* C + Em„Schwetter Seilung erichein wochentlich lechs mol Bzugeprete daldmonatlich 1.20 Maik, Einzeinummet 13 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, chwerte(Rude toischacktonun: Dormund 2632 and Hannoor 21474 Geschästestelle Große Marzttr. 3—3 Verantworlich füir die Schrifslestun H. Eimner, Schpere. Herunm 2rro Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung vnpaug pi. s1 de ochtv val mm ai e P/o, Ansoit. lioz, lung omaiche 1. gerictliche Lezigan so Pog, ekont. zelle 40%], aur teleson, ausgegebene Gaserate überehmen wit kane Geoah. Veltuoo derzeseo., Le riedeildbruazen, berorgerusen durck bobere Gewalten, übernebmen vir keinere Gewädr ser pünktliches Erscheinen de. Jeitunz u. kam auch keinerel Ansoruch an Schadenersat oder Nachlieserung erdoden werden Tagebialt für die Studl Schiberte und bus Am Westhofen S Kreisbirn für ven nordlithen Teil des Landtreises Iserlohn 63. Jahrgang Nr. 19(Friier Plaud) Ba. ns.! Schwerte(Ruhr), Donnerstaa, den 3. April 1930 Neues in Kürze. Österausschüttung der Hindenburgspende. enb. Berlin, 3. März.(Eigene Meld.) Die von dem Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg errichtete Stiftung Hindenburg=Spende schüttete bestimmungsgemäß anläßlich des bevorstehenden Osterfestes wiederum 425.000 Mark an rund 2 200 notleidende Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Veieranen aus. Erster diesjähriger Flug des„Graf Zeppelin“. wtb. Friedrichshafen, 2. April.(Tel.) Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ wird morgen früh zu seiner ersten diesjährigen Fahrt aufsteigen. Bei deser Werkstättenfahrt unter Führung von Kapitän Lehmann werden hauptsächlich die Aenderungen in der elektrischen Lichtzentrale, in der E=Gondel glektrische Gondel). sowie die Auswirkungen der bergrößerten Flächen des Höhensteuers ausprobief. Amtsniederlegungen im Danziger Senat. wtb. Danzig, 2. April.(Tel.) Der sozialdesokratische stellvertretende Präsident des Setts Gehl hat heute dem Präsidenten des Senats Dr. Sahm eine Erklärung überreicht, nach der auf Grund eines Beschlusses der sozialdemokratissen Volkstagfraktion sowohl der stellvertretende Pisident des Senats wie auch alle sozialdemoklatischen Senatoren im Nebenamt mit im heutigen Tage ihre Aemter im Senat niederlegn. Eine gleiche Erklärung ist dem Präsidenten ks Senats von den der liberalen Gruppe anehörenden Mitgliedern des Senats Jewelonti und Frau Richter überreicht worden. 58 Verhaftungen bei den Budapester Arbeitslosskundgebungen. wib Budapest. 2. April(Tel.) Bei den heutige Arbeitslosendemonstrationen wurden insgesan 58 Personen zwangsgestellt. enb. Berlin, 3. April(Eigene Radiomeldung.) Die parlamentarische Lage wird im Reichstag dahin beurteilt, daß die Entwicklung der parlamentarischen Lage von der Entscheidung der Deutschnationalen am Donnerstag abhängt. Schon die Tatsachen, daß die Fraktion am Mittwoch neun Stunden beraten hat, zeigt, daß die Entscheidung ihr nicht leicht wird. Die Behauptung, daß am Mittwoch eine Probeabstimmung vorgenommen worden sei, wird von deutschnationaler Seite entschieden bestritten. Angeblich sollen bei dieser Abstimmung etwa 37 Abgeordnete für das Mißtrauensvotum, 17 dagegen gewesen sein und 7 oder 8 sich der Stimme enthalten haben. Wenn die Abstimmung selbst auch dementiert wird, so wurde doch zugegeben, daß dieses Verhältnis ungefähr der Stimmung entspreche, die in der Fraktion herrschte. Inzwischen ist auch der deutschnationalen Fraktion mitgeteilt worden, daß der Reichskanzler auf dem Standpunkt steht, das Ostprogramm lasse sich nicht mit dem Ermächtigungsparagraphen verwirklichen. Dazu kommt noch, daß der Landbund sich am Mittwoch abend mit Nachdruck für Minister Schiele eingesetzt und die Erwartung ausgesprochen hat, daß alle Vertreter des Landvolkes zur Verwirklichung des Agrargrogramms beitragen werden. Diese beiden Tatsachen dürften die Stimmung in Dr. Gördeler Oberbürgermese von Leipsig, der deutschnationalen Fraktion weiter verschoben haben, sodaß am Mittwochabend jedenfalls noch niemand weiß, wie die Entscheidung am Donnerstag ausfallen wird. Die Abstimmungen über die Mißtrauensvoten im Plenum des Reichstages werden für heute bestimmt erwartet. Vorher wird der Reichskanzler noch einmal das Wort nehmen, um sich mit dem sozialdemokratischen Fraktionsführer Dr. Breitscheid auseinanderzusetzen. enb. Berlin, 2. April.(Tel.) Der„Börsenkurier" teilt mit: Die Deutschnationalen haben über ihre Haltung abgestimmt. Dabei ergaben sich 37 Stimmen für das Mißtrauensvotum, 18 Stimmen dagegen, 8 Abgeordnete haben sich der Stimme enthalten. Man macht sich in Regierungskreisen darauf gefaßt, daß morgen das Mißtrauensvotum angenommen und der Reichstag auf gelöst wird. In diesem Fall wird Reichskanzler Brüning eine Erklärung abgeben, daß der Artikel 48 nur auf verfassungsmäßiger Grundlage angewendet werden würde und daß bei allen Verordnungen und Erlassen auf Grund dieses Artikels vorher die verfassungsmäßige Zulässigkeit geprüft werde. Noch keine Entscheidung. 153. Sitzung des deutschen Reichstages. vdz Berlin, 2. April.(Tel.) Die heutige Reichstagssitzung hat noch nicht die Entscheidung über die Schicksalsfrage des neuen Kabinetts und des Reichstages gebracht. Es wäre wohl Zeit genug gewesen, die Aussprache über die Regierungs(Funkspruch.) af: Leip erklärung zu Ende zu führen: aber es fehlte darin wib. Leipzig, 3. April.(Funkspruch, z# g###er, das Kernstück, die Erklärung der Deutschnationalen ziger Stadtverordnetenversammlung wähl'g. grp#,„Voltspartei, ob sie die neue Regierung tolerieren im ersten Wahlgang Bürgermeister, Dr. G##### wolle oder nicht Es ist kein Geheimnis, daß die mit 34 gegen 30 Stimmen, die auf den Bürger-Deutschnationalen selbst noch nicht mit ihrer Entmeister Pick=Stettin entfielen, zum Ober=scheidung fertig sind. Heute waren nicht nur die bürgermeister von Leipzig. Ungültig waren 11 Pertreter des Reichslandbundes in Berlin, sondern Stimmen. such die Mitglieder des landwirtschaftlichen Aushusses der Deutschnationalen Volkspartei. Es len allerlei Verhandlungen schweben, mit dem zel. vom Minister Schiele nähere Aufklärungen ier sein Agrarprogramm zu erhalten. Verhandligen, die nicht ohne Einfluß auf die Entscheidung di Deutschnationalen Reichstagsfraktion sein disten. So war es erklärlich, daß heute kein Vertrer der deutschnationalen Fraktion das Wort nan, und daß die Deutschnationalen in der Sitng meist nur durch einige Horchposten vertreten wan. Der sozialdemokratische Redner. ie Aussprache wurde heute eröffnet durch eine Reddes sozialdemokratischen Abg. Dr. Breitscheid. Er chte zunächst den Austritt der Sozialdemokrate aus der früheren Regierung damit zu rechtfertig, daß die Ersetzung der ursprünglichen Regiungsvorlage durch den Kompromißvorschlag, der een Abbau der Leistungen der Arbeitslosenversichung ermöglichte, für die Arbeiterschaft unerträglit sei. Er übte dann scharfe Kritik an der Zusanensetzung des neuen Kabinetts und an der Art sees Zustandekommens. Das Eingreisen des Reichsäsidenten bei dieser Gelegenheit widersprechem Geist und Wortlaut der Verfassung. Es würde ich eine Verfassungsverletzung sein, wenn der Retkanzler den Artikel 48 anwende, obwohl die Voussetzung dazu, die Gefährdung der Ordnung n Sicherheit des Staates, nicht gegeben sei. Ein Kinett, in dem drei Gegner der Ranisizierung diYoungplanes sitzen, biete nicht die Gewähr für ein Fortführung des bisherigen politischen Kurses. Wir rechen der Regierung unser Mißtrauen aus in volleKenninis der Konsequenzen. Wir brauchen Nezahlen nicht zu fürchten, aber wir denken nicht in ster Linie an unsere Partei. sondern an den Sie den wir retten und schützen wollen. (Lebhaft Beifall bei den Sozialdemokraten.) Erklärung des Zentrums. Abg. sser(Zir.) gab eine Erklärung ab, in der er diln der Regierungserklärung enthaltenen Grundsätbilligte und die beabsichtigten Maßnahmen begrte. Seine Partei erwarte die Lösung im vollenFinverständnis mit dem Reichskanzler aus dem ige der parlamentarischen Gesetzgebung. Die durchen Rücktritt der letzten Reichsregierung gesasene Lage erfordere gebieterisch ein entschlossen über allen Parteierwägungen stehendes Hande Die Zentrumsfraktion habe sich deshalb soforttreit erklärt, einig und entschlossen dem Rufe ihresührers zu folgen. Der Redner wendete sich dann n die Ausführungen von Dr. Breitscheid. Dersnhalt seiner Rede sei kaum vereinbar mit der sklärung, daß die Sozialdemokratie später wier in die Koalition eintreten wolle Breitscheid Vorwürse gegen das Zentrum seten unberechtig Die Sozialdemokratie habe selbst die Sprengstoffanschlag in einem Warenhaus. wib. Hamburg, 3. April.(Funkspruch.) Auf das Warenhaus von Tietz auf dem Jungfernstieg wurde am Mittwoch ein Sprengstoffanschlag verübt. Am späten Nachmittag erscholl im Treppenaufgang des Warenhauses eine heftige Detonation. Die Fensterscheiben zersprangen, und das Glasdach, das den Eingang bedeckte, wurde hoch emporgeschleudert und stürzte in den Lichtschacht. Das Mauerwerk im zweiten Stockwerk erlitt im Treppenaufgang erheblichen Schaden. Die Feuerwehr und die Kriminalpolizei traten sofort in Tätigkeit. Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, daß es sich um ein Verbrechen handelt. Der Tatort ist der im zweiten Stockwerk beim Treppenaufgang befindliche Abort für Männer. Der Raum ist durch eine Wand in der Mitte geteilt. Der Täter hat den Sprengstoff— es handelt sich vermutlich um Schwarzpulver— in einem Behälter niedergelegt. Das Türschild war auf„besetzt“ gestellt. Die Polizei vermutet, daß der Täter wahrscheinlich durch Ueberklettern der Rückwand und dann unter Benutzung des Treppenaufgangs das Freie gefunden hat. Als großes, Glück ist es zu betrachten, daß die gesamte Ladung nach oben ging, wo die zahlreichen Fensterscheiben dem Luftdruck wenig Wider. stand boten. Andernfalls wäre ein fürchterliches Unheil angerichtet worden, da das Warenhaus in den Abendstunden sehr stark besucht war. Die Eschweiler Sprengstoffunde. wib. Eschweiler, 2. April.(Tel.) Die Eschweiler Polizei entfaltet nach wie vor eine rege Tätigkeit, um die Sprengstoffunde, über die vor einigen Tagen berichtet wurde, restlos aufzuklären. Von den drei verhafteten Kommunisten ist der Stadtverordnete Weber wieder auf freien Fuß gesetzt worden, während der Stadtverordnete Kohnen und der Kommunist Ripphausen ins Nachener Gerichtsgefängnis eingeliefert wurden. Daß die aufgefundene, im Walde geschickt vergradene Sprengmunition dazu bestimmt war, Attentate auf öffentliche Gebäude auszuüben, ist nach Ansicht der Polizei außer jedem Zweifel. Gestern entdeckte die Eschweiler Polizei im Prosteier Walde, an einer anderen Stelle vergraben, wiederum 250 Sprengkapseln. Regierungsvorlage zur Arbeitslosenversicherung abgelehnt und sich erst in allerletzter Stunde zu ihr zurückgefunden. Die Anwendung des Artikels 48 sei gewiß kein Idealzustand, aber auch die Sozialdemokratie sollte sich bemühen, die Anwendung dieses Mittels unnötig zu machen.(Beifall.) Standpunkt der Deutschen Volkspartei. Abg. Dr. Scholz(DVp.) erklärte, er wolle auf Breitscheids Rede jetzt nicht eingehen, obwohl diese Rede ein einziges Liebeswerben um die Teutsche Volkspartei gewesen sei. Der Redner begrüßte in erster Linie die Erklärung der Regierung, daß die Außenpolitik in den bisherigen bewährten Bahnen fortgeführt werden solle. Die Deutsche Volkspartei billige die Vorlegung eines umfassendes Sanierungsprogramms und das Bekenntnis zur rücksichtslosen Sparsamkeit, die auf allen Gebieten, auch bei der Arbeitslosenversicherung, angewandt werden müsse. Die Regierung dürfe bei der Durchführung ihres Gesamtprogramms auf die tatkräftige Mitarbeit der Deuischen Volkspariei vertrauen. Die Kommunisten wollen Neuwahlen. Abg. Pieck(Komm.) führte aus, die Kommunisten aber würden alles tun, um die Reichstagsauflösung zu erzwingen und das Volk gegen die neue Ausbeuterregierung aufzurufen. Vorbehalte der Wirtschaftspartei. Abg. Drewitz(WP.) gab eine Erklärung ab, in der es heißt: Neben dem Verantwortungsbewußtsein für Staat und Wirtschaft war es in erster Linie das Vertrauen zum Reichspräsidenten, das die Wirtschaftspartei veranlaßt hat, einen Minister für das Hindenburg=Kabinen zur Verfügung zu stellen. Wenn die Regierung zeigt, daß es ihr nicht ernst um die Verwirklichung des Artikels 164 der Reichsverfassung ist, kann sie auf eine Unterstützung der Wirtschaftspartei nicht rechnen. Wir werden unsere künftige Stellung zur Regierung davon abhängig machen, ob das Kabinett mit dem ersorderlichen Ernst und Nachdruck an die Ausgabensenkung herangeht und die Deckungsvorlagen den vom Reichspräsidenten gegebenen Richtlinien voll anpaßt. Bedenken und Sorgen der Demokraten. Abg. Meyer=Berlin(Dem.): Dem neuen Kabineit stehen wir mit Bedenken und Sorgen gegenüber. Wenn wir sie in diesem Augenblick zurückstellen, so geschieht es, weil nichts unversucht bleiben darf zur Vermeidung einer Staatskrise. Die Demokraten werden deshalb der Aufnahme der Tätigkeit des neuen Kabinetts kein Hindernis in den Weg legen. Sie werden seine Handlungen abwarten und von Fall zu Fall ihre Haltung einrichten. Wir billigen grundsätzlich die in der Regierungserklärung angekündigten Maßnahmen und werden auch an einer durchgreisenden Osthilfe mitarbeiten. Darüber hinaus müssen wir aber fordern, daß die Regierung streng die verfassungsmäßigen Grenzen innehält. Ferner verlangen wir die Fortführung der Stresemannschen Außenpolitik, wozu auch die baldige Vorlegung des polnischen Handelsvertrages gehört. In der Innenpolitik wünschen wir einen gradlinigen republikanischen Kurs, der auch namentlich in der weiteren Behandlung des Konfliktes mit Thüringen unzweideutig zum Ausdruck gelangen muß. Auch wenn das neue Kabine:t die bevorstehenden Kämpfe übersteht, betrachten wir es nur als eine Uebergangslösung, bis es möglich ist eine Mehrheitskoalition wiederherzustellen. Volkskonservative und christlich=soziale Stellungnahme. Abg. Hülser gab für die volkskonservative Vereinigung und den Christlich=Sozialen Volksdienst eine Erklärung ab, in der es begrüßt wird, daß der Reichskanzler eine koalitionsmäßige Gebundenheit der neuen Regierung ausdrücklich abgelehnt habe. Der Weg zur inneren Einigung der Nation könne nur durch Ueberwindung des überwuchernden und zersetzenden Parteigeistes freigemacht werden. Die Regierung werde nur dann Erfolg haben, wenn sie sich auch in der praktischen Arbeit freihalte von koalitions= und parteipolitischen Verstrickungen, und wenn sie sich immer als Trägerin der großen Gedanken des Reichspräsidenten fühle. Zustimmung der bayrischen Volkspartei. Abg. Leicht(Bayr. Vp.) begrüßte die baldige Befreiung der Rheinlande und besonders auch der schwergeprüften bayrischen Rheinpsalz. Wir erwarten auch, daß die Regierung mit aller Energie für den Schutz der deutschen Minderheiten und die allgemeine Abrüstung sich einsetzen wird. Bezüglich der Finanzsanierung erwarten wir, daß die Regierungsvorlagen im Reichstag eine Gestaltung erfahren, die dem Grundsatz der Gerechtigkeit in der Lastenverteilung Rechnung trägt. In der Forderung von Landwirtschaft und Mittelstand werde die Bayrische Volkspartei die Regierung nach jeder Richtung unterstützen. Der Redner der Bauernparteien. Abg Schlange(Christlich=Nationale Bauernpartei) erklärte:„Wenn Sie. Herr Reichskanzler, so handeln, wie Sie es zum Ausdruck gebracht haben. dann werden Sie die stärkste Regierung sein, die Deutschland in der Nachkriegszeit besessen hat. Wir begrüßen es, daß diese Regierung zum ersten Mai auf gesetzmäßigem Wege sich über den überspitzten Parlamentarismus hinwegsetzt. Wir werden sie unterstützen, solange sie ihren Worten Taten folgen Abg. Dr. Fehr(Deuische Bauernpartei): Troz mancher Bedenken stelle sich seine Partei vorerst hinter die Regierung. Hannoveraner lehnt Mißtrauen ab. Abg. Alpers(Deutsch=Hannoveraner) erklärte, seine Partei stimme im großen und ganzen der Regierungserklärung zu. Sie lehne die Mißtrauensanträge ab und hoffe, daß die neue Regierung bald das große Werk der Reichsfinanzreform und Reichsresorm in Angriff nehmen werde. Volksrechtparteiler fordert Aufwertungsreform. Abg. Dr. Best(Volksrechtpartei) verlangte schleunige Reform der Aufwertungsgesetzgebung. Gegen 4 Uhr wurde die Weiterberatung auf Donnerstag 11 Uhr vertagt. Donnerstag vormittag Kabinettssitzung. enb. Berlin, 3. April.