AUEFVVUF — ihe Aehur aiche. Bongopratg dabnonalig 1.20 Mak, Eimzeiauumer 13 Pfg. Druck u. Venagoon C. Braus, Schwerte(Ruhr), Postscheckkonten: Dorimund 2832 und Hannover 21 874. Geschaststelle: Große Markstkr. 3—3. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Eimer, Schwerte. Hernrus 2r70 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Aplerbecker Langscheder Zeitung Bnzigspreie ie de ochtgspo. mm u: 6 Plg, Ausmit. üige, sinanzamtiche u. gerichtliche Amzeigen 10 Pig., Reklam= pelle 40 Pf., Iu ieleson, aufgegedene Inserate üdernehmen wit keine Gewabt Bei undorhergesehn. Beiriedestbrungen, berootgerusen durck hodere Gewalien, üdernabmen oir heinartei Gewäbe für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersat oder Nachlieserung erboden werden Tügeblult für die Stubi Schwerte und bus Aln Westhösen S; Kreivoiril für den nordlichen Leil des Lundtreises Iserlohn Nr. 60(Ertes Blad) Schwerte(Ruhr), Mittwoch, den 12. März 1930 63. Jahrgang Neues in Kürze. Beisetzung von Breitenbachs erst am Freitag. wib Düsseldorf, 12. März.(Tel.) Die Beisetzung des Staatsministers a. D. von Breitenbach findet am Freitag mittags 12 Uhr auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf statt. Am Mittwoch um 15 Uhr wird im Sterbehause in Bückeburg die Trauerfeierlichkeit abgehalten. Weitere Vergarbeiterentlassungen. wib Hamborn, 12. März.(Tel.) Infolge zunehmender Kohlenabsatzschwierigkeiten hat die Verwaltung der Zeche Neumühl in Hamborn beschlossen, am 15. März 400 Bergleuten zu Ende März zu kündigen. Ferner ist in Aussicht genommen, am 1 April weiteren 200 Bergarbeitern zum 15. April zu kündigen, falls sich die Lage im Bergbau bis dahin nicht gebessert hat. Ein Dementi. bb Berlin, 12. März.(Tel.) Gegenüber der gestrigen Meldung des Börsen=Couriers, wonach die demokratischen Abgeordneten Fischer(Köln), Hummel und Tantzen im Falle eines Beitritts der Demokraten zur Weimarer Koalition ihr Mandat niederlegen würden, erklärt der Demokratische Zeitungsdienst, daß es sich um eine glatte Erfindung handle. Kommunistischer Mißtrauensantrag gegen Hirtsiefer VDZ. Berlin, 11. März.(Tel.) Die Kommunistische Fraktion des Preußischen Landtags hat gegen den preußischen Wohlfahrtsminister Hirtsiefer einen Mißtrauensantrag eingebracht, der begründet wird mit der Fürsorgeerziehung, wie sie heute unter Leitung des Wohlfahrtsministers in Preußen geübt werde. Dieses Mißtrauenvotum wird am 15. März besprochen und am 19. März zur Abstimmung gebracht werden. Haftentlassung Weschkes. wlo. Berlin, 11. März.(Tel.) In der Voruntersuchung wegen der Bombenattentate hat auf die Beschwerde gegen den ablehnenden Beschluß der Strafkammer des Landgerichts 1 der Strafsenat des Kammergerichts heute angeordnet, daß Weschke gegen Sicherheitsleistung von 10.000 Mark mit der weiteren Untersuchungshaft zu verschonen ist. Weschke wurde nach Hinterlegung der Sicherheit entlassen. Berufung eines deutschen Gelehrten nach Schanghai wtb. Hamburg, 11. März.(Tel.) Der Professor an der Hamburgischen Universität Dr. Th. W. Danzel, Abteilungsleiter am Völkerbundsmuseum, ist nach Schanghai berufen worden, und hat den Ruf angenommen. Die Berufung Danzels lautet auf ein Jahr. Er soll in Schanghai die Grundlagen für völkerkundliche Sammlungen schaffen. Ermordung eines Schweizer Ehepaars. wtb. Delsberg(Berner Jura), 11. März.(Tel.) Auf einem benachbarten Bauerngehöft wurde ein Landwirtsehepaar ermordet aufgefunden. Die furchtbar verstümmelten Leichen lagen auf der Kellertreppe. Das Ehepaar hatte eine dreijährige Nichte bei sich, die man sitzend im Bett fand. Das Verbrechen muß schon am Donnerstag verübt worden sein. Die Täter sind wahrscheinlich ein Landstreicher und seine Frau. Heungpiun und Holenadromen angenommen. 1 Uhr Polizeistunde. vdz. Berlin, 11. März.(Tel.) Bei der Weiterberatung des Gaststättengesetzes im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags wurde gegen den scharfen Protest Preußens der Beschluß erster Lesung bestätigt, wonach im ganzen Reiche um 1 Uhr Polizeistunde sein soll. Die obersten Landesbehörden dürfen Ausnahmen zulassen. Für diese Vorschrift stimmten Sozialdemokraten. Zentrum, Kommunisten und die Abgeordneten Dr. Strathmann(DN) und Dr. Mumm(Chr.=Nat.). Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstags beschloß weiter, daß der Ausschank von Branntwein in Gast= und Schankwirtschaften, sowie der Kleinhandel mit Branntwein nicht vor 7 Uhr früh beginnen darf. Der Ausschuß vertagte die Weiterderatung auf Mittwoch. Entschließungen in der Generaisate. wib Berlin, 11. März.(Tel.) Die General= enode erledigte heute die Schlußberatung über den Tätigkeitsbericht der Kirchenleitung, deren Ergebnis in einer Reihe von Entschließungen niedergelegt wurde. Auf dem Gebiet der kirchlichen Verwaltung wurde eine größere Oekonomie der Kräfte und eine stärkere Dezentralisation gewünscht. Die Neuabgrenzung der Kirchenkreise müsse sich den veränderten Verhältnissen anpassen, auch da, wo eingewurzelte Grenzen beständen. Dies betrifft GroßBerlin und das rheinisch=westfälische Industriegebiet. Die Entschließung zur Finanzpolitik der Kirche legt den Gemeinden nahe, durch eine bescheidene Finanzgebarung ihrer Schicksalsverbundenheit mit der schwer ringenden Wirtschaft Rechnung zu tragen.: Iußanten gemantn 8. Von den staatlichen Instanzen erwartet die Generalsynode, daß sie die Vermögens= und Steuerrechte der Kirche nicht durch irgendwelche Maßnahmen einengen und damit die Deckung lebensnoiwendigen Finanzbedarfs der Kirche gefährden. 139. Sitzung des Deutschen Reichstags. VDZ. Berlin, 11. März.(Tel.) Präsident Löbe eröffnet die Sitzung mit der Mitteilung vom Eintritt des Abg. Bartschat(Dem.) in den Reichstag an Stelle des ausgeschiedenen Abg. Hellpach. Ohne Debatte wird in dritter Beratung der deutsch=türkische Schiedsgerichts= und Vergleichsvertrag angenommen. In allen drei Lesungen wird dann der Gesetzentwurf der Verlängerung der Amtsdauer der Beisitzer der Arbeitsgerichtsbehörden angenommen. Der Wohnungsausschuß beantragt, die Novelle zum Gesetz über den Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken entgegen dem Einspruch des Reichsrats in der vom Reichstag beschlossenen Fassung nunmehr mit qualifizierter Mehrheit nochmals anzunehmen. Es haudelt sich dabei um den Rückfluß aus den Hauszinssteuerhypotheken und um die Verwendung dieser Mittel ausschließlich für den Wohnungsbau. Ein Antrag der Wirtschaftspartei, die Angelegenheit dem Haushaltsausschuß zu überweisen, wird abgelehnt. Der Ausschußantrag auf Aufrechterhaltung des früheren Reichstagsbeschlusses unter Zurückspeisung des Reichsratseinspruchs wird nach kurzer Debatte in namentlicher Abstimmung mit 421 gegen 42 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. bei solchen wiederholten Beschlußfassungen erforderliche qualifizierte Mehrheit ist damit erreicht. In namentlicher Abstimmung wird hierauf ein kommunistischer Antrag auf Festsetzung von Hilfsmieten mit 401 gegen 51 Stimmen bei 12 Ente Aogelebnt werden auch die Anträge auf Festsetzung der Mieten durch das Reich.„6 6, Sasiung 41. Gegen 4¾ Uhr beginnen die Abstimmungen über die Younggesetze. Erklärung des Zentrums: Vorher verliest Abg. Dr. Brüning(Z.) folgende Erklärung des Zentrums: Da durch die neuerliche Entwicklung der Finanzverhandlungen, insbesondre aber auch durch die heute abgegebenen bedeutsamen Erklärungen nunmehr die feste Gewähr gegeben ist, daß die die Voraussetzung für eine Zustimmung des Zentrums bildende sofortige Sicherung der Finanzen so erfolgen wird, daß rechtzeitig die erforderlichen Kasseneingänge fließen, hat sich die Zentrumsfraktion in ihrer Mehrheit entschlossen, dem vorliegenden Gesetz aus gesamtpolitischen Erwägungen ihre Zustimmung zu geben.(Lärm und Lachen rechts.) Unter Erneuerung ihres Appells an alle zur Regierung stehenden Parteien, die zur Erreichung der unaufschiebbaren politischen Notwendigkeit der Finanzsanierung erforderlichen Maßnahmen auf parlamentarischem Boden zu verwirklichen.(Unruhe rechts.) Erklärung der Bayrischen Volkspartei: Abg. Leicht(Bayr. Vp.), der mit großer Heiterkeit vom Hause begrüßt wird, erklärt dann für seine Fraktion: Da durch die neuerliche Entwicklung der Finanzverhandlungen zwar das Das, aber nicht das Wie uns genügend festgelegt erscheint, werden wir uns der Stimme enthalten.(Allgemeine große Es folgt dann die namentliche Abstimmung über den Artikel 1 des Gesetzes über die Haager Konferenz. Darin wird dem Pariser Sachverständigenplan von den Vereinbazzaggn zier g. pig, Rheinlandhaltungen.(Pfuirufe.) Mit der Opposition haben auch verschiedene Abgeordnete des Zentrums und der Deutschen Volkspartei gegen das deutsch=polnische Abkommen gestimmt. Mit 254 gegen 177 Stimmen bei 7 Enthaltungen wird das deutschenglische Liquidationsabkommen genehmigt. Auch die übrigen Liquidationsabkommen werden darauf angenommen. Abgelehnt werden kommunistische Anträge auf Aenderung des Entschädigungsverfahrens für Gewalt= und Liquidations= geschädlgte. ultti Mit der Ablehnung nationalsozialistischer Aenderungsanträge ist die zweite Beratung der Younggesetze erlebig. porken nach einiae GrtOhne Aussprache werden noch einige Anträge des Verkehrsausschusses angenommen. Die Anträge: handeln über die Veräußerung des ehemaligen Garnisonlazaretts in Küstrin, über den Bau der Oderbrücke bei Milzig und über die Schaffung einer regelmäßigen Verkehrsverbindung zwischen der Kurischen Nehrung und dem Festlande während des Winters. Nach 6 Uhr schlägt Präsident Löbe vor, die nächste Sitzung am Mittwoch 12 Uhr stattfinden zu lassen und auf die Tagesordnung die dritte Beratung der Younggesetze zu setzen. Abg. Schmidt=Hannover(DN.) beantragt, die dritte Beratung der Younggesetze solange zu verschieben, bis durch das Wahlprüfungsgericht endgültig über Annahme oder Ablehnung des Volksentscheides entschieden ist. Ein anderes Vorgehen ei rechtswidris,„EI, Hannover wirh aber s.ehut Der Antrag Schmidt=Hannover wird abgelehnt und der Vorschlag des Präsidenten angenommen. Zur Abstimmung über die Younggesetze. VD3. Berlin, 12. März.(Tel.) Aus den amtlichen Abstimmungslisten ergibt sich, daß sich an der Abstimmung über den Gesetzentwurf über die Haager Konferenz, und zwar über den Artikel 1, der die Zustimmung zum Youngplan und zur Rheinlandräumung vorsieht, drei Mitglieder der Fraktion der Deutschen Volkspartei nicht beFlugzeugunglück bei Biserta. wib Paris, 12. März.(Funkspruch.) Bei Biserta geriet gestern ein Wasserflugzeug in 1000 Meter Höhe in Brand. Es gelang dem Piloten, in der Nähe des Hafens zu landen. 5 Mann der Besatzung konnten von herbeigeeilten Booten gerettet werden, während der sechste mit in die Tiefe gezogen wurde. teiligt haben, und zwar die Abg. von Gilsa, Hueck und Köngeter. Vom Zentrum haben sich die Abg. Bornefeld=Ettmann und Feilmayr der Stimme enthalten, während der Abg. Dr. Fehr=Baden gegen die Younggesetze gestimmt hat. Das Abstimmungsergebnis, das zuerst den Anschein erweckte, als ob noch eine größere Zahl von Mitgliedern der Regierungsparteien der Abstimmung ferngeblieben sind, hat eine Berichtigung erfahren. Es sind tatsächlich 263 Stimmen für den Artikel 1 abgegeben worden. 174 Abgeordnete stimmten dagegen, 25 enthielten sich der Stimme. Bei der Abstimmung über das Polenabkommen haben sich die Abgeordneten Becker=Arnsberg und Gerig vom Zentrum, die Abg. von Gilsa und Dr. Hugo, von der Deutschen Volkspartei, sowie Dr. Hugo von der Deutschen Volkspartei, sowi der Abg. Koch=Weser von den Demokraten nicht beteiligt. Der Stimme enthalten haben sich außer den Vertretern der Bayrischen Volkspartei elf Abgeordnete des Zentrums, nämlich Crone=Münzebrock, Dr. Drees, Feilmayr, Hofmann=Ludwigshafen, Dr. Klöckner, Dr. Krone, Neyses, Dr. Schreiber, Tremmel, Frau Weber und Wilkens. Gegen das Polenabkommen haben acht Abgeordnete der Deutschen Volkspartei und 18 Abgeordnete des Zentrums gestimmt, und zwar von der Deutschen Volkspartei Günter. Dr. Hoff, Hueck, Janson, Köngeter, Dr. Leutheußer, dorf und Dr. Schnee; vom Zentrum Beck=Oppeln, Blum=Krefeld. Bornefeld=Ettmann. Diez, Damm, Ehrhardt, Fahrenbrach, Dr. Föhr=Baden, HartwigOppeln, Dr. Hermes, Imbusch, Dr. Köhler. Neumann, Dr. Perlitius, Dr. Schetter=Köln, Schlack, Ulitzka und Warnke. Auch dieses Abstimmungsergebnis hat eine Berichtigung erfahren. Das Polenabkommen ist mit 224 gegen 206 Stimmen bei 29 Enthaltungen angenommen worden. Neichsbunkprasidem=Dr. Lither. wtb Berlin, 11. März.(Tel.) Die Reichsbank, teilt mit: Der Generalrat der Reichsbank wählte einstimmig in seiner heutigen Sitzung an Stelle des ausscheidenden Reichsbankpräsidenten Dr. Hialmar Schacht den Reichskanzler a. D. Dr. Haus Luther zum Präsidenten des Reichsbankdirektoriums mit Wirkung vom 3. April dieses Jahres. an welchem Tage die Uebergabe der Amtsgeschäfte stattfindet. Die Bestätigung des Herrn Reichspräsidenten für die Wahl des neuen Reichsbankpräsidenten ist nachgesucht worden. räumung zugestimmt. Gegen die Vorlage stimmen die Deutschnationalen, Jzugeugtsozialisten, Christl= Nationale Arbeitsgeugraggn##, Wirtschaftspartei und Kommunisten, während sich die Bahr. Volkspartei und die Deutsche Bauernpartei der Stimme Arikel 1 wird mit 251 gegen 174 Stimmen bei 28 Enthaltungen angenomur,Zgumen enthält wied Artikel 2, der die Nebenabkommen enthält, wird mit 261 gegen 173 Stimmen bei 25 Enthaltungen Artikel 2 enthält die Zustimmung zur endgültigen Fassung des Sachverständigenplans und zu den Einzelvereinbarungen über die Internationale Bank, die Moratoriumsklausel usw. Die Artikel 3 und 4 betreffen das deutsch=belgische Markabkommen und die Räumungsamuestie. Ein Antrag der Deutschnationzuen, den versehhngshhpsep apgesegneter der Abstimmung wird der Rest setzes angenommen unter Ablehnung der nationalsozialistischen Anträge, nach denen die Räumungsamnestie erweitert und die Rede des Außenministers Dr. Curtius öffentlich angeschlagen werden soll. In der Ausschußfassung werden angenommen das Reichsbankgesetz, das Reichsbahngesetz und das deutsch=amerikanische Schuldenabkommen. Vor der Abstimmung über den Gesetzentwurs. der die Liquidationsabkommen mit den verschiedenen Mächten umfaßt, wird besonders in namenilicher Abstimmung entschieden über das in diesem Gesetzentwurf enthaltene deutsch=polnische Liquidationsabromiden. Die Abstimmung ergibt die Annahme des Abtommens mit 224 gegen 207 Stimmen bei 30 EntUnterrebung eazamte mit dem neuen Reichsbankprussoenten. wtb. Frankfurt a. M., 11. März.(Tel.) Dr. Luther, der heute hier an einer Sitzung der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken ei#gg nommen hatte, gewährte einem Vertreier des Wip eine Unterredung, in der er eine Anzahl Fragen über die von ihm einzuschlagende Politik bei der Durchführung seiner neuen Aufgaben beantwortete. Dr. Luther machte jedoch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß seine Ernennung noch der Mitvollziehung durch den Reichspräsidenten und der Gegenzeichnung durch die Reichsregierung bedürfe. Frage: Wird mit der Uebernahme Ihres Amtes eine Aenderung in der bisherigen Politik der Reichsbank eintreten? g# Antwort: Die Bedeutung der Arbeit des Reichsbankpräsidenten liegt weit mehr noch, als aus dieser Frage hervorzugehen scheint, in seinen Einzelhandlungen, und gerade darüber ist es vor Antritt des Amtes unmöglich, bestimmte Erklärunden abzugeben.