OAEET „Schwerter Zeitung“ erscheint wöcdentlich seche n Vongoprig dadnonallch 1.20 Mak, Eipeiaummet 13 Pfo. Druc u. Venagvon C. Brau, Schwarte(Rude). Posschecktontn: Dortmund 2632 und Hannover 21374. Geschöftesitelle: Große Markstr. 3—3 Verantworlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung e erür be chetet ung.. lgoez, singggantiche u. grichtliche Auzigan 10 Vig., Naetamu. gelle 40%P, Für zeieson, ausgegedene Inserate übemedmen wir keine Gewädt. Bei undorhergesehn. Betriedestbrungen, hervorgerusen durch hodere Gewalten, ödernedmen oir keinertel Gewäde ür pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kam auch keinerlet Ansoruch anf Schadenersat oder Nachlieserung erboden werden W urSenbuur b. dmn, Stom. bumimo Schwerter Volkoblatt Tügeblalt für die Stadl Schwerie und dus Ann Westhosen S Kreivvirn für den norbiichen Len des Landireises Iserlohn Nr. 10.(Frles Blan) Schwerte(Sahei,=Freitag, den 1c. Brährs 1900 G. Jochrggng Neues in Kürze. Dr. Eckener fährt nach Amerika. wib. Hamburg, 13. März.(Tel.) Wie die Hapag mitteilt, wird sich Dr. Eckener mit dem Hapagdampfer„Hamburg“, der morgen seine zweite Reise nach U. S. A. antritt, nach den Vereinigten Staaten besecben. Minan a. 82 Die Deutsche Volkspartei gegen Minister Dr. Frick. wib. Weimar, 13. März.(Tel.) Die Fraktion der Deutschen Volkspartei des Landtags in Thüringen erklärt zu der in der gestrigen Reichstagssitzung von dem Staatsminister Dr. Frick in seiner Eigenschaft als Reichsratsbevollmächtigter„im Namen der thüringischen Regierung" abgegebenen Erklärung zu dem Youngplan, daß die von Dr. Frick vorgelesene Erklärung ohne Billigung, ja ohne Kenntnis der thüringischen Regierung abgegeben worden sei. Diese sei vielmehr durch das Vorgehen Dr. Fricks völlig überrascht worden. Verschiebung der Konstituierung der B. J. Z. enb. Bern, 14. März.(Eig. Meldung.) Die Konstituierung der Bank für internationalen Zahlungsausgleich hat eine Verzögerung um einen Monat erfahren, weil die deutschen Delegierten zum Verwaltungsrat noch nicht bezeichnet werden konnten. Ihre Ernennung wird erst erfolgen. nachdem der neue Reichsbankpräsident Dr. Luther sein Amt übernommen haben wird. Unter diesen Umständen wurde die Verwaltungsraissitzung der B. J. Z., die auf den 15 März anberaumt worden war, auf Monat April verschoben. Die für den 1. April vorgesehene Eröffnung der Bank wurde auf den 1. Mai hinausgeschoben. Konflikt zwischen Universität und Bischof in Graz. wtb. Graz, 14. März.(Funkspruch.) Privatmldg. Bei der Staatsprüfung an der Universität ist am Donnerstag, wie das Grazer Tagebl. meldet, ein Zwischenfall eingetreten. Von der theologischen Fakultät war offiziell die Staatsprüfung auf den Abschnitt Philosophie angesetzt worden, für den Universitätsprofessor Dr. Ude den staatlichen Lehrauftrag hat. Bischof Dr. Pawlikowski befahl nun den Theologen, zur Prüfung nicht zu erscheinen. Die Theologen fügten sich diesem Besehl, so daß die Prüfung unterbleiben mußte. Völkerbundskonferenz zur Kodifizierung des internationalen Rechts. wtb Haag, 13. März.(Tel.) Heute mittag wurde hier die unter dem Vorsitz des holländischen Staatsministers Dr. Roemskerk stehende Völkerbundskonferenz zur Kodifizierung des internationalen Rechts feierlich eröffnet.— Wie bisher feststeht, sind 36 Staaten auf der Konferenz vertreten, darunter auch Deutschland. Massenhinrichtungen in Afghanistan. wtb. Teheran, 13. März.(Tel.) Nach einer Meldung aus Kabul sollen 75 Anhänger des von Nadir Schah verjagten und hingerichteten Thronusurpators Bacha'i Sakao auf Besehl des neuen Herrschers hingerichtet worden sein. Sieben Todesurteile in Chittagong. wtb Chittagong, 13. März.(Tel.) Hier wurden sieben Mohammedaner zum Tode verurteilt. Sie hatten den Sohn eines Hindu ermordet und in Stücke geschnitten. Passive Resistenz indischer Eisenbahner. wib Bombay, 13. März.(Tel.) Bei Unruhen in der Umgebung von Bombay wurden 2 Polizisten und 50 Streikende verletzt. 200 Eisenbahnangestellte hatten passive Resistenz geübt, indem sie sich auf die Eisenbahnschienen legten. Zwei Rädelsführer wurden verhaftet. Riesiger Betrugsversuch e eüer esche wib Nürnberg, 13. März.(Tel.) Ein hier wohnhafter Kaufmann wollte kürzlich in einer Zirndorfer Kunstanstalt 9000 Spielships nach dem Muster der Spielmarken des Kasinos von San Remo, und zwar 4000 Drucke mit der Aufschrift „tausend“ und 5000 Drucke mit der Aufschrift„fünfhundert“ herstellen lassen. Nach den Erhebungen der städtischen Polizei würden diese Nachahmungen die genannte Spielbank um 6½ Millionen Lire geschädigt haben. Der Auftraggeber gab sich bei der Bestellung als Inhaber einer Nürnberger Firma aus, die jedoch mit der Angelegenheit nichts zu tun hatte, auch unterschrieb er mit einem falschen Namen. Der Plan ist durch Verhaftung des Auftraggebers vereitelt worden. Hounphosel,kerheichner“ Eine Erklärung des Reichspräsidenten. wtb. Berlin, 13. März.(Tel.) Reichspräsident von Hindenburg hat heute das im Youngplan enthaltene Gesetz über die Haager Konferenz 1929=30 und die damit in Verbindung stehenden Gesetze ausgefertigt und ihre Verkündung im Reichsgesetzblatt veranlaßt. Den Gesetzentwurf zur Regelung von Fragen des Teiles 10 des Versailler Vertrages, welcher das deutsch=polnische Liquidationsabkommen erhält. hat der Herr Reichspräsident noch nicht vollzogen, sondern in Ausübung der ihm nach Art 70 der Reichsverfassung obliegenden Pflicht der Prüfung des verfassungsmäßigen Zustandekommens der Gesetze einstweilen zurückgestellt. Der Herr Reichspräsident hat sich wegen einer eingehenden Prüfung der Frage. ob dieses Gesetz verfassungsändernden Charakter hat, mit dem Herrn Reichskanzler und den beteiligten Reichsministern in Verbindung gesetzt. Reichspräsident von Hindenburg gibt folgendes bekannt:... Gensam 2. „Während des Kampfes um Annahme oder Ablehnung des Youngplanes sind mir von Verbänden, Vereinen und Einzelpersonen viele Hunderte von Zuschriften zugegangen, die, von Sorgen für die Zukunft unseres Vaterlandes erfüllt, mich in dringenden Worten baten, das Zustandekommen des Youngplans durch die Verweigerung meiner Unterschrift unter die Gesetze und Ratifikationsurkunden zu verhindern. Da ich nicht mit allen denen, die sich teils mit kurzen Protesten, teils mit langen Ausführungen an mich gewandt haben, einzeln auseinandersetzen kann, gebe ich nachstehend meine Antwort auf diesem Wege: Schweren aber festen Herzens habe ich nach reiflicher, gewissenhafter Prüfung die Younggesetze mit meinem Namen unterschrieben. Nach Anhörung von Befürwortern und Gegnern des Planes, nach sorgfältiger Abwägung des Für und des Wider bin ich zur Ueberzeugung gelangt, daß trotz der schweren Belastung, die der neue Plan dem deutschen Volke auf lange Jahre hinaus auferlegt, und trotz der großen Bedenken, die gegen manche seiner Bestimmungen erhoben werden können, der Youngplan im Vergleich zum Dawesplan eine Besserung und Entlastung darstellt und wirtschaftlich und politisch einen Fortschritt auf dem schweren Wege der Befreiung und des Wiederaufbaues Deutschlands bedeutet. Fortschritte gibt, sich als der richtige erweisen wird. Viele der Zuschriften haben in wohlmeinender Absicht an mich persönlich die Bitte gerichtet, meinen, des früheren Heerführers Namen nicht dadurch vor der Geschichte zu verdunkeln, daß ich mit ihm diese Gesetze decke. Hierauf erwidere ich: Ich habe mein Leben in der großen Schule der Pflichterfüllung, in der alten Armee, verbracht und hier gelernt, stets ohne Rücksicht auf die eigene Person meine Pflicht gegenüber dem Vaterlande zu tun. Deshalb hatte bei meiner Entscheidung jeder Gedanke an mich selbst vollständig zurückzutreten. Zu einer Ablehnung konnte ich mich im Gefühl meiner Verantwortung für Deutschland und seine Zukunft nicht entschließen, da die Folgen einer solchen für die deutsche Wirtschaft und die deutschen Finanzen unabsehbar sein und schwere Krisen mit allen ihren Gefahren für unter Vaterland bringen würden. Ich bin mir durchaus bewußt, daß auch die Annahme des Youngplans uns nicht von allen Sorgen für die Zukunft befreit: aber ich glaube trotzdem zuversichtlich, daß der nunmehr eingeschlagene Wegder dem besetzten deutschen Gebiet die langersehnte! Freiheit und uns allen die Erwartung weiterer So konnte auch der Gedanke, durch einen Volksentscheid oder meinen Rücktritt die Verantwortung von mir abzuschieben, bei mir nicht Boden fassen. Der parlamentarische Kampf um die Younggesetze ist mit deren Verkündung im Reichsgesetzblatt zu Ende; damit muß nun auch im deutschen Volke der Streit um diese Frage beendet sein, der soviel neue Gegensätze hervorgerufen und die von mir von jeher so schmerzlich empfundene Zerrissenheit in unserem schwergeprüften Vaterlande stark erweitert Ich richte daher an alle deutschen Männer und Frauen die ernste Mahnung, sich ihrer Pflichten gegenüber dem Vaterlande und der Zukunft der Nation bewußt zu sein und sich nun endlich unter Ueberwindung des Trennenden und Gegensätzlichen zusammenzufinden in gemeinsamem Wirken für unsere Zukunft, in der es wieder ein freies, gesundes und starkes deutsches Volk geben soll. Die politischen Auseinandersetzungen und Kämpfe der letzten Monate müssen nunmehr einer entschlossenen praktischen Arbeit Platz machen, welche die Gesundung unserer Finanzen, die Belebung unserer gesamten Wirtschaft und damit die Beseitigung der ungeheuren Arbeitslosigkeit und nicht zuletzt die Linderung der schweren Lage der deutschen Landwirtschaft und die Wiederherstellung ihrer Rentabilität zum Ziele haben muß. Ich habe der Reichsregierung die Erledigung dieser Arbeit in einem Schreiben an den Herrn Reichskanzler vom heutigen Tage zur Aufgabe gestellt und fordere hiermit gleichzeitig alle Deutschen auf. sich über die Grenzen der Parteien hinaus zur gemeinsamen Mitarbeit die Hände zu reichen. Furchtbarer Kampf im Löwenzwinger. enb Berlin, 13. März.(Eig. Meldung.) In der gestrigen Nacht kam es, wie Tempo zu melden weiß, in Bebra im Menageriewagen des Zirkus Hassel etwa zwei Stunden nach der Vorstellung zu einem erbitterten Kampf zwischen einem braunen sibirischen Bären und einem Berberlöwen. Die Tiere verbissen sich wütend ineinander. Die beherzte Gattin des Zirkusbesitzers, die ganz allein die Stallwache ausübte, da das übrige Personal bereits in dem benachbarten Sontra mit der Aufstellung eines Zeltes beschäftigt war, stieg in den Zwinger hinein und versuchte, die Bestien durch Schläge mit einer Drahtpeitsche zu trennen. Mit gewaltigem Sprung stürzte sich der Löwe nunmehr auf die Frau und zerfleischte sie am ganzen Körper. Auf ihre Hilferufe kamen Beamte der Landjägerei und Bauern mit Eisenstangen und Mistgabeln zu Hilfe und hielten den wild um sich beißenden Löwen mit Schüssen und Schlägen in Schach, bis es gelang, die ohnmächtige Frau zu bergen. Sie wurde in hoffnungslosem Zustande ins Bebraer Krankenhaus eingeliefert. Der Bär war inzwischen seinen Wunden erlegen, der Löwe wurde erschossen. Vor bald 60 Jahren habe ich bei der Reichsgründung den Jubel miterlebt, der das gesamte deutsche Volk über seine endlich erreichte Einigung beseelte; ich kann mir nicht denken, daß dieser Geist dahingeschwunden ist und dauernder innerpolitischer Zwietracht Platz gemacht hat. Wir müssen uns trotz und wegen der Not der Zeit auf uns selbst besinnen und wieder eins werden in dem Gedanken: Deutschland über alles! Rumpf un dus Repudlrschuhgeseh. Lärmszenen im Reichstag. 141. Sitzung des Deutschen Reichstags. Ein dänisches Militärflugzeug in den Großen Belt abgestürzt. wib Kopenhagen, 14. März.(Tel.) In der Nähe von Agersö ist ein dänisches Militärflugzeug in den Großen Belt gestürzt. Man vermutet, daß es sich um eines der großen Flugzeuge handelt, die sich auf dem Wege nach Hadersleben befanden. Die beiden Flieger an Bord dürsten den Tod gefunden haben. Mehrere Heeresflugzeuge halten sich an Unfallstelle auf. VDZ. Berlin, 13. März.(Tel.) Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetzes zum Schutze der Republik und zur Befriedung des politischen Lebens. Reichsinnenminister Gevering: Heute vor zehn Jahren am 13. März 1920 zogen hakenkreuzgeschmückte Soldaten in Berlin ein, besetzten die Reichsämter(Abg. Stöcker(Komm): „Noske hat das organisiert!"), die Putschregierung Kapp—Lüttwitz wurde proklamiert, aber sie mußte schon am 19. März von der Bildfläche verschwinden. Der Kapp=Putsch scheiterte an dem Generalstreik der Arbeiter aller Richtungen und an dem einmütigen Widerstand der Beamtenschaft. Nur daran scheiterie der Ansturm gegen den Staat; andere zuverlässige Machtmittel hatte er nicht. Heute ist es anders. Heute haben wir eine Reichswehr mit vorzüglicher Disziplin und eine Schutzpolizei, der man die gleiche Tugend nachsagen kann.(Lärm bei den Nat.=Soz.— Abg. Strasser erhält einen Ordnungsruf.) Ohne Kapp=Puisch wären wir nicht zum Ruhraufstand gekommen und zu der Zerstörung großer wirtschaftlicher Werte mit der Folge einer weiteren Verschlechterung der deutschen Valuta. Gegen eine Wiederholung solcher Putsche brauchen wir ein Schutzmittel. Es kommt nicht nur darauf an, solche Anschläge im Keime zu ersticken, sondern den Kreisen, die Neigung dazu verspüren, die Lust dazu von vornherein zu verleiden. Wenn wir keine Schutzmittel gegen solche Gefahren haben, dann könnten auch die heroischen Anstrengungen der nächsten Zeit vergeblich sein. Graf Westarp hat als deutschnationaler Fraktionsführer im Jahre 1927 nicht nur den Initiativantrag zur Verlängerung des Republikschutzgesetzes unterzeichnet, sondern hat auch in einem KreuzzeitungsArtikel die Notwendigkeit begründet, mit einem solchen Gesetz den Staat gegen kommunistische Ordnungsstörungen zu schützen. Dabei stand unsere Wirtschaft im Jahre 1927 verhältnismäßig günstig, während wir jetzt drei Millionen Erwerbslose haben. Und heute wollen die Deutschnationalen dem Staat den Schutz versagen, den sie ihm 1927 bewilligten.„(Lärm rechts.) In der Zeit, in der das Republikschutzgesetz fehlte, ist das Versammlungsrecht durch das Treiben der Extremen von rechts und links zum Versammlungsunrecht geworden. Die Pressefreiheit ist— ich bin mir der Tragweite des Ausdrucks wohl bewußt— vielsach zu einer Pressefrechheit geworden.(Lärm bei den Nat.=Sozialisten und Kommunisten.) Wir können es nicht länger dulden, daß Demagogen Straß auf, Straß ab ziehen und die Massen verhetzen. Allein in Preußen sind im vergangenen Jahre bei Zusammenstößen 300 Schutzpolizisten verletzt und 14 getötet worden. Die Länder können es nicht auf die Dauer ertragen, daß ihre Machtmittel in dieser Weise abgenützt werden.(Lärm.) Minister Severing verliest dann aus der Neujahrsbotschaft der„Roten Fahne“ vom 1. Januar 1930 Sätze des Inhalts, daß die bisherigen Zusammenstöße nur Proben gewesen seien zu dem entscheidenden Schlag, den die Kommunisten gegen den jetzigen Staat führen würden. Was müßten wir, so fährt der Minister fort, für schlappe Kerle in der Regierung sein, wenn wir nicht die nötigen Abwehrmaßnahmen gegen den dem Staat angedrohten Schlag vorbereiten würden.(Ein Kommunist ruft:„Sie wollen ja mit Kanonen nach Spatzen schießen!“— Stürmische Heiterkeit bei den übrigen Parteien.— Rufe:„Das ist selbstverständlich!") Wenn das Rüsselsheimer Experiment des Ueberfalls auf Fabriken Schule machen sollte, dann wäre es mit der Ordnung in Deutschland vorbei, dann gäbe es keine geregelte Produktion mehr, dann gäbe es keinen Ausweg für das immer stärker anwachsende Arbeitslosenheer. Wir legen das Republikschutzgesetz vor, weil wir wollen, daß weder Arbeiter vor die Karabiner der Schutzpolizei kommen, noch die Schutzpolizei von Verhetzten totgeschossen werde. Der Machtkitzel der kommunistischen Gewalthaber wird einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Man wird es ihnen unmöglich machen, wochenlang in dieser Tonart zu hetzen. Das gilt auch für die Nationalsozialisten. Der Reichswehrminister hat sich genötigt gesehen, einen Erlaß gegen die nationalsozialistische Verhetzung der Reichswehrsoldaten herauszugeben. Mit dem Republikschutzgesetz soll verhindert werden, daß die Machtmittel des Staates vorzeitig abgenutz werden. Ein Staat, der seinen Schutz aufgibt, gibt sich selbst auf. Zu den Volksvertretern des habe ich das Vertrauen, daß sie ihre Pflicht nicht mißachten werden.(Lärm bei den Nat.=Sozialisten und Kommunisten.) Abg. Dr. Everling(DN.) führt aus, die vom Minister an die Wand gemalten Gefahren hätten mit dem vorliegenden Gesetz gar nichts zu tun. Die Vorlage enthalte in der Ausschußfassung überhaupt keine Vorschrift gegen Gewaltätigkeiten. 4 Stir Lapfall. Hierauf kam es zu einem Zwischenfall. Abg. Dr. Everling erklärte, er werde nicht weiter sprechen, da der Innenminister den Saal verlassen habe. Er beantragte die Herbeirufung des sters. Der Antrag wurde abgelehnt. Abgelehnt wurde auch der weitere Antrag, wegen Abwesenheit des Ministers die Sitzung auf eine Stunde zu Die Abstimmungen vollzogen sich unter der Begleitmusik von stürmischen Entrüstungskundgebungen der äußersten Linken und Rechten. Besonders die kommunistischen Abgg. Remmele und Thälman richteten dauernde beleidigende Zurufe gegen den Präsidenten. Die Folge war die Ausweisung beider Abgeordneten aus dem Seel Während dieser Lärmszenen war Minister Severing wieder im Saal erschienen. Abg. Dr. Everling(DN.) fährt darauf in seiner Rede fort. Er erklärt, die Justiz sel in Nicht um den Schutz der Republik handle es sich, sondern um einen Angriff zugunsten des Systems gegen die Opposition, um eine Fortsetzung des politischen Kampfes mit anderen Denkschrift des Innenministers sei an Einseitigkeit. Oberflächlichkeit und Kleinlichkeit unübertrefsbar. Geblieben seien nur die Bestimmungen gegen die Freiheit der Gesinnung. Der Begriff der versassungsmäßig festgestellten republikanischen Staatsform sei unklar. Alles sei unklar, außer den Strafen, für die drei Monate Gesängnis der Normalsatz seien. Die verfassungsändernyr Bedeutung des Gesetzes sei in fünffacher Hinsicht nachweisbar. Hier werde der Justitia die Binde den Augen gerissen, um sie der Opposition vor den Mund zu legen. Auf einen sozialdemokratischen Zuruf antwortet Abg. Dr. Everling: Gewiß haben die Deutschnationalen der Verlängerung des RexuSie wissen ja selbst aus den Ersahrungen der letzten Wochen, daß eine Koalitionspartei manchmal Die Ausfiührungen des nationatsozialstischen Abg. Dr. Goebbels lauteten ebensolls dahin, daß man mit diesem Gesetz die Unterdrückung des Volksprotestes gegen die Dounggesetze bezwecke. Dr. Goeb die Regierung, daß ihm nach dem dritten Erd als Zubehör zu Mahlzelten ersolgt, findet diese nungsruf das Wort entzogen wurde. Der kommunistische Abg. Münzenberg sah in dem Republikst keine Anwendung. schutzgesetz nur ein Kampfmittel gegen das revolutionäre Proletariat. Abg. Dr. Wendthausen (Cheistlichnat. Bauernpartei) wendete sich mit großer Schärfe gegen die Vorlage. Abg. Dr. Schlange (Volkskonservativ) lehnte zwar die Vorlage als überflüssig und schädlich ab, aber unter Hinweis auf den bekannten Aufruf des Reichspräsidenten betonte er, daß seine Freunde dem neuen Staat freudig ihre Mitarbeit für seine Fortentwicklung widmen wollten. Dabei rühmte er den Reichspräsidenten als eine Lichtgestalt der deutschen Nation. Im Lause der weiteren Aussprache wurde der kommunistische Abg. Psaff aus dem Saal gewiesen, weil er bei der Rede eines sozialdemokratischen Abgeordneten gelärmt und sich den Anordnungen des Präsidenten nicht gefügt hatte. Nach 8 Uhr abends führten die Oppositionsparteien dadurch den Abbruch der Beratung herbei, daß sie die Beschlußfähigkeit bezweifelten und dann bei der Auszählung aus dem Saale gingen. Da auf diese nur 236 Abgeordnete anwesend blieben, mußte die Weiterberatung auf Freitag 2 Uhr vertagt werden. Annahme der Younggesetze im Reichbrat. bb. Berlin, 13. März.(Tel.) Der Reichsrat, der heute unter dem Vorsitz des Außenministers Dr. Curtius tagte. nahm mit 42 gegen 5 Stimmen (Thüringen, Ostpreußen, Brandenburg und Pommern) bei Stimmenthaltung von Bayern, Sachsen und Mecklenburg=Schwerin die Haager Gesetze zur Kenntnis, ohne Einspruch zu erheben. Beim Polenabkommen geschah dasselbe mit 35 gegen 10 Stimmen. Die Dringlichkeit der Gesetze wurde mit 12 gegen die 5 Stimmen von Thüringen, Ostpreußen, Brandenburg und Pommern bei Stimmenthaltung von Bayern, Sachsen und Mecklenburg=Schwerin beschlossen. Da auch die Dringlichkeit beschlossen wurde, konnte der Reichspräsident trotz des gestern auf Antrag der Oppositionsparteien von einem Drittel des Reichstags angenommenen Aussetzungsantrages die Gesetze sofort in Kraft setzen, was inzwischen geschehen ist. Neue Steuervorschläge. vdz. Berlin, 14. März.(Funkspruch.) Der preußische Landtag führte am Donnerstag eine Aussprache über Steuervorlagen. Den Anlaß bildeten nicht nur Regierungsvorlagen auf Verlängerung der Realsteuern um ein weiteres Jahr. sondern auch Parteianträge, die zur Entlastung des gewerblichen Mittelstandes neue Steuerarten vorschlagen. Bei den Regierungsvorlagen ist bemerkenswert, daß in der Gewerbesteuer die Möglichkeit geschaffen werden soll, Verluste des abgelaufenen Jahres, soweit sie nachweisbar sind, im Wege des Vortrages vom Gewerbeertrag abzubuchen. Die Deutschnationalen fordern die Erhebung eines Verwaltungskostenbeitrages— eine Art kommunale Kopfsteuer— die Wirtschaftspartei wünscht an Stelle der Gewerbesteuer eine allgemeine Berufssteuer, die Deutsche Volkspartei hat beantragt, den Kommunen die Erbebung von Ankündigungssteuern zu untersagen. Finanzminister Dr. Hövker=Aschoff sagte, das Steuerprogramm der Reichsregierung sebe einen für Preußen erträglichen, wenn auch nicht erfreulichen Zustand vor. Es bestehe durchaus die Möglichkeit, daß sich Preußen und Bayern an einen Tisch setzen und über den§ 35 einigen, ebenso über die Verteilung der Biersteuer. Er stimme der Notwendigkeit einer Steuersenkung zu. die aber im Augenblick an dem Erfordernis der Etatbalanzierung scheitere. Indessen erhalte gerade die Landwirtschaft durch den Abbau der Rentenbankbelastung schon in diesem Jahre eine Steuersenkung. Die Vorlagen gingen an den Hauptausschuß. Am Freitag wird die zweite Beratung des Handelshaushalts fortgesetzt. Die Finanzsachverständigen der Reaierungsparteien. vdz. Berlin, 13. März.