(Eigene Radiomeld.) Heute vormittag um 10 Uhr tritt, laut„Berl. Tagebl.“. das Reichskabinett zu einer Sitzung zusammen, die zur Vorbereitung der heutigen entscheidenden Reichstagssitzung und im besonderen zur Erörterung über die verfassungsrechtliche Grenze der Anwendbarkeit des Artikels 48 der Reichsverfassung dient. Verschiebung der deutschnationalen Entscheidung bis Donnerstag vormittag. vdz. Berlin, 2. April.(Tel.) Die deutschnationale Reichstagsfraktion beriet mit einer kurzen Unterbrechung von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends über ihre Haltung gegenüber dem neuen Reichskabinett. Die Entscheidung der Fraktion wurde, wie das Nachrichtenbüro des BDZ hört, auf Donnerstag vormittag 10 Uhr vertagt. Großer Heidebrand in der Senne wtb. Detmold, 3. April.(Funkspruch.) Auf dem Besitztum des Landrats a. D. Tasche in Stapelage„am Südabhang des Teutoburger Waldes, entstand gestern ein gewaltiger Heidebrand, dem über 1000 Morgen Heide zum Opser fielen. Das Feuer war zunächst zum Zwecke des Abbrennens von einzelnen Heideflächen planmäßig angelegt worden. Durch den starken Wind wurde aber das Feuer über die Schutzgräben getragen und nahm in rasender Geschwindigkeit einen etwa 5 Kilometer langen und teilweise 2 Kilometer breiten Weg. Alle Feuerwehren der Umgegend waren an der Brandstelle tätig. Unter Einsatz von Reichswehr und der Bewohner der Umgegend gelang es, den Brand um 7 Uhr abends zum Stillstand zu bringen, doch flackerte das Feuer von Zeit zu Zeit wieder auf. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen, da auch Kiefernbestände und Schonungen dem Brand zum Opfer fielen. Schreiben Schieles an Hugenberg enb. Berlin, 2. April.(Eigene Meld.) In dem deutschnationalen verpitlichtet, bem eigeruszorganisationen an uch landwirtschaftlichen Betagsvepz; hernatung mich Reichsernährungsministeriums im Kabinett der Lage, als ich lach ben Verhanduggerzdse der Regierungbildung vorausgingen, die lichkeit für gegeben erachten muß, mit Sicherhei Maßnahmen durchführen zu können, die geeignet sind, den Zusammenbruch der Landwirtschaft aufzuhalten und eine grundsätzliche Wendung in der auch der Parel und ihrer Reichstagsratzenz die PReichstagsmandat aufzugeben, und lege demzufolge auch mein Amt im Parteivexstand nieder. Meinen politischen Freunden welve „Nach den Verhandlungen, die ich geführt habe, erblicke ich in dem neuen Kabinett Möglichbesondere beis Siers, Alzuhalten und bahnen geianet sind. Einer solchen Ausgabe, die von den maßgebenden landwirtschaftlichen Berussorganisationen von mir persönlich gesordert worden ist, konnte ich mich nicht entziehen.“ Dankichreiben des Reichsprasidenten an Dr. Sthauft ** Der Harr ReichsDie Verhandlunger 1m eon K anuemm ra.44 allem Kirchenfragen erörtert. Ministerialdirektor 155 Sitzung des preußtschen Landtages. vdz. Berlin, 2 April.(Tel.) In der fortgesetzten Aussprache über den ersten Abschnitt des Kultushaushalts äußerte sich am Mittwoch im preußischen Landtag Kultusminister Dr. Grimme zu dem Stande der Vertragsverhandlungen mit den evangelischen Kirchen. Er wies darauf hin, daß nag, Abschluß der informatorischen Besprechungen am 8. Februar unter seinem Vorsitz erstmalig mit den Vertretern der sämtlichen preußischen Landeskirchen zur Sache verhandelt wurde. Seitdem hätten neun weitere Besprechungen stattgefunden. Da beiderseits Vertraulichkeit zugesagt wurde, könne er sich über den Inhalt des Vertrages noch nicht äußern. Auch über die Dauer der weiteren Beratungen ließe sich Bestimmtes nicht sagen: doch werde von ihm alles getan werden, um die Angelegenheit der Sache und der Zeit nach so zu fördern, wie es ihrer Wichtigkeit, andererseits aber auch der Schwierigkeit der einschlägigen Fragen entspreche. Er hoffe, daß der Landtag in absehbarer Zeit Gelegenheit zur Beschlußfassung erhalten könnenn In der dann fortgesetzten Debaue wurden vor aurm ufragen erörtert. Ministerialdirektor Trendelenburg betonte, daß gegenüber kleineren Weltanschauungsorganisationen Verträge nicht in Betracht kämen. Die Verhandlungen über die Freidenker seien bereits im Ausschuß eingeleitet. Dann wurden zwischendurch die Abstimmungen zur zweiten Lesung des Justizetats erledigt. Der deutschnationale Antrag, Bestimmungsmensuren straffrei zu lassen, wurde abgelehnt: Anträge zur Todesstrafe wurden nochmals an den Ausschuß geschickt.— In der dritten Rednergarnitur zum ersten Abschnitt des Kultusetats kamen die Volksschulreferenten der Fraktionen wenigstens zum Teil noch zum Wort. Frau Jensen(Soz.) wollte die Ermöglichung zehnjährigen Volksschulbesuchs, der dann der Berechtigung des„Einjährigen“ entsprechen sollte. Kickhöffel(Dnat.) verlangte Förderung der Landschule, Abg. Brockmann(Ztr.) Beseitigung der Not der katholischen Junglehrer. Ein Regierungsvertreter erklärte, zur Anstellung dissidentischer Schulamtsbewerber warte man noch auf hof einen Entscheid des Staatsgerichtshofes. beratung Konnerttog. dung mit einem Obergefreiten der 6. Kompagnie standen. Er hat bei seiner Vernehmung bereits zugegeben, Beziehungen zu den Kommunisten unterhalten zu haben. Von einer Verhaftung des Soldaten wurde vorläufig abgesehen, da noch nicht feststeht, wieweit seine Handlungsweise strafrechtlich verfolgt werden kann. wib. Berlin, 2. April.(Te.) Der Hert“gu präsident hat an den heute aus seinem umte scheidenden Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht nachIn dankbarer Anerkennung gedenke ich heute, an dem Tage, an dem Sie aus Ihrem Amte scheiden, der hohen Verdienste, Pgsgtezl su hie den Anteil genommen an der Ueberwindung jener Zustände, die damals Deutschland aufs gefährlichste bedrohten. Unter denen, die das Verdienst der Wiederschaffung einer gefestigten Währung für sich in Anspruch nehmer wird Ihr Name stets mit an vorderster Steue zu mehr als sechsjähriger Tätigkeit als Reichsbankpräsident haben Sie es alsdann ais Ihre vornehmste Aufgabe angesehen, zu erhalten und zu festigen, was zuvor unter Ihrer weitgehenden Mitwirkung geschaffen worden war. Wenn heute die Wertbeständigkeit der deutschen Währung im In= und Auslande als unzweifelhaft gesichert anerkannt wird. so in es nicht zuletzt Ihrer mühevollen, zielbewußten und von hoher Sachkenntnis getragenen Arbeit zu verAus unserer letzten Besprechung wissen Sie, Herr Reichsbankpräsident, wie sehr ich es bedauere. Sie gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt aus Ihrem Amt scheiden zu sehen Ihnen am heutigen Tage daher namens des Reiches und auch persönlich aufrichtigen Dank für Ihre langjährige verdienstvolle Tätigkeit zum Ausdrua zu bringen, ist mir lebhaftes Bedürfnis. Mit den besten Wünschen für Ihr weiteres Wohlergehen und mit freundlichen Grüßen bin ich S#r eroebener gez. von Hindenburg. Kein Einspruch des Staatsrats gegen die Gewerbesteuer der freien Berufe vdz. Berlin. 2. April.(Tel.) Entgegen dem Beschluß der Staatsratsausschüsse beschloß das Plenum des Staatsrats mit 38 gegen 29 Stimmen bei acht Enthaltungen, keinen Einspruch gegen die Einbeziehung der freien Berufe in die Gewerbesteuer zu erheben. Kommunistische Wühlarbeit in der Gesetz über die kommunale Selbstverwat ing wlb. Berlin, 3. April.(Funkspruch.) Das preußische Innenministerium übergibt soeben eine Referentenentwurf zum Gesetz über di kommunale Selbstverwaltung der Oeffentlichkeit. Aus diesem Entwurf wurden am Mittwoch nachmittag im Verlauf eines Empfanges beim Staatsminister Dr. Waentig Einzelheiten bekanntgegeben. Städteordnung, Landgemeindeordnung, ug ordnung. Provinzialordnung sind zusammengrfußt. Die bisher rund 700 Paragraphen der einzelnen Ordnungen sind auf 308 Paragraphen gebracht. Die Materie von bisher 29 Gemeindeverfassungsgesetzen Preußens ist hier zusammengezogen. Die Trennung von Städte= und Landgemeindeordnung ist beibehalten worden. Besonderer Nachdruck wird auf die Kontrolle gegenüber der Finanzgebarung gelegt. Die Beschwerde an Kommunalaussichtsbehörden wird aufgehoben und durch den Einstruch an den Gemeindevorstand und die Klage im Verwaltungsstreitverfahren ersetzt. Angeregtg####, eine Verminderung des Umfanges der„6 ordnetenversammlung. Deputationen heißen im Gesetz„beschließende Ausschüsse“. Die tierten sollen dem Landrat in weiterem Umfang vertreten als bisher. Die Komrzagalgufschzggdes Staates bleibt unverändert. Es soll,Zu,gammeß. ausschuß gebildet werden, über derseg,. 9 gin ge; setzung bisher noch nicht entschieden ist. emn Teil der bisherigen Staatsaufgaben, besonders auf dem Gebiete des Polizeiwesens, soll durch ein besonderes Gesetz der Selbstverwaltung übertragen werden. Den Provinziallandtagen bleibt es überlassen, die Bürgermeistereiverfassung zu wählen oder den neuen Entwurf zu berücksichtigen. hinderte auch eine wesentliche Besserung der Börsenlage. Auf dem Pfandbriefmarkt trat eine geringe Belebung ein. Von den einzelnen Industriezweigen hatten die chemische und die Kaliindustrie einen befriedigenden Absatz. Die Großhandelspreise zeigten eine sinkende Tendenz und wirkten sich schon etwa auf die Inderziffern der Lebenshaltung aus. Der Geldmarkt war ziemlich flüssig, dagegen zeigte der Kapitalmarkt trotz weiterer Herabsetzung des Diskontsatzes der Reichsbank auf 5 v. H. noch keine wesentliche Erleichterung. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat ihren Tiefstand überwunden. Die Handelsbilanz war im Monat Februar aktiv. Grunde zu Betriebseinschränkungen gezwungen. Sie hat 400 Mann der Belegschaft am 1 April die Kündigungen zugestellt, sodaß sie am 15. April zur Entlassung kommen werden, vorbehaltlich der Genehmigung der Kündigungen durch die zuständigen Behörden. Wegen Oepotunterschlagungen verattemn! wtb. Koburg, 2. April.(Tel. Vor dem hiesigen Großen Schöffengericht wurde gestern und heute der Prozeß wegen des am 16. Oktober 1929 erfolgten Zusammenbruches des Bankhauses Haeßler und Hülbig(Koburg) verhandelt. Der geschäftsführende Inhaber, Bankier Eduard Hülbig, war der fortgesetzten Depotunterschlagung angeklagt und wurde zu vier Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Der mitangeklagte Prokurist Haus Niermann erhielt wegen Beihilfe 1¼ Jahre Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust für Hülbig und 1½ Jahre Gefängnis für Niermann beantragt. In dem Bankhaus herrschten, wie der Staatsanwalt ausführte, haarsträubende Zustände. An Depotwerten wurden 314060 Mark veruntrent, während Hülbig auf großem Fuße lebte. Alle älteren Angestellten hatten ihre Konten mit großen Beträgen überzogen. Eine Bilanz war seit 1924 nicht aufgestellt, auch hatte keine Kontrolle stattgefunden. Tagung des Reichsverbandes der Beutschen Zurunrk. enb. Berlin, 2. April.(Eigene Meldung.) Die politische Polizei hat, nach Blättermeldungen, auf Veranlassung des Oberreichsanwalts in Neuruppin drei Kommunisten verhaftet, die Zersetzungsarbeit In der Reichswehr getrieben haben. Es handelt sich um den Leiter der Neuruppiner Ortsgruppe der KPD und zwei andere Kommunisten. Alle drei sind dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden, der bereits Haftbefehl gegen sie erlassen hat. Etwa Mitte Januar d. J. wurden beim 2. Bataillon des Infanterieregiments 5 kommunistische Zersetzungsschriften verteilt Es handelt sich um zwei Flugblätter„Der Reichswehrsoldat" und „Der Kamerad“. Die beiden Schriften waren in einer geheimen Druckerei der KPD in Berlin hergestellt worden. In den Aufrufen wurden die Soldaten aufgefordert, sich ihrer Offiziere zu entledigen und der KPT beizutreten. In ihren Vernehmungen bestritten die drei Festgenommenen zunächst jede Beteiligung an der kommunistischen Wühlarbeit in der Reichswehr. Durch die Aussagen der Zeugen, besonders aber durch das bei ihnen entdeckte Material, das durch Haussuchungen zutage gefördert wurde, gelang es, die drei Verdächtigen zu überführen Zweifellos sin noch weitere Neuruppiner Kommunisten beteiligt. Es ist auch anzunehmen, daß in Zusammenhang mit den Verhaftungen in Neuruppin auch in Berlin noch Festnahmen erfolgen werden. Im Verlause der heutigen Ermittlungen, die von dem Truppenteil, der Staatsanwaltschaft und der Polizei geführt wurden, hat sich herausgestellt daß die drei verhafteten Kommunisten in Verbinwtb. Berlin, 2. April.(Tel.) Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hielten in diesen Tagen unter dem Vorsitz von Geheimrat Dr. C. Duisberg ihre Sitzungen ab. Eingehend wurden die aktuellen handelspolitischen Fragen erörtert, wobei einmütig zum Ausdruck kam. daß für Deutschland nur eine Handelspolitik möglich ist, die die Notwendigkeit der Erweiterung der Ausfuhr und den Schutz der inländischen Erzeugung gleichmäßig berücksichtige. Im Vordergrunde der Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft müßten jetzt stehen: die Förderung von technischen Verbesserungen und die Durchführung von Reformen in der Absatzorganisation. Im Anschluß an die Erörterung des bei der Ständigen Tarifkommission gestellten Antrages auf organische Neuordnung der Stückguttarife im Zusammenhang mit einer etwaigen allgemeinen Erhöhung der Gütertarife wurde eine Entschließung gefaßt. in der u. a. gesagt wird, daß die von der Deutschen Reichsbahn gevlante Erhöhung der Wagenladungstarife für alle Kreise der Wirtschaft eine nicht erträgliche Neubelastung bedeute. Gebeimrat Kastl berichtete über die finanzpolitische Lage. Er betonte die Notwendigkeit einer einheitlichen Finanzpolitik von Reich. Ländern und Gemeinden unter Führung des Reiches. Schließ: lich verlangte er, daß aus kanitalmarktponnen Gründen baldigst Klarheit darüber geschaffen werde, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfange die Kapitalertragssteuer beseitigt werden könne. 125. Geburtstag Andersens. wtb. Kopenhagen, 2. April.(Tel.) Der 125. Wiederkehr des Geburtstages des Dichters Hans Christian Andersen wurde heute in großen lichen Veranstaltungen gedacht. In den Volksschulen führten die Kinder Szenen aus Andersens Märchen auf. Nachmittags fand eine Festlichkeit auf dem Rathaus statt. 400 Kinder. die an den Schulaufführungen teilgenommen hatten, waren dort Gäste der Stadtverwaltung Vor dem Rathaus versammelten sich etwa 5000 Kinder. Die Kopenhagener Bürgermeister gaben ihnen in Ansprachen einen Ueberblick über Andersens Werke. Die Feier wurde durch den Rundfunksender über die ganze Welt verbreitet. Die Schüler der höheren Schulen waren für den Nachmittag von den Staatsbehörden in das Königliche Theater geladen, wo abends auch eine Galavorstellung stattfand. In Odense, der Geburtsstadt Andersens, wurde der Tag gleichfalls gefeiert: die Hauptfestlichkeiten sind dort aber bis zum Juli vertagt worden. Ergebnis der Betriebsratswahlen im Ruhraebset. wtb. Bochum, 2. April.(Tel.) Von 194 Schachtanlagen(es fehlen noch 8 kleinere) liegt jetzt das Ergebnis zur Wahl der Betriebsvertretungen vor. Es erhielten: Bergarbeiterverband 126394 Stimmen(890 Mandate); Christliche Gewerkschaft 75 905 Stimmen(509 Mandate); Hirsch=Duncker 3433 Stimmen(; Mandate); Polen 294 Stimmen (2 Mandate): K W D. 65 863 Stimmon(40° Man(7 Mandate); (2 Mundate), K. P. D. u5 605 Stimmen(402 Mandate); Syndikalisten 4730 Stimmen(28 Mandate): Gelbe Gewerkschaften 8855 Stimmen(28 Mandate); Sonstige 2041 Stimmen(7 Mandate). Raubüberfall. 25000 Mark geraubt. wtb. Gelsenkirchen, 3. April.(Funkspruch.) Gestern abend drangen vier maskierte Räuber in die Wohnung eines Zechenbeamten, der Geld verpackte, ein, hielten ihn mit vorgehaltenem Revolver in Schach, entrissen ihm das Geldpaket und flüchteten. Es handelt sich um Gelder einer Kolonial= warenhandlung, bei der allabendlich die Tageseinnahmen aus einer Reihe von Betrieben zusammenlaufen. Insgesamt sind ungefähr 25000 Mark in die Hände der Räuber gefallen. Bergarbeiterentlassungen. wtb. Hamborn, 3. April.(Funkspruch.) Die Entlassungen im hiesigen Bergbau mehren sich. Nachdem die Zeche Neumühl insgesamt 6000 Bergleuten wegen fortdauernden Absatzmangels kürzlich gekündigt hatte, sieht sich jetzt die Berggruppe Hamvorn der Vereinigten Stahlwerke aus dem gleichen Aus Nah und Fern. Eifersuchtsdrama. wp. Düsseldorf, 2. April. Heute nacht gegen gegen 1 Uhr wurde die 23jährige Witwe Emilie Jaroslawski in der Kölnerstraße von dem Gelegenheitskellner Heinz Fischer durch drei Pistolenschüsse so schwer verletzt, daß sie kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb. Fischer hatte die Jaroslawski seit Jahren mit Liebesanträgen verfolgt und sie mehrmals aus Eifersucht mißhandelt. Der Täter wurde heute vormittag verhaftet, er hat bereits ein Geständnis abgelegt. seinem Auto in die Sauer gestürzt und ertrunken. wp. Trier, 2. April.