er uich iche und Dougepris babnoralich 1.20 Mak, Einseinunme 13 Pfg. Druck u. Veragvon C. Braus, Schwerte(Rubr), Poischectktonten: Dorimund 2632 und Hannover 21674. Geschästestele: Croße Marhst. 3.—3 Verantworlich für die Schrifdleitung H. Linner, Schwerte. Hernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Pnzeiongreite fü de chiuspat mm eui: 6 Pig, Auwir. singgsamtiche u. gericktliche Anzeigen 1o Pig., Liekamezeile 40%Pf, Fir ieleson. aufgegedene Inserate üdernehmen wit keme Gewab. Der unvolbergeseon. Veliedetobrungen, dervorgerusen durch böbere Gewalten, übernebmen oir heineriei Gewäbr sir pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden Pischlur Gen, Guen Au gn) Schperter Velisklan GE SA hn uunt uas Sansenat Tügeblilli für die Stadl Schwerke und das Ami Westhofen S Kreisbirn für den nordiichen Ten des Lundtreises Iserlohn n.. ae. S chh. u0 Sshiugng Nr. 14.(Frliesk Pland) Neues in Kürze. vdz. Berlin, 8. April.(Tel.) Der Gesetzentwurf zur Uebergangsregelung des Finanzausgleiches enthält eine Bestimmung, wonach auf das Halten von Gerät zum Empfang und zur Wiedergabe des Rundsunks in privaten Räumen Steuern nicht erhoben werden dürfen. Vorstandstagung der Deutschnationalen Volkspartei vdz. Berlin, 8. April(Tel.) Dei Vorstand der Deutschnationalen Volkspartei tagle am Dienstag in Berlin. Ueber die Tagung wird von deutschnationaler Seite folgende Mitteilung gegeben. Nach einem ausführlichen Bericht des Parteivorsitzenden, Dr. Hugenberg, und nach einer eingehenden Aussprache, in der auch der Vorsitzende der Reichstagsfraktion, Dr. Oberfohren, das Wort ergriff, billigte der Vorstand die Ausführungen und sprach der Führung einstimmig sein unbedingtes Vertrauen aus. Heftbefehl gegen 25 Münchener Rotfrontkämpfer. wtb. München, 8 April.(Tel.) Von den 28 Mitgliedern des verbotenen Rotfrontkämpferbundes, die am letzten Sonntag festgenommen wurden, sind drei wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die übrigen 25 wurden dem Gericht vorgeführt, das gegen alle Haftbefehl erließ Ratifizierung des Haager Abkommens durch den belgischen Senat.., 8.. Tengt be wtb. Brüssel, 8. Aprnl,(#e### der Seuat hat mit 109 Stimmen gegen eine bei einer Stimmenthaltung das Haager Abkommen ratifiziert. Geringer Geburtenüberschuß in Frankreich. wtb. Paris, 8 April.(Tel) Nach einer Statistik des Unterstaatssekretariats für nationale Wirtschaft betrug die Zahl der Todessalle im Jahre 1929 in ganz Frankreich 728540, die der Lebendgeburten 741104, so daß sich ein Geburtenüberschuß von 12564 ergibt. 1928 betrug dieser Ueberschuß 70 205. Alkoholverbot eine Bürgerkriegsgefahr? wib. Paris, 8. April.(Tel.) Nach einer Meldung der Chicago Tribüne aus Newyork hat der frühere republikanische Senator James W. Nadsworth in einer Rede in Albany erklärt: Wenn das Alkoholverbot nicht aufgehoben werde, würde deswegen in den Vereinigten Staaten ein Bürgerkrieg ausbrechen. Betriebseinschränkung bei der Svenska Taendsticks wtb. Stockholm, 8. April.(Tel.) Der Betrieb in sämtlichen Fabriken der Svenska Taendsticks Aktiebolaget wird bis auf weiteres auf fünf Tage, pro Woche beschränkt. Diese Maßnahme, von der etwa 5500 Arbeiter betroffen werden, übergehender Verminderung des Auftragsbestandes getroffen. Wegen Verrats militärischer Scheimase beritrtel. Mn e Schwerte(Ruhr), Mittwoch, den 9. April 1930 Die Finanzvorlagen im Reichstag. Das Gustsicktengeseh ungenommen. . Be#sleing der Arbaital. wtb. München, 8. April.(Tel.) Wegen Verrates nilitärischer Geheimnisse wurde heute der 35jährige Kaufmann Gustav Eckel aus München vom hiesigen Strafgericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Mit Rücksicht auf die Sicherheit des Staates wurde die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlicheit geführt. Der Angeklagte hatte sich mit der ranzösischen Besatzungsbehörde in Verbindung gesetzt, um unter Benutzung gefälschter Schriftstücke von dieser Geld herauszulocken. Obwohl er deshalb bereits von einem französischen Kriegsgericht abgeurteilt ist, sah das Münchener Gericht die Straftat dadurch nicht als gefühnt an, weil es sich um eine Verfehlung handele, die nur durch ein deutsches Gericht abzuurteilen wäre. Die Aburteilung durch das französische Kriegsgericht wurde lediglich strafmildernd bewertet. Die von diesem Gericht erkannte und von dem Angeklagten verbüßte Strafe auf die neue Gefängnisstrafe anzurechnen, sah sich das Gericht nicht in der Lage. Rätselhafte Vergiftungen. 5 gu. 8z 4(0reis Freystadt), 8 April. 156. Sitzung des Deutschen Reichstags. vdz. Berlin, 8. April.(Tel.) Im Reichstag wurde heute das Gaststättengesetz in zweiter und dann auch in dritter Beratung endgültig angenommen. Abstimmungen über das Gaststättengesetz. Abgelehnt wurde zunächst der Antrag der Bayr. Volkspartei, wonach die Feststellung von Richtlinien für die Bedürfnisprüfung bei der Erteilung von Schankkonzessionen den Ländern überlassen bleiben soll. Die Wiederherstellung der Relationsbestimmung für Konzessionen wurde gleichfalls mit großer Mehrheit abgelehnt. Abgelehnt wurde auch der Antrag Kahl(DBP.) auf Streichung der Bestimmung, daß die Konzession nicht erteilt werden soll, wenn zu erwarten ist, daß der Antragsteller die Arbeiterschutzbestimmungen nicht befolgen werde. Angenommen wurde mit den Stimmen der Linken und der Deutschnationalen ein Antrag Dr. Strathmann(DN.), wonach bei Schul= und Jugendfesten sowie bei Sportfesten, an denen überwiegend Jugendliche beteiligt sind, ein vorübergehendes Bedürfnis für den Ausschank geistiger Getränke nicht anzuerkennen ist. Die durch Annahme des Antrags Strathmann gestrichene Ausschußfassung sagte, daß das Bedürfnis„in der Regel“ nicht anImn Hammelsprung wird mit 186 gegen 156 Stimmen ein Antrag Haag(DN.) angenommen, wonach der Ausschank von selbsterzeugtem oder Apfelwein über die Höchstzeit von 4 Monaten hinaus bis höchstens 6 Monate gestattet sein soll, wo dies bisher nach Landesrecht zulässig. wgr. Zum Paragraph 14. der die Polizeistunde einheitlich auf 1 Uhr festsetzt, werden Streichungsanträge der Wirtschaftspartei abgelehnt. Abgelehnt wird auch der sozialdemokratische Antrag auf Streichung der Bestimmung, daß beim Vorliegen besonderer örtlicher Verhältnisse Ausnahmen durch die oberste Landesbehörde zugelassen werden Paragraph 14 wird in der Ausschußfassung anZum Paragraphen 15, der ein Branntweinausschank= und Verkaufsverbot durch die Landesbehörde an Lohntagen und Wahltagen zuläßt, wird ein Antrag Bickes(DVP.) angenommen, wonach dieses Verbot keine Anwendung finden darf auf den Kleinhandel mit Trinkbranntwein in festverschlossenen Flaschen von mindestens drei Achtel Nach Paragraph 26 können durch Landesgesetz die Bestimmungen des Gaststättengesetzes ganz oder teilweise auch für den Kleinhandel mit Bier oder Wein angewandt werden. Hierzu wird ein Antrag Hampe(DN.) angenommen, der die Anwendung auf den Kleinhandel mit Wein ausschließt. Die Bestimmung, daß das Gesetz nicht Anwendung finden soll auf die Abgabe von Branntwein und branntweinhaltigen Zubereitungen zu Heilzwecken in Apotheken, wird auf Antrag Petzold Der Rest der Vorlage wird mit einer geringdie Regelung der Arbeitslosenversicherung noch nach der ursprünglichen Regierungsvorlage entbalten sei, die vom Reichsrat angenommen wurde. Diese Regelung finde aber nicht die Zustimmung der jetzigen Regierungsparteien, die vielmehr die von den Sozialdemokraten abgelehnte Kompromiß= rgelung vorgeschlagen hätten. Die neue Regierung lege ihren ursprünglichen Entwurf vor, stimme aber der Kompromißregelung zu, die auf Grund eines Aenderungsantrags der in der Regierung vertretenen Parieien an die Stelle der in der Regierungsvorlage vorgesehenen Regelung der Arbeitslosenversicherung treten soll. Das ist gewiß eine außergewöhnliche Maßnahme, so schließt der Minister, aber ich bin auch zu außergewöhnlichen Maßnahmen bereit um einer guten Sache willen. Im Ausschuß habe ich heute schon betont, daß die schnelle Verabschiedung der Deckungsvorlagen notwendig ist, wenn die Reichskasse nicht in große Schwierigkeiten geraten soll. Der Reichstag hat die Pflicht, durch schnelle Verabschiedung der Vorlagen solchen Schwierigkeiten vorzubeugen. Abg. Wissell(Soz.):„Die Behauptung, daß Politit den Charater verdirbt, wird durch die Maßnahmen der Regierung unterstützt. Die neue Regierung betont bei jeder Gelegenheit ihren Führerwillen, ja spielt manchmal mit dem Gedanken der Diktatur. Hier bringt sie aber eine Vorlage ein und wartet gleichzeitig auf einen Antrag, der den Hauptteil dieser Vorlage zerschlägt. Mit den in der Finanzreformvorlage enthaltenen Bestimmungen über die Invalidenversicherung wird das feierliche Versprechen gebrochen, das man früher gegeben hat. Die Kompromißregelung der jetzigen Regierungsparteien kann für die Sanierung Arbeitslosenversicherung gar keine andere Lösung finden, als den Leistungsabbau im Herbst.(Rufe rechts:„Das ist auch notwendig!“) Das Zentrum wird im Herbst dem Leistungsabbau gar nicht zustimmen können. Es wird sich dem Ruf nach dem Notopfer schließlich nicht verschließen können, der dann laut durchs Land dröhnen wird. Abg. Dr. Neubauer(Komm.) polemisiert gegen die Regierung und gegen die Sozialdemokratie. Großer Chemikaliendiebstahl. wtb Breslau, 9. April.(Funkspruch.) Bei der Handelsgesellschaft deutscher Apotheker, Breslau, sind große Veruntreuungen aufgedeckt worden. Drei Angestellte der Firma, ein Haushälter, ein Drogist und ein kaufmännischer Angestellter, haben im Laufe längerer Zeit Chemikalien im Werte von 80 000 bis 120000 Mark beiseite geschafft. Die gestohlene Ware wurde zum größten Teil nach Oberschlesien verschoben. Die drei Haupttäter— außer ihnen werden noch andere Angestellte geringfügiger Veruntreuungen beschuldigt— haben ihre Betrügereien eingestanden, und es wird gegen sie schon in nächster Zeit Anklage erhoben werden. Abg. Dr. Pfeffer(DVP.): Bei den interfraktionellen Besprechungen über die Arbeitslosenversicherung ist gerade an der Hartnäckigkeit des damaligen Arbeitsministers Wissel dige, Bgrgägegug gescheitert. Wir sollen kein Herz fur die Arbeitsssen haben. Das wagt man zu sagen angesichts der Tatsache, daß wir 10 Prozent der gesamten Steuereinkünfte für die Arbeitslosen und für soziale Aufgaben hergegeben haben.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Es zeigt sich doch jetzt, daß unsere Steuereinnahmen nicht mehr ausreichen, um die immer wachsenden Anforderungen der Arbeitslosenversicherung zu befriedigen. An die armen Gewerbetreibenden, die unter dem druck zu Grunde gehen, denkt man nicht.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Die jetzt vom Abg. Wissell bekämpfte Kompromißregelung für die Arbeitslosenversicherung hat ovay tug, die Zustimmung der sozialdemokratischen#mnister des früheren Kabinetts gefunden, nur Minister Wissell war starrköpfig dagegen.(Hört, hört! rechts.) Es ist nicht wahr, daß wir den allgemeinen Leistungs: wollen. In einem von mir eingebrachten Zwischenvorschlag war der allgemeine Leistungsabbau ausdrücklich ausgeschlossen.(Hört, hört!) Wir wollen die Arbeitslosenversicherung nur dahin ändern, daß sie nicht weiter ausgenutzt wird von Leuten, die künstlich arbeitslos werden. Gegen 7 Uhr wird die Weiterberatung auf Mittwoch 3 Uhr vertagt. Volle Einigung über die Agrarzölle. #•s1 Das Raichskahinett Agrarprogramms noch nicht entschieden. Vielmehr enb. Großwitz(Kreis Freystadt), 8. April. (Eigene Meldung.) Unter Symptomen schwerer Vergiftungen ist hier eine Anzahl von Kindernerkrankt. Zwei Kinder, sind bereits gestorben, weitere 20 befinden sich in äußerst bedenklichem Zustande. Die Staatsanwaltschaft hat zusammen mit den Landjägern und dem Kreisarzt eine Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet, wobei sich herausgestellt hat, daß die Vergiftungen höchstwahrscheinlich auf Blausäure oder Arsenik zurückzuführen sind. Die amtsärzt= liche Obduktion der Leiche eines der beiden verstorbenen Kinder hat auf diese Spur hingelenkt. Auf welche Weise die Kinder zu dem Gift gekommen sind, ist indessen rätselhaft. Die Untersuchungsbehörden vermuten, daß die Kinder Östereier oder anderes Zuckerwerk genossen haben, das gifthaltig war, doch hat die Untersuchung nach dieser Richtung hin noch kein Ergebnis gezeitigt. Der Bevölkerung hat sich eine starke Aufregung bemächtigt. Die Schule wurde auf drei Wochen geschlossen. vdz. Berlin, 9. April.(Tel.) Das Reichskabinett hielt am Dienstag nachmittag im Reichstag eine Sitzung ab, in der die Beratung programms abgeschlossen wurde. Wie das Nachrichtenbüro des B03 hört, haben die Verhandlungen zu einer völligen Einigung geführt. Anschluß an die Kabinettssitzung wurden die Vertreter der hinter der Regierung stehenden Parteien empfangen, um über die Beschlüsse des Kabinetts informiert zu werden. Auch in dieser, Befgrechung wurde Uebereinstimmung erzielt. Die, Agrarvorlagen sollen als Initiativanträge der Regierungsparteien im Reichstage erledigt werden. Man rechnet damit, daß die Reichstagstagung bis Dienstag nächster Woche ausgedehnt wird. vdz. Berlin, 9. April.(Funkspruch.) Zu der amtMiteilung über die Parieiführerbeßrgghzug hört das Nachrichtenbüro des Vereins Tgrzie, ng des Paragraphen 24 in der Zeitungsverleger aus parlamentarischen Freisen, Ausschußfassung in 2. Beratung angenommen, daß über das Agrarprogramm eine Einigung erzielt Das Gesetz soll am 1. Juli in Kraft treten. worden ist. Damit ist aber das Schicksal dieses Es folgte die 3. Beratung des Gesetzes. Nach kurzer Aussprache wurde im Hammelsprung der Antrag Kahl(DBP.) auf Streichung der Arbeiterschutzklausel bei der Konzessionserteilung mit 173 gegen 154 Stimmen auch in der driten Beratung abgelehnt. gutag der mirzAbgelehnt wird weiter ein Antrag der Wirtschaftspartei, der die Straußwirtschaften Winzer nur in den Wintermonaten zulassen will. Zum Paragraphen 15 wird die Ausschußfassung wiederhergestellt. Die in der 2. Beratung beschlossene Ausnahmebestimmung für den Kleinhandel an Schnapsverbottagen ist also wieder geIm übrigen wird das Gaststättengesetz in der Fassung der zweiten Beratung auch in der Schlußabstimmung der dritten Beratung gegen die Stimmen der Wirtschaftspartei und der Kommunisten angenommen. Genehmigung von Strafverfolgungen. Hierauf wird dem Antrag des Geschäftsordnungsausschusses gemäß die Genehmigung der Strafverfolgung der Abgeordneten Dr. Göbbels (Nat.=Soz.). Feder(Nat.=Soz.). Blenkle(Komm.), Wagner(Nat.=Soz.) und Strasser(Nat.=Soz.) Finanzausgleich und Finanzreform. Es folgt die erste Beratung der Vorlagen zum vorläufigen Finanzausgleich und zur Vorbereitung der Finanzreform. Reichsfinanzminitzer darauf bin, daß ir de: Agrarprogramms noch nicht entschieden. Pielmehr hängt die definitive Entscheidung über das programm ab von der Zustimmung der hinter der Regierung stehenden Parteten Zu. gau##eckungsvorlage der Reichsregierung, insbesondere zu dem Arbeitslosenversicherungskompromiß und der Biersteuer. Die in der Regierung vertretenen Parteien werden sich erst dann entscheiden, für das Agrarprogramm einzutreten, wenn eine Entscheidung über das Finanzprogramm herbeigeführt wor" K Aenestente Der Inhalt der Agrurvorlage. enb. Berlin, 9. Aprik,greigenre zegte lomeitunge, In varlamentarischez, eralseschusses mit lebhafMittwochsitzung des Steuerausschusses eschehce bachel elch lg e se heit für die Deckungsvorlagen gesichert wird. Die Nussenlage des Neicher. von* Millionen, für das erste Viertelja 67 Millionen Ausfall. nanzminister Dr. Moldenhauer weist in der Vorlage der Finanzreform Heik uid Die Tosheler esheicher halik fli er Freilassung des Petroleums einen Ausfall von 67 Millionen Mark im Deckungsprogramm der Regierung bedeutet. Die Zuckersteuer wurde dagegen in der Fassung der ursprünglichen Regierungsvorlage angenommen. Der Gesetzentwurf soll . bds. Berlir, 8. April.