Du„Schwertei Jeilung“ erscheinl wöchentlich sechs mal Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Maik, Einzeinummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr Lostscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschältsstelle Große Marktstr. 3—5 Verantwortlich für die Schrifteitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Tageblatt für die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen Nr. 303(Erstes Blatt) Schwerte(Ruhr), Samstag, den 28. Dezember 1929 Neues in Kürze. Der Phosgen=Prozeß erneut verschoben. wtb Hamburg. 27. Dez.(Tel.) Der für den 14. Januar angesetzte Termin im Prozeß der durch die Phosgenkatastrophe Geschädigten ist wiederum abgesetzt worden, da sich der Sachverständige, Prof. Aufhäuser, für unzuständig erklärte und jetzt die Vorlegung neuer Gutachten abgewartet werden muß. Der Reichspräsident an Präsident Irigoyen. wp. Berlin, 27. Dez.(Privattel.) Der Reichspräsident hat dem Präsidenten Irigoyen ein Telegramm gesandt, in dem er ihn zu seiner Errettung von dem Attentat beglückwünscht Rücktritt des Botschafters Schurman. wtb. Berlin, 27. Dez.(Tel.) Wie die amerikanische Botschaft in Bestätigung von Pressemitteilungen bekannigibt, hat der amerikanische Botschafter in Berlin, Dr. Jacob Gould Schurman, sein Rücktrittsgesuch eingereicht, das von Präsident Hoover nunmehr bewilligt worden ist. Der Botschafter hat sich schon seit längerer Zeit mit Rücktrittsabsichten getragen. Seine Familie besinver sich bereits seit September wieder in ihrem Neuyorker Heim. Der Botschafter selbst beabsichtigt, im Laufe des Januar in Neuyork einzutreffen. Weihnachtsgrüße englischer Kriegsbeschädigter. wtb. Berlin, 27. Dez.(Tel.) Der bekannte englische Heerführer General Sir Jan Hamilton hat an den Schriftführer der deutsch=englischen Vereinigung folgendes Telegramm gerichtet: „Weihnachtsbotschaft an Deutschland. Die schwerkriegsbeschädigten englischen Soldaten in Gifford House Rochampton grüßen alle kriegsbeschädigten Soldaten in den deutschen Lazaretten. Beneral Jan Hamilion.“ Berufung im Siegelsdorfer Prozeß. wtb. Fürth, 28. Dez.(Tel.) Gegen das vom Erweiterten Schöffengericht in Fürth gefällte Urteil im Siegelsdorfer Eisenbahnprozeß hat der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Ebenso hat der Angeklagte, Oberbahnmeister Stuhlfath, durch seinen Verteidiger Berufung einlegen lassen. Politischer Einbruch? wib. Graz, 28. Dez.(Tel.) In der Weihnachtsnacht wurde in die Räume der Landesvereinigung der Kriegsbeschädigten eingebrochen. Die Täter beschädigten die Geschäftsbücher und das Aktenmaterial und nahmen einen Teil davon mit. Da die Einbrecher die vorhandenen Lebensmittel unberührt ließen. nimmt man an, daß der Einbruch politischen Motiven von Gesinnungsgegnern entsprungen ist. Der Szolnoker Giftmischerinnen=Prozeß. wtb. Budapest, 27. Dez.(Tel.) In Szolnok begann heute die Verhandlung gegen die zweite Gruppe der Gistmischerinnen. Die 37jährige Frau Takacs, die beschuldigt war, ihren Schwiegervater vergiftet zu haben, um ihn beerben zu können, wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Aufhebung der Exterritorialität in China am 1. Januar. wtb. Nanking, 28. Dez.(Tel.) Der politische Zentralrat beschloß in einer außerordentlichen Sitzung, am 1. Januar einen Erlaß zu veröffentlichen, durch den die Exterritorialität ausgehoben wird und die in China ansässigen Ausländer den chinesischen Gerichten unterstellt werden. Ein mit diesem Erlaß verkündetes Gesetz regelt die Rechtsverfahren zwischen Chinesen und Ausländern. 300 Koreaner in Tokio verhaftet. wtb. London, 28. Dez.(Tel.) Daily Expreß berichtet aus Tokio: Hier wurden am 25. Dezember dreihundert Koreaner, die Mehrzahl davon Studenten, nach der Entdeckung einer angeblichen Verschwörung zur Erstürmung der Büros des Innenministeriums verhaftet. Mnrschun Zech üder die Naunlung. Neue Auseinandersetzung Briand—Frankin=Bouilion. Bombenattentat in wtb. Nizza, 28. Dez.(Funkspruch.) Gestern früh explodierte in einer Bankfiliale am Golf Juan eine Bombe, die von Dieben am Geldschrank angebracht worden war. Das Gebäude wurde zerstört. wtb. Paris, 27. Dez.(Tel.) In der Kammer nahm die Diskussion des Budgets für Auswärtige Angelegenheiten heute ihren Fortgang. FranklinBouillon griff wieder lebhaft die Politik Briands an. Er, Franklin=Bouillon, habe bestimmte Texte und Tatsachen vorgebracht, Briand habe in seiner gestrigen Antwort nur eine Aeußerung des Reichskanzlers Müller angeführt, der erklärte, daß Deutschland endgültig auf Elsaß=Lothringen verzichte. Briand warf hier ein, es sei doch von Interesse, von den höchststehenden politischen deutschen Persönlichkeiten die feierliche Erklärung zu erhalten, daß die elsaß=lothringische Frage ein für alle Mal begraben sei. Franklin=Bouillon vertrat alsdann gegen den lebhaften Protest Briands die Behauptung, daß der Locarnopakt deutschen Ursprungs sei. Die Sicherheitsgarantien Frankreichs seien durch ihn vermindert worden. Frankreich habe ihn aus Furcht vor einem deutsch=russischen Bündnis angenommen, das Bündnis aber nicht verhindern können. Dank der chemischen und flugtechnischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rußland sei China bei den Kämpfen in der Mandschurei überrannt worden.— Der sozialistische Abg. Grumbach protestierte hier in einer Zwischenbemerkung gegen FranklinBouillons Aeußerungen über angebliche militärische Arbeiten im Rheinlande. Diese schwerwiegenden Aeußerungen seien im offiziellen Sitzungsbericht geändert worden. Franklin=Bouillon beschäftigte sich dann mit der Haager Konferenz. Wie könne Frankreich, wenn es nicht mehr das Recht habe, den Youngplan ab zulehnen, die ungeheure Gefahr abwenden, daß die internationale Bank die Leistung der für Frankreich bestimmten Schuldzahlungen aufschiebe, zumal frankreich innerhalb dieser Bank nicht ausreichend vertreten sein werde? Briand unterbrach mit dem Hinweis, daß die Kammer immer noch freie Hand habe, vor Ratifizierung der Haager Abkommen durch die Parlamente sei nichts endgültig. Wenn das Kabinett, wie Franklin=Bouillon behaupte, die Sicherheit des Landes in Gefahr bringe, so möge man es stürzen. Franklin=Bouillon machte dann Angaben über die Abmachungen betr. die deutschen Eisenbahnstrecken im Rheinland. Angaben. deren Richtigkeit Briand lebhaft bestritt. FranklinBouillon wolle nur Alarmstimmung erzeugen ohne innere Berechtigung. Bei Räumung der zweiten Zone seien alle denkbaren Vorsichtsmaßregeln ergriffen worden. Franklin=Bouillon