„.J1, gehenfag Eie in# Frage: Welche Politik gedenken Sie in der Frage der Auslandsanleihen zu verfolgen? Antwort: Ich habe in meinem vor einiger Zeit erschienenen Buch von Deutschlands eigener Kraft sowohl die Gefahren als auch die Notwendigkeit der Auslandsanleihen für Deutschland eingehend untersucht. Daß wirklich produktive Anleihen für die deutsche Volkswirtschaft nützlich sind. daran kann kein Zweifel sein. Ob darüber hinaus die Hereinnahme von Auslandsgeld verantwortet werden kann, hängt davon ab, wieviel begründetes Vertrauen man in die Gesamtentwicklung Deutschlands zu setzen vermag. Frage: Wie beurteilen Sie persönlich diese zukänftige Entwicktung“ Emann welt a. Antwort: Die, wie jedermann weiß, großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Gegenwart werden vielfach dadurch noch übersteigert, daß man allzulaut von einer Vertrauenskrise spricht. Man sollie umgekehrt den Ton nach der positiven. Richtung legen und immer wieder die Geschispunkte unterstützen, die das Vertrauen in die deutsche Zukunft rechtfertigen. Das deutsche Volk hat auch nach dem Kriege so Außerordentliches in wirtschaftlicher Wiederaufbauarbeit geleistet, daß es gar nicht einzusehen ist, warum diese große Kraft sich nun nicht mehr durchsetzen sollte. Frage: Sie haben deshalb also auch keinerlei Befürchtungen wegen einer Gefährdung unserer Währung in naher oder ferner Zukunft? Antwort: Die Fragestellung trifft nicht ganz den Kern. Die deutsche Währung ist durch die endlich gewährleistete Unabhängigkeit der Reichsbank, für deren Notwendigkeit das deutsche Volk nach den schrecklichen Erfahrungen der das vollste Verständnis hat, gegen jede Gefahr gesichert. Obendrein sind die mit der Festigkeit der deutschen Währung verbundenen in= und ausläudischen Interessen so groß, daß sie auch entgegenstehende Kräfte und Verhältnisse überwinden Frage: Spielen Sie mit dieser letzteren Bemerkung auf den Youngplan und die von dort etwa kommenden Gefahren an? Autwort: Man kann den jetzt amtlich sogenannten Neuen Plau überhaupt nicht isoliert betrachten. Er ist ebenso, wie die schwere Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftsnot, in der wir uns befinden, auf unsere allgemeine Bedränguis von Reich und Volk zurückzuführen. Es ist Aufgabe der verantwortlichen Reichspolitik, hier den Ausweg durch ein Gesamtprogramm zu zeigen, bei dem es nicht nur auf die Einzelheiten ankommen wird, sondern ebenso sehr auf die Gewinnung eines neuen Vertrauens im In= und Auslande zum deutschen Staatswesen. Hinsichtlich des Uebermaßes von Lasten, die das deutsche Volk tragen kann, möchte ich auf das hinweisen, was ich bei den Vorverhandlungen über den Dawesplan als Reichsfinanzminister immer wieder gesagt habe, nämlich, daß es ganz wesentlich darauf ankommt, in welchem Umfange das Ausland die deutschen Ausfuhrerzeugnisse aufzunehmen bereit ist und abnimmt Frage: Werden Sie trotz der Uebernahme des Amtes als Reichsbankpräsident weiter den Gedanken der Reichsreform zu verwirklichen suchen? Antwort: Hierauf möchte ich zunächst sachlich autworten, daß eine durchgreifende Reichs= und Staatsreform, wie der Bund zur Erneuerung des Reiches sie beireibt, ein tragender Teil jsder samtreform ist, von der ich in meiner vorigen Antwort gesprochen habe. Die Arbeit des Bundes wird mit vollem Nachdruck fortgesetzt werden.,„Ich selbst werde allerdings, worüber ich mich mit einer Reihe leitender Persönlichkeiten des Bundes bereits verständigt habe, den Vorsitz niederlegen, um mich ganz dem neuen großen Aufgabenkreis zu widmen. Die Brücke zwischen beiden Tätigkeiten mich darin, daß es sich in dem einen wie im andern 0 Tätigkeit der letzten Jahre in das neue Amt hinAntwort: Meine privatwirtschaftliche Arbeit, deren Hauptanteil seit vorigem Frühjahr im Realkreditwesen lag, hat mir Tag unerträglich die hohen Kapitalzinsen für die deutsche Wirtschaft im ganzen, und zwar nicht weniger für die Binnenwirtschaft als für die deutschen, Ausfuhrmöglichkeiten, sind. Bis zu welchem Grade die Diskontpolitik der Reichsbank die Höhe der Zinssätze für langfristige Anlagen beeinflussen kann, das ist gerade in der Gegenwart zum Problem geworden. In der Sache kann aber kein Zweisel sein, z. B für die gesamte Wohnungswirtschaft und namentlich auch für die Landwirtschaft die Zinshöhe von ganz ausschlaggebender Bedeutung ist. Welche Möglichkeiten sehen Sie, auf eine Senkung der Zinssätze einzuwirken? Antwort: Das Schwergewicht der hier sich bietenden Möglichkeiten liegt durchaus in der allgemeinen Politik, in der der Gesichtspunkt Kapitalbildung immer mehr in zezu, Vorbergrunt, treten muß Aber auch die Reichsban, muß, sonen ihr Zuständigkeitsbezirk dies zuläßt. sowohl bei dem ihr obliegenden Anteil der Wirtschaftsfragen als namentlich auch bei ihrer Mitwirkung in der Dure führung der Reparationsleistungen, alles nur Mögliche tun, um den Kapitalzins zu ermäßigen.„ Auf die Frage, au welchem Tage Herr Dr. Luther das Amt des Reichsbankpräsidenten zu übernehmen und welche Schritte er etwa in näherer Zukunft zu ergreisen gedenke, erwiderte er, daß er, abgesehen von der Bestätigung durch den Reichspräsidenten, den näheren Inhalt der Beschlüsse des Generalrates noch abwarten müsse, und daß er alsbald mit den übrigen Mitgliedern des Reichsbankdirektoriums in Verbindung treten wolle. Vertrauen in Dr. Luther. Due Einige Ergänzungen.— Vor der Abstimmung. enb. Berlin, 11. März.(Eigene Meldung.) Das Finanzprogramm, auf das sich die vier Parteien der Weimarer Koalition geeinigt haben, schließt sich in den wesentlichen Punkten dem Programm Moldenhauers und der Reichsregierung an Die größte und wichtigste Verschiebung in dem Programm ergab sich aus der Notwendigkeit, mit der Bayrischen Volkspartei eine andere Regelung der Biersteuererhöhung zu finden. Ferner haben sich, wie die„Germania“ berichtet, die vier Parteien auf eine in dem ursprünglichen Finanz= programm nicht vorgesehene Maßnahme von großer Bedeutung einigen können. Es ist nämlich gelungen, eine Vereinbarung darüber zu treffen, daß die Kapitalertragssteuer für sestverzinsliche Werte ab l. Oktober beseitigt wird. Diese Maßnahme ist deshalb von großer Bedeutung, weil sie die Anlage des ausläudischen Geldes in sestverzinslichen Werten erheblich erleichtert. Der durch diese Beseitigung ausfallende Betrag soll dadurch gedeckt werden, daß auch die erste Einfuhr, di bisher umsatzsteuerfrei war, von diesem Zeitpunkte an der Umsatzsteuer unterliegt. Es wird erwogen, Luxusgetränke mit einer geringen Steuer zu belegen, bzw. die bereits vorhandene Steuer zu er1,50 Mark erhöht werden und in den höheren Preislagen von 1,50 auf 2.— Mark. Ferner sollen Qu litätsweine in Flaschen in der For einer Gemeindegetränkesteuer mi einer geringen Steuer belegt werden. Offene und billige Weine werden von der Steuer lieber diese beiden Punlite sind noch keine endgültigen Vereinbarungen getrossen uule Es ist auch gelungen, über die sehr umnrittene Immur..,. Frage der gesetzlichen Sichernetlung der für 1991 geplanten Stev„omintene Hormulle. falls verhastete Kassiererin Nagel aus Regensburg. die der Mitwisserschaft beschuldigt wird, immer mehr entkräftet, so daß ihre Haftentlassung in Aussicht genommen Ist. eine von allen Parteien anger,.—. Hahin aberein rung hinwegzukommen. Man kam Bahin ubrtein, für den Eiat des Jahres 1931 im ordentlichgz, Zaus, halt Stenersenkungen in Höhe von 900„Nzrz 106, Mark vorzunehmen, sofern bis zum 31. nächstes Jahr weitere 500 Millionen Mark schwebende Schuld in langfristige Anleihen umgerean delt sind. Ferner soll die Reichsregierung im Einvernehmen mit dem Reichzepo pagpeg Spargrogramm ausarbeiten, vus dem Krahstag vorgelegt werden soll. Erklärung des Reichsfinanzministers zur Deckungsvorlage. wtb. Berlin, 11. März.(Tel.) Der Reichsminister der Finanzen leitete heute die Sitzung der vereinigten Ausschüsse des Reichsrates, in der mit der Beratung der neuen Steuergesetze begonnen wurde. Der Reichssinanzminister erklärte, es sei wichtig, einige Worte den Verhandlungen vorauszuschicken, um zu verhindern, daß durch die Besprechungen der letzten Tage Verwirrung in die Verhandlunger gebracht würde. Die Reichsregierung habe dem Reichsrat ihre Deckungsvorlage zur Beschlußfassung vorgelegt und nur diese Gesetzgsporlgge, sei Gegenstand der Verhandlungen. Er gase viese Erklärung sowohl als Reichssinanzminister wie auch im Namen des Reichskanzlers ab, der ihn ausdrücklich zu ihr ernlächtigt habe. Die Regierung werde die Vorlage, wenn sie durch den Reichsrat verabschiedet sei, an den Reichstag bringen. Die zur Zeit im Eauge befindlichen Besprechungen zwischen den einzelnen Parteigruppen hätten, wenn überhaupt, dann lediglich für die Haltung der Parteien im Reichstage Bedeutung. Die Regierung denke nicht daran, in dieser Frage die Führung aus der Hand zu geben. Dic oppositionelle Mehrheit im Unterhaus. wib London, 12. März.(Funkspruch.) Die MehrAus Nah und Fern. Ein Hase verurfacht ein tödliches Motorradunglück. wp. Trier, 11. März.(Tel.) Auf der Chaussee bei Pellingen kam ein Motorradfahrer namens Esch auf eigenartige Weise zu Tode. Ein des Weges kommender Hase lief direkt in das Motorrad hinein. das sich überschlug. Esch war sosort tot, während sein als Sozins mitfahrender Schwager mit teichten Verletzungen davonkam. Familiendrama. wp. Frankfurt a. M., 11. März.(Tel.) Ein 59= jähriger Ingenieur in der Klaus=Grothstraße geriet mit seiner Frau in Streit, in dessen Verlauf er ihr einen Schuß in die Lebergegend beibrachte. Die Frau flüchtete zu Nachbarn, die die Polizei alarmierten. Das Ueberfallkommando brach die verschlossene Tür auf und sand den Ingenicur tot auf dem Sosa sitzend. Er hatte sich in die linke Schläfe geschossen. Notlandung eines deutschen Freibatlons in der Tschechoslowakei. wib. Brüx, 11. März(Tel.) In der Nähe des Dorses Wteln bei Brüx landete gestern nachmittag der mit drei Sportpiloten bemannte reichsdeutsche Freiballon„Schwarzenherg 11“, der in Chemnitz zu einem Fluge über Sachsen gestartet und vom Winde über die tschechoslowaktsche Grenze getrieben worden war. Nachdem die Gondel von zwei Offizieren der hiesigen„Garnison besichtigt und die Reisepapiere geprüft worden waren, wurde den deutschen Piloten die sofortige Heimreise gestattet. Der Ballon wurde entgast und mit der Bahn nach Ehemnitz abgesandt. Fradenmerr vercrunderg wib. Girschberg, Liommision üiber dey Frauenenb. Berlin, 12 März.(Eigene Radiomeldung.) Der neue Reichsbankpräsident Dr. Luther erhält ein besonders großes Vertrauen aus den Weg. denn abgesehen von den Radikalen rechts und links hat sich trotz des augenblicklichen Parteikampfes gegen seine Wahl nirgendwo ernsthafter Widerstand geltend gemacht. Dieses Vertrauen kommt auch in den Kommentaren der Berliner Blätter zum Ausdruck. Der Vorwärts warnt den neuen Reichsbankpräsidenten davor, in die Fußtapsen seines Vorgängers zu treten. Der Reichsbankpräsident bekleide wohl die höchste unpolitische Stellung in Deutschland überhaupt. Dr. Schacht habe die sich daraus ergebenden Verpflichtungen in gefährlicher Weise mißverstanden. Daraus ergebe sich die Linie, die Dr. Luther einzuhalten haben werde, von selbst. Das B. T. wünscht, daß Dr. Luther seine große Befähigung, seine starke Energie und seinen ungewöhnlichen Fleiß ganz auf die schweren sachlichen Aufgaben seines neuen Amtes beschränken möge. Das Beispiel seines Vorgängers zeige wie schnell der Inhaber dieses Amtes durch schädliche Uebergriffe ein hohes Ansehen drinnen und draußen verlieren kann.— Die Germania erklärt, Dr. Luther werde sich darüber im Klaren sein, daß seine Aufgaben als Reichsbankpräsident wesentlich wirtschaftlicher Natur sind. Nur bei solcher künftigen Einstellung der Reichsbank und ihrer Leitung werde es ihr auch möglich sein, die deutschen Interessen, die ihr durch die Neuregelung des Reparationsmechanismus anvertraut sind, dem Ausland gegenüber durchzusetzen.— Die DAZ erblickt in der Persönlichkeit Dr. Lutbers die absolute Gewähr dafür, daß etwa inslatorische Tendenzen die durch das Reichsbankgesetz aufgerichtete Barriere weder überspringen noch umgehen können.— Die Deutsche Tageszeitung schreibt: Unter den vielen sachlichen Quali= sikationen Dr. Luthers für das Amt des Reichsbankpräsidenten muß sein persönlich größtes Verdienst in der Ueberwindung der Inflation an erster Stelle genannt werden. Kleinarbeit im Landtag. vdz. Berlin, 11. März.(Tel.) Der Preußische Landtag nahm am Dienstag mehrere Anträge des Landwirtschaftsausschusses an, die eine Reihe von Matnahmen zugunsten des deutschen Welnbaues vorsehen. Infolge eines technischen Versehens muß für einige andere Meinbauanträge die Abstimmung die gestern im Unterhaus gegen die Regierung mittlungen der Mordkomnagnen#### ven Fruuen P4 beh buf2 Unaphängigen. Trotz 7. Kammerniederlage der franzosischen Argierung. wtb. Paris, 11. März.(Tel.) Heute vormittag hat die Regierung bei der Beratung des Einnahmebudgets in der Kammer zum 7. Male seit ihrem Bestehen eine Niederlage erlitten. Auch diesmal hatte die Abstimmung keine Folgen für das Kabinett, da die Vertrauensfrage nicht gestellt war. Es handekt sich bei der Abstimmung um einen sozialistisch=kommunistischen Antrag, der dahin lautete, den Artikel, der die Erhöhung der Altersunterstützungsgrenze zum Gegenstand hatte, an den Ausschuß zurückzuverweisen. Der Minister für Volkswohlfahrt, Ferry, widersprach diesem Antgegm die Kammer trotzdem mit 303 gegen 27 Paris 12 März.(Funkspruch.) Die Der Bürgerkrieg in China. Zerstörung einer Missionsstation. wib Paris, 11. März.(Tel.) Wie die Indopacifique aus Schanghai meldet, ist die Missionsstation Taipingfu in der Provinz Kwangst vollkommen zerstört und ein Missionar von den radikalen Elementen entführt worden. Die KwangsiTruppen, die der Rankingregierung seindlch, 9ssinnt sind, sollen den westlichen Teil von nwanz= tung und ebenso den Hasen besetzt haben.„ französische Kanonenboot„Inconstant“ soll### nigst dorthin abgegangen sein, um das französische Konfulat und die europäische Kolonie zu schützen. Gestänhnis Tetzners. wotb. Regensburg, 11. März.(Tel.) mord bei Grünberg kommen als Täter zwei uubeonute Biüune, gähe bege Patories Frau Siemon ergab, angenommen werden mußte, durch Stiche getötet wurde, sondern durch zwei Revolverschüsse in den Kopf, die hinterrücks aus einer Entfernung von höchstens einem viertel Meter abgegeben wurden. Eine Patronenhülse wurde am Tatort gesunden. 400 Meter entsernt davon fand man den Rucksack der Frau, in dem sich noch die in Grünberg eingekauften Lebensmittel betonden. Wieder ein Kinounglück in Japan März. Nachdem erst gestern der belie eis keies lagice Genlaie anreiei ele und zwar in Nagasaki, ereignet Während einer Vorstellung in einem in einem Raum der OguchiSeidenwebereien behelfsmäßig eingerichteten Kino, stürzte der erste Rang ein und riß die Zuschauer, die fast ausschließlich aus Frauen und Mädchen beben. Infolge eines technischen fü. einige andere Wernbanuntlage die Aomimmung am Mittwoch wiederholt werden, u. a. handelt es sich dabei um die Unterbindung der Einfuhr minderwertiger Auslandsweine. Das Haus begann dann mit der zweiten Lesung des Etats der Handels= und Gewerbeverwaltung. Der Hauptausschuß empfiehlt hierzu die Annahme von mehr als 40 Anträgen, die u. a. verlangen, daß die Steuerlasten für den Mittelstand gesenkt werden und daß die älteren Angestellten und Arbeiter vor allem durch Verlängerung der Kündigungsfristen geschützt werden. Auch wird die Vorlegung eines großzügigen Arbeitsbeschaffungsprogramms gefordert. Handelsminister Dr. Schreiber erklärte, die Erwerbslosigkeit sei nicht in erster Linie auf die Rationalisierung zurückzufhren, vielmehr habe die Gütererzeugung selbst eine Verminderung erfahren. im ganzen habe die Rationalisierung unserer Wirtschaft erst ermöglicht, angesichts der übermäßigen Belastungen einigermaßen konkurrenzfähig zu bleiben. Das Problem der Arbeitslosigkeit sei aber auch mit den schlechten Kapitalverhältnissen der deutschen Wirtschaft verknüpft, die eine Fülle von Arbeitsmöglichkeiten nicht zur Entstehung kommen ließen. Es sei anzunehmen, daß nach Verabschiedung des Youngplans die Möglichkeit der Besserung der Kapitalslage durch Aufnahme von Auslandsanleihen erleichtert werde, wenn er auch davor warnen müsse, die Grenzen des Möglichen inbezug auf die Anleiheaufnahme zu überschätzen. Es werde notwendig sein, die Kreditaufnahme der Kommunen im Ausland zu organisieren. Die Geldflüssigkeit in Verbindung mit Auslandsanleihen nach dem Youngplan werde vielleicht zu einer Senkung des Zinssußes führen und der Wirtschaft einen Auftrieb geben. Die volle wirtschaftliche Gesundung hänge aber von ernsthaften Reformen auf dem Gebiete der Verwaltung und des SteuerAbg. Lehmann(Soz.) meinte, an der Kapitalverknappung sei auch die Tatsache schuld, daß die deutschen Unternehmer Milliardenwerte ins Ausland verschöben.