(Tel.) In der heutigen Besprechung der Finanzsachverständigen der Regierungsparteien im Reichstag nahm der Unterhändler der Deutschen Volkspartei. Abg. Dr. Cremer. die Mitteilungen über die Finanz= und Steuerwünsche der anderen Regierungsparteien entgegen. die ihm wie das BD Z.=Büro hört. nicht etwa schriftlich vorgelegt. sondern nur mündlich vorgetragen wurden Dr. Cremer stellte fest, daß ein festes Programm der anderen Parteien gar nicht vorliege, sondern daß die Steuerwünsche dieser Parteien untereinander immer noch Unterschiede zeigen und daß sich eine grundsätzliche Aenderung gegenüber dem bisherigen Regierungsprogramm dadurch ergeben habe, daß jetzt außer den Sozialdemokraten auch Zentrum und Bayrische Volkspartei auf eine Festlegung von Steuersenkungen verzichten wollen. Demgegenüber legte Dr. Cremer den bekannten Standpunkt seiner Fraktion dar. Dann wurde die eingehende Besprechung zum Finanzprogramm auf Freitag vertagt. Gaststättengesetz. Trinkschulden nicht einklagbar. vdz. Berlin, 13. März.(Tel.) Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstags führte am Donnerstag die zweite Lesung des Gaststättengesetzes zu Ende. Der Beschluß der ersten Lesung. der die Anpreisung von alkoholartigen Getränken in öffentlichen Verkehrsanstalten und Verkehrsmitteln verbot, wurde wieder gestrichen. Neu eingefügt wurde eine Bestimmung, wonach Forderungen eines Gast= oder Schankwirts auf den Ausschank von Branntwein künftig weder eingeklagt noch in sonstiger Weise geltend gemacht werden können, wenn sie Personen gestundet worden sind, die dem Gast= oder Schankwirt eine frühere Schuld gleicher Art noch nicht bezahlt haben. Dasselbe gilt für Forderungen aus der Abgabe von Branntwein im Kleinhandel. Als Stundung gilt Im übrigen wurden die Beschlüsse der ersten Lesung im wesentlichen bestätigt. Genehmigt wurde auch§ 28, der die besonders gelagerten bayrischen Verhältnisse betrifft, und zum Ausdruck bringt, daß auch künftig der Ausschank selbst erzeugier Getränke in Bayern ohne Erlaubnis statthaft ist. In der Schlußabstimmung wurde das Gaststätten= gesetz mit allen Stimmen gegen die der Kommunisten und des Abg. Sparrer angenommen. Ueber das Agrarprogramm. vdz. Berlin, 13. März(Tel.) Der Reichsernährungsminister Dietrich hatte am Donnerstag nachmittag wiederum eine Besprechung mit den landwirtschaftlichen Sachverständigen der Regierungsparteien über das durch die Forderungen der Grünen Front veranlaßte neue Agrarprogramm. Die Besprechungen haben noch nicht zu einer Einigung geführt.. W. 94. Sehr umstritten ist namentlich die Zoufruge. Die Regierung ersucht um ein Ermächtigungsgesetz, das ihr die Erhöhung der Getreidezölle bis zu bestimmten Beträgen ermöglicht. Die Bedenken dagegen sind besonders bei den Sozialdemokraten groß, weil geradezu prohibitiv wirkende Weizenzölle beabsichtigt sein sollen. Am Freitag vormittag werden sich Fraktionssitzungen mit dem Agrarprogramm beschäftigen. Die Stemächtekonferenz. wtb. London, 14. März.(Funkspruch.) Briand erklärte gestern den Vertretern der Presse, er habe durchaus die Absicht, die von ihm übernommene Aufgabe bis zum Ende durchzuführen. Freilich seien große Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zu verzeichnen. Er habe aber trotzdem die Ueberzeugung, daß ein greifbares und wirksames Ergebnis der Verhandlungen zu erzielen sei. Am Samstag wird Ministerpräsident Tardien wieder in London eintreffen. Auch von englischer Seite wurde erklärt, daß man nicht ganz und gar auf dem toten Punkt angelangt sei. Es seien Anzeichen dafür vorhanden, daß die augenblicklichen Schwierigkeiten im Abnehmen begriffen seien. MacDonald soll auf das Ergebnis der gestrigen Besprechungen hin größere Zuversicht bekundet haben. Nachgeben Italiens auf der Flottenkonferenz? wtb London, 14. März.(Funkspruch.) Daily Herald meldet, infolge der Bemühungen Mac Donalds habe der italienische Außenminister Grandi zu verstehen gegeben, daß er bereit sei, ein sehr wichtiges Zugeständnis zu machen, wenn es dadurch möglich sei, die Flottenkonferenz zu retten. Die Italiener seien anscheinend gewillt, so berichtet das Organ der Arbeiterpartei weiter, sofort einen Schieds= und Vergleichsvertrag mit Frankreich zu unterzeichnen und zugleich ihren Anspruch der Flottenparität mit Frankreich anzugleichen oder sogar aufzugeben. Man erwarte jetzt die Antwort Frankreichs. Schwierigkeiten auf der Zollwaffenstillstandskonserenz. so daß sie ins Krankenyaus gebracht werden mußten. Drei Verletzte wurden später wieder entlassen. Der Lieferwagen wurde stark, ein Straßenbahnwagen leicht beschädigt. wtb. Pegnitz, 13. März.(Tel.) Gestern nachmittag gegen 1 Uhr verunglückte in einer Wegbiegung zwischen Neudorf und Pegnitz das Auto des Besitzers der Astra=Werke, Gräfe, aus Pegnitz. Der achtjährige Sohn des Besitzers wurde auf der Stelle getötet, während die übrigen Insassen mit leichteren Verletzungen davonkamen. Das Auto wurde vollkommen zertrümmert. wtb.Berlin, 13. März.(Tel.) Direktor Brolat von der Berliner Verkehrs A.=G. wurde heute nachmittag bei einem Verkehrsunfall erheblich verletzt. Das Auto, in dem Direktor Brolat und Dr. Lademann von der Verkehrs A.=G. saßen, stieß in Lichtenberg in der Möllendorfstraße mit einer Zugmaschine zusammen. Das Auto wurde schwer beschädigt. Direktor Brolat erlitt einen Unterarmbruch und Schnittwunden, Dr. Lademann eine Oberschenkelkontusion und leichte Schnittwunden am Kopf. Die beiden Verletzten wurden zunächst in einer Rettungsstelle verbunden und dann in das Augusta=Viktoria=Krankenhaus in Rummelsburg eingeliefert. angebliche Brief des Düsseldorfer Mörders eine Fälschung. wtb Düsseldorf, 13. März.(Tel.) Der in Düsseldorf vor einiger Zeit von der kommunistischen „Freiheit" veröffentlichte Brief, der seinem Inhalt nach angeblich von dem Düsseldorfer Mörder herrührte, wurde einer amtlichen Prüfung unterzogen. Er stimmt mit den echten Mörderbriefen(Skizzen von Papendell) nicht überein. Wie bekannt, hatte das kommunistische Organ diesen Brief dem Berliner Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld zugeleitet, bei dem er von der Kriminalpolizei beschlagnahmt wurde. Prozeß gegen Schulz. enb. Berlin, 13. März.(Eig. Meldung.) Der Bauwächter Richard Schulz. der immer noch im Verdacht steht, im vorigen Jahre die 11jährige Hilde Zäpernick auf einem Neubau in Westend ermordet zu haben, hat sich heute vor dem Erweiterten Schöffengericht Berlin=Lichtenberg wegen Sittlichkeitsverbrechens zu verantworten. Zu der Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindet, sind mehrere psychiatrische Sachverständige geladen. Der Eröffnungsbeschluß wirft dem Angeklagten vor, daß er mit seiner jetzt 13jährigen Tochter Blutschande getrieben habe. Schulz hat an Tobsuchtsaufällen gelitten und dann auf der Straße die Passanten mit Erschießen bedroht. Er schlug seine Frau heftig in Gegenwart seiner Kinder und mißhandelte auch die Kinder. Drei Jahre Zuchthaus für Bauwächter Schulz. Das Schöffengericht verurteilte den Bauwächter Schulz wegen Blutschande und Sittlichkeitsverbrechens an seiner eigenen Tochter zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Schwerer Unfall an Bord eines Moldrschiffee. wtb. Genf. 14. März.(Funkspruch.) Die Einzelberatungen des französischen Vorschlags auf Stabilisierung der europäischen Handelsbeziehungen, die seit zwei Tagen von einem größeren Redaktionskomitee der Konferenz durchgeführt werden, sind gestern nachmittag auf ernste Schwierigkeiten gestoßen. Italien hat einen Antrag gestellt, der darauf hinausläuft, eine etwaige Erhöhung der ungebundenen Zölle nicht unter die Verpflichtung vorhergehender Verhandlungen zu stellen und auch das für diesen Fall vorgesehene Kündigungsrecht nicht gelten zu lassen. In der Praris könnten damit alle autonomen oder vertraglich nicht gebundenen Zollsätze auch während der Dauer der Konvention über die Stabilisierung der Handelsverträge ohne weiteres erhöht werden. Die Vertreter Deutschlands. Frankreichs und Italiens sind mit der Auffindung einer Kompromißformel beschäftigt, um diese neue Schwierigkeit, die die praktische Bedeutung des französischen Vorschlages stark herabsetzen würde, und deshalb als recht ernst bezeichnet wird. zu überwinden. wtb. Genf, 14. März.(Funkspruch.) Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt und der englische Handelsminister sind am Donnerstag hier eingetroffen, um an den Schlußverhandlungen der Konferenz zur Stabilisierung der europäischen Handelsbeziehungen teilzunehmen. Die Vollkonferenz ist auf Freitag vormittag zu einer Sitzung einberufen. in der eine längere Erklärung Grahams erwartet wird. wib Stolpmünde, 13. März.(Tel.) Auf dem Hamburger Motorschiff„Hedwig“ brach beim Hochheben des Ankers die Sperrklinke der Ankerspille. Der Anker sauste mit voller Kraft in die Tiefe und setzte die Kurbeln der Ankerwinde in rasende Umdrehungen. Von den Kurbeln wurden drei Mann der Besatzung getroffen. Dem Matrosen Garzke aus Stettin wurde der Schädel gespalten; er war auf der Stelle tot. Der Steuermann Klemer aus Stralsund erlitt eine schwere Kopfverletzung, der Matrose Emin aus Ueckermünde einen Oberarmbruch. Der Anker mußte gekappt werden. Garzke war verheiratet und Vater von 4 Kindern. Für die beiden anderen Verletzten besteht keine Lebensgefahr. Aufklärung eines Raubmordes. wib Schleiz, 13. März.(Tel.) Die Mörder der 60jährigen Arbeiterin Lina Trampler, die am Samstag auf dem Wege zwischen Canna und Hirschberg ermordet aufgefunden wurde, sind ermittelt und festgenommen worden. Es handelt sich um den 20jährigen Metalldreher Willi Radzimanowski und den 26jährigen Horst Petzold, die beide bei ihren Eltern in Schleiz wohnen. Die Täter, die es auf den Wochenlohn der Ermordeten abgesehen hatten, das Geld jedoch nicht fanden, haben bereits ein Geständnis abgelegt. Aus Nah und Fern. Studentenkrawalle in Warschau. wtb. Warschau, 13. März(Tel.) Im Anatomischen Institut der Warschauer Universität kam es gestern zu Zusammenstößen zwischen polnischen nationalistischen und jüdischen Studenten. Der Streit ging um eine prozentmäßige Beistellung jüdischer Leichen zu Sezierzwecken Der Leiter des Anatomischen Instituts hat die Anstalt geschlossen. Die polnischen Studenten, etwa 2000 an der Zahl, zogen hierauf geschlossen zur Universität, wo sie eine Protestversammlung abhielten. Sie trugen Tafeln mit judenfeindlichen Aufschriften. Unglücksfälle während einer Zirkusvorstellung. wtb Rom, 13. März.(Tel.) Der„Messaggero“ berichtet aus Genua, daß während einer Vorstellung im Zirkus Gleich sich zwei schwere Unglücksfälle ereigneten. Ein Trapezkünstler aus Wien stürzte aus 30 Meter Höhe ab und erlitt schwere Verletzungen. Am Ende der Vorstellung wurde ein Düsseldorfer, der sich aus einer Kanone 15 Meter hoch schießen ließ, beim Absturz ebenfalls verwundet. Neue Hochwassergefahr in Südfrankreich. wtb. Paris, 13. März.(Tel.) Die Garonne und der Tarn, sowie verschiedene Nebenflüsse sind weiter gestiegen und zum Teil bereits über die Ufer getreten. In einigen Fällen hat das Wasser ein Höhe von 6 bis 9 Metern erreicht. Man rechnet mit einem weiteren Steigen, da in dem Pyrenäengebiet starke Regenfälle niedergehen. Obgleich unmittelbare Gefahr nicht besteht, ist die Bevölkerung der Gefahrenzone gewarnt worden. Man hat bereits mit der Räumung der am Wasser liegenden Häuser der Ortschaft Agen begonnen. Güterzug entgleist im französischen Ueberschwemmungsgebiet. wtb Paris, 14. März.(Funkspruch.) Bei La Gusche in der Gegend von Bayonne entgleiste am Donnerstag ein Güterzug. Der Unfall, bei dem der Zugführer ertrank und der Heizer schwere Brandwunden erlitt, wird auf einen durch die Ueberschwemmung verursachten Dammrutsch zurückgeführt. 1000 Häuser durch Feuer zerstört wtb Newyork, 14. März.(Funkspruch.) Eine Feuersbrunst zerstörte im Singalong=Distrikt auf Manila 1000 Wohnhäuser. Etwa 50000 Menschen sind dadurch obdachlos geworden. Durch das Feuer kam eine Person ums Leben, zahlreiche Personen wurden verletzt. Mehrere Kinder werden vermißt. Rattselastendtenst Eurah Funesprauf. Der Hungermarsch nach Dresden Panzerwagen gegen die Demonstranten. wtb Dresden. 14. März.(Funkspruch.) Anläßlich des Hungermarsches nach Dresden, zu dem die kommunistische Presse aufgerufen hatte, kam es am Donnerstag nachmittag verschiedentlich zu Zusammenstößen mit der Polizei. Der Zuzug von auswärts war jedoch nicht so stark, wie von den Kommunisten erwartet worden war. In den Nachmittagsstunden kam es in der inneren Altstadt im Anschluß an kommunistische Versammlungen zu größeren Zusammenrottungen. Diese demonstrativen Ansammlungen sind ohne besondere Mühe, zum Teil unter Zuhilsenahme berittener Polizei und Rinsetzung eines Panzerwagens zerstreut worden. Verschiedentlich wurde die Polizei mit Steinen und Flaschen beworfen. Auch wurden einzelne Demonstranten mit Revolvern beobachtet und nach Vertreibung der Demonstranten ist auch Revolvermunition auf der Straße gefunden worden. Von den im Laufe des Donnerstags festgenommenen Demonstranten befanden sich um Mitternacht noch 125 in polizeilichem Gewahrsam, darunter 6 Ausländer und 37 Ortsfremde. Auto=Unglücksfälle. wtd. Köln, 13. März.(Tel.) In der Nähe der nur die Befristung der Zahlung über den Zeitpunkt Haltestelle Mauserhof stieß ein mit Arbeitern behinaus, in dem der Gast die Wirtschaft verläßt setzter Lieserwagen mit einem von Bensberg komAuf Forderungen aus dem Ausschank an zur Be= menden Kleinbahnzug zusammen. Acht Insassen herbergung ausgenommene Gäste und aus For- des Wagens wurden verletzt, darunter zwei schwer, Der deutschnationale Parteivorstand wird einberufen. enb. Berlin, 14. März.(Eigene Radiomeldung.) Der deutschnationale Parteivorsitzende, Geheimrat Hugenberg, hat, wie laut DAZ. von deutschnationaler Seite mitgeteilt wird, in der gestrigen Fraktionssitzung seinen Dank für Abwehrtätigkeit der Fraktion gegenüber dem Youngplan ausgesprochen. Er hat angekündigt, daß in Kürze der Parteivorstand einberufen wird. Wie verlautet, soll er auch zu dem Verhalten des Reichspräsidenten gegenüber den Younggesetzen Stellung nehmen. Das Atlantik=Luftmonopol. Der Lissaboner Vertrag unterzeichnet. enb. Berlin, 14. März.(Eigene Radiomeldung.) Der mehrfach erwähnte Vertrag über das voriugiesische Luftfahrtmonopol ist nach einer Meldung des B. T. aus Madrid gestern nachmittag in Lissavon unterzeichnet worden. Damit ist das Monopol der Landung auf den Azoren und Kapverdischen Inseln, das für den Transozeanluftverkehr so wichtig ist, für 30 Jahre an eine einzelne Gesellschaft vergeben, die unter französischem Einfluß steht Prälat Dr. Kaas beurlaubt. enb. Berlin, 14. März.(Eig. Radiomeldung.) Zu den alarmierenden Meldungen über den Gesundheitszustand des Prälaten Kaas teilt die Germania aus authentischer Quelle mit: Richtig ist, daß der Gesundheitszustand unseres Parteichefs sehr zu wünschen übrig läßt. Auf den dringenden Wunsch seiner Parteifreunde und auf Dringen seines Arztes hin hat nun Prälat Dr. Kaas einen längeren Urlaub angetreten. Während seines Urlaubs wird seine Vertretung durch den Abg. Joos geführt werden. Strafantrag im Scherlprozeßt. enb. Berlin, 14. März.(Funkspruch.) Im Prozeß gegen Bruno Scherl und Genossen beantragte der Staatsanwalt für Bruno Scherl die Freisprechung nach§ 51, für den ehemaligen Rechtsanwalt Wetzel 1 Jahr und 3 Monate Gesängnis und für Bruch 3 Monate Gesängnis. Deutsche Arbeiter bei französischen Befestigungs. arbeiten? enb. München, 14. März.(Funkspruch.) Im bayrischen Landtag ist von Abgeordneten der bayrischen Volkspartei eine Anfrage eingebracht worden, in der darauf hingewiesen wird, daß die große Arbeitslosigkeit in der Pialz besonders in den Grenzgebieten, die Bevölkerung zwinge, sich als Arbeiter zur Ausführung französischer Besestigungsarbeiten bei Lambach und in anderen französischen Orten auwerben zu lassen. Die Anfrage regt bei der Staatsregierung an, darauf hinzuwirken, daß notwendige Arbeiten für Reich, Länder und Gemeinden in der Pfalz in Angriff genommen und Mittel, besonders auch vom Grenzlandfonds des Reichs, baldigst flüssig gemacht werden. Die Haager Abkommen in der französischen Kammer wtb Paris, 14. März.(Funkspruch.) Ministerpräsident Tardieu wird am kommenden Donnerstag in der Kammer den Gesetzentwurf über die Haager Abkommen einbringen. Kommunistenverhaftungen in Kaschau. wtb Kaschau, 14. März.(Funkspruch.) Die Kaschauer Polizei nahm am Donnerstag mehrere Haussuchungen bei kommunistischen Führern vor. Es wurden fünf Privatwohnungen und der kommunistische Konsumverein durchsucht. Auf Grund des vorgefundenen Beweismaterials wurden vier Kommunisten verhaftet. Damit befindet sich das gesamte politische Büro in Haft. Liquidation der Vergangenheit in Spanien. wtb. Madrid, 14. März.(Funkspruch.) Der König hat ein Dekret unterzeichnet, durch das die besonderen Befugnisse der früheren Regierung hinsichtlich der Verhängung von Geldstrafen. Entlassung von Beamten usw. aufgehoben werden. Ein zweites Dekret bestimmt, unter welchen Bedingungen Personen, die ihre Rechte durch die frühere Diktaturregierung verletzt glauben. ihre Entschädigungsansprüche geltend machen können Neue Hochwassergefahr in Spanien. wtb. Carcassonne, 14. März.(Funkspruch.) Infolge der seit drei Tagen ununterbrochen anhaltenden Regengüsse ist die Aude um 4 Meter gestiegen. Es besteht keine unmittelbare Gefahr. Die Nebenflüsse der Aude sind jedoch bereits über ihre Ufer getreten und die an ihnen entlangführenden Straßen sind überschwemmt. Runtius Orsenige beim Papst. wib. Stadt des Vatikans, 14 März.(Funkspr.) Der Papst empfing gestern in besonderer Audienz den Nuntius in Berlin. Msar. Orsenigo, den ehemaligen Nuntius in Budapest, der demnächst nach Berlin abreisen wird, um sein Amt zu übernehmen. Der Papst empfing ferner den Kardinal Frühwirih. Landiren Zseriect Amt Westhosen ! Westhofen. Immer wieder srevler. Trotzdem von allen Stellen die Weidenkätzchen dem besonderen Schutze der Bevölkerung empfohlen werden, kommen noch dauernd Personen aus den benachbarten Stadten, die den Diebstahl von Weidenkätzchen en gros betreiben. Am Mittwochnachmittage konnte der hiesige Flurhüter in den Waldungen auf dem Ebberg wiederum zwei Frauenspersonen stellen, die sich gerade mit sechs großen Bündeln Weidenkätzchen entfernen wollten. Dieselben gaben bei ihrer Vernehmung zu, daß sie gewerbsmäßig den Forstdiebstahl betrieben und deswegen auch schon in Hagen bestraft worden seien. ! Westhofen. Die Arbeiten am Bahnhof Hengstey==See nehmen guten Fortgang. Die Bahnsteige sind schon bald fertiggestellt. Wie jetzt bekannt wird, soll die Haltestelle am 15. Mai in Benutzung genommen werden. 1 Westhofen. Verkehrszählung. Am gestrigen Tage fand von morgens 6 Uhr bis abends 9 Uhr an den Straßenkreuzungen im hiesigen Amtsbezirk eine Verkehrszählung statt. Die Zählung wurde auf Veranlassung des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk vorgenommen und dient als Unterlage für den Ausbau des Straßennetzes. 1 Westhofen. Späte Sühne. Es dürfte noch in allseitiger Erinnerung sein, daß im Juni v. Is. in einer hiesigen Wirtschaft eine große Schlägerei stattsand. Als Veranstalter derselben kamen einige Personen aus HagenEilpe in Frage. Im Laufe der Schlägerei hatteeine Person von hier sehr schwere Verletzungen vavon getragen. Am Mittwochmorgen fand in vieser Angelegenheit in Hagen am Landgericht Termin statt. Das Gericht verurteilte den wegen Körperverletzung schon vorbestraften Fritz Sch. zu einem Monat Gefängnis und Hans Sch. zu einer Geldstrafe von 60 Mark. ! Westhofen. Die Zahlen der Erwerbslosen im Amte Westhofen betrugen am Stichtage: 221(291) Hauptunterstützungsempfänger, 8(14) weibliche, mit zusammen 192 (293) Familienzuschlagsempfängern. In der Krisenfürsorge befanden sich 22(18) mit 25(21) Zuschlagsempfängern. Außerdem waren 19 (29) Erwerbslose mit 49(88) Zuschlagsempfängern vorhanden, die aus Wohlfahrtsmitteln unterstützt wurden. Die eingeklamerten Zahlen geben den Stand des Vormonats an. ! Westhofen. Parken an Straßentreuzungen verboten. Die Ecke Hochstraße Amtsstraße wurde dauernd von Kraftwagenführern als Parkplatz benutzt. Da dieses eine große Gefahr für den dort regen Kraftwagenverkehr bildete, ließ die Polizeiverwaltung nunmehr ein Verkehrsschild„Parken verboten“ dort anbringen. 1 Westhofen. Wochenmarkt. Das nasse Schuerwetter und der aufgeweichte Boden des Marktplatzes gaben dem Wochenmarktbild ein unfreundliches Gepräge. Obschon die Händler reiche Warenvorräte angefahren hatten, konnte bei den Hausfrauen keine rechte Kauflust aufkommen. Auch zwingt die in vielen Familien herrschende Erwerbslosigkeit dazu, mit dem Haushaltungsgeld äußerst sparsam umzugehen. Nur in Gemüse und Fischen(weil sie billiger sind als Fleisch) waren die Umsätze einigermaßen. Die Preise bewegten sich in den ortsüblichen(ven aus Sildt und Land Der Preußische Landkreistag hat eine Erhebung über die finanzielle Auswirkung der direkten Kreissteuer veranstaltet. In den Nr. 3 und 4 der„Zeitschrift für Selbstverwaltung“ ist ein Artikel erschienen„Die direkte Kreissteuer in den preußischen Landkreisen und ihre finanzielle Auswirkung". Der Artikel enthält eine Reihe interessanter Tabellen, in denen zum ersten Male festgestellt wird, wie hoch die Grundbeträge der einzelnen Maßstabssteuern sind und wie sie sich auf das platte Land und die kreisangehörigen Städte verteilen. Die ganze Berechnung ist abgestellt auf das Jahr 1928, wo der Gesamtbetrag der Kreissteuer aller Kreise 145 Millionen betrug. 