e e uichen uichmlich ichr ud Boungepreie hobnonalich 1.20 Mak, Einzeiaumger 13 Pfg. Druck u. Veragvon C. Braus, Schwerte(Rodr), Losscheckonten: Dorimund 2832 und Hannover 21874. Geschstestelle: Große Marhstr. 3.—3 Verantworlich füur die Schriftleitm, H. Einner, Schwerte. Hernrus 2r7o Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Enzton prov; fu de achuloa; mm ui: e Pja, Anuper. lige, sina zamtiche u. gericktliche Anzeigen 1o Lig., Aek amezeile 40 P, Lus teleson, aufgegedene Onserate üdernehmen wit keine Gewäbt Bei unvo.bergeseyn. Beiriedestorungen, hervorgerusendurch boder, Gewalen, übernedmen wie keinertei Gewäbr sür pünkliches Erscheinen det Jeitung u. kann auch keinerer Ansoruch auf Schadenersaz oder Nachlieserung erboden werden Tügeblalt für die Stadl Schwberte und bus Ann Weschofen S Kreivvirn für den nördiichen Lenl des Lullbkreises Iserlohn Nr. 8(Eries Wlaad) Schworte(Suhzi, Freitag, den 10. Jonaur 1930 63. Jahrgang Neues in Kürze. Französische Räuber in Uniform. wtb. Mainz, 9. Jan.(Tel.) In Hechtsheim wurde der Arbeiter Josef Fleck von drei Besatzungsangehörigen überfallen und beraubt. Die Soldaten hielten ihm, während sie seine Taschen durchsuchten, den Mund zu und nahmen ihm die Geldbörse, die Tabakspfeise und Tabak ab. Schließlich versetzten sie ihm mit einem Messer oder Seitengewehr drei Stiche in den Kopf. Die Namen der Soldaten konnten aus ihren Urlaubsscheinen festgestellt werden, sodaß die Untersuchung von französischen Behörden eingekeitet werden kann. Die Kassenlage des Reiches. wtb. Berlin, 9. Jan.(Tel.) Nach Mitteilung des Reichsfinanzministeriums stellte sich die Kassenlage des Reiches am 30. November 1929, wie folgt: Kassensollbestand 1639 Millionen, verwendet wurden 1627 Millionen. Der Kassenbestand bei der Reichshauptkasse und den Außenkassen betrug also 12 Millionen. Dr. Kastl tritt aus der Mandatskommission zurück. pw. Berlin, 9. Jan.(Privattel.) Die Meldung eines Berliner Mittagsblattes über das Ausscheiden des Geheimrates Kastl aus der Mandatskommission in Geuf infolge Arbeitsüberlastung wird uns von zuständiger Stelle bestätigt. Dr. Kastl hat schon seit einiger Zeit den Wunsch geäußert, diesen Posten niederzulegen. Ueber seine Nachfolgeschaft befindet der Völkerbundsrat. Einfuhrscheine für Roggen. wtb. Berlin, 10 Jan.(Tel.) Entgegen anderslautenden Gerüchten wird von zuständiger Stelle erklärt, daß an die Erteilung von Einfuhrscheinen bei der Ausfuhr von Roggen nur die schon bisher in der Einfuhrscheinordnung festgelegten Bedingungen geknüpft werden. Sollte in Zukunft die Erfüllung besonderer Bedingungen verlangt werden, so wird dies rechtzeitig bekanntgegeben werden. Die französisch=italienischen Grenzbefestigungen. wtb. Paris, 9. Jan(Tel.) Die kommunistische Humanité will erfahren haben, daß der sozialistische Abgeordnete Paul=Boncour in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kammerausschusses für auswärtige Angelegenheiten am Dienstag in Nizza angekommen sei. Seine Reise habe den Zweck, die Arbeiten zur Befestigung der französisch=italienischen Grenze zu prüfen. Die Titularkirche des Kardinals Pacelli. wtb. Rom, 10. Jan. Funkspruch.) Kardinal Pacelli wird am kommenden Sonntag von seiner Titularkirche— St. Johann und Paulus— Besitz ergreisen. Das Urteil gegen Bessedowski. wtb. Moskau, 9. Jan.(Tel.) Der Oberste Gerichtshof hat den ehemaligen Pariser Botschaftsrat Bessedowski im Abwesenheitsverfahren wegen Veruntreuung zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die Anklage auf Hochverrat wird Gegenstand eines besonderen Verfahrens sein. Ansturm auf einen Hörsaal. wtb. Neuyork, 9. Jan.(Tel.) Im Museum für naturwissenschaftliche Forschung war für gestern abend eine Vorlesung über die Einsteintheorie anzesetzt. Mehr als 4000 Personen versuchten. Zuiritt zu der Vorlesung zu finden. Da der Türhüter Tardieus Gegenbesuch im Haag. wtb. Haag, 9. Jan.(Tel.) Bei dem Besuch, den. Tardieu und Briand heute vormittag der deutschen Delegation abstatteten, drehten sich die Besprechungen, an der auf deutscher Seite die Reichsminister Dr. Curtius und Dr. Wirth beteiligt waren, ausschließlich um die gestern überreichten französischen Anregungen. Diese beziehen sich auf die Festlegung des Zustandes, der bei einer einseitigen Aufhebung des Youngabkommens durch Deutschland sich ergeben würde. Wenn Deutschland sich vom Youngplan einseitig lossagt, so würde nach französischer Auffassung, eine solche einseitige Lossagung von einer internationalen Instanz, voraussichtlich von dem Haager internationalen Gerichtshof, festgestellt werden müssen. Es ergab sich darüber weiter die Frage, was geschehen solle, wenn eine solche internationale Instanz die einseitige Lossagung Deutschlands festgestellt hätte. Von französischer Seite wird für diesen Fall behauptet, daß dann alle im Youngplan vorgesehenen Organismen ihr Ende gefunden hätten und die Bestimmungen des Versailler Vertrages wieder in Kraft treten. Ueber diese letzte von französischer Seite aufgeworfene Frage gehen die Verhandlungen weiter. Der Gedankenaustausch über den Inhalt der kranzösischen Auregungen wird zunächst zwischen Frankreich und Deutschland fortgesetzt und zwar außerhalb des Sechsmächtekomitees und der Vollkonferenz. Es wird daran gedacht, die evil Ergebnisse dieses Gedankenaustausches in Briefen oder Noten niederzulegen, in denen der Fall einer Lossagung Deutschlands vom Youngplan behandelt würde, und die dem Schlußprotokoll anzufügen wären, wenn hierüber eine Einigung erzielt werden sollte. wtb. Haag, 9. Jan.(Tel.) In der heutigen Vormittagssitzung des Sechsmächtekomitees, die um 11,45 Uhr begann und etwa 1½ Stunden dauerte, wurde mit der zweiten Lesung der noch offenen finanziellen Fragen ein Anfang gemacht. Zunächst wurde die Frage des monatlichen Zahlungstermins behandelt, in der jedoch noch keine Einigung erzielt werden konnte. Die Verhandlungen werden heute nachmittag fortgesetzt werden. Noch keine Einigung über das Relschieschelheh. wtb. Haag, 9. Jan.(Tel.) Die Verhandlungen des heutigen Tages galien zum großen Teil der Frage des Zahlungsdatums. Obwohl sie ohne heftige Auseinandersetzungen und formell durchaus störungsfrei verliefen, war eine Einiaungin dieser Frage nicht zu erzielen. Die Forderung der Gegenseite, Deutschland solle jedesmal am 15. des Monats zahlen, wird mit dem Wortlaut des Younaplanes gestützt. Die Frage konnte in fast zwei Tage langen Kämpfen nicht geregelt werden, da die deutschen Delegierten nicht nachgaben. Es kam dann heute nachmittag ein Gegenvorschlag zur Erörterung, wonach Deutschland zwar am 15. zahlen solle, die Beträge aber erst am 30. an die Gläubiger überwiesen werden. Die Zinsen sollen der Bank für internationalen haben. Auch dieser Vorschlag ist deshalb von deutscher Seite abgelehnt worden, und es ist vorgeschlagen worden, die Entscheidung der Frage einem Schiedsrichter, etwa Owen Young, zu übertragen, da die Ansichten der beiderseitigen Sachverständigen sich diametral gegenüberstehen. Das ist wiederum von der Gegenseite abgelehnt worden, und nach einigen Verhandlungen und einer kurzen Zwischenpause wurde die Entscheidung dieser Frage aufgeschoben, bis über die anderen Punkte der finanziellen Tagesordnung verhandelt sein wird. Im folgenden Punkt, der die Rechte Deutschlands zur Erklärung eines Moratoriums betrifft, ist eine Einigung darüber erzielt worden, daß dieses Recht an keinerlei Voraussetzung gebunden und nur Deutschlands alleiniger Entscheidung unterworfen ist. Die Zustimmung der übrigen Mächte ist erteilt worden auf Grund einer von den Juristen formulierten Erklärung, die dieses Recht Deutschlands ebenso wie die im Youngplan enthaltene Verpflichtung eindeutig formuliert von dem Moratoriumsrecht nur im Falle eines wirklichen Bedürfnisses Gebrauch zu machen. Die Frage des trust agreement, eine technische Auslegungsfrage, wurde angeschnitten, aber zur Erledigung für die morgige Vormittagssitzung vorbehalten, die um 10½ Uhr beginnen soll und auch die Frage der Nachzahlung aufgeschobener deutscher Zahlungen auf der Tagesordnung hat. Empfang der Hanger Delegierten durch die Königin. wtb. Haag, 10. Jan.(Funkspruch.) Die Königin veranstaltete gestern abend zu Ehren der Delegierten einen Empfang, bei dem auch der Prinzgemahl, die Thronfolgerin, die Königin=Mutter, alle Mitglieder des holländischen Kabinetts, sowie fast alle namhaften Delegierten zugegen waren. Selbstmord eines Sekundaners. pw. Berlin, 10. Jan.(Funkspruch.) In der Wohnung seiner Mutter in der Elberfelder Straße in Moabit wurde gestern abend der 17jährige Sekundaner Günther Hinze mit Gas vergiftet tot aufgefunden. Der Junge hat Selbstmord verübt, weiler zu Ostern nicht versetzt werden sollte. Sittlichkeitsverbrechen an einem fünsjährigen Kind. wtb. Singen am Hohentwiel, 10. Jan.(Funkspruch.) Am Donnerstag nachmittag lockte ein Handwerksbursche in Rielasingen ein fünfjähriges Mädchen aus der Ortschaft heraus, beging hierauf an dem Kind ein schweres Sittlichkeitsverbrechen und nahm ihm außerdem noch Geld ab. Der Verbrecher konnte infolge des starken Nebels unerkannt entkommen. Die bulgarischen Reparationen. wtb. Haag, 10. Jan.(Funkspruch.) Das Komitee für die Ostreparationen hielt gestern keine Plenarsitzung ab. Es tagte lediglich der in der Sitzung am Mittwoch eingesetzte Sachverständigenausschuß, der gestern während des ganzen Tages Besprechungen mit der bulgarischen Delegation über die finanzielle und wirtschaftliche Lage Bulgariens und Bulgariens finanzielle Leistungsjähigkeit führte. Diese Verhandlungen haben, wie man hört, bisher zu keiner Einigung geführt, sodaß die Behandlung der ungarischen Reparationen erst für Samstag in Aussicht genommen ist, in der Hoffnung, das inzwischen die bulgarischen Fragen gelöst sein werden. Das Zündwarenmonopol vom Reichsrat genehmigt. .as:, Verin, 9. Junzösbersammlung vorz Dau gent von 19000 Kisten zugebilligt.— Mit 37 gegen rit zu der Vorlesung zu finden. Da der, Türhüter Zahlungsausgleich zur Deckung inrer unkosten übernicht alle zulassen konnte, stürmte die Menge den wiesen werden, sodaß sie Deutschland als einem. Hörsaal. Viele Personen wurden niedergetrampelt und daseiserne Torgitter eingedrückt. Die Polizei mußte alarmiert werden und die Ordnung wiederherstellen. Polizeibeamte bezeichneten den Vorfall als die erste Ruhestörung in Neuyork aus reiner Wißbegierde. Der Senat bestätigt die Ernennung Sacketts. wtb. Washington, 9. Jan.(Tel) Der Senat bestätigte die ihm gestern nachmittag vom Präsidenten Hoover zugestellte Ernennung des Senators Sacketts zum Botschafter in Berlin. Selbstmord bei der Verhaftung. wtb. Kiel, 9. Jan.(Tel.) Ein vielfach vorbestrafter 33jähriger Nieter, der als Mittäter bei einem Raub in Osterby am 3. Januar in Frage kommt, wurde heute vormittag in einer Wohnung, wo er sich unangemeldet verborgen hielt, zusammen mit seiner Geliebten verhaftet Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bei der Festnahme gelang es dem Räuber, sich vor dem Polizeipräsidium auf der Straße mit seiner Pistole zu erschießen Ein Banknotenfälscher verhaftet wtb. Wien, 19. Jan.(Funkspruch.) Nach Blättermeldungen wurde in Wilhelmsburg im Bezirk St. Pölten der Tischlergehilfe Emil Huth aus Rosenheim in Bayern wegen Banknotenfälschung verhaftet. Bei der in seiner Wohnung durchgeführten Haussuchung wurde eine guteingerichtete Fälscherwerkstatt vorgefunden. Es wurden eine große Menge Banknotenpapier und 13 Lithographiesteine beschlagnahmt. Elf Steine trugen bereits Bilder von österreichischen Fünf= und Zehn=Schillingnoten. Die fertigen Falsisikate sind so gut, daß man sie von echten Noten kaum zu unterscheiden vermag. wiesen werden, sodaß sie Deutschland als einem, wenn auch bescheidenem Beteiligten der Bank wieder zugute kämen. Da nach dem Plan die Unkosten von den Gläubigern zu zahlen sind, würden sie Deutschland bei Annahme dieses Vorschlages in der Form des Zinsverlustes zu tragen gehabt in seiner öffentlichen Vouversammlung vom Donnerstag nachmittag den Gesetzentwurf über den deutsch=türkischen und deutsch=bulgarischen Konsularvertrag an. Ferner erklärte sich der Reichsrat damit einverstanden, daß die Geltungsdauer des Reichsmietengesetzes und des Mieterschutzgesetzes je um 2¼ Jahr bis zum 30. Juni 1932 verlängert wird. Beide Gesetze würden Ende April 1930 ablaufen. Angenommen wurde weiter das Zündwarenmonopolgesetz. Hier hatten die Ausschüsse zwei wesentliche Aenderungen an der Regierungsvorlage vorgenommen. Erstens hatten sie die Ausnahmestellung der Konsumgenossenschaften beseitigt und zweitens beschlossen, daß der in dem Gesetz festgesetzte Kleinverkaufspreis von 30 Pfeunig für das Paket nicht ein Höchstpreis, sondern ein Festpreis sein sollte. Namens der preußischen Regierung beantragte Di. Weismann, beide Bestimmungen der Regierungsvorlage wieder herzustellen. Nach längerer Debatte wurde der preußische Antrag betreffend Wiederherstellung der Sonderstellung der Konsumgenossenschaften mit 49 gegen 17 Stimmen angenommen, allerdings mit zwei Aenderungen, die von Bayern und von Sachsen vorgeschlagen wurden. Der bayerische Antrag ging darauf hinaus, jede Erhöhung des den Konsumgenossenschaften zugestandenen Kontingents hintan zu halten Nach dem sächsischen Amendement gent von 19000 Kisten zugebilligt.