Du„Schwerter Zeitung" erscheint wöchentlich sechs mal. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), Lostscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschäftsstelle Große Marktstr. 3—3 Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Anzeige preise für d.e achtgespo l. mm eie 6 Pfg., Auswartige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pig., zeile 40 Pf: Iin teleson. aufgegedene Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergesehn. Beiriedestörungen, hervorgerufen durch höhere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoden werden Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Kreivvirn für den noreiichen Ten des Landrrrises Iseriohn Nr. 11(Erstes Blatt) Neuer in Kurze. Eine Pädagogische Akademie in Aachen? wp. Aachen, 13. Jan.(Tel.) Zur Zeit schweben zwischen der Aachener Regierung und dem Kultusministerium Verhandlungen mit dem Ziele, eine Pädagogische Akademie nach Aachen zu legen. Ob diese für Lehrer oder Lehrerinnen in Frage kommt, steht noch nicht fest Als Unterkunftsmöglichkeit wird die Rote Kaserne genannt, die allerdings noch baulich verändert werden müßte. Die Akademie soll bis Ostern 1931 eröffnet werden. Der Reichskanzler beim Reichspräsidenten. wtb. Berlin, 13. Jan.(Tel.) Reichspräsident von Hindenburg empfing heute den Reichskanzler zum Vortrag. Annahme des Republikschutzgesetzes in 1. Lesung. vdz. Berlin, 13. Jan.(Tel.) Im Strafrechtsausschuß des Reichstages wurde heute das Republikschutzgesetz in erster Lesung ohne wesentliche Aenderungen nach der Regierungsvorlage angenommen. Die zweite Lesung im Ausschuß erfolgt in ungefähr 14 Tagen. Keine Freifahrt der Landtagsabgeordneten. vdz. Berlin, 14. Jan.(Tel) Die Wirtschaftspartei hat im preußischen Landtag einen Urantrag eingebracht, worin die Streichung des den Abgeordneten zustehenden Rechtes auf freie Benutzung der Reichsbahn verlangt wird. Ferner sollen die Abgeordneten in Zukunft keine Sondervergütungen für Ausschußsitzungen erhalten Die überflüssigen Ländergesandtschaften. bb Berlin, 13. Jan.(Tel.) Der Reichstag hatte die Reichsregierung ersucht, mit allem Nachdruck auf die Länder dahin einzuwirken, daß die überflüssigen Gesandtschaften untereinander aufgehoben werden. Die Reichsregierung teilt nunmehr mit, daß die Verhandlungen über die Aufhebung der Ländergesandtschaften noch nicht abgeschlossen seien. Ehrung des deutschen Gesandten in Brasilien. wtb Hamburg, 13. Jan.(Tel.) Dem deutschen Gesandten in Rio de Janeiro, Knipping, ist vom Ibero=Amerikanischen Institut in Hamburg für seine Verdienste um die deutsch südamerikanischen, insbesondere die deutsch=brasilianischen Beziehungen, die goldene Medaille des Instituts verliehen worden Hotelbrand in Algeciras. wtb. Paris, 13. Jan.(Tel.) Nach einer Meldung des Journal aus Algeciras ist gestern das Hotel Marie Christine, in dem im Jahre 1906 die Marokko=Konferenz von Algeciras tagte, niedergebrannt. Der Sachschaden beläuft sich auf 15 Millionen Fres. Brand in einem Getreidespeicher. wtb. London, 13. Jan(Tel.) In den Dockanlagen von Leith wurde gestern ein großer Getreidespeicher mit Inhalt durch Feuer völlig zerstört. Der Schaden beträgt 350 000 Pfund Sterling. Kein Attentat auf Maniu. wtb. Bukarest, 13. Jan.(Tel.) Ministerpräsident Maniu, der heute vormittag aus Klausenburg nach Bukarest zurückgekehrt ist, hat die Agentur OrientRadio zu der Erklärung ermächtigt, daß alle Gerüchte über ein Attentat auf seine Person reine Erfindungen darstellen. Eingeborenentumulte in Kapland. wtb. Carnarvon(Kapland), 13 Jan.(Tel.) Infolge der Unzufriedenheit der Eingeborenen mit der städtischen Verwaltung kam es im Rathaus zu Kundgebungen und schweren Zusammenstößen, bei denen der Bürgermeister und mehrere weitere Europäer sowie eine Anzahl von Eingeborenen verletzt wurden. Die Führer der durch die Reden radikaler Agitatoren aufgehetzten Eingeborenen wurden verhaftet, doch gelang es dem Haupträdelsführer zu entkommen. Ein Drirf Schachle. Keine Beteiligung der Reichsbank an der Reparationsbank. wtb. Hang, 13. Jan.(Tel.) In dem Sechsmächtekomitee ist in der heutigen Nachmittagssitzung in den wesentlichsten Punkten eine Verständigung erzielt worden. Die Sitzung wurde nach etwa einstündiger Dauer für einige Zeit unterbrochen. In dem Organisationsausschuß für die Bank für internationalen Zahlungsausgleich ist durch ein Schreiben des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht an den Vorsitzenden deses Ausschusses, den amerikanischen Bankpräsidenten Reynolds, die Frage der Beteiligung der Reichsbank an der B. J. Z. aufgeworfen worden. Dr. Schacht erklärte, daß er eine endgültige Entscheidung des Reichsbankdirektoriums über seine Stellung nahme zur Beteiligung an der Internationalen Bank noch nicht abgeben könne. Die Sitzung des Ausschusses für die B. J. Z. wurde daraufhin zunächst beendet. Um 7 Uhr traten die Vertreter der sechs Mächte erneut zusammen, wobei von deutscher Seite der Vorschlag unterbreitet wurde, für den Eventualfall die Beteiligung einer anderen deutschen Bankengruppe an der B. J. Z. zu erörtern. Eine solche Alternative wurde bereits im Youngplan selbst vorgesehen. In der Sanktionsfrage ist die Basis für eine Verständigung mit der französischen Delegation gefunden worden. Die Entscheidung darüber wird am Mittwoch in einer neuen Sitzung der sechs Mächte erfolgen. Eindruck des Schachtbriefes und seine Auswirkungen. Festnahme eines Denunzianten. Aufklärung der Verhaftungen bei den Reichsvermögensämtern in Mainz und Koblenz. wtb. Mainz, 13. Jan.(Tel.) Wie erinnerlich, wurden im November 1928 mehrere Beamte und Arbeiter der Reichsvermögensämter Mainz und Koblenz unter Spionageverdacht von den Franzosen verhaftet. Zwei der Verhafteten, darunter der Hauswart Heinrich Schilling aus Mainz, wurden nach kurzer Zeit wieder aus der Haft entlassen, während die anderen neun Personen nahezu sieben Monate in Untersuchungshaft behalten wurden. Sämtliche Verhafteten bestritten sich irgendwie der Spionage schuldig gemacht zu haben, und schließlich mußten sie, da keine Beweise gefunden werden konnten, aus der Haft entlassen werden. Die Rheinlandkommission ließ aber den Wunsch durchblicken, daß man die Entlassenen im unbesetzten Gebiet beschäftige; dem wurde auch entsprochen. Kurz nach seiner Entlassung begab sich der obengenannte Schilling ins unbesetzte Gebiet, um angeblich einer neuen Verhaftung durch die Franzosen aus dem Wege zu gehen, und wurde von deutschen Behörden in Cannstatt bei Stuttgart beschäftigt. Nunmehr wurde festgestellt, daß Schilling derjenige war, der die anderen Personen den Franzosen gegen Bezahlung als Spione denunziert hitte. Seine damalige Verhaftung durch die Franzosen geschah auf eigenen Wunsch, damit jeder Verdacht von ihm genommen werde. Schilling wurde nun in Stuttgart verhaftet. wtb. Haag, 14. Jan.(Funkspruch.) Die gestrige überraschende Stellungnahme des Reichsbankprasidenten hat insofern eine Vorgeschichte, als die Bedenken, die ihn zu seinem Verhalten bestimmten, bereits in einem vor einiger Zeit an den Vorsitzenden des Organisationsausschusses für die B33, Reynolds, gerichteten Schreiben niedergelegt sind. Dieses Schreiben enthält im wesentlichen die gleichen politischen Besorgnisse, die er schon in seinem bekannten Dezember=Memorandum geäußert hat. Daß er diese Bedenken auch in irgend einer Form auch im Haag geltend gemacht haben würde, wenn etwa die politischen Ergebnisse der Verhandlungen im Gegensatz zu seiner Auffassung gestanden hätten, z. B nach Abschluß der verschiedenen Einzelverhandlungen kommt daher nicht sehr überraschend. In der Form, in der das jetzt zum Ausdruck gekommen ist, stellte es die Konferenzteilnehmer jedoch vor eine neue Entscheidung. Diese ist sehr schnell, und zwar in der Form gefallen, daß Deutschland von den Bestimmungen der Ziffern 66 und 141 des Youngplanes Gebrauch machen muß, die den„Ersatz der Zentralbank irgend eines Landes oder ihres Leiters durch eine Bank oder Bankfirma von allgemein anerkanntem Range und gleicher Staatszugehörigkeit" vorsehen. Die Gläubigermächte haben sich in der gestrigen Abendsitzung mit dieser Ersatzregelung einverstanden erklärt, und es wird Mittwoch nach dem inzwischen erfolgten Konstituierung einer solchen Bankengruppe auf der neuen Basis auch im Organisationsausschuß für die BJZ weiterverhandelt werden. Für die Reichsbank hat übrigens Dr. Schacht die Bereitschaft zur Uebernahme aller für den Verkehr mit der BJ3 usw. im Youngplan vorgesehenen bankmäßigen Funktionen auch für den Fall einer solchen veränderten Konstellation ausgesprochen. Wenn also auch der gestrige Vorgang zunächst einer gewissen dramatischen Wirkung nicht entbehrte, so sind doch dadurch dier Fortgang und das Ergebnis der Konferenz in keiner Weise gefährdet. wtb Haag, 14. Jan.(Funkspruch.) Der gestrige Zwischenfalls hat eine zweifellos sehr ernste Lage geschaffen, aber die deutsche Delegation wird kämpsen, um die Lage zu überwinden und es ist ihr dies bereits bis zu einem gewissen Grade gelungen. Ueber die Vorgänge selbst verlautet noch: Der Reichsbankpräsident hat Ende des vergangenen Jahres, am 31. Dezember, in Beantwortung eines Briefes vom 28 des gleichen Monats an den Vorsitzenden des Organisationsausschusses für die Internationale Bank, Reynolds, einen Brief namens des Reichsbankdirektoriums gerichtet, in dem er die Frage der Mitwirkung der Reichsbank erörterte. Dieser Brief ist von dem Vorsitzenden des internationalen Ausschusses gestern nachmittag in der Ausschußsitzung zur Verlesung gebracht worden, und er hat dazu geführt, daß man in dieser Sitzung auf den Standpunkt stellte, daß es unmöglich sei. bis zu dem von Dr. Schacht in seinem Briefe angegebenen Zeitpunkt die Klärung der Frage der deutschen Beteiligung an der Bank aufzuschieben, Da Dr. Schacht nicht in der Lage war, eine bindende Erklärung zu dieser Frage abzugeben, ob und wann er sich über die Einzahlungen der Reichsbank bei der BJZ entscheiden könne, wurde die Sitzung des Ausschusses unterbrochen; der Vorsitzende des Ausschusses setzte darauf den Präsidenten der Konferenz, Jaspar, von dem Zwischenfall in Kenntnis, und dieser ersuchte am Ende der finanziellen Besprechungen der sechs Mächte um eine Stellungnahme zu diesem Zwischenfall Die Sitzung wurde darauf vertagt und um 7 Uhr fortgesetzt. Zwischendurch fanden mit dem Reichsbankpräsidenten Besprechungen in der deutschen Delegation statt, um festzustellen, ob er bei seiner Meinung beharre oder ob es doch noch möglich sei, die Mitwirkung der Reichsbank in Aussicht zu stellen. Dr. Schacht konnte jedoch in dieser Beziehung keine bindende Erklärung abgeben. Nachdem Versuche, ihn zu einer Aenderung seines Beschlusses zu bringen, ergebnislos geblieben waren und ihm kein Zweifel darüber gelassen worden war, daß es ein im höchsten Grade beunruhigender Zustand wäre, wenn zwischen der Reichsregierung und dem Reichsbankpräsidenten ein solcher Gegensatz klasse, nachdem ihm serner erklärt worden war, daß es sich hier um Entscheldungen von größter Tragweite handele, verDie surasternche Hungerdileli Ehina. wib Peiping, 14. Jan.(Funkspruch.) Der Bericht des von der internationalen Hilfsvereinigung zur Untersuchung der Lage in den von der Hungersnot betroffenen Provinzen eingesetzten Ausschusses gibt ein erschütterndes Bild. Im Tal des Flusses Wee sind im letzten Jahre zwei Millionen Menschen verhungert. Weiteren zwei Millionen steht das gleiche Los bis zum Juni bevor. Die Hauptursachen der Not sind die schlechten Ernten seit=1927 und der außergewöhnlich strenge Winter. Hinzu kommt der Mangel an Transportmitteln, da die Wagen als Brennholz verwendet und die Zugtiere geschlachtet wurden. Auch die Anwesenheit der sich bekämpfenden Truppen hat zur Vergrößerung der Not beigetragen. blieb Dr. Schacht dabei, daß er die Mitwirkung der Reichsbank nicht zur Verfügung stellen könne. Es wurde ihm daraufhin erklärt, daß dann von der Eventualberechtigung des Youngplanes Gebrauch gemacht würde, eine andere Bankengruppe an Stelle der Reichsbank heranzuziehen. Auf die Frage, ob er einen Einspruch erhebe, wenn das geschehe, erklärte der Reichsbankpräsident förmlich, er erhebe keinen Einspruch, und die Reichsbank sei bereit, die ihr als solcher obliegenden Funktionen für die Durchführung der im Youngplan vorgesehenen Aufgaben zu übernehmen. Auf eine weitere Frage erklärte er sich bereit, im Organisationskomitee für die B53 bis zum Eintreffen eines Ersatzmannes aus der eventuell an Stelle der Reichsbank tretenden Bankengruppe mitzuwirken, In der darauf avgeyaltenen Sitzung der sechs einladenden Mächte gab Reichsaußenminister Dr. Curtius eine Erklärung ab, die im wesentlichen den vorstehenden Sachverhalt enthielt, und stellte in Aussicht, daß man innerhalb von 24 Stunden den Versuch zur Konstituierung der gedachten Bankengruppe durchführen werde, Mit dem Reichskanzler und mit dem Reichskabinett sind inzwischen Rücksprachen gepflogen worden. Staatssekretär Schäffer, der gestern nachmittag nach Berlin abgereist ist, wird am Dienstag dort die notwendigen Schritte unternehmen, um eine deutsche Bankengruppe zusammenzustellen. Die Gläubigervertreter haben diese Erklärung zur Kenntnis genommen, und einer von ihnen machte den Vorschlag die Ausschuß= und Konferenzarbeiten weiter zu führen und den Versuch zu unternehmen, um die Arbeiten zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. Zu diesem Zweck wurde beschlossen: 1. Durch den Vorsitzenden der Konferenz an den Vorsitzenden des Ausschusses für die internationale Bank einen Brief zu richten, in dem der Eingang des Brieses des Reichsbankpräsidenten bestätigt und die Fortführung der Arbeiten des Ausschusses erbeien wird: in7ammm mit 2. die Juristen zu ersuchen, zusammen mit dem Vertreter der Schweizerischen Regierung den Sitz der internationalen Bank in Basel und die übrigen Modalitäten endgültig festzulegen; 3. diejenigen Vereinbarungen, die inzwischen in Verhandlungen der letzten Tage zwischen den Gläubigermächten und Deutschland festgelegt worden sind, durch die Juristen so formulieren zu lassen, daß sie in das Schlußprotokoll ausgenommen werden können. Die deutsche Delegation zeigt also die nötige Entschlossenheit und Tatkraft, um die Arbeiten trotz dieses Zwischenfalles zu Ende zu führen und das Haager Abkommen, das den offiziellen Namen „Neuer Plan“ führen soll, zu realisieren. drei Bedingungen Dr. Schachts. pw. Berlin, 14. Jan.(Funkspruch.) Das Schreiben des Reichsbankpräsidenten an Reynolds stellte, nach einer Meldung der Dtsch Allg. Ztg. aus dem Haag, für die Mitwirkung der Reichsbank drei Bedingungen auf:„.hm; 933 M.uahlansg. 1. Unveränderte Annahme des Youngplanes, 2. Ueberprüfung der mit England und Polen geschlossenen Liquidationsabkommen im deutschen Stane,„. 