(Tel.) Am Montag abend gegen 8½ Uhr fuhr auf der luxemburgischen Uferseite in der Nähe von Wasserbillig, anscheinend infolge Versagens des Steuers, ein Auto in voller Fahrt die 2½ Meter tiefe Böschung hinab in die Sauer hinein. Der Wagenführer, der Photograph Schwarz aus Grevenmacher, fiel aus dem offenen Wagen in die Sauer und ist ertrunken. Sein Hund, der an einer Leine festgebunden war und lange Zeit, simmerlich bellend, im Wasser schwamm, konnte durch einen Zollbeamten gerettet werden. Das Opfer Tetzners noch immer nicht festgestellt. wtb. Regensburg, 2. April.(Tel.) Die Regensburger Untersuchungsbehörde im Falle Tetzner ist der Ueberzeugung, daß der vermißte Bergarbeiter Erich Gonsala aus Schrobenhausen in keine Beziehung mit dem Opfer Tetzners gebracht kann. Abgesehen davon, daß der von Tetzner Ermordete nach der Aussage Tetzners keine Papiere besessen hat, stimmte die von Tetzner gegebene Personalbeschreibung mit jener des vermißten Bergarbeiters Gonsala in keinem Punkte überein. Das 10. Todesopfer der Trichinose in Stuttgart. wtb. Stuttgart, 2. April.(Tel.) Der Inhaber des Restaurants„Königshof“, wo der verhängnisvolle Bärenschinken gegessen wurde, Seeger, ist gestern abend gestorben. Damit hat die Trichinose ein zehntes Opfer gefordert. Kommunistischer Schulstreik in Neukölln. wtb. Berlin, 2. April.(Tel.) In vier Volksschulen in Neukölln versuchten die Kommunisten, einen Schulstreik durchzuführen, der sich gegen die Sparmaßnahmen in den Schulen, angeblichen Abbau der schulärztlichen Fürsorge und Vexsetzungen von Lehrpersonen richtete. Die Polizei haule rechtzeitig Beamte vor den Schulen bereitgestellt, um Zwischenfälle zu verhindern. Entgegen anderslautenden übertriebenen Pressemeldungen ist es nirgends zu Zusammenstößen gekommen. Wo die Kommunisten Miene machten, gewaltsam die Kinder am Schulbesuch zu hindern, griff die Polizei sofort ein, sodaß der Unterricht in allen Klassen durchgeführt werden konnte. Ein Kinderdemonstrationszug, der gegen Mittag veranstaltet wurde und in aller Ruhe verlief, zeigte sehr schwache Betelligung. Handel und Gewerbe im März. bb. Berlin, 2. April. Den Berichten preußischer Industrie= und Handelskammern und des Deutschen Handwerks= und Gewerbekammertages zufolge hat sich die Wirtschaftslage im Monat März noch nicht gebessert. Saisonmäßige Ansätze dazu zeigten sich zwar; doch drückte die ungeklärte innerpolitische Lage noch zu sehr auf den Geschäftsgang und verAufhebung der Immunität des Nationalsozialisten Hüttmann. wtb. Hamburg, 3. April.(Funkspruch.) Die Bürgerschaft nahm in ihrer gestrigen letzten Sitzung vor den Osterferien die Wahl des Bürgerschaftspräsidiums für das neue Geschäftsjahr vor Es trat nur insofern eine Aenderung ein, als zu einem der Vizepräsidenten anstelle eines Deutschnationalen der Demokrat Landahl gewählt wurde.— Die Bürgerschaft beriet dann über die Anträge des Geschäftsordnungsauschusses betr. die Aufhebung der Immunität des Abg. Hüttmann(Nationalsoz.) und Dettmann(Kommunist). Der Ausschuß beantragte, die Immunität des Nationalsozialisten Hüttmann, der in einer Versammlung der nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Ratibor den Reichstagsabg. Bernhard(Demokrat) des Landesverrats beschuldigt hatte, entsprechend dem Antrage des preußischen Justizministers aufzuheben, dagegen die Aufhebung der Immunität des Kommunisten Dettmann, der sich an Umzügen im Bannkreisgebiet beteiligt hatte, abzulehnen.— Nach lebhafter Debatte stimmte das Haus der Aufhebung der Immunität des Abg. Hüttmann zu und lehnte die Aufhebung der Immunität des Abg. Dettmann ab. Kapitän Hancey am Ziel. in dem Kapitän Yancey mit zwei Begleitern von Neuyork nach den Bermuda=Inseln geflogen war, heute vormittag gegen 10 Uhr von einem Motorboot in den Hafen des Hauptortes der Inseln, Hamilton, eingeschleppt. Das Flugzeug stieg dann wieder auf und überflog Hamilton. Es hatte die letzte Nacht auf dem Meere verbracht und seinen Flug heute früh bis zum Ziele fortgesetzt. 100 Todesopfer bei einem Vooisunglau in Jupan. wtb. Akune(Japan), 2. April.(Tel.) EimFähre, die 300 Personen an Bord hatte, kenterte, wobei mehr als 100 Personen ertranken. Das Unglück ist wahrscheinlich auf die zu starke Belastung der Fähre zurückzuführen. Sura, Iunsprauf! Erleichterte Aufenthaltsbedingungen für Ausländer in Ungarn geplant. wtb. Budapest, 3. April.(Funkspruch.) Der Minister des Innern hat dem Parlament einen Gesetzentwurf über die Aufenthaltsbedingungen für Ausländer unterbreitet. Der Gesetzentwurf vereinfacht die bisherige Fremdenkontrolle. Wiederaufnahme der deutsch=französischen Saarverhandlungen. wtb Paris, 3. April.(Funkspruch.) Der Führer der deutschen Telegation für die deutsch=französischen Saarverhandlungen, Staatssekretär a. D. von Simson, ist wieder in Paris eingetroffen. Man darf daraus schließen, daß die Verhandlungen nun mehr wiederaufgenommen werden sollen. Cosgrave wiedergewählt. wtb. Dublin, 3. April.(Funkspruch.) Die Kammer wählte Cosgrave wieder zum Ministerpräsidenten des irischen Freistaates, nachdem sie mit 93 gegen 54 Stimmen eine Ernennung de Valeras und dann mit 78 gegen 13 Stimmen eine Ernennung des Arbeiterparteilers O'Connell abgelehnt hatte. * * # * den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Stubenbrand. Vorgestern gegen 19,40 Uhr brach im Hause Friedrichstraße 26 in der Wohnung der Eheleute P. ein Stubenbrand aus. Die alarmierte Berufsfeuerwehr rückt mit zwei Löschzügen an und konnte nach einer halbstündigen Tätigleit die Gefahr Heseitzgeg. Personen kamen nicht zu Schaden. nungseinrichtung wurde nicht besonders schier beschädigt. — Wegen Absatzschwierigkeit mußte die Zeche Tremonia der Ver. Stahlwerke am gestrigen Mittwoch für ihre Belegschaft wiederum eine Feierschicht einlegen. — Von seinem ersten Schulgang nicht zurückgekehrt ist der 6 Jahre alte Schüler Alfred B. Da der Junge einen sehr weiten Schulweg hatte, nimmt man an, daß er sich verlaufen hat. Er trug einen grauen Anzug mit weißem Schillerkragen, graue Ueberstrümpse und braune Schuhe. Da der Junge etwas beschränkt ist und einen Sprachfehler hat, dürfte er leicht zu erkennen sein. Wer hat den Jungen gesehen? — Selbstmord. Der in Wattenscheid=Höntrop, Hellweg 69, wohnhafte Händler Hugo Sch. hatte sich am 30. März in einem Dortmunder Hotel einquartiert. Am 1. April abends spielte er in der Gaststube noch mit zwei Gästen Karten und suchte gegen 24,30 Uhr sein Zimmer auf. Als er am 2. April gegen 14 Uhr noch nicht gesehen war, wurde sein Zimmer gewaltsam geöffnet. Sch. hatte sich am Bettpfosten erhängt. Die nähere Ursache ist unbekannt. — Aus dem Auto geworfen. Die 28jährige Büglerin Helene K. aus der Flensburger Straße wurde am Dienstag früh 5 Uhr an der Ecke Große Heimstraße=Neuer Graben aus einem Personenkraftwagen von unbekannten Männern herausgeworfen, die sie angeblich am Burgtor getroffen hatte und die sie in ihrem Wagen nach Hause bringen wollten. Nähere Angaben konnte die K. bis jetzt nicht machen, da sie sich bei dem Sturz eine erhebliche Verletzung am rechten Fuß zugezogen hat und wegen Schmerzen noch nicht vernehmungsfähig ist. Die K. ist in das hiesige Johannishospital übergeführt worden. — Großer Posten Zigaretten gestohlen. Vor wenigen Tagen wurde ein Zigarrengeschäft im Westen der Altstadt Dortmunds von Einbrechern heimgesucht. Die Täter erbeuteten einen großen Posten Zigaretten, darunter insbesondere die Marken Bergmann=Privat, Attikah, Güldenring, Overstolz, Ravenklau. Die Kriminalpolizei warnt von Ankauf dieser Zigaretten. Sachdienliche Mitteilungen erbittet das 2. Kriininalkommissariat Dortmund, Rathenaualle 1, Zimmer 116. c Humbruch. Böswillige Alarmierung der Feuerwehr: Ein zweifelhaftes Vergnügen leistete sich ein in der Ludwigstraße in Hombruch wohnhafter erwerbsloser junger Mann. Er setzte den am Eingang zur Zeche Dorstfeld befindlichen Feuermelder in Tätigkeit. Die Feuerwehr rückte mit drei Löschzügen an, da angenommen werden konnte, daß es auf der Zeche brenne. Trotz der Flucht konnte durch Passanten die Persönlichkeit des Unfugstifters ermittelt und er selbst auf dem Heimwege durch die Polizei in Groß=Barop gestellt werden. c Hombruch. Mutige Tat. Ein Kind vor dem Ueberfahrenwerden bewahrt hat auf der Bahnhofstraße der Arbeiter Fritz Keile. Im letzten Augenblick sprang er hinzu und riß das b.indlings vor ein Kraftfahrzeug laufende Kind vom Fahrdamm. Verletzt wurde niemand. Nach Aussagen des Führers wäre das Kind ohne dieses rettende Eingreifen bestimmt von dem Auto erfaßt worden. a Berghofen. Hühnerdiebe an der Arbeit. Schwer geschädigt wurde die Wwe. K. an der Hörderstraße. Nachts drangen Diebe in den Hühnerstall ein. Sie entwendeten sämtliche Hühner, denen sie vorher die Köpfe abgerissen hatten. h Lünen. Festnahme eines Wechselfälschers. Der Inhaber der„Türkischen Mokka=Mühle“, Kaufmann W. Schulz, der nach Verübung umsangreicher Kredit= und Wechselichwindeleien flüchtig geworden war, ist in Hamm festgenommen worden. Die in einem Briefe zum Ausdruck gebrachte Absicht, sich zu erschießen, hat er nicht zur Tat werden lassen, weil ihm der Mut dazu fehlte. Soest. Kurzschrift mit der Schreibmaschine. Dr. Gustav Keining, Soest in Westfalen, hat eine auch im Ausland patentierte und bereits fabrikmäßig hergestellte Schreibmaschine erfunden, die die Kurzschrift mit der Maschine wieder gibt. Er benutzt 135 Schriftzeichen, um die Kurzschrift zu schreiben, zu drukken und auf einer Normalschreibmaschine von 45 Tasten und zwei Umschaltungen in der bisherigen Schrifthöhe von zwei Stufen wieder. h Arnsberg. Das Auto eines Arztes bestohlen. Bisher unbekannte Burschen stahlen aus dem Auto eines hiesigen Arztes Medikamente und wertvolle Instrumente, die für den Arzt von erheblichem Wert, für die Diebe aber nutzlos sind. Schwelm. Landrat Hausmann,. en gültig bestätigt. Der kommissalische Landrat des Ruhr=Ennepe=Landkreises, Hansmann, wurde, wie wir erfahren, von der preußischen Regierung endgültig als Landrat des Landkreises bestätigt. h Bochum. Selbstmord im Gefängnis. Die Polizei nahm den 47jährigen verheirateten Arbeiter Friedrich St. fest, weil dieser sich an acht= bis zehnjährige Mädchen herangemacht und durch sein Benehmen öffentliches Aergernis erregt hatte. Der Täter wurde in eine Zelle abgeführt. Zwanzig Minuten spater fand man ihn, an einem Taschentuch erhängt e. G Marl. Gefaßte Wildvieoe. Im benachbarten Lippramsdorf wurden im Jagdrevier der Pächter Berthold und Rügenberger von Landjägern zwei Wilddiebe erfaßt. waren gerade damit beschäftigt, ein Reh und einen Hasen, die sie in einer Schlinge gen hatten, fortzuschaffen. Die Wilvoiebe wurden dem Amtsgericht Dorsten überführt. h Minden. Ein Mädchen durch Gas vergiftet. Die Tochter des Postkraftfahrers H. wurde in der elterlichen Wohnung im benachbarten Barkhausen, durch Gas vergiftet, aufgesunden. Durch einen Arzt wurden sogleich Wiederbelebungsversuche angestellt, die auch von Erfolg gekrönt waren. Es ist bisher noch unbekannt, ob ein Unglücksfall vorliegt. c Schalksmühle. Waldbrand bei Schalksmühle. In den Waldbeständen des Landwirts Walter Groll zu Wippekühl entstand am Dienstag nachmittag gegen 3 Uhr ein großer Waldbrand, der nach ca. einstündiger arbeit der hiesigen Freiw. Feuerwehr gelöscht wurde. Nennenswerter Schaden an Tannenschonungen ist nicht entstanden, jedoch an Fläche hatte der Brand bedeutende Ausmaße. a Dillenburg. Von einem Wilderer angeschossen. Als sich der Forstgehilfe Moos von der Försterei Manderbach auf einem Reviergang in der Struth befand, wurde aus dem Hinterhalt ein Schuß auf ihn abgegeben. Der Forstgehilfe verlor die Besinnung und stürzte zu Boden. Als er wieder zu sich kam, bemerkte er, daß die Kugel den auf der Brust hängenden Feldstecher seitlich durchbohrt hatte und dadurch der bedeutende Schlag erfolgt war. Den Täter selbst, der schleunigst das Weite suchte, hat er nicht erkennen können. h Rüthen. Unter daseigene F werk geraten. Der Sohn des Landwirts Melchior Helle führte mit seinem Fuhrwerk unter dem Burgberg für seinen Vater Fuhren aus Aus bisher unbekannter Gründen wurden die Pferde plötzlich unruhig und gingen durch. Der junge Mann wurde überfahren und mußte mit einem Beinbruch dem Krankenhause zugeführt werden. Wer trägt die Industriebelastung? Käufer oder Verkäufer des Grundstücks? — RPD.— Das Reichsgericht hat in seinem Urteil— IV 290/29— die Frage, ob die Industriebelastung auf Grund des Industriebelastungsgesetzes vom 20. August 1924 zu den öffentlichen Abgaben und anderen öffentlichen Lasten im Sinne des§ 436 BGB. gehört, verneint. In der Begründung kommt es zu der Auffassung, daß die Industriebelastung keine Last im Sinne des§ 436 BGB. sei. Hierzu bieten auch die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches maßgebenden Anhalt. Das Bürgerliche Gesetzbuch versteht unter Lasten nur Leistungen, die aus dem Grundstück zu entrichten sind und insofern im Gegensatz zu den Nutzungen stehen, als der Nutzungswert des Grundstückes durch sie gemindert wird. Von der Uebergabe des Grundstücks an trägt der Erwerber die Last nach§ 446 BGB. Mit dieser Regelung sind die hier interessierenden Bestimmungen des IBG. unvereinbar. Die Industriebelastung stellt als solche nur eine persönliche Verbindlichkeit des mit ihr Belasteten — nicht des Unternehmens— dar, für die er nicht nur mit seinem Betriebsvermögen, sondern mit seinem ganzen Vermögen haftet. Gegen die Natur der Industriebelastung als Abgabe im Sinne des§ 436 BGB. spricht ferner der Umstand, daß die Verbindlichkeit aus der Industriebelastung der Bank für deutsche Industrieobligationen sowie den Privatpersonen geschuldet wird, die im Besitze der veräußerlichen Schuldverschreibungen sind. Die Hochflut der Studierenden An den deutschen Hochschulen nimmt die Zahl der studierenden Reichsangehörigen weiter zu, vom Sommer 1928 zum Sommer 1929 um 10,1 Prozent, der Frauen allein um 25,3 Prozent. Der Anteil der Ausländer ging dagegen gleichzeitig von 5,8 auf 5,5 zurück. 1929 studierten 123 700 Immatrikulierte. Seit dem Sommer 1925 hat deren Gesamtzahl sich um Eine Kundgebung der Reichsbahnarbeiter N“ ahme fol ender Nieder. über 300 Millionen Mark betragenden Verkehr Wir werden um Aufnahme(bigender Niederschrift gebeten: Am vergangenen Sonntag tagte in Hagen eine Bezirkskonserenz der Reichsbahnhandwerker und=Arbeiter der christlich=nationalen Gewerkschaft deutscher Eisenbahner. Rund 150 Delegierte aus allen Orten des Reichsbahndirektionsbezirk Elberfeld waren anwesend. Der Geschästsführer Walker=Berlin berichtete über den Stand der neuesten Abbauaufnahmen der Reichsbahn. Infolge der vorhandenen Verkehrschlappe herrsche bei der Reichsbahn vollständige Kopflosigkeit in der Personalpolitik. Die Direktionen sind angewiesen, den Personalstand zu verringern. Das führe zu den unsinnigsten Maßnahmen in einigen Direktionen. So hat z. B. die Direktion Altena angeordnet, daß die Rangierkolonne zu verkleinern, Bahnhofsteile, Stellwerke usw. stillzulegen, die Dienstschichten zu verlängern sind und ähnliches. Wörtlich heißt es dann:„So dürfen z. B. vereinzelt etwa zu befürchtende kleinere Schwierigkeiten im Betriebsdienst, geringfügige Unregelmäßigkeiten in der Bedienung des Verkehrs, Bedenken in Bezug auf den Reinigungszustand der Personenwagen, Diensträume usw. nicht dazu führen, eine an sich etwa mögliche Einschränkung zu unterlassen.