ie uicne uichnich ichr und Bozugoprets doldmonalich 1.20 Maik, Emzeiaummel 13 Plg. Druck u. Venagvon C. Braw, Ichwerte(Ruhr, Posscheckkonten: Dorimund 2832 und Hannover 21874. Geschästessele Große Mardcktr. 3—3 Venantworlich für die Scheifleitn= H. Eimner, Schperte. Femru arro Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: fener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Nun ie beche. üiget, sing namtiche u. gerichtliche Auzigen 10 Vig., Aekomeneile 40P), au teleson, ausgegedene Onserate üdernehmen wir keine Gewäbt Bei unvo.dergeseyn. Vezriedestbrungen, hervorgerusen durck bödere Gewaltan, üdernebmen wir heinertei Gewäde für pünktliches Erscheinen dei Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Gpd Kreisblett für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn 63. Jahrgang Nr. 10(Srtes Plan) Schwerte(Ruhr), Freitag, den 4. Alptil 1930 Neues in Kürze. Amtsübernahme des Reichsbankpräsidenten. wtb. Berlin, 3. April.(Tel.) Der neue Reichsbankpräsident Dr. Luther hat mit dem heutigen Tage sein Amt übernommen. General Freiherr von der Goltz gestorben. wtb. Berlin, 3 April.(Tel.) General der Infanierie Konrad Freiherr von der Goltz ist heute in Berlin Steglitz gestorben. Er war im Frieden zuletzt Kommandeur der 30. Division und in der Schlacht bei Tannenberg der Kommandeur der Landwehrdivision von der Goltz. der preußischen Zentrumspartei. wtb. Berlin, 4. April.(Tel.) Wie nunmehr feststeht, beginnt der Parteitag der preußischen Zentrumspartei am Sonntag, den 11. Mai 1930, im Plenarsaal des früheren Herrenhauses um 10 Uhr vormittags. Das Mißtrauensvotum gegen Dr. Frick abgelehnt. wtb. Weimar, 3. April.(Tel.) Heute nachmittag wurde im Landtag der Mißtrauensantrag der sozialdemokratischen Fraktion gegen Staatsminister Dr. Frick mit 25 Stimmen der Rechten gegen 25 Stimmen der Linken abgelehnt. Drei Abgeordnete der Deutschen Volkspartei enthielten sich der Stimme, zwei Abgeordnete der Deutschen Volkspartei stimmten dagegen. Bei der Abstimmung über den Mißtrauensantrag wäre es beinahe zu Tätlichkeiten gekommen. Einschränkung in der belgischen Diamantindustrie. wtb. Antwerpen, 3. April.(Tel.) Der Arbeitgeberverband der belgischen Diamantindustrie beschloß. die Produktion um 50 Prozent einzuschränken. Vom 14. April ab sollen die Betriebe in jedem Monat zwei Wochen stillgelegt werden. Annahme des englischen Gesetzes über die Kohlenbergwerke. wtb. London, 4. April.(Funkspruch.) Das Unterhaus lehnie mit 277 gegen 234 Stimmen einen Antrag der Konservativen auf Ablehnung des Gesetzentwurfes über die Kohlenbergwerke ab und nahm darauf dan Gesctzentwurf in dritter Lesung an. Schuldebatte im Landtag. 156. Sitzung des preußischen Landtages. Mehrhen für Raomten Trunng. 253 gegen 187 Stimmen. 154. Sitzung des deutschen Reichstages. vdz. Berlin, 3. April.(Tel.) Bei Eröffnung der Sitzung teilte Präsident Löbe mit, daß Abg. Keinath(DVp.) in den Reichstag neu eingetreten sei.(Rufe: Das lohnte nicht mehr!— Heiterkeit.) In der Fortsetzung der Aussprache über die Regierungserklärung nahm Abg. Graf zu Reventlow(Nat.=Soz.) das Wort. Er war bei der allgemeinen Unruhe kaum verständlich Graf Reventlow wendete sich besonders gegen diejenigen Sätze der Regierungserklärung in denen die organische Weiterentwicklung der bisherigen Außenpolitik angekündigt wird. Die Nationalsozialisten würden die jetzt irregeführten Massen des werktätigen Volkes sammeln zum nationalen, sozialistischen Kampf gegen den internationalen Kapitalismus. Abg. Rädel(Komm.) polemisierte, gegen die Deutschnationalen, weil sie gegen das Mißtrauensvotum stimmen wollten. Der Kanzler spricht. vdz. Berlin, 3. April.(Tel.) Der preußische Landtag beendete am Donnerstag wider Erwarten schnell die allgemeine Aussprache zum Abschnitt „Ministergehalt und Volksschulwesen" im Kultushaushalt. Die lange Rednerreihe wurde, als die vierte Garnitur zum Wort gekommen wäre, durch einen Schlußantrag unterbrochegg Dann wurde der Abschnitt höhere Schulen erörtert, wobei Frau Dr. Wegschneider(Soz.) erklärte, die höhere Schule müsse als Berufsschule für die theoretisch Begabten aller Schichten ausgebaut und neben nicht über die anderen Berufsschulen gestellt werden. Dr. Weisemann(Dutl.) bezeichnete die Politisierung der höheren Schulen durch den Gedanken der Republikanisierung als große Gefahr. Er fordere eine ministerielle Verfügung an die Kommunen auf paritätische Besetzung der Lehrerstellen. Frau Wronka(Z.) erklärte, daß, gemessen an der preußischen Gesamteinwohnerzahl, in der Zusammensetzung des Philologenstandes der katholische Volksteil noch immer benachteiligt sei und trat im übrigen für den Ausbau der Frauenoberschule ein. Dr. Ausländer (Komm.) legte dar, daß in zwölf Jahren diese Republik das Bildungsprivileg noch immer so wenig durchbrochen habe, daß auf den Universitäten nur 2.5 Prozent der Zöglinge aus dem Arbeiterstande kämen Frau Thöne(DBP) wollte dem Mittelstand durch Vereinfachung des Berechtigungswesens und Kürzung der Berufsausbildung helfen, war aber gegen Abschaffung der Reisevrüfung. Dr. Bohner(Dem) wünschte engere Fühlung zwischen Universität und höherer Schule und trat besonders für die Philologen ein, während Abg. Prelle(Deutsche Fraktion) sich gegen die Bestrebungen auf Einschränkung der humanistischen Bildung wandte., 46maligen SchlusNach Annahme eines abermaligen Schlußantrages wurde auch noch der Abschnitt„Universitäten“ begonnen, wobei Professor Hofmann(Dntl.) freie geistige Entfaltungsmöglichkeiten ohne staatlichen Druck und Verständnis für die akademische Jugend forderte. Weiterberatung Freitag. Dem brennenden Kinoraum Gläclich enreonnen. wtb. Rotenburg in Hann., 3. April.(Tel.) In dem mit Stroh gedeckten Gasthaus des Dorfes Hetzwege im Kreise Rotenburg brach während einer Kinoaufführung Feuer aus. Die Besucher konnten mit Not und Mühe das Freie gewinnen. Der Vorführer erlitt Brandwunden. Das ganze Gebäude wurde ein Raub der Flammen. In ihrer Stallung sielen auch sieben Kühe und zwei Pferde dem Feuer zum Opfer. Der Brand dürfte durch Kurzschluß verursacht worden sein. Reichskanzler Dr. Brüning beantwortete dann die in der Aussprache gestellten Fragen. Auf die Frage der Außenpolitik werde die Regierung bei dem in Kürze zu beratenden Etat des Auswärtigen Amtes ausgiebig eingehen. An die Beratung der agrarpolitischen Hilfsmaßnahmen sei die Reichsregierung sofort aus eigener Initiative auf besonderen Auftrag des Reichspräsidenten herangegangen. Sie habe dabei das Programm des Ministers Schiele in den Kreis ihrer Beratungen hineingezogen. Die Reichsregierung werde noch im Laufe der nächsten Woche ihre gesetzgeberischen Vorschläge dem Reichstag unterbreiten.(Beifall bei den Regierungsparteien.) Das Programm der außerordentlichen Hilfe für die östlichen Gebiete werde gleichfalls in kürzester Frist dem Reichstag unterbreitet werden. Bezüglich der Fragen wegen der Handelspolitik beziehe er sich auf die Erklärung der Reichsregierung und stelle fest, daß die notwendige Kontinuität der Handelsvertragspolizik auch von der neuen Reichsregierung durchgeführt werden wird. Der Abg. Dr. Breitscheid habe Besorgnisse wegen der Anwendung des Artikels 48 ausgesprochen. Ich habe meinen Standpunkt zu dieser Frage bereits in Köln ausgesprochen und festgestellt, daß von dem letzten Mittel der Verfassung, dem Artikel 48, nur dann Gebrauch gemacht werden soll, wenn keine Hoffnung mehr besteht, daß das Parlament und die Parteien ihre Mission selbst erfüllen. (Gelächter bei den Kommunisten.) Ob überhaupt die Anwendung des Artikels 48 notwendig ist, ist eine Entscheidung, die dieses hohe Haus in kurzer Zeit selbst zu fällen hat.(Beifall bei den Regierungsparteien.) Todesurteil. rung und der heutige Aufbau der Preußenkasse ein ernstes Hindernis für die erforderlichen Maßnahmen bilden wird. An dem von Herrn Schiele und der deutschnationalen Fraktion verlangten Zahlungsaufschub für die notleidenden Gebiete wird nicht mehr vorbeizukommen sein. Den polnischen Handelsvertrag werden wir entsprechend unserer bisherigen Haltung auch jetzt ablehnen. Die Regierungserklärung ist in keiner Weise geeignet, daß Mißtrauen zu zerstreuen, das wir angesichts der Zusammensetzung der Regierung Brüning hegen. Der Wille zur Weiterführung des bisherigen Erfüllungskurses in der Außenpolitik wird durch die Beibehaltung des Außenministers Curtius zum Ausdruck gebracht. Auch die Beibehaltung des Ministers Wirth bestätigt diesen Willen. Die Regierungserklärung sagt auch nichts über die Ausnutzung aller Wehrmöglichkeiten durch die Einsetzung der Baurate für den Panzerkreuzer B in den Haushalt. Wir vermissen auch die Ankündigung der Aufhebung der Maßregelung Thüringens. Wir haben seit Monaten betont, daß wir zu einer Zusammenarbeit mit den nichtmarristischen Parteien bereit sind, wenn sie sich auf die Rettung von Staat und Virtschaft vor dem Marxismus und auf die Freiheit Deutschlands richtet und Reich und Preußen gleichmäßig umfaßt. Das mit der Absicht der Sprengung der Deutschnationalen Partei, zugleich unter Mißbrauch des Namens und Ansehens des Reichspräsidenten gebildete neue Parteikabinett der Mitte ist ein nicht überzeugender Versuch, diese Tatsache zu verschleiern. Das finanzielle Programm der Regierung findet, da es in erster Linie neue Steuerbelastungen mit sich bringt, nicht unsere Zustimmung. Nach dem Gesagten haben wir gegenüber den Absichten und der Zusammensetzung des neuen Kabinetts ein weitgehendes Mißtrauen. In erster Linie gründei sich dieses Mißtrauen auf die Aufrechterhaltung der Koalition mit dem Marxismus in Preußen und auf der der nationalen Rechten gegenüber bekundeten Haliung Wir werden zu dem uns richtig erscheinenden Zeitpunkt die Folgerungen aus diesem Mißtrauen ziehen. Auf die letzten gegen die neue Regierung gerichteten Sätze des Redners folgten immer wieder Rufe der Sozialdemokraten und Kommunisten: „Und dennoch lehnen Sie die Mißtrauensanträge ab Als Abg. Hugenberg seine Erklärung beendet hatte, kamen von den Nationalsozialisten laute Pfuirufe. wtb. Stargard, 4. April.(Funkspruch.) Vom Schwurgericht wurde gestern der Melter Pusch wegen Raubmordes zum Tode verurteilt. Pusch hatte am 26. November in der Schnitterkaserne zu Siebenschlöschen bei Pyritz in Pommern die Vorschnitterfrau Anna Goretzki nach einem Wortwechsel mit einem Bügeleisen niedergeschlagen, dann ihre Wohnung ausgeplündert, verschiedene Kleidungsstücke gestohlen und dann die bewußtlose Frau mit einem Beil erschlagen. Versenkung eines Altbhol=Schilugheischissee. wtb. Boston, 4. April.(Funkspruch.) Der britische Schoner„Aramay“, der von Küstenwachbooten in Höhe der Küste von Maine mit, wie die Wachen melden, 800 Kisten Alkohol an Bord beschlagnahmt worden war, sank beim Einschleppen in den Bostoner Hafen. Dem Bericht der Küstenwachen zufolge, ist das Schiff wahrscheinlich von seiner eigenen Mannschaft versenkt worden, die alle Beweise für seine Schmuggeltätigkeit vernichten wollte. Die Abstimmung. Dr. Hugenberg über die Stellung der Deutschnationaten. Das Wort erhielt dann Abg. Dr. Hugenberg (DN.), der von der Linken mit stürmischen Zurufen empfangen wurde. Er erinnerte daran, daß innerhalb der deutschnationalen Fraktion über die Stellungnahme zu den Mißtrauensanträgen Meinungsverschiedenheiten vorhanden gewesen seien. Czestern nachmittag habe die Fraktion mit Dreiviexzrlez g# heit beschlossen, im Falle der Ablehnung eines Vertagungsantrages, dessen Zweck auf schleunigste Vorlage der Agrargesetze gerichtet war, dem Kabinett das Mißtrauen auszusprechen. Auf meine, so fuhr der Redner fort, im Einvernehmen mit dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Oberfohren gegebene Anregung hat die Fraktion heute einmütig die Abgabe folgender Erklärung beschlossen. Diese Erklärung entspricht der von allen Berufsständen der Partei getragenen Stellungnahme, die ich auf dem Kasseler Parteitag durch die Worte zum, rizöh rug, getzigen habe, daß die Partei jeden Vorstoß unterstutzen wird, von dem irgendeine wirkliche Besserung der Lage der Landwirtschaft erwartet werden kann. Die Deutschnationale Volkspartei lehnt heute den sozialdemokratischen und kommunistischen Mißtrauensantrag ab. Dies geschieht im Hinblick auf die von der neuen Regierung mit starken Worten angekündigten Maßnahmen zum Schutze der schwer notleidenden Landwirtschaft und der gefährdeten Für große Teile der setzigen Regierungskoalition waren nicht etwa in erster Linie die Rettung von Landwirtschaft und Ostprovinzen Zweck und Ausgangspunkt der neuen Koalition, sondern die Zerschlagung der Deutschnationalen Volkspartei. Diese Hoffnungen sind enttäuscht worden. Wir sind völlig darüber einig, daß wir für diese Regierung und ihr Handeln nicht die mindeste Verantwortung tragen. Wir sehen aber keine Veranlassung, dem Reichslandbund in den Arm zu fallen, wenn er die Veraniwortung übernehmen will. Wir sind der Meinung, daß Gefahr im Verzuge ist und daß bei allseitigem guten Willen die Rettungsmaßnahmen für die Landwirtschaft und des Ostens noch vor der Osterpause Gesetz werden können. Wir fürchten, daß die Zusammensetzung der preußischen RegieEs folgte nun die namentliche Abstimmung über die gleichlautenden Mißtrauensanträge der Sozialdemokraten und Kommunisten. Mit 253 gegen 187 Stimmen wurden die Mißtrauensanträge abgelehnt. Von den Kommunisten kamen Rufe:„Hugenberg erspart Euch den WahlAbgesehen von den wegen Krankheit und aus sonstigen Gründen beurlaubten Abgeordneten haben an der Abstimmung nicht teilgenommen: Bei den Sozialdemokraten die Abgg. Beims, Dr. Braun, Frölich=Thüringen, Graf, Graßmann, Hermann, Dr. Hilferding, Jäcker, Lübbring, Müller=Franken, Frau Pfülf, Dr. Remmele=Baden, Schlicke, SchmidtBerlin, Schreck=Bielefeld; bei den Deutschnationalen die Abgg. Dr. Bang, Haag, Soth; bei den Demokraten der Abg. Lemmer. Bei den Kommunisten fehlten sieben Abgeordnete. Als beurlaubt fehlten bei den Sozialdemokraten neun Abgeordnete, bei den Deutschnationalen zwei, bei den Demokraten ebenfalls zwei Mitglieder. Um 1¼ Uhr vertagte sich das Haus auf Freitag 1 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gaststättengesetzes. Schwete Espiestenen Explosion in Schweden. Drei Arbeiter getötet. wtb. Stockholm, 4. April.(Tel.) In der Stadt Skelleftea erfolgte heute nachmittag eine schwere Explosion. Aus bisher unbekannter Ursache flog ein einer Kanalisationsgesellschaft gehöriger Behälter mit Azetylengas in die Luft. Drei Arbeiter wurden getötet, der Materialschaden ist bedeutend. Die Explosion, die in der ganzen Stadt gehört wurde, verursachte große Aufregung. Explosion in einer Feuerwerksfabrik. wtb. Philadelphia, 4. April.(Funkspruch.) In dem 25 Kilometer entfernten Orte Devon ereignete sich gestern in den Anlagen der Pennsylvania Fireworks Co. eine Reihe von Explosionen, durch die fünf Personen getötet und 12 Personen verletzt wurden. In der Umgebung wurden durch den Luftdruck zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Die Zahl der Opfer wtb. Philadelphia, 4. April.(Funkspruch.) Die Explosion in der Fabrik der Pennsylvania Fireworke Co. hat, wie bisher festgestellt werden konnte, acht Todesopfer gefordert. Außerdem wurden zahlreiche Personen verletzt. Etwa 25 sind allein in das hiesige Brynmawr=Hospital eingeliefert worden. Die zerstörten Anlagen der Fabrik bestanden aus fünf kleinen Gebäuden. Die Explosion ist auf viele Meilen verspürt worden und hat großen Schaden verursacht. Der Luftdruck war so stark, daßt in der unmittelbaren Umgegend des Unglücks Automobile einfach weggeschleudert wurden. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine gewaltige Aufregung. Die Einwohner eilten aus ihren Häusern auf die Straße hinaus, wo sie die Luft voll Rauchwolken und Trümmern fanden. Aus zahlreichen wib. Philadelphia, 4. April.(Funkspruch.) Nach den letzten Meldungen wurden bei den Explosionen mehr als 10 Personen getötet und mindestens 80 verletzt. In der Mehrzahl handelt es sich um Frauen. Angeblich werden noch 15 Personen vermißt. Explosion in Neuyork. wtb. Neuyork, 4. April.(Tel.) Auf dem untern Broadway zwischen der 28. und der 30. Straße erfolgte gestern nachmittag in den unterirdischen Kabelleitungen eine schwere Explosion, durch die das Straßenpflaster weithin aufgerissen und die anliegenden Gebäude stark erschüttert wurden. Mehrere Passanten wurden verletzt. Von der Polizei wurde sofort die Räumung aller Häuser in der Gegend der Explosion, in der auch mehrere Theater liegen, angeordnet. Der Straßenverkehr und der Telephonverkehr sind unterbrochen. wtb. Neuyork, 4. April.(Funkspruch.) Die anläßlich der Explosion auf dem unteren Broadway von der Polizei angeordnete Räumung der Gefahrzone geschah, da befürchtet wurde, daß entweichende Gase in die Untergeschosse der Häuser eindringen und weitere Explosionen verursachen würden. Nach Schätzungen der Polizei wurden etwa 5000 Personen von der Maßnahme betroffen. Im Finanzdistrikt zeitigte es Verwirrung, da infolge der Explosion etwa 4000 Telephonleitungen, darunter auch die Privatlinien der Maklerstuben zur Fruchtvörje lahmgelegt waren. Explosson auf Batavia. wtb. Batavia, 4. April.(Funkspruch.) Wie aus Tjepoe(Ost=Java) gemeldet wird, erfolgte einem Petroleumseld der Batavia Petroleum Mis bei der Ortschaft Nglopo eine heftige Explosion, durch die sieben Arbeiter getötet und elf schwer verletzt wurden. Die Entzündung erfolgte dadurch daß ausgeströmte Petroleumgase mit glühenden oben u. ud Feuerwehren und Polieiltruppen Steinen in Verührung kamen, die aus einem guNachvarorten knd Feuerwehren und..2.——.— schten Lessel enisernt worden waren. zur Hilfeleistung herbeigeeilt. Die Deckungsvorlagen. Das Ergebnis der Parteiführer=Besprechung. wtb. Berlin, 4. April.(Funkspruch.) Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning sand am Donnerstag nachmittag in der Reichskanzlei eine Fraktionsführerbesprechung über die Deckungsvorlagen der Reichsregierung statt. Außer mehreren Reichsministern nahmen die Fraktionsführer des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten, der Wirtschaftspartei, der ChristlichNationalen Arbeitsgemeinschaft und der Bayerischen genbe Verlin, 4. April.