— Mit 37 gegen 29 Stimmen wurde auch der preußische Antrag angenommen, wonach an Stelle des von den Ausschüssen beschlossenen Festpreises von 30 Pfennige wieder der Höchstpreis der Regierungsvorlage trat. Die Vorlage im ganzen wurde in einfacher Abstimmung angenommen; dagegen stimmten Sachsen und der Vertreter der preußischen Provinz Niederschlesien. Württemberg und Thüringen enthielten sich der Stimme.. 22 Lamit zinverkauben Der Reichsrat erklärte sich damit einverstanden, daß eine freigewordene Reichsgerichtsratsstelle mit dem bisherigen Oberstaatsanwalt Schneidowin besetzt wird. Ein Erlaß des Reichsinnenministers wegen der Papageienkrankheit. wtb. Berlin, 10. Jan.(Funkspruch.) Der Reichsminister des Innern hat wegen der in den letzten Wochen in verschiedenen Orten des Reiches sestgestellten Erkrankungen von Menschen an der sog. Papageienkrankheit den Landesregierungen empfohlen, ein zeitlich begrenztes Einfuhrverbot von Papageien und Sittichen zu erlassen. Hierzu gibt das Reichsministerium des Innern eine Erläuterung, in der u. a. mitgeteilt wird, daß die Zahl der Erkrankungen oder Verdachtsfälle nicht sehr groß ist und z. B. in Berlin etwa 20. in Hamburg 13, in Altona 6 betrug. Weiter wird festgestellt, daß die Erkrankungen durch Papageien und Sittiche verursacht sind, die aus Südamerika eingeführt wurden und daß in Argentinien seit August 1929 eine heftige Papageien=Epidemie herrschte, die auch unter der dortigen Bevölkerung viele Erkrankungen hervorries. Die Ursache der Erkrankungen ist wissenschaftlich noch nicht befriedigend geklärt. So weiß man z. B. nicht mit Sicherheit, ob vielleicht auch scheinbar gesunde Papageien den Krankheitserreger beherbergen können. Das Einfuhrverbot soll wieder aufgehoben werden. sobald die Papageienseuche in Südamerika erloschen ist. Inzwischen tun Papageienbesitzer, die ihren Papagei oder Sittich in den letzten Wochen erworben haben, gut daran, auf den Gesundheitszustand der Tiere zu achten und im Falle eines Verdachtes sofort einen Tierarzt zu befragen oder das Tier zu töten. Kranke Tiere haben Durchfall, zeigen verminderte Freßlust, Maitigkeit, Schlafsucht und gesträubtes Gefieder. Zum Schluß weist die Erläuterung aus dem Reichsministerium darauf hin, daß es sich empfiehlt, auch im Umgang mit frisch gekauften Tieren Vorsicht walten zu lassen. Weitere Fälle von Papageienkrankheit. Ein Krankheitsfall in Pommern. wtb. Treptow a. d. Rega, 9. Jan.(Tel.) In dem Ostseebad Horat bei Treptow a. d. Rega hat sich ein Fall von Papageienkrankheit ereignet. Eine dort wohnende Dame hatte Anfang Dezember einen Papagei aus Hamburg geschickt bekommen, der am 22. Dezember unter den für die Papageienkrankheit typischen Erscheinungen starb. Zwei Tage später erkrankte seine Besitzerin an Fieber und heftiger Lungenentzündung. Noch heute liegt sie krank darnieder. Eine ganze Familie an Psittakosis erkrankt. wtb. Dresden, 9. Jan.(Tel.) In Glauchau i. Sa. sind vor einigen Tagen neun Mitglieder einer Familie, die einen Papagei hielt, der Anfang dieses Monats verendet ist. unter dem Verdacht der Papageienkrankheit ins Stadtkrankenhaus übergeführt worden. Die Beobachtung des Krankheitsverlaufes hat genügend Anhaltspunkte ergeben, daß es sich tatsächlich um die vermutete Krankheit handelt. Durch die Gesundheitsbehörde sind die erforderlichen Maßnahmen getroffen worden. Das„Freiheitsgesetz“. Antwort des Reichskanzlers an den Reichsausschun für das Volksbegehren. wtb. Berlin, 10. Jan.(Tel.) Das an den Reichskanzler gerichtete Schreiben des Reichsausschusses für das deutsche Volksbegehren hat der Reichstanzler wie folgt beantworte;; L#u### „Dem im Schreiben vom 7. Januar d. I. gestellten Antrag, das sog. Freiheitsgesetz zu verkünden, kann nach dem Verlauf des Volksentscheides nicht entsprochen werden Die Reichsregierung hat bei Zuleitung des Entwurfes eines „Gesetzes gegen die Versklavung des deutschen Volkes“ an den Reichstag bereits dargelegt, daß zur Annahme des Gesetzes durch Volksentscheid gemäß Art. 76 Abs. 1 Satz 4 der Reichsverfassung die Zustimmung der Mehrheit der Stimmberechtigten erforderlich ist. Im übrigen hat sich an der Abstimmung nicht einmal die durch den Artikel 75 der Reichsverfassung vorgeschriebene Mehrheit der Stimmberechtigten beteiligt. Die in dem Schreiben zum Ausdruck gebrachte Rechtsauffassung muß demnach als irrtümlich bezeichnet werden. Was die im Zusammenhang mit dem Youngplan in Ihrem Schreiben aufgeworfenen politischen Fragen anlangt, so wird nach Beendigung der Haager Konferenz im Reichstag Gelegenheit sein. Stellung zu nehmen. Massentreffen ui un heasisen eieelent Ein Plan des Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold. pw. Berlin, 10. Jan.(Funkspruch.) Der frühere bayrische Generalstabsmajor Mayr vom Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz=RotGold teilt in der Samstag erscheinenden Nummer des„Reichsbanners“ mit, daß unter Voraussetzung der Zustimmung der deutschen und der französischen Regierung im Spätsommer 1930 ein Massentreffen des Reichsbanners mit französischen Kriegsteilnehmern auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges, am Chemin des Dames oder bei Verdun, stattfinden soll. Französische Blindgänger. Auch eine Erinnerung an die Besatzung. wtb. Koblenz, 9. Jan.(Tel.) Seit Tagen donnern in der Nähe von Koblenz Granaten, die die französische Artillerie bei ihren allwöchentlichen Scharfschießübungen abgefeuert hat, die dann als Blindgänger in dem großen Waldgebiet bei Güls liegen geblieben sind und jetzt durch die deutschen Behörden gesprengt werden. Die Geschosse stecken z. T. noch in den Baumstämmen oder liegen versteckt zwischen Gras und Gestrüpp, kaum mit Erde bedeckt. Der Wald und das angrenzende Ackergelände sind vollkommen zerwühlt. Ein Sprengtrichter reiht sich an den anderen. Unzählige stattliche Buchen und Eichen, deren Stämme mit Granatsplittern und Schrapnells gespickt und oft von der Wurzel bis zum Gipfel ausgerissen sind, kommen als Nutzholz nicht mehr in Frage. Bis jetzt sind 600 Granaten gesprengt worden. Wettere 200 wurden inzwischen von Arbeitern aufgesunden. Im ganzen rechnet man mit ungefähr 1000 Geschossen. Die evangelische Kirche für ein Kleinrentnergesetz. Der Escherlecheismis!.., * 4— gn1 Norsitender: Haben Sie von Sch bb. Berlin, 9. Jan.(Tel.) Der Präsident des Deutschen evangetischen Kirchenausschusses, D. Dr. Kapler. hat, li. Köln. Z., zur Frage der Kleinrentnerversorgung an die Reichsregierung ein Schreiben gerichtet. Er macht darin Mitteilung von einem Beschluß des Kirchenausschusses, der es „aus rechtlichen, humanen und moralischen Gründen für dringend notwendig erachtet, daß durch ein Kleinrentnerversorgungsgesetz die Kleiurentnerhilse endlich aus der allgemeinen Fürsorge herausgenommen und den Geschädigten zum mindesten ein Rechtsanspruch auf Entschädigung gegeben werde". Dr. Kapler gibt unter Bezugnahme auf mehrere frühere Schritte in dieser Angelegenheit der Hoffnung Ausdruck, daß sie die Vorlage eines Rentnerversorgungsgesetzes, nun nicht mehr länger verzögern wird.„ 6 In derselben Angelegenheit hat sich Präsident Dr. Kapler auch an die Mitglieder des Reichstages gewandt. Politische Razzia in Berlin. Der politische Hinkrrgrans. wib. Berlin, 9. Jan.(Tel.) Am heutigen vierten Verhandlungstage wurde zunächst der wieder erschienene Angeklagte Schmidt vernommen. Sein Vater war Besitzer einer Oblatenfabrik. Er selbst nahm als Kriegsfreiwilliger am Feldzug teil. Dann war er Angehöriger von Freikorps. Sehr eingeleuchtet hätten ihm die„Hoffmann=Bestrebungen"; mit den kaukasischen Bestrebungen habe er aber nichts zu tun gehabt. Vorsitzender: Was haben Sie mit Hoffmann zu tun gehobt“ vgr„imet mit ihm Angeklagter Schmidt: Ich war einmat mir ihm selbst zusammen. Diese Kreise wollten im Einvernehmen mit England die Lostrennung des südlichen Rußland von der Sowjetunion. Die Ukraine und Kaukasien sind ja die reichsten Gebiete Rußlands, aus denen die Bolschewisten die Mittel ziehen, um das ganze Land wieder auszubauen. Es würde natürlich für uns von größtem Vorteil sein, dies Gebiet von Sowjetrußland abzutrennen. Politik und Geschäft, so führt Schmidt, der einen außerordentlich lebhaften und intelligenten Eindruck macht, aus, sind eng verknüpft. Ich habe übrigens ja auch aus den Zeitungen enmommen, daß das in Berlin nicht anders ist.(Heiterkeit.) Man kann sich also nicht ernstlich mit Balkaupolitik beschästigen, wenn die Politik nicht mit geschäftlichen Angelegenheiten in engster Verbindung steht. Bell hat mir erzählt, daß ein Betrag von 10= bis 20000 Mark notwendig sein würde, um sich an diesen Dingen zu interessieren. Ich habe ihm 5000 Mark zur Versügung gestellt. Auf eine Frage des Overstaatsanwalts deutete an, daß es sich um Bestechungsgelder aus denen große Gewinne entstehen Vorsitzender: Was schwebten Ihnen denn für GeSchmidt handelte, konnten. pw Berlin, 10 Jan.(Funkspruch.) Am Donnerstag internahmen die Schutzpolizei und die politische Abteilung des Polizeipräsidiums Haussuchungen in dem kommunistischen Lokal an der Ecke der Görlitzer und Sorauer Straße, auf das vor kurzem der Feuerüberfall der Nationalsozialisten verübt wurde. Gleichzeitig wurde in dem nationalsozialistischen Lokal Wiener Garten in der Wiener Straße eine Durchsuchung vorgenommen. Sämtliche Anwesende in beiden Lokalen, 35 in dem kommunistischen und 63 Personen in dem nationalsozialistischen Lokal. wurden zwangsgestellt. Während in dem Versammlungslokal der Nationalsozialisten drei Revolver, Dolche und Totschläger gesunden und beschlagnahmt wurden, erbrachte die Haussuchung in dem kommunistischen Lokal vier Revolver, Totschläger und Gummiknüppel. Die Festgenommenen wurden mit Lastkraftwagen nach dem Polizeipräsidium gebracht. Hochzeitsfeierlichkeiten in Rom. wotb. Rom, 10. Jan.(Funkspruch.) Anläßlich der Hochzeit des Kronprinzen sand gestern abend ein großer Empfang in den drei Palästen des Kapitols, dem Senatorenpalast, dem Museumspalast und dem Konservatorenpalast statt, die zu diesem Zwecke miteinander in Verbindung gesetzt und festlich geschmückt waren. Vom Turm des Kapitols wehte die italienische Flagge, vom Balkon des Senatorenpalastes die belgische Fahne und von den Mittelbalkons des Museumspalastes und des Konservatorenpalastes wehten römische Fahnen. Die anderen Balkons und die Fenster der Kapitolspaläste waren mit Gobelins geschmückt und illumiert. Außerdem waren das Forum Romanum, der Platz des Kapitols mit der Kirche Santa Maria in Ara Coeli, die inneren Höse der Kapitolspaläste und der Tarpejische Fels durch eine künstlerische Illumination besonders beleuchtet. Der Zug mit den königlichen Herrschaften defilierte zunächst durch die Säle der drei Kapitolspaläste und wurde im roten Salon des Senatorenpalastes empfangen von den Inhabern der Ordenskette des AnnunziatenOrdens, den Präsidenten von Senat und Kammer, dem diplomatischen Korps, den Ministern und dem Generalsekretär der Faschistischen Partei. Im Anschluß daran wohnten die Teilnehmer von den Fenstern aus einem malerischen Schauspiel in den Ruinen des Forum Romanum bei, das einen Hochzeitszug im alten Rom darstellte. Danach bildete sich der Zug aufs neue und defilierte durch die Säle der Paläste, womit der Empfang seinen Abschluß sand. Der Ueberfall auf hohe chinlesische Deunnr! wlb. Ranking, 9. Jan.