beharrte bei seinen Behauptungen und verlas einen Artikel aus der„Revue de France“. der ohne Namensunterschrift erschienen ist und als dessen Verfasser Marschall Foch ailt. Dieser Artikel protestiert gegen eine vorzeitige Rheinlandräumung. Ministerpräsident Tardien und Außenminister Briand protestierten beide gegen die Verlesung dieses nicht mit Namen unterzeichneten Artikels. Briand erklärte nachdrücklich, ihm gegenüber habe sich Marschall Foch ganz anders ausgedrückt. Franklin=Bouillon erwiderte, dann habe eben der Direktor der genannten Zeitschrift sich eine Fälschuna zu Schulden kommen lassen. Der Abg. Raynand unterbrach und erklärte: Zwei Monate nach Abschluß des Locarnovertrages habe Marschall Foch erklärt, es sei dem französischen Heere militärisch unmöglich, im Falle eines Angriffes rasch den Besatzungstrupven zu Hilfe zu kommen: deswegen müsse man die Zufahrtswege nach den französischen Ostgrenzen aus dem Rheinlande sperren. Der Aba. Reibel(Partei Maginot) ruft einen neuen Zwischenfall hervor dadurch, daß er ein vom Foch im Oktober 1926 untereeichnetes Dokument verliest, das folgende Feststellungen enthält: Deutschland werde von Tag zu Tag immer stärker. Als besiegte Nation wünsche es die Revanche. Die gegenwärtige(1926) Rheinlandbesetzung garantiere die Sicherheit Frankreichs: aber wenn die Besatzungstruppen zurückgezogen seien, dann werde man sich einer außerordentlich ernsten Lage gegenüber befinden. Außenminister Briand protestierte in scharfen Worten gegen Reibels Vorgehen. Dieses, von Marschall Foch im Jahre 1926 verfaßte Dokument sei damals dem Präsidenten der Republik und dem Ministerpräsidenten übergeben worden. Er persönlich, der Außenminister, besitze es nicht; aber der Abg. Reibel besitze es! Daß das Schriftstück heute verlesen werde, werfe ein bezeichnendes Licht auf die Art und Weise, wie Foch als Vorsitzender des interalliierten militärischen Komitees seine Pflichten aufgefaßt habe. Er, der Außenminister, wisse nicht, welche Folgen das haben werde; aber es stehe fest, daß der Abg. Reibel alles, was daraus entstehen werde, provoziert habe. Er, der Außenminister, der Fochs Chef gewesen sei und den Vorsitz in Konferenzen führte, mit dem er vier Mal in der Woche zusammenarbeitete, habe von Schriftstücken, die Marschall Foch ausarbeitete, keine Kenntnis gehabt. Er erfahre erst davon, weil ein Abgeordneter ein Dokument, das die Landesverteidigung betreffe, einfach aus der Tasche ziehen könne. Das sei doch traurig.„. nanherfetzung emish Nach einer neuen Auseinandersepzung zwischen Franklin=Bouillon und Briand, in der Briand erklärte, er werde zu den kommenden Konferenzen nur im Besitz des vollen Vertrauens der Kammer gehen, erklärte der sozialistische Abg. Paul=Boncour: Alle künftigen Deutschland betreffenden Dispositionen müßten unter strenger, energischer internationaler Kontrolle vor sich gehen; denn anderenfalls wäre jeder künftige Friedensplan unvollständig und unwirksam. gn. 4552— 5. Der Abg. Louis Marin erklart, er sei zwar nicht mit allen Gedanken und Handlungen des Außenministers einverstanden, aber in gewissen Punkten sei er mit ihm vollständig einig. Ministerpräsident Tardien fordert Vertrauen. Ministerpräsident Tardieu beginnt seine Ausführungen mit der Feststellung, er müsse am Vorabend der herannahenden Konferenzen eine klare Aeußerung der Kammer haben. Alle Parteien hätten Lösungen vorgeschlagen, von denen wegen der Klauseln des Versailler Vertrages keine als befriedigend und endgültig habe angesehen werden können. Es sei sicher, daß Deutschland Vorteile erzielt habe, namentlich die vorzeitige Räumung eines Teiles des Rheinlandes. Die Besetzung werde in militärischer Hinsicht weniger interessant jedesmal wenn man ein Drittel des Rheinlandes räume. Die Räumung der ersten Zone habe den Wert der restlichen Besetzung herabgemindert. Die Unterhändler hätten im Haag für die Unantastbarkeit des Youngplans plädiert. Der Kern dieses Planes sei beibehalten worden. Wenn nach den Ferien die Regierung gestürzt worden sei, so deshalb, weil die Kammer geglaubt habe, daß die Räumung der dritten Rheinlandzone begonnen hätte. Tardien setzt auseinander, welche Vorarbeiten er mit seinen Ministerkollegen für die Konferenzen im Haag und in London getroffen habe und wie die Arbeiten der Sachverständigen geprüft worden seien. Die französischen Delegierten würden in geschlossener Front auftreten, um die französische These durchzusetzen, die die strittigen Punkte auf ein Minimum zu reduzieren strebe. Er sei nicht Anhänger der Geheimdiplomatie, aber auch nicht dafür, alles vor der Oeffentlichkeit auszubreiten. Es handele sich um die unantastbare Aufrechterhaltung der Mobilisierungsfähigkeit, die dem Youngplan erst seinen vollen Wert geben würde Es sei nicht möglich, eine internationale Diskussion mit mehr Sorgfalt und Methode vorzubereiten, um den Erfolg beider Konferenzen zu sichern(Lebhafter Beifall). Gewiß begegne er bei seiner Arbeit vielen Kritiken; vor allem stoße er auf jene Art PessimisEine Spur von dem Düsseldorfer Mörder? pw. Berlin, 28. Dez.(Funkspruch.) Die Wiener Blätter melden, daß durch die Anzeige einer in Sollenau bei Wiener=Neustadt wohnenden Frau die Gendarmerie auf eine Spur gebracht wurde, die geeignet erscheint, die Spur des vielgesuchten Düsseldorfer Mörders finden zu lassen. Die Zeitungen veröffentlichten vor einigerr Zeit ein Kriegsgedicht, das der unbekannte Düsseldorfer Mörder geschrieben haben soll und das in die Hände der Kriminalpolizei gelangt ist. Die Frau in Sollenau las dieses Gedicht und erinnerte sich, während des Krieges von einem in der Sprengstossabrik in Blumau beschäftigten Arbeiter, mit dem sie näher bekannt war, dasselbe Gedicht erhalten zu haben.— Durch Nachforschungen in der Sprengstoffabrik ergab sich, daß der betr. Mann, namens Kowalski, während der Kriegszeit von Düsseldorf, seinem Heimatsort, zur Dienstleistung nach Blumau einrückte, wo er die Arbeit eines Pumpenwärters verrichtete. Nach dem Umsturz kehrte er nach Düsseldorf zurück.— Die deutsche Sicherheitsbehörde wurde von der Spur sofort verständigt. Die Kriminalpolizei fand ihn nicht in Düsseldorf; er ist unbekannt abgemeldet. Der Steckbrief ist international erlassen worden. Die Meuterei von Macao. wib. London, 28. Dez.