wird trotzig, gebraucht Notlügen und löst dadurch nur neuerdings den Unwillen des Vaters aus. Herr Schneider, ich glaube, wir können die Frage, die Sie eben an Ihre Frau gestellt haben, beantworten:„Ihr Junge ist nicht aus anderem Holz geschnitzt, wie Ihre Untergebenen im Büro. Sie kennen den Ton, den man Kindern gegenüber anzuschlagen hat, sehr wohl. Aber Sie wenden ihn zuhause nicht an. Wenn Sie in der Erziehung Erfolg haben wollen, müssen Sie Ihren Jungen mit der gleichen Klugheit, mit eben so vieler Selbstberherrschung und einfühlender Rücksichtnahme behandeln, wie Sie das im Büro den Erwachsenen gegenüber tun! Machen Sie wenigstens einmal den Versuch! Die Früchte müssen sich schon nach einigen Monaten zeigen!— Hugo Zinsinger. Kinderlogik Unser Bub war etwas über fünf Jahre alt, da fing er an, ganz eigenartige Taten zu vollbringen. Eines Tages hatte er die Wand bei seiner Spielecke mit der Schere verkratzt. Hübsch nahmen sich diese Wandzeichen ja gewiß nicht aus, aber sie waren nun einmal und so begnügten wir uns damit, ihn zu verwarnen. Nach einigen Tagen waren neue Zeichnungen zu den alten gekommen. Der Bub gestand ein, daß er wieder absichtlich„gemalt“ habe, zeigte aber keinerlei Reue über sein Tun. Einige Tage darauf schnitt er mit der Schere ein großes Loch in eine ganz neue Schürze. Wieder nach einigen Tagen riß er Löcher in den Vorhang. Wir waren erbost. Das war denn doch zu viel. Das war Absicht, da stand böser Wille dahinter! Wir drangen in den Buben, doch zu sagen, warum er solche Sachen mache. Und mit einer Selbstverständlichkeit, die keinen Einspruch zuließ, erklärte er:„Daß Mutti beim Flicken Zeit hat zum Geschichtenerzählen.“ Nach solcher Begründung hatten wir Mühe, ernst zu bleiben.— Es stellte sich folgendes heraus: Wenn die Mutter Strümpfe stopft oder die Flickwäsche vornahm, dann durfte der Bub immer die einzelnen Stücke holen und wieder forttragen und dazu wurde„Kaufmann“ gespielt; oder er durfte sich den Schemel holen, zur Mutter setzen und die erzählte nun wunderschöne und lange Geschichten und das war halt so schön... Nun begriffen wir Eltern auch! Welch' eigenartige Logik zeigt sich doch oft im Kopfe eines Kindes! Wir Erwachsenen, die alles nach festen Begriffen, Anschauungen, Werten beurteilen, die nach erprobten oder übernommenen Grundsätzen handeln, können sie nicht immer mehr verstehen. Und doch hat auch beim Kinde alles eine Ursache, alles einen Grund. Freilich: in seiner Seele ist noch nichts da, das warnt, zur Ueberlegung auffordert oder hemmend eingreift. Ganz aus dem Augenblick handeit es und kennt nur ein Ziel: sein eigenes Ich. Wir Erzieher sollen nun diese Kinderlogik wissen, nicht um damit für alles eine Entschuldigung zu haben, wohl aber um die sonderbaren Handlungen unserer Kinder zu verstehen. 18. Ein Erzieher verlangt gewöhnlich, man soll die Früchte seiner Sorgsalt äußerlich und deutlich sehen; aber es gibt auch verschlossene Früchte, die erst die rechten, kernhaften sind und die sich früher oder später zu einem schönen Leben entwickeln. Johann Wolfgang v. Goethe. S 8 S 9955. #S S 5 SSgn 19 5 S###.#e Eae S 3 9 9 S 8 — 5 D —* 2 5 # 8 S S S:n S S S E, 892 # 8 5 20 S. p S. S S5K S 3— 2 T 9 S a a s * 8 S# g.S 8 0 5 S 12 0 S SiS S 85 . 7# 0 40 8 8 8 # 2. S 2 9 5 5 2 S 8. 03•3 2 S S Süt □ S 0. 95 S SSS S S 3g * 5 9. 5 55 SanS S S%8 7 S 9. 2i 0 S S B S g K 12— # SN 9 0 8 58 9 2 5 9 55 ##. 5 2.* 8 2 2 15 9 82 5 „ 5 2 S 85 9 5 5 5 K S SS 9 SSS #* S E. ## 55 S 85 905 5 9 — * # S E. 8 RS R S S R 9S. R# 5 5a5 S S SES S 5 8 S s 9 "* 28 ggs ### S S e 8— 9 S# 8 S 8 8 S S. 8 S # S NT 3 23 (9 2. 9 85 25 # 85 S 25 95 — 8 ∆ S 8 Nr. 86(Drittes Blatt) „Schwerter Zeitung“. Freitag, 11. April 1930 Es gehl um Heutschiund Aufgaben, die nach Lösung drängen. Von Franz L. Eckenbrecher. „Ist das noch parlementarisches System?“ fragt das Zentralorgan der bisher stärksten Regierungspartei im Rahmen der langen Reihe verhetzender Auslassungen über den Sturz des sozialdemokratischen Kanzlers und seiner Parteigenossen und erklärt es als„Umspringen mit dem Parlamentarismus“, daß nicht die Sozialdemokratie mit der Regierungsbildung beauftragt worden war. Logik gehört gewiß nicht zu den unverrückbaren Grundlagen des Parteipolitikers. Man vermißt sie jedoch bei der Fragestellung mit einer gewissen Belustigung, soweit der Ernst der Lage unseres Landes so etwas zuläßt, weil die sozialdemokratische Reichstagsfraktion selbst das Schwert gewesen ist, von dem das 17. Reichskabinett enthauptet wurde. wird deshalb schwerlich zu erweisen sein, daß der Reichspräsident bei der Bildung des 18. Kabinetts seit dem Systemwechsel von 1918 sich irgend eines noch so geringen Vorstoßes gegen die parlamentarischen Erfordernisse schuldig gemacht hätte. Die sozialdemokratische Beschwerde erweist sich aber als unlogischer Doppelsalto, wenn mit dem gleichen Atemzuge behauptet wird,„daß die Partei sich nicht von den Gewerkschaften trennen durste, wenn es über die Arbeitslosenfrage zu einem Regierungskonflikt gekommen ist." Demgegenüber darf man wohl die Frage zurück geben:„Ist das noch parlamentarisches System?“ Ein wichtiger Artikel der Reichsverfassung sagt, daß der Volksvertreter seine Aufgabe unbeeinflußt durch Aufträge von dritter Seite, ausschließlich nach seinem eigenen Verantwortungsgesühl durchzuführen hat. Die Gewerkschaften sind, kein verfassungsmäßiger Faktor, sondern eine wirtschaftliche Interessenvertretung. Der Parlamentarier hat gewiß die Pflicht, sie zu hören, kann aber durch ihre Wünsche nicht von der höchsten Pflicht seiner Entscheidung zugunsten des Allgemeinwohls entbunden werden. Der deutsche Parlamentarismus ist schifsbrüchig geworden, weil dieses wichtigste parlamentarische Grundgesetz„Ueber alles das Vaterland!“ in verhängnisvoller Weise vernachlässigt wurde. Ueberblicken wir die 21 Monate Regierungszeit des Kabinetts Müller, dann müssen wir die Geduld bewundern, mit der die Koalitionsparteien es über sich gebracht haben, den finanz=, sozial= und innerpolitischen Befähigungsnachweis der Sozialdemokratie zu ermöglichen. Dabei ist es die Sozialdemokratie selbst gewesen, die das eigene Kabinett von Anfang an unter schärsstem Druck hielt, um extrem parteipolitische Wünsche zu verwirklichen oder parteiagitatorische Ausfälle mit der sorgenfreien Bequemlichkeit der Verantwortungslosen unternehmen zu können. Mehrfach wurde den nichtmarxistischen Parteien das Schicksal der sozialdemokratischen Regierungsmänner anvertraut. Das krasseste Beispiel dafür ist die unvergessene Panzerschiffrage, die das peinliche Schauspiel einer gegensätzlichen Abstimmung der sozialdemokratischen Minister und ihrer eigenen Fraktions genossen geboten hat. Wenigstens in einem Falle aber wurde der sozialdemokratischen Fraktion gezeigt, daß sie nicht ungestraft Schindluder mit dem Verantwortungsbewußtsein der anderen Parteien treiben dürfe. Das geschah bei jenem Antrage der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, durch den dem Reiche neue Millionenopfer für eine weitgehende Verbesserung der Sozialrenten zugemutet werden sollten. Die Sozialdemokraten widerstanden beharrlich allen Beschwörungen des Finanzministers Hilferding gegen ihren Antrag in der sicheren Annahme, daß er doch keine Mehrheit finden könne, aber agitatorisch wundervoll auszuspielen sein werde. Durch die Wahrscheinlichkeitsrechnung machte damals