— Abg. Janssen(DN.) beionte, genommen werden können, da die— einstimmig erfolgte— Verabschiedung der Bestimmungen des Einnahmebudgets über die Fronikämpserpensionen zu längeren Auscinandersetzungen führte, so daß der Präsident einmal sogar die Sitzung unterbrech mußte. Die Frage der Einheitsschule wird deshalb erst heute vormittag zur Verhandlung kommen. Die Debatte dürfte auch noch die Nachmittagssitzung in Anspruch nehmen. In einer Nachtsitzung will die Kammer alsdann versuchen, das Einnahmebndget wtb. Paris, 11. März.(Tel.), Der suß der Kammer hat die Bewiuigung der für die neu geschaffenen Ministerien und Sekretariate notwendigen Kredite abgelehnt. Der Ausschuß soll gefordert haben, daß die Zahl der Ministerien und Unterstaatssekretariate 25 nicht übersteige. Niederlage der engl. Regierung. standen, in die Tiese. Es entstand eine furchrbare Panik in dem verdunkelten Zuschauerraum, und erst die Ankunft von Polizei und Feuerwehr konnte in dem Wirrwarr Ordnung schaffen. Dreißig unge Mädchen wurden mit mehr oder weniger Perletzungen aus dem Trümmerhaufen e beuue G Mb. Aegandhung, Bu. Birz, Gadl= aäsihent wiv. puam, 12. März.(Gunisprzch. Die auge, Mordes und Moroverschesz. ve Verheigrng fn ser Aussprache der Kammer noer die Ein=)Tetzuer hat bei seiner zweiten Vernehmung in der heiisschule dat gestern nicht miehr in Angrisunersuchungshost enzisg, ein Geständuts gbgige. da die— eintimmig er- Danach hat er den Unorsannten, den er zwisagcstsjunge Mädchen wurden mit Leipzig und Hof zur Mitfahrt eingeladen hatte, mit schweren Vertepungen aus dem Benzin übergossen und das Benzin entzündet, s9 hexporgeholt. daß der Unglückliche bei vollem Bewußtsein ver Die 194 Todesopfer von brannte. Tetzner hat jetzt auch den zuerst abgeleugneten Mordversuch an dem Mechaniker Ortner zugegeben. Seine Frau, so wird von ihm versichert, habe von dem Plau gewußt und ihn gebilligt; dagegen werden die Verdachtsmomente gegen die ebenDie 1e Todesopfer von Shinkai. wtb. Tokio, 11. März.(Tel.) Nach den letzten Nachrichten über die Feuersbrunst in dem Kino von Shinkai sollen von 104 Todesopfern des Brandes 101 Kinder und nur drei Erwachsene sein. Stürmische Szeuen im Unterhaus. wib. London, 12. März.(Funkspruch.) 144 gestern im Unterhaus bei Die ReDr. Brüning beim Reichspräsidenten. vdz. Berlin, 12. März.(Funkspruch.) Ueber die Unterredung, die der Vorsitzende der Reichstagsfraktion des Zentrums, der Abg. Brüning, am Dienstag vormittag mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg hatte, wird dem Nachrichtenbüro des BDZ aus Zentrumskreisen mitgeteilt, daß in dieser Unterredung der Reichspräsident erkennen ließ, daß eine Annahme des Youngplans mit einer nur geringen Mehrheit ihn vor die Frage stellen würde, ob der Youngplan erneut zum Volksentscheid gestellt werden soll. Der Vorsitzende der Zentrumsfraktion betonte, daß die Zentrumsfraktion aus vaterländischem Verantwortungsbewußtseln unbedingte Sicherheit dafür haben müsse, daß rechtzeitig die Gesetze zur Sicherung der Reichsfinanzen in Der Reichspräsident erliärte darauf, daß er von derselben Notwendigkeit überzeugt sei, und daß er von allen verfassungsmäßigen Mitteln Gebrauch machen werde. um die rechtzeitige Regelung der Finanztragen zu verwirklichen... 166, Der Vorsitzende der Zentrumsfrattion gus in einer darauf folgenden Sitzung der Fraktion von dem Inhalt dieser Unterredung mit dem Reichshräsidenten Poumtn i# zierung erli, kein ip#euterhaus bei der Abstimmung über den zweiten Abänderungsantrag zur Kohlenvorlage eine Niederlage. Der Antrag wurde mit 282 gegen 274 Stimmen angenommen. Die Stimmenzähler sahen sich zwei außerstande, die Zahlen zu verkünden, da der Beifallssturm auf den Opposttionsbänken jede Verständigung unmöglich machte. Besonders stürmisch zeigten sich die Konservativen. Als die Zahlen bekanntgegeben wurden, wurde der Regierung dauernd zugerufen:„Zurücktreten!". Da die Regierungsanhänger antworteten, kam es zu stürmischen Die Weiterberatung des Kohleugesetzes im Unierhaus wurde nach weiteren Abstimmungen, bei denen die Regierung beträchtliche Mehrheiten erhielt, vertagt. ISniederlage. dem Inhalt dieser Uniei MacDonald zur Abstimmungsniebrtlah.prandenten Kenntnis. wib. London, 11. März.(Funkspruch.) Der Ab=: Die Bayrische Volkspartei kam am änderungsantrag der Opposition zum Kohlengesetz: Abend noch zu keinem Beschluß darüber, welche echt vor, daß die in der Regierungsvorlage entzg, Stellung sie in der driter,S cker ,8., zu. de B. Fe pse. teue Erhebung einer Erzeugerabgabe, deren Ertrap= gesetzen einnehmen wird. Ihre uumnn oird von isse für die Absatzförderung verwender werden#### W##rantwicklung teue Erhebung einer Erzeugerabgabe, de. nige fur die Rosaoselerlung eitwendet werden sollen, wieder gestrichen wird. Nach den stürmischen Kundgebungen, mit deuen die Opposition ihren Sieg begrüßte, richtete Baldwin an MacDonald die Frage, ob er heabsichtige, die Vorlage noch aufrechtzuerhalten. MacDonald erwiderte, er sei über diese Frage Baldwins erstaunt. Wenn Baldwin den Wunsch habe, ein allgemeines Tadelsvotum gegen die Regierung zu beantragen, so werde die Regierung sich selbstverständlich der Entscheidung des Hauses fügen.„Die Annahme des oppositionellen Abänderungsuniluges mache jedoch keine wesentliche Aenderung des Gesamtgesetzes erforderlich. Die Regierung ersuche das Haus, mit der Beratung der Vorlage fortzuDamit ist klargestellt, daß die Niederlage keine unmittelbaren politischen Folgen haben wird. der Weiterentwialung insbesonoere der Finanz= fragen abhängen. Die Röntgentaler Schießerei. 13 neue Festnahmen enb. Berlin, 12. März.(Eigene Radiomeldung.) Im Verlauf der Ermittelungen zur Aufklärung der Röntgenthaler Schießereien wurde in der vergangenen Nacht gegen 11 Uhr in einem nationalsozialistischen Verkehrslokal im Norden Berlins von der Polizei, die in zwei Lastkraftwagen anrückte, eine Durchsuchung vorgenommen. 13 anwesende Nationalsozialisten und Stahlhelmer wurden in das Polizeipräsidium gebracht, wo sie noch im Laufe der Nacht den aus Röntgenthal in Berlin eingetroffenen Zeugen des blutigen Vorsalles vom 5. März gegenübergestellt werden. Die Aktion der politischen Polizei erfolgte auf Grund der Ermittlungen in Röntgenthal, nach denen sich unter den am Ueberfall beteiligten Nationalsozialisten aus Berlin befunden haben sollen. Stosch=Sarrasani verkauft seinen Zirkus? cub Berlin, 12. März.(Eigene Radiomeldung.) Der Direktor und Eigentümer des Zirkus, Sarrasani, Hans Stosch, veröffentlicht in der Beruner Morgenpost ein Inserat, in dem er zunächst der Bevölkerung Berlins, den Behörden und der Presse den Dank für die freundliche Aufnahme seines soeben beendeten Berliner Gastspiels ausspricht, Dann heißt es weiter: Gedrängt durch unendliche## rigkeiten, die sich der Fortführung meines unternehmens auf der jetzt erreichten künstlerischen entgegenstellen, eingeengt von einem Stacheldrahtzaun untragbarer gesetzlicher Bestimmungen und behördlicher Vorschriften, durch Steuern habe ich mich schweren Herzens entschließen müssen, meinen Zirkus öfsentlich zum Verkauf anzubieten. Das Dahlemer Explosionsunglück nochmals vor Gericht. wib Berlin, 12. März.(Funkspruch.) Die Strafkammer des Landgerichts III, die sich nochmals mit dem Dahlemer Explosionsunglück zu befassen hatte, bestätigte das Urteil der Vorinstanz gegen„Kommerzienrat Robert Weingärtner wegen sahrlussiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung, der zu zwei Jahren Gesäugnis verurteilt worden war. Durch Revision des Angeklagten war das Urteil vom Reichsgericht in einigen Nebenpunkten ausgehoben und zur nochmaligen Verhandlung,#e Straftammer zurückverwiesen worden.„Hgglhn entlassung wurde wegen Fluchtverdachts uen#ehnt. Tumult in der Pariser Universität. wtb. Paris, 12. März.(Funkspruch.) In der Parifer Universität wurde der Prosessor foiz, Phupt und Chemie, Blanchetière, als lesung beginnen wollte, durch Lärmen eines Teils seiner Hörer unterbrochen. Trotz des Eingreifens der Pedelle zertrümmerten die Manisestanten die Fensterscheiben des Hörsaales. Wahrscheinlich wird die Vorlesung auf Grund dieser Vorfälle ausfallen. Aufhebung der spanischen Amortisierungskasse. wtb. Paris, 12. März.(Funkspruch.) Nach Havasmeldung aus Madrid hat der König ein Dekret unterzeichnet, durch das die Amortisierungs= kasse aufgehoben wird. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Einführung eines neuen Pfarrers. Am Sonntag, den 9. März wurde im dienst der Pauluskirche der Nachfolger des verstorbenen Pfarrers Ehrhardt, Pfr. lic. Ey. Arin, bisher Hilfsprediger in Habighorst, eingeführt. Die Einführung vollzog sich für den auf der Generalsynode weilenden Superintendenten, Synodalaseissor Pfarer Heuner aigggichliug, hofen. Am Nachmittag sand im Pa.. meindehaus eine Gemeindefeier statt, bei der Pfarrer Spicker=Dortmund die Begrüßungsansprache hielt. Dem früheren Geistlichen der Gemeinde, dem verstorbenen Pfr. Ehrhardt widmete er einen dankbaren Nachruf. Der Hund als Unfallursache. Als Dienstag in den Mittagsstunden ein 16jähriges Mädchen, das einen Schäferhund an der Leine führte, den Bürgersteig der Huckarder Straße beging, gewahrte der Hund auf der anderen Straßenseile einen weiteren Hund. Der Hund riß mit Tacht das Mädel vom Bürgersteig herunter zum Fahrdamm hin, so daß es zu Fall kam. Im selben Augenblick nahte ein Radfahrer, dem es nicht mehr möglich war, auszuweichen. Er fuhr auf das am Boden liegende Mädchen auf und kam dabei selbst zu Fall. Das Mädel erlitt Kopfverletzungen, während der Radfahrer einen Oberarmbruch erlitt, der sofortige ärztliche Hilfe erforderlich machte. — Motorradfahrer fährt auf ein Lieserauto und wird schwer verletzt. Gestern nachmittag fuhr auf der Bornstraße ein junger Motorradfahrer hinter einem Lieserwagen her. Als letzterer die Fahrt plötzlich abstoppte, um vor einem Geschäftshaus zu halten, fuhr der Motorradfahrer auf die Rückwand des Wagens auf, da es ihm nicht mehr möglich gewesen war, auszuweichen. Der Anprall auf die Rückwand war derart heftig, daß diese beschädigt wurde und der Kraftfahrer von seiner Maschine herunter auf das Straßenpflaster geschleudert wurde. Hier blieb er mit einer Gehirnerschütterung und einer klaffenden Stirnwunde bewußtlos liegen. Der Führer eines vorüberfahrenden Autos nahm sich des Verletzten an und sorgte für ärztliche Hilfe. — Schlügerel in der Derve grge Zloesze gegen 19,30 Uhr gerieten zwei der Herberge zur Heimat am Königshof in eine Auseinandersetzung, die zu einer Schlägerei führte. Im Verlause der Schlägerei brachte der eine dem anderen mit einem Stock eine stark blutende Verletzung am Kopfe bei. Der Herbergswirt mußte die Streithähne auseinanderbringen. Der Täter wurde wegen Körperverletzung zur Anzeige gebracht. Sölde. Schwere Kopfverletzungen. Nachts gegen 1 Uhr ist der in Sölde wohnhafte Wilhelm P. mit seinem Kraftrad auf der Evingerstraße gestürzt und hat sich schwere Kopfverletzungen zugezogen. P. wurde durch einen vorbeikommenden Kraftwagen in das Brüderkrankenhaus, Dortmund, gefahren. Die Verletzung ist lebensgejährlich. Anscheinend war P. angetrunken. Das Kraftrad ist sichergestellt. Eichlinghosen. Zwei Räder vom Auto abgerissen. Am 8. März ereignete sich in Eichlinghofen auf dem Marxweg ein Verkehrsunsall. Ein Personenkraftwagen befuhr den Marxweg in nördlicher Richtung. Als er sich in der Kurve in Höhe des Grundstücks Nr. 21 befand, platzte der rechte Vorderreifen des Wagens. Der Führer verlor die Gewalt über das Auto und fuhr gegen eine Gartenmauer. Hierbei wurden die beiden rechten Räder des Wagens abgerissen. Der Führer erlitt keinerlei Verletzungen; das stark beschädigte Fahrzeug wurde abgeschleppt. durch das Fenster in die Küche, wo die Familienangehörtgen noch in fröhlicher Runde beisammensaßen. Glücklicherweise wurde keiner von dem Stein getrossen, aber der Polterabend hatte hiermit ein häßliches Ende gefunden. Unna. Abenteuerliche Rettung einer Vereinssahne. Auf dem Winterfest des Kriegervereins„Westwacht“ zierte die Fahne des Kriegervereins Kobylagore den Saal. An dieses Banner knüpst sich ein interessantes Ereignis. Im Jahre 1905 stiftete Kaiser Wilhelm II. dem Kriegerverein von Kobylagora, das vor dem Weltkrieg zur Provinz Posen gehörte, eine Vereinsfahne. Bei den Unruhen in Polen im Jahre 1919 zogen die Polen auch in Kobylagora(deutsch: Heidelberg) ein, um hier alles was deutsch war oder an Deutschland erinnerte, auf dem Marktplatz zu verbrennen. Ein deutschgesinnter Pole, bei dem die Fahne versteckt war, beschwichtigte die Eindringlinge mit der Erklärung, daß die Fahne schon abgeholt und verbrannt sei. Jetzt galt es, die Fahne über die Grenze in Sicherheit zu bringen. Im Jahre 1920 reiste eine Landwirtsfrau nach Kobylagora, um den Polen zu besuchen. Mit Hilfe eines bekannten Försters gelangte sie ohne polnisches Visum zu ihrem Ziele. Schwieriger war die Rückreise. Nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten und Hemmnisse glückte es, die Fahne, die sich ein Förster unter seiner Uniform um den Leib gebunden hatte, über die Grenze zu schmuggeln. Die Grenzposten wurden bestochen, und so gelang es auch der Landwirtsfrau und ihrer Tochter, die Grenze zu passieren und ihr Heimfahrt nach Unna anzutreten. — Unbefugter alarmiert das Ueberfallkommandv. Das Ueberfallkommando wurde Montag gegen 19,30 Uhr telesonisch zu einem Hause in der Fritz=Reuter=Straße gerufen. Dort sollte nach Angabe des Anrufenden in einer Familie dieses Hauses eine Schlägerei entstanden sein. Das Ueberfaltkommando stellte fest, daß in der betreffenden Familie absolut nichts vorgefallen war und das Kommando von einem Unfugstifter mißbräuchlich alarmiert worden war. Ofsenbar wollte der Bursche der Familie hierdurch einen Streich spielen. Leider gelang es nicht, den Täter festzustellen.— Eine halbe Stunde später mußte das Uebersallkommando einen Familien= streit in der Danzigerstraße in Hörde schlichten. Dort wurde eine Frau von ihrem Ehemann schwer bedroht. Der Mann wurde zum Schutze bis zum nächsten Morgen in Haft behalten.— Um 21,15 Uhr desselben Tages wurde das Ueverfallkommando zu einem Hause in der Josefstraße gerufen. Auch hier mußte ein Familien= streit geschlichtet werden. Holzwickede. Diebe an der Arbeit. In letzter Zeit ist es mehrfach vorgekommen, daß Hühnerbesitzern der Stall erbrochen und das Federvieh geraubt wurde. So kam es wiederum vor, daß einem Anwohner der Natorperstraße sämtliche Tierc entwendet wurden. Am Morgen fand man die Köpfe der abgeschlachteten Tiere vor, was darauf schließen läßt, mit welcher Ruhe die Diebe gearbeitet haben müssen. Holzwickede. Häßliches Ende einer Polterabendfeier. Auch hier hat sich die alte Sitte, daß am Vorabend einer Hochzeitsseier von jungen Leuten der Nachbarschaft „gepoltert“ wird, bis zum heutigen Tage erhalten. In alten Zeiten wollte man durch das „Poltern“ von dem jungen Familienstand alle bösen Geister und Unglück fernhalten. Wenn dies„Poltern“ sich in dem Rahmen des Anständigen bewegt, ist gegen diese alte Sitte nichts einzuwenden. Anders war es doch bei einer Polterabendfeier, welche vor einigen Tagen hier im alten Dorf stattfand. Die jungen Leute der Nachbarschaft waren zum Poltern gekommen, danach wurde mit der Familie des Brautpaares dem Tag entsprechend fröhlich gezecht. Es dauerte denn auch nicht lange, bis der Alkohol seine Wirkung tat. Dem Bruder der Braut wurde die Gesellschaft lästig, und er forderte die jungen Leute auf, den Hof zu verlassen. Als dieselben seiner Aufforderung nicht sofort nachkamen, griff er zu einer Pistole und schoß auf eine Gruppe junger Leute, die dann den Hof fluchtartig verließen. Sie kamen dann aber zurück und schleuderten einen schweren Stein Wetter. Harkortfeier. Eine 2. Harkortseier größeren Umfanges zur Erinnerung an den 50jährigen Todestag, fand am Sonntag, den 9. März in Wetter statt. Die Heimatver= eine des Ennepe=Ruhrkreises legten einen Kranz am Grabe Friedrich Harkorts nieder, das bekanntlich mitten im Walde bei Haus Schede liegt. Darauf wurde das Friedrich HarkortHaus, das zu einer Jugendherberge umgestaltet ist, besucht. Die eigentliche Gedenkfeier fand dann am Harkortturm auf dem Alten Stamm statt. Zu dieser Feier waren auch die Bürgermeister von Wetter und Herdecke und Vertreter des Heimatbundes Hagen, sowie des Märkischen Sauerlandes erschienen. Ansprachen wurden gehalten von Rektor Reurik, dem Vorsitzenden des Heimatbundes des Ennepe=Ruhrkreises und Konrektor Schulte aus Haspe. Die erste große Gedenkfeier wurde am 6. März, am 50. Todestage Harkorts im großen Saale der Stadthalle geseiert. Winterberg. Gute Luft und hohes Alter. Die Stadt Winterberg, in einer Höhenlage von rund 670 bis 842 Metern über dem Meeresspiegel, nennt sich mit Recht Höhenluftkurort. Es ist eine der wenigen Städte, wenn nicht die einzige Stadt Westdeutschlands, die vollständig tuberkulosefrei ist. Deswegen finden auch die Sprechstunden in der Tuberkulosenfürsorge, die in den übrigen Städten und Gemeinden des Kreises Brilon stattfinden, in Winterberg nicht statt. Ein Beweis für die reine, gute Höhenluft ist ferner das verhältnismäßig hohe Alter, das durchschnittlich die Einwohner erreichen. Z. Zt. sind 8 Bürger und Bürgerinnen von mehr als 80 Jahren, 7 von mehr als 85 Jahren vorhanden. Die älteste Bürgerin unserer Stadt, Frau Witwe Stemmer befindet sich im 94. Lebensjahre.