die Shucn Zahut uiche uscemüich behr nd. Bogugepets hadnonatich 1.20 Mat, Einzakaummen 13 Pfg. Druck u. Verlag von C. Bom, Schwerte(Rudr). Talshackteantn: Dorimud 2632 und Hannor 21474. Geschstesselle: Große Marzcht. 3.—3 Veranworlich für die Schriftleitung H. L'inner, Schwerte. Hernruf 2770 UEFetTu! Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerier Hollsolat Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Aazaigs preiz fiu de ochiespol. mm 2i e Plg, Ansosk. fnanzamtiche u. gericktliche Anzeigen ie P/g., Lekamgelle 40 P), Zur teieson, aufgegedens Inserate üdemehmen wit kame Gewobt Der unootberzesehr. Dariebestbrutzen, gervorgerufen durch böbere Gewalten, ubernedmen oir keinertei Gewädr ster püaktliche Erscheinen dei Jeitung u. kam auch keinerse. Ansoruch au Schadenersatz oder Nachlieserinz erboden werden üir di. Schassestung H. Pinner Schmerz. dernru mrro Schwerter Volksblatt Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen S Kreisvirn für den norviichen den des Lullbrreises Zserlohn ie S Nr. 38(Erstes Blan) Neues in Kürze. Schwerte(Nuhr), Freitag, den 14. Februar 1930 63. Jahrgang Nuntius Orsenigo. enb. Berlin, 13. Febr.(Tel.) Das Agrement für den als Nachfolger Pacellis zum Nuntius in Berlin ausersehenen bisherigen Nuntius in Budapest, Monsignore Orsenigo, ist bei der Reichsregierung nunmehr nachgesucht worden. Die Erteilung des Agrements an Orsenigo, der Doyen des hiesigen Diplomatischen Korps wird, steht, dem Berl. Tagebl. zufolge, unmittelbar bevor. Konrad Ansorge gestorben. enb. Berlin, 13. Febr.(Tel.) Professor Konrad Ansorge, der berühmte Pianist, ist heute morgen einem langen schweren Leiden erlegen. Aus der Schule Franz Liszis hervorgegangen, hatte er sich durch ausgedehnte Konzertreisen, vor allem auch in Amerika, einen bedeutenden Namen gemacht. Ansorge hat ein Alter von 67 Jahren erreicht. Verhaftung wegen Vorbereitung zum Hochverrat. wib Hamburg, 13. Febr.(Tel.) Wie die Hamburger Volkszeitung meldet, ist heute früh der verantwortliche Redakteur des Blattes, Erich Hofmann, auf Anordnung des Oberreichsanwalts wegen Vorbereitung zum Hochverrat verhaftet worden. Austritt aus der mecklenburgischen Arbeitsgemeinwtb. Schwerin, 13. Febr.(Tel) Die beiden völkischen Abgeordneten des mecklenburgischen Landtages, Landdrost a. D., Schade(Schwerin) und Gutsbesitzer Maertens(Deuhof). haben ihren Austritt aus der Fraktion der Arbeitsgemeinschaft nationaler Mecklenbrger erklärt Sie begründen ihren Austritt damit, daß die Abstimmung der mecklenburgischen Regierung im Reichsrat über den Youngplan für sie nicht tragbar sei. Der Austritt der beiden völkischen Abgeordneten bedeutet nach Auffassung in politischen Kreisen an sich noch nicht das Ausscheiden aus der Regierung. Die Todesfälle in der britischen Luftfahrt. wtb London, 13. Febr.(Tel.) Im Unterhause gab heute der Unterstaatssekretär für Luftwesen die Erklärung ab, daß die Unglücksfälle britischer Zivilflugzeuge im Jahre 1929 33 Todesopfer gegen 19 im Jahre 1928 gefordert hätten; bei den Unfällen britischer Militärflugzeuge betrage die Zahl der Todesfälle 42 im Jahre 1929 gegen 76 im Jahre 1928. Das Ergebnis der Verbrecherjagd in Chicago. wib Chicago, 13. Febr.(Tel.) Bei den Verbrecher=Razzien in den letzten Tagen sind ungefähr 3000 Personen verhaftet worden, darunter wurden 45 mit Revolvern bewaffnete und 1200 andere verdächtige Personen einbehalten. Der „Bürgerausschuß zur Bekämpfung des Verbrechens“ stellt mit Genugtuung fest, daß während der letzten 36 Stunden zum erstenmal seit langer Zeit kein Nordfall in Chicago gemeldet wurde. Im März beginnt der Abzug der Brsützung. Tesprechung ader die Wirtschuftslagr. wtb Berlin, 14. Febr.(Funkspruch.) Unter Vorsitz des Reichswirtschaftsministers Schmidt fand unter Mitbeteiligung des Reichsarbeitsministers am Donnerstag eine Besprechung mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft über die Wirtschaftslage statt. Reichsminister Schmidt führte einleitend aus. daß bei der schwierigen Wirtschaftslage unendlich wertvoll sei, im Gedankenauslausch mit den Vertretern der Wirtschaft alle Möglichkeiten zu besprechen, die geeignet seien, Deutschland aus der schweren Krise herauszuhelfen.— In eingehender Besprechung wurde von den Vertretern der Gewerkschaften aller Richtungen übereinstimmend vorgeschlagen, Auslandskapital zur Ankurbelung der Wirtschaft heranzuziehen, um die bestehenden Hemmungen zu beseitigen und auf diesem Wege den Baumarkt zu beleben, der zur Zeit bei zwei Millionen Beschäftigten und 60 Proz. Arbeitslosigkeit das größte Kontingent an Arbeitslosen stelli. Ferner müsse man in verstärktem Umfange durch Auftragserteilung der öffentlichen Hand für Beschäftigung sorgen. Die privaten und sozialen Versicherungen müßten alle verfügbaren Mittel zur Hergabe von Hypotheken bereitstellen. Die für Eisenbahn und Post aus der internationalen Anleihe demnächst zu erwartenden 400 Millionen sollten möglichst bald der Industrie zugeführt werden. Eine Arbeitszeitverkürzung scheine geeignet, um die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen. Angesichts der großen Beunruhigung in Arbeitnehmerkreisen sei es notwendig, alle Mittel zur Hebung der Beschäftigung heranzuziehen, selbst wenn man erkenne, daß gewisse Bedenken bei der Verwendung der vorgeschlagenen Maßnahmen besiehen.. ge. g.tter in Grbu# Von seiten der Arbeitgeber aus Industrie=, Handel= und Bankkreisen wurde davor gewarnt, der Wirtschaft Fesseln anzulegen, die letztlich immer wieder zu Krisen führen müßten. Wichtig sei die Förderung der inneren Kapitalbildung, die aber im wesentlichen sich aus Betriebsüberschüssen ergeben müsse. Auslandsanleihen seien vornehmlich in der Form von Kapitalbeteiligungen, weniger durch Aufnahme hoher festverzinslicher Anleihen hereinzunehmen. Arbeitszeitverkürzung würde letzten Endes zu einer Vergrößerung der Arbeitslosigkeit führen, da sie rationelle Betriebsführung nicht ermögliche. Eine Verbreiterung der Exportbasis würde im Zuge der bisherigen Ausfuhrentwicklung eine Hebung des Beschäftigungsgrades bringen. Ein sinkender Zinsfuß, Fortfall der Zinsspanne gegenüber dem Auslande, freie Verfügbarkeit der Kapitalien wären die besten Antriebe für die Wirtschaft.e g.6 Auf Wunsch der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sagte Reichsminister Schmidt eine Fortsetzung der Besprechung zu, die im Laufe der nächsten Wochen in kleinerem Kreise stattfinden wird. Dollarfälscher vor Gericht. enb. Berlin, 14. Febr.(Funkspruch.) Die Staatsanwaltschaft hat, laut Börsenkurier, Anklage gegen drei Mitglieder einer weitverzweigten internationalen Dollarsälscherbande erhoben. Die Anklage richtet sich gegen den Rumänen Jeremias, den Ungarn Katz und den Tschechen Weiß, die sich sämtlich seit Oktober in Moabit in Haft befinden. Die Fälschungen bestanden darin, daß aus EinDollarnoten 100=Dollarnoten und aus Fünf=Dollarnoten 500=Dollarnoten durch geschickte Radierungen. und Nachzeichnungen gemacht worden waren. Der Sitz der Fälscherfabrik scheint in Antwerpen zu sein. ufachung der Abgabengesetzgebung und cub. Ludwigshafen, 14. Febr.(Funkspruch.) Nachdem in den letzten Tagen mehrfach Gerüchte von einem nahe bevorstehenden Abzug der französischen Besatzung in Umlauf gewesen sind, verlauiet jetzt, daß die Räumung der Pfalz Anfang nächsten Monats beginnen und bis Ende März zum größten Teil durchgeführt sein werde. Die Munitionslager der französischen Garnisonen in der Pfalz sollen bis Ende März ds. Is. endgültig geräumt, die Garnisonen in Kaiserslautern, Germersheim. Speyer und Zweibrücken bis auf einige Kommandos, also in ihrem größeren Teile bis Mitte April zurückgezogen sein. Dem Hauptproviantamt Landau(Pfalz) wurde nach der Räumung der dritten Zone auch die Versorgung der in der zu.. en Fruppen übertragen. Das de# arsonal hat staffelweise bis zum 31. Mürz die Kürdigung erhalten und die als fünftes Vierteljahr 1929 weitergeführt. Die beiden Landauer Artillerie= und Insanterie=Regimenter rücken am 10. bezw. 20. März nach Verdun bezw. Nancy ab. Das 8. Dragoner=Regiment soll bis zur endgültigen Räumung in seiner bisherigen Garnison Landau verbleiben. Im Laufe des Monats Mai wird dann, nach den weiter vorliegenden Informationen, die ddritte Zone endgültig geräumt sein: lediglich einige Uebergabe=Kommandos werden auch den Juni über im deutschen Gebiet verbleiben. In Kreisen der Besatzung rechsiet man mit einem endgültigen Abtransport der Verwaltungsbehörden für April. ebenso mit der Auflösung der noch bestehenden Militärgerichte in Mainz, Trier, Kehl und Landau. — Das Offizierkorps der Besatzung wartet bereits mit einer gewissen Ungeduld auf die Heimbeförderung nach Frankreich. Als Hauptgrund hierfür wird die Hoffnung auf ein jetzt noch günstiges Wohnunterkommen in Frankreich angegeben, wo der Wohnungsmarkt für die später heimkehrenden Offiziere keine sonderlich günstigen Aussichten bieten soll. Dieses Drängen aus baldigen Heimtransport hat sich. allen Besatzungstruppen mitgeteilt, die gegenwärtig mehr als 13.000 Mann umfassen und die also seit Juni 1929 um nur etwa 350 Mann abgenommen haben. In Hessen beträgt sie 14(200, im preußischen besetzten Gebiet etwa 7 700 Mann. vdz. Berlin, 13. Febr.(Tel.) Der Reichsrat behandelte am Donnerstag den Nachtragshaushalt für 1929. Der Berichterstatter der Ausschüsse, Ministerialdirektor Dr. Brecht, wies darauf hin, daß etwa ein Viertel der Ausgabenkürzungen, die der Reichstag an den Voranschlag für 1929 vorgenommen hatte, jetzt im Nachtragshaushalt nachgesordert werden müsse. Wesentlich gefährlicher als diese Ueberspannung einer an sich berechtigten Maßnahme sei die Streichung der von der Regierung geforderten neuen Steuern und die Ueberschätzung der alten Abgaben gewesen. Nach dem jetzt vorliegenden Nachtrag bleiben die Einnahmen um 360 Millionen hinter dem Voranschlag zurück, die Ausgaben erhöhen sich um 511 Millionen. Dieser Gesamtverschlechterung um 871 Millionen steht eine Entlastung durch das Haager Abkommen von 593 Millionen gegenüber, so daß nach der Regierungsvorlage ein ungedeckter Betrag von 278 Millionen verblieb. Er stand zunächst im außerordentlichen Haushalt. Auf einstimmige Anregung der Reichsratsausschüsse hat jedoch die Reichsregierung zugestimmt, daß die 222.5 Millionen für Arbeitslosenversicherung auf den ordentlichen Haushalt übertragen werden, weil es sich wirtschaftlich nicht mehr um bloße Darlehen handelt, ganz abgesehen von der Unmöglichkeit, Anleihen als Deckung zu erhalten. Im außerordentlichen Haushalt bleibt nur die Beteiligung des Reichs an der Zentralgenossenschaftskasse mit 50 Millionen stehen. Da die Einnahmen sogar noch um einige Miltionen hinter den jetzigen verminderten Schätzungen zurückzubleiben drohen, sollten die neuen Steuern nach Meinung der Reichsratsausschüsse mit größter Beschleunigung beschafft werden. Eine größere Einsparung war in diesem Jahre nur noch bei den insgesamt 538.4 Millionen für die Invalidenversicherung denkbar. Hiervon wurden im Nachtrag angesordert 50 Millionen Beitrag aus der Lohnsteuer(Lex Brüning) und 225 Millionen Reichsbeitrag zu den Steigerungssätzen. Der Sonderzuschuß zur Invalidenversicherung aus den Zöllen von 40 Millionen ist erst zum Teil und der Beitrag aus der Lohnsteuer noch gar nicht ausgegeben. Mit Rücksicht auf die großen Fehlbeträge der Arbeitslosenversicherung stellen die Ausschüsse zur Erwägung, ob man den Beitrag aus den Zöllen nicht ganz oder teilweise auch als Beihilfe zur Arbeitslosenversicherung geben könne. Für das laufende Jahr haben sie beschlossen, die Erhöhung der Zuschüsse zu den Steigerungsbeträgen den Lohnsteuerbeiträgen zu entnehmen. Endgültige Regelung müsse bis zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung aufgeschoben werden. Der Berichterstatter erinnerte daran, daß unrichtige Schätzungen oft eine verhängnisvolle Rolle gespielt hätten, namentlich bei der Besserstellung der Reichswehrsoldaten von 1927 und bei der Wiedergewährung von Renten an die abgefundenen Kriegsbeschädigten. Die Ausschüsse halten daher die Einführung von Ausschlußfristen für leichtere Fälle von Kriegsbeschädigung für notwendig. In einem Ausblick für 1930 berechnete Dr. Brecht bei gleichbleibender Gestaltung der Arbeitslosenversicherung den Fehlbetrag auf etwa 700 Millionen. Darin sind die 450 Millionen Schuldentilgung enthalten. Die Fehlbeträge von 1928 und 1929 dürfe man jedoch aus diesem Fond erst dann anrechnen, wenn die Kassenlage genügend gesichert sei. Ohne diese Voraussetzung werde der Fehlbetrag von 1929 noch den Haushalt für 1931 weiter belasten. Das Sparprogramm der Ausschüsse des Reichsrats sieht vor: Schnelle Auflösung der Verwaltung für die besetzten Gebiete und des Reichsentschädigungsamtes, Vereinfachung der Abgabengesetzgebung und Verwaltung, Einschränkung weiterer Rentenerhöhungen Kriegsbeschädigte in den leichten Fällen, Uebertragung der Bauverwaltung und Reichswasserschutzes an die Länder, Vereinfachung der Justiz, Festlegung eines Sparprogramms für Heer und Marine, Sanierung der Arbeitslosenversicherung ohne Einschränkung der Leistungen, Vereinheitlichung des sozialen Verwaltungsapparates nach den Vorschlägen der Länderkonferenz, vorübergehende Beurlaubung von Beamten aufzulösender Behörden. Bei Berücksichtigung aller Aenderungen ergibt sich ein Fehlbetrag von 237 Mittionen im ordentlichen Haushalt, der vorläufig aus kurzfristigen Krediten gedeckt werden muß. Die Ausschüsse empfehlen Entschließungen, in denen die Reichsregierung ersucht wird, die Beschlüsse zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung möglichst zu beschleunigen, die notwendig werdenden neuen Steuern möglichst schnell in Kraft zu setzen, ein Sparprogramm auf längere Zeit aufzustellen, für falsche finanzielle Schätzungen künftig die schuldigen Beamten zur Verantwartung zu ziehen und schließlich bei der Subventionierung der Luftfahrtindustrie den freien Wettbewerb nicht zu unterbinden.. 4.— Auräge Lan#. ] Der Etat wurde nach den Anträgen des Befür richterstatters mit den dazu eingebrachten Entschliebungen angenommer, Kres. Ferner erledigte der Reichsrat eine Ergänzung zur Handwerksnovelle. Bisher beitragspflichtige Handwerker sollen nur mit ihrer eigenen Zustimmung aus der Handwerksrolle gestrichen werden. Der Reichsrat stimmte dieser Ergänzung zu. des Verntungen des Das„Streichquintetl“ hat seine Arbeit begonnen. wtb. Berlin, 13. Febr.(Tel.) Das Reichskabinett beschäftigte sich in seinen heutigen unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Sitzungen mit laufenden Angelegenheiten und beschloß u. a. einer Vorlage des Reichsjustizministeriums zur Einleitung besonderer Maßnahmen zum Zwecke einer finanziellen Entlastung der Justizverwaltung zuzustimmen.##. I fu.486 bl. 2. S.. G. Srur-.4 Dann wurde im Reichskabinett die Aussprache über den Reichshaushaltsplan und die Deckungsvorschläge fortgesetzt. Das Reichskabinett ermächtigte den Reichsfinanzminister, auf der Grundlage, wie sie zuletzt den Parteien bekanntgegeben wurde, weiter zu verhandeln. ENB. Berlin, 13. Febr.(Eigene Meldung.) Die Verbandlungen über den Reichsetat und die Deckungsvorschläge sind am Donnerstag sachlich kaum viel weiter gediehen, obwohl den ganzen Tag über in allen möglichen Gremien darüber beraten worden ist. Das Reichskabinett hat sogar zwei Sitzungen abgehalten. Es ist nach seinen Mittagsberatungen gegen Abend erneut zusammengetreten. Wie in politischen Kreisen verlautet, war es immer noch mit der ersten Lesung des Gesamtetats beschäftigt, ohne bisher schon in die Einzelberatung einzutreten. Die langen Kabinettsberatungen brachten es mit sich, daß der Reichsfinanzminister die für heute in Aussicht genommenen interfraktionellen Verhandlungen auf den morgigen Freitag verschieben mußte. Dagegen hat der Unterausschuß, der sich mit den Sparmaßnahmen beschäftigen sollte, das sogen. „Streichquintett“, heute mittag den Bericht der zuständigen Sachbearbeiter des Reichsfinanzministeriums entgegengenommen. Er sollte dann im Laufe des Abends eine weitere Sitzung abhalten, um nach Möglichkeit schon morgen dem interfraktionellen Ausschuß Bericht zu erstatten. Die Frage der Einsparungen rückt überhaupt stark in den Vordergrund. Sie war auch das Hauptthema der Fraktionssitzung, die die Deutsche Volkspartei heute abend abhielt.„ Nach der allgemeinen Beurteilung im Reichstag gehen die Meinungen über die notwendigen Maß60 Schulkinder durch eine Explosion verletzt. wtb Newyork, 13. Febr.(Tel.) Im Stadtteil Brooklyn wurde ein einstöckiges Backsteingebäude durch eine Explosion zerstört. Die Gewalt der Explosion war so groß, daß auch die Fensterscheiben einer gegenüberliegenden Volksschule zertrümmert und durch die herumfliegenden Glassplitter etwa 60 Schulkinder verletzt wurden, davon zehn so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. In der ganzen Nachbarschaft entstand eine ungeheure Aufregung. Aufregende Szenen. wib Newyork, 14. Febr.(Funkspruch.) In der Brooklyner Schule, die durch die Explosion in einem Hause der gegenüberliegenden Straßenseite in Mitleidenschaft gezogen wurde, befanden sich zur kritischen Zeit etwa 2000 Kinder. Der Schulleiter eilte nach der Explosion durch alle Kkassen und ließ die Schüler in Reih und Glied antreten. Sie verließen das Gebäude in voller Ordnung. Einige durch Glassplitter Verletzte mußten von Mitschülern und Lehrern hinausgetragen werden. Bei der Rettung der Kinder spielten sich aufregende Szenen ab. Die weithin vernehmbare Explosion hatte Anlaß zu dem Gerücht gegeben, daß in der Schule selbst eine Bombe explodiert sei, was zur Folge hatte, daß etwa 5900 Eltern nach der Schule eilten. Einige aufgeregte Mütter durchbrachen die Absperrungskette der Polizei und liefen, nach ihren Kindern rufend, in das Schulgebäude hinein, obgleich bereits alle Kinder auf die Straße hinausgeleitet worden waren. Durch die Explosion wurden auf einer Seite des Schulgebäudes sämtliche Scheiben zertrümmert und das Holzwerk aus den Fenstern herausgerissen. Ein Oestillierapparat die Ursache? wib Newyork, 14. Febr.(Funkspruch.) Die Explosion in dem der Schule gegenüber gelegenen einstöckigen Gebäude in Brooklyn zerstörte auch ein angrenzendes einstöckiges Wohnhaus. Aus den Trümmern dieses Hauses wurden zwei schwerverletzte Neger geborgen. Von den in Sicherheit gebrachten Schulkindern sind, wie sich nachträglich herausgestellt hat, zwei lebensgefährlich verletzt. Die Polizei führt die Explosion, durch die auch die elektrischen Leitungen in der Nachbarschaft beschädigt wurden, auf eine Entzündung von Gas zurück, das sich im Erdgeschoß des unbewohnten Gebäudes angesammelt habe. Sie hat in den Trümmern einen Destillier= apparat sowie einen schadhaften Gummischlauch, der diesen Apparat mit der Gasleitung verband, gesunden. Die beiden verletzten Neger wurden ale angebliche Besitzer des Apparates verhaftet. nahmen vorläufig noch sehr auseinander, und zwar nicht nur unter den Parteien, die hinter der Reglerung stehen, sondern auch in den einzelnen Fraktionen selbst. Ehe die Fraktionen nicht eine Klärung über ihre eigenen Vorschläge und Ziele herbeigeführt haben, ist ein klares Bild überhaupt nicht zu gewinnen. Am Freitag und Samstag findet zudem noch eine Konferenz der Finauzminister der Länder statt. Sie hat zwar nur beratenden Chacakter, aber die Frage, ob sie zu einer Entwirrung der Lage beitragen wird, wird in parlamentarischen Kreisen steptisch beurteilt. Im Gegenteil befürchtet man wohl eher, daß die Forderungen der Länder die Schwierigkeiten noch vermehren werden. An sich waren diese ganzen Schwierigkeiten nach der Aufsassung parlamentarischer Kreise zu erwarten, da die Etatverhältnisse diesmal außerordentlich kompliziert lagen. Es dürfte aber noch einige Zeit dauern, bis die Klärung eintritt. enb. Berlin, 13. Febr.(Funkspruch.) Wie wir zu den heutigen Kabinettsberatungen noch erfahren, hofst man durch die Reformvorlage des Reichsinstizministers Einsparungen in der Justizverwaltung herbeizuführen. Die Vorlage steht u. a. eine Heraussetzung der finanziellen Grenze der Zuständigkeit der Amtsgerichte, die Zusammenlegung von Kammern und die verstärkte Verwendung des Einzelrichters anstelle von Gerichtshöfen vor. vdz. Berlin,. 13. Febr.(Tel.) Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat zur bevorstehenden Mieterschutzdebatte im Reichstag einen Gesetzentwurf zur Regelung des Mictwesens eingebracht, der sämtliche jetzt bestehenden Mieterschutzgesetze ersetzen soll. Der erste Abschnitt des Gesetzentwurfs behandelt die Höhe der Miete. Die gesetzliche Miete soll auf der Grundlage einer Friedensgrundmiete berechnet werden. Zu dieser Friedensgrundmiete treten Zuschläge in Hundertsätzen für die laufenden Instandsetzungsarbeiten sowie für die Kosten für große Instandsetzungen. Die gesetzlich festgelegten Ziussteigerungen und die Betriebskosten sollen ferner in ihrer vollen Höhe auf die Mieter umgelegt werden. Ausgenommen von dieser Regelung sollen Mietsverträge bleiben, die schriftlich als freie Vertragsvereinbarung über ein bestehendes Mietsverhältnis neu abgeschlossen werden, serner Verträge über Fünf= und Mehrzimmerwohnungen, über gewerbliche Räume und Untervermietungen und über Neubauten. Der zweite Abschnitt behandelt den Mieterschutz. Für Streitigkeiten wird ein Mietsschöffengericht gebildet In einem dritten Abschnitt werden Wucherbestimmungen geschaffen, wonach die Forderung zu hoher Mieten oder unangemessener Abstandssummen bestraft wird. Das neue Gesetz soll zunächst bis Ende Dezember 1932 befristet sein. der Firma Rohrbach Metallflugzeugbau Gmbch. der Reichsreglerung zur Erwägung überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt und das Haus vertagt sich auf Mittwoch, 19. Februar, 4 Uhr: Verlängerung der Mieterschutzgesetze.— Schluß gegen 2 Uhr. Preußen vor dem enb. Berlin, 14. Febr.