Bongopats bobnenalsch 120 Mak. Emeinunme 13 Pfg. Druck u. Venag von C. Braus, chwerte(Rudr, Losscheckkonten: Dortmund 2832 und Hannover 21874 Geschäststelle Große Mardttr. 3—3 Verantworlich fün die Schrifslstun, H. Eimner, Schwerte. Hernrm 2rro Verbunden mit: Schwerter Lageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung peu e se de achlzsvoat mm u: e Osa, Answik. üige, siung samtiche u. gericktliche 2nzeigen 10 Pig., ziek amtzelle 40 Pf, aur teleson, ausgegedene Inserate üdernehmen wit kams Gewabe Ber uoo dergeseon. Voriebelorunzen, veroorgerasen durg boder= Gewalen, ubernebmen voir heinerei Gewabi sur pünkliches Erschelnen dei Jeitunz u. kann auch keinerlei Ansoruch au, Schadenersad oder Nachlieserung erboden werden Tageblalt für die Stadt Schwerke und das Ami Westhofen S Kreisbir il für ben nordlichen Leil des Landkreises Zseriöhn Schwerte(Nuhr), Dienstag, den 1. April 1930 Nr. 17(cie Pand) 63. Jahrgang Neues in Kürze. Zwangsweise Verlängerung des Rheinisch=Westfälischen Kohlensyndikats um einen Monat. wtb. Essen, 31 März.(Tel.) Die Verhandlungen über die neue Grundlage für das Rheinisch=Westsälische Kohlensyndikai sind vorläufig gescheitert, hauptsächlich deshalb, weil eine Einigung in dem Haupistreitpunkt, dei Umlageftage, nicht erzielt werden konnte. Der Reichswirtschaftsminister hat laut Verordnung im heutigen Reichsanzeiger die Zechen des Ruhrgebietes auf der alten Grundlage für einen Monat zusammengeschlossen. Vorschuß auf die Zündholzanleihe. enb. Berlin, 31. März.(Eigene Meldung.) Wie wir aus dem Auslande hören, ist die Transaktion, durch welche an das Deutsche Reich ein Vorschuß von 116 250 000 Dollar auf den Erlös der Schwedischen Zündholzanleihe gewährt wird, nunmehr persekt geworden. Die Transaktion ist abgeschlossen durch ein Konsortium deutscher Banken unter Führung der Reichsbank und durch ein internationales Konsortium unter Führung des Bankhauses Lee, Higginson u. Co., London. 1500 Berliner Maßschneider streiten. enb. Berlin, 31. März.(Eigene Meldung.) In einer von etwa 1400 im Deutschen Bekleidungsarbeiterverband organisierten Berliner Maßschneidern besuchten Versammlung am Sonntag im Gewerkschaftshaus ist einstimmig beschlossen worden, ab heute früh in 36 maßgeblichen Berliner Firmen des Arbeitgeberverbandes die Arbeit ruhen zu lassen. Es stehen somit, dem Abend zufolge, seit heute in Berlin etwa 1500 Maßschneider im Kampf um die Erhaltung und Verbesserung der Lohn= und Arbeitsbedingungen. Missionare von Räubern gefangengenommen. wtb. Paris, 31. März.(Tel) Nach einer Havasmeldung aus Schanghai sind englische Missionare und eine amerikanische Missionarin in der Provinz Kiangsu von Räubern gefangengenommen worden. Es handelt sich um die gleiche Bande, die vor einiger Zeit drei finnländische Missionare gefangengenommen und ermordet hat. Eröffnung der britisch=ägyptischen Konferenz. wtb. London, 31. März(Tel.) Die britisch= ägyptische Konferenz, die sich mit der Frage der ägyptischen Unabhängigkeitsforderungen und mit dem Zustandekommen eines Vertrages befassen wird, ist heute im Ministerium des Auswärtigen eröffnet worden. Eine Petroleumüberschwemmung in Oklahoma. wib. Oklahoma City. 31 März.(Tel.) Am letzten Mittwoch wurde in der Umgebung der Stadt eine Petroleumsquelle angebohrt deren Ausfluß innerhalb weniger Tage 2000 Faß stündlich erreichte. Das Volumen der ausströmenden Gase wird auf 200 Millionen Kubikfuß täglich geschätzt. Eine große Anzahl von Arbeitern ist damit beschäftigt, die gewaltigen Petroleummengen einzudämmen, die die ganze Umgebung überschwemmen, die Felder verderben, die Häuser unbewohnbar machen und der Gefahr einer Brandkatastrophe aussetzen. Unnsunten des Amtsübergabe in der Reichskanzlei. wtb. Berlin, 31. März.(Tel.) In der Reichskanzlei fand heute vormittags 11 Uhr in feierlicher Form die Verabschiedung des bisherigen Reichskanzlers Müller und die Einführung des neuen Reichskanzlers Dr. Brüning start. Staatssekretär Dr. Pünder dankte dem bisherigen Reichskanzler für das Wohlwollen, das er den Beamten, Angestellten und Arbeitern der Reichskanzlei bewiesen und sicherte, dem neuen Reichskanzler die vollste Hingabe des Personals der Reichskanzlei zu. Reichskanzler Müller sprach seinem Dank für die treue Mitarbeit aus und übergab die Amtsgeschäfte in einer längeren Ansprache dem neuen Reichskanzler, der darauf mit herzlichen Worten erwiderte und dabei die Hoffnung aussprach, daß ihm die Reichskanzlei in derselben Weise zur Seite stehen werde, wie das in so vorbildlicher Weise in der Zeit seines Amtsvorgängers der Fall gewesen sei. welche mit dem Notstandsartikel die praktische Arbeit weiterführen würde. Eiste Sitzung des neuen Reichskabinetis. wtb. Berlin, 1. April.(Funkspruch.) Das neue Reichskabinett trat gestern nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning zu seiner ersten Sitzung zusammen. Den Gegenstand der Beratung bildete die am Dienstag vor dem Reichstag von dem Reichskanzler abzugebende Regierungserklärung. Das Reichskabinett wird zu einer letzten Formulierung der Regierungserklärung am Dienstag zu einer kurzen Sitzung zusammentreten. Großfeuer in Westfalen. Vereidigung der neuen Regierung. wtb. Heek(Westf.), 1. April.(Funkspruch.) Das Wohnhaus und die Wirtschaftsgebäude des Schmiedemeisters und Landwirts Böckers am Marktplatz sind gestern nachmittag aus bisher unbekannter Ursache niedergebrannt. Bei dem herrschenden starken Winde griff das Feuer sehr schnell um sich und setzte auch die Nachbargebäude des Landwirts Bendel in Flammen. Trotz des schnellen Eingreisens der Feuerwehren von Heek, Ahaus und Epe war es nicht möglich, das Element erfolgreich zu bekämpfen. Das Vieh und das Mobiliar konnten gerettet werden. Den Feuerwehren gelang es wenigstens, drei weitere Häuser, die ebenfalls Feuer gefangen hatten, zu retten. wtb. Berlin, 1. April.(Funkspruch.) Der Herr Reichspräsident nahm gestern abend die durch das Gesetz über die Rechtsverhältnisse des Reichskanzlers und der Reichsminister vom 27. März 1930 neu vorgeschriebene Vereidigung der Mitglieder der Reichsregierung vor. Der Reichskanzler und die Reichsminister leisteten hierbei folgenden Eid: „Ich schwöre: Ich werde meine Kraft für das Wohl des deutschen Volkes einsetzen, die Verfassung und die Gesetze des Reiches ehren, die mir obliegenden Pflichten gewissenhaft erfüllen und meine Geschäfte unparteiisch und gerecht gegen jedermann führen. So wahr mir Gott Im Anschluß an die Vereidigung sprach der Herr Reichspräsident den Mitgliedern der Reichsregierung seine aufrichtige Anerkennung für erfolgreiche Arbeit im Dienst des Vaterlandes aus. Er betonte hierbei, daß Sanierung der Finanzen und Rettung der deutschen Landwirtschaft, insbesondere des landwirtschaftlichen Ostens, die dringenden Gebote der Zeit sind. Außer in der Reichskanzlei sind auch im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Geschäfte bereits übergeben. Bei den übrigen Ministerien steht noch nichts über die Uebernahme der Geschäfte fest. Abschied des Reichskanzlers Müller beim Reichspräsidenten. wtb. Berlin, 31. März.(Tel.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag den aus seinem Amte scheidenden Reichskanzler Hermann Müller zur Verabschiedung. Das neue Reichskabinett und die Parteien. vdz. Berlin, 31 März.(Tel.) Der deutschnationale Parteivorstand wird heute nachmittag im Reichstag zu einer Sitzung zusammentreten, um zu der durch die Bildung des neuen Kabinetts und ihre Begleiterscheinungen geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei hält morgen mittag 12 Uhr ihre Sitzung ab. Reichsernährungsminister Schiele hat, wie das Nachrichtenbüro des BDZ erfährt, gleichzeitig mit seiner Mandatsniederlegung auch alle seine Aemer in der Deutschnationalen Volkspartei niedergelegt. Am Dienstag werden fast alle Fraktionen, auch die Sozialdemokraten, schon vor der Plenarsitzung zusammentreten, doch dürfte die endgültige Entscheidung erst nach der Plenarsitzung erfolgen. Die Plenarsitzung dürfte voraussichtlich von kurzer Dauer sein, denn nach Entgegennahme der Regierungserklärung wird sich der Reichstag sicherlich auf Mittwoch vertagen, um dann in die Aussprache einzutreten. Mißtrauensanträge werden wahrscheinlich von den Sozialdemokraten und den Kommunisten eingebracht werden. Die Nationalsozialisten wollen selbst keinen Mißtrauensantrag stellen, aber einem von anderer Seite eingebrachten Mißtrauensantrag zustimmen. Welche Stellung die Demokraten einnehmen werden, wird sich erst in der morgigen Fraktionssitzung entscheiden. Bisher darf man, obwohl Minister Dietrich im Kabinett geblieben ist, die Demokraten keineswegs zur sicheren Gefolgschaft des neuen Kabinetts rechnen. Bei einem großen Teil der demokratischen Reichstagsfraktion herrschte heute noch die Meinung vor, daß die Regierung in ihrer jetzigen Zusammensetzung und nach den bisher über Schieles Agrarprogramm bekannt gewordenen Nachrichten für die Demokraten unerträglich sei. Man macht sich in parlamentarischen Kreisen jedenfalls noch auf allerlei Ueberraschungen gefaßt. 350 Automobile verbrannt Ein Riesenbrand in Amerika. wtb. Toledo(Ohio), 1. April(Funkspruch.) Durch Großfeuer in einer Anlage der Willys Overland Gesellschaft wurden über 350 Automobile, das Lagerdock und mehrere Schuppen vernichtet. Der Schaden wird auf etwa eine halbe Million Dollar geschätzt. Während des Brandes erfolgte eine Reihe von Gasolinexplosionen, wobei die Flammen 200 Fuß emporschossen. Industrie und Landwirtschaft. Reichsminister Treviranus über die Aufgaben des neuen Kabinelts. Die Durchführung der geplanten Hilfeleistung. enb. Berlin, 1. April.(Eigene Radiomeldung.) Wie das Berl. Tagebl. aus Kreisen der deutschen Industrie hört, findet der Gedanke einer Hilfeleistung der deutschen Industrie zugunsten der Land'virtschaft in weiteren stärkeren Anklang. Dieser Gedanke ist bekanntlich zuerst von Dr. Silverberg angeregt worden und eine Reihe von prominenten Industrieführern haben in den letzten Tage seine Ausführung mit dem Reichspräsidenten besprochen. Von der Industrie wird allerdings der Wunsch geäußert, daß diese Hilfe, durch die jährlich etwa 45 bis 50 Millionen aus dem Aufkommen der Industriebelastung für die Zinsverbilligung vor allem der ostdeutschen Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden sollen, möglichst nicht durch den allgemeinen Etat fließt, sondern unmittelbar der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wird. Dagegen mehren sich in der Industrie Stimmen des Protestes gegen die bisherige Absicht des Reichsfinanzministers aus den Rücklagen der Bank für Industrieobligationen 50 Millionen für die Arbeitslosenversicherung und 20 Millionen für den allgemeinen Reichshaushalt zur Verfügung zu stellen. Verlängerung der Hauszinssteuer wib. Berlin, 1. April.(Tel) Der Landtag hat am 28. März die Verlängerung des Grundvermögenssteuergesetzes und der Hauszinssteuerverordnung beschlossen. Der Staatsrat hat am gleichen Tage unter Verzicht aus sein Einspruchsrecht dem Landtagsbeschluß zugestimmt. Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, bleiben die bisherigen für die Zahlung der Grundvermögens= und Hauszinssteuer maßgeblichen Vorschriften, insbesondere die Steuertermine, also unverändert über den 1. April hinaus in Kraft. Mit der Verössentlichung der Gesetze in der preußischen Gesetzessammlung ist in den nächsten Tagen zu rechnen. wtb. Wien, 31. März.(Tel.) Die Neue Freie Presse veröffentlicht ein Gespräch eines Berliner Mitarbeiters mit dem Reichsminister für die besetzten Gebiete Treviranus über die Aufgaben des neuen Kabinetts, in dem es heißt: Die mit der besonderen Autorität des Reichspräsidenten berufene neue Reichsregierung wird eine Regierung der nationalen Dienstpflicht sein. Ihre Aufgaben sind klar vorgezeichnet In der äußeren Politik beginnt ein neuer Abschnitt. In ihr gibt es keine Parteigegensätze und keinen Streit, keine Mehrheit und keine Minderheit. Die Außenpolitik wird aus dem Rahmen der Parteipolitik befreit. Das Hauptproblem Deutschlands ist die steigende Arbeitslosigkeit. Der bisherige Weg führt nicht zum Ziele. Man hat die steigende Zahl der Arbeitslosen und der drohenden Konkurse bisher zum Anlaß genommen, um deren Wirkungen abzuschwächen. Wir werden den umgekehrten Weg gehen und nicht die Folgen, sondern die Ursachen der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit bekämpfen. Auf diese Weise werden sich auch die Fragen der Arbeitslosenversicherung lösen. Die besondere Sorge der Reichsregierung gilt selbstverständlich der Landwirtschaft, deren Bedeutung als nationale Grundindustrie von allen Wirtschaftskreisen heute anerkannt wird. Ebenso wird die Wiederaufrichtung der Kräfte des deutschen Ostens dem Ziele der Reichsregierung dienen, die Kräfte, der gan Nation wieder fruchtbar zu machen. Die bisherigen Versuche, welche die letzte Koalitionsregierung Monate hindurch unternahm, um dem weiterschreitenden Unheil zu steuern, haben versagt. Aus diesem Grunde hat der Herr Reichspräsident eingegriffen, und seine verfassungsmäßigen Rechte Die Sozialdemokratie hat grundsätzliche Opposition angekündigt. Darauf mußte man gefaßt sein, obwohl es ja ausschließlich der Wille der Sozialdemokratie gewesen ist, welcher der letzten Koalitionsregierung ein Ende machte. Wenn jetzt Vermutungen über die Haltung der Deutschnationalen Partei angestellt werden, so gehen sie an der Tatsache vorbei, daß der Versuch, Neuwahlen zu erzwbingen, nur für die Parteien ein Risiko birgt, nicht aber für die Reichsregierung, Glückwünsche für Reichskanzler Dr. Brüning. wtb. Berlin, 1. April.(Tel.) Bundeskanzler a. D. Seipel hat Reichskanzler Dr. Brüning zur Uebernahme der Reichsregierung namens der ChristlichSozialen Partei Oesterreichs telegraphisch die besten Glückwünsche übersandt. Der Reichskanzler hat in einem Antworttelegramm Bundeskanzler a. D. Seipel seinen aufrichtigen Dank ausgesprochen. wtb. Berlin, 31. März.(Tel.) Senator Dr. Hilgenreiner hat Reichskanzler Dr. Brüning für. die Deutsche Christlichsoziale Volkspartei in der Tschechoslowakei in einem Telegramm aufrichtigste Segenswünsche übermittelt. Der Reichskanzler hat in seiner Erwiderung seinen aufrichtigen und herzlichen Dank zum Ausdruck gebracht. Mandatsniederlegung des Reichsernährungsministers Schiele. wtb. Berlin, 31. März.(Tel.) Reichsernährungsminister Schiele hat in einem Schreiben vom heutigen Tage an den Präsidenten des Reichstages sein Mandat als Reichstagsabgeordneter niederCeiceg... gp:. gEgur. Mn. huna) G. enb. Berlin, 31. März.(Eigene Meldung.) An Stelle des aus dem Reichstage ausgeschiedenen deutschnationalen Abgeordneten Schiele wird der Oberst a. D. Gustav von Bartenwerffer, Thale (Harz), in den Reichstag eintreten. Austritt Schieles aus dem deutschnationalen Parteivorstand. enb. Berlin, 1. April.(Eigene Radiomeldung.) Gleichzeitig mit seinem Mandat als Reichstagsabg. hat der neuernannte Reichsernährungsminister Schiele, wie der Lokalanzeiger mitteilt, auch sein Amt als Vorstandsmitglied der Deutschnationalen Volkspartei niedergelegt. un Lundtag. 153. Sitzung des preußischen Landtages. vdz. Berlin, 31. März.