die zweitstärkste Regierungspartei einen Strich mit dem taktischen Schachzug, dem Antrag der Sozialdemokraten zuzustimmen. Und nun ereignete sich der für jeden Freund des Parlamentarismus beschämende Vorgang, daß die Sozialdemokratie gegen ihren eigenen Antrag stimmte, um seine Annahme zu verhindern. Es ist in diesem Augenblick besonders wichtig, an derartige Vorgänge zu erinnern, weil die sozialdemokratische Partei durch eine beispielslose Verhetzungspropaganda zu unterstellen wagt, sie sei durch eine„Sozialreaktion“ aus der Regierung geworfen. Diese angebliche „Sozialreaktion“ ist für Deutschland ein Phantom. Ein Land, das zum größtenteil ohne Mitwirkung der Sozialdemokratie sozialpolitische Gesetze schuf, nach denen unter riesenhafter Zubuße össentlicher Mittel an 3,3 Millionen Invaliden, Kranken, Witwen, Waisen, Alten Dauerrenten gezahlt werden, im letzten Jahre mehr als 400 Millionen Unfallunterstützungen zur Auszahlung gelangten, zur Zeit 3,2 Millionen Erwerbslose unter Anspannung der letzten Finanzreserven von Reich, Ländern und Gemeinden durchgeschleppt und an drei Milliarden Mark zur Linderung der Not der Kriegsopfer aufgewendet werden,„sozialreaktionär“ zu nennen, wenn es nicht die letzten Wünsche radikaler Gewerkschaftsführer ersüllen kann, ist eine ungeheuerliche Verleumdung. In Wahrheit wollen die angeblichen„Sozialreaktionäre“ die wirtschaftlichen, finanz= und innenpolitischen Grundlagen für die Aufrechterhaltung unseres Staatslebens und damit auch des gewaltigen Versicherungswerkes schaffen. Das eben ist die große Enttäuschung des sozialdemokratischen Regierungsexperimentes, daß in seinem Verlaufe auf Treiben der marxistischen Reichstagsraktion, die sich selbst unter das Diktat der Interessenvertretungen und der Angst vor dem noch bewilligungsfreudigeren Kommunismus stellte, die Pfeiler für ein wirtschaftlich und sozial gesichertes Leben unseres Volkes durch eine mörderische Finanz= und Wirtschaftspolitik unterwühlt wurden. Der Kanzler Müller ist gescheitert, weil dem sozialdemokratischen Arbeitsminister Wissel nichts anderes für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eingefallen ist als die Beschlagnahme der Kapitalkräfte des Landes, die für die Schaffung neuer Arbeitsplätze unentbehrlich waren, zugunsten der Arbeitslosenversicherung unter Vorschubleistung ihres Mißbrauchs. Die Aufgabe jeder deutschen Regierung der Zukunst bleibt daher die Lösung der Arbeitslosenfrage durch Befähigung der Wirtschaft zur Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten, also durch Schonung des Betriebskapitals unserer Volkswirtschaft, wie sie nur durch Senkung der öffentlichen Ausgaben erreicht werden kann, als die Voraussetzung für die Minderung der Steuern und anderen öffentlichen Lasten. Kapital für die Schafsung neuer Arbeitsgelegenheiten läßt sich weiterhin nur mobilisieren durch eine kraftvolle Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit unseres Landes. So lange es möglich ist, daß eine ausländische marxistische Parteigruppe immer wieder„Hungermärsche", Angriffe auf die Staatssicherheit, Revolten in Deutschland veranlassen kann, daß radikal=marxistische Stoßtrupps Erziehungshäuser zu stürmen versuchen und Unflätigkeiten in öffentlichen Gottesdienste hinein brüllen, wird weder die Kapitalflucht gebannt noch der Boden für wirkungsvolle Auslandskredite bereitet werden können. Die Durchführung von umfassenden wirtschastpolitischen und sozialpolitischen Reformen war in den letzten beiden Jahren auf Grund des Wahlergebnisses von 1928 den Sozialdemokraten anvertraut. Sie enttäuschten die Arbeitenden und Schaffenden durch Zerrüttung der Reichsfinanzen mit allen vernichtenden Folgen für den Arbeitsmarkt und die Gesamtwirtschaft unseres Landes. Keine deutsche Regierung der nächsten Zukunst kann jetzt noch Rücksichten auf Parteiprogramme und Gruppenwünsche nehmen; denn jetzt geht es um uns alle, jetzt geht es um Deutschland. Was hören wir im Rundfunk? Sonnabend, den 12. April 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Morgenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 12,10: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Funkwerbung. 15,00: Kinderspielstunde. 15,30: Wirtschaftsdienst. 15,45: Grundlagen der Funktechnik. 16,05: Frauenstunde. 16,25: Wirtschastspolitische Umschau. 16,45: Wandern und Reisen. 17,05: Englisch. 17,30: Kammermusik. 18,30: Gemeinverständliche Rechtskunde. 18,50: Mitteilungen der Interessengemeinschaft westdeutscher Funkvereine. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Stunde des Arbeiters. 19,40: Der rheinische Lebemanz. 20,00: Lustiger Abend. Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 01,00: Nachtmusik und Tanz. Pürsparer Wjelzrisres Tent Seie A.... Böbertheeiarer Wir wollen und müssen schnell räumen und verkaufen intolge dessen alle eingeführten Arikel mit Verkauf nur gegen bar! Sonntag, 13. Aprit find unfere GeschäftsRäume von 13 Uhr ab für den Verkauf Seufthetr. Schwerte Hüsingstn. Wenn=Eenfum Von Karl Ettli habe einen Tonfilm geschrieben.„Pony boy“ heißt er. Es handelt von einem kleinen Jungen, der hängt so furchtbar an dem Pony, das ihm sein Großvater geschenkt hat, und die Geschichte ist schrecklich rührend. Kirchweihnudeln und Filme werden wie Schmalz gebacken, wenigstens steht das so im Hollywooder Kochbuch. Für deutsche Mägen ist sogar oft viel zu viel Schmalz in dieser Hollywooder Kost, aber wir kennen doch den Michel, was aus dem Ausland kommt, das frißt er begeistert. Und da hab ich halt meinen Film auch nach diesem Rejept gebacken. So was Ergreisendes war überhaupt noch nicht da! Erst wird der Pony krank, dann wird der Boy krank, dann wird der Vater krank, dann wird der Großvater krank, dann wird die Filmgesellschaft krank, dann werden die Vorführungstheater krank, und bei jeder Krankheit wird das Lied vom„Pony boy“ gesungen, schluchzend, schmelzend, die Leute im Park werden die Regenschirme ausspannen müssen, damit ihnen die Tränen des Rangpublikums nicht die Frisur zertröpfeln. In meinem„Pony boy“ wird so viel geheult werden, daß wir nach Filmschluß den Besuchern das Gesicht mit Föhn abtrocknen müssen, und die Eintrittskarten werden auf Löschpapier gedruckt, zum Tränen=Abtupfen. Bei der Aufnahme mußte die Filmdiva den rechten Schuh ausziehen, weil sich sogar ihr Hühnerauge mit Tränen gefüllt hatte. Natürlich lasse ich das Lied vom„Pony boy“ auf Englisch singen, denn wenn kein Mensch ein Wort vom Text versteht, ist es noch viel erschütternder. „Wirkt es nicht ergreifend?" frug ich meinen Freund Fritzl, als ich ihm das Manuskript vorgelesen hatte. „Ergreifend ist gar kein Ausdruck", wimmerte er.„Sogar fluchtergreifend". Natürlich hatte ich zur Bedingung gemacht, daß ich selbst Regie führte. Ich werde mir doch nicht von einem fremden Regisseur meine herrliche Idee verpatzen lassen. Die Filmregisseure sind, mir viel zu eigenmächtig, ich kenne das doch: wenn ich vorschreibe„Großaufnahme des Ponyschwanzes“, dann streicht mir's so ein Kaffer womöglich, und der ganze Aktschluß ist beim Teufel. Nein, selber ist der Mann— außer in der Ehe. Die Hauptsache bei einem Tonfilm ist, daß man recht viel Geräusche hineinbringt. Das haben die Kinder so gerne. Na, an Geräuschen war bei mir kein Mangel! Im ersten Akt ließ ich den Pony boy eine Tüte zerknallen, der Großvater durfte sich grundsätzlich nur, auf quietschende Stühle setzen, den Intriganten ließ ich im zweiten Akt dem Pony eine Knallerbse unter den Schwanz stecken(riesig spannend, bis die endlich losgeht!), die Großmutter ließ ich am Schluckauf leiden, und ans Krankenbett des Pony stellte ich einen Papagei, der plötzlich in der Schlußszene das Lied vom Pony boy zu singen anfängt.