4 1 Märe Gent. 3. Verzicht auf politische und milltärische Sanltionen. Die deutsche Vertretung in der Bö3. der französischen Juristen in der Sanktionsfrage scheinen sich heute vormittag merklich genähert zu haben. Tardieu hofft, heute abend den Text nach Paris mitnehmen zu können, um ihn morgen dem französischen Ministerrat zu unterbreiten. Selbstverständlich werde dieser Text noch nicht heute abend veröffentlicht werden, da der französische Ministerrat sich zu seinem Inhalt erst äußern müsse. Außerdem werde dieser Text, da er von Frankreich und Deutschland allein ausgearbeitet wurde, den übrigen interessierten Mächenten zur Billigung vorgelegt werden müssen. Man weiß noch nicht, ob der Text über die Sanktionen in das Schlußprotokoll ausgenommen werden oder als Sonderprotokoll in Form eines Anhanges oder Schriftwechsels erscheinen wird. Man hält es grundsätzlich für schwierig, in das Protokoll eine Klausel aufzunehmen, die die Beseitigung dieses Protokolls oder seine Annullierung sowie die aus dieser Annullierung sich ergebenden Folgen ins Auge fassen würden. wtb.Paris, 14. Jan(Funkspruch.) Ueber die Sanktionsfrage berichtet Havas aus dem Haag: Der Text betr. die Sanktionen wird Dienstag vormittag von dem Ministerpräsidenten Tardieu dem französischen Ministerrat unterbreitet werden. Sein wesentlicher Inhalt läßt sich etwa dahin zusammenfassen, daß, solange der Youngplan in Kraft ist, er allein die Situation regeln wird. Wenn Deutschland erklärt,„ich führe den Plan nicht mehr aus“, werden die Regierungen ermächtigt sein, ihre Handlungsfreiheit wieder zu gewinnen. Die Verständigung über diesen Text scheint allgemein werden zu sollen. Drei Sitzungen. pw. Berlin, 14. Jan.(Funkspruch.) Die Zig. meldet aus dem Haag: Soweit wir unterrichtet sind, denkt die deutsche Delegation in erster Linie an eine Heranziehung der Reichskreditgesellschaft und der Preußischen Staatsbank(Seehandlung). Wie wir weiter hören, soll auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht selbst gegenüber diesem Vorschlage keine Bedenken geäußert haben. Die Sanktionsfrage. Havas über die Formülierung der Sanktions. bestimmungen. wtb. Paris, 13. Jan.(Tel.) Havas berichtet aus dem Haag: Die Formeln der deutschen und wtb. Haag, 13. Jan.(Tel) Heute nachmittag 3 Uhr haben gleichzeitig drei Sitzungen begonnen: Eine solche der sechs Mächte unter sich, eine weitere des Ausschusses für Ostreparationen, und eine dritte des Ausschusses für die Bank für internationalen Zahlungsausgleich. Zur Teilnahme an der letztgenannten Sitzung sind außer Dr Schacht und den amerikanischen Mitgliedern des Ausschusses für die B. J. Z. noch im Haag eingetroffen die englischen Mitglieder Sir Charles Addis, Walter Layton und Seepman, sowie der Präsident der belgischen Nationalbank, Louis Franck, und deren Direktor van Zeeland, ferner der Präsident der Schweizerischen Nationalbank. Bachmann, der wegen der gesetzgeberischen Regelung und der Privileg= und Statutenfrage in der Schweiz diesmal an den Verhandlungen des Ausschusses teilnimmt. Danziger Schulden gestrichen. wtb. Haag, 13. Jan(Tel.) In der Frage der Danziger Schulden ist heute in einer Sitzung der Gläubigermächte vollkommene Einigung dahin erzielt worden, daß der Freien Stadt Danzig die etwa 160 Millionen Reichsmark betragende Restschuld aus der Uebernahme des seinerzeit an Danzig übertragenen Reichs= und preußischen Staatseigentums sowie aus den Hafenverpflichtungen usw. erlassen worden ist. Nur die bereits gezahlten 15 Millionen sind also als Abgeltung für diese Uebereignungen Danzig auferlegt geblieben. In einem Anhang zum Haager Schlußprotokoll wird diese Regelung niedergelegt werden. Der Danziger Finanzsenator Kamnitzer, der im Haag mit Unterstützung von Oberregierungsrat Dr. Ferber für Danzig die betreffenden Verhandlungen geführt hat, begibt sich heute nachmittag nach Danzig zurück. Die nächste Sitzung der wib Haag, 14. Jan.(Funkspruch.) Die sechs einladenden Mächte haben beschlossen, ihre nächste Sitzung auf Mittwoch 11,45 Uhr vormittags einzuberufen. Dieser Zeitpunkt wurde gewählt, weil Tardieu erst am Mittwoch um 11½ Uhr aus Paris wieder im Haag eintressen kann. In dieser Sitzung sollen die beiden noch offenen Punkte, nämlich die Sanktionsfrage und die Mobilisierungsfrage, soweit gefördert werden, daß sie für die Plenarsitzung des Ausschusses für die deutschen Reparationszahlungen reif werden. In der Sanktionsfrage, die bisher nur zwischen Frankreich und Deutschland erörtert wurde, ist das abschließende Ergebnis des Montags die Vereinbarung darüber, daß in der Mittwochssitzung die endgültige Fassung jestgestellt, und daß der Text noch am selben Tage veröffentlicht werden soll. Ebenso wird voraussichtlich vielleicht schon vorher das Schreiben des Reichsbankpräsidenten an den Vorsitzenden des Organisationsausschusses für die B33. durch die Konferenz veröffentlicht werden. Parker Gilbert im Haag. wtb. Haag, 14. Jan.(Funkspruch.) Der Reparationsagent Parker Gilbert und der amerikanische Bankier Morgan, ein Nesse von I. P. Morgan, sind gestern im Haag eingetrossen. Enefeinunn=Errentkrre in Semt Eröffnung der 58. Ratstagung. wib Genf. 13. Jan.(Tel.) Die öfsentliche RatsSitzung wurde mit einer eindrucksvollen Gedenkrede für das verstorbene deutsche Ratsmitglied Dr. Stresemann eingeleitet. Sichtlich bewegt erhob sich der neue Ratspräsident, der polnische Außenminister Zaleski, um stehend seinem verstorbenen Ratskollegen einen warm empfundenen Nachruf zu widmen, in dem er auf Dr. Stresemanns rastlose Arbeitskraft hinwies, die er in den Dienst einer Reihe hervorragender und edelmütiger Unternehmungen b.„. 4, G e s t a y S t r e f e m e n n s i s t 1 f. „Die Personlichten Gustav Siresemunng ist“, so führte er aus,„gekennzeichnet durch die psychologische Entwicklung die die Menschheit nach dem Kriege durchgemacht. Dieser große deutsche Vaterlandsfreund, der in seiner langen politischen Lausbahn unermüdlich das Wohl seines Landes im Ange hatte, hat dank seiner tiefen Einsicht und seines bedeutenden politischen Verstandes erkannt, daß das Wohl seines Landes auf der Solidarität und aus dem Wohlergehen der Gesamtheit der Völker beruhen muß. Vor seinem Tode hatte er die Genngtnung, bei verschiedenen Gelegenheiten die Politik der Verständigung und der internationalen Zusammenarbeit bestätigt zu sehen, für die er als einer der überzeugtesten Vorkämpfer eingetreten ist. Sein Name wird in der Geschichte weiterleben.“ Zaleski umriß dann die große internationale Rolle Dr. Stresemanns, der Deutschland in den Völkerbund einführte und durch die damit gegebene Verbreiterung seiner Basis sowohl dem Völkerbunde als seinem Vaterlande einen gewaltigen Dienst leistete. Zum Schluß würdigte Zaleski in seiner Eigenschaft als Vertreter Polens die Bedeutung des verstorbenen deutschen Staatsmannes, mit dem ihn das Gefühl der Notwendigkeit guten deutsch=polnischen Einvernehmens zur Gewährleistung des Friedens in Europa verbunden habg Das deutsche Ratsmitglied Staatssekretär Dr. von Schubert antwortete Bochum und die Leichtverletzten nach Herne gebracht. ins Krankenhaus fortführen, um die Hoffnungen und die Erwartungen zu erfüllen, die mit Dr. Stresemann und so vielen anderen hervorragenden Staatsmännern alle Nationen an den Völkerbund knüpfen. Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. In der voraufgegangenen vertraulichen Sitzung war neben der Erledigung verschiedener Verwaltungsfragen die einjährige Verlängerung des Mandats der Mitglieder der Saarregierungskommission vorgenommen worden, ein Beschluß von rein formaler Bedeutung.—. Die nächste Sitzung ist auf heute nachmittag 5 Uhr zur Behandlung der zahlreichen vorliegenden Mandatsfragen angesetzt. Verhaftung vor dem Völkerbundshaus. wtb. Genf, 13. Jan.(Tel.) Das Hauptgesprächsthema vor der heutigen Eröffnungssitzung der 58. Ratstagung bilden die verschärften Ueberwachungsund Sicherheitsmaßnahmen, die seit Ankunft der Delegationen in Geuf in Kraft sind. Aufsehen erregte die Verhaftung eines 20jährigen Schweizers am Eingang des Völkerbundshauses. Man fand in seinem Besitz einen Revolver, der aber nur mit Zündkapseln geladen war. Der Verhaftete erklärte der Polizei, daß er die Zündkapseln im Ratssaal zur Explosion bringen wollte, um die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit der Förderung der Krebsforschung zu lenken. Sein Vater liege an Krebs schwer darnieder. Die Polizei hat den Eindruck, daß es sich um einen Irrsinnigen handelt. mit folgender Ansprache: Ich bedauere aufrichtig, daß der Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Curtius, seinen lebhaften Wunsch, dieser Ratssitzung persönlich beizuwohnen. insolge dringender Pflichten als Führer der deutschen Abordnung im Haag in letzter Stunde aufgeben mußte. So ist es meine Aufgabe, als Vertreter des Deutschen Reiches im Rate Ihnen den aufrichtigsten Dank für die Worte zu sagen, mit denen Sie soeben das Andenken des Reichsministers Dr. Stresemann geehrt haben, und die ich meiner Regierung und der Familie des Verstorbenen mitteilen werde. Ich darf Ihnen die Versicherung abgeben, daß die hohe Anerkennung, die der Persönlichkeit Gustav Stresemanns, dem Menschen, dem Staatsmann, dem Friedensfreund, in diesem Kreise geworden ist, nicht nur von der Reichsregierung und der Familie mit aufrichtigem und herzlichem Dank entgegengenommen werden, sondern daß diese Kundgebung in der ganzen öffentlichen Meinung Deutschlands ein dankbares Echo finden wird. Und ich glaube, daß viele der schönen Worte, die Sie, Herr Präsident, als Präsident des Rates, aber auch im Hinblick auf die besonderen Beziehungen Ihres Landes zu Deutschland, der auswärtigen Politik Dr. Stresemanns gewidmet haben, bei uns in Deutschland in weitesten Kreisen die Erinnerung wieder wachrufen werden an das unermüdliche und unbeirrbare Streben des Verstorbenen, Deutschlands Stellung in der Welt durch aufrichtige Verständigung mit den anderen Nationen durch freundschaftliche Zusammenarbeit zu sichern und vorurteilslos mit allen, die guten Willens sind, die gemeinsamen Bahnen des Friedens zu gehen. Ich bin während der ganzen Amtszeit des Reichsministers sein Mitarbeiter gewesen und habe ihn auf allen seinen Reisen zum Völkerbundsrat begleitet. Ich glaube daher, für die positive Stellung, die er dem Völkerbunde gegenüber einnahm, Zeugnis ablegen zu können. Die Jahre, in denen Dr. Stresemann die deutsche Außenpolitik leitete, waren die Jahre der schwersten Wiederaufbauarbeit für sein Vaterland. Er erkannte, daß diese Wiederaufbauarbeit nur dann Erfolg haben würde, wenn die Kluft, die der Krieg zwischen den Völkern aufgerissen hatte, durch eine Politik der Verständigung und des gerechten Ausgleichs überbrückt werden könnte. Er erkannte frühzeitig, daß der Völkerbund in erster Linie dazu berufen ist, eine solche Politik des Ausgleichs zu fördern. Diese Erkenntnis führte zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, aber nicht sie allein, denn niemand war, auch wenn gegenwärtige Unvollkommenheiten ihn immer wieder zu starker Kritik herausfordern mußten, tiefer überzeugt von dem idealen Gehalt des Völkerbundsgedankens, von der Notwendigkeit einer zwischenstaatlichen Organisation, die den Frieden und die Gerechtigkeit in den Beziehungen der Völker sichert. So ist Dr. Stresemann hier im Rate wie in der Versammlung stets für eine Politik der Verständigung und für eine Politik der sortschreitenden Verwirklichung des Völkerbundsgedankens eingetreten, wobei er sich nicht scheute, offen und mit Bestimmthelt auf die Hindernisse hinzuweisen, die dieser Politik entgegenstehen. Er war der Ansicht, daß nur eine ganz freimütige, klare Darlegung der wirklichen Tatsachen dem Frieden dienen könne. Weil er an den Völkerbund glaubte und an seine hohe Aufgabe, hielt er es für richtig, unerschrocken die Wahrheit zu sagen. Aber wie sehr er an sie glaubte, bewies er wohl am besten dadurch, daß er, unter Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit und seiner Gesundheit, seit unserem Eintritt in den Völkerbund, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, wo er durch schwere Krankheit verhindert war, an allen Sitzungen in Geuf teilnahm und es ihn immer wieder hierher zog. Dem Gedächtnis des Verstorbenen kann kein besserer Gedenkstein gesetzt werden— und ich spreche auch im Sinne des abwesenden deutschen Außenministers— als dadurch, daß auch wir hier unsere Arbeit mit demselben Glauben, aber auch mit demselben Freimut Weiterer Anstieg der am Jahresende. wtb. Berlin, 13. Jan.(Tel.) Nach den endgültigen Berichten der Landesarbeitsämter ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung in der zweiten Dezemberhälfte um 340 000 Personen, das sind rund 24 v. H., gestiegen. Sie betrug am Schluß des Jahres 1929 etwas über 1¾ Millionen und lag damit um ungefähr 70000 über der Zahl des Vorjahres. Die Zahl der unterstützten Männer hat in der zweiten Dezemberhälfte 1929 um fast 300000 zugenommen, so daß sie am 31. Dezember fast 1½ Millionen erreichte, während die der unterstützten Frauen sich auf etwa über 300 000 belief. Aus der Krisenfürsorge wurden am Jahresende 210 000 Arbeitslose unterstützt(170000 Männer und 40000 Frauen). Im Vorjahre waren es 124000. Die Gebrüder Saß entlassen. wtb. Berlin, 13. Jan.(Tel.) Die Gebrüder Saß sind nunmehr von der Kriminalpolizei entlassen worden. Der Bau des Unterstandes ist, wie bereits mitgeteilt, als eine straflose vorbereitende Handlung anzusehen. Ob Zusammenhänge zwischen dieser Sache und der Eindringen in die DiscontoBank bestehen, ist nach wie vor Gegenstand eingehender Untersuchung. Flugzeugabsturz in Fuhlsbüttel. wtb. Hamburg, 13. Jan.(Tel.) Ein schweres Flugzeugunglück ereignete sich gestern nachmittag im Hamburger Flughasen. Bei stark böigem Südwestwind startete der Pilot Jonas mit einem neuen, erst kurz vor Weihnachten herausgebrachten Sportflugzeug der Bäumer=Aero. Der zierliche Doppeldecker mit etwa 350 Kilogramm Leergewicht wurde in ca. 60 bis 80 Meter Höhe von einer Böe erfaßt. Die Maschine stürzte ab und wurde vollständig zertrümmert. Der Piloterlitt soschwere Verletzungen, daß er nach seiner Einlieferung in das Barmbecker Krankenhaus verschied. Der Tod des verunglückten 25jährigen Piloten findet in Hamburger Fliegerkreisen lebhafte Teilnahme. Er galt als tüchtiger Flieger und Fluglehrer. Schweres Autounglück. wtb Falkenberg, 14. Jan.(Funkspruch.) In der vergangenen Nacht stießen zwischen Werneuchen und Tiefensee aus bisher noch nicht geklärter Ursache der aus Werneuchen kommende Kraftwagen des Majors a. D. Lange und ein aus der Richtung Tiefensee kommendes Berliner Privatauto, das zudem noch einen beschädigten Wagen im Schlepp hatte, zusammen. Es erfolgte bei dem heftigen Anprall eine Explosion und beide Wagen standen gleich darauf in Flammen. Die sechs Insassen der beiden Wagen konnten sich rechtzeitig vor dem Feuer retten, erlitten aber zum Teil erhebliche Verletzungen durch Schnittwunden. Major Lange und der Chauffeur ze##gens, die beide schwerer Krankenhaus gebracht werden. Die Schuldfrage konnte noch nicht geklärt werden. Explosionsunglück. Zwei Schwer= und drei Leichtverletzte. wib Herne, 13. Jan.(Tel.) Heute früh um 6,25 Uhr ereignete sich in der Gaveg(Gasverarbeitungsgesellschaft) in Holsterhausen ein bedauernswerter Unglücksfall dadurch, daß infolge eines Materialfehlers der untere Teil eines an die Hochdruckleitung angeschlossenen Ventils herausflog und die unter Druck herausströmenden Gase sich durch die Reibung entzündeten. Fünf an der Unfallstelle befindliche Beamte und Arbeiter wurden verletzt, darunter zwei schwer, die übrigen drei erlitten leichtere Verletzungen. Die schwerverletzten wurden ins Bergmannsheim nach Die Wieder ein Opfer der Papageienkrankheit. wtb Frankfurt a. M., 13. Jan.(Tel.) Der am 8. Januar in das Städtische Krankenhaus eingelieferte Kranke aus Oberursel, bei dem der klinische Verlauf der Krankheit durchaus für Psittakosis sprach, ist in der letzten Nacht gestorben. Papageienkrankheit in Waldenburg. wtb. Waldenburg, 13. Jan.