(Funisptuch.) Wie wir erfahren, hat die gestrige Besprechung der Parteiführer in der Reichskanzlei die Finanzfragen so weit gefördert, daß der Steuerausschuß am Freitag vormittag mit der Beratung der Deckungsvorlagen beginnen kann. Am Anfang der Verhandlungen werden die Erhöhungen für Benzin und Ben zol stehen. Es hat sich allerdings als notwendig erwiesen, daß die neu zur Regierung hinzugetreienen Gruppen genauer informiert werden. Deshalb ist verabredet worden, daß der Reichsfinan#minister mit ihnen eine besondere Besprechung obhält. Irgendwelche Schwierigkeiten haben sich in der Parteiführerbesprechung nicht ergeben. Vielmehr wird uns von unterrichteter Seite versichert, daß der Verlauf durchaus auf erfolgreiches Arbeiten hoffen lasse. Die Frage der Arbeitslosenversicherung ist gestern noch nicht berührt worden. Sie wird auch zunächst noch keine Rolle spielen. Es handelt sich für die Regierung darum, die Deckung für noch etwa 70 Millionen Mark zu beschaffen. Die Reichsregierung wird übrigens von der Versicherungsanstalt auch ein Gutachten über die Möglichkeit von Einparungen einfordern. Es steht aber schon jetzt fest, daß eine Verminderung der Leistungen nicht eintreten wird. Man glaubt vielmehr durch Reformen in der Verwaltung und durch größere Bewegungsfreiheit für die Arbeitsämter die Deckungsschwierigkeiten zu vermindern. Eine Interpeliation der Bauernparteien. vdz. Berlin, 3 April.(Tel.) Dem Reichstag ist heute eine Interpellation der Christlich=Nationalen Bauernpartei und der Deutschen Bauernpartei zugegangen, in der auf die schwere Notlage der Landwirtschaft hingewiesen und betont wird, die nach Pressemeldungen von der Reichsregierung geplante Hilfsaktion für den Osten bedeute eine vollkommene Verkennung der tatsächlich bestehenden Lage. Ist die Reichsregierung nun endlich bereit, so heißt es in der Interpellation weiter, über ihre geplanten, völlig unzulänglichen Absichten hinaus eine durchgreifende Hilfsaktion besonders für den deutschen Osten schnellstens im Sinne der unzweitigen Forderungen des Herrn Reichspräsidenten durchzuführen und damit die Grundlage für den Wiederaufbau der Landwirtschaft zu schaffen? Zu den einzelnen, in der Interpellation aufgestellten Forderungen gehört die Bereitstellung von jährlich mindestens 200 Millionen Reichsmark für den Osten auf die Dauer von fünf Jahren zur Sentung der Zinsen auf Reichsbankdiskont, zur Schaffung eines Betriebserhaltungsfonds für Betriebe aller Größen, zur Fortsetzung der Umschuldung und zur Regulierung der Kreditverhältnisse. Diese Interpellation trägt das Datum des 2. April und ist auch von dem Minister Treviranus unterschrieben. Politischer Mord in Rauen aufgeklärt. wtb. Nauen, 3. April.(Tel.) Am 12. August 1928 wurde der landwirtschaftliche Verwalter Hans Malcher, Angehöriger des Stahlhelms, auf der Chaussee Nauen—Wustermark mit vielen Stichninden aufgefunden, denen er am Tage darauf u Nauener Krankenhaus erlag. Die damals angestellten Ermittlungen verliefen zunächst ergebnislos. Jetzt ist es gelungen, die Arbeiter Karl ScharfDyrotz. Voigt und Otto Harnack, beide aus Wustermark, und Harwanski aus Staaken, die sämtlich dem Roten Frontkämpferbund angehörten, als Täter zu ermitteln. Sie haben nach eingehenden Vernehmungen gestanden, aus politischer Rache einem Angehörigen des Stahlhelms aufgelauert und dabei Hans Malcher erstochen zu haben. Der Schweriner Fememord vor dem wtb. Leipzig. 3. April.(Tel.) Das Reichsgericht hat das freisprechende Urteil des Schwurgerichts Schwerin, vor dem sich der Leutnant zur See a. D. Richard Eckermann wegen Anstiftung zum Mord an dem vermeintlichen Spion der Schwarzen Reichswehr, Beyer, zu verantworten hatte, aufgehoben und die Sache an das Schwurgericht Rostock zurückverwiesen. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, von einem rechtswidrigen Angriff Beyers am Tatort zurzeit der Tat könne nicht die Rede sein. Es sei nicht erwiesen, daß Beyer am Taiort selbst im Besitz militärischer Geheimnisse gewesen sei, ebensowenig, daß er unter den damaligen Verhältnissen Geheimnisse an andere zu verraten im Begriff war. Der Angeklagte könne sich auch nicht darauf berufen, daß die Tötung des B. wegen einer künftig drohenden Gefahr gerechtfertigt gewesen sei. Der Freispruch sei somit nicht zu halten. Außenminister Hymans über die Haager Abkommen. wtb. Brüssel, 4. April.(Funkspruch.) Belgische Telegraphenagentur. Im Verlauf der gestrigen Senatsdebatte über die Haager Abkommen erklärte der Minister des Aeußeren vor der Annahme der einzelnen Artikel: Die Haager Abkommen stellen nicht einen Akt der Begeisterung, sondern der Ueberlegung dar, durch den eine gesunde Atmosphäre in Europa geschaffen werden soll. Indem wir der Räumung des Rheinlandes zustimmten, haben wir eine zeitliche Bürgschaft durch eine Dauergarantie ersetzt. Wenn Deutschland jemals anders handeln sollte, als es seine Unterschrift erfordert, so würde dies seine Stellung in der ganzen Welt ruinieren. Indem man vom Rhein fortging, hat man keine sehr ernste Sicherheitsgarantie aufgegeben. Es wäre falsch, anzunehmen, daß Deutschland Dinge unternimmt, die der Verwirklichung von Revancheplänen dienen. Darf man nicht, wenn man alle von der Vorsicht und Wachsamkeit gebotenen Maßnahmen trifft, versuchen, zu einer Versöhnung und zu gutem Glauben zu gelangen? Der Geist des Friedens hat in den letzten Jahren unbestreitbar große Fortschiile gemacht. Man muß doch Vertrauen zu den Verträgen haben, sonst muß man auf jede internationale Politik verzichten. Man sei also beruhigt! Bürgschaften seiner Alliierten. Wer nicht daß England ein Interesse hat und immer haben wird, Belgien zu unterstützen, würde damit einen Bewets der Unwissenheit liefern.— Zum Schluß forderte der Minister des Aeußeren den Senat auf, die Haager Abkommen einstimmig zu ratifizieren. Werkstättenfahrt des „Eraf hesbein“. * Friedrichshafen, 3. April.(Tel.) Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ unternahm heute eine mehrstündige Werkstättenfahrt und landete glatt um 1.40 Uhr vor der Halle. Kapitän Lehmann über die Werkstättenfahrt des „Graf Zeppelin“. wtb. Friedrichshafen, 3. April.(Tel.) Nach Beendigung der heutigen ersten Werkstättenfahrt des „Graf Zeppelin" teilte Kapitän Lehmann aus Befragen über deren Verlauf mit, daß sich die während der Ueberholungsarbeiten vorgenommenen Neuerungen durchaus bewährt haben, sodaß sich das heutige Versuchsprogramm sogar rascher abwickelte, als man erwartet hatte. Sowohl die Aenderungen am Höhenleitwerk, wie auch die neue Kraftzeutrale haben befriedigende Arbeit geleistet. Es hat sich auch gezeigt, daß von der Stromerzeugungsanlage keine störenden Einwirkungen auf die Funkstation des Luftschisses zu befürchten sind. Bei günstiger Witterung wird der„Graf Zeppelin“ am Samstag eine weitere Probefahrt ausführen, wobei die Ergebnisse des heutigen Fluges ausgewertet und zugleich neue Messungen und Peilungen durchgeführt werden sollen. Dr. Eckener Ehrenmitglied der National Aeronautic Assocation. wtb. Washington, 4. April.(Funkspruch.) Die National Aeronautie Assocation ernagute, Dr. Eckener zu ihrem Ehrenmitglied. Senator Binghum, der Präsident dieser Vereinigung überreichte Dr. Eckener die Ehrenurkunde. Dr. Eckener ist der erste Ausländer, dem diese Ehrung zuteil wurde. Die einzigen noch lebenden Ehrenmitglieder sind Orville Wright, Curtis, Edison, Lindbergh und Byrd. beamten nach dem bereitstehenden Leichenwagen getragen. Die Straßen, die der Zug passierte, waren von Tausenden von Menschen umsäumt. Vor der Ordenskirche wurde der Sarg von einem Automobil des Koburger Krematoriums übernommen. Die Menschenmenge entblößte ihr Haupt und nahm so stummen Abschied von der Ehrenbürgerin der Stadt. Die Feuerbestattung sand in Koburg satt. Siulige Innneneramem Gattenmordversuch. wtb. Köln, 3. April.(Tel.) Ein 22jähriger Schreiner aus Köln=Kalk hat gestern nachmittag in Köln=Dellbrück seine 18jährige Frau durch einen mit einem Rasiermesser beigebrachten Halsschnitt lebensgefährlich verletzt. Die jungen Leute waren noch nicht zwei Monate verheiratet. Die Frau hatte nach einem Auftritt mit ihrem Manne die eheliche Wohnung verlassen und bei ihrer Großmutter in Dellbrück Zuflucht gesucht. Der Täter wurde festgenommen. Gattenmord auf offener Straße. Die amerikanischen Oelsucher in Oldenburg. cub. Berlin, 4. April.(Eig. Meldung.) Zu den Plänen der North European Oil Corporation in Niedersachsen erfährt der oldenburgische Korrespondent der Vossischen Zeitung vom Leiter der oldenburgischen Bergbehörden, Ministerialrat Zeiler, daß er seit vier Jahren mit den Amerikanern arbeitet, die im vorigen Jahre das Mutungsrecht erhalten und die Verpflichtung übernommen haben, Bohrungen vorzunehmen. Die amerikanische Gesellschaft besitzt in der Stadt Oldenburg ein Gebäude. Sie beschäftigt einen Stab von drei bis vier Ingenieuren und einige Bohrmeister zur Bedienung der amerikanischen Bohrapparate. Ihre übrigen Arbeiter sind Deutsche. Vertragsgemäß gehören der Gesellschaft erst Funde in mehr als 50 Meter Tiefe. Sie ist verpflichtet, dort, wo sie auf Erdgas, das auf Petroleum schließen läßt, stößt, bis zur Fündigkeit zu bohren, mindestens aber bis zu 1000 Meter. Jede Bohrung kostet 100 000 bis 150000 Mark. Die bisherigen Ausgaben der Amerikaner in Oldenburg allein werden auf eine Million Mark geschätzt. Das Ausbeutungsrecht können die Amerikaner erst nach 1934 erhalten, wenn die Bohrungen eine Fündigkeit des in Betracht kommenden Gebietes ergeben haben. Oel=Vermutungen in Braunschweig. wtb. Braunschweig, 4. April.(Funkspruch.) Wie die Brannschweigische Landeszeitung zu den Plänen der North European Corporation, die Oelvorkommen in Niedersachsen auszubeuten, erfährt, ist von dem braunschweigischen Staat verschiedenen Gesellschaften das Mutungsrecht gewährt worden. So hat u. a. auch eine amerikanische Gesellschaft vertraglich das Recht erworben, in der Richtung KleinSchöppenstedt, Nortorf, Gifhorn Erdölvorsommen festzustellen. Die Pachtverträge haben eine Laufzeit von einigen Jahren und sind über ein Gebiet von einigen tausend Morgen abgeschlossen worden. Wie weiter verlautet, dürfte schon in allernächster Zeit von beteiligter Seite die Veröffentlichung des Ergebnisses einer sofort in Angriff genommenen Untersuchung zu erwarten sein. Die Braunschweigische Landeszeitung weist darauf hin, daß, solange nicht Klarheit über die Angelegenheit geschaften ist, größte Zurückhaltung und Vorsicht am Platze sei. Der Sprengstoffanschlag im Hamburger Warenhaus Lietz. wtb. Hamburg, 3. April.(Tel.) Der Sprengstoffanschlag im Warenhaus Tietz am Jungfernstieg dürfte nach Annahme der Polizei von denselben Tätern verübt worden sein, die vor einigen Tagen den Spreugstoffanschlag gegen den hiesigen Juwelier Wempe in Szene setzten. In beiden Fällen wurde als Sprengmasse Schwarzpulver verwendet. Auch die Tatsache, daß beide Anschläge offensichtlich darauf gerichtet waren, größeren Sachschaden anzurichten, sowie bestimmte andere Anhaltspunkte lassen darauf schließen, daß es sich um den oder die gleichen Verbrecher handelt. Für die Ermittlung der Täter ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt worden. Cosima Wagners letzte Fahrt. wtb. Bayreuth, 3. April.(Tel.) Aus Nah und Fern waren heute die Freunde des Hauses Wagner herbeigekommen, um Cosima Wagner das letzte Geleit zu geben. Die Mitglieder der Familie Wagner, die nächsten Freunde des Hauses und die geladenen Gäste versammelten sich gegen 10 Uhr in der Musikhalle der Villa Wahnfried, wo die Leichenfeier stattsand. Sodann wurde der Sarg von Polizeienb. Berlin, 4. April.(Eig. Radiomeld.) Wie dem„Lokalanzeiger“ aus Locarno gemeldet wird, wurde dort die Gattin des italienischen Kaufmanns Cecchini, die Tochter des General sekretärs des Vereins der Berliner Kaufleute und Industriellen, Dr. August Koppel, von ihrem Gatten, mit dem sie erst ein halbes Jahr verheiratet war, auf offener Fahrstraße erschossen. Die Getötete war 23 Jahre alt. Cecchini, der Sohn eines bekannten Unternehmers aus Florenz, weilte seit ungefähr drei Tagen in Locarno. Der Mörder konnte noch nicht verhaftet werden. Ueber das Motiv zu dem Mord ist man in Verwandten= und Bekanntenkreisen völlig im Unklaren. Es ist möglich, daß es sich um eine Eifersuchtstat handelt. Furchtbare Familientragödie. 4 Tote und 2 Schwerverletzte. wtb. Merkstein, 3. April.(Tel.) In der Plitscharderstraße wurde in seiner Wohnung der erwerbslose 41 Jahre alte Knappschaftsinvalide Franz Schimansky tot aufgesunden. Er hatte sich die Pulsadern geöffnet, nachdem er dreien, seiner Kinder den Hals durchschnitten, seiner Frau schwere Kopfverletzungen beigebracht und ein weiteres kino lebensgefährlich verletzt hatte. Drei weitere Kinder waren im Augenblick der Tat in der Schule. Aus Nah und Fern. Erneute Verhaftung des Eschweiler Mädchenjägers Kratz. wp. Eschweiler, 3. April.(Tel.) Der wegen der Ueberfälle auf Frauen und Mädchen seiner Zeit verhaftete, dann aber wieder freigelassene Friseur Karl Kratz aus Eschweiler wurde gestern abend wegen versuchter Rotzucht an einer Frau verhaftet. Die Frau erkennt den Kratz bestimmt wieder. Kratz hatte sich der Frau unter dem Vorwande genähert, ihr den Bubikopf zu schneiden. Als er mit ihr allein im Zimmer war, versuchte er die Frau zu vergewaltigen. Die Frau schrie, Kratz nahm Reißaus und wurde kurz darauf festgenommen. Selbstmord eines Untersuchungsgefangenen. wtb. Elsterwerda, 3. April.(Tel.) Im hiesigen Amtsgerichtsgefängnis hat der Schweinehändler Weber aus Ortrand, der in dem dringenden Verdacht stand, vor einiger Zeit den Lösche aus Groß=Thiemig durch Strychnin vergiftet zu haben, durch Erhäugen Selbstmord verübt. Kurz vorher war festgestellt worden, daß sich unter den Fingernägeln Webers verhältnismäßig große Meugen Strychnin befunden hatten. Rechtsanwalt Dr. Theodor Ahrens stellt sich. wtb. Berlin, 3. April.(Tel.) Der frühere Rechtsanwalt Dr. Ahrens, der vor vier Jahren nach großen Betrügereien seine Praxis in der Motzstraße im Stich ließ und nach Konstantinopel geflohen war, hat sich heute in Begleitung von Rechtsanwakt Dr. Mendel, der seine Verteidigung übernommen hat, in Moabit bei dem Untersuchungsrichter gestellt. Gegen Dr. Ahrens schweben etwa 10 verschiedene Verfahren, die Vernehmung wird den ganzen Vormittag in Anspruch nehmen. Im Anschluß an die Vernehmung findet Haftprüfungstermin statt, in dem entschieden wird, ob der noch bestehende Haftbesehl aufrechterhalten oder ob Dr. Ahrens auf freiem Fuße bleiben kann. Ein Notar wegen Untreue zu Gefängnis verurteilt. wtb. Glatz, 3. April.(Tel.) Das Erweiterte Schöffengericht verurteilte den früheren Rechtsanwalt und Notar Dr. Walter Tschauner aus Habelschwerdt, der sich in seiner Eigenschaft als Konkursverwalter der dortigen Glattgaruspinneret Veruntreuungen in Höhe von 44000 Mark sowie Unterschlagungen von Mandautengeldern in Höhe von 4000 bis 5000 Mark hatte zuschulden kommen lassen, wegen Untreue in zwei Fällen zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Drei Monate und drei Wochen der erlittenen Untersuchungshaft wurden angerechnet. Torrés will mit Leon Daudet über die DreyfußAffäre disputieren. enb. Berlin, 4. April.(Eigene Radiomeldung.) Der bekannte Pariser Rechtsanwalt Torré, der das während seines Aufenthaltes in Deutschland gespielte Drama über die Dreyfuß=Affäre zur Bearbeitung für die französischen Bühnen erworben hat, hat dem royalistischen Schriftsteller Leon Daudet vorgeschlagen, eine öffentliche Aussprache über die Dreyfuß=Affäre mit ihm auszutragen. Drei und vier Scheunen eingeäschert. wtb. Koburg, 4. April.(Funkspruch.) Gestern abend gegen 10 Uhr ist in Heubi stadt ein Großfeuer ausgebrochen. Das Feuer breitete sich sehr rasch aus. Drei Wohnhäuser sowie vier Scheunen sind niedergebrannt. Am Brandplatz erschienen die Feuerwehren von Sonneberg und Koburg. Das Großfeuer, das in einem Anwesen des Bürgermeisters ausgebrochen war, konnte vis gegen Mitternacht noch nicht gelöscht werden. Da auch die Postagentur durch den Brand zerstört wurde, ist zur Zeit jede telephonische Verbindung nach Heubisch unterbrochen. Eine tolle Geschichte. enb. Guadalajara(Mexiko), 4. April.(Eig. Radiomeldung.) Auf eine neuartige Idee, sich eines unbequemen Nebenbuhlers zu entledigen, geriet ein liebestoller Mexikaner namens Antonio Orozzoo. Er und sein Nebenbuhler Pablo Carmona liebten beiden mit gleicher Leidenschaft die schöne Maria Matalia. Antonio zermarterte Tag und Nacht sein Gehirn, wie er sich des gefährlichen Konkurrenten entledigen könnte, und kam schließlich auf den Hund, d. h. er kam tatsächlich auf den Gedanken, einen tollen Hund auf Pablo zu hetzen. Er kettete einen Hund drei Tage ohne Wasser in der Sonnenhitze an, bis das arme Tier die Tollwut bekam. Als Pablo an seinem Haus vorbeikam, befreite Autonio den Hund von seiner Kette. Der Hund stürzte sich auf den armen Pablo und biß ihn. Wenige Tage darauf starb Pablo an der Tollwut. Antonio wurde verhaftet, entkam jedoch aus dem Gefängnis, stürzte in das Haus Marias und erdolchte das unglückliche Mädchen. Jetzt irrt der einzige ueverlebenor dieses Liedesdramas wie ein gehetztes Wild in den einsamen Bergen El Saucillos herum, verfolgt von berittenen Polizisten, und es wird wohl nicht lange dauern, bis auch ihn das Schicksal ereilen wird in Gestalt des Schafsotts oder vielleicht schon vorher in Gestalt einer mitleidigen Kugel. Eine Erklärung des Stahlwerks Becker A.=G. wtb. Düsseldorf, 4. April.(Funkspruch.) Die Verwaltung des Stahlwerks Becker A.=G. teilt mit, ihr sei, entgegen anderslautenden Meldungen, von einer Ausgabe des ablehnenden Standpunktes der Freien und Hirsch=Dunckerschen Gewerkschaften nichts bekannt geworden. Nach dem Hin und Her der Verhandlungen in den letzten Wochen genauer Prüfung der Sachlage und reichlicher Ueberlegung nach der Ablehnung des Angebets der Werksleitung durch die Freien und die HirschDunckerschen Gewerkschaften betrachte die Wer## leitung die Verhandlungsmöglichkeiten nunmehr als erschöpft. Die Werksleitung sei jetzt außerstande, die bekanntlich schon im März eingeleiteten Einschränkungen und Stillegungsmaßnahmen zum zweitenmale rückgängig zu machen. Städteausschuß des Landtages. vdz. Berlin, 4. April.(Funkspruch.) Der Städtebauausschuß des preußischen Landtages beschloß am Donnerstag, in die materielle Beratung des neuen Städtebaugesetzes erst nach den Sommerferien einzutreten. Man will die Beratung des Landbaugesetzes im Reich abwarten. Freispruch wegen eines Eisenbahnunglücks. wtb. Halle, 4. April.(Funkspruch.) Das Eisenbahnunglück von Burgkemnitz, bei dem ein Zugführer getötet und 28 Fahrgäste teils schwer, teils leicht verletzt wurden, fand am Donnerstag vor dem Großen Schöffengericht Halle sein gerichtliches Nachspiel. Das Unglück ereignete sich in der Nacht zum 12. Februar 1929. Angeklagt waren der Lokomotivführer Robert Siebeler aus Berlin=Schöneberg, ein Reichsbahn=Hilfsassistent und ein Weichenwärter und zwar wegen Transportgefährdung, Körperverletzung und Tötung. Alle drei Angeklagten wurden freigesprochen. In der Urteilsbegründung wird das Unglück auf die damalige große Kälte zurückgeführt. Deutsche Wahlgemeinschaft in Polnisch=Schlesien. wib. Kattowitz, 4. April.