„Wer da nicht losheult Stein und Bein, verdient nicht ein Mensch zu sein!“ heißt es in der Zauberflöte, oder so ähnlich. nger(München). Die Proben unter meiner Regie verliefen glänzend, die Diva fiel nur viermal in Ohnmacht(ihr Mindestmaß ist sonst sechs), die Komparsen traten dreimal in den Streik, der Intrigant erklärte nur fünsmal, so ein Kamel wie ich sei ihm noch nicht vorgekommen(sonst denkt er das nur, aber es war ja ein Sprechfilm), der Pony boy schoß mir mit dem Blasrohr eine Stecknadel in die Nase, der Papagei biß mich in den Daumen, das Pony schlug mir mit dem linken Hinterbein ein Souvenir in den Leib, Kunst bleibt eben Kunst. Und dann kam der große Augenblick, da wir den Tonfilm im Hauskino der Filmgesellschaft uns selbst vorführten, erstens um uns an unserem eigenen Genie zu berauschen, und zweitens, um etwaige Längen herauszuschneiden. Für das Herausschneiden hatte die Filmgesellschaft einen eigenen Fachmann, der drückte mir die Mitte des Filmes in die Hand und sagte: „Die Ueberschrift und das Personenverzeichnis können bleiben!" Nämlich— nun ja, man kann nicht an alles denken— schließlich muß einem doch so etwas gesagt werden— zumal ich ausdrücklich betont hatte, ich lasse mir von niemanden bineinreden — der Aufnahmeraum war nicht schalldicht gewesen. Gleich in der ersten Szene, wo der Boy das Pony geschenkt kriegt und vor Freude in die Hände klascht(ein wundervolles Geräusch!) und in seiner kindlichen Art das Pony fragt:„Wie alt bist Du?“, ertönte die Antwort: Dreißig— sechsunddreißig— vierzig— siebenundvierzig — dann spiel Du's!" Das waren die Komparsen, die hinter der Szene eine Skat kloppten. Der Filmdirektor klopfte mir auf die Schulter und flüsterte:„Sehr originell! Ganz in Ordnung, daß bei einem Ponyfilm der Regisseur sich als Pferd entpuppt!“ Ich sah ihn verächtlich an, der Filmschneider wetzte seine Schere, und es kam die diabolische Szene, in welcher der Intrigant die Schwester des Pony anschreit:„Erhöre mich, oder ich vergifte das Pony". Darauf hat die Schwester in Ohnmacht zu fallen vor lauter inwendigem Gewissenskouflikt(der Plumpser ist ein herrliches Geräusch!), und sie fiel in Ohnmacht, aber was brüllte sie dabei:„Eine schöne Bruchbude ist das, mir hat einer Seuf in die Puderbüchse getan!“ Und das war die Diva hinter der Szene gewesen. Der Filmdirektor rupfte sich einige Haarbüschel aus seinem Lockenkopf, der leibliche Vater des Pony boy, der hinter mir saß, murmelte etwas von„Gnack umdrahn", worauf ich ihn bat, lieber vor mir Platz zu nehmen, und der Film lief weiter, bis zu dem herrlichen Augenblick, wo das Pony zum ersten Male zu wiehern hat(fabelhaftes Geräusch, was). Wundervoll wieherte das Pony. Nur hörte man vorher die Worte:„Mistvieh, willst du jetzt endlich wiehern?"„Lehmann, kneifen Sie doch das verflixte Pony in die Hinterfront!“„Autsch, jetzt hat mich das Biest getreten!" Ich habe ein gottbegnadetes Gedächtnis und deshalb wußte ich, das war ich selbst gewesen. Nicht jeder Regisseur hört sich selbst im Film. Es ist vielleicht auch besser so. Ichblinzelte schüchtern nach dem Filmdirektor, er raufte sich nicht mehr die Haare, es hätte auch keinen Zweck gehabt, denn er hatte bereits eine Glatze. Und jetzt ertönte zum erstenmal das Lied vom„Pony boy“. Er ist in SchluchzDur geschrieben, und der Text heißt auf Deutsch etwa: Mehr als mein Dasein Lieb ich das Papasein, Pony boy! Wenn ich Dich nicht gucke, Werde ich meschucke, Pony boy! Von Tauber gesungen, stelle ich mir das fabelhaft vor. Nach den Worten„Pony boy“ ist immer eine Schluchzpause, für den Sänger und für das Publikum. Aber der Filmautor denkt und das Geräusch lenkt, denn mitten in diese ergreifende Pause nieste es und im Chor erscholl es:„Helf Gott, daß wahr is, Herr Ettlinger!" Weiter konnten wir den Film nicht vorführen, das Filmband riß vor Entzücken. Der Operateur wollte es flicken, aber der Direktor sagte, es sei nicht nötig. Das war mein erster und letzter Toufilm, ich wende mich jetzt dem neuesten zu, dem aus aus Amerika angekündigten Geruchfilm. Ich glaube, auf diesem Gebiete liegt meine eigentliche Begabung. Uebrigens ist die Idee gar nicht so neu: Neulich habe ich in einem kleinen Vorstadtkino bereits einen Geruchfilm genossen: da aß neben mir einer einen Limburger Käs. Vielleicht war das der Erfinder. Sarupchand Hukumchands neue Affendrüsen Schön kann man ihn mit dem besten Willen nicht nennen, dafür ist Sir Sarupchand Hukumchand ein recht stattlicher Sechsundfünfzigjähriger und wahrscheinlich der reichste Kaufmann Indiens. Eines schönen Tages lag dieser in jeder Beziehung außerordentlich gewichtige Herr in einem bequemen Sessel, breitete sein mehrfaches Kinn in malerischen Falten auf seiner Brust aus und las eine indische Zeitschrift. Ein Artikel fesselte ihn plötzlich ganz. Da erfuhr er die ihm bisher unbekannte Tatsache, daß ein gewisser Dr. Woronoff die Menschen jünger geistig und körperlich regsamer machen könne. „Donnerwetter“, sagte Sir Sarupchand zu ner um zwei Jahrzehnte jüngeren Gattin,„das müßten wir einmal versuchen. Nicht etwa, weil wir uns zu alt fühlen, sondern weil wir noch jung genug sind, um das Experiment zu vertragen. Wenn es bei uns glückt, werden uns alle verjüngungsbedürftigen Standesgenossen dankbar sein.“ Lady Hukumchand nickte Zustimmung, und aus purer Menschenfreundlichkeit kabelte Sir Sarupchand nach Paris an Dr. Waronoff. Der antwortete sofort:„Komme für 20 000 englische Pfund.“ 400000 Mark waren nun selbst dem reichsten Kausmann Indiens etwas viel für den Spaß.„Zahle freiwillig 14000 Pfund“ antwortete er—„Na ja“, meinte schließlich Dr. Waronofs.„aus Menschenfreundlichkeit wollen wir uns mit dem lumpigen Betrag begnügen". Also packte er ein paar Assistenzärzte, ein paar Affen und einen Dolmetscher in einen Dampfer und fuhr nach Indien. Im Palaste des Nabob zu Indore richtete er sich häuslich ein. Dann wurde der Staatsraum des Schlosses mit allen vorhandenen Mitteln in ein wahres Feengemach verwandelt, damit die Operation bei möglichst heiterer Stimmung von Menschen und Affen vor sich gehen konnte. Lady Hukumchand kam zuerst an die Reihe. Zwei Ruhebetten standen nebeneinander im Raum. Auf dem einen lag die reiche Inderin, die sich mit 36 Jahren schon zum Verjüngen reif fühlte, auf dem anderen, durch einen Seidenvorhang getrennt, ein Affenweibchen. Die beiderseitigen Drüsen wurden ausgetauscht. Dann kamen Sir Sarupchand und sein Assenmännchen an die Reihe. Alle vier Patienten verhielten sich mustergültig. Weniger freundlich war dagegen die Menschenmenge, die sich zu Tausenden vor dem Palast drängte und aus Angehörigen der Jainsekte, den Glaubensgenossen des Nabob, bestand. Den Jains ist nämlich verboten, irgend ein Tier zu töten. Nun glaubten die guten Inder, die beiden armen Affen hätten bei der Operation ihr Leben lassen müssen. Um den braven Leuten zu beweisen, daß sie sich irrten, und um Tumulte zu vermeiden, wurden die Affen nach der Operation in zwei Käfige gesteckt und der Menge zur Besichtigung überlassen. Dialekt Von Gerhard Schäke. Ich suche in München ein ganz bestimmtes Gebäude. Und weiß nicht, wo es sein könnte. Frage also am Bahnhof einen Schutzmann. „Dös Haus is in dr Baleiseschtraß!