— Es hat sich die schöne Sitte der Stadtverwaltung eingebürgert, daß sie zum 80., 85., 90. und jedem weiteren Geburtstag den Einwohnern unter Ueberreichung eines entsprechenden Schreibens ihre Glückwünsche aussprechen läßt. Beckum. Verurteilung von zwei Brandstiftern. Der Schreinermeister Theodor St. und sein Schwager H. hatten sich vor dem hiesigen Landgericht zu verantworten unter der Anklage der Brandstiftung des St.'schen Anwesens, für das von der Versicherung eine Entschädigung von 41000 Mk. gezahlt worden war. St. war aber so verschuldet, daß sast der ganze Betrag aufgewendet werden mußte, um die Schulden zu bezahlen. Vor dem Richter gestand nun H., von seinem Schwager verleitet worden zu sein, das Anwesen anzuzünden, und auch St. leugnete nicht mehr. Das Gericht verurteilte St. wegen Verleitung zur Brandstiftung und Versicherungsbetruges zu zwei Jahren Gefängnis, und H. wegen Brandstiftung zu anderthalb Jahren Gefängnis. Herford. Ueberfall auf eine Frau. Die30jährige verheiratete Tochter des Hauderers Beckstedde wurde in der Dunkelheit von zwei etwa 20jährigen Burschen überfallen und zu Boden geschlagen. Auf die Hilferufe der Frau ergriffen die Täter die Flucht. Osnabrück. Acht Jahre Zuchthaus für einen Einbrecher. Der aus der Gegend von Hamm gebürtige Dachdecker Hentze hatte sich vor dem hiefigen Großen Schöffengericht wegen zahlreicher Einbruchsdiebstähle in der Umgegend von Osnabrück zu verantworten. Hentze ist der Typ des berufsmäßigen Einbrechers, der alle seine Diebstähle nach einem genau überlegten Plane ausführte. Als Werkzeuge bediente er sich stets eines Bohrers und eines Stemmeisens. Gleich vier Strafverfahren standen in der Verhandlung gegen ihn an. Nach vierstündiger Beratung verkündete das Gericht das Urteil, das auf acht Jahre Zuchthaus lautet. Hierzu kommt noch eine Strafe von dreieinhalb Jahren Zuchthaus, die ihm erst kürzlich in Lingen zudiktiert wurde. Wislade. Volkshochschulkursus. Vom 22. März bis 16. April findet im Volkshochschulheim Wislade ein Lehrgang für junge Menschen statt. Die Gesamtarbeit steht unter dem Hauptthema: Das Ringen der jungen Generation um Volk und Staat, Kirche und Schule, Ehe und Familie. Die Leitung hat Volkshochschulleiter Ludwig Rese; als Mitarbeiter stehen ihm zur Seite stud. phil. Friedrich Schotte=Elberfeld, Studienrat Helmut Weishaupt=Lübeck, Dipl.= Kfm. Willy Hofmeister=Lüdenscheid u. a. Willkommen sind aufgeschlossene junge Menschen im Alter von etwa 18—25 Jahren. Anmeldungen und Anfragen sind sofort an die Leitung des Heimes, Post Oberrahmede(Kr. Altena) zu richten. Anschließend an den Lehrgang findet eine Osterfreizeit vom 17.—21. April statt. Studienrat Hellmut Weishaupt aus Lübeck spricht über:„Der Wille zur Gestaltung der Gesellschaft und Kultur vom protestantischen Glauben her.“ Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Ein Verwischfest in Kairo Von Walther Freih. v. Falkenhausen. Beinahe alle einfachen Araber gehören ireinem Derwischorden au, meist dem der Rifai oder der Saadi. Tagsüber gehen sie ihren Berufen nach, nachts kommen sie zu gewissen Zeiten zusammen, um ein„Sikkr“ zu veranstalten. Es gelang mir, zu einem solchen„Silkr“ zingeladen zu werden. Es war 11 Uhr nachts. Den Garten meines Gastfreundes füllten die harrenden Gläubigen. Näher und näher kamen die Töne einer schrillen Musik, und unter Fackelbeleuchtung hielten die Derwische, der Scheich an der Spitze, ihren Einzug, Etwa 50 Rifai bewegten sich im eigentümlich wiegenden Tanzschritt, zwei Schritte vor, einen halben zurück, in ihrer Mitte trugen sie die ganz mit Koransprüchen verzierte „heilige Lampe“. An dem für die Vorführungen bestimmten Raume angelangt, entledigten sich die Männer ihrer Sandalen und beteten. Dann begannen unter Leitung des Scheichs die Uebungen: Zunächst sangen sie hockend Koranverse, ihre Körper nach recht, der Mitte und links, dann vor= und rückwärts abbiegend. Schneller und schneller ging die Musik, wilder wurden die Bewegungen— ein schriller Pfiff— Ruhe. Die Derwische erhoben sich und standen unbeweglich aufrecht. Nach kurzer Pause begann die Musik von neuem, und stehend wiederholte man die ganze Uebung, bis die Töne so wild wurden, die Körper so schnell flogen, daß man das Pfeisen der Luft hörte und das ganze Gebet nur noch in einem tief aus der Kehle kommenden fanatischen „He! He!“ bestand. Wieder brach die Musik schrill und unvermittelt ab, und ohne Zeichen der Ermüdung hockten sich die Männer hin. Run trat einer vor, entledigte sich des Oberkleides und empfing aus der Hand des Scheichs ein Schwert. Er faßte es mit beiden Händen und bohrte sich die ziemlich spitze Klinge ruckartig in den Leib unterhalb der Rippen. Jetzt ergriffen zwei andere Derwische die beiden Enden des Schwertes, zwei weitere Kopf und Füße des Genossen und trugen den, auf dem Schwerte Liegenden herum. Wieder auf die Füße gestellt, zog er das Schwert heraus und zeigte triumphierend seinen unversehrt gebliebenen Körper. Hierauf ließen sich mehrer Derwische durch den Scheich mit dünnen, eisernen Pfeilen Hände, Arme und Wangen durchstechen und spazierten auf und ab. Jedes Marterinstrument bei sämtlichen Uebungen wurde aus der Hand des Scheichs entgegen genommen, nachdem er es erst gesegnet und durch Besprechen unschädlich gemacht hatte, wie mein Gastfreund voll Ueberzeugung erklärte. Das Herausziehen der Pfeile und Schwerter besorgte stets der Scheich selbst, denn „nur er hat die heilige Gewalt, die solche Vorführungen unschädlich macht". Nunmehr erhielt ein Derwisch aus der Hand des Scheichs zwei Kerzen, etwa zehn Zentimeter dick, mit breitem, brennendem Dochte. Damit lief er erst betend im Kreise herum, dann steckte er sich das Licht in den Mund, vier=, fünf=, sechsmal nacheinander, und schloß jedesmal, ohne sich im geringsten zu verletzen, den Mund völlig. Inzwischen waren mehrere lange gekrümmte weiß glühende Eisenstäbe herbei geschleppt worden, die seit einigen Stunden auf einem Kohlenfeuer lagen. Die Stangen wurden von meh. reren Derwischen gepackt und je drei bis viermal hintereinander beleckt. Es zischte, eine Dampfwolke stieg auf, es roch nach verbranntem Fleisch, aber die Zungen blieben unverletzt. Dann erhielt einer aus der Hand des Scheichs ein ziemlich großes, reichlich dickes Trinkglas, das er zerbiß und hinunterschluckte. Man hörte das Knirschen des Glases zwischen den Zähnen, sah ihn beißen und würgen, Zunge und Mund wiesen keine Schnittwunden auf. Sodann trat ein großer, gutgewachsener Derwisch vor. Der Scheich steckte ihm zwei Nadeln zwischen die Augenbrauenen, zwei durch dis Lippen, die Backen, die Haut des Halses, endlich zwei dickere durch die Brusthaut. An die Spitzen aller Nadein steckte der Scheich brennende Kerzen. Der Derwisch zeigie weder beim Durchstechen noch beim Herausziehen das geringste Schmerzgefühl, und verlief das Gauze unblutig. Wie dies bewirkt wird, dafür haben wir noch keine ganz befriedigende Erklärung gefunden. Und nun kam der malerische Höhepunkt: Ein auffallend schöner Derwisch nahm mehrere Feuerbrände, voltigierte und tanzte singend mit ihnen herum, wobei er sie so zwischen Hemd und Körper hielt, daß die Flamme oben herausschlug, ohne ihn oder den Stoff zu versengen. Dann streifte er das Hemd ab und tanzte mit den Fackeln immer wilder und wilder, hielt sie auch ganz dicht an den Körper, ohne sich im geringsten zu verletzen. Es war ein wunderschönes Bild, dieser muskulöse braune Körper inmitten eines Flammenmeeres in der buntfarbigen, zauberhaft wirkenden Umgebung. Den Abschluß bildete eine eher unappetitlich wirkende Vorführung: Man brachte eine lebendige, ungiftige Schlange. Ein Derwisch zeigte sie erst herum, dann ein Ruck— er hatte ihr den Kopf abgebissen, es folgte Stück für Stück, die er alle ganz gemütlich kaute und hinunterschluckte! Nun verstummte die Musik, der Sikkr ging zu Ende. Es war inzwischen ein Uhr nachts geworden. Nach herzlichem Dank verließ ich nachdenklich diese gastliche Stätte. Rächtliches Autorennen eines Ehepaars Frau Kenuard in London hatte ihren Gatten in dem Verdacht, daß seine nächtlichen Autes“= ten ihn weder in den Klub noch ins Geschäft sondern in die Arme einer anderen Frau führten. Die gekränkte Gattin beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen, mietete einen Wagen nebst Chauffeur und legte sich, nachdem ihr Gatte glauben mußte, sie habe das Schlaszimmer aufgesucht, mit dem Wagen in der dunklen Partstraße auf die Lauer. Sie brauchte nicht lange zu warten. Der Mann tauchte, eb-- und eit einem schweren Wagen hald.n........: ! w fliegende Ilinik####i Kennard koilage durch els“D'a. D,s sicherbeit beobNEns Gatten hielt und Frau„aufspickte". Bald war das freie Land### rasender Fahrt wickelte Frau Ken?.#8. Verfolgungsrennen ab. Und wieder hield'.„Lagen des Gatten. Jetzt fuhr Frau Kennars anz dicht heran, beleuchtete das Pärchen, das sie in der erwarteten Situation antraf, und rief ihrem Gatten durch die mit einem Ruck geöffnete Tür die freudig bewegten Worte zu:„So! Nun habe ich Dich!“ Herr Kennard sprang wie von der Tarantel gestochen aus seinem Wagen, stürzte auf das Auto seiner Frau los und rief den Chauffeur an:„Was fällt Ihnen ein, sich mit meiner Frau auf der Landstraße umherzutreiben!“, versetzte ihm einen wirkungsvollen Kinnhaken, brachte das Auto in Gang und steuerte es in den Straßengraben, s. daß es umkippte. Dann ließ er seine verblüffte Frau auf der Straße stehen und eilte mit der Freundin nach einem ruhigen Platze. Es war jedenfalls ein teures Rendez=vous. Herr Kennard mußte in der gleichen Woche Auto=Reparaturen in Höhe von 1500 Mark zahlen und wird noch höhere Auslagen für die Reparatur der Ehe auswenden müssen. Turnen, Spiel, Spert Pußbauft Reichsbahn=Turn= u. Sport=Verein Schwerte 1. — Reichsb.=Turn= u. Sport=Verein Düsseldorf 1. 1:7(0:3). Der Düsseldorfer Reichsbahnsport empfing die Schwerter zum fälligen Meisterschaftsspiel. Pünktlich stellten sich beide Mannschaften dem Schiedsrichter. Schwerte hat Wahl und nimmt die Sonne zum Bundesgenossen. Es entwickelt sich ein flottes Spiel, wobei die Gastgeber leicht überragen. Der Sturm der Hiesigen war in der ersten Halbzeit gut, konnte sich aber nicht durch die gute Verteidigung der Gegner durcharbeiten. Nach der Pause läßt Schwerte nach, vor allem in der Schnelligkeit. Beim Schluß verlassen die Rheinländer als verdienter Sieger den Platz. Die Schwerter zeigten großen Eifer, wogegen die Düsseldorfer ein technisch gutes Spiel vorführten. Freie Turnerschaft Schwerte— Wandhofen. Fußball=Abteilung. Am vergangenen Sonntag konnten die Freien Turner zwei Siege verzeichnen. Die 1. Mannschaft der Arbeiter=Sportler spielte in Vogelsang, setzte sich sehr gut durch und kehrte mit einem 2:0=Siege heim. Die 2. Mannschaft der Arbeitersportler hatte Witten als Gast hier und konnte dieselben 4:0 schlagen. Sogleich am Anfang wurde flott und lebhaft gespielt. Halbzeit lag Schwerte mit 2:0 in Führung. Trotzdem Witten eine stabile Mannschaft stellte, konnten sie nicht zu einem Tor gelängen, denn die gute Verteidigung von Schwerte schlug jeden Ansturm zurück. Rafsport „Die Nacht“. in der Westfalenhalle. Die ereignisreiche diesjährige Radsportsaison der Westfalenhalle wird am Sonnabend, den 29. März mit einer ganz besonderen Attraktion beschlossen. Nachdem am Sonntag in dem VierLänderkampf die Motore zum letzten Mal in dieser Saison geknattert und das fast ausverkanste Haus in die hellste Begeisterung versetzt haben, soll ein großes, internationales Mannschaftsrennen den Beschluß der Saison bilden. Dieses Mannschaftsrennen betitelt sich„Die Nacht“, wird am Sonnabend 21 Uhr gestartet und endet Sontag morgens um 5 Uhr. Die Nachricht wird wohl vor allem von auswärtigen Radsportfreunden begrüßt werden, bietet sich doch nochmals Gelegenheit, eine sog.„Sechstage=Nacht“ mit allem Drum und Dran in Dortmund zu verbringen. Das Rennen soll die Besten der diesjährigen Wintersaison am Ablauf vereinigen. Boxen Wagener am 6. April in der Wefalenhalle. Für ihren am 26. April stattfindenden, 25. Box=Großkampftag hat die Westfalenhalle Rudi Wagener sest verpflichtet. Der Duisburger, der auf Grund seines Sieges über Santa der augenblicklich am stärksten gefragte, deutsche Schwergewichtler ist, sollte am 21. März gegen Schönrath im Berliner Sportpalast boxen. Ferner wollte in Köln gegen Larry Gains und Stockholm gegen Persson stellen. Um die Gewißheit zu haben, daß Wagner in bester Form antritt, hat die Westfalenhalle vertraglich festgelegt, daß er vorher nicht kämpfen darf; infolgedessen hat sie in allen drei Fällen ihre Genehmigung versagt. F) Allgemeiner Deutscher Turnerbund Fachwartetagung des Bezirks 2 in Herbeck. Die in Herbeck stattgefundene Tagung der Erzellenz von Breitenbach; aus anständ. Familie gesucht. Fritz. Baal Wasser- u. Motormühle villigst 1001 •** Zimmer echt Eiche, innen inahagonipoliert, Büffet 2 m, wegen Platzmangel weit unt. Preis, billig zu verkaufen. Zu erfragen in der Gesch. Der am 10. März d. Is. in Bückeburg verstorbene frühere Kgl.