(Tel.) Times berichtet aus Hongkong: Die Meuterei in der portugiesischen Garnison von Macao war ernster. als die Behörden zugegeben haben. Die Meuterer ergaben sich erst nach, zwei Tagen. Zunächst waren vier Forts beteiligt. Am Sonntag gaben die Soldaten in dreien dieser Forts nach. Die Meuterer in dem vierten Fort, das im Mittelpunkte der Stadt liegt, verjagten drei ihrer Offiziere und schlossen die Tore. Am Montag wurde ihnen ein 24stündiges Ultimatum gestellt. Sie ergaben sich jedoch erst am Dienstag früh. als die Truppen, die das Fort umzingelt hatten, mehrere Geschützsalven abfluerten und ein Flugzeug einen Demonstrationsfing unternahm. Eine halbe Stunde später wurde die weiße Flagge gehißt. Ein Offizier rückte an der Spitze eines Halbbataillons vor und nahm die Uebergabe entgegen. Die Meuterer wurden auf einer kleinen Insel bei Macao interniert. Merbausttarung nach sieren Fahren. pw. Berlin, 28. Dez.(Funkspruch.) Der Berliner Kriminalpolizei ist es gelungen, ein grauenhaftes Verbrechen, das vor sieben Jahren, am 5. März 1922, verübt wurde, aufzuklären und einen der Täter zu verhaften. Der Festgenommene ist der 33jährige Schnitter Franz Kaczmarek. Er hatte damals, gemeinsam mit einem Komplizen, dem 33jährigen noch flüchtigen Schnitter Michael Kaczinsky, den 58jährigen Landwirt Reinhold Werbelow auf dessen Anwesen in Neufalkenwald bei Bärwalde in der Neumark erschossen und die Schwester Werbelows durch einen Schuß schwer verletzt. In dem Glauben, daß beide tot seien, schleiften sie die Körper auf einen Komposthaufen und bedeckten sie mit Dung. Dann begaben sie sich in das Haus des Geschwisterpaares, aus dem sie wegschleppten, was ihnen in die Hände fiel. U. a. erbeuteten sie 21000° Papiermark. Bevor sie die Flucht ergrifsen, demolierten sie in barbarischer Weise die Wohnungseinrichtung. Als die Mörder schon längst davongeeilt waren, kam Anna Werbelow, deren Verletzungen nicht tödlich waren, in ihrem schauerlichen Grabe wieder zu Bewußtsein, arbeitete sich mühselig aus dem Dunghausen hervor und schleppte sich schließlich, mehrmals zusammenbrechend, zum nächsten Wirtschaftshof, Steinbachgrund, wo sie von der Bluttat berichtete. Von den Verbrechern wurde jedoch keine Spur mehr gefunden. Werbelow wurde tot ausgegraben. Seine Schwester genas später im Krankenhaus. Im Kottbuser Gefängnis wurde der eine der Täter, Kaczmarek, der wegen Diebstahls eine vierjährige Freiheitsstrafe zu verbüßen hatte, jetzt ermittelt. mus, der bereits 1919 nicht habe weichen wollen, daß der Versailler Vertrag Frankreich ein von allen Lasten befreites Elsaß=Lothringen, ferner die Besetzung des Rheinlandes und positive Wirtschaftsklauseln eingetragen habe, die der nationalen Wirtschaft einen herrlichen Aufschwung ermöglicht hätten. Es sei leicht, nur das zu sehen, was fehle, es sei aber auch notwendig, zu sehen, was vorliege. Man habe 1919 zu sehr vergessen und vergesse auch weiter, was der Vertrag des Sieges Frankreich gebracht habe. Man vergesse auch zu sehr den Kampf, den die französischen Unterhändler zu führen hatten, um die im Vertrage vorgesehenen Lösungen durchzusetzen. Wenn man das wisse, dann bewahre man den Namen Clemenceau im Herzen.(Lebhafter Beifall). Hätten denn die Alliierten alles erhalten, was sie forderten? Wenn Franklin=Bouillon die Lage von 1919 mit der von 1871 vergleiche, so sei zu erwidern, das 1871 nur ein Sieger vorhanden gewesen sei, 1919 aber sechs. Der Abgeordnete Reibel habe mit seinen Enthüllungen über den Marschall Foch bereits zurzeit Poincarés aufgewartet. Marschall Foch sei während der Friedensverhandlungen berufen gewesen, Vorschläge zu unterbreiten. Zunächst habe er die Annexion, dann die Besetzung der Rheinlandprovinzen mit Autonomie verlangt, dann die Besetzung des Rheinlandes, hierauf die Besetzung der Rheinbrückenköpfe und schließlich die Besetzung bis zu dem Tage, an dem man genügend Garantien haben würde. Man solle sich also nicht alte und einander widersprechende Dokumente an den Kopf werfen lassen. Es sei besser, sich der Zukunft zuzuwenden, als seine Zeit damit zu verbringen. rückwärts zu schauen.(Beifall). Solange die Haager Abkommen nicht unterzeichnet und ratifiziert seien, sei keine Rede davon, zu räumen. Tardieu schloß: Wenn die Kammer nicht wolle, daß die Regierung sich zu den Verhandlungen nach London und in den Haag begebe, möge sie es schnell sagen, damit die Nachfolger vor Besteigen des Zuges noch Zeit hätten, die Aktenstücke einzusehen. Ich fordere eine möglichst große Mehrheit, weil bei internationalen Zusammenkünften gut ist, sich auf eine starke Mehrheit stützen zu können. Vertrauensvotum für Tardien. wtb. Paris, 27. Dez.(Tel.) Die Kammer hat dem Kabinett Tardieu mit 342 gegen 17 Stimmen bei fast einmütiger Stimmenthaltung der Linken das Vertrauen ausgesprochen. wtb. Paris, 27. Dez.(Funkspruch.) Nach der Abstimmung über das Vertrauensvotum in der Kammer wurde beschlossen, am Freitag noch eine Nachtsitzung ab zuhalten, um die Einzelberatung des Budgets des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten zu Ende zu führen Am Samstag vormittag folgt die Aussprache über das Flottenbauprogramm und am Nachmittag die über die Interpellationen beir. die Bank für den internationalen Zahlungsausgleich. Nachtsitzung. wtb. Paris, 28. Dez.(Funkspruch.) Die Kammer hat in ihrer Nachtsitzung die einzelnen Kapitel des Budgets des Außenministeriums sämtlich verabschiedet. Auf eine Anfrage, weshalb die Kredite für geheime Ausgaben im Außenministerium nur 2 Millionen betragen, während sie vor dem Kriege, also vor der Entwertung der Währung, 1 Million betrugen, antwortete Briand, daß der Betrag von 2 Millionen ausreiche. In der Debatte wiesen mehrere Abgeordnete auf die Notwendigkeit hin, die diplomatischen Vertretungen Frankreichs mit größerem Aufwand zu unterhalten und im Auslande eine Propaganda für Frankreich durch alle möglichen Mittel zu entfalten. Das Meniorandum Fochs. wib. Paris, 28. Dez.