“ „Danke schön,"sage ich ihm und fahnde nach der Baleisestraße.— Zunächst im Adreßbuch. Keine Baleisestraße. Ich suche nach Balleiße. Nach Palleise. Nach Pahleiße, nach Palleiße. Ich suche lange ergebnislos. Die Straße gibt es nicht. Ich trete aus dem Bahnhof, gehe auf einen Dienstmann zu:„Bitte, sagen Sie mir, wo ist hier die Baleisestraße?“ Er sieht mich an, grinst und sagt:„Baleiseschtraß? Links vor, die zweite Querstraße nach links hinein!“ Also die Baleisestraße gibt es doch. Ich suche, suche, suche. Nichts von einer Baleisestraße zu finden. Ich rede ein junges Mädchen an, ob sie mir nicht sagen könne, wo die Baleise—— „Gibts gar nöt!“ entscheidet sie und enteilt. Ich frage einen alten Herrn. Der sieht mich lange verwundert an, zeigt dann verbissen und stumm auf ein Straßenschild. Und da habe ich meine Baleisestraße gefunden, ich lese:„PaulHeyse=Straße". Der alte Herr sieht mich an, ich danke ihm. Er geht vorsichtig weiter und brabbelt vor sich hin:„Saupreiß, damischer!“ Der Kuß Skizze von Bruno Wolfgang. Im Frühling des Jahres Sechzehn fuhren wir durch Sibirien ostwärts. Eng war es in der harten, polternden Tjepluschka. Aber nach der Qual der übersüllten Säle des Kriegsgefangenenlagers gab uns diese wochenlange Fahrt nach einem unbekannten Ziele alle Wonnen der Freiheit, mehrte freilich auch die Sehnsucht. Die funkelnden Schienen liefen in die Unendlichkeit und verbanden uns wieder mit der Welt. Wir sahen Menschen, die vom Krieg nichts wußten, wir sahen Bäume, Vögel und Blumen, Mädchen und Frauen. Durch ein kleines, vergittertes Fenster spähten wir bei Tag in das grüne Meer der sibirischen Ebene und bei Nacht in die kühle Ruhe des gestirnten Himmels. Unser jüngster Fähnrich, den wir Mucki nannten, lag immer beim Ausguck und trank die Welt förmlich in sich hinein. Er war noch sehr jung. Er hatte nicht Zeit gehabt, das Leben kennen zu lernen, sondern nur einmal es genossen in einer einzigen, berauschenden, tollen Nacht. Dann kam eine kurze Spanne Eisen, Blut und Pulverdampf. Und dann der weite Weg in das eintönige Mönchsleben der Gefangenschaft. Er litt sehr, wagte es aber nicht zu sagen. Doch sein scheues versonnenes Wesen, sein wie von einem Schleier bedeckter Blick ließen die Schwere des inneren Kampfes ecraten. Eines Morges, schon jenseits des Baikalsees, erwachten wir und sahen, daß wir in einer großen Station auf dem Nebengleise standen. Wir machten wie gewöhnlich Toilette beim Maschinenhaus, wuschen uns im armdicken Strahl des eiskalten Wassers, zündeten uns dann Zigaretten an und gingen zwischen den Schienen spazieren bis in die Nähe des Bahnsteigs. Dort gab es vielerlei zu sehen: Russen, Chinesen, Koreaner, Burjaten, und vor allem Russinnen, die wie farbenprächtige, seltene Vögel auf und ab gingen. Von all diesen Herrlichkeiten trennte uns nur ein niedriges Gitter. Dort standen wir wie Barbaren, die zum erstenmal verfeinerten Luxus bestaunen, und glotzten mit beschämender Aufeichtigkeit auf die schönen Dinge einer Welt, die uns fern erschien wie ein versunkenes Paradies. Ganz vorn am Gitter stand Mucki und starrte mit seltsam wilden Augen hinüber. Seine Lippen waren zusammengepreßt, und die Nasenflügel bebten leise. Die Mädchen gingen auf und ab, plauderten und lachten, dann blieben sie in unserer Nähe stehen. Eine von ihnen fiel uns durch ihre eigenartige Schönheit auf, ein kräftiges, schlankes Mädchen mit prächtigem Haar, ein wenig breitem Gesicht und mongolisch geschlitzten Augen, großem, rotem Mund und starken, gesunden Zähnen. Sie deutete ohne Scheu auf Mucki, der ihr offenbar gefiel, und sprach etwas zu ihren Gefährtinnen. Alle lachten und sahen ihn an. Und sie nickte ihm zu. In diesem Augenblick hörten wir von unserem Zuge her Rufen und Geschrei. Unsere Soldaten drängten zur Abfahrt. Wir eilten zurück. Aber Mucki stand noch immer regungslos und sah hinüber. Die Gruppe der Mädchen hatte sich schon entfernt. Die Ecke des Bahnsteigs war fast menschenleer. Da wandte sich die Russin noch einmal um und winkte ihm zu. Als sie ihn allein noch immer da stehen sah, wie einen Bettler, lächelte sie und ging mit entschlossenen Schritten auf ihn zu. Mucki schwang sich mit einem Satz über das Gitter und blieb vor ihr stehen. Sie lachte und sprach etwas zu ihm. Mucki verstand kein Wort und sah sie nur immerfort an. Da näherte sich ihm ihr Gesicht, ihre Augen glänzten, und rasch und leise flüsterte sie ihm halb ernst, halb lächelnd alle die weichen, schmeichlerischen Kosenamen zu, an denen die russische Sprache so reich ist. Mucki verstand noch immer nicht. Da stampfte sie scheinbar ärgerlich mit dem Fuß, schüttelte den Kopf, und mit einer raschen Bewegung küßte sie ihn auf den Mund. Dann wandte sie sich um und ging, ohne sich umzublicken. Ein kleiner, grauer Handschuh war ihr, ohne daß sie es merkte, entglitten und lag dort, wo sie gestanden hatte. Mucki hob ihn blitzschnell auf und lief zum Zuge, dessen fensignal schon ungeduldig ertönte. Im gon warf er sich auf seinen Platz und schien zu schlafen. Von nun an schien die Außenwelt ihren Wert für ihn verloren zu haben. Was immer vom Ausguck gemeldet wurde, er rührte sich nicht von seinem Platze. Man sah ihn nur hie und da mit ernster Miene in seinem Rucksack kramen und anscheinend angestrengt über etwas nachdenkend. Einmal des Nachts, als alles schlief, stieg er leise von seiner Schlafstelle herab. Beim Ofen saßen, von der Glut rötlich bestrahlt, die beiden Russen mit ihren riesigen Gewehren, össneten schlaftrunken die Augen und schlossen sie wieder. Mucki schob leise die Tür ein wenig zurück und atmete in tiefen Zügen die kühle Nachtluft wie reines Quellwasser. Lange starrte er in die Dunkelheit nach der Richtung hin, aus der der Zug rastlos gegen Osten enteilte, dann schloß er die Tür wieder und kehrte auf seinen Platz zurück. Er tat dies fast jede Nacht. So vergingen einige Tage. Wir kamen an die Grenze der Mandschurei. Hier zeigte sich unter unserer Wachmannschaft frohe Erregung. Denn die Strecke lief nun ein bis zwei Tage auf chinesischem Staatsgebiet, wo das Alkoholverbot nicht galt. Hier konnte man sich für lange Entbehrungen schadlos halten. Abends fuhren wir durch die öde Steppe. Beim flackernden Schein einer Kerze saßen um den Ofen vier russische Soldaten, unsere beiden und zwei Gäste aus demm Nachbarwaggon. Sie spielten Karten und tranken aus den sonderbarsten Gesäßen den abscheußlichen Fusel, den ihnen die Chinesen verkauft hatten. Auch Mucki saß bei ihnen. Sie waren ihm sehr gewogen, denn er hatte ihnen eine volle Blechkanne Schnaps gestiftet. Je mehr sie tranken, desto zärtlicher wurden sie, umarmten und küßten ihn brüderlich. Er nahm alles mit dem gleichen schüchternen Lächeln hin. Manchmal trat er zur Tür, öffnete einen kleinen Spalt und blickte hinaus. Dann kam er wieder zurück und setzte sich nieder. Schnapsdunst und Tabakrauch erfüllten den Raum wie eine dichte Wolke. So zechten sie die ganze Nacht, bis leichtes Frürot dämmerte. atmend erhob sich Mucki und öffnete die Türspalte. Kühl und frisch drang die Morgenluft herein. Draußen lag die dunkle Steppe in grauer Dämmerung. Im fetten Gras, zweihundert Schritte entfernt, weidete einsam ein schwarzes