(Reuter.) Wie zu dem gestrigen Ueberfall in Futschau gemeldet wird, bei dem der Oberbesehlshaber der chinesischen Marine, Jangschutschnang, der Zivilgonverneur der Provinz Futien und fünf andere Mitglieder der Provinzialregierung gefangengenommen wurden, ist der Auschlag nicht, wie man zuerst annahm, von Kommunisten verübt worden, sondern auf Veraulassung des Generals Luhsinpau erfolgt, des Besehlshabers der zweiten Division der Provinz Fukien. Jangschutschnang hat inzwischen der Regierung telegraphiert, er sei, zehn Meilen von Futschau entfernt, geflüchtet, vier Mitglieder der Regierung der Provinz Futien würden immer noch gefangengehalten. Die Nationalregierung hat ein Kriegsschiff nach Futschau entsandt. Der Präsident der Nationalregierung, Tschiangkaischek, richtete ein Telegramm an Luhsinpau, in dem er ihn auffordert, die Gefangenen unverzüglich freizulassen. winne vor? Schmidt: Im Balkan rechnet man nicht mit 10 Prozent, sondern mit 100 Prozent Gewinn Solche Geschäfte wie dort kennt man doch in Deutschland überhaupt nicht. Da gibt es unzählige Dinge, Getreidehandel, Petroleum usw. Wie ungeheuer viel Getreide wird z. B. über die russische Grenze geschmuggelt!. H Vorsitzender: Also nehmen wir einmal Getreidean. Schmidt(einfallend): Man kann ja auch Waffen schmuggeln, daran verdient man noch mehr. Vorsitzender: Es war Ihnen vollkommen gleich, ob es sich um einen staatlich legalen oder illegalen Zweck handelte? Schmidt: Das war mir ganz egal. Vorsitzender: Im Gegenteil, bei einem illegalen Zweck war ja viel mehr zu verdienen. Schmidt: Selbstverständlich. Schmidt schilderte sodann ausführlich, wie verschiedenen Kaufleuten und Fabrikanten der Titel eines bulgarischen Konsuls gegen Zahlung von 20000 Mark verschafft werden sollte. Es wurde dann der Angeklagte Bell vernommen. Er erklärte u. a., er habe Karumidse zum ersten Male vor 7 oder 8 Jahren getrosfen. Trotz politischer Gegensätze zu Schmidt, der allzu optimistisch gewesen sei, habe er die von Schmidt geführte politische Linie durchaus unterstreichen können. Ehefrau erstochen. wp. Köln, 9. Jan.(Tel.) Vergangene Nacht gegen 2 Uhr 30 sanden Passanten vor dem Hause Nußbaumerstraße 35 die Leiche einer erstochenen Frau. Die Erstochene, die Ehefrau Johann Stier, wohnte in dem genannten Hause möbliert. Seit Anjang Oktober lebte sie von ihrem Ehemann, dem Arbeiter Stier, getrennt. Ihr siebenjähriges Kind besand sich in Waisenpflege. Der Ehemann hatte schon verschiedentlich versucht, seine Frau in die Ehegemeinschaft zurückzuholen, was von der Frau jedoch abgelehnt wurde. Auch gestern war der Ehemann wiederum bei der Vermieterin seiner Frau gewesen und hatte die Wirtin gebeten, seiner Frau zu sagen, daß sie zu ihm zurückkehren möchte. Die Vermieterin hat dies auch bestellt. Frau Stier erklärte jedoch, sie ginge nicht zu ihrem Manne, weil sie Angst vor ihm hätte. Er habe ein Messer bei sich. Die Frau Stier war im Wirtschaftsbetrieb der Harmonie tätig gewesen. Sie soll einen jungen Mann kennengelernt haben; diese Bekanntschaft ist nach Angabe des Ehemannes der Grund gewesen, warum sich seine Frau von ihm getrennt habe. Vergangene Nacht, als die Frau aus der Harmonie nach Hause ging, hat der Mann seiner Frau aufgelauert und sie dann vor dem Hause mit einem dolchartigen Messer niedergestochen Die Frau hat mehrere Stichverletzungen am Körper und am Kopfe erhalten, und es scheint, als ob der Täter wahllos zugestochen habe. Der Mann flüchtete sodann. Heute morgen wurde er in der Wohnung eines Verwandten, bei dem er Zuflucht gesucht hatte, ermittelt und festgenommen. Er will bei der Begehung der Tat so verwirrt gewesen sein. daß ihm Einzelheiten nicht in der Erinnerung geblieben seien. Siheng...### Sie von Schmidt Geld bekommen? Bell: Nur für die Unterstützung politischer Bestrebungen. Vorsitzender: Wieviel wird wohl Schmidt für politische Zwecke insgesamt ausgegeben haben? Bell: Ich schätze 20bis 30000 Mark. Vorsitzender: Aus seiner eigenen Tasche? Bell: Das kann ich nicht beurteilen. Er selbst war sehr gut situiert. Er wollte eben Einfluß haven.„„ beh Auf weitere Fragen sagte wen aus, er habe in Bulgarten festgestellt, daß die Wirtschaftskreise außerordentlich deutschfreundlich waren und daß man mit ihnen zusammen tätig sein und das deutsch=bulgarische Verhältnis verbessern könne. Darüber habe er sich mit Schmidt unterhalten. Schmidt habe gesagt, das wäre eigentlich Sache des Auswärtigen Amts. Bell habe erwidert, man müsse Leute finden, die sich direkt beteiligten. Darauf habe Schmidt erklärt, er werde solche Leute suchen und er habe auch versprochen, an Bell 10000 Mark nach Sosia zu schicken.„„„ Im weiteren Verlauf der Veryandlung stellte der Vorsitzende fest:„In diesem Prozeß entwickeln sich also jetzt drei Probleme, die von den Angeklagten erstrebt worden sind: erstens der Kampf gegen den Bolschewismus, zweitens Schaffung von Handelsbeziehungen zu Bulgarien und dritiens das neueste Problem:„der Kampf des englischen Oelkonzerns um die reichen Quellen Südrußlands.“ Diese dritte Frage ist allerdings in diesem Saal bisher noch nicht erörtert worden.“ Rechtsanwalt Dr. Beer:„O doch! Als Karunidse hier aussagte, sah man den Schatten Deterdings deutlich an der Wand.“ Rechtsanwalt Dr. Sack:„Wenn wir das Verhalten der Angeklagten bis in die letzte Tiese durchleuchten wollen, müssen wir die Kernfrage, den Kampf um Rußlands Oelquellen, hier aufrollen.“ Vorsitzender:„Der Angeklagte Schmidt hat uns ja bereits gesagt, daß man Südrußland von Räterußland abtrennen und ausbeuten wollte.“ Schmidt: „Verstehen Sie mich recht, das war nicht mein Plan, sondern die Idee der Leute, die hinter der ganzen Bewegung standen.“ Vorsitzender:„Nach ihrer Darstellung sollte die Loslösung Südrußlands durch einen militärischen Aufstand, erfolgen.“ Schmidt:„Ganz richtig.“ Vorsitzender:„Und im Hintergrund dieser Aktion standen nach Ihrer Schilderung die Oelmagnaten bereit.“ Schmidt:„So ist es. Die bulgarische Frage spielte in dem Kampf eine große Rolle, denn Bulgarien konnte wegen seiner geographischen Lage durchaus als die Basis angesehen werden, von der aus die Naturschätze Südrußlands weiter verwertet werden mußten.“ Rechtsanwalt Dr. Sack:„Wir wollen doch endlich einmal das Visier in die Höhe schlagen: Ist es richtig, Herr Schmidt, daß die geplante Eroberung Südrußzlands bis ins letzte hinein durchdacht war, daß man Verkehrswege und Fluglinien vorbereitet, daß man Geheimverbindungen hergestellt hatte, daß alles getan war, um die Produktion der Oelgebiete Verschütteten zu bergen. Vermutlich ist ein Kohlenpfeiler gebrochen. Zwei Todesopfer eines Grubenunsalles. wtb. Hamborn, 9. Jan.(Tel.) Auf der Schachtanlage IV/VIII der Bergbaugruppe Hamborn der Vereinigten Stahlwerke brach heute vormittag bei der Kohlengewinnung in einem Flöz das Hangende herein und begrub zwei Bergleute unter sich. Die Bergungsarbetten wurden sofort ausgenommen, doch konnten die beiden Verunglückten nur als Leichen geborgen werden. Aus Nah und Fern. Auf der Spur von Unregelmäßigkeiten? * Frankfurt a. M., 9. Jan.(Tel.) Auf Grund der Anzeige eines entlassenen Angestellten hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingeleitet zur Aufklärung etwaiger Unregelmäßigkeiten, die nach der Behauptung des Anzeigenden bei der Vergebung und Ausführung von Bauarbeiten für die Reichspostverwaltung in Frankfurt am Main vorgekommen sein sollen.— Wie die Justizpressestelle mitteilt, begannen heute in den frühen Morgenstunden umfangreiche Vernehmungen durch die Kriminalpolizei. Es wurden auch mehrere auswärtige Personen vernommen. Welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden, hängt von dem Ergebnis der noch in Gang befindlichen Untersuchung ab.„„ 34 Im D=Zug gestorden. wib. Innsbruck, 9. Jan.(Tel.) Heute nacht ist der im Jahre 1884 in Weidenau(Sieg) in Westsalen geborene und dort wohnhafte Fabrikant und Kaufmann Adolf Helmer, der in Florenz den D=Zug bestiegen hatte, im Klosett des Schlafwagens nördlich des Brenner einem Herzschlag erlegen. Der Untergang des Kreuzers Edgar Quinet. wtb. Paris, 9. Jan.(Tel.) Der Kreuzer Edgar Quinct, den zu retten gestern abend jede Hoffnung aufgegeben wurde, ragt zurzeit nur noch mit dem Bug aus dem Wasser. ohne Störung zu übernehmen und auch den Absatz in die Wege zu leiten?“ Schmidt:„Das alles ist in den deutsch=englischen Kreisen bis ins kleinste besprochen worden.“ Die Sitzung wurde hierauf auf Montag vertagt. Grubenunfälle. Zwei Bergleute verschüttet. wlb. Bochum, 9. Jan.(Tel.) Auf der Zeche Bruchstraße gerieten gestern abend zwei Hauer unter herabstürzende Kohlenmassen. Die Rettungsarbeiten wurden sofort ausgenommen. Während der eine heute nacht als Leiche geborgen werden konnte, ist es noch nicht gelungen, den zweiten odesurteil. wlb. Karlsruhe 10. Jan.(Funkspruch.) Das Schwurgericht hat in der zwölften Abendstunde den 21jährigen Küser Karl Bindl aus Kronau(Amt Breisach) wegen Mordes zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt. Bindl hat am Abend des 31. Dezember 1929 ein kaum 17jähriges Mädchen in den Kraichbach gestoßen, wo es den Tod durch Ertrinken sand. Er hatte mit ihr Beziehungen unterhalten, die nicht ohne Folgen geblieben waren. Schwerer Tebungian! wlb. Warnsdorf, 10. Jan.(Funkspruch.) In Hohenelbe hat sich gestern ein schweres Bobunglück ereignet. Sieben junge Burschen im Alter von 14 bis 19 Jahren aus Hohenelbe fuhren mit einem Bob beim Bahnübergang in Hennersdorf mit voller Wucht an die Bahnschranke. Fünf Fahrer wurden in weitem Bogen vom Bob geschleudert. Vier von ihnen blieben schwer einer leicht verletzt liegen. Die übrigen zwei konnten rechtzeitig abspringen. Die übrigen vier Verletzten wurden mit schweren Arm=, Bein= und Schädelbrüchen ins Krankenhaus gebracht. An dem Aufkommen des einen wird gezweifelt. Tragödie einer jungen Mutter. wtb. Berlin, 9. Jan.(Tel.) Das Schwurgericht hatte sich heute mit der erschütternden Tragödie einer jungen Mutter zu beschäftigen, die ihr fünf Wochen altes Kind, dem sie eine unheilbare Krankheit vererbt hatte, getötet hat. Die 21jährige Angeklagte beiratete vor etwa einem Jahre einen Schriftsetzer, von dem sie ein Kind erwartete. Als das Kind geboren wurde, erfuhr die junge Mutter noch im Krankenhaus, daß sie selbst an einer schweren Blutkrankheit leide. Einige Wochen später erkrankte auch das Kind. Als sich der Zustand des Kindes verschlimmerte, erwürgte die Mutter das Kind und versuchte, sich selbst die Pulsadern auszuschneiden. Als ihr dies nicht gelang, wollte sie sich aufhängen, wurde jedoch von ihrem Mann noch rechtzeitig daran gehindert. Der Verteidiger wies das Gericht darauf hin, daß der Mann die Tat seiner Frau zuerst auf sich nehmen wollte. Als die Angeklagte aber diese Absicht merkte, legte sie selbst sofort ein umfassendes Geständnis ab. Heute lebt die Angeklagte in glücklicher Ehe mit ihrem Mann. Das Schwurgericht sprach die junge Frau von der Anklage des Todschlages frei, da die Sachverständigen in der Beweisaufnahme Zweisel der Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten bei der Tat geäußert hatten. Kommunisten überfallen einen republikanischen Pfadfinder. wtb. Altona, 10. Jan.(Funkspruch.) In Altona wurde gestern abend ein republikanischer Pfadfinder von politisch Andersdenkenden überfallen, geschlagen und mit Messern bearbeitet. Auf seine Hilferuse eilten Polizeimannschaften herbei und sorgten für seine Ueberführung ins Krankenhaus. Nach seinen Angaben handelt es sich um Kommunisten. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Tumult in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. wtb. Berlin, 10. Jan.(Funkspruch.) Auch die gestrige Sitzung der Berliner Stadtverordneten konnte nicht ordnungsmäßig zu Ende geführt werden. Nachdem zunächst die Verhandlungen einen regelrechten Verlauf genommen hatten. Bei einer Aussprache über Arbeiterentlassungen bei der Berliner Verkehrsgesellschaft kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten und es erhob sich ein derartiger Tumult, daß Stadtverordnetenvorsteher Haß sich gezwungen sah, die Sitzung zu unterbrechen. Die Hoffnung, daß die Ruhe wiederhergestellt werden könnte, erwies sich als trügerisch, sodaß von weiteren Verhandlungen am Donnerstag abgesehen werden mußte. Größere Zuständigkeit der mittleren Beamten. pw Berlin, 10. Jan.(Funkspruch.) Im Rahmen der Arbeiten zur Reichsverwaltungsreform schweben, der Voss. Ztg. zufolge, zwischen den Reichsressorts Erwägungen, den Beamten des mittleren Dienstes eine größere Zuständigkeit zu geben. Diese Bestrebungen knüpfen an Maßnahmen an, die bereits in Preußen seit längerer Zeit im mittleren Justizdienst getroffen sind und die sich sehr gut bewährt haben. Ein neues Werk Hans Pfitzners. wtb. München, 10. Jan.(Funkspruch.) Haus Pfitzner hat ein neues Werk vollendet,„Das dunkle Reich“, eine Chorphantasie mit Orchester, Orgel, Sopran= und Bariton=Solo. Maßnahmen gegen den Schwindler Eckhoff. wib. Meseritz, 10. Jan.