eunr babug siein: Bongoprete habnenalich 1.20 Mak, Einsiaummer 3 Pig. Druck u. Vetagoon C. Brau, Schworte(Kohr), Potscheckonten: Dortmund 2832 und Honnover 21874. Geschäststale: Große Machstr. 3.—3. Verantworlich für die Schrifteitune H. Linner, Schwerte. Hernrus 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblat: Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung hioet, finangamtiche u. gericktliche Dnzeigen 1o0 Vig, Rekono. gele 40 Pf, zus tieson, aufgegedene Onserate üdernehnen wit kaine Gewöbi Bei undorbergesehn. Beiriebestbrungen, vervorgerusen durck bodere Gewalten, übernedmen oir keinerlei Gewäbe süir pünktliches Erscheinen det Jeitung u. kann auch keinerlei Aasoruch auf Schadenersay oder Nachiserung erboden werden Tugebinn für die Eindi Schierir und bud An Westhosen S; Kreivvirn für den nordiichen Tei des Landrreises Fferiohn Nr. 5(Srtes Bland) Schwerte(Ruhrl, Dienstag, den 7. Janaur 1930 u. Johuggng Neues in Kürze. Beschleunigte Fertigstellung des Reichsetats. pw. Berlin, 6. Jan.(Tel.) Der Reichskanzler hat, dem Berl. Tagebl. zufolge, den einzelnen Ressorts den Wunsch mitteilen lassen, die Etats so zeitig wie möglich fertigzustellen. Als äußerster Termin für ihre parlamentarische Verabschiedung gili dabei Mitte April, wobei aber versucht werden soll, den normalen Termin(31. März) nach Möglichkeit innezuhalten. Der Große Staatspreis für Maler. wib. Berlin, 6. Jan.(Tel.) Der Wettbewerb um den Großen Siaatspreis der Preußischen Akademie der Künste für Maler ist heute entschieden worden. Der Große Staatspreis ist dem Maler Walther Mever=Var verliehen worden. Die Wettbewerbsarbeiten sind von Dienstag, 7. Januar, bis Montag. 13. Januar einschließlich, täglich von 10 bis 4 Uhr in der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, öffentlich ausgestellt. Verlegung des Evangelisch=Kirchlichen Auslandsseminars. wtb. Ilsenburg, i. Harz. 6. Jan.(Tel.) Das von der Altpreußischen Landeskirche gegründete und unterhaltene Kirchliche Auslandsseminar, dessen Sitz bisher in Stettin=Grünhof war, ist nach Ilsenburg im Harz verlegt und gestern im Beisein von Vertretern der kirchlichen, staatlichen und kommunalen Behörden und der großen Verbände der deutschen Auslands= und Diaspora=Arbeit feierlichst eröffnet worden. Das Seminar, das in dem alten historischen Schloß untergebracht ist, hat die Aufgabe. Geistliche für den Dienst an den deutschevangelischen Gemeinden in Südamerika, vornehmlich in Brasilien, auszubilden Bericht des Treuhänders für die beusschen Inoustriebbugulionen. Die Verhandtungen un Haug. Die Sitzung der sechs Mächte. wtb. Haag, 6. Jan.(Tel.) Die heutige Vormittagssitzung der sechs Mächte dauerte von 10.30 Uhr bis 12.45 Uhr holländischer Zeit. Sie galt ausschließlich der Frage der Festsetzung des Zahlungstermins, in der Deutschland auf dem Standpunkt steht, daß nach der ganzen Struktur des Youngplans, nach dem bisher gebräuchlichen Verfahren und aus anderen Gründen der Monatsschluß allein in Frage komme. Die Gläubigermächte vertreten demgegenüber die Ansicht, daß der 15. des Monats hierfür bereits durch die von den Sachverständigen in Paris vorgesehene Zahlungsstaffel bedingt sei. Die Erörterungen über diese Frage sind heute vormittag noch nicht abgeschlossen worden, sondern gehen am Nachmittag um 3 Uhr weiter und dürften voraussichtlich noch mehrere Mordserie in einem böhliichen Bbcs. gabe einer Erklärung des Bundeskanzlers Schober zurückgezogen und die weiteren Besprechungen den wib. Königgrätz, 6. Jan.(Tel.) In einem Ort übrigen Mächten überlassen. in der Nähe von Königgrätz wurden acht Personen, Die Danziger Reparation. wtb. Haag, 6. Jan.(Tel.) Die im Haag im Zug befindlichen Bemühungen zur Gesamtbereinigung aller noch unerledigten Reparationsfragen der verschiedenen Schuldnermächte haben Danzig, wie von dort aus bereits gemeldet, Veranlassung gegeben. sich hier mit einer Delegation einzufinden, die aus Senator Kamnitzer und Oberregierungsrat Dr. Ferber besteht. Diese Delegation nimmt zwar an den offiziellen Verhandlungen nicht teil, da Danzig diplomatisch durch Polen vertreten wird, ist aber im Einverständnis mit Polen bemüht, bei dem allgemeinen Schulden=Clearing auch für die Danziger Reparations= und Gründungsschulden Recharge zu Stunden in Anspruch nehmen, da die Frage eine erhalten. Es handelt sich dabei um mehr als 160 ziemliche materielle Bedeutung hat. Im Zusam= Millionen Mark aus verschiedenen Titeln, insbemenhang damit sind Fragen der Finanzregelung sondere um Uebernahme des ehemals preußischen gestreift worden, die z. T. schwieriger Natur sind und Reichsbesitzes aus den Händen der damaligen darunter drei Frauen, unter dem Verdacht verhaftet, im Verlaufe von zehn Jahren drei Männer ermordet zu haben. Im Jahre 1919 wurde der Mann der Hauptbeschuldigten, Bäuerin Bitner aus Polom, ermordet aufgefunden. Im Jahre 1926 wurden der Häusler Joseph Lichy und ein Jahr später der Fleischer Mach ermordet, mit denen die Bitner Verhältnisse hatte. Wer die Mordialen verübt hat, steht noch nicht fest. Kem: Kurzunn sr Viamtengesäister ba fse, wtb Berlin. 6. Jan.(Tel.) Der Bericht des Treuhänders für die deutschen Industrieobliggtionen, Nogara, ist nunmehr der Oeffentlichkeit übergeben worden. Er erwähnt in den einleitenden Bemerkungen, daß die Sachverständigen empfohlen haben, die Belastung, die der deutschen Industrie auferlegt worden ist, in Wegfall kommen zu lassen. Demgemäß soll die Belastung, die zum Zwecke der Reparationszahlungen auf der Industrie liegt, mit dem Inkrafttreten des neuen Pianes verschwinden. Im übrigen enthält der Bericht eine Darstellung der Operationen vom 1. September 1928 bis zum 31. August 1929, die sich auf die Belastung der Industrie beziehen, und die übliche Information über die wichtigsten Industrieunternehmungen und über die industrielle Produktion im allgemeinen. Im Schlußwort heißt es: Der vorhergegangene Bericht für 1927 und 1928 hatte darauf hingewiesen, daß die industrielle Produktion trotz gewisser Depressionsmerkmale einen hohen Stand erreicht habe Der gegenwärtige Bericht für den Zeitraum 1928 bis 1929 weist darauf hin, daß die Lebensfähigkeit gewisser Prdduktionszweige(insbesondere der Grundindustrien) imstande gewesen ist, die seit August 1928 hervorgetretenen Schwächeelemente zu überwinden. Die Förderungsindustrien(Steinkohle. Braunkohle und Kali) haben ihren Produktionsstand aufrechterhalten, und die Eisen= und Stahlindustrie hat die Untätigkeit, die durch die Arbeitsstillegung im November 1928 und durch den außerordentlich strengen Winter hervorgerufen worden war mit Hilfe intensiverer Produktion seit April 1929 erfolgreich bekämpft. Nur die weiterverarbeitenden Industrien, unter ihnen die Textilindustrie, haben eine ungünstige Periode durchgemacht mit dem Ergebnis, daß der allgemeine Inder. als Ganzes genommen, ein Herabsinken in den Zweigen der in Betracht kommenden Produktion zeigt. Dies berührt indessen nicht die Gesamtlage der deutschen Industrie. Ihre Merkmale sind lediglich die einer Periode der Beschwerlichkeit, die durch gewisse Faktoren zugleich wirtschaftlicher und allgemeiner Art, verursacht ist, aber wahrscheinlich nur vorübergehenden Charakter trägt. Nationalisierung der Lustfühel=Indastrik. pw. Berlin, 6. Jan(Tel.) Dem„Börsenkurier" zufolge hat sich der Reichsverband der Lustsahrtindustrie dieser Tage in einer vertraulichen Sitzung mit dem Vorgehen des Reichsverkehrsministeriums gegenüber den Flugzeugfabriken beschäftigt. Das Reich hat sich im Einvernehmen mit dem Reichstag zu einer Rationalisierungsmaßnahme entschlossen, indem es erklärte, daß künftighin nur noch vier Firmen der deutschen Luftfahrtindustrie auf Beihilfen und Aufträge rechnen können und zwar Junkers, Dornier. Heinkel und die Bayrischen Flugzeugwerke. Dabei war seitens des Reichsverkehrsministeriums beiont worden, daß auch die Deutsche Lufthansa anderen Firmen als diesen vier keine Lieferungsausträge erteilen werde. Hierdurch fühlen sich die von der Belieferung ausgeschlossenen Firmen in ihrer Existenz bedroht und haben es bei ihrer Interessenvertretung durchgesetzt, daß der Reichsverband in aller Form gegen die erzwungene Rationalisierung beim Reichsverkehrsministerium protestieren und die Wiederherstellung der Beschafsungsfreiheit verlangen wird. und besondere Besprechungen mit den deutschen Sachverständigen erforderten. Die Zahlungstermine. wtb. Haag, 6. Jan.(Tel.) Die heutigen Verhandlungen der sechs Mächte, die bis 6 Uhr abends andauerten, betrafen eine Reihe von formellen Fragen und eine materielle Frage von Bedeutung. Dei materielle Frage, um die es sich handelt, ist die bekannte der Zahlungstermine, d. h., die Frage, ob der Sinn des Sachverständigenplanes eine Zahlung der deutschen Monatsleistungen jeweils am Ende oder in der Mitte des Monats vorsieht. Da von der Gegenseite die Ansicht geäußert wurde, daß auch die deutschen Sachverständigen, darunter der in erster Linie mit dieser Spezialfrage befaßte Expert Geheimrat Kastl. die Mediozahlungen vorgesehen hätte, ist an diesem von der deutschen Delegation die Bitte gerichtet worden, zur Auskunftserteilung nach dem Haag zu kommen. Er wird Mittwoch hier eintreffen, während Reichsbankpräsident Dr. Schacht nicht vor dem 12. d. M. zur Behandlung der Fragen der Bank für internationalen Zahlungsausgleich im Haag eintreffen kann. Ihm ist die Frage schriftlich vorgelegt worden, wie bei den Sachverständigenberatungen in Paris die „monatliche" Zahlungsleistung verstanden war. Die anderen materiellen Fragen, die noch zu behandeln sind, betreffen die vom Younaplan vorgesehene Umwandlung des positiven Pfandrechts an den bekannten deutschen fiskalischen Einnahmen in ein negatives Pfandrecht, weiter die Frage, was mit den aufgeschobenen Zahlungen unter einem etwaigen Transfermoratorium zu geschehen hat und die Verträge über Liquidationen, wie sie mit England und Belgien abgeschlossen sind und mit Italien uswv. vorbereitet werden. Die Sanktionsfrage ist nicht behandelt worden Es sind schriftliche Vorschläge von französischer Seite angekündigt, die jedoch noch nicht bei der deutschen Delegation vorliegen. Es ist heute weiter eine Reihe von Fragen mehr formalen Charakters behandelt worden. Dahin gehört diejenige der Einleitung des Sachverständigenvorschlages, in dem von einer vollständigen und endgültigen Regelung des Reparotionsproblems die Rede ist. Diese Wendung wird nunmehr auch in dem endgültigen Protokoll vorangestellt, sodaß sie alle Teile des Abkommens erfaßt, nachdem von der Gegenseite versucht worden war. sie durch andere Plazierung innerhalb des Tertes, vornehmlich auf die deutschen Zahlungen allein, abzustellen. Eine weitere Frage betrifft die Goldeinlösungspflicht nach Art. 81 des Planes. Auch. hierüber vermochte Einvernehmen erzielt zu werden, ohne daß Aenderungen gegenüber dem Plan notwendig gewesen wären. Weiter hat man sich eingehend mit der Abfassung des Zertifikats über die deutsche Gesamtverpflichtung befaßt, das ja eines der Erfordernisse für die Ingangsetzung des Planes ist. Es handelt sich dabei um ein umsangreiches Dokument, das die deutschen Verpflichtungen und Rechte bezüglich des Transfermoratoriums u. a. entbält. Ssc Diese Frage wird morgen vom Juristenausschuß nochmals wegen formaler Punkte behandelt werden. Die Frage der Sanktionen des Sonderausschusses der Bank für internationalen Zahlungsausgleich nach Artikel 124 wird gleichfalls nochmals von dem Juristenkomitee überprüft werden, nachdem sie heute zwischen den Delegierten erörtert worden ist. Weiter ist die Parallelität bei der Kodisizierung des mit Amerika abgeschlossenen Vertrages zu behandeln gewesen, und schließlich die der deutschen Einlage in die B.J.3., die höchstens 100 Millionen Reichsmark beträgt, aber zugleich nach Plan grundsätzlich 50 v. H. des TreuhänderAnnuitätenkontos ausmachen soll. Da die Bestände dieses Kontos häufigem Wechsel unterworsen sein werden, so wird man sich mit dieser an sich nicht übermäßig wichtigen Frage technisch zu befassen haben. Die Besprechungen über die Oitreparationen wtb. Haag, 6. Jan.(Tel.) Die Sitzung des Ausschusses für die Ostreparationen wurde gegen 1 Uhr mittags(holländischer Zeit) beendet. Die österreichische Delegation haute sich bereits nach der Aballiierten Hauptmächte. Darauf hat Danzig bei Entgegennahme seiner Tabakanleihe vor drei Jahren 15 Millionen Mark gezahlt und für den Rest zunächst eine 20jährige zinsfreie Stundung erhalten. Die Bemühungen Danzigs scheinen von Polen unterstützt zu werden, das eigene, ähnlich geartete Verpflichtungen gegenüber den Großmächten abgegolten sehen möchte. Die Erklärung Schobers. wtb. Haag. 6. Jan.(Tel.) Bei den heute vormittag fortgesetzten Beratungen des Ausschusses für die Ostreparationen gab der österreichische Bundeskanzler Schober eine Erklärung ab, in der er feststellte, daß seine Verhandlungen mit den anderen Staaten während der letzten beiden Tage ohne Erfolg geblieben seien. Oesterreich, wo jeder Schilling, der aus der Bevölkerung herausgezogen werde, zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage verwendet werden müsse, sei nicht imstande, die von ihm geforderten Zahlungen zu leisten. Benesch, Mrozowski und Mironescu erklärten darauf, daß sie trotz dieser Erklärung des österreichischen Bundeskanzlers zuversichtlich seien und weitere Verhandlungen vorschlügen. Reparationsfrage. wtb. Haag, 6. Jan.(Tel.) In der heutigen Sitzung des Komitees für nichtdeutsche Reparationen wurde nach Entgegennahme der heute vormittag abgegebenen österreichischen Erklärung über die finanzielle und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Bulgariens verhandelt, zu welchem Thema die bulgarische Delegation ein längeres Exposé vortrug. Außenminister Buroff und Finanzminister Moloff äußerten sich hierzu. Dann wurde die Einsetzung eines Redaktionsausschusses beschlossen, der heute nachmittag um 4 Uhr zusammengetreten ist, um das bisherige Ergebnis der Aussprache über die bulgarische Reparationsfrage festzulegen. Keine Erörterung des Reichsbankstatuts. wtb. Haag, 7. Jan.(Funkspruch.) Eine Meldung. wonach von französischer Seite eine Abänderung des Reichsbankstatuts. insbesondere in Bezug auf die Stellung des Reichsbankpräsidenten, gewünscht worden sei, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. wtb. Berlin, 7. Jau. EFin#spruch folgendes: Der Haager Korrespondent der„Cöln. folgendes: Der Haager Korrespondenz der„Ko'n. Ztg.“ sprach in einem Artikel davon, daß die Ablehnung des Youngplanes zu einer Kürzung der Beamtengehälier um 20 bis 25 Prozeni sichlen könne. Diese Aeußerung des Haager Korrespondenten der„Köln. Ztg.“ erfolgte im Zusammenhang mit Mitteilungen, die der Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer seinem französischen Ministerkollegen Chéron gemacht haben soll, sodaß der irrige Eindruck entstehen konnte, Moldenhauer habe eine derartige Maßnahme in seinem Gespräch mit Chéron erwähnt. Es ist in keiner Weise der Fall. Der Reichsminister hat lediglich mitgeteilt, daß er sich auch für den Fall der Ablehnung des Youngplanes durch Aufstellung eines zweiten Haushaltsplancs eingerichtet habe, ohne jedoch irgendweiche Einzelheiten zu erwähnen, die sich hieraus ergeben müßten. Eine Herabsetzung der Beamtengehälter ist bei den in Vorbereitung befindlichen beiden Eiatsplänen des Reichsfinanzministers Moldenhauer in keiner Weise in Betracht gezogen. Keise der landwirtschaftiich Vereinssunt für Vrieguch. wtb. Pritzwalk, 7. Jan.