(Funkspruch.) Das gestern von dem Abg: Reibel in der Kammer verlesene Schriftstück, das die Unterschrift des Marschalls Foch trägt und wie Außenminister Briand erklärte, zur Zeit der Niederschrift im Oktober 1926 lediglich dem Präsidenten der Republik und dem Ministerpräsidenten zur Kenntnis gebracht worden ist, führt u. a aus: „Deutschland ist durch seinen Bevölkerungszuwachs und durch seine ungeheure Industrie Frankreich überlegen. Deutschlands innere Wiederaufrichtung macht schuelle Fortschritte, und sein Ansehen im Auslande wächst rasch. Deutschland bekennt sich stets zu einer von der französischen Moral verschiedenen Moralaufsassung, nämlich, daß Macht Recht schafft und daß der Krieg abscheuliche Grausamkeiten sogar gegen unbeteiligte Personen rechtfertige. Die Beziehungen Frankreichs zu Deutschland sind durch Artikel 428 des Versailler Vertrages geregelt, der die Erfüllung der Reparations= und Entwaffnungsbestimmungen zum Gegenstand hat. Der Beginn der Ausführung des Dawesplanes kann nicht als eine Erfüllung angesehen werden. Die Entwaffnungsklauseln sind ja zum Teil erfüllt, aber wesentliche Punkte sind noch zu regeln: Die Polizei, unerlaubte Verbände und Vereinigungen, Veräußerungen von militärischen Gebäuden, Befestigungen bei Königsberg usw. Frankreich würde sich bei einer Räumung des Rheinlandes in einer außerordentlich schwierigen Lage befinden: 1. weil die seit dem Kriege desorganisierte Armee noch nicht entsprechend den neuen Grenzen reorganisiert worden ist, 2. weil die neue Grenzlinie noch nicht mit einem entsprechenden Besestigungssystem versehen ist, 3. weil die französischen Grenzgegenden den Angriffen der seindlichen Flieger ausgesetzt sind. Die Einschränkung der Besatzungsdauer. die der Versailler Vertrag vorsieht, war von der französischen Kammer gebilligt worden in Austausch gegen die von der amerikanischen und von der englischen Regierung zu übernehmende Verpflichtung, Frankreich im Falle einer neuen deutschen Gefahr zu Hilfe zu kommen. Diese Verpflichtung besteht nicht mehr Man erkennt also, welchen Gefahren Frankreich ausgesetzt sein würde, wenn die französische Regierung sich bereit erklären sollte, die Besetzungsfristen noch weiter herabzusetzen, und wenn sie nicht unverzüglich die Arbeiten zur Befestigung der neuen Grenze, zur Reorganisierung des Heeres und zum Schun der Grenzbevölkerung ausführen läßt.“ Reichskobinett und Hagger Konferenz. wlb. Berlin, 27. Dez.(Tel.) Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung in Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten in eingehender Aussprache mit den auf der bevorstehenden Haager Konserenz zur Beratung stehenden Problemen Die Erörterungen werden morgen, gleichfalls unter Beteiligung des Reichsbankpräsidenten, fortgesetzt. pw. Berlin, 28. Dez.(Privattel.) Wie wir ergänzend erfahren, beschäftigte sich das Reichskabinett in seiner gestrigen Sitzung mit den sachlichen Der gerinme Korspeistag des„eruf zeppenn! * Friedrichshafen, 27. Dez. Dr. Eckener hat zu einer aus den Kreisen der Aero=Arktis stammenden Verössentlichung, die dem Luftschiffbau Zeppelin die Schuld gibt, wenn der Nordpolflug des„Graf Zeppelin“ nicht zu stande kommt, der Telegraphen= Union eine Erklärung gegeben, in der es heißt: Die Darstellung der Aero=Arktis ist nicht allein ganz tendenztös, sondern in allen Hauptpunkten unrichtig. Unrichtig ist zunächst die Angabe, er— Eckener— habe erklärt, daß er von dem Polarflug zunächst absehe. Richtig ist vielmehr nur, daß die Leitung des Luftschiffbaues Zeppelin einigen Pressevertretern auf Befragen mitteilte, daß man im Luftschiffbau Zeppelin„nicht mehr mit dem Zustandekommen der Polarfahrt rechne", weil es bisher nicht gelungen sei, die Versicherungsfrage befriedigend zu lösen, und weil es jetzt zu spät geworden sei, rechtzeitig die Vorarbeiten am Schiff noch ausführen zu können. Ich bemerke zu diesem letzteren Punkt, daß der L3(Luftschiffbau Zeppelin) seit Wochen und Monaten vergeblich darauf drängt, die erforderlichen technischen Unterlagen zu erhalten und bereits vor Monaten die Mitte des November als den äußersten Termin für den Beginn der Arbeiten bezeichnete. Später hatte er— ebenso vergeblich— die Mitte des Dezember als endgültigen Schlußtermin angegeben. Unrichtig ist ferner die Behauptung, daß der 23 die Versicherung verschleppt habe. Richtig ist vielmehr, daß der 23 mit Wissen der Aero=Arktis nach einem ganz aussichtslosen Versuch um die Mitte dieses Jahres die Bearbeitung der Versicherung bis nach der glücklichen Durchführung der Weltfahrt verschob, um dann— wie man hoffen durfte— leichter zum Ziele zu kommen. Der gleiche langjährige Versicherungsmakler des 83 nahm dann gleichzeitig die Versicherung des Luftschiffes für die nächstjährigen Fahrten und für die Polarfahrt mit dem Ergebnis auf, daß die erste schnell abgeschlossen werden konnte, während die andere an der Abneigung der Versicherungsgesellschaften sowohl in Deutschland wie in London scheiterte. Mir ist es unerfindlich, wo da die Verschleppung stecken soll. Unrichtig ist in diesem Zusammenhang ferner, daß die Aero=Arktis, in der Voraussicht, der L3 werde die Versicherung nicht„meistern“, sich selbst erboten habe, die Versicherung abzuschließen und nun auch Erfolg damit habe. Richtig ist vielmehr, daß der 23 der Aero=Arktis auheimgab, selbst eine Versicherung zu versuchen. Man„hosse“, bei der Aero=Arktis, diese bis zum 1. Januar abschließen zu können, allerdings— soweit wir unterrichtet sind— zu einem Prämiensatz, der ein Vierfaches von dem ausmacht, was die Aero=Arktis dem 28 vertragsgemäß für die Versicherung zur Verfügung gestellt hat und aufbringen zu können erklärte. Der 28 hat unter Berücksichtigung aller dieser Punkte nun keineswegs der Aero=Arktis den Stuhl vor die Tür gesetzt, vielmehr in einem Schreiben vom 24. Dezember bei dieser angefragt, wie sie sich nun eigentlich die Weiterentwicklung der Frage denke. Wenn die Erklärung der Acro=Arktis augenscheinlich versucht, mich persönlich für den meines Erachtens recht hoffnungslosen Stand der Dinge verantwortlich zu machen und im besonderen sagt, daß die Schwierigkeiten damit begonnen hätten, daß ich persönlich die Beteiligung an der Fahrt aus Gesundheitsrücksichten ablehnte, so möchte ich dazu folgendes bemerken: Ich habe sofort bei Abschluß des Vertrages erklärt, daß ich persönlich nicht mitfahren könnte. Das nicht allein aus Gesundheitsrücksichten, sondern weil ich auch als Vorsitzender des L3=Konzerns nicht zwei Monate lang meine sonstigen Geschäfte wegen einer Fahrt im Stich lassen könnte, die nicht in der Richtung der Verkehrspläne des L3 liegt, sondern fremden teressen dient und nur unter einer gewissen Zwangslage vom L3 zugestanden worden sei. Das hat aber nicht gehindert, loyal die Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen zu versuchen. Der Fehler liegt bei der Aero=Arktis, die trotz mehrfach von mir auf Grund meiner Erfahrungen geäußerten Zweifel mit einem mir unverständlichen Optimismus die Versicherungsfrage als eine Bagatelle nahm und die Vorarbeiten so betrieb, als ob diese Kardinalfrage schon gelöst sei. Nun ist natürlich die Enttäuschung groß. Jetzt handelt es sich gar nicht mehr in erster Linie um die Versicherung, sondern um die Frage, ob noch Zeit vorhanden ist, alles in technischer Hinsicht so vorzubereiten, daß man nach gutem Gewissen nach Vornahme der notwendigen Erprobungen des Schiffes die Fahrt antreten darf. Auch in dieser Beziehung scheint mir bei der Aero=Arktis ein Optimismus zu herrschen, der mir nicht recht verständlich ist, der aber zum eigentlichen und schwersten Konslikt mit dem L3 führen könne. dorsplatz angeschossen worden ist ist heute vormittag seinen schweren Verletzungen erlegen. Er wollte als Angestellter eines Lokals gegen Ruhestörer vorgehen, als ein paar Rowdics den großen Christbaum, der vor dem Lokal auf der Straße errichtet war, zu plündern versuchten. Dabei erhielt er den tödlichen Schuß. Brennender Schoner. wib. Amsterdam. 