(Funkspruch.) Der wegen sicherungsschwindel bestrafte Alerander Eckhoff Versicherungsscheinder besttäfk unzunder Euhoff. der vor einem Jahr vom Meseritzer Schöfsengericht zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt worden war, ist, da er trotz Ausweisung aus Preußen zweimal hier wieder auftauchte und dafür wegen Bannbruchs sechs Wochen Haft absitzen mußte, in Polizeihaft genommen worden. Der Regierungspräsident in Schneidemühl hat bei der Staatsregierung beantragt, Eckhoff nach seinem Heimatsstaat Kanada abschieben zu lassen. Tödlicher Unfall einer Arbeiterin. wlb. Zol#ten am Berge, 10. Jan.(Funkspruch.) Eine 24jährige Arbeiterin geriet hier beim Ueberschreiten der Schienen unter einen Eisenbahnwagen und wurde sofort getötet. Die Warschauer Telephonspionage=Affäre. wotb. Warschau, 10. Jan.(Funkspruch.) In Sachen der Telephonspionage=Asfäre ist gestern, wie mehrere Abendblätter in großer Aufmachung berichten, auf Grund der vom Untersuchungsrichter beim Appellationsgericht geführten Unzersuchung ein Mitarbeiter einer Warschauer Presseronlespon= denz verhaftet worden. Er hat in der Zeit vor der Bildung der Regierung eine telephonische Anterredung zwischen dem jetzigen Ministerpräsidenten Bartel und dem Staatspräsidenten Moscicki belauscht und in einem anonymen Bericht für die Presse veröffentlicht. Der Verhaftete hat bereits zugegeben, der Urheber dieser Veröffentlichung zu Erdbeben an der Westküste Frankreichs. wib. Paris, 10. Jan.(Funkspruch.) An der Westküste Frankreichs, besonders in der Bretagne, wurde Donnerstag abend gegen 8 Uhr ein mehrere Sekunden dauernder Erdstoß verspürt, der in einigen Orten, wie Nantes und Vannes, Sachschaden anrichtete. In Vannes stürzten zahlreiche Schornsteine ein. Das Meer war während des Erdstoßes ausgewühlt. 764 Neue Pläne zur Bekämpfung der Arbeitslosigten in England. wib. London, 10. Jan.(Funkspruch.) Nach einer Meldung des Organs der Arbeiterpartei, des „Daily Herald“, hat der Minister zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Thomas, in Besprechungen mit Bankkreisen erreicht, daß die fünf leitenden Banken Englands, sowie die Bank von England Verpflichtungen eingegangen sind, deren Auswirkungen, wie man erwartet, einen belebenden Einfluß auf die Neuorganisation der Schlüsselindustrien haben werden, wodurch sich Besserung der Arbeitslosigkeit ergeben wird. Die sechs Banken werden in gemeinsamer Arbeit große Kredite nicht nur für den Wiederaufbau der Wirtschaft, sondern auch für die Modernisierung der Maschinen und der Arbeitsmethoden bereitstellen. 13 Aus den Nachbarstädten Groß=Dortmund — Schwerer Zusammenstoß. In der tagsstunde des Donnerstag kam es an der Ecke Schleswiger= und Alserstraße zu einem menstoß zwischen einem Bergarbeiter= und Lastauto. Das Bergarbeitertransportauto, das vollbesetzt war, befuhr die Schleswigerstraße in Richtung zum Fredenbaum. Plötzlich kam aus der Alsenstraße von der Mallinckrodtstraße her das Lastauto. Der Asphalt war schlüpfrig und, trotzdem die Führer der beiden Wagen sich bemerkten, gelang es nicht mehr, einen Zusammenstoß zu verhindern. Das Bergarbeiter=Auto wurde am Hinierteil leichter, dagegen das Lastauto am Kühler schwer beschädigt. Glücklicherweise wurden#isonen nicht — Beide Beine abgefahren. In Ausübung seines Beruses wurden am Donnerstag mittag dem auf dem Reichsbahn=Ausbesserungswerk an der Huckarderstraße beschäftigten H. Zimmermann beide Beine abgefahren. mann war an der Schiebebühne beschäftigt gewesen. Durch einen unglücklichen Zufall stolperte er und kam zu Fall. Ein Kolliwagen ging ihm über beide Beine. In schwerverletztem Zustand wurde er mittels Krankenwagen ins Krankenbaus gebracht. — Tödlicher Unglücksfall. Aus dem Stahlwerk Hoesch ereignete sich gestern abend gegen 6,30 Uhr im Martinwerk 2 ein schwerer Unglücksfall. Der Arbeiter Alfred Püttmann, Alter Mühlenweg 29 wohnhaft, wurde von einem Stempel, der durch einen Krau aus einer Pfanne gezogen werden sollte und sich auf ungeklärter Weise gelöst hatte, so schwer getrofsen, daß er sofort tot war. Der Verunglückte war 32 Jahre alt, verbeiratet und hatte ein Kind. Eine Schülerschlact am Sstrundweg. Zu einer wahren Schlacht kam es Donnerstag mittag im Ostrandweg. Zwei Schüler führten unter sich einen Boxkampf aus, als plötzlich mehrere andere auf die beiden stürzten. Es bildeten sich rasch zwei Parteien und man bearbeitete sich gegenseitig mit Tornistern, Griffelkasten usw. Nicht genug damit, trat man einen am Boden liegenden Schüler mit den Füßen, so daß dieser schwer blutende Kopfwunden davontrug. Recklinghausen. Mit dem Kopf in den Walzenaufzug. Der 18jährige Arbeiter Heinrich Kirchhoff, wohnhaft Westfalenstraße geriet gestern im Mühlenbetriebe der Firma Breloeur mit dem Kopf in einen Walzenaufzug Er wurde auf der Stelle getötet. Der Tod ist nach ärztlicher Feststellung infolge Halswirbelbruchs eingetreten. a Hengsen. Von einem Kraftwagen angefahren. Ein Mann überquerte in dem Augenblick die Kreisstraße, als ein Auto herangefahren kam. Der Fahrer konnte noch seinen Wagen abstoppen, aber nicht verhindern, daß der betrunkene Mann noch vom Kotflügel ersaßt und auf die Straße geschleudert wurde. Hierbei erlitt derselbe Hautabschürfungen an beiden Händen und eine Verletzung im Gesicht. Warstein. Höhlenfunde. Unter den in den fauerländischen Kalksteingebieten entdeckten zahlreichen Höhlen ist die im„Hohlen Stein" bei Kallenhardt die jüngste. In dieser wurden u. a. 45 Steinwerkzeuge und 15 Knochenwerkzeuge gesunden, die eine typische Aehnlichkeit mit früheren Funden in den Höhlen am„Bilstein" bei Warstein haben. Die von dem Lehrer Henneböle zu Rüthen gemachten Funde sind nach Dr. Andree zu Münster durchweg dem sogenannten Magdalenien zuzurechnen, stammen also aus der Zeit von 10000 bis 25000 v. Chr., doch soll die Fundschicht in der Höhle im„Hohlen Stein“ aber auch noch Neolithicum umfassen, wofür besonders eine kleine Pfeilspitze beweisend ist. Auch die von der Vorgeschichtlichen Abteilung des Landesmuseums in dem verflossenen Jahre veranstalteten Grabungen förderten mittelsteinzeitliche(nachzeitliche) Feuersteinwerkzeuge zutage. Kassel. Der Oberpräsident hebt die Säuferliste auf! Ausgerechnet am Sylvestertage erhielten laut„Westf. Ztg." die Herrschaften, die die bisher zweifelhafte Ehre genossen, ihre Namen auf der sogenannten „Säuferliste“ prangen zu sehen, vom Oberpräsidenten der Provinz Hessen=Nassau die Mitteilung, daß er die Polizeiverordnungen über die sog. Säuferlisten aufgehoben habe, weil für die Führung einer solchen Liste die Rechtsgrundlage fehle. Die benachrichtigten Säuferlistenkandidaten können vielleicht gerade den Sylvesterabend dazu benutzt haben, die interessante Vergebenheit zu feiern, daß endlich ihr Oberpräsident als der erste in Preußen die Entdeckung der Rechtsungültigkeit der Säuferliste gemacht hat. Essen. Unverschämte Gesellen. Etwa 20= bis 25jährige Männer machten sich mit brennender Zigarre an den Betriebsstoffpumpen der Großtankstelle an der Viehofer Straße zu schaffen. Als der Tankwärter sie auf die Gefahr aufmerksam machte, wurden sie frech und griffen ihn tätlich an. U. a. wurde dem pflichtgetreuen Manne ein Messerstich ins Gesicht und andere schwere Kopfverletzungen beigebracht. Beginn: Montag sonders Blumenkohl in guter Qualität zu billigem Preise und die anderen Kohlforten wurden viel begehrt. Die Fischhändler hatten diesmal nicht ausverkauft. An Obst waren die immer reicher kommenden Apfelsinen vorherrschend. I. Westhosen. Ungetreuer Schlasgenosse. Ein junger Landwirtschaftsgehilfe bei einem hiesigen Landwirt hatte für einige Tage einen arbeitslosen Tagelöhner ausgenommen und mit ihm sein Schlaszimmer geteilt. Gestern morgen verschwand nun heimlich der Schlafgenosse und mit ihm verschiedene wertvolle Sachen des Landwirtschaftsgehilfen, dessen Vertrauen so schnöde mißbraucht wurde. I. Westhofen. Die Mutterberatungsstunden sollen auch in diesem Jahre weiter abgehalten werden, und zwar in jedem Monat einmal am vierten Freitag eines jeden Monats, nachmittags 3 Uhr, im Beratungszimmer des Amtshauses Ergste. Konzert. Der hiesige Més. „Eintracht", der durch seine Erfolge auf den Wettstreiten in den letzten Jahren auch über unsere Grenzen bestens bekannt ist, veranstaltet am kommenden Sonntag nachmittags um 4 Uhr unter der umsichtigen Stabführung von Lehrer Höher im großen Hengstenberg,schen Saale ein Konzert. Als Mitwirkende ist das durch seine Vorträge vom Rundfunk her bekannte Terzett Geschwister Klempt Schwerte sowie Herr Fred Peters=Schwerte, gewonnen worden.(s. Inserat). Hennen. Standesamtsstatistik. Nach der aufgestellten Standesamtsstatitsik sind im abgelausenen Jahre 33 Trauungen beurkundet worden.(28). Geburten sind 43 angemeldet worden.(54). Außerdem sind 35 Sterbefälle beurkundet.(28). Die eingeklammerten Zahlen stellen das Ergebnis von 1928 dar. Sie müssen die Gelegenheit ausnutzen und zu unserem SAISON-AUSVERKAUF kommen! BASSEGOERT PIATG A.-G. ISERLOHN Trotz der Ausverkautspreise Fahrtvergütung in bekannter Weise. Verlangen Sie von Ihrem Postboten unsere Aseitige Extra-Zeitung n Gevelsberg. Weite Reise. Auf eine weite Entfernung fortgetrieben wurde ein in Gevelsberg aufgelassener kleiner Reklameballon der in Heinrichsberg im Böhmerwald in der Tschechoslowakei niederging. Ein dortiger Schulknabe fand ihn auf dem Wege zum Unterricht und sandte dem hiesigen Auflasser, Werthmann, Mittelstraße wohnhaft, ein freundliches Schreiben. Bielefeld. Landvolk und Buch. Während einer zur Zeit in der Volkshochschule Lindenhof bei Bieleseld stattfindenden Altschülerfreizeit wurde an einem Abend die Frage des ländlichen Büchereiwesens zur Erörterung gestellt. Vor den 140 versammelten Altschülern aus Westfalen, Ostfriesland, Berlin u. s. f. sprach Dr. Winckler vom Evgl. Presseverband in Westfalen und Lippe über die Frage„Volkstümliche Bücherei auf dem Lande". Die Betonung der sozialpädagogischen und volksbildnerischen Bedeutung der vorliegenden Aufgabe fand ein lebhaftes Echo in der nachfolgenden Besprechung. an der sich die Volkshochschüler lebhaft beteiligten. Sie zeigte, daß das Interesse am Lesen auch in der ländlichen Jugend wächst und daß sie nach dem guten Buch verlangt. Die führenden Kreise des Landes stehen hier vor einer Aufgabe, die längst der Erfüllung wartet und einem starken Bedürfnis entspricht. Ueber die Zwischenstation der vielen zersplitterten Vereinsbüchereien in Stadt und Land, bewußt zur Einrichtung öffentlicher, für jeden zugängliche Gemeinde= und Bezirksbüchereien durchzustoßen, ist eine unaufschiebbare Notwendigkeit von größter volksbildnerischer Bedeutung. Nach dem büchereipolitischen Reserat sprach Frl. Gerding=Witten vom Evgl. Büchereiverband für Westfalen über Fragen der Büchereieinrichtung und des Bestandsaufbaus nach den Grundsätzen der modernen Büchereiarbeit. Jeder Satz ein Aufruf, von dem ungeordneten, nachlässigen Betrieb vieler Kleinbüchereien zur systematischen Volksbildildungsarbeit durch die Bücherei fortzuschreiten. Bielefeld. Beim Anzünden einer Kerze brach in dem Schlafzimmer einer alten, an der Detmolder Straße wohnenden Dame, ein Brand aus, der schnell auf Kleider und Möbel übergriff. Die Frau zog sich schwere Brandwunden beim Versuche, das Feuer zu löschen, an den Händen zu, sodaß sofort ärztliche Hilfe herbeigeholt werden mußte. Lübbecke. Ein Mann in brennenden Kleidern. Als der 33jährige Landwirt Hartlage in Pr. Ströhen einen Rohölmotor in Gang setzen wollte, explodierte plötzlich die Lötlampe. Das brennende Benzin ergoß sich über die Kleidung des Mannes, die sofort Feuer fing. Auf die lauten Hilferufe eilten Männer herbei und erstickten die Flammen. H. trug schwere Brandwunden im Gesicht und an den Händen davon, so daß er dem Krankenhause zugeführt werden mußte. Hilden. Seiner Frau einen Finger abgebissen. Ein hiesiges Ehepaar geriet abends auf dem Nachhauseweg in einen heftigen Streit, in dessen Verlauf es bald zu einer regelrechten Schlägerei kam.Hierbei biß der Mann seiner Frau einen Finger ab. Als die Polizei einschritt, wollte das Ehepaar nichts davon wissen. Man vertrug sich wieder und ging Arm in Arm nach Hause. h Schötmar. Durch Feuer vernichtet Im Hause des Fabrikarbeiters Schmittpott entstand ein Brand, der das Haus fast vollständig vernichtete. Es handelt sich um einen über 200 Jahre alten Fachwerkbau, der in früheren Jahren als Pfandstall und gelegentlich auch als Gefängnis benutzt wurde. Erkelenz. Der preußische Staat prämiiert Feiß. Eine Schülerin der hiesigen St. Canisius=Töchterschule erhielt durch Erlaß des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung wegen ihres Fleißes eine Prämie von 500 M. Der Betrag darf nur zur weiteren Ausbildung der Schülerin verwandt werden. Ferlohn Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 9. Januar. Es notierte westf. Weizen 26,25—26,5, westf. Roggen 18, inl. Hafer 18—19, ostfr. Hafer 19,75—20,5, ausl.Weizen 27,5—29,5, ausl. Roggen 23—24,ausl. Gerste 18,5—19, Platamais 17,5—18, Cinquantinomais 20,5—21, Bäckermehl 38,25—38,5, Roggenmehl 29,5 bis 29,75, ostdeutsch. Roggenmehl 28—28,50, Weizenkleie 10,75—12,5, Trockenschnitzel 12—12,5, Zuckerschnitzel 16.75—17. Diese Preise sind Großhandels=Verkaufspreise und verstehen sich per 100 Kilo waggonfrei Dortmund in Ladungen von 15 To., bei Mehl zu den Mühlenkonventionsbedingungen. Tendenz: ruhig. hören wir im Rundfunk? Sonnabend, den 11. Dezember 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Morgenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldun 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mttagskonzert. 