(Funkspruch.) Besprechungen zwischen der Deutschen Partei und der meinschaft auch für die bevorstehenden schlesischen Sejmwahlen am 11. Mai beibehalten wird. Erkrankung Tardieus. wtb. Paris, 4. April.(Funkspruch.) Ministerpräsident Tardieu wurde am Donnerstag während einer Sitzung des Rechtspflegeausschusses der Kammer plötzlich von einem Unwohlsein befallen. Er mußte sich in seine Wohnung begeben und sich zu Bett legen. Der behandelnde Arzt hat eine Magenverstimmung festgestellt, die er auf eine leichte Nahrungsmittelvergiftung zurückführt. Das Besinden Tardieus ist jedoch keineswegs ernst. Jedenfalls ist dem Ministerpräsidenten völlige Ruhe vorgeschrieben worden. Vorläufig darf er keine Besuche empfangen. Sturm an der französischen Kanaltüste. wtb. Paris, 4. April.(Funkspruch.) An der Westund Nordwestküste Frankreichs herrscht starker Sturm. Alle Rettungsstationen sind alarmiert worden. Eröffnung des drahlosen panameritanischen Fernsprechverkehrs. Irrigoyen an der Teilnahme verhindert. wtb. Washington, 4. April.(Funkspruch.) Reuter. Der drahtlose panamerikanische Telephonverkehr wurde gestern eröffnet. Präsident Hoover führte die ersten Gespräche mit den Präsidenten der südamerikanischen Republiken. In politischen Kreisen wird lebhaft besprochen, daß der Name Buenos Aires in der Liste über die hergestellten Gespräche fehlt. Wie man hört, hatte Präsident Irrigoyen Hoover telegraphiert, daß er sich zu seinem Bedauern wegen starker Halsschmerzen mit ihm nicht unterhalten könne. Es wird nun behauptet, daß diese Absage Irrigoyens den Protest Argentiniens gegen die geplante Erhöhung der amerikanischen Zolltarise, die sich besonders gegen Argentinien richteten, zum Ausdruck bringen sollte. Argentinien ist in Washington übrigens seit November 1928 nur durch einen Geschäftsträger vertreten. # Bekannte Fahrtvergütung bei Einkäufen von Nik. 40,BrNUudOzierPEnert A.c. IEkzenN Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Verstärkung der Dortmunder Schutzpolizei. Am 1. April wurde die Dortmunder Schutzpolizei durch eine Fußbereitschaft aus Hagen verstärkt, die in der Polizeiunterkunft „Staatssekretär Dr. Abegg“, in DortmundWambel untergebracht ist. Infolge der letzten Eingemeindung im Süden Dortmunds— Aplerbeck— Barop— Hombruch— Wellinghofen — ist auch die Zahl der Beamten des Einzeldienstes entsprechend verstärkt worden, so daß die Schutzpolizei Dortmund einschl. aller Sonderdienstzweige jetzt eine Gesamtstärke von 1454 Beamten aufzuweisen hat, wobei die Polzeioffiziere mit einberechnet sind. Vorher wies die Schutzpolizei eine Gesamstärke von 1290 Beamten auf. vier zur Wache mitnahmen.— Eine weitere Schlägerei entstand in der Nacht zum Donnerstag um 3,30 Uhr an der Münsterstraße, Ecke Haydnstraße, zwischen zwei Arbeitern, wobei der Arbeiter G. vom Arbeiter W. mit einer Fahrradlustpumpe am Kopf verletzt wurde. Auch diese Schlägerei konnte erst durch eine Polizeibeamtenstreife geschlichtet werden. c Schüren. Unfall. Das achtjährige Töchterchen eines Fabrikarbeiters von hier wurde auf dem Wege zum Unterricht von einem jugendlichen Radfahrer überfahren und schlimm zugerichtet. Wahrscheinlich hat Kind infolge regen Verkehrs den Radfahrer übersehen. Auch letzterer trug Verletzungen davon, doch kümmerte er sich um die kleine Schülerin nicht. — Hallo— bitte Ueberfallkommando! Zur Schlichtung einer Streitigkeit wurde in der Nacht zum Donnerstag um 1,30 Uhr das Ueberfallkommando zu einer Wirtschaft in der Münsterstraße gerufen. Dort war zwischen den Gästen und dem Wirt ein Streit enstanden, der durch das Einschreiten des Ueberfallkommandos geschlichtet wurde. — Einbruch in das frühere Rathaus. Vorgestern abend gegen 8 Uhr beobachteten Straßenpassanten in Hörde, wie ein Mann von der Ebertstraße aus über die Umzäunung des Rathauses kletterte. Mit Recht vermutete man einen Einbrecher. Die benachrichtigte Polizei nahm sosort eine Turchsuchung des Rathauses vor. Es wurde dabei festgestellt, daß in dem Zimmer, wo früher der Polizeikommissar Dienst verrichtete, von der Hofseite aus eine Scheioe zertrümmert worden war. Ebenso war an einem Nebenzimmer eine Scheibe eingeschlagen worden. Der Einbrecher hatte es anscheinend auf die Kasse des Wohlfahrtsamtes, die sich in dem Geväude befindet, abgesehen. Er ist aber glücklicherweise in seiner verbrecherischen Arbeit gestört werden. — Tödlicher Unfall eines Bergmanns. Ein im 35. Lebensjahre stehender Bergarbeiter aus Wellinghosen=Brücherhof, der auf einer auswärtigen Grube beschäftigt war, glitt auf einer Eisenplatte aus. Der Mann schlug mit dem Kopfe derart auf eine Schiene, daß er eine klaffende Wunde erlitt. An den Verletzungen ist er kurz nach dem Unfall gestorben. — Kamineinsturz. Vorgestern gegen 17.30 Uhr stürzte plötzlich im Hause Lütgendortmunder Straße 137 aus unbekannter Ursache der Kamin ein. Mit donnerähnlichem Getöse durchschlug der Kamin den Dachboden und brachte auch die Decke eines Schlafzimmers einer Familie zum Durchbruch. Die Schuttmassen richteten hier besonders großen Schaden an. Zum Glück befand sich niemand an der Stelle des berstenden Kamins, so daß Menschen keinen Schaden erlitten. Der Materialschaden ist bedeutend. Die herbeigerufene Baupolizei hat sofort das Nötige veranlaßt. — Schutzhaft für einen Straßenredner. Ein 22 Jahre alter Bursche trieb sich am Mittwoch gegen 18,45 in betrunkenem Zustande auf der Westermannstraße herum. Er hielt eine Ansprache, so daß sich ein Menschenauslauf bildete, der sogar zu einer Verkehrsstörung führte. Als der Straßenredner der Aufforderung zum Weitergehen nicht nachkam, wurde er von der Polizei in Schutzhaft genommen. — Schlägerei in der Linienstraße. In der Nacht zum Donnerstag entstand um 3,30 Uhr zwischen vier Männern in der Linienstraße an der Steinstraße eine größere Schlägerei. Hinzukommende Schutzpolizeibeamte konnten die Streitenden nur dadurch trennen, daß sie alle c Holzwickede. Roheit. In roher Weise wurde der„Heilige Baum“, das alte Kulturdenkmal im alten Dorf von irgendwelchen Rohlingen beschädigt. Allem Anschein nach ist ein scharfer Gegenstand, vermutlich ein Beil, dazu benutzt worden, um die Rinde der jungen Eiche zu lösen. Glücklicherweise ist dem gemeinen Burschen das Vorhaben nicht ganz gelungen. Er scheint bei seiner Arbeit gestört worden zu sein. a Wuppertal. Die diebische Elster. Eine unangenehme Entdeckung machte eine Familie auf dem Neuerweg im Stadteil Barmen, die vor einigen Tagen eine Hausangestellte, die sich Käthe Riemer nannte, engagiert hatte. Das Mädchen hatte die Stellung offenbar nur in diebischer Absicht angetreten, denn schon nach kurzer Zeit fehlten in der Wohnung Herrenund Damenkleidung, sowie eine Herrenarnbanduhr im Gesamtwerte von etwa 2000 Mk., mit denen die Diebin spurlos verschwunden ist. g Detmold. Eine 16jährige Diebin. Eine Landwirtsfrau in Distelbruch ma te beim Betreten ihres Schlaszimmers die Feststellung, daß sämtliche Behältnisse und Schränke durchwühlt und allerhand Kleidungsstücke gestohlen worden waren. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß eine 16jährige Dienstmagd in aller Stille ihre und ihrer Herrn Sachen gepackt und das Haus verlassen hatte. Als sie auf einem benachbarten Bahnhof eine Fahrkarte lösen wollte, wurde sie von der Polizei erwischt und festgenommen. h Bielefeld. Mit dem Kind ins Wasser gesprungen. Die an der Finkenstraße wohnende Ehefrau Ullrich sprang mit ihrem sieben Monate alten Kinde in den Bürgerparkteil. Ein Kandidat der Medizin, Beressem, rettete die Frau unter eigener Lebensgefahr an das trockene User. Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg gekrönt. Später erklärte die Mutter, daß sie mit ihrem Kinde ins Wasser gesprungen sei. Das Kind wurde als Leiche geborgen. Was die Frau, die sehr nervös und von Schwermut geplagt ist, zu eser Verzweiflung veranlaßt hat, ist noch kannt. h Bad Lippspringe. Durch die Lichtleitung verunglückt. Der Monteur Anton L. war hier mit der Reparatur einer elektrischen Lichtleitung beschäftigt. Dabei kam er mit dem stromführenden Draht in Berührung, erhielt einen elektrischen Schlag und stürzte von der Leiter. Dabei zog er sich schwere innere Verletzungen zu, sodaß er dem Krankenhause in Paderborn zugeführt werden mußte. h. Leugerich. Raubüberfall. Der Sohn des Geflügelzüchters Hiller hatte für seinen Vater in Dortmund Gelder in Höhe von 900 Mark einzulassieren. Er fuhr spät abends nach Lengerich zrück und befend sich auft dem Bege in der Bashake. Plötzlich wurde er von zwei Burschen niedergeschlagen und des Geldes beraubt. Als er wieder zu sich kam, setzte er die Polizei in Kenntnis, die aber bisher noch keine Spur von den Tätern gefunden hat. Ibbenbüren. Beide Füße zerquetscht Bei Feldarbeiten kam hier ein Knecht zu Fall. Im gleichen Augenblick ging ein mit über 100 Zentnern beladener Wagen ihm über beide Füße, sodaß diese schwer zerquetscht wurden. Gütersloh. Das religionspädagogische Seminar. Nach einer Dauer von fünf Monaten ist nunmehr der erste Lehrgang des Religionspädagogischen Seminars in Gütersloh bebendet. Dadurch, daß den teilnehmenden Kandidaten reichlich Gelegenheit geboten wurde, in den Religionsstunden der verschiedenen Klassen und Altersstufen am evangelisch=stiftischen Gymnasium und der Altstadtschule zu hospitieren und selbst unterrichtliche Versuche anzustellen, ist ihnen eine methodische und praktische Ausbildung zuteil geworden, wie sie in diesem Maße jungen Theologen bisher nicht zugänglich war. Unmittelbar vor Abschluß des Lehrganges hat ein Vertreter des Evangelischen Ober=Kirchenrates zusammen mit dem bekannten Generalsuperintendenten der Kurmark, D. Dibelius, durch einen mehrtägigen Besuch Einblick in die wissenschaftliche und praktische Arbeit des Seminars genommen, ein Zeichen der Bedeutung, welche die oberste Kirchenbehörde dieser Arbeit beimißt. Der nächste Lehrgang wird voraussichtlich im Oktober eröffnet werden. Nur lateinische nach dem Ausland Fragebogen und dergl., die nach dem Ausland geschickt werden, sollen in lateinischer und nicht in gotischer Schrift ausgefüllt werden. Die Deutsche Gesandschaft in Kopenhagen macht jetzt wieder darauf aufmerksam. Die Ausländer können häufig die gotische Schrift nicht lesen, sodaß leicht Unklarheiten entstehen. Die Ausfüllung der ins Ausland versandten Fragebogen geschieht meist zum Nutzen von Deutschland. Die Behörden werden deshalb z. T. hierauf hingewiesen. Bücherbesprechung Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind zu haben in der Buchhdlg. C. Braus, Schwerte. Das schöne Schwabenland. Es ist ein Gebilde eigener Art, gleichsam eine Musterkarte aller Länder und sieht aus, als hätte der Schöpfer, bevor er die Erde entwarf, ein Modell davon im Kleinen hergestellt, worauf er jede Form andeutete, die er hernach im Großen ausführen wollte: Berge, Flußläufe, Ebenen, Waldflächen; alles ist vorhanden, aber in kleinerem Maßstab und in stetem Wechsel. Immer wieder steht man vor einem anderen Bild. Diese bekannte Charakteristik durch die Dichterin Isolde Kurz beweist ein Blick auf die neue, in schönem Farbendruck erschienene Reliefkarte des Schwabenlandes, auf welcher die grundverschiedenen Landschaftsgebiete im Schwarzwald, Neckarland, in HohenloheFranken, im Schwäbischen Wald, in der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben bis zum Bodensee und Allgäu plastisch vor Augen treten. Die Relieskarte zeigt außerdem nicht nur die Eisenbahnlinien, sondern auch die über Täler und Höhen führenden wichtigsten Autostraßen und wird jedem für seine Reisen und Reisepläne willkommen sein. Sie ist herausgegeben und erhältlich gegen den niedrigen Preis von 50 Pfennig vom Verkehrsverband Württemberg=Hohenzoklern in Stuttgart=Hauptbahnhof. „Schwarzwald vom Reckarland aus gesehen.“ In dieser Art ist der Schwarzwald zuvor noch nie dargestellt worden, wie auf der uns vorliegenden neuen Reliefkarte, die nach einer hervorragenden Künstlerarbeit den Schwarz= wald von Osten her zeigt. Im Vordergrund sieht man den Lauf des Neckars von seinem Ursprung an mit dem schönen Bergland um seine Ufer, und im Mittelpunkt die aufstrebende Großstadt Stuttgart in ihrem prachtvollen Bergkranz. Daran schließen sich die verschiedenen Landschaftsgebiete vor dem Schwarzwald, der selbst sich als Hintergrund in leuchtender und deutlicher Darstellung ist in ihrer Uebersichtlichkeit ein packendes Bild und lockt unwiderstehlich zum Besuch des schönen Schwarzwaldes mit seinen unendlichen dunklen Tannenwäldern und den vielen heilsamen Bädern, Luftkurorten und Sommerfrischen. Die neue Reliefkarte bildet auch einen guten Wandschmuck und ist zu 1 M erhältlich vom Verkehrsverband Württemberg= Hohenzollern in Stuttgart=Hauptbahnhof. Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 3. April. Es notierte: westf. Weizen 28—28.75, wests. Roggen 17.75—18, west. Hafer ohne Geschäft, oftfr. Hafer ohne Geschäft, ausl. Weizen, Roggen und Hafer ohne Notiz, ausl. Gerste 19.75 bis 20.75, Platamais 21—21.50, Cinquantino= mais 22, Bäckermehl 40—40,25, Roggenmehl 29—29.25, ostd. Roggenmehl 28—29, Weizenkleie 10—10.50, Trockenschnitzel 9.50—10, Zukkerschnitzel 15—15.50. Diese Preise sind Großhandels=Verkaufspreise und verstehen sich per 100 Kilo waggonfrei Dortmund in Ladungen von 15 Tonnen, bei Mehl zu den Mühlenkonventionsbedingungen. Tendenz: fest. Was hören wir im Rundfunk? Sonnabend, den 5. April. Leibesübungen. Morgenkonzert. Schallplattenkonzert. Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. Schallplattenkonzert. Wetterdienst. Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. Mittagskonzert. Kinderspielstunde. Wirtschaftsdienst. Grundlagen der Funktechnik. Wirtschaftspolitische Umschau. Frauenstunde. Wandern und Reisen. Englisch. Vesperkonzert. Gemeinverständliche Rechtskunde. Mitteilungen der Interessengemeinschaft westdeutscher Funkvereine. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Stunde des Arbeiters. 19.40: Der rheinische Lebensroman. 20,00: Lustiger Abend. Anschließend letzte Meldungen, Bericht das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. 00,00: Meister des Jazz(Schallplatten). 00,30: Kammermusik. 06,45: 07,00: 10.15: 10,30: 12,10: 12,50: 12.55: 13.05: 15,00: 15.30: 15.45: 16,05: 16,30: 16.50: 17,10: 17,30: 18.30: 18.50: über 1— Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Haus Eberhard Lex, Schwerte. Bast dir beste. keine Obstschalen, keine Abfälle auf die Straße! 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Und den just fand ich gestern zwischen dunklen Tannen, die nichts abzuwerfen und nichts zu verlieren haben im Winter, in seinem ganzen früheren Glanze stehen. Und als heute morgen gar noch zwischen den bescheidenen Tausendschönchen, die aus dem noch winterlich spärlichen Rasen die holden Augen aufschlugen, ein Buntspecht hüpfte— der Tanne zu, hinter ren rissiger Wand die Leckerbissen für seinen Schnabel sitzen, da spürte ich's: Der Frühling, der liebe Frühling kommt!— Sonst bin ich wohl um diese Zeit nach dem Süden gefahren, den Zögernden abzuholen. Aber diesmal— mein Garten ist mir so neu in seinen bescheidenen Zurüstungen zu den großen Festen der Wiederauferstehung der Natur. Und dann— Deutschland im Frühling, das ich jahrelang nicht kannte, muß doch auch sein Herrliches haben. Sonst würde ein so mit allen Gütern der Erde gesegneter Maharadscha wie der Nizam von Haidarabad nicht gerade jetzt nach Deutschland kommen. Ein wenig indisch mutet's vielleicht an, wenn der Fürst von seinen 300 Frauen 24, gewiß nicht die Häßlichsten, mitgenommen hat, um mit ihnen das Wunder der deutschen Obstblüte zu erleben. An sich kann ich die Sehnsucht nach dem Frühling, nach dem deutschen Frühling ja verstehen—— Wenn der Lenz mit sanften Winden In dem Gärtchen hinterm Haus An den Aesten alter Linden Grüne Spitzchen lockt heraus; Wenn im Beete schon die weißen, Kleinen Glöckchen läutend stehen— Heimlich lockts mich dann auf Reisen In die weite Welt zu gehn! Ferne Ziele glühn und leuchten— Wo ein warmer Morgen tagt, Wo auf hohen meeres=feuchten Klippen der Zypresse ragt; Wo das Summen flücht'ger Bienen Den Orangen=Hain belebt Und der Klang der Mandolinen Zitternd in den Abend schwebt... Und ich denk': Beim dunklen Weine, Sanft vom Mondlicht überstreut, Säß' ich— keinesfalls alleine, Weil zu Zwein sich's besser freut!— Hät' ein Liebchen in der Näh' ich, Dem ein Mäulchen küßlich schwillt, Und in schönsten Augen säh' ich Aller Himmelssterne Bild. Jeder Tag wie Gottes Sabbat— Sie und ich und wir allein— Aber— wie der Hairadabad Gleich mit Vierundzwanzig?— Nein! Schön mit Einer wär's, zu wandern, Wie in Endens Anbeginn; Mit den dreiundzwanzig andern Hätt' ich just nicht viel im Sinn. Fern sei's von mir, durch solch Bekenntnis den mächtigen, den klotzig reichen Nizam von Haidarabad zu verschnupfen. Man muß vielmehr froh sein, wenn ein Radscha, der nach englischen Quellen über einen Wagenpark von 600 Autos verfügt, auch nach unserem lieben Berlin kommt, um ein bißchen von seinem Gelde aus zahlreichen Hotelfenstern zu werfen. Mein längst heimgegangener lustiger Landsmann Friedrich Stolze, der Frankfurter Dialektikter, hat einmal einem unglücklichen Familienvater der Kaiserstadt, den der Himmel mit 14 Töchtern gesegnet hatte, eine mitfühlende poetische Aufzählung gewidmet, die begann:„Verrzeh Döchter es e Sege,— Verrzeh Döchter ise Wonne!— Verrzeh Barrblee for den Rege!— Verrzeh Schermcher for die Sonn— Verzeh Regenmäntel detto!— Verrzeh Paar Gallosche netto!— Achtundzwanzig Gummischuh— Himmel, gieß un regen zu!— Verrzeh Hüt mit Band und Fedder,— Blumme, Käwwern, Schmetterling!— Verrzeh Arm voll Barceletter!— Achtundzwanzig Händ voll Ring!— Achatundzwanzig Ohrring leider!— Verrzeh Brosche un so weiter! Achtundzwanzig falsche Zöpp!— Verrzeh Zottelfranse=Köpp!— Verrzeh goldne Uhrn mit Kette!— Ach, nu Handschauh ganze Schöck!— Verrzeh=verrzehmal Manschette!— Hunnerverrzig Unnerröck!— Vierundachtzig Spitzehose!— Verrzeh große Puderdose!— Verrzeh venez'janische Schwämm!— Enge Kämm un weite Kämm!... Der Nizam von Heidarabad kann sich diese Ode leicht zum Privatgebrauch umrechnen, indem er zu diesen 14 jedesmal noch 10 zuzählt. Und ich habe so meine Bedenken, ob diese 24 Lieblingsfrauen sich mit 24 Frühjahrshüten und 24 Broschen begnügen werden. So hat halt jeder seine Sorgen. Wir, die wir die Tributsumme des Youngplanes aufbringen sollen, und der in 600 Autos fahrende Nizam, der 24 ihm nahe stehende Damen frühlingsmäßig und standesmäßig zugleich zu equipieren hat. Was der Inder an gemünztem englischen Gold in Europa lassen muß, ist noch nicht abzusehen. Wie aber unsere Schulden berechnet wurden, das hat jüngst Owen Young sehr offenherzig ausgesprochen:„Die Mächte rechneten alle ihre Schulden an Amerika zusammen, schlugen dazu 50 Prozent und setzten das Ganze als die Summe fest, die Deutschland zahlen muß.