28. Dez.(Tel.) Am 2. Weihnachtsfeiertag abends in den Rotterdamer einlausende Schiffe meldeten, daß vor dem Eingang zu dem neuen Wasserwege, etwa 10 Seemeilen nordwestlich des Maasseuerschiffes, ein brennender Dreimastschoner, wahrscheinlich norwegischer Nationalität, treibend angetroffen worden sei. Mehrere Schleppdampfer und Rettungsboote, die zur Hilfeleistung ausgesandt wurden, kamen heute morgen unverrichteter Dinge wieder zurück, da sie das brennende Schiff nicht erreichen konnten. Inzwischen konnte jedoch festgestellt werden, daß die Besatzung das Schiff verlassen hatte. Man permutet, daß sie von dem belgischen Lotsenboot aus Vlissingen gerettet worden ist. Hauptausschuß es für nötig erachtet. Diese Vollsitzungen sind öffentlich. Bei der ersten Sitzung am 21. Januar, die der König mit einer durch Rundfunk übertragenen Rede eröffnet, sollen keine grundsätzlichen Erklärungen abgegeben werden. Zum ständigen Sekretär der Konferenz ist Oberstleutnant Sir Maurice Hankey ernannt worden, der bereits bei zahlreichen anderen Konferenzen eine ähnliche Stellung innehatte. Reichsbanners. wtb. Kassel, 28. Dez.(Funkspruch.) Bei einer vom Reichsbauner Schwarz=Rot=Gold veranstalteFragen die auf der Haager Konferenz zur Sprache###ten republikanischen Kundgebung in der Stadthalle Geaßen, die auf der Häußer nonsetend zu: Ot##er, higl, Her pragßische Innenminister Grzesinski eine kommen. Dagegen ist die Zusammensetzung der ge# ver preußische Innenminister Grzesinski eine und die Ernennung des neuen Staats= nsprache, in der er sich mit Fragen der innerdeutDelegation und dir Ernennung des neuen Staatssekretärs im Reichsfinanzministerium noch nicht behandelt worden. Die Konferenzmaterie, über die die Reserenten der zuständigen Ministerien berichteten und die dann Gegenstand einer lebhaften Aussprache war, ist so verzweigt und kompliziert, daß die Erörterungen noch fortgesetzt werden müssen. Die Organisation der Flottenkonserenz. * London, 27. Dez. Der erste Minister Mac Donald wird auch diesmal voraussichtlich nicht der Haager Konferenz beiwohnen, da ihn, wie der hiesige Berichterstatter der Köln. Ztg. meldet, die Vorbesprechungen für die Londoner Konferenz in den ersten Januarwochen völlig in Anspruch nehmen werden. Am 20. Januar, dem Tag vor der Eröffnung der Seeabrüstungskonferenz, werden die Hauptvertreter eine Besprechung mit MacDonald haben, wobei die Tagesordnung der ersten Sitzung festgesetzt wird, die den Vorsitzenden und den stellvertretenden Vorsitzenden zu wählen und die verschiedenen Ausschüsse einzusetzen hat Man hat vorgeschlagen, sowohl zum Vorsitzenden wie zum stellvertretenden Vorsitzenden der Konferenz einen Engländer zu wählen. Aus den ersten Vertretern soll ein Hauptausschuß gebildet werden, an den die Berichte der Unterausschüsse zu richten sind. Vollsitzungen sollen abgehalten werden, wenn der schen Politik besaßte. Er behandelte den Stand der Finanzen in Reich, Staat und Kommune, die drückende Steuerbelastung und deren Folgen. Er sagte u. a., dieselbe kleine Gesellschaftsschicht, die das deutsche Volk in den Abgrund führte, sei in den Rechtsparteien heute wieder am Werke, den Volksstaat und seine Regierung als diejenigen hinzustellen, die Elend und Not über das deutsche Volk gebracht hätten. Der Gipfel politischer Unehrlichkeit sei es, daß heute in Deutschland eine Partei existiere, die sich„Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter= partei“ nenne, ohne auch nur das geringste mit der Arbeiterschaft zu tun zu haben. Diese Partei sei weder Arbeiterpartei noch habe sie sozialistische Tendenzen, noch sei sie national, sondern sie sei eine ganz ordinäre antisemitische Konjunkturpartei. Was für die Nationalsozialisten gelte, könne fast in gleicher Weise auf den Stahlhelm angewandt werden. Aus den Reden. den Kundgebungen und Schriften führender Männer der Nationalsozialisten und des Stahlhelms gehe ganz eindeutig hervor, daß man den Kampf gegen den Volksstaat mit den Mitteln der Gewalt propagiere Deshalb müsse man alle Kräfte aufbieten, um dieser Agitation und dieser Hetze an jedem Orte und zu jeder Stunde entgegenzutreten. Die deutsche Republik werde durch die Wirrnisse dieser Monate nur dann hindurchkommen, wenn sie getragen werde von dem entschlossenen Willen der Millionen. wtb. Kassel, 28. Dez.(Funkspruch.) Im Auschluß an Innenminister Grzesinski sprach der Bundesführer Otto Hörsing über„das wahre Gesicht der Feinde der Republik“. Der Redner wies darauf hin, daß das Reichsbanner nicht nur die physische Kraft der Republik sein wolle, sondern auch ihr Gewissen, und daß die Führung und überparteiliche Organisation für die weitere Tätigkeit des Reichsbanners unantastbar sein werde. Es werde dem notwendigen Kampf mit den Gegnern der Republik nicht ausweichen. Der Lob uiner dein Eis. Vier Opser des Eises. wtb. Hamburg, 27. Dez.(Tel.) Bei HarburgWilhelmsburg brachen am Freitag morgen auf der Eisdecke des Ernst=August=Kanals drei Knaben ein. Nur einer konnte von hinzueilenden Passanten gerettet werden, die beiden anderen ertranken. In Puttgard, auf der Insel Fehmarn, sind zwei Mädchen im Alter von acht und zehn Jahren, die Töchter zweier Arbeitersamilien, beim Schlittenfahren auf dem Eis des Dorfteiches eingebrochen und ertrunken. Fünf Personen unter dem Eis ertrunken. wtb. Würzburg, 28. Dez.(Funkspruch.) Im benachbarten Margritshöchheim tummelten sich gestern nachmittag vier Knaben im Alter von 9 bis 10 Jahren auf dem dünnen Eise eines alten Arms des Mains. Die Kinder brachen ein. Auf ihre Hilferufe eilte der in der Nähe beschäftigte 30jährige Vitus Wittstadt herbei, um die Knaben zu retten. Dabei fand er selbst den Tod im Wasser und auch die vier Knaben ertranken. Aus Nah und Fern. Festnahme eines flüchtigen Bankschwindlers. wp. Düsseldorf, 27. Dez.