=Preuß. Staatsminister und Minister der Oeffentlichen Arbeiten, Exzellenz von Breitenbach. „Steuerspion an der Arbeit“ Vom Reichsfinanzministerium wird uns mitgeteilt: In verschiedenen Zeitungsartikeln ist unter der Ueberschrift„Steuerspione an der Arbeit“ über einen Prozeß berichtet worden, der in letzter Zeit das Reichsgericht beschäftigt hat. Es handelt sich um die Klage eines Kaufmanns, der von dem Reichsfiskus eine Belohnung für Angaben über Steuer= und Abgabenzuwiderhandlungen beansprucht, die seinerzeit in dem bekannten Spritweber=Prozeß gemacht hat. Der Fall stammt bereits aus dem Jahre 1924, liegt also weit zurück. Die daran geknüpften allgemeinen Bemerkungen sind nicht richtig. Zunächst sei den immer wieder von bestimmter Seite aufgestellten Behauptungen gegenüber betont, daß es nicht zutrifft, daß Beamte in irgendwelcher Form an dem Mehraufkommen an Steuern und Strafen prozentual beteiligt sind. Dagegen können Privatpersonen eine Belohnung von höchstens 5 Prozent des in die Reichskasse fließenden Mehrbetrages an Steuern und Strafen erhalten, wenn sie Angaben machen, die zu der Aufdeckung von Steuer= und Abgabenzuwiderhandlungen führen. Bei dem heutigen bedauerlichen Stand der Steuermoral ist es noch nicht möglich gewesen, auf das Material, das aus Anzeigen privater Personen über Zuwiderhandlungen gegen die Steuer= und Abgabengesetze herrührt, zu verzichten. Wie die Praxis ist der finanzielle Erfolg derartiger Mitteilungen recht groß; zahlreiche Steuerzuwiderhandlungen werden aufgedeckt, von denen die Finanzämter andernfalls keine Kenntnis erhalten würden. Es handelt sich dabei um Steuerpflichtige, deren Einkommen und Vermögen nicht leicht zu übersehen ist, vor allem um solche Personen, denen das erforderliche Staatsbewußtsein fehlt. Im Interesse einer gerechten Verteilung der Steuerlast zum Wohle der Allgemeinheit wird daher vorerst auf das Anzeigenmaterial nicht verzichtet werden können. ha. Formvorschriften in Steuersachen. Bemerkenswerte Entscheidungen in Formfragen hat der Reichsfinanzhof getroffen. Eine stillschweigende Nachsichterteilung kennt die Reichsabgabenordnung nicht. Dann ist die Zurücknahme eines Steuerbescheides zulässig, wenn die Ausfertigung der Urschrift nicht entsprach. Wer zu einem Rechtsmittelverfahren als Beteiligter zugezögen ist, kann nach Zurücknahme Rechtsmittels durch den Steuerpflichtigen dieses Rechtsmittel nicht als eigenes fortführen. Ein gut rechnender Kaufmann— muß und wird inserieren! Wienn Sie dn gelene A oder einen Flüge zu bequemen Bedingungen und günstigen Preis anschaffen wollen, fordern Sie Katalog gratis und franko direkt von Roth& Junius-agen-Fabrik“ Hagen I. W. 44 Fillalen: Essen. Fluyssenallee 97 und Berlin, Hardenbergstraße 14 In Sonderabteilung: Harmoniums und gebrauchte Pianos Staatsmedaille, gold. Ausstellungspreis., Künstler-Zeugnisse Crogrerr in er 1m2 noch wie vor die Zeitschritt mit dem ausführlichsten -edew. Fonkprogramm der Welt! 80 Seiten für 50 PI: Monotsbezug RN 2.— Bestellen Sie beim Postamt oder Buchhandlung Probeheft umsonst v. Verlag Berlin N 24. Zu beziehen durch die Buchhandlung Carl Braus, Schwerte, Bahnhofstr. 3 Promendeei. 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Als Neuerung sollen auf dem Bezirksturnfest Mannschaftskämpfe im Kugelstoßen, Hochsprung usw. stattfinden, auch sollen gegebenenfalls die Bezirksmeisterschaften mit dem Bezirksturnfest verbunden werden. In wie weit dies durchführbar ist, muß jedoch abgewartet werden. Man ging von dem gewiß zu begrüßenden Gedanken, wenig Wettkämpfe abzuhalten, aus.— Die nächste Bezirksvorturnerstunde ist beim Tv.„Germania“ Grüne Anfang April, diesem folgt das Turnen der Bezieksriege, die nunmehr mit ihren Ersatzleuten und sonst willkommenen Turnern die Bezeichnung Bezirksvorturnerschaft führt, im Mai in Hüingsen. Kreis= und Verbandsangelegenheiten bildeten weitere Bestandteile der Ausgabe. Ebenfalls sei gerne erwähnt, daß der Uebernahmeverein Tgd. Herbeck eine gastWas hören wir im Rundfunk? Donnerstag, den 13. März 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Morgenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 11,30: Schulfunk für die Mittelstufe höherer Lehranstalten. 12,10: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderspielstunde. 15,30: Wirtschaftsdienst. 15,50: Jugendbücherstunde. 16,05: Die Welt im Buch. 16,25: Wirtschaftsdienst. 16,30: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Berufsschulen. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Der westfälische Kulturkreis. 18.50: Vom Tage. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Spanisch. 19,40: Stunde des Arbeiters. 20,00: Abendmusik. 21,00: Einsame Musik. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Anschließend bis 24,00: Konzert aus dem Cafe Handelshof, Essen. Vertreter gesucht für Holzrollos-Jalousien Federzugrollos etc. Verdunkelungsanlagen Grüssner& Co. Neurode Eulengebirge Zuverl. Person für dort. Bezirksfillale als Generalvertr. ges. hoher dauernder Vord. Beruf gleich(kostenlos) Gottschalk& Co. 2" 6. m. b. b.„ Segrath Rhein 267.„ Madrigalchor Schwerte Am Donnerstag, 13. März 1930, abends 8 Uhr WONZERT im Saale des„Westfälischen Hofes“, in Schwerte Ausgeführt vom: Dortmunder Streich-Quartett Dr. Paul von Szent-Györgyi, 1. Violine Reinhold Jung, 2. Violine Adolf Pörsken, Bratsche Karl Roser, Violoncello Es gelangen zum Vortrage Werke von Ravel, Dvorák, Beethoven Eintrittskarten zu Nlk. 2.- und Schillerkarten zu Alk. 1.- sind zu haben bei den Mitgliedern des Chores, in der Buch- und Kunsthandlung Carl Braus und an der Abendkasse. 4 Zimmerwohnung Neubau mit Garten von 52— 200 QuadratRuten 10 Minuten vom Bahnhof Schwerte Richtung Freischütz zum 1. April oder Mai zu vermieten. Angebole unter Nr. 999 an die Geschäftst. d. Zig. Bekanntmachung Es sollen für das Rechnungsjahr 1930 vergeben werden: 1. die Abfuhr der Stückgüter, der Wege= u. Hochbaumaterialien, das Fahren der Sprengwagen, das Zusammenfahren des Kehrichts etc. 2. die Abfuhr des Mülls. Angebotsformulare und Bedingungen, für beide Abfuhren getrennt, liegen im Zimmer 24 des Stadtbauamts zur Einsicht auf und können dort zum Preise von 1.— Mk. bezogen werden. Angebote sind bis spätestens Mittwoch, den 19. März 1930, vormittags 9½ Uhr, ebendaselbst einzureichen. Schwerte, den 10. März 1930. Der Magistrat. Verkaufe einige Ztr. gutes 90 Moorkamp, Holzen, Hellweg 1(1c01 „In Umstellung eines bekannten Satzes könnte man hier sagen, daß uns dieses Werk auf der ganzen Welt niemand nachmachen kann. Volksstimme, Frankfurt a. M., über den„Großen Brockhaus“. Band 4 bereits erschienen Jetzt noch günstige Bezugsbedingungen: 1. Bequeme Retenzehlungen, 2. Umtausch alter Lexika. Verlengen Sie noch heute von Ihrem Buchhändler oder direkt vom Verleg kostenfrei und völlig unverbindlich für Sie die enregende und reich bebilderte Broschüre: Der Große Brockhaus neu von A-2. F. A.BROCKHAUSTLEIPZIG In Schwerte zu beziehen durch die Buchhandlung Carl Braus Bekanntmachung Die nachstehend aufgeführten Arbeiten sollen für das Rechnungsjahr 1930 zu Einheitspreisen vergeben werden: 1. die Maurerarbeiten(Reparaturarbeiten und Neubauten) bis zu 500 RMk., 2. die Zimmerarbeiten(Reparaturarbeiten und Neubauten) bis zu 500 RMk., 3. die Anstreicher=Unterhaltungsarbeiten. Angebotsformulare und Bedingungen liegen im Zimmer 24 des Stadtbauamts zur Einsicht auf und können dort zum Preise von bezogen werden. 1006 Angebote sind bis spatestens Mittwoch, den 19. März 1930, vormittags 10 Uhr, ebendaselbst einzureichen. Schwerte, den 10. März 1930. Der Magistrat. PLADSEN weichkochende gelb. Viktorin solange Vorrat reicht Pfd. nur 19 Pfg. Sauerkraut Pfd. nur 9 Pig. Speck grauch. Pfd. 99 Pig. EP-4öI Schwerte EtfUtig Hüsingstr. Nr. 60(Zweites Blatt) „Schwerter Feltun! Friere auf dem Tultun! ven Oite Schumann. Wien. Grenze, wie sie aus dem Vriehzungen der Gei. — e be an die Bezehungtn eut uin. Esde Aeocht zu Belgrad und Sgia Verbandwurden zwischen Beigrat und Eefm Verhall lungen geslogen mit dem Ziele, auf gütlichem Wege zu einer Einigung zu gelangen. Eine solche ist durch das kürzlich zu Sofia unterzeichnete Abkommen endlich erreicht worden, wenngleich es zweifelhaft bleibt, ob wirklich beide Teile davon restlos befriedigt sind. Südslawien als der ungleich stärkere Vertragspartner hat begreiflicherweise kein Bedenken getragen, dies seinen Vorteil nach Kräften auszunntzen. Die ersten Versuche, zu einer Besserung der wirklich unhaltbaren Zustände in der Grenzzone zu kommen, wurden Anfang 1919 in Pirot gemacht. Die dort zusammengetretene gemeinsame Kommission kam auch zu einem wurf, der die auf's äußerste gespannte Atmosphäre zu beruhigen schien und von den Bu# garen alsbald ratifiziert wurde. Belgrad zögerte indessen unter ziemlich durchsichtigen Vor wänden, dem bulgarischen Beispiele zu folgen. Der wahre Grund dazu lag wohl in der Miß stimmung, welche die auf die Einladung des mazedonischen National=Kommitees, erfolgte Reise der kroatischen Emigranten Pawelitsch und Pereez nach Sofia in der Südslawischen, Hautzte stadt hervorgerufen hatte. Die bei dieser Gelegenheit in Sofia gehaltenen Reden und Demonstrationen wurden auf der anderen Seite der Grenze als beabsichtigte Provokation aufgefaßt. Es folgte eine Periode erneuter Spannung, die blutige Grenzfehde lebte wieder auf. End lich kanten beide Staaten unter französischem Druck überein, den Vertrag von Pirot für drei Monate vorläufig in Kraft zu setzen. Inzwischen sollte eine neue gemischte Kommission eine dauernde Lösung des schwierigen Problems zu finden suchen. Obgleich die Kommission ihre Arbeiten unter einem günstigen Stern begann — der südslawische Delegationsführer starb plötzlich während eines Tees im Hause eines hohen bulgarischen Beamten—, wurden ihre Bemühungen doch schließlich von Erfolg gekrönt. Ein ziemlich merkbarer Druck, den vor allem Frankreich wieder auf beide Teile ausübte, hat sicher viel zu diesem Ausgang beigetragen. Auch der tschechoslowakische Außenminister Benesch, der mit Sorge die durch die bulgarisch=südslawische Spannung hervorgerufene Schwächung der kleinen Entente verfolgte, darf sich ein Verdienst am Zustandekommen des Vertrages beimessen. Der Inhalt dieses Abkommens ist in Kürze folgender: Beide Staaten erklären sich bereit, ohne weitere Verzögerung zur Liquidation des quer über die Grenzen gelegenen Grundbesitzes schreiten, die spätestens bis zum1. Mai ds. Is. beendet werden soll. In zweiter Linie ist ein Austausch der Ländereien gewisser Kategorien der Grenzlandbewohner vorgesehen. Bulgarische Staatsangehörige, die Grundbesitz auf der südslawischen Seite der Grenze haben, sollen diese gegen Ländereien südslawischer Untertanen in Bulgarien austauschen, und umgekehrt. Der Austansch erfolgt immer nur zwischen bis. herigen Nachbarn; dabei wird in diesem Falle daß z. B. ein Bulgare in Südslawien ein größeres Stück Land besitzt, als er das in Bulgarien an seinen Grundbesitz stoßende Stück seines Austauschpartners ist, der Wertunterschied i# Geld berechnet und zu Gunsten des Bulgaren auf dem südslawischen Besitz des anderen als Hypothek eingetragen werden. Dieser Fall wird häufig genug eintreten. Stehen doch einem Grundbesitz bulgarischer Staatsangehöriger in Südslawien im Umfang von 80000 Dekar umgekehrt in Bulgarien nur 27000 Dekar Land gegenüber, die Südslawen gehören. Die Liquidationen und Austauschgeschäfte erfolgen unter Ausichst örtlicher Kommissionen, gegen deren Entscheidung eine Berufung an eine gemischte Zentralkommission möglich ist. Mit welchen Schwierigkeiten die Abwicklung dieser Arbeiten vor sich gehen wird, ergibt sich daraus, daß die beteiligten Grundbesitzer, wenn sie zur Besichtigung der Ländereien und zu handlungen über den Austausch die Grenze vbrschusten woten btottee von Gterthrr tritt berechtigende Personalausweise erhalten, die aber nur für drei Tage gelten, damit sie nur ja keinerlei verdächtige Persönlichkeiten ins Land schmuggeln. Angesichts des Umstandes, daß die Bulgaren rund 50000 Dekar Land mehr aufgeben müssen als die Südslawen, ist der für Bulgarien aus dem Vertrag sich ergebende Vorteil sehr zweifelhafter Natur. Es hat jedoch unter dem Zwang der Verhältnisse wohl oder übel nachgeben müs sen. Südslawien verfolgt mit dem neben wirtschaftlichen vor allem politische Ziele. Solange zahlreiche, durch den Frieden von Neuilly zu südslawischen Untertanen gewordene Bulgarien in ihrem alten Vaterlande noch Grundbesitz hatten, bestand eine enge Verbindung mit der früheren Heimat, eine Verbindung, die nach der erfolgten„Bereinigung“ ganz von selbst so gut wie völlig aushören wird. Das erleichtert natürlich die Nationalisierung der Grenzmark in serbischem Sinne, zumal jede lästige Kontrolle in Zukunft fortfallen wird. Wie weit sich in der Praxis diese Erwartung erfüllt, ob nicht die bulgarische, insbesondere die mazedonische Bevölkerung einen Strich durch die Belgram Rechnung machen wird, bleibt abzuwarten. Das unlängst erfolgte Bombenattentat in Pirot kann nicht gerade als günstiges Vorzeichen gedeutet werden. Von der berüchtigten neutralen Zone, die Südslawien anstrebte, um aus ihr alle ihm lästigen Elemente entfernen zu können, ist heute keine Rede mehr. Angesichts der durch das Abkommen von Sosiea geschaffenen Lage konnte Belgrad ja auch ohne Schwierigkeit auf diest bislang zäh verteidigte Forderung verzichten. 10 Reicheruhn=Tertel zu Wir wurden um Aufnahme folgender Zeilen gebeten: Das„Berliner Tageblatt“ veröffentlicht am Freitag, dem 7. März 1930, einen Artikel, über schrieben„Der Machtkampf um die Reichsbahn“ den die Redaktion als Erzählung einer Persönlichkeit bezeichnet, die die Entwicklung der neuen Gestaltung des Reichs bahngesetzes aus nächster Naye h##te beobachten können. Diese Darstellung ist geeignet, das Ansehen der Organe der Reichsbahn in der Oeffentlichkeit herabzusetzen. Durch die gesamte Darstellung läuft der Grundgedanke, daß die Leitung der Reichsbahn im Verwaltungsrat und Direktorium aus der heutigen gesetzlichen Organisationsform der Deutschen Reichsbahn=Gesellschaft für sich Kapital geschlagen hätte. Verwaltungsmitglieder nützten ihre Stellung dazu aus, um Lieferungen von der Reichsbahn zu erhalten und die leitenden Beamten der Reichsbahn segneten sich mit unfaßlichen Gehältern. Auch bei der Neuordnung der Reichsbahn in Ausführung des Youngplanes hätten leitende Reichsbahnpersönlichkeiten dahin Einfluß genommen, daß der unabhängige Charakter der Reichsbahn erhalten bliebe, nur aus dem Grunde, damit ihre angeblichen persönlichen Vorteile gewahrt blieben. Der wirkliche Sachverhalt ist folgender: Die Reichsbahn war durch die neue Reichsverfassung(Art. 92) als selbständiges, wirtschaftliches Unternehmen in Aussicht genommen. Diese Forderung der Verfassung konnte wegen der Schwierigkeiten der Verreichlichung und der unmittelbar darauf folgenden Inflation ul später auch des Ruhrkampfes zunächst nicht verwirklicht werden. Die Stabilisierung der Währung im November 1923 brachte die Erfüllung der Reichsverfassung, indem sie die ReichsbahnVerwaltung auf eigene Füße stellte. dafür wurde dann in der Notveroronung über das Unternehmen„Deutsche Reichsbahn“ festgelegt. Mau sieht daraus ohne weiteres, daß die Selbstverwaltung der Reichsbahn lediglich eine Angelegenheit der neuen Reichsverfassung ist und mit der Reparationsfrage garnichts zu tun hat. Die selbständige Gelschälte, gebarung und Verwaltung auf privatwirhscha, licher kaufmännischer Basis waren schon da, als der Dawes=Plan kam. Deshalb konnte gerade der Dawes=Plan, in dessen Befolgung das heute noch geknetete Reichsbahngesetz am 30. April erlassen wurde, organisatorisch in weitem Umfange der vorhandenen Entwickelung folgen. Ein Verwaltungsrat und ein Vor stand wurden für die Leitung bestimmt, und Mittwoch, 12. März 1930 die Verwaltung wurde ganz vom Reichstag und politischen Einflüssen losgelöst. Als Aufsichtsminister wurde der Reichsverkehrsminister bestimmt. Eine Anzahl ausländischer Mitglieder kam in den Verwaltungsrat, und ein ausläudisches Kommissariat wurde gebildet. Das gesetzlich eingeführte System von Leistungs zulagen für die Beamtenschaft diente dazu, dort, wo es angebracht schien, Dienstleistungen zu belohnen und hervorzuheben. Wegen der finanziellen Lage war es nur möglich, die thcoretisch mögliche Summe von 5 Prozent der Gesamtpersonalausgaben zu etwa ein Drittel in Anspruch zu nehmen.