“ Wir wollen nicht schwarz malen, aber wenn durch eine solche Außerachtlassung der bestehenden Vorschriften Unfälle vorkommen, die u. E. unvermeidbar sind, ist unter Umständen nicht nur der Schaden größer als der Nutzen, sondern das Personal wandert, weil es„gegen die Vorschriften verstoßen hat“, ins Zuchthaus. Die beklagenswerten Opfer dagegen kann auch die Reichshauptverwaltung nicht ersetzen. Auch im Direktionsbezirk Elberfeld„sollen" 550„Köpfe“ zu viel sein, daher ist auch hier angeordnet, die Dienstpläne zu ändern. Nur die nach den Vorschriften geringste Zahl der freien Sonntage(17 im Jahr sollen gewährt werden), nur besonders schwere Betriebsverhältnsse machen eine Ausnahme. Die Ablöser haben geleistete Sonntagsarbeit, die nicht besonders vergütet wird, gemacht, die zwar noch bis zum 31. Dezember tariflich behandelt, dann aber evtl. entlassen werden sollen. Die Versammlung erhob gegen alle diese von der Reichsbahnhauptverwaltung angeordneten Maßnahmen schärfsten Protest. Die Belastung des Personals hat schon längst ihren Höhepunkt erreicht, eine weitere Belastung muß die Betriebssicherheit auf das ernsthafteste gefährden. Die Versammlung verkennt keineswegs die Tatsache, daß infolge des Verkehrsrückganges der letzten Monate die Einnahmen für die Reichsbahngesellschaft zu wünschen übrig ließen. Sie ist sich auch dessen bewußt, daß die hohe Reparationsbelastung und die üder 500 Millionen Malt betragendenTerr490 steuern, die der Betrieb aufzubringen hat, der Reichsbahngesellschaft Schwierigkeiten bereiten. Auch aus diesen Gründen ist ja die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner von sich aus immer dafür eingetreten, daß eine Ermäßigung der Reparationslasten und nachdem das auch im neuen Plan leider nicht möglich wurde, eine Erlassung der Verkehrssteuer durch das Reich eintreten soll. Auf jeden Fall aber darf die zur Zeit außerordentlich hohe und bedauerliche Arbeitslosigkeit nicht durch eine weitere Entlassung von Reichbahnarbeitern noch vergrößert werden. Die Möglichkeit, das gesamte Personal, das ja schon in wenigen Wochen infolge der zweisellos eintretenden Verkehrssteigerung kaum erreichen wird, um den Betrieb ordnungsmäßig durchzuführen, im Dienst zu behalten, ergäbe sich schon dadurch, wenn die Reichsbahngesellschaft keine sogenannte Unternehmerarbeiten vergeben würde, 2. die nach Verfügung Nr. 53/238/166 vorgesehenen Leistungszulagen dazu verwenden würde, um die Tagewerke mit zu finanzieren. Versammlung glaubt, daß diese beiden Forderungen leicht durchzuführen sind und auch dem Gebot der Billigkeit entsprechen. Sie hält es jedenfalls für ganz undenkbar, daß man an private Unternehmer Aufträge vergibt und eigenes Personal entläßt, oder besondere Leistungszulagen auswirft, die bekanntlich 20 Millionen Mark ausmachen, in einer Zeit, wo man einen Teil der Personals durch diese Gelder vor der Erwerbslosigkeit schützen kann. Die Versammlung macht die Reichsbahngesellschaft auf die vorhandene große Erbitterung des Personals, vor allem im Verkehrs=, Betriebs=, Unterhaltung= und Werkstättendienst, die durch das rücksichtslose Vorgehen der Aemter und Dienststellenvorsteher bei der Nachprüsung des Personalkopfstandes, der Dienstpläne usm. entstanden ist, mit allem Ernst aufmerksam. Große Erbitterung entstand vor allem auch deswegen, weil die vorgesetzten Dienststellen und Aemter zum Teil unter Verletzung bestehender Vorschriften die Mitwirkung der Personalvertretung ausgeschaltet haben. Sie erhebt dagegen entschieden Einspruch und glaubt auch nicht, daß dieses rücksichtslose Vorgehen, das zur allergrößten Verärgerung des an sich dienst= und berufsfreudigen Personals führen muß, im Interesse der Reichsbahngesellschaft liegt. Mit einer Entschließung in vorstehendem Sinne, die der Reichsbahnhauptleitung zugesandt werden soll und mit einem Apell zur gröteren Einmütigkeit und Geschlossenheit aller Eisenbahner schloß die imposante Kundgebung. gibt mühelos dauerhaften, trittfesten, naß wischbaren Hochglanz, riecht so angenehm mild und reicht doppelt so weit wie gewöhnliche Ware; ist also in Wirklichkeit billiger. Preis: ½-Dose RM. 1.50, ½-Dose RM. 2.80 mit Wertmarken zum Sammeln! Auch flüssig in Flaschen. Erhältlich bei: Max Mehlhose, MedizinalDrogerie. 39 Prozent erhöht, die der weiblichen allein um 114 Prozent. An den Universitäten ist Zahl um 56 Prozent gestiegen, an den Tierärztlichen Hochschulen um 119 Prozent. Die Technischen Hochschulen hatten nur eine geringe Steigerung, während die übrigen Hochschulgattungen stark zurückgingen. Der Andrang läßt aber nach. Die Zahl der Reichsdeutschen im 1. Semester stieg vom Sommer 1928 bis 1929 nur um 4,2 Prozent auf 23 504, während die Zunahme 1927 noch 20,7 Prozent betragen hatte. Von den Hauptstudienfächern haben die Rechtsund Wirtschaftswissenschaften an Anziehungskraft verloren. Ihr Anteil hat sich von 29,3 auf 26 Prozent verringert. Dagegen erhöhte er sich bei der Heilkunde von 15,2 auf 18 Prozent, ähnlich bei der evangelischen Theologie und dem Lehramt. Die technischen Fächer haben Rückgänge. Börsen und Märkte — Dortmunder Wochenmarkt. Man konnte es auf dem gestrigen Wochenmarkt an dem starken Besuch und der regen Kauflust des Publikums merken, daß vorgestern der„Erste" gewesen war. Nicht wenig trug auch das schöne Wetter zur Belebung des Geschäfts mit bei. Namentlich der Obst= und Gemüsemarkt bildeten eine starke Anziehungskraft. Apfelsinen wurden zu Schleuderpreisen abgegeben, bis zu 9 Stück für 50 J. Bananen kosteten 45 bis 50 J, Zitronen je Stück 5 J., Aepfel 40 J. Die Gemüsehändler boten frischen Spinat zu 30 L, Feldsalat zu 60 bis 80 J, Kopfsalat zu 20 J, Rosenkohl zu 25, wurzeln zu 15 J., Blumenkohl zu 50 bis 60 L an. Die Fischverkäufer hatten zwar auch für reichliche Auswahl an Schellfisch, Kabeliau, Rotbarsch, Seehecht und Heringen gesorgt, doch war der Absatz nicht so groß. Lebhafte Umsatztätigkeit entwickelte sich auch am Kleintiermarkt. Junge Hühner, Enten, Tauben und geschlachtetes Geflügel wurden in Mengen angeboten. Der Bedarf war recht beachtlich. Die Eierverkäufer verlangten für frische Trinkeier 10 J je Stück. Molkereibutter war für 1,80 bis 1,90 Mark erhältlich. Der Fleisch= und Wurstmarkt war sehr gut beschickt. Die Verkäufer gaben ihre Waren zu den bisherigen Preisen ab. Es wurde vor allem Gütersloher Dauerwurst umgesetzt. Die Blumenfreunde fanden am Blumenmarkt eine große Auswahl von Schnitt= und Topfblumen vor. Junge Pflanzen wurden viel begehrt. Dortmunder Zucht= und Faselviehmarkt vom 2. April. Auftrieb: 538 Stück Großvieh, 35 Kälber, 218 Schweine. Der Handel war im ganzen schleppend. Es kosteten Kühe 300—600 Mark, Rinder 250—475 Mark. Beste Tiere wurden über Notiz bezahlt. Sämtliches zum Markt aufgetrieben gewesenes Großvieh ist gegen Maul= und Klauenseuche geimpft worden. Am Schweinemarkt war der Handel sehr langsam. Es kosteten Ferkel im Alter von 6 bis 8 Wochen 30—36 Mark, von 8 bis 10 Wochen 36—45 Mark, von 10 bis 12 Wochen 45—65 Mark. Der nächste Markt findet am 9. April Was hören wir im Rundfunk? Freitag, den 4. April 1930. 06,45: Leibesübungen 07,00: Morgenkonzert 10,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst 12,10: Schallplattenkonzert 12,50: Wetterdienst 12,55: Nauener Zeitzeichen 13,05: Mittagskonzert 14,30: Funkwerbung 15,00: Kinderspielstunde 15,50: Lini Wallerstein zum 25. Todestag“. 16,10: Regierungsrat Dr. Geis:„Familie und Steuerrecht." 16,30: Der westf. Kulturkreis. Dr. ten. Doornkaat Koolmann:„Paderborn“ 16.50: Jugendfunk 17,30: Orgelstunde 18.50: Vom Tage 19,00: Wirtschafts=„Wetter= und Sportdienst 19.15: Englische Unterhaltung 19.40: Technik für alle 20,15:„Schlager“(Sächs. Hörspiel) Dunach Boctumft. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Haus Eberhard Lex, Schwerte. Volksleben und Wirtschaft ha. Wiederblebung nach elektrischen Unfällen. Wiederbelebungsversuche sind bei elektrischen Unsällen mehrere Stunden durchzuführen. Man weiß dies seit langem. Auch die Aerzte sind hierauf wiederholt von Amts wegen hingewiesen worden. Auf ein Schreiben der Berufsgenossenschaft für Feinmechanik und Elektrotech= nik ist jetzt den Provinzialbehörden anheim gestellt worden, von neuem auf die Aerzteschaft einzuwirken. Man glaubt immer wieder, daß auf ärztliche Anordnung unter Umständen noch aussichtsreiche Wiederbelebungsversuche abgebrochen würden. Insbesondere die Laien überschätzen vielsach die Möglichkeit einer Wiederbelebung und den Ersolg langer fortgesetzter Wiederbelebungsversuche. Die Versuche dürsen deshalb nur mit Vorsicht ausgegeben werden, vor Ablauf von zwei Stunden nur, wenn Totenstarte und Leichenslecke sich zeigen oder nicht die besonderen Umstände des Unfalles Zweifel an dem Tode ausschließen. ha Der Rückgang der Preise. Die Großhandelspreise einer beträchtlichen Anzahl von Waren sind seit dem Herbst erheblich gesunken. Zum großen Teil führt man dies auf den Rückgang der Geschäftslage in Deutschland zurück. Aber auch die Preise der Welthandelsgüter unterlagen derselben Richtung in wichtigen europäischen und außereuropäischen Ländern. In der Sentung der Preise dürfte auch eine ganz allgemeine Abwärtsbewegung zum Ausdruck kommen. Der technische Fortschritt hat in den letzten Jahren die Erzeugung so gesteigert, daß der Verbrauch nur bei sinkenden Preisen zu folgen vermag. Die deutsche Indexzifser der Großhandelspreise fiel von September bis Ende Februar von 138,1 auf 128,1 oder um 7,2 Prozent. Den stärksten Preisrückgang hatten wie auf dem Weltmarkt die Webrohstofse. Ebensalls durch den Weltmarkt bedingt ist der Rückgang der Preise für Nichteisenmetalle, Häute und Leder, technische Oele und Fette sowie Kautschuck. Unter der schlechten inländischen Geschäftslage haben vor allem die Preise für Halbfabrikate und Fertigwaren nachgegeben. ha 10 Jahre Reichsbahn. Die Eisenbahnen der deutschen Länder wurden vom 1. April 1920 an für Rechnung des Reiches betrieben. Am 20. Februar hatten die abschließenden Verhandlungen des Reiches mit den Ländern stattgesunden. Am 30. April wurde das Reichsgesetz vollzogen und am 5. Mai die Länderbahnen in die Verwaltung des Reiches übernommen. Staatssekretär Dr. Stiehat darüber jetzt Erinnerungen und kritische Betrachtungen von ihm selbst und seinen Mitarbeitern zusammengestellt. Reichsbahndirestor Dr. Kittel behandelt die Länder und die Verreichlichung, Reichsbahndirektionspräsident Dr. Sarter staatsrechtliche und organisatorische Fragen, Reichsbahndirektor Dr. Homberger Finanzen und Wirtschaftsführung, geheimer Regierungsrat Scholz das Tariswesen, Reichsbahndirektionspräsident Dr. Roser die Personalverhältnisse, Reichsbahndirektor Sommerlatte Verkehrsfragen, Reichsbahndirektionspräsident Loewel den Betriebsdienst, geheimer Oberbaurat Kraefft bautechnische Angelegenheiten, Reichsbahndirektor Fuchs den maschinentechnischen Dienst und geheimer Baurat Dr. Ing. Kühne das Werkstättenwesen. ha Der Arbeitsmarkt in den Berufen. Der Höhepunkt der winterlichen Arbeitslosigkeit bei den Außenberufen wurde in der Woche vom 10. bis 15. Märzz in allen Bezirken überwunden. Die Landwirtschaft braucht Hilfe bei der Frühjahrsbestellung. Der Bau hat mit der Wiederherstellung, dem Um= und Innenbau sowie dem Abschluß zu tun. Bei Neubauten hält die Zurückhaltung an. Binnenschiffahrt, Hasenschiffahrt, Hasenverkehr und Reichsbahn braucht Kräfte. Bei der Bekleidung ist der jahreszeitliche Höhepunkt schon erreicht. Belastet wird der Arbeitsmarkt durch den Bergbau. Die Zahl der Arbeitsuchenden nahm in den letzten Wochen ständig zu. Besonders an der Ruhr stieg die Zahl der Feierschichten. Auch beim Metall ist die Verschlechterung noch nicht zum Stillstand gekommen. Bei der chemischen Industrie scheint die Besserung der Vorwoche nicht anzuhalten. Ebensowenig hat sich bei den Spinnstoffen an der Ungleichheit etwas geändert. Auch beim Zellstoff und dem Papier sowie dem Leder blieb die Lage weiter schwankend und uneinheitlich. Bei der Vervielfältigung beharrt die Unsicherheit. ha Für Kakaozoll. Vergütungsordnung. Der Kakaozoll wird bei der Ausfuhr von Kakaowaren auf Grund eines Gesetzes von 1892 vergütet. Der Reichsminister der Finanzen hat dazu jetzt eine besondere Kakaozoll=Vergütungsordnung erlassen. In Betracht kommen Bruch, Masse, Butter, Pulver und Waren, die aus diesen hergestellt sind. Kakaohaltige Waren müssen mindestens 10 Prozent Eigengewicht an Kakaobestandteilen enthalten. Kataobestandteile in der Füllung von Pralinen werden nicht vergütet. Kakaobruch und Kakaomasse dürsen fremde Stoffe nicht enthalten. Auch Kakaobutter muß frei von fremden Stoffen sein. Die Vergütung beträgt 100 kg. Bruch 45,50 Mark, Masse und Butter 46, Pulver 45,30, Waren mit Pulver 4,53, mit Masse 4,60 Mark. Sie wird den Herstellern der Waren auf Grund eines Zusagescheins des Landessinanzamts gewährt. 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Die Frage der preußischen Sparkassenaufwertung ist in ein ganz neues Stadium getreten dadurch, daß die nun vorliegenden Aufwertungsbilanzen der Sparkassen ergeben, daß durcht'eg die Sparkassen auch in Preußen weit sher auswerten können, als man früher annahm. Die Folge ist, daß die Sparkassen selbst sich dafür einsetzen, höher aufzuwerten, als wie es die derzeitige Durchführung erlaubt. Hierzu setzen die Sparkassenvorstände sich selbst dafür ein, daß der sogenannte Ausgleichstock in Berlin beseitigt werden soll. Ueber allen Zweisel sachverständig und mit einem seit 1918 nicht alltäglichen Freimut vertritt soeben das Recht der Sparer und der Sparkassen eine Denkschrift, welche Herr Oberbürgermeister Kiwit in WanneEickel dem Preußischen Landtag hat zugehen lassen und aus der wir folgenden Auszug bringen: „Wanne=Eickel, den 7. März 1930. Denkschrift betr. die Notwendigkeit einer höheren Aufwertung durch die Sparkassen von Oberbürgermeister Kiwit, Wanne=Eickel. An die Mitglieder des Preußischen Landtages. Die Aufwertungsbilanzen der preußischen Sparkassen sind fertiggestellt und der Regierung eingereicht. Diese haben ergeben, daß die Aufwertungsmasse der Sparkassen bedeutend höher ist, als man bisher angenommen hat. So ergibt sich für die Sparkasse Wanne=Eickel nach Maßgabe der Aufwertungsbilanz, die aufgestellt ist nach den Vorschriften der Regierung, eine Aufwertungsquote von 55 vom Hundert. Auch bei anderen Sparkassen, wie zum Beispiel Bielefeld, Neuß, Castrop=Rauxel, Wattenscheid, Gelsenkirchen usw. geht die in der Auswertungsmasse liegende Aufwertungsquote weit über den vorgesehenen Aufwertungssatz von 15 vom Hundert hinaus. Die Ausschüttung einer höheren Aufwertungsquote kann jedoch leider nicht erfolgen, solange die 4. Preußische Ausführungsverordnung zum Aufwertungsgesetze vom 26. Juli 1927 zu Recht besteht, da nach dieser Ausführungsverordnung nur eine Aufwertung von 15 v. H. ist nach der genannten Durchführungsordnung sowohl Mindest= wie Höchstgrenze. Bezüglich des über 15 v. H. hinausgehenden Mehrbetrags bestimmen§§ 2 und 3 der genannten Verordnung folgendes: „§ 2. Zum Zwecke der Aufbringung der durch die Erhöhung des Aufwertungssatzes von 12½ v. H. auf 15 v. H. erforderlichen Mittel wird ein Sparkassenausgleichsstock gebildet, über dessen Verwaltung und Verwendung der Minister des Innern Bestimmung trifft. § 3. Sparkassen, bei denen das aufgewertete Sparkassenvermögen ihre Aufwertungsverbindlichkeiten übersteigt, sind verpflichtet, den überschießenden Betrag dem Sparkassenausgleichsstock zuzuführen. Sparkassen, bei denen das aufgewertete Sparkassenvermögen nicht ausreicht, um die letzten 2½ Prozent ihrer Auswertungsverbindlichkeiten zu decken, sind Der Sefztals Roman von Robert Misch. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S). 42. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Wie betäubt von seiner Entdeckung, starrte er auf das junge Mädchen. Wenn er nun hinging und sie küßte— was dann? Jetzt schon hämmerte ihm das Herz wie ein Schmiedehammer, wie einem richtigen„Feigling“. Nein, küssen durste er sie nicht so ohne weiteres. Erst sondieren. Am Ende dachte sie doch nicht an ihn und hielt ihn für verrückt oder hab ihm eine Ohrfeige. Also erst vorsichtig sondieren. Maxi hatte zu weinen aufgehört. Sie schnaupte sich energisch die Nase, als wollte sie dem unnützen Gesühlsdusel ein für allemal ein Ende machen. Der Fritz hatte sie weich gesehen. Das durfte nicht mehr vorkommen. Aber eine Schwester und Freundin wollte sie ihm immer sein, wenn es ihn so glücklich machte. Aber um Gottes willen, was war das? Eine Hand strich sanft und vorsichtig über ihr Haar. Und da sie sich nicht rührte, über die linke Wange. Und da sie sich in seligem Schrecken noch immer nicht bewegte, hatte Fritz genug sondiert, und es regnete Küsse auf ihr Gesicht, so glühend und leidenschaftlich, wie sie Herrn Kaltenbach junior niemand zugetraut hatte. „Donnerwetter, bin ich glücklich"! sagte er, als er wieder zu Atem kam.„Maxi, Maxi, warum hast du mich nicht schon früher darauf gebracht? Warst immer so ernst und stolz..“ „Es wurde mir schwer genug,“ versicherte Maxi mit einem glücklichen Seufzer. „Wie lange liebst du mich denn eigentlich?