(Tel.) Wie das Städtische Gesundheitsamt mitteilt, sind in den letzten Tagen in Waldenburg und den Vororten fünf Fälle von Papageienkrankheit vorgekommen. Es handelt sich dabei nur um leichtere Erkrankungen. Die Entstehung dieser Krankheitsfälle läßt sich auf einen im Dezember aus Hamburg eingeführten Papagei zurückführen. Einige Personen, die mit dem Tier in Berührung kamen. sind erkrankt. Das erkrankte Tier ist bereits getötet worden. Die Papageienkrankheit in Amerika. wtb Newyork, 13. Jan.(Tel.) Weitere Fälle von Papageienkrankheit werden aus Rhode Island gemeldet. Ein tödlich verlaufener Fall wird aus Pittsburg gemeldet. Nach einer Mitteilung des Gesundheitsamtes in Baltimore soll es gelungen sein, den Infektionsbazillus zu isolieren. suemsialnn Halndurger Häfen. 20 britische Matrosen ertrunken. wtb. Hamburg, 13. Jan.(Tel.) Im Hamburger Hafen ist eine Sturmflut aufgetreten. Die Flut erreichte gegen 2 Uhr nachmittags bereits einen Stand von 17 Fuß über Null, d. h. von 7,45 Meter über dem Normalpegelstande. Ein weiteres Ansteigen ist bis zum Eintritt des Hochwassers um 3,30 Uhr zu erwarten. Im Hafen haben sich mehrere Unfälle ereignet: So stieß der englische Dampfer Dewsbury beim Einkommen zwischen dem Schiffsbauerhafen und dem Strandhafen mit einer Pfahlgruppe mit solcher Gewalt zusammen, daß die Pfähle völlig abrasiert wurden. Bei Neumuhlen strandete infolge des schweren Seegangs die Fährdampserbarkasse; erst nach längeren Bemühungen gelang es einem Losendampfer, die Besatzung in Sicherheit zu bringen. Der griechische Dampfer Alafia mußte Hamburg als Nothafen aufsuchen, da ein Teil seiner aus Holz bestehenden Deckladung über Bord gespült war. Der Dampfer hatte Schlagseite von etwa 20 Grad und mußte von Kuxhaven mit Schlepperhilfe nach Hamburg bugsiert werden. Die Brücken bei Blankensee, Neumühlen und Teuselsbrück könneu wegen der Ueberflutungen nicht beuutzt werden. wtb. Hamburg, 13. Jan.(Tel.) Bei der durch die Sturmflut verursachten Havarie des britischen Dampfers Dewsbury ereignete sich ein bedauerlicher Unfall. Beim Abschleppen des Dampfers riß die Trosse eines Schleppers und schlug auf einem vorüberfahrenden Fährendampfer auf, wodurch ein Fahrgast erheblich verletzt wurde. Sturmschäden. wtb. Lübeck, 13. Jan.(Tel.) Im Lübecker Hasen wurde ein fahrbarer Kran vom Sturm in Bewegung gesetzt. Der Kran rollte an das Traveufer, schlug dort um und stürzte auf einen Bagger. Beide Fahrzeuge wurden leicht beschädigt. wtb. Hamburg, 13. Jan.(Tel.) Wie aus Itzehoe gemeldet wird, führt die Stör Hochwasser, wie es seit Jahren nicht beobachtet worden ist: die Uferstraßen sind weithin überschwemmt; die Räumung einiger Wohnungen wird vorbereitet. Unwetter auf den britischen Inseln. wtb. London, 13. Jan.(Tel.) Während in Nordirland, Südschottland und Nord=England gestern starke Schneefälle eintraten, wurdee der Süden und der Westen Englands von schweren Stürmen heimgesucht. An vielen Orten wurden Telephonleitungen zerstört, Fensterscheiben zertrümmert, Dächer und Schornsteine beschädigt und Wege durch umgebrochene Bäume versperrt. wtb. London, 13. Jan.(Tel.) Wie die Admiralität bekannt gibt, ist 30 Meilen nordwestlich von Quessant der Kriegsmarineschlepper St. Genny im Sturm gesunken. Nur fünf Mann der Besatzung wurden gerettet, während de übrigen 20 ertrunken sind. Die Opfer des Sturmes in England und auf dem Kanal. wtb. London, 13. Jan.(Tel.) Die Gesamtzahl der durch den Sturm in England verursachten Todesfälle hat sich auf 13 erhöht. Verschiedene Personen werden vermißt. Die atlantische Flotte hat ihre Ausfahrt aus Port Island um 24 Stunden verschoben. Die offizielle Verlustliste des bei Quessant gesunkenen Marineschleppers St. Genny enthält 23 Namen. Aus Nah und Fern. Elberfelder Viehmarkt. * Elberseld, 13. Jan. Auf dem heutigen Viehmarkt betrug der Auftrieb: 918 Stück Großvieh, davon 357 Ochsen, 90 Bullen, 285 Kühe, 80 Färsen(Kalvinnen). 103 Fresser, 459 Nälver, 8 Schafe, 2346 Schweine.— Dem Schlachthof im Lause der Woche unmittelbar zugeführt: 12 Ochsen, 14 Bullen, 66 Kühe, 13 Rinder, 45 Kälber, 451 Schweine.— Preise: Ochsen 60—62,—, 54—58,—. 46—52,—; Bullen 52—55, 46—50, 40—45,—; Kühe 50—52, 44—48, 35—40, 20—30; Färsen 56—58, 48—54, 40—46; Fresser 38—45; Kälber—, 85—90, 70—80, 45—65: Schafe —: Schweine 84—86, 84—86, 82—83, 82—83, 78—80, 70—76.— Marktverlauf: Großvieh schleppend mit Ueberstand, Kälber und Schweine mittel. Auffindung der Leichen zweier Ertruntenen. wtb. Waren(Mecklenburg), 13 Jan(Tel.) Vor einigen Tagen war, wie gemeldet, die Leiche der am 24. Oktober 1929 bei einer Paddelbootfahrt mit ihrem Manne ertrunkenen Frau Leußer aus Berlin in der Außenmüritz gefunden worden. Man beobachtete, daß mehrere Seeadler ständig über einer bestimmten Stelle des Sees kreisten. Bei Nachforschungen an dieser Stelle des Sees wurde die Leiche des Ehegatten der Ertrunkenen, des Redakteurs leußer, nun gefunden und aus Ufer gebracht. Auf Wunsch der Angehörigen wurde der Tote nach Würzburg übergeführt. Raubüberfall Unter den Linden. pw. Berlin, 13. Jan.(Tel.) Montagmittag kurz vor 1 Uhr ist an der Ecke Unter den Linden und berwallstraße in dem dort befindlichen Torbogen auf einen Kassenboten von der Zentralbank AG. ein verwegener Raubüberfall verübt worden. Der Kassenbote, der in seiner Aktentasche einen Betrag von etwa 1000 Mark mit sich führte, wurde plötzlich von einem Mann überfallen, der ihn mit einem Schlagring auf die Hand, in der er die Tasche trug, schlug, und ihm das Geld zu entreißen suchte. Der Kassenbote setzte sich zur Wehr. Publikum und ein Polizeiposten eilten hinzu. Der Mann lief auf einen Privatwagen zu, der in der Nähe hielt, und an dessen Steuer eine Frau saß. Der Wagen, der die Nummer IA 18472 trug, fuhr mit dem Räuber in rasender Fahrt davon. Schwere Acetylenexplosion. wtb. Dresden, 13. Jan.(Tel.) Heute nachmittag gegen 3 Uhr ereignete sich in einem Gebäude der Sächsischen Acetylen AG auf dem Industriegelände in der Königsbrücker Straße eine heftige Explosion, durch die ein in der Nähe beschäftigter Arbeiter des Werkes getötet und zwei weitere schwer verletzt wurden. Das glücklicherweise freistehende Gebäude, das als Füllstation für Acetylenfüllungen diente, wurde vollständig zertrümmert. Verurteilung von Autodieben und Autoräubern. wtb München, 13. Jan.(Tel.) Das Strafgericht München verurteilte vier junge Burschen, die in mehreren Fällen Autos gestohlen und damit Diebstähle und Raubüberfälle in München und Umgegend ausgeführt hatten, zu Zuchthausstrafen von sechs Jahren sechs Monaten bezw. sechs Jahren Zuchthaus, sowie zu fünf Jahren bezw. einem Jahr drei Monaten Gefängnis. Die Hehler erhielten Geldstrafen von 40 und 60 Mark. Selbstmord zweier Lehrlinge. wtb Reichenbach(Vogtland), 13. Jan.(Tel.) Gestern abend versuchten drei 15= bis 16jährige befreundete Lehrlinge, sich in der Wohnung der Eltern des einen mit Gas zu vergiften. Alle drei wurden noch lebend aufgefunden, doch starben zwei kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Der Beweggrund zu der Tat ist unbekannt. Verwegener Raubüberfall auf eine oberschiesische Sparkasse. wtb Beuthen, 14. Jan.(Funkspruch.) Gestern abend gegen 6 Uhr betraten fünf junge Leute den Kassenraum der Stadtsparkasse in Roßberg und zwangen die beiden anwesenden Beamten mit vorgehaltenen Revolvern, sich auf den Boden zu legen. Die Burschen nahmen von einem Kassentisch einen Betrag von etwa 2000 Mark an sich. Einen größeren Geldbetrag, der auf einem Nebentisch lag, übersahen sie in der Eile. Sodann ergriffen die Räuber die Flucht. Stadtinspektor Fuchs nahm sofort die Verfolgung auf. In kürzester Zeit waren auch Schutzpolizei und Kriminalbeamte zur Stelle. Einer der Räuber konnte von zwei Beamten gestellt werden. Als er erkannte, daß ein Entkommen unmöglich war, tötete er sich durch einen Kopfschuß. Zwei andere Täter wurden in einem Hauseingang gestellt und warfen ihre Wafsen weg, als sie sahen, daß die Beamten schußbereit waren. Die zwei Räuber, die wahrscheinlich das geraubte Geld bei sich haben, sind noch flüchtig, doch sind ihre Personalien bekannt. Riesenbrand in Kanada. wtb. St. Stephen(Neu=Braunschweig), 14. Jan. (Funkspruch.) Im Geschäftsviertel der Stadt wurden zwölf Läden durch einen Brand zerstört. Der Schaden beträgt etwa eine Million Mark. Nadheichtendienst durch Fulrsprauf. Schneeballschlacht mit tragischen Folgen. pw. Berlin, 14. Jan.(Funkspruch.) In BerlinNiederschöneweide bewarfen sich Montag abend mehrere Chauffeure mit Schneebällen. Dabei wurde der 22jährige Chauffeur Richard Teuer von einem Schneeball, der eine harte Eiskruste hatte, so schwer im Gesicht getroffen, daß er an beiden Augen schwer verletzt wurde. Er lag in geblendetem Zustande über den Straßendamm und wurde in diesem Augenblick von einem Lastkraftwagen überfahren. Der Verunglückte erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein Nationalsozialist spurlos verschwunden. pw. Berlin, 14. Jan.(Funkspruch.) Unter Umständen, die das Vorliegen eines politischen Verbrechens wahrscheinlich machen, ist seit Montagvormittag ein Mitglied der nationalsozialistischen Partei verschwunden. Es handelt sich um den 47jähr. Kunstmaler Ernst Schwarz. Schwarz ist am Sonntagvormittag in der Uniform seiner Organisation von Hause fortgegangen, um sich an einem Umzug zu beteiligen, und ist seitdem spurlos verschwunden. Die Regierungsbildung in Thüringen. wtb Weimar, 14. Jan.(Funkspruch.) Gestern abend kamen die Verhandlungen der bürgerlichen Parteien und der Nationalsozialisten über die Regierungsbildung in Thüringen zum Abschluß. Dem Landtag soll folgendes Kabinett, das sich aus acht Mitgliedern, und zwar drei Ministern und fünf Staatsräten zusammensetzen wird, vorgeschlagen werden: Ministerium des Innern und Volksbildungsministerium Dr. Frick=München(National= sozialist), Finanzministerium Baum(Landvolkpartei), zugleich als Vertreter des ehemaligen Gebiets Altenburg, Wirtschaftsministerium u. Justizministerium Dr. Kästner(Wirtschaftspartei), zugleich als Vertreter des ehemaligen Gebiets Gotha. Dazu treten folgende Staatsräte: Marschler(Nat.= Soz.) für das Gebiet Weimar, Port(Landvolkp.) für das Gebiet Reuß, Kien(Deutschnational) für das Gebiet Meiningen, Fürth(Wirtschaftspartei) für das Gebiet Rudolstadt und Bauer(Deutsche Volkspartei) für das Gebiet Sondershausen. Brand auf einem amerikanischen Flugfeld. wtb. Wichita(Kansas), 14. Jan.(Funkspruch.) Auf dem hiesigen Flugfeld wurden das Verwaltungsgebäude der hiesigen Fliegerschule und eine Halle mit elf Flugzeugen im Werte von 90 000 Dollar durch einen Brand zerstört. Generalversammlung der Allgemeinen Handwerterinnung Schwerie=Westhosen Schwerte, den 14. Januar 1930. Am gestrigen Montag fand im Lokale Kordeck, Kampstraße eine Generalversammlung der erst vor einiger Zeit gegründeten Allgemeinen Handwerkerinnung Schwerte=Westhosen statt, die in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung einen noch besseren Besuch verdient hälle, wenn auch viele Interessenten der Einladung Folge geleistet haben. Obermeister Störring erössnete gegen 8.20 Uhr die Versammlung mit herzlichen Worten der Begrüßung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß alle Wünsche im neuen Jahre sich ersüllen mögen. Besonders begrüßte. er den erschienenen Handwerkskammersyndikus Dr. SackmannDortmund, der an diesem Abend ein Referat übernommen hatte. Punkt 1 betraf die Berichterstattung über den Stand der Innungskrankenkassen=Angelegenheit. Wir entnehmen diesem Bericht folgendes: Am 17. Juni 1929 wurde durch Beschluß der Generalversammlung feitgelegt, daß eine Innungskrankenkasse errichtet werden soll. Ein diesbezgl. Antrag wurde am 23. Juni dem Oberversicherungsamt eingereicht, dem am 25. September der Bescheid folgte, daß die Angelegenheit solange ruhe, bis die Umgemeindung von Hohensyburg vollzogen wäre, da man den Gedanken hegte, daß durch den Abgang von Hohensyburg die Mitgliederzahl unter 1000 herabsinken würde. Am 3. Dezember wurde in dieser Angelegenheit ein Mahnschreiben an das Oberversicherungsamt gesandt; die Antwort vom 17. Dezember lautete dahin, daß das Verfahren vorläusig ausgesetzt worden sei. Syndikus Dr. Sackmann machte hierzu nähere Ausführungen. Die allgemeine Ortskrankenkasse sei begreiflicherweise gegen eine solche Gründung. Er erinnerte an einen Paragraphen der Reichsgewerbeordnung, den man verschieden auslegen könne. Der Regierungspräsident habe sich etwas durch die A. O. K. einschüchtern lassen; die Handwerkskammer führe bestimmte Gründe gegen das Ansinnen der A. O. K. an. Jetzt sei die endgültige Entscheidung beim Minister für Handel und Gewerbe beantragt, aber auf eine Entscheidung warte man heute noch. Vorläufig liege darum die Sache still. Die Angelegenheit aber müsse einmal zu einer grundsätzlichen Entscheidung gebracht werden, evtl. müsse man zu einem krassen Verfahren greifen. Die Handwerkskammer gäbe sich die größte Mühe, die Sache schnellstens und entsprechend zu erledigen.— Ferner wurden die Uebelstände durch den durch die Umgemeindung hervorgerufenen Anschluß an die Handwerkskammer in Arnsberg gekennzeichnet. Herr Filbrich war u. a. der Ansicht, daß man den Schwerter Handwerkerbund am besten hätte bestehen lassen sollen, dann sähe es im Schwerter Stadtparlament anders aus. Syndikus Sackmann vertritt dagegen die Ansicht, daß man mit der Innungskrankenkasse Erfolg haben würde und erblickt in der Zerschlagung des Handwerkerbundes keine Zerschlagung der Organisationen. Punkt 2: Beschlußfassung über Errichtung eines Gesellenprüfungsausschusses für diejenigen Berufsgruppen, die einer Zwangsinnung nicht angehören. Syndikus Sackmann führte hierzu aus, daß rechtlich zur Abnahme von Gesellenprüfungen nur die Zwangsinnungen zuständig seien. Es bedeute aber eine wesentliche Vereinfachung, wenn der Ausschuß errichtet würde, denn dann könnten Lehrlinge auch am Orte geprüft werden. Das bedeute eine wesentliche Erleichterung. Der Errichtung eines solchen Ausschusses wurde von der Versammlung einmütig zugestimmt. Im Anschluß daran hielt Syndikus Dr. Sackmann ein etwa einstündiges Referat über„Aktuelle Handwerkerfragen“ Er führte u. a. aus, daß man dieses Thema eigentlich schon in den bisherigen Besprechungen angeschnitten habe, so daß ihm nur übrig bliebe, die Fäden weiterzuspinnen. Eine der aktuellsten Fragen sei heute die der wirtschaftlichen Existenz, die namentlich nach Kriegsende akut geworden.Wohl seien unterdessen Zeiten dagewesen, wo es uns wirtschaftlich besser gegangen hätte u. die„Propheten“ hätten für das kommende Frühjahr eine diesbezgl. Belebung der Wirtschaft vorausgesagt, aber die Verhältnisse seien z. Zt. so trostlos wie nie zuvor. Die Zahl der Konkurse sei noch nie so groß gewesen wie im vergangenen Jahre, hinzu kämen die zahlreichen Geschäftsaufsichten; ferner sei das Sympton der Arbeitslosigkeit für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage maßgebend. Heute stände man vor der geheimnisvollen Frage, wie es in Zukunft besser werden soll. Die Schulden der Reichsanstalt seien so hoch geschraubt worden, daß man nicht wisse, wie sie eigentlich aufgebracht werden sollen. Am 31. März 1931 werde die Gesamtverschuldung etwa 880 Millionen ausmachen. Man stehe augenblicklich vor der Frage, wie die Grundlage der Arbeitslosenversicherung anders aufgebaut werden könne, z. B. Abhängigkeit der Zahlungen von den Wartezeiten der verschiedenen Berufe. Redner ging auf diesen Punkt noch näher ein und sprach dann von dem weiteren Sympton: Mangel an Kapital, Kapitalbildung sei Notwendigkeit, aber wer wolle und könne heute sparen? Auf der anderen Seite seien die Preise so gedrückt, daß eine Schmutz= und Schleuderart aufkomme.