(Tel.) Der preußische Landtag begann am Montag die zweite Beratung des Kultushaushalts für 1930 mit der Aussprache über den ersten Abschnitt„Ministergehalt, Volksschulwesen, evangelische, katholische Kirche und Synagogengemeinden“. Die Ausschüsse empfehlen die Annahme von etwa 50 Anträgen, die u. a. einen besonderen Kulturausschuß des Landtages zur Förderung enger Zusammenarbeit von Parlament und Ministerien verlangen, sowie Bekämpfung des Berechtigungsunwesens, Neuordnung der Ferien, Kalenderreform mit dem Ziele, das Osterfest festzulegen, straffere Schulgesundheitspflege, kulturelle dringliche Betreuung der Grenzgebiete, besonders im Osten, baldige Verabschiedung des Vertrages mit den evangelischen Kirchen usw. Nach den Ausschußberichterstattern nahm der neue Kultusminister Dr. Grimme das Wort zu seiner ersten Rede vor dem Landtag. Das Haus und die Tribünen waren außerordentlich stark besetzt, Minister Grimme begann mit dem Ausdruck seiner Hochachtung für das Werk und die Persönlichkeit des Ministers Becker, der das Signal zur Mitarbeit der geistigen Schichten an der Republik gegeben habe. Im übrigen schilderte er dem Hause seine grundsätzliche Einstellung, die im Rahmen des Regierungsprogramms des Kabineus Braun liege. Er erklärte, daß die Kultur heute erschüttert sei bis an den Rand des Leugnens geistiger Werte überhaupt. Der Staat habe den verschiedenen geistigen Richtungen gegenüber die Pflicht zur Toleranz. Jene Toleranz sei natürlich begrenzt an jener Intoleranz, die den demokratischen Staat zu unterhöhlen suche. Man sollte den Idealismus der Jugend mobil machen zum Kreuzzug gegen den Ungeist der politischen Verleumdung. Gegen das Berechtigungsunwesen gelte es, schnell praktische Maßnahmen zu ergreifen. Gerade, wer die Persönlichkeit schätze, dürfe sich nicht allein auf Zeugnisse stützen. In den schweren Zeiten der letzten 10 Jahre hatten wir sehr eindringlich erlebt, daß Männer mit bloßer Volksschulbildung imstande waren, an entscheidender Stelle da deutsch zu sprechen, wo andere mit ihrem Latein am Ende Bei einer ausführlichen Gegenüberstellung von Individualismus und Kollektivismus erklärte der Minister. daß gerade, wer die Persönlichkeit wolle, zur Masse stehen und ihr um der Persönlichkeitswerte willen helfen müsse. Das Ziel einer notwendigen Synthese von Masse und Persönlichkeit sollten alle, über politische Gegensätze hinweg, bejahen. Rede des Ministers wurde mit lebhaftem Beifall, in einzelnen Teilen auch über die Grenze der Regierungsparteien hinaus, ausgenommen. Abg. Oelze(DN.) hielt dem Minister vor, daß gerade die Sozialdemokraten der Betätigung der freien Meinung in den Schulen intolerant gegenüberständen.— Abg. König(Soz.) lehnte aufs schärfste die Gewaltaten gegen die Kirche, wie sie in Rußland geschehen, ab und forderte Ausbau der Volksschulen. Abg. Dr. Lauscher(Ztr.) meinte, daß die Besetzung des Kuliusministeriums mit einem Sozialisten den satz zwischen Christentum und Sozialismus wieder besonders zum Bewußtsein gebracht habe, daß aber der neue Minister ein ehrlicher und entschiedener Charakter sei. Abg. Dr. Ausländer(Komm.) hielt dem Minister vor. er habe nur abstrakte, in die Luft gebaute philosophische Ueberlegungen ausgesprochen, zeige in der Tat aber einen in allen Kulturausgaben gedrosselten Etat. Die Aussprache wird am Dienstag fortgesetzt. Artikel 48.[Die Eröffnungsfeier des hauses der deutschen Presse. ruch Gei dem rohr dieser öffentlichen Meinung die sich irgenwie —t. Der Diktaturparagraph der Reichsversassung ist sozusagen ein geflügeltes Wort unseres politischen Lebens geworden. Wenn man eine neue Wendung der Dinge nach langen Verlegenheiten und allmählich unlösbar gewordenen Schwierigkeiten ins Auge saßt, so spielt dabei gewöhnlich die inhaltsschwere Redensart„Achtundvierzig“ eine Hauptrolle. In der politischen Praxis hat diese Notbestimmung der Reichsverfassung niemals die Bedeutung gehabt, die man ihr in unverbindlichen Erwägungen zuerkennt Man hört oft von Leuten, die den Artikel gar nicht genau kennen, Beirachtungen über die Möglichkeiten, die er politisch bietet. Der Reichspräsident wird durch diese außerordentliche verfassungsmäßige Vollmacht in die Lage versetzt, Maßnahmen zu treifen, die in Krisenzeiten Ordnung und Sicherheit autokratisch verbürgen. Der wichtigste Absatz dieses recht umfangreichen Paragraphen lautet:„Der Reichspräsident kann, wenn im Deutschen Reiche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird, die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nötigen Maßnahmen treffen, erforderlichenfalls mit Hilfe der bewaffneten Macht einschreiten.“ Der Artikel führt sodann einige grundsätzliche Freiheitsrechte der Demokratie an, die der Reichspräsident in besonderen Fällen außer Kraft setzen kann, insbesondere die persönliche Freiheit und das Recht am Eigentum. Wie aber der Reichspräsident darüber hinaus die zur Ordnung und Sicherheit nach seiner Meinung notwendigen Verordnungen erlassen will, ist zunächst Sache seiner eigenen Verantwortung. Der Reichstag kann die Ausnahme=Erlasse des Reichspräsidenten außer Kraft setzen. Aber auch dazu bedarf es natürlich einer Mehrheit, und eine solche Mehrheit pflegt ja nicht vorhanden zu sein, wenn überhaupt eine regierungspolitische Exekutive auf Grund des Artikels 48 ernstlich in Frage kommt. Der letzte Satz des Diktaturparagraphen lautet: „Das Nähere bestimmt ein Reichsgesetz". Dieses Gesetz ist in den ganzen zehn Jahren, seit die Weimarer Verfassung das deutsche Staatsleben regelt, niemals zustande gekommen. Daher unterliegt die Anwendung des Artikels 48 der bloßen Interpretation durch das Reichsoberhaupt Es ist rechtstheoretisch durchaus möglich, daß der Reichspräsident auch ein Steuerprogramm von sich aus verordnet, um eine öffentliche Gefahr vom Reiche abzuwenden. Wenn das Reich nämlich nicht in der Lage wäre, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen, so könnte das eine ganz außerordentliche Bedrohung der Ordnung darstellen. Das sogenannte Ermächtigungsgesetz hat mit dem Artikel 48 gar nichts zu tun. Die„Ermächtigung“ ist gerade das Gegenteil des Artikels 48. nämlich eine Art Diktatur des Reichstages. Mit zwei Drittel Mehrheit kann der Reichstag jederzeit die ganze Reichsverfassung außer Kraft setzen, also auch bestimmen, daß Verordnungen mit Gesetzescharakter von einer damit beauftragten Stelle ohne das Parlament gültig sind. Graf Westarv über „Sinatsfuhrung und Opposilion“. enb. Berlin. 1. April.(Eigene Radiomeldung.) Graf Westarp sprach gestern in einem Rundfunkvortrag„Staatsführung und Opposition" u. a. über die Ziele der gegenwärtigen nationalen Opposition, die in der Ueberwindung der republikanischen Staatsform und des parlamentarischen Systems in seinem jetzigen Zustande zugunsten des monarchischen Staates gesehen werden Man müsse pflichtbewußt genug sein, dem Staate keinen Dienst zu versagen, der dem Gesamtwohl des Staates und Vaterlandes diene.„Schwere Konflikte der Pflichten“, so sagte er,„und viele äußere und innere Schwierigkeiten erwachsen der Rechtsopposition daraus, daß sie ihren Dienst tun muß in einem System, dessen Beseitigung ihr Ziel ist, und daß sie unter der Herrschaft und mit den Mitteln dieses Systems praktisch zu arbeiten hat. Die Konflikte treten besonders hervor, wenn wir an der Regierung beteiligt sind, sie sind aber nicht minder vorhanden, wenn wir Oppositionspartei sind Ueber allem Ringen und allem Kampfe, der uns Deutsche entzweit“, so schloß der Redner,„beherrschend auch für das Verhältnis zwischen Staatsführung und Opposition, steht die Pflicht zum Dienste am Vaterlande und der Wille zu Ehre und Freiheit der Nation.“ Die Verhaftungen auf dem Bauerntongrei. enb. Berlin, 31. März.(Eigene Meldung.) Von den 26 Delegierten des Internationalen Bauernkongresses, die am Samstag verhaftet wurden, weil sie nicht im Besitze eines Passes waren, sind inzwischen drei wieder auf freien Fuß gesetzt worden, da sie nachweisen konnten, daß sie ihren Wohnsitz zur Zeit in Deutschland haben. Sie konnten auch ihre Legitimationspapiere, die sie zu Hause gelassen hatten, herbeischaffen. Die übrigen 23 werden heute vom Schnellrichter wegen Paßvergehens abgeurteilt. Vom Schnellrichter verurteilt. wtb. Berlin, 1. April.(Funkspruch.) Der Schnellrichter beim Amtsgericht Berlin=Mitte verurteilte gestern die 23 verhafteten Teilnehmer des europäischen Bauernkongresses(17 Polen, 4 Tschechen, 1 Italiener und 1 Südslawen) wegen Paßvergehens, und zwar 3 Mitglieder des polnischen Seims zu einer Geldstrafe von je 35 Mark und die übrigen Angeklagten zu 3 Tagen Gefängnis unter Anrechnung der zweitägigen Polizeihaft. Sie wurden für schuldig befunden, unbefugt die Reichsgrenze überschritten zu haben und ohne Paß nach Berlin gekommen zu sein. Neue Krise auf der Ziolientonserenz. wib. London, 31. März.(Tel.) Die Blätter berichten, daß auf der Flottenkonferenz eine neue Krise eingetreten sei. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Herald“, schreibt: Es ist den britischen und französischen Sachverständigen bisher nicht gelungen, eine Formel zu finden, die die beiderseitigen Standpunkte miteinander versöhnen würde. Sie haben festgestellt, daß die Kluft, die wtb. Berlin, 1. April.(Funrspruch. Bei dem gestrigen Bankett aus Anlaß der Eröffnungsfeier des Hauses der deutschen Presse verlas der geschäftsführende Vorsitzende des Reichsverbandes der deutschen Presse, Gustav Richter, zunächst das Schreiben des Herrn Reichspräsidenten und führte dann u. a. aus: In dem Augenblick, wo das Haus der deutschen Presse seiner Bestimmung übergeben wird, gelten unsere Gedanken dem Vaterlande. Trotz des Kampfes zwischen uns lassen wir Journalisten uns von niemand in der Liebe zum Vaterlande übertreffen. Wir haben in dieser schweren Zeit unsere ganze Arbeit einzusetzen, um den Wiederaufstieg des Vaterlandes in seelischer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht zu fördern. Richter kennzeichnete dann die Aufgaben des Hauses und seiner künftigen Bewohner und Gäste. — An seine Rede schloß sich der gemeinsame Gesang des Deutschlandsliedes an. Prof. Georg Bernhard als Vorsitzender führte aus, daß zur Weihe dieses Hauses eine so erlesene Gästeschar sich eingefunden habe, daß es ihm doppelte Freude bereite, sie willkommen zu heißen. Er begrüßte die Gäste. Bei Neunung der Namen des Präsidenten Dr. Sahm aus Danzig und des Königsberger Oberbürgermeisters Dr. Lohmeyer erhob sich besonderer Beifall. Eine außerordentliche Dankesschuld haben wir—, so führte der Redner weiter aus— dem bisherigen Reichsinnenminister Severing zu zollen. Er hat neben den Architekten und Künstlern ein entscheidendes Verdienst an dem Zustandekommen dieses Werkes. Auch der Unternehmungsgeist und der Wagemut unseres geschäftsführenden Vorsitzenden Gustav Richter verdienen die höchste Anerkennung, denn ihm ist der Entschluß zu diesem großen Unterfangen zu danken. Wenn es gelungen ist, eine Interessengemeinschaft der deutschen Journalisten unter sich und mit ihren Verlegern herbeizuführen, so darf man daraus die Hoffnung schöpfen, daß für die Zukunft dieses Werk erhalten bleiben und sich entwickeln wird. Dieses Haus soll ein Haus der Kameradschaft sein. Es soll aber darüber hinaus der Pflege der Beziehungen zwischen der Presse und dem deutschen Volke im ganzen dienen. Wir und unser Haus—, so schloß Bernhard— wollen dem Volke und damit dem Staate dienen. Reichswirtschaftsminister Dietrich begrüßte namens der Reichsregierung den Reichsverband der deutschen Presse und beglückwünschte ihn zu seinem neuen Heim. Er führte dann u a. aus, es sei sonst üblich bei Veranstaltungen der Presse, bedeutungsvolle Reden zu halten. Er befinde sich aber in einer recht schwierigen Lage. Ueber die Politik könne er nicht reden, weil er im gegenwärtigen Augenblick, wo eben ein neues Kabinett sich gebildet habe, das am Dienstag vor den Reichstag treten werde, sich größte Zurückhaltung auferlegen müsse. Ueber die Presse wolle er im Augenblick nicht reden, ihre Bedeutung und die Bedeutung des Journalistentums seien heute so zum Gemeingut aller geworden, daß jedes flüssig wäre. Wie weit macht die Presse die öffentliche Meinung, und wie weit ist sie nur Sprachkohr bieser bssenliichen Meinung, die sich irgenwie anders bildet? Wir haben es erlebt, daß gelegentlich bei Wahlen auch große Zeitungen wenig Einfluß hatten und man könnte geneigt sein, daraus zu schließen, daß die öffentliche Meinung stärker ist als die Presse. Ich glaube aber, die Frage ist überhaupt nicht mit einem Satz zu beantworten. Es kommt bei der Abwägung des gegenseitigen Einflusses zwischen Presse und öffentlicher Meinung darauf an, welche Qualität die Presse besitzt und vor allen Dingen welchen Charakter und welche Fähigkeiten diejenigen Menschen haben, die die Presse machen. Das gilt insbesondere im gegenwärtigen Augenblick, wo vielleicht in den bürgerlichen Kreisen der Gedanke durchdringt, daß der Kampf um den Staat das Wesen der Politik ist, und daß nur der, der diesen Kampf gewinnt, imstande ist, auch die Interessen seiner Wähler, mögen sie stehen, wo sie wollen, zu vertreten. Sie beziehen heute ein Haus im Tiergarten, im vornehmsten Viertel in Berlin. Ihre Verleger sitzen schon eine Weile in der Matthäikirchstraße. Sie machen sich gewissermaßen hier bodenständig. Sie dokumentieren damit, daß Sie Ihre volle Gleichberechtigung mit den führenden Schichten restlos erkämpft haben. Ich beglückwünsche Sie, und ich leere mein Glas darauf, daß dem deutschen Volke ein leistungsfähiges, charakterfestes und tüchtiges Journalisten= tum stets beschert sein möge! An der festlichen Eröffnung des Hauses der deutschen Presse nahmen u. a. teil: Die Reichsminister Gröner, Dietrich, von Guérard und Dr. Wirth, die Reichsminister a. D. Severing und Schmidt, der preußische Ministerpräsident Dr. h. c. Braun und mehrere preußische Minister und Staatssekretäre, der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. Raeder. Der Reichstagspräsident Löbe erschien neben einer Reihe von Abgeordneten, der Landtagspräsident Bartels mit den VizepräsiKries und Dr Wiemer, sowie Uhr ein Geldschrank abtransportiert werden. Als sich die Arbeiter mit dem Inhaber der Transportfirma auf dem Treppenabsatz im zweiten Stockwerk besanden, strauchelte einer der Träger, sodaß der etwa 25 Zentner schwere Geldschrank mit voller Wucht auf das Geländer stürzte, dieses durchbrach und, den Geschäftsinhaber Hans Jung mit sich reißend, bis in das Erdgeschoß hinabsiel. Die anderen Arbeiter konnten rechtzeitig beiseite springen. Jung wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen nach der Klinik gebracht. denten Dr. von Kries und Dr. Wiemer, sowie mehreren Abgeordneten. Das Auswärtige Amt war durch den Staatssekretär und zwei Ministerial= direktoren vertreten, die Presseabteilung durch Ministerialdirektor Dr. Zechlin, die preußische Presseabteilung durch Ministerialrat Goslar. Die Stadt Berlin vertrat der stellvertretende Oberbürgermeister Scholtz, die Polizei Polizeipräsident Zörgiebel. Weiter waren der Kommandant des Wehrkreises, Generalmajor von Stülpnagel, und der Oberpräsident Dr. Maier anwesend. Zum Schluß sprach der stellvertretende Oberbürgermeister Scholtz namens der Stadt Berlin. Glückwunsch des Reichspräsidenten an den Reichsverband der Deutschen Presse. wtb. Berlin, 1. April.(Funkspruch.) Der präsident hat zur Eröffnungsfeier des Hauses der deutschen Presse an den Reichsverband der Deutschen Presse ein Schreiben gerichtet, in dem er seinem Bedauern Ausdruck gibt, nicht persönlich bei der Feier anwesend sein zu können, und dem Verbande seine Grüße und Glückwünsche über8665. Kirchenschänder auch in Duisburg enb. Berlin, 31. März.(Eig Meldung.) Gegen einen offen angekündigten kommunistischen Plan, die Kirchen Duisburgs mit Farben zu beschmutzen, hatten die Kirchen in der Nacht zum Sonntag einen Selbstschutz organisiert. Vor der Herz=Jesu=Kirche in Obermeiderich wurde nach einer Meldung des Lokalanzeigers aus Duisburg ein Mitglied des Selbstschutzes, als sich die übrigen kurze Zeit entfernt hatten, von einer kommunistischen jugendlichen Gruppe überfallen und durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Die Polizei hat kurz darauf fünf Personen als der Tat verdächtig festgenommen, von denen drei nach dem Verhör in Haft behalten wurden. An der Joseph=Kirche in Duisburg wurden zwei Jugendliche bei dem Versuch überrascht, die Kirche mit Farben zu beschmutzen. Sie konnten flüchten, ließen aber den Farbentopf zurück. Ausbruch aus dem Gefängnis. wtb. Berlin, 31. März.