Pferd, und ringsum schlief noch die unendliche Ebene, weit wie das Meer. Da mit einem Ruck schob Mucki die Tür zurück und schwang sich blitzschnell hinaus. Er fiel auf dem Bahndamm zu Boden, sprang wieder auf und lief querfeldein auf das Pferd zu. Die Russen hatten seinen Absprung gar nicht beachtet. Und als sie einige Augenblicke später merkten, daß er fehlte, hielten sie die Sache anfangs für einen Scherz. Doch dann erblickten sie das Pferd und sahen den rasenden Lauf des Flüchtlings. Jetzt begriffen sie und gerieten in schäumende Wut über die Hinterlist des fremden Offiziers, der ihr Vertrauen mißbraucht hatte. Geschreie, Pfiffe, Verwirrung. Die Bremsen kreischten. Der Zug hielt. Aus allen Waggons sprangen Soldaten und setzten, die Gewehre schwingend, schwerfällig dem Fliehenden nach. Sie hätten ihn nicht eingeholt. Das Pferd war nicht mehr weit. Aber die Wiese wurde sumpfig, er blieb stecken, kämpfte mit verzweifelter Anstrengung um jeden Schritt und kam doch nur langsam vorwärts Die Verfolger teilten sich, umgingen die sumpfige Stelle und hatten ihn bald überholt. Sie umringten ihn, und wir sahen nur noch die Gruppe eng zusammen gedrängter Soldaten über deren Köpfe die schweren Gewehrkolben auf ihn nieder sausten. Das Pferd war mit einigen Sprüngen seitwärt galoppiert und graste ruhig weiter. Dann löste sich die Gruppe langsam auf. Als sie näher kamen, erkannten wir erst, daß die letzten zwei einen Körper auf der Erde nachschleppten. Sie hielten ihn bei den Füßen und der Kopf schleifte über den Boden hin. Dann stiegen sie den Bahndamm empor und warfen ihn auf die Schwellen. Nach einer Flut von Beschimpsungen gegen uns verrauchte ihr trunkener Zorn, und sie stiegen ein. Wir hoben den Toten in den Waggon und bedeckten ihn mit meinem Mantel. Durch die fest zusammengepreßten Finger der linken Hand sah ein graues Stück Stoff hervor. Zu unserem Staunen erwies es sich als kleiner, grauer Damenhandschuh. Wir hielten es für richtig, ihn nicht fortzunehmen, und so teilte er das Schicksal dieser Hand, die noch kalt und starr umschloß, als wir in Charbin die Leiche den russischen Behörden übergaben. Gernater nats se erschere „Mit der neuen Sachlichkeit soll man mich zu Hause verschonen!" Dieser charakteristische Ausspruch aus Männermund tönt einem jetzt dauernd entgegen und dieser Standpunkt wird auch von Leuten vertreten, die sonst, besonders aber innerhalb ihres Geschäftsbetriebes, alle Neuerungen lebhaft begrüßen. Liegt hier ein unverständlicher Widerspruch vors Durchaus nicht! Die meisten stellen eben an ihr Heim ganz andere Anfor### rungen als an ihre Arbeitsstätte. Dort sollen die Möbel nur zweckmäßig sein, hier aber im Zusammenhang mit der übrigen Ausstattung auch jene Stimmung erzeugen, die Vorbedingung jeder Gemüt= lichkeit ist. Und die gemeinsamen Mahlzeiten sollen nicht nur den Hunger stillen und zur Erneuerung der Arbeitskräfte beitragen, sondern auch Genuß bieten durch gefällige Anrich= tung und Wohlgeschmack, diese beiden Hinterlassenschaften der mittelalterlichen Klosterküche, deren Rezepte aus dem Nahrungsbedürfnis des Menschen eine Quelle des Vergnügens zu machen wußten. Es ist begreiflich, daß die meisten Männer auf sie nicht verzichten wollen und davor zurückschrekken, ihren Nahrungsbedarf nach Kalorien zugemessen zu erhalten. Sie haben also gewissermaßen nicht Unrecht, wenn sie sich dagegen wehren. Und dennoch ist ihre grundsätzliche Ablehnung durchaus nicht angebracht, besonders, wenn sie sich nur mit zäher Beharrlichkeit auf das Altgewohnte beruft und jede unbefangene Prüfung neuer Gesichtspunkte verhindert. Eines wollen wir von vornherein zugestehen: Sachlichkeit im selbstversteggen##ch ausarten. So Respektlos, wie die neue Zeit nun einmal ist, beginnt sie jetzt auch mit Erfahrungen aufzuräumen, die als Erbteil unserer bewährten alten Hausfrauen jahrhunderte: lang in Geltung waren. Es ist verständlich, daß viele diesem Experiment mit erheblichem Mißtrauen gegenüberstehen. Dennoch müssen wir uns darüber klar sein, daß sich hier eine Entwicklung vollzieht, die zwangsläufig und daher auf die Dauer unaufhaltsam ist. daß die jetzt bereits in reiferem Alter stehende es wohl kaum mehr schaffen wird, sondern sich damit begnügen muß, wenigstens oberflächlich die wesentlichsten Forderungen der neuzeitlichen Ernährungsforschung kennenzulernen, eine Aufgabe, bei der ihr in Stadt und Land die Hausfrauenvereine praktisch zur Seite stehen. Aber an den Nachwuchs wird man weit höhere Ansprüche stellen, deren Befriedigung eine ebenso rechtzeitige wie gründliche Unterein biesen tigsgeschensranen lage ihres für die Volksgesundheit so verantwortlichen Küchenregimentes zu übermitteln und sie zum wissenschaftlichen Verständnis für ihre Ernährungsaufgabe zu erziehen. Das ist aber ein System, das auch die männliche Bevölkerung nur billigen kann. Sicher würde sogar einer oder der andere unserer Familienväter ganz gern einmal einer solchen Unterrichtsstunde beiwohnen, um sich von der Vielseitigkeit des neuen Lehrstoffes zu überzeugen. Auch seine Wißbegier käme sicherlich auf ihre Kosten, angesichts der vielen als Lehrmittel dienenden Gebilde, der in buntfarbige Felder finnreich aufgeteilten Wandtafeln, der übersichtlichen Tabellen, die über die einzelnen Nahrungsmittel so anschaulich Aufschluß des Geheimnis der alten hauskrau war, aus gegebenen Lebensmitteln die besten Gerichte herzustellen.*“ Pex u noch schaudernd de Sepeiunnge e n n eun e Angeewbrschategelclezim Ziunenerneuzetgicgenernchunge, der schabignenmssigen Nozgpseanschast. Haher stac ihr Cadellen wie de hler wiedergegebenen nüßzlicher au vrzunuer nomurzepur, rungsverteilung in der trouErr, Lrxe. Aueoi 43 80024 46 26 420 453 34 420 37 028 0 10 15% Sningn Gois 418 221 5132 636 CM 49 7h CoS C13 60,94 0 aushalt darf ändlich nicht in Reizlosteggt ausarten. Sofern vies aber zu verhindern ist, besipzt sie doch unbedingte Vorzüge von größter Bederzung. Sonst wäre die Bereitwilligkeit des neuzeitlichen Nenschen, sich allmählich ihrer Diktatur zu beugen, kaum verständlich.„Fort mit dem überflüssigen Ballast der Wohnungseinrichtung!“ befiehlt sie beispielsweise und die beengten Räume zeitgemäßer Mietshäuser geben ihr wah lich recht. Will man in ihnen heimisch werden, muß man Beschränkung auf das Wesentliche erlernen.„Fort mit den Schnörkeleien und tausenderlei Kleinigkeiten, die, nur scheinbare Zier, die Räume bloß verunstalten und als Staubfänger die Luft verderben!" befiehlt die Sachlichkeit weiter. Die Hausfrau, die meist die ganze Arbeit allein leisten muß, womöglich außerdem noch einem Nebenerwerb nachgeht, gibt ihr ebenfalls recht.