(Funkspruch.) Die Klagen der Volksrechtspartei und des Völkisch=nationalen Blocks gegen das preußische Wahlgesetz kommen, laut Germania, am 14. und 15. Februar vor dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich zur Verhandlung. Den Vorsitz wird Reichsgerichtspräsi. dent Dr. Bumke führen. Die Klage der Parteien richtet sich im wesentlichen gegen Paragraph 32, Abs. 2 des preußischen Landeswahlgesetzes, der besagt, daß keine der mit Wahlvorschlägen hervorgetretenen Parteien aus den auf Landesliste gesammelten Reststimmen mehr Sitze im Landtag erhalten darf, als sie in den Einzelkreisen oder in Wahlkreisverbänden erworben hat. Was wird mit der Arbeitslosenversicherung? Den Ausschüssen überwiesen. 129. Sitzung des Deutschen Reichstags. V2Z. Berlin, 13. Febr(Tel.) Die erste Lesung der Younggesetze wird fortgesetzt. Abg. Stöcker(Komm.): Im Ernst denken Sie (nach rechts) gar nicht an eine Bekämpfung der Erfüllungspolitik. Der Hauptgrund für die Verständigungspolitik war die Rettung der kapitalistischen Gesellschaft vor der proletarischen Weltrevolution. Abg. Dr. Wendhausen(Chr.=nat. Arbeitsgemeinschaft) vermißt den amtlichen Widerruf der Kriegsschuldlüge im Haag. Wenn man ehrlich sein wolle, dürfe man diesen unerfüllbaren Vertrag nicht unterschreiben. Abg. Graf zu Revenklow(Nat.=Soz.) kommt auf die Zerreißungsklausel zurück und sagt, es hänge ganz vom Haager Schiedsgericht ab, ob es den Zerreißungsfall konstruteren will. Die mit dem Youngplan getriebene Außenpolitik sei in Wirklichkeit diktiert von der innerpolitischen Gegnerschaft der Regierung gegen die nationale deutsche Bewegung. Damit schließt die Aussprache. Die Vorlagen werden dem außenpolitischen und dem Haushaltsausschuß überwiesen. Der deutsch=schweizerische Vertrag über die Aheinregulierung wird ohne Aussprache dem Verkehrsausschuß überwiesen. Der deutsch=türkische Schiedsgerichts= und Vergleichsvertrag wird ohne Aussprache in erster und zweiter Lesung angenommen. Das deutsch=bulgarische Konsularabkommen wird dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen. Auf Vorschlag des Haushaltsausschusses werden eine Reihe von Eingaben über Sicherstellung der Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten enb. Berlin, 14. Febr.(Funkspruch.) Eine Erleichterung des Etats soll, wie bereits bekannt, dadurch herbeigeführt werden, daß man versucht, die Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung unter Umgehung des Reichsetats mit Hilfe der Angestelltenund der Invalidenversicherung zu finanzieren. Dagegen sind in letzter Stunde grundsätzliche Bedenken erhoben worden, die, laut Voss. Ztg., dahin gehen, daß durch die jetzt vorgeschlagene Methode eine gründliche Reform der Arbeitslosenversicherung auf lange Zeit vertagt und auf diese Weise immer neue Vorschußansinnen an das Reich gestellt werden würden.,4 hr a g. i Um diese Bedenten zu beschwühligen, hat, wie das Blatt weiter berichtet, neuerdings der Reichssinanzminister einen neuen Vorschlag zur Debatte gestellt. Er will für den Etat 1930 und den Etat 1931 noch streng begrenzte Zuschußbeträge für die Arbeitslosenversicherung bewilligen. Von 1932 ab aber soll die Arbeitslosenversicherung keinerlei Zuschüsse vom Reich mehr erhalten. Es soll vielmehr schon jetzt die Arbeitslosenversicherung insoweit selbständig gemacht werden, als Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Verwaltung der Arbeitslosenversicherungsanstalt die Höhe der Beiträge paritätisch bestimmen sollen. Sie können nur noch für die beiden nächsten Etats mit den begrenzten Zuschüssen rechnen, müßten nachher aber die von ihnen für notwendig gehaltenen Leistungen auch aus eigenen Beiträgen decken. Die für 1930 und 1931 noch zu gewährenden Reichszuschüsse sollen, wie oben angedeutet, durch Darlehen der anderen Versicherungsanstalten gegen die Sicherheit der Eisenbahnvorzugsaktien finanziert werden. Grundvermögenssteuer und Hypoihelenschenrenn. Gladbach=Rheydt, Oberhausen, Sterkrade und Osterseld werden zum Versicherungsamt des Stadtkreises Oberhausen, die Versicherungsämter des Stadtkreises Hagen und der Gemeinde Haspe werden zum Versicherungsamt des Stadtkreises Hagen je miteinander vereinigt. Für die neugebildeten Landkreise Düsseldors=Mettmann(Sitz Düsseldorf), Grevenbroich=Neuß(Sitz Grevenbroich), KempenKrefeld(Sitz Kempen), Solingen=Leunep(Sitz Opladen) und Ennepe=Ruhrkreis(Sitz Schwelm) wird gemäß§ 36 RVO. je ein neues Versicherungsamt errichtet. Das bisherige Versicherungsamt des Stadtkreises Krefeld führt künftig den Namen Versicherungsamt des Stadtkreises Krefeld=Uerdin gen a. Rh. und das der bisherigen Gemeinde Viersen Versicherungsamt des Stadtkreises Viersen. Auflösung einer kommunistischen Wehrorganisation. wtb. Berlin, 13. Febr.(Tel.) Der Polizeipräsident teilt mit: Heute vormittag wurde das Büro der Kartellführung der autlfaszistischen jungen Garde Berlin von der Polizei geschlossen und das vorgefundene Material beschlagnahmt. Der Kartellführung wurde gleichzeitig eröffnet, daß jede weitere Tätigkeit polizetlich verhindert werden würde. Die antifaszistische junge Garde stellt den wichtigsten Teil der nach Auflösung des Rotfrontkämpferbundes und der Roten Jungfront gegründeten Wehrorganisationen, der sog. antifaszistischen Organisationen, dar. Die Beobachtung in der Provinz wie in Berlin hat ergeben, daß diese Organisationen nach ihrem Mitgliederbestand und nach ihren Zielen eine Fortführung des Rotfrontkämpferbundes und der Roten Jungfront bilden. Zu ihnen gehört übrigens auch die Sturmabteilung Mitte, in der Albert Höhler und Erwin Rückert Bereitschaftsführer waren, die das Attentat gegen den Nationalsozialisten Wessel begangen haben. wtb Berlin, 13. Febr.(Tel.) In einer Kleinen Anfrage im Preußischen Landtag wurde die Frage gestellt, ob nicht irgendwelche Möglichkeiten bestehen, die in Form von Hypotheken eingetragenen Schulden bei der Steuer vom Grundvermögen zu berücksichtigen, um den durch die ganze Wirtschaftslage bereits schwer belasteten Besitz durch Steuererleichterung zu unterstützen.— Wie der Amtliche preußische Pressedienst der Antwort des Finanzministers entnimmt, bestehen solche Möglichkeiten nicht. Die Berücksichtigung der Hypothekenschulden würde aus der Realsteuer eine Personalsteuer machen. Mangelnde Leistungsfähigkeit des Steuerschuldners infolge Verschuldung kann nur bei der Erhebung der Steuer in gewissem Umfange im Billigkeitswege berücksichtigt werden. Dies geschieht. Neuordnung der Verücherungsämter im rheinisch=westfälischen Industriegebiet. wtb. Berlin, 14. Febr.(Tel.) Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, werden durch eine Bekanntmachung des Ministers für Volkswohlfahrt und des preußischen Innenministers die bisherigen Versicherungsämter für die Landkreise Krefeld, Kempen, Gladbach, Grevenbroich. Neuß, Düsseldorf, Mettmann, Solingen, Lennep, Essen, sowie Hörde, Bochum, Hattingen, Hagen und Schwelm aufgelöst. Die Versicherungsämter der bisherigen Stadtkreise Barmen und Elberfeld werden zum Versicherungsamt des Stadtkreises Wuppertal, Duisburg und Hamborn werden zum Versicherungsamt des Stadtkreises Dutsburg=Hamborn, Gladbach und Rheydt werden zum Versicherungsamt des Stadtkreises wtb Berlin, 14. Febr.(Tel.) Nach der Auflösung des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften und des General= verbandes der deutschen Raisseisen=Genossenschaften hat am Donnerstag in Anwesenheit des Reichsernährungsministers Dietrich die Konstituierung des genossenschaftlichen Einheitsverbandes stattgefunden, der unter der Bezeichnung„Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen GenossenschaftenRaiffeisen e. V.“ demnächst seine Tätigkeit aufnimmt. Dem Einheitsverband traten in der gestrigen Sitzung insgesamt 35 Verbände. und 12 Zentralgeschäftsstellen bei mit insgesamt 37300 Einzelgenossenschaften. Der Vorstand des Einheitsverbandes ist folgendermaßen zusammengesetzt: Landesökonomierat Dr. h. c. Johannßon als Ehrenpräsident, Geh. Landesökonomierat Hohenegg und Reichsminister a. D. Dr. Hermes als Präsidenten, Regierungspräsident z. D. Freiherr von Braun und Landesökonomierat Dr. Rabe als stellvertretende Präsidenten, Regierungsrat Gennes als Generalanwalt, Direktor Schmidi und Direktor Brenning als stellvertretende Mitglieder des Präsidiums. Reichsernährungsminister Dietrich wies in einer Rede auf die Bedeutung dieses Tages hin, an dem sich das gesamte landwirtschaftliche Genossenschaftswesen Deutschlands zusammenfinde. Ans Rut uns zern. Einberufung des Rheinischen Provinziallandtages. wp. Düsseldorf, 13. Febr.(Tel.) Der Provinzial= ausschuß hat beschlossen, der Staatsregierung die Einberufung des Provinziallandtages zum 7. April vorzuschlagen. Leverkusen— nicht mehr Wiesdorf. wp. Wiesdorf, 13. Febr.(Tel.) Der Wiesdorfer Stadtrat nahm am Donnerstag abend nach mehrstündiger Aussprache gegen die Stimmen der Nationalsozialisten und Kommunisten den Namen Leverkusen an. Der Eingemeindung der Gemeinde Schlebusch stimmte die Versammlung zu, Damit ist die Zusammenlegung endgültig beschlossen. Die Post der„München“ gerettet. enb. Berlin, 13. Febr.(Tel.) Bei dem Brandunglück, das den Dampfer„München" betraf, ist, wie wir aus Kreisen der Postverwaltung erfahren, keine Post verloren gegangen. Sowohl die Pakete wie die Geldbriefe und Sendungen aller Art sind gerettet. Das Schicksal des Professors Drexel. wtb. Frankfurt a. M., 13. Febr.(Tel.) Der seit Samstag vermißte Archävloge Pros. Dr. Drexel, ist, wie die polizeilichen Ermittlungen ergeben haben, noch am Leben und irrt in der Umgebung von Frankfurt umher. In verschiedenen kleineren Ortschaften wurde er von einer Anzahl Personen einwandfrei erkannt. Wo er übernachtet und wie er sich ernährt, ist vorläufig ein Rätsel. Der Dorfbrand in Oefingen. wtb. Donaueschingen, 13. Febr.(Tel.) Der Brand im Pfarrdorf Oefingen, der angelegt sein soll, kann heute als gelöscht angesehen werden. Unter den 22 abgebrannten Gehöften sind große Anwesen. Die Verluste an Inventar, Futter und Getreide sind entsprechend schwer. Das Großvieh konnte so gut wie vollzählig geborgen werden, dagegen sind Schweine, Ziegen und Federvieh in erheblichem Umfange verloren gegangen. Vom Brande betroffen wurden auch das Gasthaus„Zur Sonne“ und zwei Bäckereien, die ebenso wie die meisten Anwesen im westlichen Teil des Dorfes lagen. Oesingen hat 900 Einwohner und liegt hart an der badisch=württembergischen Grenze, nordöstlich von Donaueschingen, in der sogenannten Baar. Spionageprozeß in Thorn. wib Warschau, 13. Febr.(Tel.) Wie dem Expreß Poranny aus Thorn berichtet wird, ist vor dem dortigen Berufungsgericht der Beamte der Thorner Vereinsbank, Heinz Glitz, wegen Spionage zugunsten eines der Nachbarstaaten Polens zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Schwere Unwetter in Sardinien. wtb. Rom, 13. Febr.(Tel.) In Sardinien sind wiederum schwere Unwetter niedergegangen. Ein großer Teil der Felder wurde überschwemmt. Mehrere Häuser sind infolge des Eindringens von Wasser eingestürzt. Bei einem Flußübergang sind zwei Personen von der Strömung fortgerissen worden und ertrunken. In einem Ort in der Nähe von Cagliari ist der Glockenturm und die Vorderseite der Kirche eingestürzt. Der Schaden ist in seiner Höhe noch nicht zu übersehen. Auch in Süditalien hat das Unwetter großen Schaden angerichtet, so besonders in der Gegend von Mascali, die bereits durch den letzten Ausbruch des Aetna stark verwüstet worden war. Siebstatt=Einer Amder. wtb. Berlin, 13. Febr.(Tel.) Heute vormittag begab sich eine Frau Martha Schüler aus der Fulda=Straße 46 in Neukölln nach dem Neuköllner Rathaus, um sich dort von der Wohlfahrtsstelle Rentengeld abzuholen. Sie ließ während der kurzen Zeit ihr Kind, einen sieben Monate alten Knaben, in einem Kinderwagen vor dem Rathause. stehen. Als sie zurückkehrte, war der Kinderwagen, samt dem Knaben verschwunden. Das gestohlene Kind wiedergefunden. wtb Berlin, 14. Febr.(Funkspruch.) Das am Donnerstagmittag im Rathaus in Neukölln gestohlene sieben Wochen alte Kind wurde am Abend durch einen Schupo ermittelt und der Mutter wieder zugeführt. Das Kind war von einem 19= jährigen Mädchen, das anscheinend etwas geistesschwach ist, weggenommen worden. Die Mutter des Mädchens, die ihre Tochter auf der Straße traf, war gerade auf dem Wege zur Polizei, als der Wagen mit dem Kind von einem Schupo erkannt wurde. Der Beamte nahm Mutter, Tochter und das geraubte Kind mit zur Polizei, wo das Mädchen unter Tränen seine Tat eingestand. Tähtfsaso=Watirrast. Die Entscheidung des bayrischen Staatsgerichts hofes. Die Artikel 42 und 58 des bayrischen Landeswahlgesetzes verfassungswidrig. wtb. München, 13. Febr.(Tel.) Der bayrische Staatsgerichtshof hat nach eingehenden Beratungen in der Frage der Versassungsmäßigkeit des bayrischen Landeswahlgesetzes folgende Entscheidung ergehen lassen: Die Artikek 42 und 58 des bayrischen Landeswahlgesetzes in der Fassung vom 30. März 1928 verstoßen gegen die Reichsverfassung. Die vom Verfassungsgerichtshof beanstandeten Artikel des Wahlgesetzes betreffen die Bestellung der 15 Landtagsabgeordneten, die bekanntlich nach dem Gesamtstimmenverhältnis von den Vertrauensmännern der einzelnen Parteien bestimmt werden. Der Landtag hat nunmehr auf Grund der Entscheidung des Staatsgerichtshofes die Wahlprüfung vorzunehmen. Er wird auch nicht umhin können, das Landeswahlgesetz entsprechend der Entscheidung des Staatsgerichtshofes abzuändern. Die Folgen des Urteils. wtb. München, 13. Febr.(Tel.) Zu der Entscheidung des bayrtschen Staatsgerichtshofes, daß die Landesmandate zum bayrischen Landtag gegen die Reichsversassung verstoßen, liegt die Begründung noch nicht vor. Sie wird erst in einiger Zeit der Oeffentlichkeit übergeben werden. Die nun geschaffene Lage ist im Landtag lebhaft besprochen worden. Es trat die allgemeine Ansicht zutage, daß eine Landtagsauflösung nicht in Frage komme, da an der Rechtsgültigkeit der Zusammensetzung des jetzigen Landtages, ausgenommen die Landesmandate, nicht zu zweifeln sei. Die offizielle Korrespondenz der bayrischen Volkspartei weist darauf hin, daß die 15 für verfassungswidrig erklärten Landtagsmandate noch nicht ohne weiteres ungültig seien. Nach ausdrücklich erklärter Meinung des Staatsgerichtshofes hätten die Abgeordneten ihr Amt solange auszuüben, bis das zuständige Wahlprüfungsgericht entschieden hat. Dieses sei in Bayern der Wahlprüfungsausschuß des bayrischen Landtages. Von den 15 Landesabgeordnetensitzen, die nach dem Urteil nach einer nicht verfassungsmäßigen Bestimmung verteilt sind, entfallen 6 auf die bayrische Volkspartei, 5 auf die Sozialdemokraten, 2 auf den Landbund, 1 auf die Deutschnationalen und 1 auf die Nationalsozialisten. CNB. Berlin, 13. Febr.(Tel.) Zu dem Urteil des bayrischen Staatsgerichtshofes in der Angelegenheit der bayrischen Wahlen wird hier von maßgebender Seite darauf hingewiesen, daß es in Bayern keine Landeslisten gibt. Vielmehr haben die Parteien das Recht, nachträglich beliebige Per sonen zu Abgeordneten zu ernennen. Diese Ernennung sei jetzt vom Staatsgerichtshof als versassungswidrig erklärt worden. Aus diesem Urteil Schlüsse auf die Zulässigkeit der preußischen Landeslisten oder der Reichslisten zu ziehen, sei nicht berechtigt. Urteil im Mordprozeß Axelsen. wib Lüneburg, 14. Febr.(Funkspruch.) In dem Prozeß gegen den Seemann Peter Axelsen, der angeklagt ist. Anfang November 1922 in Buenos Aires an der Ermordung zweier argentinischer Händler beteiligt gewes zu sein und beide beraubt zu haben, fällte das Lüneburger Schwurgericht kurz nach Mitternacht das Urteil. Axelsen wurde wegen schweren Raubes in Tateinheit mit Tötung zu 15 Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf zehn Jahre verurteilt. Axelsen war seiner Zeit in Argentinien verhaftei und nach einer Untersuchungshaft von 1 Jahr 5 Monaten und 28 Tagen zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt worden; er war aber auf dem Transport entwichen und nach Deutchland geflüchtet, wo am 16. Mai 1927 die Untersuchungshaft wegen dieser ihm zur Last gelegten Taten über ihn verhängt wurde. Die Haft in Argentinien, sowie die gesamte Haft in Deutschland werden Axelsen auf die 15 Jahre angerechnet. Die Verteidigung wird Revision beim Reichsgericht einlegen. Das Reichskabinett beschließt Roggenhilfe. enb. Berlin, 14. Febr.(Eigene Meldung.) Nach Informationen aus parlamentarischen Kreisen hat das Reichskabinett gestern dem Vorschlag des Reichsernährungsministers Dietrich zugestimmt, 20 Millionen Mark für die Magazinierung von Roggen bereitzustellen. Es handelt sich dabei um eine Notmaßnahme für die Landwirtschaft, durch die der Roggenpreis gestützt wird. Haftpflicht der Reichsbeamten bei Etatsüberschreitungen. enb. Berlin, 14. Febr.(Funkspruch.) Nach einer Meldung des Sozialdemokratischen Pressedienstes ist dem Reichstag der Bericht des Haushaltsausschusses zugegangen, der sich mit der Prüfung der Einzelabschlüsse des Etats für 1928 beschäftigt. In diesem Bericht verlangt der Ausschuß vom Reichstag, daß für eine ganze Reihe von Haushaltsüberschreitungen und außerplanmäßigen Ausgaben, die von den verschiedenen Verwaltungen während des Etatsjahres 1928 getätigt worden sind, die gesetzlich erforderliche Genehmigung versagt wird. Die Folge der Nichtgenehmigung einer solchen Haushaltsüberschreitung ist, daß der für die Ueberschreitung verantwortliche Beamte gezwungen werden kann, aus eigenen Mitteln für den Verlust aufzukommen, den das Reich durch die Mehrausgabe erleidet. Die Angelegenheit Böß vor den Stadtverordneten. wtb Berlin, 14. Febr.(Funkspruch.) Die Stadtverordnetenversammlung nahm nach Beratung der Pensionsangelegenheit Böß unter Ablehnung aller anderen Anträge einen deutschnationalen Antrag an, das Disziplinarverfahren gegen Böß rücksichtslos und schnell durchzuführen, mit dem Zwecke der Amtsenthebung ohne Ruhegeld. Für den Antrag stimmten die Rechtsparteien und die Kommunisten. Ab heute Droschkenstreik in Berlin. enb. Berlin, 14. Febr.(Funkspruch.) Die Verhandlungen vor dem Schlichter über die Beilegung des Lohnstreites im Droschkengewerbe sind gescheitert. Aus diesem Grunde beschlossen, laut Berl. Tagebl., die Gewerkschaften gestern abend den Droschkenstreik für Großberlin. Der Streik soll bereits heute morgen beginnen. Die deutsch=französischen Saarverhandlungen. wtb Paris, 14. Febr.(Funkspruch.) Ueber die deutsch=französischen Saarverhandlungen wurde folgender Bericht ausgegeben: Die zweite Unterkommission ist am Donnerstag im Handelsministerium zusammengetreten, um Fragen des Handels und des Zollregimes zu prüfen. Es wurde beschlossen, in einer weiteren Zusammenkunft, deren Zeitpunkt noch festgesetzt werden soll, die Prüfung fortzusetzen. Zwischenfälle in Barcelona. wib Paris, 14. Febr.(Funkspruch.) Einer Havasmeldung zufolge sind bei Zwischenfällen, die sich in Barcelona am Dienstagabend nach Schluß des Theaters ereigneten, fünf Studenten verletzt worden. Die Studenten hätten angekündigt, daß sie einen Generalstreik der Studenten proklamieren würden, wenn der Zivilgouverneur von Barcelona nicht binnen 48 Stunden abberufen werde. Freiwillige Feuerwehr Denksagung! Für die uns beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen erwiesene Teilnahme sprechen wir allen unseren herzlichsten Dank aus. 690 Reiner Brasil-Kaffee Pfund 2.20 Samstag. 15. Februar 1930,„Im Reiche des Wassers“ A. Jakob- Dammhorst Landesprodukte Schwerte=Ruhr am Bahnhof Telefon 2937 Empfehle prima schrot, Weizenkleie, Weizenkeime, Fischmehl. Schwerte, den 14. 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Fenkprogramm der Welt! 80 Seiten für 50 PI: Mionatsbezug RN Bestellen Sie beim Postamt oder Buchhandlung Prebeheft umsonst v. Verlas Berlin N 24 Zu beziehen durch die Buchhandlung Carl Braus, Schwerte, Bahnhofstr. 3 Empfehle prima Rind- und Schweinefleisch ff. Uurst umd Aufschnitt 313 Ein besserer Herr muß seine Wäsche wechseln. Man wußte auch bisher, daß ein„beßerer“ Herr wöchentlich mindestens zweimal regelmäßig seine Leibwäsche wechsein müsse. Nur der Hauswirt Leopold Kovacs In Vudapest wollte seinem Mieter, dem Bankbeamten Paul Saß, dieses nicht gestatten. Herr Kovacs hatte nämlich Herrn Saß dessen Dreizimmer=Wohnung gekündigt, und das Mieteinigungsamt wider Erwarten dem Hausbesitzer Recht gegeben. Der Bankjüngling sollte seine bisherige ebau##ng räumen, oder aber sofort die rückstänoige Miete bezahlen. Er tat aber weder das eine noch das andere und prozessierte weiter. Bevor noch die höheren Instanzen ihr Urteil gefällt hatten, lief die vom Mieteinigungsamt gesetzte Frist ab, und der Wirt machte von seinem Rechte Gebrauch, indem er Hab und Gut des bockigen Micters pfänden ließ und die Wohnung versiegelte. Nicht nur die Möbel, sondern auch die gesamte Wäsche von Saß befanden sich in der abgesperrten Behausung. Der Hinausgeworfene bat nun seinen Gegner um die Erlaubnis, wöchentlich zweimal seine ehenalige Wohnung betreten zu dürfen, um sich seiner schmutzigen Wäsche zu entledigen.„In meinem Hause werden Sie keine Wäsche mehr wechseln", wies ihn Kovacs brüsk ab.„Auf diese Weise wollen Sie mir mit der Zeit eine Menge Hemd.n, Stümpfe Taschentücher und dergleichen mehr fortschleppen, und ich hätte dann noch weniger Aussicht, zu meinem Gelde zu gelangen.“ Der neue Streit kam ebenfalls vor den Kadi, und dieser verkündete rechtskräftig, daß„Im Namen des Königreichs Ungarn“ jeder bessere Herr geradezu gezwungen wäre, wöchentlich mindestens zweimal seine Wäsche zu wechseln. Dies sei schlechthin unvermeidlich, und dem Kläger werde das Recht zugesprochen, an jedem Dieustag und Sonnabend die versiegelte Wohnung zu betreten, um sich daselbst auf die geschilderte Weise zu erneuern. Allerdings könne der Hauswirt darauf bestehen, daß diese wichtige Aktion in seinem Beisein erfolge, und überdies seien die gebrauchten mit oder ohne Mittagessen zu vermieten. 