(Tel.) Aus der Irrenabteilung des Zellengefängnisses in der Lehrterstraße ist in der vergangenen Nacht der zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilte Mörder Goldbach zusammen mit dem Kaufmann Schröder, der wegen schweren Diebstahls zu einem Jahr zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, ausgebrochen. Vergangene Nacht war in einem Schlafsaal der Irrenabteilung große Unruhe entstanden, als einer der Leute von Krämpfen befallen wurde. Während das Pflegepersonal mit dem Ruhestiften beschäftigt war, waren Goldbach und Schröder aus ihren Zellen entwichen. Die Eisentraillen vor den Fenstern waren verbogen. Beide waren hindurchgeschlüpft, hatten sich von einem benachbarten Dach an einem Seil hinabgelassen und waren entkommen. zwischen dem Höchstmaß besteht, was die Engländer zu gewähren ermächtigt sind, und dem Mindestmaß dessen, was die Franzosen anzunehmen ermächtigt sind, so groß ist, daß eine Fortsetzung der Beratungen zwecklos erscheint, wenn keine neuen Instruktionen erteilt werden. Der Korrespondent berichtet, die Franzosen hätten darauf bestanden, daß ein militärisches Vorgehen Großbritanniens unter gewissen Bedingungen automatisch eintreten müßte wie bei dem Locarnovertrag, während die Engländer erklärten, sie könnten nichts vorschlagen, was Großbritannien möglicherweise dazu zwingen würde, an einem Kriege teilzunehmen, wenn dies den britischen Interessen zuwiderliefe. Besprechungen zwischen Briand und Henderson. wotb. London, 31. März.(Tel.) Henderson und Briand nahmen heute nachmittag die gemeinsamen Besprechungen wieder auf, und erörterten ausführlich politische Fragen. Daraus ergibt sich, daß deren Erörterung keineswegs abgeschlossen sind. Man glaubt, daß in der auf Mittwoch anberaumten Sitzung der Führer der Delegationen auf der Seeabrüstungskonserenz die bisher von der Konserenz geleisteten Arbeiten geprüft und das Programm für die Freitagsitzung ausgearbeitet werden wird. „Höllenmaschine mit Blumenerde am Berliner Rathaus. wtb. Berlin, 1. April.(Funkspruch.) Die Polizei entdeckte vergangene Nacht am Eingang des Rathauses ein Paket, in dem sich eine Weckuhr, zwei Taschenlampenbatterien und ein Zylinder befanden. Nach Angaben der Feuerwehr war das von ihr untersuchte Paket mit Dynamit gefüllt. Die Polizei sperrte die angrenzenden Straßen ab und untersuchte das Rathaus nach weiteren Bomben. Wir wir erfahren, handelt es sich offenbar um einen schlechten Aprilscherz, denn der Zylinder war nicht mit Dynamit, sondern mit Blumenerde gefüllt. Frau Neumann geisteskrank? enb. Berlin, 1. April.(Eig. Radiomeldung.) Das Berl. Tagebl. meldet aus Breslau: Das nunmehr eingegangene amtsärztliche Gutachten über den Geisteszustand der Wirtschafterin Neumann, die beschuldigt wird, Anfang August 1925 den Universitätsprofessor Rosen und seinen Hausmeister, den Schuhmacher Stock ermordet zu haben, besagt, daß Frau Neumann„möglicherweise zur Zeit der Tat nicht völlig zurechnungsfähig" war. Dieses Urteil des Direktors des gerichtsärztlichen Instituts, Pros. Dr. Reuter, wird, so bemerkt das Blatt, wahrscheinlich zur Folge haben, daß die Staatsanwaltschaft beantragt, Frau Neumann außer Verfolgung zusetzen. Der Verteidiger der Frau Neumann hat für den Fall, daß die Staatsanwaltschaft beantragen sollte, daß sie außer Verfolgung gesetzt wird, darum nachgesucht, daß ein Obergutachten eingeholt werde, denn seine Mandantin drängt auf die Gerichtsverhandlung, in der sie sich von den Verdächtigungen reinigen will. Nah und Fern. Elberfelder Viehmarkt. Selsc Gesieg, Saoden 2ad Loslen. d. Bulk. FB 3ae 58 Färsen(Kalbinnen), 39 Fresser, 424 Schweine.— Dem Schlachthof unmittelbar zugeführt: 21 Ochsen, 9 Bullen, 6 Jungrinder 23 kälber, 415 Schweine.— Markt verlauf: In allen Gattungggzenftzg, ältere jgwgge Ochsen langsam.— Bxethe i. 68.— 48—54; Bullen 54—57..50—30;„Fupe 50—54, 44—48, 35—43, 25—34; Färsen 57—60, 50—56, 44—49: Fresser 42—48; Kälber 80—85, 65—75, 50—60; Schafe—: Schreine 70—72, 70—72, 70—72, 67—70, 67—70; Sauen Zum Schlüchterner Postraub. wp. Schlüchtern, 31. März.(Tel.) Die in Sachen des Postraubes hier tätig gewesenen Berliner Kriminalbeamten sind wieder abgereist. Wie verlautet, sollen die bisherigen Verhaftungen keinen Zusammenhang mit dem Postraub ergeben haben. Die Untersuchung gegen den verhafteten Postschaffner Blum erstreckt sich nur auf seine früheren Straftaten. Die Ermittlungen wegen des Postraubes werden von den örtlichen Behörden weitergeführt. Mit einem Geldschrank in die Tiefe gestürzt. wtb. Berlin, 31. März.(Tel.) Im Hause Oranien= burgerstraße 15 sollte heute vormittag gegen 10¾ Eifersuchtstragödie? wtb. Kiel, 1. April.(Funkspruch.) Der Arzt am Hygienischen Institut der Universität Kiel, Dr. Joachimsen, wurde heute abend in seiner Wohnung in der Wrangelstraße erschossen aufgefunden. Als der Tat verdächtig ist eine Frau verhaftet worden, mit der Dr. Joachimsen in Beziehungen stand. Mit dem Kran in die Dder gestürzt. wtb. Steinau a. d. O., 1. April.(Funkspruch.) Die Liegnitz—Rawitscher Eisenbahn läßt zur Zeit mit einem großen elektrischen Kran in der Rampe des Umschlaghafens große Baumstämme vom Schiff auf die Bahn verladen. Dabei fiel ein Stamm aus den Halteklauen des Krans. Der Kran geriet dadurch ins Schleudern, löste sich aus den Haltekram= pen, bekam das Uebergewicht und stürzte mit dem im Kranhause befindlichen Führer Rehnisch, einem Beamten der Bahn, erst auf den dabeiliegenden Oderkahn, drehte sich dann um und fiel in den an dieser Stelle sehr tiefen Strom. Ein Schiffer befreite den schon bewußtlosen Kranführer durch Aufschlagen der Krantür aus seinem Maschinenstand und brachte ihn zum Ufer, wo ein Arzt mit Erfolg Wiederbelebungsversuche unternahm. Dampfer von Eisbergen blockiert wtb. Halifax, 31. März.(Tel.) Der Cunarddampfer„Alaunis“, der sich auf der Fahrt von London nach Neuyork befindet, berichtet durch Funkspruch, daß er am Donnerstag an der Südspitze der großen Sandbank von Neufundland, die sich auf der Hauptroute der transatlantischen Dampfer befindet, zwei Stunden lang die Fahrt unterbrechen mußte, weil er von acht Eisbergen, die sich in Hufeisenform um ihn gelagert hatten. nahezu eingeschlossen war. Der Dampfer meldet, daß er 22 weitere Eisberge angetroffen habe, die östlich von Neufundland auf der großen transatlantischen Schiffahrtsroute treiben. Nacheiastendienst Lurc Funksprauft Weich shankpräsident Dr Letthe= in Amsterdam. Weitere Drohungen der Hamburger Dynamit-Attentäter. enb. Berlin, 1. April.(Eigene Radiomeld.) Die nach amerikanischen Vorbildern gegen das große Hamburger Juweliergeschäft Wempe arbeitenden Verbrecher haben jetzt, nach einer Meldung des„Verl. Tagebl.“ aus Hamburg, erneut bei der Zentrale dieses Geschäfts telephonisch die Hinterlegung bedeutender Geldbeträge in einem abgelegenen Viertel Hamburgs gefordert unter gleichzeitiger Androhung weiterer Dynamitatten= tate gegen die einzelnen Geschäftsfilialen. Sämtliche Filialen werden von der Polizei scharf überwacht. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Schweres Motorradunglück. Zwei Tote. wtb. Vorna, 1. April.(Funkspruch.) Montagabend ereignete sich auf der Landstraße BornaLeipzig. hinter Gestewitz ein schweres Motorradunglück. Einem in Richtung Leipzig fahrenden Personenkraftwagen kam ein Motorradfahrer entgegen, der ungefähr zehn Meter vor dem Kraftwagen plötzlich in die Mitte der Straße steuerte und direkt in den Kraftwagen hineinfuhr. Der Führer des Motorrades wurde auf der Stelle getötet. Ein aus dem Soziussitz mitfahrender zwölfjähriger Knabe wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, wo er noch am Abend seinen Verletzungen erlegen ist Das Motorrad, das von dem Kraftwagen eine Strecke weit mitgeschleißt wurde, wurde vollständig zertrümmert. Reichsvantprusident Dr. rurher in Amsterdam. wtb. Amsterdam, 1. April deutsche Reichsbankpräsident Dr. Luther stattete im Anschluß an seine Reise nach Brüssel gestern auch dem Präsidenten der Niederländischen Notenbank, Vissering, einen Besuch ab. Nach etwa Aufenthalt in Amsterdem setzt der deutsche Reichsbankpräsident seine Reise fort. Ehrenmitgliedschaften im Pariser Institut für Soziologie. wtb. Paris, 1. April.(Funkspruch.) Das Pariser Institut für Soziologie hat den britischen Ministerpräsidenten MacDonald, den britischen Außenminister Henderson, den früheren deutschen Reichskanzler Hermann Müller und den deutschen Außenminister Dr. Curtius zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der französische Senat bewilligt das Budgetzwölftel für April. wtb. Paris, 1. April.(Funkspruch.) Der Senat hat mit 280 gegen 17 Stimmen das von der Kammer Montag vormittag bewilligte Budgetzwölftel für den Monat April unverändert angenommen. Der Bürgerkrieg in China. wib. Paris, 1. April.(Funkspruch.) Wie die Agentur Indo=Pacisique aus Peiping besetzte Marschall Yenhsischan mit Militär frühere Außenministerium in Peiping und entließ 50 Beamte und Verbindungsleute der Ranking= regierung. Diese Maßnahme habe große hervorgerusen, und man schließe daraus auf die bevorstehende Einsetzung einer provisorischen Regierung mit Benhsischau und nordchinesischen Führern. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Schwerer Zusammenstoß. Am Sonntag gegen 19,10 Uhr kam es auf der Kreuzung Meißenerstraße=Ardeystraße zu einem schweren Zusammenstoß zwischen einem Lastkraftwagen und einem Motorrad. Beide Fahrzeuge stießen mit ziemlicher Wucht zusammen. Ein auf dem Sozius des Kraftrades sitzender P. K. wurde auf den Fahrdamm geschleudert und erlitt einen Unterschenkelbruch. K. mußte mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht werden. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt. Sie mußten abgeschleppt werden. Die Schuldfrage ist nicht geklärt. — Zu einer tätlichen Auseinandersetzung kam es am Sonnabend in einem Hause an der Dechenstraße. Eine Ehefrau Schl., die sich von ihrem Mann trennen wollte, holte sich die Möbel aus der Wohnung. Dabei stieß sie auf den Widerstand ihres Schwagers Paul Schl. aus der Huyssenstraße, der verhindern wollte, daß das Mobilar aus dem Hause geschafft wurde. Im Verlauf der Auseinandersetzung ergriff der Schwager einen Stuhlsitz und schlug die Ehefrau damit. Diese trug eine klaffende Wunde davon, sodaß sie sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Gegen den Täter ist Anzeige wegen Körperverletzung erstattet worden. — Briefmarkenautomat erbrochen. In der Semerteichstraße in Hörde, die abends gerade nicht gut beleuchtet ist, aber trotzdem viel Verkehr aufzuweisen hat, wurde der Briefmarkenautomat, der am Hörder Postamt befestigt ist, von fremder Hand erbrochen und ausgeraubt. In demselben befanden sich eine Menge 15=Pfg.= Briefmarken und Bargeld, die dem Dieb in die Hände fielen. Die anderen Automaten, die sich nebenan befinden, blieben unbeschädigt. Der Dieb konnte mit der Beute unerkannt entkommen. — Früh krümmt sich... Ein hoffnungsvoller Bursche verspricht ein in der Adlerstraße wohnhafter 15jähriger Junge zu werden. Als am gestrigen Montagmorgen eine im südwestlichen Stadtbezirk wohnhafte Frau vom Markt am Ascheplatz kommend, über den Westenfriedhof ging, versuchte der 15jährige Bengel der Frau hinterrücks die Handtasche zu entreißen. Als dies mißlang, nahm der Junge Reißaus. Von einem Passanten gestellt, griff der vielversprechende Bengel zu einem Messer, um auf den ihn stellenden jungen Mann loszugehen. Von diesem jedoch erhielt der kleine Räuber eine derartige Tracht Prügel, daß ihm Hören und Sehen verging. Nach Nennung seines Namens wursen die Eltern von dem Treiben ihres Sprößings benachrichtigt. — Wer kennt den Vermißten? Der Schreinerlehrling Josef Döving, geb. 2. August 1913 zu Brambauer, Flurstraße 62 wohnhaft, hat am 28. März 1930 gegen 15,30 Uhr die elterliche Wohnung verlassen und ist bis jetzt nicht wieder zurückgekehrt. Die von der Kriminalpolizei angestellten Ermittelungen sind bisher erfolglos verlaufen. D. ist 1,60 Meter groß, von schlanker Gestalt, hat dunkelblonde, linksgeDer dänische Märchenprinz Zu Andersens 125. Geburtstag. Vor 125 Jahren, am 2. April 1805, erblickte Hans Christian Andersen in Odensee auf der Insel Fühnen in Dänemark das Licht der Welt. Er war das Kind sehr armer Eltern, die nicht einmal für eine geregelte Schulbidung des reichbegabten Knaben sorgen konnten. Aber trotz aller Armut lebten in der Seele des Knaben wunderliche Träume von Ruhm und Glück. Die poetische Natur hatte er von seinem früh verstorbenen Vater geerbt, ja Gedichte, Dramen und Puppentheater beschäftigten ihn als er kaum recht buchstabieren konnte. Mit 13 Talern in der Tasche wanderte der Vierzehnjährige nach Kopenhagen. Zum Glück fand der arme Junge brave Leute, die sich seiner annahmen und ihm sogar das Studieren ermöglichten. Seine ersten dichterischen Produktionen wurden von der Kopenhagener Kritik arg verspottet, und das erste Märchen, das er einer Redaktion einsandte, erhielt er mit dem Bemerken zurück, er solle seine Zeit nützlicher verwenden. Aber Andersen ließ sich nicht beirren, und seine Märchenseele beschenkte uns mit den herrlichsten Kunstmärchen, die die Weltliteratur kennt. Andersens Dramen, Romane und Gedichte kennt eigentlich nur noch der Literaturhistoriker, seine Märchen aber leben auf der ganzen Welt, und besonders die Kinderwelt wird ihm immer dankbar sein.