(Tel.) In der heutigen Sitzung des Steuerausschusses des Reichstages gab Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer einen Bericht über die Kassenlage bes, Fe=cskignen Setrngd, Disen Feübereag verzigz,P /6 3 Cus Alsch iseisched elichge A.zi lie Fisehte Für April Ueberschuß von 125 Millionen für Mai Doe Dopr Hon 28 Millionen, für Juni Fehlbeirag Poy“ Veiuyoy, 110 Millionen; für Juli lleberschuß Dezember ein Fehlbetrag von runo### vorbanden perpunkt der Bilanz liegt im Monat schels escehlce d. e al. e e Mai noch etwa 100 Millionen sehlen werden, Nutzer: dem wird Nach ben, osfen fub. Her gesich, Oeten Versgandlungen über Strealung der Kind; füir Ende Mai sind in Hange. B g, Posigrs Bie dieser Verhandlungen wird die Bewilligung der Verabschiedung der Deckungsvorlagen erneu ährdet werden würde. Die wesentlichsten Grundzüge des Gesetzes zum Schutze der Landwirtschaft sind folgende: Die Ermächtigungen für die wichtigen Zollmaßnahmen liegen bei der Gesamtheit des Kabinetts. Sie sind befristet bis zum 31. März 1931. In der Frage der Einfuhrscheine darf keine größere Belastung der Reichskasse entstehen als im letzten Jahre. Beim Roggen bleibt der Höchstsatz von 230 Mark als Jahresdurchschnitt bestehen, beim Weizen 260 Mark. In beiden Fällen erfolgt die Nachprüsung innerhalb von 6 Monaten statt bisher von 3 Monaten. Der Beimahlungszwang von Roggen zu Weizen ist gefallen. Bei Gerste wird ein Unterschied zwischen Futter= und Braugerste gemacht, wodurch die Braugerste dem Weizenpreis gleichgestellt wird. Für Futtergerste wird ein variabler Zoll von 2 bis 12 Mark eingeführt. Weiter wird die Regierung ermächtigt, den Zoll bei Schweinen bis zu 50 Prozent heraufzusetzen, wenn der Preis für Lebendschweine unter 75 Mark Berliner Notierung sinkt. Die Erhöhung dauert an, bis der Preis wieder 85 Mark erreicht. Die Regierung ist ermächtigt. den Preis bis auf 36 Mark je Doppelzentner heraufzusetzen. Der Zoll für Frischmilch, führung eines Fünfmächteabkommens sortzusetzen.“ Von britischer Seite wurde am Dienstagnachmittag betont, daß die Auffassung, die französische Delegation könnte eine ihren Wünschen entsprechende Neuauslegung des Artikels 16 erhalten, ohne dafür in eine Herabsetzung der französischen Tonnageziffern einzuwilligen, eine völlige Verkennung der Lage bedeute. Neubesetzung von Regierungspräsidien. wtb. Berlin, 8. April.(Tel.) Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, hat das preußische Staatsministerium in Aussicht genommen, zu ernennen zum Regierungspräsidenten in Potsdam den Regierungspräsidenten Dr. Igenicke in Breslau mit seinem Einverständnis, ferner zum Regierungspräsidenten in Breslau den Präsidenten des Ruhrsiedlungsverbandes, Happ, sodann zum Regierungspräsidenten in Erfurt den Vizepräsidenten des Oberpräsidiums in Magdeburg, Freyseng. Die Lage in Indien. deren Einfuhr bisher zollfrei war, ist auf 5 Pfennig je Kilogramm festgesetzt, für entkeimte Milch von 5 auf 8.5 Pfennig erhöht. Der autonome Eierzoll wird von 6 auf 30 Mark pro 100 Kilogramm heraufgesetzt; er ist jedoch gegenüber Italien und Jugoslawien gebunden. Für Müllerei=Erzeugnisse wird der doppelte Weizenzoll plus 1,50 Mark in Anwendung gebracht. Für Weine werden die autonomen Zollsätze um 50 Prozent erhöht, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, daß die Weinzollsätze gebunden sind durch die Handelsverträge vor allem mit Italien. Frankreich und Spanien. Eine besondere Ermächtigung für die Reichsregierung sieht vor, daß der Zollsatz für Wein, der zur Herstellung von Schaumwein verwandt wird, nach ihrem Ermessen herauf= oder herabgesetzt wird. Bevor eine Regelung des Hopjenzolles möglich ist, soll die Reichsregierung erst die mit Frankreich und Belgien bestehenden Bindungen beseitigen. Das Kontingent der zollfreien Gefrierfleischeinfuhr wird ab 1. Juli beseitigt. Die Regierung wird Vorsorge treffen, die dadurch für die minderbemittelte Bevölkerung entstehenden Nachteile auszugleichen, und zwar durch die Versorgung mit Frischfleisch. Dabei ist besonders an die Einfuhr von dänischem Magervieh gedacht. Außerdem ist die Regierung ermächtigt, auch das Einfuhrkontingent für gefrorene Innereien erforderlichenfalls aufzuheben. Uin die Biersteuer. enb. Berlin, 9. April.(Eigene Radiomeldung.) Zu der bevorstehenden Entscheidung des Steuerausschusses, von der das Schicksal der Agrarvorlagen abhängt, bemerkt das Berl. Tagebl.: Abgesehen von der Frage der Arbeitslosenversicherung kommt alles darauf an, ob man außer den Deutschnationalen auch die bayrische Volkspartei und den hayrischen Bauernbund auf irgend eine Weise zur Aenderung ihrer bisher ablehnenden Haltung gegenüber der Biersteuer bewegen kann. In parlamentarischen Kreisen verlautete gestern, daß noch eine Einwirkung von sehr hoher Stelle auf eine führende Persönlichkeit der baurischen Volkspartei am heutigen Tage unternommen werden soll. Selbst wenn die Deutschnationalen und die Christlichnationalen(die im Ausschuß sich auch gegen die Biersteuer ausgesprochen hatten), geschlossen für diese eintreten würden, und wenn die Bavrische Volkspartei nebst dem Bayr. Bauernbund sich der Stimme enthielten, die Wirtschaftspartei aber bei ihrer gleichsalls ablehnenden Haltung verbliebe, wäre die Biersteuer schon gefallen. Der Vorwärts ergänzt die Andeutungen des B. T. dahin, daß der am Dienstag in Berlin eingetrossene Vorsitzende der Bayr. Volkspartei, der bayr. Landtagsabg. Schäffer, am Mittwoch vom Reichspräsidenten empfangen werden soll. Der zivile Widerstand in Indien. wtb. Bombay, 8. April.(Tel.) Als Antwort auf die gestrige Verhaftung von Führern des zivilen Widerstandes haben die meisten Läden der Hindus und Parsen für heute geschlossen Außerdem finden die meisten hiesigen Straßenmärkte nicht statt. 2000 Schüler streiken. Zusammenstoß in Bombay. wtb. Bombay, 8. April(Tel.) Streikende Eisenbahner, die sich auf die Schienen stellten, um Züge am Weiterfahren zu hindern, hatten heute einen Zusammenstoß mit der Polizei, bei dem zwei Eisenbahner verletzt und zehn verhaftet wurden. Ghandis Sohn zu Haft verurteilt. wtb. Surat, 8. April.(Tel.) Ghandis Sohn, Ramdas, sowie vier seiner Gefährten sind zu sechs Monaten strenger Haft verurteilt worden. Der Aktieninder. wtb. Berlin, 9. April.(Tel.) Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktieninder(1924=26 gleich 100) stellt sich für die Woche vom 31. März bis 5. April 1930 auf 122,3 gegenüber 120,2 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 121,9(120,2), Gruppe verarbeitende Industrie 111,1(108.4) und Gruppe Handel und Verkehr auf 141.8(140.5). Für den Durchschnitt des Monats März 1930 ist der Index auf 119,0 gegenüber 120,6 im Durchschnitt Februar 1930 ermittelt und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie mit 118(120.2) Gruppe verarbeitende Industrie mit 107,4(109.1) und Gruppe Handel und Verkehr mit 139,5(141.3). Rheinischer Provinziallandtag. wtb Düsseldorf, 8. April.(Tel.) Zu Beginn der heutigen Etatsberatung machte der Vorsitzende Dr. Jarres zunächst Mitteilung von weiteren 14 eingegangenen Anträgen, die sich für eine Unterstützung der Winzer und Kleinbauern, sowie für eine Aktion zugunsten des Gemüse= und Obstvaues aussprechen. Dann wurde die Aussprache zum Haushaltsplan fortgesetzt. Die weiter eingegangenen Anträge wurden den Ausschüssen überwiesen. Da noch nicht zu übersehen ist, wie weit diese mit den Anträgen vorankommen, behält sich der Präsident vor, die Tagesordnung der nächsten Sitzung am Donnerstag selbst sestzuseten. Der Stand der Londoner Besprechungen. wib London, 9. April.(Funkspruch.) Dienstag abend wurde das folgende amtliche Communiqué ausgegeben:„Die britische und die französische Delegation trafen heute nachmittag im Zimmer des Premierministers im Unterhaus zusammen und verhandelte bis nach 7 Uhr. Briand erstattete Bericht über seine Besprechungen in Paris und der Premierminister berichtete über die Erörterungen, die inzwischen in London stattgefunden haben. Der augenblickliche Stand der Besprechungen zwischen den beiden Delegationen wurde geprüft. Man kam überein, daß eine weitere am Mittwoch um 5 Uhr nachmittags stattfinden soll, um die Suche nach den Mitteln zur HerbeiAushebung einer vierten kemmunistischen Gehenndraueret enb. Berlin, 9. April.(Eigene Radiomeldung.) Die Berliner Polizei hat im Anschluß an die Verhaftung des Schriftstellers Ernst Friedrich gestern in Berlin eine vierte Geheimdruckerei ausgehoben und ihren Leiter festgenommen. Dies ist die vierte linksradikale Druckerei, die in der letzten Zeit entdeckt wurde. Die überraschend in den Betrieb eindringenden Kriminalbeamten fanden ein außerordentlich umfangreiches Material verbotener Schriften und sonstiger Schriftstücke, deren Sichtung noch nicht beendet ist. Da die ganze Angelegenheit weitere Kreise zieht, wird im Interesse der Untersuchung über den Ort der Haussuchung und die Person des Verhafteten noch nichts Näheres mitgeteilt. Beamte der Abteilung IA wurden auch ins Reich entsandt, damit dort auf Grund der durch die Ermittlungen festgestellten Verbindungen zu anderen Geheimdruckereien außerhalb Berlins weitere Aktionen durchgeführt werden können. Schlägerei bei einer volisasen Versanntlung. wtb. Ludwigshasen, 8. April(Tel.) Zu einer großen Schlägerei artete gestern abend eine von der kommunistischen Partei im Städtischen Gesellschaftshaus veranstaltete Versammlung aus, die von etwa 700 Personen besucht war. Der kommunistische Hauptredner Lenzner=Berlin referierte über das Thema„Faszismus ohne Waffen". Da man die Nationalsozialisten ausdrücklich eingeladen und zur Diskussion aufgefordert hatte, waren dieser in großer Zahl erschienen. Lenzner konnte sich zu Anfang seines Vortrages noch leidlich durchsetzen. Bald jedoch begannen die Nationalsozialisten den Vortrag zu stören. Sie begannen ihre Kampflieder zu singen, so daß der Redner sich nicht mehr verständlich machen konnte. Von kommunistischer Seite wurden die Störungsversuche mit dem Kampfruf „Nieder mit dem Faszismus“ beantwortet. Als dann-vom Rednerpult ein Stuhl in den Zuschauerraum geschleudert wurde, war dies das Signal zu einer allgemeinen Rauferei. Eine beträchtliche Anzahl der Versammlungsteilnehmer wurde erheblich verletzt. Die Polizei mußte schließlich einschreiten und den Saal räumen. Acht Personen wurden festgenommen. Eine Durchsuchung der Versammlungsteilnehmer förderte zahlreiche Hieb= und Stichwaffen zutage. Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit. wtb. Berlin, 8. April.(Tel.) Heute fand eine ordentliche Mitgliederversammlung des Reichskuratoriums für Wirtschaftlichkeit statt. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied Schäser gab einen Ueberblick über die Arbeiten der dem RKW. angehörenden Ausschüsse(Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung, Ausschuß für wirtschaftliche Verwaltung, Reichsausschuß für Lieserbedingungen). Er stellte fest, daß neben der Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiete der technischen Rationalisierung die Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Verwaltung an Bedeutung gewonnen habe. Selbstmord eines Briefträgers nach der Verhaftung. wtb. Berlin, 8. April.(Tel.) Der 40 Jahre alte Briefträger Karl Gause von einem Postamt im Nordwesten der Stadt, der seit einiger Zeit in Verdacht stand, Briefe unterschlagen zu haben, wurde heute vormittag auf seinem Bestellgange auf Veranlassung der Oberpostdirektion von einem Beamten der Kriminalpostdienststelle beobachtet, der Gause auf frischer Tat ertappte. Gause sollte zur Klärung seiner Verfehlungen dem Beamten zum Amt folgen. Auf dem Wege dorthin riß sich Gause los, stürmte die Straße bis zur Hausabrücke entlang und stürzte sich in die Spree. Die Feuerwehr suchte das Wasser nach dem Ertrunkenen ab, konnte aber die Leiche noch nicht bergen. Bei der Verhaftung hatte Gause die Unterschlagungen zugegeben. Waldlausmeisterschaft des Reichsheeres. enb. Berlin, 8. April.(Eigene Meldung.) Heute vormittag kam auf dem Truppenübungsplatz Wünstorf die Waldlaufmeisterschaft des Reichsheeres zum Austrag. Ihr wohnten bei General der Infanterie Freiherr Hasse, Reichswehrgruppenkommando 1, und General Freiherr von Hammerstein, Chef des Truppenamtes. Die Strecke führte über 8 Km. Dem Starter stellten sich 116 Mann. Sieger wurde Gefreter Schönfelder(Reiterregiment 17, Bamberg) in der ausgezeichneten Zeit von 28 Minuten 14 Sekunden. Zweiter wurde, 80 Meter zurück, Oberschütze Kraft(Infanterieregiment 10, Bautzen). Als nächste folgten Gefreiter Wagner (Infanterieregiment 19. Kempten), Gefreiter Völker (Pionierbataillon 7, München) und Gefreiter Hildebrand(Infanterieregiment 20. Passau). Den Mannschaftssieg errang das 3 Bataillon Infanterieregiment 5(Rostock) 87 Punkte, vor dem 2. Bataillon Infanterieregiment 10(Bautzen), 98 Pkt., und dem 1. Bataillon des Infanterieregiments in Frankfurt a. Oder, 106 Punkte. Falsches Geld. wp. Cleve, 8. April.(Tel.) In den Dörfern an der deutsch=holländischen Grenze von Cranen= burg bis Venlo ist seit einiger Zeit eine Reihe von falschen 1= und 2=Markstücken im Umlauf. Man nimmt an, daß das Falschgeld in Holland hergestellt wird. Mit dem Motorrad verunglückt. wtb Baesweiler(Bez. Aachen), 8. April.(Tel.) Auf der Straße Geilenkirchen—Heinsberg fuhr gestern abend der Lehrer Lattan aus Baesweiler mit seinem Motorrad beim Ueberholen eines Lieserwagens mit solcher Wucht gegen einen entgegenkommenden Lastwagen, daß er auf der Stelle getötet wurde. Der mitfahrende Schüler Gandelheid aus Bacsweiler erlitt einen Schädelbruch; sein Zustand ist bedenklich. Liebestragödie oder Verbrechen? wp. Düsseldorf, 8. April.(Tel.) Sonntag morgen wurde im Düsseldorfer Hasen von einem Angler die seit 5 Wochen vermißte Meta Römer als Leiche gefunden. Nach Augaben der Eltern handelte es sich um ein lebensfrohes Mädchen, so daß kein Grund zum Freitod vorlag. Das Mädchen hatte mit dem stellenlosen Chauffeur Peekhaus, der ebenfalls spurlos verschwunden ist, ein Verhältnis. Fastnacht=Dienstag wollte das Mädchen den Peekhaus am Benrather Schloß treffen. Von diesem Tage an fehlt jede Spur der beiden. Auch ist demnach die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß beide gemeinsam in den Tod gegangen sind. Die Leiche der Römer wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und wird heute obduziert werden, um die Todesursache festzustellen. Aus Rat und Fern. Gräßlicher Unfall eines Kindes. wp. Recklinghausen, 8. April.(Tel.) Am Dienstag ereignete sich hier ein schrecklicher Unglücksfall. Ein zehnjähriger Knabe kletterte über das 2½ Meter hohe Einfriedigungsgitter des Spielhofes der Friedrich=Schule, um einen Ball wiederzuholen. Der Junge wollte von oben abspringen, wurde aber dabei von einer Eisenspitze des Gitters aufgespießt, die ihm unter dem Kinn eindrang, durch Ober= und Unterkiefer ging und an der Nase herauskam. Die Spielgefährten riefen den Vater des Knaben herbei, der das inzwischen bewußtlos gewordene Kind aus setner schrecklichen Lage befreite und ins Krankenhaus schaffte. Ein Deutscher in Italien verhaftet. enb. Berlin, 9. April.(Eigene Meldung.) In Venedig wurde, wie die Voss. Ztg. berichtet, der 28jährige Deutsche Alexander Weber, als er eine Bootsfahrt in der Nähe des Festungsringes unternahm, von einem Artilleriehauptmann festgenommen und auf die Polizei gebracht. Weber, der seit drei Monaten in Venedig wohnt, wurde zur Durchführung weiterer Ermittlungen in Haft behalten. Da er eine Pistole bei sich hatte, wird er sich wegen mißbräuchlichen Waffentragens zu verantworten haben. Großfeuer auf dem Leipziger Güterbahnhof. wtb Leipzig, 8. April.(Tel.) Auf bisher noch unaufgeklärte Weise brach im Dachgeschoß eines Kühlhauses auf dem Gütergelände des Leipziger Hauptbahnhoses heute gegen 9 Uhr ein Feuer aus. das in den mit Torfmull gesüllten Kühlwänden reiche Nahrung fand und das ganze Gebäude ergriff. Erst nach mehrstündiger Arbeit gelang es der Feuerwehr, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Bei den Löscharbeiten wurden zwei Feuerwehrleute durch Stichflammen im Gesicht und an den Händen verletzt. Postraub in Hohensalza. wtb. Posen, 8. April.(Tel.) In Hohensalza draugen gestern abend zwei maskierte Banditen in das Postgebäude ein, bedrohten die beiden anwesenden Beamten mit dem Revolver, fesselten und kuebelten sie und raubten aus der Postkasse rund 63000 Zloty. Es gelang ihnen, ohne behelligt zu werden, zu flüchten. Explosion einer Ammoniakflasche. wtb Mailand, 8. April.