“ „Schon seit vielen Jahren. Aber als du dich dann verlobtest...“ „Ich habe mich doch nicht verlobt; das verbitte ich mir!“ rief Fritz energisch.„Und jetzt gleich gehe ich hinunter, obwohl ich höllische Angst habe. Aber jetzt habe ich auch Mut— und wenn mich Papa umbringt. Ich würde ja furchtbar unglücklich werden an Annas berechtigt, aus dem Sparkassenausgleichsstock entsprechende Zuschüsse zu verlangen.“ Diese Bestimmung ist äußerst ungerecht. Weiter trifst sie nur eine unvollständige Regelung über die Verwendung der an den Ausgleichsstock abzuführenden Summen, da jetzt schon feststeht, daß diese Summen bei weitem größer sind, als zur Auffüllung einer allgemeinen Auswertungsquote von 12½ v. H. auf 15 v. H. notwendig ist. Was geschieht aber mit diesen Mehrbeträgen? Darüber ist nichts bestimmt! Eine Neuregelung ist daher schon zur Beseitigung dieser Lücke in der zur Zeit bestehenden Regelung notwendig, abgesehen von der großen Ungerechtigkeit, die darin für die Altsparer liegt. Denn die über 15 v. H. hinausgehende Aufwertungsquote einer Sparkasse gehört ausschließlich den Altsparern derjenigen Sparkasse, die zu dieser höheren Aufwertung in der Lage ist. Den Altsparern durch eine gesetzliche Regelung dieses Geld teilweise wegzunehmen, ist legales Unrecht, obwohl diese abgeführten Beträge teilweise den Sparern anderer Sparkassen zugute kommen sollen. Denn durch diesen guten Verwendungszweck wird das Unrecht nicht eine gute Tat, da über fremdes Gut verfügt wird. Zwar ist die zeitige Regelung im Verordnungswege erfolt. Sie ist dennoch eine gesetzliche, da diese Verordnung nur deshalb möglich war, weil das Aufwertunggesetz vom 16 Juli 1925 in§ 58 die Ermächtigung zum Erlaß einer derartigen Verordnung gegeben hat. Es ist eine Forderung des primitivsten Empfindens, daß ein Schuldner seinen Gläubngern mindestens das zurückzahlt, was er noch im Besitze hat. Kommt man aber zu dem Ergebnis, daß es eine Forderung des primitivsten Rechtsempfindens ist, daß einer das, was er von einem anderen darlehensweise empfangen hat, mindestens insoweit zurückzahlen muß, als er es noch im Besitze hat, so ergibt sich, daß die gesamte Aufwertungsmasse, die eine Sparkasse besitzt, restlos den Altsparern dieser Sparkasse gehört. Was die Schädigung des Vertrauens zu den Sparkassen betrifft, so vermag nichts das Vertrauen zu den Sparkassen mehr zu schädigen und dem Publikum die Sympathie zu den Sparkassen zu nehmen, als eine gesetzliche Regelung, die bestimmt, daß alle Sparkassen, die eine Aufwertungsquote von über 15 v. H. haben, diesen Mehrbetrag einem Ausgleichsstock zuzuführen haben, über dessen Verwendung der Innenminister allein Bestimmung trifft, also unter Ausschaltung jeder Rechnungslegung und jeder Kontrolle durch das Parlament eigenmächtig verfügt. Allerdings sollen aus diesem Ausgleichsstock diejenigen Sparkassen, bei denen das aufgewertete Sparkassenvermögen nicht ausreicht, um 15 v. H. Aufwertung zu zahlen, einen Zuschuß in Höhe von 2½ v. H. ihrer Aufwertungsverbindlichkeiten erhalten. Die sich im Aufwertungsstock ansammelnden Summen werden aber über den hierfür erforderlichen Betrag weit hinausgehen. Die Sparkasse Wanne=Eickel wird rund 4000000 Mark abzuführen haben. Bei anderen Sparkassen wird es ähnlich sein. Nach einer Schätzung für die Provinz Westfalen rechnet man damit, daß etwa 6000000 Mark notwendig seien, um die erwähnten 2½ v. H. zu dekken, daß aber darüber hinaus über 50000 000 Mark allein in Westfalen zur Verfügung stehen, die an den Ausgleichsstock abgeführt werden müßten zur freien Verwendung des Innenministers. Es wird sich also beim Innenminister ein Fonds von Hunderten von Millionen bilden. Was geschieht aber mit diesem Gelde? Darüber sagt die angezogene Bestimmung nur, daß auch diese dem Ausgleichsstock zuzuführen sind und der Minister des Innern über die Verwaltung und Verwendung dieses Geldes zu bestimmen hat. Wenn auch davon auszugehen ist, daß bei Erlaß der genannten Verordnung bezüglich der Verwendung dieser Mehrbeträge man nicht an aufwertungsfremde Zwecke gedacht hat, so bleibt das große Bedenken bestehen, daß die Zwecke, für die die Mehrbeträge verwandt werden sollen, in der Verordnung nicht festgelegt sind. Der Altsparer aber hat das Recht, zu wissen, was mit dem Gelde, das nach Recht und Billigkeit ihm gehört, geschieht, bevor das Geld an den Ausgleichsstock nach Berlin abgeführt wird. Nach der jetztigen Regelung besteht kein Zweifel, daß diese Beträge aber vorerst abgeführt werden müssen. Sind die Millionensummen aber erst in Berlin, so besteht bei dem katastrophalen Finanzelend im Reich und damit auch im Staat die Gefahr, daß sie vorerst kurzfristig zur B.,eitigung irgendeiner drückenden Verpflichtung angelegt werden. Die Berechtigung hierzu nach außen hat der Innenminister, da nach der genannten Verordnung er allein über die Verwendung Bestimmung trifft. Auch würde dies nicht ungesetzlich sein, weil bis zur anderweitigen Verwertung, sei es nach§ 58 des Aufwertungsgesetzes, sei es im Sinne einer Individualauswertung, die allein der Gerechtigkeit entspricht, das Geld nicht zinslos liegen bleiben kann. Man fragt sich erstaunt, wie man in unserem parlamentarischen Zeitalter, in dem kein Ausschuß, möge er Gesundheitsausschuß, Wohlfahrtsausschuß, Jugendamtsausschuß oder sonstwie heißen, gebildet werden darf, ohne daß alle direkt oder indirekt Beteiligten vertreten sein müssen, möglich ist, daß ein Millionenfonds zur Verwaltung und Verwendung dem Innenminister überlassen wird, ohne die Verpflichtung, das Parlament oder eine sonstige Stelle über die Verwendung zu hören. Das Unrecht, das den Altsparern bei dem Bestehenbleiben der zeitigen Regelung zugesügt wird, kann nicht scharf genug verurteilt werden. In den Industriestädten, z. B. Wanne=Eickel, bestehen die Altsparer zum weitaus größten Teil aus Arbeitern und kleinen Angestellten, die sich ihr Sparguthaben vom Munde abgespart haben, um sich eine Sicherung für die Zukunft zu Donnerstag, 3. April 1930 schafsen. Sie haben daher ein Recht darauf, daß ihnen die volle Aufwertungsquote, die eine Sparkasse hat, ausgezahlt wird. Man fragt sich, was hat der Sparer mit dem Innenminister zu tun? Der Sparer ist als Inhaber eines Sparkontos privatrechtlicher Gläubiger mit allen Rechten der Rechtsordnung, nicht der Untertan, über dessen Vermögen der Innenminister irgendein Verfügungsrecht hat. Man wird weiter einwenden, daß die Anregung einer anderen Aufwertung der Sparkassen neue Beunruhigung hervorrufen wird. Abgesehen davon, daß es die Sparer nichts angeht, wenn andere ihre Ruhe haben wollen, ist dieser Einwand nicht richtig. Denn nach dem Vorschlage dieser Denkschrift soll bei den Sparkassen die Auswertung in dem gleichen Maße vorgenommen werden, wie sie sonst allgemein bei den Pfandbriefanstalten, Hypothekenbanken und in allen sonstigen Fällen gesetzlich geregelt ist. Es soll nur die Ausnahmestellung der Sparer beseitigt werden. Eine Angleichung an die allgemeine gesetzliche Regelung kann aber berechtigterweise eine Beunruhigung nicht hervorrufen. Die Erkenntnis, daß die zur Zeit bestehende Regelung bezüglich der Auswertung durch die Sparkassen eine andere Regelung erfahren und der vorgesehene Ausgleichsstock beseitigt werden muß, gewinnt immer mehr an Boden. In den verschiedensten Sparkassenverbänden ist man der Ansicht, daß die jetzige Regelung nicht bestehen bleiben kann. Ist dies aber der Fall, so wird vielleicht der Einwand erhoben, weshalb denn diese ganze Aktion? Wenn diese bessere Einsicht sich schon ganz allgemein bildet und auch in Sparkassenkreisen vertreten wird, dann wäre es richtiger, diese Entwicklung erst abzuwarten. Dieser Einwand übersieht aber, daß gerade dann, wenn eine bessere Erkenntnis in der Entwicklung begriffen ist, es notwendig ist, daß diese bessere Erkenntnis gefördert wird, damit sie restlos zum Durchbruch kommt. In Sparkassenkreisen besteht vielfach die Auffassung, daß der Ausgleichsstock beim Innenminister allerdings beseitigt werden muß. Es wird aber andererseits die Meinung vertreten, daß an seiner Stelle ein provinzieller Ausgleichsstock für die Sparkassen der einzelnen Provinzen gebildet werden muß. Eine solche Regelung auf provinzieller Grundlage würde aber das gleiche Unrecht enthalten, es würde sich dann nur in der Provinz vollziehen statt wie bisher in ganz Preußen. Es ist Aufgabe der berufenen Stellen, dafür zu sorgen, daß die bestehende Regelung zu Fall gebracht wird und die Individualauswertung für jede einzelne Sparkasse zur Durchführung gebracht wird, damit auch nicht ein Teil des Unrechts übrig bleibt nach dem Grundsatz:„Was fällt, soll man stoßen.“ Die Durchführung einer Invidualaufwertung der Sparkassenguthaben bei jeder einzelnen Sparkasse ist gesetzestechnisch sehr einfach. Nach§ 55 des Aufwertungsgeses ist auch bei Sparkassen grundsätzlich die IndividualaufwerSeite. Jawohl, Vater, werde ich sagen— Hochzeit kann sein in vier Wochen, aber mit meiner Maxi! Oh, Maxi, das wird ein Leben..! Ein gemeinsames Atelier... und wir beide immer zusammen von morgens bis abends... und dann wieder von abends bis morgens, hurra“ „Aber mein Vater—“ „Bleibt natürlich bei uns. Und du zankst mit mir den ganzen Tag und— du gibst mir einen Kuß zur Stärkung; denn jetzt springe ich hinunter in die Löwengrube.“ Leise, ganz leise öffnete sich die Korridortür, und Herr Kaltenbach flitzte unhörbar und ungesehen in sein Zimmer. Von drüben, aus dem Wohnzimmer, vernahm er lautes, erregtes Sprechen. Der Rentier rieb sich schmunzelnd die Hände. Sie mußten doch alle nach seiner Pfeife tanzen, und er hatte ihnen einmal wieder den Herrn gezeigt wie früher. Sie glaubten, ihn geduckt zu haben, und nun war er wieder emporgeschnellt. Hatte er sich vor der Schwägerin auch in kleinen Dingen gesügt, bei den Haupt= und Staatsaktionen wußte er seinen Kopf durchzusetzen. Und das sollte noch ganz anders kommen: war die Schwägerin erst seine Frau, konnte er endlich die Maste der Fügsamkeit fallen lassen und frei über sie und ihre Reichtümer schalten. Denn freie Hand mußte sie ihm natürlich lassen. Das Vermögen, so groß es auch war, mußte noch vermehrt werden. Geld kann man nie genug haben—„nie genug“, sagte Herr Kaltenbach ganz laut vor sich hin. Geld ist Macht — und welche Wonne, es zu vermehren, immer zu vermehren! Die große Grundstücksspekulation da draußen in Halensee, zu der Millionen gehörten, konnte er dann auch verwirklichen ohne jede Hilfe anderer. Verfünf= und verzehnsachen würde sich in einigen Jahren das Kapital, das man hineinsteckte. Freilich, er selbst würde nichts mehr davon haben— nur seine Kinder. Wofür sparte und spekulierte er denn aber überhaupt? Doch nur für sie, für diese Undankbaren, die sich gegen seine Wohltaten sträubten. Dieser Dummkopf von Fritz würde eines Tages mit Annas Geld und seinem und der Tante Erbe ein mehrfacher Millionär sein. Und da kam ihm plötzlich ein guter Gedanke. Der Junge stand sich ausgezeichnet mit der Schwägerin, die ihm in allem das Wort redete. Wenn er ihr nicht direkt seine Hand antrug, sondern durch Fritz gewissermaßen den Freiwerber machen ließ? Es war doch eine heikle und peinliche Sache so geradezu... Wenn sie ihm nun einen Korb gab?! Die Möglichkeit war doch immer in Betracht zu ziehen. Hatte Fritz sie aber vorher ausgeforscht, so konnte er einen offiziellen Antrag und Korb vermeiden, falls sie dem Plan abgeneigt wäre. Doch warum sollte sie das eigentlich? Die Schwägerin wollte gewiß lieber Herrin und Hausfrau bei ihm spielen, als gewissermaßen nur Gast in seinem Hause sein. Die meisten Witwen heirateten gern wieder und in ihrem Alter waren die Chancen nicht mehr so groß. Ein jüngerer Mann konnte es nicht mehr sein, und der erste beste arme Teufel, der ihr Vermögen vergeuden würde, auch nicht. Vor allem würde sie aber glauben, daß sie als Gattin und Stiesmutter einen noch größeren Einfluß ausüben, die Herrschaft ganz an sich reißen, Mann und Kinder nach ihrem Gutdünken würde regieren können; denn sie war sehr herrschsüchtig, die gute Schwägerin. Er wollte ihr den Wahn natürlich nicht rauben— bis nach der Hochzeit. Wenn sie wollte, konnte diese schon in wenigen Wochen stattfinden. Gleich jetzt sollte Fritz mit ihr reden. Er klingelte und befahl dem Mädchen, seinen Sohn Fritz zu ihm herzubitten. Herr Kaltenbach schritt in tiefem Nachdenken auf und ab, als Fritz das Zimmer betrat. Er fixierte seinen Sohn einige Augenblicke mit strenger Miene, was niemals sonst seine Wirtung auf diesen verfehlte. Merkwürdig— heute schien das Mittel zu versagen. Fritz schlug nicht scheu die Augen zu Boden wie sonst; er blickte ihn im Gegenteil so frei und kühn an, mit so leuchtenden Augen. Wollte sich der Junge etwa wiedersetzen? Unsinn, er hatte ihn noch immer fest unter seiner Fuchtel. Uebrigens handelte es sich darum gar nicht. Er wollte ja den Sohn um eine Gefälligkeit bitten; also mußte er auch freundlich gegen ihn sein. „Setz' dich“, sagte er höflich, auf einen Stuhl deutend. Fritz machte ein erstauntes Gesicht; zum Sitzen forderte ihn sonst der Vater nicht auf. „Also es handelt sich um eine Familienangelegenheit, die dich vielleicht in Erstaunen setzen wird," begann Kaltenbach zögernd.„Aber ich habe mir die Sache reiflich überlegt... übrigens ist das meine Sache! Daß Tante Charlotte sehr reich ist, nun, das gehört eigentlich nicht hierher. Aber sie hat mehrfach von ihrer Abreise gesprochen, gewissermaßen damit gedroht. Das darf unter keinen Umständen sein, und deshalb... deshalb... Na, verstehst du mich denn noch immer nicht?“ „Nein, Papa!“ „Na, du bist wirklich etwas reichlich schwer von Begriff! Das einzige Mittel, sie dauernd hier festzuhalten, ist— ist— eine Heirat.“ Mit einem entsetzten Laut fuhr Fritz von seinem Sitz auf. „Ich soll die Tante heiraten?“ Herr Kaltenbach brach in ein kurzes Lachen aus. „Dummkopf! Ich will sie natürlich heiraten!“ „A so! Will sie denn, Papa?“ „Witwen wollen immer heiraten. Da sie schon zwei Männer gehabt hat, nimmt sie auch noch den dritten. Ich bin noch ein Mann in den besten Jahren, gesund, reich, das heißt, ich habe mein Auskommen. Ich schmeichle mir, ein ganz netter, liebenswürdiger Mann zu sein. Unsere Charaktere, die sonstigen Verhältnisse, alles paßt vortrefflich zusammen.“ „Und was soll ich dabei tun?“ „Die Tante hat dich gern. Du könntest ihe die Idee so nach und nach beibringen und mir jedensalls Bescheid sagen, ob sie Lust hat.“ Hm!“ Fortsetzung folgt tung in gleicher Weise wie dies im§ 47 für Pfandbriefe usw. geschehen ist. Es ist Aufgabe des Landtages, dahin zu wirken, daß die auf Grund der Ermächtigung des§ 58 vom Innenministerium erlassene Durchführungsverordnung aufgehoben wird. Es tritt dann automatisch die in§§ 55 bis 57 vorgesehene Individualauswertung bei jeder Sparkasse ein. Die Individualaufwertung könnte auch dadurch zur Durchführung gebracht werden, daß unter Aufhebung der bisherigen Regelung der preußische Innenminister gemäß § 58 Ziffer 6 die Individualaufwertung anordnete. Kiwit, Oberbürgermeister. („Deutsches Volksrecht", Nr. 24.) Heute beginnen die Osterferien Schwerte, den 3. April 1930. ##Am heutigen Tage schließen die Schwerter Schulen hinter ferienhungrigen Schülerinnen und Schülern für einige Wochen ihre Tore, und riegeln damit die Räume ab, in denen Tag für Tag der Weisheit helle Flammen entzündet und genährt wurden. Mit dem letzten Glockenschlag stürmen die Buben und Mädels mit lachenden Augen und munterster Fröhlichkeit die grauen Steinstusen hinunter, die in die ungebundene Freiheit führen, in die sonnige, lenzatmende Welt, die so gar nichts von Logarithmen und vom griesgrämigen Pythagoras, vom mumienhaften Attila oder Leonidas und Einstudieren schwieriger Vokabeln weiß und wissen will. Diese Welt hat auch nichts gemein mit dem parademäßigen Aufmarschieren sogenannter„Zensuren“, in geheimsnisvollen Buchdokumenten, bei deren Anblick man deklamieren könnte:„Zwei Seelen wohnen ach in seiner Brust.