633 Näheres in der Geschästsstelle dieser Zeitg. Schwerte-Brückstr. 8 Empfehle la gewalzten und ungewalzten Zwangsversteigerung Im Wege der Zwangsvollstreckung werde ich am Samstag, den 15. Febr. 1930, 10 Uhr, im Lokal Möller(Westenstraße) in Schwerte 1 Klavier,„Krause“. 1 Schuhmacher=Nähmaschine 1 Schreibmaschine öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. 639 Schwerte, 14. Febr. 1930. Kubon, Gerichtsvollzieher kr. A. Leupin-Creme lausendtach bewahrt bei in größter Auswahl aller Systeme Rahmaschileichnur Fen. Jos. Elsing, Hagenerstr. 8, Tel. 2896. Auto-Fahrten bei Tag und Nacht sind billig bei 3019 Rud. Stücke, Schwerte Moltkestraße 23. Telefon 2400. Zämtliche Bücher zugelaufen. Der Hund ist dem Finder v. Kabel aus nachgelaufen. 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Eine führende Tageszeitung der Vereinigten Staaten erinnerte kürzlich an die Tatsache, daß die amerikanische Delegation, welche die Schulden Frankreichs an die Union festzusetzen hatte, den Dollar mit 50 Cent dieser Berechnung zu Grunde legte, weil sie die Ansicht vertrat, aß Frankreich sonst unter seiner Schuldenlast zusammenbrechen würde. Umso befremdlicher mußt; demnach die amerikanische Oeffentlichkeit eine jüngst verbreitete Kabelmeldung berühren, der zufolge nach der Ankunst von 43 200 000 Dollir in Gold im Hasen von Cherburg Frankreich nunmehr, auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, unbestritten die größte Goldreserve in der Welt besitzt. Nach den großen New Yorker Börsenkrachs im Herbst vorigen Jahres, als sowohl in Europa als auch in Amerika die Diskontsätze am höchsten standen, zeigt die Kurve der Diskonten in fast allen großen Ländern eine fallende Tendenz. Zu Beginn des Jahres hatte London seinen Diskontsatz bereits in drei Etappen von 6½ auf 5 Prozent ermäßigt und New York den seinen von 6 auf 4½. Berlin notierte damals noch 7 Prozent, Amsterdam 4½. Im Gegensatz zu den großen internationalen Geldmärkten stand Paris, dessen offizieller Diskontsatz seit einfang 1918 mit 3½ Prozent beständig geblieben war. Im Laufe des Januar wurden von London aus weitere Diskontermäßigungen in Aussicht gestellt für den Fall, daß sich auch in Paris eine abgleitende Tendenz bemerkbar machen würde. Das allgemeine Interesse der Finanz= welt richtete sich damit in erhöhtem Maße auf die Diskontpolitik der Bank von Frankreich, die es während der letzten Jahre auf jede nur erdentliche Weise verstanden hatte, frei gewordene Goldvorräte aus aller Welt an sich zu rafsen. Betrug der Goldbestand dieser Bank am 31. Juli 1928 noch 29,918 Milliarden Franken, so war er bereits ein Jahr später auf 37,300 Milliarden gestiegen und kletterte dann im Laufe eines weiteren halben Jahres Ende Januar auf 42,831 Milliarden Franken. Die Goldsendungen Amerikas nach Europa bleiben größtenteils in Paris. Auch London erhielt davon seinen Anteil, doch mußte die Bank von England, um den Psundkurs gegenüber dem goldgesätteten Franken halten zu können, wiederholt ihre eigenen Goldbestände angreifen. Diese erreichten im Oktober vorigen Jahres unter der Einwirkung der New Yorker Kursstürze annähernd eine Höhe von 133 Millionen Pfund aber noch nicht die offizielle festgesetzte Minimalgrenze von 150 Mlilionen Pfund. Nach einer kurzen Stagnationsperiode erfolgte endlich um die Jahreswende ein erneuter Auftrieb. Mit einem Goldbestand von 146,1 Millionen Pfund trat England ins neue Jahr und steigerte diesen innerhalb von zwei Wochen auf 150,7 Millionen Pfund, einen Bestand, den sie sich seitdem, von kleineren Schwankungen abgesehen, erhalten konnte. Die damals jedoch noch verhältnismäßig schwache Stellung des Pfundes gegenüber dem Franken, der Reichsmark und dem Dollar zwang jedoch die Bank, von weiteren Diskontermäßigungen vorerst abzusehen. Selbst ein so zuverlässiges Wirtschaftsbarometer wie der„Economist“ meldete noch am 1. Februar, daß die internationalen Geldmärkte aufgehört hätten, mit weiteren Diskontermäßigungen zu rechnen, weil die Kurse der wichtigsten Währungen eine solche in keiner Weise rechtfertigten. Und dennoch erfolgten weitere Ermäßigungen. Am 30. Januar ermäßigte die Bank von Frankreich ziemlich unvermutet ihren Diskont von 3½ auf 3 Prozent und stärkte damit indirekt den Kurs des Psundes. Einige Tage danach folgte Berlin mit einer Diskontermäßigung von 6½ auf 6 Prozent. Nun war auch für die Bank von England die Möglichkeit gegeben, das Beispiel der Reichsbank und der Bank von Frankreich zu befolgen. Sie senkte den Diskonsatz auf 4½ Prozent. Worauf New York sofort auch seinerseits den Diskont auf 4 Prozent ermäßigte. So bedeuten denn alle diese Vorgänge auf eine Auflockerung des internationalen Geldmarktes, der infolge der lange Zeit künstlich aufrecht erhaltenen hohen Diskontsätze eine Versteifung erfahren hatte, die sich fast in allen größeren Ländern mit Ausnahme von Frankreich ungünstig auswirkte. Das im Juni 1928 der Kammer vorgelegte Stabilisierungsgesetz Poincares besagt u. a. laut Artikel 3:„Die Bank von Frankreich wird gehalten, die Banknoten gegen Gold auszutauschen, allerdings am Sitz der Bank. Ein solcher Austausch kann jedoch nur in geringen Grenzen erfolgen. Die Bank ist dagegen verpflichtet, Gold und Silber in allen Zweigstellen zum neu festgesetzten Frankenumrech= nungskurs aufzukaufen.“ Vergegenwärtigt man sich ferner, daß mehr als 20 Großbanken, die alle ihren Sitz in Paris haben, das französische Bank= und Geldwesen beherrschen — ihr Unterschied von der Bank von Frankreich ist sozusagen nur ein gradueller— und von diesen französischen Großbanken rund 150 Bankinstitute in Europa, Amerika, Asien und Afrika mehr oder weniger abhängig sind, so erhellt daraus die Oligarchie der lapitalkräftigen französischen Bankiers und Finanzmänner und ihre Bedeutung im internationalen Bankund Börsenwesen der Gegenwart. Infolge seiner beträchtlichen Auslandsguthaben, die den Kurs des Franken sehr vorteilhaft beeinflussen, ist Frankreich heute der größte Goldimporteur der Welt. Es ist dank seiner Stellung als Hauptnutznießer unserer Tributzahlungen imstande, die Auslandsguthaben mühelos für sich in der Welt arbeiten zu lassen. Wieweit England und die Vereinigten Staaten gewillt sein werden, diese Auswärtsenwicklung Frankreichs, das auf dem besten Wege ist, auf den internationalen Geld= und Kapitalmärkten die führende Rolle zu spielen, zu dulden, muß die Zukunft erweisen. Namen auf dem Theaterzettel nicht finden würden.“ * Reichsbahndirektion im Jahre 1930 Der Anfang Januar regelmäßig zu beobachtende Verkehrsrückgang infolge Aufstellung der Inventuren und Bilanzen in Handel und Industrie und die damit verbundene allgemeine Geschäftsstille machte sich in diesem Jahre wiederum bemerkbar. Gegen Mitte des Monats hob sich der Güterverkehr wieder etwas. Die Gesamtzahl der abgelieferten Frachtbriefe war gegenüber dem Vormonat im ganzen genommen um 6,9 Proz. und auf einen Arbeitstag bezogen, um 14,1 Prozent geringer. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres wurden jedoch 1,2 Prozent mehr Frachtbriefe abgefertigt. Die Zahl der behandelten Stückguttonnen war auf einen Arbeitstag bezogen um 13,0 Prozent geringer als im Vormonat. Die Zahl der arbeitstäglich gestellten Wagen fiel von 9078 im Dezember auf 8728 im Januar gleich 3,9 Prozent; gegenüber Januar 1929 wurden 2,1 Prozent mehr Wagen gestellt. Auch der Personenverkehr ist im Monat Januar weiter zurückgegangen. An Fahrkarten wurden gegenüber dem Vormonat 4,85 Prozent und gegenüber Januar 1929 2,18 Prozent weniger ausgegeben. Der Grund für den Rückgang ist in erster Linie in der weiteren Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage zu suchen. Die dadurch vermehrte Arbeitslosigkeit beeinflußte vor allem den Verkehr. Die Zahl der abgefertigten Gepäck= und Expreßgutsendungen fiel gegenüber dem Vormonat Dezember 1929 um ctwa 30 Prozent. Der Grund liegt einmal darin, daß der Monat Dezember vor den Weihnachtstagen immer die höchsten Verkehrszahlen im Erpreßgulverkehr aufweist und weiter darin, daß während der alljährlich im Monat Januar stattfindenden Inventurausverkäufe der Zugang von neuen Waren stockt. Gegenüber Januar 1929 war im päck= und Expreßgutverkehr eine geringe Steigerung von 0,67 Prozent zu verzeichnen. Der Betrieb hat sich glatt abgewickelt und der gesamte Güter= und Personenverkehr konnte ohne Stockungen bewältigt werden. Infolge der immer wiederkehrenden Mißstände im Scheckverkehr, namentlich was die Vordatierung von Schecks aubetrifst, hat nun das Reichsinstizministerium auf eine von Banken und wirtschaftlichen Spitzenverbänden erhaltene Eingabe einen Entwurf zur Aenderung des Scheckgesetzes vorbereitet. Inzwischen ist, nachdem die Zustimmung des Reichsrates erfolgt ist, dieser Entwurf zur Aenderung des Scheckgesetzes dem Reichstag zugegangen. Vordatierte Schecks sind bekanntlich nach§ 29 des Scheckgesetzes stempelpflichtig. Aber diese Bestimmung hat, wie die Entwicklung gezeigt hat, völlig versagt. Die Vordatierung der Schecks hat namentlich in den Jahren seit dem Kriege in erheblichem Umfange zugenommen. Als wesentlicher Grund für die Vordatierung von Schecks wird angeführt, daß der Aussteller durch eine Verlängerung des Umlaufs eine Freitag, 14. Februar 1930 Zahlungsfrist auf Kosten des Scheckempfängers zu gewinnen sucht. Eine solche Handhabung führt aber nur dazu, ungedeckte Schecks zur Ausgabe zu bringen, weil die Aussteller häusig davon ausgehen, daß bis zum Vorkommen des vordatierten Schecks, also bis zum Ausstellungstage, die Deckung noch angeschafft werden kann. Nach dem jetzt vorbereiteten Entwurf zur Aenderung des Scheckgesetzes soll dem zu einer besonderen Blüte gelangten Mißbrauch der vordatierten Schecks ein Riegel vorgeschoben werden. Nach§ 7 des Scheckgesetzes soll in einem weiteren Absatz die Bestimmung erhalten, daß vordatierte Schecks als am Tage der Vorlegung bei der bezogenen Bank ausgestellt gelten, also ohne Rücksicht darauf, ob der Scheck einen späteren Termin als Tag der Ausstellung enthält. Hierdurch wird der Vordatierung die angestrebte befristende Wirkung genommen sein, da die neue Regelung künftighin dem Schecknehmer gestattet, den Scheck vor dem im Scheck abgegebenen Ausstellungsdatum dem Bezogenen zur Einlösung vorzulegen. Sofern also nach Inkrafttreten des Zusatz=Paragraphen weiterhin vordatierte Schecks gegeben werden, muß der Scheckaussteller mit der jederzeitigen Vorlegung des Schecks rechnen. Vordatierte Schicks werden auch künftighin von der Stempelpsiicht befreit werden müssen, da nach dem neuen Gesetzentwurf dem Mißbrauch der Vordatierung von Schecks in genügender Weise vorgeheugt wird. Hierzu bedarf es aber noch einer Aenderung der diesbezüglichen gesetzlichen Besiimmungen. Der schwierige Der Nachweis der Staatenlosigleit ist mitunter schwierig. Die Beteiligten wissen vielfach nicht, an welche Behörde sie sich zu wenden haben. Es wird ihnen jetzt geralen, beim Regierungspräsidenten die Feststellung und Bescheinigung der Staatenlosigkeit zu beantragen. Für die Bescheinigung ist eine Verwaltungsgebühr von 100 Mark zu entrichten. Bei Bedürftigkeit oder aus Billigkeitsgründen kann sie auf Antrag ermäßigt oder erlassen werden. Ausländische Behörden hatten sich darüber beklagt, daß einander widersprechende Bescheinigungen deutscher Behörden über den Besitz oder Nichtbesitz der Staatsangehörigkeit eines deutschen Landes unterbreitet worden sind. Die Bescheinigungen waren z. T. von Behörden ausgestllt, die dafür gar nicht zuständig waren. In Preußen sind nur die Regierungspräsidenten sowie die Polizeipräsidenten in Berlin, Wiesbaden und Frankfurt a. M. zuständig. Auch nur diese dürfen Bescheinigungen über Verlust oder Nichtbesitz der Staatsangehörigkeit erteilen. Keine Aufenthaltsgebühren mehr in und In den Niederlanden werden von deutschen Reichsangehörigen weder Aufenthaltsgebühren noch sonstige Melde= oder Registriergebühren erhoben. Die Polizeibehörden sind deshalb jetzt ersucht worden, von niederländischen Staatsangehörigen für die Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen die Verwaltungsgebühren mit 2 oder 5 A nicht mehr zu erheben. Heiteres von G. W. Beyer. * Im Konzertsaal. Der Tenor legt sein ganzes Gefühl, sein ganzes großes Herz in seine Stimme hinein. Er singt ergreifend. Den alten Damen werden die Augen feucht bei diesen Klängen aus längst vergangenen Zeiten. Doch der Höhepunkt des Liedes kommt jetzt erst. Der Tenor schlägt die Augen gen Himmel und macht ein Karpsenmaul. Seine Rechte liegt dort, wo unter der steifen Hemdbrust das übervolle Herz pocht. Die Linke fischt in der Lust herum, als suche sie nach einem Halt in diesem großen Schmerz. Und dann kommt es:„Vor Dir, Marie, möcht' ich hinknien und sterben, ste...e erben!“ Alles ist bis ins tiesste Herz ergriffen. Der Tenor am meisten. Da rust eine Männerstimme aus dem Hintergrunde:„Fräulein Marie! Ist Fräulein Marie nicht hier? Sie wird dringend auf der Bühne gewünscht!“ * Der Theaterdirektor trifft den großen Mimen, den er kürzlich erst für sein Haus verpflichtete, vor den Ankleideräumen. Ein paar Zeitungsleute unterhalten sich mit dem Schauspieler. „Guten Abend, meine Herren"= begrüßte der Direktor alle und will weiter gehen. Doch plötzlich bleibt er stehen und wendet sich an den Mimen.„Aber Verehrtester," lacht er verwundert,„wozu haben Sie Ihr Opernglas mitgebracht? Sie treten doch heute abend selbst auf und werden kaum Zeit haben, sich in die Loge zu setzen.“ „Das weiß ich“, sagte der Neue mit größter Höflichkeit.„Ich habe das Opernglas auch nur mitgebracht, weil die Herren hier sonst meinen Die junge Sopranistin ist zum ersten Male aufgetreten. Alles hat geklappt. Freudestrahlend empfängt sie in ihrer Garderobe eine Kollegin:„Ach, ich bin ganz glück lich. Das Publilum war sehr nett zu mir. Alle haben den Mund vor Staunen aufgerissen, als ich sang.“ „Oh“, entrüstet sich die Kollegin,„wie unhöflich vom Publikum! Hätte es nicht mit dem Gähnen warten können, bis Sie wieder abgetreten waren!" * Die zweite Liebhaberin ist empört. Sie stürmt in das Zimmer des Regisseurs. „Was“, pflanzt sie sich vor dem peinlich Ueberraschten auf.„Es soll in der Trinkszeue heute abend keinen echten Sekt mehr geben! Dann kann ich nicht spielen! Verstehen Sie?" „Ja“, sucht der Regisseur hinter seinem Schreibtisch Schutz.„Aber beruhigen Sie sich doch, Verehrteste. Sie sollen Ihren Sekt haben, damit Sie die Trinkszene lebenswahr spielen können. Doch nur unter einer Bedingung. Auch Ihre Sterbeszene nachher muß echt sein!" Auf der Schmierenbühne soll„Ali Baba und die vierzig Räuber“, gegeben werden. Der Wandertheaterdirektor bemüht sich, im Städtchen genügend Hilfsstationen zu bekommen, um die vierzig Räuber auch vollzählig auftreten lassen zu können. Leider haben sich in Anbetracht der geringen Entlohnung nur neun Räuber gemeldet. „Schadet nichts“ hat der Direktor einen genialen Einfall.„Ich lasse sie eben fünfmal hintereinander über die Szene laufen. Dabei kann ich sogar noch einen Statisten sparen.“ Also schickt er den neunten nach Hause:„Ich brauche Sie nicht.“ Die„vierzig“ Räuber treten auf. In so großen Abständen, daß niemand im Publikum den Schwindel merkt.„Donnerwetter“, denkt dort im Gegenteil jeder,„was bringt der Direktor eine Menge Leute auf die Bühne“ Gehorsam traben die acht Braven hinter den Kulissen herum und erscheinen wieder. Der Direktor freut sich. Die Sache klappt ja glänzend. „Karl“ schreit da eine Stimme im Zuhörerraum,„Karl, mach nicht schlapp! Einmal noch hinten herum, dann darfste abhauen und zu Hause auch den Fünfmännerstarken spielen.“ * Knapp ist krank. Schwerkrank. Seine Gattin bangt sich um ihn. Deshalb hat sie zwei Aerzte zu Rate gezogen. Leider sind sich die beiden Herren weder über die Diagnose noch über die zutreffenden Maßregeln einig. Sie geraten sich heftig in die Wolle. Knapp, der Kranke, hört nicht gerade sehr erbaut zu. Schließlich wird dem einen Arzt die Debatte zu ausgedehnt. Er erhebt sich, wirft sich überzeugt in die Brust. Sicher kommt jetzt ein Argument, das den anderen Arzt ad absurdium führt. Knapp spitzt mit aller ihm noch zu Gebote stehenden Kraft die Ohren. „Herr Kollege“, sticht der Ueberzeugte den anderen mit dem Finger moralisch tot,„Sie mögen reden, was Sie wollen. Die Leichenöffnung wird beweisen, daß ich recht hatte.“ * „Hallo!“ freut sich der Arzt, als er zu Meyer ins Krankenzimmer tritt.„Großartig sehen Sie aus, mein Lieber, ganz großartig.“ „Ja, es geht“, meint der Kranke.„Ich fühle mich verhältnismäßig wohl“. „Na sehen Sie!“ reibt sich der erfreute Arzt die Hände.„Ich habe es doch gleich gesagt, daß es Ihnen besser gehen wird, wenn Sie sich erst mit den Medikamenten genau nach der Vorschrift richten.“ „Ja“, pflichtet Meyer bei.„Sie haben recht, Herr Doktor. Auf der Arztneiflasche stand:„Gut verschlossen halten!“ ha Auskunft der Polizei an Private. Auskunst erteilt die Polizei bei Verkehrsunfällen. Deren Behörden sind befugt Tatsachen, die ihnen amtlich bekannt geworden sind, auch Privatpersonen mitzuteilen, für die aus der Nichtkenntnis dieser Tatsache eine Gefahr entstehen kann, mag diese Gefahr ihr Leben, ihre Gesundheit, ihr Eigentum oder ihre Ehre betreffen. Nach einer Anweisung an die staatlichen Polizeibehörden haben diese im einzelnen Falle zu prüfen, ob eine solche Gefährdung vorliegt. Sie sollen auch über den Umfang und den Zeitpunkt der Auskunft nach einer eingehenden Prüfung des Sachverhalts selbständig befinden. Daraus folgt, daß bei Verkehrsunfällen den Betroffenen oder deren Vertretern die Führer der in Frage kommenden Fahrzeuge und etwaige Zeugen namhaft gemacht werden können. Mit der Auskunft wird den Antragsstellern eröffnet, daß die Mitteilung ohne jede Verbindlichkeit geschieht. ha Krankheit im Urlaub. Ueber Lohnzahlung für Krantheitstage, die in die Urlaubszeit fallen, hat das Reichsarbeitsgericht ein bemerkenswertes Urteil gefällt, das jetzt vom Reichsminister der Finanzen den beteiligten Reichsverwaltungen mitgeteilt wird. Wenn Arbeiter und Angestellte während ihres planmäßigen Urlaubs erkrankt sind, erhalten sie nach dem Urteil für die Krankheitstage, die in die Urlaubszeit sallen, die vollen Bezüge. Die reichsgesetzlichen Barleistungen werden nicht abgezogen. Ebensowenig kann der festgesetzte Urlaub mit Rücksicht auf die eingetretene Erkrankung abgebrochen werden. Nach der Genesung kann der Urlaub fortgesetzt oder neu genommen werden. Kraftfahrzeugführer und Altohol Schwerte(Ruhr), den 14. Februar 1930. * In der letzten Zeit mehren sich die Verkehrsunfälle, die auf rücksichtsloses Verhalten der Krastwagenführer gegenüber dem Publikum zurückzuführen sind. Häusig ist der Grund des Unfalles, daß sich der Führer in angetrunkenem Zustande befand. Diese Beobachtungen geben dem preußischen Minister, für Handel und Gewerbe und dem preußischen Innenminister Veranlassung, in einem Runderlaß an die zuständigen Behörden mit allem Nachdruck erneut darauf hinzuweisen, daß der Führer eines Kraftfahrzeuges die Verkehrsverschriften genau zu beachten und sich, was selbstverständlich sein sollte, vor und während der Fahrt des Altoholgenusses zu enthalten hat. Kraftfahrer, die die Verkehrsvorschriften in leichtsinniger und mutwilliger Weise außer acht lassen, auf das Publikum nicht die gebührende Rücksicht nehmen und zum Altoholmißbrauch neigen, sind zu Führern von Kraftfahrzeugen ungeeignet. Ergibt sich daher bei der Untersuchung von Verkehrsunfällen, daß die Kraft'ahrzeugführer die Verkehrsvorschriften gröblch verletzt haben oder daß Alkoholgenuß die Ursache ihres pflichtwidrigen Verhaltens war, so ist regelmäßig die Fahrerlaubnis zu entziehen. Eine etwaige Wiedererteilung der Erlaubnis hat mit der größten Vorsicht und nur nach Ablauf einer längeren Bewährungsfrist zu erfolgen. Die von dem Minister des Innern gegebenen Richtlinien über den Erlaß polizeilicher Strasverfügungen und die Erteilung von polizeilichen Verwarnungen vom 28. Dezember 1928 stehen neben der Entziehung des Führerscheins einer Bestrafung der Droschkenführer wegen Uebertretung der Verkehrsvorschriften nicht entgegen. Der Kraftfahrer erhält den Führerschein erst, nachdem er eine ausreichende Kenntnis der Verkehrsvorschriften nachgewiesen hat. Ferner ist unbedingt notwendig, daß Fahrschulunternehmen und Fahrlehrer bereits bei der Ausbildung der Schüler wiederholt und eindringlich auf die genaue Beachtung der Verkehrsvorschriften, auf Enthaltsamkeit vom Alkoholgenuß, auf die Rücksichtnahme gegenüber dem Publikum und auf die Folgen, die die Nichtbeachtung dieser Vorschristen mit sich bringt, hinweisen. Durch den neuen Runderlaß werden die Regierungspräsidenten ersucht, die Fahrschulunternehmer und Fahrlehrer entsprechend anzuweisen und fortgesetzt ihr Augenmerk auf eine sorgfältige Ausbildung zu richten, ebenso, durch Vornahme unvermuteter eingehender Revisionen die ordnungsmäßige Ausbildung zu kontrollieren und gegen Unternehmer und Fahrlehrer, die sich nicht hinreichend als zuverlässig erweisen, unnachsichtlich einzuschreiten. : Gedenktage. 