“— Ist das nicht eine ebenso einfache wie allerliebste Berechnung? Dafür werden von der deutschen Reichsbahn Tariferhöhungen geplant, die das Wandern(nämlich zu Fuß) bald wieder des Müllers Lust sein lassen werden. Nicht nur des Müllers. Und wenn schon der Herr von Haidarabad mit seinem weiblichen Gesolge für seine 25 Fahrkarten wird beträchtlich mehr zahlen müssen, als wenn er voriges Jahr mit den damals noch um ein Jahr jüngeren Lieblingsfrauen gekommen wäre, so ist für die Deutschen das Reisen bald eine unerschwingliche Sache geworden. Und wenn der Einheimische auch schon aus lieber Gewohnheit längst bloß noch in der Holzklasse imn Abteil für„Reisende mit Traglasten“ einsteigt... Schade, ich wäre sonst doch vielleicht, wenns nicht so teuer wäre, rasch mal nach Genua gefahren, um zu sehen, wie die Marconie, pardon— der Senator Marconi von seiner Experimental=Yacht „Electra“ aus mit seinem neuen KurzwellenSender die sämtlichen Beleuchtungsanlagen der Elektrizitäts=Ausstellung von Sydney so ungefähr auf sechzehntausend Kilometer Entfernung anzündet... Ein Schifflein, die Segel fast an der Raa, liegt reglos im Hafen von Genua. Marconi am Maste, der Herr der Dacht, Erwartet die Sterne, erwartet die Nacht. Die Augen der Freunde in seinem Gesicht Mit Fragen hängen. Der Meister spricht: „An der australischen Rias=Bucht In Sydney, wo mich jetzt keiner sucht, In Sydney, Millionen Meter entfert, Das kaum noch meinen Namen gelernt, In Sydney, wo eben der Tag zerrann, In Sydney zünd' ich jetzt die Lampen an! Ein Druck auf den Knopf hier. In eiligster Flucht, Zuckt's auf Australiens stolzester Bucht. Der Himmel noch eben vom Dämmern matt, Ein Leuchten und Funkeln fährt durch die Stadt Sie ahnt nicht, wie ihr das Wunder geschah, Vom Finger Maronis in Genua!...“ So sprach der Meister. Und so geschah's Wie ich mit Staunen und Ehrsurcht las. Dann dacht' ich mir träumend: Mit der Zeit, O Finger des Menschen, bald bist du so weit: Du drückst entschlossen und farbenfroh Auf so ein Knöpschen irgenwo, Und samt der Erde Genie und Schuft, Schlemihl und Nabob fliegt in die Luft. Getöse wie am Tag des Gerichts, Klamotten regnet's— und Stille— und Nichts Und auf dem Sirius wüßten sie gern: Was war jetzt los auf dem Schwester=Stern? Das war doch, als platze ein Seifen=Gebläs', Als fiele ein Riese— pardauz!— aufs Gesäß, Als flöge ein Felsklotz in feuchten Lehm... Und weiter dreht sich das Sonnensystem!— Diogenes Pakete nach Uebersee im April Pakete nach den Vereinigten Staaten gehen im April von Bremerhaven am 2. und 23. mit der Bremen, am 16. mit der Europa, sonst von dort am 3., 10., 17. und 24., von Hamburg am 10., 17., 24. und 29., nach Kanada von Bremerhaven am 3., 10., 15., 24., von Hamburg am 29., nach Mexiko wie nach der Union über Bremen, von Hamburg am 8. und 19., nach Argentinien von Hamburg 8., 11., 17., 29., Genua 4., 16., 26., Brasilien Hamburg 3., 4., 5., 8., 11., 15., 17., 24., 26., 29.; Chile über Argentinien; über Southampton wöchentlich zweimal, durch den Panamakanal Sonnabends, von Hamburg am 5. und 19., Peru von Bremen Sonnabends, Southampton zweimal wöchentlich; Afghanistan von London Mittwochs, China von Marseille 4., 11., 18., 25., Hamburg 2., 5., 9., 12., 19., 26., 30.; Japan Marseille 4., 12., 18., 26., Hamburg 2., 5., 9., 12., 19., 26., sowie über Kanada; Palästina über Triest Sonnabends, Hamburg monatlich zweimal; Aegypten Hamburg 4., 14., 24., Triest Sonnabends; Südafrika und Südwest Hamburg 4, 12, 19, 26. findet der gut gekleidete # Herr Achtung und VerA. 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Die auverlässigen Fachgeschälte für die gute Rerren= und Knasenkleidung zu volkstümlichen Preisen. Kuckucks Reisewveg Freitag, den 4. April 1930. Nach dem alten Volksglauben soll der Kukkuck zwischen dem 1. und 15. April bei eintressen; kommt er auch nur einen Tag später, so bedeutet es Unglück. In diesem Jahre wird er sich möglicherweise aber doch etwas verspäten, wenn es auch heißt:„Am 15. April der Kuckuck rufen soll, und müßt er rusen aus einem Baum der hohl!“ da er, solange der Frühling nicht wirklich eingezogen ist, das Reisen gern Für die Vogelsorschung bilden die Wanderungen des Kuckucks überhaupt ein bis heute noch ungelöstes Problem. Man weiß nämlich nicht, wie der junge Kuckuck zum erstenmal seinen Weg nach dem Süden und auch wieder zurück in die Heimat findet. Bei den übrigen Zugvögeln führen, auch dann, wenn die Jungvögel von den Altvögeln getrennt fliegen, immer reiseerfahrene Vögel die anderen an, so daß der Weg nicht versehlt werden kann. Der junge Kuauck aber ist vollständig auf sich selbst angewiesen, weil sich seine Eltern bekanntlich nicht um ihn kümmern, ja ihn gar nicht kennen, und überdies die Altvögel bei den Kuckucken die Reise auch viel früher antreten als die jungen Vögel. Nach den Beobachtungen des Vogelforschers Floericke ist es auch ausgeschlossen, daß die jungen Kuckucke die Reise unter der Führung ihrer Pflegeeltern machen; ebensowenig ist anzunehmen, daß die Kuckucke, die, wie jeder Vogelkenner weiß, lieber als Einzelgänger als gesellig leben, sich den Zügen anderer Vögel anschließen. B 444 Der den Zugvögeln eigene Richhinn weist natürlich auch dem Kuckuck die Hauptrichtung, die er einzuschlagen hat, doch auf welche Weise der junge Kuckuck, ohne daß ein erfahrener Vogel ihn führt, seinen Weg findet, zuerst nach dem Innern Afrikas und von dort auch wieder mit Sicherheit nach seinem Heimatland, hat sich noch immer nicht ergründen lassen. Auf der Rückreise kommt ihm wohl sein vortreffliches Gedächtnis zu Hilfe, was aber, wenn der Kukkuck die Reise erst einmal machte, ebenfalls eine phänomenale Leistung darstellt. * Gedenktage. 4. April: 1823 Der Ingenieur K. W. v. Siemens in Lenthe geboren(gestorben 1883). — 1826 Der Verleger und Philanthrop Hermann Julius Meyer in Gotha geboren(gestorben 1909).— 1926 Der Großindustrielle August Thyssen auf Schloß Landsberg bei Mühlheim gestorben(geboren 1840).— 1929 Der Ingenieur Karl Benz in Mannheim gestorben(geboren 1844). Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 3. April 1930. Das Hochdruckgebiet über Nordosteuropa hat sich bei wenig geänderter Ausdehnung noch verstärkt, während über dem Kanal ein Teiltief vordringt. In Deutschland war es heute früh meist wolkig, im Osten und Süden vielfach mit Regen oder Schneefällen. Die Morgentemperaturen lagen östlich der Weser zwischen 1 und Der Semzrals Roman von Robert Misch. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S). 42. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der junge Mann war paff; darauf war er allerdings nicht vorbereitet gewesen. Nun, wenn die Tante den Vater nehmen wollte, ihm konnte es recht sein! Und— der Gedanke war wirklich nicht von der Hand zu weisen— wenn er den Vermittler für den Vater spielte, ihm gefällig war, dann mußte der Vater auch ihm wieder gefällig sein. Dann wäre jetzt also die beste Gelegenheit, ihm alles zu gestehen oder wenigstens einen Teil— das Nötigste, daß er Anna auf keinen Fall heiraten würde. Das mit Maxi brauchte der Vater ja noch nicht zu wissen; das mußte vorläufig Geheimnis zwischen ihm und dem Mädel bleiben. Es würde so schon einen schönen Krach geben. Aber die dumme Furcht vor dem Alten! Er fürchtete sich wahrhaftig schon wieder. Bis zum Hals hinauf pochte ihm das Herz in der Brust. Aber da half nichts; man mußte das Eisen schmieden, solange es heiß war, solange ihn der Vater brauchte. Auf dessen spätere Dankbarkeit war kein Verlaß. Alles das fuhr ihm blitzschnell durch den Kopf. Herr Kaltenbach, der vergeblich auf eine Antwort gewartet hatte, schien dies Zögern anders auszulegen. Zu Fritz' höchstem Erstaunen setzte sich der Vater dicht neben ihn und sagte mit einer so honigsüßen Miene und Stimme, wie Fritz sie noch nie von ihm gehört hatte: „Nun, mein Sohn? Du könntest den Vater wohl den Gefallen erweisen. Es soll dein Schaden nicht sein... Wenn ich dir eine Freude machen kann?! Ueberhaupt liegt es in deinem eigenen Interesse, daß die Erbschaft— ich wollte sagen, die Tante—“ „Ach, weißt du, Papa, ich bin nicht so interessiert.“ „Dummkopf!“ dachte Herr Kaltenbach; aber er sagte es diesmal nicht laut. 3 Grad, im Westen zwischen 4 und 12 Grad. Der Kahle Asten hatte mäßigen Südostwind, bedeckten Himmel und 3 Grad Wärme. Aussichten bis Samstag: Wollig sowie zeitweise Regen bei wenig geänderten Temperaturen. Bestandene Prüfung. Die Obersekundareife erhielten am Realgymnasium in Schwerte Ernst Armatage, Hubert Bender, Fritz Boeker, Klaus Dellmann, Fritz Engels(Höchsten), Helmut Funke(Garenfeld), Herbert Gieseler, Hartwich Götze(Oldenburg), Bernhardt Großstück, Heinrich Kockelke, Werner Ledüc(Berghofermark), Wilhelm Op den Winkel, Karl Rohländer(Heppingsen), Otte Runge, Joachim Schiermeyer(Westhosen), Hellmuth Schmidt, Fritz Schnell, Walter Schokkenbaum, Adolf Stute(Berlin SW), Werner Sybel, Heinz Wattenberg(Langschede), Jos. Witteler.— Wir gratulieren. Fritz Woike=Abend: Am Sonnabend, den 5. April, wird im evangelischen Gemeindehaus, abends 8 Uhr, der Arbeiterdichter Fritz Woike aus seinen Werken vorlesen. Fritz Woike ist ein begabter Dichter, der aus seinem Erleben als Arbeiter und als Christ herausdichtet. Man könnte ihn in mancher Beziehung mit Gustav Schüler vergleichen; doch ist seine dichterische Form schlichter und klarer, sodaß der Inhalt seiner Gedichte eher nachempfunden werden kann. Er besingt die Höhen rut. Tiefen des menschlichen Lebens, das Eerlebnis der Jahreszeiten, Sonnuntergang und Sternenpracht; aber auch die Not des Lebens, das schwere Los des Arbeiters in der Fabrik; dann aber vor allem auch die Kraft des christlichen Glaubens, wie er ihn erlebt hat. Da der Dichter versteht, seine Tichtungen gut vorzulesen, so steht den Schwertern ein gehaltvoller Genuß bevor. Die ärztliche Betreuung in den Berufsschulen. Die ärztüiche Ueberwachung und Fürsorge der schulentlassenen Jugend ist noch recht dürftig ausgebaut. Wie wichtig sie ist, bedarf keines Hinweises; der Zeitpunkt, in dem der Jugendliche die Schule verläßt und in den Beruf tritt, ist der denkbar ungünstigte, weil er in die Pubertät fällt. Mit höchstem Recht fordert daher mancher, wenigstens in den Berufsschulen, die schulärztliche Ueberwachung einzuführen. Das ist an mehreren Orten bereits geschehen. In Thüringen ist die ärztliche Ueberwachung der Berufsschüler dem Jugendamt übertragen. Der Jugendarzt hat in regelmäßigen Abständen mindestens jährlich einmal, den Gesundheitszustand der Berufsschüler festzustellen. Die Befunde werden in das„Gesundheitsbuch“ eingetragen, das jeder Thüringer von der Schule her besitzt. Auch in Sachsen ist die Fortbildungsschule einbezogen in das System der schulärztlichen Ueberwachung. In Düsseldorf bildet die seit Oktober 1923 eingefügte Ueberwachung der Berufsschulen einen Teil der gesamten Schulgesundheitspflege. Doch wurden im Jahre 1928—1929 von rund 15 000 Berufsschulbesuchern nur etwa 30 Prozent untersucht. Der schulärztliche Bericht, der vorliegt, klagt über die Gleichgültigkeit, mit der die Berufsschüler Zähne und Augen pflegen. Zahnfäule und Augensehler haben zugenommen. Gute Fortschritte einer Schwerter Sängerin. Unser Berliner Korrespondent, der Musikschriftsteller und Kritiker Herr Kälmán, Antös, schreibt uns zu dem im Breitkopf=Saal in Berlin stattgesundenem Konzert, in dem der weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Kammersänger Professor J. von Raatz=Brockmann seine besten Schüler herausstellte: In diesem Konzert sang Anneliefe Seuthe aus Schwerte die Arie„Höre Israel“ aus dem Oratorium„Elias“ von Mendelssohn. Die sehr talentvolle junge Sängerin erregte ganz besonderes Aufsehen. Ihre außerordentlich große warme Stimme ist von einem wundervollen Timbre, welchen man selbst auf Weltbühnen sehr selten zu hören bekommt. Wir sind fest überzeugt, daß die junge begabte Sängerin in kurzer Zeit eine beispiellose künstlerische Karriere machen wird.— Die„Neue Berl. Ztg.“ schreibt:„daß Anneliefe Seuthe mit ihrer klangvollen Stimme zu großen Hoffnungen berechtigt.— Wir gratulieren unserm Schwerter Kind zu seinem Erfolge herzlichst. Achtet auf Finkenfänger!— Sammelt keine Kiebitzeier! Hell scheint die Sonne, lustig schmettern die Buchfinken aus allen Baumwipfeln. Leider ist nun auch die Zunft der gerade hier in unserem Industriegebiet sehr zahlreich vertretenen Finkenfänger mit Lockvogel und Leimruten unterwegs, um den taktfesten Sänger für den Käfig zu erbeuten. In Minuten ist der Fang geschehen, selbst unter den Augen des Publikums, vor dem Polizeiposten fängt man gute Finken an verkehrsreichen Straßen fort. Ganze Alleen und Wälder können an einem Morgen ausgeraubt werden. An alle Naturfreunde geht die herzliche Bitte, besonders am frühen Morgen allen Verdächtigen nachzugehen, und ihnen das Handwerk zu legen, damit die wenigen Sänger unserer doch schon so sehr verarmten Natur erhalten bleiben.— Wenige Kiebitzpaare erfreuen noch mit ihrem Gaukelfluge das Auge der vor die Tore hinauspilgender Großstadtbewohner. Laßt ihnen ihr Gelege, bringt unnachsichtig jeden zur Anzeige, der ihnen die Eier raubt! Auch Feinkosthandlungen dürfen keine Kiebitzeier feilbieten! ha Die Reichsschuld. Die Reichsschuld hatte am Ende des Jahres 1924 erst 2805,4 Millionen betragen, war aber schon im Lause des Jahres 1925 auf 7223,5 Millionen angewachsen. 1926 ging sie etwas auf 6959,9 zurück, um 1927 die Höhe von 1925 fast genau wieder zu erreichen. 1928 steigerte die Schuld auf 7770,5. Den größten Zuwachs hat aber 1929 93.11 gebracht. Im letzten Jahr war besunders geeß die Zunahme der kurzfristigen Inlandsschulden auf 1444,7 Millionen, obwohl ein Teil der Verbindlichkeiten durch die 7prozentige Anleihe von 1929 und den Kredit deutscher Banken mit 210 Millionen ersetzt worden ist. Den Hauptteil der kurzfristigen Inlandsschulden bilden mit fast 1 Milliarde die unverzinslichen Schatzanweisungen. Das Anwachsen der kurzfristigen Inlandsschulden spiegelt die Anspannung der Kassenlage des Reiches wieder. epw. Eine weltliche Schule. Die Bielefelder Stadverordneten=Versammlung hat der Einrichtung von 6 Sammelklassen für die Kinder von Eltern, die der sogenannten weltlichen Schule anhängen, zugestimmt. Mit der Einrichtung ist der Lehrer Ladebeck betraut. Den Unterricht in den Klassen werden voraussichtlich Junglehrer die sich ja noch immer in großer Nuilage befinden, übernehmen. Schon seit längere: Zeit ist in der städtischen Schuldepuration die Frage der Einrichtung von Sammelklassen besprochen und ihr zugestimmt. Man darf gespannt sein, wie sich die weltliche Schule weiter entwickeln wird. Bis jetzt sind trotz intensiver Arbeit für die weltliche Schule nur 240 Kinder angemeldet, die in 6 Sammelklassen an zwei verschiedenen Stellen unterrichtet werden sollen. ha Für Versorgungsanwärter Beamtenstellen bei den Handelskammern. Die Verzeichnisse der Beamtenstellen, die den Versorgungsanwärtern vorbehalten bleiben, sind jetzt von den Industrie= und Handelskammern Preußens ergänzt worden. In Betracht kommen 17 Kammern, in Elbing, Königsberg, Beclin. Breslau, Görlitz, Hirschberg, Halle, Magdeburg, Emden, Hannover, Münster, Siegen, Kassel, Limburg, Wiesbaden, Krefeld, Duisburg=Ruhrort, Essen und Köln. Zur Besetzung kommen Eingangsstellen für Bürovorsteher, Buchhalter, Sekretäre, Obersekretäre, Verwaltungsgtfretäre, Amtsgehilfen, Büchereiverwalter, Registraturvorsteher, Registratoren, Büroassisterten, Bürobeamte, Kassenbeamte, Hausmeister, Boten, Schriftführer, Maschinisten usw. Eine Bürovorsteherin stellt Limburg ein, eine Set etärin und eine Buchhalterin Köln. Generaldirekter L. ist ein Mann der Tat. Weitblick und Energie haben ihn schnell an führende Stelle gerückt. Er steckt voller ideen, seine Entscheidungen sind schnell und bestimmt. So kühn seine Pläne, s0 sicher ihre Durchführung. „Ideen und Nerven, meine Herren- sagt er häufig sind das Wesentliche. Die Okonomie der Kräfte verlangt, deß wir den Fluß der Gedanken fördern und die Nerven schonen. Sie werden gesehen haben, daß ich stets den cofteinfreien Kaffee Hag trinke. Er regt an, aber nicht auf, schont Herz und Nerven und schmeckt vorzüglich.“ „Also schön, Papa. Ich will dir den Gefallen erweisen. Ich werde mit der Tante reden. Oh, ich werde es schon geschickt anfangen.“ „Gut, mein Sohn, gut!“ „Aber— Papa, auch ich muß dir ein Geständnis machen.“ Seine Stimme zitterte unmerklich.„Und eine Liebe ist der anderen wert“ Herr Kaltenbach blickte ihn durchbohrend an. Was wollte der Dummkopf von ihm? Wahrscheinlich Geld— einen Monatszuschuß oder dergleichen. Nun, versprechen konnte er das ja! Wenn Fritz heiratete, mußte er als Ehemann ja doch etwas Geld in die Hände bekommen— freilich Annas Geld, das er, der Vater, für das junge Paar weiter verwalten würde. „Also Papa, ich muß dir nämlich sagen“— Fritz heftete die Augen scheu auf das Tapetenmuster, um dem gefürchteten Blick seines Erzeugers auszuweichen—,„ich muß dir sagen, das aus meiner Verheiratung nichts werden kann.“ „Was denn? Wie denn?" Herr Kaltenbach begriff offenbar nicht, was Fritz eigentlich meinte. „Ich mache mir nämlich nichts aus Anna“. „Du machst dir nichts—?“ Es war gut, daß Fritz dem Vater nicht in die Augen blickte. Klang auch dessen Ton noch ruhig, mehr höhnisch=verwundert über den Sohn der sich seinen wohldurchdachten Absichten, seinen ausgeklügelten Plänen widersetzte, so flakkerte doch in seinen Wolssaugen langsam ein grimmiges Feuer auf. „Nein, Vater, nein! Nur dir zuliebe habe ich mich damals verlobt. Aber jetzt bin ich mir über meine Gefühle klar geworden; jetzt fühle ich, daß ich an Annas Seite—“ „Gesühle?! Haha! Was gehen mich deine Gefühle an!“ unterbrach ihn der Alte hohnlachend.„Und Anna? He? Daß du sie kompromittierst und unglücklich machst, daran—“ „Ach, Unsinn!“ platzte Fritz dazwischen, der die drohenden Sturmzeichen noch immer nicht bemerkte.„Die macht sich nicht viel aus mir! Die ist doch selber froh.. Die hat doch unsere Verlobung zuerst gelöst.“ Einen Augenblick schwankte Fritz, ob er das Liebespaar verraten oder Stillschweigen bewahren sollte. Aber die Sache ließ sich ja doch nicht mehr geheimhalten. Mochte der Alte doch die Schale seines Zorns auch über jene entleeren. Desto weniger bekam er selbst ab— und jeder ist sich selbst der Nächste. Kaltenbach blieb anfangs das Wort in der Kehle stecken. Ein ganzer Abgrund, ein geheimes Komplott stieg da plötzlich vor ihm auf. „Anna— Anna hat—?