“ Gewöhnlich ist es jedoch nur eine Seele, die andere macht sich erst daheim am väterlichen Schreibtisch bemerkbar in Gestalt eines heiteren Mienenspiels oder aber es ofsenbart sich jene, die ein tatkräftiges Empfinden vorherrschen läßt und in die Hand des Erzeugers ein definierbares Etwas hineinlegt, mit dem die ängstlichen Augen des hoffnungsvollen Sprößlings gerade keine freundschaftl. Beziehungen verbinden. Wie dem auch sei, was Hänschen noch nicht gelernt hat, wird er demnächst durch erhöhte Hosenbodendisziplin an seinem Arbeitsplatz schnellstens nachholen und danach eisern, daß das elterliche Seelenempfinden im kommenden Jahre mehr Glanz und Wärme aufzuweisen hat als wie das heuer vielleicht der Fall ist. Der Junge oder das Mädel wird schon seinen Weg machen. Nicht alle Hasen legen bereits in ihren jungen Jahren Ostereier ins Nest, dafür werden sie aber später mit besonders bunten und delikaten Erzeugnissen aufwarten. Mit den Osterferien wird die Bilanz des abgeschlossenen Schuljahres gezogen und ein Strich unter die Rechnung gemacht. Ein dicker unverwischbarer Strich! Und nach den osterlichen Festtagen geht es wieder mit frischem Mut und vollen geblähten Segeln an die Arbeit. Doch während der Ferien schweigen alle diesbezüglichen Flöten und unserer Schuljugend ist es von Herzen zu gönnen, daß sie nach arbeitsreichen Wochen nun Gelegenheit hat, sich vom Wissensqualm in Lenzesfreuden und munterem Spiel gesund zu baden. Darum frohe ungetrübte Fahrt in die schönen Osterferien hinein. Lx. für Oberschullehrer Banse Infolge Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt.— Ein Schulmann. der der Stadt Schwerte wertvolle Dienste geleistet hat.— Die musikalische Abendfeier zu Ehren Banses. gegeben.— Liebe sei Banse in reichem Maße zuteil geworden, z. B. im trauten Familienkreise. Als Großvater dürfe er jetzt ebenfalls eine große Liebe genießen. Aber auch die Liebe seitens Gedenktage: 3. April: 1603 Königin Elisabeth von England gestorben(geboren 1533)— 1838 Der Staatsmann Leon Michael Gambetta in Cahors geboren(gestorben 1882)— 1863 Der belgische Maler Henri van de Velde in Antwerpen geboren— 1897 Der Komponist Johann Brahms in Wien gestorben(geboren 1833). Wetterbereicht der Wetterwarte Essen vom 2. April. Die Wetterlage zeigt auch heute wenig Aenderung, da das Hochdruckgebiet über Ost= und Mitteleuropa ebenso wie das Tiefdruckgebiet über Großbritannien in wenig geänderter Stärke und Ausdehnung fortbesteht. Heute früh war es in Deutschland trocken, im Nordwesten wolkig, sonst meist heiter. Die Morgentemperaturen lagen im Osten zwischen—1 und 2 Grad, sonst zwischen 3 und 14 Grad. Der Kahle Asten hatte frischen Südostwind, bewölkten Himmel und 5 Grad Wärme. Aussichten bis Freitag: Meist trocken bei wechselnder Bewölkung und wenig veränderten Temperaturen. Monatsversammlung des Eisenbahnfrauenvereins Schwerte. Am gestrigen Nachmittage fand im Saale des„Westf. Hofes" die traditionelle Monatsversammlung des Eisenbahnfrauenvereins Schwerte statt, die wiederum, wie man es schon von früheren Versammlungen gewöhnt geworden ist, einen guten Besuch seitens der Mitglieder aufzuweisen hatte. Zu dieser Monatsversammlung war es dem Verein gelungen, mehrere Filme von der Fa. Kathreiners Malzkaffee zu erhalten, die in die Entstehung dieses Getränkes einführten und gleichzeitig schöne Naturaufnahmen usw. vermittelten. Die Vorsitzende des Vereins Frau Oberbahnhofsinspektor Kaulisch eröffnete gegen 5,20 Uhr die Versammlung und hieß alle Erschienenen sowie den Vertreter der Schwerter Zeitung, herzlich willkommen. Sie sagte, daß vor Oktober d. J. diese Versammlung im„Westf. Hof die letzte gewesen sei; da man in der Frühlings= und Sommerzeit nunmehr in die Außenbezirke hinauswandere, um dort die üblichen monatlichen Zusammenkünfte abzuhalten. Schriftführer Lentzen verlas dann zunächst die letzte tokollniederschrift, mit deren Fassung sich die Versammlung einverstanden erklärte. Ferner wurden von der Vorsitzenden die künftigen Veranstaltungen mitgeteilt. Die nächste Mitgliederversammlung im Mai soll in SchwerteOst stattfinden. Am 28. Mai werden die Mitglieder des Eisenbahnsrauenvereins mit einem Sonderzug nach Düsseldorf zur Besichtigung eines Mühlenbetriebes fahren. In Anbetracht des Pfingstsestes bleibt der Juni versammlungsfrei, während im Juli ein Ausflug nach der Wirtschaft Möller im Schwerterwald vorgesehen ist. Im August will man sich in der Wirtschaft Hosang in Holzen zusammenfinden und im September nach dem benachbarten Wandhofen hinauswandern. Weiter folgte die Mitteilung, daß der Eisenbahnfrauenverein im kommenden Winter kein besonderes Winterfest feiert, sondern sich mit der Dezemberversammlung begnügen will. In acht Tagen wird Dr. Becker im„Westf. Hof“ seinen letzten Vortrag halten. Nach Erledigung der Tagesordnung und der Wiedergabe eines lustigen Kinderfilms, der die Hygiene des Kindes stark in den Vordergrund rückte, ging man zur Kaffeetafel über; verabfolgte doch zu dieser Veranstaltung die Firma Kathreiners Malzkaffee Kuchen und Kaffee in ausgiebiger Weise. Herr Greshake von der obengenannten Firma gab kurze Erklärungen und pries die Vorzüge des Gerstengetränkes, das heute von Millionen getrunken würde. Der Hauptfilm führte sodann in die Herstellung des Malzkaffees, in die Fabrikationsarten usw. belehrend ein. Die Veranstaltung fand nach mehrstündiger Dauer einen harmonischen Ausklang. Bauernregel im April. Mit der beginnenden Wachstumsperiode wird auch der Regen ein gern gesehener Gast. Da aber auch Sonne nötig ist, wünscht sich jeder Landmann ein regelrechtes Aprilwetter mit allen seinen Ueberraschungen, große Kälte und Hagel ausgenommen. Es heißt: Wenn der April bläst in sein Horn, so steht es gut um Heu und Korn.— Wenn der April Spektakel macht, gibt's Heu und Korn in voller Pracht.— Bläst der April mit beiden Backen, gibt's genug zu jäten und zu hacken.— Der April kann rasen, nur der Mai halt Maßen.— Aprilregen bringt Gottessegen.— Kommt Aprilsturm schon beizeiten, ist das Ende wohl zu leiden.— Wenn's am Karfreitag regnet, ist's ganze Jahr gesegnet. — Jedoch umgekehrt: April dürre, macht die Hoffnung irre.— Des Aprils Lachen verdirbt des Landmanns Sachen.— Heller Mondenschein in der Nacht, schadet jetzt der Blütenpracht.— Ist der April sehr trocken, dann geht der Sommer nicht auf Socken.— Dürrer April ist nicht des Bauern Will'. Bezüglich verschiedener Merkmale bei Tieren und Pflanzen sagt der Landmann: Bauen im April schon Schwalben, gibt's viel Futter, Korn und Kalben.— Maikäfer, die im April schon schwirren, müssen dann im Mai erfrieren. Frösche zu Anfang April bringt Teufel ins Spiel.— So lange die Frösche vor Markus geigen, so lange sie nach Markus schweigen.— Jedenfalls: der April hat seine dummen Mucken, er will, daß die Bauern nach dem Wetter gucken. Hofsen wir das Beste, da das Gucken allein auch nichts ändert! Die 13. Volkswohllotterie. zur Förderung von sozialen und kulturellen Zwecken ist vom Regierungspräsidenten in Arnsberg genehmigt worden. Schwerte, den 3. April 1930. * Wie wir bereits in unserer Zeitung mitteilten, schied mit dem 1. April ds. Is. der allseits beliebte und geschätzte Oberschullehrer Ernst Banse nach einer 25jährigen segensreichen Tätigkeit in unserer Stadt und infolge Erreichung der Altersgrenze aus dem Schuldienst der Stadt Schwerte aus, um von nun an in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Anläßlich dieses Abschiedes hatten seine Amtsgenossen, die Schüler des Realgymnasiums, sowie seine Freunde diejenigen Kreise zu einer schlichten musikalischen Abendfeier im Saale„Im Reiche des Wassers“ eingeladen, die dem vom Schuldienst Abschiednehmenden recht nahe gestanden haben und auch noch stehen. Und die Zahl derer, die diesen pflichteifrigen und tüchtigen Schulmann schätzen und achten gelernt haben, ist eine nicht geringe; zahlreich hatte sich die Schwerter Bürgerschaft zu dieser Abschiedsstunde eingesunden, um noch einmal so recht von Herzen zu empfinden und zu hören, was für eine wertvolle Kraft Oberschullehrer Ernst Banse für die Stadt Schwerte gewesen ist und um öffentlich ihm eine herzliche und warme Zuneigung zu bekunden. Alle Schüler und Musikfreunde, überhaupt jeder, der nur eben bei dieser Veranstaltung mitwirken konnte, hatten sich freudig und gern in den Dienst dieser Sache gestellt und es ist nach all“den schönen und erhebenden Darbietungen gewiß, daß der Scheidende diesen offiziellen Abschied tief in seinem Herzen bewahren und ihm stets eine unauslöschliche Erinnerung schenken wird. Die musikausübenden Schüler des Realgymnasiums, sowie mehrere Musikfreunde unserer Stadt, die sich zu einem Orchester zusammengeschlossen haben, eröffneten die Vortragsfolge mit dem„Marche heroique“ von F. Schubert, dem sie Ballettmusik vom gleichen Komponisten folgen ließen. Dirigent Buckemüller leitete exakt und einwandfrei, sodaß diese Darbietungen zu einem vollen Erfolge für die Ausführenden wurden. Jeder Spieler gab sein Bestes her. Der Schülerchor sang anschließend die Lieder „Morgen“ von Grell und„Zu Straßburg auf der langen Brück“(Volkslied) und hinterließ mit seinem fein geschulten Können einen starken Eindruck. Die„Spanischen Tänze 3 und 4“ von Moszkowski wurden von den Herren Löscher (Flöte) und Buckemüller(Klavier) famos wiedergegeben. Direktor Löscher bewies wieder einmal im Flötenspiel, daß er auf diesem Instrument das Beste zu geben vermag; der anhaltende Beifall war ein genügender Beweis hierfür. Nach Absingen des Turnerliedes„Turner auf zum Streite“ ergriff Direktor Löscher das Wort zu einer Ansprache, die dem scheidenden Oberschullehrer Banse gewidmet war. In humorvoller Weise beginnend, leitete er über zu einem Gedicht eines hannoverschen Geistlichen, dessen letzte Worte lauten: Du gabst, Du Reicher, eine Seele einem Leben.“ Das träfe ganz auf Ernst Banse zu. Die Forderungen, die das Gedicht enthalte, stelle der Dichter an alle und diese Forderungen hießen: Glück, Liebe, frohes Schaffen. Das Schulmeisterleben sei oft ärmer oder reicher an Arbeit, aber bei dem Scheidenden träse das letzte in erhöhtem Maße zu. Banse habe in kurzer Frist sich mehreren Prüfungen unterzogen, so u. a. am 6. 10. 1886 der ersten und am 9. 5. 1890 der zweiten Volksschullehrerprüfung, am 24. 3. 1897 der Turnlehrerprüfung, ferner der Zeichenlehrerprüfung usw. Redner glaubte, daß es in Westfalen wohl keine zweite Lehrkraft gäbe, die auf so verschiedenen Gebieten gewirkt habe. Banse habe sich vornehmlich in Schwerte um das Schulwesen sehr verdient gemacht und in schwerer Zeit Zeichen=, Turn= und Musiklehrer tätig sein müssen. Als Turnlehrer habe er der Stadt viel seiner Schüler sei ihm gewiß. Vielleicht sei er manchem Schüler nicht immer angenehm gewesen, aber die Lehrer, von denen man sage, daß sie allgemein beliebt sind, seien meistens nicht die besten. Banse sei stets ein pflichttreuer Lehrer gewesen, eine knorrige Person, die sich mit Zähigkeit auch da durchsetzte, wo ihm Widerstand entgegengebracht wurde. Es sei der rechte Mann auf dem rechten Fleck gewesen. Hinsichtlich des Glücks sei heute bei vielen diese Grundlage nach dem Kriege entschwunden. Für manche Volksgenossen seien jene Zeiten vorbei. Banse habe in schweren Jahren seinen einzigen Sohn dem Vaterlande hingeben müssen und daß er heute noch Humor, Spannkraft und Optimismus habe, stelle der Zähigkeit und KerOptimismus habe, stelle der Zähigleit u. Kernigkeit seiner Seele das beste Zeugnis aus. Als echter Preuße(Brdb.) habe er stets die Eigenschaften treuester Pflichtersüllung, Liebe zum Vaterlande und Unterordnung im Beruf bis zum heutigen Tage hochgehalten. Viele seiner Kollegen, die es vielleicht Banse nicht gleichtun könnten, hätten nach dem Kriege umgelernt und seien in leitende Stellungen gekommen. Hier hätten sich die Geister geschieden, da Bause dieses nicht gegeben war. Er verbrannte nicht, was er angebetet hatte und blieb der alte Preuße, der alte Lehrer, der es von sich wies, in günstiger Stunde den Rahm abzuschöpfen. Das sei vielleicht das größte Lob, das man ihm heute an seinem Abschiedstage aussprechen könne. Es sei ein reiches Lehrerleben, welches hinter dem Scheidenden liege und es sei eine Freude zu hören, daß Bause seine Tätigkeit an der Berufsschule beibehalte. tor Löscher wünschte Oberschullehrer Banse, daß er Treue, Humor, Spannkraft und Optimismus in ein hohes Alter hineintragen möge zu aller Freude und als leuchtendes Vorbild für die Jugend. Redner schloß seine mit starkem Beifall ausgenommenen Worte mit dem Ruf:„Der Turnvater Ernst Banse, hipp, hipp, hurra!“ Nach der Orchestervariation„s kommt ein Vogel geflogen“ von S. Ochs und turnerischen Vorführungen am Barren durch Schüler des Realgymnasiums sprach Oberturnlehrer Banse etwa folgendes:„Ueberwältigt von allem, was in der heutigen Feier anläßlich meines Dienstaustritts geboten wird, sage ich all' denen, die mitgewirkt haben, vor allem Herrn Löscher für seine kraftvollen Worte, Herrn Musikmeister Buckemülller für den schneidigen, vortrefflichen Chor und meiner Turnabteilung für die exakten Uebungen herzlichen Dank. Ich danke auch den Personen, die hierher gekommen sind, nicht allein um die Verbindung zur Schule zu bekunden, sondern auch um ihr inneres Verhattnis zu Turnen, Spiel und Sport darzutun. Wenn ich manches erreichen konnte, so danke ich es dem Segen des Allerhöchsten. Ich rufe den Schülern noch einmal zu: Fahrt fort in der fleißigen Betätigung der Leibesübungen und seht zu, daß ihr euch ein christliches, frommes, frohes und freies Jungleben bewahrt. Es war mir eine Freude, bis zur letzten Stunde meinen Dienst ausüben zu können, zum anderen ist es auch eine stille Wehmut darüber, daß ich jetzt durch Erreichung der Altersgrenze den liebgewordenen Arbeitsplätzen entzogen bin. Was mich betrifft, so möchte ich meine Worte in dem Wunsch zusammenfassen, daß die Schule mit ihrem vortrefflichen Direktor und ihren Schülern wachsen, blühen und gedeihen möge zum Segen der fernsten Geschlechter.“„(hatourn. Nach einem flotten Waizerporpou###### sand dann die eindrucksvolle Feier gegen 11 Uhr ihr Ende. Militärkonzert im„Freischütz.“ Auf das am kommenden Sonntag, den 6. April im„Freischütz" stattfindende Militärkon= zert der 6. Artillerie Münster unter Leitung von Musikmeister Goldberg, machen wir unsere Leser ganz besonders aufmerksam und können einen Besuch desselben nur warm empfehlen. Schwerer Betriebsunfall. In dem Betriebe der„Eisenindustrie“ ereignete sich gestern morgen gegen 10 Uhr ein bedauerlicher Betriebsunfall. Der Arbeiter Heinrich Schwill, Beckestraße wohnhaft, der im Walzwerk beschäftigt ist, wurde bei der Arbeit von einem aus der Walze kommenden Walzstab am Unterschenkel getroffen und so schwer verletzt, daß seine sofortige Ueberführung in das kath. Krankenhaus erforderlich wurde. Hier mußte dem Bedauernswerten der Unterschenkel abgenommen werden. * Müttererholungsfürsorge. Schon lange bemühen sich verantwortungsbewußte Kreise unseres Volkes, besonders der freien Wohlfahrtspflege, in der Müttererholungsfürsorge den Ausgleich der großen gesundheitlichen und psychischen Schäden zu schaffen, die der Einfluß der Kriegs= und Nachkriegsjahre, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit besonders in den Industriezeutren an der Volksgesundheit angerichtet haben. In der allgemeinen Gesundheitsfürsorge bedeutet die Müttererholungsfürsorge einen wesentlichen Faktor. Unter Erholungsfürsorge versteht man im Gegensatz zur Krankenhaus= und Heilstättenbehandlung alle Beseitigungen von Krankheitsfolgen und Krankheitsbereitschaften. Die Müttererholungsfürsorge ist ebenso wichtig, wie die Kindererholungsfürsorge. Wir brauchen mehr denn je gesunde, leistungsfähige Mütter mit starken Nerven. Deshalb kommt nicht nur körperliche Erfrischung in Frage, sondern wir müssen mehr fordern; wenn man bedenkt, wie sich eine Mutter abmüht mit ihren täglichen Gedanken, mit dem Bangen um eine körperliche und seelische Gesundheit ihrer Kinder, wenn man denkt an die fortwährende Entsagungsbereitschaft, die große Selbstentäußerung, den grenzenlosen Opfermut, das Klügeln, Rechnen und Ueberlegen,— dann braucht man nicht mehr die Frage zu stellen: Tut Müttererholungsfürsorge not? Den Müttern, die Leben schaffen, es umsorgen, pflegen und behüten, sind wir die Schaffung von Erholungkuren schuldig. Vor allen Dingen ist es wichtig, während der Erholungszeit körperliche und seelische Kräfte zu fördern, Freude an Gesundheit und schönen Dingen wiederzugewinnen und den Willen zum Leben und zur Gesundheit zu werken. Die Ermattung nach äußerer Ueberspannung unserer Kräfte ist die schwerste Gefahr, weil sie uns zuraunen will, daß es schon allein mit der Last äußeren Tuns genug sei und die innere Aufbauarbeit darum unterbleiben dürfe. Hüten wir uns vor dieser Berechtigung zum Stillstehen. Wir brauchen daher inmitten der Betriebsampeit des täglichen Daseinskampfes stille Stunden des In=sich=Schauens. Solche Stunden finden wir in Erholungszeiten. Diese Gründe haben die evgl. Frauenhülfe bewogen, Müttererholungsstätten zu schaffen. So ist das Erholungsheim der evgl. Frauenhülfe„Die Concordia“ im Siegerland vor einigen Jahren eingerichtet worden. Dann das Müttererholungsheim in Laggenbeck im Münsterland und das Mütterheim in Driburg, für solche, die Badekuren machen müssen. Vielen unserer Stadt sind die Heime bereits bekannt. Die nächste Kur in„Concordia“ ist vom 26. 