(Anstatt 60 Millionen 22 bis 24 Millionen Mark jährlich). Da die ebenfalls gesetzlich gebene Möglichkeit, einen Kreis von leitenden Beamten zu bestimmen,(es sind heute 285), deren Gehalt vom Verwaltungsrat bestimmt wird, hat sich der Besonderheit des Reichsbahnbetriebes als von besonderem Wert erwiesen. Die Stellung dieser leitenden Beamten ist abweichend von der bei anderen Reichsbehörden. Können sie doch jederzeit bei Nichteignung ohne Rücksicht auf ihr Alter aus dem aktiven Dienst entlassen werden, ein Recht, von dem die Leitung der Reichsbahn wiederholt Gebrauch gemacht hat. Die phantastischen Zahlen, die über die Einkommen dieser leitenden Beamten immer wieder gemacht wurden, sind frei erfunden. Das Gesamteinkommen des Generaldirektors der Reichsbahn einschließlich Dienstaufwand erreicht nicht 100000 RM., die Gehälter der 7 Mitglieder des Vorstandes bewegen sich weit darunter und dementsprechend liegen wiederum die Einkommen der leitenden Beamten tief unter diesen Beträgen. Wenn das Gesetz bestimmt, daß die Mitglieder des Verwaltungsrats sich auch aus erfahrenen Eisenbahn= und Wirtschaftskennern zusammensetzen sollen, so sagt es damit etwas, was sich bei einer so großen Verkehrsanstalt eigentlich von selbst versteht. Dementsprechend sind verschiedene Führer großer Wirtschaftsunternehmungen zu Verwalwaltungsratsmitgliedern bestellt worden. Ihre Mitwirkung hat sich bei der Verwaltung des erst kürzlich auf eigene Füße gestellten größten Wirtschaftsunternehmens der Welt als besonders segensreich erwiesen. Namentlich bei der schwierigen Finanzwirtschaft kam der Verwaltung die Lebenserfahrung dieser Männer zugute. Die Behauptung, daß irgend ein Mitglied des Verwaltungsrats jemals seine Stellung dazu ausgenutzt habe, persönlich Vorteile für sich oder sein eigenes Unternehmen herauszuholen, ist absurd und zeugt von geringer Kenntnis der aufopfernden verantwortungsvollen Arbeit dieser Herren. Wer solche Behauptungen aufstellt, macht sich unverantwortlicher Verdächtigungen schuldig. Die jetzt über 5 Jahre dauernde Verwaltung der Deutschen Reichsbahn=Gesellschaft hat ihre zielbewußte gute Führung und die Zweckmäßigkeit ihrer Verfassung erwiesen. Heute steht dieses Riesenunternehmen finanziell gesund da und bildet bei seiner engen Verbindung mit dem Reich und seiner Finanzwirtschaft eine Der OCIznah Roman von Robert Misch. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S). 23. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Immer mit deinem Theaterkram!“ brummte der Rentier, der nie ins Theater ging und außer seiner Zeitung nie etwas las.„Ich glaube, am liebsten gingst du selbst zum Theater— als richtige Puppenspielerin. „Als Künstlerin, willst du sagen! Tät' ich auch!" bejahte Anna die Frage schnell. „Na, zum Glück bist du verlobt! Als Braut—“ „Und was für eine glückliche Braut!" unterbrach ihn Frau Charlotte mit leiser Ironie. Jedenfalls hat sie ein starkes Talent; das sagt auch Kolb.“ „Der alte Narr muß sie bei solchen Dummheiten noch bestärken. Steck' deine Nase lieber ins Kochbuch, damit dein Mann mal was Gutes zu essen bekommt!“ „Da hat der Onkel eigentlich recht", stimmte die Taute zu.—„Du kannst zum Oktober einen Kochkursus mitmachen.“ „So hab' ich's nicht gemeint... das kann sie auch hier im Hause lernen“, brummte Kaltenbach.„Du kannst mir hier den fehlenden Knopf annähen.“ Hinter seinem Rücken zeg er das geheimnisvolle Etwas hervor, das sich als eine Männerhose entpuppte. Und da es ihm Greuel war, wenn die Mädchen ohne Beschäftigung waren— Lesen betrachtete er natürlich nicht als solche—, so befahl er nun auch seine Tochter, ihm eine Tasse Kaffee zu kochen. Toni bereitete an einem kleinen Tischen das verlangte Getränk, und zwar auf einer kleinen zierlichen Wiener Maschine, mit der Frau Charlotte ihren Schwager eines Tages überrascht „Beeile dich mit dem Kaffee, liebes Kind!“ f die Tante jetzt ihrer Nichte mahnend zu. „Heute ist Sonnabend; der Vater will in seinen Kegelklub gehen.“ Wie alle geizigen Leute, war Kaltenbach sehr argwöhnischer Natur. Daß die Schwägerin, ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit, so ängst lich besorgt um ihn war, machte ihn mißtrauisch. Wollte man ihn aus dem Hause haben? „Oh, das eilt nicht so... Vielleicht gehe ich heute gar nicht aus. 9 „Du solltest dich doch nicht des einzigen Vergnügens berauben, das du dir gönnst“, meinte die Amerikanerin mit ihrem liebenswüdigsten „Sag' mal, Charlotte, du bist sa so feftlich geschmückt, und auch die Mädchen?! Erwartet hir etwa Gäste?" „Gäste?“ Frau Charlotte wurde ooch etwas verlegen.„Wie sollen die wohl zu uns kommen? Leider Gottes kennt ihr ja keine Katze.. Verwandte, die einen mal besuchen, haben wir aucht nicht... „Könnte mir gerade noch fehlen, arme Verwandte zu füttern!“ fuhr es Herrn Kaltenbach brüsk heraus. In Frau Charlotte Seymours Augen blitzte es eigentümlich auf, aber gleich darauf lächelte sie wieder in ihrer liebenswürdigen, etwas iro nischen Manier, die sie seit einiger Zeit dem Schwager gegenüber angenommen hatte. „Das kann aber unmöglich so bleiben. Der Winter steht vor der Tür; die Mädchen müssen Bälle besuchen, tanzen, mit einem Wort gesagt: gesehen werden. Es ist durchaus notwendig, daß wir nach hiesiger Sitte in einige Vereine eintreten; dort knüpfen sich am leichtesten Bekanntschaften an, die dann zu einem netten Verkehr führen.“ n „Damit ich dann das Vergnugen habe, jede Woche fremde Leute abzufüttern, die mir meinen Wein wegtrinken, teure Zigarren bei mir rauchen und hinter meinem Rücken über mich schimpfen.— Ich habe dir schon wiederholt erklärt, fuhr der Rentier mit steigendem Aerger fort, daß ich davon nichts wissen will.“ „Aber wie sollen dann die Mädchen—? „Ach was— Anna ist Braut. Im Frühjahr ist Hochzeit. Und Toni— Toni kann noch warten. Ich werde ihr schon einem Mann besorgen.“ „Aber—“ „Nein, nein, liebe Charlotte“, rief der Rentier energisch.—„So gern ich dir in allem nach gebe... ich denke, du kannst dich nicht über mich beklagen— damit verschone mich, bitte! Aufütterungen in meinem Hause— die ein Heidengeld kosten, wo sich die Mädchen erst erhitzen und dann erkälten in ihren halbnackten, teuren Toiletten, wo ihnen jeder fade Geck Dummheiten in den Kopf setzt, von wo sihalbtot um sechs Uhr morgens heimkommen und sich dann bis mittags ausschlafen: von solchen Dummheiten will ich in meinem Hause nichts wissen. Dazu werde ich dir niemals Erlaubnis geben— nie!“ Er erhob sich schnell und trank seine Tasse aus. „So, und jetzt gehe ich in meinen Verein. Auf Wiedersehen. „Gott sei Dank, daß er fort ist!“ rief die Taute ärgerlich, als der Rentier außer Hörweite war. Toni saß da mit einem Gesicht, als ob sie soeben ihre letzten Hoffnungen begraben hätte. „Tröstet euch nur— er wird doch in den sauren Apfel beißen müssen! Haben wir die Gäste erst im Hause, kann er sie nicht mehr fortschicken.— Uebrigens, da geht er eben durch den Garten. Kommt, Kinder, jetzt wollen wir den Teetisch herrichten.“— Herr Kaltenbach hatte in der Tat sein Haus verlassen; aber nachdem er bis zur nächsten Ecke geschlendert war, blieb er stehen und wartete. Sein Mißtrauen war einmal geweckt und vermehrte sich noch, als er bald darauf einen Konditorjungen mit einer großen Torte in die Villa treten sah. Das hatte etwas zu bedeuEr wartete noch ein Weilchen, dann kehrte er um und schlich durch den Garten ungesehen in sein Zimmer zurück. Nach und nach fanden sich die erwarteten Gäste ein, fünf junge Leute, Kollegen von Ahlers, die er in Kaltenbachs und Frau Charlottes Namen zu einem zwanglosen Fünfuhrtee eingeladen hatte, bei dem es auch Bowle geben würde, wie Frau Charlotte wohlweislich hinzugefügt. Ablers empfing sie in seiner Bude, und fe sie dann ins Mahn e w la Ti iu Die nor wu soge jun scha gew bene dun heite gr se d s e d Basis zur Fortführung einer gesunden deutschen Finanzwirtschaft. Als der Youngplan in Paris ourch das vorgesehene Eisenbahn=Organisations=Komitee beraten wurde, dem Reichsbahnmitglieder nicht angehörten, hielt sich die Reichsbahnverwaltung als solche bewußt von diesen Verhandlungen zurück. Ebenso tat sie es bei den nachfolgenden Verhandlungen im Haag. Auf ausdrückliche Anforderung von deutschen Mitgliedern des Organisantions=Komitces, stellte die Reichsbahn lediglich Sachverständige zur Verfügung. Es ist verständlich, daß bei den schwierigen Eisenbahnfragen häufig die Notwendigkeit entstand, Männer der Praxis zu hören, um ein Bild von der Wirklichkeit zu gewinnen. Ebenso waren in Paris wie im Haag Vertreter der Eisenbahngewerkschaften als Arbeitnehmer zur Auskunftserteilung anwesend. Als es sich im Haag um die Beratung der künftigen Arbeitszeitfrage des Personals handelte, richtete das gesamte Organisations=Komitee an den Verwaltungsrat und die Reichsbahn=Hauptverwaltung die Aufforderung, Sachverständige zu entsenden. Der Präsident des Verwaltungsrats der Reichsbahn entschloß sich selbst zur Teilnahme, in der Absicht, bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Vertretern der Verwaltung und des Personals ausgleichend zu wirken. Das ist auch bei den Verhandlungen gelungen. Eine andere Bewandtnis hat es mit dieser Reise des Präsidenten des Verwaltungsrats nicht. Alle Behauptungen, die sonst erhoben werden wegen Einflußnahme der Reichsbahnverwaltung auf die Gestaltung der Reichsbahn=Organisation sind müßige Kombinationen. Ihre dauernde Wiederholung nimmt ihnen nichts von ihrer Falschheit. Der private und unabhängige Charakter der Deutschen Reichsbahn=Gesellschaft ohne politische Einflüsse hat ihr bisher die Möglichkeit gegeben, die Geschäfte zum Nutzen des Deutschen Reichs und der deutschen Volkswirtschaft zu führen. Das hat sich zur Genüge erwiesen und ist auch von den deutschen Unterhändlern der Reichsregierung nicht anerkannt worden, als sie ihre Unterschrift unter die Gesetzesänderungen gesetzt haben, die an dieser Organisationsform der Reichsbahn nichts ändern. Erst Schule und Beruf, dann Sport! Schwerte, den 12. März 1930. Es gibt nicht wenige Eltern, Erzieher und Lehrherren, die Bedenken gegen eine sportliche Tätigkeit ihrer Kinder, Schüler und Schutzbefohlenen haben, weil sie besürchten, daß die Ablenkung von dem Aufgaben= und Pflichtenkreis der Schule oder Lehrstelle zu groß ist, als daß dieser Schaden durch die mit dem Sport verbundene Gesundheits= und Leibesförderung aufgewogen werden könnte. Sie verfallen daher vielfach auf den Gedanken, den Jugendlichen und Schülern die Sportbetätigung überhaupt zu verbieten und unmöglich zu machen. Sie bedenken dabei nicht, daß es sehr schwer ist, den einmal erwachten Hang zur Sportbetätigung vollkommen auszurotten und zu unterdrücken, daß ferner ein Verbot erfahrungsgemäß zum Widerspruch, zur Uebertretung reizt und zu diesem Zwecke immer neue Listen und Mittel ersonneu werden, die zuweilen nicht ganz unbedenklich sind, und daß schließlich dort, wo sich ein solches Verbot tatsächlich voll durchführen läßt, Unlust und Mißstimmung erzeugt wird, die sich nicht selten in einem Sinne auswirkt, der dem beabsichtigten Zweck des Verbotes gerade zuwiderläuft. Wie bei jeder guten Sache Uebereifer schadet, so ist auch die Gefahr einer Beeinträchtigung der Schul- und Berufspflichten ganz besonders groß, wenn die Sportbetätigung in unvernünftiger Weise übertrieben wird. Das haben gutgeleitete Sportvereine heute längst erkannt, und sie betrachten es daher als zu ihrem Aufgabenkreis gehörig, die Jugendlichen in ihren Reihen zu sammeln, um sie von der ungeregelten, weder Grenzen noch richtiges Maß kennenden Sportbetätigung zu einem geregelten, vernunftgemäßen Sportbetrieb zu führen, der im richtigen Verhältnis zu ihren sonstigen Pflichtenkreis steht. Wie sehr sich die Bestrebungen dieser Vereine mit denen der Eltern und Erzieher decken, beweist folgende Mahnung eines Sportvereins an seine Jugendlichen. „Erst kommt die Schule und dann der Sport. Eine Anzahl Schüler sind auf Wunsch der Eltern und Lehrer vom Sportbetrieb dispensiert, und es wird keinem die Möglichkeit gegeben, sich zu betätigen, wen er in der Schule seine Pflichten nicht ersüllt. Erst das Bewußtsein, ein ganzer Kerl zu sein, der nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch in der Schule und im Beruf mit Erfolg seinen Mann stellt, soll die Freude an körperlicher Betätigung erhöhen und fördern.“ dem Dortmunder Streichquartett sind hervorragende Interpreten gewonnen. Die vier Künstler sind auf das Beste eingespielt und sowohl musikalisch als auch technisch auf der Höhe. Die Vortragsfolge enthält Streichquartette von J. Haydn, R. Schumann und A. Dvorák. Nach den bisherigen Leistungen der Dortmunder dürfen wir wohl eine vollendete Wiedergabe der Werke erwarten, so daß wir den Besuch bestens empfehlen können.(Siehe Anzeige in der heutigen Nummer.) würdigerweise ziehen gleichzeitig Delegierte aus Sowjetrußzland auch durch Westsalen, um zu verkünden, daß es in Rußland überhaupt keine Christenverfolgung gäbe. Allein, inzwischen dringt die Wahrheit von der Christenverfolgung immer mehr auch in die Kreise parteipolitischer verhetzter, kirchenseindlicher Menschen. Genehmigung der 26prozentigen Aufwertung von Versicherungsansprüchen. Kürzlich konnten wir einen Auszug aus dem vom Treuhänder der Provinzialversicherungsanstalt von Westsalen aufgestellten Teilungsplan für die Auswertung bringen. Heute können wir mitteilen, daß dieser Plan, da Einsprüche nicht erhoben worden sind, die Genehmigung der Aussichtsbehörde(Oberpräsident der Provinz Westfalen) gesunden hat. Hierdurch ist der Plau verbindlich geworden, und es kann nunmehr die Anstalt das Auswertungsergebnis (2676) für die einzelnen Berechtigten berechnen und ihnen mitteilen. ha. Schülerreisen ins Ausland. Für Auslandsreisen für Schüler höherer Schulen hat der Minister für Volksbildung neue Vorschriften getroffen. Werden die Reisen von der Schule oder einzetnen Lehrern veranstaltet, so soll der Anstaltsleiter dafür sorgen, daß die Reise gründlich vorbereitet wird, sie auf kleine, mit Sorgsalt ausgewählte Gruppen beschränkt bleibt und die Führung in den Händen von Persönlichkeiten liegt, die über eine genügende Auslandskenntnis versügen. Die Reisen sollen auch nicht einen zu großen Umsang annehmen. Der Leiter der Anstalt muß das Auswärtige Amt auf dem Dienstwege so rechtzeitig unterrichten, daß dieses den deutschen Vertretungen im Ausland Gelegenheit geben kann, sich zu den Reiseplänen zu äußern und die Reiseleiter zu beraten, wenn dies nötig sein sollte. Auf der Reise soll der Leiter bei unseren Auslandsvertretungen vorsprechen. 5 Wonen sie die Personen des bei uns erschienenen Romans: MKAKE DER GROSSE“ persönlich sehen?? Lokaltermin. Gestern nachm. 2 Uhr fand unter Leitung des Herrn Oberlandesgerichtspräsidenten aus Hamm ein Lokaltermin in der Hüsingstraße statt, da ein im Jahre 1928 stattgesundener Verkehrsunfall zu einem Prozeß führte. In dieser Angelegenheit wurden zahlreiche Augenzeugen dieses Verkehrsunfalles vernommen; ebenfalls fand sich eine große Schar„Interessenten“ ein, die die ganze Angelegenheit einer„kritischen Würdigung“ unterzogen. X Der schneidige Stahlroßlenker. Wollte da gestern nachmittag ein junger Mann sich auf der Verbandsstraße als Kunstfahrer produzieren. Er fuhr„freihändig", ohne sich viel um Fuhrwerke oder Passanten zu kümmern. Da wurde ihm unweit der Besitzung Landwehr ein kleines Steinchen zum Verhängnis; sein Rößlein geriet ins Straucheln und warf den kühnen Reitersmann höchst unsanft ab. Mit einer heftig blutenden Wunde am Kopf und einer verbogenen Lenkstange seines Rades verließ der„Künstler“ den Schauplatz seiner Heldentat. : Zinsherabsetzung der Landesbank. ! Die Zinsen für die normalen kurzfristigen Kommunalkredite sind, am 15. Februar um ½ Prozent und zum 15. März um 1 Prozent insgesamt also um 1½ Prozent herabgesetzt worden. Der höchste Zinssatz beträgt nach dieser Herabsetzung 10,35 Prozent. Eine Herabsetzung für die sonstigen kurzfristigen Kredite wird in Kürze folgen. Kommunale Umschuldungsaktion in Westfalen. 