“ stammelte er. „Nun ja! Erfahren mußt du es ja doch einmal... Sie hat sich heimlich mit Ahlers verlobt... Die beiden haben sich schon lange gern. Und— und— da du schon so viel weißt, sollst du gleich alles erfahren. Da will ich dir auch gleich sagen, daß ich bei Maxis Professor Zahnheilkunde studiere und— und, daß ich Zahnarzt werden will. Jawohl, das will ich!“ wiederholte er energisch, wie um sich selbst Mut zu machen. Er hatte noch etwas hinzufügen wollen, aber er hielt plötzlich erschrocken inne; denn der Alte stieß einen so wütenden Schrei aus, daß Fritz blaß wurde. „Du! Du Junge wagst es!“ schrie Kaltenbach mit heiserer Stimme.„So weit ist es schon gekommen, daß man hinter meinem Rükken konspiriert?! Aber ich will euch den Herrn zeigen; ein Ende will ich machen. Hinausschmeißen will ich den Kerl, den Ahlers. Du heiratest die Anna! In vier Wochen ist Hochzeit! Punktum!" In Fritz bäumte sich alles auf. Noch klang ihm der„Feigling“ in den Ohren, den ihm Maxi entgegengeschleudert hatte. Er sah ihre süßen, schönen Augen bald flehend und angstvoll, bald zornig voll bitteren Vorwurfs und voll Verachtung auf sich gerichtet. Das flößte ihm wieder Mut in das verzagende Herz. Wollte er denn ewig ein unmündiger, willenloser, mißhandelter Knabe bleiben! Sollte er sich wie ein Stück Vieh verschachern, wie ein Sklave verkuppeln lassen? Bis hierher und nicht weiter! Er fühlte, wie ein bitterer Groll über diese unwürdige Behandlung, diese unerhörte Knechtschaft, in der ihn der Vater festhalten wollte, in ihm anstieg. Und so blickte er denn zum ersten Male in seinem Leben fest, ohne die seinen niederzuschlagen, in die zornfunkelnden Tigeraugen seines Erzeugers. „Nein! Ich heirate nicht!“ Es klang scharf und stolz. Der Alte, außer sich über diesen unerwarteten Widerstand, brach in ein Hohn= und Lutgelächter aus, das in einem heiseren Kreischen endigte. Seine Mienen verzerrten sich, und mit geballten Fäusten stürzte er wild auf den ängstlich Zurückweichenden zu. „Du Nichts von einem Menschen! Du Dummkopf! Du fauler Dummkopf, der aus Vaters Taschen lebt und sich keinen Groschen verdienen kann! Ein Bettler wärest du ohne mich! Und du— du willst dich mir widersetzen? Aus der Hand sollst du mir noch fressen!“ Ehe Fritz den unerwarteten Angriff abwehren konnte, versetzte ihm der Alte eine schallende Ohrseige. Die getroffene Wange färbte sich tiefrot, im nächsten Augenblick wurde sie wachsbleich. Ein rasender, nie gekannter Zorn stieg in ihm auf; ein Zorn, der so stark und plötzlich ausbrach, daß der Alte ängstlich zurückwich. Er mußte etwas zerschlagen, mußte seinen Berserkergrimm auch körperlich an irgend etwas auslassen. Er ergriff einen Stuhl, schwang ihn hoch in die Luft und schmetterte ihn dann zu Boden, daß er wie Glas zerbrach. „Das— das vergesse ich dir nie! Jetzt ist es aus! Wir sind fertig miteinander, und zwar für immer! Jetzt gleich, auf der Stelle, verlasse ich dein Haus.“ Und seinen Vater verblüfft und ratlos zurücklassen, stürmte er wild davon. (Fortsetzung folgt.) Landkreis Iserlohn Bestätigte Wahl. Die vom Kreistage des Landkreises Iserlohn vollzogene Wahl des Kommerzienrats Peter Grah, Sundwig, und des Beigeordneten Ewald Budde in Hohenlimburg zu Kreisdeputierten ist vom Oberpräsidenten bestätigt worden. Abschlußprüfungen an der landwirtsch. Schule Letmathe. Am 29. März 1930 fand in der landwirtschaftlichen Schule in Letmathe im Beisein des Landrats Dr. Loos als Vorsitzenden des Kuratoriums, in Anwesenheit von Mitgliedern des Kuratoriums und des Kreisausschusses, sowie zahlreicher Eltern und sonstiger Gäste die Abschlußprüfungen des diesjährigen Wintersemesters statt. Der Prüsung unterzogen sich 18 Schüler in der Unterklasse und 15 Schüler in der Oberklasse. Die Prüfung, mit der auch Vorführungen im Turnen verbunden waren, zeigte teilweise sehr gute Erfolge, sodaß 3 Schüler der Oberklasse mit Preisen der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet werden konnten. Nach Aushändigung der Zeugnisse durch den Direktor der landwirtschaftlichen Schule sprach der Landrat ein längeres Schlußwort, in welchem er die Bedeutung des landwirtschaftlichen Schulwesens besonders würdigte, dem Lehrerkollegium dankte und insbesondere auch des 10jährigen Bestehens der landwirtschaftlichen Schule, deren Errichtung der Kreistag des Landkreises Iserlohn im Mai 1920 beschlossen hat, gedachte. Amt Westhofen I Westhofen. Steuerhebetermine. Für die Gemeinden des hiesigen Amtsbezirks finden die Steuerhebetermine in diesem Monat an folgenden Tagen statt: Am Montag, den 7. April, während der Vormittagsdienstunden, für die Gemeinden Westhofen, Garenfeld und Wandhofen im Amtskassenlokal; am Dienstag, den 8. April, vormittags 9—10 Uhr, für die Gemeinde Lichtendorf in der Wirtschaft Rosenberg; an demselben Tage, vormittags 10,30 bis 11 Uhr, für die Gemeinde Geisecke in der Wirtschaft Schulte=Höppe in Geisecke; am Mittwoch, den 9. April, für die Gemeinde Holzen, und zwar von 9—9,30 Uhr in der Wirtschaft Prein auf dem Höchsten, von 10—10,30 Uhr in der Wirtschaft Eisenberg auf dem Sommerberg und von 11—11,30 Uhr in der Wirtschaft Schneider in den Rosen. Im Interesse einer glatten Abwicklung der Kassengeschäfte ist nur abgezähltes Geld bereit zu halten. ! Westhofen. Gefunden wurde eine graue Leinenpacktasche, welche auf dem hiesigen Polizeibüro von dem Eigentümer wieder in Empfang genommen werden kann. ! Westhofen. Wochenmarkt. Die Markthändler mußten diesesmal den Marktplatz mit den Kirmesgeschäften teilen. Die Kirmes war wohl der Grund, daß der Besuch der Hausfrauen sehr gut war. Die Kauflust zeigte sich ebenfalls recht rege. Verschiedene Warensorten waren schon frühzeitig ausverkauft. Auch sah man an Blumen wieder eine reiche Auswahl. Pflanzkartoffeln kosteten: 1 Pfund Odenwälder 5 J, Bonifacius 10§, und Holländer Mäuse 8 J. jeden einzelnen Fall verfolgt. Es ist leider eine Erfahrungstatsache, daß Eisenbahndiebe fast immer wieder zu ihrem Handwerk zurückkehren. Die Fahndungsstellen der Reichsbahn führen daher meist Verzeichnisse, wann die einzelnen Diebe ihre Strafe abgesessen haben, um sie bei neuer Tat sofort zu fassen. Volksleben und Wirtschaft Der Sicherheitsdienst der Reichsbahn Der Fahndungs= und Streifdienst der Reichsbahn wurde in seiner jetzigen Form Ende 1923 eingerichtet. Damals wurden monatlich etwa 6000 Diebstähle gezählt. 1924 waren es noch 4500, 1928 2500 und 1929 2000 Fälle. Und das in einer Zeit, in der die öffentliche Kriminalität z. B. in Preußen ständig wächst. Die Reichsbahn hat den Kampf mit den Zugräubern in Gemeinschaft mit der öffentlichen Polizei bisher durchaus erfolgreich geführt. Erst in letzter Zeit sind, wie die Deutsche Beamtenbund=Korrespondent erfährt, in Berlin und Köln über 10 wohlorganisierte Zugräuberbanden mit ihren Hehlern festgenommen worden. Die Reichsbahn ist sogar so weit, daß sie bei einem Vergleich mit den Sicherheitsverhältnissen in der Friedenszeit sehr günstig abschneidet. 1913 wurde zwar die Zahl der Diebstähle noch nicht statistisch erfaßt. Es gibt aber andere Vergleichsmöglichkeiten. Im Jahre 1913 sind 74000 Entschädigungsanträge eingegangen, für die 7 Millionen Mark Entschädigungen gezahlt wurden. Die entsprechenden Zahlen für 1929 betragen 31000 Entschädigungsanträge und 6,7 Millionen Mark Entschädigungen, bei denen der erhöhte Geldwert der Sachgüter berücksichtigt werden muß. Leider sind die Fälle, in denen aus jugendlichem Uebermut, aus Sensationslust, aber auch aus ernsteren Mo= ven Steine und dergl. auf die Schienen gelegt werden, noch nicht völlig beseitigt, obwohl der Eisenbahnsicherheitsdienst gemeinsam mit der Schutz= und Kriminalpolizei ha Der regelmäßige Vertreter vor dem Arbeitsgericht. Ein geschäftsmäßiges Auftreten als Vertreter vor dem Arbeitsgericht ist nicht zulässig. Das Landesarbeitsgericht Duisburg=Hamborn will aber dabei eine Ausnahme in einem bemerkenswerten Urteil gemacht wissen. Pflegt jemand nur für eine bestimmte Person vor Gericht aufzutreten, so tritt er nicht geschäftsmäßig auf, auch wenn er für seine Tätigkeit ein Entgelt bezieht. Selbst wenn der Angestellte eines Unternehmens seinen Arbeitgeber ständig vor dem Arbeitsgericht vertritt und daneben noch für bestimmte andere Personen oder ein bestimmtes anderes Werk ohne Entgelt aus besonderen freundschaftlichen Gründen vor Gerichten auftritt, so kann er deshalb nicht wegen geschäftsmäßigen Austretens zurückgewiesen werden. In dem Falle handelte es sich um den Angestellten eines Stahl= und Walzwerks, der dessen Rechtes= und Streitsachen bearbeitet und für das Werk vor den Gerichten auftritt. Er ist für es in mehreren Streitsachen vor dem Arbeitsgericht aufgetreten, aber nicht für andere Firmen. Er bezieht dafür auch kein Entgelt. ha Fernsprechverkehr mit dem Ausland. Der Fernsprechverkehr mit dem Ausland ist erweitert worden. Es wurden neue Leitungen Dortmund—Rotterdam als 2., Duisburg—Rotterdam als 5. u. Leipzig Amsterdam in Betrieb genommen. Die Leitungen Köln— Ymuiden und Düsseldorf— Umuiden werden jetzt von Amsterdam aus betrieben. Köln versügt so über 6, Düsseldorf über 5 Leitungen nach diesem Amt. Die Leitung Elberfeld—Rotterdam wurde in eine Leitung Düsseldorf—Rotterdam 6 umgewandelt. In eine der beiden Leitungen Königsberg—Riga ist auch das Amt Libau eingeschaltet worden, sodaß Königsberg wieder über eine unmittelbare Verbindungen nach dem westlichen Teil Lettlands verfügt. Am 1. April wurden die Gebühren im Verkehr mit Lettland ermäßigt. Ein gewöhnliches Dreiminutengespräch kostet dann nur noch 6,20 Mt., Berlin—Libau 5,70, Hamburg—Riga, 6,70 Hamburg—Libau 6,20 Mark. ha Tarifvertretung und Dienstordnung. Die Arbeitsverhältnisse der Angestellten der Berufsgenossenschaften und der Krankenkassen können auch durch Tarisvertrag geregelt werden. Nach einem Urteil des Reichsarbeitsgerichts steht dem Nebeneinanderbestehen einer solchen Regelung und der zu dem gleichen Zwecke bestimmten Dienstordnung der Versicherungsträger nichts entgegen. Im Falle eines Widerstreites zwischen beiden Bestimmungen hat die Dienstordnung unbedingt den Vorrang. Das Reichsgericht hat für diese Angestellten grundsätzlich anerkannt, daß deren Arbeitsverhältnisse auch durch Tarifverträge geregelt werden können, aber den Vorrang die Dienstanweisung anerkannt. Eie wirksame tarifmäßige Regelung ist deshalb nur so weit möglich, als diese nicht an den Bestimmungen der Dienstordnung ein Hindernis findet. Das Reichsgericht hat dazu noch entschieden, daß die Dienstordnung der Reichsversicherungsordnung zu den Dienstvorschriften im Sinne des Betriebsrätegesetzes nicht gehören. ha 7 wichtige Reichsgesetze und 11 Verordnungen. 7 wichtige Reichsgesetze und 11 z. T. einschneidende Verordnungen usw. werden jetzt verkündet. Die Gesetze betreffen die Rechtsverhältnisse des Reichskanzlers und der Reichsminister, den Schutz der Republik, den Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken die Pflicht zum Antrag auf Eröffnung des Konkurses oder des gerichtlichen Vergleichsverfahrens, Zuschüsse aus Reichsmitteln für die Ansiedlung von Landarbeitern, die Auflösung des Reichsentschädigungsamtes und die Verlängerung der Amtsdauer der Beisitzer der Arbeitsgerichtsbehörden. Die Verordnungen enhalten Ausführungsbestimmungen zum Lebensmittelgesetz, für Nitritpökelsalz, Honig und Kunsthonig, die Erhöhung der Sätze für die Vermahlung von Inlandweizen, die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter im Steinkohlenbergbau, die von Arbeitern unter 18 Jahren und von Arbeiterinnen in Walz= und Hammerwerken sowie die von Arbeitern und 18 Jahren und Arbeiterinnen in der Glasindustrie, die neue Fassung der Eichordnung, die Zulassung von Messerwerkzeugen für Flüssigkeiten und Gewichteen zur Eichung, eine Aenderung der Eichgebührenordnung und endlich den neuen Reichsbantdiskont. ha Die Zollfreiheit für die Vertretungen fremder Länder. Die Vertretungen fremder Länder genießen Besreiung von allen Zöllen und Verbrauchssteuern. Die Vergünstigung wird aber nur gewährt, soweit Gegenseitigkeit geübt wird. Die Ausdehnung im einzelnen ist deshalb verschieden, so daß es nötig ist, ein umfangreiches Verzeichnis darüber aufzustellen. Es betrifft die Zollbehandlung von Gesandtschaftsgut, von Konsulargut und von den Dienstgegenständen Bei den begünstigten Personen der Botschaften und Gesandtschaften unterscheidet man deren Stellung. Im allgemeinen genießen Botschafter, Gesandter, Ministerresidenten usw. Befreiung während der Dauer der Geschäftsleitung für Gegenstände zum persönlichen Gebrauch oder Verbrauch. Für die Räte, Legetationssekretäre, Attaches, das Büro= und Kanzleipersonal sowie die Familienmitglieder dieser Stusen bestehen überall verschiedene Bestimmungen. Anders ist es beim Konsulargut und wieder anders bei den Dienstgegenständen. der Wildäcker usw. neben dem Wildschutz die Hauptbeschäftigung des Hegers. Der sorgt für hinreichendes Salz im Revier, hält seinen Hund am Riemen, damit sein Wild nicht aus seinen Einständen und von seinen Aesungsplätzen vergrämt wird und trisst im übrigen die notwendigen Vorbereitungen für die kommende hohe Zeit der Jagd, indem er die Pirschpfade säubert und Kanzeln, Schirme usw wieder, in Ordnung bringt oder neu herrichtet. Das ist Weidwerk im April. Obermepers Hiedizinol- MCerba-Jeife war auf meine Haut sehr wohltuend, sie hat mir die lästigen„ OF 1 beseitigt. Ebenso schreibt Frau Bleicher, Burglengenfeld: Ich litt seit einem Jahr an Pickeln und Mitessern. Alle Mittel waren erfolglos. Da machte ich Schaumaufschläge mit Obermeyer's Medizinal Herba-Seile. In Kürze waren diezelben verschwunden. St. RM.—.65. 30% verstärkt. Präp. RM 1.—. Zur Nachbehandlung ist Herba-Creme besonders zu empiehlen. Zu haben in allen Apoth., Drogerien u. Parlümerien. Weidiverk im April Kein eigentlicher Jagdmonat ist dieser Östermonat, der den Frühling bringt und Vogelsang und Lenzeslust, der den Gottesgarten der Natur in ein bunt prangendes, duftendes Paradies verwandelt und alles, Menschen und Tiere, mit neuer Lebenslust erfüllt. Ist eigentlich gut, daß dieser Monat des Werdens vom Menschen, der die Waffe führt, nicht zum Monat des Todes gemacht werden kann, denn nach Leben, nach frohem Frühlingsleben schreit stumm oder laut jegliche Kreatur. Darum soll sich der hegende Grünrock freuen, daß auf dem Jagdschein so viele Felder schwarz sind. Der Schnepfenstrich geht seinem Ende entgegen. In den meisten deutschen Staaten treten Wald= und Moorschnepfe mit dem 15., in Lippe mit dem 14 in die Schonzeit, die ihnen Sachsen überhaupt während des Frühjahrszuges zugebilligt hat. Aber auch da, wo die erstere, wie in Bayern, im Gebirge bis zum 1. Mai erlegt werden darf, empfiehlt es sich, mit Rücksicht auf die oft überraschend frühzeitigen Gelege, den Besuch des Strichs nicht bis zu diesem Zeitpunkt auszudehnen. Treiben und Buschieren aber, d. h. die Suche mit dem Hund, sind, der Gefahr des Abschusses brütender Weibchen wegen, im Frühjahr ganz zu unterlassen. Die Balz der Waldhühner: Auer=, Birk=, Hasel= und Schneehühner sowie der Reb= und Steinhühner und der Fasanen kommt voll in Gang. Auer= u. Birkhähne sind in Bayern nur vom 10. April bis 25. Mai frei, dürfen in fast sämtlichen deutschen Staaten während des ganzen Monats geschossen werden, Haselhähne nur in Preußen, Sachsen, Württemberg, Hessen, Braunschweig, Bremen, Lübeck und Schaumburg=Lippe, Fasanenhähne mit Ausnahme von Sachsen und Württemberg in den vorgenannten Staaten und dazu noch in Oldenburg und Anhalt. Schnee=, Moor= und Steinhühner haben dort, wo sie vorkommen, um diese Jahreszeit Schonzeit. Wildenten brüten in normalen Jahren bereits und führen gegen Ende des Monats schon junge Schofe. Reichlich ist die„Speisekarte" im Ostermond nicht. Aber, wie gesagt, das ist nur erfreulich, denn der April ist der ausgesprochene Hegemonat. Das Haarraubwild wolft, und es steigert sich infolge seiner Ernährungsorgen sein Schaden an Nutzwild und Hausgeflügel. Auch das gefiederte Raubwild brütet und hat seine Nachkommenschaft zu betreuen. Krähen und Elstern sind daher besonders scharf zu überwachen, desgleichen streunende Hunde und Katzen, die jetzt großen Schaden im Revier anzurichten vermögen und insolgedessen möglichst fernzuhalten sind. Die Fütterung der Fasanen darf auch jetzt nicht außer acht gelassen werden, denn sie allein bietet Sicherheit gegen das fatale Verstreichen und erhält etwa frischein= oder zur Blutauffrischung ausgesetzte Fasanen dem Jagdgebiet. Schwarzwild geht leider vielfach zu den. Daher kommt es, daß man auch jetzt noch in den Wildprethandlungen vielfach Wildschweinfleisch vorfindet. Aber, wer, der Wert auf seinen blanken Ehrenschild legt, wird jetzt wahllos auf unser verfemtes, uriges Wild loskartätschen? Nur dann, wenn der Wildschaden gar zu groß und die Klagen der geschädigten Besitzer zu stürmisch werden, schieße man den einen oder den anderen Keiler ab, nachdem man ihn totsicher als solchen angesprochen hat. Hegemonat, das sei nochmals gesagt, ist der Ostermonat. Darum bildet die Bestellung Lichtspiele zur Reichskrone Heute bis Montag unser großes, abwechslungsreiches Programm Sünden Eine Liebes=Tragödie in 7 Akten. Agnes Petersen in der Hauptrolle. ". un Derd Sensationsfilm in 6 Akten. Richard Talmadge, der amerik. Harry Piel, in der Hauptrolle. Die Posträuber von Arkansas Wild=West=Film in 4 Akten. Wochenschau=Lustspiel. Samstag nachm. 4 Uhr Kinder-Vorstellung Billiges Angebot Plockwarst, westf. Pfd. 1.58 Bierwurst, b. ganz. Würst. 