(Tel.) Der seit dem 21. d. M. flüchtige Büroangestellte August Beckmann, der am gleichen Tage einem Boten beim Verlassen einer hiesigen Bank 4300 Mark abgeschwindelt hatte, ist jetzt in Dinklage in Oldenburg festgenommen worden. Von dem ergaunerten Gelde wurden nur noch etwa 300 Mark bei ihm vorgefunden. Dortmund verpachtet das Burgwall=Theater. wp. Dortmund, 27. Dez.(Tel.) Die Stadtverwaltung teilt mit: Der Magistrat der Stadt Dortmund hat beschlossen, das Burgwall=Theater(Operettenhaus) ab 1. September 1930 auf 10 Jahre an die Direktoren der Scala in Berlin. Jules Marx und Arthur Spitz, zu verpachten Zum Betrieb des Theaters wird von den genannten vertragsgemäß eine G. m. b. H. mit dem Sitz in Dortmund gegründet. Der Beschluß des Magistrats bedarf noch der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung, die als letzte Justanz am kommenden Montag entscheidet. Ein Todesopfer der Weihnachtsschießerei. pw. Berlin, 27. Dez.(Tel.) Der Zapfer Fritz Hensel, der von zwei jungen Burschen am NollenSchweres Autounglück. Zwei Knaben lebend verbrannt. wtb. Utrecht, 27. Dez.(Tel.) Auf der Landstraße von Maarsbergen nach Woudenberg ereignete sich gestern nachmittag ein schweres Autounglück. Als eine Limousine auf der vom Regen aufgeweichten Landstraße in schneller Fahrt in Richtung Woudenberg dahinfuhr, geriet sie ins Schleudern, stürzte in einen mit Wasser gesüllten Chausseegraben und geriet in Brand. Von den drei Insassen sind zwei 15jährige Knaben lebend verbrannt, während ihr Vater, Mr. I. C. Post aus Bussum, mit schweren Brandverletzungen geborgen wurde. Naßland krampft auf! —t. Die neuen inneren Schwierigkeiten haben China so geschwächt, daß es den russischen Forderungen keinen Widerstand mehr entgegensetzen kann. Nun fühlt man sich in Moskau so recht als Sieger. Die Sache in der Mandschurei hätte kritisch werden können, wenn die Chinesen einig geblieben wären und Tschiangkaitschek das Heft in der Hand behalten hätte. In dem Augenblick, wo er sich seiner Haut wieder gegen andere neidische Generäle zu wehren hatte, und wo die Mandschurei den russischen Vorstoß allein auszuhalten bekam, war das Spiel für die Sowjetregierung gewonnen. Jetzt versuchten andere Mächte, sich zugunsten Chinas einzumischen, aber die Russen können mit stolzer Siegergebärde die Einmischung zurückweisen. Erst ließ man Amerika abfahren. Das war schon eine Leistung, denn man bewirbt sich doch andererseits um amerikanische Kredite, man hat, um die offizielle amerikanische Anerkennung endlich einmal zu bekommen, sich auch zur Unterzeichnung des Kelloggpattes bequemt. Aber Siegesrausch macht unvorsichtig, das gilt für die roten Militaristen nicht mirder, als für die anderen. Es gehörte schon einas dazu dem amerikanischen Außenminister Simson zu verstehen zu geben, daß sein Hinweis auf den Kelloggpakt und sein Angebot der Vermittlung als seindlicher Akt betrachtet werde. Genau die gleiche Haltung nimmt aber nun Rußland auch den Franzosen gegenüber ein. Eine solche Szene, wie sie sich kurz vor Weihnachten zwischen dem russischen Außenminister Litwinow und dem französischen Botschafter Herbette in Moskau abspielte, gehört doch in der Geschichte der europäischen Diplomatie zu den größten Seltenheiten. Herbette hat den amtlichen Auftrag seiner Regierung, eine Mitteilung der rumänischen Regierung zu überreichen, die im Zusammenhang mit dem amerikanischen Vermittlungsschritt steht. Da es sich um lauter Staaten handelt, die den Kellogg= Pakt unterzeichnet haben, sollte eigentlich ein solcher Schritt garnichts Außergewöhnliches sein. Allerdings sind zwischen Rußland und Rumänten seit längerer Zeit die diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Eben deshalb mußte der französische Botschafter sich der rumänischen Regierung zur Verfügung stellen. Dadurch aber richtet sich die russische Herausforderung jetzt nicht mehr nur gegen Rumänien, sondern zugleich gegen Frankreich. Herbette will die Mitteilung verlesen; ihm wird erklärt, daß Litwinow sie nicht anzuhören gedenke. Herbette will das Dokument auf dem Tisch zurücklassen, Litwinow lehnt ab, es in Empfang zu nehmen. Herbette weist energisch auf den amtlichen Auftrag seiner, der französischen. Regierung hin; Litwinow erklärt ihm, dieser amtliche Auftrag der französischen Regierung habe nichts für ihn als russischen Außenminister zu bedeuten. Man kann sich vorstellen, in welcher Versassung der französische Botschafter nach solcher Abweisung das russische Außenministerium verließ! Einigung in der Textilindustrie des Albtals. wtb. Karlsruhe, 28. Dez.(Funkspruch.) Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Textilindustrie des Albtals haben gestern vor dem Schlichter in Karlsruhe folgende Vereinbarung abgeschlossen: 1. Die bisherigen Abkommen über die sogenannte Albtal=Zulage gelten als erloschen. 2. Die bestehenden Arbeitsverhältnisse gelten als unter den bisherigen Bedingungen auf 14 Tage über den Termin der ausgesprochenen Kündigungen hinaus verlängert. Ueber die sogenannte Albtal=Zulage wird innerhalb dieses Zeitraumes von dem Schlichtungsausschuß in Karlsruhe entschieden werden. Der Schlichtungsausschuß gilt durch diese Vereinbarung als angerufen. Ein holländischer Dampfer auf Grund gelausen. wtb. Amsterdam, 28. Dez.(Funkspruch.) Einer Mitteilung des Rotterdamer Lloyd zufolge ist der Dampfer„Madioen“, der sich auf der Reise von Batavia nach Neuyork befand, im Roten Meer, 8 Meilen von Djeddah entfernt, auf ein Riff gelaufen. Die an Bord befindlichen Mekkapilger sind von dem Dampser Atreus der Reederei Molt übernommen und in Djeddah an Land gebracht worden. Für die bis auf weiteres auf dem Schiff verbliebene Bemannung besteht vorläufig keine Gefahr. Geplante Steuererleichterung in Frankreich. wotb. Paris, 28. Dez.(Funkspruch.) Der Finanz= ausschuß der Kammer hat nach Fühlungnahme mit dem Finanzminister mit 13 gegen 12 Stimmen eine Entschließung angenommen, die die Einigung zwischen der Regierung und dem Ausschuß über die vorzuschlagende Steuererleichterung in Höhe von 1147 000 000 Frank besiegelt. Der englisch=russische Notenwechsel über die Propagandafrage. wotb. London, 28. Dez.(Funkspruch.) Das Foreign Osfice verössentlicht die zwischen dem Botschafter der Sowjctunion, Sokolnikoff, und dem englischen Außenminister Henderson ausgetauschten im Marmarameer. wtb. Sofia, 26. Dez.(Dez.) Das bulgarische Handelsschiff„Warna“ ist infolge eines Zusammenstoßes mit einem griechischen Schiff im Marmarameer gesunken. 