5 Die Direktion der Landesbam in Munster teilt uns mit, daß die kommunale Umschuldungsaktion nach den Bestimmungen der kommunalen Spitzenverbände in Westfalen bereits im Dezember v. J. begonnen hat und befriedigenden Fortgang nimmt. Mit ganz wenigen Ausnahmen beteiligen sich daran alle westsälischen Kommunen und Kommunalverbände. In der nächsten Zeit werden die Kreditkommissionen in Tätigkeit treten, die bekanntlich von den kommunalen Spitzenverbänden jeder Provinz zusammengestellt werden. Es soll dadurch erreicht werden, daß die Kreditentnahmen der Kommunen pp. sich der jeweiligen Lage des Geldmarktes anpassen und daß nur solche Kredite genehmigt werden können, die von der Kommission als besonders eindringlich und notwendig erklärt werden. Man verspricht sich von dieser Aktion mit Recht einen günstigen Einfluß auf die Zinssätze des Kapitalmarktes. : Kirche und Christennot in Rußland. Am Sonntag, den 9. März, ist innerhalb der deutschevangelischen Kirchen der großen Christennot in Sowjetrußzland gedacht worden. In den Morgengottesdiensten ist in der Predigt davon gesprochen worden. Von 12—1 Uhr läuteten die Glocken sämtlicher evangelischen Kirchen Auch in Westsalen ist dies geschehen. Merkha Telegramme ohne Empfänger. Ueber Telegramme, die von dem Empfänger nur die Wohnung und den Wohnort, nicht aber den Namen enthalten, hat das Büro des Welttelegraphenvereins eine bemerkenswerte Auskunft erteilt. Die Aufbewahrungsverwaltung ist zweifellos berechtigt, ein solches Telegramm auf Gefahr des Absenders anzunehmen. Sache der Bestimmungsverwaltung ist es dagegen, zu entscheiden, ob es zugestellt werden kann oder unzustellbar gemeldet werden muß. Landkreis Iserlohn Amt Westhofen Westhofen. Die Arbeitsgemeinschaft der Vereine der Freiheit Westhofen hielt am Sonntag, den 9. März, im Lokale der Ww. Fritzenkötter ihre Jahreshauptversammlung ab, die sich seitens der Abgeordneten der angeschlossenen Vereine eines guten Besuches erfreuen konnte. Der Vorsitzende, Franz Brinkmann, eröffnete die Versammlung und begrüßte die Anwesenden. Nach kurzem Ueberblick über das verflossene Jahr erstattete der Geschäftsführer, Herr Erwin Pinkvoß, den Kassenbericht. Dieser wurde für richtig befunden und dem Geschästsführer Entlastung erteilt. Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete der Volkstrauertag. Hierzu verlas der Vorsitzende zunächst ein Schreiben der Polizeiverwaltung aus dem hervorging, daß die Genehmigung zur Feier des Volkstrauertages in geschlossener Weise durch die Arbeitsgemeinschaft der Westhofener Vereine höheren Ortes abgelehnt worden ist. Von diesem Bescheide nahm die Versammlung der Gemeinschaft der fast restlos vertretenen Vereine, zu den Angehörige aller Berufe und Stände gehören, Kenntnis. Hierzu ist zu bemerken: Das Umzugsverbot des preußischen Innenministers ist von zuständiger Stelle dahin ausgelegt worden, daß auch für den geschlossenen An= und Abmarsch von Vereinen zur Teilnahme an Leichenbegängnissen usw. eine Genehmigung einzuholen ist. Zwar hat sich in diesen Fällen nicht der Minister selbst die Genehmigung vorbehalten, sondern die Ermächtigung hierzu durch den Regierungspräsidenten dem Landrat erteilt. Entsprechende Anträge sind rechtzeitig bei der Ortspolizeibehörde einzureichen. ! Westhofen. Zum Bauder Verbandsstraße Dortmund— Syburg— Hagen. Die Arbeiten dieser großen Durchgangsstraße sollen, wie wir erfahren, trotz der Schwierigkeit der Finanzierung dieses Millionenobjektes auch in diesem Jahre keine Stockungen erleiden. Die Begründung zum außerordentlichen Haushaltsplan des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk besagt hierzu folgendes: Die Erdgebunden Roman von Fritz Gantzer Der Held des kraftstrotzenden Romans„Erdgebunden“ von Fritz Gantzer ist der junge Bauer, der gelähmt auf dem Krankenstuhl liegt und zusehen muß, wie sein treuloses Weib Haus und Hof verludern läßt, wie sie den Hof in polnische Hände hinüberspielt. Wie im Leben Kraft und Zartheit oft nebeneinander wachsen, so sind in diesem Roman die feinsten Fäden eingewebt in die wuchtigen, markigen Szenen, deren Schönheit uns in ihren Bann zieht. Ergriffen und mit atemloser Spannung verfolgen wir die Geschichte dieses Bauern, die Geschichte des schwerringenden Fliegers, die Geschichte der jungen Anna, die sich ihrer Liebe schämt, und die dann doch ihr Glück findet. Ein Roman, den keiner vergißt, der ihn gelesen. Wir beginnen Freitag mit dem Abdruck. bereits seit zwei Jahren im Bau befindliche Durchgangsstraße Dortmund— Hohensyburg— Hagen, die eine wesentliche Verbindung vom östlichen Industriegebiet in Richtung Hagen darstellt, muß im nächsten Jahre im Interesse einer wirtschaftlich=technischen Durchführung weitergeführt werden. Die Gasamtkosten von der früheren Stadtgrenze Dortmund bis zur früheren Stadtgrenze Hagen betragen, nachdem sich alle Einzelheiten jetzt genau übersehen lassen, rund 5200000 Reichsmark. Der Anteil des Verbandes nach dem bisherigen Schlüssel beträgt 1050000 Reichsmark. Als notwendiger Teilbetrag hiervon sind für das nächste Haushaltsjahr 200000 Reichsmark erforderlich. Amt Ergste Ergste. Hauptversammlung. Der hiesige MGV.„Sängerbund“ hielt am vergangenen Samstag im Gasthof Schneider eine gut beuchste Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende, Merschmann, begrüßte die erschienenen Sangesbrüder auf das Herzlichste. Das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Emil Grimmling wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt Alsdann wurden vom Schriftführer Kockelke die Protokolle der letzten Versammlung verlesen und angenommen.— Mit Rücksicht auf die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Vereinsbeitrag ab 1. Januar ds. Is. auf jährlich 5 Mark ermäßigt. Es stand alsdann der Arbeitsplan für 1930 zur Beratung. längerer Aussprache wurde beschlossen, am 20. Juli ds. Is. ein Waldfest in alter Weise zu feiern. Im Monat Mai soll ein Ausflug nach Dahl zwecks Besuchs des Gesangvereins„Bergeshöhe“ unternommen werden. Im Monat Oktober wird das Stiftungsfest in Form einer Familienfeier im Vereinslokal gefeiert. Am 2. Weihnachtsfeiertag soll wieder eine Weihnachtsfeier stattfinden. Es wurde dann noch grundsätzlich beschlossen, bis spätestens Ende 1931 ein öffentliches Konzert zu veranstalten. —. Die notwendige Aenderung der Satzungen wurde anerkannt und dem Vorstand und einer Kommission zur Durchberatung überwiesen.— Alsdann erstattete der Schriftführer Heinrich Kockelke einen eingehenden Bericht über die Sängertagung in Iserlohn. Hennen. Das letzte Geleit. Am gestrigen Nachmittag wurde in unserem Orte Hermann Bimberg zu Grabe getragen. Ueberaus groß war die Zahl der Leidtragenden, die auf mehrere Hundert geschätzt werden konnte. An der Beeerdigung nahmen alle Vereine und Verbände teil, denen der Verstorbene angehört hatte. Auch der Reiterverein war nicht ferngeblieben und ehrte den zu früh Verstorbenen in würdiger Weise. Aeußerst reich waren auch die Kranzspenden. Auf dem Hennener Friedhof wurde Hermann Bimberg zur letzten Ruhe bestattet; am Grabe sprach Pfarrer Wex tief ergreifende Worte und hob noch einmal die Vorzüge des Mannes hervor, der nun den ewigen Frieden gefunden hat. Von dem Kirchturm ließen die Glocken ihr Trauerlied erklingen. Es war eine ergreisende Totenseier, die jedem Teilnehmer unvergessen bleiben wird. In memoriam Hermann Bimberg. Hennen. Einbrüche. Innerhalb der letzten 14 Tage sind in der hiesigen Gemeinde drei größere Einbrüche vorgekommen, bei denen die Diebesbeute mittels eines Fuhrwerks oder Kraftwagens abtransportiert werden mußte. Die diesbezügl. Ermittelungen lassen den Verdacht zu, daß die Täter anscheinend von jenseits der Ruhr kommen. 25 Gerade jetzt kann man es jeden Tag erleben: man klettert in sein Eisenbahnabteil und kommt sich zwei Minuten später vor wie ein in die Tropen versetzter Wüstenreisender. Diese Hitze! Nicht auszuhalten! Nun ja, man hatte es eilig, man lief, man rannte. Das Gepäck war auch nicht gerade leicht. Man schwitzte eben nicht schlecht. Und nun noch diese Glut im Abteil! Nein, auf die Fenster—— ah, wie wohltuend, wie erfrischend! Wie angenehm der Luftzug über das Gesicht fährt! Ein Labsal, wirklich. Warum die Eisenbahn= direktion überhaupt noch heizt? So ein Unsinn. Das Fenster lassen wir natürlich auf. Auch während der Fahrt. Wenn es wirklich kühl wird, schließt man es wieder, sehr einfach. Hm... und am nächsten Tage? Jawohl, am nächsten Tage liegt man auf der Rase zrz noch von Glück reden, wenn man seinen straflichen Leichtsinn mit einem achttägigen Schnupfen plus anständigem Husten abbüßt! Wieviel Lungenentzündungen und andere schwere Folgen auf Zugluft zurückzuführen sind, läßt sich wohl nie errechnen, aber die Zahl ist fraglos eine außerordentlich hohe. Lasse es sich jeder zur Warnung dienen: reiße niemals während einer Bahnfahrt so viel Fenster auf, daß Zugluft entstehen kann! — Wie vor Zugluft, sollte man sich auch unterwegs noch vor anderen Gefahren hüten. Es gibt liebenswerte Zeitgenossen, die uns ungeniert anhusten. Wollte man sie deswegen zur Rede stellen oder sie höflichst ersuchen, doch das nächste Mal die Hand vor den Mund zu halten, dürfte es nur zu unerquicklichen Auseinandersetzungen kommen, denn besagte Zeitgenossen werden es niemals einsehen, daß sie durch ihr Gebaren andere in Gefahr bringen. Man ziehe also schweigend, aber sogleich die Konsequenzen und suche sich einen anderen Platz, wenn es sein muß sogar ein anderes Durch derartiges Anhusten können die gefährlichsten Krankheitskeime übertragen werden. Diese Weisheit ist durchaus nicht neu, findet aber dennoch immer noch nicht die ihr gebührende Beachtung. Gleiche Gefahren birgt ein anderer Fall, den Sie tagtäglich überall selbst beobachten können. Ein Kind spielt mit seinem Gummilutscher. Der Gummilutscher fällt zu Boden. Die gutmütige Mutter hebt ihn auf, wischt ihn entweder mit den Händen oder am Kleid ab und— der kleine Liebling nuckelt kreuzvergnügt weiter. Wenn jede Mutter bzw. jede Zinderz pflegerin wüßte, was aus einem so geringfügigen Vorfalt entstehen kann! Der Boden— besonders der in offentlichen Verkehrsmitteln, wie sie die Eisen= oder Straßenbahn di stellen— kann niemals staubfrei sein. Er beherbergt alst stets und immer Bakterien. Diese Bakterien, unter denen sich oft genug die gefährlichsten Krankheitsübertrager befinden, lassen sich nicht durch ein einfaches Abwischen beseitigen! Der Gegenstand—.in unserem Falle also der Gummilutscher — wird von dem Kinde samt den Krankheitskeimen in den Mund gesteckt. So entstehen Tuberkulose und Typhus, Diphtherie und Influenza, Krebs und all die anderen surchtbaren Geißeln der Menschheit.„Ausspucken verboten!“ prangt zwar in jedem Eisenbahnabteil, aber leugnen können, daß noch oft genug gegen dieses erste Gebot der Hygiene verstoßen wird. Der Auswurf trocknet zu Staub. Der Lutscher fällt in den Staub und—.—.. eest Zahllos sind die Gefahren, die unterwegs im Hinterhaut lauern. Nur Aufklärung, Aufklärung und Aufklärung kann hier helfen! Eltern und Erzieher, seid auf der Hut! Was heute der Gummilutscher anrichtet, kann morgen durch den Bonbon entstehen, den euer Kind falle läßt, wieder aufhebt und in den Mund schiebt! Gesundheit ist das köstlichste Gut— sorge jeder dafür, trage jeder dazu bei, daß es euch und euern Lieben erhalten bleibt! höhle bemerkbar. Das Vorhandensein solcher erreger ist mit großer Ansteckungsgefahr verbunden. Bei entzündlichen Prozessen der Wurzeln und des markes wird der Gesamtorganismus in Mineidenschaft gezogen. Die verbreitetste Zahnerkrankung ist die Zohnfälue oder Karies. Mehr als 95 Prozent aller Menschen leiden an kariösen Zähnen. Da die Ansteckung in diesem Falle von einem kranken Zahn auf den anderen in der Mundhöhle sehr groß ist, muß in allererster Linie auf die Durchführung einer sorgfältigsten Pflege der Zähne und der Mundhöhle unter Verwendung reinigender Mittel großer Wert gelegt werden. Folgendes gutes Zahnputzmittel hat Zahnarzt Dr. Roese angegeben: Feinste Schlämmkreide wird auf die mit Franzbranntwein befeuchtete Zahnbürste oder Mundbürste gebracht. Dann bürstet man die Zähne und auch das Zahnfleisch von allen Seiten. Die Zahnbürste soll mittelhart sein. O Dies und Das nicht jeder Die asiatische Cholera trat zum ersten Male in den Jahren 1830—1832 ihren Seuchenzug an, auf dem sie Rußland, Frankreich, Deutschland und England heimsuchte. Die Heimat dieser gefürchteten Seuche ist Indien. Stellen sich Muskelschmerzen auf dem Rücken ein, so versuche man Linderung durch Einreiben mit Kampferöl zu erreichen. In schweren Fällen sind russisch= römische Bäder oder Heißluftbäder zu empfehlen, doch richtet sich die Behandlung ganz nach dem Patienten. Ein praktischer Arzt wurde zu einem Medizinalpfuscher gerufen, der über heftige Leibschmerzen klagte. Bohi greife nicht, wie Sie mich wegen einer solchen Kleinigkeit bemühen können, murrte der Arzt.—„Es ist keine Ktemnig keit, erwiderte der Kranke,„denn ich have aus Versehen einige meiner Universalheilpillen verschluckt: Die Frau eines Landmannes erkrankt, und der Arzt wird gerufen.„Können Sie mich auch bezahlen?“, Tragte ir mißtrauisch, Da hält der Bauer zwei Fiäpfssgmaru gez die Höhe:„Diese sind die Ihren, mögen Sie die Hran„#ien oder umbringen!“ Die Patientin stirbt, der Doktor begehrt die zwei Fünfzigmarkscheine.„Haben Sie mein. ge heilt?“ fragte der Landmann.—„Leider nicht!“ Sie sie umgebracht?“—„Gott bewahre!“—„Na, haben Sie auch keinen Anspruch auf das Geld. Ein zerstreuter Arzt wurde zu einem zweijährigen Kinde gerufen, das an Krämpfen litt. Er untersuchte es und tat dann den Ausspruch, daß Nerven litte. Hierauf schrieb er ein langes Rezept und verKaffe und Tee unterlassen; soll auf Reisen und im Theater Zerstreuung suchen, soll gar nicht oder nur sehr mäßig Tabak rauchen!“ 799 # 4% Zum Wohlbefinden des Menschen sind gesunde Zähne unerläßlich. Wer von Kindheit an gewöhnt ist, seine Zähne von Zeit zu Zeit von einem tüchtigen Zahnarzt untersuchen zu lassen, wird niemals von bösen Zahnschmerzen gepeinigt und hat keine Angst vor Bohrmaschine und Zange. Aber die Behandlung allein genügt nicht, um die Zähne gesund zu erhalten, sie muß mit der Zahnpflege und mit der Ernährungsweise Hand in Hand gehen. Eine fehlerhafte Ernährung wie zum Beispiel ungünstige Zufuhr von Kalk und Vitamine begünstigt die Erkrankung des Zahnfleisches und wirkt auf die Knochen und Zähne sehr schädlich. Heute weiß man, daß die Zähne und die umgebenden Gewebe im engsten Zusammenhang mit dem ganzen Organismus des Körpers stehen, daß unser Zahngebiß alle krankhaften Veränderungen der inneren Organe mitmacht, gewissermaßen sich als Spiegel für unsern Gesundheitszustand erweist. Bekannterweise machen sich Jnsektionskrankheiten wie Scharlach, Tuberkulose, Masern Typhus Syphilis usw. in der MundNicht von Steinach, Voronoff und ihren Theorien soll hier gesprochen werden, sondern von Lebensregeln, die jeden angehen und ohne den Apparat einer hochgelahrten Wissen9o Der Kampf des Menschen gegen das Altern ist keigeswegs neueren Datums. Die Geschichte lehrt, daß es„hon immer Lebenskünstler gab, die dem Tode siegreich trotzten. In unserer sogenannten aufgeklärten Zeit hat sich die Schal derjenigen, die mit den einfachsten Waffen das Altern kämpfen, beträchtlich vergrößert, aber trotz alledem steht noc, der weitaus größte Teil der Menschheit abseits, beseelt von Skepsis, bezwungen von der Vorstellung:„Es nützt ja doch nichts, denn gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen!" Das ist richtig. Dennoch wäre es töricht, gedankenlos seinem Ende zuzuleben. Wer es versteht, sich der mächtigsten Waffe gegen das Altern zu bedienen, wird alle jene überleben, die den Kampf aufgaben oder ihn erst gar nicht versuchten. Diest Waffe— jedem verfügbar— heißt: Enthaltsamkeit! Unsere Leser werden wissen, daß wir in unseren Spalten niemals phantastische Ziele verfolgten, daß wir uns stets auf dem Boden des vernünftigen Mittelweges hielten und daß wir unsere Ratschläge zur Gesunderhaltung nie mit unausführbaren Forderungen pflasterten. Wenn soeben das Wort„Enthaltsamkeit" fiel, so soll das keineswegs gleichbedeutend mit einer Askese, einem gänzlichen Verzicht auf Gewohnheiten sein, denen wir bisher frönten. Im Gegenteil, eine Askese kann schwere gesundheitliche Störungen hervorrufen. Man hat es bei starken Rauchern, die die Energie aufbrachten, nicht mehr zu rauchen, erlebt: sie wurden von empfindlichen Magen= und Darmstörungen heimgesucht und hatten es plötzlich mit Krankheits: erscheinungen zu tun, die ihnen bis dato unbekannt geoneren waren. Also nicht Enthaltsamkeit auf dieser Basis raten wir denen, die ihr Leben verlängern wollen, sondern vielmehr Einschränkung auf mancherlei Gebieten, von denen nun gesprochen werden soll. Wer übermäßig krinkt, raucht, ißt— wer übermäßig Sport kreibt, arbeitet oder schläft— wer sich wenig in frischer Luft bewegt, für keine Durchlüftung seiner woynung sorgt und der Sonne so viel als möglich aus dem Wege geht, der darf getrost von sich behaupten, daß er alles tut, sein Leben gründlich zu verkürzen. Eine geregelte Lebensweise, deren Hauptmerkmale folgende sind, führt zu Gesundheit und Wohlbehagen: Frühes Aufstehen, zeitiges Schlafengehen, regelmäßige Mahlzeiten, leichte tägliche Gymnastik, Zuführung von Licht, Luft und Sonne und— was den Gaumen anbelangt— ein richtiges Maß! Jedes Zuviel rächt sich früher oder später, trägt ober immer zu einer Lebensverkürzung bei. Wandert, sooft es die Zeit erlaubt! Trinkt Milch, eßt Obst! Erzieht euch zur Heiterkeit, laßt euch nicht vom grauen Alltag und seinen kleinen Aergernissen verbittern! Sucht euch ein Ideal, für dar hr bcht Wer die Blumen seines Gartens nicht pfiege, wird sie eines Tages verdorrt und verkümmert antreffen. Wer sich selbst keine Pflege— sei es in körperlicher, sei es in seelischer Hinsicht— angedeihen läßt, wird gleichfalls vergebens die volle Entfaltung seines eigenen Ichs erwarten und vorzeitig dahinwelken...