14. Februar: 1468 Johannes Gutenberg, der Erfinder der Buchdruckerkunst, in Mainz gestorben(geboren zwischen 1394 und 1397)— 1779 Der englische Seefahrer James Cook auf Hawaii ermordet(geboren 1728)— 1830 Der Theologe Richard Adalbert Lipsius in Gera geboren(gestorben 1892). : Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 13. Februar 1930. Das Hochdruckgebiet hat seinen Kern unter geringerer weiterer Abnahme an Höhe von Großbritannien nach Mittel= und Süddeutschland verlagert, beherrscht aber noch immer unsere Wetterlage. In Deutschland war es heute früh größtenteils bewölkt und vielfach neblig, aber trocken. Die Morgentemperaturen lagen im allgemeinen zwischen—2 und+2 Grad; nur Bayern hatte starken Frost bis zu 16 Grad. Der Kahle Asten hatte leichten Nordostwind, heiteres Wetter, 4 Grad Frost und 10 cm. Schneehöhe. Aussichten bis Samstag: Meist trocken bei wechselnder Bevölkung, nachts leichter Frost, tagsüber etwas wärmer. Goldene Hochzeit. Am heutigen Tage feiern die Eheleute Friedrich Falkenberg, Lessingstraße, im Kreise ihrer Angehörigen das Fest der goldenen Hochzeit. Den vielen Glückwünschen schließen wir die unsrigen auf das herzlichste an. Bericht über die Lage des Arbeitsamtsbezirks Schwerte. Am Stichtage wurden gezählt: Arbeitssuchende 3684(3477); Unterstützungsempfänger der Arbeitslosenversicherung 2864(2751); Unterstützungsempfänger der Krisenfürsorge 182 (182); 37 Notstandsarbeiter aus der Arbeitslosenversicherung; 11 Notstandsarbeiter aus der Krisenfürsorge. Die Auszahlung der Zusatzrente für Kriegshinterbliebene und nicht im Erwerbsleben stehende Kriegsbeschädigte für den Monat Februar 1930 findet am Sonnabend, den 15. Februar 1930, vormittags, an der hiesigen Stadtkasse statt. Bunter Abend im„Kaiserhof“. Wie in vergangenen Jahren, so veranstaltet der„Kaiserhof“ auch in diesem Jahre wieder in der Karnevalszeit seinen„Bunten Abend", und zwar morgen, Sonnabend, 8 Uhr beginnend. Die Räumlichkeiten sind dem Abend entsprechend geschmackvoll ausgestattet, und für Humor und Stimmung sorgt die verstärkte Kapelle. Ein besonderes Eintrittsgeld wird nicht erhoben, doch müssen die Eintrittskarten, die allein zum Eintritt berechtigen, bis heute, Freitag abend, im Kaiserhof abgeholt werden. Wir verweisen auf das heutige Inserat und können einen Besuch der Veranstaltung nur empfehlen. Freiwillige Feuerwehr Schwerte. Wie durch Anzeige bekannt, feiert die Freiw. Feuerwehr Schwerte in diesem Jahre auch ihren Karneval. Die ausgehängten Plakate besagen soweit alles, z. B. daß nur Kinder über 16 Jahren Zutritt haben, desgleichen wird das Motto:„Du lachst die daut" voll und ganz seine Wirkung finden. Wer seine Sorgen wenigstens für kurze Zeit vergessen will, der lenke seine Schritte am Samstag, den 15. Februar, zum„Reiche des Wassers". Die Kasse ist von 7 Uhr abends ab geöffnet. Evangelisationsvorträge. Zur Zeit werden im evgl. Gemeindehause mehrere Evangelisationsvorträge gehalten; Referent ist Herr Kreuels=Arnsberg. Er wird heute abend 8 Uhr über das Thema„Gibt es einen Gott?“ und am Sonntag, den 16. Febr., zur gleichen Zeit sprechen über„Christus starb für Dich!" Jedermann ist herzlich zu diesen Vorträgen eingeladen. Aus der kath. Gemeinde. Am Sonntag, den 16. ds. Mts., wird in der Handarbeitsschule(Haselackstraße) ein Termin zur Zahlung der letzten Rate der Kirchensteuern für 1929 abgehalten und zwar in der Zeit von 9 bis 12 Uhr. Für die Außenbezirke sind folgende Termine angesetzt: Westhofen am Dienstag, den 18. ds. Mts., von 10,30—12 Uhr in der Wirtschaft Schulte; Holzen am gleichen Tage von 1—2,30 Uhr in der Wirtschaft Schneider; Lichtendorf am Donnerstag, den 20. ds. Mts., von 10,30—12 Uhr im Lokale Wiemhoff aus dem Eichholz; Geisecke am gleichen Tage von 1,30—3 Uhr bei Schulte=Höppe. + Verbandsfest der kath. Vereine. Im Vereinshause lagte vorgestern abend der erweiterte Vorstand des Verbandes der kath. Vereine. In der Hauptsache galt die Besprechung der Feier des diesjährigen Verbandsfestes, welches, wie wir schon kürzlich mitteilten, mit der Feier des 40jährigen Jubiläums des Arbeitervereins„St. Stephanns“ verbunden werden soll. Das Fest selbst soll am Sonntag, den 20. Juli„Im Reiche des Wassers" gefeiert werden und zwar unter Teilnahme der Arbeitervereine des Dekanatsverbandes. Das Programm ist bereits in großen Umrissen festgelegt. Danach wird die Feier durch einen Festgottesdienst vormittags eingeleitet. Als Festprediger ist der Diözesanpräses Marx=Paderborn in Aussicht genommen. Für den Nachmittag ist zunächst ein Festzug vorgesehen, danach Doppel=Konzert im Saal und Garten des Festlokals, ein Festalt mit einem namhaften Redner, Vorträge der„Cäcilia", Darbietungen der Deutschen Jugendkraft usw. Auf Einzelheiten werden wir noch zurückkommen. Aus dem Wenn Frauen Seitensprünge machen. Bei einem hiesigen Arbeiter, saßen am Abend des 10. Oktobers einige seiner Freunde in gemütlicher Sitmmung. Zur Gemütlichkeit gehören auch Schnaps und Zigarren. Der Arbeiter gab seiner Frau Therese den Auftrag, diese herbeizuschaffen. Die Frau ging und kam nicht wieder. Erst am andern Morgen stellte sie sich in ihrer Wohnung wieder ein. Der Mann ersuchte darauf seine Frau, nun dahin zu gehen, wo sie die Nacht gewesen wäre. Darauf erzählte sie ihrem Mann folgendes: Sein Freund S., der mit zu den Abendgästen gehört hatte, habe sie auf der Straße getroffen, sie in den Wald geschleppt und ihr dort zu wiederholten Malen Gewalt angetan. Die letzten Stunden habe sie, da sie Angst vor ihrem Manne gehabt habe, auf dem W.C. zugebracht. Der Mann glaubte ihr scheinbar, verlangte aber, daß sie sofort zur Kriminalpolizei gehe und dort Anzeige erstatte. Das tat die Frau. Sie gab dem Beamten haarklein eine Schilderung der Vorgänge der vergangenen Nacht und stellte Strafantrag. Gleich die ersten Vernehmungen schienen der Kriminalpolizei so belastend für Frau Therese, daß die Untersuchung nun auch in anderer Richtung geführt wurde, mit dem Ergebnis, daß S. außer Verfolgung gesetzt wurde, daß aber gegen Frau Therese wegen wissentl. falscher Anschuldigung Anllage erhoben wurde. Die Angelegenheit wurde vom Schöffengericht 2b in Hagen verhandelt. Die Angeklagte gab ihre Schuld zu, versuchte aber, dem Gerichtshof eine neue Räubergeschichte aufzutischen. Sie habe, als sie den Schnaps und die Zigarren holen wollte, eine Freundin getroffen, die in Hennen wohnt. Sie habe diese nach Hennen begleitet und sei dann wieder nach Schwerte gegangen. Inzwischen habe sie Angst bekommen vor ihrem Mann und tatsächlich den Rest der Nacht auf dem Klosett zugebracht. Der Vorsitzende des Gerichts hielt der Angeklagten vor, daß es ein starkes Stück sei, dem Gerichtshof diese Räubergeschichte zu erzählen. Es stehe aber nicht zur Anklage, wo sie die Nacht gewesen sei. Bestraft müsse sie für die niederträchtige Verleumdung eines ehrlichen Mannes werden. Nur ihrem Geständnis und der Angst vor ihrem Manne habe sie zu verdanken, wenn sie mit der Mindeststrafe von 1 Monat Gesängnis davon käme. Das Gericht sprach dem Verleumdeten auch Publikationsbefugnis zu. ihrer Bekenntnisse betont. Die staatliche Bindung habe gehemmt und zur Flucht in die Idee von der unsichtbaren Kirche geführt. Jetzt gelte es, die staatsfreie Kirche als sichtbare Verkündigung der Realität Gottes zu bauen. Fundament und Norm können nur Gottes Wort, die lebendige Stimme des Evangeliums sein, daß den rechten Ausgleich zwischen Objektivem und Subjektivem gebe und die Kirche zum lebendigen Organismus gestalte, in dem jeder sich seiner Gliedschaft und Dienstpflicht am Ganzen bewußt sei. Sache der Pfarrerschaft sei es, unter freiwilligem Verzicht auf allen Richtungsstreit und alles Außenseitertum unter dem Banner der Kirche zusammenzustehen und sich von der auf Gottes Wort gegründeten Kirche die Autorität und den Mut geben zu lassen, die der Individualismus allein nicht geben könne. ha Mehr Lehrerinnen. Die Bildung und Erziehung der Mädchen in der Volksschule wünschte der Landtag vorwiegend in die Hände von Frauen legen zu lassen. Vor allem soll der biologische und der hygienischen sowie der Turn= und Sportunterricht für Mädchen Lehrerinnen übertragen werden. Für die stärkere Durchsetzung des Lehrkörpers mit Frauen will der Volksbildungsminister vorläufig von einer grundsätzlichen Regelung absehen. In den nächsten Jahren werde der vorübergehende Lehrermangel ohnehin eine stärkere Verschiebung des Verhältnisses zwischen Lehrer= und Lehrerinnenstellen zu Gunsten der Lehrerinnen bringen. In einzelnen Bezirken werde sich ein Mangel an evangelischen Schulamtsbewerbern bald bemerkbar machen. Nicht nur in den größeren Schulsystemen werde in vielen Fällen eine stärkere Beschäftigung nötig sein. Selbst an Schulen mit zwei Lehrkräften soll bei der Erledigung oder Neugründung von Stellen sorgfältig geprüft werden, ob nicht eine der beiden Stellen in eine Lehrerinstelle umgewandelt oder als solche errichtet werden kann. ha Merkblatt für Versorgungsanwärter. Für die Bewerbungen der Versorgungsanwärter um Stellen in der Reichsfinanzverwaltung hat der Präsident des Landesfinanzamts in Hannover ein neues Merkblatt herausgegeben. Weitere Blätter können gegen Erstattung der Unkosten von 3 Pfg. für das Stück bei der Behörde in Hannover angefordert werden. Ueber den Inhalt des Merkblattes haben die fürsorgenden Beamten der Schutzpolizei die Beamten zu belehren, die mit dem Polizeiversorgungsschein ausgeschieden sind oder ausscheiden „Westfälischer Pfarrertag 1930 Die westfälische evangelische Pfarrerschaft hielt ihre Jahrestagung am 10. und 11. Februar in Dortmund ab. Bei den satzungsgem. Neuwahlen wurde der Vorsitzende, Superintendent Niederstein, erneut gewählt. Zur terstützung der notleidenden ev Geistlichen in Rußland und Oesterreich und für die Wohlfahrteinrichtungen wurden besondere Umlagen beschlossen. Ueber„Dorfkirchenbewegung und Industrieund Vorstadtgemeinde“, sprach der bekannte Schriftleiter der„Dorfkirche" D. v. Lüble. Er führte u a. aus: Das jedem Volk gegebene besondere Volkstum d. h. die besondere gemeinsame Scelenmacht, zu der auch die ererbten und assimilierte schriftlichen Einflüsse gehörten, gebe ihm zugleich seine besondere Berufung. Aufgabe der Volkskunde und Seelsorge sei es, sie zu erfassen und sie zu intensivieren und die volksbildenden Kräfte des„Heimatgedankens“ vom Lande auch in die entwurzelte Bevölkerung der Stadt zu tragen. Belebung der beiden großen Urkräfte der Volksseele: Religiöser Glaube und Heimatgefühl müsse gleichzeitig mit der Bildung unserer Sitte im Interesse der Volksgemeinschaft erstrebt werden. Am 2. Tage sprach Gen.=Superintendent D. Zoellner„Zur kirchlichen Lage, Rückblicke und Ausblicke". Er wurde durch den Vorsitzenden in einer besonderen Aussprache begrüßt, die dem in den Ruhestand tretenden Führer den Dank der Pfarrerschaft sagte. In wissenschaftlicher Gründlichkeit, mit klarem Blick für das Wesen der Kirche und starkem Organisationstalent habe er gewirkt, gemahnt, aufgerüttelt. Wo Führer lebendige Liebe hätten, da würden Massen lebendig. Liebe und Fürsorge habe auch die Pfarrerschaft erfahren. Darum habe sie ihren Führer ins Herz geschlossen. D. Zoellners in jugendlicher Frische gehaltener Vortrag führte dann auf den Höhepunkt der Tagung. Die Geschichte der Kirche sei das Ringen um das rechte Verhältnis von objektiper Wahrheit und subjektiver Gewißheit. Die Reformation habe er erlebt. Damals habe das gottgewisse Ich auch die rechte Gemeinschaft mit den Brüdern in lebendigen Gemeinden gefunden. Die Entwicklung zum Landes= und Staatskirchentum sei zwangsläufig, aber doch auch der Grund gewesen, weshalb es dann später zur Entstehung der eigentlichen Kirche nicht gekommen sei. Theologie und Bekenutnis seien verwechselt und dann der Subjektivismus überspannt worden, im Pietismus einerseits, im Idealismus anderseits. In Wissenschaft und Kunst hätten zuerst die Gebildeten Ersatz gesucht für Religion. Die Massen seien notwendigerweise gefolgt. Die Kirche habe demgegenüber neben einer berechtigten Würdigung der wissenschaftlichen Ergebnisse nicht stark genug die wesentliche Selbständigkeit der Kirche und Landtreis Iserlohn Amt Westhofen l. Westhosen. Über die Anlegung eines Ruhrwanderweges zum Hengstey=See wurde schon früher von uns berichtet. Die geführten Verhandlungen mit den zuständigen Stellen haben inzwischen gute Fortschritte gemacht, so daß mit dem Beginn der Arbeiten schon in kürzester Zeit zu rechnen ist. ! Westhofen. Die Arbeitsgemeinschaft der Vereine der Freiheit Westhofen, welche die Gesangvereine, Turnvereine, Kriegerverein, Sanitätskolonnen, freiwillige Feuerwehr und Jungdeutschen Orden umsaßt, beabsichtigt, den Volkstrauertag am 16. März durch eine gemeinsame Feier, verbunden mit Kirchgang und Trauerrede am Ehrenmal, zu begehen. l. Westhosen. Der Wochenmarkt war reichlich mit Waren aller Art beschickt. Das Hauptgeschäft wurde in Gemüse und Fischwaren gemacht. Die Preise bewegten sich in dem üblichen Rahmen. Da der Besuch infolge des guten Wetters nichts zu wünschen übrig ließ, dürften die Händler bestimmt auf ihre Kosten gekommen sein. Holzen. Evangl. Kirchensteuerhebetermin. Zur Zahlung der Kirchensteuern werden am Freitag, den 21. Februar, nachmittags 2,30—3 Uhr, in der Wirtschaft Eisenberg auf dem Sommerberg und an demselben Tage, nachmittags 4—4,30 Uhr, in der Wirtschaft Prein auf dem Höchsten Termine abgehalten. ! Geisecke=Lichtendorf. Evangl. Kirchensteuerhebetermin. Zur Zahlung der Kirchensteuer werden am Sonnabend, den 22. Februar, nachmittags 2,30—3 Uhr, in der Bahnhofswirtschaft Bährensmann in Geisecke und an demselben Tage, nachmittags 4—4,30 Uhr, in der Wirtschaft Wiemhoff auf dem Eichholz Termine abgehalten. Allgemeiner Deutscher Allgemeiner Deutscher Turnerbund. Kunstturnkampf„Sauerland“—„EnnepeRuhr“ in Hagen. Hagen, das, obwohl alte Turnerstadt, mit großen Gerätekämpfen nicht gerade gesegnet ist, wird Sonntag nachmittag auf diesem Gebiet eine große Veranstaltung dieser Art erleben. Die besten Turner des weiten Mittelmarkkreises werden sich in zwei Auswahlmannschaften gegenüberstehen. Und zwar turnt der heimische Bezirk unter der Bezeichnung„Sauerland“ gegen die Auserwählten aus dem Ennepe= und Rührtal im großen Saal des evgl. Vereinshauses. Wir kennen die besten Turner des heimischen Bezirks aus manchen großen Kämpfen, die sie in den letzten zwei Jahren absolviert haben, wir wissen, daß in Hüingsen=Lendringsen und in Hörde=Dortmund Turner sind, die mit zu den besten in ganz Westdeutschland zählen. So wird es auch kommen, daß das Treffen in Hagen weit über den Rahmen des Alltäglichen hinausgeht, sind doch auch die Turner aus Gevelsberg, Milspe und Bommern stets in ausgezeichneter Form. Es ist schwer, einen Sieger zu tippen, aber in Anbetracht dessen, daß der heimische Bezirk zwei Niederlagen von vor drei Jahren gutmachen muß, hoffen die Vereine des hiesigen Bezirks, daß es ihnen gelingen wird. Es ist gelungen, die besten 12 Turner, von denen zwei als Ersatzleute mitturnen, an den Start zu bringen. Das Kampfrichteramt übernehmen zwei erfahrene ältere Turner aus dem EnnepeRuhr= und hiesigen Bezirk, und zwar für den hiesigen Bezirk Schulte=Iserlohn und Siepmann=Roden. Paöbef? 1a. Jgd. D. J. K. Schwerte— 1. Jgd. Hüsten (Südwestfalenmeister) Am kommenden Sonntag fährt die 1a Igd. nach Hüsten zu einem Freundschaftsspiel. Da Hüsten kein zu verachtender Gegner ist, wollen wir hoffen, daß unsere Igd. ein annehmbares Resultat erzielen wird. 1b. Jgd. D. J. K. Schwerte— 2. Jgd. Elmar Hagen. Die 1b. Jgd. fährt zu einem fälligen Rückspiel nach Hagen=Eilpe. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Radfahrer überfährt eine Frau. Am Mittwoch passierte der Radfahrer Sch. aus der Friedrichstraße die Kreuzung Brückstraße 1— Kampstraße, als die Ehefrau S. G. aus dem Stadttei Brackel noch im letzten Augenbli## die Fahrbahn überqueren wollte und dem Radjahrer direkt vor das Rad lief. Die wurde umgeworfen und stürzte so unglücklich mit dem Gesicht auf den Fahrdamm, daß ihr einige Zähne ausgebrochen wurden. Der Unsall soll durch ihre eigene Schuld verursacht worden sein. — Motorrad gegen Personenauto. Am Mittwoch gegen 21,30 Uhr kam es am Burgtor zu einem Zusammenstoß zwischen einem Personenkrastwagen und einem Motorrad. Das Motorrad fuhr auf den Personenwagen von hinten auf, wodurch beide Fahrzeuge erheblich beschädigt wurden. Die Schuld an dem Zusammenstoß soll der Motorradfahrer tragen. — Pferdefuhrwerk wirft einen Handkarren um. Auf der Weißenburger Straße fuhr ein Pferdefuhrwerk eine Handkarre um, wodurch eine größere Kanne Oel in die Brüche ging und sich in die Straßenrinne ergoß. Gegen den Führer des Pferdefuhrwerks ist Strafantrag gestellt worden. Ein größeres Feuer entstand am Donnerstag mittag in einem aus Brettern errichteten Stallanbau auf dem Hofe des Hauses Brackelerstraße 25. Vermutlich infolge leichtfertigen Hanticrens mit Licht durch Kinder geriet Stroh und anderes leicht entzündbares Material in Brand. Dieser nahm dann sehr schnell größeren Umfang an, so daß Gefahr für d': angrenzenden Gebäude bestand. Die eiligst alarmierte Feuerwehr ging mit einer Schlauchleitung gegen das Feuer vor, und es gelang ihr nach halbstündiger Tätigkeit, jede Gefahr zu beseitigen. Die Aufräumungsarbeiten dauerten länger an. Ein Schornsteinbrand mußte gelöscht werden im Hause Tremoniastraße 22. Ueberfell. In der Nacht zum Dienstag wurde um 2,45 Uhr auf der Wittenerstraße in Dortmund Dorstfeld der Hobler Heinrich B., dortselbst, Wittenerstraße 213, wohnhaft, auf seinem Nachhausewege von einem Manne angehalten, der plötzlich aus einem neben B. anhaltenden, abgeblendeten Personenkraftwagen ausgestiegen war. B. riß sich sofort los, wurde jedoch von zwei weiteren Männer verfolgt, konnte aber wegen seiner guten Geländekenntnis entkommen. Auf der Flucht zog er sich leichte Verletzungen zu. Die Kriminalpolizei ist mit der Aufklärung dieses mysteriösen Falles beschästigt. — Ohnmachtsaufall verursacht Verkehrsunsall. Auf der Bornstraße brach am Donnerstagnachmittag plötzlich eine ca. 25jährige Frau, die ein Kind an der Hand führte, ohnmächtig zusammen, als im gleichen Augenblick sich ein Kraftwagen näherte. Dem Autoführer war es nicht mehr möglich, seinen Wagen rechtzeitig zum Halten zu birngen und so kam es, daß die Räder die Frau streiften bezw. über beide Unterschenkel hinweggingen, wodurch die Frau verletzt wurde. Das Kind blieb vor Schaden dadurch bewahrt, daß es die Mutter losgelassen und zur Seite gesprungen war. Bei dem durch den Ohnmachtsansall verursachten Hinfallen der Frau auf das Straßenpflaster erlitt sie Kopfwunden. Der Autoführer übernahm bereitswilligst den Abtransport der Verletzten. a Schüren. Unlautere Gesellen an der Arbeit. Wiederholt werden in der letzten Zeit Kleintierzüchter von Langfingern heimgesucht. So wurden einem Geflügelzüchter vier wertvolle Rassetiere gestohlen. Man muß sie mit grellem Licht aus der Stallung gelockt haben, denn nirgends fand sich eine Spur von gewaltsamem Einbruch. Die Tiere wurden an Ort und Stelle abgeschlachtet. a Holzwickede. Schreckliche Folgen der Wohnungsnot. Der Schlosser Fr. L. aus Holzwickede, der im Jahre 1904 geboren ist, lebte in Holzwickede bei seinen Eltern in den traurigsten Verhältnissen. Die sechsköpfige Familie, bestehend aus Eltern, zwei Söhnen und zwei Töchter, hausten in zwei Räumen Dieses Wohnungselend brachte den bisher völlig Unbestraften vor Gericht unter der Anklage der Blutschande. L. bestritt das entschieden Die nunmehr 19jährige Schwester, als Zeugin aufgerufen, wurde darauf hingewiesen, daß sie ihre Aussage verweigern könne. Sie machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht keinen Gebrauch. Sie behauptete, der Bruder bestritt. Der Staatsanwalt beantragte 5 Monate, das Gericht erkannte auf 3 Monate Gefängnis, ein Beschluß über eine evtl. Strafaussetzung bleibt vorbehalten. u Hagen. Freitod auf dem Bahnkörper. Vorgestern mittag warf sich auf dem hochgelegenen Güterzuggleis der Strecke Hagen=Haspe, gegenüber dem Kaiserplatz in Wehringhausen ein Mann vor einen Güterzug und wurde überfahren. Der Kopf wurde ihm glatt vom Rumpfe getrennt und von den Rädern der Lokomotive zehn Meter mitgeschleift. Altenvoerde. Zechprellerei. Ein hiesiger Wirt wurde in den gestrigen Nachmittagsstunden dadurch geschädigt, daß ihm zwei junge Burschen, die schon etliche Stunden bei ihm gezecht hatten, in einem für sie günstigen Augenblick verschwanden. In ihrem Eifer vergaß einer derselben seine Mütze und seinen Mantel mitzunehmen. An Hand der im Mantel befindlichen Papiere ließ sich ein Täter ermitteln. Letmathe. Dummerjungenstreich. Das Schöffengericht 2b in Hagen verurteilte den Angestellten K. zu einer Geldstrafe von 75 RM., weil er in der Nacht vom 1. Sepan jenem Abend stark gezecht hatte, will sich der Sache nicht erinnern. Er müsse sinnlos betrunken gewesen sein, was aber durch Zeugenaussagen nicht bestätigt werden konnte. Das Gericht kam deshalb, da der Angeklagte aus anständiger Familie stammt und sich bisher gut geführt hat, zu der Ueberzeugung, daß es sich um einen Dummenjungenstreich handele, der dem Angeklagten bei der Höhe des angerichteten Schadens an sich schon teuer zu stehen kommen werde. o Ennepe. Gräßliches Verkehrsunglück. Ein gräßliches Verkehrsunglück ereignete sich in der Nähe der Wirtschaft Clever Dort wurde der im Alter von 65 Jahren stehende Arbeiter S. von einem Auto überfahren und getötet. Der Ueberfahrene soll zum Schutze gegen die Kälte Ohrenklappen getragen haben. Der Fahrer will vorschriftsmäßig Signale gegeben haben, die S. wohl überhört haben muß. Die Verletzungen waren so schwer, daß der Ueberfahrene nach wenigen Minuten starb. Der Fahrer blieb mit seinem Wagen solange an Ort und Stelle, bis die Polizei den Tatbestand festgestellt hatte. Der Verstorbene hinterläßt eine Witwe ohne Kinder. w Witten. Selbstmord eines stellungslosen Kaufmanns. Ein stellungsloser Kausmann, der von seiner Familie getrennt lebte und zurzeit in Ledderken wohnt, machte seinem Leben durch Selbstmord ein Ende. Unglückliche Familienverhältnisse und Nahrungssorgen trieben ihn in den Tod. 1 Bochum. Tod in der Badewanne aufgefunden. In der Nacht hörte man in der Emscherstraße Stöhnen aus einem Hause. Man ging der Sache nach und fand in einem Badezimmer den Kellner Vith und seine Frau bewußtlos vor. Ein hinzugerufener Arzt stellte sofort Wiederbelebungsversuche an, die aber nur bei dem Mann von Erfolg waren. Die Frau war tot. Nach der Untersuchung zu urteilen liegt ein Unglückssall vor, jedoch konnte dies noch nicht ganz sicher gestellt werden und erst die Obduzierung der Leiche wird die volle Klarheit bringen. epw. Münster. Oberkonsistorialrat Georg Starke gestorben. Im Alter von 65 Jahren starb in Münster Oberkonsistorialrat Georg Starke. Er war seit 34 Jahren Mitglied des Evangl. Konsistoriums für die Provinz Westfalen. Die kirchliche Behörde verliert in ihm einen Mitarbeiter von hervorragender Sachkenntnis und seltener Pflichttreue. h Herford. Eine Tischlerei in Flammen. Im Fabrikgebäude der Firma Gebr. Landwehr brach ein Brand aus, der mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Meter hohe Flammen schlugen aus dem Hause. Die Löscharbeiten wurden durch große Qualmentwicklung sehr erschwert. Die Anstreicherei, Lackiererei, die Tischlerei und die Fahrradabteilung wurden vollständig vernichtet. Die eigentliche Entstehungsursache des Feuers ist noch unbekannt. a Salztotten. Vom Auto erfaßt. In der Nähe des Gutes Dreckburg wurde ein im hiesigen Krankenhaus wohnender Mann von einem Personenwagen ersaßt und überfahren. Mit schweren Verletzungen, namentlich, am Kopfe, mußte der Verunglückte fortgetragen werden h L ü b b e c k e. V o n e i n e m F u h r w e r k überfahren. Als der Landwitt Klausmeier aus Spardow mit seinem Fuhrwerk aus den Lübbecker Bergen zurückkehrte, geriet der Wagen auf der abschüssigen Straße ins Rollen. Kl. versuchte sich durch einen tühnen Sprung zu retten. Er geriet aber unter die Räder und wurde überfahren. Mit schweren Quetschungen und einem Beinbruch wurde der Verunglückte dem Krankenhause zugeführt. h Celle. Beim Spiel mit Streichhölzern verbrannt. In Abwesenheit der Mutter spielte das dreijährige Söhnchen der Eheleute D. in Eschede mit Streichhölzern. Dabei geriet die Gardine in Brand. Die Flammen griffen auf das in einem Kinderstuhl sitzende etwa zweijährige Kind, der Familie über und verbrannten es so sehr, daß der Tod sofort eintrat. Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 13. Februar. Es notierte: Westf. Weizen 25,50—25,75, Wests. Roggen 16,50—16,75, Westf. Hafer 16 bis 16,50, Ostfries. Hafer 17,50—18, Ausl. Weizen 26,50—28, Ausl. Roggen 22 bis 23, Ausl. Gerste 17,50—18, Platamais 16—16,50, Cinquantinomais 19,25—19,75, Bäckermehl 37,50—37,75, Roggenmehl 26—26,50, Weizen kleie 8,50—9,50, Trockenschnitzel 11,50—12, Zuckerschnitzel 16—16,50. Diese Preise sind Großhandels=Verkaufspreise und verstehen sich per 100 Kg. waggonfrei Dortmund in Ladungen von15 To., bei Mehl zu den Mühlenkonventionsbedingungen. Tendenz: fest. hören wir im Rundsunk? Sonnabend, den 15. Februar 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Morgenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 11,30: Schulfunk für die Oberstufe höherer Lehranstalten. 12,10: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Kinderspielstunde. 15,30: Wirtschaftsdienst. 15,45: Grundlagen der Funktechnik. 16,05: Frauenstunde. 16,25: Sibylla Eckelboom:„Die Brautzeit". 16,15: Max Hahn:„Internationaler Zollfriede“ 18,50: Mitteilungen der Interessengemeinschaft Westdeutscher Funkvereine. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Erwin Kleinstück:„Der Rhein=Mainische Wirtschaftsraum.“ 19,40: Gerhart Pohl:„Genies, die keine waren“ 20,00: Lustiger Abend. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Darauf bis 01,00: Nachtmusik und Tanz. heimnis ein Von Ernst Wiechert. Ich weiß nicht, wo die Quellen meines Blutes aus dem Nebel der Vergangenheit steigen. Ich weiß nicht, ob Träumer oder Helden sich über ihren Rand gebeugt haben, Schweigsame oder Redselige, Helfer oder Zerstörer. Ich weiß nur, daß sie irgendwo in den östlichen Wäldern zerrinnen. Die Geschichte kündet nicht von ihnen, die Sage nichts, die Bücher der Bösen nichts. Sie haben im Schatten gelebt. Ich weiß, daß mein Vater ein stiller Mann ist, mit mancher verschütteten Sehnsucht in seiner Brust. Daß meine Mutter eine schwermütige Frau war, die das dunkle Kleid ihres Lebens freiwillig von ihren Schultern tat, als der Krug ihrer Tränen gefüllt war, daß ich ein stilles Kind war, von einer leisen Trauer beschattet. Ich erinnere mich meiner kleinen Oberstube im Forsthause, mit dem grünen Kachelofen, und das Rauschen der hohen Tannen im Garten, das über meinen uferlosen Träumen stand. Ich erinnere mich, daß ich stundenlang lauschte, ob meine Mutter unten weinte, bevor ich einschlief. Daß das Spiel der ernsten Flöte, die ich hörte, mich zu Tränen ergriff und das ernste Orchester mich erschütterte, als habe Gott den Vorhang zerrissen und mich an sein Herz genommen Ich erinnere mich, daß ich viel geweint habe, über eigenes Leid und über sremdes Leid. Wenn ich die Kühe hüten mußte und die Bremsen die Herde in alle Winde sprengten. Wenn Bürgers„Leonore“ mich eine ganze Nacht kostete, oder wenn das junge Geflügel sich verlaufen hatte und klagte. Aber es ist mir, als ob die Flügei der Sehnsucht von Kind an über mir gerauscht hätten. Ich sehe mich auf einem Waldwege stehen, zwischen jungen Kulturen, Tag für Tag viele Sommer lang, um den Fischadler zu sehen, der immer um dieselbe Stunde von unserem See nach seinem Horte flog, einen Fisch in den Fängen, und der seinen unendlich klagenden und einsamen Schrei herniederwarf in meine Seele. Ich sehe mich, Abend für Abend auf einem Berg in unseren Wäldern steigen, von dem man über ein grenzenloses Heiligtum von Wipseln bis weit hinter den Wald sehen konnte, wo der Abend versank. Ich faltete die Hände, und das Herz war mir unsäglich schwer nach etwas Großem, Leuchtendem, Unendlichem. Weihnachten war und die erste Drossel, des Jagdhorns Klang im herbstlichen Walde und der Schrei der Wildgans über verschollener Zeit. Und in den Sommernächten, wenn ein später Wagen fern über die Waldstraße fuhr und der Knecht ein trauriges Lied sang, vom Echo wiederholt und vom hohen Monde beglänzt, stand ich am Fenster gleich einem Kind im Zauber und hob die Hände auf. Eine Stimme rief, und meine Seele, in jener frühen Ekstafe der Hingabe, hing im blauen Raum wie ein Vogel über dem Rätsel der Ferne. Menschen, Dinge und Ereignisse gingen nur mit leisen Füßen durch meine Welt. Tiere waren Brüder— o mein geliebter Kranich, der du an meinem Herzen, schliefest!— Blumen waren Geliebte, und der Wald war mein Haus. Geheimnis war in ihm und Wunder, Grauen und Süße, Sehnsucht und Geborgenheit, Sprache und Schweigen, Zeit und Ewigkeit. Es war ein Wald, in dem der Adler horstete und der Uhn schrie. Er hatte nicht Anfang und nicht Ende, und selbst der Wolf war kein Fremdling in seinem Reich. Er war der Urgrund der Dinge, aus dem die Sonne stieg und der Silberglanz der Sterne, aus dem Mensch und Tier sich hoben, Engel und Dämonen, der Feuermann und die Schöne mit den sieben Schleiern. Er speiste mich und tränkte mich, er wuchs in mein Blut wie eine Mutter in das Blut ihres Kindes wächst. Sein Gutes ist mein Gutes, sein Böses mein Böses, seine Wildheit meine Wildheit, seine Trauer meine Trauer, und ich bin ihm verfallen für Leben u. Sterben Als ich elf Jahre alt war, stieß man mich aus dem Paradiese. Schule kam und Universität. Auseinandersetzungen mit der Welt, mit Gemeinschaft, Autorität, Dogma, Schablone, Kultur, Zivilisation. Die Passion des Menschen begann. Sie bildeten, lockten und schändeten, predigten und lästerten, höhnten und geißelten, und zuletzt richteten sie das Kreuz auf. Aber ich spottete ihrer, denn ich beugte mich nicht. Ich hatte die Ekstafe und das Lächeln des Schwärmers. Ich hatte gegrübelt und Gedichte gemacht. Ich rüttelte an ihren Götzen und hob die Arme nach meinem Altar. Sie verschütteten mich, aber das Gras bebte über mir. Ich hatte Beruf und Einkommen, Glück und Heim. Aber in den Nächten tastete die blasse Hand aus den Wäldern der Kindheit leise an mein Feuster, und die Stimme der verschollenen Zeit flüsterte gleich der Stimme eines Sterbenden:„Was schlässt du? Weshalb wachst du nicht?“ Und ich verhüllte mein Angesicht.— Ich schrieb meinen ersten Roman und bekannte. Aber der Lohn der Bekenntnis war Haß. Doch die Stimme kam nun seltener an mein nächtliches Fenster. Und der Krieg kam, und ich erlebte die Geschichte eines Namenlosen. Ich war Jedermann Ein Tier in den Höhlen des Niemandlandes. Blut und Erde auf der Stirn, die Gott liebte und das Tier, die Blumen und das Lied der Flöte im Abendglanz. Das Gesetz ergriff mich, und ich tat, wie das Gesetz es befahl. Die Passion beugte mich, aber sie zerbrach mich nicht. Auch unterlag ich wie jedermann den Hypnosen und Berauschungen, den Illusionen und Idolen. Ich schrieb mein zweites Buch, und als ich mich über mich beugte, sah ich, daß es wahrhaftiger war als mein Leben. Der Friede kam, und als ein Friedloser ging ich in ihn hinein. In den leeren Raum der vier blutigen Jahre stürzten sich gleich Stürmen Zweifel und Empörung. Lästerung und Kampf, Hingabe und Zersetzung. Die Gründe wankten. Das Leid der Erde hob sich zum erstenmal vor das Erschauen des inneren Gesichtes. Als der Krieg der Völker zu Ende war, begann mein eigener Krieg. Gott stand im Felde, und ich rang mit ihm. Der„Wald“ wurde geschrieben und der„Totenwolf". Sie wurden mit Schmerzen geboren, und ist nicht recht, ihrer zu spotten. Sie haben mein Blut getrunken, und das Wilde der Waldgeschlechter sunkelt aus ihren Augen. Aber der Sturm ihrer Schöpfung ließ mich ohne Glück. Ich ging in die stillen Kammern meiner Scele und setzte mich an Gottes Herdseuer und besprach mich mit ihm. Und das Leben meiner Seele verwandelte sich. Ich grub bis an die Wurzeln meines Lebensbaumes, surchtlos in einer Unterwelt. Aber dann Dinge meines Geistes. Ich verbrannte meine Häuser und wurde ein anderer Mensch. Der Kuccht Gottes begann in die Rüstung zu gehen. Ich schrieb das Buch meines neuen Lebens. Ich war nur sehr einsam, ein Narr und Empörer. Menschen wendeten sich von mir Freundschaften zersplitterten, Hoffnungen erstarben. Die Jugend liebte mich, aber die Welt hob langsam den Schild. und es war mir, als sei es an der Zeit, den Helm fester zu binden für die Bekennung meiner Seele. Und dann sandte Gott mich in die große Passion. Er schlug an den Deckel meines Sarges, daß ich ausstände und wandelte. Das Schicksal warf sich über mich, und ich rang um mein Leben. Nicht mehr zerbrach ich die Dinge meines Geistes, sondern die Dinge meines Lebens. Ich erkannte, was Gott mit mir wollte, und ging zu ihm. Sie warfen sich über mich aber ich ging zu ihm. Sie ächteten mich und verfolgten mich, aber ich ging zu ihm. Gemeinschaften stießen mich aus, die Gerechten und Ungerechten. Ich ging aus meinem Vaterlande und aus meiner Freundschaft, aber ich ging zu ihm. Leid ging von mir aus und Tränen, aber ich ging zu ihm Und hinter meinen Erschütterungen rauschen schon die Wälder meiner Kindheit, in denen er wohnt. Was soll ich noch sagen von meinem Leben? Man ruft mich und ich folge. Man wartet auf mich und ich komme. Man klopft an und ich öffne. Ich bin bereit zu Leid und und Seligkeit. Zu neuen Büchern, neuen Erschütterungen, neuer Ekstafe. Ich weiche nicht mehr aus, ich verhülle mich nicht mehr. Man hat mich entbunden und ich schlage die Augen auf das Kommende. Und ich bete nichts anderes als dieses: „Gott, gib mir. daß ich ein Mensch werde, bevor ich sterbe!“ Ernst Wiecher, der Verfasser der vorstehenden Lebensdeutung wurde kürzlich mit dem „Literaturpreis der europäischen Zeitschriften“ ausgezeichnet. Seine neueste Novelle„Der Schnitter im Mond“, erscheint in„Westermanns Monatsheften“. Die Forderung, regelmäßige Leibesübungen zur sache zu machen, bedarf heutzutage glücklicherweise keiner Begründung mehr. Für alle diejenigen, die am Wohl der interessiert sind, ist es deshalb eine Freude, sehen, daß bereits nennenswerte Teile unserer Bepätigizug sich mit Eifer auf den verschiedenen. Gebieten(v####lichen besteht, durch Hallensport auch im Tinter dus## Dem Arzt, der nachdrücklich für die Forderung eintritt, daß der Wintersport im wahrsten Sinne Volkssport werden müsse, erwächst zugleich die Pflicht, durch Aufklärungsarbeit die zahlreichen Gefahren zu bekämpfen, die er für Anfänger und Leichtsinnige in sich birgt. Selbst diese primitivste sorm des Wintersports erfordert Geschick'ichkeit und einen gewissen Mut. körperlichen übungen zu befriedigen. Turn=, Schwimmhallen und dergleichen bedeuten indes allemal nur einen Ersatz: das darf nicht vergessen werden. Immerhin ist er einem völligen Verzicht noch immer vorzuziehen. 9 Auf das Nachdrücklichste muß aber dafür eingetreten werden, daß der richtige Wintersport im wahrsten Sinne Volkssport wird. Welche Form der sportlichen Betätigung da in Frage kommt, wird zunächst abhängig von den Möglichketten sein, die jede Gegend dafür bielet. Wo Flachland mit viel Wasser tschuhlo bafur vielet. Auch bei anderen Sportarten, besonders beim Schwimmen und Baden, waren früher Unfälle verhältnismäßig häufiger. Durch geeignete Belehrung, durch allgemeine sachgemäße Unterweisung, vor allem aber durch erfahrungsicher geleitete regelmäßige übung wurde hier Wandel und Besserung erzielt. Solche Aufklärung ist indes beim Wintersport noch nicht hinreichend erfolgt; aber gerade hier tut sie besonders not! Welche Schädigungen kommen denn hauptsächlich in Frage? Zunächst wohl solche, die auf die Ungunst der Pitterung zurückzuführen sind. Durch geeignete Bekleivung lassen sie sich fast immer vermeiden. Trotzdem gehört das Erlicht zu den Seltenbeiten. Gewöhnlich sind die Schädigungen keine dauernden, aber sie verursachen Beschwerden und Unbequemlichkeiten. Wenn die Nasenspitze weiß gefroren ist, wenn die Ohrläppchen weiß aussehen, ist dies ein Beweis, daß man der Kälte nicht genügend Beachtung geschenkt hat. Es wäre falsch, nun sofort ein warmes Zimmer aufzusuchen oder diese Körperstellen möglichst dick zu verhüllen. Durch Abreiben mit Schnee sucht man die Blutzirkulation und damit die Wärmeversorgung des Gewebes anzuregen. Das hat aber nur so lange Wert, als die Erfrierungen leichter Art sind. Ist die Haul bereits Temperaturunterschiede im Winter an mauchen ärmeln tummeln kann, bei der Talfahrt kommt mgz, aug## schichten, die von bitterer Kälte sind. In der Mutre#zrme Südseite kann die Sonne brennen und 30, ja 40 Grad Wärme erzeugen, auf der sonneulosen Nordseite trifft man zur gleichen Stunde 20 und mehr Grad Kälte an. Diesen schroffen Wechsel muß man durch mitgeführte Kleidungsausrüstung jederzeit einem Sti * ist, werden Schlittschuhlauf, Eissegeln, Eishockey und Eiscurley im Vordergrund stehen. Wo Wasser fehlt, werden Schlitterbahnen, Hand= und Pferdeschlitten, vielleicht auch nur Waldlauf und Schneeballkampf dem Bedürfnis nach sportlicher Betätigung dienen. Im Gebirge steht der Wintersport überwiegend im Zeichen von Rodel, Bob und Ski. Es ist begreiflich, daß diese Sportarten, dank ihres Reizes, immer mehr Anhänger gewinnen und daß daher die Zahl derer immer größer wird, die ihren Urlaub in die früher verwünschte Eis= und Schneeperivde verlegen. Vom ärztlichen Standpunkt aus kann man sich dessen nur frenen; das„Hinter=dem=OfenHocken“ kommt gründlich aus der Mode. Licht, Luft und Sonne werden dem Körper nicht mehr vorenthalten; Winterluft, kräftige Bewegung, Freude am Sport erhöhen den Gesundheitsstand auch in dem für Erkrankungen besonders günstigen kalten Jahresabschnitt. Die Sommerzeit bringt ohnehin für jeden soviel Sonnenschein und Sonnenwärme, jeder hat seine ausreichenden Stunden im Freien, so daß ein längerer Urlaub dann tatsächlich nicht nötig ist. daß ein längerer Urlanb dann I.— ist noch nicht Allgemein= Sur größten Vorsicht mahnen die starken Temperati gut geworden; und soweit nicht die Landschaft Rasche Übergänge von sengender Hitze zu beißender Kälte sir selbst zu sportlicher Betätigung im Winter direkt auffordert, wird noch vielfach darauf verzichtet. Eliern, die sonst so besorgt um die Gesundheit ihrer Kinder sind, übersehen die hier gebotenen gesundheitlichen Borteile und fürchten statt dessen Erkältungen usw.; vor allem aber sehen sie eine Fülle von Gefahren mit dem Wintersport verbunden. Darum halten sie lieber ihre Kinder davon zurück. Ist dies berechtigt? ausgleichen können. Im Hochgebirge muß man während des Spätwinters auch Rücksicht darauf nehmen, daß die Landschaft von einer zusammenhäugenden Schneefläche bedeckt ist. Das erfordert besondere Schutzmaßnahmen gegen Strahlung und Blendung: Gtetschersalbe und Schneebrille dürfen in der Sportausrüstung nicht sehlen. ten nimmet dr Stzignt Unter allen winterlichen Sportarten nimmt oer Skitauf seine besondere Stellung ein. Eigentlich ist dieser Wintersport ein echt nordisches Bergnügen, das bereits mit der sagenhaften Tradition der Nordlandvölker verknüpft ist. Nach der nordischen Edda bediente sich schon Siegfried auf dem Eise der Schneeschuhe, und die schöne Skade, eines Riesen Tochtet, sagte dem Wilde auf Schueeschuhen nach„Tatsächlich erweisen Funde von hötzeruen und knöchernen Schneeschuhen aus fkanA dinavischer Vorzeit, daß der Wintersport im hohen Norden so alt ist wie die Bevölkerung dieser Gegenden selbst. In Norwegen ist der Ski einsach unentbehrtich. B6 Ohne Stier würde der Schner hier allem Verrehr ein Ende setzen, müßte jeder in schrecklichster Einöde leben, wäre im Winter jede Verbindung so gut wie aufgehoben. Tank der Skier aber konnte selbst das Hochgebirge im Winter erschlossen werden. Sie wurden das leichteste Verkehrsmittel in den winterlichen Landschaften, für die weiten Entfernungen von Hof zu Hof. Der Jäger, der Landmann, der Kaufmann, alle benutzen dort den Sti..steden gaßz auch bei Mit Genuginung können wir feststellen, daß der Skisport sich heute größter Beliebtheit erfreut, zumal sein hoher gesundheitlicher Wert ein unbestrittener ist. Einen ganz allgemeinen und zugleich mächtigen Anstoß zu seiner Einführung bei uns gab Frithsof Nausen durch sein Buch:„Auf Schneeschuhen durch Grönland“. Ja, es kann gesagt werden, daß die Einführung des Skilaufs bei uns hauptsächlich auf das Wirken dieses Mannes und auf den Einfluß seines oben genannten Buches zurückzuführen ist. Die Kunst des Skilaufens besteht eigentlich nur darin, während des Dahingleitens das Gleichgewicht zu halten. Bei langsamer Fahrt ist das verhältnismäßig leicht; in raschem Tempo dagegen kann es sehr, sehr schwierig sein. Die Neigung des Geländes ändert sich, die Beschaffenheit des Schnees wechselt, Beibehalten der Richtung ist unmöglich, Schwünge oder Bögen sind notwendig, die Hauptarbeit haben dann die Beine zu leisten, aber auch Körper und Arme helfen durch entsprechende Gewichtsverlegung mit, die jeweils richtige Lage zu halten, gleichzeitig aber auch zu lenken und zu steuern. Dabei bleiben natürlich Unfälle nicht aus. Im Winter 1925/26 fallversicherung des Deutschen Skiverbandes Sind einzelne Körperteile erfroren, so reide man sie im geschlossenen aber ungeheizten Raum vorsichtig mit Schnee ab. sondern von Lawinenungsücken. Ein Skiläufer stieß sich den Sont waren Dauernachte Hezeschuei(hiscer, oder VberschentslWirdeisalleh, Iad injälte warten muiltelschber Zsd uisäle ur leicht(Bänder= und Sehnenzerrungen, Quetschungen, FingerDie Prüfung dieser Unfälle ergab, daß sie meist nur Aukecht in der Gewalt haten. Die Hauptunfallstage sind die Sonntage; besonders folche mit wenig Schnee oder mit verharschter Schneedecke weisen eine große Unfallszisfer auf. de Zangen, der andere Aurzt, ue roscher Fourt ein dritter verliert bei zu tuschet, Fahrt das Gleichgewicht, ein anderer ist non unsicher in der Beherrschung der Stier; in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle sino das die Ursachen der Verletzungen. Ein Sturz ist gewöhnlich um so schwerer, je weniger ver Betreffende darauf vorbereitet ist. Der gewandte Läufer läßt sich, wenn es zum Sturz kommt, einfach fallen, er überschlägt sich auch freiwillig noch stärker, um ja nicht mit den Stiern hängen zu bleiben. Beim Spr kommt es vor, daß ungcübte Läufer auf Rücken, Gefäß und Kopf aufsalten, daß eine Stauchung der Wirbelsäule eintritt, weil der Aufsprung zu steif erfolgte. Bei direktem Fall auf harten Schnee, Steine u. dergl., beim Anfahren an Bäume ufw. entstehen auch Gesichts= und Schädelverletzungen, beim Fallen auf die Skispitzen kaun es zu Rißwunden, Quetschungen, ja, zum Einschlagen von Zähnen kommen. Durch Ausprallen des Kopfes auf das obere Ende des Stockes gibt es getegentlich Augenund Augenlidverletzungen, Verrenkungen und Knochenbrüche sind ebenfalls mäglich. All diese Gefahren vermeidet man am besten dadurch, daß man sich nicht unnötigerweise an Leistungen heranwagt, denen man nicht gewachsen ist. Die übungen des Wintersports verlangen alle einen gewissen Mut, und daß dieser mit gebildet wird, rechnet sicherlich auch zu den Vorteilen dieser Sportbetätigung. Doch hier treibt häufig der Übermut sein Spiel, und darum brancht man sich über viele Unfälle nicht zu wundern. Stisprünge, die zweisellos ganz hervorragende Leistungen darstellen, setzer eigentlich voraus, daß man schon mit 14, 15 Jahren damit begonnen hat. Das Langlaufen hingegen sollte erst begonnen werden wenn Körper, Herz und Lunge voll entwickett find. Gefahren drohen auch beim Rodeln und bei der Benntzung des Bods. Wenn wir aber alle die Gefahren kennen, und die guten Ratschläge zu ihrer Verhütung beachten, werden die Unfälle im Wintersport bald so selten werden, daß sie keine Sie sosten auch heute niemanden mehr verazsassen, au die unbestrittenen gesundheitlichen Vorteile des Winnrsporrs und auf die genußreichen Stunden in herrlicher Wiuterlandschaft zu verzichten. im Gebirge. selten. Dr. Heinz Franzmeyer. 