(Tub missionsblüten). Dieses System führe zur Zerschlagung der handwerklichen Moral, des handwerklichen Geistes und der Standesehre. Alles das seien Folgen der schlechten wirtschaftlichen Lage. Bei Kapitalbildung käme es mehr denn je aufs Staatsganze an. Man müsse immer wieder an den verlorenen Krieg erinnern und diese Erinnerung tue heute mehr denn je not. Was wir zu bezahlen hätten, ginge aus der Substanz trotz der passiven Handelsbilanz. (Auslandsanleihen). Der Konsum von Luxusartikeln aus dem Auslande sei ein entsprechend hoher und es müsse unbedingt versucht werden, im Inlande rationeiler zu wirtschaften; das wirke sich naturgemäß auf die Zahlungsbilanz des Reiches aus. Zur Zeit sei die Handelsbilanz für uns wohl aktiv, aber die vielen Zahlungen, die zu leisten seien, machten alles wieder passiv. Redner kam dann noch näher auf die Haudelsverträge(Begünstigungsklauseln) zu sprechen und betonte noch einmal, daß Kapitalbildung heute zu einem Kernproblem geworden sei. Es müsse versucht werden, aus der eigenen Wirtschaft heraus einen Ueberschuß zu erzielen. Zu niedrigen Preisen müßten gute Qualitätserzeugnisse geliefert werden, aber die Wirtschaft sei z. Zt. mit Unkostensätzen stark belastet. (Steuern usw.) Diese Unkosten griffen die eigene Substanz erheblich an und es sei selbstverständlich, daß eine etwaige Steuersenkung für die gesamte Wirtschaft von großer Bedeutung wäre. Die Handwerker befänden sich allerdings heute in guter Gesellschaft. Die Gewerbesteuer sei als eine ungerechte Steuer bezeichnet worden, aber wenn man diese verschwinden lassen würde, ergäbe sich die Frage, wie die Gemeinden ihren Etat balanzieren wollten. Es sei ein trauriges Zeichen, wie jede Interessengruppe versuche, Steuern von sich abzuwälzen. Die Steuern würden heute von denjenigen beschlossen, die sie nicht zu bezahlen brauchten. Redner erinnerte an das Defizit der Stadt Dortmund und vertrat die Ansicht, daß die Finanzund Steuerreform zur Herabsetzung der Unkosten in der Wirtschaft führen müsse. Syndikus Dr. Sackmann sprach sich dann weiter zur Sozialpolitik aus und erkannte an, daß diese existieren müsse. Aber sie könne sich nur in gewissen Schranken bewegen und zwar einmal in der Arbeit und zum anderen in der Belastung der Wirtschaft. Mit der Sozialpolitik würde viel Mißbrauch getrieben, z. B. durch Uebertreibungen(Drohnen der Wirtschaft). Die Höhe der Belastung der Wirtschaft dürfe nicht ein Uebermaß an Geldern aufbringen, die ins Unermetzliche gingen. Auch hier müsse eine bestimmte Grenze bestehen. Letzten Endes würden wir uns noch zu Tode wohlfahrten, und es wäre verkehrt, von einem Renommé zu sprechen, daß Deutschland die beste Sozialpolitik der Welt hätte. Redner sprach dann ferner über die Auswirkungen ds Achtstundentages, über die geschäftsfreien Sonntage vor Weihnachten und über den frühzeitigen Ladenschluß am Heiligabend und begründete seine gegnerische Stellungnahme eingehend. Er unterstrich besonders den Grundsatz, daß es richtig sei, die sozialpolitischen Maßnahmen stets im richtigen Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage zu bringen. Hinsichtlich der Sozialversicherung erklärte Dr. Sackmann, daß man darauf hinziele, diese weiter auszudehnen, was eine weitere Belastung der Wirtschaft im Gefolge haben würde.— Den Innungskrankenkassen wolle man den Garaus machen, den Gesellenausschuß beseitigen. Das Recht zur Bildung von Iunungskrankenkassen wolle man von der Zustimmung der Fachinnungen abhängig machen. Ein Kapitel der R. V. O. enthalte die Tendenz, die Innungskrankenkassen abzudrosseln und abzuschnüren. Die Leistungen einer Innungskrankenkasse seien aber nachweislich bessere, als die einer Ortskrankenkasse, trotzdem die Beiträge zur Innungskrankenkasse durchschnittlich niedrigere seien. Dr. Sackmann behandelte serner das Thema betr. der„öffentlichen Hand“. 20 Prozent des Umsatzes befinde sich heute in öffentlicher Hand, in Amerika seien es nicht einmal 4 Prozent. Hier sollte auch eigentlich der Satz maßgebend sein: „Weniger regieren ist besser regieren.“ Leider sei aber jetzt das Gegenteil festzustellen, Redner betonte, daß das Handwerk der Freund einer freien Wirtschaft sei, trotz bestehender evtl. Härten und kam dann weiter auf das Wohnungswesen zu sprechen, wo ebenfalls entsprechende Ausgleiche geschaffen werden müßten. Eine Frage beseele heute alle und zwar die, wie das Tempo im Abbau sich auswirken solle. Zum Schluß ging Dr. Sackmann noch näher auf die Frage der Konkurrenzfähigkeit ein und zwar betraf diese Frage die Errichtung von Warenhäusern und Konsumvereinen. Redner sprach sich gegen die Errichtung von Warenhäusern aus u. verneinte nach näherer Begründung die Ansicht, daß man in einem Warenhause billiger einkaufen könne. Er wandte sich gegen die Kommunen, die es duldeten, daß derartige Unternehmen zum Schaden des Handwerks gestattet werden könnten. Ein Gesetz müsse geschaffen werden, das endlich einmal mit einem derartigen Anreißertum Schluß mache. Die Konsumvereine seien bestrebt, den Einzelhandel auszuschalten. Hinsichtlich einer steuerlichen Belastung dürften die Konsumvereine nicht bevorzugt werden. Nachdem Dr. Sackmann noch über das Vergebungswesen Ausführungen gemacht und auf die Bedeutung der Handwerkskammern noch einmal hingewiesen hatte, schloß er seine Ausführungen, die wir hier nur gedrängt wiedergeben konnten, mit dem Wunsche, daß in Zukunft wieder die Worte zur Geltung kommen möchten: „Handwerk hat einen goldenen Boden.“— Dem Referenten wurde lebhafter Beifall zuteil. Anschließend fand, wie auch vorher, eine Diskussion statt, die u. a. von den Herren Kayser, Filbrich, Hitzegrad, Frage, Wommelsdorf, W. Kogelheide bestritten wurde. Herr Schulte gab dann noch Erklärungen über die Erhebung des Innungsbeitrages ab. Unter Punkt„Verschiedenes“ wurden noch einige Anfragen gestellt und Anregungen gegeben, dann konnte Obermeister Störring die in allen Teilen gut verlaufene Versammlung mit Dankesworten schließen. L=x. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmuns — Im Alkoholrausch schwer bestohlen wurde ein in der Kesselstraße wohnender junger Mann Dieser hatte sich schlasend in einem Hauseingang hingelegt. Seine wertvolle Taschenuhr und die Briestasche mit Papieren und Geld hatten ihm bei dieser Gelegenheit unbekannte Spitzbuben gestohlen. — Von einem Personenauto überfahren und erheblich verletzt wurde ein angeheiterter Mann auf der unteren Schützenstraße. Er wollte über die Straße laufen. Infolge des Sturmes hörte er den Wagen nicht ankommen, wurde von demselben erfaßt und auf das Pflaster geschleudert. Mit einer klaffenden Kopfwunde und starken Hautabschürfungen brachte der Chauffeur den Verletzten in seine Wohnung. — Fortgesetzte Diebstähle auf dem Schlachthof. Fast allwöchentlich werden irgendeineme der Käuser von Tieren auf dem hiesigen Schlachthof Tiere gestohlen. In der vergangenen Woche hatte ein Chauffeur es fertig gebracht, ein junges Kalb in den Werkzeugkasten des Autos zu verstauen. Er wurde aber gefaßt und das Tier wurde ihm wieder abgenommen Am gestrigen Montag wurde wiederum einem Metzgermeister L. aus Hörde ein fettes Schwein von etwa 260 Pfund entwendet. Dieser Metzgermeister schlachtet wöchentlich mindestens 10 Schweine. Als er Montag nachmittag seine gekauften Waren abholen wollte, mußte er feststellen, daß ein Schwein von etwa 260 Pfund fehlte. Von den Dieben fehlt bis jetzt noch jede Spur. a Brünninghausen. Bäume entwurzelt. An der Chaussee von Brünninghausen nach Barop sind auf der rechten Seite die Bäume beim Gasrohr= und Kabellegen, nach dem Graben zu besonders, ihrer Wurzeln beraubt worden. Die Wirkung zeigt sich schon jetzt. Der letzte Sturm hat mehrere von ihnen umgelegt, sodaß man sie entfernen mußte. Eine große Ulme ist auf ein Haus der Kreisbaugesellschaft gefallen, hat aber wenig Schaden angerichtet. Es gelang, durch vorsichtiges Entfernen der Aeste die Gefahr zu beseitigen. Lediglich einige Dachpsannen und die Regenrinnen mußten drau glauben. h Winterberg. Gute Schneelage im Hochsauerlande. Am Sonntag ist im Hochsauerlande reichlich Schnee gefallen. Sportund Tourenmöglichkeiten sind, wie wir aus Willingen erfahren, recht gut. Schneehöhe 20 cm.— Wetterbericht: Temperatur— 5 Grad Celsius, Witterung: Bedeckt(Schneefall), Windrichtung: Nord=West, Letzter Schneefall: 12. Januar, Schneehöhe 25 cm., Schneehöhe in Höhenlagen über 730 cm., Skibahn: sehr gut, Rodel= und Bobbahn: sehr gut. Beste Sportmöglichkeit. Herrliche Winterlandschaft a Benninghofen. Eine ganze Kaninchenzucht vernichtet. Im Laufe des Jahres wurde dem Berginvaliden Giesbert Cremer von hier eine große Kaninchenzucht vollständig durch Raubtiere vernichtet. Da man stets die Tiere morgens tot im Stalle auffand und diese nur eine geringe Wunde in der Halsgegend aufwiesen, scheint der nächtliche Tiermarder ein Wiesel gewesen zu sein. Diese Tiere haben nämlich die Eigenschaft, sich festzubeißen und Blut auszusaugen. Der Schaden ist für den Züchter um so empfindlicher, da dieser ein alter Invalide 17.„„ h Emsdetten. Durch Kalkmilch das Auge eingebüßt. Die 18jähr. Tochter des Landwirts H. in Austum war mit dem Auskälken des Hühnerstalles beschäftigt. Dabei spritzte dem jungen Mädchen plötzlich Kaltmilch ins Gesicht und auf die Hände, wobei es schwere Brandwunden erlitt. Außerdem verlor es ein Auge vollständig. h Warendorf. Vier Kälber! In Ostbewern brachte die Kuh der Gutsbesitzerin Wwe. Krieg vier Kälber zur Welt, die ein Gesamtgewicht von annähernd 200 Pfund, besaßen. Nach tierärztlichem Gutachten ist dies ein äußerst seltenes Ereignis. Die Kälber waren fast ausgewachsen, aber leider sämtlich tot. Schie Sidule und Börter im Anmarsch auf B& U. Das war der spontane Ausspruch vieler, welche zu unserem Saison-Ausverkauf kamen. Erstaunt über die teilweise bis zur Hälffe und mehr herabgesetzten Preise, zufrieden mit der hohen Qualität verließen Tausende unser Haus. Kommen auch Sie, unser Lob wird auch in Ihrem Munde sein. Auf alle nicht herabgesetzten Preise 10% Rabatt mit Ausnahme weniger Markenartikel. Trotzdem bekannte Fahrtvergütung Dasse& Cierpillamms. iSeriohl — Der gute Maßschuh auch für leidendende Füße. Garantie für prima Sitz u. Paßform. Die seine Schuhreparatur Spezialität: Besohlen nach dem AgoKlebeverfahren, sowie auch in genähter und holzgenagelter Ausführung liefert prompt und preiswert 193 Egon Pampus, Schuhmachermeister Friedrich=Str. 4, i. Fa. 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Anschauungen, die zwar in verschiedenen Kreisen auf Widerspruch stoßen werden, deren Kenntnisnahme aber für das Verständnis der Politik der Nachfolgestaaten(hier als Mitteleurapa bezeichnet) aufschlußreich ist. Es wird gesagt, Mitteleuropa sei nur um den Preis einer schweren Verletzung jenes Prinzips geschaffen worden, dem es überhaupt erst seine Entstehung verdankt. Tatsächlich beschränkt sich keiner der neuen Staaten, aus denen es besteht, auf einen einzigen geschlossenen Volksstamm. Die Grenzen dieser Staatswesen wurden nicht lediglich unter Berücksichtigung ethnographischer, sondern auch wirtschaftlicher und geographischer Erwägungen gezogen. Das Ergebnis war, daß diese neuen Staaten einen wesentlichen Teil der schwierigen Probleme Oesterreich=Ungarns erbten, in dem sie selbst in verkleinertem Maßstabe Ebenbilder der alten Monarchie wurden, denn jeder besitzt nun seine eigenen nationalen Minderheiten. Man braucht diese Tatsache nicht abstreiten zu wollen und kann doch beweisen, daß die neue Lage im Vergleich zur früheren einen wesentlichen Fortschritt bedeutet. Die Beantwortung der Frage„Geht es voran in Mitteleuropa?“ hängt nämlich nicht davon ab, ob es auch unter den veränderten Verhältnissen nationale Minderheiten gibt, sondern ob diese Neuausgaben von Oesterreich=Ungarn — wenn man den Ausdruck anwenden will— trotz des Vorhandenseins dieser nationalen Minderheiten in der Lage sind, bessere Beweise der Befriedigung und der Dauerhaftigkeit zu erübrigen. In diesem Zusammenhange möchte ich auf die Garantien hinweisen, die in Form von internationalen Minderheitsverträgen bestehen. Denn letztere sind in der Absicht geschafsen, aus den neuen Verhältnissen entstandene Härten zu mildern. Das neue Mitteleuropa ist dazu bestimmt, ein dauerhaftes System von Staaten zu bilden, die insofern national genannt werden können, als sie ihr Entstehen dem Willen und den Bemühungen von Nationen verdanken, die einst von Oesterreich=Ungarn beherrscht wurden und sich nun politischer Selbständigkeit erfreuen. Diese Länder müssen aber zu gleicher Zeit Mischstaaten bezeichnet werden, weil sie Bruchteile anderer Nationen einschließen. Zweifellos ist die Tätigkeit solcher Staaten bis zu einem gewissen Grade im Innern komplizierter, vom internationalen Gesichtspunkte aus dagegen wichtiger und bedeutungsvoller Denn diese Staaten sollen Brücken zwischen dem Osten und Westen, zwischen dem Norden und Süden Europas bilden und die neuen Anschauungen und Methoden auf dem Gebiete internationaler Zusammenarbeit verkörpern. Dies ist ihre Sonderaufgabe in Mitteleuropa, und auf dem nötigen Verständnis hierfür beruht zweifellos die ganze Tauerhaftigkeit ihrer internationalen Stellung. Meiner Ansicht nach findet diese Ausgabe mit der Zeit immer größeres Verständnis, und ich glaube voraussagen zu können, daß die Beziehungen zwischen den nationalen Minderheiten und Mehrheiten in diesen neuen Staaten mehr und mehr zum Ausdruck dieses gegenseitigen Verstehens werden. Diese Ausgabe wird vor allem dadurch ermöglicht, daß die neue Ordnung in Zentraleuropa einen weitgehenden politischen Fortschritt im demokratischen Sinne bedeutet. Die Revolution von 1918 hat das alte System des politischen Absolutismus gründlich beseitigt. Der Einfluß des Feudalismus, der Hierarchie und des hohen Militärs wurde zerstört, das neue Leben auf neuen demokratischen Grundlagen aufgebaut. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Landtag, Provinziallandtag und Gemeindevertretung verliehen diesen neuen Staaten auch eine völlig neue Form. Die politische Macht lag nicht mehr in den Händen einiger weniger bevorzugter Klassen, sondern ging auf junge demokratische Kräfte über, auf die Massen der Arbeiter, der Bauern und des Mittelstandes. Der Erfolg hiervon weit intensiveres politisches Leben, das nicht nur in der Zahl der Parteien, sondern auch in neuen Ideen und Versuchen, in neuer Kultur=, Wirtschafts= und Sozialpolitik zum Ausdruck kam. Das politische Leben dieser jungen Demokratien mußte notgedrungen verschiedene Krisen aus sich heraus durchmachen und spiegelte dergestalt in mehr oder minder starkem Grade die allgemeine Krisis wieder, der die Demokratie selbst in den älteren und erfahrenen Staaten im Westen unterworfen war. Trotzdem bin ich der Ansicht, die Geschichte dieser ersten zehn Jahre habe bewiesen, daß die Demokratie in Zentraleuropa guten Nährboden gefunden und starke Wurzeln geschlagen hat. Diese Tatsache förderte meiner Meinung nach die europäische Demokratie als Ganzes wesentlich. Gleichzeitig mit den politischen Fortschritten, wie sie aus den Leistungen auf dem Gebiete der Gesetzgebung und der Verwaltung der neuen Staaten ersichtlich sind, müssen auch wesentliche kulturelle Errungenschaften verzeichnet werden. 