(Tel.) Heute nachmittag explodierte in einer Eisfabrik eine Ammoniakflasche. Ein Vorarbeiter wurde getötet, zwei Arbeiter erlitten schwere Brandwunden, ein vierter kam mit leichteren Verletzungen und Brandwunden davon.„ 75 1 Blutiger Doaarbeitertampf. wtb. Buenos Aires, 8. April(Tel.) Zwischen etwa 100 organisierten und nichtorganisierten Dockarbeitern kam es gestern zu einer regelrechten Schlacht, bei der Messer und Revolver verwendet wurden. Der Polizei gelang es schließlich, die Menge zu zerstreuen. Ein Dockarbeiter wurde getötet, fünf wurden schwer verletzt. Aushebung einer Zulschinunzerwerenalt in Linn. wtb Teplitz=Schönau, 9. April.(Funkspr.) In Bilin wurde gestern in der Wohnung des 60jährigen Fabrikangestellten Mattausch eine Falsch= münzerwerkstatt ausgehoben. Es wurden sechs Kisten mit photographischem Material, Chemikalien, tschechoslowakischen und reichsdeutschen Stempelmarken, Platten zur Herstellung von ZehnDollarnoten, ein Dollarstempel sowie ungemein zahlreiches halbfertiges Material vorgefunden. Mattausch, der verhaftet wurde, behauptet, die Fälschungen nur aus Sport betrieben, aber keine Falschstücke in den Verkehr gebracht zu haben. 30 Verletzte bei einem Zugzusannnensles in Argeminen wtb Buenos Aires, 9. April.(Funkspruch.) Bei dichtem Nebel stießen gestern in der Gegend von Haedo zwei Personenzüge zusammen. 30 Personen wurden verletzt. Der Mensusenrausbrezen. enb. Hamburg, 9. April.(Eigene Meldung.) Vor dem Hamburger Schwurgericht beginnt heute das gerichtliche Nachspiel der Piratenfahrt des Dampsers„Falke“ nach Benezuela. Angeklagt sind die Reeder des Schiffes, Kaufmann Prenzlau und Prokurist Kramarsky, beide in Hamburg, und der Kapitän Zipplitt. Der Dampfer „Falke“ ging am 9. Juli 1929 nicht nach Danzig, wie es zunächst verlautete, sondern nach dem polnischen Hafen Gdingen. Dort wurden Waffen an Bord genommen. Die Mannschaft verweigerte die Arbeit, wurde aber beruhigt, nicht zuletzt durch Zusicherung einer Gratisikation und einer Heuererhöhung. Nach Passieren des Kanals trat der Charakter des Unternehmens klar zutage: Die Kisten mit Wafsen wurden geöffnet, die Passagiere sich als venezolanische Rebellen. Geplant war ein Putsch in Venezucla Leiter des Ganzen war der auf dem„Falke“ mitfahrende General Delgado. Endlich kam der Tag der Landung von Cumana. Am Ufer entwickelte sich eine Schießerei, in deren Verlauf der Rebellenführer Delgado getötet und mehrere Personen verwundet wurden. Der Dampfer„Falke“ ging sogleich auf die offene See hinaus und warf in Port of Spain (Trinidad) Anker. Die getäuschte Schisssmannschaft wanvie sich an die englischen Behörden und an den deutschen Konsul, der im September für ihre Heimbeförderung sorgte. Venezuela beantragte Beschlagnahme des„Falke“. Es wurden diplomatische Schritte unternommen und schließlich veranlaßte man die Staatsanwaltschaft Hamburg zum Einschreiten. Neben der Hamburger Verhandlung wegen Menschenraubes läuft in gleicher Sache eine Klage beim Reichsgericht wegen der Wassenladung. Raufriastendienst durchf Hunesprauft Die Sühne für den Einbruch in die Reichsbahnkasse in Reichenberg. wib Reichenberg, 9. April.(Funkspruch.) Vor dem hiesigen Kreisgericht fand gestern die Verhandlung gegen die vier Einbrecher statt, die am 22. Dezember vorigen Jahres den Einbruch in die Güterkasse der Reichsbahn in Reichenberg ausgeführt hatten, bei dem ihnen 126000 tschechische Kronen und 13000 Reichsmark in die Hände gefallen waren. Das gestohlene Geld ist nur zum Teil wieder herbeigeschafft worden. Das Gericht verurteilte den Stationshilfsschaffner Brandler und den Chauffeur Meisel zu je 2 Jahren, den Schneidergehilfen Frank zu 2½ Jahren und den Schuhmachergehilfen Streda zu 3½ Jahren schweren Kerkers. Die Verurteilten wurden zum Ersatz des gestohlenen Betrages an die Deutsche ReichsbahnGesellschaft verpflichtet. Ergebnislose Staatspräsidentenwahl in Lettland. wtb Reval, 9. April.(Funkspruch.) Auf der Tagesordnung der Landtagssitzung stand gestern die Wahl des Staatspräsidenten Lettlands. Bis 9,30 Uhr abends hatten sieben Wahlgänge stattgefunden, die jedoch ergebnislos verliefen. Der Kandidat des Bauernbundes, Kviesis, Vizepräsident des Landtags, erhielt 49 Stimmen, doch sehlten ihm noch 2 Stimmen an der notwendigen absoluten Mehrheit. Der Sozialist Dr. Kolnis, Präsident des Landtags, brachte es auf 36 Stimmen. Die Fortsetzung der Wahl wurde auf Mittwoch nachmittag vertagt. Frau Hanau aus der Haft entlassen. wib. Paris, 9. April.(Funkspruch.) Frau Hanau, die Leiterin der„Gazette du Franc“, ist Dienstag abend, nachdem die geforderte Kaution von 800 000 Frank von ihren Verwandten und Gläubigern aufgebracht worden ist, aus der Haft entlassen worden. Sie wurde von ihrer Mutter, ihrem Mitarbeiter Lazare Bloch und ihrem Anwalt vor nis erwartet. Außerdem hatten sich etwa 500 Personen eingefunden, von denen einige ihrem Unwillen durch feindselige Rufe Ausdruck gaben. Frau Hanau soll sich in ein in einem Pariser Vorort gelegenes Sanatorium begeben haben. Norman wiedergewählt. wtb London, 9. April.(Funkspruch.) Montag Norman wurde gestern zum Gouverneur der Bank von England wiedergewählt. Das Urteil im Prozeß gegen das Ehepaar Donati. wtb Ravenna, 9. April.(Funkspruch.) Das Sondergericht zum Schutze des Staates hat im Prozeß gegen das Ehepaar Donati, das des Mordes an zwei Faschisten angeklagt war, das Urteil gefällt. Donati wurde zu lebenslanglichem Zuchthaus verurteilt, seine Frau wurde freigesprochen. Standrecht in Kinkiang. wib Schanghai, 9. April.(Funkspruch.) In Kinkiang ist das Standrecht verhängt worden. Jeglicher Warenverkehr ist eingestellt. Infolge des Gerüchtes von der Einnahme der Hauptstadt der Provinz Rantschang sind zahlreiche Kinder von Ausländern aus Kuling nach Hankau abbefördert worden. In den Provinzen Yunnau, Kiangst und Klangsu sollen kommunistische Banden und entlassene Soldaten sengen und morden. Aus derd Meltsur-Stattten Aus Groß=Dortmund — Der neue Präsident der Oberpostdirektion Dortmund. Ministerialrat Dr. Luensmann ist mit Wirkung vom 1. Juli 1930 an zum Präsidenten der Oberpostdirektion in Dortmund ernannt worden. Geboren ist er am 14. November 1875 in Weener. Der neue Präsident ist am 16. März 1894 in den höheren Postdienst eingetreten, wurde am 1. April 1920 Postrat, am 15. September 1923 Oberpostrat und erhielt dann zum 1. Dezember 1924 seine Ernennung zum Ministerialrat. Dr. Luensmann ist seit einer Reihe von Jahren in der Finanzabteilung des Reichspostministeriums beschäftigt und hat aus dieser Tätigkeit mannigsache Beziehungen zur Wirtschaft. Er stammt aus Niedersachsen und kennt aus seiner früheren Beschäftigung im Westen, insbesondere im münsterischen Bezirk, die Verhältnisse Westfalens aus eigener Anschauung. — Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich am Dienstag gegen 15,45 Uhr an der Ecke Kraut= und Westerbleichstraße. Der Lieferwagen eines Bierverlegers aus der Haydnstraße wollte von der Kraut= in die Westerbleichstraße hineinfahren. Hierbei wurde der 60 Jahre alte Invalide Julius Lossin, der die Krautstraße überqueren wollte, von dem Wagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Angeblich soll den Führer des Kraftwagens die Schuld an dem Unfall treffen. Dieses dürfte auch daraus zu schließen sein, deß der Führer, als er den alten Mann auf der Straße liegen sah, seinen Wagen stehen ließ und flüchtete. Der Wagen wurde von der Polizei von der Straße weggefahren. Der verletzte alte Mann wurde mit einem Krankenwagen in das Brüderkrankenhaus gebracht. Wie das Krankenhaus auf Anfrage mitteilt, hat er mehrere Verletzungen am Kopf erlitten, außerdem mird ein Rippenbruch vermutet. Sein Zustand ist jedoch nicht lebensgefährlich. Ein tödlicher Zusammenstoß zwischen #m#i Motorradfahrern. Ein schwerer Zusamenstoß zwischen zwei Motorradfahrern mit tödlichem Ausgang ereignete sich gestern abend u 7 Uhr auf der Wittbräuckerstraße in der e des Restaurants Gockel. Der Zusammenstet war so stark, daß einer der Fahrer im hohen egen von seiner Maschine flog und auf der Stelle tot war, der zweite Motorradfahrer erhielt schwere Verletzungen am Kopf und wurde mittels Krankenwagens zum Hospital gebracht, sein Zustand ist sehr bedenklich. Man hatte inzwischen noch die Feuerwehr von Hörde alarmiert; als diese erschienen war, konnte sie nur noch den schwer verletzten Fahrer mit dem sofort herbeigerufenen Krankenwagen fortschaffen, den toten Motorradfahrer hatte man in das Haus Wittbräuckerstraße 29 getragen. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt. davon, sodaß es dem Krankenhause zugeführt werden mußte. Der Zustand ist ernst. Euskirchen. Ein forsches Mädchen. In der Nacht hatten die Bewohner eines Gehöftes einen verdächtigen Mann wahrgenommen. Kurz entschlossen nahm das Mädchen sich eine Flobertpistole und eilte nach draußen. Hier stand sie einem Manne gegenüber, in dem sie einen Einbrecher vermutete. Auf ihren Anruf„Hände hoch!“ gab sie kurz entschlossen einen Schuß auf den Mann ab und verletzte ihn am Unterschenkel. Mit hochgehobenen Händen führte das Mädchen ihn ins Haus, gab ihn Vater und Bräutigam zur Bewachung und benachrichtigte die Polizei. Beim Eintressen des Beamten stellte sich heraus, daß es sich um einen harmlosen Mann handelte, der vermutlich ein nächtliches Stelldichein suchen wollte. Borghorst. Vom Polizeihund in das Schlammbad gejagt. Gegen 1 Uhr nachts glaubte hier ein junger Mann keinen Polizisten mehr auf der dunllen Landstraße zu finden, setzte sich auf sein unbeleuchtetes Fahrad und wollte schnurstraks— so gut wie es noch möglich war— den heimischen Gefilden zustreben. Doch ehe er sich versah, erschollen kräftige Haltruse. Der junge Herr schien Angst vor einem Strafmandat zu haben, denn er raste wie wild davon. Der von den Beamten mitgeführte Hund riß sich los, und im Nu war das Opfer gestellt, das in seiner Angst die Gewalt über das Rad verlor und im hohen Bogen in den mit Schlamm gefüllten Graben stürzte. Als er sich mit vieler Mühe wieder aufs Trockene begeben hatte, stand neben ihm der Polizist, der den Namen erfragte und ihm eine„Denkschrift" über dieses Erlebnis in Aussicht stellte. Der Bürger ist Einwohner geworden Von Karl A. Langenbeck. Soest. Ein Verbrechen entdeckt? Bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Gelände der Firma Hagen fand man in 1 Meter Tiefe ein männliches Skelett. Der Kopf war zweimal durchlöchert und an der obenliegenden Seite zertrümmert. Es handelt sich zweifellos um ein Verbrechen, dem man jetzt, nach etwa 20 bis 30 Jahren, auf die Spur gekommen ist. Die Polizei ist mit den Ermittlungen beschäftigt. Letmathe. Boykott eines kommunalen Schlachthofes. Die Metzgermeister von Letmathe und Hohenlimburg haben den Boykott des Zweckverbands=Schlachthofes beschlossen und wollen entweder auswärts schlachten oder das Fleisch von einem Fleischhändler kaufen, wenn man die Absicht, die Schlachtgebühren von 3 auf 4 Pfennig pro Pfund Fleisch zu erhöhen, durchführen sollte. Zur Vorsicht haben sie bereits die von ihnen gemieteten Kühlzellen gekündigt. Die Erhöhung der Schlachtgebühren soll die Gemeinden Letmathe und Hohenlimburg vor Belastungen in Höhe von 60000 bezw. 90 000 Mark im schützen. Wuppertal. Schülerselbstmord. Am Donnerstag morgen wurde ein Schüler der Barmer Oberrealschule im Bett erschossen aufgefunden. Der Schüler hatte am Mittwoch einen Brief an seinen Vater, der die Mitteilung von der Nichtversetzung enthielt, abgefangen. Er legte sich abends ins Bett und schoß sich, nachdem er Kissen und Bett über sich gezogen hatte, ins Herz. Man fand den Schüler erst am Morgen, als man ihn wecken wollte, tot im Bett auf. In seinen Taschen wurde der abgefangene Brief der Schule vorgefunden. Gummersbach. Fünf Morgen Wald vernichtet. Ein 29jähriger Mann zündete bei Haan im Walde das trockene Gras an. Das Feuer verbreitete sich mit außerordentlicher Schnelligkeit, so daß eins der schönsten Plätzchen im Ittertal, der Tannenkopf, vernichtet wurde. Bochum. Todessturz inden Schacht. Der Bergmann Gustav Oesterling stürzte in Ausübung seines Berufes auf der Zeche„Robert Müser“ in einen Schacht. Der Verunglückte konnte nur als Leiche geborgen werden. Remscheid. Auf einen Eisenzaunge stürzt. Beim Spiel machte ein zehnjähriger Junge Kletterübungen. Dabei stürzte das Kind ab und fiel mit dem Rücken auf einen Eisenzaun. Hierbei trug es sehr schwere Verletzungen Goethe schrieb an Eckermann:„Wodurch ist Deutschland groß, als durch seine bewunderswürdige Volkskultur, die alle Teile des Reiches gleichmäßig durchdrungen hat? Sind es aber nicht die einzelnen Fürstensitze, von denen sie ausgeht und welche ihre Träger und Pfleger sind?... Denken Sie an Städte wie Dresden, München, Stuttgart, Kassel, Braunschweig, Hannover; denken Sie an die großen elemente, die diese Städte in sich selber tragen; denken Sie an die Wirkungen, die von ihnen auf die benachbarten Provinzen ausgehen, und fragen Sie sich, ob das alle sein würden, wenn nicht seit langen Zeiten die Sitze von Fürsten gewesen? Frankfurt, Bremen, Hamburg, Lübeck sind groß und glänzend, ihre Wirkung auf den Wohlstand von Deutschland gar nicht zu rechnen; würden sie aber wohl bleiben, was sie sind, wenn sie ihre eigene Souveränität verlieren und irgend einem großen deutschen Reich als Provinzstädte einverleibt werden sollten? Ich habe Ursache, daran zu zweifeln.“ Der Fürst in seinem Staate, der Bürger in der freien Stadt sind nach Goethe die Lebenselemente der Volkskultur. Um die gleiche Zeit hatte der große Staatsreformer Freiherr vom Stein der Bürgerarbeit in der Gemeinde Richtung und Ziel gegeben im Selbstverwaltungsrecht. Er richtete an die Bürokratie wie überhaupt an alle Dienchmechanismen eine scharfe Absage und verlangte die Aufnahme von Menschen aus dem Gewirre des Leben in die Verwaltung. Um ihnen einen Reichtum an Ansichten und Gefühlen zu geben, die ihnen bisher fremd geblieben waren. In den Gemeinden sollten nach seinem Willen außer dem Stadtdirektor und dem Rendanten überhaupt nur Laien tätig sein. Die Fürsten sind dahin, den Bürger gibt es nicht mehr, das Gesetz kennt nur noch den Einwohner. Früher konnte nur Bürger sein, wer in der Stadt Grundbesitz hatte, später konnte man sich das Bürgerrecht noch kaufen. Das demokratische Prinzip der neuen Zeit hat den Bürger beseitigt. Es ist heute so, als wenn trotz Selbstverwaltung und trotz ehrenamtlichen Stadtverordneten und Stadträten eine Lücke bestünde zwischen dem Einwohner und der Verwaltung, zwischen Masse und Regierung der Stadt. Die Schrache scheint das schon auszudrücken: Bürger und Bürgermeister! Das klingt wie ein Vertrauensverhältnis, patriarchalisch, auf einen Akkord gestimmt. Wenn unsere Zunge sagen soll: Bürgermeister und Einwohner, so stolpert sie ein paar Stufen hinab. Es ist ein leerer Raum dazwischen, in diesem Raume steht ein Gesetzbuch aufrecht wie eine Scheidewand. Das Buch heißt: Wahlrecht. Es will kein Vertrauensverhältnis, es will nur ein Rechtsverhältnis. Die Einwohnergemeinde wählt nicht mehr wie die alte Bürgergemeinde die Person ihres Vertrauens, sondern ein stem, eine Liste von Personen, die einer Partei angehören. Sie wählt ein System politischer Anschauung, vielleicht dasselbe wie bei all den anderen Wahlen. Im Einwohner ist der Bürgersinn verblaßt, seine Teilnahme an dem Geschick der Stadt währt nur so lange, wie er eben ihr ihr wohnt. Es ist seltsam, wie heute der Einwohner seiner Stadt ferner steht als dem Staat; sein Gedankenweg geht über den Staat zur Stadt. Des Bürgers Gedanken führten über die Stadt zum Stadt. Ist das nicht auch ein Zeichen vom Beginn der Beseitigung der Selbstverwaltung von unten her? Staatlicher= seits wird längst an dem Gebäude der Selbstverwaltung gerüttelt. Nicht nur in der immer weiter um sich greisenden Einmischung des Staates in die Selbstverwaltung liegt die Gefahr für diese, die Einwohner=Bürger trägt einen weit größeren Anteil ihrer Zersetzung. Das preußische Oberverwalungsgericht hat vor Jahren einmal ausdrücklich festgestellt, daß die Gemeinden die Bestimmung haben, alle Beziehungen des öffentlichen Lebens in sich aufzunehmen und der freien Selbstverwaltung des Volkes zuzuführen. Nun haben nicht nur die Regierungen— leider mit Erfolg— versucht, die verschiedenen Gebiete der Selbstverwaltung einzuschränken, sondern auch unsere staatlichen Parlamente sind den Regierungen hilfreich an die Hand gegangen, diese Politik weiter zu schärfen. Der Einwohner=Bürger sieht, wie sein Abgeordneter im Staatsparlament seinem Vertreter in den Städtischen Körperschaften in Rücken fällt. Aber denkt sich dieser Gemeindebürger etwas dabei? Unterhält er sich vielleicht einmal in einer nachdenklichen Stunde über den Zwiespalt in der eigenen Brust, zwischen den beiden Wesen in seinem Dualismus als Wähler zur Gemeindeverwaltung und zum Landtage? Aber nein, der Gemeindeeinwohner ist ja kein Bürger mehr, er hat gar kein Empfinden mehr für die Beeinträchtigung seiner Interessen als Gemeindebürger, er ist viel zu sehr Staatsbürger geworden und hat verlernt, wahrhaftig Bürger zu sein. Ein über hundert Jahre altes Werk läuft Gefahr, sang= und klanglos zu Grabe getragen zu werden, ein freiheitliche, echt deutsche Einrichtung wird verschwinden, wenn die Bürger nicht rechtzeitig aufwachen und sich auf ihr Nächstes besinnen. So ganz ist der alte Bürger noch nicht verschwunden. Er fristet als Epigone sein Dasein in Vereinssitzungen, wenn über Straßenreinigung vor der Haustür von X, das Pflaster in der Ypsilonstraße und die Müllabfuhr im letzten Ende des Vorortes Z geklagt wird, Rügen, die in der einseitig vorgetragenen Fassung verraten, wie wenig die Klagesteller die eigentlichen Ursachen dieser Mißstände kennen. Gibt es noch andere Pole der bürgerlichen Betätigung? Ihr fehlt der Sinn für das gemeinsame Ganze. Unseren Einwohnern muß wieder Bürgersinn eingeflößt werden. Im Berliner Rathaus steht ein schöner Spruch:„Wer sich mit Stolz nennt Bürger dieser Stadt, dem gilt ihr Name schon zur Zier und Würde. Wer dieser Stadt sein Glück zu danken hat, der trage gern zum Dank auch ihre Bürde." Humor Beim Wunderdoktor. „Gegen abstehende Ohren hilft am besten ein Kopfhörer, ich habe das selbst ausprobiert!