6 rheinische Kreise erheben überhaupt keine Kreissteuer. Der Durchschnitt der Hundertsätze, in denen die Kreissteuer zu den Ueberweisungen erhoben wird, liegt bei 40,7 Prozent. Den niedrigsten Satz hat die Rheinprovinz mit 19,1, den höchsten Pommern mit 56,3. Bei der Grundvermögenssteuer beträgt der Durchschnitt 58,32, am niederigsten in der Rheinprovinz mit 29,2, am höchsten Ostpreußen mit 107,3. Bei einem durchschnittlichen Gewerbesteuersatz von 57,55 hat die Rheinprovinz mit 29.0 den niedrigsten, Ostpreußen mit 103,6 den höchsten Satz. Die Grundbeträge der Ueberweisungen und Realsteuern verteilen sich auf das platte Land und die kreisangehörigen Städte wie folgt: Kreissteuer 160 Mill., davon auf dem platten Lande 60 Prozent; Körperschaftssteuer 28,7 Mill., davon auf dem platten Lande 60,8 Prozent; Grundvermögenssteuer 123,6 Mill., davon auf dem platten Lande 77,5 Prozent. Getverbesteuer 25.4 Mill., davon auf dem platten Lande 50,7 Prozent. Die Tabellen sind das Resultat einer außerordentlich exakten und fleißigen Arbeit. Sie zeigen neben dem Gesamtdurchschnitt für Preußen die absoluten Beträge und den Anteil des platten Landes für die Landkreise der einzelnen Provinzen und Regierungsbezirke. Von den Grundbeträgen sämtlicher Maßstabssteuern liegen 65,7 Prozent auf dem platten Lande. Das platte Land deckt von der Kreissteuer 69,9 Prozent, wird also stärker herangezogen als die kreisangehörigen Städte. Denn die Tabellen zeigen, daß im Landesdurchschnitt in Preußen von 100.— Mk. Maßstabssteuersoll auf dem platten Lande 45,5 RMk., in den kreisangehörigen Städten nur 37,6 RMk. als Kreissteuer erhoben werden. Die kreisangehörigen Städte zahlen also nur 82,6 Prozent von dem, was das platte Land aufzubringen hat. Die Kreissteuer mit 145 Mill. bildet nur 41 Prozent der Gesamteinnahmen der Landkreise. Im Jahre 1928 betrug die Kreissteuer 145 Mill. und deckte 41 Prozent der Gesamteinnahmen der Kreise, im Jahre 1913 betrug sie 86 Mill. und deckte 77 Prozent der Gesamteinnahmen. Diese Zahlen zeigen in aller Deutlichkeit, daß die Kreise steuerlich verselbständigt sind gegenüber 1913. Sie greifen nicht mehr in dem Maße auf die kreisangehörigen Gemeinwesen zurück, wie es noch 1913 der Fall war. Das praktische Misch=ABE. Die Milch spielt im Haushalt nicht nur eine Rolle als vollwertiges Nahrungsmittel, sie ist auch ein wichtiger Faktor für Reinigungsarbeiten aller Art. So ist frische rohe Milch eine vorzügliche Möbelpolitur. Sie darf, um keine Flecken zu hinterlassen, kein Fett absondern noch säuern, wird mit einem weichen Tuch aufgetragen und gleich trockengerieben. Zum Reinigen von weißlackierten Türen, Feusterbrettern und Fußleisten verwendet man erfolgreich eine Mischung aus pulverisierter Schlemmkreide und Milch; dünn auftragen und gut nachreiben. Nachdem Wachstuch mit lauwarmem reinen Wasser gewaschen ist, verleihen einige Löffel Milch mit einem Flanell=Lappen verrieben wieder den alten Glanz. Zur Pflege des Linoleums gehört, dieses alle 3 bis 4 Wochen vor dem Einwachsen mit einer gleichteiligen Mischung von Milch und Wasser aufzuwaschen. Lackschuhe und Taschen werden mit roher Milch gereinigt; tüchtig einreiben und mit weichem Tuch unverzüglich nachpolieren. Auch eine Anzahl Flecke weichen durch die Behandlung mit Milch. So weiß jede Hausfrau, daß frische Tintenflecke in Milch zu weichen sind. Obstflecke werden in einer Mischung von saurer Milch und Seifenwasser, dem man wenig Borax zusetzt, gewaschen. Feine Wäsche, die Stockflecke ausweist, wird in Buttermilch geweicht und danach in lauwarmem Wasser gespült. Auch bei gelbgewordener Wäsche wirkt Buttermilch bleichend. Weißlederne Gürtel werden auf ein weißes Tuch gelegt und mit einer Mischung aus geschlagenem Eiweiß und Milch abgerieben. Ist Butter alt geworden, wäscht man sie mit Milch aus und knetet mit etwas Streuzucker und Salz durch. Sie wird durch dieses Verfahren wieder schmackhaft. Harter Käse wird wieder genießbar, wenn man ihn einige Stunden in frische Milch legt. Eine verbessernde Eigenschaft zeigt Milch bei versalzenem Fleisch und Fisch. Ein Milchbad von 1 bis 2 Stunden entzieht das Salz ohne Schädigung des Geschmackes. Leber schmeckt feiner, wenn sie einige Stunden in Milch gelegt wird. Einen einfachen Gläserverschluß bildet Seidenpapier, das durch rohe Milch gezogen, abläuft und fest über die Glasöffnung gedrückt wird. Nach kurzer Zeit ist das Papier stramm und fest und schließt das Glas luftdicht ab. unn den Erdball Drei Wochen lebendig begraben. In der Kirche von Wetherby in Yorkshire war es schon seit einiger Zeit nicht ganz geheuer Spielende Kinder wollten aus dem Gewölbe des Gotteshauses dumpfes Stöhnen gehört haben, aber man maß ihren Berichten zunächst keinen Glauben bei. Als jedoch kürzlich ein an der Zentralheizung beschäftigter Arbeiter Aehnliches meldete, wurde eine genauere Untersuchung vorgenommen. Dabei stieß man im Grabgewölbe der Kirche auf den bewußtlos daliegenden, in einen Teppich eingehüllten Körper eines verwahrlosten alten Mannes. Sorgfältige Pflege brachte den Unglücklichen bald wieder soweit zu Kräften, daß er über sein Schicksal berichten konnte. Es handelte sich um einen stellungslosen Kaufmann, der sich am Silvesterabend in die Kirche geschlichen hatte, um nahe der Zentralheizung ein warmes Plätzchen zu finden. In dem unterirdischen Gewölbe war er eingeschlafen und hatte beim Erwachen den Ausgang verschlossen gefunden. Er verbrachte dann meist schlafend oder völlig bewußtlos mehr als drei Wochen in seinem Gefängnis. Einige aus der Heizungsanlage rinnende Tropfen Wasser war das Einzige, was er über die Lippen brachte. Rätselhaft bleibt noch, worauf das zu seiner Rettung führende Geräusch zurückzuführen ist. Wie der„Auferstandene“ versichert, war er außerstande, um Hilfe zu rufen. Das Abenteuer in dem Grabgewölbe hat nun mitleidige Seelen auf den alten Herrn aufmerksam gemacht und ihm einen gesicherten Lebensabend eingetragen. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. 90 22 8 In 31 Schaufenstern zeigen wir nun das Schönste, was die Mode bringt. 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Weitere Tätigkeit des Vereins und Bestimmung über die künftige Form der Einladungen. 3. Ersatzwahlen. 4. Verschiedenes. Dortmund, den 12. März 1930. 1029 Die Direktion: Dr. Kötting. Kaffee preiswert * und gut Tee A. Jakob- Dammhorst Landesprodukte Schwerte=Ruhr amBahnhof Teleson 2937 Empfehle prima Gerstenmehl, Roggenschrot, Weizenkleie, Weizenkeime, Richmahl. Bedeulende modische Veränderungen Frühjahr-Sommer 1930 Unterrichten Sie sich rechtzeitig durch Bd. Damenkleidung 1,90M mit grohem Schniftbogen ce. 200 pröchtigen Modellen Bd. II Kinderkleidung 1, 20 M in Schwerte haben bei E. Braug, Bahndotstraße 3. Nr. 62(Zweites Blatt) Schwerter Feitung Freitag, 14. Marz 1930 Behn Hahlo=Cunensten Zehn Jahre sind in diesen Tagen seit der Volksabstimmung in Nordschleswig vergangen. Am 10. Februar 1920 fand die Abstimmung in der ersten, am 14. März 1920 in der zweiten schleswigschen Zone statt. Mit den Landsleuten in Nord= und Südschleswig gedenkt ganz Deutschland der auswühlenden Ereignisse vor zehn Jahren und beklagt mit ihnen das Schicksal der deutschen Bevölkerung, die in Umkehrung des Selbstbestimmungsrechtes einer fremden Gebietshoheit unterworfen wurde. Versetzen wir uns in jene Tage zurück: Deutschland war macht= und waffenlos, umgeben von einer Welt von Feinden, geächtet und mit dem abgepreßten Bekenntnis der Alleinschuld am Weltkriege belastet. Dänemark dagegen stand frisch und blühend da und bot alle Lockungen eines unzerstörten und reichen Gemeinwesens. Landauf, landab wurden diese Verhältnisse und Dinge von den dänischen Wanderrednern ausgenutzt. Deutschland und das deutsche Volk waren in der denkbar ungünstigsten Lage, und es konnte nicht ausbleiben, daß mancher deutscher Mann schwankend wurde. Als weiteres ungünstiges Moment kam hinzu, daß kraft eines Machtspruches der Entente in der ersten Zone nicht nach Gemeinden, sondern en bloc abgestimmt werden sollte. Der Erfolg dieser Maßnahmen und Stimmungsmomente zeigte sich am 10. Februar. Die en bloc=Abstimmung brachte eine dänische Mehrheit. Die jahrelange Wühl= und Werbearbeit des dänischen Agitators H. P. Hanssen hatte ihre Früchte getragen. Viele Deuesche waren am Vaterlande verzweifelt. Anderen, die erst nach dem Jahre 1900 in Nordschleswig ansässig geworden waren, hatte man das Stimmungsrecht verweigert. Durch Dänemark und die Länder des Feindbundes ging ein Schre des Jubels. Man glaubte nun keine Rücksicht mehr nötig zu haben und sprach die ganze erste Zone Dänemark zu, ohne zu beachten, daß die Gemeinden im Südteil der ersten Zone deutsche Mehrheiten aufwiesen. So kamen das fast rein deutsche Tondern, Hoyer, Hadersleben und Alpenrade ebenso wie Sonderburg und Tingleff an den nördlichen Nachbarn. Hier wurde deutlich, daß der Lauf der Grenze schon vor der Abstimmung festgelegt war. Der deutsche Protest wurde nicht beachtet. Die Dänen wurden dreist und forderten in jenen Tagen ganz Schleswig von der Königsau bis zur Eider, unbekümmert um alles historische Recht. Aber es kam der 14. März. Die Abstimmung in der zweiten Zone brachte den Dänen eine große Enttäuschung und dem Deutschtum einen wohlverdienten Sieg. Hier zogen die dänischen Versprechungen nicht, denn hier war das Deutschtum ganz anders verwurzelt, und die Liebe zur alten Heimat und Bluts= und Volksgemeinschaft vorherrschend. Der deutsche Sieg war überwältigend. Die Dänen brachten nicht einmal ein Drittel aller abgegebenen Stimmen und selbst in Flensburg, auf das sie große Hoffnungen gesetzt hatten, nur etwa 9000 Stimmen auf. Das Bild war hier ein gänzlich anderes, weil in der zweiten Zone nicht en bloc, sondern nach Gemeinden abgestimmt wurde. Unter diesen Umständen gab es überhaupt nur in zwei kleinen Dörfern auf der Insel Föhr dänische Mehrheiten. Das Deutschtum in Schleswig=Holstein hat die Ungerechtigkeit des Abstimmungsverfahrens, die Willtür der Zoneneinteilung und die Umkehrung des Selbstbestimmungsrech tes bei der Verschacherung des nördlichen Schleswig an Dänemark nie verbunden, es sieht in der Zuteilung ein Diktat und hat nie aufgehört, dagegen zu protestieren. Die Sprachgrenzen waren ganz deutlich erkennbar. Die deutschsprachigen Gebietsteile durften nicht abgetreten werden. Dänemark aber hat an dem Landgewinn und der neugewonnenen Bevölkerung nicht viel Freude gehabt. Die Folgen der Abtrennung waren katastrophal. Es zeigte sich sehr bald, daß man ein Gebiet auseinandergerissen hatte, das durch tausend wirtscha und kulturelle Fäden ineinander verflochten war. Wohl hat der dänische Staat bis zum 1927 fast eine halbe Milliarde Kronen in das Land hineingesteckt, er hat auch sonst viel soziale Aufwendungen gemacht und die Kriegsschäden zu mildern gesucht, aber er hat der nordschleswigschen Bevölkerung keine ausreichenden Er werbsmöglichkeiten zu bieten vermocht. So kam denn eine Krise nach der andern. Konkurse, Zwangsversteigerungen in Stadt und Land wurden die Regel. Die Arbeitslosigkeit nahm eine gewaltige Ausdehnung an, und die Notlage wurde allgemein. Dänische und deutsche Bauern fanden sich angesichts dieser Notlage zusammen und griffen zur Diese Erschütterungen des Wirtschaftslebens werden sich immer wieder von Zeit zu Zeit wiederholen, weil man eine künstliche Grenze geschafft hat. Um ihr Volkstum und ihre Kultur führt die deutsche Minderheit einen schweren Kampf. Der dänische Staat sucht sie planmäßig zurückzudrängen und zu vermindern. Er will sie bei ihrem wichtigsten Fundament, dem Boden, treffen und hat auch Erfolge erzielt. Das Deutschtum ist nach dieser Richtung in der Abwehr. Aber rein kulturell schreitet es vor und kämpft einen zähen Kampf um die deutsche Schule, vor allem um die private, nachdem die öffentliche größtenteils aufgelöst ist. In diesem kulturellen Wettstreit sind alle Aussichten auf deutscher Seite. Der Von Dr. E Die letzten Bewegungen unter den Völkern Osteuropas hat sich in den letzten Monaten seit längerer Pause wieder erheblich verstärkt. Die Unruhe steigt in einem Maße, daß sich auch die Augen weiterer Kreise der europäischen Oeffen lichkeit auf sich zu ziehen geeignet ist. Nun haben zwar die Beratungen London in den letzten Wochen das politische In teresse vorwiegend beansprucht. Es ist aber doch nicht unwichtig, Entwicklungen im Auge zu behalten, die sich im Osten vorbereiten und geeignet sind, eines Tages die gesamte europäische und damit auch die deutsche Lage von Grund auf umzugestalten. Schon heben sich, genauer als bisher erkennbar, verschiedene Unruheherde heraus, die nordpolnische Zone von Wilna bis Bromberg, die Alpenländer, Albanien, ganz zu schweigen von den im Westen, an der Schnittfläche deutsch=französischen und französisch=italie nischen Volkstums liegenden. Von einem weiteren derartigen Unruherd, heute noch im Schatten europäischen Interesses, aber sich doch immer stärker geltend machend, von dem Erwachen der Karpathenoölker, soll hier gesprochen werden. Wer die Dinge in den letzten Jahren aufmerksam beobachtete, konnte freilich bereits in dieser Zeit feststellen, wie stark die nationale Energie der dort um ihr Dasein ringenden Volksgruppen geworden war. Die ukrainische Aufstandsbewegung in Ostgalizien, der ganz Europa aufmerken lassende Tukaprozeß in Preßburg, die innerpolitischen Kämpfe in Rumänien, alle diese Geschehnisse bildeten Anzeichen dafür. xner=Reval. Karpathenvölker. Man ist nicht gewöhnt, sie als eine Einheit aufzufassen, obwohl die Tatsache, daß fast alle diese Völker jahrhundertelang dem gleichen Herrschaftsverband angehörten, hier zu denken geben sollte. In Wahrheit bilden sich alle, die den Karpathenbogen Preßburg bis Orsova bewohnen, eine geopoli tische Einheit stärtster Art. Alle diese wenig bekannten Völker— Slowaken, Kleintolen, Ruthenen aller Art, Szekler u. a.— haben im Laufe der historischen und natürlichen Entwicklung eine ausgeprägt der Landwirtschaft angeglichene Form angenommen, die sie bei aller völkischen und rassischen Verschiedenheit stark aneinander bindet. Es ist ein Hauptkennzeichen der Pariser Vorverträge, daß sie geo= und wirtschaftspolitische Zusammenhänge aufs schärfste zugunsten eines zum Teil bewußt gefälschten Selbstbestimmungsrechts vernachlässigten. Der Karpathenbogen und die ihn bewohnende Völkergruppe wurden rücksichtslos auseinandergerissen und den drei neu entstehenden Staaten Polen, der Tschechoslowakei und Rumänen zugeteilt. Die Tschechoslowakei gewann die Slowakei und Karpatho=Ruthenien, Polen Galizien und Rumänien die Bukowina sowie den ganzen südkarpathischen Bogen mit Siebenbürgen. Ganz natürlich mußten gewisse Spannungen entstehen. Es zeigte sich aber dabei immer mehr, daß es sich hier um mehr, um den Kampf ganzer Völker handelte. Die„Herrenvölker“ gewöhnten sich recht rasch au ihre bevorzugte Stellung, die„zurückgebliebenen Karpathenvölker" als Kolonien, als Eigentum zu betrachten, in dem sich jeder nach besten Kräften bereichern durste. Die Folgen zeigten sich nur zu bald. Ostgalizien ist aus dem Zustand offenen oder verdeckten Bürgerkrieges nicht herausgekommen, die Studentenunruhen, Ukrainerprogrome und Massenprozesse der polnischen Justiz reden eine deutliche Sprache. In der Tschechoslowakei hat erst vor wenigen Monaten der Prozeß gegen den Slowakenführer Tuka, Aufsehen weit über die Grenzen des Landes erregt. Wie erinnerlich, wurde Tuta, dem hochverräterische Bestrebungen vorgeworfen wurden, zu mehreren Jahren schweren Kerkers verurteilt. Doch ist damit der Widerstand gegen die tschechische Willkürherrschaft in keiner Weise erledigt. Während hier die unterdrückten Völker noch um die primitivsten Grundrechte kämpfen müssen, ist die Bewegung in Rumänien bereits weiter vorgeschritten. Hier gelang es den Führern des neugewonnenen Rumänentums Siebenbürgen, wichtige Machtpositionen an sich zu reißen. Freilich auch hier warten die Minderheiten auf die Erfüllung der ihnen 1918 gegebenen Versprechungen, auch heute noch wird das ukrainische Volkstum Bessarabiens und der Bukowina unterdrückt. Wir sehen also, daß in den Karpathenstaaten überall dieselben Probleme drängen, dieselben Fragen zu lösen sind. Ueberall dort ist ein gemeinsames Unterdrückungsgesühl im Entstehen, das sich heute bereits in der Zusammenarbeit ängstlich gestellter Gruppen auswirkt. Die Verbindungslinien, in der Tschechoslowakei zwischen Slowaken und Karpathoruthenen, wurden bereits angedeutet. In Polen ist die Verbindung der ostgalizischen Ukrainer mit den Weißrussen und Litauern dieses Staates bereits eine vollzogene Tatsache. In Rumänien sind die Verhältnisse innerhalb der einzelnen Minderheitsgruppen noch recht ungeklärt. Daneben aber macht sich noch eine andere Bewegung innerhalb aller Karpathenstaaten bemerkbar, die über die Grenzen des einzelnen Staates hinausgreift und zur Bedrohung seines Gefüges wird: Die gesamtukrainische Bewegung. Immer mehr erkennt man in Europa, daß zu den Besiegten des Weltkrieges nicht nur Deutsche, Ungarn und Bulgaren, sondern auch noch andere Völker gehören, zu denen man vor allem die Ukrainer zählen muß. Man kann heute bereits festellen, daß der Versuch, ein lebensfähiges Vierzig=Millionenvolk unter den anliegenden Staaten— Sowjetrußland, Polen, die Tschechuslowakei und Rumänien— aufzuteilen, mißglückt ist. Im Gegenteil: In Polen, wo man die Unterdrückungspolitik am schärfsten durchführte, war dies der Grund zu einer Reihe gefährlichster Staatskrisen. Heute bereits ist ein allukrainisches Nationalgefühl im Entstehen, das sich über kurz oder lang auch äußerlich durchsetzen wird. Alle die rings um die Karpathen gelegenen Teile des ukrainischen Volksbodens— Karpathoruthenen, Ostgalizien, Bessarabien und die Bukowina— werden sich in dem gleichen Streben nach Freiheit und Zusammenschluß zueinander finden, je mehr sie sich als eine geographische Einheit erkennen und empfinden. Und hier liegt die Linie, in der Zu seinem 100. Geburtstage am 15. März 1930. Von Dr. Karl Brandes. Seit Goethe ist kein deutscher Dichter zu seinen Lebzeiten so sehr mit höchsten Ehrungen bedacht worden, wie der 1884 mit dem Schillerpreis, 1911 mit dem Nobelpreise, ausgezeichnete Paul Heyse. Aber auch wenigen Künstlern war das Schicksal in solchem Maße zugetan. Ja, man kann sagen, daß dem Dichter zweifellos nicht diese Höhe beschieden gewesen wäre, hätte er wie z. B. Friedrich Hebbel mit den Widerwärtigkeiten des Lebens kämpfen müssen. Schon die Atmosphäre des Elternhauses war ganz dazu angetan, dem heranwachsenden Genius förderlich zu sein.„Wenn ich die Elemente prüfe", sagt Paul Heyse,„aus denen meine westöstliche Natur zusammengesetzt ist, finde ich an mir die alte Erfahrung bestätigt, daß uns die Charakteranlage vererbt zu werden pflegt.“ Sein Großvater war der Verfasser des bekannten Fremdwörterbuches, sein Vater wirkte als Professor an der Universität Berlin, seine Mutter— eine Jüdin— stammte aus der Verwandtschaft der berühmten Familie Mendelssohn. Dem sorgfältig erzogenen, von allen Seiten verhätschelten, mit glänzenden Gaben ausgestatteten Jüngling war es vergönnt, mit Liszt und Torwaldsen, Böcklin und Scheffel in Verkehr zu treten. Ein Stipendium der preußischen Regierung ermöglichte ihm eine Reise nach Italien. Der Vierundzwanzigjährige hatte das Glück, auf Grund der Fürsprache seines Freundes Emanuel Geibel vom Bayernkönig Max dem Zweiten nach München berufen zu den, wo er sich dank dem Ehrengehalt von 1000, später 1500 Gulden ganz seiner Dichtkunst widmen konnte, ohne durch irgendwelche Amtspflichten belastet zu sein. Seitdem wohnte Paul Heyse abwechselnd in der bayerischen Hauptstadt und am Gardasee. In München lebte der Dichter in den gleichen Sphären wie einst der Götterliebling Goethe in Weimar. In den Symposien fand ein zwangloser Verkehr mit dem König statt. Um Paul Heyse gruppierte sich das ganze geistige Leben der Residenz. Zu seinen Freunden gehörte auch Franz von Leubach, dem wir jenes wundervolle Gemälde des Dichters verdanken. Ein schönes, schwärmerisches, fast frauenhaft weiches Künstlerantlitz strahlt uns daraus ent gegen. Eine treffende Charakteristik des Dich ters, von dessen Novellen Bismarck damals sagte, sie seien„nicht für Männer geschrieben. Wir Heutigen, die wir durch das Stahlgewitter des Großen Krieges gegangen sind, müssen dem eisernen Kanzler Recht geben. Zu kraß ist der Gegensatz unseres Alltags, zu der nur von Liebeslust und=leid regierten Mär chenwelt, die der Dichter schuf. Alles Häßliche ist daraus verbannt. Besonders seinen drama tischen Schöpfungen hat die Neigung Paul Heyses, die ruhige Vornehmheit seines eigenen Wesens auf seine Gestalten zu übertragen, sehr zum Schaden gereicht. Wer sich aber in bewußter Abkehr von der rauhen Wirklichkeit in die heitere Poesie Heysescher Novellen versenkt, der findet ungetrübten Genuß an der Formvollendung und dem Wohllaut der an den besten Werken der Weltliteratur herangebildeten künstlichen Sprache, an der Buntheit und schillernden Mannigfaltigkeit der Bilder: an den altertümlichen, von Romantik umwitterten deutschen Städtchen, durch deren winklige Gäßchen ein fröhliches Völkchen mit Trommel= und Pfeifenklang marschiert; an dem ausgelassenen Treiben der Münchener Boheme; an denen schöne schwermütige Frauen wan deln. Und sie alle, Männlein und Weiblein, folgen willig dem Gängelband der Liebe; wundervolle Frauengestalten sind dem Dichter gelungen und unter ihnen kehrt besonders die den jüngeren Mann liebende Frau wieder, daneben das wilde Mädchen, dem eine unglückliche Liebe frühes Leid bringt. Das Glück, das dem Dichter Zeit seines Lebens hold blieb, hat ihn nicht zu einem müßigen Genießer gemacht. Auf jedem Gebiete künstlerischen Schaffens ist er unablässig tätig gewesen. Als um die Jahrhundertwende sein Kampf mit den Stürmern und Drängern des Impressionismus und Naturalismus verebbt war und die Revolutionäre keine ihrer mit Posaunenton verkündeten Verheißungen in die Tat umzusetzen vermocht hatten, galt Paul Heyse unbestritten als der feinste und reifste Formkünstler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Neben seinen Dramen, Liedern und Erzählungen hat er auf seinem eigensten Gebiete, der Prosanovelle, etwa 120 Werte geschaffen. Es war ein an edlem Lebensgenuß aber auch an künstlerischer Tätigkeit reiches Leben, dem der Tod 1914 ein Ziel setzte. Und wenn wir auch die Heyseschwärmerei des dritten Kaiserreiches nicht mehr ganz teilen, so gilt doch auch diesem Dichter das Wort:„Wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten. und Wirtschaft ha. Der Geldumlauf wächst weiter aber langsamer. Der deutsche Geldumlauf hat sich 1929 weiter erhöht. Im Durchschnitt von 1928 mit 5843,0 Millionen M ist er auf 5965,0 Millionen gestiegen. Ende 1928 hatte er 6590,5 Millionen betragen, Ende 1929 dagegen 6601,0 Millionen. Die Zunhme hat sich aber im vorigen Jahre beträchtlich verlangsamt. Von Jahresdurchschnitt gerechnet betrug die jährliche Zunahme des Gel## umlaufs 1925 nicht weniger als 1200,8 Millioneu, in den drei folgenden Jahren 442,2, 541,4 und 391,5 Milionen, 1929 aber nur noch 122 Millionen. Die Versorgung mit Zahlungsmit tel hat den Grad der Sättigung annähernd erreicht. Auch hat die Zunahme der Erwerbslosig keit die Einnahmen und die Verbrauchsausgaben vermindert und dadurch ebenso wie im Jahre 1926 die Zunahme des Geldumlaufs gehemmt. Im einzelnen ist der Anteil der Reichsbanknoten mit der geringeren Tilgung der Rentenbankscheine nur geringfügig erhöht worden. Der Anteil der Scheidemünzen ist im Jahresdurchschnitt wieder auf etwas über 16 Prozent angewachsen. ha Die Reichseinahmen entsprechen den neuen Schätzungen. Die Einnahmen des Reiches haben in den ersten zehn Monaten des laufenden Rechnungsjahres bis Ende Januar ungefähr den neuen Schätzungen entsprochen, die dem Nachtragshaushalt zugrunde liegen. Sie betragen 7901 Millionen Mark. Im Januar hat der Kapital= ertrag wegen des Zinstermines vom 1. Januar 23 Millionen. mehr gebracht als im Dezember. Sonst sind die Abweichungen bei den Steuern unerheblich. Die Verminderung der Lohnsteuer um 6,1 Millionen erklärt sich aus Erstattungen mit 12,8 Millionen. Bei den Verbrauchsabgaben hat der Tabak 7,7 Millionen weniger gebracht, das Bier 2,8, Zucker 0,7. Fast gleich blieb der Ertrag des Spiritusmonopols mit 20,2 Millionen. Gegen das Vorjahr ist er aber wieder um 8,4 Millionen zurückgeblieben. Dabei wurde die Abgabe auf Branntwein von 330 auf 400 Mark erhöht. Höchste Zeit. Das Brautpaar stand vor dem Altar, und es verlief alles vorschriftsmäßig, bis der Bräutigam den Ring anstecken sollte. Er suchte ihn vergeblich in seiner Westentasche, und als er diese herauszog, fand sich in ihr ein groß Loch. Der Ring mußte also herausgefallen sein, und der Geistliche gab dem angehenden, Ehe mann, der bergebens ucht:;, nagh, Der junge Sie einmal in Ihrem Schu,.