6s1 9 Der demokratische Geist ist ferner die Ursache dafür, daß die Zivilisation der Nachbarn Ungarns wesentliche Vorteile letzterem Lande gegenüber aufweisen kann. Diese Zivilisation beruht nämlich auf der Erziehung und Entwicklung der Talente und geistigen Fähigkeiten der Massen. So können wir, vorausgesetzt natürlich, daß wir nicht nur einen bevorzugten Teil der magyrischen Nation in Betracht ziehen— nämlich die Mitglieder der besitzenden Klasse, des Mittelstandes und besonders der Aristokratie—, sondern die Gesamtbevölkerung der ehemaligen ungarischen Gebiete, so zum Beispiel der Slowakei, Karpatho=Rutheniens Siebenbürgens, im Gegensatz zur Vorkriegszeit eine geradezu großartige Ausbreitung der Kultur feststellen. Wenn den Hauptvorteil hieraus die Klassen ziehen, die früher gar nicht mitgerechnet wurden, besonders die Slowaken und Ruthenen, so verdanken wie diesen Umstand dem demokratischen Charakter der neuen Kultur, die frühere Fehler gut zu machen sucht. Die praktischen Formen, welche die Minderheitenfrage annimmt, zeigen meiner Ansicht nach ganz klar, daß diese Frage nicht länger die Roll: spielen wird, die ihr in den ersten ren nach dem Kriege von den Gegnern der neuen Ordnung zugewiesen wurde. Deshalb sind sie auch nicht als ein Hindernis für die normale Entwicklung anzusehen. Die Minderheiten selbst und mit alle praktischen Politiker in eukopa werden sich langsam der Tatsache bewußt, daß eine vollständige Durchführung des Selbstbestimmungsrechtes in Anbetracht der Vermischung einzelnen Nationalitäten nicht möglich ist. Sie erkennen aber an, daß mit dem Vorhandensein nationaler Minderheiten gerechnet werden muß, weshalb das Hauptproblem darin besteht ein liberales Regime einzuführen und die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung dieser Minderheiten durch eine weitestgehende Durchführung der demokratischen Prinzipien zu erleichtern. In diesem Zusammenhange können die Minderheiten die Tatsache nicht übersehen, daß die neuen Verhältnisse in Zentraleuropa in großem Umfange auf demokratischen Einrichtungen fußen und im Vergleich mit den alten Staaten einen unbestreitbaren Fortschritt darstellen. Wenn von einer Verletzung irgend welcher grundsätzlicher Prinzipien die Rede sein kann, Dienstag, 14. Januar 1930 so muß diese als gegenseitig bezeichnet werden und nicht als einseitig, eine Tatsache, die auf die weitgehende Vermischung der Rassen und Sprachen und auf die geographischen und wirtschaftlichen Belange des neuen Staatslebens in Mitteleuropa zurückzuführen ist. Die wahre Bedeutung des neuen demokratischen Regimes liegt in der Tatsache begründet, daß es politische und kulturelle Kräfte entfesselt, die alten feudalen Vorrechte beseitigt und neue, gesunde Elemente an die Oberfläche gbracht hat, die bald in der Lage sein werden, ihre Befähigung zu beweisen und eine neue Note in das kulturelle Leben Gesamteuropas zu bringen. „Wer will unter die Soldaten?“ Für die Laufbahn der Offiziere wie der Sanitäts- und Veterinäroffiziere werden Freiwillige in das Reichsheer im April jeden Jahres eingestellt. Der Chef der Heeresleitung Generaloberst Heye macht darauf ausmerksam, daß die Anmeldung schon vom 1. Janur bis 31. März des Kalenderjahres geschehen muß, daß dem Einstellungjahre vorausgeht. Bewerber, die im April 1931 eingestellt zu werden wünschen, müssen sich vom 1. Januar bis 31. März 1930 anmelden. Näheres über die Dienstzeit als Offiziersanwärter, den Gang der Ausbildung und über die Offizierslaufbahn enthält ein Merkblatt, das die Bewerber vom Reichswehrministerium erhalten können. Vorbedingung für die Einstellung ist der Besitz des Reifezeugnisses einer Vollanstalt, das zum Universitätstudium berechtigt. Vitamine im Gefängnis Ein gewisser Mangel an Vitaminen und an allzu geringer Abwechslung in der Speisenfolge ist bei der Gefangenenverpflegung nach wissenschaftlichen Untersuchungen und den Erfahrungen bei langem Aufenthalt festgestellt Die Kostordnung läßt nur eine beschränkte Zahl von Speisen zu. Es tritt Appetitlosigkeit ein oder der Arzt muß Kostzulagen verordnen. Eine Verfügung des Justizministers will die Lebensmittel besser ausgenutzt wissen, die in eigener Werkstatt erzeugt werden. Es die örtlichen Marktverhältnisse für die Beschaffung von Obst, Gemüse, Getreide usw. nutzbar gemacht werden. Die starre Festlegung auf bestimmte Gerichte will man aufgeben, dafür aber die Kosten sorgfältig überwachen. In den sonderen Gefangenanstalten soll dies vom 1. Februar an 6 Monate versucht werden. Für jede Woche ist mit dem Anstaltsarzt ein Speiseplan aufzustellen. MAGGI Würze in Flaschen für Suppen, Soßen. Gemüse, Salate. In Flaschen von 20 Pfg. an MAGGI' Suppen 28 verschiedene Sorten P1 Würfel für 2 Teller Suppe 13 Pfg. MAGGI' Heischbrühe zum Kochen von Gemüsen usw. 1 Würfel für gut V4 Liter&4mp Pfg. Die internationale 13 Roman von J. Schneider=Foerstl. 44. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ronald begleitete ihn noch die Treppe hinab und sah ihm nach, bis er um die Ecke bog. Er fühlte einen unwiderstehlichen Drang. Tandey nachzurennen und ihn mit beiden Armen zurückreißen, damit er nicht in sein Verderben lief. Aber alles Bitten würde wohl nichts genützt haben. Plötzlich sprang er auf, drei Stufen zusammennehmend, nach seiner Wohnung hinauf, riß Mantel und Hut aus dem Schranke, drehte die Kurbel des Tischtelefons und wartete, bis sich die gewünschte Nummer gemeldet hatte. Fünf Minuten später verließ er das Haus. Obwohl seine Nerven mehr als über Gebühr in Erregung waren, schlenderte er nach dem Innern der Stadt, setzte sich dann auf eine Bank am Alsterbecken, erhob sich nach einer Weile, stieg die Treppe zur Untergrundbahn hinab und tauchte an der Haltestelle St. Pauli=Landungsbrücke wieder aus dem Dunkel auf. Eine schmale Straße zog etwas zügig zur Reeperbahn hinauf. Dort schwang er sich auf das Trittbrett einer Tram und blieb auf der hinteren Plattform stehen. An der vierten Haltestelle hüpfte er ab, überquerte den Fahrdamm und bog in eine kleine Gasse ein. Schon nach wenigen Minuten tauchte die Riesenmasse des Bismarckdenkmals vor ihm auf. Ueberquellendes Grün von Bäumen und Sträuchern schmeichelte sich um das graue Gestein und schmiegte sich um den mächtigen Sockel. Ganz vom Buschwerk verdeckt, hielt er Umschau. Von Tandey war nichts zu sehen, also mußte er erst kommen. Aber auch sonst gewahrte er keine Menschenseele. Er war also rechtzeitig am Platze erschienen. Jetzt zu Hause zu sitzen, irgendwo anders in Untätigkeit zu verharren, bis die zehnte Stunde schlug, wäre ihm glattweg eine Unmöglichkeit gewesen. Von irgendwoher dröhnte ein Glockensignal durch den Morgen. Ronald hob bald den einen bald den anderen Fuß und schob abwechselnd die Hände in die Taschen seines schwarzen Mantels, nur um überhaupt eine Bewegung zu haben. Er glaubte sonsten in der Unraft seines Blutes ersticken zu müssen. Eine Uhr schlug in die lautlose Stille. Wo blieb Tandey? Wo der Unbekannte, der ihn gerufen hatte? Nichts rührte sich. Der Platz lag sonnenbeschienen. Die Anlagen herauf kam ein Kindermädchen mit zwei Schützlingen und ließ sie auf dem freien Platze vor dem Denkmal Ringelreihen tanzen. Ein Tourist mit dem Baedecker in der Hand, schlenderte aus einem Fahrweg und besah sich den steinernen Bismarck, sowie die Inschrift, welche auf dem Sockel stand. Nach einer Weile setzte er sich auf die Bank, welche den größten Schatten durch eine Art der Baumkronen erhielt, wickelte ein belegtes Brot aus weißem Vergamentpapier und begann es mit Appetit zu verzehren. Rouald vermochte kaum mehr auf seinem Platz zu verharren. Er mußte immer an Tandey denken, und was sich zugetragen haben mußte, daß er nicht erschienen war. Zwischenhinein horchte er auf die Melodie des Liedchens, daß die Bonne jetzt mit den beiden Kindern sang. Der Tourist warf ab und zu einen Blick auf die reizende Gruppe und aß gemütlich weiter. Dann winkte er den Kleinen und übergab ihnen die Tafel Schokolade, welche er aus seiner Tasche gezogen hatte. Ronald hörte das frohe Lachen, mit dem sie in Empfang genommen wurde, bis zu sich berüber.„„„ In e Tc Auch die Bonne kam nun ein paar Schritte näher und bedankte sich. Er sah, wie sie mit dem Fremden sprach und ihn auf einzelne Schönheiten des Denkmals aufmerksam machte. Der Tourist zog zuletzt noch den Baedecker, legte die Finger auf eine Stelle und sah fragend in die Runde. Das junge Mädchen lachte und gab Bescheid. Dann mußten die Kleinen noch einen Knix machen, während die Bonne selbst dem Fremden die Hand reichte. Zehn Minuten später war der Platz wieder leer. Der Morgenwind trieb ein Stück glitzerndes Staniolpapier den Hang hinab, bis es in einer Rinne verschwand und nicht wieder zum Vorschein kam. Ronald wartete noch bis halb elf Uhr, dann ging er mit einem jämmerlichen Gefühl des Unbehagens nach seiner Wohnung zurück. Halb offenen Mundes blieb er im Rahmen der Türe stehen, denn aus einem der Stühle erhob sich Tandey und kam auf ihn zu. „Ich warte schon seit einer Stunde, lieber Ronald.“ „Sie sind nicht zu der Verabredung gegangen, Herr Tandey?“ „Doch.“ „Unmöglich.“ Alber 86c. un uc Das Lächeln des Chefs verwirrte ihn.„Ich habe——— „Jawohl. Sie haben Ihr Versteck gut gewählt gehabt,“ lobte dieser.„Nur ein bißchen langweilig war's, nicht wahr? Eine Stunde lang umsonst auf der Lauer zu stehen und nichts erspähen zu können.“ „Herr Tandey." Ronald hielt sich die Schläfen. „Ich hätte Ihnen so gerne von meinem Butterbrote angeboten,“ lachte der Detektiv. „Aber Sie standen zu weit weg.“ „Sie waren——“ „Der Tourist mit dem Baedecker, ja.“ „Und die Bonne?“ stieß Ronald hervor. „War meine ehemalige Frau.“ „Aber Sie haben fast nicht miteinander gesprochen,“ warf der junge Kriminalist ein. „Es hat genügt.“ Tandey lächelte. Er klopfte Ronald auf die Schulter und trug wieder dasselbe Strahlen im Gesicht.„Zur Belohnung für Ihre Sorge um mich, dürfen Sie jetzt mit nach Stellingen fahren. Ich war schon so lange nicht im Tierpark draußen und verspüre jetzt wieder einmal das Verlangen, ein paar Seltenheiten, die Hagenbeck aus Afrika mitgebracht hat, in Augenschein zu nehmen.“ Ronald hegte nicht den geringsten Zweifel, daß diese plötzliche Lust Tandeys, re zu sehen, mit irgendeiner Sache von Wichtigkeit zusammenhing. In weniger als einer Viertelstunde war man am Platze. Was Ronald am wenigsten begriff, war die Ruhe und Gleichmütigkeit, mit welcher der Chef ihn bei ihrem Gang durch das Riesenterrain bald auf diese, bald auf jene Abnormität aufmerksam machte. War es wirklich nur eine Laune von ihm gewesen, sich die verschiedenen Vierbeiner anzusehen? An der Schranke, welche der Eingang zur exotischen Mensenschau abschloß, stand ein Neger, der dieselbe für jeden einzelnen Besucher in die Höhe schob und dann wieder heravfauen ließ, wenn dieser durchgegangen war. Tandey blieb einen Augenblick stehen und maß die hagere, aber ebenmäßig gebaute Gestalt des Schwarzen. Ein Zucken ging Gesicht. Er nahm sein Zigarettenetui aus der Tasche heraus und hielt es dem Sohne Afrikas entgegen. Mit einem hilflosen Lächeln griff dieser zu. „Hast du Feuer?“ wandte sich der Detektiv an Ronald, und als dieser verneinte, ersuchte er ihn, ein solches aus dem nächsten Wärterhaus zu holen. Als der junge Kriminalist außer Sehweite war, legte Tandey dem Schwarzen die Hand auf die Schulter.„Heinz!“ Ein Zusammenzucken.— Dann ein horchen. Oellers Muskeln, die sich etwas gestrafft hatten, sanken wieder nach vorn. Nur das hilflose Lächeln auf dem Gesicht blieb zurück. (Fortsetzung folgt.) Im Zeichen des Ziegenbocks Schwerte, den 14. Januar 1930. Noch stehen wir mitten im Winter— wenigstens behaupten dies die Astronomen, wenn wir ungelehrten Sterblichen davon heuer nur noch wenig merken—, da stellt sich zur Freude des Biertrinkers ein heißersehnter Frühlingsbote ein: das Vockbier. Denn ein Frühlingsbote ist es wirklich, dieses Wappentier einer hochwohllövlichen Schneiderzunst auf dem schäumenden Maßkrug, nur hat die Sehnsucht des deutschen Zechers, der ja den Gerstensaft als sein Nationalgetränk verehrt, jenes bedeutende Tierzeichen um einige Wochen früher auf den Plan gerufen, als es dem uralt=geheiligten Brauche entsprechen würde. Daß unser Bockbier sich einer ehrwürdigen Vergangenheit rühmen darf, steht außer Frage. Gemeiniglich pflegt man es auf das nahrhafte Gebräu der guten alten Stadt Einbeck im Hannoverlande zurückzuführen, das vor vier Jahrhunderten schon Dr. Martin Luther von seinem Landesherrn behuss Stärkung übersandt wurde. Tiesschürsende Sternkundige wollen gar festgestellt haben, daß unser Frühlingsbier bereits vor 6 Jahrhunderten unsere Väter erquickte. Damals durchschritt nämlich der Frühlingspunkt am Firmament das Zeichen der Zwillinge, die in jenen Tagen durch zwei Ziegenböcke dargestellt wurden. Die sechs Jahrtausende— mehr haben sich bislang nicht nachweisen lassen— wußten sehr wohl, weshalb sie das Bier in Ehren hielten; pflegten unsere Altvordern noch ihre Arzneien, die sich wegen ihres üblen Geschmacks geringer Beliebtheit erfreuten, durch ausgiebigen Zusatz von Gerstensaft den Kranken mundgerecht zu machen. Und wie dem Bier im allgemeinen neben den verdauungsfördernden Funktionen auch Nährwerte inne wohnen, so trifft dies für das stark gewürzte Bockbier ganz besonders zu. Also darf auch jener„zweckmäßige Meyer", der sich bei jeglichem Tun zuvörderst über den Wert und Nutzen Rechenschaft abzulegen pflegt, ohne Gewissensbisse den schäumenden Trank einverleiben. Eines rechten Genusses wird sich jedoch nur derjenige erfreuen, der mit wackeren Freunden„vereint zur guten Stunde“, mit Behagen den Wohlgeschmack des würzigen Tranks verspürt und sich von guten Geistern— wenn auch nur für kurze Weile— aus diesem irdischen Jammertal in eine schönere Welt emporgetragen fühlt, eingedenk der Mahnung jenes alten geistlichen Trinkliedes:„Laßt das Gläschen ume gahn!“ Gedenklage. 15. Januar: 1858 Der italienische Maler Giovanni Segantini in Arco geboren(gestorben 1899).— 1866 Der Religionshistoriker Nathan Söderblom in Trönö geboren.— 1887 Der Schriftsteller Willy Seidel in Brannschweig geboren. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 13. Januar 1930. Ein Teiltief ist von England über die Nordsee nach Dänemark gezogen; weitere Tiefdruckausläufer folgen vom Ozean nach, so daß die unbeständige Witterung fortbestehen wird. In Deutschland war es heute früh wolkig oder trübe, im Osten vielfach mit Regen und Schneefällen. Die Morgentemperaturen lagen in Ostdeutschland in der Nähe des Nullpunktes, in den übrigen Teilen zwischen 4 und 8 Grad. Der Kahle Asten hatte starken Südwestwind, 1 Grad Frost und 30 cm Schneehöhe. Wetteraussichten bis Mittwoch: Fortgesetzt veränderlich, zeitweise Niederschläge, in höheren Lagen teilweise Schnee, sonst verhältnismäßig mild bei lebhaften südwestlichen Winden. Westfälischer Bauernverein, Bezirksverband„Industriegebiet". Der Sprechtag des Westf. Bauernvereins, Bezirksverband„Industriegebiet“, findet in Schwerte am Freitag, den 24. Januar von 10 bis 12 Uhr, in der Wirtschaft Potthoff statt. Die Auszahlung der Zusatzrente für Kriegshinterbliebene und nicht im Erwerbsleben stehende Kriegsbeschädigte für den Monat Januar 1930 findet am Mittwoch, den 15. Jannar 1930 vormittags an der hiesigen Stadtkasse statt. Auflösung von Versicherungsämtern. Gemäß Erlaß des preuß. Ministers für Volkswohlfahrt sind die bisherigen Versicherungsämter für die Landkreise Bochum, Hagen, Hattingen, Hörde und Schwelm aufgelöst worden. : Nachbarschichte. Die Zeit der Nachbarschichte ist wieder da. Als erste Schicht trat im neuen Jahr die der Ostenstraße und der angrenzenden Straßen zusammen. Sie hatte sich am Samstagabend zum Schichtessen bei einem Glase Gerstensaft in der Wirtschaft„zur Linde“ bei Emil Brieke versammelt. Es war dieses die erste Schicht seit mehreren Jahren. Küche und Keller boten das Beste. Schichtmeister war diesesmal der Schuhmachermeister Beßlich. In vorgerückter Stunde, als der Humor voll zu seinem Rechte kam, wurde die Ostenstraße in„Hubertusstraße" umgetauft in Anbetracht der Verdienste, die sich ein Anwohner um die Verbreiterung dieser Straße, z. B. durch die Niederlegung des Beßlich'schen Hauses, im Interesse der Verkehrssicherheit erworben hat. So verlief diese Veranstaltung in der denkbar schönsten und ansprechendsten Weise. Die Veranstaltungen der übrigen Schichten unserer Stadt werden nun auch im Laufe der Monate Januar und Februar folgen. So wird diese für unseren Ort eigenartige schöne Einrichtung, die schon vor Jahrhunderten von unseren Vätern ins Leben gerufen wurde, um einen engen Zusammenschluß der Nachbarn in Freud und Leid herbeizuführen, von der jetzigen Bürgerschaft weiterhin gepflegt. - Deutsche Jugendkraft. Einen in jeder Hinsicht wohlgelungenen Elternabend bot am Sonntag die Deutsche Jugendkraft ihren Gönnern und Freunden, namentlich aber den Angehörigen ihrer Mitglieder. Der Saal des Vereinshauses war bis auf den letzten Platz besetzt, als Meister Werner mit seinen Mannen die Feier mit einem fröhlichen Marsch eröffnete. Vikar Schleep, der rührige Leiter der kath. Jugendbewegung, fand warme Worte der Begrüßung und ein wirkungsvoller Vorspruch wies auf den Inhalt und Zweck des Abends hin. Es folgten prächtige turnerische Darbietungen der Jugendriege und dann nahm der Gauleiter, Vikar Piel aus Velmede, das Wort zu einer zündenden Ansprache über die großen Ziele und die hohen Ideale der Deutschen Jugendkraft. Ertüchtigung der Jugend und Pflege der Leibesübungen habe der Verband auf seine Fahne geschrieben, er wollte aber dabei auch die Arbeit an der Seele, an der geistigen Wohlfahrt nicht vernachlässigen. Die von hoher Begeisterung für die gute Sache und von warmherziger Liebe für die Jugend getragenen Ausführungen des Redners fanden den stürmischen Beifall der großen Festversammlung. Weitere turnerische und sportliche Darbietungen legten von der Leistungsfähigkeit der Deutschen Jugendkraft beredtes Zeugnis ab, einige humorvolle, gut gegebene Theaterstücke sorgten für die so gesunde Bewegung der Lachmuskeln und Musik und Gesang bildeten den äußeren Rahmen für die vielseitigen Darbietungen. Eine Verlosung, bei der Göttin Fortuna recht guter Laune war, beschloß die schöne Feier. Der nächste Roman, mit dessen Abdruck wir übermorgen beginnen, betitelt sich: „Dieverschwundene Handschrift“ von Hanns Zomack und ist ein Roman voll Spannung, der den Leser nicht mehr losläßt. Auf dem Gebiete des Kriminalromans eines der besten Werke, die je geschaffen wurden. Auch wer an und für sich kein rechter Freund des Kriminalromans ist, läßt sich gern in den Bann der„Verschwundenen Handschrift“ ziehen. Wir haben uns den Abdruck dieses erstklassigen Romans gesichert, weil wir davon überzeugt sind, hiermit unseren Leserinnen und Lesern einen besonderen Dienst erwiesen zu haben. Bestandene Prüfung. Der Vorzeichner und Meister Ludwig Clemens, Dortmund=Syburg bestand am Freitag, den 10. Januar die Aufnahme=Prüfung zur Höheren Maschinenbauschule in Elberfeld. Derselbe ist bei der Firma Carl Sprickmann=Schwerte, beschäftigt. Passieren der Bahnübergänge. Der Landrat des Kreises Iserlohn erläßt folgende Bekanntmachung: Den Führern von Kraftfahrzeugen und Fuhrwerken wird wiederholt die größte Vorsicht beim Passieren der Bahnübergänge zur Pflicht gemacht. Unachtsame Führer gefährden nicht nur ihre Mitmenschen, sondern setzen sich auch einer strengen Bestrafung auf Grund des§ 316 des Strafgesetzbuches(Transportgefährdung) aus. Landkreis Iserlohn Amt ! Westhofen. Kirchenstatistik. Die Zahl der getauften Kinder betrug 33(33), 22 Knaben und 11 Mädchen. Getraut wurden 23(18) Paare. Die Zahl der Konfirmanden 45(52), 27 Knaben und 18 Mädchen. Es starben 37 (33) Gemeindeglieder, 24 männliche und 13 weibliche. Am Abendmahl nahmen 294(273) Personen teil. Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1928. Lehrreicher Vortrag. Für Eisenbahner und deren Familienange= hörige hält am morgigen Mittwoch, nachmittags 5,30 Uhr, im„Westf. Hof“, Sanitätsrat Dr. Emmerich einen Vortrag über das Thema: „Die gute Darmfunktion in gesunden und kranken Tagen. Dortmunder Sechstagerennen Stand des Rennens in der Dienstagnacht 3 Uhr. 1. Goebel—Dinale 111 Punkte; 2. Rausch— Hürtgen 70 Punkte; 3. Charlier—Duray 64 P.; 1 Runde zurück: 4. Petri—Kroschel 89 Punkte; 5. Dülberg—Debaets 44 Punkte; 2 Runden zurück 6. Meyer—Stübecke 152 Punkte; 7. Louet— Boucheron 139 Punkte; 8. Choury—Fabre 70 Punkte; 9. Kilian—Pützfeld 65 Punkte; 3 Runden zurück: 10. Dorn—Maczinski 46 Punkte; 5 Runden zurück: 11. Joksch—Pijnenburg 148 Punkte; 12. Mac Namara—Belloni 25 Punkte. Bücherbesprechung Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind zu haben in der Buchhdlg. C. Braus, Schwerte. Geh.=Med.=Rat Prof. Dr. Fürbringer, Wie verlängere ich mein Leben? Verlag Dr. Georg Maschke, Berlin W. 8, Pr. Mk. 0.90. Der weit über die Grenzen Berlins bekannte Kliniker und Forscher gibt in diesem soeben in Zur Die in letzter Zeit aus allen Teilen des Reiches und auch einem großen Teil des Auslandes gemeldeten Fälle von Papageienkrankheit haben in erhöhtem Maße die Aufmerksamkeit auf diese merkwürdigen Vögel gelenkt, die wohl als einziges Lebewesen imstande sind, die menschliche Sprache nachzuahmen, und die auch sonst noch durch ihr sagenhaft hohes Alter eine Sonderstellung in der Vogelwelt einnehmen. Wie Untersuchungen des Instituts für Schiffs und Tropenkrankheiten in Hamburg ergeben haben, sind es lediglich frisch importierte, exotische, insbesondere südamerikanische Papageien, die den Krankheitskeim— wahrscheinlich einen Bazillus aus der Parathyphusgruppe— beherbergen und an schweren tödlich verlaufenen Durchfällen erkranken. Während der Krankheit beschmutzen die Tiere Schnabel und Federn mit ihren Abgängen. Wird nun ein solch krankes Tier berührt, so wird der Krankheitskeim auf den Menschen übertragen. Außerdem können die in den eingetrockneten Abgängen enthaltenen Keime staubförmig verbreitet werden. Neuerdings sind auch in Amerika zwanzig Erkrankungen an Psittakosis verzeichnet worden, von denen zwei tödlich verliefen.— Unser Bild zeigt ein überaus selten vorkommendes Exemplar der Papageienfamilie und zwar einen jungen, drei Monate alten Gelbbauchsittich, der zum erstenmal auf der Farm des berühmten Papageienforschers O. Grassel in Stadlau bei Wien gezüchtet wurde. Er ist ein Zugvogel. 2. Auflage erschienenen Büchlein anhand seiner reichen Erfahrungen, die er als ehemaliger Direktor der inneren Abteilung des Krankenhauses Friedrichshain, Berlin, und als Berater einer zahlreichen Privatklientel machen konnte, Ratschläge, wie man sein Leben einzurichten hat, um ein hohes Alter gesund zu erreichen. Der Verfasser gibt hier nicht, wie es so oft geschieht, Anweisungen für andere, die er selbst nicht befolgt, sondern er hat dieses Leben und diese Lebensweise, die ihn die richtige dünkt, selbst gelebt und durch seine Rüstigkeit als bald Achtzigjähriger den Beweis für das erbracht, was er als Richtschnur für eine gesundheitsgemäße Lebensweise in diesem Buch ausstellt und was geeignet ist, sicherer und besser als die Steinach=Operation das Leben wirklich zu verlängern. Wer dies allgemein verständlich und interessant geschriebene Buch liest, wird Nutzen für seine Gesundheit daraus gewinnen. So kann das Büchlein jedem bestens empsohlen werden, ganz besonders auch in Anbetracht des niedrigen Preises von Mark 0,90. Zeitschriftenschau Bajadere, Knallbonbon, Kaltus, Pierrot, Pompon, selt'ne Marken,„sabelhast", jede Frau sich selber schafft: Beyers Masken=Album, bunt und stark Auch bei Braus— für nur 2 Mark! hören wir im Rundfunk? Mittwoch, den 15. Januar 1930. 06,45: Leibesülungen. 07,00: Morgenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 11,20: Musikalischer Schulsunk für die Oberstuse höherer Lehranstalten. 12,10: Schallplattenkonzert. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 15,00: Handarbeitstunde für junge Mädchen 15,30: Wirtschaftsdienst. 16,00: Frauenstunde. 16,00: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Volksschulen. 17,30: Vesperkonzert. 18,30: Lebende Dichter. 18,50: Vom Tage. 19,00: Wirtschaft=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Die Stunde des Arbeiters. 19,40: Aus Theorie und Praxis der Wirtschaft. 20,00: Englische und schottische Lieder. 20,45: Englischer Abend. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Anschließend bis 22,35: Englische Tänze. 23,30: Tanzmusik der Blue Lyres Band aus dem Café de Paris, London. 00,00: Tanzmusik der Kapelle Jack Hylton aus dem Kit Cat Restaurant, London. 01,00: Uebertragung des Big Ben(Turmuhr des Londoner Parlamentsgebäudes). Wenn's draußen stürmt und wettert, ist eine Tasse gute Fleischbrühe, die zugleich wärmt und anregt, eine Wohltat. Man kann sich solche im Nu und jederzeit bereiten durch Auflösen eines Maggi=Fleischbrühwürfels in ¼ Liter kochendem Wasser. Es ist deshalb empfehlenswert, diese proktischen Würfel stets vorrätig zu haben. Achten Sie beim Einkauf darauf, daß die Banderole rot=gelb ist und den Namen Maggi trägt. Diese Kennzeichen bürgen für Qualität. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. Zwangsversteigerung Im Wege der Zwangsvollstreckung werde ich am Mittwoch, den 15. 1. 1930, vorm. 10 Uhr, in Schwerte, Westenstr. 15: 2 Schreibtische 1 Korbmöbelgarnitur 1 Spiegel mit Untersatz 1 Schreibmaschine Orag“ 1 Sofa mit Umbau 20 Flaschen Rotwein 12 Flaschen Tarragona 18 Flaschen Moselwein 7 Flaschen Rumverschnitt 3 Flaschen Weinbrand 1 Büfett 1 Vertikow 1 Klavier „Karl Scheel“ 1 Standuhr u. a. m. 204 öffentlich meistbietend gegen sofortige Bezahlung versteigern. Schwerte, 14. Jan. 1930. Kötter, Gerichtsvollzieher. e t l e W e i d t r ö h e g n e g i t u l m e l) Für die richtige Lösung obigen Sprichwortes habe ich folgende Preise ausgesetzt: 1. Preis: Rm. 2000,— in bur 2. Preis: Rm. 1200,— in bar 3. Preist 1 ERzimmer 4. Preist 1 Schlafzimmer S. Preis: 1 Küche 6.-9. Preis: 4 Fahrräder für Damen od. Herren 10.-19. Preis: 10 Grammophone 20.-22. Preis: 3 Photo-Apparate 23.-32. Preist Füllhalter mit Goldfeder 33.-50. Preis: Taschenuhren und eine große Anzahl diverser Trostpreise in reizender Ausführung. Jeder, der mir die richtige Lösung einsendet, Ist Gewinner eines obengenannten Preises. Die Hauptpreise sind bei Herrn Rechtsanwalt Müller, Braunschweig, hinterlegt. Die Einsendung muß sofort erlolgen und verpflichtet Sie zu nichts. ich bitte, die Lösung in genügend frankiertem Brief einzusenden. Für besonders gewünschte Auskunft wird um Rückporto gebeten.„„„ Ganz besonders mache ich darauf aufmerksam, daß die Durchführung meines Preisausschreibens von Herrn Rechtsanwalt Müller überwacht wird, der auch die Verteilung der Hauptpreise, de Ende Januar stattfindet, vornimmt. Schreiben Sie noch heute an:. 198 Albert Kriwat, Braunschweig Nr. 1605. * * * Wri und Verwandtschaftsverhältnisse der Seefische Auf dem Markte der Seefische begegnen wir seit längerer Zeit, gerade auch in den Sommermonaten, einem großen, ziemlich gleichbleibenden, Angebot an Ware. Nachdem die durch den Krieg und den Friedensvertrag schwer geschädigte deutsche Hochseesischerei durch Tatkraft und Unternehmungsgeist wieder auf eine hohe Leistungssähigkeit gebracht ist, haben die Zufuhren so zugenommen, daß bereits eine fühlbare Herabsetzung der Preise eintreten konnte und onrch Veranstaltung von„billigen Fischtagen“ an allen Orten eine verstärkte Absatzpropaganda einsetzen mußte. Auch die Errichtung von Lokalen, in denen nur Seefischgerichte verkauft werden, fällt unter die Bestrebungen, den Verbrauch der nahrhaften und billigen Seefische imn Lande zu heben. e6 Interessant ist es, die in die Großstaor und das Binnenland eingeführten. Seesische auf ihre Art und Verwandtschaft zu betrachten. Man kommt da zu der interessanten Feststellung, daß die gewöhnlich gebrauchten Sorten gruppenweise miteinander verwandt sind und daß eigentlich nur ein paar Familien in Betracht kommen. Wenn wir von den Heringen und ihren Verwandten absehen, so finden wir, daß die Sippe der Schellsische oder Gadiden mehrere Vertreter in unsere Küche entsendet. Da ist zunächst der Schellfisch selber. Er ist ziemlich schlank gebaut, wird 30 bis 90 Zentimeter lang, hat am Kinn einen kleinen Bartfaden und trägt als Charakteristikum die schwarze Seitenlinie auf dem graubraunen Leib, auf welcher sich oberhalb der Brustflosse noch ein besonderer schwarzer Fleck befindet. Sein Gebiet ist die Nordsee. Die Laichzeit fällt in den Winter, er ist demnach im Sommer am besten. Seine Nahrung besteht aus kleinen Fischen und Mollusten. 6 16 Ein Vetter von ihm ist der Naverzau. Dieser erreicht eine Länge von 1½ Meter und wird bis zu einem Zentner schwer. Er hat eineu längeren Bartfaden als der Schellfisch und im Gegensatz zu ihm eine weiße Seitenlinie auf dem bräunlichen, meist gefleckten Körper. Seine Laichzeit tritt ebenfalls in den Winter. Er nährt sich von Fischen, Krebsen und Weichtieren wohnt im ganzen Nordatlantischen Ozean, auch in der Nord= und Ostsee. Seine Jugendform ist der Dorsch, der also kein besonderer Fisch ist. Vielsach wird aber der in der Ostsee lebende, nur einen halben Meter groß werdende Kabiljau als„Dorsch“ oder „Ostseedorsch“ in den Handel gebracht. Dem Kabeljau sehr ähnlich ist der Köh ler. Er wird noch etwas größer, ist dunkel gefärbt und hat nur einen winzigen Bartfaden. Im Binnenlande wird er häufig unter dem Namen„Seelachs" verkauft. Aus der Familie der Makrelenfische finden wir zwei Vertreter auf dem Markte. Zunächst die echte Makrele. Sie kommt aus dem Ozean und der Nordsee zu uns, wo sie 30 bis 40 Zentimeter lang wird. Nach dem Tode ist sie auf dem Rücken blaugrün und trägt eine Anzahl von dunklen Querstreifen; der Leib ist verlmutterfarben. Das grätenlose, feste und fettreiche Fleisch ist geschätzt, auch in geräucherter vers. G Verwandtschaftlich nahestehend ist der Tyunfisch, der aber wesentlich größer wird, sogar bis zu fünf Metern. Er lebt vorwiegend im Mittelmeer und ernährt sich u. a. von seiner Base, der Makrele. Sein Fleisch ist ganz besonders nährreich und fett, aber nicht leicht verdaulich. Bei uns wird er meist in ausgeschlachtetem Zustande auf den Markt gebracht. Eine außerordentlich interessante Familie haben wir in den Plattfischen vor uns. Die gendformen dieser Tiere sind ganz symmetrisch gebaut und schwimmen aufrecht im Wasser wie andere Fische. Allmählich aber legen sie sich mehr und mehr auf die Seite, das eine Auge wandert auf die andere Kopfseite hinüber und es bildet sich eine Ober= und eine Unterseite heraus. Die untere, die meistens die ursprünglich linke ist, wird farblos, die obere ist bei den einzelnen Arten verschieden gesärbt. Diese Farbe unterliegt— und das ist das Interessanteste bei den Plattfischen— der Veränderung. Die Tiere besitzen die Fähigkeit, je nach dem Wechsel des Grundes, auf dem sie ruhen, und sie ruhen viel, das Farbkleid zu wechseln. Am häufigsten treffen wir von dieser Familie die Flunder. Sie wird 20 bis 50 Zentimeter lang. Ihre dunkle, augentragende Oberseite besitzt kleine warzige Flecken. Nord= und Ostsee liefern sie uns in reichlicher Menge. Nahe verwandt mit ihr ist die Scholle oder der Goldbutt, die aber doppelt so groß wird und eine glatte Haut besitzt. Wesentlich größer wird noch der Stein butt, der im Ozean eine Größe von zwei Metern erlangen kann. Bei ihm liegen die Augen links. Seine Farbe ist sehr veränderlich und schwankt, je nach dem Grunde, vom hellen Grau bis zum dunklen Braun. In der Haut sind kleine, steinharte Knöchelchen eingelagert. Als besonders wohlschmeckend gilt das Fleisch der Seezunge, die 30 bis 50 Zentimeter lang wird. Sie dringt auf ihren Wanderungen ziemlich weit in die Flußmündungen ein und kann sogar in Süßwasser gehalten werden. Zu erwähnen wäre noch der Heilbutt, der 2 Meter und darüber lang wird. Er beschränkt sich in seiner Nahrung nicht auf Mollusken und Krebse, sondern verzehrt auch größere Fische, wie etwa Dorsche. Sein Fleisch ist ganz vorzüglich. Man sieht, daß die Fischkörbe auf dem Markt nicht nur unser Mageninteresse zu wecken brauchen. Wenn wir die Augen öffnen, finden wir vieles, was des Wissens und der näheren Nachfrage wert ist. Herm. Buge. Ehe vor 5000 Jahren und zur Zeit der dritten Dynastie von Ur, etwa um 2200 v. Chr., bestrafte man den Ehebruch der Frau mit dem Tode durch Ertränken. Das Verhältnis der Kinder zu den Eltern und schließlich die Erbfolge sanden ebenfalls genaue Regelung, was damals ja noch weit notwendiger war als heute, weil das Vorhandensein von Nebenfrauen verschiedener Herkunft und ihrer Kinder berücksichtigt werden mußte. 