15,00: Kinderspielstunde. 16,00: Grundlagen der Funktechnik. 16.20: Prof. Dr. Hans Karlinger:„Kirchliche Architektur als liturgischer Ausdruck der Jahrhunderte." 16,45: Wirtschaftspolitische Umschau. 17,05: Prof. Hase: Englisch. 18,30: Gemeinverständliche Rechtskunde. 18,50: Mitteilungen der Interessengemeinschaft Westdeutscher Funkvereine. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Die Stunde des Arbeiters. 19,40: Die Frau im Beruf. Uebertragung aus der„Lese": 20,00: Damensitzung der Großen Kölner Karnevalsgesellschaft. 23,00: Nachtmusik und Tanz. Anschließend: Intermezzo: Uebertragung vom fünften Dortmunder Sechstagerennen. wuo: Maoter bes. 86h. Geschäftliches Amt Westhofen I. Westhosen. Wochenmarkt. Der gestrige Wochenmarkt wickelte sich in den gewohnten Bahnen ab. Auch waren die in der vorigen Woche ausgebliebenen auswärtigen Händler wieder erschienen. Der Warenabsatz war durchweg zufriedenstellend. Gemüse, beKein Kleidungsstück ist so sehr dem Verschleiß ausgesetzt, wie gerade der blaue Arbeitsanzug, da er täglich getragen wird und saft wöchentlich gewaschen werden muß. Gute blaue Arbeitskleidung muß daher stark und dicht sein, um die Unterkleidung von Schmutz zu schützen, und soll sich dennoch gut waschen lassen. Die Stoffe der Bl’ blauen Arbeitsanzüge(BP= Silber= Köperdrell, BPGold= Fischgratdrell) sind eisenstark, leicht waschbar, dabei doch dicht gewebt, so daß ein Durchdringen von Schmutz und Oel auf die Unterkleidung verhindert wird. Die BP blaue Arbeitskleidung ist bequem geschnitten, alle Nähte sind doppelt mit vierfachem Zwirn genäht, Taschen linksseitig unterlegt, und Nahtanfänge und Ecken mit grünen Riegeln verstärkt. Die Farbe ist garantiert echt, vus beste Erzeugnis der deutschen Farbenindustrie. Die Firma Bernhard Stern, die bekannt ist für gute Qualitäten, hat den Verkauf dieser bewährten Fabrikate und unterhält ständig Lader in allen Artieln der Be Verzslelbung. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Eberhard Lex, Schwerte. Beginn: Montag, den 13. Januar Käufen Sie nicht Wahnos im Ivchtur-Kusterkauf geben fehen, Dieger Cetahr and se be mir nchtaugerert Nlene regiüreg Ghele täten in Hierren-, lunglings- u. Knabenkleidung sind gewaltig im Preise nerangesetzt. Große Posten Hosen, Arbeitshemden, Berufskleidung, Pullover, Sweater, Unterjacken und Unterhosen bringe ich zu spottbilligen Preisen zum Verkauf. Bsachten Sie meine Schaufenster! Stern Mit vollen Nänden NIO früh Lesonten bbestände erstehen gewaltigen Preisherobsetzungen Wir sacen nur nocheE tndmnaethenf. Nr. 8(Zweites Blatt) „Schwerter Henans Freitag, 10. Januar 1930 Die Fralenfrase in eem entscheireneen Einelam Von Dr. van Dingenen, Im Jahre 1930 feiert Belgien das Jubiläum seines hundertjährigen Bestehens. Im Mittelpunkte seines Festprogramms steht eine internationale Ausstellung, die auffallenderweise in drei Städten, Antwerpen(Flandern), Lüttich(Wallonien) und Brüssel, abgehalten wird. Diese Einteilung ist keine zufällige, sondern eine Folge der Rivalität zwischen Antwerpen und dem verwelschten Brüssel, die auf der Nationalitätenfrage beruht und bis in den vierziger Jahren, des vorigen Jahrhunderts zurückreicht. Belgiens Jubiläumsausstellung steht somit im Zeichen des Sprachproblems, das seit Monaten alles beherrscht und das Land in eine schwere Krisis gestürzt hat. Die flämischen Nationalisten(Aktivisten, Frontsoldaten und radikale Flamen; sie kennen keine Parteipolitik) brachten die Flamenfrage— das Sprachproblem ist nichts anderes— durch drei aufeinanderfolgende Wahlsiege in den Vordergrund. Am 9. Dezember 1928 wurde ihr Kandidat Dr. A. Borms, der bekannte Aktivistenführer aus der Okkupationszeit, bei den Antwerpener Kreiswahlen mit 83 100 Stimmen gewählt. Am 26. Mai erhöhten sich die Zahl ihrer Kammerabgeordneten von sechs auf zwölf. Am 23. Juni wurden 43 Nationallisten in die Provinzvertretungen gesandt. Diese Wahlerfolge der radikalen Themen haben, nach belgischen Verhältnissen, die Bedeutung einer friedlichen Revolution. Sie riefen dann auch in den slamenfeindlichen Kreisen eine geradezu panikartige Bestürzung hervor. Und das bis dahin Unerreichte wurde Ereignis: die verstockten Flamenfeinde forderten, in Belgiens Interesse, die unverzügliche Lösung der Flamenfrage, die sie neunundneunzig Jahre mit allen Mitteln verhindert haben. Die radikalen Flamen haben mit einem Schlage erreicht, was die parteipolitischen Flamen mit ihren 42 Parlamentariern in Jahrzehnten sertig zu bringen nicht imstande waren. Belgien steht nun vor der Wahl, das Recht der Flamen auf ein flämisches Flandern anzuerkennen oder einen aussichtlosen Kampf auf Leben und Tod auszufechten. Von diesen zwei Uebeln hat es das kleinere gewählt. Bereits im September kündigte Ministerpräsident Jaspar an, nunmehr fest entschlossen zu sein, das Sprachproblem noch vor der Jubiläumsfeier zu lösen. Zu dieser Erklärung sah er sich freilich mit veranlaßt durch den sehr natürlichen Mangel an Begeisterung für die Jahrhundertfeier bei den Flamen. Die flämischen Nationalisten werden sich selbstverständlich auf keinen Fall daran beteiligen. Schon am 19. Oktober nahm Jaspar eine Umbildung des Kabinetts vor. Flandern(4,5 Millionen Einwohner) ist darin nur mit drei Ministern vertreten, Wallonien(3,5 Millionen Einwohner) mit sechs, Brüssel mit drei. Somit sollten sieben flamenfeindliche Minister von zwölf die Flamenfrage lösen! Im Parlament liegen aber die Verhältnisse ganz anders. Die Liberalen mit 28 Sitzen und einige Katholiken mit 20 Sitzen(le parti de France) waren, sind und bleiben die unversöhnlichen Feinde des Flamentums, das sie wie alles Germanische aufs tiefste hassen. Sie treiben dann auch bei der Besprechung wie bei der Durchführung der slämischen Reformen eine verzweifelte Sabotagepolitik. Die katholisch= flämischen und katholisch=wallonischen Demokraten(43 bezw. 13 Sitze) sowie die Sozialdemokraten(70 Sitze) sind Parteigänger einer kulturellen Autonomie für Flandern und Wallonien, d. h. sie erstreben ein französisches für Wallonien, ein gemischtes für Brüssel. Minderheiten sind nach ihrer Auffassung die deutsche Bevölkerung von Eupen=Malmedy und die doppelsprachigen Einwohner von Groß=Brüssel und einiger Gemeinden an der Sprachengrenze. Die Französlinge, die in Flandern leben und größtenteils Staatsbeamte sind, folglich die Landessprache beherrschen müssen, kommen als Minderheit nicht in Frage. Für diese Lösung ist im Parlament eine erhebliche Mehrheit vorhanden. Die Entscheidung über die Minderheitenfrage kann jedoch alles in Gefahr bringen. Die Flamenfeinde haben sich dann auch auf die Frage geworfen, wie der Teufel auf eine Seele. Gelingt es ihnen, die Anerkennung der Französlinge in Flandern als Minderheit durchzusetzen, so wird das flämische Regime für Flandern in der Praxis nicht viel mehr als eine verbesserte Ausgabe des bisherigen verhaßten Doppelsprachregimes bedeuten. Bei den Kabinettberatungen über die Flamisierung der Staatsuniversität Gent, hatten die liberalen Minister am 21. November unter dem Drang der Umstände nachgegeben. Am 26. machten sie dann plötzlich ihre Billigung des Jasparschen Programms von der Beibehaltung einiger französischer Vorlesungen für die französisch sprechenden Studenten abhängig. Da slämischerseits jede Verhandlung über diese Verbindung abgelehnt wurde, reichte der Premier dem König die Gesamtdemission seines Kabinetts ein. Es stellte sich gleich heraus, daß diese in jeder Hinsicht bedenkliche Krise nur durch Kammerauflösung beseitigt werden konnte, falls beide Parteien ihre Stellungen besetzt hielten. Weil aber, mit Hinblick auf die außerordentliche Erregung in Flandern, Neuwahlen eine weitere, starke Machtverschiebung zugunsten der radikalen Flamen bedeutet hätten, haben die Liberalen in ihrem eiligst einberufenen Kongreß vom 1. Dezember beschlossen, abermals zu kapitulieren. Jaspar hat bereits am 4. Dezember mit seinen vorigen Ministern ein neues Kabinett gebildet! Die liberale Sabotagepolitik hat die Verhandlungen also um vierzehn Tage verzögert. Dem Nationalitätenfrieden ist damit aber nicht gedient worden. Die Jasparsche Politik muß unvermeidlich zu neuen Ueberraschungen führen. Die Lösung der Flamenfrage ist aber nicht aufzuhalten. Die vom König der Niederlande 1822 gegründete Staatuniversität, Gent, 1830 von der belgischen Regierung französiert, 1916 vom deutschen Generalgouverneur in Belgien flamisiert, wird endlich wieder, und diesmal endgültig, in ein flämisches Kulturzentrum um gewandelt. Ungeachtet aller Sabotagen wird Flandern jedenfalls noch in dieser Parlamentstagung von dem im Jahre 1830 eingeführten belgischen Entartungs=, Verwelschungs= und Bedrückungsregime befreit. Der endgültige Friede wird aber erst dann geschlossen werden können, wenn Flamen und Wallonen die Folgerungen aus der Tatsache, daß zwei nach Art, Sprache und Kultur grundverschiedene Völker nicht friedlich miteinander, sondern nur nebeneinander leben können, gezogen und die Scheidung ihrer aufgezwungenen Mißehe ausgesprochen haben. ha. Bedarf für alkoholfreie Getränke. Das Bedürfnis zum Ausschank von alkoholfreien Getränken will der Minister des Innern im allgemeinen anerkennen. Bei Anträgen auf Erteilung der Erlaubnis dazu findet diese Bestimmung nicht überall die nötige Beachtung. Alle Polizeibehörden werden darauf hingewiesen, daß der Ausschank alkoholfreier Getränke jede mögliche Förderung verdient. Die Ortspolizeibehörden haben deshalb das Bedürfnis für den Ausschank dieser Art allgemein und grundsätzlich anzuerkennen, soweit nicht im einzelnen Falle besondere polizeiliche Rücksichten eine anderweite Beurteilung ausnahmsweise geboten erscheinen lassen. ha. Melker, nicht Schweizer. Gegen die althergebrachte Berufsbezeichnung als Schweizer hat bekanntlich die Schweizer Regierung bei der deutschen Klage geführt. Auch der Allgemeine Melkerverband Deutschlands hatte andere Berufsbezeichnungen im Schweizerstande gebilligt. Die überwiegende Mehrzahl der Landwirtschaftskammern hat Bedenken gegen diesen Beschluß nicht erhoben. Jetzt hat der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten sämtliche Landwirtschaftskammern und die Hauptlandwirtschaftskammer ersucht, künftig die neuen Berufsbezeichnungen anzuwenden: Melkermeister an Stelle von Oberschweizer, Melker statt Freischweizer, Melkergehilfe statt Unterschweizer, Melkerlehrling statt Schweizerlehrling. ha. Steuern durch Nachnahme. Fällige Steuern werden neuerdings bekanntlich vielfach durch Postnachnahme eingezogen. Durch ein besonderes Gesetz sollte die Abgabenordnung dahin ergänzt werden, daß die dadurch entstehenden Kosten der Steuerpflichtige zu tragen hat, wenn er mit einer Zahlung im Rückstand ist. Das Gesetz ist jetzt verkündet. Ein zweites Reichsgesetzt betrifft die Entschädigung von Betrieben und Arbeitnehmern auf Grund der Einführung des Branntweinmonopols. Derartige Ansprüche können nur nach den Bestimmungen dieses Gesetzes aufgewertet werden. Sie beträgt für Hersteller 5 oder 12 Prozent, für den Vermittler 5 oder 30 Prozent, für Arbeitnehmer 12 Prozent, für andere Berechtigte 5 oder 18 Prozent. Hersteller müssen nachweisen, daß die Aufgabe oder Einschränkung ihres Betriebes auf die Herstellung oder den Vertrieb von Monopolerzeugnissen zurückzuführen ist. ha. Festzeitgespräche. Festzeitgespräche sind nach der neuen Fernsprechordnung vom 1. Februar dringende Gespräche mit Voranmeldung, für die bei der Anmeldung eine bestimmte, feste Ausführungszeit gewünscht wird. Die feste Absführungszeit kann nachträglch geändert werden. Es können auch andere Gespräche nachträglich in Festzeitgespräche umgewandelt weren. Zwischen der Anmeldung oder dem nachträglichen Antrag und der festen Ausführungszeit muß ein Zeitraum von mindestens einer halben Stunde liegen. Eine Gewähr für die Herstellung der Verbindung zur angegebenen Zeit übernimmt die Post nicht. Ist zur gewünschten Zeit ein anderes Gespräch im Gange oder liegen Anmeldungen auf Gespräche vor, die den Vorrang vor dem Festzeitgespräch haben, so werden zunächst diese abgewickelt. Gehen für dieselbe Zeit mehrere Anmeldungen auf Festzeitgespräche ein, die über dieselben Leitungsverbindungen abzuwickeln sind, so werden sie in der Zeitfolge ihrer Anmeldung ausgeführt. Bei gleicher Anmeldezeit bestimmt die Vermittlungsstelle die Reihenfolge. ha. Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit hat in den beiden Wochen vor Weihnachten die heftigste Zunahme erlitten. Als Hauptursache betrachtet man den kurzen Frost, der weithin die Außenarbeit stillgelegt hat. Dazu kam der Abschluß der Hauptbetriebszeiten in mehreren Verbrauchsgüterindustrien: Zucker und Konserven. Die Aushilfskräfte zu Weihnachten wurden entlassen. Wichtige Industriebetriebe sprachen Entlassungen über Weihnachten und Neujahr aus. Kurzfristige Entlassungen treten immer mehr an Stelle des früher üblichen tageweisen Aussetzens In der Landwirtschaft und beim Bau lag der Arbeitsmarkt still. Bei den Steinen und Erden verschlechterte sich die Lage stoßweise. Bedenklich stieg die Arbeitslosigkeit weiter beim Metall. Der erwartete Rückschlag trat bei den Nahrungs= und Genußmitteln ein„während der Rückgang der Jahreszeit bei der Bekleidung noch nicht zum Stillstand gekommen ist. Romau von J. Schneider=Foerstl. 41. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Alsen bäumte sich auf.„Alles dein Werk?“ „Nein.— Ich bin zwar nur eine Frau, aber ich gebe dir das Ehrenwort, daß ich nichts damit zu tun habe. Joe ist schon seit vorgestern abend hier. Ihr waret zu zuversichtlich.— Uebrigens habe ich auch keinen Grund, Krappe und Skout zu bemitleiden.“ Er sah nach der Decke, wo eine Fliege langsam über das Weiß der Stukkatur kroch. Dann glitten seine Augen von dieser ab und hefteten sich auf das Muster des Teppichs.„Du hast dich also nur meiner Person versichert?“ „Nur der deinen," bestätigte sie.„Du erlaubst, daß ich dir ein Glas Wein bringe? Mir macht es den Eindruck, als könntest du das sehr notwendig gebrauchen.“ „Etwas Wein mit Gift!" lachte er sarkastisch.„Das kenne ich.“ Sie erwiderte nichts, verließ den Raum und kam schon nach einer Minute wieder mit einem gefüllten Kelchglas zurück.„Du mußt erlauben, daß ich es dir an die Lippen führe, Magnus“ bat sie.„Die Hände darf ich dir nicht freigeben.“ Er hob sie trotzdem und schob den schweren, geschliffenen Becher mit ungeschickten Fingern zum Munde. Ohne ihn abzusetzen leerte er ihn bis zum letzten Rest.„Möglicherweise habe ich dir sogar noch zu danken.“ Offener Spott glomm in seinem Blicke auf. „Vielleicht.“ Sie drückte die Achseln etwas hoch.„Wo ist Lilon?“ „Ich denke sie wird noch schlafen.“ Er vermied es, sie anzusehen und ließ die Augen durch das große offene Fenster schweifen, durch welches das helle Rot der Morgensonne brach. „Und Oellers?“ forschte Ninon. Es kam keinerlei Antwort. „Höre, Magnus, du weißt doch sicher, wo er f.“ Er erwiderte nichts, betrachtete nur die feingliedrige Kette an seinen Gelenken und lächelte sarkastisch.„Du machst deine Sache nicht klug, Ninon!— Du mußt ganz anders fragen, um etwas aus mir herauszubekommen.“ „Ich will dir ja gar nichts herauslocken, mein Lieber. Nur sagen sollst du mir, ob er tot ist.“ „Diesen Bescheid mußt du dir von Krappe holen.“ „Von Krappe und Skout! Schön!— Tandey wird das schon besorgen. Mich geht das ja weiter nichts an! Komm jetzt!" „Wohin?“ „Ich möchte so gerne jedes Aufsehen vermeiden, Magnus! Du mußt gestatten, daß ich dich durchsuche nach Waffen und so——— Er verlor alle Farbe.„Das nenne ich Kameradschaft.“ Aber er hielt ruhig, bis es geschehen, bewegte kaum die Hände und sah mit unsäglicher Verachtung, wie sie ihm den Browning aus der Tasche nahm. „Auf der linken Brustseite halte ich vier Millionen Franken versteckt,“ höhnte er. „Sie liegen gut,“ lächelte sie.„Aber wir haben nicht mehr viel Zeit. Wenn du kein Aufsehen erregen willst, wirst du mir jetzt folgen.“ Sie holte einen Umhang aus dem Raume nebenan und legte ihm denselben über die Schultern, so daß seine gefesselten Hände vollkommen verdeckt waren. „Nun komm!“ Er sah, wie sie den Browning zu sich nahm, und ging voran. Ein Hotelbediensteter, der ihnen auf der Treppe begegnete, ahnte nicht das Geringste und ließ sie ohne jeden neugierigen Blick passieren. Sie verließen das Haus durch eine rückwärtige Türe, die nach einer unbelebten Straße mündete. Alsen stieg ohne weiteres in den Kraftwagen, der bereitstand und dessen Motor angeturbeit war. Ninon sprang nach, dann glitt das Auto dahin. Der Baron lehnte den Kopf zurück und starrte ins Leere.„Verspielt!—— Verraten von einem Weib.“ Die Fahrt war endlos. Mit keinem Worte unterbrach Ninon das Schweigen. Man ließ die Flucht der Häuser zurück und kam auf freies Gelände. Wiesen dehnten sich, Waldspitzen tauchten in das Blau, braune Ackerkrume schob sich über den Boden, meilenweit sprang die Ebene ins Land. Nun hielt der Wagen. Ein gutes Stück abseits hörte Alsen das Surren eines Flugzeuges Es war ein Eindecker, der mitten in der weiten Fläche stand, über die sie schritten. Der Pilot war unglaublig jung, fuhr an die Mütze und half Ninon auf den Sitz am Steuer. Sie bat mit einem Blick Alsen neben sich, winkte dem jungen Manne dankend zu und legte die Hand auf den Hebel. Die Maschine holperte erst dahin, dann hob sie sich, schraubte sich immer höher, kreiste in mächtigen Bogen und tauchte zuletzt in die rosigen Wolken hinein, welche das Firmament umsäumten. Ninon trug ein Strahlen im Gesichte.„Ich würde dir so gerne jetzt die Ketten abnehmen, Magnus, aber ich darf die Hände nicht vom Steuer lassen. Du mußt mich als gefesselter Mann anhören: Ich konnte dich nicht anders retten, als auf diese Weise.“ Es riß ihn herum.„Retten?——— Du mich retten?“ ——" Sie wandte ihre Aufmerksamkeit der Seine zu, welche in breiter Schlinge dünnflüssiges Silber unter ihnen hinwegschob. „Ich war gestern bereits im Begriffe, in das Palais Malmain zu gehen, um dich zu warnen, als ich Joe vor demselben patroullieren sah. So konnte ich nur ein Telegramm wagen. Gottlob, du kamst. Du wärft ihn unsehlbar in die Hände gelaufen.“ „Und Krappe und Skout?“ „Ich sagte dir schon, ich habe keinen Grund, die beiden irgendwie zu schonen oder zu bemitleiden. Tandey kann mit ihnen machen, was er will. Er wird sie schon zum Reden bringen.“ „Warum hast du mich gekettet," frug er mißtrauisch.. mein Gicher „Frag mich jetzt nicht so viel, mein Lieder. Sie sah angestrengt nach dem Häusermeer und ließ die Maschine noch einige hundert Meter aufwärts steigen.„Wenn ich dir gesagt hätte: Flieh!— so wärst du totsicher geblieben. Einmal, weil du mir nicht geglaubt haben würdest und dann, weil du doch jedenfalls dich als tapferer Mann zeigen wolltest, der nicht von einer Frau gerettet sein will. Also mußte ich dich erst zu meinem Gefangenen machen, kannst du sehen, ob das dort rechts von uns ein Flugzeug oder ein Wolkensetzen ist?“ „Ein Wolkensetzen", beruhigte er. Er starrte nach der Richtung hin, bis seine Augen tränten. „Dann ist es gut. Wir werden in etwa drei Stunden von Paris weg landen, dann mache ich dir die Hände frei.“ Er lehnte den Kopf zurück und fühlte, wie ihm etwas über die Wangen rann. „Es gab noch einen Menschen, der Treue hielt.— Und dieser Mensch war eine Frau.“ * Tandey hatte Skout, als dieser das Billet in Saint Germain löste, unvermittelt die Hand auf die Schulter gelegt.„Sie reisen allein?“ Skout ließ die Brieftasche fallen und stand wie eine weiße Mauer. Das fahle Gelb der Wangen setzte sich bis in die Lippen fort. Nur die Augen standen rot unterlaufen. „Wo ist Krappe?“ Tandey hielt die Linke in der Tasche und ließ ihn nicht aus den Augen.„Ich habe Sie noch vor einer halben Stunde zusammen gesehen. „Er wollte nicht mitkommen“, stieß Skout heraus, taumelte und verlor auch noch den letzten Rest von Farbe, als Krappe im selben Moment unter der großen Flügeltüre der Halle auftauchte. Er fuhr mit dem Zeigesinger der Rechten nach der Stirne. Es war das verabredete Warnungssignal.(Forts. folgt.) Son.ag, 12. Januar 1930 2.30 Uhr W. S. V. e Schwerte, den 10. Januar 1930. Gedenktage. 11. Januar: 1798 Der Maler Karl Rottmann in Handschuchsheim geboren(gestorben 1850).— 1841 Roß entdeckt festes Land im Südpolargebiet.— 1871 Der Kolonisator und Verlagsbuchhändler Hermann Meyer in Hildburghausen geboren. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 9. Januar. Das Hochdruckgebiet über Südosteuropa hat sich weiter zurückgezogen, während das neue Tiesdruckgebiet in Ausläufern über Westdeutschland vorgedrungen ist. Diese verursachten hier heute früh erneute Trübung und Regenfälle bei 2 bis 6 Grad Wärme. Sonst war es in Deutschland noch trocken aber meist wolkig, im Osten und Süden bei leichtem Frost. Der Kahle Asten hatte schwachen Südwind, Schneefall und 0 Grad. Wetteraussichten bis Samstag: Veränderlich, zeitweise Regen und mild bei südwestlichen Winden. + Angefahren. Gestern abend wurde auf der Brückstraße ein junger Mann, der einem Kraftwagen ausweichen wollte, aber nach der verkehrten Seite sprang, von diesem angefahren und zur Seite geschleudert. Der junge Mann flog auf das Straßenpflaster und mußte mit einer heftig blutenden Kopfwunde einen Arzt aufsuchen. + Allgemeine Ortskrankenkasse. Unter dem Vorsitz des Bankdirektors Klein tagte gestern abend der Ausschuß der allgemeinen Ortskrankenkasse im Lokale Kleudgen, nachdem vorher der Vorstand zu einer kurzen Besprechung zusammengetreten war. Der Voranschlag für 1930, der in Einnahme und Ausgabe auf den Betrag von 242000 Mk. abgeschlossen ist, wurde eingehend durchberaten und genehmigt. Zu Rechnungsprüsern für die Jahresrechnung 1929 wurden die Herren Kraumendahl, Goertz und Ellinghaus gewählt. Ueber eine beantragte Erweiterung der Familienversicherung bezüglich der Krankenhauspflege soll in einer außerordentlichen Ausschußsitzung Anfang Februar Beschluß gefaßt werden. Als gefunden wird gemeldet ein Damenhut. Die Verliererin kann diesen bei der Polizeiverwaltung in Empfang nehmen Als Facharzt für innere Krankheiten und gleichzeitig als Leiter der Inneren Abteilung des Marienhospitals hat sich in unserer Stadt Dr. med. Wilh. Bücken niedergelassen. Hinsichtlich der Sprechstunden weisen wir auf das Inserat in unserem heutigen Anzeigenteil 11. * Zu einer schweren Schlägerei kam es am gestrigen Nachmittag gegen 4 Uhr zwischen Erwerbslosen auf dem hiesigen Marktplatz. Bekannte Raufbolde konnten es sich nicht verkneifen, gegeneinander ins Feld zu ziehen und sich gründlich zu verprügeln. Eine große MenDie Kälteperiode vor einem Jahre.—„Die linden Lüfte sind erwacht.“— Schmetterlinge und Maikäfer im Januar.— Der verstärkte Schwerter Abendbummel.