— 164656 Mann zog seinen Schuh aus und f enthüllte dabei aber zugleich ein Loch in seinem Strumps. Der Geistliche z0g Brauen hoch und sagte vorwurspollg Mann, es ist die höchste Zeit, daß Sie ten!“ * die Lebensfragen der Karpathenvölker in die Weltpolitik münden. Welche Folgerungen aber können wir Deutsche aus diesen Erkenntnissen ziehen? Vor allem die eine, daß die Staatenbildung Europas heute noch ebenso im Fluß ist wie vor Beginn und während des Weltkrieges. Dieser, angeblich dazu unternommen, die Ungerechtigkeiten des bestehenden Staatensysteums zu beseitigen, hat das Ziel nicht erreicht. Nach wie vor seufzen Millionen— ganze Völker, nicht Minderheiten— unter fremden Joche, nach wie vor ist die Frage der staatlichen Organisation Europas ungelöst. Auch heute noch können wie in den Kampf der Völker um Freiheit, Frieden und Selbstbestimmung eingreifen. Wenn man uns aber die kriegerischen Mittel genommen hat, so ist es uns dafür desto weniger versagt, durch geistige und wirtschaftliche Unterstützung dieser um ihr Recht kämpfenden Volksgruppen uns unsern Anspruch auf die Führerstellung in Mitteleuropa neu zu erwerben. In der Frühe des Tages Schwerte, den 14. März 1930. * Jetzt geht das große Erwachen durch die Natur. Jede weiße Wolke, die am blauen Himmel segelt, dünkt uns ein fröhlicher Bote des nahenden Frühlings. In jedem Vogelruf liegt Lenzesglück. Jedes Stündchen Sonnenschein verscheucht Sorgen und Lebensnot, läßt hoffnungsvoll und lebensgläubig atmen. Uni wo immer ein noch so leichtes Zeichen neuen Lebens aus der Erde kommt, da strömt die Kraft neuen Werdens auch in uns. Schon am frühen Morgen, wenn die Nacht noch in den Straßen schattet, regt sich das neue Leben. Vor zwei, drei Wochen, wie war man da beglückt, wenn des Morgens irgendwo die Amsel sang. Wie beschwingt sich da der Schritt, wie leicht und jedernd, wie unbeschwert und musikalisch wurde der Gang, wie enteilte der Gedanke weit dem Tag voraus hinein in den lachenden Frühling und seine blumenbestreute Landschaft. Doch jetzt! Jetzt ruft und singt, schluchzt und schlägt die eine Massensymphonie zum neuen Tag. Auf dem Dach, auf dem Baum, auf dem Lichtmast, auf dem Zann— wo sitzt die Amsel? Von allen Seiten, aus allen Höhen ertönt das Lied. Der stille Morgen trägt die Töne weit, die Vogelstimmen schmelzen ineinander, die ganze Luft erklingt von dem ergreifend schönen Lied des schwarzen Vogels. Sonne und Frühling, Blumen und Blüten, grüner Wald und lachende Weiten,— was wacht nicht alles auf im Zauber dieses Gesanges? Das große Erwachen geht durch die Natur. Ein glückhaftes, freudiges Erwachen, das schon ein Teil ist des Ersüllten. Und wenn wir's nicht selber fühlten, das neue Werden, das drängende Gären, das fordernde Leben, was könnte es uns besser sagen als der Jubelruf des Vogels, der schon lange vor der Sonne den Tag als Weg zum Frühling preist? * Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 13. März 1930. Flache Teiltiefs liegen heute früh über der Nordsee und Irland, während über Frankreich, Finnland und Island hoher Luftdruck fort besteht. In Deutschland dauerte das meist wolkige Wetter, vielfach mit Schneefällen fort. Die Morgentemperaturen lagen zwischen—3 und+3 Grad. Der Kahle Asten hatte mäßigen Westwind, Schneesall und 3 Grad Frost. Aussichten bis Samstag: Fortgesetzt veränderlich mit Niederschlägen in Schauern und auh. Gedenktage. 14. März: 1804 Der Komponist Joh. Strauß in Wien geboren(gestorben 1849).— 1835 Der Astronom Giovanni Virginio Schiaparelli in Saviglino geboren(gestorben 1910). 1854 Der Mediziner Paul Ehrlich in Strehlen in Schlesien geboren(gestorben 1915). : Hohes Alter. Die in Schwerte bestens berannte Frau Ww. Wallrabe, Jägerstraße, deren Ehemann von 1877 bis zum Jahre 1910 Küster an der gr. ev. Kirche war, vollendete gestern ihr 86. Lebensjahr. Der Posaunenchor brachte dem greisen Geburtstagskinde ein Ständchen. Auch wir gratulieren der Hochbetagten zu ihrem Ehrentage herzlichst. Fros. W94 In den gestrigen Abendstunden jetzte nach den Schneefällen leichter Frost ein, der während der Nacht an Verstärkung zugenommen hatte, so daß es in den heutigen Morgenstunden empfindlich kühl war. : Die Auszahlung der Zusatzrenten für Kriegshinterbliebene und nicht im Erwerbsleben stehende Kriegsbeschädigte für den Monat März 1930 findet am Sonnabend, den 15. März 1930 nur vormittags an der hiesigen Stadtfasse statt. Oeffentliche Auflegung der Listen Wohnungssuchender beantragt. Im preußischen Landtag ist ein Antrag der Abgeordneten Ladendorff und Mentz eingegangen, nachdem beantragt wird: Der Landtag wolle beschließen: Das Staatsministerium wird ersucht, anzuordnen, daß die Listen Wohnungssuchender von den Gemeindebehörden zur öffentlichen Einsicht aufzulegen sind. : Verkehrszählung. Im Stadtgebiet fand gestern die amtliche Verkehrszählung statt. Ein Aufgebot von Polizeibeamten ist deshalb auf die Straße beordert worden, um an Hand von Listen die notwendigen Notizen zu machen. Wie es heißt, sollte die Verkehrszählung im ganzen Bezirk des Ruhrsiedlungsverbandes durchgeführt werden. X Kathol. Fürsorgeverein. Die Geschäftsstelle des kathol. Fürsorgevereins für Mädchen, Frauen und Kinder befindet sich von heute ab in dem Gebäude der kathol. Handarbeitsschule an der Hasalackstraße. Die Sprechstunden der Fürsorgerin Frl. Sommer sind vormittags von 9 bis 12 Uhr.— Es sei noch darauf hingewiesen, daß die Fürsorgestelle auch gute Dienststellen für junge Mädchen vermittelt. X Ruhrtaler Sängerverein. Heute vor 25 Jahren wurde im Lokale Klempt in der Mährstraße der Ruhrtaler Sängerverein ins Leben gerusen. Zwölf sangesfrohe Sänger unserer Stadt waren es, welche es sich zur Aufgabe gestellt hatten, vor allem dem deutschen Volksliede eine würdige Pflegestätte zu bereiten. Altmeister Haselhoff war der musikalische Leiter der kleinen Sängerschar, die sich durch ihre hochwertigen Leistungen bald Achtung und Wertschätzung weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus zu verschaffen wußte. Anläßlich des Jubiläums veranstaltet der Verein am 3. und 4. Mai eine größere Feier am Freischütz und zwar soll am ersten Festtage die eigentliche Jubelfeier stattfinden mit Ehrung der Jubilare, Einweihung einer Ehrentafel für die gefallenen Sangesbrüder usw. An der Feier werden sich hiesige und auswärtige Gesangvereine beteiligen. Am 4. Mai soll dann im Rahmen des Jubelfestes ein Festkonzert des Sängergaues abgehalten werden. Die Vorbebeitungen für das Jubiläum sind in vollem Gange. ha Die Hochflut der Referendare. Die Prüfungsaufträge des Juristischen Landesprüfungsamts hatten 1905 nur 1087 betragen, 1913 erst 1539, 1929 aber schon 1580. Die Zahl der Referendare hatte 1910 bei vierjährigem Vorbereitungsdienst nur 7667 betragen, erreichten 1929 aber bei dreijährigem Vorbereitungsdienst schon 6720. Mit Auszeichnung bestanden im letzten Jahr nur 2 von 974 Gymnasiasten, aber kein Realgymnasiast noch auch ein Oberrealschüler. Die Zahl der Durchgefallenen ist von ein Fünftel auf 16 Prozent zurückgegangen. Auch die Zahl der gut Bestandenen wie der Spitzenleistungen hat erheblich zugenommen. Bei der großen Masse des Mittelguts ist aber der Durchschnittsbestand bisher ständig gesunken. Immer deutlicher und tiefer scheiden sich zwei Gruppen von Prüflingen: die wirklich Berufenen und die Fleißigen, die nur eine sichere Versorgung suchen. Am 19. und 20. März sehen Sie in Schwerte „Karl den Großen“ Peretauee. und die ganze, Ihnen aus unserem Roman„KARL DER GROSSE“ bekannte Familie Bolle! Und vergessen Sie bitte nicht, die Bezugs=Quittung der Schwerter Zeitung aufzuheben. Wir sagen Ihnen noch, warum!! Immer häufiger wird der fleißige, beschränkte, und auf Examen und Versorgung eingestellte, wesentlich bürotratische Beamte. ha Der Wohnungsbau 1929. Die Bautätigkeit hatte zu Anfang des Jahres 1929 gute Aussichten. Die Belastung durch Vorgriffe auf die Hauszinsteuermittel und der Umfang an nicht gesicherten Darlehen war von der beträchtlichen Höhe seit Ende 1927 erheblich zurückgegangen. Aus dem Vorjahr konnte ein umfangreicher Baubestand übernommen werden. Auch die Zahl der geplanten und weit vorbereiteten, zum Teil genehmigten Bauten war erheblich größer als Anfang 1928. Der ungewöhnlich harte Winter legte aber fast die ganze Bautätigkeit bis in den März hinein brach. Als endlich die Bautätigkeit wieder aufgenommen wurde, hatten sich die Verhältnisse am Kapitalmarkt erheblich verschlechtert. In den Großstädten stieg der Reinzugang von Wohnungen 1929 von 105047 auf 116691 oder um 11 Prozent, in den Mittelstädten von 18451 auf 20089 oder um 9 Prozent. In den Großund Mittelstädten zusammen betrug der Reinzugang 136 780 Wohnungen oder 11 Prozent mehr als 1928. ha Der Klebestreisen. Der Klebestreisen tritt wegen seiner Billigkeit und Bequemlichkeit mehr und mehr an Stelle der Umschnürung von Pateten. Auch die Post ist damit einverstanden, wenn der Inhalt nicht zu schwer ist, und unter dem Druck nicht leidet. Diese Streifen genügen insbeson dere für Päckchen bis zu 2 kg. Gewicht, mehr, als die Industrie sie jetzt in allen Starten und Breiten liefert und reißfeste Papiere verwendet. Man muß aber darauf achten, daß die Papierfalte, die überklebt werden soll, möglichst über die Mitte der Packung läuft. Die beiden Einschlagecken des Packpapiers werden so überklebt, daß der Streifen mit seiner Mitte auf der Papierfalte zu liegen kommt. Je weiter und stärker er ist, desto sicherer hält der Verschluß. Bei schweren Sendungen empsiehlt es sich, den Streifen über die ganze Falte hinweg zu legen. Auch für leichte Pakete und Päckchen bleiben Klebestreifen oder Siegelmarken und Bindfadenumschnürung das Sicherste. Bei einem Platzen der Schnur geht so nie der. ganze Verschluß der Sendung verloren. ha. In 5 Tagen nach Ostasien über Tilsit und Dünaburg. Eine beschleunigte durchgehende Bahnverbindung nach Ostasien ist nachträglich für den Sommerfahrplan am 15. Mai zustande gekommen. Man fährt von Berlin mit dem Nachtschnellzug jetzt ab Friedrichstraße 19,34, vom Schlesischen Bahnhof 19,58, an Königsberg statt 5,42 schon 5,24, in Insterburg statt 7,01 schon 6,38. Hier schließt täglich ein neuer DZug ab 6,48 an, ab Tilsit 7,41, ab Dünaburg 18,30, an Moskau 12,00. Am Montag, Mittwoch und Freitag geht von dort ein Anschlußzug 15,45 bis Mandschuria. Am Sonnabend geht zur gleichen Zeit ein Schnellzug bis Wladiwostok durch. Er ist dort schon nach 3 Tagen am Dienstag 0,40. Umgekehrt fährt man von Wladiwostok am Montag 16,20 und ist in Moskau am Donnerstag 9,10. Von Mandschuria fährt man am Dienstag, Freitag und Sonnabend. Der Anschluß geht von Moskau täglich 19,50, von Dünaburg 13,50, von Tilsit 21,50, in Insterburg 22,34—44, ab Königsberg 23,55, an Schlesischer 8,42, künftig 8,51, an der Friedrichstraße etwa 9,09 Uhr. Konzertveranstalter: Madrigalchor Schwerte. Schwerte, den 14. März 1930. * Seit langer Zeit veranstaltete der Madrigalchor Schwerte wieder einmal in unserer doch so musikfreudigen Stadt ein Konzert, das man sehnlichst erwartet hatte. Es ist zweifellos ein Verdienst des oben erwähnten Chors, wenn es ihm gelang, das vielgerühmte und bestens bekannte Dortmunder Streichquartett für den gestrigen Abend in den Saal des„Westf. Hofes“ zu verpflichten und es war eine Freude, wiederum feststellen zu können, daß viele Freunde und Mitglieder des Madrigalchors der ergangenen Einladung Folge geleistet hatten; konnte sich doch diese Veranstaltung eines guten und annehmbaren Besuches erfreuen. Und ein jeder, der stiller und aufmerksamer Zuhörer dieser Darbietungen war, mußte unbedingt anerkennen, daß in dem Dortmunder Streichquartett ein Wollen und Können steckt, das verblüffend wirkte und nur allgemeine Anerkennung und Beifall finden konnte. Die Vortragsfolge war äußerst sorgfältig zusammengestellt und man muß sagen, daß es nicht leichte Aufgaben waren, die das Quartett zu lösen hatte; im Gegenteil, es waren z. T. äußerst schwierige Tonsätze, die in staunenswerter Weise wiedergegeben wurden. Daß es hier und da zu geringfügigen Unstimmigkeiten kam und auch kommen mußte, läßt sich bei einem Streichquartett leicht erklären, aber im großen und ganzen muß bei diesem Konzert dem Dortmunder Streichquartett ein volles Lob und unbedingte Anerkennung ausgesprochen werden, denn nur selten hört man derartige Leistungen und entdeckt eine solche liebevolle Hingabe zu den einzelnen Werken, wie es in diesem Falle so schön und warm in Erscheinung trat. Die ausführenden Künstler Dr. Paul von Szent=Györayi(1. Geige). Reinhold Jung(2. Geige), Adolf Pörsken(Bratsche) und Karl Roser(Cello) gaben an diesem Abend nur ihr Bestes her. Zunächst war es der unsterbliche Franz Josef Haydn, von dem die nicht unbekannte op. 76 Nr. 1 G=Dur wiedergegeben wurde. Haydn ist bekannt als Meister der Symphonien, bestens bekannt sind von ihm die beiden weltlichen Oratorien„Die Schöpfung“ und„Die Jahreszeiten". Von ihm stammen auch etwa 80 Streichquartette, 70 Trios, eine große Anzahl Tänze, Sonaten Arien und Lieder, sowie sechs große Messen u. a., und für alle Teilnehmer des gestrigen Abends sind seine Worte verständlich, die er einmal aussprach: „Meine Sprache versteht man in der ganzen Welt.“ Haydns Musik ist nicht jedermanns Sache. Welch ein eigenwilliger Uebermut liegt doch in der Betonung der leichten Taktteile, wozu noch die Stärkekontraste zwischen den einzelnen Phrasen kommen. Diese Musik scheint in den heurigen Stuben Wiens aufgeblüht zu sein. Und doch, welch' edle, welch' seelenvolle Musik! Das Dortmunder Streichquartett brachte die op. 76 Nr. 1 G=Dur zur schönen und ziemlich einwandfreien Geltung. Wenn auch beim Allegro con Spirito eine musikalische Einfühlung noch notwendig war, so wuchs doch das Orchester im Adagio Sostenuto zur wahren Größe herau. Im Menuetto hätte man gern die erste Geige etwas klangreiner empfunden, während das Finale wieder prächtig und einwandfrei zur Geltung kam. Vornehmlich waren es die tieferen musikalischen Lagen, die besonders ansprechend wirkten und keine Wünsche offen ließen. Das Ganze war zweifellos eine Leistung, die selbst„Papa Haydn“ imponiert hätte, wäre er an diesem Abend stiller und aufmerksamer Zuhörer gewesen.— Es sei zusammenfassend schon jetzt gesagt, daß das Quartett in bester Weise alle Disziplinen gut beherrschte; Zusammenspiel und eine saubere, reine Tonangebung waren die ausschlaggebenden Faktoren, die den Abend zu einem außergewöhnlichen Genuß stempelten, zumal ein jeder der vier Künstler auf dem Posten war und keine Chance unausgenützt ließ, die sich ihm auf seinem Instrument bot. Man muß offen gestehen, daß den Ausführenden Schumann und Dvorák entschieden noch besser lag als Haydn. Die Schumann'sche op. 41 Nr. 3 A=Dur wurde zu einem besonderen Ereignis. Schumann nimmt neben Schubert, Brahms u. a. auch heute noch eine führende Stellung als Tonsetzer vieler Lieder ein, aber man kann ihn nicht als Kämpfernatur ansprechen. Z. B. verraten die meisten seiner Symphonien kein eigentlich geschlossenes, rein symphonisches Werk im Sinne von Haydn, sondern sie lassen erkennen, daß in ihrer feineren Form nicht so sehr der absolute Musiker wie der Dichterkomponist zu uns spricht. Schumann ist mit seinen Werken ein Vorläufer der symphonischen Dichtungen z. B. von Listzt, wenn diese auch aus einer Zeitepoche, die sich weit vom romantischen Empfinden entfernt hatte und aus ganz anders gearteten Persönlichkeiten geboren, einen sehr stark unterschiedlichen Charakter zu Schumann haben. Das Dortmunder Streichquartett wurde diesem Schumann in jeder Hinsicht gerecht. Prächtig war das Andante, sowie das Allegro molto vivace. Famos kam in diesen Sätzen die Bratsche zur Geltung, die in Adolf Pörsken einen feinsinnigen Meister gefunden hat. Das genaue und sichere Einsetzen der einzelnen Instrumente war bewunderungswürdig; die op. 41 Nr. 3 A=Dur erstrahlte in den schönsten Tonfarben. Tiefgründige Durchdringung des Werkes erschöpfte die letzten Klangmöglichkeiten, prägnanteste Rhythmit machte aus jedem Satz ein Kabinettstück. Den Schluß dieses ausgezeichneten Konzertes bildete die op. 105 As=Dur von A. Dvorák. Cello und Geigen wurden hier zu Höchstleistungen in Tätigkeit gesetzt und wiederum war es auch die intensive, saubere BratschenbehandMit diesem Konzert hat der Madrigalchor Schwerte erneut bewiesen, daß er immer und immer wieder versucht, seinen Freunden und Mitgliedern nur hochwertige künstlerische Darbietungen zu vermitteln und inwieweit er den Schwertern in dieser Hinsicht auch am gestrigen Abend Rechnung getragen hatte, besagte allein schon der stark einsetzende Beifall, der kein Ende nehmen wollte. Das Dortmunder Streichquartett befindet sich auf dem rechten Wege und wir können ihm auch nur für die Zukunft das Beste wünschen, das in ebensolchen Erfolgen bestehen möchte, wie das hier in Schwerte der Fall war. Der beste Mann des Abends war unbedingt Adolf Pörsken, aber auch Dr. Paul von Szent=Györgyi, Reinhold Jung und Karl Roser haben alles hergegeben, um in einer einheitlichen Arbeit Großes zu leisten. Sie, sowohl als Veranstalter der Madrigalchor, seien an dieser Stelle für den seltenen Genuß, den sie uns bescherten, herzlichst bedankt.x= Musiknachrichten Leipziger Stadtverordneten=Versammlung zum „Mahagouny“=Standal. Der Skandal anläßlich der Uraufführung der Oper„Mahagonny“ von Brecht und Weill wird jetzt voraussichtlich auch die Leipziger Stadtverordneten=Versammlung beschäftigen. Es soll ein Antrag auf sofortige Absetzung des Werkes vom Spielplan vorliegen. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Schwerer Unfall. In den gestrigen Vormittagsstunden— es war etwa 10,30 Uhr,— wurde auf dem nördlichen Fahrdamm des Südwalles vor dem Hause Nr. 18 der Berginvalide Friedrich Schiermeier aus der Burgholzstraße 67 von einem Notorwagen der Ringersaßt und zu Boden geworsen. Sch., der 65 Jahre alt ist, kreuzte die Fahrbahn, um nach der gegenüberliegenden Promenade zu gehen. Dabei überhörte er scheinbar das Klingelzeichen der herannahenden Straßenbahn. Er wurde von dem Schienenräumer einige Meter geschoben, ehe es dem Wagenführer gelang, sein Fahrzeug zum Stehen zu bringen. Passanten brachten den Mann in die nahegelegene Privatklinik am Südwall, wo schwere Kopfverletzungen festgestellt wurden. Lebensgefahr besteht jedoch nicht. Ueberfahren und schwer verletzt. In Dortmund=Mengede wurde am Mittwochabend gegen 21,30 Uhr der Bergmann Bruno Engeler aus der Hugostraße auf der Syburgstraße in der Nähe der katholischen Kirche von dem Anhänger einer Straßenzugmaschine überfahren und dabei schwer verletzt. E. versuchte während der Fahrt zwischen der Zugmaschine und dem Anhänger auf den Führersitz des Anhängers zu gelangen. Hierbei rutschte er aus, kam zu Fall und wurde von den Rädern des Anhängers überfahren. Mit schweren inneren Verletzungen wurde E. von einem vorbeikommenden Personenkraftwagen in das Evgl, Krankenhaus in DortmundMengede gebracht. Der Fahrzeuglenker hatte den Unfall nicht sofort bemerkt. E. hat durch sein leichtsinniges Vorgehen diesen Unfall selbst verschuldet. Vom Rade gestürzt und besinnungslos liegen geblieben. Am Donnerstagmorgen kurz vor 7 Uhr stürzte auf der Straße kurz vor dem Personenbahnhof Dortmund=Dorstfeld der ungefähr 16 Jahre alte Radfahrer Hans Jankowsti aus der Rheinischen Straße in Dortmund von seinem Rade und blieb besinnungslos liegen. Von vorübergehenden Personen wurde er in den Wartesaal gebracht. Ein hinzukommender Polizeibeamter sorgte für seine Ueberführung in das Dorstfelder Krankenhaus. Hier wurde festgestellt, daß J. an einer schweren Blinddarmentzündung erkrankt ist. J. muß operiert werden. Sein Fahrrad wurde von der Polizei zunächst in Verwahrung genommen. Selbstmord. Am Donnerstagvormittag zwischen 9 und 10 Uhr hat sich in seiner Wohnung in der Elkhardtstraße 16 in DortmundHörde der 54 Jahre alte Schreinermeister Ang. Reuter erhängt. Was ihn zu dieser Tat veranlaßt hat, ist nicht bekannt. Selbstmord. Gestern abend erhängte sich in seiner Wohnung in der Kirchdernerstraße ein verheirateter Maschinist, der seit mehr als 25 Jahren bei dem Eisen= und Stahlwerk Hoesch beschäftigt war. Schon seit längerer Zeit äußerte der Maschinist, der nach Aussagen seiner Frau leicht nervenleidend war, Selbstmordgedanken und hatte sich auch vor einigen Tagen einen Strick mit nach Hause gebracht. Als er gestern von der Arbeit nach Hause kam, führte er seine Absicht aus. Wegen Lärmens und Tobens festgenommen. In der Nacht zum Donnerstag mußte um 0,25 Uhr der Arbeiter D. aus der Kirchenstraße in Dortmund festgenommen werden, weil er in der Kirchenstraße tobte und lärmte und alle Anwohner in ihrer Nachtruhe erheblich störte. Auch auf der Polizeiwache konnte D. sich nicht beruhigen. Sinnlos betrunken aufgefunden. Vor dem Hause Dernerstraße 144 wurde am Mittwoch der Arbeiter Wilhelm L. aus DortmundKörne in sinnlos betrunkenem Zustande auf der Straße aufgefunden. Er wurde von Polizeibeamte mit einer Handkarre zur nächsten Wache gebracht. In der Annahme, daß sich L. eine schwere Alkoholvergiftung zugezogen hatte, sorgte die Polizei für die Ueberführung des L. in das Luisenhospital. — Zwei Säcke mit lebenden Hühnern gefunden. Am Mittwoch wurden zwischen Steinen auf dem Gelände der Ziegelei am Zehnthof zwei Säcke gesunden, in denen sich 5 lebende Hühner befanden. Wahrscheinlich stammen die Tiere von einem Stalleinbruch her. Weder der Eigentümer noch der Dieb konnten bis jetzt ermittelt werden. Wem gehören die Hühner? — Frecher Einsteigediebstahl. Vorgestern zwischen 20 und 21 Uhr, wurde im Hause Jülicherstraße 8 ein frecher Einsteigdiebstahl ausgeführt. In der 1. Etage dieses Hauses wohnt die Lehrerin Ehringhaus, die sich während der Tat in ihrer Wohnung aufhielt, von dem Einbrecher aber nichts hörte. Dieser stieg vom Hof über eine Mauer auf den Balkon und gelangte durch ein offenes Fenster in die Wohnung, wo er ein Sparkassenbuch mit Kontrollmarke, eine Herren= und eine Damenuhr, ferner einen Photoapparat und 10 Reichsmark in Silber erbeutete. Die Kriminalpolizei, die entsprechende Ermittelungen sofort ausgenommen hat, warnt vor Ankauf der gestohlenen Sachen. a Wellinghofen. Diebstahl. Dem Wachtmeister Sk. wurden vor einigen Nächten aus verschlossenem Stalle mehrere Hühner gestohlen. a Holzwickede. Jugendlicher Leicht sinn. Der 6jährige Sohn der Eheleute aus der Bahnhofstraße hatte sich hinter ein hier stehendes Auto gehängt, welches sich dann in Bewegung setzte. Der Fahrer hatte den Jungen nicht bemerkt und schlug ein schnelles Tempo ein. Die Straßenpassanten sahen in großer Aufregung dem Kraftwagen nach und dachten jeden Augenblick an ein Unglück. Zum Glück hielt der Wagen nach einer kurzen Entfernung an und der leichtsinnige Junge, welcher am Ende seiner Kraft war, und dessen Füße schon über das Straßenpflaster schleppten, konnte sich loslassen. Durch seinen Leichtsinn hatte er sich Hautabschürsungen an beiden Füßen zugezogen. h Beckum. Ein bissiger Hahn. Das zweieinhalbjährige Söhnchen des Kötters K. in Waldliesborn wurde plötzlich von einem Hahn angefallen. Das Tier biß dem Kinde ein Stück Fleisch aus der Wange und verletzte es an der Stirn erheblich. Herbeieilende Leute befreiten das wehrlose Opfer. h Münster. Ein feiner Kavalier. Bernhard und Anita hatten sich während der Karnevalstage kennen gelernt. Der überaus glückliche Bernhard tat für seine Liebste alles und spielte in jeder Weise vornehm den„Kavalier". Das ging allerdings nur so lange gut, wie die Finanzen reichten. In einer Kneipe saßen sie zusammen, als Bernhard kein Geld mehr hatte. Ein Griff in die Handtasche Anitas, und mit einer eleganten Handbewegung wurde die Zeche mit einem Zehnmarkschein beglichen. Zehn Minuten später gab es Krach, von wegen des lühnen Griffes. Anita stellte dann noch fest, daß ihr Geliebter a. D. sie noch mit falscher Namensangabe betrogen hatte. Sie ging zur Kripo und machte durch eine Anzeige einen Punkt hinter ihr Karnevalserlebnis. Bernhardt sitzt bereits im Untersuchungsgefäugnis. h Münster. Ein Feigling. Auf der Weseler Straße hielt der Kaufmann Kr. zwei junge Damen an, die gerade von einer Festlichkeit heimkehrten, und bat sie ein Stück Weges begleiten zu dürfen. Er führte jedoch während der Unterhaltung ein Thema, das den beiden Begleiterinnen zu Recht nicht gefiel. Sie machten Einwendungen und eins, zwei, drei war die Schlägerei im Gange. Kr. gebärdete sich wie ein Wilder und schlug einer der Damen mit solcher Wucht gegen den Unterliefer, daß dieser gebrochen wurde und sämtliche Zähne gelockert waren. Weil vielleicht eine Ueberschreitung der Notwehr des Kr. vorlag, wurde er zu 50 Mt. Geldstrafe verurteilt. a Münster. Um seine ganzen Ersparnisse geprellt. Ein Matler prellte einen aus Amerika zurückgekehrten Einwohner des Dorfes Schwarzenmoor um seine Ersparnisse in Höhe von 8400 Mark. Der Betrüger hatte dem Heimgekehrten eine Wirtschaft bei Pyrmont angeboten. Die Anzahlung in Höhe seiner Ersparnisse mußte der Gutgläubige jedoch einbüßen, da das Besitztum bei seiner Uebernahme derart verschuldet war, daß es vollständig den Gläubigern gehört. h Bielefeld. Mit dem Motorradgegen einen Baum. Auf der Kreisstraße Heepen=Hillegossen wurde der Motorradfahrer J. aus Bielefeld mit einem schweren Schädelbruch bewußtlos aufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß J. gegen einen Baum gefahren war. Detmold. Generalsuperintendent D. Wessel wird im Verlaufe dieses Jahres in den Ruhestand treten. Ueber seine Nachfolge ist noch nichts bekannt. h Minden. An der elektr. Leitung verbrannt. Ein Monteur des EMR. geriet beim Verlegen eines Zählwerkes in der Fischhandlung Tiesler mit der elektrischen in Berührung und erlitt durch die plötzliche Stichslamme schwere Verbrennungen, sodaß er sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Gütersloh. Berufsschule und Religionsunterricht. In der Sitzung der größeren Gemeindevertretung der Evangelischen Gemeinde Gütersloh wurde in einer eingehenden Aussprache nachdrücklich die Einführung des Religionsunterrichtes in der Form der christlichen Lebenskunde für die Berufsschule gefordert. Entstehende Schwierigkeiten wurden nicht verkannt, man war aber der Meinung, daß kleinere Opfer wirtschaftlicher Art durch Gewinnung sittlich=religiöser Werte reichlich aufgewogen würden. a Olpe. Großfeuer. In Hünsborn brannte das Doppelwohnhaus des Schreiner= meisters Anton Eckus und des Landwirts Bernhard Stock völlig nieder. Mobilar, Vieh und Maschinen konnten gerettet werden, aber größere Vorräte von Heu und Stroh wurden durch die Flammen vernichtet. o Oestrich. Gefährliches Spiel. Nun beginnt für die Kinder und halbwüchsigen Burschen die leidige Unsitte, Wiesen und Sträucher an Abhängen anzuzünden. So stand am Sonntagnachmittag der Burgberg wieder in hellen Flammen. Insolge des Windes breitete sich das Feuer schnell aus und fand an den trokkenen Gräsern reichlich Nahrung. Jedoch gelang es einigen beherzten Männern, den Brand bald zu löschen. Angesichts der großen Gejahr, die mit diesem Spiel verbunden ist, tut die Polizei gut, diesem Treiben mehr Beachtung zu schenken. Auch die Eltern und Lehrpersonen sollten die Kinder auf die Gefährlichkeit dieses Tuns nachdrücklichst hinweisen, ehe ein Unglück geschehen ist. a Warstein. 30 Morgen Heide verbrannt. Auf der Grenze der Gemeinden Suttrop und Warstein brach ein heftiger Brand aus, der an die 30 Morgen Heide und junge Fichten und Kiefern, die mit großer Sorgfalt aufgezogen waren, vernichtete. Das Feuer ist auf die übliche Sitte des Schröggelns zurückzuführen. h Brücherhof. In die Flanke gefahren. An der Straßekreuzung bei Beisner stießen zwei Radfahrer heftig zusammen. Beide Fahrer stürzten und zogen sich erhebliche Verletzungen im Gesicht und an den Händen zu. Turnen, Spiel, Sport Turnen Am vergangenen Sonntag trafen sich mehrere Vereine zum vierten Kampf im Märkischen Hof in Haspe. Nach einer Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden des gastgebenden Vereins, Hasper Turnklub, trat das Kampfgericht, bestehend aus 3 Kampfrichtern, seine Arbeit an. Zuerst wurde am Pferd geturnt, hier zeigte sich ein sehr spannender Kampf. Erreichte doch Haspe eine Gesamtpunktzahl von 140, Teutonia Westhofen und Eintracht Hagen je 130, während Oege nur 117 Punkte bekommen konnte. Die beste Uebung zeigte Kohlmeier, Westhosen mit 29 Punkten. Nach dem Barrenturnen hatte sich das Resultat stark geändert, es erreichte Haspe eine Gesamtpunktzahl 149, Hagen 140, Oege 138 und Westhofen 123. Fritz Schmidt, Hohenlimburg zeigte die beste Uebung mit 28 Punkten. Die Freiübungen zeigten wieder einen Unterschied, hier erzielte Haspe 146, Hagen 142, Oege 140 und Westhofen 130 Punkte. Am Reck, als Schlußgerät, wurden die Uebungen wie folgt gewertet: Haspe 149, Hagen 145, Oege 130 und Westhofen 111 P. An diesem Gerät zeigten Fischer, Haspe und Grote, Wehringhausen, die besten Uebungen, die mit je 29 Punkten gewertet wurden. Somit konnte Turnklub Haspe aus den 4 Kämpfen dreimal als Sieger hervorgehen und mußte die Spitze nur einmal an Eintracht Wehringhausen Gesamtpunitzahl: Hasper Turnklub, Haspe 584 P., Turnverein„Eintracht“ 1878, HagenWehringhausen 557 P., Turnverein Hohenlimburg=Oege 525 P., Turnverein„Teutonia“ 1883, Westhosen 494 Punkte. Die 7 besten Einzelsieger aus diesem Rampf 1. Hermann Lukas, Haspe 106 P., 2. Grote, Hagen=Wehringhausen(40 Jahre) 105 P., 3. Fritz Schmidt, Hohenlimburg=Oege 103, 4. Karl Zimmermann, Haspe 102, 5. Paul Kater, Haspe 99, 6. Karlheinz Kohlmeier, Westhofen 98 und 7. Heinrich Schmidt, Hohenlimburg=Oege 97 Punkte. Sie müssen sich daher sehr ins Zeug legen, um ein günstiges Resultat gegen die eingespielte Mannschaft der D. J. K. zu erringen. 2. Jgd. D3K.— 2. Jgd. Tus 03 Hagen. Hier ist Hagen der Ueberlegene und wird den Sieg mit nach Hause nehmen. 1. M. Markania Bochum— 1. M. D. J. K. Schwerte. Schwerte spielt seit langer Zeit wieder zum ersten Mal und ist sofort von einem schweren Gegner verpflichtet worden. Schwerte muß sich sehr anstrengen, um nicht allzu hoch zu verlieren. 1a=Jgd. DJK. Schwerte— 1. Jgd. ReichsbahnTurn= und Sportverein. Der Ausgang dieses Spieles ist ossen. Im letzten Spiel war Reichsbahn der Glückliche und konnte mit 1:0 als Sieger den Platz verlassen. Die Mannschaften sind sich gleichwertig und wir können keinen Sieger voraussagen. Radsport Piet van Kempen in Dortmund. Der Start des besten Sechstagefahrers der Welt im Rennen„Die Nacht“, gesichert. Der 16fache Sechstagesieger Piet van Kempen wurde als Erster für das sensationelle Mannschaftsrennen„Die Nacht“, das als Abschluß der Radsportsaison in der Westsalenhalle am 29. März zum Austrag gelangt, verpflichtet. Der erst 30jährige Piet van Kempen vollbrachte in diesem Jahre eine erstaunliche Leistung, denn von vier Starts in den Sechstagerennen in Stuttgart, Brüssel, Breslau und Berlin wurde er viermal als Sieger gefeiert. Sogar der Rekord der Sechstagesiege von Mac Namara, der bis vor kurzem noch unantastbar schien, wurde von dem„fliegenden Holländer“ gebrochen. Piet van Kempen, der auch beim Dortmunder Sechstagerennen als Gast weilte, bedauerte seinerzeit außerordentlich, nicht an diesem größten europäischen Sechstagerennen teilnehmen zu können. In dem Rennen„Die Nacht" wird ihm nun Gelegenheit gegeben, sich mit der gesamten internationalen Extraklasse zu messen. Revuegirl auf der Brieimarke Das Briesmarkensammeln dürfte in Zukunft noch einmal so eifrig betrieben werden, wenn ein Vorschlag zur Annahme gelangt, den ein durch die Schönheit seiner Revuegirls weit über die Grenzen seines Landes bekannter TheaterUnternehmer unlängst der Regierung zu Washington gemacht hat. Der geschäftstüchtige Yankee verlangt nämlich, daß bei der Neuausgabe amerikanischer Briefmarken eine Reihe von Werten mit den Köpfen einiger seiner beliebtesten und bekanntesten Tänzerinnen geschmückt wird; als Gegenleistung erbietet er sich, die Herstellung für die gesamte Auflage zu tragen. Es ist bezeichnend für die amerikanische Geistesverfassung, daß der uns zum mindesten seltsam anmutende Vorschlag von einem Teile der Presse begrüßt wird.— Nach den Präsidenten, die bisher die amerikanischen Marken zierten, die Tanzgirls: auch eine Entwicklung! Gerätemannschaftskampf des Turnkreise Westfalen=Lippe der TT. Die Vorbereitungsarbeiten sind in vollem Gange. Der Mannschaftskampf soll von 13 16 Uhr dauern. Er findet am 30. März in Iserlohn statt. Die Durchführung der Kämpfe durch den Männerturnwart Fischbach(Lüdenscheid) und unter Leitung von Oberturnwart Regener(Dortmund) gewährleisten eine glatte und pünktliche Abwickelung. Schon jetzt sind zahlreiche Meldungen eingegangen, so daß auch in diesem Jahre mit spannenden Kämpfen zu rechnen ist. Vereinsgerätewettkampf Braunschweig—Osnabrück—Dortmund. Am 16. März gelangt im Eintrachthaus in Dortmund der Rückkampf zum Austrag, der am 24. Februar in Osnabrück Eintracht=Dortmund vor dem Mtv. Braunschweig und dem Osnabrücker Turnerbund siegreich gesehen hatte. Man wird gespannt sein müssen, ob die Dortmunder ihren Erfolg wiederholen werden, denn der Sieg in Osnabrück war nur knapp. Leichtatletihk Am 6. April 1930 findet in Gummersbach der Frühjahrswaldlauf der Reichsbahn=Turnund Sport=Vereine der R. B. D. Elberfeld statt. Der Lauf führt nur durch Wald und wird in 4 Klassen gelaufen.— Männerklasse A: 3000 Meter(offen für alle), Männerklasse B: 2000 Meter(für Anfänger); Jugendklasse A: 1500 Meter(Jahrgang 1912—13), Jugendklasse B: (Jahrgang 1914—15 und jünger). Außerdem findet noch ein Gesundheitslauf für„Alte Her ren“ statt, welcher ganz besonders ausgebaut und bei den Teilnehmern großen Anklang finden wird. Für Damen ist ein 2=Kilometer=Lauf vorgesehen.(Gruppe 2 für Sportabzeichen, 2 km. 14 Min.). Abmarsch 11 Uhr zum Kehrberg. Nach dem Lauf Konzert und turn. Vorführungen. Deutsche Jugendkraft Mamdteel! 1b=Jgd. D3K. Schwerte— 1. Jgd. D. H. V. Schwerte. Am Sonntag treffen sich obige Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel. Zu bemerken ist, daß der D. H. V. sein erstes Spiel Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 13. März. Es notierte: Westf. Weizen 25.50—25.75, westf. Roggen 15,25—15.50, westf. Hafer ohne Geschäft, Oftfr. Hafer 16.57 für 58 Kg. Brief, Hafer 27—30.50, ausl. Roggen 20.50 bis 21.50 B, ausländische Gerste 16,50—17, Platamais 15—15.25, Cinquantinomais 17—17.25, Bäckermehl 36,5—36.50, Roggenmehl 26.25 bis 26.50, ostdeutsches Roggenmehl 25 bis 25.50, Weizenkleie 8,50—9,00, Trockenschnitzel 10,.25 bis 10.50, Zuckerschnitzel 14.50—15.00. Diese Preise sind Großhandelsverkaufspreise und verstehen sich per 100 Kg. waggonfrei in Ladungen von 15 Tonnen, bei Mehl zu Mühlenkonventionsbedingungen. Tendenz hig. hören wir im Rundfunk? Sonnabend, den 15. März 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Morgenkonzert. 11,30: Schulfunk für die Oberstufe höherer Lehranstalten. 12,10: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderspielstunde. 15,30: Wirtschaftsdienst. 15,45: Grundlagen der Funktechnik. 16,05: Aus der Mappe eines Jugendführers. 16,25: Adele Gerhard:„Der Fremde"(Erzählung). 16,50: Die Frau im Beruf. 17,10: Englisch. 17,30: Schrammelmusik. 18,30: Gemeinverständliche Rechtskunde. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Direktor Karl Soller:„Alkohol und UnDr. Walzel:„Werk und Persönlichkeit Paul Heyses“. 20,00: Lustiger Abend. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach Nachtmusik und Tanz. 00,00: Meister des Jazz(Schallplatten). und Ihr Rudio nur vem fechmann J. Lichtenhagen Hagenerstr. 17 Junges 1037 Maccheit für Mittwoch u. Samstag zum Putzen gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dies. Ztg. 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In dem ersten Raum befinden sich komplette Fahrzeuge: alte Feuerspritzen, Wassertonnen, Pumpwerke und der vor dem Kriege in Berlin in Verwendung gewesene Fontanemast. Unter den Spritzen verdienen besonders zwei Stücke erwähnt zu werden, in erster Linie eine alte Feuerspritze mit kupfernem Wenderohr, ctwa aus dem Jahre 1720, deren Radkränze noch nicht einmal beschlagen sind; zwei einarmige Hebebäume wirken gleichzeitig auf den Kolben eines Zylinders ein. Die Druckmannschaften mußten die beiden Hebebäume gleichzeitig auheben und senken, damit sich die beiderseitig ausgeübte Druck= bezw. Hubwirkung nicht aufhob. Dieses Fahrzeug ist das einzige seiner Act in Deutschland. Eine zweite Feuerspritze hat die Form eines Mörserfeldgeschützes mit einem abprotzbaren Anhängewagen. Die Spritze besteht aus einem mächtigen Zylinder, dessen Kolben mit Hilfe einer Hebelübertragung durch Druckgegenstände hin= und herbewegt wird. Ein zweiter Raum enthält Modelle von bespannten und unbespannten Fahrzeugen, u. a. Modelle des Berliner Löschzuges vom Jahr: 1851, bestehend aus Personenwagen, Handdruckspritzen und Wasserwagen; das Model einer Hönigleiter, einer Dampsspritze und eines sogenannten Tenders; ferner die Modelle eines modernen Zweifahrzeugzuges und des noch jetzt in Berlin vorhandenen elektrischen Vierfahrzeug=Löschzuges, bestehend aus Gasspritze, Gerätewagen, Dampfspritze und mechanischer Leiter. Ein dritter Raum zeigt die kleineren Geräte, und zwar Rettungsgeräte, Rauchschutzapparate, Sauerstoffschutz=, Lösch= und Beleuchtungs=Geräte Ausrüstungs=Gegenstände, Brandobjekte und Modelle von Feuerwachen. Bei den Löschgeräten ist besonders die Sammlung von Handfeuerlöschern zu erwähneu, die in großer Reichhaltigkeit von der Feuerpatsche und dem Feuerbesen anfangend über die Handfeuerflasche von Gautsch bis zu den neuesten Schaum= und Tretalöschern der Jetztzeit(teilweise Schnittmodelle) hinführt. Bei den Beleuchtungsgeräten befinden sich alte Kugellaternen, Lichtleuchter, Wachs= und Pechsackeln, Handlampen für Karbid, Petroleum= und Acetylenfackeln, Acetylen scheinwerfer und elektrische Scheinwerfer; Notlampen, Sicherheitslampen und dergleichen. Die Abteilung Ausrüstungsgegenstände zeigt die ältesten Berliner Feuerkappen aus Blech(Zweispitzer) aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts; Feuerwehrmannskappen etwa aus dem Jahre 1850 und 1870, Feuerwehr= helme, Epaulettes, Feuerwehrmannsärte, Gurte, Beile, Säbel, Seitengewehre, Signalinstrumente und Nachtwächterrushörner, wie sie zur Bekanntmachung des Feuers auf Türmen und auf der Straße noch Mitte des vorigen Jahrhunderts verwendet wurden. ha 26 000 Funkstellen. Funkstellen gab es nach einem Verzeichnis des Büros des Welttelegraphenvereins Anfang Januar rund 26 671, 4912 an Land, 21 759 auf Schiffen und Luftfahrzeugen. Nicht enthalten sind die Anlagen, deren Veröffentlichung in dem Verzeichnis nicht vorgesehen ist. Es sind dies Anlagen als Versuch, für Funkfreunde, solche für inländische Funtdienste wie für die Polizei, die Eisenbahn oder das Heer sowie für gemeinnützige Unternehmen. Von den veröffentlichten Funkstellen dienen dem allgemeinen öffentlichen Verkehr 15 834, dem beschränkten öffentlichen Verkehr 991, dem amtlichen 1116, dem reinen Privatverkehr 582, einem besonderen 2881, dem Luftverkehr an Bord von Luftfahrzeugen 706. An Funkstellen für besondere Zwecke zählt man Funkpeilstellen 3331 Funkseuer 200, Rundsunksender 1030. Auf dem festen Lande befinden sich etwa 110 Großfunkstellen mit einer Sendeleistung von mehr als 1000 Meterampere. Im letzten Jahr hat die Zahl der veröffentlichten Funkstellen um etwa 25 Prozent zugenommen. ha Ermäßigte Postgebühren nach dem Ausland. Eine Aussicht auf Ermäßigung der Postgebühren nach dem Ausland eröffnet eine Erklärung des Reichspostministers Dr. Schätzel. Schon jetzt werden die Inlandgebühren im Verkehr mit Danzig, dem Memelgebiet, Litauen, Luxemburg und Oesterreich erhoben. Auch im Verkehr mit der Tschechoslowakei und Ungarn bestehen Ermäßigungen im Vergleich zu den Sätzen des Weltpostvereins. Dann gelten die Inlandgebühren im Grenzverkehr bis zu 30 km. mit Belgien, Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz für Briefe und Postkarten, mit Dänemark auch für Geschäftspapiere. Endlich bestehen für Drucksachen mit dem Sargebiet und bestimmten Ländern ermäßigte Gebühren. Der Reichspostminister hat erklärt, daß die Reichspost grundsätzlich bereit ist, der Anwendung der Inlandsgebühren auf Briespostsendungen im Verkehr mit anderen mitteleuropäischen Staaten zuzustimmen, soweit von ihnen Gegenseitigkeit geübt wird. Falls es noch nicht geschehen sein sollte, wären entsprechende Vorschläge erwünscht. ha. Beschleunigte Personenzüge. Eine durchgreisende Beschleunigung der Personenzüge ist eine der wichtigsten Verbesserungen des neuen Sommerfahrplans. Es werden so nicht nur die Reisen verkürzt, sondern auch neue Anschlüsse und Verbindungen erreicht. So wird der Mittaszug von Berlin nach Hamburg um 34 Minuten beschleunigt. Ab Berlin 12,47 ist man schon 19,59 in Hamburg und erreicht so den D=Zug 20.05 nach Kiel, an 22.09 und Flensburg 23.20. Durch Uebergang in Hamburg auf dem Hauptbahnhof in die Stadtbahn erreicht man in Altona auch den spätergelegten und beschleunigten Personenzug ab 20.26 nach Kiel, an 22.59. Durch Beschleunigung von Personenzügen Kiel=Altona und Altona=Berlin wird eine neue Verbindung hergestellt, Kiel ab 5.55, in Altona 8.35—9.00, Berlin 16.20. Eine Beschleunigung von Wittenberge nach Lüneburg bringt eine neue Spätverbindung von Berlin nach Lüneburg, ab Berlin 18.18, in Wittenberge 19.54—20.04, an Lüneburg 22.16. ha Die Klagen der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft klagt weiter über den Druck der Steuern und erhöhter Gemeindelasten. Fast überall wird über zunehmenden Mäusefraß geklagt. Die Feldarbeiten stehen im allgemeinen gut. Nachtfröste haben nur wenig geschadet. Wiesen und Weiden haben sich richtig entwickelt. Die Neigung zur Neuanlage von Grünflächen wächst. Die Preise für die Erzeugnisse, vor allem das Getreide, haben sich weiter verschlechtert. Besonders die Rindviehhaltung wird dadurch beeinträchtigt. Die Schweinezucht bringt gute Preise und Ergebnisse. Besonders groß war die Nachfrage nach Ferkeln. In der Forstwirtschaft begünstigt das Wetter