„Fort endlich mit dem Vielzuviel der Zutaten eurer Gerichte, die die Verdauungsorgane unnötig belasten, den Stoffwechsel stören und unnötigen Fettansatz verursachen!" befiehlt sie zum drittenmal und diesmal stimmt ihr besonders die sportbegeisterte Jugend bek,;ie, ggchg, nach sachlichen Erfordernissen das neue Schonhei#sidegl, die schlanken Körperformen, geschaffen hat und schon ihr zuliebe die Frage der Ernährung von ganz anderen Gesichtspunkten aus betrachtet als die ältere Generation. Durchaus nicht einwandfrei übrigens. Denn die durch törichte Eitelkeit übertriebene Enthaltsamkeit kann zu körperlichen Schädigungen führen, genau wie ihr Gegensatz, die Überfütterung, oder endlich die auf Grund unrichtiger Zubereitung begangenen Ernährungssünden. Unrichtige Zubereitung? Damit hätte man einmal den wackeren Hausfrauen der früheren Generationen kommen sollen, die sich mit solch siegesbewußten Sinnen ihrer unfehlbaren Kochkunst rühmten. Und verstanden sie sich nicht wirklich hervorragend gut auf nahrhafte und wohlschmeckende Gerichte? Hatten sie nicht sogar die Mengenverhältnisse, die zu den Speisen gehörten, so völlig im Griff, daß sie nichts abzuwiegen brauchten und ihre Kochrezepte deshalb fast keine Gewichtsangaben enthielten? Aber gerade hierin zeigte sich die Sorg= und Gedankenlosigkeit einer Zeit, in der die menschliche Ernährung noch nicht zum volkswirtschaftlichen Problem und zum wissenschaftlichen Forschungsgegenstand geworden war. Und daß sie solche Beachtung zum mindesten mit dem gleichen Recht beanspruchen darf wie die Nahrungsaufnahme der Pflanzen, das Forschungsgebiet des Chemikers Justus von Liebig, der bekanntlich der Landwirtschaft ganz neue Wege wies, diese Erkenntnis bricht sich erst seit wenigen Jahrzehnten Bahn, und erst neuerdings setzt es sich durch, daß auch die hauswirtschaftliche Praxis, besonders die Kochtechnik, ihr Rechnung zu tragen beginnt. So ist denn eine neue Kochkunst im Werden, die nicht nur einen feinsinnigen Gaumen und geschickte Hände erfordert, sondern außerdem einen gescheiten Menschen, der scharf nachdenkt und Gelerntes gut behält, weil er die komplizierten Vorgänge bei der Herstellung der einzelnen Gerichte genau beherrschen muß, wenn der Endzweck erreicht werden soll, der darin besteht, daß der Nährstoffgehalt jeder einzelnen Zutat unversehrt dem menschlichen Körper zugeführt wird. Die moderne Hausfrau muß auch den Nahrungsbedarf jedes einzelnen Haushaltsangehörigen und schließlich auch die Verdauungsvorgänge im menschlichen Organismus kennen, um vernunftgemäß den Küchenzettel zu entwerfen, der den verschiedenen Magen und nicht zuletzt dem Geldbeutel am besten entspricht. und. ahr im: Fmerike 9 Die fortschreitende Mechanisterung der Küche kommt im wachsenden Verbrauch von Konserven am deutlichsten zum Ausdruck. Wenn dem allen Rechnung getragen werden soll, gibt es in der Tat viel zu lernen für die Hausfrau, so viel, 3 750 Kal: Kal: Die moderne Hausfrau kennt den Nahrungsmittelbedarf genau, der dem Riter und der Arbeitsleistung jedes Familienmitglieds entspricht und richtet danach ihren Küchenzettel ein. losen Zeit der Lebensmittelkarten erinnert, wird sicherlich mit Interesse erfahren, daß der Bedarf des einzelnen Menschen an Wärmeeinheiten, den sogenannten Kalorien, die die Nahrung dem Körper zuführt, durchaus kein einheitlicher ist, sondern durch Arbeitsmaß und=art sowie durch die Körpergröße bestimmt ist. So kommt mit Recht dem Hausvater der größte Anteil zu, den kleinen oder halbwüchsigen Kindern aber noch bedeutend weniger als der Hausfrau. Kopfarbeit erfordert eine andere Nahrungszusammensetzung als schwere körperliche Arbeit. Selbst die reichhaltigste Kost kann ihren Zweck verfehlen, wenn bestimmte Nährstoffe darin allzusehr gehäuft, andere vergessen sind. Die Feststellung aber, daß die so allgemein verbreitete Vorliebe für rohes Obst keineswegs nur auf Geschmacksreizen beruht, sondern dem sehr begründeten Verlangen des Körpers nach Vitaminen, diesen wichtigsten Ernährungsstoffen unserer gesamten Nahrungszufuhr, liefert zugleich den Beweis dafür, daß die Geschmacksrichtung vielfach einen guten Fingerzeig für die Zuträglichkeit der bevorzugten Kost bietet; wie ja auch die Abneigung des kranken Menschen gegen Nahrungsaufnahme eine Art Selbstschutz gegen Überlastung seines geschwächten Organismus darstellt. Alle diese Dinge ernen die künftigen Hausfrauen systematisch begreifen und in ihren Zusammenhängen verwerten. Natürlich wird niemand von ihnen erwarten, daß sie später in der Praxis sich täglich all dieses ins Gedächtnis rufen und nun ihren Küchenzettel mit pedantischer Rechenkunst nach dem Kalorienwert der einzelnen Gerichte zusammenstellen. Aber infolge ihrer Vorbildung wird es ihnen selbstverständlich geworden sein, ihren Entschließungen die nötige Sachlichkeit zugrunde zu legen. Und ebenso werden sie, nachdem sie in ihrer Jugend einmal den Wert der einzelnen Nahrungsmittel erkannt, die Kennzeichen und Merkmale ihrer Hochwertigkeit sich gemerkt und die Prüfungsmethoden nach dem Prinzip neuzeitlicher Warenkunde sich zu eigen gemacht haben, den Schwierigkeiten des zweckmäßigen Einkaufs mit viel größerer Sicherheit begegnen, als dies bei der ungelernten Hausfrau der Fall war, die ihre entsprechenden Kenntnisse oft erst durch langjährige, meist sehr kostspielige Erfahrungen erkaufen mußte. Schon die wenigen hier wiedergegebenen Tabeuen geben zu zahlreichen Überlegungen unlaß, die nicht nur praktisch nützlich, sondern zugleich auch für all jene belehrend und fesselnd sind, die weder direkt noch indirekt mit Küchenproblemen zu tun haben. Geht doch beispielsweise aus ihnen auch auf das Deutlichste hervor, welchen starken Einfluß die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse auf den Speisezettel des Einzelnen sowohl wie der Allgemeinheit ausüben müssen. Je mehr man sich in diese Materie vertieft, desto klarer prägen sich zugleich die Linien aus, die die künftige Entwicklung unseres gesamten Haushaltswesen kennzeichnen. All dies Wissen braucht selbstverständlich der Schmackhaftigkeit der täglichen Mahlzeiten keineswegs Abbruch zu tun und wird nur dem Geldbeutel des Ehemannes zugute kommen. Auch er wird schließlich erkennen, daß Sachlichkeit und Wohlgeschmack ebensowenig unüberbrückbare Gegensätze zu sein brauchen wie sparsame Wirtschaftsführung und gesundheitsgemäße Lebensweise. So ist ein weiterer Schritt zur Aufklärung getan, der fur die Gesamtheit des Volkes nur von größtem Nutzen sein kann. 3000 KalMargarete Weinberg. Roman von Fritz Poppenberger dir wohlergehe 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Kurts erste Tischgenossen wurden neugierig. „Schön verdient! Wieso?“ Na, sehr einfach! Richt durch Nichtstun, wie ihr, sondern durch ordentliche Arbeit. Wir fuhren heute Hochzeitsgäste. Na, da war es elegant.“ Breitspurig setzte sich der Erzähler auf den Stuhl.„Wißt ihr, in der Stadt war fast kein Auto mehr zu haben. Beinahe alle Wagen waren für die Hochzeit gemietet. Vielleicht zweihundert Autokönnen es gewesen sein. Na, heute haben wir verdient; beinahe drei Stunden hat es gedauert. Man hat nicht gehandelt, sage ich euch, ja, überhaupt nicht gehandelt. Ich habe sogar mehr verlangt als der Tarif vorschreibt. Na, heute haben wir wenigstens mal etwas verdient. Wirt, zwei Liter vom Weißen..„.zegärt als de. Kurt hatte am Anfang kaum hingehen, uls der Chauffeur zu sprechen begann. Doch bald wurde er aufmerkWohin habt ihr denn die Hochzeitsgäste gefahren? „Na, ein ganz schönes Stückerl. Wir haben unser Geld redlich verdient.“ 442M. „Wohin habt ihr die Hochzeilsgaste gefahlen: „Wohin? Bis zum Hochzeitshause, zu dieser neuen, großen Villa im Villenviertel. Na, Sie wissen schon, diese mit dem Kupferblechdach, das so glänzt.“ Kurt schien wieder sein Interesse zu verlieren. Im Villenviertel? Wer hat eigentlich geheiratet? „Seinen Namen habe ich mir nicht gemerkt. Er ist, glaube ich, Prokurist bei einer Bank.“ Larowicz erhob sich langsam von seinem Sitz und sah den Sprecher seltsam an.