(Funkspruch.) In einer außerordentlichen Hauptversammlung der Landwirtschaftlichen Vereinsbank für Priegnitz wurde gemäß dem Vorschlag des Aussichtsrats der Beschluß gesaßt, Sanierungsmaßnahmen für die Vereinsbank einzuleiten. Für Liquidierung des Institutes wurde nur eine Stimme abgegeben. Die Bank ist durch die wirtschaftlichen Nöte der Zeit in eine Krise geraten, und zwar stehen Verlusten in Höhe von 550000 Mark Geschäftsanteile und geschäftliche Reserven in Höhe von insgesamt 362000 Mark gegenüber. Unter den in Betracht kommenden Maßnahmen für die Sanierung steht der Antrag des Aussichtsrats an der Spitze, den Anteil eines jeden Genossen von 1000 Mark auf 2300 Mark zu erhöhen. In der ordentlichen Hauptversammlung im Februar will der Aussichtsrat die Ursachen, die zu der Krise führten, im einzelnen darlegen. Auch sind Untersuchungen in der Richtung eingeleitet, ob etwa Verfehlungen leitender Vorstandsmitglieder vorliegen. 53. wlb. Genf, 6. Jan.(Tel.) Im Internationalen Arbeitsamt ist heute die von der letzten Völkerbundsversammlung auf englische Anregung vorgeschlagene vorbereiiende technische Kohlenkonserenz zusammengetreten. Die Konferenz hat darüber zu beraten, ob die Fragen einer internationalen Regelung der Arbeitszeit, der Löhne und der sonstigen Arbeitsbedingungen im Kohleubergbau von der nächsten Arbeitskonferenz im Juni d. J. behandelt werden sollen. Auf der heutigen Vorkonferenz sind; folgende neun Länder durch je einen Delegierten der Regierung, der Unternehmer und der Arbeiter vertreten: Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Oesterreich, Polen, Spanien und die Tschechoslowakei. Deutschland ist vertreten für die Reichsregierung durch Ministerialdirektor Dr. Sitzler, für die Unternehmer durch Dr. Jüngst(vom Bergbauverein in Essen) und für die Bergarbeiter durch den zweiten Vorsitzenden des Deutschen Bergarbeiterverbandes, Schmidt=Bochum. Die deutsche Sprache wurde sofort nach Eröffnung der Konferenz neben den beiden offiziellen Sprachen— englisch und französisch— als Verhandlungssprache eingeführt. Damit wird die deutsche Sprache zum ersten Male auch in den Vollsitzungen einer internationalen Konserenz in Genf als Verhandlungssprache angewandt. Zum Präsidenten der Konserenz wurde der englische Regierungspertreter Walter Robert Smith, parlamentarischer Sekretär im Handelsministerium, und zu Vizepräsidenten u. a. der deutsche Unternehmervertreter Dr. Jüngst gewählt.#### Benltwinstuartet. 9, Slaln Der deutsche Regierungsvertreter Dr. Sitzler bezeichnete in der Aussprache die Denkschrift des Arbeitsamtes als eine ausgezeichnete Grundlage für die umsassende Regelung der Arbeitszeit, deren rasches Zustandekommen im Sinne des vom Arbeitsamt vorgelegten Vertragsentwurfes die deutsche Regierung unterstützt Nur in Bezug auf die Braunkohlenindustrie, die in Deutschland lediglich zu einem verschwindenden Prozentsatz unter Tage arbeiten müsse, machte er die Einschränkung, die deutsche Regierung lehne das Abkommen über die Braunkohlenindustrie nicht ab glaube aber, daß es zunächst in der gleichen gründlichen Weise vorbereitet werden müsse wie das für den Steinkohlenbergbau bereits geschehen sei. Unter Hinweis auf den Entwurf des deutschen Bergarbeitergesetzes verlangte er nicht nur Vereinheitlichung der Arbeitszeit, sondern auch der Berechnungsart, damit die Ein= und Ausfuhrzeiten künftig einheitlich verrechnei würden. Die unter Tage arbeitenden Bergarbeiter müßten in der Arbeitszeit besser gestellt werden, als das im Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag vorgesehen sei. Auch empfehle die Reichsregierung das Verbot der Sonntagsarbeit im Bergbau, abgesehen von besonderen technischen Notwendigkeiten, und treie dafür ein, daß die Frage der Beschäftigung von Frauen und Jugendlichen unter Tage in das Arbeitszeitabkommen einbezogen werde. Die Wirksamkeit des geplanten Arbeitszeitabkommens für den Kohlenbergbau werde vor allem davon abhängen, daß es gleichzeitig in allen Kohlenproduktionsländern in Kraft tritt. Die Reichsregierung schlage daher eine Bestimmung vor, durch die das Abkommen erst nach Vorliegen der Ratifikationsurkunden sämtlicher Signatarstaaten in Kraft treten würde. Hochzeitsfeierlichkeiten in Rom. * Rom, 5. Jan. Nachdem schon in den letzten Tagen zahlreiche Fürstlichkeiten zu der bevorstehenden Hochzeit des italienischen Kronprinzen mit der Prinzessin Maria osé von Belgien eingetrossen sind, hat heute mit der Ankunft der Braut und des belgischen Königspaares mit einem zahlreichen Gefolge die Festwoche ihren eigentlichen Anfang genommen. Schon am frühen Morgen war heute übrigens König Voris von Bulgarien eingetroffen. Ein zwar Augeklagten Dr. Weber erkrau kühler, aber strahlender sonniger Winiertäg des Fehlens des Angeklagten Schneider treunt das erlaubte, daß die Galasabrs vom Fchahz, 7g, g.(Gericht das Versohren gegen Schneider und Kipping dem Ouirinal in ossenen Larossen, geschau, i##oß#### Lhueider belastet wird. sich ein herrliches Schauspiel abwickelte, von der Menge auf der Straße infolge Der Escherwenzen Jnrscher. 4•1) Var dem Schäffen,,selb“ behauptet er habe es nicht unterzeichnet, wib. Berlin, 6. Jan.(Tel.) Vor dem Schöffengericht Berlin=Mitte begann heute früh der große Prozeß gegen die sogen. Tscherwonzen=Fälscher. Fast jeder Angeklagte hat seinen eigenen Verteidiger. Das Auswärtige Amt und andere Zentralbehörden haben Beobachter zu dem Prozeß entsandt. Von den neun Angeklagten fehlt der Buchdruckereibesitzer Schneider, der nach Mitteilung des Angeklagten Dr. Weber erkrankt sein soll. Wegen das freilich der streügen und sehr iesezichtsperrtzug nicht voll genossgz wer= leh, der 3ujährige Georgier Sadatierase den konnte,„Nicht nur vie komische Gaxnison wur aus der Untersuchungshaft vorgeführt wird; serner für diesen Dienst aufgeboten worden, sondernes siuß gugezggttczer Spafgz chntau###ug zahlreiche Frupyen aus der Provinz sind auch zahrreiche Truppen aus der Pi eingetrossen, darunter namentlich Marine sowie das Insanterie=Regiment aus Turin, das der Krouprinz als Oberst kommandiert. Es war eine Angenweide, so heißt es in einer Drahtmeldung des hiesigen Korrespondenten der„Frankf. Zig.“, als sich vor dem Bahnhof die königliche Wagenkolonne in ihrer barocken Prucht bildete. Nach der Karosse des Hofpersonals kamen die verrsagttn,, ug langen schwarzen Roßschweisez an den Soiuzadent sagen die heiden stanoie Karré ein. Im zweiten Wagen saßen die beiden ständig. Könige in Uniform, im dritten die beiden Königinnen, die italienische in einer stahlgrauen, die belgische in einer champagnerfarbenen Toilette. Tann kam der Wag ganz in Weiß gekleidet war und einen weißen, turbanartigen Hut trug und einen Strauß weißer Rosen in den Händen hielt. Ihr saß der Bräutigam in italienischer Oberstenuniform gegenüber. Durch eine Ehreupforte ging die Fahrt die Via Nazionale hinunter zum Quirinalpalast, wo die beiden Königspaare und das Brautpaar auf die Ovationen der Menge hin sich dreimal auf dem Balkon zeigen Deu ganzen Tag über und am Abend herrschte in Rom ein ungeheures Menschengetriebe, wie man nur bei großen Gelegenheiten in einer südlichen Hauptstadt erlebt. Zahlreiche Fremde, darunter viel Adelssamilien, sind aus dem ganzen Lande, in Rom eingetrossen. In der Menge sieht man auch viele Volkstrachten, die sonst aus dem öffentlichen Leben verschwunden sind; denn als Höhe der öffentlichen Veranstaltungen ist ein Maskenzug von über 4000 Teilnehmern geplant. Zahlreiche Häuser und Gebäude sind schon heute abend illuminiert, obwohl die allgemeine Festbeleuchtung, die sich auch auf die verschiedenen Foren und antiken Denkmäler. erstreckt, erst am Mittwoch abend beginnt. Der Volkstrubel wird dadurch noch erhöht, daß heute, am Vorabend des Dreikönigstages, das lärmende Lokalfest der Befana stattfindet. ab, weil letzterer nur von Schneider beluster wird. Auf der Angeklagebank sitzen der 42jährige Georgier Karumidse, der jetzt in Bern(Schweiz) lebt, der 30jährige Georgier Sadatieraschwili, der ungshaft vorgesi enno angerlagt der Maschineningenieur Dr. ing. Becker, der 48 Jahre alt ist und jetzt in Neukölln wohnt, der Kaufmann Dr. Weber aus München, Jahre alt, der Buchhändler Böhle aus Frankfurt a. M., 51 Jahre alt, der Kaufmann Wilhelm Schmidt aus Nürnberg. 30 Jahre alt, und der Elektroingenieur Bell, 31 Jahre alt. Einige Verteidiger erheben zunächst die Einrede der Unzuständigkeit des Gerichtes. Die Tat sei in München und nicht in Berlin begangen Nach kurzer Beratung werden die Andie herrschaftlichen Wagen, und die Kürassiere mit warden vren Leuchtenden, Popyerzen schwenkten aus ibrem träge abgelehnt. Das Gericht ertlärt sich für zuRoßschweisen an den Her#g## nmstunten säudig Vernehmung der Angeklagten. Nach Verlesung des Eröffnungbeschlusses werden elghe u n„u der Braut, viel dann die Angelsogen Peszezguergzuglagen in rulti. ann kam der Wagen. zurz Karumidse macht seine Aussagen in runsischer Sprache. Seit 1921, dem Zeitpuntt der Besetzung Georgiens durch Sowjettruppen, lebte Karnmidse in Deutschland, weil Deutschland das erste Land war, das Georgien auerkannte. Bei der Erzählung Karumidses über seine Tätigkeit fragt der Vorsitzende den anwesenden Vertreter des Auswärtigen Amtes, ob auch nicht Interessen des Deutschen Reiches geschädigt würden. Der Vertreter des Auswärtigen Amtes erklärt: Wir haben Georgien als unabhängigen Staat nicht anerkannt. Karnmidse sagte dann weiter aus, er habe einen Aufstand in Georgien gegen die Sowjetselost behauplel, er habe es nicht unie.genhm., wer es unterschrieben hat, will er nicht sagen. Schlechte Ueberjetzung aus dem Russischen. Rechtsanwalt Menz macht darauf aufmerksam, daß der Dolmetscher sehr schlecht übersetze. Drei russische Juristen die jetzt als Emigranten in Deutschland leben, und für die deutsche Zeitungen Gerichtsberichterstatter sind, erheben sich und bestätigen das. Rechtsanwalt Menz beantragt, einen dieser Herren, einen ehemaligen russischen Staatsanwalt und später russischen Rechtsanwalt, als zweiten Dolmetscher hinzuzuziehen. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Ein zweiter Dolmetscher bestellt. Nach der Mittagspause wird der jetzige Jourualist und frühere russische Rechtsanwalt Dr. Leber als zweiter Dolmetscher bestellt. Der Angeklagte Karumidse bekundet, daß Schneider zu Anfang nicht wußte, worum es sich handelte. Das Wasserzeichenpapier will Karumidse selbst immer dem Drucker gebracht haben. Bei der Besprechung mit General Hossmann will Karumidse klar ausgesprochen haben, daß das Geld auch zur Bekämpfung des Bolschewismus in Rußland wie auch des Kommunismus in Deutschland dienen sollte. Karumidse betont immer wieder, es sei nur die Rede davon gewesen, daß der Druck selbst im Auslande erfolgen solle. April 1927 brauchte wurde mit der Griechin in einem Hotelzimmer bewußtlos aufgesunden, während der Freund im Nebenzimmer unter ähnlichen Erscheinungen erkrankt war. Barel und seine Freundin starben gleich nach der Ueberführung ins Krankenhaus, während der dritte mit dem Leben davonkommen dürste. In ihren Zimmern wurden große Mengen von Heroin gesunden. Zwei Rauschgifthändler sind bereits verhaftet worden, da man festgestellt hat, daß sie Barel in den letzten Tagen aufgesucht haben. Erbunwürdigkeit des Totschlägers wtb. Berlin, 6. Jan.(Tel.) Das Berliner Landgericht hat heute in einem Erbschaftsprozeß gegen den früheren Eisenbahnbeamten Vogler. der wegen Totschlags zu fünf Jahren Gesängnis verurteilt ist, weil er seine Frau nicht daran hinderte, sich auf die Straße zu stürzen, dahin erkannt, daß er unwürdig ist, die Erbschaft der Toten anzutreten. Die Eltern der Frau hatten gegen Vogler die Klage auf Herausgabe der auf ihn entfallenden Hälfte des Nachlasses angestrengt, und das Landgericht entschied nunmehr im Sinne dieser Klage. Mädchenmord in Holstein. wib. Hennsiedt(Holstein), 6. Jan.(Tel.) Bei Hennstedt, zwischen Horst und Pferdekrug, wurde heute morgen in einem Wassergraben an der Landnichts zu machen. Tadurch sei er auf den Gedanken gekommen, Tscherwonzennoten zu fälschen. Es wurde ein gesälschtes Schreiben einer angeblichen Banque turque=perse angefertigt und an den deutschen Drucker gerichtet, in welchem diese Bank den Druck von Aktien bestellte. Das Schreiben ist am 21. September 1926 abgegangen. Karumidse esc he eschence. en dann 4000 Mark vom Fürsten Awalow und 6000 Mark von anderer Seite bekommen. Er will allerdings nichts davon gewußt haben, daß Bell das Geld nur nach Hinterlegung von Tscherwonzen bekommen habe. Der Angeklagte Sadatieraschwili sagt aus: Karumidse hat einige Tage vor der Abreise Bells mir 1000 Tscherwonzen übergeben, damit ich sie Bell übergab. Karumidse bleibt dabei, er habe nichts davon gewußt, daß die 1000 Tscherwonzen bei einer deutschen Bank hinterlegt wurden. Im übrigen entlastet Karumidse im Gegensatz zu seinen Aussagen in der Voruntersuchung jetzt die deutschen Angeklagten. berstaatsanwalt Tetzlaff: Was ist aus den funden. Die gerichtliche Untersuchung ergab, daß das Mädchen von einem 30jährigen Knecht aus Hennstedt am Abend vorher in dem Graben ertränkt worden ist. Der Mörder hatte an dem Mädchen ein Sittlichkeitsverbrechen versucht, doch hatte sich diese gewehrt. Der Mörder wurde verhaftet und dem Amtsgericht in Heide zugeführt. Er ist geständig und bereits mehrfach wegen Sittlichkeitsverbrechen vorbestraft. Insterburger Ambbusunglau! wtb. Königsberg, 6. Jan.(Tel.) Bei den weiteoberstagsanwalt Tetzlaff: Bas st aus den wio, Konzgarteg, u. 937ärug bez schweren regierung vorbereiten wollen, seine Freunde hätten falschen Tscherwonzen geworden und welchen Erlös ren Vernehmungen zur Lunmeung######e#, ihm aber mitgereist, ohne große, Geldmittel sei hauten Sie davon„„. 7. Mar gur, daß hi, Ag it s chretter Siadler dem Karumidse: Der Erfolg war nur, daß die Tscheka das Auftauchen gefälschter Tscherwonzen in Rußland festgstellte. Einen Erlös hatte ich überhaupt nicht, denn das Geld war für politische Arbeiten bestimmt.„#. ex iln ige Searash Am Dienstag fruh soll der zweite georgische Angeklagte Sadatieraschwili vernommen werden. Kommunistentumulte. Haftbefehl gegen fünf Arbeitslose in Prenzlau. wtb. Prenzlau, 6. Jan.(Tel.) Vergangenen Samstag war es im Arbeitsamt Prenzlau bei der Auszahlung der Unterstützungsgelder für die Arbeitslosen zu schweren Ausschreitungen gekommen, bei denen ein Polizeibeamer schwer verletzt wurde. Heute hat das Amtsgericht Prenzlau gegen fünf der sieben aus diesem Anlaß festgenommenen Arbeitslosen Haftbefehl wegen Verdachts des schweren Hausfriedensbruches, der Beamtennötigung und des Widerstandes gegen die Staatsgewalt, verbunden mit schwerer Körperverletzung, erlassen. Neue Ausschreitungen. pw. Berlin, 7. Jan.(Funkspruch.) Wie der „Lokalanzeiger aus Prenzlau meldet, kam es am Montag nachmittag wiederum zu Zusammenrottungen von Kommunisten und Erwerbslosen. Vom Vereinslokal zog der Zug unter Vorantragen von Transparenten zum Gerichtsgefängnis, um die am 4. Januar Verhafteten zu befreien. Als die Befreiung nicht gelang, marschierte der Zug wieder zum Arbeitsamt. Dann begaben sich die Demonstranten zum Marktplatz. Hier trieb sie Schutzpolizei mit Gummiknüppeln auseinander. Auch die angrenzenden Straßen wurden gesäubert, wobei einige Festnahmen erfolgten. Solidarität der höheren Veamten aus und verursachte starke Ranchwolken. Kurz darauf wurden auch die ersten Lichtstörungen aus Lichtenberg, Tempelhof, Neukölln und anderen südlichen Vororten gemeldet. Die südlichen Stadtteile von Groß=Berlin lagen vollkommen im Dunkel. Kurz nach der Explosion traf Baurat Müller mit drei Feuerwehrzügen, dem Feuerlöschboot, einem Schlauchwagen und einem Rettungswagen an der Brandstelle ein. Der Brand selbst war aber inzwischen durch Werksangehörige gelöscht worden. Absehuns Zegnots. pw. Berlin, 7. Jan.(Funkspruch.) Die Germania teilt mit, daß gestern zwischen dem preußischen Finanz= und dem Kultusministerium eine Besprechung stattgefunden habe, in der über die Berliner Staatstheater verhandelt worden sei. Als überraschendes Ergebnis könne wohl angesehen werden, daß man Generaliniendant Jeßner seines Postens entheben will. Jeßner habe unter dem Eindruck der Glückwünsche und Anerkennungen zu seinem 50. Geburtstag im März vor zwei Jahren seinen Vertrag erneuern können, der bis 1934 läuft. Man will ihn— um dieses Vertrages willen— zunächst nur von der Verwaltung der beiden Staatstheater zurückziehen und lediglich noch in der Regie verwerten. Der verirrte Vorfrühling. pw. Berlin, 6. Jan.