den Holzeinschlag, ebenso den Obst und Gemüsebau. Es fehlt an weiblichem Gesinde. Nr. 62(Drittes Blatt) „Schwerter Zeitung“. Freitag, 14. März 1930 deutsche Volkseinkommen und seins Vertenung Von Dr. Carl Tyszka Professor an der Universität Hamburg. Eine Kenntnis des Volkseinkommens und seiner Verteilung ist nicht nur in wissenschaftlicher, sondern auch auf die finanzielle Leistungsfähigkeit, die Kaufkraft wie auch zum Teil die Lebenshaltung unseres Volkes erlaubt. ist daher sehr zu begrüßen, daß soeben das Reich in zwei umfangreichen Bänden— Band 348 und 359 der Statistik des Deutschen Reiches— die neuesten Ergebnisse seiner Untersuchungen über das Volkseinkommen, und zwar auf Grund der Einkommensteuer, vorlegt. Sie beziehen sich auf das Rechnungsjahr 1926/27; die späteren Jahre sind noch in Bearbeitung. Da namentlich hinsichtlich der Verteilung des Einkommens wesentliche Aenderungen seit dieser Zeit nicht eingetreten sind, wird man die vorliegenden Ergebnisse mit gutem Recht auf die neueste Gegenwart übertragen können. Die Zahl der durch„veranlagte Einkommensteuer“ erfaßten Pflichtigen— in Hauptsache die sogenannten„Selbständigen“ stellt sich danach auf 3,9 Millionen, die ein Einkommen von 12,78 Milliarden Mark versteuern. Weit größer ist die Zahl der Lohn= und Gehaltsempfänger mit 12,5 Millionen; ihr Einkommen beziffert sich auf 20,62 Milliarden Mark also beläuft auf 334 Miliarden Mark. Es den Kopf eines veranlagten Pflichtigen ein jährliches Einkommen von 370 Mark, auf den Kopf eines Lohnsteuerpflichtigen ein solches von 1650 Mark. Dazu kommt das Einkommen der sogenannten„Steuerbefreiten", d. h. diejenigen Personen, die aus irgend einem meist sozialen Grunde von der Einkommensteuer befreit sind. stellt sich auf 506,7 Millionen Mark. Das gesamte Volkseinkommen beläuft sich somit— sofern nur die physischen Personen berücksichtigt werden— auf etwa rund 34 Milliarden Mark. Auf einen Einkommensteuerpflichtigen kommt also ein Einkommen von rund 2023 Mark, auf einen tatsächlich Steuerzahlenden ein solcher von 2037 Mark. Auf den Kopf der gesamten Bevölkerung umgerechnet ergibt sich ein Einkommen von 543 Mark. Diese Zahl ist aber, sofern man die große breite Masse unseres Volkes in Betracht zieht, etwas zu hoch. Man wird vielmehr lediglich das Einkommen der Lohnsteuerpflichtigen, die mehr als drei Viertel der Bevölkerung ausmachen, zu Grunde legen müssen. Dann stellt sich das auf den Kopf der Bevölkerung entfallende Durchschnittseinkommen auf nur 330 Mark. In den einzelnen Landesteilen ist dieses Durchschnittseinkommen recht unterschiedlich hoch; es stellt sich in den westlichen preußischen Provinzen wie in der Rheinprovinz auf 402, in Westfalen auf 372, während es in Ostpreußen nur 151, in Pommern 204 Mark beträgt. Dazwischen stehen Schleswig=Holstein mit 308, Hannover mit 274 Mark. Recht hoch ist auch das Durchschnittseinkommen in Sachsen mit 388 Mark und Baden mit 323, dagegen stellt es sich in Bayern auf nur 247, in Württemberg auf 295 Mark. Außer den physischen Personen haben auch die juristischen Personen die Erwerbsgesellschaften ein eigenes Einkommen. Dieses stellt sich nach der Einkommensteuerstatistik auf 1,9 Milliarden Mark. Es ohne weiteres zu den Einkommen der physischen Personen zu zählen, erscheint nicht angängig, da sonst infolge der Tatsache, daß die Einkommen der Gesellschaften zum Teil auch bei den Gesellschaftsmitgliedern nicht versteuert werden, Doppelzählungen entstehen würden. Man muß sich damit begnügen, die beiden Zahlen: 34 Milliarden Einkommen der physischen Personen und 1,9 Milliarden Einkommen der juristischen Personen nebeneinander zu stellen. Von besonderem Interesse ist die Verteilung des Volkseinkommens. Da ergibt sich nun, daß mehr als die Hälfte aller Pflichtigen, nämlich 9,2 Millionen oder 54,7% aller Steuerzahler, ein Einkommen beziehen, das weniger als 1501 Mark beträgt. Im Durchschnitt kommt auf einen solchen Steuerzahler nur ein Einkommen von 873 Mark. In der nächsthöheren Einkommengruppe, der von 1501 bis 3000, befinden sich rund 5,2 Millionen oder fast ein Drittel(3176) der Pflichtigen. Hier beträgt das Durchschnittseinkommen 2075 Mark. Die übrigen Einkommengruppen sind recht schwach besetzt: Ein Einkommen von 3001 bis 5000 Mark haben nicht mehr als 1,5 Millionen oder 9%5, das Durchschnittseinkommen beträgt hier 3800 Mark. Ein Einkommen über 5000 Mark versteuern gar nur 885.000 Personen oder 5,4%, ein solches über 8000 Mark 341 000 Pflichtige oder 2¾5. So beziehen also nicht weniger als 85% der deutschen Steuerzahler ein Einkommen von weniger als 3001 Mark im Jahr, nur 157 gehören zu denjenigen, die ein höheres Einkommen als 3000 Mark beziehen. Bei 7 Millionen Lohnsteuerpflichtigen beträgt das Durchschnittseinkommen 870 Mark, darunter befinden sich 5,6 Millionen, die durchschnittlich nur 750 Mark im Jahr beziehen. Das sind traurige Zahlen, die uns die große Verarmung unseres Volkes vor Augen führen, die erst recht bei einem Vergleich mit der Vorkriegszeit zutage tritt. Denn nach den Berechnungen Hellferichs bezifferte sich vor das jährliche Gesamteinkommen Deutschlands — allerdings einschließlich der Erwerbsgesellschaften— auf 43 Milliarden oder 642 Mirk pro Kopf. Dem würde heute einschließlich der Erwerbsgesellschaften nur ein Volkseinkommen von 35,9 Milliarden oder 573 Mark auf den Kopf entsprechen. Dabei ist der Entwertung des Geldes seit dem Kriege noch keine Rechnung getragen. Dann würde der Abstand zwischen dem Vorkriegs= und Nachkriegseinkommen noch viel größer sein. Vom rheinisch=westfälischen Werkpapierniatt Mitteilungen des Bankhauses Gebr. Stern, Dortmund. Dortmund, den 12. März 1930. (Vor der Börse.) Die Börse hatte in der abgelaufenen Berichtswoche wieder unter verschiedenen ungünstigen Momenten zu leiden. Man hatte angenommen, daß die Senkung des Reichsbankdiskontes um ½% eine freundlichere Stimmung auslösen würde. Da aber gleichzeitig und überraschend die Rücktrittserklärung des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht bekannt wurde, erfuhr die Börse einen vorübergehenden, schärferen Kurseinbruch. Später trat zwar wieder eine Erholung ein, aber die Unsicherheit über die Annahme der Young=Gesetze und über die Erledigung des Finanzprogramms drückten auf die Stimmung. Da auch aus den Industrien keine freundlichen Meldungen vorlagen, ist es verständlich, daß Unternehmung und Publikum sich weitgehenst zurückhielten und die Umsatztätigkeit sich auf ein Mindestmaß beschränkte. Sogar in Beienrode=Kuxen, die bisher dem heimischen Wertpapiermarkt immer noch eine Anregung gegeben hatten, fanden in dieser Woche nur geringfügige Umsätze statt. Die Kursbewegung war von 2600 M— 2900 M— 2675 K. Burbach=Kuxe bleiben weiter mit 8300 M angeboten. Für Einigkeit und Siegfried I waren die bekannten Geldkurse zu hören. Dagegen bestand für Dr. Wilhelm Sauer=Kuxe lein sonderliches Interesse. Von den Werten des Aschersleben Konzerns waren Mariaglück (7800 M) zu anziehenden Kursen im Verkehr. Auch für die übrigen Werte dieser Gruppe bestand etwas bessere Nachfrage. Die elsässischen Kuxe bleiben weiter vernachlässigt. Von Kaliaktien gaben Burbach von 184 Prozent auf 179 Prozent nach. Hallesche Salz(220 Prozent) wurden zeitweise einige Prozent höher bewerE„ 120 MleichDer Kohlenkuxenmarkt lag gleichfalls recht ruhig. König Ludwig(32500 M) wurden 1000 M niedriger abgegeben. Auch Langenbrahm lagen mit 15 500 M niedriger im Angebot. Graf Schwerin fanden bei ca. 1800 M verschiedentlich Aufnahme. Dagegen sind Glückaufsegen mit 2000 q weiter angeboten. Von Kohlenaktien wurden Lothringen Bergbau in größeren Beträgen von 58 Proz.— Proz.— 58 Proz. aus dem Markte genommen. Dahlbusch gaben bei kleineren Umsätzen von 97½ auf 95½ nach. Auch Niederrheinische Bergwerke(57 Proz.) schwächten sich um 2 ProAm Braunkohlenmarkt konnten sich Bruckdorf=Nietleben nach Einziehung der Zubuße von 2000 M von ihren letzten großen Verlusten etwas erholen. Die Kuxe zogen bei kleineren Käufen um 400 M auf 2950 M an. In Michel und Gute Hoffnung kamen Abschlüsse auf letzter Preisgrundlage, d. h. zu 12 500 M bezw. 4000 M zustande. Ueber die Bewegung des Terminmarktes haben wir in der Einleitung gesprochen. Im ganzen bleibt hier der Preisstand der Montanwerte trotz der später eingetretenen Erholung um etwa 2 bis 3 Prozent gegen die Vorwoche zurück. Nur Rheinisch=Westfälische Elektrizitätswerke(180½ Proz.) gewannen über ihren Wochenanfangskurs hinaus weitere 2 Prozent und auch Essener Steinkohle(141½ Proz.) und Gelsenkirchener Bergwerks(138¾ Proz.) wurden im Zusammenhang mit der kommenden Verschmelzung lebhafter beachtet und besser bezahlt. In Wintershall=Aktien blieben die Umsätze gering. Die Kursbewegung ging von 192½ 194 ½— 188½— 191½ Prozent. Vergaloppiert. „Sind Sie bier Chef oder ich?“ „Sie natürlich.“ „Dann reden Sie gefälligst keine Dummbeitezt Der Preis für-Kanse Aag Bieis. sHlerhöhung ermäßigt! Der Geizhals Roman von Robert Misch. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S). 25. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die Leute würden sich schön wundern, und sein Nachbar=Hausbesitzer, der dicke Kolonial= warenhändler würde ihn wahrscheinlich morgen fragen: „Was war denn das gestern für ein unanständiger Lärm bei Ihnen? Sie geben also jetzt große Gesellschaften und Feste?! Sie haben gewiß in der Lotterie gewonnen, Herr Kaltenbach!“ Und der Mann war in der Steuer=Kommission. Eine Gänsehaut überlief ihn bei dem Gedanken, daß man vielleicht, wenn das so weiter ginge und ruchbar wurde, seine natürlich viel zu niedrig angegebene Steuer=Einschätzung beanstanden würde. Und wenn sich diese frechen Kerle wenigstens damit begnügt hätten, Lärm zu machen und dieses verrückte Ballwersen auszuüben, das früher nur die kleinen Kinder spielten, an dem aber merkwürdigerweise jetzt auch erwachsene Menschen Gefallen fanden. Aber nein, da liefen sie ihm in die Beete hinein, pflückten Blumen... und da!— was noch viel schlimmer: auch seine Johannis= und Stachelbeeren, soweit sie noch vorhanden waren. Und— nein, die frechen Menschen!— sogar an seine Frühbirnen gingen sie ihm. Da sollte es doch gleich ein heiliges Donnerwetter!— Schon wollte er das Fenster öffnen und sich das ganz energisch verbitten, da kam ihm plötzlich ein Gedanke, der seinen Schritt hemmte, die bereits erhobene Hand wieder sinken ließ. Die Bewirtung!— Man begnügte sich doch wahrscheinlich nicht damit, den jungen Leuten Tee und Kuchen vorzusetzen; man mußte ihnen doch wohl etwas Substanzielleres geben, besonders jetzt, wenn sie vom Spiel ermüdet waren. Was mochten sie da alles wieder angeschaft haben?! Und ein Phantasiegebilde von Wein und Gänsebraten— für ihn das Höchste an irdischem Genuß— zog vor seinem geängstigten Geiste vorüber. Untersuchen, sofort untersuchen! Die da unten waren ganz im Spiel vertieft; von der Seite war also keine Störung zu befürchten. Leise, ganz leise und vorsichtig schlich er ins Wohnzimmer hinüber, wo er denn auch die ganze Bescherung vorsand. Zum Glück hatten sie kaltes Abendbrot gewählt. Aber bei näherer Ueberlegung schwand auch dieser Trost. Im Grunde genommen war das noch teurer als Gänsebraten. Er untersuchte und beroch die Brötchen und Sandwiches. Lachsschinken, Sardinen, Spickgans, die feinste Trüffel= und Sardellenwurst, Requefortkäse— überhaupt nur das Allerteuerste und Beste war dazu verwendet worden. Und diese Mayonnaise, in der der Hummer in nußgroßen Stücken steckte— dieser Heringssalat! Delikat— höchst appetitlich— aber teuer, sündhaft teuer. Und das sollten die Kerle alles noch aufessen, diese Hungerleider, die sich nachher auf den Bauch patschten, sich lustig über ihn machten?! Ein schrecklicher Gedanke! Einen ganzen Monat Abendbrot für sich und die Seinen hätte er früher mit dem Gelde gekauft, das in dem Zeugs steckte. O diese Charlotte— wie er sie im Grunde seiner Seele haßte. Er schnüffelte weiter. Zu trinken war doch wohl auch etwas da. Richtig: im Glasschrank stand eine Bowle! Er erschrak förmlich, als er das Riesenungetüm sah. Wollte man eine Orgie im Hause seiern? Das sollte eine Bowle für acht Menschen sein, oder für zehn? Denn wahrscheinlich würden doch Kolb und Maxi später sein Hab und Gut verzehren helfen. Seinem ganzen Kegelklub würde er keine größere Bowle vorsetzen, wenn ihm— was gottlob nicht zu befürchten war— einmal die wahnwitzige Idee kommen sollte, ihn zu bewirten. Und daneben standen Zigarren— sogar mit einer Leibbinde. Echte Import! Unerhört! Wenn das so weiter ging, fraßen sie ihn mit Haut und Haaren auf. Er roch daran. Von diesen Zigarren— es war ein Fünfziger=Kistchen— kostete das Stück mindestens fünfzig Pfennige. Solch sündhaft teures Kraut sollten diese dummen Jungens in die Luft verpaffen? Und er, der Hausbesitzer, der schwerreiche Mann— sich selbst konnte er es ja gestehen—, er rauchte Zehn=, und wenn er sich eine bene antun wollte, Fünfzehn=Pfennig=Zigarren. Halt! Da kam ihm eine ausgezeichnete Idee! Aber zunächst von der Bowle retten, was noch zu retten war. Diese jungen Leute brauchten nicht so viel, vor allen Dingen aber nicht ein so schweres Getränk zu trinken, wie es eine Kostprobe ergab, die er zungenschnalzend vor„Hehehe!“ Er lächelte diabolisch. Denen wollte er ein Schnippchen schlagen; die Schwägerin brauchte natürlich gar nichts davon zu merken. Da stand ein großer Champagnerkühler der freilich in diesem Hause seinen Beruf verfehlt hatte und zu allem möglichen, nur nicht zum Sektkühlen, benutzt wurde— der war vorzüglich dazu zu verwerten. Er goß die halbe Bowle in diesen Topf, sischte mit dem Füll=Löffel einen großen Teil der Pfirsiche heraus und ersetzte das Manko zu etwa zwei Drittel durch Wasser, durch schönes, helles, klares Brunnenwasser. Er rührte die Mischung tüchtig durcheinander und kostete von neuem. Immer noch gut genug für so junge Leute! Was an Stärke und Stoffen fehlte, konnte man übrigens durch Süßigkeit ersetzen; also schüttete er noch einige Löffel von dem danebenstehenden gestoßenen Zucker hinein. Nun zu den Butterbrötchen, die— oh, Verschwendung!— auf beiden Seiten belegt waren! Eine Seite tat es doch auch. Den Belag der anderen Seite nahm er vorsichtig von jedem einzelnen Brötchen herunter und legte ihn auf einen großen Teller, auf den er dann noch etwa ein Viertel der ganzen Brötchen legte. Den gefüllten Champagnerkübel in der Linken, den Teller mit den Brötchen in der Rechten, schlich er leise in sein Zimmer zurück, um den Raub zunächst einzuschließen, dessen spätere Verwendung sich ja finden würde. Aber damit war er noch nicht fertig. Mit einer Kiste seiner eigenen, billigen Zehner=Zigarren kehrte er blitzgeschwind, ehe etwa jemand kommen konnte, in das Wohnzimmer zurück. Sorgfältig nahm er jeder einzelnen der Importen die papierene Leibbinde ab, um sie dafür seinen eigenen aufzustreifen. Die unterste Schicht, an die sich die Herren, nachdem sie die oberste probiert hatten, doch nicht heranwagen würden, ließ er unberührt. Die „Echten“ füllte er in sein Kistchen, brachte das ganze Arrangement wieder in Ordnung und trollte sich, einen befriedigenden Blick auf den Schauplatz seiner Tätigkeit zurückwerfend, zum zweiten Male davon. Aber ein neuer Einfall kam ihm plötzlich. Noch einmal kehrte er zurück, schloß das Klavier fest ab und steckte den Schlüssel in die Tasche. Ja, er war klug und weise. Jedenfalls wollten, sie später, wenn es draußen dunkel wurde, hier drinnen tanzen, singen und schmausen. Da wollte er doch einen kleinen Riegel vorschieben. Und jetzt zog er sich endgültig zurück. * Im Garten hatten sie unterdes munter weitergespielt— ja, diese Munterkeit steigerte sich von Minute zu Minute. Die Wangen das Lachen und Scherzen wurde immer lauter und ungenierter. Plötzlich saß einer von den jungen Herren, der Keckste, in Herrn Kaltenbachs schönsten Frühbirnenbaum und plünderte ihn, während sie unten die leckeren Früchte jauchzend auffingen.„apsshune 4 (Fortsetzung folgt.) Roman von Fritz Gantzer Nachdruck verboten. An jedem Tage, immer kurz vor vier Uhr, kam das Flugzeug über Peluschken. Von der Höhe im Westen her kam es. Winzig=klein sichtbar zuerst. Gleich einem dunklen Punkt, wie ein ungewisses Etwas, etwa einem Raubvogel gleichend, der in bewegungslosem Schweben nach Beute spähi. Schon Sekunden später aber wachsend, sich breitend Jetzt, dort, wo die Bruchwiesen dem Glumensee auf den Leib rückten, klar erkennbar als die das Luftmeer bezwingende stählerne Maschine. Sieghaft, königlich, erhaben! Meister, Herrscher, Gewalthaber! Erdgebundenes? Wie ein spöttisches Lächeln das glimmernde Glänzen der Tragflächen, wie ein rasendes Jauchzen das Sausen der Propeller. Oh, ihr da tief unten...! Peluschken! Fast an jedem Tage beobachtete Anna Brodalski das Flugzeug. Wenn sie am Fenster des Wohnzimmers saß. und Merten Hellwig aus dem„Generalanzeiger“ oder aus den„Propheten“ vorlas. Oder wenn sie den Koppelweg hinunterging, um das Jungvieh über den Dammsteg in die Tränke zu treiben. Oft, am häufigsten vom Grasgarten aus, der breit und behäbig, etwas verwildert zwar. aber einem Grasgarten um so ähnlicher, hinter den beiden Fachwerkscheunen sich der neuen Grenze zuschob. Heute würde sie umsonst warten. Heute war Sonntag. Da kam das Flugzeug nicht. Die sengende Julisonne stach in den Grasgarten. Die Luft stand bewegungslos und hatte in der Ferne über den Weizenschlügen, die schon erntegelb leuchteten, das Flimmern wie vor geheizten Backöfen. Auch im Schalten des uralten wilden Birnbaums war es heiß, dunstig, bleiern Das Vieh lag, träge wiederkäuend, in den Koppeln. Das Wetter machte müde, unlustig. So unlustig. launenhaft, verschroben, wie Merten Hellwig vorhin gewesen. Der„Generalanzeiger“ hatte versagt und die „Propheien“ auch. Wenn Merten Hellwig sie für unwissend. niederträchtig und verschlagen erklärte, bedeutete das den tiefsten Stand seines Gefühlslebens. In angeregten, gehobenen Stunden galten sie als unfehlbare Heilige. in deren Schriften man nur mit der Inbrünstigkeit eines alles Hoffenden suchen mußte, um Erlösung und Hilfe zu finden. Unbefriedigt, umsonst wartend, hatte er seine Vorleserin zuletzt hinausgeschickt. Hilflos lächelnd, leise den Kopf schüttelnd. „Vielleicht zum Abend noch einmal, Anna. Jetzt nicht mehr. Es ist alles taubes Zeug. Nein, hier unter dem Birnbaum war es unerträglich heiß! Anna erhob sich von der rund um den Stamm lausenden Bank mit einer herrischen, harten Bewegung, etwas wie Auflehnung gegen ein ungerechtes Schicksal andeutend, und stand einen Augenblick unschlüssig da. Ging sie lieber ins Haus oder suchte sie sich hinter dem Erlengebüsch am Teich, ganz hinten im Grasgarten, ein kühles Plätzchen? Mißmutig entschied sie sich für das Erlengebüsch; fand, was sie suchte, und streckte sich in das herbduftende Gras Sie atmete tief und verschränkte die Arme unter den Kopf. Empfand wohlig ein Sichlösen ihrer Glieder. und hatte für Minuten das Gefühl einer tiefen Befriedigung. Aber es entglitt in langsamem Verströmen, und machte einer niederdrückenden Ernüchterung Platz. Sie starrte stirnrunzelnd in das Gewirr des stumpfgrünen Blattwerks zu ihren Häupten, und grübelte Peluschken! Wie viele Wochen war sie nun schon hier? Fünf. sechs, oder gar schon sieben? Ach, es war ja so gleichgültig, die richtige Zahl zu suchen. Alle diese Wochen bedeuteten Enttäuschung, und mitunter war etwas in ihr. das einem unbestimmten Fürchten glich. Und diese entsetzlichen Sonntage! Sie waren in eine trostlose, graue Langweile gehüllt. Anna Brodalski stemmte die Füße auf und drängte die volle Brust gegen das enganschließende Gewebe des Leibchens Sie dachte an den alten Wohnort, an die Stadt an der Grenze: Schneidemühl. Ihre zwanzig Jahre rebellierten. Warum wünschte Merten, daß sie nicht tanzen gehen sollte?„Ich muß dich immer in der Nähe wissen“ hatte er gesagt,„damit ich dich jeden Augenblick zum Vorlesen haben kann Ueberhaupt paßt es mir nicht, daß du mit allen und jedem kanzt.“ Und dabei dann das merkwürdige Flimmern in den Augen! Wie von einem versteckten Feuer schien es zu kommen, das fürchten machte. Die Schwester? Liane? Nun, von der hatte man auch nichts; wenn man überhaupt von einer Schwester etwas haben kann. In der Woche liefen sie im Drange und in der Eile ihrer Arbeiten aneinander vorüber, ohne sich viel sagen und sein zu können. Und an den Nachmittagen der Sonntage kutschierte Liane auf dem Zweirädrigen nach Schneidemühl oder ins Polnische hinüber. Angeblich in Geschäften. Aber wer weiß! Sie kam immer erst spät in der Nacht heim, und es schien dann so. als wenn sie sich nicht mit den nüchternen Dingen des Kaufens und Verkaufens die Zeit vertrieben hätte. Und wenn es so war, wie man wohl nicht falsch dachte, dann konnte' einem Merten leid tun... Freilich— wenn man etwas leichtsinnig dachte: Liane war jung, knapp dreißig Jahre. Sie hatte heißes Blut, mit einem starken Schuß Leichtsinn darin, das Erbteil vom Vater der gern anderen Frauen nachgelausen war. Polnische Art, hatte die Mutter immer gesagt.— Und Merten...! Ja, es war ein Jammer mit dem. Daß ee so etwas überhaupt geben mußte, und der Tod da nicht kurzen Prozeß machte! Denn wozu leben, um gelähmt im Stuhl zu hocken oder im Ben zu liegen? Tag für Tag Nun schon fünf Jahre— seit dem Schlagfluß damals, fün Monate nach der Hochzeit mit Liane... Anna wandte das Gesicht dem leuchtenden Sommerhimmel zu, der mit seiner lichten Bläue in den Schatten unter den Büschen spähte. In ihren braunen Augen stand ein eigenes Licht, das wie eine traurige Sehnsucht nach Unausgedachtem war... Die Ferne, die Weite des Raume lockte. Komm! riefen weiße, langgeschwänzte Windstreifen die am Lichtblau des Firmamente langsam gen Osten reisten und wie winkende Hände waren. Sie mußte plötzlich an das Flugzeug, den täglichen Gast an Wochentagen über Peluschken denken. Und dann weiter, wenn man so erdengelöst, wie es selbst war, mit ihm weit, weit in die Welt hinein konnte, zu Stätten, wo es Lebensfreude gab, wo man nicht... Ach ja, wenn Merten wenigstens nicht so auf seine„Propheten“ versessen gewesen wäre! Sie empfand, zum ersten Male seit ihrem Hiersein, eine Art leisen Widerwillen gegen die Marotte des Schwagers. Aber sie drängte dies Gefühl mit dem Gedanken an ein Wiedersehen hinab.