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Die Zurückhaltung war so groß, daß sogar günstige Mitteilungen aus der Industrie, wie die Erhöhung der Ausbeutung im Michel=Konzern, auf den Markt völlig eindruckslos blieben. Die geringe Unternehmungslust war in erster Linie auf die Unsicherheit der innerpolitischen Lage zurückzuführen. So blieben an allen Märkten die Umsätze recht gering, und die Kurse hielten sich auf etwa vorwöchentlicher Preisgrundlage. Eine Ausnahme machten nur wenige Werte. Hiervon gehören Kohlenkuxenmarkte Heinrich Kuxe, die von 7175 M auf 7650 M anzogen und die Woche bei einem Stande von 7525 A verlassen. In diesen Kuren fanden lebhafte Umsätze statt. Das Interesse ist auf die günstige Lage der Gewerkschaft und die gute Nachfrage nach ihren Produkten zurückzuführen. Im Zusammenhang mit der am 31. März fälligen Zubuße gaben Graf Schwerin Kuxe von 1700 M auf 1500 M nach. Dieser Verlust wurde aber größtenteils wieder ausgeglichen, und nach Zahlung der Zubuße stellte sich der Kurs wieder auf 2150 M, Nachfrage. Bessere Meinung bestand in dieser Woche für Diergardt=Mevissen Kuxe, die den lange innegehaltenen Stand von 3450 M verbesserten. Carolus Magnus (6850 M Nachfrage) und Constantin der Große (7350 M) weisen keine größeren Veränderungen auf. Ebenso notieren die schweren Werte ziemlich unverändert, wenngleich hier eher Abgabenneigung zu beachten war. Von Kohlenaktien wurden nur Lothringen Bergbau lebhaster und zwar auf der Grundlage von etwa 59 Prozent umgesetzt. Am Braunkohlenmarkte blieb, wie bereits eingangs erwähnt, die Erhöhung der Ausbeuten im Michelkonzern ohne jeden Einfluß auf die Kursgestaltung. Abschlüsse kamen nur vereinzelt in Vesta, und auch hier nur zu unveränderten Preisen, zustande. BruckdorffNietleben wechselten zu schwankenden Kursen ihre Besitzer. Die Kursbewegung war von 2600—2450—2600. Auch der Kalikuxenmarkt hat an Lebhaftigkeit eingebüßt. Die Werte der Aschersleben=Gruppe waren vereinzelt im Handel. Hope(8450 M) und Mariaglück(8400 M) stellen sich 100 M höher. Ransbach(6400 M) büß= ten dagegen 100 M ein. Die übrigen Werte des Konzerns waren vernachlässigt, und auch Hansa Silberberg waren diesmal wieder 500 M billiger angeboten. Burbach Kuxe gaben von 8450 M auf 8350 A nach. Beienrode(2800 l) gewannen bei kleineren Umsätzen 50 M. Für Siegfried(12 700 M) wurden letzte Preise angelegt. Auch die Werte des Dr. Wilhelm SauerKonzerns weisen gegen die Vorwoche keine Abweichungen auf. Während das in der vergangenen Woche einsetzende Interesse für Max, Marie und Marie Luise schon wieder nachließ waren Reichsland lebhaft begehrt. Die Kuxe waren zu Beginn der Woche noch mit 3200 M vielfach angeboten, im Verlaufe wurde dann ein Preis von 3550 M gern bewilligt. Von Kaliaktien gewannen Hallesche Kali(227 Prozent) 5 Prozent von ihrem vorwöchentlichen Verluste zurück. In Burbach Aktien war täglich einiges Geschäft. Die Kursbewegung ging von 183½ Proz.— 181 Proz. — 184 Proz. Die Werte des Terminmarktes erfuhren zunächst bis zum Liquidationstage einen weiteren Kursrückgang, der für Montanwerte bis zu 3 Prozent ausmachte. Nach der Prolongation trat eine Kurserholung ein, so daß die Wochenansangskurse teils wieder erreicht, teils geringsügig überschritten werden konnten. Eine gute Haltung zeigten besonders Kaliaktien, deren Bewegungen wie folgt verliefen: Wintershall 195— 192— 200— 198½ Prozent, Salzdetfurth 365½— 374 Prozent, Kaliwerke Aschersleben 215— 211— 218 Prozent. Volksleben und Wirtschaft ha. 1,3 Millionen Beamte der öffentlichen Verwaltung. 1 304 708 Personen beschäftigt die öffentliche Verwaltung in Deutschland. Zusammengefaßt sind die Hoheitsverwaltungen des Reichs und der Länder sowie der Kämmereiverwaltungen der Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern und der Gemeindeverbände. Bei den Gemeinden von Oldenburg, Preußen, Waldeck und Schaumburg=Lippe sind auch die Volksschullehrerpersonen gezählt, die in Eigenschulverbänden von Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern und in Gesamtschulverbänden tätig waren. In den kleineren Gemeinden sind außer den Lehrpersonen nur wenige Personalkräfte als Beamte oder Angestellte hauptberuflich tätig. Von der Gesamtzahl kommen auf planmäßige Beamte 690 852, auf außerplanmäßige Beamte und Beamtenanwärter 79233, auf Angestellte für dauernde Verwaltungszwecke 155 663. Zusammen sind dies 925 748 Beamte und Angestellte. Dazu kommen Militärpersonen, die Ossiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Reichsheeres und der Reichsmarine, 231 675 Arbeiter für dauernde Verwaltungszwecke sowie 33 180 nebenberuflich oder ehrenamtlich tätige Personen. ha Neue Eilzüge im Westen. Neue Wochenendzüge werden im Westen am 15. Mai eingerichtet. Vor Conn= und Feiertagen geht ein Eilzug von Wanne=Eickel 11,22, Gelsenkirchen 11.30, Essen 11.55, Duisburg 12,19, Düsseldorf 12,43, an Köln 13,21, Koblenz 15.08; zurück von Koblenz 17,15, an Köln 18.51, Düsseldorf 19,49, Duisburg 20,18, Oberhausen 20,28, Gelsenkirchen 20,54, Wanne 21,03. Vor Sonntagen geht ein Eilzug von Barmen=Rittershausen 12.13, Barmen 12,18, an Elberseld 12,23, Köln 13.16, zurück von Köln an Sonntagen 23,36, an Elberfeld 0.29, Barmen 0.35, Rittershausen 0.40. ha. 3 Millionen Reichsrentner. Die Zahl der Reichsrentner hatte 1925 2797482 betragen. Anfangs 1929 war sie bereits auf 3096017 und erreichte zu Anfang dieses Jahres 3239 407. Davon kommen auf Invalidenrenten 1998610, Krankenrenter 20 264, Altersrenten 50 620, Witwen= und Witwerrenten 486 644, Witwenkrankenrenten 2304, Waisenrenten 690 965 mit 471 666 Waisenstämmen. Die Last der Leistungen stieg von 1924 bis 1929 von 371 auf 1225 Millionen. Im letzten Jahr trugen die Versicherungsträger 845 Millionen während das Reich 380 Millionen zu tragen hatte. Die Invalidenrenten beanspruchten 836 Millionen, die Waisenrenten 131, die Witwen= oder Witwerrenten 121, das Heilverfahren 90, die Altersrenten 20, die Steigerungsbeträge für Wanderversicherte 12, die Krankenrenten 7, Mehrleistungen 3, die Invalidenhauspflege 1 Million usw. #, inten die weiterzahlen denn jedes MEEK Unserer Korrektion ist eine Leistung 7.50 un modernen Tweede u. Hierrenstossen 19.30 12.50 9.78 aus Stoffe ele gunn eoelicher Art, Fleur de lalne u. Tpeed, 39.00 35.00 29.50 Roman von Iritz Gantzer Erdgebunden Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle(Saale) 18. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ein wustes, gurgelndes Stöhnen enzquoll seinem Munde. Seine Arme öffneten sich. Liane glini auf ihre Füße. Sie preßte sich gegen die Wand und starrte die Heimgekehrte an, wutverzerrt in dem zerwühlten Gesicht Einen Augenblick lang stand Karl Beck in einer Art Starre, in Benommenheit all seiner Gedanken. Dann stürzte er mit einem wehen Aufschrei zur Tür. und floh hinein in die matte Dunkelheit der nebelverhangenen Nacht Ueber den Hof jagte er, nicht bemerkend, daß sich eine dunkte Gestalt von dem Scheunengiebel löste und ihm folgte I Grasgarten hinein, hinab zum Teich. nach Steig hinüber, zum Acker Keuchend. flimmernd in den Atemzügen. verlangsamte er seine Schritte. wollte etwae denken, wollte sich auf die Erde werfen, sich mit den Hän den hineinkrallen in ihre Ackerkrume und aufschreien vor Scham und Wev. 944 8. Da hallte ein Flintenschuß durch die Nacht. Rult Becks Schulter zerwühlte ein stechender, brennender Schmerz. Er kam noch zwei, drei Schritte weit, springend taumelnd Dann stürzte er zu Boden Dort. wo einst ein Flugzeug im Halmenmeer eines Weizenschlages sich in die Erde gewühlt... Es ist gut, daß Sie früher zurückkommen, als ich gedacht hatte“, sagte Doktor Zagewcza am Nachmittag des nächsten Tages zu Anna, die ihn mit blassem Gesicht und schwarzumränderten Augen in seinem Sprechzimmer gegenüberstand.„Die Auflösung Ihres Schwagers wird schneller erfolgen, als ich eigentlich glaubte. Er wird wahrscheinlich den kommenden Tag nicht mehr erleben Und Ihre Bibel— ja, ich sehe, daß Sie mit leeren Händen gekommen sind— nun. die würden Sie auch kaum noch gebraucht haben. Und nun gehen Sie nur zu ihm... Seit dem Morgen schon fragt er nach Ihnen. Ja, Anna kam ohne Mertens Bibel Voll wirren, wilden Sinnes war sie von der Schwelle des Hauses weg den Weg nach Schneidemühl zurückgelaufen. Nichts anderes mehr denkend, als nur noch das eine:„Zu Merten heim! Und dann mit ihm zusammen sterben!“ Und nun war sie bei ihm. Er tastete sofort nach ihrer Hand. fragte nicht nach der Bibel, sondern hatte auch nur das Empfinden: Sie bei mit, und nun, mich an ihre Hand klammernd, hinüber in das andere Land Er wußte, daß ihm auch die Propheten nicht mehr helfen konnten. Er war sichtlich schwächer geworden und noch mehr verfallen. Das Sprechen wurde ihm sauer. Und doch hatte er Anna noch so viel und so Inhaltschweres zu sagen, ebe er den letzten Atemzug getan Er wußte, daß ihm nicht mehr viel Zeit gelassen war, zu ihr zu reden. „Es wird nun bald zum Scheiden kommen. Anna sagte er.„Da mußt du wissen, wie es sein soll, wenn ich tot bin. Es ist schnell gesagt. Und was ich dir heute nicht mehr so ausführlich erzählen kann, das wirst du von dem Notar Ellermann erfahren. Der hat mein Testameni aufgeschrieben. Und in ihm steht als Hauptsache: der Hellwighof gehört nach meinem Tode dir. Deine Schwester bekommt nur die ihr gesetzmäßig zustehende Abfindungssumme. 6 Hier schwieg er. Etwas, was nicht aus schwachen Kraften des Leibes her allein sein Verstummen begründete. sondern was als ein letztes Auflehnen der Seele gegen sein Geschick mit veranlassend war, machte ihm das Sprechen schwer. Eins steht nicht in meinem Testament; das konnte nicht mit hinein, weil es nicht hineingehört. Das sind Herzenssachen. Meine und deine. Und eines dritten. Des Becks Sachen. Ich habe es dir schon mal gesagt. Anna. und du bist mir gram gewesen damals. Aber ich muß es dir nun doch noch einmal sagen vor meinem Dahinfahren Der Beck soll Bauer werden auf dem Hellwighof Und du wirst ihn gern als deinen Bauer nehmen. Denn du hast glitt Anna von ihrem Stuhl hernieder und sank vor dem Bett in die Knie. Drückte ihr Gesicht gegen die Kante der Lagerstatt; krampfhaft zuckte ihr Körper. „Merten!“ stöhnte sie auf... und zitterte. Und fuhr „Nimm mich mit, Merten. Ich kann nicht mehr leben!“ „Was redest du. Anna? Stehe auf. Sieh mich an. Ich will deine Augen sehen. Ja, sage: Was redest du?“ Sie hob ihren Kopf in scheuer, langsamer Bewegung „Merten!" Ihre Augen schwammen in Tränen. Das Leid ihres Herzens redete aus diesem von Tränen schweren Blick. Merten ahnte, verstand. Seine schon heimwärts gleitende Seele blickte tiefer, als die erdgebundene Fähigkeit eines Weisen mit tausend Weisheiten „Du hast Schlimmes daheim gesehen", sagte er „Frauenaugen, die so aussehen, wie die deinen jetzt, sagen. oaß sie um ihre Liebe beirogen sind... Es ist so. Sage mir. daß es so ist, meine liebe Anna.“ „Ja. Merten“ Die beiden Worte, von dem Leid einer Menschenseel umkleidet, aus Tiefen des Leids her gevoren, rissen Mer ten Hellwigs Seele noch einmal in das Tal der Menschen zurück ließen ihn noch einmal einen letzten Gang über die Erde iun Er legte seine Rechte mit einer zarten Bewegung auf Annas Scheitel. „Es wird so sein: Sie, deine Schwester, denn es kann sich nur um sie handeln, hat ihn betört Anna. Kind. ein Mann soll sich nicht betören lassen Aber der Mann ist schwach, wenn es um das Weib geht Ich weiß es Dann fällt er; dann vergißi er, daß er der Stärkere sein soll Aber Anna: wenn er sich an deiner Liebe nicht mit seinem Mannestum versündigt hat, wenn er nicht sein Heiligstee weggeworfen hal, dann wirst au es ihm vergessen können“ Es war lange still zwischen ihnen Sie verharrten regungslos in der Berührung zwischen ihrem Kopf und seiner Hand. Und es war Anna, als wenn eine beruhigende Wirkung von ihm ausging. Und dann sagte Merten endlich: „Wer vor seinem Ausgang aus der Welt steht, wie ich nun, der lächelt über diese Welt. Sie ist ein Irrgarten Sie hat tausend Unzulänglichkeiten Man muß den Blich über sie hinwegheben Dann wird man mit ihr fertig Nur wer sich binden läßt, kann gebunden sein Ja. Anna, allee Erdgebundene ist Freiheit, wenn man frei sein will Und nun gib mir deine Hand, und sage mir eins: Willst du frei sein? Groß? Größer als die Welt? Freier als die Erdes Dann vergib!“ Beider Hände lagen ineinander. Und Anna sagte leise: „Ich will versuchen, frei zu werden. Merten.“ „Du wirst es nicht bereuen. Ich glaube an dein Glück auf dem Hofe der Hellwigs“ In der Stille der nächsten Viertelstunde nahmen sie Abschied voneinander. Sie glitten mit ihren Gedanken durch eine Zeit gemeinsamen Erlebens und gemeinsamen Kämpfens Sie fanden sich zusammen in der Erkenninis was sie sich einander gewesen Sie wußten viel von heimlichen Regungen ihrer Seelen Sie gingen durch manchee tiefe Tal des Schattens Aber sie sahen auch hier und vort freundliches Sonnenlicht. Und nun glin sie eben noch einmal in das Gemach: die wirkliche Sonne; spannte einen hellen Streifen über dae letzte Lager eines Dulders und verklärte seinen Abschied von der Welt. Ich gehe dahin“, sagte Merten leise, schon mühsam die Worte formend...„Auch hier in Bromberg ist deutsche Erde; aber sage doch dem Notar Ellermann das als meinen letzten Wunsch: Ich möchte in Peluschken begraben sein Ach. Anna, auch die Nähe der Himmelstür kann es nicht machen, daß der Mensch sich ganz von der Erde löst.. Erdgebunden bis zum letzten Atemzuge So ging er hin; im Dämmerlicht des sinkenden Tages Als die Welt still wurde und am Abendhimmel der erst Stern aufleuchtete. ** —* In Peluschken erzählte man: Hellwig ist tot. Der Notar Ellermann in Schneidemühl sitzt nun dahinter. Es soll nicht mir rechten Dingen zugegangen sein Er hat es geschafft. die Leiche herüberzubekommen. Sie ist geöffnet worden Und gegen den Doktol in Bromberg soll das Verfahren wegen Mord eröffnet werden, wenn die polnische Regierung es zuläßt Und Hellwigs Frau ist verschwunden. Sie soll mit einem aus Schneidemühl ausgerückt sein. Mit einem Polen. der manchmal auch hier in Peluschken gewesen ist. Ja, und der Flieger von damals Hellwigs Verwalter. Dem Czibulka sagt man es nach, daß er geschossen hat Aber der Kerl ist über die Grenze Es war nur gut, daß damals Ließmanns Karl den Schuß gehört hat und gleich nach Wichmanns Steig hinüberlief... Sonst... Wer weiß Aber es soll dem Flieger. der Verwalter bei Hellwigs war, ja nun schon besser gehen. Gestern sagte einer, der im Krankenhause in Schneidemühl war, daß keine Gefahr mehr vorhanden ist. Na, und Hellwigs Anna soll ja den Hof wlegen. Da wird sie sich bald einen tüchtigen Bauern suchen müssen. Man hatte in Peluschken viel zu erzählen... Anna zauderte lange. Sie zerwühlte sich die Seele fast, bis sie zu dem Entschluß kam: ich will zu ihm gehen. Sie fand ihn schon im Stuhl sitzend. als die Schwester sie zu ihm in das Zimmer geführt hatte. Er war bis tief in sein innerstes Herz hinein erregt, als er sie erblickte. Sekundenlang verharrte sie regungslos an der Tür. Dann lösten sich ihre Füße und sie kam mit festen Schritten Er hieli den Kopf gesenkt. Eine Welle von Scham und Bitternis, Süße und Seligkeit flutete über seine Seele. Er wartete voller Sehnsucht auf das erste Wort aus ihrem Es blieb lange ungesprochen. Sie sah noch einmal ein wüstes, häßliches Bild, das sie in dieser Schärfe der Wiederkehr nicht mehr erwartet... Aber dann verrann es... Willst du größer sein als die Welt, freier als die Erde, ann vergib!, eam anderen Can Merten nahm sie noch einmal, aus dem unveren Lunde her, das keine Gebundenheiten kennt, an die Hand. Und nun stieg es in Freiheit und Glanz zu ihr hernieder, dies erlösende, den Weg weisende, helfende Wort: Liebe! Sie streckte ihm ihre Hand hin. „Schlag' ein, Karl. Laß uns rechte Liebesleute sein, die einander tragen und helfen wollen, wenn es ihnen die Erde einmal schwer macht.“ Er umschloß ihre Hand mit seinen beiden Händen, und neigte seinen Mund nach einer Stelle, wo ein winziges Fleckchen ihrer Haut sich hervorstahl... Anna!“ E.„ Eine tiefe Rührung machte tore Seele heu. „Netn. nicht so. Karl“, sagte sie in der frischen Herzhaftigkeit eines erlösenden Entschlusses.„Nun laß uns auch wie rechte Brautleute sein.“ Sie befrette ihre Hand aus der Verschlingung durch die seine und legte sie samt der anderen an seine Schläfen, sah ihm lange in die Augen, und neigte sich zu seinem Mund hinab und küßte ihn. Die reine Welle der Liebe flutete durch beider Seelen. Der Liebe, die wie ein Stern über dem Dunkei aller Niederungen leuchtet, die Blumen gleicht deren Samen voin Himmel fiel. Die Liebe, die nicht erdgebunden ist. Ende. Der famost Tip. Sporthumoreske von Karl Lütge. (Nachdruck verboten.) Da alle Welt wettete und zum Rennen ging, so wettete auch Osmar Datterich und stob zum ersten Rennen, das sich auf dem grünen Rasen zutragen sollte. Er hatte etwas läuten hören. daß„Siegerin“ das große Rennen aller Voraussicht nach gewinnen mußte, und da er das aus ganz sicherer Quelle, von einem angeblichen Jocket, dem er drei Schnäpse bezahlt und zehn Mark gepumpt hatte, wußte, schwor er darauf. Der Rennbahnzauber offenbarte sich dem Neuling Datterich in übersüllten Straßenbahnen, gequetschten Rippen, zerdrücktem Oberhemd, eingebeultem Hut, sehr viel Staub. Drängeln. Schreien und Stoßen. Da sich das aus dem Rennplatz gehörte, gebärdete sich Osmar Datterich aufgeregt und wichtig, und horchte im übrigen herum bei Bekannten und Freunden, was sie zu„Siegerin“ meinten.„„a„ „Meinen Sie nicht, daß vor auem„Otheub e“ fragte er scheinbeillg.„„ s2##, Mm „Othello“s!—„Stegerin!. hieß es entruster, vver:„Im Vertrauen: nur„Siegerin“!!“ Osmar Datterich hatte ein überlegenes Lächeln. „Ta sind Sie schön auf dem Holzweg!„Siegerin“?! Mal im Vertrauen; aber bitte ganz unter uns: Wissen Sie, ich kenne den Rummel und weiß, was heute los ist! Weil alle auf Sieger'n“ setzen, soll das Pferd nichts machen. Damit die Quote bei dem wirklichen Sieger... Verstehen Sie!?“ „Hmn. Hm.— Donnerwetter!“ Der Hieb saß. Osmar Dutterich war zufrieden mit dem ersten Patienten. Beim zweiten gelang es ihm ebenso gut. „Haben Sie schon gehört? Weil alles auf„Siegerin“ setzt.. „Danke... Danke, lieber Freund! Sehr liedenswürdig! sagte der Brave und eilte davon, um das Gehörte gleich seinem „uder und seinen Freunden mitzuteilen. Osmar Datterich kümmerte sich nicht um das erste Rennen: er hatte hinreichend zu tun, möglichst vielen Leuten die Geschichte von der„Siegerin“, die keine Siegerin werden konnte, zu erzählen. So verpaßte er die meisten Rennen, setzte endlich einmal falsch, einmal strohdumm(wie ein Bekannter sagte, und hatte schließlich, als es soweit war, um am Toto auf„Siegerin alles zu setzen, lumpige achizig Mark verfügbar. Das lohnt nicht. Er mußte ordentlich rangehen bei„SieVon dem Bekannten, der ihn in Verkennung seiner genialen Wetteigenschaften strohdumm genannt hatte, lieh er sich für das Hauptrennen dreihundert Mark. Der tat es, da er gut verdient hatte und sich für Datterichs Tip bezüglich der„Siegerin“ die keine Siegerin sein konnte, erkenntlich erweisen wollte. Es war von Osmar Datterich eigentlich nicht schön, sich gerade diesen Bekannten auszusuchen, und er wollte den lieben Freund— diesmal in noch strengerem Vertrauen— richtig aufklären. Doch dann ließ er es, da ihm das„strohdumm“ einfiel. Das große Rennen wurde eingeläutet. Erwartung, Spannung, Erregung, Ungeduld. Fieber flutete für Minuten über die Tausende. Ueber den Sand stoben die Akteure. Rufe trieben an. Ruse schrien nieder.„ Ices „Siegerin! Siegerin!!“ brüllte 4#smar Dullerich wie besessen, da er gehört hatte, daß man dies in Rennekstafe tue. Er schrie sogar noch, als das Rennen längst vorüber war und beruhigte sich erst, als er anzügliche Reden zu hören beDa kam der gute Freund, der ihm die dreihundert Mark geliehen hatte, und haute ihm glückstrahlend eine auf die Schulter: „Famos, alter Kerl! Darauf müssen wir gleich'ne Pulle Wein trinken, was?