4. bis 10. 5. Die Kosten können gedeckt werden 1. durch die Familie selbst, 2. durch die Frauenhülfe, 3. durch das evgl. Jugend= und Wohlfahrtsamt, von einzelnen der Genannten oder von allem gemeinsam. Evtl. ist noch die Deckung der Kosten durch öffentl. Wohlfahrtspflege möglich. Für solche Mütter, die„unabkömmlich“ sind und eine Erholung dringend. 2 notwendig haben, wird auf demselben Wege der Kostendeckung durch Stellung von ausgebildeten Hauspflegerinnen geholfen. Da die Kur in„Cencordia" bald beginnt, erbitten wir Anmeldungen frühzeitig an den evgl. Jugend= und Wohlsahrtsdienst, Jägerstraße 7, nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr. Hier wird auch jede weitere Auskunft erteilt. — Gleichzeitig verweisen wir jetzt schon auf die am 10. und 11. Mai stattfindende Straßensamlung und die vom 5. bis 21. Mai stattfindenden Haussammlung der evgl. Frauenhülfe zum Besten der Müttererholungssürsorge. Der Preuß. Staatskommissar für die Regelung der Wohlfahrtspflege hat der gesamten Frauenhülfe die Genehmigung zu diesen Sammlungen erteilt. Der gestrige Mittwoch=Wochenmarkt, der erste in diesem Monat, wurde von einer nicht geringen Kauflust beherrscht, konnte man doch ein reges Leben und Treiben feststellen. Die Verkäufer und Händler waren äußerst zahlreich erschienen und boten mit Eifer ihre mannigsaltigen Auslagen an. In Scharen waren die Hausfrauen herbeigeeilt, um ihre Einkäufe zu tätigen und mit einem neu aufgefrischten Inhalt der Geldbörsen bereitete der Einkauf noch einmal soviel Freude. Der Gemüsemarkt stand dieses Mal mit im Vordergrund des Interesses aber auch auf dem Fisch= und Fleischmarkt konnte man nicht von einem schlechten Umsatz sprechen. Mit Eiern sind wir in dieser Jahreszeit besonders reich gesegnet, 10 und 11 Stück für 1 Mark, waren die Durchschnittspreise. Auch der Blumenmarkt hatte eine Belebung erfahren. Nachstehend lassen wir die notierten Preise folgen: Fleischwaren: Rindsleisch 1 M, Schweinefleisch 1.20 und 1,30 M, Kotelett 1.20 M, Kleinfleisch 50 J., Speck 1,20 M, Blut= und Leberwurst 50 J. und 1 M. Jagdwurst 1,40 Bierwurst 1,60 M, Fleischwurst 1,20 M, Mettwurst 1,60 M, Plockwurst 1,50 und 1,80 M, Zervelatwurst 2.— bis 2,40 K, Braunschweiger 1,40 M. Eier und Butter: Eier 10 und 11 St. 1 M. Butter 1,80 und 2.— M. Obst, Südfrüchte und Gemüse: Aepfel 20—70 J, Apfelsinen 12—22 Stück 1 A Zitronen 3 Stück 20 c, Bananen 40 J, Weißkohl 10 H, Wirsing 15 J, Rotkohl 15 J, Schwarzwurzel 35 J., Grünkohl 20 ,, Spinat 25 J, Salat 25 J, Wurzel 10 J, Radieschen 20 L, Steckrüben 8 J, Rote Beete 10 H. Fischwaren: Bratschellfisch 25 J, Kabeljau 30 J, Schellfisch 35 J, grüne Heringe 7 Pfd. 1 M. Heringe 12 und 16 Stück 1 M, Bückinge 30 Pfg. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen 1 Westhofen. Aus dem Polizeibericht. Bei der hiesigen Polizeiverwaltung wurden in der Zeit vom 20. bis 31. März folgende Anzeigen erstattet: 2 wegen Hausfriedensbruchs und versuchter Erpressung, 2 wegen Unterschlagung bezw. Betruges, 1 gegen eine ältere Mannsperson wegen Erregung öffentlichen Aergernisses, 2 wegen Wandergewerbevergehens, 1 wegen Diebstahls, 1 wegen Sachbeschädigung, mehrere Anzeigen gegen Taubenhalter, die ihre Tauben während der SperrDie deutsche Flotte zur Auslandsreise ausgelaufen 0 8 Am Dienstag sind Teile der deutschen Nord= und Ostseeflotte zu der angekündigten Auslandsreise nach dem Mittelländischen Meer ausgelausen. Gegen Mittag verließen die Linienschiffe„Schlesien" und„Hannover“ den Wilhelmshafener Heimathafen, wenige Stunden vor der„Holstein“ und die„Hessen“ sowie der neue Kreuzer„Königsberg“ den Kieler Hafen um sich am nächsten Tage am Weser=Feuerschiff mit den Nordseestreitkräften zu vereinigen. Für die Reise, die unter der Führung des Vizeadmirals Oldekopp steht, und an der insgesamt 5 Schlachtschiffe und 11 Torpedoboote teilnehmen, sind 4 Wochen im Atlantischen Ozean und 6 Wochen im Mittelmeer vorgesehen. Ende Mai treten die Schiffe die Rückreise an und versammeln sich an der spanischen Inselgruppe der Balearen. Nach einer fünftägigen Schlußübung kehren die Schiffe um den 18. Juni in ihre Heimathäfen zurück. Unser Bild zeigt die„Hessen"(vorn) und die„Schleswig Holstein" bei ihrer Fahrt durch die Holtenauer Schleuse. Nun wird er abgebaut 44 zeit nicht festgehalten hatten, von den hiesigen gewerblichen Unternehmungen wurden 9 Unfallanzeigen erstattet. In allen Fällen mußte ärztliche Hilse in Anspruch genommen werden. Mehreren auf der Durchreise befindlichen Obdachlose wurde Unterkunft gewährt. 1 Westhofen. Schulkindersprechstunde. Im Beratungszimmer des Amtshauses findet am Freitag, nachm. von 3—5 Uhr eine kostenlose Schulkindersprechstunde statt. ! Westhofen. Heimkehr der Zugvögel. In den hiesigen Ruhrweiden kann man die Beobachtung machen, daß die Kibitze nach hier zurückgekehrt sind. Die Schwärme sind allerdings nicht so groß wie in früheren Jahren. l Wandhofen. Frauenhilfe. Heute nachmittag hält die Frauenhilfe von Wandhofen eine Versammlung ab. l Villigst. Frauenhilfe. Heute nachmittag hält die hiesige Frauenhilfe im Lokale Peukmann eine Versammlung ab. l Holzen. Sportwerbeabend. Am Sonntag, den 6. April veranstaltet der Turnverein„Gut Heil“ Sommerberg im Saale der Wirtschaft Eisenberg, daselbst, einen Sportwerbeabend. Garenfeld. Verleihung des Turnund Sportabzeichens. Vom Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen wurde dem Turner Wilhelm Voigt, Mitglied des Turnvereins„Westfalia“ 1885, Garenfeld, das Turnund Sportabzeichen in Bronze verliehen. Amt Ergste Ergste. Gemeindefeier. Im Gasthof Schneider fand am vergangenen Sonntag aus Anlaß des 40jährigen Dienstjubiläums des Ortspfarrers Schulze=Noelle eine Gemeindefeier statt. Vormittags hielt der Superintendent Dr. Winkelmann aus Elsey einen Festgottedienst ab, indem der Jubilar die Festpredigt übernommen hatte. Bei der Feier im Gasthof Schneider war der Saal überfüllt. Außer dem Vertreter der Synode waren mehrere Amtsbrüder, darunter auch der 82jährige Pfarrer i. R. von der Kuhlen aus Letmathe erschienen. Der Kirchmeister Kockelke begrüßte den Jubilar nach einem gemeinsamen Liede. Der Kirchmeister führte aus, daß er sich mit dem Kirchenvorstand freue, so viele. Gäste begrüßen zu können. Von den weltlichen Behörden war Bürgermeister Overbeck erschienen. Der Kirchmeister richtete dann herzliche Worte der Begrüßung und des Dankes an den Jubilar. Anschließend sang der KirChapsal, der Vorsitzende der Reparationskommission. Mit der Annahme des Young=Planes durch die französische Kammer hat auch für die Reparationskommission die Schicksalsstunde geschlagen. Sämtliche Angestellte vom Direktor bis zum jüngsten Lausburschen haben die Kündigung erhalten. Der Beamtenapparat, der in den ersten Jahren auf über 1000 Köpse angeschwollen war, ist allerdings schon nach dem Inkrafttreten des Dawesplanes stark abgebaut worden. In dem Gebäude der Rue de Tilsit, das die Kommission nach ihrer Vertreibung aus dem Hotel„Astoria" bezogen hat, herrscht bereits seit Tagen fieberhafte Tätigkeit. Die Aktenberge, die sich in den 10 Jahren angesammelt haben, sollen zum größten Teile eingestampft werden. Mit der Reparationskommission verschwindet das letzte der interallier. ten Organe, die der Friedhusvertrag zur Turchführung der Deutschland auferlegten Bedingungen geschaffen hatte. Bis zuletzt führte in ihr den Vorsitz der französische Senator Chapsal, der sein Amt nach Barthou übemnommen hat. chenchor ein Begrüßungslied, worauf ein gemeinsames Kaffeetrinken begann. Nach diesem begrüßte die Frauenhülfe den Jubilar und anschließend der Vertreter der Synode. Auch der Jungmädchenverein brachte dem Pfarrer einen Glückwunsch in einem gemeinsamen Liede dar. In dem Schlußwort dankte der Jubilar bewegten Herzens für die vielen Ehrungen, die ihm von allen Seiten zuteil geworden seien. Er machte dann noch interessante Ausführungen über seine Amtsvorgänger in Ergste. U. a. erwähnte er auch, daß die Familie Hengstenberg 153 Jahre lang den Pastor in Ergste gestellt habe. Vermietung von Reisekissen Ueber das Vermieten von Reisekissen auf der Reichsbahn sind neue Vereinbarungen getroffen worden. Die Vermietung geschieht durch Angestellte der Mitropa, auf besonderen Strekken auch durch besonderes Begleitpersonal. Dieses darf auch die Züge betreten, wenn die Reichsbahndirektion es nicht für den einzelnen Bahnhof untersagt. Für das Mieten wird eine Gebühr von 1 A erhoben. Die Kissen sind nach Benutzung im Zuge zurückzulassen oder an die Angestellten der Mitropa abzuliefern. Der Mann aus dem Todestal Der Landstreicher mit dem Vermögen in den Schuhen.— Das Wunderschloß in der Wüste. — das Ende einer geheimnisvollen Goldmine. Von John C. Waters=Chicago. Rund fündundzwanzig Jahre sind es her. Ein Individuum, das wie ein Mittelding zwischen Viehzüchter, Goldgräber und Landstreicher aussieht, tritt in das Dienstzimmer des Bahnhofsvorstandes von Los Angeles:„Morgen. Ich brauche einen Sonderzug nach Chicago. Aber sofort!" Der Beamte sieht den Besucher von oben bis unten an. Einen Sonderzug für einen Landstreicher!„Pah“, sagte da schon der andere, der den Blick des Eisenbahners richtig zu werten scheint.„Wenn Sie sonst keine Sorgen haben als um das Geld!" Bückt sich und beginnt den rechten Schuh auszuziehen. „Verrückt!" denkte der Beamte und will den Landstreicher hinaus werfen. Doch plötzlich wird er höflich. Denn das seltsame Individuum zieht ein Bündel Tausenddollarnoten aus dem Schuh heraus:„Vierzig Stück! Wenns nicht genügt, ziehen wir noch den anderen aus!“ —„Nein, danke“, wehrt der Beamte ab, rennt zum Fernsprecher, läßt den Sonderzug zusammen stellen. Eine halbe Stunde später rast der Mann mit dem Vermögen in den Schuhen auf Chicago zu.„Rekordfahrt wird es auch. Denn bisher hat noch kein zweiter Zug die Strecke Los Angeles—Chicago in 45 Stunden zurückgelegt. Das war das erste öffentliche Auftreten des Mannes, den die Kalifornier„Todestal Ccotty“ nennen und auf den sie bisher stolz waren, weil ein geheimnisvoller Nimbus seine Person umgab. Fünfundzwanzig Jahre lang glaubte Kalifornien an Scottys unerschöpflichen Reichtum. Ab und zu hielt sich der Mann in Los Angeles oder in einem der Küstenbäder auf und gab das Geld mit vollen Händen aus. Wenn er dann eines schönen Tages auf dem Trockenen saß oder an der Börse Pech gehabt hatte, so verschwand er.„Ich gehe nach Hause ins Todestal“, sagte er vorher.„Ich will mir in meiner Mine neues Gold holen.“ Hunderten ließ der Gedanke an diese wunderbare Goldmine, aus der Scotty nach Belieben schöpfen konnte, keine Ruhe. Immer wieder folgten sie seiner Spur ins Todestal, eine unwirtliche Steinwüste zwischen den hohen Bergen an der Grenze von Kalisornien und Nevada. Doch jedes Mal führte Scotty sie an der Nase herum. Einmal behauptete er, die Mine liege hier, einmal dort. Immer wieder rannte der Schwarm der Goldsucher nach der bezeichneten Stelle, fand nicht das geringste und vergeudete nur sein Geld für die kostspieligen Expeditionen in die Wüste. Dafür konnten die Goldsucher nicht genug Wunderdinge vom weißen Schloß berichten, das Scotty sich im Todestal bauen ließ. Drei Millionen Dollars sollte es kosten. 100 Kilometer lag es von der nächsten Bahnstation entfernt. Alles Baumaterial mußte auf Lastwagen durch die Mohavewüste herangeschafft werden. Ein spanisches Kastell mit blendend weißen Mauern, Balkonen, Säulengängen. Marmorbrunnen wuchs mitten zwischen kahlen Bergen auf, ein Idyll in der Wüste. Jeder wunderte sich, wie Scotty, der anscheiend nicht die geringste Bildung besaß, ein derartiges Schatzkästlein hervorzaubern konnte. Freilich schritt der Bau nicht im Tempo des Sonderzuges nach Chicago vorwärts. Kürzlich wollte der Schloßherr aus dem Todestal auch Europa einmal einen Besuch abstatten. Doch in Chicago mußte er die Reise abbrechen.„Warum?“ wurde er gefragt.„Sehr einfach. Weil ich ruiniert bin. Dieser verdammte Börsenkrach hat mein ganzes Geld gefressen.“ Er fuhr sofort nach Kalifornien zurück. „Sicher holt er sich neuen Mammon aus seiner Goldmine“, sagten sich die Leute. Doch dieses Mal enttäuschte„Todestal Scotiy“ seine Landsleute bitter.„Goldmine“ höhnte er, als er in Kalifornien ankam.„Hat sich was mit der Goldmine. Hirngespinst! Im Todestal gibt es so etwas gar nicht. Meine Goldmine saß hier in Chicago und hieß A. M. Johnson. Und mein Schloß. Vielleicht wird es noch einmal fertig. Vielleicht auch nicht. Hat mich heute schon drei Millionen gekostet. Schade darum, sagen Sie. Was heißt schade? Das Vergnügen auf einem Hügel über dem Schloß zu sitzen und auf den unsertigen Kasten hinunter zu sehen, kostet mich heute schon allein 200000 Dollars jährlich an Steuern und Unterhaltungskosten. Von Darinnen=Wohnen ist noch gar nicht die Rede.“ Dann war„Todestal Scotty“ so freundlich, der enttäuschten Mitwelt zu berichten, wie er in Wirklichkeit zu seinem Reichtum kam. Vor einunddreißig Jahren rannten bei Chicago zwei Züge zusammen. Zwischen den Trümmern lag ein reicher Versicherungsmann aus der Millionenstadt am Michigan, A. M. Johnson. Das letzte bißchen Leben, das noch in ihm steckte, schien kaum des Zusammenlesens wert. Doch Johnson starb nicht. Er war aber von den Hüften an gelähmt und schien für immer ein Krüppel zu sein. Trotzdem gab er sein Geschäft nicht auf. Eines Tages trat ein robuster ungelenker Mann in sein Büro.„Scott", stellte er sich vor. Dann erzählte er in seiner rauhen Sprache dem feinen gebildeten Versicherungsmann, warum er gekommen war: Er suchte einen Geldmann. Nach jahrelangen vergeblichen Mühen glaubte er drüben in Kalisornien Gold gefunden zu haben. Doch die Mine mußte systematisch ausgebeutet werden, und dazu fehlte ihm das Geld. Johnson hörte interessiert zu. Doch es war nicht das Gold, das seine Aufmerksamkeit fesselte, sondern das Bild, das Scott von den einsamen Bergen des Todestales entwarf. Weltferne Ruhe, hohe Felswände, tiefe Schluchten, die Wüste, kein Mensch soweit das Auge reichte, ein ungestörtes Reich für den, der dieses Land erwarb. Er sah den Mann vor sich, der aus diesem Tale kam, das Urbild der Gesundheit. Sollte auch nicht für ihn dort Heilung sein? Johnson besann sich nicht länger. Er warf ein paar Zahlen auf ein Scheckformular, so hoch, daß Scott vor Verwunderung fluchte.„Kaufen Sie das Land“, sagte Johnson.„In ein paar Wochen sehen wir es uns an.“ Zwei Monate später führte Scott seinen Partner mit aller Vorsicht, die der Zustand des Gelähmten forderte, in die Wüste. Johnsons Bruder begleitete sie. Kurz darauf brachte ihn Scott schwerverwundet in die Außenwelt zurück. Die Goldgräberkarawane, von der die Oeffentlichkeit erfahren hatte, war überfallen worden. Johnson und Scott ließen sich nicht entmutigen. Sie kehrten in die Wüste zurück und tauchten dort für ein Jahr unter. Was sie dort erlebten, hat Scott nicht erzählt. Man weiß nicht, ob Johnson die Goldmine gar nicht sehen wollte — er war ja sünfundzwanzigfacher Dollarmil= lionär— oder ob er sich freute, daß sein Partner sich geirrt hatte. Der Versicherungsmann suchte nur Heilung. Er fand sie. Als er aus der Wüste zurückgekehrt, konnte er beinahe gehen wie vor seinem Unsall. Ihr Interesse galt der geheimnisvollen Goldmine ihres„Todestal Scotty" und später dem spanischen Wunderschloß. Nun bekennt Scotty auch noch, daß er niemals den Gedanken an den Prunkbau hatte: „Johnson wollte es und entwarf den Plan. Jedes Jahr hat er mich dort besucht" Johnson oder vielmehr dessen Scheckbuch war es wohl, das jedesmal als Goldmine fungieren mußte, wenn Scotty auf dem Trockenen saß und neue Mittel herau holte. Wie es diesmal wird, weiß noch keiner. Scotty läßt auf jeden Fall den Kopf etwas hängen. Vielleicht hilft ihm Johnsohn doch das Schloß vollenden und zückt die erforderlichen Millionen. Ein teures Vergnügen, diese paar Erholungswochen, die sich der Chicagoer jährlich im Todestal gönnt. Roman von Iritz Gantzer Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle(Saale) 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten. So. Ihre Schwester ist nach Bromberg?