— Morgen, wenn das Fugzeug kam! *„* Man rief sie. Majaika, eine der Mägde, stand oben am Birnbaum. „Fräulein, der Herr ist böse, weil keiner——“ „Ja, sag', daß ich komme!“ unterbrach Anna. Nein. freundlich hatte das nicht geklungen. Mißmutig, gereizt Und die Art des Aufstehens war wie das Emporschnellen einer Gerte. So schmiegsam in der Bewegung des schlanken Leides und so voller Kampfansage in der Form des Ausdrucks Was wollte er schon wieder von ihr? Ein Schwarm weißer Tauben stieß auf eins der Stalldächer nieder, als sie über den unordentlichen Hof schritt. Ueberall waren die Zeichen des langsamen Verfalls sichtbar: Dachziegel fehlten. Stalltüren hingen aus den Angeln, Ackergeräte standen und lagen umher, teilweise zerbrochen und vom Rost angefressen. Die Dungstätte bor den Anblick trostlosester Verwahrlosung. Das in seiner Bauari anheimelnde, wenn auch im Abputz vernachlässigte Wohngebäude lag schutzlos in der sengenden Nachmittagssonne. Man konnte meinen, es brenne in einem heimlichen Feuer. „Nun, was soll's, Schwager?“ forschte Anna bei ihrem Eintritt in das rechts vom Flur gelegene Zimmer nicht gerade freundlich. Merten Hellwigs bleiches Gesicht war von Schweißperlen bedeckt. Die kantige Stirn stand scharfgemeißel: über den verstört blickenden Augen. „Reiße alle Fenster auf!“ sagte er.„In diesem Käfig ist es heiß wie Pestilenz, wie zum Ersticken.“ „Darum nur. Schwager, läßt du mich rufen? Hätte das nicht auch eins der Mädchen...?“ „Nein, du, Anna.“ Von diesem polnischen Weiber gesindel nicht. Mache schnell!— So! Und nun trockne mir die Stirn ab.“ Er schloß die Augen, als er die weichen Bewegungen ihrer Hand spürte, und lag regungslos in seinem Stuhl Wie ein Toter, dachte sie, leise erschauernd. Zum ersten Male fiel ihr heute die Menge der grauen Haare an den eingesunkenen Schläfen auf. „Nun, Schwager, ist es dir jetzt besser?" Er schlug die Augen auf und sah sie freundlich an. Eine stille Dankbarkeit leuchtete ihr entgegen... „Ja. Vorhin war es mir, als wenn es zu Ende sei So jammerhaft elend mit einem Male und schwarz vor den Augen..“ Aber“— ein tieferer, den Ausdruck des Dankes verwischender Schein kam in seinen Blick—,„aber, Anna, du sollst mich Merten nennen, wenn du mich anredest, nicht: Schwager.“ Sie schwieg. Ein eigentümliches Stechen, widerwilligschmerzhaft empfunden, bohrte in ihr. „Anna!“ quälte er drängend. Sie schluckte heftig.„Nun ja, wenn du es schon so willst! Es ist schließlich egal.“ „Nein, egal nicht" bestritt er. „Und nun?“ fragte sie ablenkend, und machte sich Eisch zu schaffen. „Ja, und wenn du mir nun noch ein Weilchen vorlesen wolltest..“ „Gewiß.“ Sie nahm den„Generalanzeiger“ von der Ofenbank „Nein, daraus nicht... Aus den Propheten“.“ Annas Hand zuckte zurück. Ein Gefühl heißen Widerwillens bäumte sich auf Narrl, mußte sie denken. Aber sie ging trotzdem schweigend zum Bücherregal, das über der Truhe aus geflammter Rüster hing. Wie ein gehorsames. jeglichen Willens beraubies Kind ging sie, und zog das abgegriffene Bibelbuch heraus. Seitdem Merten Hellwig an Liegestuhl und Bett gefesselt lag, las er viel Schließlich war er auch an die Bibel geraten. Zuerst hatte ihn eine Art Gleichgültigkeit, wenn nicht gar ein starker Widerwille veranlassen wollen. dies Buch unbeachtet zu lassen; denn was stand schon in ihm! Frommes Zeug, höchstens für alte Weiber gut. Aber da er etwas Besseres gerade nicht zur Hand gehabt, hatte er doch darin gelesen. Und an die Stelle der anfänglichen Abneigung war im Laufe der Zeit eine Art religiöse Schwärmerei getreten. Er klammerte sich an die Vorstellung, daß ihm durch das in der Bibel lesen Hilfe. Genesung zuteil werden müsse Bald neigte seine besondere Vorliebe zu den Propheten hin. Das waren Männer, die weissagend geredet hatten Alles, was sie an Hilfe und Rettung verhießen, bezog er auf sich. Er war in ihren Schriften zu Hause, wußte jede ihm zusagende Stelle auswendig und kannte die beireffende Kapitel= und Verszahl vom Jesaias bie zum Maleacht. Als dann seine Schwägerin ins Haus gekommen war auf Wunsch Lianes, weil sie der ihr lästig gewordenen Copyripht by Martin Feuchtwanger, Halle(Saale) Pflege des Gelähmten in manchem entbunden zu werden wünschte, hatte Merten plötzlich erklärt, daß seine Sehkraft an Schärfe eingebüßt habe und ihm das Leben sauer werde. Und Anna müsse ihm nun vorlesen. Sie hatte anfangs eingewendet, das nicht zu können, war aber dann, als er eigensinnig bei seiner Begründung blieb, schließlich doch bereit gewesen, seinen Wunsch zu erfüllen. Nun kannte sie es schon nicht mehr anders. Aber sie tat es ohne tiefere Anteilnahme, häufig genug widerwillig; sie ließ es sich jedoch nicht anmerken. Liane hatte schon oft gelacht.„Ihr seid beide wunderliche Heilige. Verrückt seid ihr!“ erklärte sie der Schwester von Zeit zu Zeit. Anna saß wartend, das Bibelbuch im Schoß, aus dem gewohnten Platz: zwischen dem birkenen Sekretär Mertens und der geflammten Truhe aus Rüster, dem Zuhörenden schräg gegenüber. Es erweckte den Eindruck von etwas rührendem, Naiv=kindlichem, das ehrwürdige, alte Buch der Familie Hellwig in der weichen, zärtlichen Rundung des jungen Schoßes Annas zu sehen. Mertens war noch nicht bei der Sache. Seine verlorenen Blicke tasteten suchend über Annas vollen Scheitel tiefblonden Haars, dessen Flechten, zu einem Knoten geformt, seine starke Fülle verrieten, und glitten, aufmerksamer. lebendiger werdend, über ihr Gesicht „Anna“, sagte er, sich aufraffend, seiner Abwendigkeit einen Stoß gebend,„schlage auf: Jesaias 35 und lies vom vierten Vers ab.“ Sie blätterte mechanisch, langsam. Fand endlich, und las: „Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht! Sehet, euer Gott kommi zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt, und wird euch helfen. Alsdann werden der Blinden Augen aufgetan werden, und der Tauben Ohren werden geöffnet werden. Alsdann werden die Lahmen löcken wie ein Hirsch, und der Stummen Zunge wird Lob sagen... Sie las nicht sonderlich. Ihre Stimme hatte etwas Eintöniges, Ermüdendes. Es war kein weicher Klang in ihrem Organ. Mitunter cäusperte sie sich, als quäle sie das Sprechen. Zweimal stolperte sie sogar, und wiederholte störend und verwirrend. Aber Merten hing an den weichen Linien ihres Mundes mit offensichtlicher Hingabe, und lauschte wie etwas Niegehörtem. Wunderbarem. Trotz der geöffneten Fenster war die Luft im Zimmer dumpf und drückend. War wie etwas Krankes, Sieches. Aber draußen war der blühende. lachende Sommer im Lande, und seine heiße Sonne legte einen breiten Streifen weißen Lichts vor die Füße Anna Brodalskis. Sah sie ihn, fühlte sie seine Wirkung wie etwas Belebendes, Erfreuendes? Es schien so. Denn den Schlußvers des Kapitels las sie mit erhobenet, Wärme verratender Stimme, betont und gut gegliedert: „Die Erlöseten des Herrn werden wiederkommen, und gen Zion kommen mit Jauchzen: ewige Freude wird über ihrem Haupte sein, Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“ „Entfliehen!" wiederholte Merten inbrünftig und gläubig.„Ja, entfliehen! Anna, das war schön. Und nun will ich heute nichts mehr hören. Ich werde über alles nachdenken Geh' nur! Geh' ins Feld, zur Koppel, wohin du willst. Ich lege mich still zurück. Und, glaube mir, jetzt habe ich keine Schmerzen. Und in meinen Füßen ist es wie ein Wachsen. Ja, Anna, die Propheten helfen mir sicher noch."„„* Vom Glumensee her kroch der halbe Mond hoch. Er schimmerte rötlich und schwamm in einem feinen Dunst. Die Sommernacht war spukhaft still, fast lautlos. Nur ein später Vogel schrie irgendwo in der Ferne. Anna saß, der Heimkehr Lianes entgegensehend, auf der Bank im Vorbau, ganz in den Schatten der Linde geschmiegt, die seitab stand und ihre breite Krone in das lichte Julidunkel hob. Das Haus gab keine Lebensäußerung. Es lag stumm und ohne Licht. Sein gelähmter Herr schlief längst. Es war schon spät; es mußte bald Mitternacht sein. Die Turmuhr hatte längst elf Uhr geschlagen. Anna fröstelte; eine frische, erzene Kühle kroch über ihre Schultern und über ihren Nacken. Sie legte das bis jetzt nicht benutzte dunkle Tuch um und verdeckte mit ihm das leuchtende Weiß des Sommerkleides. Nun hob sich ihr Körper wie eine verschwimmende Silhouette vom Gebälk des Vorbaues ab, daß sie fast unsichtbar war. Ihr gespannt wartendes Ohr lauschte in die Nacht. Regungslos, den Atem anhaltend. vernahm sie den pochenden hämmernden Schlag ihres Herzens. Und etwas, das fast wie eine dunkle Furcht war, schlich in ihr Blut, das mit der Länge des Wartens die Stärke seines Strömens erhöhte. Es war unerhört von Liane, so lange auszubleiben, allein, den hilflosen Mann daheim wissend, ohne Sorgen um ihn und die Wirtschaft. Anna fühlte eine tiefe Verachtung für diese Handlungsweise in sich hochquellen, und ihre schon längst gehegte Absicht, einmal energisch dazwischen zu fahren, gewann heute an Stärke und Festigkeit. Aber nun kam sie ja wohl endlich! Auf der Chaussee von Schneidemühl her, ganz fern noch, vermischte sich leichtes Räderrollen mit klappendem, schnellem Hufschlag, kam näher, verrann merkwürdigerweise in kurzen Abständen immer für Sekunden; erklang von neuem, zuletzt schon in gewisser Scheidung der Einzelgeräusche, und wurde auf dem Pflaster der Dorfstraße zu polterndem, die Stille der Nacht jäh zerreißendem Getöse, das die Hunde aus dem Schlaf jagte und sie zu wüstem Gekläff reizte. Fortsetzung folgt. Tone der Eulr den der Nechlspfiege wissen muß! Unrichtige Firmenzusätze betreffend die Zahl der Gesellschafter. Eine Kaufmannsfrau hatte lange Jahre unter ihrem Namen ein nicht eingetragenes Unternehmen betrieben und schließlich ihren Sohn und auch noch einen anderen Angehörigen als Gesellschafter ausgenommen. Die Eintragung der von den drei Gesellschaftern gewählten Firma„T. und Sohn“ war versagt worden, weil Gesellschafter nicht nur K. und Sohn seien, die gewählte Firma also— der Wahrheit zuwider— den Anschein erwecke, als bestehe die Gesellschaft nur aus zwei Personen, nämlich der Mutter und dem Sohn. Die hiergegen gerichtete Beschwerde der Geschäftsinhaber blieb erfolglos. Das Kammergericht hat die Ansicht der Beschwerdesührer, die Verkehrsauffassung verstehe den Zusatz„und Sohn“ keineswegs dahin, daß neben dem namentlich aufgesührten Gesellschafter nur noch ein weiterer vorhanden sei, nicht geteilt. Richtig ist, so heißt es in den Gründen, daß der die Gesellschaft andeutende Zusatz die Zahl der Gesellschaft nicht zu ergeben braucht. Es genügt daher ein allgemeiner, auf eine unbestimmte Zahl von Gesellschaftern hinweisender Zusatz, wie der vielsach gebrauchte& Co.“ Wenn aber aus dem Zusatze die Zahl der Gesellschafter hervorgeht, so muß diese Angabe der Wahrheit entsprechen. Ein Zusatz, der über die Zahl der Gesellschafter unrichtige Vorstellungen hervorruft, ist also unstatthaft. Ein wahrheitswidriger Gesellschaftszusatz ist unzulässig, gleichviel, ob er eine schädigende Wirkung auf die mit der Gesellschaft in Verbinden tretenden Personen auszuüben vermag oder nicht. Wer darf sein Unternehmen„älteste Spezialfabrik nennen? Ein Fabrikant von Gas=Koch= und Heizapparaten bezeichnete sein Unternehmen als „älteste Spezialfabrik".— Ein Konkurrent strengte nun Klage auf Unterlassung dieser Bezeichnung an, indem er behauptete, einmal betreibe der Gegner keineswegs die älteste Fabrik auf diesem Gebiete— andere Fabriken derselben Art seien schon früher gegründet worden. Weiterhin fabriziere der Gegner auch noch andere Gegenstände als bloß GasKoch= und Heizapparate; er dürfe sein Unternehmen daher nicht als„Spezialfabrik“ bezeichnen. In allen Instanzen wurde die Klage jedoch abgewiesen. In weitesten Käuserkreisen werde bei der Angabe„älteste Fabrik“ nur an die gegenwärtig bestehenden Fabriken der betreffenden Art gedacht— so entschied das Reichsgericht. Für den Vergleich mit Waren anderer Unternehmer können Betriebe, die nicht mehr bestehen, gar nicht in Betracht kommen, mag auch die Gründung solcher eingegangenen Unternehmungen weit zurückliegen. Nur dann könnte man vielleicht trotzdem eine Angabe„älteste Spezialfabrik“, die die Behauptung einer langen Erfahrung in sich schließt, beanstanden, wenn die Unternehmen zwar von allen bestehenden das älteste ist, tatsächlich aber erst kurze Zeit bestände, so daß von einer langen Erfahrung keine Rede sein könnte. Legt man diese Erwägungen zu Grunde, so läßt sich gegen die Verwendung des Wortes„älteste“ auf den vorliegenden Fall nichts einwenden. Weiterhin hat die Vorinstanz festgestellt, daß der Beklagte eine leistungsfähige Spezialfabrik für die Gaskochindustrie betreibt. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß der Beklagte noch andere Waren herstellt und vertreibt. Denn ein Unternehmen kann sehr wohl die Fabrikation einer bestimmten Art von Waren als Spezialität betreiben und daneben noch andere Waren herstellen. Das ist sogar eine keineswegs seltene Erscheinung, und das Publikum wird durchaus nicht irregeführt, wenn in einem solchen Falle die Angabe gemacht wird, es sei eine Spezialfabrik vorhanden. Nicht daß der gesamte Fabrikbetrieb sich ausschließlich mit der Spezialität befaßt, sondern daß die angegebenen Artikel als Spezialität, also in einer besonderen Abteilung und mit besonderer Sachkunde und Sorgfalt hergestellt werden, entnimmt das Publikum aus der Ankündigung„Spezialfabrik“ für eine bestimmte Ware. Sonach kann keine Rede davon sein, daß der Beklagte über sein Unternehmen etwas Unrichtiges bekannt gegeben hat. Die Grunddienstbarkeit in der Enteignung des belasteten Grundstückes. Der Kläger betreibt eine Fabrik auf einem Grundstück, zu dessen Gunsten auf einem angrenzenden Grundstück eine Grundgerechtigkeit eingetragen ist, wonach der Eigentümer des Fabrikgrundstückes berechtigt ist, die Durchfahrt des zweiten Grundstückes zum Befahren und Begehen zu benutzen. Durch den Umbau eines daneben befindlichen Bahnhofs wurde nun eine Tieferlegung der Straße, an der das mit der Grunddienstbarkeit belasteie Grundstück liegt, erforderlich, die auch Veränderungen an diesem Grundstück notwendig machte. Auf Antrag der Reichsbahn wurde daher ein Enteignungsverfahren zum Zweck der Durchführung der Tieferlegung eingeleitet, und schließlich kam zwischen dem Eigentümer des belasteten Grundstückes und der Reichsbahn ein Vergleich zustande dahin, daß der Eigentümer des Grundstückes sich verpflichtete, die notwendigen Umbauten auf seinem Grundstück selbst auszuführen, wofür er eine Entschädigung von 12 500 Mk. erhielt. Der Fabrikbesitzer hatte in dem Verfahren vergebens seine Rechte bezw. die ihm durch die baulichen Veränderungen entstehenden Nachteile geltend gemacht und eine entsprechende Entschädigung von der Reichsbahn verlangt. Die Bahn vertrat den Standpunkt, der Fabrikbesitzer habe sich mit seiner Forderung lediglich an den Eigentümer des mit der Grunddienstbarkeit belasteten Grundstückes zu halten. Infolgedessen strengte der Fabrikbesitzer wegen Beeinträchtigung seiner Grunddienstbarkeit gegen die Deutsche Reichsbahngesellschaft Klage an. Die Beklagte wandte ein, der Kläger habe tatsächlich gar keinen Schaden erlitten. Er könne auch jetzt noch mit seinem Wagen die Durchfahrt benutzen. Wenn der Kläger meint, das Durchfahren des Einganges mit seinem Automobil sei mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft, und Lastwagen mit Anhängern könnten überhaupt nicht mehr passieren, so sei dem entgegenzuhalten, daß zu der Zeit, als die Grunddienstbarkeit an dem Grundstück bestellt wurde, von Kraftwagen oder gar von Anhängern noch keine Rede war; der Kläger habe also kein Recht, eine Entschädigung für verlorene Rechte zu fordern, die er nie erworben habe. Tatsächlich hatten auch die Vorinstanzen zu Ungunsten des Klägers erkannt, doch hat das Reichsgericht das Entschädigungsverlangen des Klägers grundsätzlich gutgeheißen. Nach den getrofsenen Feststellungen ist zwar die Ausfahrt mit einem Lastkrastwagen ohne Anhänger ausführbar, so heißt es in den Gründen, die Einfahrt aber stößt infolge Tieferlegung der Durchfahrt und Verengerung der Fahrstraße auf große Schwierigkeiten, und für einen Lastwagen mit Anhänger ist ihre Benutzung überhaupt nicht mehr möglich. Der Vorderrichter meint nun, das Recht des Klägers erstrecke sich nicht weiter, als das Kommunikations=Interesse es verlange, und der Kläger habe doch nicht die Möglichkeit verloren, die Durchfahrt zu benutzen. Das ist indessen nicht richtig. Es kommt darauf an, in welcher Weise der Kläger sein Durchfahrtsrecht bisher ausgeübt hat. Hat der Eigentümer des belasteten Grundstückes die Durchfahrt eines Lastkraftwagens mit Anhänger gestattet, so kann darin möglicherweise eine stillschweigende Uebereinkunst der Beteiligten gefunden werden, daß dem Kläger das Durchfahrtsrecht in dieser Gestalt zustehen solle. Daß bei der Bestellung der Grunddienstbar= keit die Verhältnisse anders lagen, würde nicht ausschlaggebend sein. Denn wenn die Verkehrsentwicklung Veränderungen im Gebrauch der Verkehrsmittel geschaffen hat, so müßte nach Treu und Glauben dieser Veränderung auch bei Ausübung des Durchfahrtsrechtes Rechnung getragen werden, da sonst der Zweck der Grunddienstbarkeit vereitelt würde. In dieser Beziehung ist die Sache von dem Vorderrichter vorerst noch weiter auszuklären. Pfändbarkeit des Baugerüstes. Bei einem Bauunternehmer waren Hölzer gepfändet worden, die er als Baugerüst zu benutzen pflegte. Der Unternehmer war der Meinung, daß die Hölzer nicht gepfändet werden dürften, da§ 811, Ziffer 5 der Zivilprozeßordnung das nicht zulasse. Bekanntlich dürfen nach dieser Gesetzesbestimmung bei Handwerkern usw. die zur persönlichen Fortsetzung der Erwerbstätigkeit gehörigen Gegenstände nicht gepfändet werden. Tatsächlich hatte auch das Amtsgericht die Pfändung für unzulässig erklärt, dagegen haben Landgericht wie Oberlandesgericht Kiel die Pfändung zugelassen. Der Schutz des § 811 Ziffer 5 der Zivilprozeßordnung reiche nur so weit, als es sich um Gerät handelt, dessen der Schuldner zur persönlichen Ausnutzung seiner eigenen Arbeitskraft bedarf. Dagegen versagt der Schutz, sobald ein Unternehmer sachliche Betriebsmittel als Gerät für fremdes Hilfspersonal ausbeutet. Danach muß insbesondere das Baugerüst eines Bauunternehmers für pfändbar erklärt werden, da es seiner Natur nach der Arbeit einer Mehrzahl von Arbeitern, nicht dagegen als Hilfsmittel für die persönliche Arbeit eines einzelnen Mannes diene. Hieran kann auch der Umstand nichts ändern, daß der Schuldner, wie er angibt, zur Zeit keine Leute mehr beschästigt. Denn die Gerüsthölzer sind nicht für die Arbeit eines Meisters, sondern ihrer Natur nach für das Zusammenwirken mehrerer Arbeitskräfte im Baugewerbe bestimmt. 63. Jahrgang Nr. K u 6 Der Gertrudentag in 17. März. Von Karl Lamprecht. St. Gertrud wurde im Jahre 626 als die Tochter Pipins von Landen geboren. Sie war schon 647 Nonne im Kloster Nivelle in Brabant, trat aber bald wieder aus, um sich für ihren Tod vorzubereiten, der sie auch schon früh, am 17. März 664, ereilte. In Westfalen gibt es Gertrudiskirchen in Oberkirchen, Sümmern, Wattenscheid und Horstmar; früher war auch das Kloster Bentlage bei Rheine ihrem Schutze unterstellt. Im Volksglauben gilt St. Gertrud als die„erste Gärtnerin“, die„Gennersche", woher der niederrheinische Hausname Genner abgeleitet wird. Ihr Tag soll Sonnenschein bringen; denn:„Gertrud nützt dem Gärtner fein, wenn sie sich zeigt mit Sonnenschein“. Auf dem Lande muß nun alle Winterarbeit, vornehmlich auch das Spinnen, getan sein, sonst beißt die Maus den Spinnfaden ab. Wer eine gute Ernte erwartet, muß auf „Sünte Gertriud“ mit der Gartenarbeit aufangen. Auch sonst beginnt das Sommerleben; so führt sie„die Kuh zum Kraut, die Biene zum Flug, die Pferde zum Zug". Selbst bei ungünstiger Witterung muß man kurze Zeit im Garten arbeiten, damit sie den guten Willen sieht. Bei Lampenlicht darf nun nimmer gearbeitet werden; deshalb heißt es bei Borbeck: Sewentienter Gertrud schmiet Eggen un Plöge herut, bloast Lampen un Kerzen ut.“ Wer am Gertrudentage und später noch Licht brannte, galt als Faulpelz. In der Soester Börde pflanzte man am 17. März die ersten Großebohnen, um eine reiche Ernte zu erzielen. Selbst im kalten Sauerlande(bei Marsberg) gilt:„Gertrind geit de eiste Görner int.“ In der christlichen Kunst spielt„Gertrud mit der Maus“ eine bedeutsame Rolle. Es gibt kaum eine Abbildung von ihr, auf der nicht irgendwie die Maus vertreten ist, deren oft mehrere an ihrem Aebtissinnenstabe auf und ab laufen. Abraham a Santa Clara, ein satirischer Schriftsteller und Kanzelredner des 17. Jahrhunderts, sagt in seiner Schrift: „Judas, der Erzschelm":„Die hl. Jungfrau Gertraud wird jederzeit, als eine Abbtissin mit einem Stab entworffen, an welchem etliche Mäuse aufkriechen, die Ursache dessen such der Leser in der Lebensbeschreibung erstbenannter Heiligen; diesmahls ist das schon genug, daß die Bildnuß besagter Hl. Gertraud niemahlen ohne Mäuß vorgestellet wird. Das müssen die Jungfrauen wol in Obacht nemmen; wenn sie Gern=traut heißen, und so unbedeutsamb fast allen gern trauen, daß sie von Mäusen genug, und zwar von großen, kecken, frechen, freyen Mäuß=Köpfen werden angefochten.