„Das Märchen vom häßlichen Entlein“,„Die Prinzessin auf der Erbse“, „Die Schneekönigin“,„Der tapfere Zinnsoldat". sind nur wenige Namen aus der Fülle seiner Geschichten. Der Welterfolg der Märchen von Andersen bruht darin, daß er neben der wunderbaren Schlichtheit der Darstellung sich vollständig in das reiche Phantasieleben des Kindes versetzen konnte. Jeder Gegenstand bekommt Leben, Seele. Das aus der Dachrinne laufende Regenwasser wird zum reißenden Strom, auf dem Spielzeug und kleinste Lebewesen tollste Abenteuer erleben. Ist nicht jede scheitelte Kopfhaare, rundes Gesicht, graue Augen, gradl. Nase, vollständige Zähne. Bekleidet ist er mit blauer Schirmmütze, grüner Lodenjoppe, brauner Weste und Manchesterhose, Normalunterbeinkleid, Biberhemd mit I. D. gezeichnet, schwarzem Vorhemd, schwarzen langen Strümpfen und hohen Schnürschuhen. Firmenbezeichnung in der Lodenjoppe Gebr. Robert. Sachdienliche Angaben werden an das PolizeiPräsidium Rathenauallee 1, Zimmer 106, erbeten. — Sittlichkeitsverbrecher festgenommen. Am Montag abend ertappte der Wächter des Volksgartens in Dortmund=Lütgendortmund einen 30jährigen Schuhmacher Anton K. dabei, wie er sich mit einem 10jährigen Schulmädchen in der Gerätebude herumtrieb. Der Wächter hielt den K. bis zum Eintressen der Polizei fest. Auf der Polizeiwache wurde festgestellt, daß sich K. schon mehrfach in unsittlicher Weise an diesem jungen Mädchen vergangen hatte. Brünninghausen. Ueberfallen. Abends wurde die Schülerin M. auf dem Nachhausewege von einem Unbekannten angefallen. Das Mädchen rief laut um Hilfe, worauf Straßenpassanten herbeieilten. Plötzlich in der späten Nacht wurde die Schülerin durch gegen das Fenster ihres Schlaszimmers geworfene Steine geweckt. Als sie das Fenster öffnete, erkannte sie den Mann, der ihr erklärte, daß er sich bei dem Ueberfall in der Person geirrt habe. Er gebe ihr die entrissene Mappe zurück. Leider war es nicht möglich, die Polizei früh genug herbeizurusen. Die Unsicherheit auf der Chaussee nimmt ständig zu. o Sölde. Unfall in der Grube. Auf einer Dortmunder Zeche erlitt der Hauer Jakob B. von hier durch herabfallende Gesteinsmassen eine erhebliche Quetschung des Fußes, die seine Ueberführung in eine Krankenhaus erforderlich Macss. Holzwickede. Tödlicher Unfall. Der Schaffner Brisgen ist beim Heuabladen vom Boden seines Hauses gestürzt. Er zog sich einen doppelten Schädelbruch zu und ich an seinen schweren Verletzungen gestorben. w Hohenlimburg. Neue Jugendherberge. Unter Beteiligung aller Jugendverbände und der Bevöl'erung Hohenlimburgs fand am Sonntag die Weihe und Uebergabe der neuen Jugendherberge statt. Nach Musikund Gesangvorträgen und nach einem Prolog, hielt Bürgermeister Dr. Goetz die Begrüßungsansprache. Landrat Dr. Loos hielt die Weiherede. Der Gau und mit ihm die Stadt Hohenlimburg könne mit Stolz auf das vollendete Werk schauen. Redner zollte allen denen Dank, die dazu beigetragen, das Werk zu schaffen. Architekt Hopmann=Köln der Erbauer der Herberge übergab sodann dem Landrat Dr. Loos die Schlüssel des Hauses. Dr. Loos nahm darauf den Bau in seine Obhut. Bürodirektor Löbbecke, Vorsitzender der Ortsgruppe Hohenlimburg des SGV. machte ein Bildgeschenk. Regierungsrat Dr. Heinrich=Arnsberg übermittelte Grüße der Regierung und teilte mit, daß die Regierung der Jugendherberge für dringende Wünsche 500 Mark gestiftet habe. Der 1. Vorsitzende im Reichsverband Schirrmann, beglückwünschte den Gau und die Stadt Hohenlimburg für das schöne Heim. Nachdem der Männer= chor noch gesungen hatte wurde die offizielle Feier durch ein Musikstück geschlossen. h Meschede. Ein Ring nach 19 Jahren wiedergesunden. Als die Landwirtschaftswitwe Franz Josef Gummersbach in Rüblinghausen Feldarbeiten ausführte, fand sie beim Hacken des Landes ihren Trauring nach 19 Jahren wieder, nachdem sie ihn kurz nach ihrer Hochzeit verloren hatte. h Herne. Vom Karussel in die Menge geschleudert. Auf dem Kirmesplatz in Sodingen stürzte ein Mann aus einem Kettenkarussel in die Zuschauermenge. Hierdurch wurde ein Bergmann, dessen Frau und Tochter erheblich verletzt, sodaß sie sofort in ärztliche Behandlung gebracht werden mußten. Die Schuld soll den aus dem Karussel gefallenen Mann tressen, da dieser die Schutzkette vorschriftswidrig gelöst hatte. Anscheinend war er sich auch seiner Schuld bewußt; denn die allgemeine Verwirrung benutzte er, um schleunigst Reißaus zu nehmen. a Lippstadt. Mit der Hand in die Fräsmaschine: Der 60jährige Schreinermeister W. geriet in seinem Betriebe mit der Hand in eine Fräsmaschine. Ein Geselle stellte sofort die Maschine ab und leistete die erste Hilfe. W. hat an der Hand und am ganzen Arm schwere Verletzungen davongetragen. h Warburg. Drillinge im Kuhstall. Eine Kuh des Landwirts Hoppe in Rimbeck erfreute ihren Besitzer durch Drillinge. Die jungen Tiere erfreuen sich bester Gesundheit. h Iburg. Durch die Bodenluke gestürzt. Als die Ehefrau des Landwirts Heinen in Schüttorf damit beschäftigt war, Stroh vom Boden zu wersen, tat sie einen Fehltritt und stürzte durch die Luke in din Tiefe. Mit schweren Verletzungen wurde sie später von ihren Angehörigen aufgefunden und dem Krankenhause zugeführt. Der Arzt stellte u. a. einen schweren Beckenbruch fest. o Olpe. 1000 Mark Belohnung hat der Regierungspräsident in Arnsberg unter Ausschluß des Rechtsweges ausgesetzt für die Ermittelung des Täters, der den H. Feldmann auf dem hiesigen Schützenplatz erschossen hat. oder für die Angaben, die zur Ermittlung des Täters führen. Angaben, die dieserhalb bei der Polizeiverwaltung Olpe oder an die nächstgelegene Landjägereistation gemacht werden können, werden auf Wunsch vertraulich behandelt. o Bilstein. Tödlicher Betriebsunfall. Am Freitag morgen kurz nach 6 Uhr ereignete sich ein schwerer Unfall in dem Betriebe der Fa. A. Kind und Comp. Der Hammerschmied Willi Puhl war an einem schweren Dampfhammer mit dem Durchschlagen eines Eisenstückes beschäftigt, als ihm plötzlich das Setzeisen aus den Händen glitt und ihm gegen den Leib flog. Ein Arzt leistete dem Bedauernswerte die erste Hilfe und brachte ihn nach Engelskirchen ins Krankenhaus. Bei der sofort vorgenommenen Operation stellte sich ein Magenriß von 8 bis 10 cm. Länge heraus. Wie wir erfahren, ist der Bedauernswerte, der eine Familie hinterläßt, am Samstag früh seinen schweren Verletzungen erlegen. Warum tausendjähriger Stillstand in der afrikanischen Kultur? Hamm. Ueber obiges Thema spricht anläßlich der diesjährigen westfälischen Missionskonferenzen am 28. April in Hamm Missionsinspektor D. Weichert=Berlin. Der Vortrag beginnt um 10 Uhr im Lutherhaus zu Hamm, Königstraße. Nachmittags um 4 Uhr spricht der vor kurzem von einer Inspektionsreise zurückgekehrte Missionsinspektor Hoffmann=Barmen über die Missionsarbeit in Neu=Guinea. Von dort ist über eine ganz eigenartige Energie der Missionstätigkeit vonseiten der jungen papuanischen Christengemeinden selbst zu berichten. Missionsinspektor Hoffmann hat jahrelang dort gearbeitet. Neben diesen Vorträgen findet eine Aussprache über Belebung und Vertiefung der Missionsarbeit innerhalb der einzelnen Kirchenkreise in Westfalen statt. Börsen und Märkte Dortmund, 31. März. Bericht über die Preisstellung des heutigen Schlachtviehmarktes. Dem heutigen Schlachtviehmarkte waren zugeführt: 698 Stück Großvieh, 658 Kälber, 28 Schafe, 3230 Schweine. Der Marktverlauf war bei Großvieh mittel, bei Schweinen schlecht(70 Sperrtiere). Es wurden gezahlt für 50 Kilo Lebendgewicht: Ochsen: a) 1. 59—61; b) 1. 55—57, 2. 50—53; c) 46—48. Bullen: a) 57—58; b) 53—56; c) 50—52; Kühe a) 53 bis 54; b) 47—52; c) 43—45; d) 28—40; Färsen a) 56—58; b) 50—55; c) 45—49. Kälber: b) 82—86; c) 60—80; d) 50—59; Schweine: a) 65—67; b) 66—69; c) 66—69; d) 64—66; e) 60—62; g) 61—65. hören wir im Rundfunk? Mittwoch, den 2. April 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Morgenkonzert. 10,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 11,20: Musikalischer Schulfunk für die Oberstufe höherer Lehranstalten. 12,10: Schallplattenkonzert. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 14,30: Funkwerbung. 15,00: Für die jungen Mädchen. 15,30: Wirtschaftsdienst. 15,45: Frauenstunde. 16,10: Arthur Silbergleit:„Lyrische Porträts“ 16,30: Ein Gang durch ein Finanzamt. 16,50: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Volksschulen. 17,30: Vesperkonzert. 18.30:„Der junge Mensch“. 18,50: Vom Tage. 19,00: Wirtschafts=, Wetter und Sportdienst. 19,15: Stunde des Arbeiters. 19,40: Das neue Weltbild. 20,00: Meister der Operette. 20,30: Symphoniekonzert. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Tanzmusik. Rumpekkammer für das Gemüt des Kindes eine Zauberhöhle, die die herrlichsten Schätze verbirgt? Der Märchendichter muß dies erfühlen und gestalten können. Andersen schrieb aus der Seele des Kindes heraus, er versiel nicht in den Fehler vieler Jugendschriftsteller, die, aus einer gut gemeinten moralischen Tendenz heraus, es vergaßen, das Phantasiebedürsnis der Kinder zu befriedigen. Wir haben nach Andersen keinen gleichwertigen Märchendichter in der Weltliteratur wieder bekommen, aber Andersen selbst hat ihn und seine Art prophezeit:„O, es liegt so unendlich viel in dem Meere, in der Lust und in der Erde verborgen, Wunderwerke, größer als sie die Phantasie der Dichter zu erschaffen vermag. Es wird ein Dichter kommen, der mit kindlichem Sinn, ein neuer Aladin, in die Höhle der Wissenschaft tritt; mit kindlichem Sinn, sagen wir, denn sonst werden ihn die starken Geister der Naturkräfte erfassen und zu ihrem Diener machen, während er durch die Lampe der Poesie, die immer das menschliche Herz ist und bleibt, als Herrscher dasteht und wundervolle Früchte aus den dunklen Gängen heraufbringt, und ihm Macht verliehen ist, das neue Schloß der Poesie zu bauen, in einer Nacht durch dienende Geister geschaffen.“ Andersen besaß diese poetische Kraft. Wenn er ein Maikäferfräulein sprechen läßt, dann hat es eben Maikäfergedanken und wundert sich über ein Menschenkind, das nur zwei Beine und nicht einmal Fühlhörner hat. Im Ernst und im Scherz bleibt Andersens Erzählungsweise von höchster Kunst, abwechslungsreich wie eine wundersame Melodie: Vielleicht kommt die Märchendichtung der Musik überhaupt am nächsten. Gewiß hat Andersen seine Ausdruckskraft an den Märchensammlungen der Brüder Grimm und„Tausendundeine Nacht“ geschult, aber was außer ihm noch keiner erreichte, er kommt trotz höchster Erzählungskunst der Einfachheit des Volksmärchens am nächsten, ja Andersen ist der Märchenerzähler, der Kinder und Erwachsene gleichmäßig in seinen Bann schlägt. Von den anderen Werken des Dichters haben nur das„Bilderbuch ohne Bilder" und verschiedene„Kindergedichte“, weiteren Widerhall gesunden. Wir gedenken zur 125. Wiederkehr des Geburtstages des dänischen Märchenkönigs, denn nur durch seine unsterblichen Märchen wurde Andersen der berühmteste Däne in der Weltliteratur. Sein deutscher Gönner war der Großherzog Carl Alexander von Sachsen=Weimar, mit dem Andersen einen interessanten Brieswechsel führte. Seinen Werdegang schilderte Andersen in einer Selbstbiographie, die den bezeichnenden Titel:„Das Märchen meines Lebens" trägt. Am 4. August 1875 starb der Dichter von vielen betrauert in Kopenhagen. ein Kindheitstraum von Ruhm und Glück war in Ersüllung gegangen. Jörg Beßler=Gera. Schutz den heimischen Kleintieren im Frühling Die Schmetterlinge, die fliegenden Blumen der Sommerlandschaft, diesen lebendigen, reizvollsten Schmuck unserer Natur sollen wir mit allen Mittel bestrebt sein zu schützen und zu erhalten. Ausgenommen sind natürlich jene massenhaft auftretenden Schädlinge wie Weißling, Goldaster usw. Keinesfalls sollen wir unsere Kinder zum Töten derselben heranziehen, auch den Sammeltrieb des heranwachsenden Knaben werden wir tunlichst in andere Bahnen zu lenken suchen. Die Anlage von sogenannten Schmetterlings= und Käsersammlungen sollte nur älteren, ernsthaften dafür interessierten Schülern unter Anleitung fachkundiger Spezialisten gestattet werden. Die Käferwelt umfaßt eine große Anzahl teils nützlicher, teils biologisch sehr interessanter Arten, mutwilliges oder gedankenloses Töten muß bekämpft werden.— Ein Beispiel: Mutti! Sieh mal ein ekeliger Käfer. Mutti ist in Gedanken versunken: Tritt ihm tot Schatzi. — Derartige Erziehungsfehler legen den Grund zu herzloser und zu Grausamkeit und Gewalttätigkeit neigender Charakterentwicklung.— Ameisen machen sich nützlich für die Forstwirtschaft durch Vertilgen von schädlichen Forstinsekten. Der soziale Ameisenstaat ist ein hochinteressantes Objekt für Naturstudien. Lt. Feldund Forstpolizeigesetz vom 21. 1. 1926 ist es verboten Ameisen oder deren Puppen, sogenannte Ameiseneier einzusammeln oder Ameisenhaufen zu zerstören oder zu zerstreuen. Die Lurche unserer Heimat, also Frösche, Kröten, Wassermolche und der hübsche Feuersalamander sind fast durchweg für die Landwirtschaft und den Gartenbau von großem Nutzen. Es ist daher unsinnig, aber auch sehr töricht und grausam, diese Tiere eines kindischen Vorurteils wegen zu verfolgen und zu töten.„ Die Kriechtiere, also Eloechsen, Bundschleichen und Schlangen werden oft in tierquälerischer Weise, eines ganz unbegründeten Vorurteils getötet, was jeder Einsichtige bekämpfen soll. Mit Ausnahme der giftigen Kreuzotter sind die Kriechtiere völlig harmlos und ungefährlich. Das Ausloben von Belohnungen für getötete Kreuzottern sollte ganz unterbleiben. Die schon recht selten gewordene Schlange greift nie einen Menschen an. Die Gefährlichkeit eines zufälligen Bisses ist maßlos übertrieben. In zehn Jahren kommt kaum ein Todesfall vor, durch Autounfall dagegen mehrere täglich. — Von 100 eingelieferten, toten„Kreuzottern“ sind 60 Prozent harmlose Blindschleichen und Ringelnattern. Die neuen Baukosten bei der Friedensmiete Für die Feststetzung der Friedensmiete hat das Kammergericht einen Rechtsentscheid gefällt. Ist diese Miete für me festzustellen, die nach dem 30. Juni 1918 bezugsfähig geworden sind, so muß man die Erhöhung der Baukosten berücksichtigen, wie sie gegen die Friedenszeit eingetreten ist. Statt Karten! Otto Holzhausen Luise Holzhausen geb. Hölken Vermählte Rheinen Garenfeld Heinrich Netz Else Netz geb. Hölken Vermählte Garenfeld 1. April 1930 17 K Urserer verehrten Kundschaft zeigen wir hiermit an, daß wir unsere Annahmestelle von Bahnhofstraße 8 nach Hüsingstraßie 3 verlegt haben. Wir bitten um werten Zuspruch bei Vergebung von Aufträgen. Wir werden bemüht sein schnell, gut u. preiswert unsere verehrte Kundschaft zu bedienen. Färberei GAL LUSCHKE Wäscherei Gegr. 1873. 1249 Damenhüte Umarbeiten u. modernisieren Elfriede Gillkölter, Kampgasse 1 zu mäßigen Preisen, im Spezialgeschäft Freischütz Sonntag, 6. April 4 Uhr Militär-Konzert 6. Artillerie Münster Karten im Vorverkauf 60 Pfg. 13, daß es zur Stärkung des Kör*0 pers nichts besseres gibt ols DOP: PELHERZ. 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Groves, Mitglied der britischen Friedensdelegation in Versailles und Psitcete digen beim Völerbund. wasse und ihrer fürchterlichen Auswirkungen Anm. der Schriftleitung.: Der bekannte Versasser befürwortet in nachstehenden usführungen den Ausbau der britischen ustflotte mit Argumenten, die in wesentlich verstärktem Maße für Deutschland zutreffen. Damit verurteilt er selbst den Versailler Vertrag, an dessen Schafsung er beteiligt war und der Deutschland der wirksamsten Verteidigungswaffe beraubte. Solange Machtmittel die Erde regieren, wird kein Staat abrüsten wollen, es sei denn, daß er seine Sicherheit auf andere Weise gewährleistet sieht. Lassen wir uns durch die nüchterne Erkennntnis der Tatsachen und nicht durch fromme Wünsche leiten, so müssen wir ohne weiteres die Wahrheit dieser These anerkennen. Der Völkerbund hat die aus diesen Tatsachen heraus erwachsenden Schwierigkeiten durch ein System zu überwinden versucht, das ich einst in der Debatte als„Sicherheits=G. m. b. H.“ bezeichnete. Die Satzungen des Völkerbundes sehen„Garantien= und Sanktionen“ vor. Die Sanktionen sind zweierlei Art. Die erste besteht in einem wirtschaftlichen Druck, der auf den die Ruhe störenden Staat ausgeübt werden soll, und die zweite, Waffengewalt, ist nur als letztes Machtmittel zulässig. Auch der Locarnopakt deutet derartige Sanktionen an. Dieses System der Sanktionen ist ein integrierender Teil des Glaubensbekenntnisses des Völkerbundes, das in seinen Hauptpunkten lautet: Schlichtung der Streitigkeiten durch Schiedsspruch, Abrüstung, Sicherheit. Die im Völkerbundsstatut festgelegten Sanktionen kommen in allen späteren in Genf gemachten Vorschlägen zum Ausdruck, namentlich aber im Genfer Protokoll. Doch wenn Sanktionen im Zusammenhang mit einem allgemeinen Abrüstungsplan vorgeschlagen werden sollen, so müssen sie, um überzeugend und annehmbar zu erscheinen, ohne jeden Zweifel in erster Linie wirkungsvoll sein. Alle schönen Versprechungen, den anderen zu schützen, sind wertlos, wenn nicht jeder die Ueberzeugung hat, daß sie auch erfüllt werden können, oder wenn es klar auf der Hand liegt, daß die verheißene Hilfe nicht rechtzeitig genug eintreffen wird, um ein Unglück zu verhindern. So würde es z. B. völlig zwecklos sein, einem Staate Schutz gegen Angriffe aus der Luft zu versprechen, wenn die Hilfe erst nach der Zerstörung seiner großen Städte eintreffen kann. In Anbetracht dieser Tatsache— die ich nur insoweit berührt habe, als sie für die Lustwasse in Frage kommt— verlangt die Sicherheit eines Staates heute in erster Linie den so weit wie nur möglich gehenden Schutz vor Angriffen aus der Luft. Diese Forderung ist die Grundbedingung, die bei jeder wirkungsvollen Sanktion beachtet werden muß. Fehlt dieser Schutz auf einer Seite, so ist das ganze System der Sanktionen unzulänglich. Denn angesichts der Möglichkeit eines schnellen Einsatzes der LuftRoman von Robert Misch. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S). könnte sehr leicht der Fall eintreten, daß die Entscheidung schon längst gefallen ist, bevor der Völkerbund überhaupt einzutreten vermag. England ist einer der Pfeiler des Völkerbundes und des Locarnopaktes. Doch was die Luftwasse betrifst— die modernste, schnellste, technisch vollkommenste und wirkungsvollste Form der Machtmittel im heutigen Europa—, so sieht sich England augenblicklich nicht imstande, seiner Unterschrift unter diesen Verträgen Ehre anzutun. In diesem Zusammenhang möchte ich nur kurz erwähnen, daß— im Hinblick auf die besondere Natur der Luftwaffe— jede Regierung sich scheuen wird, irgend welche Sanktionen gutzuheißen, selbst solche wirtschaftlicher Art, wenn sie die Gefahr sofortiger Gegenangriffe aus der Luft auf ihre Industrie= und Handelszentren herausbeschwört. In Anbetracht der Lage, wie ich sie eben schilderte, bleibt meiner Ansicht nach England nichts anderes übrig, als Europa zuzurufen:„Langsamer!“ Wir wollen doch mit ofsenen Karten spielen! Sir Philip p Sassoon äußerte kürzlich, wir seien jetzt in der Gruppe der Luftmächte auf den fünften Platz zurückgefallen. Diese Feststellung wird noch durch folgende wichtige Erklärung unterstrichen: „England ist der einzige Staat, der in den letzten fünf Jahren eine ständige Herabsetzung seines Kostenvorschlages für die Luftflotte unter den Stand von 1925 aufzuweisen hat. Betrachten wir den betreffenden Etat anderer Luftmächte, die in der Reihenfolge ihrer Luftslottenstärke vor uns arrangieren, zeigen uns, daß gerade dort seit dem Jahre 1925 eine ständige Vermehrung dieser Waffe erfolgte. Im vorigen Jahre veröffentlichte ich einige ins einzelne gehende Zahlen und zeigte damit das überraschende Tempo, in dem diese Verstärkung fortschreitet. In diesem Jahr bauen die Vereinigten Staaten und Frankreich ihre Lustflotten noch weiter aus. Genaue vergleichende Angaben können nicht gemacht werden, weil diese Waffe dort anderen Verwaltungen untersteht und die Ausgaben für sie in den Kostenvoranschlägen anderer Ministerien enthalten sind. Trotzdem ist es nicht schwer, zu entdecken, daß in diesem Jahr in allen Fällen eine wesentliche Vermehrung der Luftslotten stattgefunden hat, die von 25 bis zu 100 Prozent oder noch mehr über die Zahlen für 1925 hinausging. I„, 1998 M. Ich habe die Zahlen für 1928, auf die Sir Philipp Sassoon Bezug nimmt, vor mir liegen. Sie sind in folgender Erklärung Sir Samuel Hoares enthalten:„In Frankreich überschreiten die Luftausgaben für 1928 die für 1925 um 45 Prozent, in Italien um 56 und in den Vereinigten Staaten um 83 Prozent.“ Angesichts dieser Zahlen dürfte es höchste Zeit sein, daß wir uns den Tatsachen nicht mehr verschließen. Diese möchte ich zum Schluß in folgendem zusammenfassen: Das vergangene Jahrzehnt ist in Europa ein neues Weltrüsten, ein Wettbewerb in der Schaffung eines modernen Machtmittels, einer neuartigen strategischen Waffe, die unsere insulare Abgeschlossenheit für immer vernichtet. Während wir es versäumten, dieses neue Machtmittel weiter auszubauen, haben wir unsere Stellung auf anderweitigen militärischen Gebieten zu wahren gewußt. Die Summen, die wir im vergangenen Jahre für unsere nationale Verteidigung ausgaben, sprechen für sich selbst: Flotte 1140 Millionen Mark, Heer 80 Millionen Mark, Luftflotte 320 Millionen Mark. Dabei aber hängt unsere nationale Sicherheit in jedem zukünstigen europäischen Konflikt in erster Linie von unserer vernachlässigten Luftflotte ab. Ohne diese Waffe sind die Garantien, die wir zum Völkerbundsstatut und zum Locarnopakt gaben, in gewissen Fällen vollkommen wertlos. Während wir bei den Abrüstungskonserenzen eine führende Rolle spielten, haben wir nicht nur versäumt, auf die Beschränkung derjenigen Waffe zu bestehen, die den Frieden Europas und uns selbst am meisten bedroht, sondern auch den anderen Mächten (ausgenommen Deutschland( Schriftl.), die mit uns am Verhandlungstisch in Versailles saßen, ohne ein Wort des Widerspruchs erlaubt, diese Waffe weiter auszubauen. Ich möchte nun jeden Engländer fragen, ob unsere ganze Politik, mag sie Rüstung oder Abrüstung betreffen, durch irgend welche Vernunftsgründe gerechtfertigt erscheint. Wir denken, was unsere bewaffnete Macht anbelangt, noch immer in veralteten Werten. Ich meine, wir sollten doch in erster Linie unsere bisherigen Ansichten in dieser Frage einer gründlichen Revision unterziehen, den Tatsachen klar entgegensehen und dann die Ausgaben für unsere Verteidigung anders verteilen, zu gleicher Zeit aber offenherzig und ohne Scheu das schwierige Problem der allgemeinen Rüstungsbeschränkung in Angriff nehmen. Aufsehenerregende Entdeckung eines russischen Chemikers Rieseneier durch Schwefelwasserstoff=Injektionen Die bekannte Tatsache, daß bei der Zersetzung des Hühnereis Schwefelwasserstoff entsteht, hat den russischen Chemiker Professor Malossel auf den Gedanken gebracht, Hühnern Schwefelwasserstoff in einer besonderen Verbindung mit dem neuen Element Hasnium einzuspritzen. Die Ergebnisse, die Professor Malossol erzielte, waren tatsächlich überraschend. Die so behandelten Hennen legten nicht nur Rieseneier vom fünfbis sechsfachen der gewöhnlichen Größe, sondern ihre Legetätigkeit wurde auch ganz besonders angeregt. Unser Bild zeigt den Gelehrten bei der Arbeit. Rechts sieht man ein nach seinem Verfahren erzieltes Hühnerei, darunter zum Vergleich ein normales Ei. Lenin, Hindenburg und Matkensen als Vornamen Ueber zeitgeschichtliche Namen als Vornamen im Standesregister hat das Landgericht Mainz eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen. Standesamt und Amtgericht hatten den Vornamen Lenin abgelehnt, weil nach der Dienstanweisung für die hessischen Standesbeamten anstößige Vornamen nicht eingetragen werden dürfen. Der Name des Vertreters eines Systems, das mit der Reichsverfassung und den Grundsätzen der christlichen Religionsgemeinschaften in schärfstem Widerspruch steht, würde Anstoß bei den Staatsbürgern erregen, die auf dem Boden der Reichsverfassung stehen. Ebenso wäre es bei Namen wie Lasaline. Das Landgericht erklärt überhaupt die Namen von Personen der neueren Geschichte nicht als Vornamen geeignet. Den Vornamen hafte nach Entstehung, Zweck und Uebung etwas Zeitloses oder Zeitentferntes an. Namen aus der neueren Geschichte wirkten unnatürlich. Auch das hessische Ministerium der Justiz habe 1917 selbst Namen wie Hindenburg und Mackensen als Vornamen für unzulässig erklärt. Selbst vaterländisches Empfinden und Verehrung für eine Person könne sich in geschmackloser und für die Allgemeinheit anstößiger Weise äußern. 40. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Als er diesem Gedanken Worte lieh, warsen sich die Tante, Anna und Fritz beredte Blicke zu. Durfte man ihn und Maxi einweihen? Die Antwor“ lautete bejahend. Es waren zwei Hilfsgenossen, die nicht zu verachten waren. Beide hatten Einfluß auf den grausamen Vater. Flüsternd und sich gegenseitig unterbrechend, wurden Kolb und Maxi von dem Vorgefallenen unterrichtet. Kolb hörte die ganze Geschichte mit innerlichem Lachen an. Das war ja kostbar. Wenn aus der Hochzeit nichts wurde, dann konnte er und Maxi wieder wohnen bleiben. Wenigstens so lange, bis einschneidende Veränderungen in den Verhältnissen eintraten. Was aber nun anzufagen? Wie wehrte man sich? Die Tante warf mit sorgenvoller Miene die Frage auf. Ihr erschien die Angelegenheit nicht so leicht zu erledigen wie dem frohherzigen Sanguiniker, der in seinem Kopfe bereits alles wieder in schönste Ordnung gebracht hatte. Ein Vormund besaß Vaterrechte: Anna war noch lange nicht mündig, hatte sich freiwillig mit Fritz verlobt... das Aufgebot war bereits bestellt, also große Eile vonnöten. Ihre Einmischung, die bisher viel vermochte, hatte er sich heute vormittag energisch verbeten. Es blieb nichts anderes übrig, als daß sich Fritz weigerte, sich entschieden weigerte, vor den Standesbeamten zu treten. „Das hilft nichts!“ erklärte der auserwählte Retter ängstlich. Man hörte aber nicht auf ihn. Man fand den Plan vortrefflich. Er sollte einfach wieder und wieder„Nein“ sagen. Nein, und sonst nichts! Dann mußte der Alte schließlich nachgeben. Was sollte er dagegen machen? An den Haaren konnte er ihn doch nicht zum Altar schleifen. Ein klirrender Ton ließ alle plötzlich verstummen. Die Haustür schlug zu. Sie lauschten mit angehaltenem Atem. Das war er! Er kam nach Hause. „Fritz“ rief die Tante in beschwörendem Ton.„Fritzle!" flehte Anna und hielt die Hände bittend hoch.„Fritz, sei ein Mann!“ ermahnte lächelnd Herr Kolb. Nur Maxi schwieg und preßte die Lippen zusammen. Fritz sah sich wild nach einem Ausweg um. Er war jetzt nicht in Stimmung zu so etwas. Dazu gehörte Mut. Den hatte er jetzt nicht, zum Donnerwetter! Aber sie umstanden ihn alle und ließen ihn nicht heraus. Es war nicht der Gefürchtete. Ahlers steckte nach flüchtigem Klopfen sein lustiges Gesicht herein und rief: „Morjen, meine Herrschaften! Wissen Se schon das Neueste? Unser teurer Hausdrache hat mich schriftlich ausjemietet, auf die Straße gesetzt. Er brauche seine Bude alleine. Was sagen Sie dazu?“ Aufs höchste befremdet schaute einer dem anderen an. Wieder ein heimlicher Streich des alten Herrn! Ein Sturm der Entrüstung erhob sich. Anna brach auss neue in Tränen aus. „Was ist denn los?“ fragte Ahlers lachend, indem er vollends hereinkam.„Jilt diese Aufregung mir? Is ja sehr schmeichelhaft; aber, meine Herrschaften, beruhigen Sie sich doch! Ich ziehe ja nicht aus der Welt; ich bleibe ja in der Nähe, janz in der Nähe, warraftien Jott!“ Er betonte die Worte vielsagend und heftete seine Augen fest auf die weinende Anna. *„Um Sie handelt sich's doch nicht!" brummte Fritz, der sich von seinem letzten Schreck erholt hatte.„Um mich handelt sich's! Sie werden sich wundern, mein Lieber! Sie haben sich ganz überflüssig bemüht. Jetzt hat's geschnappt! In vier Wochen ist Hochzeit.“ „Meine?“ „Das Lachen wird Ihnen schon vergehen, meine Lieber. Aufgeboten bin ich mit der Anna. Onkel Kolb und Maxi müssen ausziehen, damit Anna und ich hinaufkönnen. Jawohl mein Lieber! Sie sehen, die Sache ist durchaus nicht lachhaft.“ Er steckte die Hände in die Hosentaschen und lachte höhnisch über des Referendars langes, verblüfstes Gesicht. Tante Charlotte hatte seit Ahlers Eintritt sinnend und mit untergeschlagenen Armen wie die Königin Elisabeth dagestanden. Ein Gedanke war in ihr aufgestiegen. Ein seltsamer Gedanke, der sie lächelnd machte. Und dennoch...! Dieser energische Kehraus des Schwagers, mit der unverkennbaren Absicht, die Wohnung leerzumachen bis auf ihn und— sie... Und heute vormittag, als ich ihm wiedersprechen wollte, die zugeflüsterten Worte:„Laß mich machen, du wirst schon sehen, warum?! Vielleicht war es nur eine dumme Einbildung von ihr, trotz des Schwagers verschiedentlichen, leisen Andeutungen. Sehr wahrscheinlich eine Einbildung! Die schnelle Hochzeit konnte nur eine Bosheit gegen Fritz und Anna sein. Oder er ahnte etwas von Annas heimlichem Verspruch mit Ahlers, und wollte nun, schlau wie er war, vorbeugen. Das durfte aber nicht sein. Die Kinder mußten sich wehren aus Leibeskräften. Frau Charlotte ballte ihre wohlgepflegten Hände zu kleinen Fäusten und schoß energische Blitze aus den sonst so freundlichen Augen. Das Wehren gegen ihren Schwager Kaltenbach war der lebhaften und gerecht denkenden Dame im Laufe ihres Hierseins gewissermaßen zu einem Sport geworden, dem sie mit Leidenschaft oblag. Bis jetzt hatte sie ja auch, so ziemlich alles durchgesetzt; aber in dieser Heiratsangelegenheit fühlte sie sich machtlos. Heute hatte zum ersten Male ihre Ueberredungskunst nichts genutzt; die Drohung, auf der Stelle abzureisen, ebensowenig. Damt aber waren alle Hilfsmittel erschöpft. Nun blieb nur noch übrig, daß sich die Brautleute, die keine mehr waren, entschieden weigerten. Bei diesem Punkt fuhr Frau Charlotte aus ihrem Sinnen auf und wandte sich wieder an ihre Umgebung. Sie schob Kolb beiseite, der mit allerlei abenteuerlichen Rettungsvorschlägen anrückte, und redete Fritz noch einmal eindringlich zu, sich offen mit seinem Vater auszusprechen. Der Unglückliche machte einen vergeblichen Fluchtversuch. Aber man hielt ihn fest, und seine wiederholte Versicherung, daß sein Vater sich einen Pfifferling an seine Weigerung kümmern würde, ließ alle kalt. Er solle es nur versuchen. Die Tante soufflierte ihm in fließender Rede und mit lebhaftem Feuer vor, wie und was er sagen sollte. Kolb half ihr mit einigen klangvollen Tiraden des Ferdinand in„Kabale und Liebe" aus, 1obei Anna stark errötete. Die kleine Schwäbin hatte ihre Tränen getrocknet, seit Ahlers Gelegenheit gesunden hatte, ihr heimlich die Hände zu drücken. Auch sie bettelte ihrem Erbräutigam und wiederholte immer aufs neue ihr:„Fritzle, tu's mir zulieb!“ Aber Fritz weigerte sich, er weigerte sich, er weigerte sich entschieden. Die Angst vor seinem Vater saß zu tief, war zu fest in ihm eingelburzelt. Seine Augen suchten ängstlich Maxi; aber diese war lautlos verschwunden. Sie hatte ihn, wie er sich sagte, im Stich gelassen. Was wollten sie denn alle von ihm? Warum sollte er denn gerade der Sturmbock sein? „Na, also gut, dann heiraten Sie!“ sagte Ahlers kurz und drehte sich ärgerlich auf den Hacken herum. „Warum gehen Sie denn nicht zu ihm? Warum ich gerade?! Sie wollen die Anna, und ich will sie nicht", rief Fritz erbost. Fortsetzung folgt. 100 Führe Rutturschunre Aprilnarren Schwerte, den 1. April 1930. * Schon wenn wir am Vorabend den Kalender abreißen, stolpern wir über das Datum: Erster April! Vom vorigen Jahre her ist es uns noch in lebhafter Erinnerung, wie auch wir einem Aprilscherz zum Opfer fielen. Erzählte uns damals nicht unsere Zeitung, in einer Kiesgrube draußen vor der Stadt sei eine Goldader angeschlagen worden, und liefen wir nicht alle hin, um das gelbe Metall zu bestaunen und— gründlich ausgelacht zu werden? Diesmal, so nehmen wir uns vor, soll uns so etwas nicht wieder passieren. Jawoll! Und was ist los, wenn wir, die den guten Vorsatz die Nacht über schon wieder verschlafen haben, morgens auf die Straße treten?„Aprilnarr!“ lacht uns der erste Schuljunge aus und freut sich, weil wir uns entsetzt an den Kragen faßten, als er uns mit scheinheilig=menschenfreundlicher Miene sagte:„Onkel, Sie haben Ihren Schlips vergessen!" Und wie geht es diesmal mit der Zeitung?„Der König von Bulgarien hat für heute unerwartet seinen Besuch angesagt,“ steht da, und neugierig laufen wir alle zum Bahnhof, um den Monarchen zu sehen und— ausgelacht zu werden. Andere freilich unter uns sind vorsichtiger. Die betrachten am ersten April ihre Zeitung mit skeptischen Blicken und wittern hinter jeder Zeile einen Aprilscherz. Sie verderben sich selbst den Spaß und es geht ihnen oft wie den ungläubigen Münchnern, denen einmal vor dem Kriege durch Extrablätter mitgeteilt wurde, Zeppelin werde am 1. April der bayerischen Landeshauptstadt mit seinem Luftschiff einen Besuch abstatten. „Aprilscherz“, sagten viele, um sich später gründlich zu ärgern, weil sie von der wirklich eintreffenden Riesenzigarre auch nicht das Geringste zu sehen bekamen. Also ist es besser, wir fügen uns der alten Sitte, lassen uns ruhig in den April schicken und auslachen. Damit begehen wir ja auch noch eine menschenfreundliche Tat, denn in letzter Zeit legt die Medizin verstärkten Nachdruck auf die Feststellung, daß Lachen gesund sei. Außerdem ist die Sitte des Aprilscher= zes schon Jahrhunderte alt, ihr Ursprung kaum noch feststellbar. In Deutschland wird sie im Jahre 1655 zum ersten Mal erwähnt. Sicher stammt sie aber aus weit älterer Zeit. Einigen Berichten zufolge soll sie aus dem alten Kirchenbrauch herrühren, die Leidensgeschichte des Heilandes öffentlich darzustellen. Somit würde sie ursprünglich eine drastische Veranschaulichung dessen sein, was wir„von Pontius zu Pilatus schicken" nennen. Vielleicht aber ist die Sitte auch der letzte Rest eines Frühlingsfestes, wie sie ja fast auf der ganzen Erde mit allen möglichen Scherzen und Possen gefeiert werden. Der ehemalige Fremdenlegionär Wilh. Brinker, Erlebnisse in Marokko und seine Flucht aus und Aufklärung für die Gedenktage. 