25 Mitglieder der Besatzung sind ertrunken, und nur vier konnten gerettet werden. Passagiere und Besatzung des Dampfers„Warna“ gerettet. wtb. Sofia, 28. Dez.(Fnnkspruch.) Entgegen den ersten Meldungen ergibt sich aus den jetzt vorliegenden Berichten, daß die Passagiere und die Besatzung des bulgarischen Dampfers„Warna“, der im Marmara=Meer nach einem Zusammenstoß mit einem griechischen Dampfer gesunken ist, gerettet worden sind. Noten über die Propagandafrage. Aus den Noten ergibt sich, daß die beiden Regierungen ihre im Artikel 16 des allgemeinen englisch=russischen Vertrages vom 8. August enthaltene Verpflichtung in der Propagandafrage von neuem bekräftigen. Die britische Regierung erklärt weiter, daß auf Ersuchen der Regierungen von Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Irland und Neufundland die genannte Verpflichtung auch zwischen diesen Regierungen und der Sowjetunion in Kraft tritt. Die Aufhebung der Exterritorialitätsrechte in China wlb. Washington, 28. Dez.(Funkspruch.) Zu den Meldungen aus China, wonach die Regierung von Nanking vom 1. Januar ab die Exterritorialität durch eine Verordnung ausheben werde, bemerkte Staatssekretär Stimson, die Vereinigten Staaten würden einer Aufhebung der Exterritorialität durch eine einseitige Verfügung nicht zustimmen. Er glaube auch nicht, daß Nanking einen solchen Akt gegenüber Amerika beabsichtige, da ja zwischen beiden Ländern Verhandlungen über den allmählichen Abbau der amerikanischen Gerichtsbarkeit schwebten. Die amerikanische Regierung halte an ihrer grundsätzlichen Einstellung zu dieser Frage fest, wie sie in der am 4. September veröffentlichten Note vom 10. August an die Regierung von Nanking zum Ausdruck gebracht worden sei. Der indische Nationalkongreß für Gandhis Politik. wib. Lahore, 28. Dez.(Funkspruch.) Der indische Nationalkongreß hat ohne jede Aenderung die von Gandhi vorgeschlagene Entschließung angenommen, in der die Anregung einer sog Konferenz am runden Tisch, in der zwischen englischen und indischen Bevollmächtigten eine Aussprache über die indischen Verfassungsfragen erfolgen sollte verworsen wird. Als Ziel, das der Kongreß zu verfolgen habe, wird in der Resolution die vollständige Unabhängigkeit Indiens bezeichnet, ferner wird der Boykott der gesetzgebenden Versammlung in ihrer gegenwärtigen Form und eine Propaganda für die Steuerverweigerung verlangt Stiowestfalenmeister in Hochform. Küsien o9— SfR. Fürth 4:4(!) Das Spielprogramm brachte für diesen Weihnachten nicht die gewohnte Großzügigkeit der Vereine. Lediglich Hüsten 0n war der einzigste, der sich etwas Besonderes leistete, indem er den bekannten Süddeutschen Vertreter BfR. Fürth zu einem Gesellschaftsspiel verpflichtet hatte. Von den übrigen erstklassigen Vereinen waren noch Hemer 08, Hagen 72 und BfS. Weidenau tätig Noch etwas ruhiger ging es dagegen in der 2. Bezirks= und Gauklasse zu, während im Handball der Spielbetrieb vollständig ruhte. Auch waren die Witterungsverhältnisse nicht gerade so günstig, daß man von eingm. Hoirr: lichen Weihnachts=Fußball hätte sprechen können. konnten aber die wenigen Spiele nach einem regnerischen Christabend und ersten Weihnachtstag am zweiten Tac trocken abgewickelt werden. Im ganzen Südwestfalenbezirk stand diese Begegnung gestern im Vordergrund des Interesses. Die Hüstener hatten gestern einmal wieder einen großen Tag und übertrafen mit diesem Unentschieden sogar ihre Erwartungen. Gewiß geben wir gern den Hüstenern in ihrem eigenen Vlatze ein Vorteil, andererseits sollte aber auch die 3:0 Führung in der ersten halben Stunde für die Hüstener etwas Besonderes sprechen. Spielverlauf: Gleich bei Anfang hat sich der Platzverein gut gefunden und bringt schon gefährliche Situationen vor Fürths Tor. Knapstein bekommt eine schöne Vorlage und sendet sofort unhaltbar ein. Auch Steinberg zeigt sich in Höckstform und kommt nach schönem Durchspiel zum zweiten Erfolg. Fürth, hierdurch etwas deprimiert, vermag vorläufig noch nicht sich aus dieser Drangperiode freizumachen und verhält sich vorläufig noch definitiv. Ein scharfer Schuß wird abgewehrt. Steinberg, diese günstige Gelegenheit erkennend. gibt Knapstein wieder vor und schon ist das 3. Tor fällig. Jetzt wird sich auch der Gast allmählich dieser Situation bewußt und dominiert recht stark, sodaß es dem Linksaußen gelingt, zunächst den Ehrentreffer zu erzielen. Dann scheidet Hüstens linker Läufer wegen einer kleinen Verletzung für eine kurze Zeit aus, sodaß sie 10 Minuten lang nur mit 10 Leuten spielen. Dieses weiß der Gast als ein kleines günstiges Moment auszunutzen und bis zur Halbzeit gleichzuziehen. Nach der Pause wird das Spiel etwas verteilter. Der Mittelstürmer versucht einen Alleingang, wird aber im letzten Moment von der Fürther Verteidigung abgeschlagen. Hüsten bekommt einen Elfmeter zugesprochen, der vom Rechtsaußen scharf geschossen und glatt verwandelt wird. Wiederum dominieren die Süddeutschen recht eifrig. Der Rechtsaußen unternimmt nunmehr einen Alleingang und bringt Hüstens Tor eine kurze Zeit stark in Bedrängnis; die Verteidigung macht einige grobe Schnitzer, wodurch der Torwart irritiert wird und die Fürther durch einen billigen Erfolg zum Ausgleich kommen. Im weiteren Verlauf des Spiels werden nochmals von beiden Seiten einige gefährliche Augriffe unternommen, die aber immer an der guten Verteidigung hartnäckigen Widerstand finden. Diesem von Anfang bis Ende recht spannenden Kampfe wohnten etwon 3000 Zuschauer(für Hüstener Verhältnisse recht annehmbar) bei. Die Fürther Gäste spielten den bekannten küddeutschen Fußball und hinterließen einen recht angenehmen Eindruck. Hüstens Mannschaft spielte wie aus einem(nß und zelgte: sch ihrem Gaste glatt ebenbürtig. man auch hier wegen der schlechten Witterung mit#labschlüssen etwas vorsichtig war, doch dürfte aber auch die scylechte wirtschaftliche Lage dazu beitragen, daß man das Risiko bei Verpflichtung großer auswärtiger Gegner nicht tragen kann. So kam es, daß auch hier nur ein Spiel zum Austrag kam. Der Verein für Rasensport Oberhausen stellte sich den Hagenern vor. Vorweg möchten wir sagen, daß die Hagener mit der Verpflichtung dieses Gegners keinen schlechten Griff getan hatten. Die Gäste gefielen hauptsächlich in der Hintermannschaft. Die Stürmerreihe dagegen konnte sich weniger entfalten, woran in der Hauptsache der schwere Boden schuld war. Anders war es dagegen bei den 72ern, die in allen Teilen ein gutes Spiel