(Tel.) Das Berl. Tagebl. meldet aus Thale im Harz: Die Harzflüsse sind durch auhaltende Regengüsse und durch die Schneeschmelze stark angeschwollen. Die Stimmung im Bode=Tal ist durchaus frühlingsmäßig. Die Sträucher tragen allenthalben Knospen. Grünende Farnkräuter stehen am Wege und man kann sogar vereinzelt Blüten von Waldblumen entdecken. Opfer des Heroins. * Toulon, 6 Jan. United Preß meldet: Großes Aufsehen erregt der Fall eines Pariser Rechtsanwalts, der hier zusammen mit einer Dame der mißbräuchlichen Benutzung von Heroin zum Opfer gefallen ist. Der junge Jurist Barel, der hier in Begleitung einer jungen Griechin und eines Freundes vor einigen Tagen eingetrossen war, Autobusunglückes am Bahnübergang bei burg=Sprindt hat der Schrankenwärter Fiedler dem Staatsanwalt Priese eingestanden, daß er in dem Augenblick, als der Autobus mit dem Zuge zusammenstieß, noch in seiner Wohnung gewesen sei und mit seinen Söhnen heißen Rotwein getrunken habe. Angetrunken sei er nicht gewesen, da sie erst das erste Glas eingegossen hätten. Sie seien hinausgestürmt, als das Unglück bereits geschehen war. Er sei dann in der Wärterbude die dunkel war, zu Boden gestürzt und ohnmächtig liegengeblieben. Flugzeugunglück. Flugzeugunglück an der südanstralischen Küste. wtb. Melbourne, 6. Jan.(Tel.) Bei dem Absturz eines Flugbootes, das mit der Spitze voran in die Port=Phillip=Bucht siel, büßten der Kapitän Hugh Grosvenor und zwei Insassen des Flugzeuges ihr Leben ein. Grosvenor war Adjutant des Gouverneurs von Südanstralien und der einzige Sohn von Lord Stalbridge. acfrichstenblenst durch Funesprauft eeeitsmahnung des###tsdamer Regierung Raubmord? pw. Berlin, 6. Jan.(Tel.) Auf dem außerordentlichen Bundestag, den der Reichsbund der höheren Beamten am 4. und 5. Januar in Braunschweig abhielt, stand fast als einziges Thema zur Beratung, wie der Bund seinen durch den Zusammenbruch der Reichsbundbank geschädigten Mitgliedern helsen könne. Nach langen Beratungen wurde, nach einer Blättermeldung, beschlossen, durch Erhöhung des Beitrages um 0,25 Mork je Mitglied und Monat auf drei Jahre ein Vergleichsverfahren zu ermöglichen, durch das den Geschädigten in möglichster Kürze die Verfügung über eine ansehnliche Quote ihrer Forderungen gesichert werden soll. Weiter soll den geschädigten Mitgliedern durch eine freiwillige Umlage von 10 Mark je Mitglied noch darüberhinaus geholfen werden. Delschalterexplosion im Rlingendeig=Wret. pw. Berlin, 6. Jan.(Tel.) Eine gewaltige Detonation, die Montag nachmittag kurz nach 745 Uhr in der Gegend des Großkraftwerks Klingenberg zu hören war, rief in dieser Gegend die größte Bestürzung hervor, die dadurch noch erhöht wurde, daß der Himmel blutig rot erhellt war und starke Rauchschwaden das Großkraftwerk und die dazugehörigen Anlagen vollkommen einhüllten. Tausende eilten nach dem Großtraftwerk Klingenberg, das, wie gerüchtweise verlautbar wurde, durch mehrere Explosionen zerstört worden sei. In Wirklichkeit aber war, wie das„Tempo“ feststellt, nur ein Oelschaller explodiert, dessen Brand bald gelöscht werden konnie, aber doch erhebliche Lichtstörungen in Berlin zur Folge haus. In der Eigenbedarfsanlage, die das Großkraftwerk selbst mit Strom versorgt, war der Oelschalter aus bisher noch unaufgeklärter Ursache in Brand geraten und explodiert. Das Oel kochte zischend wlb. Wesel, 6. Jan.(Tel.) Vor einiger Zeit wurde in den Waldungen um Schloß Anholt eine männliche Leiche gefunden. Man nahm zunächst an es sei ein Selbstmörder Später wurde festgestellt, daß der Tote, ein Kaufmann, zur Zeit seines Todes mehrere tausend Mark Bargeld bei sich habt hat. Die Landiägerei in Millingen versich geyaor hat. Die Tanojagerei in Millingen verhaftete jetzt vier junge Leute, die sich durch den Besitz größerer Summen Bargeld verdächtig gemacht haben, und bei denen nicht ausgeschlossen ist, daß die an dem Kaufmann einen Raubmord verübt haben. Aus Nah und Fern. Elberfelder Viehmarkt. * Elderfeld, 6. Jan. Auf dem heutigen Viehmarkt betrug der Austrieb: 665 Stück Großvich, davon 248 Ochsen, 76 Bullen, 178 Kühe, 106 Färsen(Kalbinnen), 57 Fresser. 409 Kälver, 10 Schafe, 2302 Schweine.— Dem im Lause der Woche unmittelbar zugeführt: 25 Schsen, 12 Bulen, 5 Kühe, 56 Rälver, 555 Schpeiug. — Preiie: Hasen 63—65,—. 55ab26 65 Bullen 57—59, 52—56, 48—50: Kühe bis 44, 25—30; Färsen 60—62, 52—58, 45—50: Fresser 42—48: Kälber— 90—95, 75—85, 55—65: Schase—: Schweine 84—86, 84—86, 84—86, 80—83, 80—83; Sauen 70—75.— Marktverlauf: In allen Gattungen mittei, einzelne ausgesuchte Stück Großviey über Rotiz bezahlt. Dr. Fritz Heusel jun. gestorben. wp. Düsseldorf, 6. Jan.(Tel.) Der Mitinhaber der bekannten Persilfirma Henkel& Co in Düsseldors, Dr. h. c. Fritz Henkel jun., ist am Samstag abend auf seinem Landgut in Unkel im Alter von 51 Jahren einem Herzschlag erlegen. Das Explosionsunglück in Kehl. wtb. Kehl, 6. Jan.(Tel.) Der bei dem Explosionsunglück im Spritwerk der Firma TrickZellstoff gestern abend schwer verletzte Spritmeister ist seinen Verletzungen erlegen. Der Zustand des Ingenieurs Kendell ist hoffnungslos. Die Explosion erfolgte im Hauptraum des Werkes, wo eine Destillierblase mit 4000 Liter Methylalkohol explodierte. Der Materialschaden ist noch nicht zu übersehen. Bischof Dr. Schreiber zur Frage der Ehescheidung. wib. Berlin, 7. Jan.(Funkspruch.) In einer Sonderveranstaltung der katholischen Volkshochschule Berlin sprach gestern abend im Plenarsaal des Herrenhauses der Bischof von Berlin, Dr. Christian Schreiber, zur Frage der Ehescheidung. Die einen, so erklärte der Bischof u. a., haben Marxismus und Libertinismus, zum Teil unbewußt, die anderen Gottesehrfurcht und natürlichgöttliches Sittengesetz auf ihrem Banner stehen. Die Schichten, die für die gesetzliche Erleichterung der Ehescheidung sind, lassen sich von rein subjektiven Motiven leiten, ohne Rücksicht auf das Los ihrer Kinder. Die Statistik zeigt, daß überall da die wenigsten Ehezerrüttungen festzustellen sind, wo das Volk von Religion und natürlich=göttlichem Sittengesetz durchdrungen ist. Die Gründe gegen eine Erleichterung der Ehescheidung liegen in der christlichen Religion begründet. Die Kirche sieht in jeder Ehereform einen Augriff auf das natürlich=göttliche Sittengesetz. Als Christen sind wir mitverantwortlich und verpflichtet, die Erleichterung der Ehescheidung zu bekämpfen und auch der Staat muß dagegen Stellung nehmen, denn im Zerfall der Familie liegt auch der Zerfall des Volkes. Der Staat ist verpflichtet, sich selbst zu erhalten. Er darf nicht Rücksicht nehmen auf das Wohl einzelner, er darf sich von gefühlsmäßigen Gründen nicht leiten lassen, sondern muß das Wohl des Volkes, die Gesundheit der Gesamtheit erhalten. Reichsausschußsitzung ohne Landvolk. pw. Berlin, 7. Jan.(Funkspruch.) An der heutigen Sitzung des Reichsausschusses für das Volksbegehren werden, wie die„Landvolk=Nachrichten“ erfahren, weder die bisherigen Vertreter des Reichslandbundes, noch die der Christlich=nationalen Bauern= und Landvolk=Partei teilnehmen.— Wie die gleiche Korrespondenz weiter mitteilt, dürfte es in dieser Sitzung zu Auseinandersetzungen zwischen den Stahlhelmvertretern und den Nationalsozialisten kommen. Im Stahlhelm habe es außerordentlich befremdet, daß ein führender Abgeordneter der Nationalsozialisten, Dr. Goebbels, das Ehrenmitglied des Bundes, Reichspräsident von Hindenburg, in einer Weise beleidigt hat, die Hindenburg sogar zwang, entgegen seiner bisherigen Gewohnheit die Gerichte anzurufen. Doppelselbstmord. wtb. Berlin, 7. Jan.(Funkspruch.) Der 30jährige Verbandssyndikus Dr Richard Bach und die 30jährige Marianne Jochen wurden gestern in der Wohnung des Dr. Bach erschossen aufgesunden. Welche Gründe zu der Tat geführt haben, ist noch unbekannt. Sparsamtensmahnung des Potsdamer Regierungspräsidenten. wtb. Potsdam, 7. Jan.(Funkspruch.) Der Regierungspräsident in Potsdam hat die ihm unterstellten Magistrate in einer Verfügung darauf aufmerksam gemacht, daß in Zukunft unter keinen Umständen mehr Ausgaben ohne genügende Deckung bewilligt werden dürfen. Anträge= auf Genehmigung langfristiger Anleihen haben ohne den gleichzeitigen Nachweis des Vorhandenseins eines geeigneten und zur Hergabe der Anleihe bereiten Geldgebers keine Aussicht auf Erfolg. Der Regierungspräsident will bei Zuwiderhandlungen die schuldigen Magistratsdirigenten zur Verantwortung ziehen. Ingenieur Nußbaumer gestorben. wtb. Salzburg, 7. Jan.(Funkspruch.) Der um die Entwicklung des Radiowesens wohlverdiente Ingenieur Otto Nußbaumer, Hofrat bei der Landesregierung, ist im 54. Lebensjahr gestorben. Er war anläßlich des vorjährigen Radiotages Gegenstand zahlreicher Ehrungen in= und ausländischer Kreise. Brand auf der bayrischen Zugspitzbahn. wtb. Garmisch, 7. Jan.(Funkspruch.) Die Leitung der bayrischen Zugspitzbahn teilt mit: Sonntag nachmittag 2 Uhr brach im Transformatorenhaus bei Fensteri infolge von Kurzschluß ein kleiner Brand aus, dem ein Reservetrausformator und ein Faß Oel zum Opfer fielen. Menschenleben waren nicht gefährdet, der Bahnbetrieb wird durch den Brand in keiner Weise beeinflußt. Der Sachschaden ist gering. Deutsch=englischer Schüleraustausch. wib. London, 7. Jan.(Funkspruch.) Auf der Vertreterkonserenz der Lehrerschaft der britischen und deutschen Schulen fand die Auregung eines Austausches von Lehrern und Schülern lebhaften Beifall. Man hofft, daß die Auregung binnen kurzem verwirklicht wird. General Smuts gegen den Gedanken der Unverletzlichkeit von Lebensmittelschiffen. wtb. Boston, 7. Jan.(Funkspruch.) Reuter. Der hier zu Besuch weilende General Smuts hat sich in einer Unterredung mit Pressevertretern gegen den bekannten Vorschlag des Präsidenten Hoover ausgesprochen, Schiffe mit Lebensmitteln in Kriegszeiten für unantastbar zu erklären. Der Gedanke, auf diese Weise die Kriegführung humaner zu gestalten. sei schon wiederholt aufgetaucht, habe aber jedesmal bei der ersten Gelegenheit zur praktischen Verwirklichung versagt. Aus den Nachbar- Städten Aus Groß=Dortmund — Schlägerei mit blutigem Ausgang. In dem Haufe Klarissenstraße 4 kam es zwischen meheren Hausbewohnern zu einer heftigen Schlägerei. Der Streit entstand wegen einer Badewanne, die durch das Fenster geworfen war. Die Schlägerei spielte sich anfangs im Hausflur ab und setzte sich dann aber in der eines jungen Ehepaares fort. An ihr beteiligten sich auch Hausfrauen. Ein junger Mann wurde das Opfer einer Verwechslung. Man schlug mit den Fäuften auf ihn ein und verfolgte ihn bis in die Küche, wo ihn ein Rohling andauernd mit dem Kopfe gegen den Küchenschrank stieß, bis der Mann blutüberströmt zusammenbrach. Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus Bethanien gebracht. — Im Streit von einem Lastkraftwagen geworfen. Auf einem am Montagvormittag die Märkische Straße befahrenden Lastkraftwagen gerieten zwei sich auf dem Wagen besindliche Arbeiter in Streitigkeiten, die in Tätlichteiten ausarteten. Trotzdem sich die übrigen Mitarbeiter bemühten, den Kampf zu schlichten, gelang ihnen dieses nicht. Ehe sie sich's versahen, wurde einer der Streitenden von seinem Widensacher kurzerhand vom Auto herunter auf das Straßenpflaster geworsen, wo er bewußtlos mit einem linksseitigen Oberarmbruch, sowie blutenden Kopsverletzungen liegen blieb. Der Verunglückte wurde zu einem Arzt und dann in seine Wohnung besördert. Der rabiate, erst 22= jährige Arbeiter, der seinem eigenen Arbeitskollegen auf solche Art und Weise erheblichen Körperschaden zugesügt hatte, wurde von seinen anderen Arbeitskameraden nach Verabfolgung einer verdienten Tracht Prügel vom Auto abgesetzt. — Beim Fußballspielen auf der Straße unter ein Auto geraten. Auf der Langestraße vergnügten sich in den gestrigen Mittagsstunden mehrere schulpflichtige Jungens im Alter von 10 bis 14 Jahren auf dem Fahrdamm mit Fußballspielen. Trotzdem die Jungens einen herannahenden Personenkraftwagen, dessen Führer Warnungssignale gegeben hatte, gewahrten, spielten sie weiter. Als der als Fußball dienende Ball über den Fahrdamm hinwegrollte, lief ein Junge hinter demselben her. Hierbei kam er ins Stolpern und zu Fall, wobei er von dem Auto an= bezw. überfahren wurde. Der Junge erlitt erhebliche Körperverletzungen und mußte in ärztliche Behandlung geschafft werden. — Zur Mordtat in der Kampstraße. Die Voruntersuchung gegen Hugo Knelles, der in der Kampstraße die Ehefrau Küfer erstach, und sich dann einige Tage später der Polizei stellte, ist noch nicht abgeschlossen. Infolgedessen konnte auch noch keine Anklage erhoben werden. Die Festsetzung des Verhandlungstermines wird nach Abschluß der Voruntersuchung erfolgen. Im Intcresse eines raschen Fortganges der Angelegenheit hat der Angeschuldigte auch von einer Hastbeschwerde abgesehen, die die Angelegenheit nur verzögert hätte, und auch kaum Aussicht auf Erfolg hatte. Nach Vernehmung der letzten Zeugen, die auf den 11. Januar geladen sind, wird die Voruntersuchung voraussichtlich geschlossen werden können. — Ein samoses Brüderpaar. Die Polizei schritt dieser Tage zur Festnahme zweier Brüder, die wiederholt in die Fabrik ihres Arbeigebers eingebrochen waren und dort Metalle gestohlen hatten. Im Zusammenhang mit der Feststellung dieses Brüderpaares gelang es auch gleichzeitig den Hehler festzunehmen, bei dem sie die gestohlenen Metalle abzusetzen pflegten. Die drei Festgenommenen wurden bereits dem Untersuchungsrichter vorgeführt. — Schwerer Wohnungseinbruch. Ein schweter Wohnungseinbruch wurde am Sonntagabend zwischen 7—10 Uhr im Hause Oesterholzstraße 25 verübt. Die Einbrecher benutzten die Abwesenheit des Wohnungsinhabers dazu, die Korridortür mit einem Nachschlüssel zu öffnen. Dann wurde eine Zimmertür erbrochen und die Diebe räumten unter den Kleidungs= und Wäschestücken gehörig auf. Weiter nahmen sie Goldund Silbersachen und 1130 RM. bares Geld mit. Sie konnten unerkannt entkommen. Man vermutet mit Recht, daß die Einbrecher ortskundig waren und daß der Einbruch wohlvorbereitet gewesen ist. Nachmittags, als der Wohnungsinhaber noch zu Hause war, wurde einer seiner Angestellten am Telephon verlangt. Als dieser erschien, war der Anrnser nicht mehr da. Allem Anschein nach hatte das Telephongespräch den Zweck, zu erkunden, ob die Wohnung frei war. Der Hund des Bestohlenen ist vor drei Wochen vergiftet worden und es ist zu natürlich, daß man diese Tatsache mit dem schweren jetzt erfolgten Einbruch in Verbindung bringt. Der Gesamtschaden dürfte etwa 3000 RM. betragen. Aplerbeck. Schwerer Einbruch. Nachts drangen Diebe in den Verkaufsraum des Konsumvereins Dortmund=Hamm. Mit großer Gewalt und guten Werkzeugen hatten die Spitzbuben die schwere eiserne Ladentür erbrochen. Von den reichen Voräten im Laden nahmen die Diebe Kafsee, Seise, Zigarren, Zigaretten, Hemdentuch, Strümpse, Schuhe, Decken usw. Wetter. In der Ruhrertrunken. Am Sonntagmorgen unternahmen drei junge Leute aus Hörde eine Paddelfahrt auf der Ruhr. Sie hatten ihr Boot bei Herdecke eingesetzt und fuhren ruhrabwärts. Bei der Fähre in Wetter kippte das Boot plötzlich um. Zwei der jungen Leute konnten schwimmen, der dritte nicht. In seiner Todesangst umklammerte dieser einen seiner Freunde. Der Freund sah sich selbst in Gefahr und stieß den ihn Umklammernden von sich, um ihn dann ergreifen zu wollen. Durch das Abstoßen geriet der Nichtschwimmer aber in die Strömung, die ihn mit Gewalt in die Tiefe riß. Er ward nicht mehr gesehen. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Soest. Die geheimnisvolle Truhe und die neugierige Jungfer. Die Witwe A. in Illingen wollte für kurze Zeit das Haus verlassen und übertrug ihrer Hausangestellten die„Oberaussicht." Damit hatte sie den Bock zum Gärner gemacht. Die„Oberaufsicht" nahm ihren Posten sehr ernst und durchschnüfselte alle Kistchen, Kästchen und Schränkchen und machte endlich vor einer alten Truhe halt, die verschlossen war. Die Jungfer hatte nun lt. „S. A.