“ B Schwerte(Ruhr), Bahnhofstraße 10, Fernsprecher 2487. Schiefer täfein wieder eingetroffen Carl Braus, Gr. Marktstraße 3, Bahnhofstraße 3. Mißverstanden. Richter:„Wie heißen Sie?“ Angeklagter:„Müller!“ Richter:„Ihr Alter?“ Angeklagter:„Na, der heißt natürlich auch so!“ Letzte Lokalmeldungen Offenhalten der Ladengeschäfte am kommenden Sonntag. Am kommenden Sonntag können offene Ladengeschäfte in der Zeit von 13—18 Uhr für den Geschäftsverkehr offen gehalten und Angestellte beschäftigt werden.(Siehe Bekanntmachung.) : Nach einer Bekanntmachung des Magistrats in unserer heutigen Ausgabe erfährt die Müllabfuhr in einem Bezirk eine Aenderung. Den in Frage kommenden Anwohnern sei diese Bekanntmachung allgemeiner Beachtung empfohlen. Was hören wir im Rundfunk? Donnerstag, den 10. April 1930. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 12,10: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderspielstunde. 15,30: Wirtschaftsdienst. 15,50: Die Welt im Buch. 16,30: Dr. Hans Bellinghausen:„Der Ehren16,50: Dr. Erich Kaufmann:„Von der geienkrankheit.“ 17,10: Der westfalische Kulturkreis. 17,30: Tonsetzer als Ausdeuter eigener Werke 18,30: Für den Landwirt. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Spanisch. 19.40: Der westdeutsche Wirtschaftsraum. 20,00:„Eau de Cologne“, Schwank in vier 21,10: Konzert des Erfurter Motettenchors. Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Anschließend bis 24,00: Konzert aus dem Hansa=Café Düsseldorf. Wohn- u. beschaltshäuser, Industrieu. Baugrundstücke in Schwerte und Umgeg. sind stets zu kaufen durch Friedr. Heinr. Jacobs, Mitglied des Reichsverbandes Deutscher Makler Das seltene Tier. „Dieses Jahr werde ich auch eine Jagd pachten!“ „Au fein, Männe, da schießt du mir dann einen schönen Seal=Electric!“ Genau nach Vorschrift. Herr Huber, das freut mich, Ihr Puls geht viel ruhiger. Sehen Sie, da hat die Medizin „Leider nicht, Eerr Doktor, auf der Flasche steb ja: Der Korken ist fest verschlossen zu halten.“ Ein gut rechnender Kaufmann— muß und wird inserieren! Fatale Ableitung. „Den Käse will meine Mutter nicht, und ich soll Ihnen einen schönen Gruß bestellen und Sie wären kein Käsehändler, sondern ein„Mädchen“= händler! Meine Befähigung zum Gedankenlesen Telepathie eine regelrechte Wissenschaft? Aus einem Interview mit Professor Gilbert Murray(Universität Oxford). nach der Schlüssel zur Gedankenübertragung oder zum Gedankenlesen. Diese zarten und überempfindlichen Ränder sind bisher nur wenig erforscht worden und auch zu schwer faßbar, um beim augenblicklichen niedrigen Stand unseres Wissens von der Psychologie und der Tätigkeit der Nervenzentren voll verstanden werden. Dennoch können wir mit voller Berechtigung annehmen, daß die„Ränder“ schwache Sinneneindrücke aufnehmen, die gelegentlich auf anderweitig tätige Teile unseres Geistes eindringen. Ich erklärte mir verschiednen verwickelte Vorgänge mit der Theorie, daß Eindrücke eher nach Maßgabe ihrer Bedeutung als durch ihre bloße Lautstärke an sich haften bleiben. Hier erinnere ich an die vorhin erwähnte Krankenpflegerin, die durch laute Geräusche nicht gestört wird, wohl aber durch die Aufregung, in wleche die Bewegung des Kranken ihr Nervensystem versetzen, weil letztere für die Wärterin von Wichtigkeit sind. Anderen Menschen dagegen, die keine berufliche Uebung auf diesem Gebiete besitzen, bedeuten die durch den Kranken hervorgerufene Geräusche nichts, und solche Laute werden immer außerhalb ihrer„Sinnränder" bleiben. Letzten Endes bin ich der Ansicht, daß man sich über diese Frage der Gedankenübertragung nicht aufregen soll. Wir wollen nichts Geheimnisvolles darin erblicken. Entweder gibt es eine Gedankenübertragung, dann ist sie etwas ganz Natürliches im menschlichen Leben. Oder es handelt sich um reine Zufälle, und dann ist die Sache gar nicht wert; die Aufmerksamkeit überhaupt zu erwecken. Wenn wir die Frage der Telepathie untersuchen und erfahren wollen, was im Hirn anderer Menschen vor sich geht, wie können wir dann hoffen, diese so zarten Empfindungen zu erfassen, da doch unser Kopf voll ist von eigenen Gemütsbewegungen und Gedanken? Vorbem. der Schriftl.: Seine bemerkenswerten Erfolge auf telepathischem Gebiete haben die Aufmerksamkeit weiter englischer Kreise auf Professor Muray gelenkt. Im Nachfolgenden äußert sich der namhafte Gelehrte selbst in interessanter Weise über seine außergewöhnliche Befähigung zum Gedankenlesen. Ich machte die Entdeckung rein zufällig. Ich spielte gern mit meinen Kindern. Besonders meine älteste Tochter war auf„Raten" versessen. Einer von uns hatte das Zimmer zu verlassen, während die anderen sich darüber einigten, welchen Gegenstand er erraten sollte. Dann wurde die Bezeichnung für das betreffende Objekt ausgeschrieben. Zu meiner Ueberraschung entdeckte ich, daß mir auf irgend eine mir selbst unbewußte Weise die Gedanken der beratenden Kinder übermittelt wurden. Ich fragte mich, ob mich vielleicht die enge Verbundenheit mit meinen Kindern dazu befähigte, ihre Gedanken zu lesen. Irgend welche besonderen Kräfte in dieser Hinsicht schrieb ich mir nicht zu. Doch meine Frau, überrascht durch mein richtiges Erraten, veranlaßte mich zu gleichartigen Versuchen mit Erwachsenen. Hierbei stellte ich fest, daß ich die meisten Erfolge erzielte, wenn meine älteste Tochter lei der Wahl des zu erratenden Gegenstandes den Ausschlag gab. Ihre Gedanken schienen mit den meinen weit rascher zusammen zu tressen als die jedes anderen Mencen. a 6 9 Alle moglichen Tinge waren bei viesen Sitzungen zu erraten: Abschnitte aus literarischen Werken, ost mir völlig unbekannten Büchern entnommenen, geschichtliche Ereignisse, persönliche Erinnerungen, ganz allgemeine Themata. Ich bin Gelehrter und kann deshalb nichts als bare Münze annehmen, wenn ich keine wissenschaftlichen Beweise dafür habe. So lange nicht ein natürliches Gesetz nachgewiesen ist, das eine Erklärung für die Gedankenüvertragung bietet, so lange muß ich als vernünftig denkender Mensch die Theorie, daß solche Dinge überhaupt existieren, ablehnen. Dennoch bekenne ich eben im Interesse der Wahrheit, daß ich in der Lage bin, Gedanken zu lesen. Außerdem gibt es meiner Ansicht nach das, was der bekannte Psychologe William James den„Strom des Bewußtseins mit der starlen Hauptwelle und den weniger deutlich ausgeprägten Randwellen“ nennt. Wenn ich z. B. etwas ansehe, das mich nicht besonders interessiert, so erblicke ich Gegenstände, die außerhalb der Ränder meiner Augengläser stehen. Aehnliches gilt für den Gehörsinn. Nehmen wir an, wir ständen auf dem Trafalgar Square in London mit seinem lärmenden Verkehr, dem Pfeifen der Lokomotiven von Charing Croß herüber und dem Brüllen der Autohörner, die eine ohrenbetäubende Kakophonie aufführen. Plötzlich ruft jemand unseren Namen. Was ist die Folge? Wir hören nichts mehr vom Lärm um uns und vernehmen lediglich den weit weniger zum Aufhorchen zwingenden Klang der Stimme, die uns jetzt interessiert. Eine Krankenschwester, die sonst trotz allen Lärms schlafen kann, wird sofort erwachen, wenn sich ihr Patient rührt. Dies zeugt von einer wachsenden Kontrolle über die Sinne, eine Folge des Prozesses der Auswahl. Man nennt dies„Kanalisation der Sinne“. Wenn mit diesem Vorgang der Kanalisierung etwas nicht in Ordnung ist, so greifen die betreffenden Menschen manchmal daneben. Ich erinnere hier an das junge Mädchen, das einen Heiratsantrag nicht lauschen konnte, weil die Taschenuhr des Bewerbers so laut tickte, daß die junge Dame nicht anderes zu hören vermochte. Psychologisch gesprochen war dies eine„Unachtsamkeit dem Leben gegenüber". In solchen Augenblicken natürlicher Unachtsamkeit prägen sich uns unterbewußte Eindrücke von selbst ein, um später eine Art unklarer Erinnerung zu bilden. Auf diese Weise erkläre ich mir auch gewisse Stadien des Hellsehens oder dessen, was als selches bezeichnet wird. Was nun den oben erwähnten„Strom des Bewußtseins“ und den Ausdruck„Randbewußtsein“ anbelangt, so glaube ich, daß über William James' Auffassung von den„weniger deutlich ausgeprägten Randwellen“ hinaus unser unser Wahrnehmungsvermögen von einem noch weit empfindlicheren Sinnen=„Apparat“ umschlossen wird. Solche Eindrücke, wie sie „Fühlende" erhalten, sind zu schwach, um ihnen richtig bewußt zu werden. Nur in solchen „Augenblicken der Unachtsamkeit dem Leben gegenüber" treten diese Eindrücke in den Vordergrund, rücken in das Bewußtsein ein, ohne daß irgendwelche rätselhaften Verbindungen dazu erforderlich sind. So wäre die Telepathie nicht geheimnisvoller als die Tätigkeit dieser überempfindlichen randartigen Sinnen=„Apparate“. Bisher haben wir nur solche Eindrücke beachtet, welche die normale Befähigung besitzen, sich dem menschlichen Bewußtsein zu vermitteln. Gehen wir ein wenig weiter, so können wir ohne Schwierigkeit die Annahme gelten lassen, daß Menschen mit besonderem Empfindungsvermögen oder bei besonders scharfer Aufmerksamkeit zu erfassen vermögen, die schwächer sind, als sie es normalerweise sein müßten, um Beachtung zu finden. Dieses Randbewußtsein ist meiner Ansicht Sme Bares Seid! K LSLLAU’S" Doppelte Rabattmarken auf außer Zucker und alle Waren bis Samstag Markenartikel außerdem. REIsASSCHLAG in vielen Artikeln. Schwerte: Bahnhofstr. 11, Hagenerstr. 4, Beckestr. 25 Westhofen: Bahnhofstr. 30 Die große Sensation für Schwerte hat begonnen. Der beste Aluminium-SchnellKochtopf der Welt Kochtrulp! wird tägl. in meinem Geschäftslokal vorgeführt. Vorm. 9½— 1 Uhr, nachm. 3½- 6½ Uhr. Rochtdungs Carl Feit, Hüsingstr. 22-24. Ruf 2104. Außer unsern eigenen Marken-Pianos führen wir auch billige neutrale und gebr. Pianos. Lieferung frei Haus. Bequeme Bedingungen. Langjährige Garantie. 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Aber unglücklicherweise überhörte es der Makler, und als das Flugzeug sich nun in Bewegung setzte, war er so erschrocken, daß er gar nicht daran dachte, seinen Halt fahren zu lassen, sondern sich in seiner Bestürzung krampfhaft festhielt. Mit dem Erfolge, daß er sich nach wenigen Augenblicken am Schwanzende des Apparates hängend in die Lüfte entführt sah. Von unten gab man dem Führer verzweifelt einigen Minuten merkte dieser, baß etwas nicht in Ordnung sein müßte, und schritt zur Landung. Gerade rechtzeitig, denn als der Apparat noch wenige Meter über der Erde war, verließen den unfreiwilligen Luftfahrer die Kräfte, und er stürzte ab. Glücklicherweise ohne Schaden zu nehmen, doch seit diesem Erlebns geht Combe jedem Flugplatz weit aus dem Wege. CA W Für den Blumengarten 1 K 631/3 159 220/1 83 114 2688 79 80/1 302/3 266 141 143 " Srachteibenee eine Erlösung von dauernder Qual berühmte Spranzband (Deutsches Reichspatent) Kein Gummiband, ohne Feder und ohne Schenkelriemen, trotzdem unbedingt zuverlässig für alle Arten von Brüchen. Leiste vollste Garantie. Glänzende Zeugnisse, auch Heilerfolge. Aerztl. begutachtet. Mein Vertreter ist für alle Bruchleidende(auch für Frauen und Kinder) wieder mit Mustern kostenlos zu sprechen am Freitag, den 11. April 1930. in Schwerte, im Hotel Kaiserhof von 9—12 Uhr. Der Erfinder u. alleinige Hersteller hermann Spranz, Unterkochen (Württemberg). Verumnmichung Am letzten Sonntag vor Ostern(13. 4. 1930) können offene Ladengeschäfte in der Zeit von 13 bis 18 Uhr für den Geschäftsverkehr offen gehalten und Angestellte beschäftigt werden. Schwerte, den 8. April 1930. 1418 Die Polizei=Verwaltung. Bekanntmachung Die Müllabfuhr für den Bezirk:„Fleitmannstraße, Fleitmannsplatz Theodorstraße, Nickelstraße, Richardstraße, Emmastraße und Holzenerweg(von der Unterführung bis zur Theodorstraße)“ erfolgt in Zukunft bereits ab 9 Uhr vormittags an jedem Freitag. Schwerte, den 8. April 1930. 1419 Der Magistrat: Schlegtendal. Dahlienbuch. Mit42Abb. u. 1 farb. Tafel. 565/7 Saatbuch. Aussaat v.Blumen-, Gemüse- u. Gehölzarten. Mit 51 Abb. Anzucht und Pflege der Rosen. Mit 22 Abb. Schädlinge der Rosen u. ihre Bekämpfung. Mit 21 Abb. u. 1 Farbentaf Sommerblumen. Von Fr. Huck Die schönsten Stauden. Mit 8 Abb. Alpen-, Fels- und Mauerpflanzen. Mit 34 Abb. Monatskalender für den Blumengarten Moderne Gartenentwürfe. Mit 14 Abb. u. 12 Plänen Der Vorgarten. Planung, Anl. u. Pflege. Mit 35 Abb. Schling-, Rank- und Kletterpflanzen. Mit 13 Abb. Seerosen und andere Wasserpflanzen. Mit 12 Abb. Ausdauernde Schattenpflanzen. Mit 18 Abb. Die Orchideen. Mit 23 Abb. Blumenzwiebeln und Knollen. Mit 33 Abb. Würz- und Arzneipflanzen. Mit 14 Abb. 267 Blumenbinderei. Mit 11 Abb. 43 Blumenschmuck für Freud und Leid. Mit 23Abb. 57 Insekten- u. fleischfressende Pflanzen. Mit 20 Abb. 42 Das Vogelleben unserer Gärten. Mit 59 farb. und 38 schwarzen naturgetreuen Vogelbildern 907/10 Zimmergärtnerei. Mit 21 Abb.......: 45 870 Die Kakteen ihre Anzucht u. Pflege. mit bs abb. 870/2 Pflanzenvermehrung durch Aussaat, Stecklinge, Ableger, Teilung. Mit 29 Abb. Balkon u. Fenster im Blumenschmuck. Anleitung und Ratschläge. Mit 20 Abb. Bolanisches Wörterbuch. Mit Angabe richt. Beton. 903/6 Jede Nummer 40 PfennIge zu haben in der Buchhandlung Carl Braus Schwerte Bahnhofstraße 3 verwenden ihnicn V4 CREMEV P. MOUSON V4 ∆ des matlierende Hautpflegemittel. Gesicht und Hände bleiben trotz Hausarbeit. zart und geschmeidig. Rauhe, spröde Haut heilt in wenigen Stunden. Lebendfrische Seefische in bester Qualität. Stockfisch, gewalzt und ungewalzt. 