1. April: 1730 Der Dichter und Radierer Salomon Geßner in Zürich geboren(gestorben 1788).— 1732 Der Komponist Josepf Haydn in Rohrau geboren(gestorben 1909).— 1815 Fürst Otto v. Bismark in Schönhausen geboren (gestorben 1998).— 1910 Der Maler Andreas Achenbach in Düsseldorf gestorben(geboren 1815). Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 31. März 1930. Während über Ost= und Mitteleuropa hoher Luftdruck fortbesteht und das Tiefdruckgebiet über dem Nordmeer nordostwärts abzieht, dringt über Großbritannien und Westfrankreich ein neuer Tiefdruckausläufer vor. In Deutschland war es heute früh trocken, meist heiter und mild. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 2 und 9 Grad. Der Kahle Asten hatte mäßigen Südostwind, heiteres Wetter und 4 Grad Wärme. Aussichten bis Mittwoch: Wechselnde Bewölkung, aber nur vorübergehend leichte Regenfälle und fortgesetzt mild. Die wunderschene Frühlingezen Schwerte, den 1. April 1930. * Nun ist sie da, die wunderschöne Frühlingszeit mit ihrer noch frühen Anmut und Lieblichkeit; mit dem ersten Blühen der feinen Lenzkinder in den Waldestiefen und in den lichtgrünen Wiesenniederungen und all dem fröhlichen Liederjubel der vielen unermüdlichen Sänger unter einem blauen Himmelszelt. Er entbietet uns noch traumselig seinen Gruß, der prächtige Frühlingsknabe; noch scheu und zaghaft geht er an das große Werk, das er in wenigen Wochen vollenden will, das er loslösen möchte von dem Erstarrtsein vergangener Tage, um es in festliche Gewänder zu hüllen, in golden schimmernde Feierlichkeiten. Und augenblicklich sind in des Frühlings Werkstatt unzählige Hände damit beschästigt, große Blütenarrangements fertigzustellen, für die Wälder herzhafte Knospendekorationen und für das Uferspiel der glucksenden Wasser einsamer Bachläufe tiefblaue und rosenrote Teppiche, in die die Künstler weiße und gelbe Fäden hineingesponnen haben. Wenn dieses alles geschehen, schreitet der Lenz mit seiner Zauberflöte durch die Lande und lockt in süßen Tönen seine noch schläfrigen Assistenten für dieses neugeschaffene Prinzenreich herbei, das Heer der gesiederten Sänger, das von Tag zu Tag anwächst und mit eindrucksvollen Symphonien die Frühlingszeit eröffnet, die unzählbaren Scharen der Käfer, die den Ruf des Meisters nicht überhören und mit dabei sein wollen, wenn es gili, in Licht und Sonne, im Duften und Blühen ein herrliches Dasein zu verleben und schließlich auch die Menschenkinder aus den kleinsten ärmlichsten Hütten und prunkvollen Palästen; sie können ihm, dem reizenden Prinzgemahl und der lieblichen Prinzessin, der Sonne, garnicht widerstehen und wandern durch die Täler, durch die Wälder mit Klingklang und Singsang in die schöne, weite Welt hinaus. Frühling! Ist es nicht so etwas ungemein Andächtiges, was in dem Worte„Frühling" seinen Widerhall und seine Vertiefung findet? Aber entspringt in ihm nicht auch der Born eines gesunden, lachenden Lebens, einer ehrlichen, unbegrenzten, überschäumenden Fröhlichkeit? Beides müssen wir bejahen, aus dem einfachen Grunde, weil sich dieses alles in unserm Innern mächtig regt und uns nicht zur Ruhe kommen läßt, weil es uns förmlich in diese Richtung hin bezwingt und wir nicht mehr davon los kommen können, von den Lenzeswundern, den Gottesgeschehnissen in der Gegenwart. Sind es nicht die größten Wunder, die uns der Schöpfer jedes Jahr wieder aufs Neue offenbar werden läßt, auf daß wir hossen, glauben und vertrauen? Ist es nicht auch die unsichtbare Kraft, die das Naturerwachen bedingt, die unsichtbare segnende Hand über der aufkeimenden und bald in Blüten liegenden Welt? O, das sind werlvolle Fragen, die jeden Zweifler, jeden Leichtgläubigen in dieser Zeit ernstlich beschäftigen sollten. Der Frühling will uns nicht zuletzt gläubig machen, will die Seelen gereinigt und geläutert wissen, auf daß wir sein helles, bald von der Ostersonne überstrahltes Reich so schauen und genießen, wie es seiner würdig ist. In diesen lenzseligen Stunden einmal den Frühling von Angesicht zu Angesicht schauen und seinen warmen Odem verspüren, ist ein unschätzbarer Gewinn. Da öffnen dir die heimatlichen Naturschönheiten weit ihre güldenen Tore, durch die du leichtfüßig eilen mögest, hin zu den grünverschleierten stillen Waldgebieten, die dich einladend grüßen und winken. Und gerade unser Fleckchen Erde ist an lauschigen und idyllisch gelegenen Plätzen so reich gesegnet. Es gibt da manche ansprechende Wanderung, die in das Reich des Lenzes hinausführt. Schön ist es, auch einmal die nahe Hohensyburg aufzusuchen, wo auf grauem verwittertem Berggestein die Frühlingssonne ihre Lichtreflexe spielen läßt und mit ihren goldenen Strahlenarmen tief in die Wasser des Hengsteysees hinuntergreift. Wo du vom Bergfried des Vincketurmes oder vom Fuße des wuchtigen Denkmals in den Frühling deiner Heimat hinabschaust, in die Landschaft, wo das Geschlecht der Väter auf freiem Grund und Boden wohnte, wo stolze Eichenbäume symbolisch eine ungebrochene deutsche Kraft verkünden und wo die rauchenden Essen industrieller Werke von dem Fleiß und der Tüchtigkeit deiner Brüder Kunde geben. Und jetzt im Lenz siehst du das alles noch einmal so klar und deutlich, fühlst noch einmal so stark den unbeugsamen Willen des neuen Lebens in dir, den Willen des Wiederausstrebens zu hehren und geheiligten Zielen, denen der Erlösung und der Erfüllung. Du kannst dem Frühling überall da begegneu, wo du ihn nur finden willst. Selbst in dem stillsten Tal ist er angekommen und wartet dort auf deinen Besuch. Verweile auch jetzt an den historischen Stätten, an denen unsere schöne Umgebung nicht arm ist und laß dir vom Lenz aus der Vergangenheit erzählen, von den lieblichen Burgfräuleins und den trotzigen Rittern, von der Liebe Freud und der Liebe Leid. Ehemalige Wasserburgen, einst die mächtigen Wehren gegen feindliche Anstürme, träumen heute im Frühlingsblütenkranz von ihrer einstigen Bedeutung. Manches verfiel dem nagenden Zahn der Zeit und wo damals eiserne Rohre drohend aus den Mauernischen hervorragten, spielt jetzt der Wind mit Blumen und Gräsern in friedlicher Harmonie und Zuneigung. Die wunderschöne Frühlingszeit! Von ihr ließe sich noch so viel plandern und erzählen. Aber ein jeder von uns möge diese Stunden nicht ungenützt vorübergehen lassen, möge hinauswandern mit freiem offenen Herzen, mit einer lichten, klaren Seele, die hofft, vertraut und glaubt. Und der Frühlingsglaube möge uns das ganze Leben begleiten; dieser Frühling ist auch die Unsterblichkeit, von dem der Dichter singt: Er ist dir noch beschieden am Ende deiner Bahn, du ahnest ihn hinieden und droben bricht er an. Ler. * Der Ortsausschuß für Jugendpflege der Stadt Schwerte hatte für gestern abend die Schwerter Bürgerschaft, vornehmlich aber die Jugend, in den Saal„Im Reiche des Wassers“ eingeladen, wo ein ernstes Thema aufgerollt wurde, galt es doch, einmal einen Appell gegen die immer wieder drohende Gefahr der französischen Fremdenlegion zu erlassen, gegen jene Kulturschande, die vor nunmehr 100 Jahren (1830) ins Leben gerufen wurde.„Hände weg von der deutschen Jugend“ unter diesem Leitwort stand die gestrige Veranstaltung, die nicht eindringlicher und mahnender hätte sein können. Es ist bekannt, welche unsäglichen Leiden und Nöte sich hinter dem Wort„Fremdenlegion" verbergen und viele unserer deutschen Brüder, denen das Schicksal dieses harte Los in die Lebenswagschale geworfen hat, haben dieses am eigenen Leibe erfahren müssen; entweder sind sie aus der Hölle von Morokko gebrochenen Körpers und seelenkrank in die deutsche Heimat zurückgekehrt oder sie mußten für welsche Eroberungsgelüste im Wüstensand ihr Leben lassen, im Dienste der„grande Nation“, der die eigenen Söhne zu schade dafür sind, daß sie auf diesen unrühmlichen Feldern für das Vaterland kämpfen.„Hände weg von der deutschen Jugend“ ist der Ruf, der in diesem Jahre ganz besonders eindringlich erschallt, der sich gegen eine Kulturschande richtet, wie sie schlimmer und gefährlicher sich nicht offenbaren kann. Es ist darum ein Verdienst obengenannten Ausschusses, wenn er in Schwerte auch einmal in diesem Sinne aufklärend wirkte und alle, die an der gestrigen Veranstaltung teilgenommen haben, mögen für weiteste Verbreitung des Gesehenen und Gehörten sorgen zum Wohle unserer deutschen Jugend, zur Vertiefung des Gedankens zur heimatlichen Scholle und damit zur inneren Festigung und Stärkung unseres nationalen Bewußtseins. Nach einleitenden Begrüßungsworten durch Lehrer Wulf an die Erschienenen— der Saal hätte überfüllt sein müssen— sprach der ehemalige Fremdenlegionär Wilh. Brinker, Schwerte, über das Thema:„Wie man mich „warb’, was ich„erlebte' und wie ich„entkam““ in schlichter, aber eindrucksvoller Weise. Ausgehend von der Kulturschande„Fremdenlegion", die nun schon 100 Jahre besteht und an den 1830 abgeschlossenen diesbezgl. englisch=französischen Vertrag sagte er u. a., daß seit 1918 ca. 40000 Deutsche im afrikanischen Wüstensande umgekommen seien. Obschon der Artikel Schwerte, sprach über seine Anwerbung, seine der Fremdenlegion.— Ausreichender Schutz deutsche Jugend wird gefordert. 179 Abs. 1 des Versailler Vertrages betone, daß es für Deutsche verboten sei, in fremden Staaten militärische Dienste zu leisten, bezöge sich jedoch dieser Passus nicht auf die Fremdenlegion. Hunderte von Deutschen ständen wöchentlich vor dem berüchtigten Werbebüro in Metz, um sich anwerben zu lassen, teils um Abenteuer zu erleben, teils aus Not und Verzweiflung usw. Aber gerade das Gegenteil von dem böte sich in der Legion dem Neuling, was er sich erträumt habe. Die Fremdenlegion sei eine dem 19. Armeekorps unterstellter Truppenteil, die sich aus 4 Regimentern zusammsetzte. Brinker erzählt dann von seinen eigenen Erlebnissen. Wie er im Jahre 1908 in Trier unfreiwillig angeworben, dann über die französische Grenze nach Marsailles gekommen sei und von dort mit dem Schiff nach Oran. Er schilderte in beredten Worten die unsäglichen Strapazen der Fremdenlegionäre in Afrikas Wüstensand, die Qualen und Torturen durch die französische Sodateska und erzählte schließlich von seiner abenteuerlichen Flucht aus der Hölle von Marokko, die er glücklich durchführen konnte. Redner warnte nochmals die deutsche Jugend vor einem gleichen Schicksal und appelierte an die Regierung, daß derartige Maßnahmen geschaffen würden, um diese Kulturschande künftig zunichte zu machen. Dieses würde auch dadurch erreicht, wenn man der deutschen Jugend genügende Arbeitsgelegenheit im eigenen Vaterlande verschaffe. Der interessante Vortrag wurde beifällig ausgenommen und forderte zum ernsten Nachdenken auf. Auf der Bühne ließ der Theaterklub„Heiderose“ Schwerterheide das Lebensbild aus der Fremdenlegion„Der Hölle von Marokko entronnen“ von Siber in 2 Aufzügen in Szene gehen, das das Gehörte in anschaulicher Weise noch vertiefte und in jene menschlichen Abgründe hineinleuchtete, wie sie die Fremdenlegion in kraffester Weise darstellen. Der Touristenverein„Edelweiß" Schwerte umrahmte diese ernste Veranstaltung mit mehreren Musikstücken. Innerlich bewegt und erschüttert von den unsagbaren Nöten jener Deutschen, die unter französischem Joch auf marokkanischen Boden gelitten haben und noch leiden, trat man den Heimweg an, nicht ohne den Vorsatz, für weiteste Aufklärung hierüber künftig zu sorgen unter den Leitworten:„Hände weg von der deutschen Jugend" u. unter der Forderung:„Ausreichender Schutz vor dieser niederträchtigen Kulturschande". -. 40 Jahre im Dienst der Eisenbahn. Der Oberbahnhofsvorsteher Heinrich Schroer im Güterbahnhof Hagen, wohnhaft in HagenBoele, Schwerterstraße 108, kann am heutigen Tage auf eine 40jährige Tätigkeit im Eisenbahndienst zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar vom Vorstand des Reichsbahn=Betriebsamt 1 Hagen je besondere Glückwunsch= und Anerkennungsschreiben vom Reichspräsidenten von Hindenburg, vom Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn=Hauptverwaltung Dr. Dorpmüller und vom Reichsbahn=Direktionspräsidenten Loewel überreicht. Der Jubilar ist geborener Schwerter und hat am 1. April 1890 auf dem hiesigen Bahnhof seine Laufbahn begonnen.— Auch wir beglückwünschen den Jubilar auf das Herzlichste. -. Dienstjubiläum. Auf eine 25jährige Berufstätigkeit bei der Firma Vereinigte Deutsche Nickel=Werke, Akt.= Ges., hier, kann am heutigen Tage der Hüttenbeamte Heinrich Hövelmann jun., Schwerte, Richardtstraße 3, zurückblicken.— Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der Vater dieses Jubilars ebenfalls heute noch als Obermeister in den Diensten derselben Firma steht und vor zwei Jahren bereits sein 50jähriges Arbeitsjubiläum feiern konnte.— Den zahlreichen Glückwünschen schließen wir uns gern an. 25 Jahre im Dienst. Am heutigen Tage ist der Lokomotivführer W. Schlüter, Hörderstraße 47, als Beamter bei der Reichsbahn 25 Jahre tätig.— Wir gratulieren. Wirtschaftsübernahme. Mit dem heutigen Tage hat Herr Kemper die Führung der Wirtschaft W. Potthoff, Schützenstraße 2, übernommen.(s Inserat). Der Vaterländische Frauenverein vom Roten Kreuz veranstaltet am heutigen 1. April, 4 Uhr im „Westf. Hof“ in Verbindung mit dem Kommunalen Elektrizitätswerk„Mark“ einen Ausstellungs= und Vortragsnachmittag, an welchem dargetan werden soll, wie sich die Hausfrau dadurch, daß sie sich der Elektrizität bedient, von der Last zu vieler und schmutzverursachender Kleinarbeit des Hauses befreien kann. Wir können ein Besuch dieser Veranstaltung nur empfehlen. + Verbesserung der Anschlüsse in Schwerte. Der Westf. Verkehrsverband e. V., Dortmund, teilt mit: Bereits im vorigen Jahre sind wir gemeinschaftlich mit der Industrie= und Handelskammer Arnsberg bemüht gewesen, bessere Abendverbindungen aus den Richtungen Soest und Münster nach Arnsberg zu erreichen. Die Bemühungen haben dazu geführt, daß die Reichsbahndirektion Elberfeld zum Sommerfahrplan 1930(ab 15. 5.) den Vorschlägen entsprechend die Eilzüge 64 ab Soest und E 66 ab Norddeich mit P 629 nach Arnsberg—Bestwig in Schwerte zusammenschließen wird. Die Fahrplanlage wird sich wie folgt gestalten: E 64 ab(Leipzig)—Soest, Schwerte an 21,57 E 66 ab Norddeich, Schwerte an 22,07, E 629 nach Arnsberg=Bestwig, Schwerte ab 22,11, Arnsberg an 23,14. Die P 876 Dortmund Hbf.—Schwerte und P. 901 Schwerte—Dortmund Hbf. werden später gelegt und erhalten dadurch in Schwerte unmittelbaren Anschluß an bezw. vom P 629 Hagen—Bestwig. P 876 Schwerte an 22,06, P 629 Schwerte ab 22.11, P 629 Schwerte an 22,02, P. 901 Schwerte ab 22.06. - Vaterländischer Frauenverein. Am Mittwoch, den 2. April, nachmittags 2,30 Uhr findet Mutterberatung statt in Schwerte, Sparkasse, und Donnerstag, den 3. April, nachmittags 3 Uhr in Schwerte=Ost Lokal Dieckmann. Beide Beratungen unter der Leitung des Kommunalarztes Dr. Marx. + Eine neue Verbindungsstraße nach dem Osten wird gegenwärtig durch den Ausbau der GrafAdolfstraße geschaffen. Zahlreiche fleißige Hände sind an den umfangreichen Erdbewegungsarbeiten beschäftigt, die schon weit gefördert sind. Die neue Straße mündet unweit der Wittlerschen Besitzung in die Ostbergerstraße ein. Durch den Ausbau der Straße ist auch eine Höherlegung und Erbreiterung des Kirschbaumsweges bedingt worden, so daß das gesamte Straßenbild in jener Gegend eine entscheidende Veränderung erfahret hat. + Vortrag Pater Muckermann. Dem K. K. V.