20 Rese e B A/ Es hieße der Sache des Wintersports einen sehr schlechten Dienst erweisen, wollte man Dinge ableugnen, die allzu offensichtlich sind. Richtig ist, daß gewisse Gefahren mit dem Wintersport verknüpft sind, Gefahren, die aber durchaus vermieden werden können. Richtig ist auch, daß die Unfallziffern beim Wintersport relativ höher sind als bei der sportlichen Betätigung im Sommer. Doch die Schuld daran trifft nicht kennung der hier drohenden Gefahren, vielleicht auch Leistungsfähigkeit, nicht selten auch in ossensichtlicher Unver=(fall. Leichte zufälte zwerden viclsggt nicht gemeldet, site sind anuft und nicht zu billigendem Wagemut. Man vergesse aber Kunse und auy.— billigendem Wagemut. Man vergesse aber sicherlich noch dier zuhlreicher. Funs Todesfälle wurden anSprünge auf Skiern darf man nur wagen, wenn man sie von Jugend auf geübt hat. Nr. 38(Drittes Blatt) „Schwerter Hentuns Freitag, 14. Februar 1930 Die geidens Einne Skizze von Joche Zweierlei war an Maria Golowin vollkommen: ihre Klugheit und ihre Häßlichkeit. Sie verfiel nicht dem Fehler mancher häßlichen Frauen, die Flucht in die tätige Abgeschiedenheit der Wissenschaft zu suchen. Sie erkannte bereits als junges Mädchen, daß ihr Gefühlsleben dafür zu ausgesprochen weitlich war. Als Kind hatte sie früh mit allen Spielen aufgehört. Sie wußte, daß sie beim Spiel wie eine groteske, alte Zwergin wirkte. und gab sich ihren Lieblingsbeschäftigungen nur dann heimlich hin, wenn eine lange Abwesenheit ihrer Eltern als ganz sicher galt. Die Art ihrer Spiele war äußerst seltsom. Sie verdunkelte einen Raum, hockte sich eng in einen Sessel und sprach vor sich hin: Vokale, Wor#c, Kinderverse, am Tage zufällig ausgefangene Redensarten der Erwachsenen. Was sie sagte, war ihr gleichgültig. Sie wollte nur den Klang ihrer Stimme hören. Diese Stimme war die dritt: Vollkommenheit an Maria Golowin. Erst allmählich stellte sich bei ihr das Bedürfnis ein, Worte zu sprechen, deren Klang und Sinn der Schönheit ihrer Stimme entsprach. Sie lernte lange Par#en erlesenster Dichtungen auswendig. Niemand ahnte ihre Fähigkeiten. Sie wollte keinem Menschen den Zwiespalt zwischen iyrem Aeußeren u. ihrer Stimme wissen lassen. Als Maria erwachsen war, machte ihren Eltern die Berufswahl der Tochter keine Sorge. Marias Leben schien ihnen finanziell gesichert. Sie selbst hatte mehr Kummer um einen Inhalt ihres Lebens. Als ihr Vater, dann auch ihre Mutter starb, weinte Maria Golowin nicht. Sie sprach nur Tage hindurch kein Wort. Einmai sließ sie in ihrer Einsamkeit zwischen den Zähnen hervor: „Daß ich nicht tot bin statt ihrer. Tann wiederholte sie den Satz, die Worte füllten sich mit Klang, und wieder begann das Spiel ihrer Kindheit. Maria hatte nur ein Jahr gegen die Pläne ihres Vormundes zu kämpfen, der das menschenscheue Mädchen in ein Pensionat geben wollte. Dann war sie mündig und wohlhabend und allein mit den Worten der Dichter und dem Zauber ihrer Stimme. Vielleicht lag über ihrem Leben jetzt manchmol der stille, wehe Abglanz eines Glückes. Bis sie in ein Alter trat, in dem sie unsagbar darunter litt, ausgeschlossen und vereinzelt zu sein, allen Reichtum ihrer in Einsamkeit, wundervoll gewordenen Stimme ohne Zweck und Fruchtbarkeit zerinnen zu lassen. Bis die Jahre der Inflation samen und sie verarmte. Bis die Technik dem Auge den Film, dem Ohr den Rundfunk gab An dem Novembertag dieser armseligen Jahre ihres Lebens suhr das altmodische, rasch gealterte Fräulein Maria Golowin nach dem Funkhaus ihres Wohnortes. Ihr letztes Geld hatte sie dazu verwendet, dunkle lange Schleier für ihren Hut zu kaufen. Zwei Stunden wartete sie im Wartezimmer unter Artisten mit singenden Sägen, Rezitatoren mit cholerischen Gesichtern, notenblätternden Sängerinnen. Aber einmal öffnete sich auch die Tür zum Sprechzimmer des m Klepper. Intendanten für das bucklige, schmächtige, tief verschleierte Fräulein. Maria Golowin hat nie mehr in einem Vorzimmer gewartet. Kein Portier, kein Ansager sah sie niemals mehr. Der Intendant des Senders selbst holte sie im Auto nach dem Funkhause, dessen Gänge auf Anordnung der Direktion frei zu halten waren, wenn die große Künstlerin dort weilte. Der Intendant selbst kündigte sie am Mikro an und brachte sie nachher im Auto wieder heim. Er allein kannte sie. Nicht ihr Gesicht. Nur den Umriß ihrer Gestalt. Niemand erfuhr ihren Namen Nur die„Goldene Stimme“ wurde in die eentgötterte Welt der Börsenkurse und Konzerne hinausgesandt. Die Sender aller Länder— jede sprachliche Begrenzung wurde vor dem Klang dieser Stimme nichtig— überboten sich mit Engagementsbedingungen. Sie erreichten nur, daß an dem Abend, da die„Goldene Stimme“ sprach, zahlreiche Sender dem angeschlossen wurden, in dem ein Meusch den Umriß von Maria Golowins Gestalt unter Schleiern kannte. Niemals erschien ein Bild der Golowin. Aber jedesmal, wenn sie im Sender eintraf, lagen Stöße von Briefe an„Die Goldene Stimme“ bereit. Gebrochene Menschen waren aufgerichtet, Glückliche hatten die Deutung ihrer Seligkeit erfahren. Liebende Männer wurden ihren Frauen entfremdet. Christian Thun ließ sich sein Leben mitten im stolzesten Aufstieg entgleiten um der Sehnsucht willen nach der Frau mit der goldenen Stimme. Er erschien Tag um Tag im Sender. Er ließ seinen Wagen durch das dichteste Straßengewühl dem Auto des Funkintendanten nachfahren, wenn die Frau mit der goldenen Stimme vom Sender nach der Stadt zurückkehrte. Einmal gelang es dann, die Spur bis aus Ziel zu verfolgen. Die Golowin hatte längst ihre frühere Wohnung usgegeben und bewohnte weit vor den letzten Villenstraßen ein verstecktes Jagdschlößchen. Es erschien Christian sonderbar, daß nicht in hell erleuchtetes Haus sie erwartete, daß kein Diener bereit stand, den Wagenschlag zu öffnen, keine Zofe, Hut und Pelz abzunehmen. Tie unerkennbare Frau schloß sich selbst scheu die Tür des dunklen Hauses auf. Christian beieb frierend und siebernd am Tor des wilden Gartens zurück, sah ein Fenster über dem Portal aufleuchten und bemerkte bis zur Morgendämmerung den fahlen Schein der Lampe hinter den dichten Vorhängen. Er ahnte nicht, daß die Frau dort oben über seinem eigenen Briefe gebengt saß, bleich und mit schmerzverzogenem Gesicht. Sie las:„Was kann es Ihnen bedeuten, daß Sie unzähligen Unbekannten Trosi und Erschütterung und Kiarheit geben und keinem Menschen, der Ihnen die Nähe des Lebens überhaupt versinnbildlicht, sich gewinnen, ja, junges Leben über Ihre Stimme zugrunde gehen lassen? Ich glaube, Beweise zu haben, daß Sie einsam leben und um diese Einsamkeit kämpfen wie andere Menschen um ihre Zusammengehörigkeit.“ Neben dem Brief lag Christians Bild. Sein verzweifeltster und naivster Versuch war gewesen, dieses adonishaft schöne Gesicht der Unbekannten zu zeigen. Zwei Nächte später verübte Christian Thun seinen Einbruch in das Jagdschloß. Wieder war das Zimmer über dem Portal erleuchtet gewesen Maria hörte Schritte im Haus. Sie wußte, wer kam, hüllte sich sröstelnd in einen Schal und ging die Treppe hinunter.„Ah— doch eine Gesellschafterin", nahm die Häßlichkeit kaum wahr und stammelte nur, er müsse die gnädige Frau sprechen. Er empfand die Unmöglichkeit, die goldene Stimme„gnädige Frau" zu nennen. Maria Golowin, die„Gesellschafterin“, sagte mit tränenschwerem Ausblick:„Es ist mir selbst unbegreiflich— die gnädige Frau ist heute vom Sender nicht mehr zurückgekehrt. Nur ein Brief hat ihren Gatten unterrichtet, daß sie mit einem ihm bekannten Freunde nach Paris abWWeve England. So erfolgt die Entführung unerfahrener Mädchen. Eine in Europa umherreisende Mädchenverschleppungsgesellschaft arbeitete in England mit Erfolg nach einem Muster, dessen Darstellung auch in Deutschland Eltern und Kinder zur Warnung dienen kann. In Liverpool verschwand Catherine MeIntyre, eine fünfzehnjährige Tochter angesehener Bürger, aus dem Elternhause. Als sie vermißt wurde, und die Polizei ihr Bild anforderte, um Nachforschungen anstellen zu können, ergab sich, daß Catherine ihre sämtlichen Bilder im Hause, bei Freunden und bei Bekannten beseitigt hatte. Die Mutter erhielt nach mehr als einer Woche einen Anruf ihrer Tochter. Diese versuchte die Mutter damit zu beruhigen, daß sie nur ihrer Leidenschaft zur Bühne gefolgt sei. Ihre Fähigkeiten im Klavierspielen, Singen und Tanzen würden von einer Künstlergesellschaft richtig gewürdigt, mit der sie im Begriff sei, nach Amerika abzufahren, um in einem der besten Theater am Broodway in New York aufzutreten. Sie habe herrliche Kleider und 200 Mark Taschengeld erhalten und werde bald wieder etwas von sich hören lassen. Als die entsetzte Mutter ihr Kind bat, langsamer zu sprechen, da sie die ganze Sache nicht richtig verstanden habe, wurde offensichtlich dem Mädchen an der anderen Seite des Drahtes der Hörer aus der Hand geschlagen. Catherin reist nun ihrem Schicksal entgegen. Einem völlig eindeutigen. Der Broadway in New York ist die glänzendste Amüsementstraße der Erde; viel stärker als die ihn überstrahlende Lichterflut sind aber die mit ihm verbundenen Schatten menschlicher Niedrigkeit. Rußland. Die Ratte als Lotterielos. Im Kampf gegen die immer mehr überhandnehmende Rattenplage in Moskau hat man in der russischen Hauptstadt kürzlich eine sogenannte„Rattenwoche" veranstaltet, in welcher die Vertilgung der schädligen Nager mit besonderem Nachdruck betrieben wurde. Dabei ist gereist sei; ich kann das alles nicht fassen— Herr Doktor und die gnädige Frau haben in ihrer Einsamkeit hier draußen so glücklich miteinander gelebt. Eine Frau wie diese ist wohl nicht zu halten— aber verzeihen Sie, ich behellige Sie mit Privatangelegenheiten des Hauses. Herr Doktor ist natürlich jetzt unmöglich zu sprechen.“ Die Leitung des Senders glaubie dem aufgeregten jungen Menschen seine Meldung nicht. Aber angesichts auch nur der entferntesten Möglichkei eines so großen Verlustes fuhr der Intendant noch am selben Nachmittig zum Jagdschloß hinaus. Alle Türen standen offen. Maria Golowin war wirklich verschwunden. Die Sender boten, als die„Goldene Stimme“ wieder sprechen sollte, kein Ersatzprogramm. Sie alle schwiegen an dem Abend, der unwiederruflich feststehen ließ, daß die goldene Stimme verklungen war. man auf einen eigenartigen Gedanken gekommen, um das Interesse weitester Kreise für das erstrebte Ziel zu gewinnen. Jedermann, der eine tote Ratte einlieferte, erhielt für dieselbe im Austausch ein Los, das zur Teilnahme an einer eigens für diesen Zweck veranstalteten Lotterie berechtigte. Der=passendste Gewinn wäre ja eigentlich ein scharfer Rattenfänger oder eine tüchtige Katze gewesen. Aber die Veranstalter haben sich wohl gesagt, daß diese nicht genug Anziehungskraft besäßen und haben daher namhafte Geldgewinne ausgesetzt. Amerika. Papageien kommen ins Gefäugnis. Die Furcht vor der Psittacosis, der„Papageienkrankheit", beherrscht heute die Welt. Deutschland verbot die Einfuhr der munteren Vögel. In Argentinien wurden sie sogar restlos abgeschlachtet. Die praktischen Amerikaner und Engländer machen nicht so viele Umstände und geben den verdächtigen Tieren einfach die Freiheit wieder. Im New Yorker Zentral=Park wimmelt es seit einiger Zeit von Papageien, die dort in gedankenloser Grausamkeit ihrem Schicksal überlassen wurden. Deren bisherige Besitzer brachten es nicht fertig, ihre alten Lieblinge durch Messer oder Gift umzubringen. In der Winterkälte müssen nun die aus einem warmen Klima stammenden Tiere elend umkommen. Diesen bedauernswerten Geschöpfen ist aber von einer Seite Hilfe geworden, von der man es wohl am wenigsten erwartet hätte. Nicht der Tierschutzverein von New York, dessen Sache es ja in erster Linie gewesen wäre, sondern die Verwaltung von Sing=Sing, der bekannten Strafanstalt, hat sich ihrer angenommen. Dessen Insassen glaubten nicht so recht an die Gefährlichkeit der Papageienkrankheit, und sie haben nun gebeten, ihnen die Vögel, von denen ihre Besitzer sich trennen wollen, zu überlassen. Die Leitung der Anstalt gab ihre Einwilligung, und so dürfte mancher schon zum Tode verurteilte Papagei zu lebenslänglichem Aufenthalt in Sing=Sing„begnadigt“ werden. Der Cemzrals Roman von Robert Misch. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle(S). 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Plitsch, platsch! Das nasse Wasser spritzte nur so herum auf den braunen Dielen der großen Wohnstube in dem alten, kleinen Hause der Bismarckstraße. Kein gemütliches Wohnzimmer übrigens, denn der Herr Kaltenbach verachtete all den Krimskrams des modernen Luxus und Geschmacks. Außerdem wurde soeben Reinemachen abgehalten— eine Prozedour, die auch nicht gerade zur Erhöhung der Behaglichkeit beitrug. Die Stühle waren beseite geschoben oder auf den alten, zerfressenen Lederdiwan gestellt, der Teppich zusammengerollt, die Gardinen hochgesteckt; denn der Herr des Hauses hielt streng darauf, daß die Sachen geschont wurden, so alt und verbraucht sie auch waren. Eine rundliche Gestalt, Auguste, des Hauses Köchin oder eigentlich das„Mädchen für alles“ kniete am Boden und scheuerte naß auf, wobei sie von Zeit zu Zeit seufzende, klagende Laute ausstieß. Eine junge, etwa zwanzigjährige Dame war neben ihr eifrig mit Staubwischen beschäftigt. Das sie eine Dame war, konnte man freilich erst nach genauer Betrachtung feststellen. Mit ihrem gegen den Staub um den Kopf gebundenen Tuch, in ihrem einfachen Kuttunkleidchen mit der blauen Küchenschürze und den hochgestreiften Aermeln, unterschied sie sich nicht wesentlich von der Küchenfee. Freilich verriet das hübsche, feine Gesichtchen, das zwei blaue Augen angenehm belebten, daß man keine Magd vor sich hatte. Die junge Dame horchte von Zeit zu Zeit ängstlich nach dem Korridor hinaus, als wenn sie etwas Unangenehmes von dort erwartete. Wenn sie sich dann überzeugt hatte, daß niemand kam, steckte sie schnell und verstohlen aus einer Tüte etwas in den Mund, an dem sie mit Behagen lutschte und kaute. Die beiden Frauen arbeiteten eine Weile stumm weiter. Endlich richtete sich die Küchenfee aus ihrer gebückten Stellung auf. „Uff— ach!— Bei der Hitze!" „Da— haben Sie ein Praliné als Belohnung", ermunterte sie Fräulein Toni Kaltenbach, die einzige Tochter des Hauses, indem sie ihr das Praliné in den Mund steckte. „Na—'ne Schinkenstulle wär' mir lieber!" erwiderte die Köchin seuszend.—„Danke Fräulein!— Wo haben Sie denn die her? Schmu gemacht bei's Wirtschaftsjeld?“ „Hm— wie käme ich sonst zu Pralinés?!“ „Na, vielleicht von Herrn Ahlers“, meinte die dicke Köchin blinzelnd „Ach der! Der denkt nicht an so etwas. Ueberhaupt—“ „Na wissen Se, Fräulein Toni— merschtenteels hat er kein Jeld.“ „Es ist gut, Auguste— machen Sie nur fertig! Sonst kommt Papa heim, ehe aufgeräumt ist, dann schimpft er gewaltig. „Na, der schimpft auch so... Der schimpft doch immer! Ach Jott, Fräulein, Sie können mir wirklich leid tun!" „Wieso"? „Na, wenn ich das so mit ansehe, wie Sie Ihre schönste Jugend vertrauern... Jesellschaften jibt's hier nich... junge Leute sehen Sie auch nich, außer unsern Zimmerherrn— und das is man so einer!... Nich mal nach Halensee können Sie tanzen jehen wie unsereins.“ „Nein, das kann ich freilich nicht", lachte Toni belustigt. „Immer bloß den ollen, brummigen Mann und Sonntags im Tierjarten spazieren jehen", fuhr die Köchin fort,„das muß Ihnen doch auf die Dauer langweilig werden.“ „Auguste, Sie sprechen von meinem Vater!“ rief Toni streng. „Leider Jottes!“ erwiderte die mundfertige Köchin schnell, die vor ihrem Fräulein nicht allzuviel Respekt hatte.„Alt und grau können Sie dabei werden. Wie sollen Sie'n da mal zu ’nem Mann komme, frage ich?“ Sie schien einen wunden Punkt bei der jungen Dame berührt zu haben; denn diese seufzte laut und vernehmlich auf. „Ach ja, Auguste!— Sie sollen sehen, ich triege auch keinen!" „Na, wie schon die Männer heutzutage sind! Ich habe schon drei Bräutigams jehabt, und immer sind se abjeschnappt im letzten Momang. Aber freilich“— sie lächelte verschmitzt—„ich bin auch man bloß ein armer Schlucker. Wo Moos is, da kommen de Männer. Aber der Olle— wollte sagen, der Herr Papa läßt ja keinen'ran; und von de Mitgift wird er sich auch mal schwer trennen wollen— und ohne Mitjist, is nich! Inee!“ Ein Schatten legte sich über die hübschen Züge des jungen Mädchens. Mühsam kämpfte sie gegen die Tränen an, die in ihren blauen Augen blinkten. Aber es schien ihr doch nicht recht passend, solche Intimitäten weiter mit der Küchensee zu erörtern. Wortlos seufzend, machte sie sich von neuem an die unterbrochene Arbeit. Während Toni im Schweiße ihres Angesichtes stumm weiterarbeitete, dachte sie über die Worte des dienstbaren Geistes nach, die ihr mit grausamer Deutlichkeit zum Bewußtsein brachten, was sie sonst nur dumpf und schmerzlich empfand. Ja, es verhielt sich so; sie führte ein Leben, das sich von dem ihrer Alters= und Standesgenossinnen wesentlich unterschied. Während diese von Vergnügen zu Vergnügen flatterten, Freundinnen hatten, Gesellschaften und Theater besuchten, mit jungen Herren flirteten, hatte sie nur Arbeit und Pflichten. Ihr Vater duldete keine Freundinnen und Kaffeekränzchen; er gab keine Gesellschaften, empfing keine jungen Herren und ließ sie nicht einmal das Theater besuchen. Selbst die unschuldigsten Vergnügungen und Genüsse waren ihr verwehrt; und„putzen" durfte sie sich schon gar nicht. Der Papa gab ihr nur das allernotwendigste Wirtschaftsgeld. Bänder, Spitzen, schöne Hüte und Kleider konnte sie nur auf der Straße und in den Auslagen bewundern. Sich selbst mit diesen„Modetorheiten“ zu schmücken, wie es Kaltenbach verächtlich bezeichnete, blieb ihr versagt. „Dazu bin ich zu arm“, meinte der Rentier, der die Schwäche hatte, sich im eigenen Hause wie vor fremden Leuten für einen Mann auszugeben, der kaum sein Auskommen hat und gezwungen ist, an allen Enden und Ecken zu sparen. Es gab jedes Jahr einen förmlichen Kampf um das eine Sommerfähnchen und das Winterkleid, mit denen sie sich begnügen mußte. Den Stoff dazu suchte der Rentier aus; sie fertigte sich mit Hilfe einer billigen Näherin die Garderobe selbst an. Ganz einfach natürlich, ohne jeden Ausputz; darauf hielt der Vater streng. Willig hätte sie das alles ertragen, wäre nur die Aussicht gewesen, daß eine Heirat sie bald von dieser väterlichen Tyrannei befreite. Aber woher sollte der Freier für ein Mädchen kommen, das nie einen Herrn kennenlernte? Und dann— die Frage der Mitgift! Ihr Vater sagte jedem, der es hören wollte, laut und deutlich, daß er das für eine der unmoralischsten und schlechtesten Einrichtungen der modernen Zeit hielte. Eigentlich müsse der Bewerber die Tochter dem Vater abkaufen. Er war ganz entzückt, als er einmal in seiner Zeitung von dem Brautkauf las, wie er bei manchen wilden Völkern üblich ist. „Wer ein Mädchen lieb hat, braucht keine Mitgift“, pflegte er bei solchen Erörterungen zu beenden. Ein gütiges Geschick hatte ihr da endlich eine Freundin ins Haus gebracht. Die Eltern einer süddeutschen Kusine, die sie nie vorher gesehen, waren kurz hintereinander am Typhus gestorben; und Kaltenbach nahm die junge Waise, das Kind seiner Schwester, dessen Vormundschaft ihm als dem einzigen Verwandten zufiel, in sein Haus auf. Fortsetzung folgt. ROMAN VON URHEBERRECHTSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER WERDAU SA. (2. Fortsetzung.) stieg ihm siedend heiß das Bei dieser Frage 1#### un ean2 heig das Blut zum Kopf Er brauchte Geld Jeder Mensch braucht zu Weihnachten Geld. Er dachte daran, daß es üblich war, dem Personal Weihnachtsgratifikationen auszuzahlen. Au seine kleinen Tippmädelchens rechneten damit und würden traurig sein, wenn ihre Berechnung nicht eintraf. Die Vorstellung, ihre traurigen Gesichter sehen zu müssen, machte ihn elend. Es gab für ihn nichts Unertraglicheres auf der Welt, als eine Frau traurig zu sehen. Sein Buchhalter kam zu ihm, um ihm etwas vorzutragen. Während er dies tat, kritzelte Theo Zahlen auf die Wechselformulare, die gerade vor ihm lagen, addierte die Zahlen zusammen, kratzte sich seinen Kopf und sagte:„Nein, es eot bicht.., nicht ahnen konnte daß die meh Sein Buchhalter, der ja nicht ahnen tomne, daß die mehrstellige Zahl die Summe darstellte, die der Chef für Weihnachtsgratifikationen auswerfen mußte, sah ihn verdutzt an. Theo Klose machte sich sehr gerade, sah aber mit einem unsicheren Blick an seinem Buchhalter vorbei und sagte: „Huber, ich glaube, wir kämen jetzt mit einem einzigen Tippfräulein aus. Ueberbringen Sie den restlichen meine Kündigung zum 1 Dezember. Fräulein Windmüller bleibt. Uff!“ Das war überstanden. Er hatte nichts dagegen, daß die Mädchen schon in den letzten Tagen des November gingen. Er haßte jeden Abschied, weil jeder Abschied mehr oder weniger traurig war. Und so ging er während der letzten Novembertage in den Harz, um nicht dabei zu sein, wenn die Mädchen für immer fortgingen. Aus dem Harz brachte er sich einen haushohen Schnupfen mit und für Jenny einen Briefbeschwerer. Der bestand aus einem gewölbten Glas, unter dem man den Hexentanzpalast geklebt hatte. Jenny sah ihn an, lachte und nahm sich vor, ihn zu Weihnachten weiter zu verschenken. Gegen Theos Schnupfen empfahl sie tanzen. Theo fragte nach ihren Kolleginnen. Sie sagte lachend:„Alle weg. Gott sei Dank!“ Am Nachmittag dieses Tages kam ein Händler, der Theo fünf Schreibmaschinen abkaufte und gleich bezahlte. Theo konnte nicht einsehen, wozu sechs Schreibmaschinen herumstehen sollten, wo doch nur eine gebraucht wurde. Jenny fragte:„Was fangen Sie nun mit all dem Gelde an“ Sie wartete aber gar nicht seine Antwort ab. sondern sie machte ihm einen Vorschlag. „Kaufen Sie sich ein Schrankgrammophon, das stellen wir in Ihr Arbeitszimmer und haben wir nichts zu tun, tanzen wir. Es wäre so praktisch, wir könnten ungeniert die neuen Tänze einüben. Es gibt so viele jetzt. Man ist ja elend dran, wenn man nicht mit kann.— Was meinen Sie? Für Ihren Schnupfen wäre es auch gut.