9 44 991 Sie sehen, verehrte Frau Margrei, wie die verwickelte Ehegesetzgebung darauf schließen läßt, daß schon vor fünf Jahrtausenden die Sumerer sich redlich den Kopf zerbrochen haben, um des Eheproblems Herr zu werden. Und doch mag auch die uns aus ihren Tontäfelchen ent gegen tretende musterhafte Ordnung, wie sie uns in Woollcys Buch„Vor 5000 Jahren" geschildert wird, den Ehehimmeln nicht alle Wolken und Stürme serngehalten haben. Auch vor 5000 Jahren gab es sicherlich im Eheleben Konflikte, die kein Gesetz aus der Welt schassen konnte, die auch damals von innen heraus, von den zwei Menschen selbst, gelöst werden mußten, denen sie entstanden waren. Von Menschen, Frau Margret, nicht von Paragraphen. Und heute? Diese Frage braucht Ihnen nun wohl nicht mehr zu beantworten Ihr ergebenster„Onkel“ Fritz. Von Friedrich Baumgarten. Meine liebe verehrte gnädige Frau, Sie sehen, ich beeile mich, Ihren„Hilferuf" zu beantworten. Zunächst danke ich Ihnen für Ihr Vertrauen, aber ich muß gestehen: den Stolz, daß Sie mir„in Ihres Lebens entscheidender Stunde“ schenkten, verstanden Sie meisterlich zu dämpfen, indem Sie, wie zur Entschuldigung, bemerkten, daß„einem so lebenserfahrenen (Warum schreiben Sie nicht ehrlich„alten“?) Manne die Geständnisse einer jungen Frau nicht mehr gefährlich werden“ könnten. Ahnen Sie, wie einem zumute ist, wenn man von einer entzückenden, kleinen Frau eine Onkelrolle zugeteilt bekommt? Nun, ich nehme das Urteil an und will versuchen, Ihnen bei der Lösung der „schwierigen Probleme“ behilflich zu sein. Ja, liebe Frau Margret, nun haben Sie also auch solche in Ihrer schon„über drei Jahre so glücklichen Ehe“ gefunden, nun verlangen Sie icre Lösung, fordern neue Gesetze, weil die alten „den Menschenrechten der Gegenwart nicht mehr Genüge tun“. Ihr Fall, so meinen Sie, sei ein Musterbeispiel, böte— lassen Sie es mich einmal mit großen Worten sagen— den Punkt, von dem aus ein moderner Archimedes die Welt(der Ehe, versteht sich) aus den Angeln heben könnte, um ihr die Freiheit zu neuer Gestaltung zu geben. Gemach, kleine Frau! Es ist ein eigen Ding um die Probleme der Ehe. Sie lassen sich nicht so sauber aus ihrer holzigen Hülle herausschälen wie eine Kastanie. Wäre das der Fall, die Lösung hätte man längst gefunden denn man sucht lange danach, schon seit Tausenden von Jahren. Nicht wahr, allein das zu hören, genügt um uns Abstand von unserem eigenen Problem gewinnen zu lassen. Darauf aber kommt es an: nicht aus seiner Haut, aber aus seinen kleinen und auch großen Sorgen heraus zu fahren, sich einmal in Ruhe daneben zu setzen oder sie gar von ferne, vom Monde aus zu betrachten. Darum, denke ich, ist Ihnen auch mehr damit gedient, wenn ich etwas davon erzähle, was ein altes Volk, die Sumerer, vor etwa fünf Jahrtausenden von der Che hielten, als mit dem Versuch, ihr eigenes persönliches Ungemach zu analysieren. Warum ich gerade auf diese Bewohner des Landes am Tigris und Euphrat verfalle? Ich las soeben ein Buch über die Ausgrabung der alten Stadt Ur durch Professor C. Leonard Woolley. Darin fand ich auch ein fast lückenloses Bild der damaligen Ehegesetzgebung. Diese enthält so zahlreiche, viele Einzelheiten regelnde Bestimmungen, daß man daraus auf das Auftauchen zahlreicher„Probleme“ und die Absicht der Gesetzgeber, sie zu lösen, schließen muß. Diese Probleme entsprangen nicht etwa, wie Sie es wahrscheinlich von den„Orientalen" annehmen, der Vielweiberei. Nein, in Summer war Einehe Vorschrift. Allerdings war es dem Manne gestattet, sich unter gewissen Umständen Nebenfrauen zuzulegen, doch reichte deren gesellschaftliche und rechtliche Stellung niemals an die der ersten Frau heran. Diese konnte selbständig Geschäfte abschließen, sich Sklavinnen halten und besaß ganz bestimmte Rechte bezüglich ihrer Mitgift, der Vertretung des Mannes in dessen Abwesenheit und des ihr nach seinem Tode zufallenden Erbes. Andererseits konnte der Mann seine Frau für eine bestimmte Zeit in Sklaverei geben, um eine Geldschuld abzutragen unter gewissen Umständen sie sogar verkaufen. Auch war es ihm im allgemeinen nicht schwer gemacht, sich scheiden zu lassen, während sich dem gleichen Verlangen der Frau erhebliche Schwierigkeiten in den Weg stellten. Die Annahme einer Nebenfrau kam eigentlich nur in Frage, wenn eine Ehe kinderlos blieb. In diesem Falle konnte sich der Mann scheiden lassen oder eine zweite Frau nehmen, sei es eine Freie oder eine Sklavin. Immer aber blieb die zweite Frau gegenüber der ersten minderen Rechtes. Der ersten Frau war es gestattet, ihrem Mann eine ihrer Sklavinnen als Nebenfrau zu geben. Dann behielt sie immer einen erheblichen Einfluß, denn ihr blieb das Recht, die ehemalige Sklavin wieder zu verkaufen. Das Freiwerden der Sklavinnen in der Ehe oder nach dem Tode des Mannes war genau geregelt, ebenfalls natürlich die Eheschließung selbst mit allen Vorbedingungen bezüglich der Mitgift und Brautkaufgabe. Der abzuschließende Ehevertrag besaß außerordentliche Wichtigkeit. In ihm wurden die oben kurz angeführten allgemeinen Bestimmungen durch unzählige Einzelheiten ergänzt, oft sogar erheblich abgeändert. Die Folgen etwaiger ehelicher Untreue legte man ebenfalls von vornherein fest. Sie waren in den ältesten Zeiten auch für die Frau nicht allzu schwer, wurden später aber immer bedentlicher, Was bringt das neue Kleingartengesetz? Der Westfälische Landbund schreibt uns: Seit dem 31. 7. 1919 besteht eine Kleingartenund Kleinpachtlandordnung. Der soziale Gedanke, der dieser Verordnung zugrunde liegt, ist durchaus berechtigt, und im Interesse einer gesunden Großstadtbevölkerung zu begrüßen, denn viel Freude und Zufriedenheit kann ausgelöst werden durch gesunde Betätigung in den Kleingärten. Unter Kleingärten sind solche Grundstücke, die nicht zu landwirtschaftlicher, erwerbsgärtnerische oder gewerblicher Nützung dienen, aber gartenmäßig verwendet werden, die von den Wohnungen der Inhaber örtlich und rechtlich getrennt sind und die der Inhaber(Kleingärtner) selbst oder durch seine Familienangehörigen bewirtschaftet, zu verstehen. Als Berechtigter für die Festlegung der Grundstücke zu Kleingärten gilt die Gemeinde. Sie soll in ihren Bebauungsplänen und bei der Erweiterung derselben soviel geeignetes Gelände für die Festlegung als Dauerkleingartenland vorsehen, wie erforderlich ist, um den Bedarf an derartigem Land zu befriedigen. Im Reichsarbeitsministerium ist neuerdings ein Entwurf zu einem Kleingartengesetz ausgearbeitet, das anstelle der oben genannten Kleinland= und Kleinpachtordnung treten soll. Dieser Entwurf verdient mit Rücksicht auf seinen Inhalt im stärksten Maße Aufmerksamkeit, denn er enthält schwere Eingriffe in das Eigentumsrecht, so daß man ihm aus grundsätzlichen Erwägungen entgegentreten muß. Er wird sich in seiner augenblicklichen Fassung stark gegen das städtische und ländliche Grundeigentum auswirken. § 2 Abs. 1 sagt:„ein Grundstück kann auf unbeschränkte Zeit als Kleingartenland festgelegt werden.“ Der Eigentümer hat also auf die Bewirtschaftung keinen Einfluß mehr, sein Grundstück wird automatisch entwertet. Eine Kündigungsmöglichkeit gibt es so gut wie nicht, denn gemäß§ 9 ist eine Kündigung, abgesehen von den in§ 10 genannten Fällen, ausgeschlossen. Der Vertrag kann ferner gegen den Willen des Eigentümers und so oft es der Vertragsgegner von ihm verlangt, auf jeweils fünf Jahre, also auf unbestimmte Zeit erneuert werden.§ 10 läßt als Ausnahme das Vorliegen eines wichtigen Grundes zu, aber in Abs. 2 des§ 10, daß als wichtiger Grund im Sinne dieser Vorschrift nicht die Absicht gilt, einen höheren Ertrag durch andere Nutzung zu erzielen, oder das Grundstück zu veräußern. Als wichtiger Grund soll gelten ein genehmigtes Bauvorhaben. Es ist jedoch wohl kaum anzunehmen, daß in einem Gelände, das die Gemeinde zur Kleingartennutzung festgelegt hat, ein Bauvorhaben genehmigt wird. Somit scheidet praktischeine Kündigungsmöglichkeit aus. Es muß gefordert werden, daß als wichtig unbedingt wirtschaftliche und auch privatwirtschaftliche Gründe anerkannt werden, die den Eigentümer veranlassen, das Grundstück selbst zu bewirtschaften oder zu veräußern. Ferner müßte die in§ 2 verlangte Festlegung zur Milderung der Eingriffe in die Rechte der Eigentümer auf einen Notstand beschränkt werden, und die Gemeinden müßten sich verpflichten, auf Wunsch des Eigentümers das Grundstück jederzeit gegen volle Entschädigung käuflich zu erwerben, wobei der ordentliche Rechtsweg für die Festsetzung der Entschädigung offen zu halten wäre. Es dürften die privaten Grundstücke auch erst dann in Anspruch genommen werden, wenn geeignete, in öffentlichem Eigentum stehende Grundstücke nicht zur Verfügung stehen. Bei einer Heranziehung von bisher landwirtschaftlich oder erwerbsgärtnerisch genutzten Grundstücken müßte in jedem Falle die zuständige Landwirtschaftskammer gehört werden. § 5 gibt neue Richtlinien für die Berechnung des Pachtzinses, den der Kleingärtner zu leisten hat. Im Streitfall soll das Mieteinigungsamt den Zins festsetzen. Die Mindestforderung zu dieser Bestimmung müßte sein, daß wenigstens die bisherige Fassung der Kleingartenordnung beibehalten wird, die die Festsetzung der Zinsen vorsieht unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse und des Ertragswertes der Grundstücke. Die bestehenden alten Pachtverträge müssen unberührt bleiben. Das Gesetz darf auf keinen Fall rückwirkende Kraft echalter.— Es geht nicht an, daß dem Eigentümer Land für unbestimmte Zeit der eigenen Bewirtschaftung entzogen wird, ohne ihm Gelegenheit zu geben, die Grundstücke gegen angemessene Entschädigung zu veräußern. Die soziale Maßnahme soll durchaus anerkannt werden, aber sie darf nicht einseitig zu Lasten der Grundeigentümer vorgenommen werden. Wenn eine gerechte Lösung geschaffen werden soll, muß daher der Entwurf in wesentlichen Punkten gemäß der obengenannten Forderung eine Aenderung erfahren. Rund um den „Wenn man anfängt zu sterben“. Man suche das unangenehme, wenn auch unvermeidliche Ergebnis des Sterbens tunlichst außerhalb der lettländischen und estländischen Eisenbahnzüge zu verlegen. Im gegenteiligen Falle kann es einem geschehen, daß man nicht nur„anfängt zu sterben“, sondern auch ganz unerbittlich zu Ende sterben muß. Diese Worte muten vorerst etwas unklar und rätselhaft an. Die Lösung folgt sogleich: Auf der Strecke Reval=Riga wurde ein schwedischer Reisender von einem Herzkrampf befallen. Der herbei gerufene Schaffner bemühte sich nicht etwa darum, die vorhandene ärztliche Hilfe herbei zu holen; nein, er wollte den Kranken kurzerhand auf der nächsten Station — wo natürlich kein Arzt vorhanden war aussetzen. Nur das energische Dazwischentreten eines reichsdeutschen Mitreisenden rettete den Schweden von dem fast sicheren Tode: er wurde bis zur Grenzstation gefahren und dort wieder auf die Beine gebracht. Seine Handlungsweise begründete der Schaffner mit der Vorschrift, daß Reisende, die „anfangen zu sterben“, bei der nächsten Haltestelle aus dem Zuge gesetzt werden müßten. Oleg Berting. — Günstiger Stand der Wintersaaten. Die Landwirtschaft klagt weiter über die Belastung mit Steuern und Verbrauchsabgeben. Infolge der Unmöglichkeit preiswürdiger Verwertung der Erntevorräte blieb die Kreditlage auch im Dezember sehr angespannt. Der Stand der Wintersaaten ist befriedigend bis gut, stellenweise sogar etwas dicht und üppig. Wiesen= Weide= und Futterschläge zeigen ein befriedigendes Aussehen. In einigen Bezirken konnte das Rindvieh infolge der milden Witterung noch auf die Weide gelassen werden. Auch Klee und Luzerne weisen stellenweise einen guten Stand auf. Die Preise für die Erzeugnisse haben zum Teil nachgegeben. Die Frostschäden des vergangenen Jahres im Feldgemüse=, Garten= und Weinbau konnte z. T. durch Neupflanzungen ausgeglichen werden. Die milde Witterung gestattete die Fortsetzung der gärtnerischen Pflegearbeiten. Die Obstbäume haben einen verhältnismäßig guten Blütenknospenansatz. Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat fast ganz nachgelassen. Das Schließfach ist kein Geheimfach. Verschließbare Abholungsfächer überläßt die Post den Inhabern nach ihren Grundsätzen u. a. mit der rechtsverbindlichen Anerkennung daß die Ueberlassung des Schließsaches nicht zu dem Zwecke geschieht, dem Fachinhaber die heimhaltung seines Namens und seiner nung zu ermöglichen. Nach einem Bescheid des Reichspostministeriums bestehen deshalb keine Bedenken dagegen, daß das Postamt auf Anfragen nach der Anschrift des Inhabers eines bestimmten Schließfaches Auskunft gibt. Besscre Ausbildung in Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Die praktische Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses in Geburtshilfe und Frauenheilkunde soll seit Jahren verbessert werden. Schon 1926 wurden Richtlinien für die Auswahl geeigneter Anstalten aufgestellt. Diese häuser werden in dem Verzeichnis der Anstalten, die zur Ausbildung ermächtigt sind, durch besondere Zeichen kenntlich gemacht. Ehe eine praktische Ausbildung in den beiden Fächern bindend eingeführt werden kann, erst geprüft werden, ob die Möglichkeit dazu schon gesichert ist. Es wird deshult jetzt festgestellt, wieviele Praktikantenstellen dafür bestehen. Nötigenfalls können auch neue Stellen dafür geschaffen werden. *** W (16. Fortsetzung.) Er mußte sich in der Richtung geirrt haben Wenigstens hatte er das Empfinden, er wäre zu weit nach rechts abgebogen. Das Wasser rann ihm vom Kopf nach den Schultern, den Rücken hinab zum Beinkleid, und gluckste aus den Schuhen Schutz unter einem der Baumstämme zu suchen, war widersinnig. Die brennende Fichte stand als glutsprühender Warner vor ihm Er spähte nach allen Seiten und gewahrte eine Menge übereinandergetürmter Felsblöcke. Er schlüpfte ins Innere und streifte den Mantel ab. Es war schwül in diesem Steinverließ Bis zur Erschöpfung müde, fiel er auf den Boden und empfand es als eine Wohltat, wenigstens die Füße strecken zu können. Es drang nur noch ein schwacher Hall des Tobens von draußen herein und ließ ihn schon nach Minuten einschlafen. Von den überhängenden Felsplatten tropfte es unaufhörlich herab ins Moos. Knarrend wiegten sich die Fichten im Sturm und streckten sich gegenseitig die Riesenarme zu, als müßten sie aneinander Halt suchen bei diesem Wüten der Naturkräfte Nach einer halben Stunde war deren Zorn besänftigt. Behutsam schüttelte der Westwind die Milliarden Tropfen von Wipfeln und Geäst, und sang dem Knaben, der in der Sicherheit des Waldes schlief, ein einzig wundersames Wiegenlied. Stefan Würz lockerte den kräftigen Riegel des ungestrichenen Holzladens und lehnte ihn weit zurück. Durch das kleine Fenster kam der erfrischende Hauch der Nacht und erfüllte die niedere Stube mit harzigem, ozonreichem Duft. Von dem überspringenden Dach der Hütte sickerten die Tropfen und rannen wie eine gelöste Schnur von Perlen ins Moos. Die Kerze, welche auf dem Tische in der Nähe des Fensters stand, flackerte rötlich auf, und drohte im Windstoß, der hereingestrichen kam, zu erlöschen. Würz nahm sie hoch und hielt schützend die Finger der Linken dagegen. Auf den Zehenspitzen schritt er nach der Türe, welche in den anstoßenden Raum führte. Ein breites Lächeln ging über sein Gesicht, als er nach dem Manne sah, der in den Kissen aufgerichtet, den Blick nach ihm wandte. „Hat's Ihnen aufgeweckt, das Georg'l drauß'n, Herr Baron?— Schön hat's g'surrt! Teuf'l und noch amal. Und zündt hat's auch wo. Ganz in der Näh muß g’wesen sein. Das hat sich ang'schaut, wie eine Prozession. Der ganze Wald ein Schein. Soll ich net den Lad'n jetzt ein biß'l z'rücknehmen, damit das gute Lüfterl hereinkann?" „Glaubst du, daß niemand um die Wege ist?“ „Jetzt?—— Na, g'wiß net, Herr Baron!— Bei dem Wetter kraxelt niemand zwischen die Holzbäum umeinander.“ Er setzte das Licht auf den Nachttisch mit der primitiven ungehobelten Platte, stieß das Fenster auf und ließ den Laden zurückfallen. Anstettens Brust hob sich und sog gierig den würzigen Geruch ein, der über ihn hinströmte.„Warst du unten im Dorf?“ Würz bog das Gesicht etwas zur Seite und bejahte. „Alles beim alten?“ Ein Kopfschütteln. „Nicht?" „Leider net, Herr Baron!“ „Weiß einer?“ „Einer?— Die halbe Welt! Das verdammte Frauenzimmer mit seinem Geschrei, das einen Toten auf der Lichtung gesehen hat, ist schuld an der ganzen Geschicht.“ „Stefan, jetzt keine Umschweife.“ Anstetten hatte sich wieder hochaufgerichtet und ließ keinen Blick mehr von ihm. „Umschweife? Na, Herr Baron! Is alles so schön austüpflt g’wes'n. Wann's den Oertzen troff'n hätt', nachher hätt's ja eh nix zu sag'n g'habt. Dem hätt' net mehr g'hört, dem Halunk'n. Und, daß Ihnen treffen könnt, mit dem hab ich gar net g'rechnet g'habt. Aber wann— nachher hätt ich alles so g'halt'n, wie Sie mir's auftrag'n ham und wie ich's versproch'n hab, daß sein soll: Ein Jagdunglück vortäusch n, den Revolver wegnehmen und dafür's Gewehr neben Ihnen hinleg'n, daß kein seliger Mensch auf den Einfall kommt, daß es sich um ein Duell gehandelt hat.— Aber daß so saudumm hergeht—“ Anstetten konnte das Lachen nicht unterdrücken.„Saudumm heißt du das?“ „Is net viel anders, Herr Baron.— Der Kerl drüb'n is g'stand'n, wie ein Pick'l, nachdem's bei Ihnen kracht hat g'habt. Und Sie sind umg'fall'n, wie ein Stückl Wild, wies bei dem andern blitzt hat. Ich hab kein Rührer nimmer tun können. Händ und Füß sind mir abg’wes'n.— Ich hab’n rüberspring'n seh'n und Ihnen ins G'sicht schau'n und wie ihn die Angst g'schüttelt hat— und nachher seine Flucht talab Ich hab nix tun können, als Ihnen das Hemd aufreißen und nach der Hütt'n rennen, daß ich einen Verbandszeug hol.— Wann ich den Akab noch einmal zu G'sicht krieg, zerquetsch ich ihm die ganze Seel.“ „Du bist ungerecht, Stephan!“ „Ungerecht?— So ein Depp geht ja gar nimmer um.“ Anstetten biß die Zähne aufeinander, um das Zucken der Lippen zu verbeißen.„Ich sah ihn hinter Oertzen stehen, sah wie seine Augen warnten und sein Körper eine Bewegung nach rechts hinüber machte. Wenn er nicht Oertzens Hand hochgerissen hätte, würde mich dessen Kugel mitten ins Herz getroffen haben. „Is eh noch g'nug, wos eing'schlag'n hat. Wann's der Akab ein bisserl kräftiger macht, mit dem Hand in die Höh' reißen, nachher geht's in die Luft.“ „Man muß nie zuviel verlangen, lieber Würz. Ich bin dankbar für das, wie es jetzt ist.“ „Aber was G'scheits is das nie net, Herr Baron. Die gnädige Frau is heut nacht z Haus kommen!" „Meine Frau?“. Anstetten fühlte eine beklemmende Schwäche, welche ihn in die Kissen zurückdrückte. „Ja— und die alte Exzellenz und der Herr Bernd.— Mit dem Flugzeug, hat mir der Friedrich g'sagt.“ Der Freiherr hielt die Lider geschlossen.„Meinetwegen zurückgekommen, Würz?“. Nun standen die dunklen Augen fragend offen. Er sah Würz stummes Bejahen und fühlte sich unfähig weiter zu forschen, was diesen veranlaßte, selbst zu berichten: „Ausschaun soll die Gnädige, wie eine Leich'n. Nimmer zum Kennen. Und der Herr Bernd zum Erbarmen elend, ganz am Zusammenbrechen. Eine volle Stund is die Gnädige vor seiner verriegelten Tür gelegen und hat bitt', daß er ihr verzeih'n soll.— Und wies aufg'macht hab'n.— „Würz?“ Anstettens Gesicht hob sich leichenfarben von den geblümten Kissen. „Reg'ns Ihnen net so auf, Herr Baron! Das schad Ihnen wieder! Er is einfach nimmer dag'wes'n.“ „Würz.— Anstetten wollte den Fuß aus dem Bette setzen, aber Stefan hielt ihn kräftig zurück. „Das hat jetzt gar kein Zweck, wann's Ihnen so nuntertun, Herr Baron. Morgen in aller Fruh geh ich nunter und kundschaft aus, ob der Herr Bernd z'ruckkommen is und was sonst noch alles wiss'n woll'n. Jetzt, bei der Stockfinster laßt sich nix mehr mach'n. Rixa halt's Maul!“ Er zog den Hund von der Türe, vor welcher er winselnd stand, zurück. „Ich glaube, du kannst sie ruhig für eine Viertelstunde fortlassen,“ sagte Anstetten deprimiert. „Wann's meinen, Herr Baron! Ich glaub selber, daß net lang ausbleibt!— Komm aber schön wieder, Madam!“ Er drohte Rixa mit dem Finger, als sie mit freudigem Gebell durch die Hüttentüre sprang. „Was nun,“ sagte Anstetten, als Würz, ins Zimmer zurücktretend, eine neue Kerze in den Leuchter steckte. „Das hab ich mich auch schon g'fragt, Herr Baron. Ich find keine Luck'n nimmer zum Nauskommen. Is eh ein Wunder, daß noch keiner in der Hütten g'sucht hat.— Herrgott, jetzt gibt das Vieh Standlaut!“ Er sprang nach der Türe und ließ sie hinter sich ins Schloß fallen. Daumen und Zeigefinger jeder Hand zwischen die Lippen nehmend, stieß er einen gellenden Pfiff aus, der von Rixas Gekläff übertönt wurde. Mit langen Sätzen sprang er den Hang hinab, nach der Stelle, wo die Wölfin Laut gab. Sie hetzte ihm ein Stück entgegen, riß ihn beinahe über den Haufen und jagte wieder zurück. Hoffentlich hat sie keine Geiß zerrissen, dachte Würz. Er sah sie in einer Höhle verschwinden und wieder herauskommen. Nachsehen konnte er ja, was sie so sehr in Harnisch brachte. Vietleicht ein Dachs, oder sonst ein Tier, das ihr fremd war....„. I, Beinsfades##. Er holte Zündholz aus der Tasche seines Beintleides, bückte sich, um durch den Spalt zu schlüpfen und fuhr zurück, denn die Stimme, die von innen kam, war ihm merkwürdig bekannt. „Rixa, komm doch— so komm doch, Rixa!“ Die Wölfin drängte sich durch die Lücke und brach in ein Freudengeheul aus. Würz ließ im Knien ein Streichholz aufflammen. Zwei Augenpaare senkten sich vor der momentanen Grelle des Lichtscheins und suchten ineinander. „Stefan!“ „Jessas, der Herr Baron!“„.. 467 8i192 „Mein Gott, Stefan, ist denn die Rixa jetzt bei vir? Der Jäger nickte. „Seit wann?“ „Seit— seit—“ „Vater verschwunden ist,“ ergänzte Bernd. „Ja!“ Eine Sekunde des Schweigens.„Lassen Sie mir den Hund, Stefan.“ Bernd hielt Rixa am Halsbande fest. „Er muß mir suchen helfen! Zu zweien ist es leichter. Er hat eine so vorzügliche Nase! Stefan, warum haben Sie die Rixa nicht auf Baters Spur gesetzt?“ Würz hatte keine Antwort. „Sie hätte ihn totsicher gefunden. Jetzt ist es natürlich viel, viel schwerer, aber ich gebe trotzdem das Hoffen nicht auf. Haben Sie irgendwo Unterschlupf gefunden bei dem Wetter?" Er sah nach Stefans trockenen Kleidern und dessen sorgfältig gezogenem Scheitel. Der Gefragte fand auch jetzt nur ein stummes Bejahen und dann sagte er etwas, das nicht mehr gutzumachen war.„Das Jagdhaus liegt keine hundert Schritt weiter oben. Woll'ns net lieber in der Hütt'n nächtigen, Herr Baron?“ Bernd nickte zustimmend.„Es ist sehr dumpf hier.— Vielleicht habe ich deshalb auch so fürchterlich schwer geträumt.“ Im Aufwärtssteigen hatte Würz nur den einen Gedanken: Wie mache ich's, daß der junge Baron nichts von der Anwesenheit seines Vaters erfährt! Er bückte sich und warf der Rixa, welche sich wie toll gebärdete, einen Tannenzapfen nach. Beim Eintreten in den Flur sagte er leise, aber bestimmt:„Der Herr Baron schlaf'n am besten oben in dem Giebelzimmer. Da is es luftig und alles in Ordnung. Das Gewand nehm ich mit runter und schür in aller Fruh ein kleines Feuer, damit's trocken wird.— Schlaf'ns Ihnen nur tüchtig aus, Herr Baron! Sie werden net wenig müd sein.“ Er ging, das Licht hochhaltend, die Stufen voran und wandte ab und zu den Kopf, ob ihm der junge Gebieter auch folgte. Der mittelgroße, aber behaglich möblierte Raum, den er öffnete, warf ihnen eine modrig eingeschlossene Luft entgegen, daß Bernd eitig nach dem Fenster sprang und es aufWürz deckte das Bett ab und steckte die Kerze in den Leuchter, der auf dem Nachttisch stand.„Waschwasser stell ich Ihnen morgen fruh vor die Tür, Herr Baron. Wann's etwa noch Durst hab'n jetzt?“— „Sehr!“ Bernd fühlte die Zunge am Gaumen kleben. „Legen's Ihnen nur einstweilen zu Bett, Herr Baron. Ich mach noch schnell eine Limonad und bring's Ihnen herauf. Ein bissel was zu Essen dätt' ich auch.“ „Rein, danke, Stefan.“ Bernd hörte den Jäger die Treppe hinabgehen und wie dieser etwas vor sich hinsagte. Vielleicht war es ihm unangenehm, daß er ihm so hereingeschneit kam. Er hörte Rixa vor der Türe um Einlaß bitten und öffnete. Sie sprang an ihm in die Höhe und legte den Kopf gegen seine Brust. Dann rannte sie wieder nach dem Ausgang und heulte auf, als er ihr stille zu sein gebot.„Morgen, kleines Mädchen— morgen! Heute können wir nicht mehr fort.“ Ehe er sich's versah, war sie selbst nach dem Drücker gesprungen und setzte die Stufen hinab. Würz stand vor Anstettens Bett und kratzte sich hinter den Ohren.„Habens uns reingeh'n hör'n, Herr Baron?— Net?“ „Ich habe gemeint, du wärst allein.“ Ein verlegenes Spiel des Mundes:„Ich hab den Herrn Bernd mitbracht.“ „Wen?“ „Den Herrn Bernd!“ Hans Peter maß ihn von oben nach unten:„Du hast ihn geholt!“ „Bewahre, Herr Baron! Die Rixa hat ihn gestellt. Er hat unten in der großen Höhle vor dem Wetter Zuflucht gesucht und ist dort eingeschlaf'n und da hat's ihn halt auf'stöbert. Der Akab is ein Depp. Aber ich bin ein zwiefacher: Ich hab ihn eing'lad'n, daß er heroben ein Bett hab'n kann, da is er halt mitkomm'n.“ „Aber Stefan!" „Ja—“ er schüttelte über sich selbst den Kopf und trug ein verlegenes Lächeln im Gesicht:„Jetzt is schon wie's is, Herr Baron.— Eine Limonad muß ich ihm noch bringen, weil er soviel Durst hat.“ „Wie kommt denn Bernd überhaupt hier herauf?“ „Sein Vater geht er such'n— und die Rixa soll ihm helfen. Pudelnaß is er bis auf die Haut. Ein frisches Hemd dürft ich ihm auch geb’n, daß er sich nicht verkält.“ „Dann bringst du ihm besser einen Tee als eine Limonade!— Hörst du, Stefan?" „Ja, Herr Baron.— Aber wann einer Durst hat, hilft ihm der Tee nix.“ Er entfernte sich und Günther hörte ihn in der kleinen Küche rumoren. Nach einer kurzen Zeit ging die Türe und ein Fuß stieg die Treppe hinauf. Was nun?— Das ganze, so sorgfältig ausgedachte und durchgeführte System der Verheimlichung brach kläglich in sich zusammen. Brunhilde war zurück, mit ihr der General und Bernd. Der Forstmeister wußte darum und wie Stefan sagte, schon die halbe Welt. Er konnte und durfte seinen Aufenthalt nicht länger mehr verschleiern, wenn er nicht den Schein des Theatralischen auf sich laden wollte und nichts war ihm ferner gelegen als das. Er hatte gehofft, daß niemand etwas von der Sache erfahren und er selbst bis zu Brunhildes Rückkehr längst wieder genesen war und seinen Posten auf Anstetten wieder ausfüllen würde. Das Beste war, darüber zu schlafen. Bis morgen früh hatte sich vielleicht doch ein Weg gefunden, der sich als gangbar erwies. Für keinen Fall durfte der arme Junge langer in der Ungewißheit der folternden Angst um sein Schicksal gelassen werden. Als Stefan zurückkam, fand er seinen Herrn eingeschlummert, mit einem friedlichen, sorglosen Ausdruck des seitwärts geneigten Gesichtes. Auf den Zehenspitzen ging er nach seiner kleinen Stube nebenan und streckte sich ebenfalls auf der Matratze aus. Sein Schlummer war so tief, daß er es gar nicht hörte, wie sich gegen sechs Uhr früh eine Türe öffnete und Anstetten die Treppe hinaufging Er war noch etwas schwach auf den Füßen und ein Gefühl des Schwindels ließ ihn mehr als einmal nach dem Holzgeländer greifen. Als er oben stand, hatte er das Empfinden. eine schwierige Klettertour gemacht zu haben. Aus der Stube, welche in die Westseite des Giebels eingemauert war, kam kein Laut. Bernd schlief also noch. Er drückte auf die Klinke und gewahrte den Kopf des Jungen, auf dem Roßhaarkissen liegend. Nähertretend neigte er sich beschauend darüber und bog das Gesicht herab, bis es auf die gebräunte Knabenstirne zu liegen kam. Zwei Hände tasteten traumverloren ins Leere.„Such, Rixa, such!“ „Bernd!“ Dessen Augen öffneten sich und umfaßten ihn mit ungläubigem Staunen. Der noch schlaftrunkene Körper schob sich zu halber Höhe hoch.„Vater!“ Mein guter Jungel“.....„ z fr „Vater!". Das Knabengesicht siel in den urm, der sich auf das Kissen stemmte, und ein heißes, mühsam verhaltenes Schluchzen klang durch den Raum... Gers Anstetten saß auf dem Bettrand und strich üder Vernos zuckenden Rücken.„Ich konnte nicht ahnen, daß es so kommen würde, mein Bub. Es lag nicht im entferntesten in meinem Willen, dir Leid zu bringen. Ich hoffe, bis zu eurer Rückkehr würde wieder alles im Geleise sein. Daß die Mama so früh davon erfuhr, stand außer meiner Berechnung.“ „Warum hast du es überhaupt getan?" Das Gesicht lag noch immer in den Arm vergraben. „Bernd!— Das frägst du mich““...## „Der Kerl ist es ja gar nicht wert, Papu, sließ der Knave heraus und tastete mit der Linken nach Anstettens Hand. „Und die Mama?“., Anstetten erschrack als Bernd jetzt das Gesicht von den Kissen aufhob.„Du bist doch mein großer Junge, Bernd! Jeder Mann, der auf seine Ehre hält, wird handeln, wie ich gehandelt habe. Solange die Mama meine Frau ist, kann ich nicht dulden, daß ein anderer die Finger nach ihr austrect....Leick, lchnte 9.: Gr.4 Die Lider weit über die augen gerul, Ahllle der Knave gegen die Schulter des Mannes, der ihm den Rücken stützte. „Wirst du dich jetzt scheiden lassen, Vater?“ „Nein, Bernd!“ (Fortsetzung folgt.)