“— W. Wenzel meint, wenn die heilige Gertrud mit einem Spinnrocken abgebildet werde, an dem die Maus hinausläust und den Faden abbeißt, so sei es deshalb, weil die Mäuse durch die heilige Gertrud aus den Feldern vertrieben würden. Nach anderer Meinung soll die Maus ein Abbild des Teufels sein. Es sei ihr nämlich der Teufel als Maus erschienen und habe sie beim Spinnen durch fortgesetzte Belästigungen zum Zorne gereizt. Sie habe aber alle Anfechtung durch Geduld und Gebei überwunden und dadurch vertrieben. In der alten christlichen Kunst kann die Maus sehr wohl ein Abbild des Teufels sein. St. Gertrud trägt jedoch noch andere Züge, die darauf hinzuweisen scheinen, daß sie schon ein Urbild aus der Heidenzeit gehabt haben mag, das später eine christliche Umkleidung erhielt. Sie ist Patronin der Herbergsleute, der Reisenden und Schiffer, die ihr die Gertrudsminne tranken. Bei ihr schlasen auch die Toten die erste Nacht, darum standen ihre geweihte Kapellen vielfach vor den Stadttoren, an oder in der Nähe der Siechenhäuser oder Spitäler. Gertrud hat manche Züge mit Freya oder Holde, die„Herrin“, gemein. Sie zürnt über häusliche Unordnung und überwacht den Fleiß der Spinnerinnen, indem sie den fleißigen dabei hilft, den faulen aber den Faden verwirrt oder abreißt, sie bringt aber auch, das Land durchziehend, dem Boden die Fruchtbarkeit. Sie tut also alles das, was man später Gertud zuschrieb.654 86 Das Wirken dieser Gottheit bestangt ubrigens des Tacitus Nachricht, daß zu seiner Zeit der germanische Ackerbau in den Händen der Frauen gelegen habe, daß sie ihn schusen. Mit seinem Werte hob sich die Achtung vor dem weiblichen Schutzgeiste des Hauses, der „Herrin", der„Frau". Sie hat nach Lippert aber auch die alte Urmutter in sich ausgenommen. In Brunnen und Teichen hält sie um sich die Seelen der Ungeborenen. Als Schutzgeist des Hauses ist sie zugleich das Hel, das „Eigen“, und im übertragenen Sinne der weibliche Herdgeist(vergl. Helhaken u. a.). Wenn man diesem oder seiner späteren Nachfolgerin Gertrud die„Gertrudisminne“ trinkt, so handelte es sich um einen Totenkult; denn unter dem Herde wurde die erste Herrin des Hauses, die Urahne, begraben. Den Seelen der Toten aber wurden Opfer dargebracht. Gertrud, die süddeutsche„Trud", ist nichts anderes als eine Hellia, eine Herdbewohnerin, der man den Totenschmaus darbringt. Es steht geschichtlich fest, daß derartige Gelage, die zu Ehren der abgeschiedenen Seelen veranstaltet wurden, im Hause oder zumeist auf Friedhöfen, bis ins Mittelalter hinein bestanden haben. Nun wird uns auch das Sinnbild der hl. Gertrud verständlich. Die Maus gilt, wie wir schon früher dargetan haben, als Bild der Seele. Wenn diese vom Leibe ausgeht, schläst der Mensch; wird sie aber gefangen, oder gar getötet, so ist der Mensch tot. Wie die Urmutter am Seelenort, im Reiche der Toten und Ungeborenen, weilt, so ist St. Gertrud von Mäusen, den Seelen der Abgeschiedenen, umgeben.— Mancherlei sonstige abergläubische Züge lassen die Vermutung auskommen, daß der Volksglaube mit ihrer Person viele altheidnische Elemente verknüpft hat. Das geht besonders aus rheinischen Bauernregeln hervor. In München= Gladbach sagt man:„Zenk am en de Rin.“ In Köln heißt es:„Zinter Bring(St. Severin) wirf dä kahle(kalte) Stin en dä Rhing, Zint Geedrück met der Muus höllt inn widder druus.“ Der Stein bezeichnet die Winterkälte, die den Rhein schon öfter gefrieren ließ. Nach dem Volksglauben ist es übrigens recht wenn es am Gertrudentage friert, denn: „Friert's an Gertrud, der Winter noch 40 Tage nicht ruht.“ Hoffen wir für dieses Jahr, daß die„Gennersche“ ihrer Gartenarbeit nachgehen und Großebohnen pflanzen kann. Das Wiedersehen Eine Geschichte von Ludwig Bäte. Zweiunddreißig Jahre waren es her, als er sich heimlich mit ihr verlobt hatte. Sie zählte damals neunzehn, er vierundzwanzig Jahre. Er war gerade mit seinem pharmazeutischen Studium fertig und seit ein paar Monaten Provisor in ihrer Heimatstadt. Doch hatte sich ihr Vater bestimmt gegen eine Verbindung erklärt und führte seine Absicht, sie zu trennen, mit Unerbittlichkeit durch, so sehr ihn das im Grunde seines leicht gerührten Herzens auch schmerzen mochte. Nicht, daß ihm der junge Apotheker mißfallen hätte, doch widerstrebte es dem Friesen aus uralter Sippe, einen so nahen Angehörigen anderer Konfession zu wissen, so fern ihm eigentlich jedes kirchliche Bekenntnis lag. Sie hatte sich gesügt, und er verließ seine Stelle und fand sein Brot in einer kleinen niederrheinischen Stadt, wo er sich nach einiger Zeit mit der Tochter des dortigen Arztes verheiratete, nicht ohne immer noch heimlich verehrend und doch mit einem leichten Gefühl der Bitterkeit vor dem Altar seiner ersten Liebe das Knie zu beugen, so ungerecht er das auch gegen die stille, feine Frau, die er geheiratet, empfand. Etta Petersen war nach des Vaters Tode in dem großen grauen Hause an der Küste geblieben und hatte sich nicht vermählt. Bei dem Besuche einer jungen Freundin, die sie in dem der Vaterstadt naheliegenden Badeorte kennen lernte, erfuhr sie ganz zufällig, daß er in der Nähe des Wohnortes ihrer Gastgeber vor etwa zehn Jahren eine kleine Landapotheke angekauft habe, und sie beschloß, ihn aufzusuchen. Sie hatte ihm einige Tage vorher geschrieben und einen Brief bekommen, in dem trotz der ruhigen Fassung der wenigen Sätze, so schien es ihr, doch noch ein Anhauch der alten Lebendigkeit und ein Fünkchen der ungestorbenen Liebe lebte. Der Gatte der Freundin begleitete sie. Er hatte anfangs ihre Bitte abschlagen wollen, fühlte aber bald, daß seine Anwesenheit leichte Stockungen im Beisammensein der alten Leute überbrücken und ausgleichen würde. Keiner holte sie ab. Ihm als Apotheker war es nicht möglich, und Frau und Tochter mochten im Hause zu tun haben,„vielleicht auch gründlich vorbereiten“, wie der Begleiter, der ihr eine leise Befangenheit anmerkte, scherzend meinte. Ein Wagen war nicht aufzutreiben. So ging man langsam über die schöne, pappelumstandene Landstraße, die sich eine Weile durch ebenes Land zog. Dann trat der Wald, der sie eine Zeitlang umschlossen hatte, zurück, und vor ihnen spannte sich das nicht sehr breite Tal mit dem von einem langen, schmalen Turm überragten Dorse, aus dessen hohen Linden und Ulmen sich einige Häuser hoben, die auf Pfarrei und Apotheke deuteten. Ein kleiner Junge, der vor der niedrigen Schule spielte und ganz in seine Unterhaltung mit einem Häuschen blankglänzender Kiesel vertieft schien, führte sie über den nahen Mühlenbach zur Apotheke. Das Haus stammte aus den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts und machte in seiner bürgerlich=soliden Tüchtigkeit, der ein festlicher Anstrich nicht fehlte, einen behaglichen Eindruck, den ein buntes Beet Astern nur noch vertiefte. Die Klingel gellte mißtönend. Eine Tür, dem Eingang zur Apotheke gegenüber, tat sich auf, und eine etwas gebeugte, weißbärtige Gestalt streckte ihnen aus dem Halbdunkel des großen Flurs beide Hände mit herzlichem Druck entgegen. Indessen war auch die viel jüngere Frau mit ihrer etwa siebzehnjährigen Tochter gekommen, und nach einigen der üblichen Worte saß man am Kaffeetisch im tief und nach dem Garten hin gelegenen Wohnzimmer. Dann und wann fiel ein langer, dünner Faden Sonne in den Raum und legte sich über die alten, feinen Gesichter der beiden, die manchmal wie scheu aneinander vorbei sahen, bis sie das fröhliche Geplauder des Begleiters, dem ein scharfes Ohr freilich einige Unsicherheit angemerkt hätte, den andern wieder zuführte. Des österen ging die Tür zur Offizin, und der Apotheker mußte dann aufstehen und kam manchmal, wie dem Gaste schien, mit einer gewissen inneren Sammlung und Festigung wieder, bis ihn ein scheinbar schwerer auszuführendes Rezept länger dort festhielt. Man war unterdes aufgestanden und besah sich einige der Räume. Im letzten Zimmer, schräg der Apotheke gegenüber, stand ein mahagonifarbenes, spinettähnliches Tafelklavier mit steilem Pult und zwei schwach geschwungenen Leuchtarmen. Er griff einige Akkorde. Es war ein altmodisches Lied, das er einmal irgendwo gehört hatte und das ihr bekannt schien, denn sie summte leise mit und erklärte sich auf seine Bitte bereit, es zu singen, während die Mutter, um nach dem Abendbrot zu sehen, sich entfernte. Ueber Ettas Gesicht glitt eine tiefe Röte. Das Lied hatte man in ihrer Jugend oft gesungen, und sie sah noch immer seinen fröhli chen Mund, der es der Musik nachsummte an jenem Abend. Die beiden Jungen waren bald, da er in ihr eine hübsche, sichere Stimme fand, in Eifer geraten und kramten in den spärlichen Notenvorräten, die der kleine Eckschrank barg. Etta schloß, nachdem sie eine Zeitlang zugehört hatte, die Tür und trat in den kleinen Apothekenraum und von dort in sein Zimmer. Ruhig hob er den weißen Kopf von dem kleinen Messingmörser auf dem Tisch. Der Abend hängte dunkle Vorhänge in das Zimmer, und mühsam tastete sich ein schwaches Kerzenlicht in die immer tiefer wachsende halbe Helle. „Wie schön, daß Du noch gekommen bist!“ sprach er ruhig. Sie antwortete nicht, aber er sah, wie ihre Schultern zitterten und sie sich zur Seite wandte. Endlich fragte sie schwer:„Bist Du glücklich geworden, trotzalledem?“ Beinahe rauh entgegnete er:„Ich habe mein Brot, habe Frau und Kind— so sagt man ja wohl. Und ich habe meine Einsamkeit. Anfangs schienen die beiden, an das Leben ihrer Heimat gewöhnt, sich hier nicht froh fühlen zu können. Das ist nun wohl doch so langsam geschehen.“ Sie schwieg und fühlte ganz, warum er sich in diese Weltverlassenheit vergraben hatte. „Aber glücklich?“ fuhr er fort.„Was nennt man Glück? Ist es das, was war und was uns damals nicht bewußt wurde, weil es traumvoll und unirdisch durch unsere törichten Hände glitt, die es nicht fester faßten? Kommt der Tag an das feine Gespinst, so zerreißt es, und kein Weber zieht je die Fäden wieder zusammen. Warum kam der Tag an unser Glück?“ „Schilt nicht!“ bat sie.„Es ist nicht möglich, daß er an ihm vorüber ging, denn alles, was zur Erde kommt, wird auch in ihren Strudel hinein gerissen. Klagend schlägt das Edle seinen zerrissenen, beschmutzten Mantel um sich und flieht zurück in sein Land, um doch immer wieder liebend hinabzusteigen in diese dunkle Welt. Es ist kein dauerndes Glück im Irdischen. Aber die Sehnsucht nach ihm brennt in uns. Ist sie nicht die einzige Hoffnung, daß es einst ganz kommen wird?“ „Oder wir zu ihm,“ antwortete er. „Sie nickte.„Suchen wir nicht das Glück, suchen wir die Liebe, sagt ein gutes Wort, das ich in schwerer Stunde damals fand. Die Liebe, die unser armes Ich hinauf hebt über uns selbst. Die große Liebe.“ Die Frau bat zum Essen. In der behaglich warmen Stube saß man noch eine Stunde zusammen, indessen der Wind klagend um die Fenster strich. Dann trennte man sich. Er begleitete sie durch die Gassen des Dorfes und noch ein Stück die Landstraße entlang. An einer Wegbiegung nahmen sie Abschied. Sein greiser Kopf stand scharf im Lichte des plötzlich für Augenblicke aufkommenden Mondes. Sie sah innig in seine Augen und ließ ihm beide Hände. „Die Liebe, die große Liebe,“ sprach er vor sich hin. Dann wandte sie sich schnell ab und griff wie hilfesuchend nach dem Arm des jungen Freundes, der einige Schritte voraufgegangen war. Endlich lösten sich die Lichter der Haltestelle aus der Nacht. Am anderen Tage fuhr sie heim. Winterbilder aus dem Hohen Sauerlande Von Franz Predeek. — Licht wird im Osten. Um die sechste Stunde eines bitterkalten Märzmorgens. Fahlrot, müde, leckt es über die Berge. Und müde schlagen die erfrorenen Wasserlachen auf den Gefilden die Augen auf. Das Schneeland erhebt sich aus nächtlicher Bläue und kleidet sich in zartestes Rosenrot. * — Hinter den kauernden Bergen, aus dem Schoße der Tiefe, steigt des Tages Gestirn empor, und gülden Licht rieselt über das Antlitz der Winterlandschaft. In den blauen Schatten aber frieren Eis und Schnee und alle Gebilde. * — Gläsern hell und blau wölbt sich des Himmels Dom über der Erde. Purpurträger stehen die Gipfel, und alle Stämme der Wälder auf den Bergen erglühen im heiligen Strahl. Und die Dörfer ducken sich nieder und harren des erlösenden Wortes.— * — Winterberg. Die Sonne steht hell am Himmel, und die Blässe füllt sich mit azurnem Blau. Das wie auf einem Teller hoch hingehaltene Städtchen brütet warm in der spielenden Sonne. Die früheren Strahlen entschädigen es für die rauheren Lüfte. * — Vom jungen und alten Grimmen her winkt alpine Landschaft. Jäh stürzt sich das Tälchen der Helle zur größeren Schwester Orke. Vor Elkeringhausen öffnet es seine Eisränder zu einer breit gelagerten Weite. Fein zeichnet hier die Natur, mit blauen Baumschatten, die aus den hangenden Wäldern fallen, und Linien, die durch die winterliche Weiße noch weiter und zarter erscheinen. Fast verliert sich das filigrangewobene Maßwerk der über die Weite tupfenartig verteilten Erlengebüsche. * — Wie Gletscherspalten mit ihrem wuchtigen Schichtwerk nun die Ufer der Helle. Alle Lichter und Schatten und bunte Reflexe spiegeln darein und wecken, hier oben im Hochsauerlande, die Erinnerung an alpines Geschehen. Die Elkeringhauser Mühle träumt von linden Lüften und murmelnden Wellen. * — In Elkeringhausen ist das Dorfleben scheinbar miterfroren. Bis auf den vermummten Briefträger, den führungslos über die verharschten Wege taumelnden Langholzschlitten und die gerade aus der Schule die glatte Dorfstraße hinabperlenden Buben und Mädel. Am Fenster läßt sich niemand sehen. Wozu auch? Der Frost hing dichte Gardinen auf.— * — Die Landschaft wird nachgerade heroisch. Wir sind in gleicher Höhe mit dem jungen Grimmen, nun ein trutziger Zacken. Aber noch hält der alte Grimmen wie eine ragende Wand. Gegen die Sonne gesehen, gleißen die Felder wie Gletscher. Schützend stellt sich der Schloßberg vor das frierende Küstelberg. Die paar Häuschen da: Urbild der Einsamkeit. Dafür aber schauen sie weit in die Lande.— * — Ueber den Dumel segen eisige Winde Pulvern den Schnee in die Lüfte wie sprüihende Tunke. In Glaste der Sonne blinken die Dächer von Winterberg. Ettern und nindPSchnte und Hinter den Kulissen einer„Kinderkrankheit“ Früher bestand unter Aerzten volle Uebereinstimmung in der Auffassung, daß Bettnässen verursacht sei durch eine vielleicht ererbte organische Schwäche, durch Krankheit oder einen nachteiligen Einfluß von außen, wie Erkältung, Unterernährung, Unfall. Allgemein wurden deshalb zur Heilung des Uebels unter anderem Massage, Bestrahlung oder auch Wecken bei Nacht, Höherlegen des Unterleibes und Entzug flüssiger Nahrung besonders bei der Abendmahlzeit empfohlen. Diese Maßnahmen haben sicher in manchen Fällen das Uebel behoben. Häufig aber findet sich unter Bettnässern ein hoffnungsloser Fall, an dem alle ärztliche Kunst scheitert. In den letzten Jahrzehnten beschäftigten sich nun einige Aerzte gerade mit diesen„Unverbesserlichen". Sie setzten hinter die Behauptung, das Nässen wäre rein körperlich bedingt, ein großes Fragezeichen und legten gleichzeitig genaue Berichte von verblüffenden Heilerfolgen vor, daß wir Erzieher allen Grund haben, uns mit dieser neuen Auffassung bekannt zu machen und dem Grund der raschen Einstellung des Bett= und Hosennässens nachzuspüren. Da die obengenannten Aerzte die Anschauung vertreten, das Nässen wäre fast nie physisch begründet, sondern hätte einen seelischen Hintergrund, gehen sie bei der Behandlung von Hosennässen zuerst an die Erforschung der Umwelt des erkrankten Kindes. Dabei zeigt sich zwar eine große Verschiedenheit, ein Kunterbunt, das dem Laien so viel wie nichts sagt. Wer aber auf psychologischem Gebiet einigermaßen geschult ist, kann aus der Mannigfaltigkeit der Fälle doch einige Momente herauslesen, die allen gemeinsam sind: eine nachteilige Wirkung der Umwelt auf das Kind, und anderseits ein starker Mangel an Lebensmut und sozialer Verbundenheit des Nässers mit seiner Umgebung. Die nachteilige Wirkung muß nicht gerade in zu strenger Erziehung bestehen, obwohl dieser Faktor der bisher am häufigsten festgestellte ist. Sie kann auch ihren Grund im Gegenteil, in zu weichlicher Führung des Kindes haben. Wer unter einer dieser falschen Erziehungsweisen zu leiden hatte, kommt leicht zu dem Glauben, überall verkürzt, von allen Menschen abgelehnt zu werden oder sieht in Aufgaben und Veränderungen, die ein normales Kind ohne jede Schwierigkeit überwindet(z. B. Schuleintritt, die Ankunft eines neuen Geschwisters) unüberwindliche Schwierigkeiten und sein eigenes Ich bedrohende Umstände. Daß Kinder, die so fühlen, eine gewisse Befriedigung empfinden, wenn die Mutter ihretwegen des Nachts einige Male aufstehen und sie auf den Topf setzen muß, wenn die Mutter sie von Arzt zu Arzt schleppt, wenn alle Erziehungskünste und Kniffe der Mutter, wie Bitten, Versprechungen, Drohungen, harte Strafen an dem„Leiden“ des Kindes zuschanden werden,— ist leicht einzusehen und darf umso weniger als Bosheit und Verschlagenheit ausgelegt werden, als diese Manöver alle nur im Unterbewußtsein durchgeführt werden. Die Heilmethode selbst ist eine denkbar einfache: Den Eltern werden die Zusammenhänge aufgedeckt, die bestehen zwischen der Umwelt und der falschen seelischen Einstellung des Kindes. Es werden Ratschläge erteilt, wie diese ausgeschaltet werden können. Es handelt sich dabei meistens um Stärkung des Selbstvertrauens und um Wiederknüpfung der Bande zwischen Kind und Umgebung. Vor allem aber wird den Eltern ans Hers gelegt, aus dem Nässen selbst kein Aufhebens mehr zu machen. Damit tritt nun an sie die Notwendigkeit heran, für's erste sich einzugestehen, daß im Vergleich zur bisherigen Erziehung manches besser gemacht werden kann, manch schlimmer Einfluß auf das Kind nicht erkannt wurde und von nun an auszuschalten ist. Aller Heilerfolg hängt somit von den Eltern ab. Bringen sie die nötige Ruhe auf, zu allem weiteren Nässen zu schweigen, es einfach zu übersehen und auf der anderen Seite das eingeschüchterte Kind näher an sich heranzuziehen, dann ist der Heilerfolg gesichert. Aber in manchen Fällen wollen die Eltern nicht zugeben, Fehler und Mißgriffe gemacht zu haben, lassen sich nicht überzeugen, daß des Kindes Leiden seelischen Ursprungs ist oder sehen in den Rückfällen. in den„Kraftproben“, welche solch entgleiste Kinder fast regelmäßig sich leisten, den Beweis für ihre bisherige Annahme:„Organisch bedingtes Leiden". Wenn trotz dieser Haltung der Eltern das Nässen aufhört, muß man es zum einen Teil einem Glücksfall zuschreiben, zum andern wohl aber der günstigen Wirkung der Aussprache, welche der Arzt auch mit dem Kinde gepflogen hat. Diese zielt fürs erste auf Stärkung des Selbstvertrauens ab. Da der Arzt fürs Kind eine ganz besonders große Respektsperson bedeutet, haben seine Worte um so nachhaltigere Wirkung. Bei größeren Kindern wird er außerdem den Versuch unternehmen, ihnen die wahren, oben aufgezeigten Gründe des Nässens ins Bewußtsein zu rufen. Zusammenfassend sei gesagt: Wer Gelegenheit hatte, die geradezu verblüffend schnelle Einstellung des Nässens selbst in den hoffnungslosesten Fällen mitzuerleben, dem ist ohne weiteres klar, daß bei Bettnässern nicht das Bettnässen, sondern vielmehr das Kind behandelt und geheilt werden muß, daß ferner das Nässen ursprünglich wohl auf einer organischen Schwäche der Blase beruht, daß aber keine Notwendigkeit besteht, infolge dieser Schwäche das Nässen bis ins fünfte, achte, dreizehnte, ja(wie Militärärzte berichten) bis ins zwanzigste Lebensjahr hinein fortzusetzen. Fast ausnahmslos sind die Eltern imstande. das so sehr sie marternde Nässen ihres oder ihrer Kinder innerhalb kurzer Zeit abzustellen. Bringen sie die nötige Selbstbeherrschung nicht auf, dann ist es wohl am besten, einen Milieuwechsel eintreten zu lassen, d. h. das Kind für einige Zeit einem verständnisvollen, ruhigen Erzieher anzuvertrauen. Hugo Zinsinger. Hosentaschen und Schulranzen Sie sind Fundgruben von allerlei Naritäten. Schnüre und Schrauben. Reklamebilder und farbiges Glas, Uhrrädchen und Stahlfedern, aus Papier gefaltete Flieger und Schiffchen, farbige Kreiden— all das und noch viel seltenere, kostbare Sachen bringt eine Generalstöberung zutage. Es gibt ja nichts, was ein Kind nicht noch in einen Freudenzustand versetzen könnte, nichts, an dem es nicht noch irgend eine freundliche Seite zu entdecken gäbe. Wenn auch die Jahreszeit, das Alter des Kindes, seine Umgebung und seine Kameraden einen bestimmenden Einfluß auf den jeweiligen Inhalt seiner Taschen haben, so ist dieser doch immer auch ein getreues Spiegelbild all der Neigungen und kleinen Liebhabereien, die sich oft schon so früh im Kinde zeigen. Der Erzieher kann bei solchen Taschenappellen interessante Einblicke bekommen. Aber auch der Spielschub des Kindes (hier werden besonders„wertvolle“ Sachen gern versteckt), das Bücherregal des kleinen Studenten oder des Backfisches geben manchmal stumme Auskunft. Man lernt da z. die heimliche Lektüre kennen, die Indianer= bücher der Buben, die süßen, unwirklichen Liebesgeschichten, die die heranwachsenden Mädchen unter sich verleihen, man erfährt von Dingen, die die Kinder so ganz nebenbei beschäftigen. Wenn dabei auch oft Harmloses und Unscheinbares entdeckt wird, so kann man bei solchen Gelegenheiten doch auf unvermutete Gefahren stoßen, die sich dann noch rechtzeitig beseitigen lassen. Jedenfalls: die Durchsicht der Taschen, Schubfächer und Bücherregale der Kinder wird immer von Wert sein— und wenn sie auch bloß Anlaß gäbe, den vielen Kram, der sich an diesen Stellen immer ansammelt, wieder auszuscheiden und eine gründliche Neuordnung vorzunehmen. Kinder sind für solche Mithilfe oft recht dankbar, denn ohne sie können sie sich nur schwer entschließen, Dinge, zu denen sie einmal ein inneres Verhältnis hatten, wegzugeben,— und wären sie noch so alt und wertlos geworden. Dürfen Kinder widersprechen? „Niemals!“ werden alle Eltern sagen, die von ihren Kindern immer unbedingten Gehorsam verlangen. In der Hauptsache ist es richtig. Aber es gibt auch Fälle, die es ratsam erscheinen lassen, Gegenäußerungen und Einwände der Kinder nicht einfach schroff zurückzuweisen, sondern erst ruhig anzuhören und zu prüfen. Täuschen wir uns nicht: Wir befehlen dem Kinde oft etwas, was sich bei näherem Zusehen als zuviel, falsch, unvernünftig oder als unüberlegt erweisen. Wir verlangen aber unbedingten Gehorsam, zwingen es also, etwas zu tun, was es als nicht richtig erkennt. Warum soll es da, wenn es zufällig genauer sieht als der Erzieher, nicht in bescheidener Weise seine Einwände bringen dürfen? Das schadet der Autorität des Erziehers bestimmt nicht, das nützt ihr sogar und wir erziehen uns auf solche Weise Kinder, die denkend folgen, die selbständig werden und erfahren, daß man gerecht mit ihnen umgeht. Man glaube nicht, durch solches Verhalten würde der Widerspruchsgeist im Kinde großgezüchtet. Widerspruch sammel: sich nur de an, wo er nicht ausgesprochen werden darf....