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Die Sowjets machten damals außergewöhnliche Anstrengungen, diesen Vorgang zu verheimlichen; denn mit dem Tode Sawinkows erlosch ihre Hoffnung, den bisherigen gefährlichsten Feind der Sowjets als Funktionär ihres Staates zu gewinnen. Boris Sawinkow hatte ihnen diese Aussicht nach einem Prozeß gemacht, in dem er zum Tode verurteilt war, aber zu zehnjähriger Gefängnisstrafe begnadigt wurde, die er zum Ueberfluß in einem ehemaligen Luxushotel unter denkbar größter Bewegungsfreiheit bis zu seinem Uebertritt in den amtlichen Dienst der Sowjets verleben sollte. Es mag der politischen Polizei Rußlands unbegreiflich erschienen sein, daß dieser. Mann, dem die Wiedereröffnung des Weges in das Leben nahe bevorstand, den Weg in den Tod wählte. Sie ist durch nicht mehr verblüfft worden, als durch den Vorwurf, daß sie selbst Sawinkow, ein Opfer der Teschka werden ließ. Zur Bekämpfung der Gegenrevolution durch die SowjetRegierung hätte es aber in der Tat keine wichtigere Persönlichkeit gegeben als diesen gefährlichsten Widersacher der Bolschewikenregierung, der reumütig nach Rußland zurückgekehrt war, um einen Urteilsspruch gebeten hatte und bereit schien, seine oganisatorischen und persönlichen Kenntnisse der Gegenrevolution den bis dahin erbittert bekämpften Sowjets zur Verfügung zu stellen. In der Tat läßt sich der Tod Sawinkows ungezwungen mit dem Zusammenbruch seiner Nerven unter dem Druck widerspruchsvollster Handlungen erklären, um so mehr, als er schon einmal Reuegefühle oder wenigstens Zweifel an ihnen, als sie ihn seelisch bedrückten, dialektisch zu verscheuchen suchte. Das geschah in seiner Pariser Zeit, nach der großen anti=zaristischen, durch Blut von Feinden und Freunden reichlich beflekten Episode seines Lebens. Sawinkow hatte sich damals aus Rußland nach Paris geflüchtet, lebte dort über ein Jahrzehnt lang als Literat und suchte sich in den zarten Händen vieler liebenswürdiger und lachender Pariserinnen von den Erirnerungen an Sibirien, an grauenvolle Attentate und nervenzerreißender Abenteuer gründlich zu erholen. Aus dem sicheren Tode war er damals buchstäblich wie ein Wunder in das Leben zurück gekehrt und hatte eigentlich mit seinem revolutionaären Lebenswerk schon abgeschlossen. Bis dahin sind seine bedeutendsten Opfer der Innenminister Plehwe und der Großfürst Sergius gewesen. Ehe er Sozialrevolutionär wurde, kam Sawinkow zum ersten Male wegen seiner agitatorischen Tätigkeit für die Sozialdemonkratie als Verbannter nach Wologda in Sibirien. Die kühle, unromantische Luft der theoretischen Erörterung marxistischer Gedankengänge behagten ihm sehr wenig. Sein Tempeten Rafsiniment bereitete er eine Reihe von Attentaten vor und führte sie meist erfolgreich durch. Allerdings wirkte er selten tätig mit. Die tödliche Bombe auf Plehwe warf sein Parteifreund Sasonow. Damit machte dieser sich in der Geschichte der russischen Revolution unsterblich, büßte aber sein Leben ein, während Sawinkow alle Ehrungen seiner Freunde für das geglückte Attentat auskosten durfte. Allerdings besaß er genügend Kaltblütigkeit, stets in unmittelbarster Nähe der Orte zu sein, an denen die Attentate zur Durchführung kamen. Er schickte seine Freunde kaum aus Feigheit vor, sondern betrachtete sich aufrichtig als das Gehirn der Revolution, also den zu schonenden edelsten Teil des Gesamtorganismus. Bei dem Attentat auf Plehwe stand er in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes, rauchte ruhig seine ZiMittwoch, 9. April 1930 garette und siel deswegen der Polizei nicht als verdächtig auf. Ganz ähnlich verhielt er sich bei dem größten geglückten Attentat, der Ermordung des Großfürsten Sergius. Die Einzelheiten arbeitete er mit seiner Gehilfin Dora Brillant aus, die als erfolgreiche Varietédiva wirkte und der Polizei als Sozialrevolutionärin unbekannt war. Viele Attentatsversuche auf den Großfürsten Sergius SSchut'sche Musik zu singen und zu hören. Die größte Schleuse der Welt rament, seine Phantastik, seine unbändige Die Aufnahme des Ozean=Expreßverkehrs mit den neuen Lloyddampfern„Bremen", „Europa“ und Columbus“ hat auch die Vollendung der gewaltigen Nordschleuse in Bremerhaven beschleunigt. Diese Schleuse wird die größte der Welt sein, und selbst die berühmten Schleusen des Panamakanals in den Schatten stellen. Ihr Bau ist durch die riesigen Ausmaße der„Bremen" und„Europa“ nötig geworden, die bisher nur auf der Columbus= kaje oder auf Reede, also im ossenen Weserstrom festmachen können. Die neue Schleuse wird ihnen dann auch die Einfahrt in den Binnenhafen Bremerhaven ermöglichen. Ende 1927 sind die Arbeiten in Angriff genommen worden. Seitdem waren 1150 Arbeiter mit 19 Kreiselpumpen, 11 Rammen, 10 Turmdrehkränen, 6 Gießtürmen und 10 Betonmaschinen an der Arbeit. Folgende Baustoffmengen wurden benutzt: 25000 Holzpfähle bis zu 27 Meter Länge, 16 000 Tonnen eiserne Spundbohlen bis zu 28 Meter Länge, 17000 Tonnen Rundeisen und Eisenkonstruktionen, 80 000 Tonnen Zement, 310 000 Kubilmeter Kies und Sand und 240 000 Kubilmeter Beton. Insgesamt wurden 3 100 000 Kubikmeter Erde bewegt. Zur Nordschleuse gehört ein ganzes System von Hafenerweiterungen. Der Vorhafen wird rund 350 Meter lang, an der Mündung 130 Meter und an der Einfahrt der Schleuse 80 Meter breit. Unser Bild gewährt einen Ueberblick auf das Schleusengebiet. Von der westfälischen Frauenhilfe Die Westfälische Frauenhülse(Zentrale Soest) hat zuerst und gleich nach dem Kriege die sogenannte Müttererholungsfürsorge ausgenommen. Sie will durch rechtzeitige Stärtung der körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte der Mutter, vor allem der Arbeiterbevölkerung und des bedürftigen Mittelstandes, die Familien, die die Keimzellen des Volkes sind, in vorbeugender Fürsorge vor dem Verfall retten. Gesunde Mütter entlasten den Wohlfahrtsetat unserer Kommunalverwaltungen. Die Westfälische Frauenhilfe hat in den letzten drei Jahren 300000 Mark für die Müttererholungsfürsorge verausgabt. In ihren drei schönen Müttererholungsheimen im Siegerland, eröffnet im Frühjahr 1927, in Langenbeck, Krs. Tecklenburg und in Bad Driburg, stehen 140 Plätze für müde abgearbeitete, körperlich und seelisch erholungsbedürftige Mütter zur Versügung. Im Jahre 1929 haben rund 1500 Frauen eine Kur durchgemacht. Alles, was für die Gesunderhaltung der Mutter getan wird, ist eine produttive Anlage. Der Wohlfahrtsminister hat in anerkennender Würdigung dieser nicht hoch genug anzuschlagenden Fürsorgearbeit der Frauenhilfe derselben eine Haussammlung in ganz Preußen für die Zeit vom 5.—21. Mai und eine öffentliche Straßensammlung am 10. und 11. Mai(Muttertag) bewilligt. Diese Sammlung kann in Anbetracht der für unser ganzes Volk bedeutsamen Arbeit nur dringend empfohlen werden. Evangelisches Damenstift In Burgsteinsurth hat sich ein Verein zur Schaffung eines evangelischen Damenstiftes gebildet. Die Gründung des Vereins erfolgte auf Grund einer Schenkung, welche eine alleinstehende ältere Dame der Stadt gemacht hat, um ihr den Bau einer solchen Stiftung zu ermöglichen. Die Stiftung wird von vielen Seiten außerordentlich begrüßt, da es an einem Heim für alleinstehende Damen fehlt. Es ermöglicht Damen gebildeter Stände eine sichere und sorgenfreie Unterkunft für ihren Lebensabend. Jede einzelne Einwohnerin des Heimes soll ihr eigenes Zimmer haben. Das Gemeinschaftsleben hat familiären und christlichen Charakter. Anfragen sind an das evangelische Pfarramt in Burgsteinfurth zu richten. len, zu denen er im Schadunstunest demaceh Der Geizials Roman von Robert Misch. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S). 46. Fortsetzung.(Nachdruck verboten.) Sein Kegelklub begrüßte ihn mit Hallo, und er mußte eine Bowle stiften. Das war schmerzlich. Noch schmerzlicher, daß er aus den tiefsten Tiesen seines Geldschrankes den Brillanten schmuck seiner Seligen hervorkramen, beim Juwelier umarbeiten lassen und ihn schließlich der Schwägerin als Braut und Liebesgabe verehren mußte. Doch tröstete er sich damit: was ihr gehörte, gehörte ja nun auch ihm. * Kurz nach Ostern sollte die Doppelhochzeit stattfinden, natürlich nur im engsten Familienkreise. Die beiden jungen Leute waren zwar noch reichlich jung: Ahlers wurde im Früh=Sommer fünfundzwanzig, und die Braut hatte erst kürzlich ihr achtzehntes Lebensjahr vollendet. Aber von einer Verschiebung der Hochzeit hatten sie beide nichts wissen wollen. Ahlers mußte sich nun bald auf das Staatsexamen vorbereiten, und er behauptete, daß ihn die Brautschaft dabei stören, die Ehe aber mit ihrer behaglichen Häuslichkeit sördern würde. „Haben könnens sie es ja!“ meinte die Tante, die gegen Kaltenbach für die jungen Leute Partei nahm. Der Rentier hätte zwar noch gern den reichlich bemessenen Pensionszuschuß der Nichte zugunsten seines Haushaltes und Etats weiter verrechnet, fügte sich aber schließlich der Majorität. Solange er noch nicht verheiratet war, mußte er sich überhaupt noch fügen. Der notarielle Ehevertrag war zwar, genau nach den mündlichen Abmachungen, bereits geschlossen worden; aber Frau Charlotte konnte noch immer im letzten Moment zurücktreten. Kolb hatte er auch, und zwar unkündbar, wohnen lassen müssen, ohne die rechtmäßige Miete jemals erhöhen zu dürfen. Das war ebenfalls schriftlich und notariell fixiert worden. Ruhe und Frieden waren nun wieder in der Villa Kaltenbach eingezogen. Ja, man verhätschelte ihn jetzt ordentlich, nachdem er sich allen Wünschen der Weiber gesügt hatte. Anna nannte ihn„Onkelchen", zuweilen sogar„Papachen“, Ahlers, dem er wirklich zähneknirschend hatte Abitte leisten müssen,„Schwiegeronkelchen“ und seine Braut mit dem Vornamen oder, wenn sie besonders guter Laune war, auch wohl „Männchen!" Kurz: sie bildeten jetzt, wie Ahlers es nannte,„eine rührende Familien= gruppe bei der umjestoßenen Petroleumlampe“. Ins Portemonnaie mußte der Rentier freilich tüchtig greifen. Denn Frau Charlotte, die Annas Ausstattung und Cinrichtung mitbesorgen half— alles natürlich aufs glänzendste— was Kaltenbach, der das Vermögen seines Mündels nun doch bald aus der Hand geben mußte, übrigens ganz gleichgültig war. Frau Charlotte beschafste bei dieser Gelegenheit auch für sich so etwas wie eine Ausstattung und Einrichtung. Wenigstens ergänzte sie beides bedeutend soweit es noch nicht geschehen, und das war ihm durchaus nicht gleichgültig, denn es ging aus seinem eigenen Beutel. Aber was sollte er machen? Immer wieder sagte er sich:„Später, später komme ich an die Reihe.“ Vorläusig mußte er sich kuschen. Mit Fritz war eine äußerliche Versöhnung zustande gekommen; auch hier hatte er gewissermaßen den Jungen um Verzeihung für die Ohrfeige bitten müssen. Fritz hatte andernfalls jede Annäherung zurückgewiesen, war aber auch nach der offiziellen Versöhnung nicht zu bewegen gewesen, in sein Haus und unter die väterliche Gewalt zurückzukehren. Der Frühling rückte allmählich mit Sturmgebraus und warmen Regengüssen an und jagte den Winter aus dem Felde, der sich zuletzt noch hartnäckig mit seinem Schnee= und Eisregiment verteidigte. Mit ihm rückte auch die Doppelhochzeit immer näher. Die Wohnung für das junge Paar war gemietet worden, und Ahlers hatte dafür gesorgt, daß sie nicht allzu nahe der Villa Kaltenbach lag. Im Westen, im ersten Stock eines allerliebsten, kleinen Häuschens, hatten sie sich ihr Nestchen hergerichtet. Es war an einem wunderschönen Frühlingsmorgen im April, als Kolb endlich seinen lange geplanten, großen Coup auszuführen beschloß, für den er sorgfältig kurz vor der Hochzeit gewählt hatte. Kaltenbach saß gerade vor seinem Schreibtisch und rechnete. Er zählte die Ausgaben zusammen, die seine„liebe Braut“ in den letzten Wochen gemacht hatte, und die Haare standen ihm dabei zu Berge. Und vermutlich war das nur ein Teil der Rechnungen. Das Schlimmste kam sicher erst nach der Hochzeit. Nun, gottlob — in zwei Wochen hörte das endlich auf. Dann wollte er der verschwenderischen Wirtschaft ein schnelles Ende machen. Aergerlich rief er„Herein!", als es an die Tür pochte. Man kam doch nur, um irgend etwas von ihm zu verlangen. Kolb stand vor ihm, in seinem Samtjakett, mit der flatternden Krawatte— je älter der Narr wurde, je hellere Krawatten trug er—, die Zigarre lässig im Munde, heiter und vergnügt, als ob ihm die Welt gehöre. Er war nichts, tat nichts, hatte nichts und war doch immer guter Dinge! Ein richtiger Zigeuner! „Na, was willst du denn? Kannst du vielleicht wieder nicht die Miete zahlen?" „Na ob! Habe sie in der Tasche!" „So— na gut! Da ist die Quittung.“ Er schob sie ihm hin und sackte ärgerlich das Geld ein; denn er ärgerte sich dabei jedesmal. Hatte er doch schon einen Mieter in Aussicht gehabt, der beinah das doppelte zahlen wollte.„Na auf Wiedersehen, Kolb! Ich habe keine Zeit, wie du siehst...“ „Das tut mir leid... ich hätte etwas Wichtiges mit dir zu besprechen.“ „Eilt das so!“ „Allerdings Es verninerheit vor. Sohn.“ „Haha— will er Geld? Hat er dich geschickt? Soll selbst kommen... soll wieder zu mir ziehen... Geld gibt's nicht!“ „Ach, Unsinn! Ganz was anderes!" Kolb holte zu dem großen Schlage aus.„Er hat sich nämlich verlobt mit meiner Maxi.“ „Verlobt— mit deiner Maxi?“ Herr Kaltenbach blickte ihn verblüfft an; dann sagte er hohnlachend: „Ach so! Die Spekulation ist gar nicht so dumm! Der reiche Erbe, das könnte dir so gefallen, die und deiner Tochter! Hat sie den Dummkopf'rumgekriegt? Na, das wird ja wohl nicht schwer gewesen sein!" „Du, Kaltenbach— das verbitte ich mir! „Aber ihr sollt euch getäuscht haben! Geld kriegt er keins von mir, so lange ich lebe— und ich denke, noch ein hübsches Weilchen zu leben. Und nach meinem Tode— da sollt ihr euch auch verspekuliert haben; ich enterbe ihn ganz einfach. Deine Maxi, das schlaue Frauenzimmer, soll sich verrechnet haben.“ „Kein Wort mehr, oder—“ „Oder? He, oder?“ Kolb wurde totenbleich, seine lächelnde Miene tiefernst. So viel er sich auch von Kaltenbach gefallen ließ, in bezug auf seine Tochter verstand er keinen Spaß. Beide Männer waren aufgesprungen, und ihre Augen funkelten sich haßersüllt an— mit einem alten, lang zurückgedrängten Haß, der jetzt plötzlich aufloderte. So standen sie sich einen Augenblick mich auch ohne Worte", flüsterte Kolb erregt, während er nervös die Lippen bewegte.„Und ich rate dir, „Rein— ich verstehe dich nichtl Was wilr du von mir? Geh jetzt— auf der Stelle, geh!“ kreischte der Rentier wütend, während in seinen Augen eine verhaltene Angst aufglimmte. (Fortsetzung folgt.) den Deneral Eichhorn ausführen, um die Deutschen gegen die Bolschewiken aufzubringen. Lenin und Trotzki verstanden sich zu schützen. An dem Attentat der Dora Kaplan auf Lenin erklärt sich Sawinkow als unbeteiligt. Dagegen versuchte er auf deutschem Boden, in Berlin, die Anlegung von Attentaten auf Tschitscherin und Rakowski, gesteht aber später, daß es ihm im entscheidenden Augenblick an dem Mut zur Tat gefehlt habe. Recht spät entdeckte er, daß er überhaupt nicht mehr für Rußland kämpfte, sondern als polnischer Spion, als französischer, englischer und tschechischer Geldnehmer gegen Rußland arbeitete. Da lieferte er sich aus, durchschaute aber rechtzeitig die Tatsache, daß auch die Bolschewiken Feinde seines Vaterlandes waren, und entzog sich den Diensten für sie durch den freiwilligen Tod. renerwurte Essen vom 8. April 1930. Das festländische Hochdruckgebiet hat sich allgemein verstärkt. In Deutschland herrschte in seinem Bereich meist wolkiges Wetter, nur in Sachsen und Schlesien fällt noch Regen. Die Morgentemperaturen lagen zwischen 1 und 7 Grad. Die Witterung bleibt beständig. Aussichten bis Donnerstag: Trocken bei wechselnder Bewölkung und ansteigenden Temperaturen. + Der Bund christlicher Arbeitsinvaliden und Witwen(Ortsgruppe Schwerte) tagte vorgestern abend in überaus stattlicher Anzahl im Lokale Meyer. Leider mußte der in Aussicht gestellte Vortrag über„Soziale Gerechtigkeit" wegen Erkrankung des Redners auufallen. Dafür machte der Geschäftsführer des Bundes, Stadtv. Bozetti, längere Ausführungen über die Maßnahmen des Kreises Iserlohn bezgl. der Fürsorge für die Sozialrentner, die gegenüber den Leistungen des früheren Kreises Hörde eine ganz bedeutende Verschlechterung erfahren habe, namentlich habe die Kürzung der Zuschußrente seitens des Landkreises Iserlohn die Gemüter in schlimmster Weise in Aufregung gebracht. Alle Wünsche und Eingaben der Invaliden blieben unbeachtet. Für eine derartige Handlungsweise habe man einfach keine Worte. Wie stelle sich der Kreisausschuß, der doch so oft tage, eigentlich zu all diesen Dingen? Ergänzt und unterstrichen wurden diese Ausführungen von dem Landessekretär Brüncke aus Hagen, der erklärte, daß man seitens des Bundes zu den Maßnahmen des Kreises Iserlohn Stellung nehmen werde. Es sei beabsichtigt, zunächst den einzelnen Parteien das einschlägige Material zu unterbreiten und dann höheren Orts Beschwerde zu führen. Die jetzigen Richtsätze des Kreises Iserlohn müßten der Not der Zeit angepaßt und unbedingt erhöht werden. Die Ausführungen beider Redner hatten eine sehr rege Aussprache aus der Mitte der Versammlung im Gefolge, welche die große Not der Invaliden drastisch zum Ausdruck brachte. Im Laufe des interessanten Abends wurde noch bekannt gegeben, daß in Hemer und Soest vielversprechende Ortsgruppen ins Leben gerufen wurden. Nach Ostern soll in Schwerte eine Konferenz der einzelnen Ortsgruppen=Vorsitzenden abgehalten werden, welche sich mit den Eingaben an Kreis, Provinz und Regierung zwecks Verbesserung der Lage der Invaliden beschäftigen soll. : Darlehnszuteilung der Westfälischen Landes=Bausparkasse. Am Donnerstag, den 3. April fand bei der Westfälischen Landes=Bausparkasse, öffentliche Bausparkasse der westfälischen Sparkassen unter Verwaltung der Landesbank der Provinz Westfalen, die übliche, vierteljährliche Darlehnszuteilung statt. Die Zuteilung fand in öffentlicher Sitzung unter Anwesenheit einer Anzahl Bausparer statt. Es konnte an 9 Bausparer Darlehen zu 4 Prozent zugeteilt werden. Die Darlehen fielen auf folgende Orte: Gütersloh, Castrop=Ranxel, Borken, Grimminghausen(2 Darlehen), Kreuztal, Hagen, Dolberg und Avenwedde. Unter den Darlehnempfängern befinden sich 3 Arbeiter, 1 Beamter, 3 Handwerker, 2 selbständige Geschäftsleute. Die Westfälische Landes=Bausparkasse hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens durch die bisherigen Darlehnszuteilungen rund 1/1 ihrer Bausparer bereits befriedigt. Deutscher Reichskriegerbund„Kyffhäuser“. Vom Deutschen Reichskriegerbund„Kyffhäuser", Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen werden wir um Aufnahme folgender Zeilen gebeten: In der Nr. 67 des Hörder Volksblattes vom 20. März 1930 wurde ein Artikel„Die Armee organisierter Kriegsopfer“ abgedruckt. Dieser Artikel ist dem„Pressedienst des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteil nehmer und Kriegerhinterbliebenen vom 15. 