“ nichts eiligeres zu tun, als sich den Schlüssel zu besorgen und das Geheimnis zu lüften. Der Bart des Schlüssels brach aber ab. Im Augenblick stand sie ratlos da, kam dann aber auf den Gedanken, einen Ueberfall zu inszeuieren. Zunächst ein telephonischer Anruf der Polizei in Welper und hierauf zerzauste sich die Jungfer die Haare, zerriß sich die Bluse und brachte sich im Gesicht Kratzwunden bei. Da erschienen die Policemen auf der Bildfläche, waren jedoch schlauer und stellten den wahren Tatbestand mit Leichtigkeit fest. Die sonst so beachtsame Witwe A. konnte den Vorgang garnicht fassen, entschloß sich jedoch endlich dazu, der allzu schlauen„Oberaussicht“, die Koffer packen zu lassen und sie dem Amtsgericht in Werl zuzuführen. Rheda. Etwa 6 Zentner Wurst verbrannt. In dem Räucherturm der Wurstwarenfabrik von Gildemeister geriet Ruß in Brand. Man bemühte sich zwar zunächst mit Handlöschapparaten, das Feuer zu bekämpfen, doch gelang dies erst mit Hilfe von Nachbarfeuerwehren. Ein Teil der Fabrik ist zerstört. Etwa 6 Zentner Wurst, einige Schinken und sonstige Fleischwaren verbrannten. Ahaus. Vier Personen verletzt. Nach Blättermeldungen explodierte in Beek wenige Minuten vor Mitternacht inmitten einer großen Menschenmenge auf dem Marktplatz ein Böller, der zum Neujahrsschießen verwendet werden sollte. Zwei von ihnen mußten ins Krankenhaus gebracht werden, die beiden anderen hatten leichtere Verletzungen erlitten. Frühstück im Haag Zu Ehren der deutschen Delegation gab Briand im Haag ein Frühstück, das die Abordnungen beider Länder zu einer erschöpfenden Aussprache vereinte. Auf der linken Tischseite, von links nach rechts: Außenminister Curtius, Ministerpräsident Tardien u. die beiden Finanzminister Moldenhauer und Cheron. Auf der rechten Tischseite, von rechts nach links: Reichswirtschaftsminister Schmidt, Außenminister Briand, Reichsminister Wirth und Staatssekretär Schubert. Iburg. Die elektrische Leitung berührt. Beim Spiel auf einer Wiese bei der Papierfabrik in Oesede berührte ein 13jähriger Junge die elektrische Leitung, die durch den Sturm zerrissen worden war. Das Kind erhielt einen heftigen elektrischen Schlag und blieb am Draht hängen. Herbeigerufene Männer befreiten den Jungen aus seiner gefährlichen Lage. Detmold. Raubüberfall. Nach Rückkehr von einer Verlobungsfeierlichkeit wurde der in älteren Jahren stehende Bäcker Johann Grenz, der sich durch Zieharmonikaspielen seinen Lebensunterhalt verdient, von zwei Zechgenossen in einen Seitenweg gelockt und überfallen. Die Räuber bedrohten ihr Opfer mit einem Messer und nahmen ihm sein Musikinstrument und 17 Mark in bar ab. Die Täter, der Kellner Hans Jensen und der 1909 in Gelsenkirchen geborene Erich Blank, konnten ermittelt und dem Untersuchungsgefängnis zugeführt werden. Von der Arden der Errbeseilschaft Vendsieh Aus dem von der Seegesellschaft m. b. H. Hengstey erstatteten Jahresbericht für 1929 ergibt sich, daß die planmäßig vorgesehenen Anlagen am Hengstey=Strand bis auf die Pflanzungen am Südteil fertiggestellt sind. Diese Restarbeiten werden im Laufe des nächsten Frühjahrs beendet. Bisher sind nach dem außerordentlichen Haushaltsplan insges. 968 485,20 RMk. für die Zwecke der Gesellschaft verausgabt; davon entfallen 128000 RMk. auf Grunderwerb, 145 000 RMk. auf Erd= und gärtnerische Arbeiten sowie Herstellung der Strandflächen, 558000 RMk. auf das Strandhaus nebst Inneneinrichtung, Turn=, Schwimm= und Rettungsgeräte, Sprungturm, Planschbecken usw., 43000.— RMk. für Ruderboote und 25 000 RMk. für das Verkehrsboot. Der ordentliche Haushalt wird für 1929 in Einnahme und Ausgabe voraussichtlich mit 130 000 Mk. abschließen, so daß die Gesellschafter zur Leistung von Zuschüssen nicht herangezogen werden. Dies ist umso beachtenswerter, weil der Badebetrieb sehr hohe Betriebskosten erfordert. Das Bad hatte sich in den heißen Sommermonaten eines sehr regen Besuches zu erfreuen. Im ganzen waren rund 100000 Badegäste zu verzeichnen; die höchste Tagesbesucherzahl betrug 6500. Die ausgedehnten Anlagen, besonders die Breite des Sees, stellen an den Rettungsdienst außerordentlich starke Anforderungen. Schon an Alltagen sind 3—4 Rettungsschwimmer am See ständig erforderlich. Sie werden an Sonn= und Feiertagen durch Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft und der freiwilligen Sanitätskolonne Hagen ergänzt. Dem umsichtigen Verhalten dieser Mannschaften ist es zu verdanken, daß auf den unmittelbaren Badeflächen ein tödlicher Unfall nicht zu beklagen war. 30 Personen konnten vor dem Tode des Ertrinkens bewahrt werden. Bei dieser Gelegenheit sei nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, daß das Baden außerhalb der hierfür vorgesehenen und kenntlich gemachten Flächen außerordentlich gefährlich und daher strengstens verboten ist. Die im letzten Sommer vorgekommenen Unglücksfälle sind hierfür ein trauriger Beweis. Auch von dem Auftreten infektiöser Augenbindehautentzündungen und anderer Hautkrankheiten ist der Hengsteysee völlig freigeblieben. Das Wasser war stets einwandfrei und enthielt keine Stofse, die es grundsätzlich von anderem Flußwasser unterscheiden würden. Eine hygienische Ueberwachung des Sees und den Anlagen erfolgt durch das Institut für Hygiene und Bakterologie in Gelsenkirchen. Die Absperrung des Badestrandes, die zur Zeit noch nicht ausreicht, wird verbessert werden. Unzureichend sind bislang auch noch die Verkehrsverhältnisse. Während der Sommermonate bestand nur an Sonntagen eine planmäßige Omnibusverbindung zwischen Hagen Hbf. und dem Hengsteystrand. Im nächsten Jahre werden die Verkehrsverhältnisse durch die Inbetriebnahme des neuen Reichsbahnhofs Hohensyburg eine wesentliche Verbesserung erfahren. Dem Vernehmen nach sollen hier zukünftig 18—24 Fernzüge täglich halten und außerdem ein Pendelverkehr zwischen Dortmund, Hagen und dem Hensteysee eingerichtet werden. Auch die Verbandsstraße wird zwischen den Hensteysce und der Wittbräuckerstraße im Laufe des nächsten Jahres dem Betrieb übergeben werden können. Wie in früheren Jahren so hatte sich auch in dem letzten Sommer der Bootsbetrieb eines besonders regen Zuspruchs zu erfreuen. Das Motorboot hatte in 1500 Fahrten rd. 71 0000 Fahrgäste befördert. In den Sommermonaten stellte es täglich die Verbindung zwischen dem Hengsteyrand und der Hohensyburginsel her. Rund 90 Ruderboote stehen den Besuchern in Hengstey und an der Insel zur Versügung. An vielen Tagen waren die Boote schon am frühen Nachmittag vergriffen. Der Parkplatz, der z. Zt. nur 60 Wagen fassen kann, wird im nächsten Jahre eine erhebliche Vergrößerung erfahren. Der Ausbau des etwa 80 000 gm. großen Hohensyburgstrandes wird mit Rücksicht auf die schwierige Geldbeschafsung nicht im Jahre 1930 durchgeführt, sondern zunächst um ein Jahr vertagt. Jedoch hat die Gesellschaftsversammlung 50000 Mart zur Herstellung des östlichen Parkplatzes, für vorbereitende Erdarbeiten auf der Spielwiese und für die Herstellung von Rasenflächen bewilligt. Turnen, Spiel, Sport Union 1.— Westig 08 f. 2:2(1:1). Als der Unparteiische Schäfer=Neheim den Ball freigab, entwickelte sich gleich ein flottes und offenes Feldspiel. Beide Stürmerreihen bringen die Tore des öfteren in Gefahr, doch die Hintermannschaften erweisen sich beiderseits den Stürmerreihen überlegen. In der 25. Minute geht Westig in Führung. Noch vor der Pause kommen die Unioner zum Ausgleich und mit 1:1 geht es in die Halbzeit. In der 2. Hälfte drängt zunächst Westig und ist leicht tonangebend. Doch nach ca. 15 Minuten nehmen die Unioner das Heft in die Hand und sind leicht überlegen. In dieser Kampfphase gelingt es trotzdem Westig, durch ein 2. Tor die Führung zu übernehmen. Nun werfen die Unioner alles nach vorn. Die Läuferreihe, welche in blendender Verfassung war, füttert den Sturm geradezu mit Bällen, doch die Stürmer waren vor dem Tor hilflos und überboten sich im Auslassen von Torgelegenheiten. Die Ueberlegenheit der Unioner wird immer drückender. Westig verteidigt stark. Zeitweise verriegeln alle 11 Spieler das Tor. Der Ausgleich liegt dauernd in der Luft, doch Westig hält mit vereinten Kräften das Tor rein. Schon glaubt alles an den Sieg der Westiger, da kann in der letzten Minute der Mirtelläufer den vielbejubelten Ausgleichstreffer buchen. Mit 2:2 trennen sich die Gegner. Börsen und Märkte Dortmunder Schlachtviehmarkt vom 6. Januar. Dem gestrigen Schlachtviehmarkt waren zugeführt: 774 Stück Großvieh, 458 Kälber, 14 Schafe, 2643 Schweine. Der Marktverlauf war bei Großvieh in guten Tieren rege, sonst mittel, bei Kälbern gut, bei Schweinen gut. Es wurden gezahlt für 50 Kilo Lebendgewicht: Ochsen: a) 1. 61—64 M, 2.— b) 1. 57—60 M, 2. 53—66 M, c) 48—52 M. Bullen: a) 60 bis 62 M. b) 55—59 M, c) 50—54 M. Kühe: a) 56—57 M. b) 50—55 M, c) 43—49 M. d) 30—40 M. Färsen: a) 61—63 M, b) 54—60 A, c) 49—53 M. Kälber: a)—, b) 95 bis 100 M, c) 80—94 M, d) 65—79 M. Schweine: a) 85—87 MA, b) 86—88 J, c) 86—88 M. d) 85—86 M, e) 83—84 M. f) 80—82 M, 6) Was hören wir im Rundfunk? Mittwoch, den 8. Januar 1930. 06,45: Leibesübungen. 07,00: Morgenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05: Mittagskonzert. 16,00: Handarbeitsstunde für junge Mädchen. 17,00: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Volksschulen. 17,30: Vesperkonzert. 18.30: Dr. Dr. Binstadt:„Der Fremdenverkehr und seine Bedeutung für das deutsche Wirtschaftsleben.“ 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Die Stunde des Arbeiters. 19,40: Univ.=Prof. Dr. Mann:„Das Staatsfinanzwesen.“ 20,00: Abendmusik. 21,00: Der heitere Mittwoch. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Konzert a. d.„Tabaris“, Düsseldorf. Am Samstag, den 4. Januar 1930, starb plötzlich unsere treue Mitarbeiterin Frau Seid-Homahn geb. Kunze. Wir werden ihr Andenken stets in Ehren halten. Die Angestellten . der Firma Otto Klein. 5 Die glückliche Geburt eines gesunden Mädchens zeigen in dankbarer Freude an Norbert Kaufhold u. Frau Franziska geb. Frage Schwerte, den 6. Januar 1930 Vontehlbabr 8c IIEEEEET = Meiner werten Kundschaft— zur Kenntnis, daß ich vom - I. Januar 1930 nach Mülmkestr. Nr. 7 — 1. * verrogen bin Frau MarieVoß == Schneidermeister in Werkstatt mod. Damenmoden EI F Ruf 2 6 6 7ich wom 1. Junuion in mninen Nunbuk Mülmkestr. 7 zocheee din werden Sie an alle wichtigen Termine, Gedenktage und Verabredungen durch einen SOENNECKENUMLEG-KALENDER Er gehört auf jeden Schreibtisch, in jeden Haushalt! 94 Von RM 2,60 an in allen Schreibwarenhandlungen erhältlich Jetzi Reparatur=Schleiferei für sämtliche Stahlwaren wird schnellstens einwandfrei ausgeführt. Kurt Laimann, Schwerte, Hörderstraße 13. 18. im 91 Tanzschule Barthelmei Der neue Kursus für Anfänger und Fortgeschrittene beginnt am 9. Januar im Hotel Jungesblut Unterrichtsstunden jeden Montag und Donnerstag, von 20—22 Uhr. Belainmmächung. In unser Handelsregister Abteilung A Nr. 37 ist heute bei der Firma L. Bremke, Schwerte, folgendes eingetragen worden: 96 Kaufmann Philipp Gräf zu Schwerte ist jetzt alleiniger Inhaber der Firma. Die Prokura des Kaufmanns Ernst Meyer in Schwerte ist gelöscht. Schwerte, den 2. Januar 1930. Das Amtsgericht. Steinweg, Schwerte Friedrichstr. 5 Tel. 2486. 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Lippe## Moch-, Tiel- u. Eisenbeiond au Maschinenbau. Elektrotechnik Technikum Lemgo I. L.) Maschinen-, Auto-, Brückenbau- Elektrotechnik- BetriebsSschoh-Bochnn Stobor-Slescheeher Hechiete) Sentundnt 10 Sehgine EIIIRRMREMMMEMMMECRMEIEEMMEEMMRMRMEMRMZRMT TMNT EMM MATE Vermählungskarten sowie Gratulationskarten### Geburtsanzeigen u. sämtl. Glückwunschkarten stets# zu billig. Preisen vorrätig. 9 Buchhandlung C.Braus # Schwerte, Große Marktstraße 3 S g g Die kommunale Entschuldungsaktion Nicht Staatsaussicht, sondern freiwillige Selbstkontrolle und Selbstbeschränkung. „Keine Weiterverschuldung“ ist das Kernproblem. Die Pressestelle des Landkreistages teilt mit: In den programmatischen Erklärungen der Reichsregierung durch Reichskanzler Müller, sowie auf der Tagung des Deutschen Industrieund Handelstages ist auf die Notwendigkeit einer Gesundung der Kommunalkredite und der Kommunalfinanzen hingewiesen. Die kommunalen Spitzenverbände haben sich schon vor einiger Zeit mit diesen Fragen grundsätzlich beschäftigt und Maßnahmen beschlossen, die auf diesem Gebiete eine Selbsthilfe=Aktion einleiten. In folgerichtiger Fortführung dieses Gedankens stehen jetzt die technischen Durchführungsmaßnahmen zur Debatte. Als Ausweg aus der bedrängten Finanzlage ist in letzter Zeit auf eine verstärkte Staatsaufsicht vielfach hingewiesen worden. Der Landkreistag steht wie die übrigen kommunalen Spitzenverbände auf dem Standpunkt, daß kommunale Selbstkontrolle und kommunale Selbstbeschränkung ein besseres und wirksameres Mittel darstellen. Er sieht in der Forderung nach einer verstärkten kommunalen Aufsicht nicht das geeignete Mittel. Ihm scheint vielmehr die sachliche Zusammenarbeit der Beteiligten besser und sicherer zum Ziele zu führen. Diese sachliche Zusammenarbeit der Beteiligten muß allerdings auf paritätischer Grundlage erfolgen. Der solidarischen Haftung, die in den gemeinsamen Garantieverbänden begründet liegt, muß eine mitbestimmende Einflußnahme auf der Grundlage der Gleichberechtigung gegenüberstehen. Der Vorstand des Landkreistages hat sich infolgedessen erneut mit der technischen Durchführung beschäftigt. Er macht seine Mitwirkung davon abhängig, daß in den entsprechenden Ausschüssen Landkreise und kreisangehörige Gemeinden vertreten sind. Der Landkreistag sieht in der wirksamen Verhinderung einer Weiterverschuldung das Kernproblem der ganzen Aktion. Die gemeinsame Entscheidungsbefugnis über die Verwendung der zur Verfügung stehenden Mittel muß daher so ausgestaltet werden, daß eine wirksame Garantie gegen Weiterverschuldung geboten wird. Nur in der Verwirklichung dieser Garantie sieht der Landkreistag die Möglichkeit zu einer vollen Mitwirkung bei der Lösung dieses für die Kommunalfinanzen so wichtigen Problems. Essen. Freitod auf den Schienen. Am 5. d. M. gegen 10,30 Uhr wurde auf der Eisenbahnstrecke Essen=Hauptbahnhof— EssenStadtwald in der Nähe der Brücke an der Rellinghauserstraße die Leiche der 18 Jahre alten Charlotte R. aus Essen gefunden. Sie hatte sich in selbstmörderischer Absicht vom Zuge überfahren lassen. Das Motiv ist unbekannt. 7 Nr. 5(Zweites Blatt) „Tchwerter Heltuns Aizeis sio Frapen Es wäre voreilig, wollte man aus dem Verlauf der ersten beiden Tage der neuen Haager Konserenz schon irgendwelche Schlüsse auf ihren Ausgang ziehen. Daß allerseits ver Wunsch besteht, zu einem Abschluß der Tributfrage zu gelangen, unterliegt keinem Zweizel, aber es sind doch immerhin eine ganze Reihe von Fragen zu erledigen, die noch ernste Schwierigkeiten machen können. Es liegt in der Natur der Sache, daß man gerade diese umstrittenen Fragen zunächst etwas dittatorisch behandelt, in der Hoffnung, daß man in privaten Besprechungen eine gewisse Annäherung erzielen werde. So sind ernstliche Krisen, wenn überhaupt, erst in einem späteren Studium der Verhandlung zu erwarten. Pertinax zählt insgesamt acht Fragen auf, die der Konferenz besondere Beschwerden bereiten könnten. In erster Linie nennt er die Fragen der Ostreparationen, wobei er die Befürchtung Ausdruck gibt, daß in dem fast mit Sicherheit zu erwartetenden Falle, daß Ungarn weiterhin unnachgiebig bleibt, die Staaten der Kleinen Entente und Griechenland ihre Unterschriften unter das Haager Abkommen und dessen Ratifizierung verweigern würden. Da kaum anzunehmen ist, daß die Westmächte an dem Widerstand der kleinen Oststaaten die Konferenz scheitern lassen würden, so würde man in diesem Falle voraussichtlich nur zu einer Teillösung kommen. Nach einer Meldung des„Temps“ sollen allerdings Tardien und Snowden in ihrer ersten Unterhaltung darin einig gewesen sein, daß sie die Annahme des Youngplans als Ganzes wünschten mit all den Einzelbestimmungen, die für sein Inkrafttreten in Aussicht genommen worden seien. So selbstlos werden aber weder die Engländer noch die Franzosen sein, daß sie nur aus Rücksicht aus ihre polnischen und tschechischen Freunde auf die Vorteile verzichten, die ihnen der Youngplan bietet. Als zweite Schwierigkeit erwähnt Pertinax die Sanktionsfrage, die ja den Franzosen ganz besonders am Herzen liegt. Die von Briand geführten Verhandlungen seien offenbar ohne große Ergebnisse geblieben. Jedermann wisse indessen, daß Deutschland nicht viel vom Schiedsgericht zur fürchten brauche, an dessen Spitze der althergebrachte amerikanische Bürger sitzen werde und ihm zur Seite zwei Vertreter neutraler Staaten neben einem Gläubiger= und einem Schuldner=Vertreter. Hiermit soll Deutschland offenbar die Sanktionspille etwas verzuckert werden. Die dritte Schwierigkeit sei die, ob Deutschland die bei den Liquidationen eingegangenen Beträge erhalten solle, soweit sie die an Franzosen, Engländer, Belgier usw. ausgezahlten Entschädigungen überschritten. Diese Liquidationskapitel könnten für Frankreich in Lothringen und Marokko unangenehme Folgen haben; daß sei politisch durchaus beachtenswert. Die internationate 13 Romau von J. Schneider=Foerstl. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten Am Abend wollte er mit Skout und Krappe darüber sprechen. Der Neger sah ihn blöde an, als er jetzt dicht an ihm vorbeischritt. Etwas später kam Dr. Skout und klopfte ihm auf die Schulter.„Zufrieden, Queen." „Sehr!" Oellers fletschte die Zähne. Er hörte ganz deutlich das„Narr!“ welches der Doktor herausstieß. Seit gestern hatte er keine Spritze mehr bekommen. Er hatte herausgefunden, daß er sich davor bewahren konnte, wenn er sich blöde stellte und keine Schmerzempfindungen verriet, wenn ihm die Hände gequetscht oder er derb auf den Rücken geklopst wurde. Aus den wenigen Gedanken, welche ihm beim Genusse von Kognak kamen, entwickelten sich zusamenhängende Bilder. Er konnte sich an Personen erinnern, die früher mit ihm verkehrten. Sogar Tandcys Name fiel ihm ein, und daß dessen Schwester seine Braut war. „Lilon,“ sprach er vor sich hin.„Lilon.“ Jede Stunde brachte nun mehr an Klarheit. Er war angstvoll bedacht, sich nicht zu verraten, stellte sich blöde, wenn er Alsen oder einen der anderen sah, fletschte die Zähne, wenn sie ihn etwas frugen und verzog keine Miene wenn ihm Skouts Hände auf den Rükken klatschten. Mit weit aufgerissenen Augen sah er auf das schöne Mädchen, das eben am Arme des Barons aus dem Wintergarten trat und mit ihm den Aufgang zur ersten Etage zuschritt. „Lilon!“ Er riß an den Fetzen des roten Tuches, zog ihn nach oben, um ihn dann schamerfüllt nach den Schenkeln hinunterzustreifen. „Lilon.“ Das Mädchen hörte ihn murmeln und drückte sich angstvoll an den Baron, ihre rechte Hand schutzsuchend in seinen Arm geklemmt.„Weshalb starrst du mich so eigen an?“ flüsterte sie ihm zu. „Sie haben nichts zu fürchten, Lilon!“ Als vierte Schwierigkeit erwähnt Pertinax die Streitigkeiten, die sich zwischen den Oststaaten wegen der ihnen durch die Verträge übertragenen Liquidationsrechte ergeben könnten, wobei er den„berüchtigten“ Optantenstreit noch besonders anführt. Weiter wirst Pertinax noch die Frage auf, ob Deutschland gewillt sein werde, seine Forderungen gegenüber seinen früheren Verbündeten=Oesterreich=Ungarn und Bulgarien zu streichen. Deutschland wird hier also wieder ein neues Opfer zugemutet. Die sechste Schwierigkeit betrifft nach Pertinax das Schicksal der Reichsbahn. Er fragt, ob die Selbständigkeit der Reichsbahn, die im Jahre 196/166 ausgedehnt werden solle, um dann mit dem Youngplan zu erlöschen. Die beiden letzten Schwierigkeiten betreffen die Stellung der Tributbank und das deutschamerikanische Sonderabkommen. Sie stehen ofsenbar miteinander in einem gewissen Zusammenhang. Pertinax äußert nämlich die Befürchtung, daß die B.J.Z. durch die Baden=Badener Besprechungen eine etwas zu bedrohliche Stellung für die nationale Unabhängigkeit der Staaten erhalten könnte und wirft die Frage auf, ob die völlige Unabhängigkeit der Bank nicht übertrieben sei. Zu dieser Fragestellung mag Pertinax durch das deutsch=amerikanische Sonderabkommen veranlaßt worden sein, durch das bekanntlich die B. J.Z. für die deutschen Zahlungen an Amerika ausgeschaltet wird. Es muß natürlich zu denken geben, wenn sich die geschäftstüchtigen und selbstbewußten Amerikaner nicht unter die Botmäßigkeit der Tributbank begeben wollen. In Frankreich fürchtet man, daß die Stellung der B.J.3. durch die Zurückziehung Amerikas erschüttert werden könnte, und so fordert Pertinax eine Nachprüfung der Frage, ob das deutsch=amerikanische Abkommen eine Ergänzung des Youngplans erforderlich mache. Wie man sieht, sind es zum Teil recht bedeutsame Fragen, die noch der Erledigung harren, und es wird schwer sein, sie alle in der kurzen Frist von zwei Wochen zu lösen. Hans von Bülow, der größte Meister des Latikdur in (Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages am 8. Januar 1930). Vom Stadtarchivar Prosessor Dr. Otto Tschirch=Brandenburg. „Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze." Das Wort gilt für alle nachschaffenden Künstler, die sich nicht durch eigene Schöpfungen in der Tafel Klios verewigt haben. Auch der große Klaviervirtnose und Dirigent Hans von Bülow hat darunter gelitten, obwohl er als Chorführer aller jener Männer zu betrachten ist, welche die Leitung größter Orchester und Chormassen zu ihrem Ruhmestitel vor allem der deutschen Tonkunft gemacht haben. Seiner an seinem hundertsten Geburtstage zu gedenken, wird erleichtert durch das reiche Schristtum, das ihm seitdem gewidmet wurde. Seine Witwe hat den Nachlaß seiner Briefe und Schriften trefflich herausgeben und sein Leben liebevoll geschildert. Seine Bayrenther Familie ist ihr zögernd darin gefolgt, so daß nun das meiste der vorhandenen Zeugnisse vorliegt und es möglich wird, in das tieftragische Lebensbild des edlen Künstlers und Menschen einige versöhnende Züge einzutragen. Hans von Bülow, am 8. Januar 1830 in Dresden geboren, ist aus einem alten Rittergeschlecht hervorgegangen, und ein Ritter ohne Furcht und Tadel blieb er sein Leben lang. Er führte stolz den Wahlspruch seines Stammes:„Alle Bülow'n ehrlich.“ Sein Lebensweg hat ihn freilich bald weit aus der Gedankenwelt adliger Junter hinaus geführt. Den Künstlerberuf mußte er sich gegen den Willen der Eltern erkämpfen, und nur der Entschluß, zum verbannten Richard Wagner, zu dem der musikalisch und wissenschaftliche Knabe schon in seneir Dresdner Jugendzeit scheu empor sah, nach Zürich zu fliehen, schaffte ihm Freiheit der Wahl. Hier ward ihm das Glück zuteil, vom größten Tondichter die Lehren zu empfangen, die er als Dirigent nutzen konnte, und aus den Händen Wagners ging er dann in die Liszts in Weimar über, der ihn vom ersten Tage an in sein edles Herz schloß und ihn auf die stolze Bahn des Klaviervirtnosen wies, die er dann wie ein junger Adler rasch empor flog. Der künstlerische Lebensweg ist scharf in zwei Hälften getrennt und der Scheidepunkt durch den Zusammenbruch bezeichnet, den sein Verhältnis zu Richard Wagner erlitt. Mit erstannlichem, frühreifen Scharfblick erkannte schon der Jüngling die überragende Größe Wagners und niemand hat mutiger die Fahne der neuen Kunst voran getragen als der junge Heißsporn Nachdem er durch seine ersten Konzertreisen den Ruf als ebenbürtiger Jünger Liszts gewonnen hatte, siedelte er sich in Berlin an und wirkte hier als feuriger Herold des musikalischen Fortschrittes im Sinne von Wagner, Liszt und Berlionz. Unter den größten Schwierigkeiten brachte er eine eigene Kapelle zusammen, die er zu den höchsten Aufgaben schulte, keck draufgängerisch den Zuhörern die modernsten Schöpsungen zumutend, aber auch die klassischen Meister, vor allem Beethoven pflegend. Dienstag, 7. Januar 1930 Aus dieser Berliner Tätigkeit, die mit ihrer Unterrichtsmühsal Bülow eine Knechtschaft dünkte, rief ihn Wagner, der in München nach unendlichen Levensstürmen schließlich in Ludwigs des Zweiten Gunst einen sicheren Port gefunden hatte, dorthin. Er wußte wohl, daß er keinen getreueren Anhänger, keinen verständnisvolleren Dolmetsch seiner Musikdramen finden konnte als Bülow. Hatte doch dieser Tristan meisterlich für Klavier gesetzt und bei der Einstudierung des Tannhäuser in Paris unschätzbare Dienste geleistet. Zögernd übernahm er die Aufgabe, die von ihm völlige Entäußerung eigenen Künstlertums zu fordern schien. Aber er unterzog sich ihr mit dem ihm eigenen Pflichtbewußtsein. Vollendete Aufführungen des schwierigen Tristan und der Meistersinger ließen den neuen musikdramatischen Stil in strahlender Schönheit erstehen. Unter größten Schwierigkeiten, inmitten einer fremdenfeindlichen Bevölkerung gelang es Bülow, München zu einer Wagnerstdt zu machen, wie Liszt in Weimar eine Stätte neudeutscher Kunst geschaffen hatte... Diese großartige Tatigleit sano ein jahes Ende. Daß ihm seine Gattin Cosima, die Tochter Liszt, verließ und Wagner angehörte, zerriß das künstlerische Verhältnis, das so schöne Früchte gezeitigt hatte. Tief verwundet gab er den Kampf mit den Münchener Gegnern auf und ging ins Ausland. Er fühlte sich entwurzelt. Zwar voll Edelsinn setzt er seine ganze Manneskraft daran, um durch aufreibendste Konzertweltreisen für die Mitgift der ihm entfremdeten Töchter zu sorgen oder für den Bayreuther Fonds zu spielen. Aber mit bittrem Schmerz blieb er der Eröffnung der Festspiele sern, an deren Zusammenkommen er so großsinnig mitgearbeitet hatte. Naturgemäß wendete er sein Wirken nun immer mehr den Meistern der Vergangenheit zu, Bach, der ihm„das Alte Thestament", Beethoven, der ihm„das Neue“ für den Musiker war. Und nach manchen Zwischenstationen fand er dann in Meiningen und später in Berlin und Hamburg als Orchesterdirigent die Wirkungsstätten, die ihn auf die Höhe der Meisterschaften führten. In dem nen thüringischen Bethlehem schulte er die Hofkapelle in mühseliger Kleinarbeit zum Vortrag klassischer Sinfonien. Ein Vierteljahr lang wurde täglich der größte Sinfoniker in Teil= und Gesamtproben peinlich einstudiert, bis„die Reise um Beethoven in 80 Tagen“ durch eine glänzende Doppelaufführung der neunten Sinsonie gekrönt werden konnte. Bald gesellte sich zum Beethovenkult, den Bülow als Dolmetsch der letzten tiefsten Klaviersonaten in die Welt hinaus trug, auch die Pflge Brahmscher Kunst, für deren spröde Sprache er durch seine vollendete Wiedergabe weite Kreise eroberte. Bald zogen die Meininger Musiker mit ihrem Feldherrn durch ganz Deutschland und feierten allenthalben Triumphe, selbst in den Großstädten Und als Bülow aus der thüringischen Residenz schied, schwang er seinen Taktstock in Hamburg und Berlin und erweckte hier auf größerer Bühne eine ungeahnte Blüte sinfoni„Ich träumte in den Nächten so gräßlich von ihm.“ „Ich will ihn fortbringen lassen, wenn er Ihnen solches Grauen einflößt," tröstete der Baron. „Bitte!“ Sie lief mehr als sie ging, neben ihm her, der Treppe zu. Der Baron war durch Lucies Tod ungeheuer deprimiert. Krappe war mit Skout weggefahren, wegen des Begräbnisses. Sie gaben sich als die nächsten Verwandten der Gräfin aus. Möglicherweise hatte sie auch falsche Banknoten oder sonst etwas Belastendes bei sich gehabt, das man auf diese Weise wieder in Besitz zu bekommen hoffte. Vorsicht in allem und jedem war mehr denn je geboten. Die beiden Gedecke in den großen Speisezimmern standen sich vereinsamt auf den mächtigen runden Tische gegenüber. Alsen bediente Lilon selbst. Er konnte jetzt kein Bedientengesicht ertragen. Sie vermochte sich den verschleierten Ausdruck in seinen Augen nicht erklären. Man hatte ihr nichts von Lucies Tod gesagt, ihr lediglich mitgeteilt, die Gräfin wäre für einige Tage in dringenden Familienangelegenheiten verreist. „Tragen Sie irgendwelche schwere Gedanken mit sich, Baron?“ fragte sie teilnehmend und neigte sich etwas über den Tisch, daß ihre Hände auf die seinen zu liegen kamen. Er schrak aus seinen Gedanken auf.„Verzeihen Sie, Lilon!—— Ich bin in der Tat ein schlechter Gesellschafter. Zuweilen leide ich an seelischen Depressionen, die dann für meinUmgebung doppelt fühlbar werden, so sehr ich sie auch zu verbergen und zu bemeistern versuche.“ „Wie traurig!" bemitleidete sie ihn.„Es wäre mir leid, wenn Sie sich meinetwegen Zwang antun wollten. Ich würde Ihnen so gern helfen, wenn ich könnte, Baron.“ Er bog den Kopf zurück und sah sie an. Sie errötete und blickte hilflos nach einer Ecke des Zimmers „Erlauben Sie, daß ich rauche?“ fragte er. „Das ist noch das einzige, was mich hochhält.“ Er öffnete bereits sein Silberetui und reichte es ihr hinüber, eher er sich selbst bediente. Sie lehnte dankend ab und reichte ihm Feuer.„Waren Sie verheiratet, Baron?“ „Nein.“ „Auch nie verlobt?“ Er schüttelte den Kopf. „Aber geliebt, Baron—— das haben Sie doch sicher!" Er senkte die Schulter und schwieg. „Dann können Sie auch ermessen, wie leid es tut, wenn man solch einen Menschen durch den Tod verliert. Als Sie mir damals sagten, daß mein Bräutigam bei dem häßlichen Zugunglück das Leben einbüßte, habe ich gedacht, ich müßte Sie erwürgen.— Sie und mich, alle, die in meine Nähe kamen.—— Es gab Stunden, in denen ich sürchtete, den Verstand zu verlieren". „Und jetzt?“ fragte Alsen und wagte kaum zu atmen. „Jetzt habe ich aufgehört, mich gegen das Geschick zu stemmen.——Es mag wohl so bestimmt gewesen zu sein!— Obwohl— vergessen werden ich Oellers nie!" Alsens Gesicht sank tief auf die Brust herab.„Wenn ich heute oder morgen aufgehört habe zu sein, wird es niemand geben, der meiner in Liebe gedenkt—— höchstens in Haß.“ „In Haß?“ Sie starrte ihn an.„Baron wer sollte sie hassen?— Und daß niemand Ihrer in Liebe gedenkt, ist wohl auch nicht richtig. — Und wenn ich die einzige wäre!" „Lilon!“ Er verschränkte die Hände über dem Tisch und legte das Gesicht darein. Sie erhob sich und kam zu ihm herüber.„Baron Alsen, ich weiß nicht, was Sie so niederdrückt. Ich wäre glücklich, wenn Sie mir Ihr Vertrauen schenken würden. Ich würde es sicher nicht mißbrauchen.“ Er hob den Kopf, senkte ihn aber sofort wieder vor dem teilnehmenden Blick, mit dem ihn ihre Augen trafen. Wenn ich auch wollte, Lilon!—.— Ich habe Rücksicht auf andere zu nehmen, die ich um jeden Preis schonen muß.“ Im selben Augenblick traten Krappe und Skout ein. Sie kamen von ihren Kommissionen zurück und brachten sogar etwas wie Humor G Lilon war noch immer von der arzilichen Tätigkeit der beiden vollkommen überzeugt und hielt ihren Aufenhalt in Paris lediglich für Man ging früher als sonst zu Bett. Alsen fühlte, daß er keinen Schlaf finden würde und ließ sich von dem Diener einen Stapel Zeitungen auf das Zimmer bringen. Er hoffte, sich dadurch zerstreuen zu können. Knapp vor zwölf Uhr begann er sich auszukleiden, hatte aber noch kaum die Krawatte abgenommen und die Schuhbänder gelöst, als ihm eine Depesche gebracht wurde. Er löste das Siegel ohne jede Eile, las und verzog den Mund. Die kurze, in Ziffern gehaltene Mitteilung, lautete dahin, daß er sich gegen vier Uhr früh im Hotel Rue de reine einsinden sollte, um wichtige Nachrichten in Empsang zu nehmen. Er lachte verächtlich.—— Eine Falle! Trotzdem begann er sich anzukleiden. Dann saß er über eine Stunde reglos in die rote sterung eines Stuhles gedrückt und bewegte kaum die Lider. Geschlossenen Auges ließ er seine Häscher Revue passieren: Tandey— Ronald— Inspektor Stenson.— Plötzlich vernahm er, wie jemand an seine Tür schlich.— War es endlich so weit?— Er hob sich, indem er sich geräuschlos im Sessel hochzog, streifte die Schuhe ab und ging auf leisen Sohlen dorthin und legte das Ohr an das Schlüsselloch. Nun vernahm er ganz deutlich ein Atmen. Langsam, um keinerlei Geräusch zu verursachen, schob er den Riegel vor. Das Zimmer hatte einen zweiten Ausgang, der auf eine geheime Treppe mündete, welche in den Wintergarten führte; von wo aus man, ohne durch die Halle zu kommen, ins Freie gelangen konnte.