„Hansa“ ist es gelungen, den bekannten Gelehrten Pater Friedr. Muckermann zu einem zweiten wissenschaftlichen Vortrag für Schwerte zu gewinnen. Derselbe spricht am 2. Mai über das Thema„Das technische Weltbild und das Christentum". Der glänzende Redner und tiefgründige Forscher steht von seinem letzten Vortrag hier im Dezember 1928 noch in alerbester Erinnerung und dürfte der Vortrag sich auch jetzt wieder besten Besuches zu erfreuen Achs. Türnen Spiel, Fußbeft Union 1. Jgd. Diplomsieger 1929/30. Zum letzten Diplomspiel empfingen die Unioner ihren Ortsgegner ESV. 06.— Durch den errungenen 3:1 Sieg sicherten sich die Junioren endgültig die Tabellenspitze. Mit ihnen ist auch die wirtlich beste Jugendmannschaft der hiesigen Gruppe Meister geworden. Union 1. siegt über die comb. Mannschaft Schwerter Sportvereinigung 06 und des Alemannia mit 3:2 Toren. vom Verband angesetzte Spiel StaotJgd. DJK. Schwerte— 2. Igd. Altenhagen 5:0. Hier konnten die flinken Schwerter Jungens einen weiteren Sieg an ihren vorsonntäglichen anknüpfen. * Reichsbahn Turn= und Sportverein Schwerte 1. Mannsch.— Reichsbahn Turn= und Sportverein Vorhalle 1. Mannschaft 2:2(0:1). Obige Mannschaften trafen sich am Sonntag auf dem Sportplatz Gymnasium zum fälligen Meisterschaftsspiel. Wenn die Vorhaller s S# ligen Meisterschaftsspiel. Wenn die Vorhaller Das vom Verband ung“ Operrahr—“ glaubten, ihren Sieg über die Hiesigen wiedermannschaft Schwerte gegen Oberruhr konnte holen zu können, so hatten sie sich getäusch, denn am Sonntag nicht zum Austrag kommen, da unverständlicherweise der Gau Arnsberg keine Mannschaft aufgestellt hatte und dieses erst hier in letzter Minute wissen ließ.— Der Verband wird sich nun weiter mit dieser Sache zu befassen haben und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.— Um nun das Sportpublikum nicht vergebens zu bemühen, einigten sich die 3 Schwerte Vereine eine Kombination SSC. 06= Alemannia gegen Union spielen zu Pünktlich stellten sich beide Mannschaften dem Schiedsrichter Müller, Iserlohn in sel#ender Aufstellung: Strahtmann (06) Matuchesky Böse (06)„(Alem.) Weber 1, Dudder Weber 2 (Alemannia) Repkow, Krämer1, Winkelmann, Krämer Ernowsty (Alem. Stellfluch, Trappe, Matuchewsky, Görken, Klapp Klüh, Hoffmann, Ehrenberg Kohlbrandt, Vetter Union Weber Mit dem Anstoß entwickelte sich gleich ein flottes Spiel. Union findet sich zuerst und bringt die Hintermannschaft der Kombinierten in harte Bedrängnis. In der 5. Minute schießt der Halbrechte zum 1. Tor ein. Allmählich finden sich auch die Kombinierten und bringen das Unioner Tor häufig in Gefahr. Erfolge bleiben jedoch aus, da die Hintermannschaft gut auf dem Posten war. Union kann auf 2:0 erhöhen. Jetzt kommen auch die gegnerischen Stürmer zum ersten Erfolg, doch nicht lange dauert die Freude, dann hat der Halblinke der Unioner den alten Torstand wieder hergestellt. In der zweiten Hälfte können die Kombinier= ten ein Tor ausholen. Zu weiteren Erfolgen langte es bei keiner Partei. Der Schlußpfiff des Unparteiischen trennte zwei ritterlich kämpfende Gegner und jeder Zuschauer dürfte befriedigt den Platz verlassen haben. Union ging aus diesem Treffen als glücklicher aber auch nicht ganz unverdienter Sieger hervor. Spielt die Mannschaft so weiter, dann werden auch in der höheren Klasse Erfolge nicht ausbleiben. Reichsbainsport Schwerte 1.— Reichsbahnsport Hengstey 1. 1:4(1:0) Zum Rückspiel trafen sich obige Mannschaften auf dem Sportplatz Hengsteysee. In der 1. Halbzeit waren die Hiesigen leicht überlegen, konnten jedoch in der zweiten Hälfte das Tempo nicht durchhalten. Zumal war die Mannschaft(mit reichlich Ersatz) vom Pech verfolgt, denn 2 Tore wurden von der eigenen Verteidigung getreten. Deutsche Jugendkraft Handball Grün=Weiß Lüdenscheid 1.— DJK. Schwerte 1. 1:5. Schwerte folgte einer Einladung nach Lüdenscheid und nahm hier Revanche für die in den Meisterschaftsspielen erlittenen Schlappen. Die Mannschaften stellten sich einem Schiedsrichter, der eines seiner ersten Spiele leitete, worunter beide Parteien litten. Mit Anpfiff zieht Schwerte mächtig vom Leder und Lüdenscheids Tormann hat Gelegenheit, sein Können zu paradieren. Sein Heiligtum wird förmlich bombardiert. Doch weiß er es vorläufig noch rein zu halten. Die Grün=Weißen kommen sogar bei einem Gegenangriff zum 1. Erfolge. Kurz darauf gleicht der Schwerter R.=A. aus, durch einen schönen Schrägwurf. Jetzt ist der Bann gebrochen und derselbe Stürmer kann noch einmal einsenden, wodurch der Jubel der Lüdenscheider Anhänger sehr gedämpft wird. Nach Halbzeit ist Schwerte überlegen und läßt den Gegner kaum aus seiner Hälfte heraus. Die vorzügliche Schwerter Hintermannschaft schickt den Sturm immer wieder vor und durch den Mittelstürmer lautet es bald 3:1. Schwerters Sturm verfällt jetzt wieder in seinen alten Fehler und verzettelt seine Kräfte in Einzelaktionen. Daß trotzdem noch 2 Tore fallen, ist auf das Konto der Läuferreihe zu setzen, die den Sturm mit Vorlagen nur so überschüttete. Bei einem etwas einheitlichen Zusammenhang wäre das Torverhältnis zweistellig ausgefallen. Lüdenscheid 1. Jgd.— Schwerte 1. Jgd. 3:1. Vor diesem Spiel waren sich die beiden Jugendmannschaften gegenübergetreten. Nach beiderseitigen prächtigen Leistungen konnten die Gastgeber einen glücklichen Sieg landen. In Bezug auf Technik und Kombinationsspiel konnte manche Stamm=Mannschaft etwas lernen. holra zu können, so hatten sie sich getäusch, denn sie fanden einen Gegner, der ihnen durchaus ebenbürtig, wenn nicht überlegen war. Diese Ueberlegenheit zeigte sich besonders in der 1. Halbzeit. Denn Wurf auf Wurf hagelte gegen das Vorhaller Tor, welches durch einen ausgezeichneten Hüter beschützt war. So wurde nichts Zählbares erreicht, denn die Schwerter warsen zu unplaziert. Die Vorhaller dagegen wußten die winzigsten Torchancen der 1. Halbzeit auszunutzen und mit dem Stand von 1:0 gings in die Halbzeit.— Nach der Pause wurde auf das schon scharfe Tempo noch mehr gedrückt, sodaß die Zuschauer ein flottes Spiel zu sehen bekamen. Beide Tore kamen oftmals in Gefahr und bald hatten die zahlreichen Schüsse der Schwerte Erfolg. 1:1, der Ausgleich war da. Einen Beweis der Schnelligkeit des Spieles lieferte Vorhalle, indem sie nach 1 Minute den Unterschied wieder herstellten. Die Schwerter lassen jedoch den Mut nicht sinken. Hin und her wogte das Spiel und bald hatten die Hiesigen den Ausgleich wieder hergestellt. Auf beiden Seiten wurden noch schöne Kombinationen gezeigt, jedoch gelangte es nicht mehr zu einem Erfolg. Der Schiedsrichter war dem Spiel ein sehr guter Leiter. Turnen Jugendgeräteturnen Bürenbruch. Am letzten Sonntag trafen im Saale des Wirtes Louis Tönnis zu einem Gerätevierkampf die Jugendmannschaften der Vereine„Grüne Eiche“ Bürenbruch und „Turnerbund“, Hüingsen=Lendringsen. Pferd=, Barren=, Reckturnen und Freiübungen wurden gezeigt. An allen Geräten waren die Gäste den Bürenbruchern überlegen und erwartungsgemäß siegte die Hüingsen=Lendringser Mannschaft im Gesamtergebnis mit 624:532 Punkten. Der Ehrenvorsitzende Wilhelm Keppman nahm die Siegerehrung vor und ließ im Anschluß hieran auf die wackeren Jugendturner für die guten Leistungen ein dreifaches„Gut Heil" ausbringen. Vom Turnverein„Grüne Eiche“ Bürenbruch konnten sich als Einzelsieger auszeichnen die Turner Erwin Lueg, 91 Punkte, den 4. Kranz, Waldemar Tillmann, 81 P., den 7. Kranz. * Mandern 12. Jahreshauptversammlung des Gaues Sauerland im Reichsverband Deutscher JugendHerbergen. Am Sonntag morgen begann im Volksheim, Hohenlimburg, die 12. Jahreshauptversammlung des Gaues Sauerland im Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen. Den Vorsitz der Versammlung führte Landrat Dr. Loos. Dem Geschästsbericht und der Rechnungslage entnehmen wir: Das Arbeitsgebiet des Gaues umfaßt den gesamten Regierungsbezirk Arnsberg, die Städte Essen, Oberhausen, Mülheim=Ruhr und Kettwig. Die Zahl der Ortsgruppen beträgt 102. Der Mitgliederbestand betrug 13524 gegenüber 12617 im Jahre 1928. Die Provinz Westfalen unterstützte den Gau mit 100 000 RM. Daneben stehen die Beträge der Städte, Kreise, Aemter und Gemeinden. Im Gau Sauerland wurden aus Mitteln der Gewerkschaftsspende die beiden Jugendherbergen Glörtalsperre und Niederwenigern bei Hattingen errichtet und im Jahre 1929 eingeweiht. Die aus dem Arbeitnehmeranteil am 30 Millionenfonds, hier also von drei großen Gewerkschaftseinrich= tungen Allgem. Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und Gewerkschaftsring für Arbeiter, Angestellte und Beamte, für das Jugendherbergswerk bereitgestellten Mittel im Gesamtbetrage von 650000 RM. haben damit eine Verwendung gefunden, die ihre Spender ehrt. Zu Beginn des Jahres zählte der Gau Sauerland an 98 Orten insgesamt 108 Jugendherbergen mit 4319 Betten. Der Bestand am 31. Dezember 1929 ist für das neue Reichsherbergsverzeichnis 88 Herbergsorte mit 93 Jugendherbergen, die zusammen 4756 Betten enthalten. Die Gesamteinnahme betrug im Jahre 1929 668888,94 RM., dazu tritt noch ein Bestand von 1986,78 RM., die Gesamtausgaben belaufen sich auf 665 489,43 RM., demnach ist ein Barbestand von 3399,51 RM. vorhanden. An Neubauten und baulichen Verbesserungen an Jugendherbergen wurden insgesamt 394974,07 RM., an Neuanschaffungen für Gerät und Wäsche sowie an Wandergerät 52 463,29 RM. Da kein Widerspruch gegen den Geschäftsbericht und die Rechnungslage erfolgte, wurden diese einstimmig angenommen. Zum haltsplan 1930 nahm der Geschäftsführer des Gaues, Kochskämper, das Wort. Der Plan schließt in Einnahme und Ausgabe mit 578 208,06 RM. ab. Hervorzuheben wäre noch, daß das Bankkonto einen Betrag von 365 717,77 RM. ausweist, davon sind vorgesehen 130 500 RM. für Fertigstellung angefangener Bauten, Neubauten für 1930 eine Jugendherberge in Altena mit 150 000 RM., Verbesserungen in der Jugendherberge Bilstein mit 20000 RM. und Umbau des gekauften Gebäudes zu einer Jugendherberge in Attendorn mit 46000 RM. Der 2. Vorsitzende des Reichsverbandes, Münkker, sprach darauf in längeren Ausführungen über den Reichswerbetag. Die nächste Tagung findet in Arnsberg statt. ren aus Schwerte, Schwerte=Ost, Westhofen und Holzen, sowie sonstige Freunde und Gönner eingesunden. Die Begrüßungsansprache hielt der Brandmeister Schulte. Die Hauptfestrede wurde vom Bürgermeister Arndt=Westhofen gehalten. Der Redner sprach u. a. den 10jährigen Mitgliedern seine besonderen Glückwünsche aus. Die silberne Auszeichnungsborte wird den Jubilaren in der nächsten Versammlung ausgehändigt werden. Zur weiteren Unterhaltung trugen einige gut einstudierte Theaterstücke erheblich bei. Der musikalische Teil lag in bewährten Händen bei der Hauskapelle Spiegel. l. Wandhofen. Immer wieder Sachbeschädigungen. Vor kaum einer Woche wurden an der Kreuzung Hagenerstraße=Strangstraße zwei neue Warnungsschilder für den Kraftfahrzeugverkehr ausgestellt. Eins dieser Schilder ist schon wieder von rüpelhasten Burschen demoliert worden. Leider hat man die Uebeltäter bisher nicht ausfindig machen können. I. Garenfeld. Hohes Alter. Ihr 79. Lebensjahr vollendet am morgigen Tage die Witwe Lina Kockelke geborene Neuhaus in Garenfeld Nr. 12. Herzlichsten Glückwunsch. I. Lichtendorf. Rentenauszahlungstermin. Am Mittwoch, den 2. April, findet nachmittags 2,30 Uhr in der Wirtschaft Wiemhoff auf dem Eichholz die Auszahlung der Krankengelder, Alters=, Invaliden= und Witwen=Renten der Ruhr=Knappschaft statt. I. Geisecke. Frauenhilfe. Die Frauenhilfe von Geisecke hält am Donnerstag, den 3. April, nachmittags 3 Uhr, im Gemeindehause eine Versammlung ab. Arbeitsgemeinschaft genehmigt. Fachwartetagung der Turnerschaft. In den Räumen der Deutschen Turnschule auf dem Gelände des Sportforums in BerlinGrunewald hielt der Turnausschuß der DT., der sich aus den einzelnen Fachwarten zusammensetzt, am Sonnabend und Sonntag unter Leitung des Oberturnwarts Steding(Bremien) eine Sitzung ab, in der besonders die Verträge mit der Sportbehörde für Leichtath= letik und dem Fußball=Bund eingehend beraten wurden. Die Bestimmungen über die Regelung der Fußballspiele, wonach die DT. auf eigene Pflichtspiele verzichtet und ihre Mannschaften dem DFB. zur Durchführung der Spielreihen als Gästemannschaften überweist, fanden starke Gegnerschaft. Trotz schwerwiegender Bedenken beschloß aber der Turnausschuß, dem am 12. und 13. April in Berlin zusammentretenden Hauptausschuß der DT. den Vertrag zur Annahme zu empfehlen, um die Arbeitsgemeinschaft nicht scheitern zu lassen. Der Vertrag mit dem Deutschen Schwimm=Verband fand Zustimmung. Von Veranstaltungen wurden die Kampfspiele, vor allem aber das am 3. August in Königsberg stattfindende Alterstreffen eingehend behandelt, an das sich eine Reihe von Veranstaltungen im ostpreußischen Turnkreis anschließen wird. Die Möglichkeit gemeinsamer Meisterschaften auf leichtathletischem Gebiete in diesem Jahre besteht infolge der schon festgelegten Arbeitspläne nur dann, wenn es gelingt, als Termin den 17. August festzulegen. Die Sportbehörde für Leichtathletik hat ihre Meisterschaften für den 2. und 3. August nach dem Grunewald=Stadion angesetzt. Aus den Fragen des Wettkampfwesens wurden der Amateurparagraph bearbeitet, das neue Meisterschaftenabzeichen vorgelegt und neben anderen Bestimmungen solche über Gastspielreisen festgesetzt. Von den Verwaltungsangelegenheiten interessieren vor allem die Organisation der Spielleute und die Frage des Wasserwanderns. Bei der Bearbeitung der Bestimmungen über das Deutsche Turn= und Sportabzeichen wurde auf Grund von Einzelfällen eine Verschärfung der Kontrolle für nötig erachtet. Vor allem soll aber innerhalb der DT. eine weitgehende Werbung für dieses Zeichen körperlicher Ertüchtigung einsetzen. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen I. Wandhofen. 10jährige Bestehensfeier der Wandhofener Feuerwehr. Im vergangenen Monat konnte die Freiwillige Feuerwehr Wandhofen auf ein 10jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Grunde veranstaltete die Wehr im Schulteschen Saale eine schlichte Feier. Zu derselben hatten sich die WehKeine Kosten für den polszeilichen Die Kosten, die durch den Schutz und die Ueberwachung von Veranstaltungen wie Kirmessen, Reiter= und Sängerfesten, Rennen, Kundgebungen usw. entstehen, werden von einigen Polizeibeamten eingezogen, von anderen nicht. Es können nur die geringen Mehrkosten wie für den Verbrauch von Betriebsstoff für die Polizeikraftwagen usw. angerechnet werden. Dann ist die Polizei grundsätzlich verpflichtet, für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Die Heranziehung zu den polizeilichen Kosten würde leicht auch eine gewisse Beschräntung der Vereins= und Versammlungsfreiheit mit sich bringen Die Kosten für die Veranstaltung lassen sich auch nicht von denen trennen, die durch Störungen, Zaungästen usw. entstehen. Die Veranstalter eines zu beaussichtigenden oder zu schützenden Unternehmens werden deshalb von jetzt an nicht mehr zu den Kosten der Ueberwachung und des Schutzes herangezogen. Bücherbesprechung Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind zu haben in der Buchhdlg. C. Braus. Schierte. Unser Roman:“Erdgebunden" von Fritz Gantzer, der von unseren Lesern mit besonderem Interesse und Gefallen gelesen wird, ist soeben im Verlag Martin Feuchtwanger, Halle(Saale), in Buchform erschienen. Das Buch kann von unserer Buchhandlung bezogen werden. Preis: Ganzleinen 4 Mark, Halbschhon 8 Bort. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Die neue Reichsregierung Vizekanzler u. Reichswirtschaftsminister Dietrich,— Reichsaußenminister Curtius,— Reichsinnenminister Dr. Wirth,— Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer,— Reichswehrminister Groener,— Reichsverkehrsminister von Guerard,— Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald,— Reichspostminister Dr. Schätzel. Roman von Iritz Gantzer Erdgebunden Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle(Saale) 15. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Nun kam sie ihm entgegen.„Sie lassen auf sich warten. Herr Beck.“ Ein Lächeln, weich und zärtlich in seiner Art. blühte auf ihren Lippen, die in dunkler Röte leuchteten.. Und ein seiner, die Sinne reizender Duft strömte ihm entgegen. Er erweckte seine Erinnerung an den Tag ihree Besuchs im Krankenhause... War es nicht derselbe Duft wie damals? Dieser Duft, der blühenden Frauenleibern eigen ist, gesättigt von Wärme und Süße? Er wappnete sich mit Abwehr. Eine Steilfalte grub sich über der Nase in die Stirn. Kühl und gelassen sagte er: „Ich hatte über vieles nachzudenken. Frau Hellwig, und verspätete mich. Es ist ernst und schlimm, was mich beschäftigte. Und ich komme nun, um mit Ihnen darüber zu sprechen.„ Juu „Sok Ernst und schlimm! Angs. tunn man ja da kriegen. Herr Beck. Und das bißchen frohe Laune, das man gerad' mal hat, wo es hier sonst schon immer ein Trauerspiel nach dem andern gibt, läuft auch noch davon.“ Sie bemühte sich, ein schmollendes Gesicht zu zeigen, fand sich aber in die Maske nicht vollendet hinein. Ihre Augen redeten mit dem ihnen entströmenden heißen Licht eine andere Sprache: Alle Heiligen seien gepriesen, daß ich ihn endlich bei mir habe! Was nun zu geschehen hat, das soll meine Sorge sein. Sie schlug einen leichteren Ton an und lächelte. „Wir können das für uns Unangenehme aber ruhig ein bißchen aufschieben. Das läuft uns nicht weg. Zunächst darf es aber nicht so aussehen, als wenn Sie mir gleich wieder weglaufen wollten. Also, bitte schön! Hier auf dem Sofa. oder, wenn Sie das nicht mögen, auf einem Stuhl, nehmen Sie Platz“ Er zog einen der Stühle ein wenig näher an den Tisch heran und nahm Platz; nun so sitzend, daß er noch im Dämmerlicht blieb. „Es wird viel Mühe machen", dachte Liane;„er ist schüchtern wie ein Jüngling, der das erste Rendezvous 5 „Ich bin nicht für das„Aufschieben“, wie Sie sich ausdrücken, Frau Hellwig", sagte er mit brüchiger Stimme, und räusperte sich.„Es liegt mir nicht, an peinlichen Dingen vorüberzugehen, als wenn man sich vor ihnen fürchtete.“ Liane hatte sich so gesetzt, daß er ihr Profil sah. Diese feine Linie, der der schwere Haarknoten erhöhten Reiz verlieh. Und von der sic wußte, daß sie die Männer verrückt machte, wenn sie mit ihren Blicken eine Weile daran gehangen hatten. Wie der Fliege im Spinnennetz ging es ihnen dann. „So rede nur erst von deinen peinlichen Dingen“ dachte sie,„und danach werde ich an der Reihe sein.“ Sie gab sich ganz als die tugendsame, fleißige Hausfrau: sie griff zu ihrer Stickerei, und sagte, ihre Aufmerksamkeit dem Einziehen eines neuen Fadens schenkend, ohne Karl anzusehen: „Ich bin natürlich auch mit der umgekehrten Reihenfolge einverstanden, Herr Beck. Also, bitte, reden Sie nur.“ Er fand nicht sofort einen Anfang. Es war ihm, als wenn eine Hand verwirrend in seine Gedankenfäden hineingegriffen hätte, eine geheime Macht seinen Augen eine ganz bestimmte Richtung gäbe, dorthin, wo die feine Profitlinie eines leidenschaftslosen, schönen Frauenantlitzes sich zeichnete. Er mußte seinem Blick Gewalt antun, um ihn davon loszumachen, und zwang ihn zu Boden. Gewann auch endlich die Kraft, seine Gedanken zu ordnen und in die gewünschte Richtung zu bringen. Was er dann sagte, klang lässig und entbehrte der Fähigkeit, zu überzeugen. Es berührte wie etwas, dem er selbst keine allzu große Bedeutung und Tragweite zumaß Es mußte eben einmal gesagt werden. Und wenn es gesagt war. konnte man ohne weitere Erörterungen zu anderen Dingen übergehen. In dieser Weise etwa redete Karl Beck von den vielfachen Nöten des Hellwig=Hofes: von Leutenot und verunkrautetem Acker, von fehlendem Saatgut und knappen Geldmitteln, von Kreditlosigkeit und mangelndem Vertrauen. Und daß es infolgedessen eine Unmöglichkeit sei. die Wirtschaft fortzuführen, wenn nicht irgendwie Hilfe komme Liane hatte ohne Einwurf zugehört. Sie hatte sich mit merkwürdiger Gelassenheit ihrer Arbeit gewidmet, ohne ein einziges Mai aufzusehen. Erst als Karl Beck in einer Art Hilflosigkeit schwieg. ließ sie die Stickerei sinken und erhov den Blick. Sie richtete ihn voll auf sein Gesicht und legte eine unerhörte Menge Gleichgültigkeit hinein, die auch in dem Heben und Senken ihrer Schultern zum Ausdruck kam.„Ja, Herr alles weiß ich längst. Aber wir beide werden nichts dazu tun können, daß es anders wird.“ Sie erhob sich, machte ein paar Schritte in das Zimmer, und schob, zum Tisch zurückkehrend, eine Schachtel Zigaretten vor ihn bin.„Bitte!“ Er griff zu. Gedankenlos, mechanisch. Drehte die Zigarette zwischen den spitz gehaltenen Fingern.„So. nichts tun?" Beobachtete, daß Liane sich selbst bediente, ein Streichholz anzündete und ihm Feuer anbot. Dann nach ihm auch ihre Zigarette anzündete und einen langen, feinen Rauchstrahl aus ihrem Munde blies. Er hatte Frauen, die rauchten, noch nie gemocht. Heute berührte es ihn kaum. daß es Liane tat. Ja, er war sogar so weitherzig, unein gestanden zu empfinden; daß dies Zeitlaster zu dieser Frau einfac gehöre. Daß sie dadurch an Reiz gewinne. Und es schien ihm, als wenn mit den sich von seiner Zigarette leichtfertig und graziös in die Höbe kräuselnden Rauchwöllchen etwas aus seiner Seele entwiche, das ihm bisher Halt und Festigkeit verliehen hatte. Sich dagegen aufbäumend, sagte er herrisch, betont, lauter als nötig gewesen wäre:„Es muß aber etwas geschehen, sonst ist der Hof verloren. Es muß...“ Er brach ab. Etwas wie Gedankenleere verhinderte ihn am Weitersprechen. Er machte ein paar heftige Züge und warf den Zigarettenrest in die Aschenschale. Er merkte, daß seine Hand zitterte. „Frau Hellwig!“ Seine Augen hefteten sich auf ihr Gesicht. Ein drängendes Bitten floß aus seinem Blick.„Gibt es wirklich keine Möglichkeit?“ Liane sah ihn scharf an.„Ja, Sie liegt bei Ihnen.“ „Bei mir?“ „Ja.“ „Ich verstehe nicht.“ „Nein?“ Ihr Blick wurde zu einem Brennen. Wirklich nicht““ 45 Er schwieg. Hatte nur das waynsinnig=machende Empfinden, daß in diesen Sekunden etwas Furchtbares mit ihm geschah, daß er sich selbst verlor; daß er in eine dunkle Tiefe versank, daß er mit seinen Sinnen diesem Weibe verfiel. Er schüttelte sich. Ein eisiger Frostschauer rann über seinen Körper. Der Gedanke an etwas Gutes, Reines glitt durch seinen Sinn. Ein Name tauchte auf. Liane lächelte, betörend, wie es ihm schien, vernichtend. „Also es gibt eine Möglichkeit“, sagte sie, und reckte sich.„Daß der Hof unter den bestehenden Verhältnissen nicht mehr zu halten ist, bedarf keiner Erörterung. Er muß verkauft werden. Daß ei nicht in polnische Hände kommt. kann ich nur noch mit ihrer Hilfe verhindern. Aber nur dann, wenn ich weiß, daß ich mich ganz auf sie verlassen darf" „Das sollten Sie wissen, Frau Liane“, sagte Karl Beck mit schwerer Zunge. „Woher?“ Sie zündete sich eine neue Zigarette an „Woher wissen? Ich habe keinerlei Beweise. Den Beweis müssen Sie erst erbringen.“ Er bedachte schwerfällig, sich die Folgerungen abquälend:„Es ist lauter törichtes Zeug, was sie da herschwatzt. Es hat keinen Sinn und Verstand. Und ich müßte längst mit der Faust auf den Tisch geschlagen haben. Müßte ihr ein Wort ins Gesicht schreien. Und dann davon Warum tue ich es nicht? Warum bleibe ich? Weil ich gebunden bin. Gebunden an diese Erde mit ihrer Sünde, die im Blut wohnt.“ Aus den Gedanken heraus sagte er: „Einen Beweis?“ Sie wußte, daß er ihr nicht mehr entrinnen konnte „Ach, mein lieber Freund, wie kann man nur so schwerfällig sein!“ Sie trat einen Schritt näher, und legte ihre Hand auf seine Schulter. Ein heißer Strom durchrieselte ihn. Er glaubte die Wärme ihres Blutes zu spüren, das durch ihre Hand floß Er hatte das letzte klare Besinnen: Fliebe, ehe es zu spät ist! Ungestüm sprang er auf; blieb, und starrte sie mit flimmernden Augen an. Sie standen nahe aneinander Fast in körperlicher Berührung. Er spürte den Hauch ihres Mundes, der über sein Gesicht wie eine Welle von Lockung und Verführung glitt. Empfand die Wärme ihres Körpers. Trank ihren durstigen Blick. „Geh!" keuchte er, zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus. „Komm!" flüsterte sie in überschäumender Leidenschaftlichkeit, und neigte sich ihm zu. „Gebunden, gebunden!“ schrie es in ihm. Eine Welle von Leidenschaft und Sünde und Begierde und— Sichvergessen flutete über ihn dahin, zog ihn hinab und erstickte ihn. Er umschlang sie, riß sie an sich und küßte sie... Und dann doch noch— vor dem völligen Versinken— ein verzweifeltes Emporrudern. Wie ein grelles Licht durchzuckte es ihn. Er drängte Liane von sich und floh vor ihr. Floh in die rettende Einsamkeit seines Zimmers, verschloß die Tür, und warf sich mit einem stöhnenden Laut auf sein Bett. Sie war in ihrer Liebe zu hellsehend, um nicht zu wissen, daß etwas von tief einschneidender Wirkung geschehen sein mußte, was ihn so ganz und gar zu einem anderen gemacht, und als Mensch zu klug und in ihrem Seelenleben zu sein empfindend, um nicht zu erkennen, zu fühlen, daß die Ursache mit der Person der Schwester in Zusammenhang stand. Irgend etwas hatte sich, darüber war sie nicht im Zweifel, zwischen beiden abgespielt. Und da sie Liane in ihrer Veranlagung genügend kannte und aus dem Verhalten Karl Becks dessen tiefe Niedergeschlagenheit feststellen konnte, würde das, was sich zugetragen, etwas Gutes nicht gewesen sein. Eine peinigende Unruhe fraß in ihr, erfüllte sie mit einer tiefen Bangigkeit, und machte sie unstet. Und immer von neuem klagte sie sich an, daß sie an allem mitschuldig war, weil sie sich Karl Beck verschlossen hatte. Ja, warum hatte sie es nicht vermocht, an jenem Abend im Grasgarten zu ihm zu reden? Drei Tage lang gingen die drei Menschen auf dem Hellwigschen Hof wie Fremde aneinander vorüber, sprachen kaum das Notwendigste, gerade nur das, was durchaus gesagt werden mußte, und saßen während der Mahlzeiten stumm am Tisch. Liane mit einem leisen Anflug von Hochmut im Gesicht, in den Augen einen um so gewisseren Schein des Triumphes, der Befriedigung und des Wartens tragend Gegen Karl Beck völlig teilnahmslos, ihn kaum beachtend. Anna scheuer denn je, bleich, abgespannt. Die Augen von einer tiefen Wehmut überschattet, die ihre Linien auch um den Mund zeichnete. Mau konnte bei ihrem Anblick fast vermuten, daß sie wisse, was geschehen sei, und daß sie nun ein Leid trüge. von dem sie nie wieder genesen würde. Ihr Anblick schnitt Karl Beck ins Herz. Eine tiefe Scham schüttelte inn, ein grenzenloser Zorn gegen sich selbst wütete in ihm. Er überlegte immer von neuem, daß es für ihn nur noch eins gab: fort, so bald wie möglich. Und wenn er sich doch nicht entschließen konnte, seiner Einsicht nachzugeben, so war es nur der Gedanke an sein. Merten Hellwig verpfändetes Wort. Trotzdem der Oktober kalt und unwirsch geworden war, und mit Regenfällen aufwartete, blieb Karl doch während des ganzen Tages dem Hof fern, pflügte und eggte wie ein gewöhnlicher Ackerknecht, daß ihm Beine und Arme am Abend wie Bleiklumpen am Körper hingen. Fand aber in der Nacht doch keinen Schlaf. Mit wachen. brennenden Augen starrte er in die Dunkelheit der stürmischen Nächte. die endlos schienen, und zermarterte sein Hirn mit Selbstvorwürfen. Er schlich gebückt über den Hos. in dessen verludertem, verwahrlostem Anblick er sein eigenes Gesicht sah, und ging Anna scheu aus dem Wege. Am Vormittag des vierten Tages erhielt sie von Merten einen Brief. in dem er sie um ihr sofortiges Kommen bat. Er fühle sich schwach und elend, quäle sich mit Todesahnungen und habe den Wunsch, sie noch einmal zu sehen. Sie erschraf heftig. Nicht über den Inhalt dieses Briefes allein. Weit mehr noch packte sie die Angst deshalb. weil sie sich sofort vorstellte: Wenn ich reise, werden beide allein sein. Nicht einen Tag nur; zwei, drei wohl gar. Und was konnte alles während dieser langen Zeit geschehen! Ihr erster Gedanke galt dem Entschluß: Ich bleibe! Nein. unmöglich durfte sie jetzt fort... Sie hatte das Empfinden, daß ihres Lebens Glück und Seligkeit auf dem Spiel stand, wenn sie reiste. Mochte das Leben Mertens zerbrechen, ohne daß sie seinen Abschied von der Welt miterlebte. Aber sie wollte nicht, daß ihr eigenes Leben zerbrach. Indes— und dieser Gedanke kam ihr dann wie eine unsäglich niederdrückende Ernüchterung— wenn das Schicksal es darauf angelegt haue, ihr Leben zu zerbrechen, dann würde auch ihr Bleiben nichts mehr daran ändern. Und als sie hierauf weiter erwog, es Merten schuldig zu sein, seinen Wunsch zu erfüllen, daß es herzlos, grausam gehandelt wäre, seinen flehenden Notschrei:„Komm, Anna. komm!“ unberücksichtigt zu lassen, nahm sie ihr Herz in die festen Hände des klaren und unabänderlichen Entschlusses, sich zu Merten auf den Weg zu machen. „Wie? Du nach Bromberg? Du zu Merten? Auf keinen Fall! Du bleibst!“ Liane, obwohl im ersten Hören aufjauchzend, die lästige Beobachterin, die Störerin der Kreise, die um den Mann im Hause liefen, für ein paar Tage fern zu wissen, erkannte dann doch sofort schlagwetterartig die Gefahr, die der Besuch Annas bei Merten für sie, Liane, und andere im Gefolge haben könnte. Der dort in seinem Sanatorium mußte still und allein aus der Welt gehen. Still und heimlich in das Grav. Nur niemand mehr aus der Heimai zu ihm! Wer wußte denn, was ihn veranlaßte, nach Anna zu rufen! Rein, sie hatte keine Lust, sich als des Mordes Mitschuldige in das Zuchthaus stecken zu lassen. „Und warum soll ich bleiben?“ Anna fragte es ruhig und gelassen. Und ihr Herz machte auch plötzlich ruhige und gelassene Schläge. Wenn Liane sich mit dieser Entschiedenheit, die einem Angstgefühl zu entströmen schien, gegen die Fahrt nach Bromberg sträubte, dann durfte doch wohl als sicher gelten, daß sie, Anna. mit ihren Vermutungen auf einem falschen Wege gewesen war. Denn anders hätte sie froh sein müssen, mit Karl Beck allein zu sein. „Das ist nicht deine Sache, danach zu fragen, warum ich es nicht will Unterstehe dich, mir zu trotzen! Und im übrigen“— Lianes bis jetzt wirklich von Angst verzerrtes Gesicht erhellte sich, und ihre Brust hob sich zu einem tiefen Atemzug der Erleichterung—.„wenn du Reisegeld hast, dann fahre. Von mir bekommst du keinen Pfennig. Und die Isabell bleibt auch im Stall.“ Ja, Anna wußte es nun gewiß: sie hat Angst, daß ich zu Merten kommen könnte. Und sie versucht, meine Reise auf jeden Fall zu verhindern. Etwas stimmte hier nicht. Sie erinnerte sich plötzlich eines Gesprächs mit Karl Beck. Er hatte damals aus seinen Befürchtungen, aus seiner Sorge kein Hebl gemacht. Und was sie einst lächelnd als unberechtigte Vermutung bezeichnet hatte, glaubte sie nun nachträglich beipflichtend bestätigen zu müssen. Die Sorge um Merten brannte ihr auf der Seele, wie ein jäh emporloderndes Feuer. Niemand und nichts würde sie zu hindern vermögen, sich sofort auf die Reise zu begeben Sie sah der Schwester fest in das Gesicht, suchte mit einem zwingenden Blick die Augen der anderen. Sah, daß es in ihnen unruhig flackerte, daß ein Fürchten an ihr Herz stieß. „IIch werde weder dein Geld, noch dein Pferd in Anspruch nehmen. Sei unbesorgt. Aber fahren werde ich doch!“ „Hüre dich!“ kam es in namenloser Wut über Lianes Lippen.„Ich sage dir: büte dich!“ Anna wandte sich still um und ging in ihre Kammer; kleidete sich in Hast um, und suchte aus einem Kästchen ein paar Schmuckstücke hervor, die sie als teure Andenken an ihre Mutter aufbewahrte. Der Erlös aus dem Verkauf dieses Ringes und dieses Halsketichens würde zur Bestreitung der Reisekosten vollauf genügen. Sie schloß das Gemach ab und verließ das Haus. Der Häusler Wutkow. der am Ende Veluschkeus wohnte, und einen mageren, aber flinken Klepper und ein Korbwägelchen besaß, würde sie mit Vergnügen nach Schneidemüht fahren. Der verdiente sich die paar Mart gern... „„ (Fortsetzung folgt.)