“ Osmar Datterich war großmütig genug, den angebotenen Arm des anderen zu nehmen. „Wenn Sie durchaus wollen!“ „Na, ich danke, das gehört sich! Für den famosen Tip!? „Na, ich wäre sonst wie die meisten anderen auf„Siegerin“ reingefallen! So habe ich auf„Othello“ gesetzt, und der hat es blendend gemacht!“ Osmar Datterichs Gesicht verzerrte sich. Ot.:: Ot.:: Siegft.... Aesla# 6. „Was haben Sie denn? Naturlich„Ochenv. Den haben Sie doch auch... Uebrigens, die dreihundert Emm kann ich wohl gleich zurücktriegen!“ Osmar Datterich wurde grün und blau im Gesicht. „Aber was haben Sie denn? Wir haben doch beide glänzend abgeschnitten durch Ihren famosen Tip!— Oder wollen Prov gie mich mit dem verfluchten Tip in Frieden! Sie na, nal Was haben Sie denn?— Siell Sie daben Mit wütendem Gescht sluchtarig verligz, Giaase Datterich den schadenfroh grinsenden Freund und die ungase Einen Tip gab er niemals jemand mehr, und wenn ihm temand einen Tip geben wollte, dann wurde er grob. Stieger im Kampfe mit Kaubbogeln. (Nachdruck verboten.) Die großen Steinadler, die Könige der Luft, die im Oberland einen Bären angefallen haben, sind auch eine Gefahr für die Flieger, die ihren Weg uver das Hochgebirge In einem englischen Blatt erzählt Harry Harper allerlei Abenteuer, welche Flieger mit diesen Raubvögeln zu bestehen hatten. Besonders gefährlich sind die Berge in Griechenland, wo die Flieger hoch in den Lüften von Adlern angefallen werden. So wurde kürzlich ein Flieger von mehreren dieser Raubvögel angefallen. Ein Adler, der gegen die Propeller anflog, wurde getötet. Dabei wurde auch die Maschine so stark beschädigt, daß der Flieger landen muß#e. Nächst den griechischen Bergen ist in Europa die größte fahr in den Pyrenäen. Bei einem Fluge von Paris nach Madrid wurde die Maschine geraume Zeit von eigem, Mle, begleitet. Eine Bewegung des Fliegers mit dem dem Adler schon auf, der nun auf den Piloten loskam. Dieser jedoch zog seinen geladenen Revolver, und als der Adler nahe genug bei ihm war, gab er einen Schuß auf Raubvogel wurde nicht getroffen, war schrocken, daß er die Verfolgung aufgab und davonflog. aus den Anden Südamerikas werden Ueberfälle von Adlern auf Flugzeuge gemeldet. M. N. Was der Laie Unberechtigter Anspruch auf Vermittelungsgebühr. Ein Kaufmann führte einen seiner Kunden, der ein Hypothekendarlehen suchte, einem Bankgeschäft zu, mit dem er selbst in Geschäftsverbindung stand. Indessen erhielt der Kunde das gewünschte Darlehen nicht. Einige Zeit später erschien derselbe Kunde wieder in der Bank, ließ sich dort ein Konto errichten und tätigte in der Folge Käufe und Verkäufe von Effekten. Der ersterwähnte Kausmann war der Meinung, er habe der Bank einen Kunden zugeführt, und ihm stehe daher ein Anspruch auf Provision von dem Gewinn zu, den die Bank bei den Effektenkäufen und=Verkäufen erzielt habe. Da die Bank sich weigerte, zu zahlen, so strengte der Kaufmann gegen sie Klage an auf Rechnungslegung über sämtliche Börsengeschäfte, die sie mit dem von ihm zugeführten Kunden getätigt habe. Der Anspruch wurde jedoch vom Kammergericht abgewiesen. Das Hypothekengeschäft, so heißt es in den Gründen, um dessentwillen der Kläger den Kunden der beklagten Bank zugeführt hat, ist nicht zustande gekommen. Für die Effenktengeschäfte ist der Bekannte des Klägers selbständig Kunde des Bankgeschäfts geworden. Diese Geschäfte hatte der Kläger weder vermittelt, noch hat er die Gelegenheit zu ihrem Abschluß nachgewiesen. Es gibt nun aber keinen Brauch des Inhalts, daß ein Kaufmann einen anderen Kaufmann an einem Gewinn beteiligen müsse, den er dadurch erzielt hat, daß er den Kunden durch den Kaufmann kennen gelernt hat. Danach fehlt dem Klageanspruch die erforderliche vertragliche Grundlage.(Kammerger., 2 U. 13 888. 28). Berufsschulpflicht. Rechtsungültige Ortssatzung. Der Vater eines 18jährigen Mädchens war unter Anklage gestellt worden, weil er — entgegen den Bestimmungen der Ortssatzung— seine Tochter nicht in die Berufsschule geschickt hatte. Der Angeklagte war auch verurteilt worden, doch machte er in seiner Revision gegen das Erkenntnis geltend, die Ortssatzung sei rechtsungültig, da sie nicht ordnungsgemäß veröffentlicht worden sei. Das Kammergericht erachtete das Vorbringen des Angeklagten für begründet und sprach ihn frei. Wenn auch in Preuden keine allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen über die Notwendigkeit und die Form der Verössentlichung von Ortsgesetzen bestehen, so ergibt sich doch die Notwendigkeit der Veröffentlichung schon daraus, daß niemand eine Rechtsnorm gegen sich gelten zu lassen braucht, von der Kenntnis zu nehmen ihm unmöglich oder nur unter nicht zumutbaren Bedingungen möglich ist. Im vorliegenden Falle dürfte sich das Erfordernis der Veröffentlichung auch daraus ergeben, daß die Ortssatzung selbst als den Tag des Inkraftretens den Tag der Veröffentlichung bezeichnet, also selbst die Veröffentlichung als notwendige Vorbedingung der etütistet unscht. Weiter ist zu untersuchen, in welcher Form die Veröffentlichung zu erfolgen hat. Der Vorderrichter hat in dieser Beziehung festgestellt, daß das Statut vom Bezirksausschuß genehmigt und in der Weise veröffentder Rechtspflege licht wurde, daß das Inkrafttreten durch Anschlag an den Anschlagsäulen, sowie durch Anzeige im Kreisblatt bekanntgegeben ist. Es bleibe den Beteiligten überlassen, so hieß es in der Ankündigung, sich über den Inhalt der Satzung durch Einsichtnahme auf dem Magistratsbüro zu unterrichten.— Es ist jedoch nicht statthaft, die Bekanntgabe gewissermaßen in zwei verschiedenen Stücken vorzunehmen, indem man die Tatsache des Erlasses des Statutes durch Zeitung oder Anschlag bekanntgibt, dabei aber den Inhalt der Bestimmungen vorenthält und es der Allgemeinheit überläßt, weitere Schritte zu unternehmen, um sich die Kenntnisse des Inhalts der Vorschriften zu verschaffen. Ein Anheimstellen, die Ortssatzung auf dem Magistratsbüro einzusehen, bedeutet höchstens eine Offenlegung, aber keine Veröffentlichung.(Kammergericht 4. S. 108. 29). Unrichtige Beratung in Aufwertungsfragen. Schadenersatzpflicht des Rechtsanwalts. Auf dem Grundstück des Klägers waren für einen Gläubiger Aufwertungshypotheken eingetragen. Der Kläger hatte die Hypotheken durch seinen Rechtsanwalt in drei Monaten kündigen lassen, indessen war ihm am Fälligkeitstage, dem 5. August 1928, die Zahlung des Kapitals noch nicht möglich. Er fragte daher seinen Rechtsanwalt, ob er zum 1. Oktober 1829 die üblichen Aufwertungszinsen an den Gläubiger pünktlich absenden müsse, worauf der Rechtsanwalt antwortete, das sei nicht nötig; Kläger könne die Zinsen später mit dem Kapital zusammen zahlen.— Nun war aber im Jahre 1918 vereinbart worden, daß der Gläubiger die Auszahlung der Hypotheken sofort, ohne Wahrung einer Frist, verlangen könne, falls die Zinsen nicht jeweils innerhalb 10 Tagen nach der Fälligkeit gezahlt würden. Infolgedessen forderte der Gläubiger, als die Zinsen bis zum 10. Oktober nicht in seinen Händen waren, am 11. Oktober sofortige Rückzahlung des ganzen Kapitals, ohne den sonst im Art. 21 der Durchführungsverordnung zum Aufwertungsgesetz vom 29. November 1925 gestatteten Abzug von Zwischenzinsen zu gewähren, da das an sich nach dieser Bestimmung dem Hauseigentümer zustehende Recht, das Aufwertungskapital bei vorzeitiger Zahlung um Zwischenzinsen in Höhe von 8 Prozent zu kürzen, im Hinblick auf den Verzug des Hauseigentümers erloschen sei.— Der Rechtsanwalt des Hauseigentümers widersprach sofort der Auffassung des Gläubigers, weil der Zinszahlungsverzug seines Auftraggebers auf das rechtliche Schicksal der schon im August fälligen Hypotheken und auf das Recht des Hauseigentümers auf Zwischenzinsabzug keinen Einfluß ausüben könne. Gleichzeitig kündigte er Rückzahlung des Gesamtkapitals „unter Vorbehalt der Rückforderung des gesetzlichen Zwischenzinses" an. Hierauf erklärte der Gläubiger, er wolle entgegenkommenderweise, um einen Prozeß zu vermeiden, einen Nachlaß auf den Aufwertungsbetrag gewähren, sodaß der Hauseigentümer doch nur einen Teil des Zwischenzinses einbüße. Auf Anraten seines Rechtsanwalts nahm der Hauseigentümer diesen Vorschlag an. Nachträglich aber reute den Hauseigentümer der Vergleich. Er war der Meinung, sein Rechtsanwalt habe ihn falsch beraten, wissen muß? und mit der Behauptung, die Ratschläge des Anwaltes seien unsachgemäß gewesen, klagte er gegen den Rechtsanwalt auf Schadenersatz. Das Reichsgericht hat den Anspruch des Klägers gebilligt. Der beklagte Rechtsanwalt habe zunächst dem Gläubiger gegenüber einen ganz richtigen Standpunkt eingenommen, indem er Zahlung des Kapitals unter Vorbehalt der Rückforderung des Zwischenzinses anbot. Als er jedoch— abweichend hiervon— den Hauseigentümer zur Annahme des Vergleichsvorschlages veranlaßte, vernachlässigte er die Interessen seines Auftraggebers unter Außerachtlassung der verkehrsgebotenen Sorgfalt. Bei ruhiger Ueberlegung durfte er den günstigen Ausgang eines Prozesses des Hauseigentümers gegen den Gläubiger bezüglich der 8 Prozent Zwischenzinsen nicht für zweifelhaft halten. Seine Stellung als Rechtsbeistand des Hauseigentümers verpflichtete ihn zu einer gründlichen Prüfung des Streitstoffes, bevor er seine, wie er wußte, für den Kläger maßgebliche Meinung äußerte und ihm die Opferung einer erheblichen Summe empfahl.— Auch der Rat des beklagten Rechtsanwalts, Kläger sollte die Zinsen nicht bei Fälligkeit am 1. Oktober 1928, sondern später zusammen mit dem Kapital zahlen, wird nicht zu Unrecht von dem Kläger beanstandet, denn der Beklagte mußte als Rechtsanwalt wissen, daß ein Schuldenverzug stets mit Gefahren verknüpft ist, deren Umfang sich nicht immer im voraus übersehen läßt.(RGer., III. 58. 29.) Ist von„Strafgeldern“ Lohnsteuer zu zahlen? Hat sich in einem Dienst= oder Arbeitsvertrage der Arbeitnehmer einer Vortragsstrafe unterworfen, so wird bei Verrechnung der Strafe anzunehmen sein, daß die Vergütung an sich verdient ist, und daß sie in Höhe des Straf=Betrages aufrechnungsweise getilgt wird. In steuerlicher Hinsicht ist aber zu bedenken, so meinte der Reichsfinanzhof, daß Lohnsteuerpflicht regelmäßig nur für den Betrag entsteht, der zur Auszahlung kommt. Ausnahmsweise kann Zufließen des vollen Lohnbetrages und Lohnsteuerpflicht in voller Höhe verrechnet werden, z. B., wenn der Arbeitnehmer dem Arbeitsgericht Geld unterschlagen hat und dies bei der Lohnauszahlung durch Lohnabzug ausgeglichen wird. Hier kann der volle Lohnbetrag als zugeflossen gelten.— Anders liegt der Fall, wenn auf Grund von Abmachungen„Strafgelder“ wegen Verfehlungen im Betriebe vom Lohne in Abzug kommen, auch wenn dabei zunächst der an sich verdiente Lohn berechnet und in Lohnlisten, zugleich mit dem Strafgeldbetrag, aufgenommen wird. Hier besteht kein Bedenken, eine Lohnminderung in dem Sinne anzunehmen, daß nur der gekürzte Lohnbetrag als zugeflossen gilt und hierdurch nur aus dem gekürzten Betrag der Lohnsteuer zu erfolgen hat.— Noch anders liegt der Fall, wenn dem Arbeitnehmer Beiträge zu gesetzlichen Versicherungen vom Arbeitslohn in Abzug gebracht werden. Da handelt es sich um Verwendung von Lohn für den Arbeitnehmer. Ihm ist daher auch der abgezogene Betrag, weil für seine Zwecke verwendet, zugeflossen. In einem solchen Falle ist also Lohnsteuer abzuziehen.(R.=Finanzhof VI A. 1609, 29.) 1— Jahrgang Nr. 80 Unterhaltungsblatt zur„Schwerter Zeitung“ Froitag, 4. Aprl 1930 Wie man früher Schulmeister wurde Die Geschichte unserer Landschulen ist in ihren Anfängen nur wenig bekannt. Hin und wieder hören wir in der Zeit vor der Reformation davon, daß die Küster oder Vikare sich der lieben Jugend angenommen haben. So entstanden die Kirchspiels= oder die Küsterschulen. In der von Gerhard Oemeken im Jahre 1532 verfaßten Kirchenordnung für Soest und die Börde wird den Küstern zur Pflicht gemacht, die Kinder im Singen zu unterweisen. Auch sonstiger Unterricht sollte erteilt werden. In einer späteren Kirchenordnung von 1575 wurde geklagt, daß diese Forderung in der alten Kirchenordnung nur „schwache Nachfolge“ habe, und die Visitation von 1608 zeigte viele„Gebrechen". Am 19. Mai 1609 erließ der Rat der Stadt eine neue Kirchenordnung, in der den Küstern die Unterweisung der Jugend zur Pflicht gemacht ward, „bei Verlust ihres Küsteramts:„Kein Küster soll gelitten werden, der nicht Schule hält oder halten kann.“ Superintendent Johannes Schwartz, Pfarrer an St. Thomae in Soest, gibt im 14. Kapitel seiner„Christlichen Instruktion“(1628) genaue Anweisungen über den Betrieb in den Küsterschulen. Als Unterrichtszeit wird festgesetzt„im Sommer morgens von 6 bis 9 und mittags von 12 bis 3, im Winter morgens von 7 bis 10 und mittags von 12 bis 3 Uhr". Sie sollen„die liebe Jugend lehren recht buchstabieren, lesen und schreiben, daneben auch allewege mit Andacht lassen singen...“ Im heutigen Kreise Soest, auf den wir uns hier beschränken wollen, hatte Dinker schon 1580 eine Kirchspielschule. Sie befand sich in einem alten Hause, das„die Kluse“ genannt wurde. Lehrer war Diedrich Nüsken, wohl ein Einheimischer, vermutlich ein Bruder des Pfarrvikars Gottfried Nüsken(1585 bis 1591). Er wurde„als Schoolmeester vor een Gehalt vor 6 olden Dalers gemeddet.“ Es war das ein damals weit verbreiteter Brauch, daß nicht nur die Schulmeister, sondern auch die Geistlichen gleich den Viehhirten, jährlich neu gemietet wurden. Der Gemielete erhielt einen„Weinkauf" von zwei Groschen. Die Gemeindeversammlungen fanden gewöhnlich um Fastnacht statt. Schulmeister und Dorfhirt hatten dabei zu erscheinen, und es wurde darüber beschlossen, ob man sie behalten oder andere mieten wollte, die weniger haben wollten. Es gab bei uns auch schon verhältnismäßig früh Landschulen, die keine Kirchspielsschulen waren. So heißt es im alten Lagerbuche der Börde 1608 von Opmüden: „Der Lehrer Wilm Koester, alias(sonst) der alte Brasse, ein Leibzüchter, nährt sich von den Kindern als Schulmeister und kriegt von jedem Kinde jährlich drei Reichstaler.“ Auch in Stocklarn gab es 1691 schon eine Schule; sonst hätte die dortige„Schulmeistersche“ nicht Gevatterin sein können. Im übrigen ist von der Geschichte der Schulen in den Außendörfern nur wenig bekannt. Als Schulmeister wurden Invaliden, Handwerker, ehemalige Bediente und dergl. gewählt. Die Schneider hatten überall den Vorzug. Am 2. Mai 1736 erließ König Friedrich Wilhelm I. von Preußen(1713—1740) eine„Deklaration, daß die Dorsküster und Schulmeister, welche das Schneiderhandwerk als Meister betreiben, mehr nicht als zwei Gesellen halten, auch keine anderen als Bauernkleider verfertigen sollen.“ Uebertretungen sollen mit fünf Talern Strafe geahndet werden. Friedrich der Große(1740—1786) wandte den Landschulen seine besondere Aufmerksamkeit zu. Nach einem Berichte des Kriegs= und Domänenrates Propff in Hamm vom 28. April 1775, der„Von der Aufnahme und Verbesserung des ländlichen Schulwesens" handelt, wird die Notwendigkeit tüchtiger Schulmeister betont, da es„mehrenteils Leute sind, die kaum lesen, selten aber schreiben können und dabey zu anderen Handthierungen entweder als Krüppels oder als Faulenzer unfähig sind.“ Bernhard Heinrich Honcamp, der von 1797—1859 Lehrer in Welver war, hat uns in ergötzlicher Weise geschildert, welche Vorkenntnisse von den Schulmeistern jener Zeit verlangt wurden. Sein Vater, ein kleiner Ackersmann in Anröchte, war in mißliche Vermögensverhältnisse geraten und bewarb sich auf den Rat des Pfarrers um die katholische Lehrerstelle in Anröchte. Er konnte nicht nur lesen, sondern auch leidlich leserlich, wenn auch nicht orthographisch richtig, schreiben, und im Rechnen war er so bewandert, daß er„durch Division hohe Türme zustande bringen“ konnte. Die Wahlfähigkeitsprüfung vollzog sich wie folgt: Pfarrer:„Meister Peter, betet einmal das Vater unser!" Er tut es. Pfarrer:„Betet auch das apostolische Glaubensbekenntnis!" Auch das kann er. Pfarrer:„Wie heißen die 10 Gebote Gottes und die 5 Gebote der Kirche?“ Er sagt sie ohne Anstoß her. Pfarrer:„Kennt Ihr die sieben Sakramente, die sieben Hauptsünden, die acht Seligkeiten?“ Er kennt sie alle. Pfarrer:„Meister Peter, Ihr seid von jetzt an Magister in Anröchte, Ich gratuliere!" Als dann am 19. Juli 1795 in dem ehemaligen Augustinerinnenkloster zu Rüthen durch Pfarrer Sauer die Normalkurse für die Fortbildung der Schulmeister eingerichtet wurden, da versammelten sich, wie Honcamp in seinen Aufzeichnungen weiter erzählt, die Lehrer der Umgegend vor Angst und Schrecken bei meinem Vater in Anröchte, um zu beraten, was dagegen anzufangen sei.„Sie wollen eine neue Lehr' anfangen,“ sagte da einer, „die nennen sie Methose(Methode). Da soll dann ein großes, schwarzes Brett in der Stube aufgehängt werden, und der Lehrer soll etwas darauf schreiben und es mit einer langen Vitsbohnenstange den Blagen weisen.“„Das wäre so übel nicht,“ meinte ein anderer,„mit einer solchen Stange könnte man weit um sich segen.“—„Aber was soll man denn auf das Brett schreiben?“—„Nun, was anders, als die neue Methose, die wir lernen sollen!“ Erst das am 3. Oktober 1806 eröffnete Lehrerseminar in Soest brachte eine bessere Ausbildung der Lehrer, und der Seminar=Inspektor Karl Gotthilf Ehrlich(1806—1847) sorgte durch Nachhilfekurse dafür, daß die auf dem Lande beschäftigten Lehrer sich eine bessere Bildung aneigneten. Da war z. B. Lehrer in Bergede, ein 40 Jahre alter Tagelöhner, der nur den Unterricht seines Amtsvorgängers, eines Ackerknechts, genossen hatte, gleichwohl aber ziemlich richtig sprechen und lesen konnte. Nur in der Rechtschreibung war er sehr schwach. Auf die Empfehlung des Superintendenten Hennecke nahm ihn Inspektor Ehrlich in einen Nachhilfekursus auf, und er ist bei seinen guten Anlagen noch ein tüchtiger Lehrer geworden. Die Landleute wollten von diesen Neuerungen zunächst nichts wissen. Lehrer Chr. Frey in Hattrop hat uns Aufzeichnungen hinterlassen, wie es ihm bei seinem Dienstantritt erging.„Im Jahre 1812, den 27. Juli, erhielt der Herr Inspektor den Auftrag, einen hiesigen Seminaristen vorzuschlagen, der die Schullehrerstelle in Hattrop bekleiden sollte. Dazu wurden Hölter und ich in Vorschlag gebracht.“ Hölter hatte seinen Lehrkursus noch nicht vollendet, und auch Frey hatte wenig Lust, das Amt anzutreten. Er mußte jedoch den Anordnungen der Regierung in Hamm nachkommen und sollte durch den geistlichen Inspelktor Sybel aus Soest in Hattrop eingeführt werden. „Als wir daselbst eintraten, strömten die Bauern auf ein gegebenes Zeichen zusammen. Der vorige Lehrer— ein von den Eingesessenen gewählter Schullehrer und Anverwandter der reichsten Bauern im Dorfe— trat mit in das Schulzimmer. Als der Inspektor S. die Ursache unserer Anwesenheit anzeigte, riefen alle:„Wir haben noch einen Schullehrer; zwei können wir nicht ernähren!