„Prokurist? Und wer— war— Ein hübsches Mädchen, sage ich Ihnen. Der Schleier und das weiße Kleid waren wunderschön. Sie war für diesen glatzköpfigen Kerl wirklich zu schade. Aber er soll glücklich sein. Er hat gut bezahlt. Er...“ „Aber wie heißt die Braut?“ unterbrach Kurt den Schwätzer mit rauher, fast schreiender Stimme, so daß dieser erschrocken zusammenfuhr. „Wie sie heißt? Die Braut? Nun, die Tochter des Kaufmanns Rügel.“. u 1463 24m Leichenblaß richtete sich Kurt aus seiner gebullten, uowartenden Stellung auf. Mechanisch warf er einen Geldschein auf den Tisch. „Zahlt für mich die Zeche", stieß er rauh hervor. Dann eilte er ine Freie. Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, keynte er sich „So jung und so betrunken“, hörte er plötzlich eine spöttische Stimme sagen. Da erhob er sich aus seiner zusammengekauerten Stellung und suchte seine Gedanken in geordnete Bahnen zu bringen. Doch immer wieder drängten sich zwei schicksalsschwere Worte in den Vordergrund: Nelly heiratet. Plötzlich wußte Kurt, was er zu tun hatte. Entschlossen kehrte er der Wirtshaustür den Rücken, durchquerte das kleine Gäßchen und bog in die Bahnhofsstraße ein, wo er in die erste, zum Zentrum der Stadt fahrende Straßenbahn stieg. Er ging nicht in das Innere des Wagens, sondern blieb auf der Plattform stehen und ließ sich den kühlen Wind um seine brennenden Wangen wehen. An der Haltestelle des Volksgartens stieger aus. Was er dort eigentlich wollte, darüber war er sich selbst nicht klar. Daß er zum Hause eilen müsse, in dem Nelly Hochzeit hatte, das wußte er. Fast laufend durchquerte er den stillen Garten und stand bald in der schnurgeraden Straße, die auf beiden Seiten von geschmackvollen Villen flankiert war. Die hellerleuchteten Fenster einer stattlichen Villa ließen Kun nicht lange suchen. „Hier feiert Nelly Hochzeit“, kam es keuchend von Kurts vieler Mühe suchte er seine erzwungene Ruhe zu bewahren, doch je länger er auf die hellen Fenster blickte, um so mehr verlor er die Besinnung. Nellv feiert Hochzeit, flüsterte eine spöttische Stimme in seinem Innern. Ja, deine Nelly. keine andere; deine Nelly... und neben ihr sitzt ein anderer Mann und darf sagen: Nelly ist mein... Ein tosendes Brausen verschlang das weitere Flüstern. Mit einem Sprung war Kurt an der Tür, drückte auf die Klinke des schweren Eisentores und stieß es auf. Er eilte zum Eingang des Hauses. Plötzlich wurde er durch einen Diener aufgehalten: Wobin so eilig!“ Nur wie durch einen Schleier sah Kutt oas spotttschfragende Gesicht vor sich, dessen Blick auf dem wirr herabhängenden Haar, der abgeschabten Kleidung und auf der schiefsitzenden Krawatte des seltsamen Gastes für einen Augenblick haften blieb. Larowicz wollte antworten, doch ein brennendes Würgen schnürte ihm mit eisernem Griff die Kehle zu. Statt einer Antwort stieß er nur ein unartikuliertes Gurgeln hervor. Da drängte ihn der Diener mit kräftigem Griff zum Tor hinaus. „Hier gidt es nichts zu trinken, wenigstens nicht für Sie.“ Wie Kurt dann in den Garten kam, der hinter dem Hause lag, wußte er selbst nicht. Nur ein Brennen an der rechten Hand erinnerte ihn, daß er über die eisernen Spitzen der Umzäunung gestiegen war und sich dabei verletzt hatte. Ohne sich des Zweckes seiner Handlungen bewußt zu werden, stieg er auf eine Gartenbank. Mit dem Rücken gegen einen breiten Baum gelehnt, starrte er unverwandt auf die erleuchteten Fenster. Minuten verstrichen, Viertelstunden, vielleicht auch Stunden— er wußte es nicht... An den Fenstern waren immer häufiger Silhouetten von glattgekämmten Männer= köpfen oder lockigen Frisuren zu sehen. Die Tafel schien zu Ende zu sein. Die Töne lauter Tanzmusik bestätigten bald seine Annahme. Mit starrem Blick verfolgte er die an den Fenstern gleichmäßig, in gleicher Richtung vorbeistreichenden Köpfe, die auf wiegenden Schultern saßen, Relvs,Hocharizeghe tanzten. Und der scharfe, aufpeitschende Ryythmu er: neuesten Charlestons hämmerte unbarmherzig auf Kurt ein. Immer länger wurden die Pausen zwischen den einzelnen Tanzweisen. Die Gäste schienen müde zu werden. Nur die unbewegliche Gestalt im Garten, die ein Teil de knorrigen Stammes zu sein schien, wurde nicht müde. Wagen auf Wagen rollte auf der Straße fort. Die Gäste verließen das Haus. Doch Kurt wich nicht von seinem Posten. Immer stiller wurde es, immer stiller. Am Kreischen eines Schlosses hörte er, daß das Tor geschlossen wurde. Der letzte Gast kehrte heim. Im unteren Stockwerk erloschen die Lichter. Ein Zimmer nach dem anderen wurde dunkel. Die Fenster warfen keinen hellen Schein mehr in den Garten, der jetzt in tiefe Finsternis getaucht war. Doch Kurt brauchte kein Licht. Seine glänzenden Augen blickten starr auf zwei Fenster, die bisher im Dunkeln gelegen hatten und nun in rötlich=dunklem Licht erstrahlten. In das Innere des Zimmers konnte er nicht sehen. Doch die schattenhaften Figuren auf der Decke bewiesen ihm, daß in das Zimmer gerade zwei Personen getreten waren. Da durchzuckte es ihn brennend: das Schlafzimmer! Nellys erste Hochzeitsnacht—. Ein durchlief seinen ganzen Körper. Krampfhaft hielt er sich am Baumstamm fest, und seine Fingernägel drangen in die frühlingsfrische Rinde. Kurt wollte fort, doch eine unsichtbare Kraft schien ion festzuhalten. Er wollte fliehen, doch er brachte nicht die Kraft auf, seine Blicke von den beiden erleuchteten Fenstern Plötzlich zuckte Kurt zusammen. Der Vorhang eines Fensters hatte sich bewegt. Deutlich hatte er es Nein, es war keine Täuschung, jemand stand am Fenster. Larowicz fuhr sich mit den Händen über die Augen. Ja, es war Nelly. Deutlich erkannte er ihr Haar, das runde Kinn des halb nach links gedrehten Profils, die mädchenhaften Schultern, die entblößt waren. Da näherte sich dem Fenster langsam eine zweite Gestalt. Abwehrend streckte Nelly ihre Hände nach vorn, dem Fenster den Rücken zukehrend. Und immer weiter lehnte sie sich gegen das Fenster zurück, bis ihr Rücken die Scheibe berührte. Wie hypnotisiert blickte Kurt auf die beiden Gestalten am Fenster, sich langsam dem Hause nähernd. Da sah er, wie eine zitternde Hand nach der Schulter des Mädchens griff, das sich bebend gegen die Scheibe preßte. Klirrend zersprang diese, und ein Scherben fiel Kurt vor die Füße. Da griff die Hand zu und zerrte Nelly in das Innere des Zimmers. Kurt wollte aufbrüllen, doch er brachte keinen Laut hervor. Langsam wandte er, als die Gestalten verschwunden waren, sein aschfahles Gesicht von den Fenstern ab und blickte auf den Glasscherben, der vor ihm lag. Ruckhaft griff er danach und hob ihn auf. Mit irrem Blick streichelte er die glatte Fläche, die Nelly noch vor Augenblicken berührt hatte. Ja, Nelly hat dich berührt, dachte er. Sie hat dich berührt mit den Schultern, mit den entblößten Schultern.. entblößten... entblößten Schultern. Und jetzt, vielleicht gerade jetzt... Mit einem, jeden menschlichen Laut unähnlichen Stöhnen führte Kurt das kalte Glas an seine Lippen. Nelly gehörte einem anderen Manne. Die seine, ganz die seine. Und verzweifelt biß er in das Glas, daß es splitternd zerDas heiße Blut der zerschnittenen Lippen vermischte sich mit dem kalten Schweiß, der in großen Perlen auf dem verstörten Gesicht stand, und rann über den hellen Anzug. Da wich der Druck, der sich wie ein eiserner Ring um den Kopf Kurts gelegt hatte. Mit umflortem Blick sah er auf das flimmernde Firmament.„Venus, du mein Stern, Göttin der Liebe, so führtest du mich?