— Licht und Sonne über all. * Dieser Januar spottet bis jetzt allen vorjährigen winterlich unliebsamen Geschehnissen, die damals bis in den März hinein frostig und eisig sich Geltung zu verschaffen suchten u. nichts mehr haßten als schützende Ohrenklappen, saustdicke Pelzgarnituren und nußkohlengefüllte Kachel= und Küchenöfen. Nichts erinnert z. Zt. an des Hauses gesellige Flamme, um die sich vor nicht weniger als zwölf Monaten frierende und von der erstarrten Natur eingeschüchterte Menschlein einfanden; und selbst die Vollblütigsten unter uns mußten leidvoll bekennen, daß auch ein Ueberschuß an Blutkörperchen zum Schutz gegen die Kälteperiode, die erbarmungsund schonungslos keinen Abschluß nehmen wollte, nicht ausschlaggebend war. Im Gegenteil, alle Welt erzählte sich von erfrorenen Finger= und Nasenspitzen; in die Ohrläppchen wühlte sich der Frost tief hinein, daß man vor Schmerz hätte aufschreien mögen und diese unsanften„Nadelstiche“ brachten den ganzen Körper in Aufruhr. Den Wintersportlern, jenen abgehärteten Gestalten, die sonst im kühnen Telemarksprung den Schnee silbern unter sich zerstäuben ließen, oder jene Eisakrobaten, die schlittschuhbewaffnet graziös über blitzende Eisflächen sprangen und weit ausholend einen Bogen nach rückwärts schlugen, ging dieser Quecksilbertiesstand ebenfalls über das erträgliche Maß hinaus und die meisten von ihnen zogen es darum vor, in der Nähe wärmeproduzierender Gegenstände ihre kurzen Tage zu verbringen. Knacken und Versten im Geäst schneeverhangener Wälder, wo alles Leben einer tiefen unnahbaren Einsamkeit und großäugigen Bangigkeit Platz gemacht hatte. Kurzum, es waren Wochen, verlebt in sibirischen Verhältnissen, wo sich Stadt und Land in eine„Taiga“ verwandelt hatte, in winterliche Stille und Vergessenheit. Beliebt ist es, Vergleiche auch da anzustellen, wo sich Gegensätze stark geltend machen und dergleichen Erinnerungen, wie sie eben geschildert wurden, werden unwillkürlich wachgerusen, wenn, wie es augenblicklich der Fall ist, von einem sogenannten„Januarfrühling" die Rede sein kann. Dieser„Januarfrühling“ verschafft sich besonders in unserem schönen, immerhin geschützten Ruhrtale Geltung und fast alle Wetterpropheten, die im letzten Sommer einen bevorstehenden strengen Winter ankündigten, haben einmal gründlich versagt. Schiller singt von der Paarung des Strengen und Milden, was einen guten Klang geben soll, aber selbst von einem solchen, in diesem Falle harmonischen„Familienleben“ der einzelnen Temperaturen ist nichts zu spüren. „Die linden Lüfte sind erwacht", kann man mit dem Dichter jetzt sagen, der bestimmt seine lieblichen Verse nicht in einem Wintermonat zu Papier gebracht hat.„Sonnenschein und linde Luft.“ Abgesehen von einigen frischen Abendböen ist von Kälte nichts zu merken, im Gegenteil, tagsüber lacht am Himmel der goldene Sonnenball, der mit seinen wärmenden Strahlen das Wachstum in der Erde schon frühzeitig eifrig fördern hilft, allzu vorwitzigen Faltern die ersten Flugversuche unternehmen läßt und einige Käfer, die der Jugend sonst erst im Mai begehrenswert erscheinen veranlaßt, sich die noch wenig farbenfroh anmutende Welt mit neugierigen Stecknadeläugelchen anzuschauen. Und wenn aus einem Orte die Mitteilung gemacht wird, daß bereits blühende Stiefmütterchen die Vorgärten zieren, schüttelt man unwillkürlich über ein solches Witterungsgebahren das weise Haupt. Der Schwerter City=Bummel in den Abendstunden erfreut sich in diesen Tagen eines lebhaften Zuspruchs. Sonst befürchtete Hustenund Schnupfenmiseren verlieren jetzt selbst bei Degradierung modernster Wintermäntel an ihrer Stabilität und in den Rathausanlagen und auf der Hörderstraße läßt es sich gar ansprechend lustwandeln. Liebespärchen, die bekanntlich sehnsüchtig nach Lenzesduft und Nachtigallenschlag in weichen Winden schmachten, erhalten nun bereits im Januar einen Vorschuß auf die Seligkeit, indem kein scharfer Nordwind und nässende Schneeflocken das traditionelle Stelldichein zu zersausen vermögen. Auch dieser„Frühlingsjanuar“ hat bestimmte Lichtseiten aufzuweisen. Und wenn dann einmal der Himmel seine Regentore öffnet, werden wir Menschen gleich mißmutig und verdrießlich. Das macht, weil uns dieser Winter bis jetzt noch verwöhnt hat und wir uns so sehr nach Licht und Sonne sehnen. Die Schwerter Sonne kann so bezaubernd nett lächeln, überhaupt dann, wenn sie die vielen emsigen Menschen sieht, die nach den Feiertagen mit doppeltem Eifer ihren Pflicht erfüllen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn man auch in der Arbeit Licht und Sonne, den„Januarfrühling" erblickt. Dieser Frühling sollte auch dann erhalten bleiben, wenn es auch hin und wieder draußen stürmt und schneit und dunkle Tage das Herz schwer und traurig stimmen wollen. Nie den Mut verlieren, wie es uns Cäsar Flaischlei ans Herz legt und diese Stunden, wie wir sie augenblicklich erleben, sind ganz dazu angetan, uns auch in der kommenden Zeit ein fröhliches Auge zu bewahren. Dankbar sind wir für diesen„Januarfrühling“ in mancher Beziehung und wenn uns auch vielleicht noch kalte unwirtliche Wochen bevorstehen, wir wollen seiner stets gedenken. Möge er auch auf unser Volk symbolisch angewandt ein glücklicher Austakt bedeuten. L=x. Sportplatz:„Im Reiche des Wassers schenmenge wurde Zeuge dieser häßlichen Vorgänge. Die herbeigerufene Polizei schritt ein und stellte die Ruhe wieder her.— Da sich derartige Zusammenstöße in der letzten Zeit an dieser Stelle mehrmals wiederholt haben, wäre es angebracht, von zuständiger Stelle aus mit„eisernem Besen“ gegebenenfalls eine Reinigungsaktion vorzunehmen. Es gehört nicht zu Seltenheiten, daß die Ruhe der Marktplatzanwohner zur nächtlichen Stunde durch derartige Flegeleien empfindlich gestört wird. In den meisten Fällen handelt es sich immer wieder um dieselben Elemente, die die Passanten in gröbster Weise belästigen und derartige Schlägereien unter sich austragen. : Der Touristenverein„Die Naturfreunde“ Ortsgruppe Schwerte, hat in nächster Woche ihre erste Monatsversammlung im Gasthof„Posthorn“ Inh. Horst. Die Natursreunde=Bewegung hat sich das Ziel gesetzt, Jung und Alt zu lebensfrohen, mit der Natur vertrauten Menschen zu bilden. Jugendleitertag am 12. Januar in Iserlohn. Am 12. Januar findet in Iserlohn im Bahnhofshotel Dieckmann und Nickel eine Jugendleitertagung der Gruppe Iserlohn=Schwerte statt, zu der alle Vereine ihre Vertreter entsenden müssen. ha Lohn für Feiertage. Die Lohnzahlung der gesetzlichen Wochenfeiertage an Arbeiter bei den Reichsverwaltungen war fraglich geworden. Der Reichsminister der Finanzen bemerkt jetzt dazu, daß ein ohne Lohn beurlaubter Arbeiter für einen in diesem Urlaub Wochenfeiertag keinen Lohn erhält. Dagegen ist der Lohn für den Wochenfeiertag zahlbar, wenn der Urlaub ohne Lohn am Tage nach dem Wochenfeiertage beginnt oder am Tage vor dem Wochenfeiertage endet. Im Wege der Zwangsvollstreckung werde ich am Samstag, d. 11. Jan. 1930, vorm. 10 Uhr, in Schwerte, Westenstr. 15 1 Ledersosa, 1 Küchenschrank, 1 Klubsessel, 1 Plüschsofa, 1 Schlafzimmerbild, 1 Drehbank, 1 Bettstelle, 1 Küchenbüfett, 2 Kamine u. a. m. 144 öffentlich meistbietend gegen sofortige Bezahlung verkaufen. Schwerte, 10. Jan. 1930. Kötter, Gerichtsvollzieher kr. A., Moltkestraße 23. Die erkannte Person, die gestern abend aus der Wirtschaft Wächter einen grünen Lodenmantel entwendet hat, fordere ich hiermit auf, den Mantel bei mir wieder abzugeben, andernfalls Anzeige erstattet wird. 146 Alex Wächter, Hagenerstr. Wünschen Sie gute und preiswerte So gehen Sie in die PI Buchhandlung Carl Braus S Nach langjähriger Ausbildung am städt. Elisabethkrankenhaus Aachen und Marienhospital Aachen-Burtscheid habe ich mich in Schwerte als Facharzt fürinnere Krankheiten niedergelassen und gleichzeitig die Leitung der Innern Abtellung des Marienhospitals übernommen. 127 Dr. med. Wilh. Bücken Sprechstunden vorläufig im Marienhospital; ab 15. Januar Nordwall 6(Telefon 2798), nachmittags von 3½—5 Uhr und nach vorheriger Anmeldung. Samstagnachm. u. Sonntags keine Sprechst. Mälner Gesangverein geintracht E R 6 S 7 E (Hagkeiter: Lohrer Master lücher, Traete am Sonntag, den 12. Januar 1930, nachm. 4 Uhr im Hengstenbergschen Saale In Ergste. Mitwirkende: Geschwister Klempt, Schwerte Herr Fred Peters, Schwerte Nach dem Konzert Wir drucken alles! Buchdruckerei C. Braus. Odeon-Lichtspiele Heute bis Montag Das Programm der Sensationen Sensationsfilm in 6 Akten Eddie Polo in der Hauptrolle. Sein größter Coup Kriminal- und Sensationstilm in 6 Akten William Fairbanks in der Hauptrolle. = Lustspiel= 142 = Lichtspiele zur Reichskrone= * IETETTZE Heute bis Montag große amerikanische Sittenfilm: Euré Töchters Ein Mahnruf an alle Eltern der Welt von Capt. La W. Marden, Leiter des Jugendgerichtes von Los Angeles. Ein Film, den sich alle Eltern heranwachsender Töchter ansehen sollen. Außerdem zeigen wir: Charlle Chaplin Lustspiel in 6 Akten. = Morgen nachmittag 4 Uhr: 223 Kinder-Vorstellung:# F w 4 A ers * Die heutige Ausgabe umfaßt Seiten! Kien Anger6: dute Qualitäten zu billigen Preisen! Kaffee stets frisch geröst., Pfd. v. 2½ an Plockwurst... Pid. von 1.30 an Sülze P#. 0.68 Kleinfleisch in Gelee, Pfd. 0.68 Kleinfleisch gepokelt, Pfd. 0.56 Bierwurst bayrische.. Pid. 1.42 Gekocht. Schinken ¼ P. 0.55 Holl. Molkereibutter Pfd. 2.10 Käse holländer,... Pfd. 1.02 Allgäuerrü 0.68 Erbsen la weichkochend, Pfd. 0.33 MINNR Ess-Aepfel Extra-Angebot s 5 Pfd. 0.55 5 Pfd. 0.75 Freitag und Sonnabend Doppelte Sparmarken! EUITE Schwerte, ERTOHNüsingstr. „„ Aie TTT3 T (13. Fortsetzung.) Das traf Aber zu ihrer Ehre sei es gesagt, Brunhilde dachte dabei weniger an sich selbst, als an ihren Gatten. Das mußte Hans Peter um jeden Preis erspart bleiben! Das durfte er nicht auch noch zu ertragen haben! Sie sah dessen ernstes, hagergewordenes Gesicht vor sich, und gedachte des Augenblicks, da er, aller Fassung bar, sich zegen die Wand gelehnt hatte Und sie hatte ihn noch beschimpft für das, was er an ihr getan. und ihn beschuldigt, das Erbe Bernds an den Ruin zu bringen. „Lassen Sie mich jetzt allein!“ Es war ihr fast unmöglich die Worte zu formen.„Sie brauchen keine Angst zu haben, daß ich Ihnen entwischen will. Für den Moment geht es über meine Kraft mit Ihnen weiter zu unterhandeln.— Kommen Sie morgen vormittag zwischen neun und zehn, dann werde ich Ihnen Bescheid sagen.“ „Ich danke Ihnen. Baronin. Auf Wiedersehen!“ Die Zofe fand die Herrin auf dem Teppich zusammengebrochen und alarmierte das ganze Haus. Ein Arzt kam — ein zweiter folgte auf dem Fuße— der Direktor des Palace=Hotels schloß vorsichtig die Türe, um nichts über den Vorfall durchsickern zu lassen. Schließlich war eine Ohnmacht doch kein Ereignis, an dem man starb. Für den Betrieb war es immerhin besser, wenn nichts davon in die Oeffentlichkeit kam. General Lötzen hatte mit Bernd eine Segelpartie gemacht und kam bester Laune den sonnenbeschienenen Weg zum Hotel herauf. Der Chef des Hauses bat ihn für einen Moment in sein Privatzimmer und setzte ihn schonend von der Unpäßlichkeit der Baronin in Kenntnis. Lötzen erschrak zwar für den Moment, aber dann lächelte er nachsichtig: Vielleicht ein Kleid, das die Schneiderin nicht prompt geliefert hatte oder etwas Aehnliches, sagte er schon wieder beruhigt „Es wäre zu hoffen, Exzellenz!“ Ohne Bernd zu informieren, ging der General nach den Zimmern die seine Tochter bewohnte. Er ließ dem Enkel bestellen, er solle seinen Nachmittagstee in der Halle trinken, da er Wichtiges mit der Mama zu besprechen habe. Was sollte der Junge sich die paar schönen Tage durch die Laune einer Frau verderben lassen. Aber er revidierte sein Urteil sofort, als er einige Minuten später bei seiner Tochter eintrat und sie im Halbdammer auf einer Chaiselongue liegen sond „Also wirklich etwas Ernstes, vemitleibete er sie.„Eine Magenverstimmung? Das Nesselrode=Eis, das du zum Nachtisch genommen haft, war etwas reichlich. Er strich mit den feingeäderten, schmalen Händen das weiße Haupthaar zurück und glättete dann das Silber seines Spitzbartes. Nach Brunhildes Gelenk greifend, zählte er deren Pulsschläge. „Eine Aufregung gehabt, wie?— Die Zofe hat mir gesagt, es wäre Besuch dagewesen. Gott, wie kann man sich nur A von jedem Krethi und Plethi so aus dem Gleichgewicht bringen lassen!“„4 43 in 9i. Brunhilde sah nicht auf und bruckte das Gesicht lief in die seidenen Kissen, die zu Dutzenden auf dem Sofa plaziert waren.„Möchtest du in meinem Namen ein Telegramm an Hans Peter schicken?“, „Gerne! Aber ich glaube, es ist wirklich nicht notig, Kind, ihn in Schrecken zu setzen, nur weil du dich für eine Stunde etwas unpäßlich fühlst.— Zudem, so wie ihr zueinander steht, ist es mir rätselhaft, daß dich jetzt plötzlich nach ihm verlangt. „Ich habe ihm Unrecht getan, Papa.“ „Wie?“ „Ich habe dir von seinem Rendezvous im Parke erzählt.“ Brunhilde wartete bis der General nickte.„Die Sache verhält sich wesentlich anders. Die Dame, welche heute bei mir war, hat mich aufgeklärt, daß die zwanzigtausend Schilling, die er ihr bot, das Schweigegeld für meine Beziehungen zu Oertzen seien.“ „Weiß diese Dame davon?" Lötzen nagte ärgerlich an seinem Schnurrbart. „Sie ist Oertzens rechtmäßige Frau!“ „Donnerwetter!" „Ich habe das nicht gewußt, Papa.“ „Ich will es glauben.— Solche Geschichten sind mir ungemein zuwider, Brunhilde, weil sie schmutzig und ehrlos sind — und aufrichtig gesagt, dein Mann hat sich da wirklich als Kavalier benommen. Ein anderer hätte dich hinausgeworfen. „Wenn er nur ein Wort gesagt haben würde!