“ fragte er gedehnt Er wußte zunächst nicht, wie er sich zu dieser Tatsache stellen sollte. Fast deuchte es ihm, als sei plötzlich eine beftige Unruhe über ihn gekommen Liane ließ ihm zu längeren Ueberlegen und Gruveln keine Zett Alles. was während der letzten Tage an Vielgestaltigkeit des Empfindens. von hochmütigen Regungen an bis zu begehrlichem Warten. in ihr gewesen war, schien mit einem Male abgestreift zu sein. Und ale Neues sich hervordrängend. war nur eins— die Vorstellung: Wir zwi allein im Hause! Sie redete hemmungslos: Vom Nachholen des Versäumten beim Abendessen, Von einem Mehr an Pflichten infolge Annas Abwesenheit, vom Aerger mit den Mädchen. Daß zwei Burschen nach Arbeit gefragt hätten, die morgen wiederkommen wollten. Wie Wind und Karl fühlte sich von einer Hochstlut verschiedenartigster Eindrücke überschüttet. Ruhig über etwas Bestimmtes nachzudenken, fand er keine Zeit. Beim Abendessen saßen sie wie zwei solide, vernunftige Eheleute am Tisch einander gegenüber, sprachen zu. ruhziger und sachlicher Weise über Vorkommnisse in der Wittschaft. und machten, jedes für sich, daraus kein Hehl, daß sie während der letzten drei Tage ein mehr als törichtes Verhalten gezeigt hätten. Als Karl donn bald nach der Beendigung der Abendmahlzeit ausstand, und sich mit dem Bemerken, daß er müde sei verabschiedete, machte Liane nicht den geringsten Versuch, ihn zu längerem Bleiben zu bewegen. Sie reichte ihm in ruhiger Freundlichkeit die Hand und wünschte ihm Aim zächsten Morgen ließ Karl gegen die Gewohnheit der letzten Tage die Pferde im Stall. Er meinte, sein Beginnen damit vor sich selbst entschuldigen zu müssen, daß die Tiere nach der angestrengten Arbeit einen Ruhetag verdient hätten. Dann trafen bald die beiden Burschen. von deenen Liane gestern abend gesprochen hatte, aus dem Hofe ein Er verhandelte, vor dem Pferdestall stehend. eine ganze Weile mit ihnen, konnte sich aber nicht entschließen, sie zu dingen, da ihre Lohnforderungen zu hoch Hierauf bummelte er, mit sich selbst unzufrieden und von einer starken Unruhe erfüllt, durch Ställe und Scheunen, sah auch nach dem Getreideboden hinauf. obwohl er wußte, daß dort nichts zu sehen war, und ging schließlich durch den Grasgarten bis zu Wichmanns Steig hinüber Dort stand er eine Weile und blickte in die Runde. Die Sicht war durch einen dicken, milchigen Nebel eingeengt. Als seine Augen die Wichmanns Steig begleitende Reihe von Erlenbüschen hinabsahen, glaubte er hinter einem der Büsche die geduckt stehende Gestalt eines Menschen zu sehen Er schaute ein paar Sekunden lang aufmerksam hinüber und ging dann näher. Aber schon nach wenigen Schritten beobachtete er, daß die Gestali sich schnell entfernte und gleich darauf im Nebel verschwand. Da wandte er sich am und ging nach dem Hofe zurück. Er meinte zu empfinden, daß ihn friere. Daran der kalte, dicke Nebel schuld sein Es war ungemütlich im Freien Im Zimmer würde es heute anheimelnder sein Er hätte auch übrigens noch einige schriftliche Arbeiten zu erledigen, fiel ihm ein. Dazu sei heute die beste Zeit. Als er alles zum Schreiben Nötige beieinander hatte. kam er zu keinem Anfang. Er starrte über den leeren Bogen hinweg in den trüben Herbsttag hinaus. Mil scharf einsetzender Härte stießen ihn seine Gedanken auf die Tatsache, daß sie sich heute noch nicht mit der Person Annas beschäftigt hätten. Er fühlte sich vorwurfsvoll beführt, wußte sich aber damit zu entschuldigen, daß er dazu gar keinen Anlaß habe, da es ja doch aussichtslos sei. utwas Gleichwertiges bei ihr zu erwarten. Dennoch empsand er ihre Abwesenheit wie einen quälenden Druck im In hüpfender Leichtigkeit sprangen seine Gedanken dann zu Liane. Ja, an sie hatte er heute schon sehr oft gedacht Richt mehr in Zorn, nicht mehr begleitei von einem Gefühl tiefer Scham gegen sich selbst, sondern Nein, Begierde durfte die ihn erfüllende Regung nicht genannt werden. Dazu war sie in ihrer Art zu lässig, entbehrte des Triebhaften. Eher war es wohl eine dumpfe Sehnsucht, die sich nicht recht bervorwagte, aber doch sicher vorhanden sein mußte; denn sonst hätte er sich nicht wiederholt vorstellen können, daß ihr Mund, den er geküßt. von einer weichen, aufreizenden Süße gewesen war, und daß sie sich begehrend an ihn gedrängt hatte. Er schloß eine kurze Spanne lang die Augen, und stieß sich dann, die Stirn in Falten ziehend, hart zurecht. Als er den ersten Federstrich tun wollte, pochte es. Er rief laut, fast herrisch, um einer gewissen Ahnung Zügel anzulegen, ein beinah grob klingendes„Bitte“! Da kam Liane. Sie trug ein einfaches Hauskleid und hatte eine grobe Leinenschürze vorgebunden. Sie kam ohne jeden Reiz in ihrem Aeußeren und war ohne Verführung und Lockung. Daß es so gut sei, dachte er, und daß ihr Kommen keine Gefahr bedeute. Ohne Beeinflussung seines inneren Menschen wußte er sich. Sehi ruhig bor er ihr einen Platz an. Sie begann ohne Umschweise von dem Zweck ihres Kommens zu sprechen Sie müsse ihm sagen, daß er nicht mehr bleiben könne, da sie den Hol verkaufen wolle Dazu gezwungen sei Ihr Mann würde. soweit sie von dem Arzt unterrichtet sei. nicht wieder gesund werden Er. Karl Beck. wisse ja auf Grund eigener Erfahrungen, daß der Hof infolge völliger Verwahrlosung sowieso nicht zu halten sei Sie hätte persönlich keine Lust. sich für eine verlorene Sache nutzlos einzusetzen, und darum wolle sie Schluß machen. Darum bäte sie ihn, spätestens übermorgen torizugeben. 8Brechens— 1 Sie hatte während ihres ganzen Spiechens un ihm vorübergesehen. Als sie zu Ende war, suchte sie sein Gesicht. Sie fand es bleich, aber bewegungslos. Er fragte dann nur:„An wen wollen Sie verkaufen, Frau Helwig!“„„ G Sie antwortete kurz:„An einen Polen. „Und was versprachen Sie mir?“ :„Ich weiß es: Daß ich es nicht tun würde, wenn ich Ihrer Hilfe versichert sein könnte.“ „Die sagie ich Ihnen zu.“.6 „Aber ich verlangte einen Beweis, buß ih mih uuf Sie verlassen dürfe.“ „Und diesen Beweis sind Sie mir schuldig geblieben, Sie erhob sich und sah wieder, wie vorhin, an ihm vorüber. Ihr Gesicht blieb bewegungslos, erschien streng. Als er nichts entgegnete, wandte sie sich um und ließ ihn allein.„„ Es war ein stiller, von Nebel verhangener Abend mit zunehmendem, halbem Mond. Man sah seine Form angedeutet. Er schwamm ganz fern im Dunst und gab ein ungewisses, geheimnisvolles Licht, das einsamen Wanderern, wenn sie furchtsam sind, Schauer ins Blut Der Hellwig=Hof formte die letzten Geräusche seiner Tagestätigkeit. Der Hofjunge schüttete den Pferden das zweite Futter auf. Die Mägde klapperten mit gefüllten Melkeimern über den Hof. In der Milchkammer surrte die Zentrifuge. Ein zur Ausbilfe angenommener mann aus dem Dorfe pumpte Wasser in die Tränkrinnen Es war alles wie sonst. Karl Beck war seit dem Gespräch mit Liane verschwunden. Niemand wußte, wohin er gegangen war. Niemand wollte sein Fortgehen beobachtet haben. Wohl an die zehnmal und mehr war Liane in den Grasgarten gelaufen, um nach ihm Ausschau zu halten und ihm womöglich bei seiner Rückkehr hier zu begegnen. Aber es war jedesmal umSie erhob Antlage gegen sich, in vertrieben zu baben Vielleicht kehrte er überhaupt nicht zurück Und wenn er wiederkommen sollte, würde er ganz scheu geworden sein, und das, wonach ihr Blut schrie, würde niemals Erfüllung Liane erlebte während dieser Stunden des Wartens das Erkennen, ihm mit ihrem Leibe verfallen zu sein Und voll brünstiger Stärke faßte sie den leidenschaftlichen Entschluß, es mit allen Mitteln zu versuchen, ihn in ihre Arme zu bringen zu einer einzigen Liebesnacht... Und danach mochten die Sterne verlöschen und die Welten in Brand war schon weit nach sechs Uhr, als Karl endlich. vom Grasgarten herkommend, über den Hof ging. Er war noch einmal, nun zum letzten Male, durch die Fluren des Hellwigschen Besitzes gewandert, um Abschied zu nehmen. Ein schöner Traum war ausgeträumt Die Urquellen allen Weltgeschehens: Acker und Weib, hatten für ihn hier in Peluschken ihre Pforten verschlossen. Eine von ihnen in der klaren Reinheit der Gefühle für ein Weib wohl für immer. Denn er würde nach Anna Brodalski keine neue Liebe dieser Art haben. Und wann und wo die Krume des Ackers ihn von neuem mit dem Glück des Erdgebundenseins erfüllen würde, das wußte heute noch nieJa, dem Acker an Wichmanns Steig und am Röthegraben und auf den langen Stücken und hinter den sieben Ruten, und den Wiesen am Glumensee und neben den Dämmen, und den Stangenhölzern und den Schonungen mit allem, was an Busch und Baum, keimender Saat und herbstgrauen Gräsern, raschelndem Röhricht und rinnendem Wasser an und auf ihnen war, hatte er Lebewohl Das andere Lebewohl würde ungesagt bleiben müssen Und das war wohl auch gut so. Morgen in aller Frühe würde er still in die Ferne ziehen.— Während des Abendessens, zu dem Liane ihn erst zweimal hatte nötigen müssen, das zweite Mal fast mit quälen. dem Bitten, weil er vorgab, nichts essen zu können, war es still zwischen ihnen. Und das ganze Haus schien wie tot. Das feine Sausen eines erwachenden Nachtwindes strich um seine Wände, und rüttelte, seine Kräfte prüfend. an den Wetterläden und an dem Gossenrohr. Liane aß ein paar Bissen in würgender Hast, schob ihren Teller zurück, und saß dann, die leise zuckenden Hände in den Schoß geschmiegt, mit gesenktem Kopf da Karl beobachtete sie in verstohlener Heimlichkeit. Er mußte sich eingestehen, daß er ihre Schönheit noch nie so Eindruck gebietend empfunden habe wie heute an diesem letzten Abend. Dieses stille Gesicht, dem alle Leidenschaften remd schienen, das an ein Madonnenantlitz gemahnte und an Heiligenschein erinnerte, zog, auch wenn es nicht gewollt war. in den Bann und machte das Herz heiß Er erschraf fast, als sich Liane plötzlich erhob. die Hand über die Augen breitete und das Zimmer, schluchzend aufweinend. verlteß Und dann war es nach einem wiederholten Türöffnen und=schließen lange still im Hause Karl saß in Einsamkei: und wie von aller Welt verlassen regungslos auf seinem Platze am Tische und sann über das wunderliche Rätselweib, wie es in Liane zum Ausdruck kam. nach. Was hatte die Art. in der sie sich heute zeigte, zu bedeuten? Spielte sie Komödie? Hatte ihr Verhalten einen neferen Sinn“ 4m Im Warten auf ihre Rualehr, oa er vor hutte, sich noch heute abend von ihr zu verabschieden, verrannen die Minuten und fügten sich zu einer Viertelstunde Karl hatte längst ein ruheloses Auf=und=Abwandern im Zimmer begonnen, von den Fenstern her zum blauen Plüschsofa und wieder zurück. Und immer, wenn er die Sielle überquerte. wo Liane an seinem Halse gehangen und er die weiche Süße ihrer dunkelroten Lippen gekostet hatte, quoll es heiß Er meinte, der Erinnerung entfliehen zu können, wenn er sein Hin und Her beendete. Als er sich in die rechte Sofaecke gesetzt hatte— er mußte dabei daran denken, daß es derselbe Platz sei, den er an dem ersten Morgen Hierseins eingenommen, und es quoll eine tiefe Sehnsucht nach Anna in ihm hoch—, kam eins der Mädchen und begann ein eiliges Tischabräumen. Auf seine Frage, wo Frau Hellwig sei, erhielt er zur Antwori, daß sie wohl bald kommen würde Sie sei in ihrem Schlafzimmer. Nachher gingen noch einmal Türen. Auf dem Flur alberten die Mädchen, und verließen laut und geräuschvoll das Haus. Die Uhr über dem Sofa schlug gerode acht... Eine Viertelstunde noch saß Karl wartend, von sich steigernder Ungeduld erfüllt. Dann meinte er, diesen Zustand nicht länger ertragen zu können. Mit einer entschlossenen Bewegung erhob er sich, gewillt, in sein Zimmer zu geben. Als er den ersten Schritt tun wollte, ging die Tür auf. Liane kam. Sie hatte das Wirtschaftsgewand mit einem schlichten dunklen Kleide vertauscht, das mit dem Ernst, der den Ausdruck ihrer Züge beherrschte, harmonierte, und bat Karl, ihr noch eine Viertelstunde schenken zu wollen, da sie noch mit ihm sprechen möchte. Als sie sich gegenüber saßen, sagte sie: „Zunächst muß ich mich entschuldigen, daß ich mich vorhin so sonderbar benahm, einfach fortlief und Sie allein sitzenließ. Auch das von heute vormittag müssen Sie verzeihen, als ich bei Ihnen war, und Ihnen den Stuhl vor die Tür setzte Glauben Sie mir: es tut mir leid, daß ich Ihnen so kurz und bündig Ihre Stellung aufsagen mußte.“ Er lächelte in eigener Art. „Kurz und bündig allerdings. Von heute auf morgen. Ein anderer würde sich das kaum gefallen lassen.“ Ein unruhiges Licht kam in ihre Augen. „Nun ja. Sie haben wohl recht. Aber, wenn ich nun einmal davon sprechen soll, eigentlich sind Sie doch selbst an diesem Ausgang schuld. Sie beobachtete ihn gespannt, saß mit vor Erregung zitternden, geblähten Nasenflügeln da. Jetzt kam die entscheidende Wende. Entglitt er ihr in dieser Minute nicht, dann entkam er nicht mehr. Er zögerte mit einer Entgegnung. Die Erinnerung tauchte auf. Liane hieß sie, das Weib, der Mensch anderen Geschlechts. Warum riß sie Gewesenes noch einmal an das Licht!„„„ Dann sagte er es ihr, seiner Stimme Gewalt antuend, daß sie ruhig bliebe. Warum?“ Sie erhob sich und straffte ihren Körper; jauchzte heimlich auf. in der Erkenntnis ihres Sieges. Weil ich nicht daran vorüberkommen kann. Weil es mir keine Ruhe läßzt, daß Sie mich nicht verstehen. Nicht verstehen wollen oder können. Einmal glaubte ich es fast... Und dann hatte ich mich doch geirrt.“ Er war wie in Teilnahmslosigkeit leicht vornübergesunken. Und war doch in Erregung aller seiner Sinne. Der Kreislauf eines Geschehens begann von neuem: daß er sich selbst verlor, daß er in eine dunkle Tiefe versank, daß er mit seinen Sinnen diesem Weibe verfiel... Und nun unrettbar. Denn er war durch Geschehenes schon an sie gebunden. Er hatte sie schon geküßt. Er hatte schon den Strom ihres Blutes an seinem Leibe gespürt. Und das Haus war leer. Niemand in allen seinen Räumen. Nur sie beide allein unter einem Dache. Er warf seinen Oberkörper mit einem Ruck in die Höhe, und starrte Liane an. Warum?“ wiederholte er, mit den Zähnen knirschend. Sie zwang seinen Blick und saugte sich mit dem ihren, der sich zu einem Aufglühen der Unüberwindbarkeit entlammte, hinein. „Narr!“ sagte sie keuchend.„Siehst du es nicht, daß ich nach dir verbrenne? Siehst du nicht, daß ich dich liebe? Liane!" stammelte er, seine Arme wie zur Abwehr vorttsterd. e de urt 441 Sie ergriff seine Hande uno zwung sie uuf seine Knie. Warf sich vor ihm nieder. 4 „Es ist mir alles gleich. Denke von mir so niehlig, ldie du willst. Erst seitdem ich dich kenne, weiß ich, was Liebe ist. Zertritt sie nicht noch einmal. Und wenn du es doch tust, dann werfe ich mein Leben von mir.“ Sie preßte ihr Gesicht gegen seine Knie und schüttelte sich. Des Mannes Körper zitterte. Er wußte: nun geschieht es doch. Es war alles umsonst gewesen. Das. was Erde an ihm war, band ihn, schmiedete einen unzerbrechbaren Reifen um seinen Willen... Seine Hand tastete nach ihrem Haar und wühlte sich hinein. Sie bog den Kopf zurück, und wartete mit geschlossenen Augen und verlangend geöffneten Lippen seinem Munde entgegen... Und wartete nicht umsonst......haben unmd 1.4 Sie hatte sich zu ihm in die Hohe geboben und suc. seinen Hals umschlungen haltend. auf seinem Schoß Ihr Mund flüsterte ihm heiße, leidenschaftliche Worte ins Komm, trage mich, nimm mich in deine Arme. du Starker, Lieber, du Liebster ou Ich will glücklich sein in dieser einzigen Nacht So komm doch!“ Da riß er sich sami dem Weibe in die Höbe. spannte seine Arme um ihren Leib Trug sie zur Tür und klinkte sie mit dem Ellenbogen auf Ein Lichttegel flutete in den dunkten Flur Mitten hinein in diesen Lichtkegel trat Karl Beck. Liane in seinen Armen tragend Ihr gelöstes Haar flutete in einer schweren Welle an seinem Körper herab.— Er war nicht mehr auf dieser Welt Und dann eiß ihn ein wilder Aufschrei in die Wirklichket zurück Ein Schrei von der Schwelle der sich plötzlich öffnenden Haustür her Ein wilder, entsetzter, qualvoller Schrei aus dem Munde Anna Brodalstis: &ame Cot. dod-— b Gehlug