“ Sie sah ihn mit einem bettelnden Blick an. Um seinen sehr kleinen und sehr blonden Schnurrbart zuckte ein Lächeln. „Na, meinetwegen,“ sagte er endlich—„tanzen ist eine lustige Sache. Was hilft das Trübsalblasen— immer lustig.“ Und sie gingen beide zum Alexanderplatz. Er wollte ins Warenhaus Tietz, aber sie hatte ein Grauen vor Warenhäusern— einmal hatte sie sie heiß geliebt. Sie offenbarte ihm nicht ihr Grauen, bestand nur darauf, daß man in ein Spezialgeschäft gehe. Man fand sehr bald eins. Fand dort natürlich auch, was man suchte. Theo kaufte ein Grammophon mit den neuesten Platten. Es wurde nicht sofort bezahlt. aber sofort ins Kontor geschafft. Von jetzt ab machten Theo und Jenny täglich Ueberstunden... mehr von ihnen und den verdammten Makohemden zu hören———“ „Bist du übergeschnappt?“ fragte die Mutter. Er gab zu:„Ein wenig!“ Eines Tages— er kam zu Tisch— fragte ihn seine Mutter nach dem Weihnachtsgeschäft. Er mußte zugeben, daß es flau war. „Nanu, woran liegt das?“ fragte die Mutter und ihre klugen grauen Augen forschten in seinem Gesicht. „Tja, Mutter, wie kann ich das wissen?“ Mutter Klose wurde heftig. „Wer soll es sonst wissen, wenn nicht du?— Geht das Geschäft nicht so, liegt es an dir. Durch dreißig Jahre ist es gut gegangen. Das Weihnachtsgeschäft brachte immer eine reiche Ernte.“ „Die Zeiten ändern sich, Mutter. Geld ist knapp. Und wer noch etwas kauft, legt es nicht gerade in Jägerhemden und Wollsocken an.— Mir ist langsam die Ueberzeugung gekommen, daß dieses Genre Menschen, das einst Jägerhemden und Wollsocken trug, ausgestorben ist.“ „Red keinen Unsinn. Denk lieber ernsthaft über dein Geschäft nach. Wenn in den Großstädten der Absatz für unsere Artikel nicht mehr befriedigend ist, so hättest du längst darauf kommen müssen. die Reisenden in die Provinz zu schicken, aber das willst du nicht.“ Theo verteidigte sich. „Ich mill nicht?! Warum sollte ich nicht wollen? Froh wäre ich. die faulen Kerle für einige Zeit los zu werden. Am liebsten schicke ich sie alle, wie sie gebacken sind, meine drei Schwäger vorweg, über den Suezkanal nach Ostafrika Die letzten Ballen Makohemden gäbe ich Ihnen mit.— Mutter ohne mit der Wimper zu zucken, tät ich das, nur um nichts Man ging zu Tisch. Die Mahlzeit wurde schweigends eingenommen. Theo ging, kaum daß er den letzten Vissen hinuntergewürgt. 897s: Um drei Uhr erwartete ion Jenny in Gumperts Konoltorei. Er hatte ihr Punschtorte und Schlagsahne versprochen Er fühlte sich verpflichtet, ihr dann und wann eine kleine Freude zu machen, ihr Leben war zu trostlos. Mutter Klose verkniff sich heute ihr Mittagsschläschen. Sie kleidete sich zum Ausgehen an. Flora, das unverheiratete Kücken, fragte erstaunt, wo sie hinwolle und bot ihr ihre Begleitung an. „Ich muß mich mal nach dem Geschäft umsehen. Flora. Schon lange habe ich das deutliche Gefühl, daß das nötig ist. Wenn kein Glatteis ist, kann ich allein gehen.“ Es war kein Glatteis. Ein frostklarer Tag war es. Es eing sich gut.„„ 6 Viele Menschen begegneten Mutter Klose und ihr schien, daß in ihren Gesichtern die freudige Erwartung des nahenden Festes stand. Alle, alle waren froh, nur sie nicht. Ihr Herz war von Kummer bedrückt. 3. Vom Treppenflur links führte eine Tür in das Kontor des Chefs Geradeaus eine ins Geschäftslokal. Diese geradeaus gelegene Tür hatte eine blanke, stark abgegriffene Mutter Klose stand zwischen beiden, unentschlossen durch Durch diese links war sie in früheren Jahren unzählige Male gehuscht, um ihren Ferdinand unter Tag 3u Sie hatte ihn stets bei der Arbeit getroffen. in ver er sich von andern nie stören ließ. Von seiner Frau zu jeder Zeit. Mutter Klose seufzte tief auf. Ja, das war noch eine gute, glückliche Zeit! Sie drückte die Messingklinke nieder und betrat den Verkaufsraum, der düster und verödet dalag. Aus irgendeinem Winkel kam Schabrick angesturzt. Er sah aus, als hätte man ihn eben unbarmherzig einem schönen Traum entrissen. Mit schreckhaft geweiteten Augen starrte er seine alte Chefin an. „Guten Tag, Schabrick, na was macht Ihr hier?“ Er vergaß den Gruß zurückzugeben, fuchtelte mit den Händen rückte mit den eckigen Schuttern. „Sagen Sie meinem Sohn, daß ich da bin.“ Schabrick gestand, hilflos verwirrt, daß der Chef noch nicht von Tisch zurück sei. „So— und die Fräuleins?“ Mutter Klose ging zur Tür des Schreibzimmers. Es war leer...9 Wo sind die Stenotypistinnen:.... Mart macht. „Steno— steno— typ— typ—. das Wort machte ihm Schwierigkeiten. Er sah sich um, wie nach etwas, das man verlegt hat und nun mit den Augen sucht, dann platzte er heraus:„Alle weg. Der junge Chef hat sie entlassen.“ Mutter Klose war starr. Was ging hier vor? Das Personal wurde entlassen, ohne daß man sie danach fragte. Sie sah auf die Uhr. Sie zeigte auf fünf. Um zwei war Theo von Hause fortgegangen. Wo steckt er? Sie schüttelte den Kopf.„Wer ist eigentlich eben im Hause, Er stieß mit seinem schmutzigen„ Zeigefinger auf seine eingefallene Brust und sagte: „Und wo ist Herr Huber, der Buchhalter?“ „Der ist noch hier— aber eben ist er nicht hier— da is er wo anders,“ stammelte er—„vielleicht kommt er noch.“ Mutter Klose wußte nicht, sollte sie lachen oder weinen, sie entschied sich für keines von beiden. Ihre Zähne bissen aufeinander, daß es einen knirschenden Laut gab, ihr Fuß trat den Boden, daß es knallte. Schabrick, sich dunkel an Gewitter erinnernd, die jah und heftig aus Mutter Kloses Gemüt hervorbrachen. kaum daß es sich bewölkt hatte. schlotterten die Knie. Mutter Klose nahm ihren Hut und Mantel ab, übergab „In den Schrank damit, nicht draußen aufhängen," befahl Sie dachte sehr schnell, außerordentlich schnell und klar für eine Frau. Theo sollte bei seinem Eintritt ins Geschäft nicht durch sie gewarnt werden. „Zeigen Sie mir das Lager.“ Schabrick ging ihr vorauf. In seinen Beinen war ein Zittern. Nun würde das Ungewitter kommen. Er spürte es ganz deutlich. Und auf ihn.— weil er allein nur da war, würden die Blitze niederzucken. Das Lager war nicht reichhaltig. Es lag im trüben Lichtschein einer einzigen Gasflamme. Auf dem kurzen Ladentisch lag ein Ballen. auf dessen blauer Pappumhüllung der Vermerk stand:„Zurück!" Mutter Klose befahl sämtliche Gasflammen anzuzünden. Sie las die Adresse der Absenderin auf dem Ballen mit dem Vermerk:„Hüttel—. Schnittwaren und Trikotagen— Holberstadt a. 9..., G 5 Gs 8 Das Blut stieg ihr ins Gesicht. Huttel=Halberstadt: Diese Firma hatte jahrzehntelang von ihnen bezogen. Sie hatte immer viel gebraucht und zahlte prompt. „Warum ist die Ware zurückgekommen? Wissen Sie das?“ wandte sie sich an Schabrick. Der kratzte sich den Hinterkopf. „Motten,“ sagte er und machte ein paar Schritte zurück „Mot—ten?— Was, ihr habt Motten in die Ware kommen lassen?“ Mutter Kloses Blick und Haltung wurde furchterregend. Schabrick nickte heftig, zog sich weiter zur Tür zurück und sagte:„Ja, wir haben Motten.“ Mutter Klose horchte auf. Was war das? Musik? Sie packte Schabrick am Rock. „Hier geblieben,“ zischte sie ihn an. Er drückte sich zitternd an die Wand. „Ich kann nicht dafür.“ stammelte er,„auch dafur nicht, und wies auf die noch offen stehende Tür, durch die die Töne einer weichen Tanzmusik flossen. Das Schlürfen von Schritten hörte man. Mutter Klose war sofort klar darüber, was im Hause vorging„.„. Mens „Schnüren Sie den Paa oa auseinanver, legen Sie die Ware aus! Ich komme sofort wieder,“ sagte sie zu Schabrick und ging, ihren Schritt leicht machend, zum Arbeitszimmer des Chefs. Die Musik kam aus diesem Raume. Sie riß mit kurzem Ruck die Türe auf. Theo. den Arm um Jenny gelegt, eben noch graziös mit ihr hin= und hertrippelnd, blieb wie angeleimt stehen. Langsam sank sein Arm herab. Sein Blick hatte auf einmal etwas hilflos Flehendes. Am Grammophon stand Hanne Jamradts Aeltester. ein großer schlanker Jüngling, die grüne Schülermütze mit dem weißen Streifen ins Genick geschoben, im runden Jungengesicht, große braune Augen, in denen ein übermütiges Lachen war. 358 „'n Abend, Großmutter. rief er, die lastenbe Stille unterprechend.,.„Pattur Gtole Mi hn Ein Gegengruß kam nicht. Mutter Kloses Blick richte immer noch auf Theo. Endlich sagte sie: „Pfui, schäm dich!“ Er raffte sich zusammen und kam zu ihr. „Och. Mutter, was ist da zu schämen. Wir tanz n doch bloß n bißchen.“. s. 1 Jenny schlich hinaus. Keiner hielt sie zurück...... Männe Jamradt sagte:„Siehste, Theo, ich hab oir's gleich gesagt.“. Er legte die Grammophonpiatten zusammen. Eine ehielt er zurück, um sie einzulegen. „Sage Junge, was hast du dir dabei gedacht, unser altes Geschäft derart herunterzuwirtschaften?“ hauchte Mutter Klose ihren geliebten Theo an und schlug ihm die Hand auf die Achsel. daß er einknickte.„Was hast du aus unserem Geschäft gemacht? Eine Lotterbude. in dem du mit dem nichtswürdigen Geschöpf, der Jenny, herumhopst! Schämst du dich nicht?— Das Personal entläßt du—“ „Die Mädels, Mutter! Es war ja längst nichts mehr für sie zu tun. Ich hätte ihnen auch nichts zu Weihnachten schenken können Das wäre doch schrecklich peinlich gewesen. Besser, sie sind nicht da,“ verteidigte er sich. „Warum ist nichts zu tun— he? Warum nicht? Ich will dir's sagen: Weil du, statt unsere Ware umzusetzen, sie zum Mottenfraß hast werden lassen.“ Theo erbleichte. Er riß an seinem sehr kleinen, sehr blonden Schnurrbart. Seine blauen Augen hatten einen Ausdruck. der um Gnade flehte. „Komm mit," befahl die Mutter und ging ihm vor auf zum Lagerraum. Schabrick hatte den Inhalt des Ballens über den Ladentisch gebreitet. Mutter Klose nahm Stück für Stück, hielt es ausgebreitet hoch, daß das Licht hindurchschien und die Mottenstellen sehen ließ. „Da hast du es— eines wie das andere mottenzerfressen. Machen Sie die übrigen Ballen auf. Schabrick— Warum ist die Ware nicht ausgepackt worden?“ „Mutter, wie konnt' ich ahnen, daß jetzt im Winter Motten Sie ließ ihn nicht ausreden. „Die sind schon vom Sommer her drinnen. Alles haben sie aufgefressen, das ganze Lager.“ Es war so. Es gab kein Stück, das nicht Schäden aufwies. Mutter Klose schäumte vor Wut und Empörung. Im Arbeitszimmer sang Elisabeth van Endert vermittelst Grammophonplatte:., W4, Tich chr e 8 „Glücklich ist— wer vergißl— was nicht mehr zu andern ist—“ „Sorg' dafür, daß das elende Gequietsche aufhört oder ich trete den Kasten in Grund und Boden!“ zischte Mutter Theo stürzie aus dem Zimmer und kam, von Männe gefolgt, in den furchtbaren Raum zurück. „Jroßmutter, ich helf dir die Motten keschern,“ sagte Männe sich den Rock ausziehend.—„Jeklopft muß werden, Jroßzmutter, auf Deibel komm'raus.— Ich kenn den Rummel. Wir haben schon lange die Motten— unsre ollen Soffas habens in sich.— Schabrick, Sie oller Knickrig, stehen Se nicht so verdaddert da, als wäre die Sintflut über uns jekommen. Jehn Sie'n Ausklopper holen.“ Als Schabrick die Tür öffnete, um das Verlangte zu holen, sah Männe durch diese Jenny, die sich eben ihren Hut über den Kopf zog —*4 Er rief ihren Namen. (Fortsetzung folgt.) 53 SSasss S x Ss S #.. üE SCSESS S U. S SR SS B S 7 achn Sn Was der Laie von der Rechtspflege wissen muß? Zur Frage der Haftung des Aliordarbeiters für Arbeitsmängel. Kläger, der seit Jahren bei dem Beklagten als Dreher tätig war, hatte neuerdings bestimmte Automaten im Betriebe des Beltagten zu bedienen, an denen er in Aklord eine Wochenmenge von etwa 9000 Schrauben herzustellen gedacht hatte. Er hattt schon in den ersten zwei Wochen hierbei zicmlich viel Ausschuß geliefert, und als in der dritten Woche der Ausschuß über 6000 Stück betrug, verweigerte der Arbeitgeber die Bezahlung der fehlerhaften Stücke, indem er sich einmal auf die Bestimmung der Arbeitsordnung berief, wonach der Arbeiter jeden Nachteil, den er vorsätzlich oder fahrlässig der Firma zufügt, zu ersetzen hat, und in dem er seiner geltend machte, der hier vorliegende Serienaktordvertrag falle unter den rechtlichen Begriff des Werksvertrages, der Kläger dürfe also Bezahlung nur für einwandfreie Stücke sordern. Der Kläger bestritt jegliches Verschulden und erklärte die große Menge Ausschuß damit, daß er ungeeignetes Mactial zu verarbeiten gehabt habe. Im übrigen sei der Aktordvertrag kein Werkvertrag, sondern ebenso wie der Stundenlohnvertrag ein Dienstvertrag. Das Landesarbeitsgericht hatte dem Kläger recht gegeben, das Reichsarbeitsgericht jedoch gelangte auf Revision des Beklagten zur Aufhebung des Urteils. Allerdings— so heißt es in den Gründen trägt der Betriebsunternehmer grundsätzlich das Risiko der Arbeit, die Haflung für Zuverlässigkeiten des Betriebes. Er lann aber Treu und Glauben widersprechen und auch der Auffassung billig und anständig denkender Arbeiter zuwiderlausen, wern der volle Akkordlohn für Arbeitsstunden gesordert wird, die infolge eines Verschuldens des Arbeiters unbrauchbar sind. Der Serienaktord bringt für den Arbeitgeber immer die Gefahr mit sich, daß der Arbeiter, um viel zu liefern, nicht mit der nötigen Sorgfait arbeitet, daher verlangt der Serienaltord auch einen weitergehenden Schutz des Arbeitgebers als der Stundenlohnvertrag In vielen Betrieben werden demgemäß nar diejenigen Stücke zu dem vereinbartem Satze bezahlt, die sich bei der Prüfung als einwandfrei erweisen. Hierbei ist zu beachten, daß bei Präzisionsarbeit von dem Arbeitnehmner ein größeres Maß an Sorgfalt zu verlangen ist als bei geringwertiger Massenware. Im Einzelfall kommt es darauf an, was als ausdrücklich oder stillschweigend vereinbar; anzusehalt ist, auch ist die in dem betressenden Industriezweig bestehende Uebung zu brochten. Bei erneuter Erörterung der Frage, ob die Bestimmung der Arbeitsordnung. auf die der Beklagte sich beruft, hier anzuwenden ist, wird die Vorinstanz diese Gesichtspunkte zu beachten haben.(Reichsarbeitsger. 125/29). Studenten als Erwerbslosen= und Krisenunterstützungsbezieher. Kläger hatte vier Semester studiert, angeblich weil er als Kaufmann keine Stellung erhalten konnte. Dann bekleidete er eine Zeit lang eine kaufmännische Stellung und bezog im Anschluß daran Erwerslosen= und Krisenunterstützung. Während dieser Zeit studierte er wieder drei Semester lang und gab auf befragen der Behörde die Erktärung ab, er habe die Absicht, sich auf Grund der zurückgelegten Semester der Prüfung als Diplomkaufmann oder Diplom=Handelslehrer zu unterziehen. In letzter Instanz hatte das Reichsversicherungsamt darüber zu entscheiden, ob in Fällen dieser Art Erwerbslosen= bezw. Krisenunterstützung zu zahlen ist.— Es kommt darauf an, so meinte das Reichsversicherungsamt, ob der ursprünglich Arbeitslose sich durch Uebernahme des Studiums dem Arbeitsmarkt verschließt. Keinessalls kann Krisenunterstützung in Frage kommen, wenn jemand, der zunächst berufsmäßiger Arbeitnehmer war, durch Uebernahme einer anderen Tätigkeit sich dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht mehr zur Verfügung hält.— Wenn jemand seine Arbeitslosigkeit dazu benutzt, sich weiter auszubilden oder seine bisherigen Berufskenntnisse zu erhalten, während er in der Hauptsache bestrebt ist, wieder eine Arbeitsstelle zu erhalten, so bildet die nebenhergehende Ausbildung kein Hindernis für Fortwährung der Krisenunterstützung.— Anders liegt der Fall, wenn ein früherer Arbeitnehmer unter Einsetzung seiner Arbeitskraft sich als immatrikulierter Student einer Aus= oder Fortbildung widmet. Dann strebt der Betreffende nicht in erster Linie danach, wieder eine neue Arbeitsstelle zu erreichen, vielmehr verschließt er sich während dieser Zeit in Wirklichseit der Arbeitsvermittelung. In Fällen dieser Art ist somit die Weitergewährung der Krisenunterstützung nicht mehr zulässig.(RVa., II. a. Nr. 48. 28). Brand in vermieteten Fabrikräumen. Schadenersatzanspruch gegen die Versicherungsgesellschaft. Ein Fabrikant hatte von einem Grundstückseigentümer eine Anzahl Fabrikräume gemietet. Außer dem Mietzins hatte der Fabrikant auch die Beiträge zur ProvinzialFeuerversicherung zu tragen. In dem Mietvertrage war serner vereinbart, daß der Mieter nicht für Brandschäden aufzukommen habe, die ihre Ursache in Zufall und in ter Fahrlässigkeit hätten, doch war dem Mieter ausdrücklich die Bedingung auferlegt worden, er müsse alle Vorsichtsmaßregeln gegen Feuersgefahr beachten und befolgen. In einem der gemieteten Räume war eine Feldschmiede aufgestellt, die mit einem Ventil arbeitete, und als eines Abends ein Brand in der Farbrik ausbrach, der die in Frage kommenden Gebäudeteile zum erheblichen Teil zerstörte, nahm die Versicherungsgesellschaft an, daß der Brand durch das Arbeiten an der Feldschmiede entstanden sei. Ein diesbezüglicher Beweis wurde indessen nicht erbracht. Die Versicherungsgesellschaft zahlte dem Grundstückseigentümer seinen Schaden und strengte dann gegen den Fabrikanten die Ersatzklage an. Der Vorderichter hatte den Anspruch mit der Begründung abgewiesen, die klagende Gesellschaft hätte den Beweis erbringen müssen, daß der Brandschaden auf grobe Fahrlässigkeit oder auf Vorsatz des Beklagten zurückzuführen sei. Einen solchen Beweis habe aber die Versicherungsgesellschaft nicht geführt. Das Reichsgericht hat das Urteil aufgehoben. Aus den§§ 548,556 BGB gehe hervor, deß dem Mieter dem Vermieter gegenüber die Beweislast dafür obliegt, daß eine Zerstreuung oder Beschädigung der Sache durch Brand nicht auf einen von ihm zu vertretenden Umstand zurückzuführen sei. Wenn der Vorderrichter gleichwohl die Klägerin für beweispflichtig dafür hält, daß der Schaden auf Vorsatz oder Fahrlässigkeit des Beklagten zurückzuführen sei, so verletzt er die Regel der Beweislast, wonach der Mieter sich von der Schuld zu befreien hat, sofern keine abweichende Vereinbarung getroffen ist. Die abweichende Vereinbarung im vorliegenden Falle bezog sich aber nur auf Zufall und leichte Fahrlässigkeit.(Reichsgericht., VII. 215. 28). Die„Annehmlichkeiten“ des Wohnens auf dem Lande. Viele verwöhnte Großstädter, denen die Mietpreise für ihre— im Verhältnis zu den Wohnungen auf dem Lande doch stets komfortablen— Wohngelegenheiten häufig zu hoch erscheinen, und die stets mit dem Gedanken spielen, aufs Land überzusiedeln, wo es sich angeblich billig und gesund wohnen lasse, denken nicht daran, daß das Wohnen auf dem Lande auch unsäglich viele Schattenseiten hat. So fühlte sich der Mieter einer in einem Dorf gelegenen Wohnung dadurch belästigt, daß der Eigentümer des Hauses, in dem er wohnte, unmittelbar vor den Fenstern der Schlafstube des Mieters einen Misthausen unterhielt, der natürlich wenig angenehm duftete und ihn angeblich hinderte, die Fenster jenes Zimmers zu öffnen. Auf Veranlassung des Mieters erließ denn auch der Amtsvorsteher eine Verfügung an den Hauseigentümer, innerhalb acht Tagen den Düngerhaufen fortzuräumen, widrigenfalls dies zwangsweise auf seine Kosten geschehen würde. Landrat und Regierungspräsident hatten die Verfügung für berechtigt erachtet. Die Wohnung des sich belästigt fühlenden Mieters sei naß, und die Nässe lasse sich nur durch Zugluft vermindern. Der Mieter könne aber die in Frage kommenden Feuster wegen der üblen Gerüche nicht öffnen; auch sei zu bedenken, daß in der warmen Jahreszeit unzählige Mücken, Fliegen und andere Insekten dort herumschwärmten, die Infektionsstoffe in die Wohnung tragen und die Gesundheit der Bewohner schädigen könnten. Wiewohl auch das vom Regierungspräsidenten eingeholte Gutachten der Gesundheitskommission dem Eigentümer ungünstig lautete, hat das preußische Oberverwaltungs= gericht zu Ungunsten des Mieters erkannt. Innerhalb einer Großstadt, so meinte dieser Gerichtshof, wird die Anhäufung übelriechender Stoffe ohne weiteres als„Gefahr" im Sinne des Gesetzes angesehen werden müssen. Auf dem Lande dagegen sind die Möglichkeiten einer Beeinträchtigung der Gesundheit aus Ursache der in Rede stehenden Art tatsächlich geringer, sie werden auch von der Bevölkerung nicht als Gefahr empfunden, da sie mit der landwirtschaftlichen Berufstätigkeit unvermeidbar verbunden sind. Es handelt sich somit nur um Unannehmlichkeiten, mit denen jeder Dorfund Kleinstadtbewohner zu rechnenhat.(Pr. OBG., III. A 68. 28.). 63. Jahrgang Nr. 38 Unterhaltungsblatt zur„Schwerter Zeitung“ Freitag, 14. Februar 1930 Ins Eisen gegangen Humoreske von Wilhelm Lennemann Das Dorf schläft, die Linden dusten in die stille Nacht. Kein Lichtlein scheint mehr auf die Gassen. Eben schließt auch der Krüger die Haustür, nicht gar vergnüglich, denn Mitterternacht ist lange vorüber. Die letzten Burschen torkeln in die Nacht. Drei wenden sich in die Gasse, die ins Oberdorf führt, der vierte schlenkert gemächlich die Dorfstraße entlang. Der Toni Echtermeier ist's, ein hübscher und großer Bursche und Erbe eines reichen Hofes. Er weiß, daß er etwas vorstellt, und das nutzt er bei den Dorfschönen auch gar weidlich aus. Aber was er vorhin im Kruge gesagt hat, war doch zu viel.— Er könnt' alle Mädchen„haben", wenn er wollt'! „Auch die Vroni Eckmann?“ hat man ihn gefragt. „Warum nit?“ hat er erwiedert. Da gabs ein lustiges Lachen, denn die Vroni ist die Stolzeste und Forscheste im Dorf, die noch keiner gebändigt hat. Und kein Bursche darf sich rühmen, ihrem Herzen näher zu stehen, als Nachbarschaft und Freundschaft zulassen. „Warum nit!