— Ich kannte einen Trinker. Er war, wenn er den Alkohol mied, ein Prachtmensch, verfiel aber immer wieder dem Trunk. Ermahnungen pflegte er mit einem Lachen abzutun. Ach was, ein paar Jahre früher oder später— st müssen wir alle!“ Er erkrankte. Sein Körper war geschwächt vom„Zuviel". Er siechte ein volles Jahr dahin und starb. Er hätte leben können, wenn er gewollt hätte. Das nur als Fest steht jedenfalls, daß niemand dem Tod entrinnen des ewigen Lebens ergründen. Abez, Herguaglin, gerghliegt, sech Scden zur verchngernz es P=ere, Versch= secie Lige mit diesem Leisivr Zebenzalter hinein bewahren. Die ganze bis in ein hohes##r„#e.„,„ Die Kunst dieser Lebensverlangerung besteht einzig und allein darin, nichts sinnlos zu tun. Wie ein jeder bei einem Einkauf die Mark hin und her dreht und berechnet, ob die Ausgabe wohl auch nicht den Haushaltsetat ins Wanken bringt, so sollte jeder bei allem, was er in Dingen seines Körpers tut, sich fragen, ob es auch keinen Schaden bringt. Aber meistens bringt der homo sapiens toten Gegenständen mehr Sorgfalt, Aufmerksamkeit und Ueberlegung entgegen als— leider, leider!— seinem köstlichsten Besitz: der Gesundheit! Es gibt immer wieder Neues! Eine fliegende Klinik In Miami, Florida, stieg kürzlich die erste fliegende Klinik zu einem Rundfluge durch elf der Staaten der Union auf. Das riesige dreimotorige Flugzeug ist innen mit allen modernen Errungenschaften ausgestattet. 1 Stehend von links nach rechts: Die Aerzte Hawley, Dr. Fred Albee, Dr. Arnold Kegel, Dr. C. M. Gratz und der Pilot Donhoue. Sitzend die Besatzung des Fluggenges. 5 * 634 * 0 ROMAN VON PerHn• URMEBERRECHTSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER WEROAU SA. (24 Fortsetzung.) Sie hob den Blick zu ihm, sah ihn ernst an. Leise sagte was für ein Geschehnis Sie sie: „Ich glaube zu wissen, meinen.“ „Ob Sie es wissen, Fräulein Riß!“ Es klang bitter. Cobe erbleichte. „Ihre Schwester hat mich eingeweiht. Wenn ich früher geahnt hätte, daß Sie das Mädchen lieben— ich hätte—“ Er vollendete: „Ich hätte das arme Wesen nicht dazu gezwungen, mir ihren ersten Sündenfall zu unterschreiben, ich hätte es nicht andern ausgeliefert, daß diese es hetzen. Das wollten Sie doch sagen, Fräulein Riß.“ Ein heißer Zorn loderte in ihm. Sie war bleich geworden. „Ich wollte nicht, daß man die Aermste hetzt— ich habe nichts gegen sie unternommen. Daß ich ihre Unterschrift für ein so belastendes Schriftstück von ihr erzwang, das gebe ich zu. Es war hart von mir, ich will meine Härte noch heute gutmachen.“ Sie hatte ihren Arm zurückgezogen, jetzt hielt sie den Schritt an „Reine beabsichtigte Aussprache hat eine unglückliche Wendung genommen— es war nicht meine Schuld— und dennoch verzeihen Sie.“ Sie wandte sich ab, winkte eine Droschke, stieg ein und Theo mit einem Kopfnicken grüßend, fuhr sie davon. „So“, dachte er und sah der Droschke nach,„diese— die allerletzte Rettung hätte ich mir wieder einmal gründlich verpatzt!“ Ihm ward auf einmal schwer ums Herz... 21. Männe stürzte Theo, als dieser das Kontor betrat, mit der Frage entgegen: „Na. was ist nu? Hast du dich verlobt?“ „I wo. Aus und vorbei die ganze Geschichte und ich habe diesmal das deutliche Gefühl, daß es nicht einmal zu etwas gut ist.“ „Das ist es ganz bestimmt nicht. Der vermaledeite Schieber läuft deiner Mutter das Haus ein. Er ist eben wieder bei ihr gewesen.“ „Ich dreh dem Kerl den Hals um.“ „Erzähl' mir, was mit Cobe war,“ forderte Männe. „Nee. du, das erlaß mir, aber beantworte mir mal eine Frage: Was weißt du von den Dingen, die man Jenny zur Last legt?“ „Nichts.“ „Man sagt ihr nach, daß sie Cobe Riß eine Handtasche mit sechshundert Mark gestohlen hat, davon hast du doch gehört?“ Männe schüttelte den Kopf. „Nein, kein Wort Es ist meiner Meinung nach heller Wahnsinn, das zu glauben.“ „Deine Mutter hat einen Beweis dafür erbracht.“ „Meine Mutter?“ Theo nickte. „Erzähl.“ forderte Männe. Und nun erfuhr Männe von dem Besuch seiner Mutter und Tanten bei Jenny und alles, was damit zusammenhing Bei Erwähnung der Uhr fuhr er auf. „Eine Uhr, sagst du— eine goldene Uhr?“ 10 „Herrgott, die hat sie von mir geschenkt bekommen.“ Er sprang auf. nahm seinen Hut vom Haken und stürzte davon. Theo sah ihm betroffen nach. Was hatte das nun wieder zu bedeuten? Wie war Männe zu dieser Uhr gekommen?——„„ * Schieber war eben nach Hause gekommen, als Männe sich bei ihm melden ließ. „Na, was ist das?“ fragte er„Bringen Sie mir Geld?“ „Ich bin Ihnen nichts schuldig. Rede sollen Sie mir stehen. wo Sie die Uhr her hatten, die Sie mir im Winter dieses Jahr verkauften?" „Ich weiß nicht, von was Sie reden. Ich weiß von keiner Uhr Männe sah ihn scharf an. „Ich lasse Ihnen fünf Minuten Zeit, sich darauf zu besinnen. Fällt es Ihnen nicht ein, helf ich Ihrem Gedächtnis nach. Das zuständige Polizeirevier ist nicht weit.“ Schieber erschrak. „Wozu gleich mit der Polizei drohen. Warten Sie ab — ich will in meinen Büchern nachsehen.“ Er holte ein großes Buch herbei, blätterte lange darin. endlich sagte er: „Da hab ich's. Die Uhr hab' ich rechtmäßig erworben, der Verkäufer hat sich legitimiert. Da steht's: Legitimiert durch Invalidenkarte— und da der Name: Joseph Schabrick" „Schabrick,“ widerholte Männe und dachte:„Also der.“ Aber sogleich stiegen Zweifel in ihm auf. Schabrick war ein ehrlicher Mensch „Zeigen Sie mir mal die Unterschrift.“— Nur einen Blick warf er darauf, dann stieß er hervor:„J. der Teufel!“ Schieber sah ihn interessiert an. Ohne darauf zu antworten, stellte er eine Gegenfrage. „Würden Sie den Mann wiedererkennen?“ „Was wer' ich nicht.“ „So kommen Sie mit mir in die Neue Friedrichstraße— kommen Sie sofort.“ „Was werd ich! Ich will mit der Geschichte nichts zu tun haben. Ein paar Mark habe ich an der Uhr verdient, oafür soll ich mich nun noch unglücklich machen? Wer steht mir dafür ein, daß ich nicht noch wegen Hehlerei herankomme. Ich will nichts davon wissen— nichts.— Sie haben die Uhr billig gekauft, Herr Jamradt, machen Sie jetzt kein Gesaires. Sein Sie froh, ein gutes Geschäft gemacht zu haben.—“ „Davon ist nicht die Rede. Wollen Sie freiwillig mitgehen oder nicht?“ Er zögerte. „Soll ich zur Polizei?“ fragte Männe. Und nun entschloß sich Schieber. „Sie werden dafür sorgen, daß mir nichts geschieht.“ „Das kommt darauf an.“ „Ich werde Nachsicht mit Herrn Klose haben, haben Sie sie auch mit mir.— Wir Menschen sind aufeinander angewiesen— hart darf keiner mit dem andern sein.“ „Sehr richtig,“ bekräftigte Männe. Männe nahm ein Auto. Während der Fahrt fragte er sich: Warum hat Jenny nicht gesagt, daß sie die Uhr von mir geschenkt bekommen? Daß sie es nicht getan, bewies ihm wieder einmal, was für ein anständiger, verläßlicher Mensch sie war. Alle waren noch im Kontor. Mutter Klose machte verwunderte Augen, als Männe mit Schieber erschien. „Schabrick, verlassen Sie mal das Lokal. Wenn wir Sie brauchen, werd' ich Sie rufen.“ Schieber puffte Männe in die Seite und flüsterte ihm zu: „Der war es nicht.“ „Gehen Sie. Schabrick,“ wiederholte Männe. Windmüller fuhr ihn an: „Was hast du hier zu bestimmen?“ In diesem Augenblick versuchte Kienast, der den Kopf über sein Schreibpult gebeugt dastand, den Raum zu verlassen. Männe rief ihn an: „Niemand wird den Raum verlassen, bis ich es erlaube.“ „Das ist eine unerhörte Frechheit,“ schrie Windmüller. Kienast blieb aber an seinem Platz. Mutter Klose und Theo kamen in den Verkaufsraum. Schieber stieß Männe an „Gehen wir.“ sagte er,„ich will Ihnen draußen sagen. wer es ist.“ Männe folgte ihm und Schieber sagte: „Der Herr, der bei unserem Eintritt das Lokal verlassen wollte, der ist's.“ Männe riß die Türe auf und rief seinen Onkel Kienast. Der kam. Von einem zum andern sehend, fragte er:„Was ist los?“ „Sie haben mir eine Uhr verkauft, haben mir eine Legitimation vorgezeigt, die Sie, wer weiß wo hergenommen, die jedenfalls nicht die Ihre war.“ Kienast erbleichte. „Mann was unterstehen Sie sich?“ schrie er. „Schreien Sie nicht,“ verwies ihn Schieber. „Gehen Sie jetzt. Herr Schieber, aber halten Sie sich hier in der Nähe auf, vielleicht, daß ich Ihre Zeugenschaft noch brauche.“ sagte Männe, und bedeutete Kienast, ihm zu folgen Sie betraten beide den Verkaufsraum. Die Blicke aller waren gespannt auf Kienast gerichtet. Der war totenbleich „Wozu diese Aufführung?“ wandte er sich an Männe. „Wir könnten das unter uns abmachen.“ „Das könnte dir so passen!“ höhnte Männe. „Du wirst hier vor allen erklären, woher du die Uhr hattest, die du Schieber verkauft hast, die Uhr. die Fräulein Riß' Eigentum ist und durch einen unglücklichen Zufall an Jenny gekommen ist.“ Kienast zögerte, dann stieß er hervor: „Ich habe die Tasche hier gefunden—“ Mutter Klose stieß einen leisen Schrei aus. Theo sprang auf Kienast zu und packte ihn. „Lump!“ schrie er ihm ins Gesicht,„infamer Lump!“. Er schüttelte ihn wie ein Bündel Flicken. Windmüller befreite Kienast aus Theos Händen. „Du verdienst es nicht, daß ich dich vor Theos Tätlichkeiten schütze. Du hast Schmach über meine Schwester gebracht und über uns alle—“ Kienast richtete sich auf „Ich habe die Tasche nicht gestohlen, ich habe sie hier gefunden und das Geld, was darin war, habe ich mit Senft geteilt—“ Senft verteidigte sich: „Er hat mir Teilung angeboten. Ich wollte nichts mit der Sache zu tun haben, aber Kienast hat mich hineingezogen. Er ist ein Dieb, ein Betrüger— und Windmüller ist es auch Der soll sich nur nicht über andere entrüsten, er hat weit schlimmere Dinge auf dem Kerbholz, als Kienast und ich. So lange wir hier in diesem Geschäfte arbeiten, hat er in seine Tasche gewirtschaftet. Das war schon der Fall, als Theo hier zu sagen hatte. Seine Wohnung birgt ein Warenlager von Makowäsche, die er nach und nach hier zusammengestohlen hat.“ Windmüller wollte sich verteidigen. „Genug.“ gebot Mutter Klose. Ihr verlaßt sofort mein Geschäft und betretet es nie mehr. Auch mein Haus werdet Ihr nicht mehr betreten. Ich beklage das Unglück meiner Töchler, daß sie an euch geraten. Ich muß es Ihnen überlassen, ob sie es tragen wollen oder nicht. Noch heute beantrage ich die Auflösung der Gesellschaft.— Eure Einlagen werdet ihr ausgezahlt bekommen, nachdem der Bücherrevisor die Bücher geprüft hat. Theo wird das Geschäft wieder übernehmen.“ Die Drei machten lange Gesichter. „Dann können wir also abtreten,“ sagte Windmüller. „So weit sind wir noch nicht,“ entgegnete Männe.„Du,“ er wies auf Kienast,„wirst uns schriftlich geben, daß du die Tasche gemaust. Das Geld, das darin gefunden, wirs du zurückerstatten. Das Weitere findet sich dann. Beim Verkauf der Uhr hast du dich auch einer Urkundenfälschung schuldig gemacht. Du hast einen Ausweis, der Schabrick gehörte, an dich gebracht und diesen vorgewiesen.“ Kienast antwortete nicht. Mit finsterem Blick starrte er vor sich hin, als brüte er Rache. „Gib den drei Halunken Geld, daß sie über den Ozean können, dann sind wir sie ein= für allemal los,“ schlug Theo seiner Mutter vor „Darüber können wir noch reden.“ Männe forderte Theo auf. mit zu Fräulein Riß zu kommen. „Schieber will ich mitnehmen, daß er ihr sagt, daß er ihre Uhr an mich verkauft hat.“ „Das wird nicht nötig sein,“ antwortete Theo.„Laß mich das allein in Ordnung bringen.“ Er fuhr sofort zu ihr und Cobe empfing ihn „Ich hatte erwartet, daß Sie zu mir kommen würden.“ Ein verzeihendes Lächeln lag auf ihren Lippen. „Was mich zu Ihnen führt. Fräulein Riß, sind unerfreuliche Sachen.“ „O, erfreuliche wären mir lieber.“ „Einerseits sind sie auch erfreulich. Es hat sich herausgestellt, daß Fräulein Windmüller am Diebstahl Ihrer Tasche unschuldig ist.“ „Das freut mich aber wirklich! Ich werde noch heute ein paar Zeilen an sie schreiben, um meinen Irrtum zu entschuldigen.“ „Dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar. Und nun muß ich Sie über den wahren Sachverhalt aufklären. Das ist keine angenehme Aufgabe.“ „Dann lösen Sie sie nicht. Ich bin nicht versessen darauf. zu erfahren, wer der Uebeltäter war.“ „Mein Neffe hat die Uhr bei einem Händler gekauft— demselben, den sie heute bei meiner Mutter im Kontor trafen. Sie legte die Handflächen aneinander, hob die Hände so zu ihm und bat: „Sprechen wir nicht mehr von dieser gräßlichen Geschichte, lassen wir sie tot und begraben sein für alle Zeit Plaudern wir jetzt von angenehmeren Dingen.“ Theo war nicht nach einem Plauderstündchen zumute, er war mit all seinen Gedanken bei Jenny, der nie wieder gutzumachendes Unrecht geschehen war. Sie hatte unendlich viel gelitten— aber wer weiß, vielleicht war auch das zu etwas gut. Im Leben kam immer alles so, wie es mußte. Und plötzlich fühlte er sein Gemüt von einem raschen Entschluß bewegt ** * Hanne Jamradt, als sie erfuhr, was geschehen, kalkulierte: Jetzt ist die Gefahr, daß Theo Jenny heiraten wird, näher gerückt. Und bei ihr stand fest, daß es nicht geschehen durfte. Die beiden durften nicht zusammenkommen, denn beide würden unglücklich werden. Sie beschloß, zu Jenny zu gehen. Daß sie nicht mehr in ihrer alten Wohnung bei Liebrach lebte, wußte sie und wo sich ihre neue Wohnung befand, war ihr nicht bekannt. Aber wo sie angestellt war, das wußte sie. Kurz entschlossen fuhr sie in die Maßenstraße. *** Jenny hatte einen Brief von Herrn Jochmann bekommen, der sie in große Aufregung versetzt hatte. Aus diesem Briefe klang, wie aus allen anderen, die sie bisher von ihm erhalten, heiß und qualvoll seine Sehnsucht nach ihr, und zum Schluß fragte Jochmann sie, ob sie seine Frau werden wolle? Wie betäubt war sie von seinem Antrag. Sie fühlte: Hier lachte ihr noch einmal das Glück. Wenn Ruhe und Geborgensein das Glück ist. Sie hatte den Brief am Morgen, als sie das Kontor betrat. vorgefunden— jetzt war es Mittag— sie hatte ihn in der Zwischenzeit wohl ein dutzendmal gelesen. Und ihre Aufregung wuchs von Stunde zu Stunde. Die Frage: Was antworte ich ihm, quälte sie bis zur Unerträglichkeit.— „Herr Weidner,“ wandte sie sich kurz entschlossen an den Bürovorsteher,„bitte, erlauben Sie, daß ich für heute Schluß mache. Ich bin nicht imstande zu arbeiten.“ „Krank?“ fragte er. Sie schüttelte den Kopf. Der Alte hatte heute früh den Brief aus der eingelaufenen Post herausgenommen und ihn Jenny auf den Schreibtisch gelegt, er wußte, daß er von Jochmann war. Und er ahnte längst, daß sich zwischen dem Chef und der hübschen Stenotypistin etwas angesponnen hatte. „Krank bin ich nicht, Herr Weidner— nur nervös— wenn Sie mich nur für zwei Stunden beurlauben wollten. dann würde ich einen tüchtigen Marsch machen, um mich zu beruhigen.“ „Gehen Sie nur, Fräulein. Die Arbeit, die Sie heute nicht machen, bleibt Ihnen für morgen Also kommen Sie heute gar nicht zurück.“ Er wünschte ihr gute Erholung und sie ging. Es war ein naßkalter Tag. Nachdem sie etwa eine Stunde durch einige graue Straßen gewandert war, trat sie den Heimweg an. Ueber die Frage, was sie Jochmann antworten sollte, war sie sich jetzt klar. Mit der Liebe zu Theo im Herzen konnte sie keines anderen Mannes Frau werden. Und der Schimpf, der auf ihr lastete, zwang sie auch dazu, einsam zu bleiben.(Schluß folat.)