3. 1930 entnommen und enthält, was den Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser" anbelangt, Unwahrheiten bezw. grobe Entstellungen, die der Berichtigung bedürfen. Die Zahl der im Reichsausschuß für Kriegsbeschädigten= und Kriegerhinterbliebenen=Fürsorge vertretenen Organisasition ist zwar richtig mit sieben angegeben. Bei der nachfolgenden Aufzählung der Organisationen ist aber der allgemeine Verband der Kriegsund Arbeitsopfer Deutschlands(Absplitterung vom internationalen Bund) mit aufgeführt, der aber dem Reichsausschuß nicht angehört. Dagegen ist der dem Reichsausschuß angehörende Kyffhäuserverband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen weggelassen, obgleich der die Kriegervereinsorganisationen zusammenschließende Kyffhäuserbund bereits während des Krieges sich der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen besonders annahm und dem Reichsausschuß für Kriegsbeschädigten= und Kriegerhinterbliebenen=Fürsorge bereits seit 1915 angehört. In dem eingangs erwähnten Artikel ist der Kyffhäuserverband nur am Schluß erwähnt, und der„Reichsbund" behauptet in demselben, daß die Mitgliederzahl des Kysshäuserverbandes kaum 100 000 erreichen dürfte. Auch diese Mitteilung ist falsch. Der von dem Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen des Deutschen Reichskriegerbundes„Kyffhäuser“ betreute Personenkreis umfaßt über 400000 Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene, wobei zu erwähnen ist, daß diese Personen zum Teil zugleich glieder der ungefähr 3 Millionen umfassenden Kriegervereins=Organisation sind. ha 22 Milliarden Schuldverschreibungen. An dem Umlauf deutscher Schuldverschreibungen mit 21,9 Milliarden ist die öffentliche Wirtschaft im ganzen höher beteiligt als die private. Der Anteil beträgt 56,2 Prozent. Es rührt dies von dem großen Umlauf an Ablösungs=Anleihen her. Zieht man aber nur die Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen in Betracht, die seit der Befestigung der Mark aufgelegt worden sind, so ergibt sich, daß von dem neu zugeflossenen Kapital mit 13 Milliarden die öffentliche Wirtschaft nur einen geringeren Teil mit 6 Milliarden oder 46,2 Prozent beansprucht hat, die private dagegen 7 Milliarden oder 53,8 Prozent. Im ganzen sind 1486,4 Millionen Zinsen aufzubringen. Davon kommen auf das Reich 306 Millionen, die Länder 80, die Gemeinden und Gemeindeverbände 90, die öffentlichen Unternehmungen 69, die sonstigen öffentlichen Körperschaften 62, Kommunalobligationen 140, Industrieobligationen 195, Pfandbriefe 543, im ganzen auf die öffentliche Wirtschaft 748, die private 738 Millionen. ha Stellenlose Junglehrer als Leiter von Lichtbildveranstaltungen. Als technische Leiter von Lichtbildveranstaltungen an Schulen und in der Jugendpflege will man stellenlose Junglehrer ausbilden. Es ist aber nicht möglich, etwa besondere Lehrgänge für Junglehrer einzurichten. Der Volksbildungsminister hat aber die Regierung ersucht, diese Lehrer auf die Möglichkeit hinzuweisen, sich an den allgemeinen Lehrgängen zu beteiligen. Schulamtsbewerbern, die einen staatlichen Fortbildungsausschuß beziehen, wird die Teilnahme an einem Lehrgang bis zur vollen Zahl von 10 Stunden für die Woche auf ihre Gastpflicht angerechnet. In besonderen Fällen kann eine Beihilfe für die Lehrgänge gewährt werden, wenn die Junglehrer in nennenswertem Umfange teilnehmen. ha Steinkohlenpflanzen. Die Steinkohlenpflanzen sind Abdrücke von Pflanzen der Vorwelt, die in den verschiedensten Schichten der Erdrinde in mehr oder weniger großer Menge und zum Teil wundervoll erhalten vorkommen. Besonders häufig finden wir die Abdrücke in den Schiefern der Steinkohlenformation in Begleitung der Kohlenflöze, die aus derartigen Pflanzen entstanden sind. Wie in einem Herbarium liegen die in Kohle umgewandelten Pflanzen auf den Gesteinsplatten vor uns, so daß wir alle Einzelheiten wahrnehmen können. Es gleicht einem Herbarium, das die Natur selbst für uns aufbewahrt hat. Bei der Geologischen Landesanstalt ist eine neue Anstalt für Palaeobotanik und Petrographie der Brennsteine eingerichtet worden. Unter Leitung von Professor Gothan hat sie jetzt damit begonnen, alles einheitlich zu beschreiben, was an vorgeschichtlichen Pflanzenabdrücken besonders aus dem Ruhr= und aus dem Aachener Gebiet bekannt ist. Das Werk wird in einigen Jahren vollständig. Die Gewächse der Steinkohlenzeit sind auch für die Altersbestimmung von Kohlenflözen von Bedeutung. ha Kinderzuschlag für Haushaltslehrlinge? Für den Kinderzuschlag wollte man die Ausbildung in der Hauswirtschaft als Berufsausbildung anerkannt wissen. Der Zuschlag sollte für die Zeit dieser Ausbildung gewährt werden. Der Reichsminister der Finanzen erklärt, daß dies nur dann möglich ist, wenn die Hauswirtschaft zu dem Zweck erlernt wird, künftig einen Lebensberuf gegen Entgelt auszuüben. Dies werde man dann annehmen können, wenn die Ausbildung in einem größeren Haushalt, einer Lehrwirtschaft, auf Grund eines Lehrvertrages von 2—3 Jahren vor sich geht. Ob auch der Kinderzuschlag für die Dauer einer solchen Ausbildung zu bewilligen ist, muß in jedem einzelnen Falle genau geprüft werden. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist anzunehmen, daß die Einkommensgrenze überschritten wird. Wenn aber der Wert der Sachbezüge, die dem Haushaltslehrling zugestanden sind, mit Einschluß eines Taschengeldes usw. 30 Mark monatlich nicht erreicht, so kann der Zuschlag gewährt werden. Eine Tätigkeit als Haustochter oder Pensionärin kann nicht als Berufsausbildung angesehen werden. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen I. Westhofen. Der hiesige Kirchenchor veranstaltet unter der rührigen Leitung seines bewährten Leiters, Lehrer Hillefeld, nach zweijähriger Pause am Karfreitag ein Kirchenkonzert, auf das wir die Gemeindemitglieder von Westhofen und Umgegend schon jetzt aufmerksam machen möchten. Die früheren Konzerte des Chors stehen noch bei allen Besuchern in angenehmster Erinnerung. Das zweiteilige Programm ist sehr vielseitig und abwechslungsreich. Nach einem Orgelvortrag: Einleitung zum Oratorium„Tod Jesu“, gespielt von dem als tüchtigen Orgelspieler bestens bekannten Herrn L. Felbrich=Hagen, folgen Passionslieder, gesungen von dem Chor und dem Klempt=Vokal=Terzett(Frl. Else, Grete und Martha Klempt=Schwerte). Nach weiteren Orgelvorträgen folgt im zweiten Teil eine große Passionskantate von Oskar Wermann, für Sopran=Soli, Chor und Orgel. Es ist begrüßenswert, daß sich der Kirchenchor der Mühe unterzieht, die heimische Bevölkerung mit so mancher Perle der edlen Musica sacra bekannt zu machen. Um 11 Uhr erfolgte der Abmarsch zum Kehberg, woselbst die Läufe in vier Klassen ausgetragen wurden. Außerdem fand noch ein Gesundheitslauf für alte Herren und ein 2=Km.=Lauf für Damen statt. Der Lauf wurde für Einzelläuse und Mannschaften gewertet. Die Mannschaft bestand aus vier Läufern, die niedrigste Platzziffer der ersten drei Läufer einer Mannschaft ergab den Sieg. 1 jeder Klasse der durchs Ziel laufenden Teilnehmer war Sieger und erhielten Kränze, die Mannschaften Urkunden. Nach dem Lauf erfolgte eine photogr. Aufnahme für die Bundeszeitung. Hiernach erfolgte der Abmarsch zum Vereinshaus zum gemeinsamen Mittagessen. Anschließend erfreute uns der Gummersbacher Verein noch mit turnerischen Vorführungen und mit einem schönen Konzert. Dann erfolgte die Siegerehrung durch den Bezirkssportwart Scheele. Die Sieger der einzelnen Klassen sind folgende: 3000 Meter, offen für Alle: 1. Peters=Lennep 10,52,2 Min., 2. Dausend=Lennep 20 Meter zurück, 3. Brenne 1=Schwerte 40 Meter zurück, 5. Weber=Schwerte 50 Meter zurück, 11. RohdeSchwerte, 13. Neubold=Schwerte, 14. Oeke, Josef, Schwerte, 15. Oeke, Hans, Schwerte. 2000 Meter für Anfänger: 1. Muß=Hagen, 2. Kohn=Hattingen, 3. Flamme=Hagen, 5. Kleefisch 1=Schwerte, 7. Maurer, 14. Fiß, 16. Schlüter, 29. Kuchheuser Schwerte. 1500 Meter für Jahrgang 1912—13: 1. Brenne 2Schwerte 6,23,4 Min., 2. MaudansVorhalle 20 Meter zurück, 3. Bäcker=Schwerte 40 Meter zurück, 9. Braß, 18. Trappe, Schwerte. 1000 Meter Jahrgang 1914—15 u. jüngere: 1. Dröninghaus=Hagen, 2. Meininghaus=Lennep 3. Lortz=Lennep, 8. Kleefisch 1=Schwerte, 9. Steinschulte=Schwerte, 17. Neuert=Schwerte. 2=Km.=Lauf für Damen: 1. Luise BönigkGummersbach 8,33 Min., 2. Herta Kischko=Barmen 10 Meter zurück, 3. Marta Hucke=Gummersbach 25 Meter zurück, 10. Ellen Freder=Schwerte 13. Hilde Thomann, 14. Else Heinike, 15. Emmi Neumann, 16. Magd. Zorzie, Schwerte. Die Mannschaftpreise kamen an folgende Vereine: 3000 Meter: 1. Lennep, 2. Schwerte, 3. Düsseldorf, 4. Gummersbach, 2000 Meter: 1. Hagen I, 2. Schwerte, 3. Gummersbach, 4. Hagen II. 1500 Meter: 1. Schwerte, 2. Lennep, 3. Vorhalle, 4. Hagen. 1000 Meter: 1. Hagen, 2. Lennep, 3. Vorhalle. Den Mannschaftspreis für Damen erhielt: 1. Gummersbach, 2. Barmen.— Im Gesamtergebnis(Eine Wanderplakette) siegte: 1. Hagen 14 Siege, 2. Schwerte 12 Siege, 3. Lennep 11 Siege, 4. Gummersbach 8 Siege, 5. Vorhalle 6 Siege, 6. Hengsteiy 3 Siege. Amt Ergste m. Ergste. Berufsschule. Im hiesigen Amtshause fand die erste Sitzung der neugegründeten Berufsschule in Ergste statt. Nach den angestellten Erhebungen sind z. Zt. 24 berufsschulpflichtige Kinder in der Gemeinde Ergste vorhanden. Der Vorsitzende, Bürgermeister Overbeck, gab zunächst den Voranschlag für 1930 bekannt. Alsdann wurden die Kosten für die erstmalige Einrichtung der Schule und Beschaffung der Lehrmittel bewilligt. Der Schulleiter, Hauptlehrer Schulte, begründete die Notwendigkeit der Beschaffung. Die Eröffnung der Schule soll am Montag, den 28. April, um 17 Uhr erfolgen. Die Unterrichtsstunden wurden auf den Montag in jeder Woche von 2—8 Uhr gelegt. Turnen, Spiel, Sport Leichtatlethik Reichsbahn=Turn= und Sportverein Schwerte. Am Sonntag, den 6. April, fand in Gummersbach der Frühjahrswaldlauf der Reichsbahn=Sporivereine vom Bezirk Elberfeld statt. Sind alle Kartenspieler geistig minderwertig! Sicher ist auch der Wiener Arzt Dr. Alfred Adler der Ansicht, daß der Prophet in seinem Lande nichts gilt. Wahrscheinlich ging er deshalb nach Amerika, um den Studenten an der Columbia=Universität seine neueste Entdeckung mitzuteilen. Dr. Adler ist nämlich der Ansicht, jeder gewohnheitsmäßige Kartenspieler sei ein geistig minderwertiger Mensch, der das Bedürfnis habe, sich irgendwie vor seinesgleichen hervor zu tun, und die einzige Möglichkeit hierzu in Erfolgen beim Skatkloppen usw. erblicke. In dieser Beziehung ständen die Kartenspieler auf gleicher Stufe mit Morphinisten, Säufern und verzogenen Kindern. Alle hätten sie das Bestreben, auf ihre Weise in den Mittelpunkt des Interesses zu gelangen. Sollte zu dieser Kategorie nicht auch der Mann gehören, der mehr redet, als er verantworten kann? Das Pech des Feuerläufers Auf der Ceylon gehörigen kleinen Insel Delft herrschte kürzlich große Aufregung. Die Eingeborenen feierten einem ihrer Götter zu Ehren ein Fest, und ein Fakir vom Festland hatte— mit der entsprenchenden Reklame, ohne die es heute nirgends mehr geht— sein Erscheinen in Ausicht gestellt. Der Wundermann behauptete, gegen jedes Feuer gefeit zu sein, und wollte den braven Leuten von Delft sein bestes Kunststück zeigen: des Wandeln über glühende Kohlen. Hunderte hatten sich versammelt und sahen in ehrfurchtsvollem Schweigen zu, wie ein Hindupriester den Fakir der symbolischen Reinigung unterzog, um ihn zu seinem Vorhaben zu befähigen. Dann begann der Wundermann seinen Tanz. Leider währte dieser nur kurze Zeit und enttäuschte zudem die Zuschauer sehr. Die Sohlen des indischen Heiligen schienen nicht auf die Hitze der Kohlen von Delft eingestimmt zu sein, denn der arme Fakir zog mitten im Tanz das eine Bein mit schmerzersüllter Miene einen Augenblick hoch und fiel dann mitten in die Glut. Ein paar beherzte Zuschauer, die sich nicht für unverletzlich hielten, zogen den Armen rasch aus dem Feuer und retteten wenigstens sein Leben, nachdem sein guter Ruf als Feuertänzer im Rauch des versengten Fleisches aufgegangen war. In Delft ist man nun eifrig damit beschäftigt, zu ermitteln, ob der Hindupriester etwa bei der symbolischen Reinigung des Fakirs einen Fehler beging. Heinrich Schütz, der Meister des K. Fuhrhuurerk Von den ragenden Säulen der deutschen Musikvergangenheit sind die Großmeister dei 18. Jahrhunderts dem Musilkeben wiedergewonnen und nehmen eine hervorragende Stellung, darin ein: Händel und Bach. Dagegen ist der Begründer in Deutschland der außerordentlichen, aus Italien kommenden Entwicklung, welcher wir Händel und Bach verdanken, allgemein in Vergessenheit geraten. Schütz ist der größte Komponist des 17. Jahrhunderts, der bedeutendste Kirchenmeister vor Bach. 98 1 Um ihn zu verstehen, mußten wir uns kurz mit der Zeit beschäftigen, in der er aufwuchs. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts vollzieht sich ein durchgreifender musikalischer Stilwandel der zum ersten Male um die Wende des 16. Jahrhunderts ausgeprägt in Erscheinung tritt. Die Polyphonie, die mehrstimmige kontrapunktische Musik, wurde durch neue Kunstideale verdrängt. Die Dichtkunst war der Musik vorausgeeilt. Der Mensch, nach mittelalterlicher Auffassung, war ein Glied der großen christlichen Gemeinschaft, kommt als Einzelpersönlichkeit zur Geltung. Und so wird in der Lyrik das Individuelle der menschlichen Seele betont. In der Musik kündigt sich der Einzelgesang an, der in kurzer Zeit zu überragender Vorherrschaft gelangen sollte. Gegenüber der Solostimme werden die anderen zu Füll= und gleitstimmen, die Singstimme ist wie eine Girlande, die von Säulen(Akkorden) gestützt und getragen wird. In diese Zeit also, da die Polyphonie durch die Homophonie(Eine Stimme hat den Charakter der Hauptstimme und wird von den anderen begleitet) anfängt beeinflußt und später verdrängt zu werden. fällt die Schaffenszeit Schütz's. Sein Leben hat er dem Streben gewidmet, einen Strom italienischer Schönheit in die knorrige, gelehrsame Schreibart deutscher Musiker fließen zu lassen. Er hat die deutsche Musik durch die Wirren des 30jährigen Krieges hindurchgerettet und ihr den rechten Weg gewiesen. Darum gebührt ihm ein Ehrenplatz in der Musikgeschichte. Heinrich Schütz(lat. Sagittarius) wurde am 8. Oktober 1585(100 Jahre vor Bach und Händel) in Köstrie(Thüringen) als Sohn eines wohlhabenden Gastwirts geboren. Bald(1591) zog die Familie nach Weißenfels, wo der Vater zum Bürgermeister gewählt worden war. Als der Landgraf Philipp von Hessen zufällig die Stimme des kleinen Schütz hörte, machte diese solchen Eindruck auf ihn, daß er ihn als Kapellsänger an seinen Hof in Kassel zog. Neben einer gründlichen Allgemeinbildung bekamen die Sängerknaben hier Musikuntericht. Nach vorgerücktem Studium wurde er von seinem Gönner nach Marburg geschickt, um Jura zu studieren. Doch nicht lange blieb er hier. hohe musikalische Begabung veranlaßte den Landgrafen, ihn nach Venedig zu schicken, um ihn bei den dortigen Meistern weiter ausbilden zu lassen. Keine Stadt hätte ihn besser anregen können als diese. Die venezianische Schule, deren Charakteristikum Klangfülle, Farbenreichtum, Vielstimmigkeit und Chromatik war, machte einen gewaltigen Eindruck auf Ein König fällt in Ohnmacht.— Die Schweine müssen von der Straße.—„Kräftiger als Rosen, aber nicht so angenehm.“ Von Theodor Lindenstädt. Vor kurzem ging durch die Presse eine Meldung über die unglaublich unhygienischen Zustände in einem belgischen Krankenhause. Wir Deutschen, wie überhaupt alle germanischen Völker, sind auf dem Gebiete der Hygiene, diese in weitestem Sinne verstanden, so verwöhnt, daß wir Vorkommnisse wie die erwähnten gar nicht für möglich halten. In den romanischen Ländern herrschen in dieser Hinsicht jedoch auch heute noch vielfach geradezu mittelalterliche Zustände; wie es aber damals, in der sogenannten guten alten Zeit, selbst in den Städten aussah, davon kann der moderne Kulturmensch sich nur schwer eine Vorstellung machen. Wenn erzählt wird, wie Friedrich der Schöne samt seinem Pferde auf dem Marktplatz zu Reutlingen so tief im Straßenschlamm versank, daß er nur mit Mühe gerettet werden konnte, so mag dies übertrieben sein; jedenfalls wirft der Bericht ein bezeichnendes Licht auf die damaligen Zustände. Verbürgt ist aber ein ähnliches Geschichtchen aus jener Zeit: Als König Philipp August von Frankreich im Jahre 1185 eines Tages am offenen Fenster stand und gerade einige Wagen den Straßenschmutz aufgewirbelt hatten, wurde er durch die sich erhebenden mephetischen Gerüchte derart überwältigt, daß er bewußtlos zu Boden sank. Der Vorfall wird ohne weiteres verständlich, wenn man hört, daß 350 Jahre später die Pariser— wie noch heute die Chinesen— gewohnt waren, ihre Bedürfnisse auf offener Straße zu verrichten. Selbst in Berlin verbannte erst 1641 eine Verordnung die Schweine von den Straßen der Residenz, in deren Schmutz sich das Borstenvieh bis dahin vergnügt getummelt hatte. Wie schlecht es um die öffentliche Reinlichkeit bestellt war, zeigt eine andere Verordnung, die 1671 jedem mit einem ihm. Er lernte bei den Meistern dieser Musik — der bedeutendste war Giovanni Gabriele— was zu lernen war. Und es ist erklärlich, daß seine Kompositionen, als er 1613 nach Deutschland zurückkehrte, revolutionär wirkten. In den folgenden Jahren wirkte er als Organist in Kassel und Bückeburg. Seit 1617 stand er an der Spitze der kurfürstlichen Kapelle zu Dresden, die er durch seine Kunst in die Höhe brachte. Mit dem 30jährigen Kriege begann für Schütz ein Leben, reich an Enttäuschungen und Schicksalsschlägen. Mangels ausreichender Gehaltszahlungen löste sich die Hofkapelle auf(von 40 blieben 10). Mehrmals sieht man ihn in der Folgezeit an fremden Fürstenhöfen, so bei dem dänischen Kronprinzen in Kopenhagen, an den Höfen in Hannover und Braunschweig. 1628 war er ein Jahr lang in Italien bei dem Schöpfer der italienischen Oper, Claudio Monteverdi. Hatte er seinerzeit bei Gabriele eine neue Polyphonie kennen gelernt, bei der jede Stimme melodisch klingt gut klingt, so erwarb er jetzt den Sinn für Dramatik. Beide Lehren hat Schütz wohlverstanden, und in seinen Werken finden wir sie, doch in durchaus eigener Weise, wieder.— Auch nach dem Kriege gelang es ihm nicht, die Hofkapelle in Dresden zu reorganisieren. Er mußte erleben, daß die Italiener am Hofe vor ihm bevorzugt wurden. Seine Schüler, darunter Adam Krieger und Heinrich Albert zeigen seine ausgebreitete Lehrtätigkeit. Er starb im Alter von 87 Jahren, 1672 in Weißenfels. Trotz der vielen Schicksalsschläge— er verlor früh seine Eltern, seine Gattin, mit der er nur einige Jahre in glücklicher Ehe leben konnte, und seine beiden Töchter,— hat er in ungebrochener Schaffenskraft seine Werke geschrieben, und gerade in den traurigsten Zeiten schuf er das Schönste. Von seinen Werken ist die erste, von ihm stammende deutsche Oper „Dafne"(Bearbeitung von Rinuccini von Martin Opitz) leider verloren gegangen. Reine Instrumental= und Orgelwerke sind von ihm nicht erhalten. Viele schöne Motetten, Madrigale und Psalmen hat er komponiert, außerdem biblische Szenen, wie„Saul, Saul, was verfolgst du mich?",„Der zwölfjährige Jesus" u. a. Größere Werke sind:„Weihnachtsoratorium",„Auferstehungshistorie",„Sieben Worte Christi am Kreuz“ und seine Passion nach vier Evangelisten(Die Echtheit der Marcuspassion wird bestritten). Von letzterem ist die Matthäuspassion am bedeutendsten, sie gehört zu den feinsten und vollendetsten Werke von Schütz. In den letzten Jahren wurde sie viel aufgeführt, so in Kassel unter Robert Lango, wie 1929 auf dem„Heinrich Schütz=Fest“ in Celle. Immer fand sie ungeteilten Beifall. Von den vielen Chorschöpfungen ist noch viel zu wenig bekannt. Hoffentlich wird in den kommenden Jahren Schütz immer mehr Aufnahme finden. Dem Chore, wie der musikliebenden Gemeinde wird es eine Freude sein, Schütz'sche Musik zu singen und zu hören. Das gerichtliche Nachspiel zur Rebellenfahrt des„Falke“ Am 9. April beginnt vor dem Hamburger Schwurgericht ein Prozeß, wie ihn die deutsche Rechtssprechung bisher noch nicht aufzuweisen hat. Nach einem 59jährigen Schattendasein wird jetzt zum erstenmal der§ 234, der von Menschenraub handelt, in Anwendung gebracht werden. Der Prozeß bildet das Nachspiel der bekannten Rebellenfahrt des deutschen Dampfers„Falke“, der mit einer Munitionsladung und venezulanischen Rebellen an Bord nach Venezuela fuhr, wo die Venezulaner einen Aufstand versuchten, der jedoch gleich zu Beginn niedergeschlagen wurde. Angeklagt sind der Kapitän des Dampfers, Zipplitt, und die beiden Reeder, Felix Prenzlau und Felix Krammarsky, denen zur Last gelegt wird, sich durch List und Gewalt mehrerer Menschen, d. h. der deutschen Besatzung des Dampfers bemächtigt zu haben, um sie in auswärtige Kriegs= und Schiffsdienste zu bringen, ein Verbrechen, das mit Zuchthaus bis zu 15 Jahren bedroht ist. Die angeklagten Reeder sind, was zum VerGespann in die Stadt kommenden Bauern befahl, bei der Heimkehr eine Ladung Straßendung mitzunehmen. Kurz vorher hatte Paris einen schüchternen Versuch gemacht, eine regelmäßige Straßenreinigung einzuführen. Das bis dahin unerhörte Unterfangen wurde von den begeisterten Zeitgenossen in Gedichten gefeiert, und man prägte zwei Medaillen zur Erinnerung an das große Ereignis. Sehr erfolgreich scheint der Versuch nicht ausgefallen zu sein, denn noch ein Menschenalter später klagt ein Polizeibericht darüber, daß die Bürger Kehricht, Spülwasser und Fäkalien einfach auf die Straße werfen, von wo niemand den Unrat wieder entfernte. Sich durch die Schmutzhaufen einigermaßen unbeschädigt hindurchzuwinden, erforderte geradezu akrobatische Gewandtheit. Und wehe dem Unaufmerksamen, der den Warnungsruf„Gare l'eau!“ (Achtung, Wasser!) überhörte und von einem nassen, nicht immer nur aus Wasser bestehenden Guß getroffen wurde. Die Plätze um Kirchen und öffentliche Gebäude, und selbst Innenhöfe der letzteren, wie beispielsweise des Jutzizpalastes, waren besonders als„Gelegenheiten“ bevorzugt, weshalb ein poetisch veranlagter Chronist melden kann: „Es roch dort kräftiger, als Rosen es tun, aber nicht so angenhm.“ Erst im 18. Jahrhundert kamen Abtrittgruben auf. Pariser Einwohner, die schon einen Hauch moderner Hygiene verspürten, protestierten gegen neue Einrichtung. Mit Recht, denn die Gruben waren häufig so angelegt, daß ihr Inhalt in die benachbarten Trinkwasserbrunnen floß. 1701 sand man beim Reinigen einer solchen Grube die Frau eines Arztes, die darin ertrunken war; der Vorfall erregte jedoch weiter kein Aufsehen. Wer sich der eingans erwähnten Zustände in dem belgischen Krankenhause erinnert, wird nicht überrascht sein zu hören, daß es früher in den Hospitälern noch weitaus schlimmer zuging. Bezeichnend ist ein Bericht einer Kommission über das Ergebnis ihrer Revision des Hospitals Hotel=Dieu aus dem Jahre 1788. Die 1.10 Meter breiten Betten waren für zwei Kranke ständnis des ganzen Falles wichtig ist, seit Jahren im internationalen Waffengeschäft tätig. Sie wurden von den venezulanischen Rebellen zur Lieferung von Waffen, Bereitstellung eines Schiffes und den Transport der Rebellen verpflichtet. Für den Fall, daß der Umsturz in Venezuela glücken sollte, war ihnen eine Entschädigung zugedacht, die sicher mehrere Millionen betragen hätte. Ohne die Mannschaft über das Ziel der Reise zu unterrichten, ließen die Reeder im polnischen Hafen Gdingen unter polnischer Militärbedeckung Munition laden und später die Rebellen an der venezulanischen Küste absetzen. Diese sind übrigens sämtlich im Kampf gegen die Regierungstruppen gefallen, ihr Führer, General Delgado, als einer der ersten. Der Prozeß dürfte eine Woche dauern. Unsere Bilder zeigen: Der 1100 Tonnen große, 1902 erbaute Dampfer„Falke“. Der Rebellenführer, General Delgado. Von der westfälischen Frauenhilfe Die Westfälische Frauenhülse(Zentrale Soest) hat zuerst und gleich nach dem Kriege die sogenannte Müttererholungsfürsorge ausgenommen. Sie will durch rechtzeitige Stärtung der körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte der Mutter, vor allem der Arbeiterbevölkerung und des bedürftigen Mittelstandes, die Familien, die die Keimzellen des Volkes sind, in vorbeugender Fürsorge vor dem Verfall retten. Gesunde Mütter entlasten den Wohlfahrtsetat unserer Kommunalverwaltungen. Die Westfälische Frauenhilfe hat in den letzten drei Jahren 300000 Mark für die Müttererholungsfürsorge verausgabt. In ihren drei schönen Müttererholungsheimen im Siegerland, eröffnet im Frühjahr 1927, in Langenbeck, Krs. Teckleuburg und in Bad Driburg, stehen 140 Plätze für müde abgearbeitete, körperlich und seelisch erholungsbedürftige Mütter zur Versügung. Im Jahre 1929 haben rund 1500 Frauen eine Kur durchgemacht. Alles, was für die Gesunderhaltung der Mutter getan wird, ist eine produttive Anlage. Der Wohlfahrtsminister hat in anerkennender Würdigung dieser nicht hoch genug anzuschlagenden Fürsorgearbeit der Frauenhilfe derselben eine Haussammlung in ganz Preußen für die Zeit vom 5.—21. Mai und eine öffentliche Straßensammlung am 10. und 11. Mai(Muttertag) bewilligt. Diese Sammlung kann in Anbetracht der für unser ganzes Volk bedeutsamen Arbeit nur dringend empfohlen werden. Evangelisches Damenstift In Burgsteinsurth hat sich ein Verein zur Schaffung eines evangelischen Damenstiftes gebildet. Die Gründung des Vereins erfolgte auf Grund einer Schenkung, welche eine alleinstehende ältere Dame der Stadt gemacht hat, um ihr den Bau einer solchen Stiftung zu ermöglichen. Die Stiftung wird von vielen Seiten außerordentlich begrüßt, da es an einem Heim für alleinstehende Damen fehlt. Es ermöglicht Damen gebildeter Stände eine sichere und sorgenfreie Unterkunft für ihren Lebensabend. Jede einzelne Einwohnerin des Heimes soll ihr eigenes Zimmer haben. Das Gemeinschaftsleben hat familiären und christlichen Charakter. Anfragen sind an das evangelische Pfarramt in Burgsteinfurth zu richten. berechnet, in Wirklichkeit befanden sich aber sechs darin, und zwar lagen drei an jedem Ende, derart, daß die Füße der einen auf Gesicht und Schultern der anderen ruhten. Eine Trennung nach Krankheiten gab es nicht, Wöchnerinnen, Typhuskranke, an Hautkrankheiten Leidende lagen bunt durcheinander. Infolge der unglaublichen Unsauberkeit der Kranken herrschte ein unerträglicher Gestank; die Aufbewahrungsstelle für die Kleider der Patienten wimmelte vovn Ungeziefer. Die Operationen fanden in einem großen Saale statt; den dort in ihren Betten liegenden Kranken war es unbenommen, wenn es sie gelüstete, zuzusehen. Auch wem nicht daran gelegen war, mußte, ob er wollte oder nicht, das erbärmliche Geschrei der dem Messer unwissender Chirurgen ausgelieferten Opfer über sich ergehen lassen. Aehnlich, wenn auch nicht ganz so arg wie im Hotel=Dieu, sah es in den übrigen französischen Krankenhäusern der gueten, alten Zeit aus. In den germanischen Ländern war man auch damals schon weiter. Der Mann, der acht Frauen zu versorgen hat. Der Mann mit den acht Frauen lebt nicht etwa in der Türkei, wo ja auch die Vielweiberei abgeschafft ist. Er ist vielmehr das angesehene Mitglied eines großen Pariser Klubs und nimmt gern die Gelegenheit wahr, sich über die Bürde zu beklagen, die er bei seinen bescheidenen Geldmitteln durchs Leben schleppen muß. Zwei von den acht Frauen sind geschiedene Gattinnen, denen er, da er für den schuldigen Teil erklärt wurde, eine Lebensrente zahlen muß. Die dritte ist die Freundin, um derentwillen er geschieden wurde. Es folgen zwei verheiratete Töchter, denen er einen Zuschuß zum Haushalt geben muß, eine weitere Tochter ist unverheiratet. Außerdem fallen ihm noch die beiden geschiedenen Frauen seines Sohnes zur Last, der den Spuren seines Vaters folgte, aber nicht in der Lage ist, die Alimente zu zahAmerikas Jugend zieht Handarbeit vor. Die Jugend Europas hat mehr für die geistigen Berufe als für die körperliche Arbeit übrig, und auch die notorisch schlechten Berufsaussichten der Intellektuellen vermögen diesen Ehrgeiz nicht in andere Bahnen zu lenken. Auch der Sport, der aus Liebhaberei getrieben wird, hat nichts daran geändert. Anders ist es bei der amerikanischen Jugend, die statt nach einem Bureaustuhl oder einem Platz hinter dem Tisch des Verkäufers zu streben, nicht verschmäht, Industriearbeiter oder Handwerker zu werden. Eine Rundfrage, die vor kurzem vom Statistischen Amt in New York veranstaltet wurde, ergab, daß von 75000 jungen Leuten im Alter von 14 bis 16 Jahren, die die Fortbildungsschule besuchen, 70 Prozent den Wunsch haben, Arbeiter zu werden, während sich nur 30 Prozent einer Geschäststätigkeit widmen wollen. Diese Vorliebe für Arbeit in industriellen Betrieben erlärt sich hauptsächlich mit der bekannten Tatsache, daß gelernte Arbeiter in USA. durchschnittlich bedeutend mehr verdienen als Bureau= und Warenhausangestellte. In Fachschulen werden qualifizierte Arbeiter nach den neuesten Methoden ausgebildet und finden dann in amerikanischen Industriebetrieben sehr gute Verdienstmöglichkeiten. Ein Frachtdampfer mit Entladekran Auf den großen Seen der Vereinigten Staaten wurde kürzlich ein Frachtdampfer von 8000 Tonnen Ladefähigkeit in Betrieb gesetzt, der seine eigenen Entladungsvorrichtungen mit sich führt. Im Innern des Schiffes sind Silos nebeneinander angeordnet, deren Inhalt sich nach unten durch einen Schieber auf ein Transportband entleert und von dort mit Hilfe anderer Transportvorrichtungen auf einen langen Auslegearm gebracht wird, dessen Ende über dem festen Land schwebt. So können stündlich 18000 Tonnen unmittelbar vom Schift aufs Land entladen werden. Noman von Fritz Poppenberger 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Während es ihm aber bisher verhältnismäßig leicht gewesen war, Nelly die Beichte eines Verirrten abzulegen, wollte ihm die Bitte an seine Tochter, ihr einiges Ich zu seinen Gunsten in die Waagschale zu werfen, nur schwer über die Lippen. Stockend setzte er seine Erzählung fort, die in ihrer knappen Form noch härter klang, als seine bisherige Beichte... Da sprang Nelly mit verzweifeltem Lachen auf, das klang, als hätte ihr Innerstes einen klaffenden Sprung erbalten. „Und was fordert Reiner für sein Schweigen: fragte sie, die Antwort vorausahnend. Denn noch brannte in ihrem Gedächtnis zu deutlich der begehrende und doch haßerfüllte Blick Reiners, als er das letzte Mal von ihr ging. Scheu wich Rügel dem Blick seiner Tochter aus. „Er— hielt— um deine— Hand an!