“ sagt der Toni noch einmal besinnlich, und er pfeift leise durch die Zähne, wie er immer tut, wenn ihm ein guter Einsall kommt. Kennt er die Vroni doch von Kindesbeinen an und hat am vergangenen Sonntag nach dem Kirchgang noch ein Schwätzchen mit ihr gehalten. Auf dem Tanzboden sind sie nicht fremd an einander vorbei gegangen. Und wenn er sich recht besinnt, so meint er, in ihren Augen auch schon gelesen zu haben als gute Freundschaft. Da hält er auch schon vor dem Hause des Eckmann. Es steht abseits der Straße im Schatten einer mächtigen Kastanie, die ihre starken Aeste bis an den Hausgiebel reckt. Der Bursche geht über den Hof. Dort oben, im zweiten Geschoß, hinter dem Fenster mit den brennenden Geranien, muß das Stüblein der Vroni sein. Er sucht auf dem Hofe. Der Schuppen ist verschlossen, da ist keine Leiter aufzutreiben. Der Toni zerbeißt einen Fluch zwischen den Zähnen. Ueber dem Fenster des Mädchens ist die Dachluke, darüber ein Querbalken mit Rolle und Seil, daran die Kornsäcke auf den Boden gezogen werden. Ein Ast des Nußbaums streicht hart an dem Balken vorbei. Und Nußbaum. Ast, Seil und Fenster schaffen in dem verwegenen Burschen eine seltsame Ideenverbindung, die er auch alsbald in die Tat umzusetzen gedenkt. Er schleppt einen alten Sägebock unter den Nußbaum. Nun kann er den untersten Ast fassen. Gleich sitzt er auch schon darauf und steigt höher in den Baum. Jetzt ist er in Giebelhöhe; vorsichtig klettert er dem Seil zu. Mit der einen Hand hält er sich fest, mit der anderen sucht er es zu fassen. Nach drei, vier Versuchen gelingt es ihm, erst das eine und dann das andere Seilende in die Hand zu bekommen. Da hat er gewonnen. Er umklammert die beiden Enden, schicbt sich langsam von dem Ast herunter— ein Schwung, ein Ruck, und er schwebt frei in der Luft. In wenigen Augenblicken ist er ein paar Meter tiefer vor dem Fensier der Proni und sitzt gemächlich auf dem äußeren Fenstersitz. „Nun kommt die Probe!“ meint er zuversichtlich, und er klopft leise ans Fenster. „Proni!“ Zweimal, dreimal klopft und ruft er.. Nichts rührt sich im Zimmer. Das Mädchen hatte harte Arbeit und gesunden Schlaf. Er klopft stärker, er rüttelt leise.„Vroni, mach auf!“ Da regt es sich, eine verschlafene, verworrene Stimme fragt. „Ich bins, der Toni, mach auf, Vroni!“ Nun ist das Mädchen bei Sinnen, und wirklich steht es auf, hängt ein paar Kleidungsstücke über und steht vor dem Fenster. „Du, der Toni?“ fragt sie erschrocken und verwundert.„Ja, was willst denn Du hier!" „Ich hatt' solche Lust, Dich zu sehen, Proni. Komm, sei lieb und laß mich ein, daß wir ein wenig schwätzen!" „Jetzt in der Nacht? Da komm doch am Tag, Toni!“ Und ein leises Lachen klingt mit. „Ich hab' die ganze Woch an dich gedacht. Ueber Tag muß ich arbeiten, heute abend hat's mich nimmer gehalten.“ „Armer Bub!“ „Hab ein Erbarmen, Vroni, und laß mich ein!“ Das Mädchen lacht spitzbübisch in sich hinein. Es sieht die beiden Seilenden in den Händen des Toni und überschaut blitzschnell die Lage:„Das geht ja nimmer, Tom, du sitzest auf dem Fensterbrett, und die Flügel schlagen nach außen! Da schau!“ Sie öffnete das Fenster ein ganz klein wenig. „Gemach!“ ruft er, du stößt mich in den Hof!“ „Da gib mir das eine Seilende und häng dich derweil an das andere, indes ich aufmache.“ Und schon langt ihr weißer Arm listig durch den Fensterspalt. In dem Burschen singen und brausen tausend heiße Wünsche, ein jubelndes Lied der Gewährung. Das macht ihn blind und wirr.„Sofort, Vroni, sofort!“ Und derweil der Bursche das eine Seilende saßt, zieht der weiße Arm das andere mit einem Ruck zu sich ins Zimmer und hält es mit beiden Händen. Der Toni schaukelt vor dem Feuster. „Stoß das Fenster auf, Vroni!“ „Sofort!“ sagt sie, aber indem sie die Flügel aufstößt, läßt sie auch geschickt das Seil drei, vier Meter durch die Hände gleiten, daß der liebevolle Bursche wie ein Mehlsack in die Tiefe sinkt. „Zieh' auf. Vroni!“ Ein lustiger Mädchenkopf beugt sich durchs Fenster:„Gemach, Toni, lühl dich ein wenig ab! Dein Herz ist gar so yeiß.“ „Malefizdirn!“ knurrt der Bursche und versucht, an dem Seil hoch zu klimmen. Aber gleich darauf läßt die Vroni ihn wieder hinab rutschen. „So, jetzt bist du gerade vor dem Fenster des Bauern, klopf an.“ „Mach ein End, Vroni, es soll dein Schad nicht sein.“ „Tank für den Segen!“ ruft es lachend. Im Vierteljahr könnt' Hochzeit sein.“ Das war ein rechtes Wort, Toni, da wollen wir uns die Lust aufheben.“ Dem Burschen wirds allgemach ungemüdlich zwischen Himmel und Erde; er wägt und sinnt: Drei, vier Meter ist das Seilende noch vom Boden entfernt— wenn er soweit herabkletterte und den Sprung wagte... Aber Vroni gibt auch scharf acht. Sie durschaut seinen Plan. Kaum ist er ein Stücklein herab gerutscht, da zieht sie ihn wieder hoch. „Vroni, bettelt der Bursch,„willst mich hier hangen lassen, bis die Knechte aufstehen? Willst du mich zum Gespött machen?" „Und was hattest du etwa vor?“ höhnt es von oben. „Bei meiner Seel', ich tu dich heiraten.“ „Da sei dein eigener Fürsprech beim Bauern!" ruft es zurück. schaukette den Burschen einmal hin und her daß sein Fuß klirrend in die Fensterscheibe sährt. Mit einem Hallo ist der schon halb wache Bauer aus dem Bette. Er reißt das Fenster auf, da hängt der Toni am Seil. „Vater“, ruft es von oben,„der Toni hat dir was zu sagen!" Der Bauer ist auch nicht auf den Kopf gesallen. Woher wäre denn sonst die Vroni so gescheit?„Aha, Toni, bist oben mit deiner Visit nicht vorgclassen worden, willst nun zu mir kommen? Ta, steig ein!" Was hilfsts dem Burschen, er muß gute Niene zum bösen Spiel machen Was die beiden dann in der Kammer geicdet haben davon hat keiner je ein Ste#venswörtlein gesagt. Aber in der Frühe sind der Toni und der Bauer zum alte Eckmaier gegangen, und in acht Tagen wußte das ganze Torj. daß der Bursch und die Toni uinander versprochen waren. Und der Toni hats nicht bereut. Sein Gesicht war anfangs nicht eitle Wonne; die Scham, so ins Eisen gegangen zu sein, wurmte ihn doch. Aber die Vroni hats ihn nicht merken lassen, uns die Klugheit und die Liebe verstanden das Fcuerlein bei ihm wohl zu schüren. Und er ist nachher ein guter Ehemann und tüchtiger Bauer geworden. Aber an dem Seil vor dem Hause seines Schwiegervaters schaut er immer nur mit blinden Augen vorbei. Das Bauernhaus des westlichen Sauerlandes Das Bauernhaus des westlichen Sauerlandes— ich verstehe unter westlichem Sauerland das Gebiet westlich der Senne bis zur Grenze Rheinland=Westfalen— ist jenes Niedersachsenhaus, das in merkwürdiger Geschlossenheit ganz Nordwestdeutschland von dem Zuidersee bis Hinterpommern, von der Schlei bis zur Fulda beherrscht. Während das typische Niedersachsenhaus im Münsterlande immer aus Fachwerk besteht, so ist für das westliche Sauerland nicht so sehr der Fachwerkbau als vielmehr der missive Bruchsteinbau typisch. Wohl gibt es eine ganze Reihe Uebergänge, entweder besicht der untere Teil des Hauses aus Bruchsteinen, auf denen der Fachwerkbau mit den Vierständern ruht, oder die Querwände wie die Seitenwände sind massiv und nur die Giebelwand besteht das Fachwerk. Der massive Bruchsteinbau mit dem Einsahrtstor ist z. B. sehr schön bei einer Reihe von Bauernhäusern in Dresel b. Werdohl zu beobachten. Auch im westlichen Sauerlande herrscht der volle oder seitliche Giebel wie im Münsterlund vor; daneben kommt aber auch noch der gebrochene Giebel, Walm, die typische Giebelform am Nordrand des Wiehengebirges. vor. Bezeichnenderweise sehlen jedoch völlig die Giebelzierden, in Form von Pferdelörsen, Kränzen und anderen Zierden, wie sie wohl einem jeden in Erinnerung sind. Wenn auch die Strohdächer in verhältnissäßig größerer Zahl wie im Münsterland noch im südlichen Teil des westlichen Sauerlandes anzutreffen sind, so sind doch die schwärzlich dunklen Ziegeldächer vorherrschend. Mit wachsendem Wohlstand der bäuerlichen Verhältnisse(Industrie und gute Verkehrsverhältnisse) hat das Strohdach dem Ziegeldach weichen müssen. Das zahlreiche Vorkommen der Strohdächer nördlich des Ebbegebirges ist nicht durch den Hang der Bewohner am Althergebrachten zu erklären. sondern durch kulturgeographische Verhältnisse bedingt. Das Bauernhaus des westlichen Sauerlandes, wie es uns in seiner chaf akteristischen Form entgegentritt, ist zweistöckig und erinnert uns sehr an das zweistöckige Bauernhaus des Hellwegs und des östlichen Sauerlandes. Das große Einfahrtstor, das nach außen die Dele(sauerländisch Diäl) erkennen läßt, ist bei den meisten Bauernhäusern zugebaut. Der Kuhstall nimmt bei diesen Häusern die Giebelseite ein. Nach Aussagen der Bauern hat man diese Aenderung vorgenommen, weil es den Tieren zu kalt sei. Ich glaube aber kaum, daß diese Ansicht richtig ist, sondern meiner Meinung nach wird neben der Verkleinerung der Betriebe durch die Erwerbsmöglichkeiten der Industrie(Kleineisenindustrie) die ausgesprochene Milchwirtschaft in erster Linie diese Veränderung mit sich gebracht haben. Eine Dele ist unsprünglich zum Dreschen bestimmt; mit der ausgesprochenen Milchwirtschaft, wie sie im westlichen Sauerland üblich ist, verliert sie aber ihre eigentliche Bedeutung, und um den Raum besser auszunutzen, hat man diese Veränderung vorgenommen. Die Länge und Breite der Delen sämtlicher Bauernhäuser reichen bei weitem nicht an die der münsterländischen Delen heran. Das steht natürlich alles im engsten Zusammenhang mit den natürlichen Gegebenheiten wie Bodenkultur, ungünstige Witterungsverhältnisse und auch mit der Größe der landwirtschaftlichen Betriebe. Außer dem Hauptgebäude, daß ursprünglich ein typisches sächsisches Einheitshaus war, d. h. Menschen und Tiere leben unter einem Dache, gehörten an Nebengebäuden ursprünglich noch der Spieker mit Backes (Backbaus) ein Haferkasten und ein Schuppen für die Karren und Ackergeräte hinzu. Der zweigeschossige Spieker enthält im unteren Geschoß den Backofen und die Backstube, im oberen die Kornkammern. Neben dem Backhaus, das bis ins vorige Jahrhundert dem Wohnhaus zugesellt war, ist auch der Haferkasten, der im untersten und obersten Stock je zwei oder drei abgeteilte Kästen für die Frucht enthielt, nur noch in wenigen Eremplaren wie z. B. in Worth und Reeswinkel bei Schalksmühle aus dem Jahre 1691 vertreten. Infolge der industriellen Entwicklung im 17. und 18. Jahrhundert wurde mancher Bauernhof unter die in der Industrie arbeitenden Söhne ausgeteilt. Natürlich waren dann die Räume des Bauernhauses, wie Stallungen, Dele, für einen Besitzer zu groß, und da war, um Kosten für An= und Neubauten zu vermeiden, das Gegebene, das Haus selbst zu teilen. Infolgedessen findet sich auch eine ziemliche Anzahl von Bauernhäusern, die in der Längsrich= tung durchgeteilt sind. Man hat einfach von der Mitte der Diele bis zur vorderen Giebelseite eine Mauer hochgezogen, und so waren zwei Wohnungen hergerichtet. Dies ist eine Eigentümlichkeit, wie man sie sonst in Westfalen nicht kennt. Auf die Zeit der Blüte der Kleineisenindustrie im 18. und 19. Jahrhundert gehen auch die Schmieden zurück, die entweder an das Wohnhaus selbst angebaut sind, oder ein Nebengebäude darstellen und noch heute für manchen Bauernhof des westlichen Sauerlandes typisch sind. Was nun die Lage der Bauernhäuser angeht, so sind sie sozusagen halb in den Berg hineingebaut, um auch ihnen im Winter die Erdwände zu sichern. Die Orientierung in west=östlicher Richtung, und zwar so, daß die Delentür der Wetterrichtung abgewandt ist und nach Osten oder Südosten liegt, ist eine häufige Erscheinung bei jenen Bauernhäusern, die auf einem Bergrücken oder am Hang eines Berges liegen und dem Wetter mehr ausgesetzt sind. Diese Crientierung deutet in erster Linie auf eine Rücksichtnahme auf den vorhergehenden Westwind hin, damit das Vieh nicht so sehr der Zugluft ausgesetzt ist. Dr. E. S. Wo lag Aliso? Aliso war das gewaltige Römerlager, das auf dem Boden Westfalens einst errichtet sein muß, dessen Lage aber bis heute heiß umstritten ist. Pfarrer Prein in Hohenlimburg, der Mitglied der westfälischen Altertumskommission ist, nimmt nun schon seit vielen Jahren an, daß sich dieses gewaltige Römerlager in Elsey bei Oberaden besunden habe. Nach langjähriger Forscherarbeit gibt Otto Prein ein umfassendes Werk(210 Seiten, Verlag der Aschendorff'schen Verlagsbuchhandlung, Münster i. W. 1930) heraus, worin er aus der Geschichte, aus der Oertlichkeit, aus Funden, aus Sagen, und vor allen Dingen aus dem Namen Else den Beweis zu erbringen versucht, daß die von ihm bezeichnete Stelle das ehemalige Römerlager gewesen sein müsse. In aller Ausführlichkeit wird in der vorliegenden Schrift darauf aufmerksam gemacht, wie er zu dieser Ansicht gelangt ist. Tafeln mit Abbildungen der Entdeckungsfunde sind hinzugefügt. Der Beweis ist erbracht, daß in den Seseke=Körne=Winkel südwestlich Kamen, Spuren der Römerherrschaft und des römischen Kultureinflusses vorhanden sind. In diesem Buch macht der Verfasser auch den Versuch, die weithin bekannte Birkenbaumsage aus der Gegend westlich Werl mit der Niederlage des Varus im Jahre 9 n. Chr. in Verbindung zu bringen. Schließlich geht auch Prein auf die noch um 1250 in Westfalen blühende westfälische Nibelungensage ein, in der er teilweise auch einen Niederschlag von Erinnerungen an die Römerzeit sehen will. Das Buch wird besonders unter den westfälischen Heimatfreunden größte Beachtung finden. Ein westfälischer Schwank aus alter Zeit Der Pastor hielt eine Predigt, die einen Stein erweichen konnte. Die Leute weinten, daß die Kirche überfloß von den Tränen. Nur einer saß da in der Bank und hatte kein Auge naß. Sein Nachbar in der Bank, der Wirt„Zum weißen Hahn“, der sein Taschentuch so naß geweint hatte, daß man es auswringen konnte, sah ihn von der Seite an und wollte seinen Augen nicht krauen. Endlich fragte er den Steinharten:„Mann, ich begreife euch nicht; wie ist das möglich?“ Alles weint und ihr nicht?"— Der Mann drehte sich um und entgegnete ruhig:„Ich wüßte nicht warum ich weinen sollte; ich bir aus einem anderen Kirchspiel!“ Hümler Erklärlich. „Me.. ch. kannste nich hupen?“ „Hupen schon, aber nicht fahren““ Verdacht. „Ich bin ein Opfer der Verhältnisse!“ „Hast du so viel gehabt?“ RinleSchuls und Eeren Lernen Der Schule von heute wird gar oft der Vorwurf gemacht, sie spiele zu viel und halte die Kinder zu wenig an zu ernster Arbeit. Dieser Vorwurf ist nicht neu, wie ja auch die Forderung, den Kindern den Unterricht spielend beizubringen, mehr als 150 Jahre hinter uns liegt. Er wurde in der Ueberspitzung besonders vertreten durch die Philantro= pisten, die in den Anstalten u. a. zum Lesenlernen Buchstaben aus Zuckertsich verwendeten und die Kinder während des Unterrichts auf Schaukelpferden sitzen ließen. In ganz Deutschland ahmten Schulen, die auf sich hielten und die modern sein wollten, diese damals„neueste Methode" nach und es ist köstlich zu lesen, wie auch der bekannte Jugendschriftsteller Christoph von Schmid Unterricht nach dieser Methode genoß. Er erzählt in seinen Lebenserinnerungen: „Eines Tages legte uns der Lehrer die Karte von Europa vor und zeigte uns alle Hauptstädte. Als wir am anderen Tage kamen, lag die Karte wieder aufgeschlagen auf dem Tische und der Name einer jeden Stadt war mit einem Mandelkern oder einer Zibebe bedeckt.„Wenn ihr die Städte z u nennen wißt, sagte er, so gehören die Früchte euch!“ Wir wußten viele Städte zu nennen. Er wiederholte diese Uebung öfter, bis wir uns in den Namen nicht mehr irrten. Ebenso machte er es mit den Namen der Flüsse, die er mit kleinen Stückchen überzuckerter Pomeranzenschalen bedeckt hatte.“ Wir dürfen überzeugt sein, daß diese Lehrmethode den Kindern Spaß machte; wir werden andererseits auch nicht sehlgehen mit der Annahme, daß diese Freude sehr bald nachlassen mußte; denn hier war die ganze Einstellung der Erzieher zum Kinde und zur Sache sicher falsch. Die Kinder lernten ja nicht um des Lernens, um des Stoffes willen oder aus Freude an der Arbeit, sondern um der kleinen Süßigkeiten willen. Im übrigen mußte diese süße Methode, die für das kleinste Können den Lohn bereit hielt, sehr bald langweilig werden und wie gesund und natürlich die Einstellung des Knaben gegenüber allen Künsteleien war, zeigt die Bemerkung, die Chr. v. Schmid seinem Bericht anfügt:„Ich kann aber sagen, daß Erzählungen von sernen Ländern, in denen Rosinen und Mandeln, Pomeranzen und Zitronen wachsen, uns noch mehr Vergnügen machten als die kleinen Proben dieser Früchte die er uns gab.“ Spielt nun die Schule unserer Tage in der eben geschilderten Weise? Durchaus nicht. Und doch spielt sie. Besonders in den ersten Wochen mit den Schulneulingen. Es soll ein Uebergang geschaffen werden von dem Kinderparadies, dessen Tage in sorglosem, freudigem Spiel dahinrinnen, zur Welt der Schule. Bei diesen spielenden Arveiten lernen die Kinder schon mancherlei. Sie leben sich in die Formen der Schule ein und sehen sich nicht vom ersten Tage an strengen, für sie kaum erfüllbaren Anforderungen gegenüber. So beginnen sie einen wichtigen Lebensabschnitt mit Freude und dem Bewußtsein, das, was in der Schule verlangt wird, das macht mir wenig Schwierigkeiten. Eine solche Einstellung des Mutes und des Selbsivertrauens ist von entscheidender Bedeutung für die kommenden Jahre. Wird aber nicht auch in den oberen Klassen der Schule viel gebastelt und gewerkelt, machen sich's die Lehrer manchmal nicht gar zu leicht, indem sie mit den Kindern spazieren gehen?(So nebenbei gesagt: Von jedem Lehrer kann man erfahren, daß ihm besonders die„Spaziergänge“ die meiste Nervenkraft kosten.) Gerade nun die Unterrichtsgänge und mancherlei Formen der Handbetätigung, überhaupt die ganze Arbeitseinstellung der heutigen Schule unterscheiden sich grundlegend von der Lehrweise, die Chr. v. Schmid schilderte. Es sei das hier nur an dem Beispiel des erdkundlichen Unterrichts verdeutlicht. Damals wurde darauf gesehen, daß die Kinder Städte, Flüssc, Berge, Ebenen, Ländergrenzen und Meere flott, von der Karte ablesen und aus dem Gedächtnis hersagen konnten. Der Erfolg solcher Arbeit war meistens der, daß die Kinder wohl den Kopf voll Namen und Zahlen hatten, daß sie aber nicht die kleinste Fußwanderung nach der Karte ausführen konnten. Was die Kinder gelernt hatten, war Buchstabenwissen und war meist tot. Die heutige Schule— wir wollen sie nicht übermäßig loben, denn sie hat noch gar manche Mängel— führt die Kinder in die Natur hinaus, zeigt dort alles, was an Lebendigem beobachtet werden kann: von einer Anhöhe, von einem Turm aus, führt sie in das Verständnis der Karte ein, sie baut zurückgelegte Wege und gesehene Landschaften im Sandkasten nach, sie erwandert die nächste Heimat und läßt deren Kartenbild von den Schülern selbst erarbeiten. So gewinnt sie erdkundliche Grundbegriffe und kann dann mit dem Verständnis der Schüler rechnen, wenn sie weiterschreitet in die weitesten Fernen. In ähnlich lebensnaher Weise arbeitet die Schule auch in den übrigen Fächern und die Kinder sind mit Feuereifer dabei. Sie wähnen tatsächlich oft zu spielen und leisten doch praktische Vorarbeit fürs Leben, indem sie sich nicht nur den notwendigen Wissensstoff aneignen, sondern auch lernen— und das ist wohl das beste— alle Arbeit freudig und mit Hingabe der ganzen Persönlichkeit zu leisten und sich aus eigener Kraft und durch eines Denken weiterzuhisen. Wenn diese tatfrohe Einstellung zu aller Arbeit mit ins Leben hinausnehmen, dann werden sie, jedes an seinem Platz, ihren Mann stellen und dem Leben gegenüber bestehen. H. Treue im Kleinen „Herr Lehrer, ich finde meinen neuen Griffel nicht!" Nirgends ist er, nicht in der Griffelschachtel, nicht in der Schultasche, nicht unter der Bank. Und so laufen denn dem kleinen Büblein ein paar Augenblicke heiß die Tränen herunter.— Beim Zeichnen sieht der Bursch, daß sein Nachbar, der Hans seelenruhig mit seinem Griffel malt. Er kennt ihn ja ganz genau an dem schön gemusterten Papier. Hans gibt ohne weiteres zu, daß es nicht sein Griffel wäre und legt ihn wortlos wieder seinem Nachbarn hin. Keinem Kind fällt ein, hier etwa zu sagen, daß der Griffel gestohlen worden wäre. Auch Hans hat nicht das Gefühl von etwas Unrechtem. Der Griffel hat ihm gefallen, das bunte Papier hat so gelockt— er hat ihn einfach genommen. Das schaut sich ganz harmlos an, es handelt sich um A=B=C=Schützen und einen Griffel— aber wir dürfen an solchen Dingen doch nicht einsach vorbeigehen. Wir müssen die Kinder schon früh, aber ohne viel Moralisierung, dazu erziehen, daß ein noch so nichtiger Gegenstand, der nicht ihr Eigentum ist, für sie unantastbar sein muß. Das ist dem Kinde nicht so ohne weiteres verständlich Es handelt ja noch rein aus dem Gefühl, daß gerade bei ihm sehr stark ist und wirksame Hemmungen braucht. Auch zur Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit bei jeder noch so kleinen Arbeit und Besorgung sollen wir das Kind anhalten. Nichts soll es halb oder schlampig machen dürfen! Wenn wir schon sehr früh mit solcher Erziehung beginnen, werden wir auf wenig Widerstand beim Kinde stoßen. In seinem späteren Leben aber wird es großen Nutzen davon haben, denn einm gewissenhaften, verlässigen Menschen, der auch im Kleinen treu ist, wird man überall vertrauen.—— Kindergefährdung Der Bericht des Jugendamts der Stadt Bern für das Jahr 1928 stcht fest, daß unter den 453 behandelten Fällen von Familien= und Kindergefährdung in 107 Fällen (fast einem Viertel) die Trunksucht des Vaters und in 5 Fällen die Trunksucht der Mutter die Schuld an der Gefährdung trug. Anderwärts ist es nicht viel anders. Es ist oft nachgewiesen, daß ein großer Teil der Fälle von Fürsorgeerziehungsbedürftigkeit und Kindermißhandlung oder=Verwahrlosung auf Rechnung des Trunkes der Eltern kommt. Auch Gegner des Alloholverbotes in Amerika bestätigen, daß sich das Gesetz für die Jugend sehr segensreich ausgewirkt habe. Spielplätze In Berlin wurde ermittell, daß von 10000 Jugendlichen, die den Berliner Jugendgerichten zugeführt wurden, kein einziger einem Turn= oder Sportverein angehörte. Von 351 amerikanisch=n Gemeinden stellen 223 eine auffallende Verminderung von Straftaten Jugendlicher fest, wofür als Grund die Vermehrung der Jugendspielplätze angegeben wird. Motto Was für ein größeres und besseres Geschenk können wir dem Gemeinwesen machen, als wenn wir die Jugend lehren und unterrichten, zumal bei den gegenwärtigen Sitten und Zeiten, wo sie sich verrannt hat, daß sie mit aller Macht gezügelt und in Schranken gehalten werden muß. Marcus Tullius Cieero.