“ Unverrichteter Sache mußten sie wieder abziehen. Als dann nach vier Wochen die Einführung durch Bürgermeister Smiths, Meyerich, Konsistorialrat Busch, Dinker und Pfarrer Mönnich, Schwefe, zwangsweise erfolgte, kamen keine Kinder, so daß gegen die Eltern mit Strafe vorgegangen werden mußte. Trotz aller Widerwärtigkeiten ist es dem neuen Schulmeister gelungen, sich durchzu setzen, weil er ein Meister in seiner Schule war und mit dazu beigetragen hat, Heimar und Vaterland zu Ruhm und Ehre zu führen. K. Lamprecht. Das große Los Skizze von Georg Wagener. Den„Lotterienarren“ nannten sie ihn im ganzen Dorfe und lachten dazu. Wie konnte ein Mensch so von einem Gedanken besessen sein, daß er dreißig Jahre lang das Los spielte, das doch nie gewann!„Einmal muß ich ja Glück haben!“ hatte Jorge Rupez schon vor Jahren geantwortet, wenn ihm einer riet:„Wechsle das Los! Oder laß das Spielen lieber ganz sein. Es führt doch zu nichts!" Mit der Zeit gaben seine Landsleute in Henares es auf, an ihm Bekehrungsversuche zu machen. Auch seine Frau wußte, daß er von seinem Lotterielos nicht lassen würde. In den ersten Jahren ihrer Ehe hatte sie auch geglaubt, das Glück würde Jorge einst lächeln. Sie war es im Grunde gewesen, die den Gedanken aufgriff und weiter spann:„Ja, kaufe Dir ein Los! Ich weiß, wir werden gewinnen. Das große Los! Dame will ich dann sein, herauskommen aus diesem Nest, in Madrid wohnen, einen Wagen haben, ein eigenes Haus, Schmuck, eine Loge in der Arena!“ Doch mit den Jahren waren die Luftschlösser eingestürzt. Eine wachsende Verbitterung, aus der Enttäuschung heraus geboren, trat an deren Stelle. Pepita Rupez haßte dieses Los, das ihre Hoffnungen betrogen hatte, sie haßte zuweilen auch den Mann, der jetzt in diesem einen Punkte nicht mehr auf sie hören wollte. Ihr Haß pflanzte sich auf die Kinder fort, auf die beiden Söhne und auf die Tochter. Nur war die Jugend rücksichtsloser im Ausdruck ihrer Verachtung für den, der seiner Marotte wegen dem Haushalt jährlich hundert Peseten entzog.„Du bist verrückt!“ schrie sie ihm ins Gesicht, wenn er das Los erneuert hatte. Jorge Rupez schwieg. Er war nie ein Held gewesen. Jetzt fürchtete er sich vor den starken Fäusten der Söhne. Doch in seinem Inneren häusten sich Verbitterung und Haß gegen seine eigene Familie, die ihn nicht verstehen wollte. Plötzlich aber war alles mit einem Schlage verändert. Denn dort stand es in der Zeitung:„Der Hauptgewinn fiel auf das Los 237 453!“ Zehn=, zwanzigmal hatten es alle gelesen. Sie lachten und schrien:„250000 Peseten!“ Vor Pepita Rupez stiegen die längst verschwundenen Luftschlösser ihrer jungen Ehe wieder auf: Madrid, das Haus, der Wagen, der Schmuck, das Leben der reichen Müßiggängerin. Die Söhne träumten mit offenen Augen von der Hauptstadt. Herren würden sie sein, die keinen Finger zu rühren brauchten. Ihre Schwester stand vor dem Spiegel. Sie stemmte die Fäuste in die Hüsten und warf den Kopf zurück. Sie lächelte ihr Spiegelbild an, und ihre Schultern reckten sich, als prüfe sie den Faltenwurf einer seidenen Mantille, die der Vater ihr kaufen sollte. Der Vater! So nannten sie ihn wieder, nachdem er jahrelang für sie nur der alte Narr gewesen war. Er wunderte sich über den zärtlichen Namen, und diese Verwunderung war fast der einzige Gedanke in seinem müden Hirn. Er saß am Tische und schwieg. Er starrte die eine Zeile an, die längst vor seinen Augen schwamm, und hörte nur dies eine„Vater". Er freute sich nicht über das Glück, das nach dreißig Jahren nun doch zu ihm den Weg gefunden hatte. Er empfand kaum eine Genugtuung darüber, daß sein zähes Festhalten an seinem Glauben endlich belohnt worden war. Er fühlte nur eine Leere in seinem Kopfe, in die nun dieses eine ungewohnte„Vater“ hineindröhnte wie Posaunenschall, wie die Verkündigung eines neuen Lebens voll Frieden und Liebe. Da riß ihn die Tochter aus dem Starren: „Vater, wann fährst Du nach Madrid, um das Geld zu holen?“—„Ja“, sagten die andern und warteten ungeduldig auf die Antwort, „wann, wann?" Jorge Rupez sah ihnen in die Augen, die vor Erregung leuchteten, und ihm war, als spräche aus ihren Gesichtern die Gatten=, die Kindesliebe, die er jahrelang nicht mehr gekannt hatte. Er lachte beinahe, als er antwortete:„Morgen, ja, morgen!“ Da sagte die Frau:„Ich fahre mit Dir. Vielleicht kannst Du das Geld allein gar nicht tragen!“ Ihre Stimme war ruhig, fast freundlich. Sie schien wieder der gute Lebenskamerad sein zu wollen, der dem andern hilft. Doch Jorge Rupez las aus ihren Worten, aus ihren Blicken nur eines: das Mißtrauen. Und mit einem Schlage war es ihm, als schwände das Lächeln auch von den Lippen der Kinder, als blickten ihre Augen ihn zwischen den lauernd gesenkten Lidern argwöhnisch an:„Ja, wir trauen Dir nicht. Du sollst das Geld nicht allein holen.“ Er wollte aufspringen, die Faust auf den Tisch schlagen und schreien:„Was geht Euch mein Geld an? Mir allein gehört es. Nur ich habe es durch jahrelange Qual verdient.“ Doch er war zu müde zu offenem Widerstand. Er fühlte, daß er vor Jahren schon Mann hätte sein müssen. Jetzt fehlten ihm die Kraft und der Mut, um gegen die Vier vor ihm offen zu kämpfen.„Gut,“ sagte er ruhig.„Wir fahren morgen.“ In seinem Herzen glühte Haß. Er schloß in dieser Nacht kein Auge. Er sah im Dunkel seiner Kammer acht Hände, die wie Raubtierkrallen nach seiner Brust griffen:„Gib das Geld her!“— Jorge Rupez wußte, diesen gekrümmten Fingern entging er nicht. Alles würden sie ihm rauben bis auf einen Gnadenbrocken. Doch er wollte ihnen das Geld nicht geben, sondern Rache nehmen an denen, die ihm das Leben verbittert hatten. Nicht eine Pesete sollten sie haben! Als er im Dämmerschein des jungen Morgens Pepita weckte, wußte er, was er zu tun hatte. Doch er lächelte den anderen gegenüber mit der Verstellungskunst des Irren. Am Schalter der Generallotteriedirektion zahlte man ihm den Gewinn in Tausendpesetenscheinen aus. Er konnte das Geld wohl allein tragen. Er sah Pepitas Augen gierig an den Scheinen hängen und lachte in sich hinein. Dann standen beide auf der Straße. Pepita wollte einen Makler aufsuchen, sich Pläne vorlegen lassen für„ihr“ Haus. Sie warteten auf eine leere Krastdroschke. Ein Straßenbahnwagen ratterte heran. Da sprang Jorge Rupez auf das Trittbrett des fahrenden Wagens. Das Getöse des Verkehrs verschlang Pepitas Wutschrei.... Jenseits des Manzanares stieg Jorge Rupez aus. Er sah den Wald von Pardo vor sich liegen. Er lief bis zur Mauer des Jagdparkes und wartete, bis ein Fußgänger, der ihn störte, hinter einer Baumgruppe verschwand. Dann zog er ein Bündel Banknoten aus der Brusttasche. Er zerknüllte einen Schein nach dem andern und baute aus den Papierballen eine Pyramide. Sie wuchs, und bei jeder neuen Kugel, die Jorge Rupez auftürmte, verzogen sich seine Lippen mehr zur höhnischen Fratze:„Nichts sollt Ihr haben von dem Geld! Nicht einen Fetzen!" Das Streichholz brannte. Jorge Rupez lachte, denn er mußte an die Frau denken, an die Kinder, an ihre entsetzten Augen, wenn sie von seiner Rache erfahren würden. Er lachte, daß er das Streichholz vergaß. Erst als ihm die Flamme die Finger versengte, warf er das Holz zwischen die Papierkügelchen. Er sah die Flamme an den Scheinen hochlecken und rieb sich die Hände in wahnsinniger Freude. Die wenigen Augenblicke, in denen das Feuer das Vermögen vernichtete, waren für ihn die Entschädigung für die Jahre seines Daseins als„Narr“. Jetzt wollte er zurückgehen nach Henares und denen dort ins Gesicht lachen:„Das Geld ist verbrannt! Nichts habt Ihr davon bekommen, nichts!" Doch plötzlich fehlte dem Irren der Mut dazu. Der Funken Selbstachtung, der ihn zur Wahnsinnstat getrieben hatte, war mit dem Feuer verloschen. Ziellos lief er in das Land hinaus.— In Henares glauben sie noch immer, Jorge Rupez sei mit dem Gelde nach Amerika geflohen. Seine Familie weiß nichts von dem blöden Bettler, der von einem Dorfe zum anderen irrt, ruhelos, gehetzt von einer Angst, deren Grund sein umnachteter Geist nicht mehr kennt. Wenn die launische Aprilfee ihre Herrschaft antritt, dann lachen sich alle Hagestolze schadenfroh ins Fäustchen und sagen mit unseren Alten:„Aprilwetter und Weibertreu, das ist immer einerlei".„Frauenlieb und Rosenblätter wechseln wie Aprilenwetter".„April und Weiberwill ändert sich sehr bald und viel.“ Professor Köppen in Hamburg hat die Ehrenrettung dieses viel verleumdeten Monats übernommen, indem er nachweist, daß er gar nicht so wetterwendisch ist wie sein Ruf geht, daß nach der Zahl der Sonnenblicke im ganzen Monat wie an jedem Tage, der überhaupt die Sonne scheinen läßt, der sonst anscheinend harmlose Juli die meisten Wechsel ausweist.— Es gibt wohl kaum einen Monat, der so viele Namen hat wie der April. Sein Kalenvername kommt von dem lateinischen Wort des römischen Dichters Ovid der April den Frühlingshimmel erschließt. Karl der Große nannte ihn Ostermonat, was dem angelsächsischen„eastermonadh“ entspricht. In Nordwestdeutschland und Holland heißt er Gras= oder Wiesenmonat. Am 1. April ist es üblich, die lieben Mitmenschen„in den April zu schicken". Dieser Brauch ist 1654 in Frankreich entstanden, als der bisher am 1. April gefeierte Neujahrstag auf den 1. Januar verlegt wurde und statt der bisher üblichen Neujahrsgeschenke irgend ein Schabernack eintraf. Seitdem ist der 1. April„aller Narren Tag.“ Der Landsmann liebt einen feuchten und nassen April; denn„Aprilregen— großer Segen.“ Dürrer April ist nicht das Bauern Will.“„Ein nasser April verspricht der Früchte viel.“ Freuen wir uns also des April, wie er auch kommt! Erste Blütenträume weben Schon die Schleier weiß und rot,— Und es atmet neues Leben, Wo noch jüngst schritt Not und Tod. Denn zerschmolzen und zerrissen Liegt des Winters weiße Hüll', Und den letzten Hindernissen Trotzt der siegreiche April! 1 Sttern und nind Schtle und Erben“ Zeugnisse Wir können heute allerorten eine Ueberwertung jeglicher Art von Zeugnissen feststellen. Ursache dieser Ueberschätzung ist eine verkehrte Einstellung zu den Schulzeugnissen und die Meinung, wenn man nur entsprechend geprüft, begutachtet und abgestempelt sei, dann könne es nicht weiter fehlen. So verbreitet diese Ansicht ist, soviel Unrichtiges steckt darin. Niemals kann ein Zeugnis einen Menschen in seiner Ganzheit erfassen; niemals insbesondere kann es mit Sicherheit die Entwicklungsmöglichkeiten eines jungen Menschen zuverlässig vorausbestimmen. Diese Erkenntnis ist bei allen klar vorhanden, die gezwungen sind, Zeugnisse auszustellen und darum wird wohl von keiner Seite der„Berechtigungsfimmel" unserer Tage mehr bedauert als von den Schulen jeden Grades. Von der Schule aus gesehen ist der Sinn eines Zeugnisses nicht der eine Berechtigung zu verleihen, sondern eine ganz nüchterne, gewissenhafte Feststellung zu machen, wie es um die Leistungen eines Schülers steht. Eine Mitteilung an die Eltern also soll es sein, die berichtet über Leistungen besseren oder geringeren Grades, ein Barometer, an dem mit raschem Blick abgelesen werden kann, wo das Hoch und das Tief eines Schülers steht. Nüchtern, allzu nüchtern sind die Zahlen, die da zu finden sind; sie lassen nicht ahnen, was an Fleiß und Schweiß, an Zähigkeit und hartem Ringen, was an leichtem Gelingen, Begabung, an Enttäuschung, Unfleiß, Mißgeschick alles dahinter steckt. Dabei ist auf die üblichen Noten in keiner Weise so zutreffend, was man sonst von Zahlen verlangt, nämlich Genauigkeit: die Ziffer III z. B. sagt mit keinem Wort, ob die Leistung, die sie ausdrücken will, die Neigung hat, sich hoffnungsvoll nach oben zu entwickeln oder ob sie schon ein ganz verdächtiges Schwanken nach unten aufweist. Sie sagt auch nichts davon, wie lange der Lehrer überlegte, bis er sie endlich einschrieb. Die Zahlen sind starr und dürr, die im Zeugnis stehen. Die seelischen Wirkungen aber, die sie in diesen Wochen wieder auslösen, sind mannigfachster Art. Da kommt der Junge mit seinem Zeugnis zur Tür hereingestürzt voll Stolz und Jubel. Und die Eltern sind nicht minder erfreut. Der gute Erfolg, den sie hier schwarz auf weiß bestätigt finden, läßt sie leuchtende Brücken in eine frohe Zukunft bauen. Mit Recht werden sie ihren tüchtigen Jungen loben und werden ihn mit ihrem Lob auch anspornen zu froher Weiterarbeit. Bei stillem Besinnen aber müssen sie sich sagen, daß ein Schulzeugnis nur die Feststellung eines augenblicklichen Zustandes ist und keine durchaus verläßliche Garantie einer zukünftigen Entwicklung. Das ist besonders dann ernst zu bedenken, wenn die guten Noten das Ergebnis eines ständigen Antreibens und einer übermäßigen Anspannung sind. Solch ernste Ueberlegung wird bewahren vor übertriebenen Hoffnungen, wird andererseits aber in kleinen Rückschlägen, die dann und wann eintreten, nicht ein tragisches Zusammenbrechen aller Zukunftspläne erblicken, sondern sie ruhig hinnehmen als das naturnotwendige Auf und Ab, dem jeder Mensch unterworsen ist. Ruhig überlegen aber müssen wir besonders dann, wenn das Kind mit schlechtem Zeugnis nach Hause kommt. Schelten und Aufregung, Tränen und Strapazen sind zunächst sicher das Verkehrte. Was will die Schule mit den schlechten Noten sagen? Doch nur das eine: Das Kind leistet nicht, was es soll! Der Grund dieser Minderleistung muß festgestellt werden und das ist nur möglich in einer Aussprache mit dem Lehrer. Der wird auch die Wege, die gegangen werden müssen, angeben können; sie werden in jedem einzelnen Falle verschieden sein. Ganz allgemein aber ist für den Fall, daß Kinder die Hoffnungen, die in sie gesetzt werden, nicht erfüllen, folgendes zu sagen: Jedes normale Kind hat soviel Gaben und Fähigkeiten, daß es einen Weg zu seinem Fortkommen finden kann. Kinderund Lebenstragödien werden dort heraufbeschworen, wo dem jungen Menschen ein Bildungsgang aufgezwungen wird, der seinen Anlagen nicht entspricht. Werden sie von ruhig denkenden Eltern jedoch dorthin geleitet, wohin ihre Begabung weist, dann werden sie mit Lust und Liebe ihrem Berufe dienen. Das gilt gerade von jenen, deren Fähigkeiten einseitig entwickelt sind. Gerade sie, die alle Kraft nach dieser Seite hin verwenden, kommen im Leben oft weiter als ihre Altersgenossen, die als Musterschüler beneidet wurden. Manche endlich, die mäßig beanlagt erscheinen, schlagen mit einem Male um, als ob ihnen„plötzlich der Kopf aufgegangen“ sei. Eine Knospe gleichsam, die ruhig ihre Zeit abwartet, bricht da auf und erblüht zu erstaunlicher Schönheit. Gerade in solchen Spätlingen steckt oft wertvollste Kraft und unsere Zeit hat darum durch verschiedene Bildungseinrichtungen dafür gesorgt, daß auch sie noch ihren Weg finden können. Das Zeugnis eines solchen Spätlings möge hier am Schlusse stehen. Es wurde allerdings von 200 Jahren geschrieben. Sein Verfasser war der Rektor Nils Krok des Gymnasiums in Wexiö. Das Zeugnis lautet:„Die Jugend auf den Schulen kann mit jungen Stämmen einer Baumschule verglichen werden, wo es zuweilen, wiewohl selten vorkommt, daß junge Bäume, obgleich man den größten Fleiß auf sie verwendet hat, nicht geraten wollen, sondern durchaus Wildlinge bleiben. Wenn sie aber in der Folge versetzt und umgepflanzt werden, verändern sie ihre wilde Art und werden zu schönen Bäumen, die liebliche Früchte tragen.— Nur in dieser Ueberzeugung sende ich diesen Jüngling zur Akademie, hoffend, daß er da in ein Klima kommen werde, das sein besseres Gedeihen begünstige. Die Hoffnungen des alten Rektors sind in glänzender Weise in Erfüllung gegangen. Aus dem„Wildling“ ist ein mächtiger Baum geworden. Und nach 200 Jahren kennt man über den ganzen Erdball den Namen jenes Jünglings, den späteren Naturforscher Linne. Wenn wir nun in diesen Wochen ein gutes oder ein schlechtes Zeugnis in den Händen halten, so werden wir klug tun, ähnlich zu handeln wie jener alte Schulmann: Wir werden wie er dem Kinde zeigen und sagen, daß wir zu ihm das feste Vertrauen haben in kommender Zeit, von ihm gute Erfolge und Früchte zu sehen. Solche Einstellung stärkt dem Schwachen den gesunden Mut, bedeutet für den Erfolgreichen ehrende Anerkennung und sie beide werden sich nicht nur Mühe geben, das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, sondern werden auch mit dem Gefühl neuer Krast an kommende Aufgaben herangehen. Und das ist schon der halbe Erfolg. K.H. Wann muß unser Kind laufen lernen? Viele junge Mütter können es nicht erwarten, bis ihr Kindchen die ersten Schritte wagt. Und wenn das Kleine gar zu lange darauf warten läßt, dann wird wohl die eine oder die undere ungeduldig und stellt „Gehversuche“ mit ihrem Sprößling an. Gelingen diese nicht sofort— was gewöhnlich der Fall ist—, dann machen sich die Eltern gar noch Sorge darüber, weil vielleicht gleichaltrige Kinder in der Nachbarschaft bereits lausen können. Die Kinder lernen zu ganz verschiedenen Zeiten laufen. Im allgemeinen beginnen die, die zeitiger sprechen lernten, später mit dem Gehen. Jedenfalls ist es nicht so, daß alle Kinder bis zu einem bestimmten Alter das Laufen können müßten. Bei dem einen Menschen äußert sich eben der Trieb zum Gehen früher, beim anderen später. Er tritt immer erst dann auf, wenn der Organismus so weit gereist und gekräftigt ist, daß er die Anstrengung, die doch das Gehen für den jungen Körper zunächst darstellt, wirklich aushält. Darum sollten die Eltern nicht versuchen, auf künstliche Weise eine Verfrühung herbeizuführen. Die elterliche Ungeduld kann sich nur zuleicht dadurch rächen, daß das Kind krumme Beine bekommt; denn die Knochen der Kleinen enthalten in den ersten Monaten ihres Lebens noch zu wenig Kalk und sind in diesem Zustande noch biegsam. Wenn also die Unterschenkeltnochen zu zeitig die Körperlast tragen müssen, biegen sie sich und werden krumm. Wie verschieden der Zeitpunkt des Gehenlernens ist, ergibt sich aus einer umfassenden Untersuchung des Franzosen Chaumier, der 1220 Kinder beobachtete und dabei folgendes gefunden hat: nach neun Monaten liefen erst 35 Kinder, das waren reichlich 4 Prozent, nach einem Jahre liesen 393 Kinder, also ungefähr ein Drittel aller beobachteten Kinder, nach 1¼ Jahren waren es 308, also etwa zwei Trittel der Kinder, und mit zwei Jahren konnten immer noch nicht alle Kinder lausen, sondern erst 1156, also etwa 95 Prozent. Habt also Vertrauen zur Natur. Sie weiß am besten, was jedem Kinde frommt. Wenn es Zeit ist, wird sich auch in eurem Kinde der Trieb zum Laufen regen— und dann wird es auch plötzlich laufen können. Oder habt ihr schon einmal ein Kind gesehen, das nicht hätte gehen können, weil seine Eltern es ihm nicht beigebracht haben? Dr. Johannes Prüfer.