“ Copyrighi by Martin Feuchtwanger Halle(Saale) Jeder von ihnen konnie erzählen, mit welcher Freiheit die junge Frau nicht ganz einwandfreie Witze mitanhörte; jeder dünkte sich als Bevorzugter der anscheinend vor Lustigkeit sprühenden Frau und hüllte sich seinen Freunden gegenüber in gesucht=vielsagendes Schweigen, das Dinge verheimlichen sollte, die nicht vorNelly war eine andere geworden. Es schien, als wenn der brutale Griff, mit dem ihr Gatte sie aus ihrer ständigen Niedergeschlagenheit und Resignation geweckt hatte, zugleich auch Charakter= eigenschaften in ihr wachrief, die früher in der vervorgensten Ecke einer problematischen Natur ruhten. Die frühere Munterkeit des taufrischen Mädchens wurde zu einem unbändigen Temperament, das sich nach jeder Richtung auszutoben suchte. Mit nervöser Rastlosigkeit ergriff sie jede Gelegenheit, um außerhalb ihres Heims Zerstreuung zu finden. Sie tanzte und betrieb jeden für sie geeigneten Sport. Sie jagte ihren Chauffeur schon frühmorgens aus den Federn, um mit dem Auto über holprige Landstraßen zu sausen. Es gab keine Einladung, die Nelly ausschlug, und ihr luxurtös eingerichtetes Haus war täglich von Gästen bevölkert. Bei allen Gelegenheiten aber war ihr Hauptaugenmerk darauf gerichtet, immer der Mittelpunkt der anwesenden Herrenwelt zu sein. Und sie erreichte sehr leicht ihr Ziel Wenn sie sich bei einer der vielen Hausunterhaltungen, die brennende Zigarette lässig in der Hand haltend. weit in ihren Sessel zurücklehnte, war sie gleich von einer Schar von Bewunderern umringt. Mengte sie sich aber am Arm eines Herrn unter die wogenden Tanzpaare, dann mußte sie ständig ihren Partner wechseln. Die junge Frau mit ihren tollen Launen war bald in den besseren Kreisen der Stadt, die sich hinsichtlich der Klatschsucht um nichts von jeder anderen spießbürgerlichen Kleinstadt unterschied, in jedem Munde. Die unverheirateten Gents der Stadt, denen die tadellosen Bügelsalten an ihren Hosen wichtiger waren als etwa die Ehre einer Frau, zwinkerten sich verständnisvoll mit den Augen zu und glossierten die„junge Frau mit dem alten Manne“. Sch.„„„*ee wiche eer Nur die Frauenwelt war nicht gut auf Frau Rellv zu sprechen. Die Mädchen ärgerten sich, daß sie, die doch schon im Hafen der Ehe gelandet war, sich noch immer auf offener See umhertrieb und gleich ein ganzes Bündel begehrenswerter Lotsen in Anspruch nahm. Die Frauen aber fingen zu oft heimlich bewundernde Blicke ihrer Männer auf, die Nellys Gestalt, die in Seidenstrümpsen steckenden, formvollendeten Beine oder ihre glimmenden Augen zum Ziel hatten, als daß sie ihr gutgesinnt sein Während Nelly das Raunen und Flüstern, das Gerede und Zischeln vollkommen kalt ließ— sie wußte am besten, daß sie sich noch nie etwas vergeben hatte, war ihr doch die ganze Welt um sie her, einschließlich aller sich darin bewegenden Herren, gleichgültig—, litt Reiner unsäglich unter Nellys Launen. Er wußte, daß er neben ihr nicht nur linkisch und unscheinbar aussah. er war sich auch bewußt, daß er eine lächerliche Rolle spielte. Denn Nelly gab sich auch in Anwesenheit fremder Personen nicht die geringste Mühe, ihre Gleichgültigkeit, ja Abneigung gegen Reiner zu verbergen. Erst jetzt sah Reiner ein, daß man eine Frau nicht mit Gewalt erwerben könne. Erst jetzt fühlte er, daß ein freundliches Wort glücklicher machen könnte als der physische Besitz der Frau, die seine Anwesenheit als Störung, seine Liebkosungen als eine Marter hinUnd je mehr das erste Glücksgefühl eines befriedigten Sinnesrausches schwand, um so mehr bettelte er um eine freundliche Miene, um ein Zucken des herben Mundes, das er als eine Anteilnahme an seiner Qual auslegen dürfte. Doch nichts von alledem. Ein Achselzucken, ein ihm unwillig zugekehrter Rücken war alles, was er nach langem gütlichen Zureden in den seltenen Stunden erreichen konnte, in denen er mit ihr allein war. Nellys verändertes Wesen rief auch bei Reiner eine scharfe Aenderung seines Charakters hervor, dessen Hauptzug früher der Geiz war. Um seine Frau davon abzuhalten, daß sie fast ständig außer Hause weilte, suchte er sein Heim immer luxuriöser, immer schöner einzurichten. Doch es schien, als wenn Nelly an all den Anschaffungen von alten Oelbildern und kostbaren Vasen, von Teppichen und Möbeln keine Freude hatte. Da versuchte es Reiner mit Schmuck. Die Juweliere der Stadt hatten schon seit langer Zeit keine so gute Kundschaft gehabt wie den früher so knauserigen Prokuristen, der mit einem Male das Geld gar nicht mehr zählte, wenn er dachte, mit einem neuen Ohrgehänge oder einem schweren Armring seiner Frau eine Freude machen zu Doch auch damit gelang es ihm nicht, Nelly von ihrer eisigen Kälte gegen ihn abzubringen. Nicht, daß sie seine Geschenke etwa zurückgewiesen hätte. Im Gegenteil! Sie nahm sie mit gleichgültiger Selbstverständlichkeit an, legte den Schmuck an, besah sich in dem Spiegel und sperrte ihn dann in ihre eiserne Schmuckkassette, ohne auch nur„danke“ Wollte sie ihr Gatte, erstaunt über ihre Teilnahmslosigkeit, auf den Wert des Geschenks aufmerksam machen, dann kehrte sie ihm verächtlich den Rücken. Barg er hierauf traurig, niedergeschlagen, sein Gesicht in die auf den Tisch gestützten Hände, so umspielte Nellys Mund ein spöttisch=zufriedenes, triumphierendes Lächeln. Noch immer hoffte Reiner, daß er die Liebe Nellys gewinnen würde. Hätte er aber die unheimlich blinkenden, von Haß erfüllten Blicke gesehen, mit denen sie ihn in unbeobachteten Momenten betrachtete, seine Hoffnungen, die Zuneigung dieses Weibes je zu erlangen, wären in nichts zerflossen. Nelly war eine andere geworden. Nur wenn sie bei sinkender Sonne über die vom Duft frischen Heus oder harziger Nadelwälder erfüllten Landstraßen fuhr, wenn sie rechts und links wogende Aehrenfelder oder tiefgrüne Wälder vorbeifliegen sah, wenn ein gelinder Wind in ihren Locken spielte und sie sächelnd umstrich, dann wurde sie wieder die sanfte, unschuldigmuntere Nellv von einst. Leicht schloß sie dann die Lider und träumte... träumte von einer schönen Zeit, da sie auch bei Sonnenuntergang in Gottes freier Natur weilte, vom Hauch frühlingshaft sprießenden Lebens umgeben, an der Seite eines jungen, schlank aufgeschossenen Mannes, der sie mit glücklichen Augen betrachtete. Riß sie sich dann aus ihren Träumen und wischte sie sich heimlich eine Träne aus dem Auge, die gerade über das müde aussehende Gesicht laufen wollte, so befahl sie mit seltsam rauher Stimme:„Chauffeur, schneller fahren!“ Und folgsam schaltete der kaum achtzehnjährige, blonde Jüngling die höchste Geschwindigkeit ein, obwohl er wußte, daß er damit bei den schlechten Straßen sein Leben und das seiner Herrin aufs Spiel setzte. Gehörte er doch auch zur großen Schar derjenigen, die Nelly bewunderten und ihr keinen Wunsch versagen konnten. Richt nur Nelly und Reiner wurden an dem Tage, als sie sich die Hände zum Lebensbunde reichten, andere Menschen mit verändertem Innenleben, sondern auch ein Dritter wurde unter dem harten Druck eines unerbittlichen Schicksals umgeformt: Larowicz. Die wenigen Stunden einer dunklen Nacht, in denen er regungslos an den Baum des still daliegenden Gartens gelehnt stand, hatten trotz ihrer äußerlichen Ruhe einen brausenden Sturm in der Seele des Jünglings hervorgerufen, der in einer Nacht zum Manne herangereift war. (Fortsetzung folgt.)