— Aber deshalb sich davonschleichen?— Erst wollte er sehen, wer der nächtliche Ruhestörer war. (Fortsetzung folgt.) 1 scher Kunst. Wer damals seinen Orchesterkonzerten beiwohnte, erkannte die klassischen Werke nicht wieder, so viele neue Schönheiten tauchten hervor. Auf der Höhe seines Schaffens überwältigte ihn die tückische Krankheit, die schon lange an ihm genagt, aus der er sich aber immer wieder mit verjüngter Spannkraft aufgerafft hatte. Mit einer feurigen Huldigung für den größten Staatsmann seines Zeitalters nahm er von seinem Wirken in der Reichshauptstad Abschied, sehnsüchtig vermißt von seinen Verehrern, die keinen ganz Ebenbürtigen nach ihm erschaut haben. Wer aber seinem großangelegten Wirken nachtrauert, der vertiese sich in sein literarisches Vermächtnis, seine Briefe und seine Schriften, die ein farbenreiches Bild seiner Eigenart aufrollen, den geistvollen, vom Schrifttum des In= und Auslandes genährten, von Witz übersprudelnden Künstler zu vollem Leben erwecken, bald uns köstliche Lehrweisheit bietend, bald entzückend durch übermütige Schelmerei, bald erschütternd durch rührende Klage über die tragische Vereinsamung seiner liebebedürftigen Seele. Aus allen Bekenntnissen trifft und seine von wechselnden Stimmungen bewegte, aber lautere und adlige Natur hervor, die keine Eigensucht, keine Untreue kennt. Sein Name, mit den Großen seiner Zeit Wagner, Liszt, Brahms unauslöschlich verbunden, wird in aller Zukunft seinen reinen Glanz behalten. Vom julianischen Kalender Schwerte, den 7. Januar 1930. Im neuesten Altertum machte sich bereits die Notwendigkeit geltend, die ohne Anfang und Ende dahineilende Zeit abzuteilen und zu bemessen. Auch die rohesten alten Völker zeigen Spuren einer gewissen Chronologie. Der stumpfesten Beobachtungsgabe bleibt der Wechsel von Tag und Nacht, die Veränderung der Erscheinung des Mondes und der Stellung der Sterne nicht verborgen. Die Eigentümlichkeit der Regenzeit in den Tropen, der vier Jahreszeiten in unseren Gegenden, Ebbe und Flut, das Reisen gewisser Früchte, das Erscheinen von Wandertieren, müssen in ihrer regelmäßigen Wiederkehr sich auch dem wilden bemerkbar machen.— Die Zeitrechnung der alten Völker gründet sich meist auf das Mondjahr, die der wichtigsten Kulturvölker beruht auf dem julianischen, dem gregorianischen, dem jüdischen und dem mohamedanischen Kalender. Der von Julius Cäsar im Jahre 46 v. Ch. eingeführte iulianische Kalender zählt das Jahr zu 365 Tagen und ergibt in jedem vierten Jahre einen Schaltlag. Dieser Ausgleich schafft aber in 120 Jahren ein Plus von einem Tage, das durch den 1582 eingeführten gregorianischen Kalender aufgehoben wurde. Dieser kam sogleich in Italien, Spanien und Portugal, 1583 im katholischen, 1700 im übrigen Deutschland und in den Niederlanden, 1752 in England und am 12. Juni 1923 in Rußland zur Geltung. Länder mit julianischen Kalender sind gegen unsere Zeitberechnung 13 Tage zurück. Geschriebene Kalendarien zeigten sich bereits früher; ebenso sind unsere sogenanten„Immerwährenden Kalender“ eine sehr alte, übrigens in Nürnberg neu gemachte Erfindung. Auf ein hohes Altertum weisen auch die Tagebücher oder Almanachs(Al manach— die Berechung) zurück, wie solche bei den Arabern sich fanden. Diese dienten durchschnittlich als immerwährende Kalender, waren wenigstens stets auf eine Reihe von Jahren gültig. Die Kerbenstöcke, Runenstäbe, Scipiones Runici, Baculi, Anales usw. der Skandinavier, Dänen, mehrerer sächsischer Stämme sind hier nicht zu vergessen. : Gedenktage. 7. Januar: 785 Sachsenherzog Widukind getauft.— 1308 Bund der vier Waldstätte.— 1529 Der Erzbildner Peter Vischer in Nürnberg gestorben(geboren um 1640).— 1831 Reichspostminister Heinrich von Stephan, Gründer des Weltpostvereins, in Stolp in Pommern geboren(gestorben 1897).— 1845 Der ehemalige König Ludwig III. von Bayern in München geboren(gestorben 1921).— 1858 Der belgische Dichter Iwan Gilkin in Brüssel geboren (gestorben 1924). 8. Januar: 1081 Kaiser Heinrich V. geboren(gestorben 1125).— 1642 Der Physiker und Astronom Galileo Galilei in Arcetri bei Florenz gestorben(gestorben 1564).— 1822 Der Naturforscher Alfred Russell Wallace in Ush geboren(gestorben 1913).— 1830 Der Musiker Hans von Bülow in Dresden geboren(gestorben 1894).— 1919 Der Schriftsteller Peter Altenberg in Wien gestorben(geboren 1859). Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 6. Januar 1930. Das neue Tiefdruckgebiet ist von Großbritannien nach dem Nordmeer abgezogen. Auf seiner Rückseite steigt über Großbritannien der Luftdruck stark. Auch über Südosteuropa besteht hoher Luftdruck fort, während über Südsrankreich ein flaches Tiefdruckgebiet liegt. In Deutschland war es heute früh trocken, teils heiter, teils wolkig. Nordwestdeutschland hatte 6 bis 7 Grad Wärme, während in Ost= und Süddeutschland leichter bis mäßiger Frost herrschte. Der Kahle Asten meldet frischen Südwestwind, bedeckten Himmel und 3 Grad Wärme. Wetteraussichten bis Mittwoch: Vorwiegend trocken, wechselnde Bewölkung und etwas kälter. Ein naseweiser Schmetterling. Allzu neugierig dürfte ein Kohlweißling gewesen sein, der am gestrigen Tage sein kurzes Erdendasein antrat. Margot Dreger, Märkischestraße 17, sand diesen beflügelten Frühlingsboten im Garten an einem Kohlstrauch sitzend und präsentierte ihn in einem Streichholzkaften freudestrahlend in unserer Redaktion Trotz sorgsamster Pflege und Fütterung dürfte dieser Frühlingsbote, den die linden Lüfte der letzten Tage eine falsche Vorstellung von der Jahreszeit gegeben haben, kaum den Lenz erleben. Weihnachtsfeier des MGV.„Flügelrad“ Schwerte. Unserem gestrigen Bericht über die im Saale„Im Reiche des Wassssers" veranstaltete Weihnachtsfeier des MGV.„Flügelrad“ Schwerte haben wir noch hinzuzusügen, daß die Begrüßungsansprache Herr Justus hielt, der in herzlicher und verständnisvoller Weise zu den Versammelten sprach. Herr Kaulisch sprach im Namen des Eisenbahnvereins. Verein junger Mädchen. Wie am Sonntag im Gottesdienst bekannt gegeben wurde, kommt der Verein junger Mädchen nicht heute abend, wie im Sonntagsblatt mitgeteilt wurde, sondern morgen abend, Wittwoch— um 8 Uhr, im Gemeindehause zusammen. Schöne Lichtbilder und kleine Ueberraschungen sollen nach langer Festpause Freude bereiten. Ingendabteilung des Vaterländischen Frauenvereins vom Reten Kreuz. Die nächste Zusamenkunft findet am Mittwoch, den 8. Januar, abends 8 Uhr, im Kinderhort am Markt statt. Ferienende. Die Weihnachtsferien haben mit dem heutigen Tage ihr Ende benommenz umlhweniumih gen Tage ihr Ende erreicht. Morgen beginnt an allen Schulen unserer Stadt wieder der Unterricht. Karnevalistische Prunksitzung im„Freischütz.“ Das weird zweifelos, eine beachtliche Veranstaltung werden, wenn am Samstag, den 18. Januar die große Karnevalsgesellschaft Rheinland im Freischütz tagt, um Humor und Frohsinn zum vollen Rechte zu verhelfen. Bemerkenswert ist an dieser karnevalistischen Prunssitzung, daß der allseits bekannte und geschätzte Kölner Karnevalsdichter und ausgezeichnete Büttenredner Gerhard Ebeler anwesend sein wird. Wer wird von ihm nicht den Schlager„Heut sind wir fidel...“ kennen? Ebeler gilt z. Zt. als der beliebteste Kölner Karnevalsdichter, den man wiederholt im Rundfunk hören konnte. Wir werden in einer Voranzeige noch näher auf diese vielversprechende Veranstaltung zurückkommen. Jahreshauptversammlung der TheaterGesellschaft„Minerva“ Schwerte. Am 1. Januar(Neujahr) hielt die„Theater=Gesellschaft Minerva“, ihre diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Die Versammlung, welche äußerst gut besucht war, wurde vom Ehrenvorsitzenden Heinrich Seegrefe eröffnet und geleitet. Er dankte allen Spielern für ihre Arbeit und Leistungen, die sie der Gesellschaft im vergangenen Jahre zur Verfügung gestellt haben, was sich besonders beim letzten Fest am 2. Weihnachtstage stark bemerkbar gemacht hat, und dem Kassierer für die sparsame Wirtschaftung der Kasse. Die„Minerva“, die im vergangenen Jahre viel und großes geleistet hat, u. a. mit ihren Aufführungen„Der Freischütz",„Carmen",„Die Tochter des Wilderers", der„Paria" und Vater Lorenz“ wird auch in diesem Jahre wieder auf den Plane treten, um ihren Anhängern und dem theaterliebenden Publikum, genußreiche Stunden zu bereiten. Nachdem die Kassenprüfer ihren. Bericht über die Kassengeschäste vom vergangenen Jahre abgegeben hatten und die Kasse in bester Ordnung befunden wurde, konnte dem 1. Kassierer die Entlastung vom Ehrenvorsitzenden mit Zustimmung der Versammlung erteilt werden. Alsdann wurde die Vorstandswahl vorgenommen. Es wurden in den Vorstand neu, bezw. wiedergewählt: 1. Vors. Heinr. Seegrese(neuw.), 2. Alex Wächter(wiederw.), 1. Schriftf. Rich. Jakob(neuw.) 2. Alfred Kraus(neuw.), 1. Kassierer Herm. Berkenhof(wiederw.), 2. Jos. Paffrath(neuw.) 1. Regisseur Heinr. Büscher(neuw.), 1. Bühnemann Heinr. Büscher(wiederw.), 1. Theaterfriseur Julius Schöttler(wiederw.). Als Kassenprüfer Fritz Runge und Schöttler. Ebenfalls das Vereinslokal Alex Wächter wurde wiedergewählt. Es wurde noch beschlossen, vom 10.—13. Januar im Vereinslokal Wächter ein Preisschießen zu veranstalten. Am Schluß der Versammlung wurde noch beschlossen, in Bälde unter den Mitgliedern einen gemütlichen Abend mit Damen zu seiern Der Vors. H. Seegrefe mahnte noch jedes Mitglied auch in diesem Jahre treu zur Fahne zu halten und seine ganze Kraft der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Nach Absingen des Vereinsliedes blieben die Mitglieder noch einige vergnügte Stunden zusammen. Im Februar wird der Verein im„Reiche des Wassers“, ein Kostümfest veranstalten. — Auch wir wünschen der„Minerva“ in Zukunft, bei ihren Aufführungen guten Erfolg. Die Red. Monatsversammlung des Turnvereins „Jahn“ Schwerterheide.(ADT.) Recht zahlreich versammelten sich die Mitglieder obigen Vereins vergangenen Sonntag im Vereinsheim zur Monatsversammlung. Nach herzlichen Worten der Begrüßung durch den Vorsitzenden Sonneborn wurden 3 neue Mitglieder ausgenommen. Sodann nahm man die Wahl der Delegierten für den Bezirk und Verbandsturntag vor. Nun erfolgte eine Aussprache der Festkommission für die bereits getätigten Vorbereitungen für das am 19. Jan. im Freischütz stattfindende Kostümfest. Da die Kommission gute Vorarbeiten geleistet hatte, verspricht die Feier einen guten Verlauf zu nehmen. Wiederum sollen die schönsten Kostüme mit 3 Damen, 3 Herren u. 3 Clownpreise bedacht werden. Dann forderte der 1. Vorsitzende die Mitgliedschaft auf, zum guten Gelingen des Festes mitzuwirken. Ferner unterhielt man sich über Verbandsangelegenheiten. Unter Punkt Verschiedenes wurden noch weitere Angelegenheiten besprochen. Die Versammlung wurde mit dem Absingen des Bundesliedes geschlossen. D Landtren Vom Kreisausschuß Iserlohn. Am 2. Januar 1930 fand die erste Sitzung des neu gewählten Kreisausschusses statt. Die neugewählten Mitglieder wurden durch den Vorsitzenden begrüßt und durch Handschlag auf ihr Amt verflichtet, nachdem sie den Treueid auf die Reichsverfassung und den vorgeschriebenen Amtseid auf die preußische Verfassung abgelegt hatten. Alsdann wurde eine umfangreiche Tagesordnung erledigt. In einer Anzahl von Fällen wurde zu Grundstücksverkäufen die Wertzuwachssteuer festgesetzt. Ueber Einsprüche gegen festgesetzte Kreisschankerlaubnissteuern wurde entschieden. Ueber mehrere Anträge auf Konzessionsumschreibungen wurde beschlossen und die zu erhebenden Kreisschankerlaubnissteuern festgesetzt Zahlungspflichtige nach der Fürsorgepflichverordnung wurden resolutorisch verpflichtet. Die Beisitzer für das Kreismieteinigungsamt wurden neu gewählt. Einem Antrag auf gewerbepolizeiliche Genehmigung einer industriellen Anlage wurde stattgegeben. Die Besteuerungsbeschlüsse der Gemeinden Lössel und Hemer wurden genehmigt. Die Ortssatzung betr. die Anlegung, Veränderung und Bebauung von Straßen in der Gemeinde Hennen wurde genehmigt. Vorrangseinräumungen für Hauszinssteuerhypotheken wurden zugestimmt. Der Vorsitzende berichtete eingehend über den Stand der Auseinandersetzung unter den beteiligten Stadt= und Landkreisen betr.— den früheren Landkreis Hörde, wobei der Kreisausschuß in einer Reihe von Fragen Stellung nahm. Schließlich wurde noch eine Anzahl laufender Verwaltungsangelegenheiten erledigt. Iserlohn. Ein bedeutungsvoller Fund. Wie es scheint, steht nunmehr doch das Rätsel von Grürmannsheide vor seiner Lösung Am 23. September 1911 verschwand plötzlich auf ungeklärte Weise die 21jährige Martha Lesnikowsti aus Grürmannsheide. Das Mädchen wollte mit seinem Bräutigam eine Festlichkeit in Iserlohn besuchen, ist aber dann weder in Iserlohn gewesen und auch nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib des Mädchens blieben erfolglos. Da man dem Bräutigam des Mädchens, der lange in Untersuchungshaft gesessen hatte, nichts nachweisen konnte, schlief die ganze Angelegenheit allmählich ein. In den letzten Jahren wurden aber von privater Seite außergewöhnliche Anstrengungen für eine Aufklärung des rätselhaften Falles gemacht. Von dieser Seite wurde bereits im Jahre 1928 zweimal Frau Gerber=Wiegardt(Düsseldors), die als Hellseherin einen bedeutenden Ruf genießt, veranlaßt, nach Grürmannsheide zu kommen, um dort an Ort und Stelle zu versuchen, Licht in das Dunkel zu bringen. Schon die ersten Versuche hatten den Erfolg, daß die Nachsorschungen auf eine ganz neue Bahn gelenkt wurden. Während man früher den mutmaßlichen Tatort in die Nähe des Gemeindesteinbruchs legte, wurde die Aufmerksamkeit nunmehr durch die Hellseherin auf den Refflingserbach und seine nächste Umgebung gelenkt. Die weiteren Ermittlungen ergaben dann, daß bereits schon früher von einigen jungen Leuten, die sich nunmehr meldeten, ein menschlicher Arm und zwei Bekkenknochen gesunden worden waren, die man aber erst nach der Beschreibung, die sie jetzt davon machten, als Menschenknochen erkannte. Leider war es nicht möglich, diese Knochen wiederzufinden. Die Hellseherin hatte seinerzeit gesagt:„Ich sehe den Schädel an den Wurzeln eines Baumes!" Diese Angaben, die damals von vielen Seiten mit einem ironischen Lächeln ausgenommen wurden, haben sich nunmehr nach genau einem Jahre erfüllt, denn bei einer Treibjagd, die vor einigen Tagen im Gebiet des Refflingser Baches stattfand, wurde an einer Baumwurzel hängend ein offenbar vom Wasser freigespülter Menschenschädel gefunden. Wie durch einen Arzt festgestellt wurde, handelt es sich um einen Frauen= bezw. Mädchenkopf von einer 15= bis 30jährigen Person. Der Schädel habe bereits etwa 20 Jahre im Erdreich gelegen. Da auch das Kopfmaß des Schädels mit dem der verschwundenen Martha Lesninowski übereinstimmt und der Fundort ungefähr der gleiche ist, wo man früher schon Menschenknochen gesunden hat, dürfte wohl die Annahme berechtigt sein, daß es sich tatsächlich um den Kopf des verschwundenen Mädchens handelt. Besonders bemerkenswert ist noch, daß etwa 200 Meter von der Fundstelle entfernt damals, als die Lesnikoski verschwand, ein zersetzter Damenschirm und ein zerknüllter Damenhut gefunden wurden. Auch zeigten sich auf dem Boden deutliche Spuren eines Kampfes. Zweifellos wird sich nun die Staatanwaltschaft erneut mit dieser Angelegenheit beschästigen müssen, denn eins steht unumstößlich fest: an dieser Stelle ist ein Mensch ums Leben gekommen, was durch die Auffindung des Schädels heute nicht mehr bestritten werden kann. Menden. Versöhnungsabend. Gemäß einer alten schönen Sitte fand am Neujahrsabend im Ratskeller der sogenannte Versöhnungsabend statt, an dem das Stadtverordnetenkollegium, die Stadtverwaltung und die Presse teilnahmen. Dieser traditionellen Zusammenkunst liegt eine tiefere symbolische Bedeutung zu Grunde. Es soll damit angedeutet werden, daß alle Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten, die sich im Laufe des Jahres bei den Beratungen herausbilden können, zum Jahresschluß begraben sein sollen. Der diesjährige Versöhnungsabend nahm wieder einen sehr harmonischen Verlauf. Westhofen Holzen. Standesamtsübersicht. Beim Standesamt Holzen, umfassend die Ortsteile Rosen, Mittelholzen, Sommerberg und Höchsten, wurden im verflossenen Kalenderjahre folgende Fälle beurkundet: 35(35) Geburten, davon 19(18) Knaben, 16(17) Mädchen, 1(0) unehelich; 23(20) Sterbefälle, davon 10(15) männlich, 11(3) weiblich, 2(2) Totgeburten. Eheschließungen fanden 31(21) statt. Die Einwohnerzahl der genannten Ortsteile beträgt zusammen 2881(2902). Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf das Vorjahr. Holzen. Wirtschaftsübernahme. bekannte Möldersche Wirtschaft am Rosenweg ist von Herrn Willy Peters aus Schwerte übernommen worden. ! Wandhofen. Haldenabtragung. Die Firma Eisenindustrie zu Schwerte, die den Vereinigten Stahlwerken angehört, läßt seit einigen Wochen die an der Grenze zwischen Wandhofen und Schwerte befindliche riesige Schlatkenhalde abtragen. ! Westhofen. Betrug um Akkordlohn Ein hier wohnender und auf dem Stahlwerk in Kabel beschäftigter Arbeiter kam eines Tages auf den Gedanken, seinen Arbeitslohn dadurch zu steigern, daß er auf seinem Arbeitszettel mehr Stücke anschrieb, als in Wirklichkeit gefertigt hatte. Das Amtsgericht Hagen verhängte statt einer Gefängnisstrafe eine Geldstrafe von 20 Mark, wobei berücksichtigt wurde, daß der Arbeiter jetzt erwerblos und schon dadurch bestraft ist. #cie reiven Narsch. Gerschund Puß Inne Schlacke. chne Grus. Hohe Heizkroff. altbewährt: Jauber. billic, allbecchrt. TALIoIED Weschofen. Kirchliche Statistik. Getaust wurden 33 Kinder(1928—33). Getraut wurden 23 Paare(1928—18). Konfirmiert wurden 45 Konfirmanden(1928—52). Es starben 37 Gemeindeglieder. 1 Westhofen. Stactistik über Schlach tungen. Im Amtsbezirk Westhosen sind im abgelaufenen Kalenderjahre insgesamt 1122 gewerbliche Schlachtungen ausgeführt worden. Auf die einzelnen Vieharten verteilen sich diese wie folgt: Rindvieh 206, Kälber 164, Schweine 725, Schase und Ziegen 27. Außerdem sind in Privathaushaltungen 936 Schweine geschlachtet worden. Nicht einbegriffen in diesen sind diejenigen Schlachtungen, die im Schlachthaus in Schwerte vorgenommen wurden. 1 Westhosen. Ein böser Fehltritt wurde dem Landwirt Sch. zum Verhäugnis. Beim Treschen siel er einige Sprossen tief eine Leiter hinunter und zog sich eine erhebliche Schienbeinverletzung zu. Amt Ergste m. Ergste. Generalversammlung. Der hiesige MGV.„Sängerbund“ hielt am Samstag im Gasthof Schneider seine Jahreshauptversammlung ab. Der Vorsitzende Heimann begrüßte die Mitglieder. Dirigent Lehrer Hövelmann erstattete den Jahresbericht. Da der gesamte Vorstand seine Aemter niedergelegt hatte, wurde zum provisorischen ersten Vorsitzenden Amtsobersekretär Merschmann gewählt. Zum zweiten Vorsitzenden wurde der Kaufmann Heinrich Krallemann, einstimmig wiedergewählt. Schriftführer: Kaufmann Heinrich Kockelke, Stellvertreter: Kausmann Otto Schröder, Kassierer: Schreinermeister Möller, Beisitzer: Fritz Kramer und Heinrich Kuhlmann. Fahnenträger Kunst oder Sensation? wurde Sangesbruder Gousch. Nach den Vorstandswahlen fand eine Besprechung der Beitragsfrage statt. Der Vorstand soll prüsen, ob eine Ermäßigung der Beiträge möglich ist. Bezügl. der im Jahre 1930 abzuhaltenen Festlichkeiten soll ebensalls der Vorstand zunächst Vorbe ratungen abhalten. Ueber die endgültige Wahl des Vorsitzenden soll demnächst in einer außerordentlichen Generalversammlung Beschluß gesaßt werden. Ergste. Generalversammlung. Der hiesige Krieger= und Landwehrverein hielt im Gasthof Schneider, eine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Kamerad Hidding, eröffnete dieselbe mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr. Zur Ehrung der im vergangenen Jahre verstorbenen Kameraden erhoben sich die Mitglieder von ihren Sitzen. Kamerad Merschmann gab alsdann Auskunft über die herausgegebene Kreisverbandszeitung. Die Aussprache ergab, daß die Zeitung guten Anklang gesunden hat. Falls die Kosten sich in mäßigen Grenzen halten, wird die Einführung der Zeitung begrüßt.— Der demnächst stattfindende Volkstrauertag soll in würdiger Weise an den Heldendenkmälern begangen werden. Im Laufe dieses Jahres sollen zwei Preisschießen zusammen mit dem Kriegerverein Bürenbruch abgehalten werden. Das 1. Schießen soll möglichst am Sonntag, den 1. Juni stattfinden. Es soll dann zwischen den beiden Vereinen ein Wanderpreis ausgeschossen werden. Die gewählte Schießkommission, bestehend aus den Kameraden Orlewsti, Wilhelm Hellmann, Heinrich Herlinghaus, Otto Harde, Julius Viebahn, Karl Kückelhaus, Emil Hövelmann und Heinrich Brune veranlassen das Weitere. Zu Kassenrevisoren wurden Paul Kockelke und Otto Schröder gewählt. Einstimmig wurde beschlossen, alle 70jährigen und ältere Mitglieder, soweit sie es wünschen, die Beiträge zu Zweidrittel zu erlassen. Es soll dieses den alten Kameraden gegenüber eine Dankespflicht für ihre Vereinstreue sein.— Kamerad Merschmann sprach alsdann kurz über brennende Versorgungsfragen nach den Bestimmungen des Reichsversorgungsgesetzes.— Die Kameraden Otto Lueg und Fritz Haarmann jr. wurden einstimmig als Mitglieder ausgenommen. Bei der Vorstandswahl trat der Gesamtvorstand ab Der zum Verhandlungsleiter gewählte Kamerad Beckhaus teilte nach kurzer Zeit dem Vorstand mit, daß er durch Zuruf wieder gewählt worden sei.— Unter Verschiedenes wurde angesragt, ob es andem sei, daß der Kysshäuserbund beabsichtige, in Berlin und anderen Städten Warenhäuser zu betreiben. Hierin würde eine Schädigung des Einzelhandels erblickt. Der Vorsitzende erklärte, daß ihm hiervon nichts bekannt sei. Es wurde beschlossen, an den Kreisfriegerverband Iserlohn ein Protest gegen die Errichtung derartiger Häuser zu schicken Weiter wurde beschlossen, in Zukunft die sammlungen vierteljährlich abzuhalten.— Der Vorsitzende gab dann noch bekannt, daß der Kamerad Fritz Althoff, Schwerterstraße, vom Kyfshäuserbund zum Oberfechtmeister ernannt ist und ein entsprechendes Abzeichen erhalten hat. Die Fahnenträger wurden einstimmig wiedergewählt. Vermischtes Die Kolin Anastasia Tschablocha wurde Schönheitskönigin von Polen. Als man sie befragte, welchem Umstande sie ihre schöne, zarte Haut verdanke, erklärte die Polin, daß sie ausschließlich von Eiern lebe, die sie in den verschiedensten Zubereitungsarten genieße. Folge: die jungen Mädchen von Polen vertilgten Unmengen von Eiern. Folge: die Eierpreise stiegen. Folge: die polnischen Eierhändler verdankten der Schönheitskönigin fette Einnahmen. Folge: die schöne Polin erhielt von den Eiergroßhändlern ein Hühnerei aus massivem Golde. Ob die Eiervertilgerinnen aber auch wirklich schöne Haut bekamen— davon schweigt die Geschichte; eher könnte man annehmen, daß sie sich den Magen gründlich verdarben. Der Tscherwonzen=Fälscherprozeß in Berlin Im Verein Verliner Künstler wurde die angekündigte Ausstellung der Werke des italienischen Meistersülschers Dossena eröffnet. crinnert sich noch des Skandals, der im Jahre 1928 in Rom ausbrach, als sich herausstellte, daß melere antike und mittelalterliche Kunstwerke Toffena zum Schöpfer hatten. Man sprach von Jälschungen, aber der Bildhauer wehrte die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen mit dem Hinweis ab, daß es gar nicht in seinem Sinn gelegen habe, Fälschungen zu begehen. Erst der Kunsthändler habe seinen Werken die Namen alter Meister gegeben. Allerdings bleibt uner findlich, warum Dossena, wenn er sich doch nur in den Geist verrauschter Jahrhunderte versetzen wollte, altes, wurmstichiges Holz verwendete, den Marmor patinierte, Löcher hineinbohrte, Fingerspitzen abschlug und Gewänder und Gesichter mit künstlichen Rissen durchfurchte. Unnachahmlich ist, wie Dossena sich in die Kunst vergangener Jahrhunderte hineinfühlt, in andere gleichsam hineinkriecht. Die Beherrschung des Technischen ist vollkommen. Ob dies nun aber „Kunst“ ist, wenn man unter Kunst den persönlichen Ausdruck versteht, der zugleich der Ausdruck der Zeit ist, wird wohl doch dahingestellt bleiben müssen. Unser Bild zeigt die Holzfigur einer Madonna im Stile des Simone Martini. Durch Dossena wurde der bisher nur als Maler bekannte Künstler zum Bildhauer! Auch hier künst liche Patina der Oberfläche, Beschädigungen durch Wurmfraß. Aber das 14. Jahrhundert ist erstaunlich nachgefühlt. Der Angeklagte Karunidze(X) Verhör. Den Vorsitz führt Amtsgerichtsrat berger. Warten= N Anbringung von Reklameschildern Unzulässige Versagung der Genehmigung durch die Polizeibehörde. In einer Stadt besteht ein Ortsstatut gegen Verunstaltung des Ortsbildes. Danach bedarf u. a. die Anbringung von Reklameschildern, Aufschriften oder Abbildungen zu Reklamezwekken, Lichtreklamen und Schaukästen sowie teilweiser oder gänzlicher buntfarbiger Anstrich der Gebäudeschauseiten der Genehmigung der Baupolizeibehörde. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn derartige Ankündigungsmittel oder farbige Anstriche durch ihre Größe, Form, Farbe, Ausführung oder infolge von Art und Ort ihrer Anbringung das Orts= oder Straßenbild gröblich verunstaltet würden, oder wenn die Voraussetzungen vorliegen, unter denen auf Grund des Statuts die baupolizeiliche Genehmigung zu den Bauausführungen zu versaers. In einem Falle, mit dem sich in leyzter Instanz das Preußische Oberverwaltungsgericht zu beschäftigen hatte, war einem Kaufmann die Anbringung von Reklameschildern nur deswegen nicht gestattet worden, weil die Polizeiverwaltung befürchtete, die Genehmigung würde weitere Anträge anderer Gewerbetreibender nach sich ziehen und zu einer das Ortsbild verunstaltenden Häufung von Schildern führen. Das Preußische Oberverwaltungsgericht hat das Vorgehen der Polizeibehörde nicht gebilligt. Es handelt sich hier um eine Maßnahme, so heißt es in den Gründen, durch die nicht einer unmittelbar aus der Anbringung der beantragten Schilder drohenden Verunstaltung vorgebeugt werden soll, sondern einer solchen, die erst von dem Hinzutreten weiterer Schilder zu erwarten ist. Daß allein in der Häufung von Reklameschildern ein verunstaltendes Moment gefunden werden kann, ist nicht zweifelhaft. Das hier von der Polizeibehörde geübte Verfahren geht aber über das zur Bekämpfung einer verunstaltenden Häusung von Schildern gesetzlich zulässige Maß hinaus und würde nicht nur zu einer völligen Unterdrükkung der Reklame führen, sondern den Boden des Verunstaltungsgesetzes verlassen. Die durch Ortsstatut geregelte Genehmigung der Anbringung von Reklameeinrichtungen kann nach dem Gesetz nur versagt werden, wenn von der Anbringung eine gröbliche Verunstaltung des Ortsbildes zu erwarten ist.— Jedenfalls wird nur der zum Zerstörer der öffentlichen Ordnung, der sie durch sein Tun oder Unterlassen unmittelbar gefährdet. Wirkt das Handeln oder Unterlassen einer Person an sich nicht störend, tritt eine Störung vielmehr erst dadurch ein, daß eine andere Person durch das Verhalten der ersten Person dazu veranlaßt wird, ihrerseits Handlungen zu begehen, die eine Gefahr bewirken, so ist Störer lediglich die zweite Person. Da durch die zur Genehmigung angemeldeten Schilder eine gröbliche Verunstaltung des Orts= oder Straßenbildes nicht zu befürchten war, wie die Polizeibehörde selbst zugibt, so hatte sie auch kein Recht, die Genehmigung zu versagen. Kosten des notdürftigen Unterhalts Recht verschiedene Ansichten äußern in der jüngsten Zeit die Gerichte über die Kosten des notdürftigen Unterhaltes, die bekanntlich nicht gepfändet werden dürfen. So hatte vor einiger Zeit das Kammergericht dahin erkannt, daß der notdürftige Unterhalt mit 30 Mark wöchentlich zu veranschlagen sei. Dagegen hatte sich das Landgericht 2 Berlin dahin ausgesprochen, daß dem Schuldner 26,90 Mark wöchentlich zu belassen seien. Wieder eine andere Meinung vertritt das Amtsgericht 3 in Berlin, das in einem Beschluß folgendes ausführte: Die Ansprüche an den notdürftigen Unterhalt müssen sich der allgemeinen Wirtschaftslage anpassen. Sie werden daher in dem verarmten, schwere Kriegslasten tragenden Deutschland nur geringer sein können als in reicheren Ländern und beim Sinken der allgemeinen Lebensunterhaltung mit ihr herabgesetzt werden müssen. Berücksichtigt man dieses, so ist dem Schuldner ein Betrag von 22 Mark wöchentlich pfandfrei zu belassen. — Der Ehefrau und den Kindern hat der Schuldner standesgemäß Unterhalt zu gewähren, und es sind ihm auch die Kosten dafür belassen. Bei Bemessung dieser Kosten ist zu bedenken, daß sich die Kosten des Haushalts eines kinderlosen Ehepaares regelmäßig nicht erheblich höher stellen als diejenigen des Haushaltes eines Unverheirateten, der gezwungen ist, sich eine Kraft für seinen Haushalt zu halten oder seine Mahlzeiten in einer Wirtschaft einzunehmen. Es ist daher dem Schuldner, der eine Ehefrau zu unterhalten hat, als Mehrbetrag nur die Differenz zwischen den Kosten des Lebensunterhaltes eines Junggesellen und denjenigen eines kinderlosen Ehepaares zu belassen. Dieser Betrag ist auf 6 Mark wöchentlich geschätzt.— Der gleiche Betrag ist auch für den Unterhalt eines Kindes erforderlich. Das Kammergericht hat 10 Mark für notwendig erachtet mit der Begründung, daß in Groß=Berlin die Wohlfahrtsbehörde von den unehelichen Vätern einen solchen Betrag für das Kind fordere. Dabei wird aber übersehen, daß die Wohlfahrtsbehörde die Kinder bei fremden Leuten unterbringen muß, denen nicht nur die Kosten des Unterhaltes zu erstatten, sondern auch ein Verdienst für die Mühe der Wartung und Erziehung der Kinder verbleiben muß, was bei den in der Familie lebenden Kindern des Schuldners in Wegfall kommt, so daß also ein Betrag von 6 Mark wöchentlich als ausreichend zu erachten ist. (Landger. III Berlin, 2. T. 2799. 28.) Inanspruchnahme einer Wohnung ohne Bezeichnung des Verfügungsberechtigten Von einer Gemeindebehörde waren Räume durch eine Verfügung in Anspruch genommen worden, die„an den Eigentümer bezw. Verwalter des Hauses“ gerichtet war, ohne den Verfügungsberechtigten namentlich zu bezeichnen. Das Kammergericht hatte sich nun in einem Rechtsentscheide darüber zu äußern, ob eine derartige Verfügung rechtswirksam sei oder nicht.— Im allgemeinen, so führte das Kammergericht aus, ist die Gemeindebehörde gehalten, den wirklichen Verfügungsberechtigten zu ermitteln, und in der Verfügung mit Namen zu bezeichnen. Daraus folgt aber noch nicht, daß eine dieser Regel nicht entsprechende Verfügung unwirksam sein muß. Man muß doch bedenken, daß die Wohnungsmangelvorschriften erforderlich geworden sind durch eine Not, die das ganze Volk drückt, und daß sie dieser Not möglichst wirksam abhelfen sollen. Deshalb dürfen auch die Folgen der Unwirksamkeit nur an solche Mängel der Verfügung geknüpft werden, die ihr die Klarheit in einem Maße nehmen, daß ihr Bestand entweder mit den öffentlichen Interessen oder doch mit dem Schutzbedürsnis des Betroffenen nicht mehr vereinbart ist.— Sofern in der Inanspruchnahmeverfügung die Räume mit ausreichender Genauigkeit bezeichnet sind, wird es in den meisten Fällen allen Beteiligten unschwer gelingen, die Identität des Verfügungsberechtigten klarzustellen und letzterer ist in diesem Falle genau so gut in der Lage, seine Rechte zu vertreten, als wenn sein Name in der Verfügung genannt wäre. Die Inanspruchnahme von Räumen kann also nicht schon deshalb unwirksam sein, weil die Verfügung den Versügungsberechtigten nicht namentlich bezeichnet. Daraus folgt aber nicht ohne weiteres, daß solche mangelhaften Verfügungen in allen Fällen unbedingt wirksam sind. Das ist nur der Fall, wenn sie in die Hand des Verfügungsberechtigten rechtzeitig gelangt sind. Hat der Versügungsberechtigte keine Kenntnis von ihnen erlangt, so kann die Verfügung auch nicht ihm gegenüber wirken.