“ „Das ist es eben, das ich ihm so hoch anrechne. Wenn die Sache wirklich nicht mehr ins Blei gebracht werden kann, von Liebe zwischen euch war ja ohnedies nicht mehr die Rede, wie?" Statt einer Antwort hob Brunhilde beide Arme nach ihm, zog ihn zu sich herab und barg in stoßweisem Schluchzen das Gesicht an seiner Schulter. Ihr Weinen war so kindhaft erschütte lnd, daß der General seine Augen feucht werden fühlte. Er ließ sie eine Weile gewähren und sagte tröstend über ihren Kopf hinweg:„Kind, das sind ja sehr eigentümliche Eröffnungen, die du mir da machst, wenn du sie auch nicht in Worte kleidest. Das konnte ich natürlich nicht ahnen. Nach all dem. was du geschrieben und gesagt hast, kam ich zu der Ueberzeugung, daß du nur noch auf Bernds Volljährigkeit wartest, um die Scheidung gegen deinen Mann anzustrengen „Bernd!— Rufe ihn mir doch, Vater!" „Laß den Jungen, Hilde!“. Er drückte die Tochter in die Kissen zurück.„Nimm ihm das bißchen Ferienfreude nicht. Er ist ohnedies schon viel zu ernst für seine Jahre. Mit einem Fuß bei dir— mit dem anderen bei seinem Vater. das muß ihn allgemach in Stücke reißen. Du würdest es bitter bereuen, wenn er dir genommen würde.“ Sie erschauerte, als ihr der General so mahnend in die Augen sah:„Wenn du noch gut machen kannst, dann tue es, Brunhilde, ohne Zögern. Sie nickte zustimmend.„Ich werde den Nachtschnellzug benützen, um heimzukommen. Lötzen zog die Stirne in Falten:„Nur keine Extreme, Kind! Erst ein Brief, der ihn vorbereitet, dann wartest du seine Antwort ab. Es fragt sich, ob es ihm erwünscht ist, wenn du so plötzlich eintriffst.— Er braucht doch auch seine Zeit, darüber hinwegzukommen. g. 1161115. Sie errötete und preßte die Lippen ausemander. Ob er je darüber hinwegkommen würde? Jedenfalls wollte sie nichts unversucht lassen, ihm den Beweis zu bringen, daß sie niemals dem Grafen zu eigen gewesen war. Freilich, die Küsse und die Minuten des Erschauerns in seinem Arm ließen sich nicht mehr aus der Welt schaffen:„Ich werde ihm also treben. e Seur 4 Der General empfano Ervarmen mit dieser ossensichtlichen Not der Tochter und strich beruhigend ihren Arm entlang. „Weiß Bernd um all das Häßliche?". Brunhildes Rot vertiefte sich, wayreno sie das veschamende „Wie traurig!“. Lötzen stand auf und sah wehmütig auf die schöne Frau herab.„Hast du gar nicht bedacht, Brunhilde, was du dem Jungen damit antust und was du alles in ihm zerstörst? Den Glauben an deine Reinheit! An die Makellosigkeit deines Frauentums! Den Glauben überhaupt an alles, was den Namen Weib trägt!— Du hast dich beklagt, daß das Kind mehr auf der Seite deines Mannes steht. Findest du das nicht in der Ordnung? Ich möchte fast sagen, es ist ausgleichende Gerechtigkeit. Du willst Oertzens und Bernds Liebe und Hans Peter sollte leer ausgehen. „Schweig, bitte,“ Brunhilde hielt sich die Ohren zu. „Es muß einmal gesagt werden, mein Liebes. Mit Halbem ist nichts getan. Ich will jetzt nach Bernd sehen. Wir wollen ihm nichts von Allem sagen. Du schreibst Hans Peter! Wie ich ihn kenne, wird er Antwort geben.— Welche— das läßt sich natürlich nicht voraussagen. „Entschuldige mich abends bei unseren Freunden, ich könnte heute nicht tanzen und wenn es um meine Seele ginge!“ Brunhilde richtete zusammenfröstelnd einen Wall von Kissen um sich auf..., persiaß he: Bimmer gEhe Der General versprach es und derneg dus Immer. Ehe die Klinke einschnappte, sah er noch einmal nach ihr hinüber.„Ich lasse den Abendtisch hier auf dem Zimmer servieren!“. Es wird dir lieber sein!"..... Sie nickte dankbar, dann verklang sein Schritt auf dem Läufer des Korridors. Den Kopf weit zurückgebogen, starrte Brunhilde nach der Decke und sah wie auf einer Flimmerleinwand ihre Ehe an sich vorüberziehen. Sich selbst als kaum Neunzehnjährige im myrtenübersäten Brautgewands und dem keuschen Hauch des Schleiers. Hans Peter ernst, ganz seiner Würde bewußt, bereits mit vierundzwanzig Jahren einem Weibe Gatte zu sein. Darauf die Flitterwochen, voll rosenfarbener Zukunftsträume erfüllt und ganz vom Liebestaumel durchtränkt. Das erste ernste Zerwürfnis um ein Lächerliches und dann das Wiederversöhnen. Bernds erstes, schüchternes Klopfen unter ihrem Herzen! Ihre Angst vor dem Mutterwerden und Hans Peters stolze Freude, als sie ihm den Erben gebar. Dann das Erkennen, daß Anstetten verschuldet war, ihr Drängen es zu verkaufen und sein Widerstand, da er wollte, daß es dem Jungen erhalten blieb. Das schuf den ersten, tiefen Riß, der immer weiterklaffte, zuletzt so weit, daß nicht einmal das Kind denselben überbrücken konnte. Sie sah ihn vor sich stehen, wie er, die Lippen halb zerbissen, darum bat, einen Teil ihres Vermögens, das sie selbst verwaltete, als Hypothek auf Anstetten eintragen zu lassen, ihr Widerstreben und zuletzt die Forderung der Trennung, wenn sie ihm wilfahre., Lemstigun) 92s alls Fr. Sie fühlte erst heute, wie vemungent dus aues für ihn gewesen sein mußte! Ein leises Klopfen riß sie aus ihrem Erinnern. Bernd steckte den Kopf herein und lachte ihr entgegen: „Darf ich mich ein klein wenig zu dir setzen? Ja?“. Er wartete etwas, bis sie gegen die Wand geruckt war und ließ sich dann auf dem Rand des Sofas nieder.„Denke dir, was ich soeben Komisches erlebte. Ich habe in der Halle Tee getrunken. Du weißt doch an dem Ecktisch, wo wir unseren Stammplatz haben— da sah ich auf einmal Papa die Treppe herabgehen und auf mich zukommen. „Tatsächlich, Mama!— Ich bin aufgeschnellt und wollte von dem alles, aber auch alles für sie abhängen würde. Ob sie die rechten Worte fand? Ob er ihr Glauben schenkte? Ob er mit der Frau, die einen anderen geküßt hatte. noch Gemeinschaft haben wollte? Damals— als er sich hatte hinreißen lassen, ihr seine Liebe zu zeigen, war wohl noch kein Verdacht in ihm gekeimt, daß sie mit Oertzen tändelte. Und am Tage vor ihrem Weggehen von Anstetten, bei dieser häßlichen Szene, hatte er die Worte hervorgestoßen:„Wenn du nicht— die Frau eines—“ 2 gn d: nicht Was hatte er damit sagen wollen? Woyl, wenn ou nicht die Frau eines Edelmannes wärest, würde ich dich jetzt zu Boden schlagen! Sie schauerte zusammen. Die Eröffnung durch Oertzens Gattin mußte ihn furchtbar getroffen haben. Es wäre besser gewesen, wenn sie ihm selbst davon gesprochen hätte, aber das war nun nicht mehr zu ändern. Sie ließ sich an ihrem Schreibtisch nieder und ruckte Papier und Tinte zurecht. Dieser Brief war eine eiserne Notwendigkeit, die nicht zu umgehen war. Nach der ersten vollgekritzelten Seite, zerriß sie ihn und zog einen neuen Bogen aus dem Behälter. Verzweifelt suchte sie nach Worten und fand keine, wenigstens die nicht, welche ihr den Rückweg zu dem Gatten bahnen sollten, die Worte, die ihre Schuld unbeschönigt und doch nur in dem Maße zeigten, als sie wirklich gefehlt hatte. W Nach einer Stunde ließ sie die Feuei sinken Es war unmöglich! Die Augen fielen ihr zu. Sie konnte sich kaum mehr so weit aufraffen sich zu entkleiden und ihr Lager aufzusuchen. Morgen würde es leichter sein, ihren Bericht an Hans Peter abzufassen. Morgen! Schwer wie Blei ruhte ihr Körper in den batistbezogenen Kissen des Bettes. Morgen! Fern im Westen, wo die See mit dem nächtlichen Himmel in eins verschmolz, zuckte ein Wetterleuchten! „Tatsächlich, Mama!— Ich bi. 8 ihm die Hand schutteln, da war er schon wieder fort. „Junge, wie kann man am hellen Tage träumen!“ Sie strich sein Haar zurecht und forschte in seinem Gesicht.„Wie ähnlich du ihm bist!“ „Wirklich?“ „Sicher, mein Junge!“ „Ist dir das nicht lieb, Mama?“. Die Knabenaugen verdunkelten sich etwas..,„. g 4t is, 18 4. „Doch Bernd! Sehr lieb sogarl Vieneicht reise ich schon mit dir zurück, wenn deine Klasse beginnt. Ich habe das Treiben hier herzlich satt.. Er umfing sie mit Ungestüm und rußte sie, duß sie kaum mehr Atem fand. Als der General eine Viertelstunde später Nachschau hielt, saßen Mutter und Sohn am Schreibtisch und suchten Photos aus, die Bernd seit ihrem Hiersein aufgenommen hatte. Die schönsten davon wollte man noch heute nach Anstetten schicken. Wie selig der Junge ist, dachte Lötzen. Armes Kind! Vielleicht würde noch alles gut! Nach der Abendmahlzeit blieb man noch bis zehn Uhr beisammen und plauschte. Dann zog sich der General zurück. Brunhilde umfaßte Bernds Gesicht und küßte ihn, wie nie zuvor. Sie küßte den Gatten in ihm. Der Knabe fühlte ihren Mund noch auf dem seinen ruhen, als er längst schon in den Kissen lag und in wohligem Geborgensein die Augen schloß.„ Die schöne Frau ging ruhelos in iyrem Zimmer auf und ab. Die Zofe hatte sie zu Bett geschickt. Vater und Sohn schliefen. Nun kam der Brief an Hans Peter. Der Brief Frau Brunhilde wurde nervös. Zwischen neun und zehn hatte sie die Gattin Oertzens zu sich gebeten. Aber diese war nicht gekommen. Es war schon elf vorüber und sie wurde noch immer nicht gemeldet. Sollte es sich doch nur um eine Erpressung gehandelt haben?. Sie empfand etwas wie Zorn und Beschamung und holle kaum auf das Klopfen, mit dem die Zofe eintrat, und ihr einen Brief überreichte.. n gin Brunhilde riß den Umschlag mit fliegenven Handen an der Schmalseite entzwei. Große, charakterische Buchstaben standen auf weißes Bütten hingeworfen: „Baronin! Unter den gegebenen Umständen verzichte ich auf meine Rache.— Ich werde auch ohne die geforderten zwanzigtausend Schilling schweigen. Möge das Leben Sie mit Ihrem Geschicke aussöhnen. Gertraud Holmfeld.“ Wie schwulstig, dachte Brunhilde. Theatralisch und komödiantenhaft in jedem Wort. Sie haßte alles Bombastische in Rede und Stil.„Möge das Leben Sie mit Ihrem Geschicke aussöhnen." Lächerlich! Sie war schon ausgesöhnt! Und Hans Peter würde es in Bälde sein. Jetzt fand sie auch die Stimmung, den Brief zu schreiben, der ihr heute nacht solches Kopfzerbrechen gemacht hatte. Ueber den Schreibtisch geneigt, hasteten ihre Finger über den Bogen hin. Vier Seiten! Und alles, was sie zu Papier gebracht hatte, war gut...... 84 Juug g. Sie faltete ihn zusammen und abressielle die Hulle. Es würde eine Folter ohnegleichen sein. bis die Antwort von eintraf. Es war erst zwölf Uhr mittags, aber sie trug ein Gefühl der Schwere in sich, als sei es spät nachts und sie zu Tod ermüdet. Vielleicht machte es auch das Alleinsein. Bernd befand sich mit Bekannten auf einer großen Autotour, es konnte Abend werden, bis er zurückkam. Der General hatte die Einladung des Amerikaners Selthon angenommen, einen Tag auf dessen Privatjacht zu verbringen und war nicht vor Einbruch der Nacht zu erwarten. Sie ließ sich auf ihrem Zimmer servieren und nahm dann ein Schlafpulver. Es war das einzige, die Länge des Tages erträglich zu machen. Erst gegen sechs Uhr erwachte sie, und fühlte sich etwas gestärkt. Sie empfand sogar Lust, einen kleinen Bummel zu machen und sich das Treiben aus der Ferne anzusehen. Sie bog eben in die Strandpromenade ein, als sich ihre Augen in ungläubigem Staunen weiteten. Keine zehn Schritte vor ihr ging Gertraude Holmfeld und an ihrer Seite Oertzen. Er trug einen dunklen Anzug und hielt den Rücken etwas nach vorne geneigt, während die Frau auf ihn einsprach..4 W4 Eäcmära u Zufällig wandte diese das Gesicht nach rutrwoarts und richtete eine Frage an den Grafen. Nun sah auch er zurück, lüftete den Hut und verhielt für einen Moment den Schritt, um dann plötzlich ein so rasches Tempo anzuschlagen, daß beide rasch außer Sichtweite waren. Wie tölpelhaft! Das lag doch nicht in Oertzens Charakter, daß er feige auskniff. Vielleicht tat er es nur deshalb, um ein Zusammentreffen zwischen ihr und seiner Gattin zu verbindern. 81 4 n# F Der Spaziergang war ihr gründlich vertewber. Sie machle kehrt und ging nach dem Hotel zurück.. Spät nach zehn Uhr kam Bernd und brachte Eüchen und sprühende Laune mit. Der Tag wäre herrlich gewesen, die Fahrt unvergleichlich schön.„Wie schade, daß du nicht mit dabei sein konntest, Mama,“ bedauerte er, während sie mit Freude konstatierte, wie prächtig er sich in den zehn Tagen erholt hatte. S924s9— 1 WHotllegung wbinr! R OORRR Rer, Der Ganz Schwerte und Umgegend wird davon sprechen! * Dieser Inventur-Ausverkauf bringt ihnen ungeahnte Vorteile! Rücksichtslos hat der Blaustift seine Arbeit getan! Mehr sagen wir nicht. Seien Sie dabei!!! Schwerte " Tehtveitsont Kasochr Leder im Ausschnitt und ganzen Croupons Spez.: Eichengerbung sowie sämtliche Schuhmacherbedartsartikel kaufen Sie am billigsten in der Lederhandlung von OTTO SCHRIEWER Hüsingstraße 14 K 0 Samstag, d. 18. 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