“ Wie Keulenschläge hatte sie jedes Wort dieses fürchterlichen Satzes getroffen. Doch noch einmal bäumte sich in ihr der in sorgloser Jugend stark gewordene Eigenwille gegen jeden äußeren Zwang, noch einmal forderte ihre Jugend ihr Recht nach Freiheit. Verzweifelt schrie sie auf: „Nein! Ich kann nicht, ich kann nicht! Soll ich mein ganzes Leben lang an einen ungeliebten, scheußlichen Mann binden lassen?! Nein, ich kann nicht!" Ernst sah Rügel zu seiner Tochter auf: „Weißt du, was deine Antwort bedeutet?“ „Ja, ich weiß es“, stieß Nelly leidenschaftlich hervor. „Ich weiß es Es bedeutet für mich Armut, Not, harte Arbeit, Schande, Spott. Ja, ja: alles Schlechte; doch ich brauche mich nicht wegzuwerfen.“ „Für dich? Nur für dich? Und ich?“ Nelly blickte ihren Vater verständnislos an. „Und du? Was ich ertragen kann, wirst doch auch du überwinden?“ „Nicht aber Kerker!" stöhnte Rügel. Erschreckt trat Nelly einige Schritte zurück. Daß ihr Vater auch in den Kerker kommen konnte, daran hatte sie nicht gedacht. Erst jetzt fühlte sie die Schwere des Schicksals mit voller Wucht. „Aber Vater! Was soll ich denn machen? Ich kann doch nicht Reiner, gerade Reiner, heiraten?!“ Aufschluchzend warf sie sich auf ihr Bett und vergrub das Gesicht in den Polstern„Nein, ich kann es nicht!“ Aeußerlich ruhig stand Rügel auf. Ihm tat Nelly unsagbar leid. Doch daß es ihr bisher auch nicht einen Augenblick eingefallen war, ihn vom Verderben retten zu wollen, reizte ihn. Der Mann, dessen Lebensgefährten immer nur trockene Zahlen gewesen waren. ja, der selbst seine Frau mehr als Geschäftsteilhaberin denn als Gattin betrachtet hatte, konnte das Opfer, das er von Nelly forderte, nicht richtig abschätzen Er war nie jung genug gewesen, um Nelly in ihrer von Hoffnungen und schönen Träumen erfüllten Jugend zu verstehen. Was ein Aufbäumen ihrer innersten Natur war, hielt er für Herzlosigkeit. So klang es härter, als es Nelly gewöhnt war, von seinen Lippen: „Du willst also deinen Vater ruhig in den Kerker bringen lassen?“ Da hob Nelly langsam, fast sinnend, ihren Kopf aus den Polstern. „Was kann ich denn machen?" „Heirate Reiner!“ Diesmal brachte Nelly die Antwort ihres Vaters nicht mehr aus ihrer starren Ruhe. Sie schüttelte nur langsam verneinend den Kopf. Ihr Vater, der die Kerkermauern in drohender Nähe vor sich auftauchen sah, verlegte sich aufs Bitten. Er hielt ihr vor, wie er ihr bisher jeden Wunsch von den Augen abgelesen hatte, er wandte ein, daß er nur ihretwegen nicht den Mut fand, wieder als kleiner Kaufmann anzufangen, und versuchte ihr die Heirat mit Reiner in ein möglichst günstiges Licht zu rücken. „Kind, vergiß nicht, daß Reiner dir alles bieten kann, was zu einem glücklichen Leben gehört. Er ist reich, hat eine schöne Stellung, und schließlich liebt er dich auch. Daß du ihn vorläufig noch nicht liebst, ist kein Grund zu einer Absage. Was ist denn Liebe eigentlich anderes als Gewohnheit? Du wirst dich an Reiner gewöhnen... „Nein. Liebe ist nicht Gewohnheit!“ schrie Nelly auf. Vor ihren Augen tauchte die Gestalt Kurts auf.„Nein, Liebe ist ein hohes, heiliges Gefühl; Reiner aber ist ein Tier, ein niedriges Tier...“ Rügel war bisher anscheinend ruhig gewesen, doch die Hartnäckigkeit Nellys ließ ihn immer mehr befürchten, daß die Trümmer seiner zusammenbrechenden Lebensstellung auch ihn unter sich begraben würden, und kalter Angstschweiß trat auf seine Stirn. Er sah sich bereits in den Händen der Behörden; alle von ihm gelesenen Meldungen über die schwersten Mißhandlungen von Häftlingen wurden in seiner Erinnerung lebendig. Er hörte schon das Kreischen der Angeln von Kerkertüren, die sich für viele Monate hinter ihm schlossen. Und der Mann, in dessen Augen die Gebote der Religion bisher nur Schreckmittel zur Einschüchterung gewesen waren, begann plötzlich ebendieselben von ihm mißachteten Gebote als Zeugen für die unbedingte Erfüllung seiner Bitte anzurufen. „Du kannst doch deinen Vater nicht ruhig selbst in das Gefängnis stoßen? Bedenke: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden.“ In die großen, traurigen Augen Nellys trat der Ausdruck ironischen Erstaunens. „Ja, Vater und Mutter ehren, daß es dir wohlergehe — ja, wohlergehe an der Seite Reiners.“ Und krampfhaft, voller Bitterkeit, wiederholte sie:„Daß es dir wohlergehe— daß es dir wohlergehe...“ Da erhob sich Rügel leise, gebrochen von seinem Sitz und ging mit gesenktem Blick der Tür zu. Auf der Schwelle wandte er sich noch einmal um. „Bis morgen um acht Uhr hat Reiner mir Zeit gedir wohlergehe geben. Solliest du dich bis dahin eines Besseren besonnen haben, dann schicke ihm eine Einladung für den übermorgigen Teeabend. Im gegenteiligen Falle verständige mich rechtzeitig, damit ich noch Zeit habe, mir— eine Kugel durch den Kopf zu jagen.“ Mit einem dumpfen Gefühl der Angst blieb Nelly zurück. Sie sah ihre Umgebung wie durch einen grauen Schleier, der sich zeitweilig zusammenballte und die Formen von Gestalten annahm, die in immer bedrohlichere Nähe kamen. Es war Reiner in vielfachen Gestalten, die sich nur durch den Ausdruck in den stechenden Augen glichen, Augen, die sich mit begehrenden Blicken an ihrem Körper emportasteten und sie kalt erschauern ließen. Immer näher kamen die Gestalten, immer näher und näher, und griffen mit zitternden Fingern nach ihren Kleidern, wobei sich Nelly mit schreckensstarren Händen zu verteidigen suchte. Doch es half ihr nichts. Ohne daß die drohenden Gestalten ihre Kleider berührten, zerflossen sie selbst in nichts. Von vielen Händen ergriffen, wurde ihr entblößter Körper in die Höhe gehoben und durch die Lüfte getragen. Immer schneller wurde der sausende Flug, immer schneller, so daß ihr der Atem ausging. Dann wieder begann sie zu stürzen, immer tiefer und tiefer, bis sie undurchdringliche Finsternis umgab. Und weiter fiel sie, immer weiter... Es war schon spät am Abend, als Nelly aus der tiefen Ohnmacht erwachte. Einige Minuten lang konnte sie sich nicht besinnen, was sich in den letzten Stunden ereignet hatte. Nur ein bedrückendes, dumpfes Gefühl, das sie nicht abschütteln konnte, verschaffte ihr kaltes Unbehagen. Plötzlich brach die Erinnerung über sie herein, und aufstöhnend fiel sie auf ihr Bett zurück. Erst jetzt, da sie die letzten Ereignisse ruhig überdenken konnte, erinnerte sie sich mit voller Macht an Kurt; erst jetzt, da sie ihn verlieren sollte, sah sie ein, wie tief diese Jugendliebe in ihrem Junern wirzeite. Nein, ich kann Kurt nicht aufgeven, lieber arm und verachtet, als Kurt verlassen. Doch dann tauchte vor ihren Augen wieder die dunkle, drohende Mündung eines Revolvers auf, der sich verderbend gegen die Schläfe ihres Vaters wandte. Und wie seltsam, ohne daß vorher der Hinweis auf das vierte Gebot auf sie einen besonderen Eindruck gemacht hatte, hämmerte es ihr jetzt ununterbrochen im Kopfe: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohlergehe— daß es dir wohlergehe—, daß es dir wohlergehe... Angezogen, wie sie war, blieb Nelly auf ihrem Bett liegen, ohne jedoch nur einen Moment zu schlafen. Sie kämpfte einen schweren Kampf. Oft war sie selbst entschlossen, sich für ihren Vater zu opfern, oft beteuerte sie sich wieder, daß sie Reiner nicht heiraten, Kurt nicht verlassen könne. 95464 iu Als der Morgen sein erstes, graues Licht in das Zimmer warf, erhob sich Nelly müde und ging zum Fenster. Stumm beirachtete sie die wenigen Fußgänger, die fröstelnd sich in die Mäntel hüllend, die Straße entlang eilten.„ n#lnd Da warf die Sonne, über die Dacher viinzelnd, ihre ersten goldenen Strahlen in das Zimmer Nellys, und zum letzten Male bäumte sich in ihr die Jugend auf. „Nein, ich kann Reiner nicht heiraten, ich kann nicht, ich kann nicht.“—.... gi. Eim Am Abend lag auf Reiners Schreibtisch vie Eindung zum Teeabend, von Nellys Hand geschrieben. *• Copyright by Martin Feuchtwanger Halle(Saale) Mit zärtlicher Sorgfalt bürstete Larowicz seinen Smoking und hängte ihn wieder in den Schrank zurück, behutsam, als wäre er zerbrechlich. Denn es war sein Paradestück, das er nur anzog, wenn es unbedingt sein mußte. Dann überflog er im Geiste nochmals die Auswahl seiner Garderobe, ob ihm tatsächlich nichts fehle. Doch bald schwenkten seine Gedanken ab und bewegten sich im lustigen Reigen, froh tänzelnd und hüpfend, unter hellem Lampenschein, in der Mitte der munteren Gesellschaft, deren Mittelpunkt Nelly war. „Ja, Nelly, heute nachmittag, da bin ich zum ersten Male in deinem Hause“, jauchzte Kurt froh,„da werde ich beweisen, daß sich auch ein armes Studentlein vornehm in eurer Mitte zu bewegen weiß...“ Sich gewaltsam von seinen Gedanken losreißend, ging Larowicz wieder zu seinen Büchern und hielt sich die Ohren zu, als könne er dadurch seine Aufmerksamkeit leichter der Geschichte des römischen Rechtes zuwenden. Aber es schien, als sollte es heute nicht mehr zum Studieren kommen, denn schon nach wenigen Minuten pochte es an seiner Tür. Herein!“. „Herr Larowicz, ein Brief vom gnadigen Fräulein. Erstaunt blickte Kurt in das bekümmerte Gesicht der alten Bedienerin Nellys. „Einen Brief? Bitte nehmen Sie Platz, vielleicht habe ich eine Antwort mitzugeben!“ Hastig öffnete Kurt den Briefumschlag und wollte gerade den Brief lesen, als ihn das Knarren der Tür aufmerksam machte, daß die alte Bedienerin, die seit Jahren Nellys Vertraute war, das Zimmer still verlassen hatte. Er versuchte sie zurückzurufen, doch sie war schon mit einer für ihr Alter außergewöhnlichen Eile die Holztreppe hinabgelaufen und hatte das Haus verlassen. Kopfschüttelnd ging Larowicz in sein Zimmer zurück und griff nach dem Briefe. Er las ihn einmal, strich sich mit der Hand über die Stirn, las ihn ein zweites Mal, blickte verständnislos auf die ihm bekannt und doch so fremd erscheinenden Schriftzüge, und las ihn ein drittes Mal. Dann setzte er sich ruckhaft auf seinen Sessel; seiner Hand entglitt der Brief. Lange saß er regungslos da und starrte vor sich hin. Dann aber raffte er sich auf und hob den Brief wieder vom Boden auf. Und nochmals las er ihn, laut, jedes Wort abwägend und prüfend. Lieber Kurt! Suche mich nicht mehr zu sprechen, bleibe mir fern, frage mich nichts. Kränke Dich nicht, lieber Kurt. Doch ich bitte Dich, komme heute nicht zu meinem Teenuchmittag, heute nicht, morgen nicht, niemals mehr, niemals. Glaube mir: es geht nicht anders. Lebe wohl für immer. Nelly. Mit aller Energie schüttelte Kurt seine Niedergeschlagenheit ab und suchte seine Gedanken, die sich wirr überstürzten, in eine ruhige Bahn zu bringen. Was mag der Brief bedeuten? So wirr, so zusammenhanglos, so inhaltsschwer und doch unbegründet! Soll dies wirklich Nelly geschrieben haben? Prüfend betrachtete Kurt nochmals die Schrift und ging zum Fenster, um besseres Licht zu haben. Das Briefpapier gehört Nelly, doch die Schrift scheint mir für Nelly zu kraus, zu zerfahren. Hier muß eine Fälschung vorliegen, oder irgendein verhängnisvoller Irrtum, eine Intrige... Wieder begann Kurt seinen Rundgang um den Tisch, bis sein Blick auf die offene Schranktür fiel, aus der sein Smoking höhnisch hervorblinzelte, als wollte er sagen: aus unserem Teeabend wird nichts! Da erst erinnerte sich Larowicz, daß schon in wenigen Stunden im Hause Nellys eine lustige Gesellschaft zusammenkam.„Und nur ich, nur ich, soll nicht dort sein?" stieß er gepreßt hervor.„Nein, ich muß Nelly vorher noch sprechen. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu!“ Den Mantel ergreifend, lief Kurt die Stiegen hinuv und eilte dem Hause Nellys zu. Erst im verkehrsreicheren Teile der Stadt verlangsamte er seine Schritte, um nicht aufzufallen. Doch nur mühsam unterdrückte er seine bohrende Ungeduld; am liebsten hätte er sich mit den Fäusten einen Weg gebahnt, wenn er Gruppen von Spaziergängern begegnete, die sich müßig auf den Bürgersteigen breitmachten, als wären sie hier zu Hause. Endlich war Kurt vor der Haustür, in der Nelly so oft verschwunden war, angelangt, und sinnend blieb er stehen. Erst jetzt sah er ein, daß er Nelly unmöglich in ihrem Hause aufsuchen könne; ratlos ging er auf die andere Seite der Straße. Müde lehnte er sich an die Wand des gegenüberstehenden Hauses und streifte mit den Augen die Fensterfront der Wohnung Rügels ab. Doch niemand war zu sehen. Er bohrte seine Blicke in die Fenster des Zimmers, aus dem er so oft Nelly herausblicken sah. Doch dichte Vorhänge machten es ihm unmöglich, auch nur die Farbe der Deckenmalerei zu erkennen. Da wandte er sich langsam um und ging nach Hause. „„ Vom lauten Glockenschlag der Pendeluhr aufgeschreckt, erhob sich Nelly langsam vom Divan und trat vor den Spiegel.„In einer Stunde können die ersten Gäste hier sein“, murmelte sie vor sich hin.„Ich muß mich anziehen. Ruckhaft fuhr sie mit dem Kamm durch die dunklen, gewellten Haare ihres Lockenkopfes, während ihre Blicke das Weite suchten. Und immer weiter drang ihr Blick, eilte aus dem Zentrum der Stadt hinaus in die Vorstadt, passierte schmale Gäßchen und blieb vor einem mit Wein umrankten Häuschen stehen. Die Holzwände waren ihm kein Hindernis; ungebindert drang er in eine kleine Dachstube, in der ein junger Student zusammengesunken am Tisch saß. Kosend umtanzte Nellys zärtlicher Blick die reglose Gestalt, in die nur der schwergehende Atem Bewegung brachte. Von ihren Gedanken überwältigt, schloß Nelly die brennenden Augen. Verzeih', Kurt, verzeih'. Ich konnte nicht anders. Es mußte sein. Du mußt es ertragen lernen— und ich kann dir dabei nicht einmal helfen, denn ich kann dir doch nicht sagen, daß ich die Tochter eines— Schmugglers bin Verzeih'. Kurt Sich aufraffend, setzte Nelly wieder den Kamm an und fuhr damit so lange durch das Haar, bis ihre Hand langsam herabsank. Dann zog sie sich an und ging in die Empsangszimmer.„,.. A.dimma Obwohl Nelly die ganze Arbeit der Bevieneri und dem ihr unterstellten Stubenmädchen überlassen hatte, sahen die Räume doch freundlich und einladend aus. „Junges Volk braucht Platz“, hatte die Alte gemeint, und hatte alle Möbelstücke, die nicht unbedingt notwendig waren, aus den Zimmern tragen lassen. Die reichhaltige Auswahl an Teppichen im Hause Rügels voll ausnützend, hatte sie die Zimmer zu türkischen Boudoirs umgewandelt, deren glänzendes Parkett zum Tanzen einlud. Freudlos blickte Nelly um sich her und ging dann zum Fenster, ohne Ungeduld die ersten Gäste erwartend. Die Uhr schlug gerade fünf, als Reiner als erster eintrat und Nelly ein großes Blumenbukett überreichte. Er begrüßte sie mit überschwenglicher Freundlichkeit, ohne sie auch nur mit einem Worte daran zu erinnern, daß er die Einladung nicht wie all die anderen Gäste freiwillig erhalten hatte. Ohne einen Blick auf die Blumen zu werfen, steckte Nelly sie in eine Vase und wandte sich ihren Freundinnen zu. die gerade in das Zimmer hereintrippelten. Die muntere Begrüßung der beiden Blondköpfe erwiderte sie mit gezwungenem Lächeln. „Was ist mit dir los, Nelly? Du siehst nicht gut aus!“ „Nichts, nichts“, wehrte die Gefragte ab.„Ich war nur gestern nicht ganz wohl Doch— es ist schon vorüber.“ Immer mehr füllten sich die Räume. Scherzworte schwirrten durch die Luft und fielen auf leicht entzündbaren Boden Alle waren lustig, auch Reiner, der wohl der älteste in der Gesellschaft war; nur das ernste Gesicht der jungen Hausherrin stach von den Gesichtern ihrer Freundinnen ab Und als wenn sich ihre Schwermütigkeit auf die anderen übertrug, stockte der muntere Fluß der Untechaltung immer mehr. Da ging Nelly zu dem dunklen Gehäuse des Grammophons, legte eine Platte auf. und näselnd begann ein Tenor:„Die schönsten Beine von Berlin hat meine Freundin Evelyn...“(Forts. folgt.)