— Nicht anders ist es zu beurteilen, wenn der Verfügungsberechtigte von der Verfügung erst zu einer Zeit erfährt, zu der er seine Rechte nicht mehr in vollem Umsange zu verteidigen in der Lage ist. Inanspruchnahme=Verfügungen der in Rede stehenden Art sind also in jedem Einzelfalle genau zu prüsen. Ergibt die Prüfung an der Wirksamkeit der Inanspruchnahme Zweisel, so müssen die Zweisel zu Lasten der Gemeindebehörde gehen. **"„„** (10. Fortsetzung.) Mit einem Aufatmen begrüßte sie das Erscheinen Bernds, der im Laufschritt näherkam. Ein rasches Forschen vo Gesicht zu Gesicht— dann ein Aufleuchten in den Knabenaugen:„Ich habe überall nach euch gesucht.— Niemund wußte, wo du bist, Vater! Nur, daß die Mama nach der Stadt ging, hat mir die Zofe gesagt. Er ging in der Mitte der Eltern den Weg zum Schlosse, wo man nach einer halben Stunde einträchtig wieder am Frühstückstisch zusammentraf Für den Nachmittag hatte Brunhilde einen Tee mit Freundinnen vereinbart. Bernd war auf ein Nachbargut geladen. Anstetten holte nach kurzer Mittagsruhe eines der Gewehre aus dem Schrank, pfiff nach Rixa und ging durch den Park dem Hochwald zu. Er hatte eigentlich nicht im Sinne zu pirschen, aber schon das Steigen zwischen den Stämmen war ihm ein Genuß....(amitter maschse 14. Das gegen sechs Uhr aufsteigende Gewilter, weiches schon nach einer Viertelstunde losbrach, zwang ihn, Schutz in einer Hütte zu suchen, die halb mit Heu gefüllt war, das im Winter zur Fütterung der Rehe diente. Er lehnte die Türe zu und hörte fünf Minuten später einen Trupp Ausflügler von der Höhe abwärts laufen. Sie blieben draußen an der Südwand stehen, wo das Dach weit vorspringend, Schutz gewährte. Er konnte das Gespräch bis herein vernehmen Aus der Unterhaltung, die geführt wurde, schloß er, daß es Offiziere der Reichswehr sein mußten. Sie sprachen von Rennen und Pferdematerial, von Manövern und Beförderungen, bis plötzlich sein Name fiel und ihn gespannt aufhorchen ließ:„„„ 1.. g scoint „Was sagst du zu Anstetten?— Das indische Kuma schein ihm gut bekommen zu haben.“ Ein gemütliches Lachen folgte „Die Ehe soll ja wieder zusammengekittet sein,“ sagte ein klingender Baß,„ich habe so etwas verlauten hören, als ob der junge Baron den Vermittler zwischen den Eltern mache. Na— wenn man so einen Sohn hat, dem zu Liebe, meine ich, kann man schon etwas nachgiebig sein!— Ein liebes Kerlchen, dieser Bernd! Der Oertzen soll es sich sehr angelegen sein lassen, ihn zu ködern.“ Ein Auflachen.„Ich bin begierig, was Anstetten tun wird, wenn er einmal Wind von der Sache bekommt. Ich glaube, da gibt es Fetzen. Er sieht mir nicht gerade aus, als ob er Spaß verstunde, wenn es sich um seine Frau handelt.“ „Sie sollen getrennte Schlafzimmer haben. „Gott, ja!— Was ist da schließlich dabei! Deswegen bleibt sie doch seine Frau. Ich möchte der Oertzen nicht sein, wenn er sich ihm einmal gegenüberstellen muß.— Er soll verteufelt gut treffen.“ „Aber der Oertzen auch,“ fiel ein junge Stimme ein.„Uebrigens muß da vor Tagen etwas vorgefallen sein. Ich habe es nur durch die Indiskretion des Bedienten erfahren Der junge Anstetten soll nämlich bei dem Grafen vorgesprochen und ihm gedroht haben, er werde ihn über den Haufen schießen, wenn er ihn noch einmal in Begleitung seiner Mutter treffe. „Dunnerkeil!— Das Kerlchen hat Rasse! Aber dem Anstetten gönn ich's, daß wenigstens sein eigen Fleisch und Blut auf seiner Seite steht. Der Oertzen soll sich schämen, sich von einem Knaben von sechszehn Jahren so etwas sagen lassen zu müssen.— Wollen wir jetzt gehen?— Ich glaube, es hat zu regnen aufgehört. Die Stimmen verloren sich in der Ferne. Ab und zu noch ein Steinschlag auf, den einer der Schuhe losgelöst haben mochte. Anstetten lag auf dem Rucen, die Hanve in das Heu gewühlt und regte kein Glied. Also so standen die Dinge! Oerten war der Mann, für den Brunhilde frei sein wollte. Blitzschnell erinnerte er sich des Gespräches mit Rosenthal und an dessen Frage. ob Oertzen der Bürge sei. den er im Auge habe Und heute morgen— er sah so klar, als ob er es im Film zu schauen vermöchte: Ihr Frühspaziergang hatte den Vorwand für ihren Besuch bei Oertzen geben müssen—— und Rixa?— Rixa, du klügstes aller Tiere! Er zog die Wölfin zu sich heran und drückte ihren Kopf gegen seine Brust:„Was bin ich für ein blinder Narr gewesen, daß ich über dein Kläffen schalt. Hinter dem Gitter wußtest du die Frau, die deinen Herrn betrog" „Akab, wie recht hast du gehabt!“. Nun war iym auch der Besuch des Hindu kein Rätsel mehr.„„ Trotz dessen Warnung hatte er das Veryangnis nicht aufzuhalten vermocht Vielleicht war dieser Besuch bei Oertzen gar nicht ihr erster, wahrscheinlich würden ihm schon ein Dutzend andere vorhergegangen sein Es war undenkbar, daß eine Frau um diese Zeit in das Haus eines Mannes ging. mit dem sie nicht schon seit längerem intim verkehrte! „Bernd! Lieber, armer Bernd!“ Er begriff nun auch alles andere Jedenfalls war das auch der Grund gewesen, daß er damals den Tod in der Pram suchen wollte. Wie tapfer von dem Jungen, selbst die Sache mit Oertzen in die Hand zu nehmen. Lieber, lieber Bernd! Wie brav von dir, daß du mich schonen wolltest! Er setzte sich auf dem Heu zurecht und nahm den Kopf zwischen die Hände. Rixa sprang auf und schüttelte das Gras von sich. Wenn er jetzt Hans Peter wäre!— Hans Peter! Dann würde der kommende Morgen Oertzen nur mehr als Leiche sehen. Er kniff die Augen zu und krümmte den Finger, als ob er ihn in den Hahn einer Pistole lege:— eins— zwei— auf drei mußte er die Kugel mitten im Herzen sitzen haben! Mitten im Herzen! Er erhob sich langsam, ging zur Türe und prallte vor der Gestalt zurück, die eben hereinkommen wollte. Ein verblüfftes Gesicht lachte ihm entgegen.„Jessas! Der Herr Baron!— Hab ns Unterstand gesucht?— A Sauwetter das! Net wahr? Wie in der Regenzeit in Indien!" Stefan Würz schleuderte das Naß seines Hutes in großem Bogen hinter sich.„Wann's Ihnen trocknen woll'n, Herr Baron— hundert Meter oberhalb ist das Forsthaus. Ich geh mit.— Rixa, Maderl, wie gefallt's dir denn auf AnDie Wölfin rieb ihren Körper an seinen Schenkeln und bezeugte eine ungebärdige Freude. 60 „Sie hat sich so gut akklimatisiert, wie du, sagte der Baron und trat, nach den ziehenden Wolken sehend, ins Freie.„Bist du zufrieden mit deinem Posten?— Ich glaube, die Jägerei liegt dir besser, als die Arbeit auf den Feldern oder die Stellung eines Kammerdieners bei mir.“ Würz lachte, daß sich alle Muskeln seines Gesichtes spannten:„Schön is, Herr Baron! Ich könnt mir gar nix liebers denken.— Lassen's mich jetzt's Gewehr trag'n, ich glaub, es druckt ein bisserl. Der Riemen sitzt zu eng. 11— Während Rixa voraustollte, schritten die beiden Manner den steinigen Weg hinab, nach dem Haus des Forstmeisters, das in einer Lichtung vorgeschoben stand. „Eine Frage hätt' ich, Herr Baron.“ „Ja?“— Anstetten mußte sich erst in die Gegenwart versetzen. Seine Gedanken waren weit abgewesen. „Hab'n's noch nie Besuch kriegt von Indien?“ „Du vielleicht?“. Anstetten verhielt den Schritt. „Ja!— Heut früh, so um halber siebene rum, ist der Akab auf einmal vor mir g'stand'n.— Ich sollt ein Aug auf Ihnen hab'n. hat er g'sagt.— Ich hab in meiner Freud gleich mit beide Händ nach ihm greif'n woll'n und hab in d' Luft troffn. Ganz zweierlei is mir worden. Ich hab zittert, wie a jungs Birkenlaub Wann er wieder zurückfahrt, hab ich ihn g'fragt: „Gleich jetzt, hat er mir zur Antwort gebn. Und wie ia wieder hing'schaut hab, is er schon nimmer dag’wesen. „Vielleicht hast du geträumt.“ sagte Anstetten und beob„ Ra, g wiß net, Herr Baron, ich war glöckerlwach, Um einhalb siebene, da hab'n ja die Hahnen schon ausbalzt, und die ersten Kirchleut gehn schon talab.— Is er bei Ihnen net g’wes'n?“ Ein wortloses Nicken. „Gott sei Dank!— Sonst hätt ich glaubt, ich spinn.“— Anstetten sah, wie die Brust des jungen Mannes sich weitete. „Daß so was sein kann“. Ich möcht's niemand verzähln! Ich glaub. ich tät grad ausgllacht werd'n.“ „Da hast du recht. Würz, behalte es für dich, das ist das beste.“ Der rötliche Vollbart des Forstmeisters tauchte auf der Veranda des hübschen Holzhauses auf. das in behäbiger Breite über das Tal hinsah.„Recht guten Abend, Herr Baron!— Haben Sie die beiden Wechsel, oben an der Föhringer Schneide gesehen?— Zwei kapitale Sechszehnender!“.413 mein sich5 „Ich habe gar nicht darauf geachlel, mein tieber Bogner. Können Sie mir mit einem trockenen Hemd aushelfen? Das meine klatscht— Es war ja die reinste Sintflut, die da herunterprasselte. Bogner war mit zwei Schritten an der Türe, die ins Haus führte, und rief etwas ins Innere. Ueber die Treppe, die in weitem Schwung zum Oberstocke führte, kam eine schlanke Frau in weißem Hauskleid, das dem leichtgerötetem Oval des Gesichtes etwas Mädchenhaftes. Keusches. Anziehendes „Verzeihen Sie die Störung, gnädige Frau!“— Anstetten beugte sich über die kleine Hand, die so fest und lebenswarm in der seinen ruhte.„Ich bitte nur um zehn Minuten Unterkunft. Haben Sie keine Nebentüre, durch die ich eintreten kann? Meine Schuhe geben nasse Streifen. Sie erhob erschrocken die Linke, während ihr rechter Arm die Türe des Haupteinganges zurückhielt.„Das Haus ist doch Ihr Eigentum, Herr Baron.— Wir haben ohnedies solange nicht mehr die Ehre gehabt, Sie bei uns zu sehen.“ Oben an der Treppe wartete der Forstmeister und führte seinen Dienstherrn nach einem der Fremdenzimmer, wo bereits alles zurechtgelegt war.„Darf ich in einer Viertelstunde zum Tee bitten, Herr Baron?“ Anstetten wollte ablehnen, sah den bittenden Blick seines Beamten und bejahte. „Wie schön es bei Ihnen ist!“ Der Baron stand umgekleidet neben der jungen Frau, in dem großen Erker, an welchem sich kleinblättriger Efeu hochrankte und bleichrote Geranien das Sims umzogen.„Wie sind Sie mit Würz zufrieden?“ Er wandte sich halb nach Bogner zurück, der eben einen bequemen Lederstuhl an den großen runden Tisch schob. „Ganz gut, Herr Baron. Er ist ein braver, ehrlicher Mensch und versteht zu schießen. Nur kann ich mir noch nicht denken, wie das werden soll, wenn er jetzt heiratet.“ „Der Würzz“ „Der Herr Baron wissen nicht?“ „Keine Silbe!“ 4.112 „Vielleicht hätte ich noch schweigen sonlen: „Machen Sie sich keine Gedanken, lieber Bogner, es ist mir sehr erwünscht, daß ich davon weiß. Vielleicht haben Sie die Liebenswürdigkeit ihm zu sagen, er soll mich in einer halben Stunde unten im Hohlweg erwarten.“ Der Forstmeister blickte nach seiner Frau, deren Hände beim Füllen der Tassen merklich zitterten. Er sah rasch nach Anstetten hinüber, dessen Augen an einem Photo hingen, das in Kreide gezeichnet, an der Schmalwand des Zimmers plaziert Der Freiherr wandte sich ab und richtete eine Frage an den Beamten:„Ist das nicht mein Vetter Günther, den Sie dort an die Wand genagelt haben?“.(1466, 6.#. Bogner verneinte.„Sie sind es eben selost, Heii Baron. Vielleicht können Se sich noch erinnern, daß Sie mir das Bild geschenkt haben, kurz ehe Sie nach Indien gingen.“ Anstetten nickte und war dankbar, daß die junge Frau ihn einer Antwort enthob, indem sie ihn fragte, ob man nach dem Schlosse telephonieren solle, daß er hier sei. „Es ist nicht nötig, Gnädigste! Mein Junge ist bei Freunden, meine Frau irgendwo zum Tee geladen. Ich werde also keineswegs vermißt.“ Er horchte nach der großen Standuhr, welche die achte Stunde in den Raum warf. Zehn Minuten später trat er, sich verabschiedend, auf die Veranda und führte noch einmal die schmale weiche Hand an seine Lippen.„Seien Sie recht sehr bedankt, gnädige Frau! — Auf Wiedersehen." Bogner gab ihm noch eine Streae das Geleit und empfahl sich erst, als er Würz zwischen den Stämmen warten sah. Anstetten machte keinerlei Umschweife und griff, sobald der Forstmeister außer Sichtweite war, nach Stephans Oberarm.„Du willst heiraten?— Stimmt das?“ Ein verlegenes Achselzucken. „Kann ich unter diesen Umständen oas Geheimnis des Toten, das ja auch das meine ist, gewahrt wissen?“ Ein Aufatmen des Gefragten:„Darum müssen's Ihnen net sorg'n, Herr Baron!—— G'wiß net! Ein Grab kann net verschwiegener sein. Das geht kein Mensch'n was an! Ein Weib schon gar net! Streng g'nommen, net amal mich. — Wanns Sie's befehln. Herr Baron, nachher hab ich's vergess'n. Anstetten schritt nachdenklich neben ihm her.„Kommen ab und zu Besuche ins Forsthaus?“ „Selt'n!— Ein paar Offiziere! Hin und wieder ein Kolleg vom Herrn Forstmeister.— Sonst gar niemand. Es ist ein ganz geruhliches Sein da ob’n.“ „Meine Frau kommt wohl nie herauf?". „Gar nie!—— Der Gnädig'n is der Weg zu steinig und geht auch allaweil bergauf.—— Eine Frag, wann ich hab'n dürft, Herr Baron?“„ Anstetten unterdrückte ein Lacheln. Das war das zweilemal, daß er das heute von Würz hörte.„Und?——— Er blieb stehen und hielt ihm sein Zigarettenetui entgegen. Stefan griff etwas zaghaft hinein.„Is zum Auskommen Frauz: „Jessas!“ Wurz schlug sich auf den Mund.„Allemal vergiß ichs wieder, daß jetzt eine Frau hab'n, Herr Baron! Ich kann mir das gar net vorstell'n. Die Leut red'n so viel dumm's Zeug, daß einem manchmal ganz übel wird. „Was reden Sie denn, Würz?“... zschen 5. Stephan drehte die Zigarette unschlussig zwischen den Fingern.„Mein Gott— nix Gescheits net!— Wanns wieder nach Indien reif'n, Herr Baron, nachher geh ich mit.—— Ich glaub, daß ich's bis dahin auch schon satt hab, das VerAnstetten lachte belustigt auf.„Du bist mir aber noch einen Großteil der Antwort schuldig geblieben, mahnte er, als der junge Mensch jetzt schweigend neben ihm herging. „Sag'n tuns——“ Würz hielt verlegen inne und setzte wieder zum Sprechen an,„der Herr Baron is ungeschi wann er's so genau nimmt und koa Schritterl auf die Seit'n geht, wos doch die gnädige Frau auch net grad streng halt Anstetten schlug das Blut ins Gesicht.„Das ist alles Verleumdung, Stefan. Ich habe doch auch meine Augen offen. — Und zudem— wenn du gerecht denkst— ist sie ja eigent„Nach meiner Ueberzeugung net,“ erregte sich Würz.„Ich glaub, wann ich an dem Herrn Baron seiner Stelle wär, ich———“ Er mußte den Satz unterbrechen, denn Bernd kam den Hang heraufgelaufen und schwenkte schon von weitem den Hut.„Vater, wo bleibst du denn!— Ich habe mir schon die Lunge heiser gerannt und geschrien, weil Friedrich sagte, du wärest nach dem Wald gegangen.——— Guten Arend, Er reichte dem jungen Menschen die Hand und schob dann seinen Arm in den des Vaters, wartend, bis dieser das„Gute Nacht“ des Jägers erwidert hatte...6u,hast m.. Jch Neben ihm herschreitend, sagte er rnavenhaft natv:„K hätte gar nicht geglaubt, daß sich die Mama so fürchterlia, um dich sorgen könnte!" „Um mich?“. Anstetten sah ihn ungläubig an. Bernd nickte ernsthaft.„Deswegen bin ich ja auch fortgelaufen, dich zu suchen.— Sie war ganz außer sich, als du zum Abendtisch nicht kamst und meinte, es müßte dir etwas passiert sein, denn das hättest du noch nie getan, daß du wegbleibst, ohne ihr Bescheid zu geben. Der Baron setzte langsam Schritt für Schritt und fühlte das Pulsen seines Blutes. Am Eingange des Hochwaldes tauchte Friedrich auf, wartete aber gar nicht auf das Näherkommen der beiden Herren, sondern machte rasch wieder kehrt. In Anstettens Ohren brauste und dröhnte es.— Hans Peter, begehe ich einen Raub an dir?—Er wollte nach seinem Zimmer gehen, sich umzukleiden, da Bogners Gewand ihm etwas weit am Körper hing, aber Bernds Stimme flehte so dringend:„Komm erst zur Mutter!“ Und als er trotzdem den Weg nach seinen Räumen einschlagen wollte, stieß der Knabe erregt hervor:„Vater!— ich ertrage das einfach nicht mehr, wenn das so weitergeht. Anstetten zuckte zusammen„Dann komm!“ Die Baronin stand weiß, wie der Tod, in ihrem kleinen Salon, als Sohn und Gatte bei ihr eintraten.„Das war rücksichtslos!“ warf sie ihm zornig hin. „Mutter!“, Bernd lief auf sie zu und schloß ihr den Mund „Was war rücksichtslos?“ In Hans Peters Augen flammte es auf Jedes Wort, das er heute gehört hatte, erwachte in seinem Erinnern. wenn du einmal nicht am Tisch erscheinst.