zeigten. Angenehm fiel das flüssige Abspiel der Mannschaft. Fast alle Tore waren gute, herausgearbeitete Geiegenheiten, die von der Läuferreihe vorgetragen und von der Stürmerreihe in sauberer Man verwandelt wurden. Der Gästetorhuter war an der Niederlage gänzlich schuldlos. Schon die erste Halbzeit verlief fast durchweg im Zeichen der Hagener. Nach der Pause hatte de Platzverein etwas nachgelassen, doch langte es auch jetzt noch zu drei weiteren Toren. VfB. Weidenau— Spv. Hatttingen S:0. Auch im Siegerland war man bisher ein größeres Programm gewohnt, doch aut hier sollten die bereits genannten Verhältnisse eine große Rolle mitspielen. Nur der ViB. denau verpflichtete sich einen Zweitklassigen aus Hattingen, der mit seinem Können in keiner Weise gesallen konnte, sodaß sich der Kampf nur in einer Hälfte fast abspielte und die Weidenauer demzufolge auch in dieser Höhe Sieger blieben. Spy. Hemer 08— Spp. Dortmund 08 4: 1(3: 1). Der Sportverein Hemer 08 bekam Besuch von seinem Ver, einsvetter aus Dortmund. Der Platzverein, durch Mitwind begünstigt, kann bereits bis zur Pause mit 3:0 in Führung gehen. Dann aber wendet sich das Blatt ein wenig. Di Dortmunder unternehmen einen Durchbruch, ein gefährlicher, scharfer Langschuß wird abgewehrt, aber sofort wieder nachgesetzt, sodaß sie zu ihrem Ehrentreffer kommen. Auf beiden Seiten wird auch weiterhin ausopferungsvoll gekämpft, jedoch gelingt es Hemer nochmals gut durchzukommen und bleibt somit bei technischer Ueberlegenheit am Ende sicherer Sieger. Sppag. Wetter 10— Preußen Essen 3: 7. In der 2. Bezirksklasse wurde nur dieses eine Treffen bekannt, was die Wetteraner übeeraschend hoch verloren. Gleich zu Anfang nahm das Spiel ein scharfes Tempo an. Essen liegt im Vorteil, kann aber bis zur Pause trotz leichter Ueberlegenheit nur ein Tor erzielen, jedoch auch nur durch einen Fehler in der Verteidigung. Die zweite Hälfte bringt ein erhöhtes Tempo von Seiten Wetters und die Stürmerreihe unternimmt böse Vorstöße, die ihnen aber nicht viel einbringen, sodaß es bald auch schon 5:1 für Essen heißt. Wetter aibe aber noch nicht nach und stellt auch noch ein 8:5 her. Dann aber hat man sich zu stark verausgabt und der Gast spurtet und stellt mit 7:3 den Endsieg sicher. Dieses Spiel litt sehr stark unter der mäßigen Leitung des Schiedsrichters. Während die Wetteraner ihren bekannten sudwestfälischen Fußball spielten, glichen die Gäste durch scharfe körperliche Spielweise ihre technische Unterlegenheit wieder aus. Dazu sei zu bemerken, daß die Wetteraner mit vier Ersatzleuten diesen Kampf bestreiten mußten. FC. Vogelsang— Spp. Essen=Bredeney 8:2 Sportfreunde Kabel— Sp. A. Tv. Oestrich 3:1 und Foulspiel beim Handballsport. Von W. C. Küppers, Köln. Hagen 72— BfR. Oberhausen 08 11:0. Besonders erwähnenswert ist Hagen, wo entgegen früheren Jahren nur ein Weihnachtsspiel stattfand. Mag sein, daß Wenn wir einige unfaire Kniffe und Mätzchen im Handballspiel besprechen wollen, so ist es notwendig, die Wesensart des Handballsportes kurz zu greifen. Stelenz sagt in seinen Richtlinien, daß Handball ein reines Kombinationsspiel ist und einer Mannschaft nur dann Erfolge bringt, wenn sich alle Aktionen harmonisch aneinanderreihen So ist der Spielgedanke fast eine Kopie des Fußballs. denn Deckungsspiel, Freistellen und Mannschaftsaushau beider Disziplinen sind verwandt miteinander. Unterschiedlich ist allerdings das regelwidrige Spiel. Eine ideale und erfolgreiche Stielweise verlangt ein präzises Zuspiel von zu Mann unter Vermeidung des zeitraubenden Balltreibens und persönlichen Zweikampfes. Die Beförderung des Balles mit den Händen bringt es aber mit sich, daß die spielerische Situation bedeutend schneller wechselt als im Fußhallspiel und die körperliche Berührung und Behinderung des Gegners sehr oft in Erscheinung tritt. Lant Regel 6 der Spielregel ist es im Herrenspier erlaubt, den Gegner mit einer offenen Hand den Ball aus der Hand zu schlagen oder ihn von vorne zu sperren. Bei Damen darf mit Rückscht auf die schwächere Körverkonstitution der Ball der Gegnerin erst aus der Hand geschlagen werden, wenn er sich nicht mehr in unmittelbarem Besitz befindet, wenn er die Hand bereits verlassen hat. Auf den ersten Blick drängt sich dem Unkundigen das Empfinden auf, daß laut Regel die erlaubten Abwehrmittel äußerst gering und dadurch auch die hohen Torergehnisse im Handball erklärlich sind. Verboten ist: Anspringen, Umklammern, Festhallen, Unterlaufen, Beinstellen, der Angriff von hinten, den Ball aus der Hand reißen oder schlagen mit der Faust. In den letzten Jahren hat nun die Praris eindentig bewiesen, daß eine Ausdehnung der in Regeln 6 angeführten erlaubten Abwehr das Wesen des Handballs ungünstig und entscheidend beeinflussen würde. Eine Lockerung dieser Fassung würde m E. dem Handballspiel die Flüssiakeit und Spannung nelmen. Gerade die jetzige Spielsaison zeigt deutsich eine zunehmende Härte, die von den Behörden und Schiedsrichtern nur unterdrückt werden kann, wenn sie alle Maßnahmen dagegen in der richtigen Weise anwenden. Streifen wir kurz einmal die gebräuchlichsten unfalren Handlungen: 1. A treibt den Vall B ist neben ihm und sblägt mit offener Hand den Ball dem Gegner aus der Hand. Nach dem erlaubten Schlag winkelt er seinen Arm in den des Gege ners, etwa in der Form zweier Kettenglieder. 2. A ist im Besitz des Balles und wird im Strafraum vorschriftsmäßig angegriffen. Um im Gedränge den oder die Geaner abzuschütteln, winkelt er die Arme, dreht sich mit dem Ball auf der Stelle und stöß: mit gespreizten Armen dem Gegner die spitzen Ellenbogen in die Seiten oder auf die Brust. 3. A und B springen gleichzeitig nach hohen Balk. B krümmt im Sprung die Beine, um A mit spitzen Knten in der Luft anzudrücken. 4. A ist im vollen Lauf aufs Tor. B startet in die Lau### richtung von A. kann diesen aber nicht mehr mit der Hand am Torwurf hindern, sondern drückt Oberschenkel und Hüftknochen heraus, um A ins Torkeln zu bringen. 5. A spielt halbrechts, geht in Stellung und erwartet eine Vorlage von seinem Mittelläufer B, der 20 Meter steht. Im Momen des Abspiels von B nach A wird A festgehalten mit einer Hand. Dieser Trick wird oft versucht, de der Schiedsrichter in der Regel nach dem ballspielenden Mann 6. A und B wollen gleichzeltig einen Bodenroller aufnehmen. B streckt sein rechtes Bein lang zwischen die gespreizten Beine des Gegners und drückt ihn gleichzeitig mit dem Oberschenkel vom Ball. 7. A bückt sich nach seinem Roller, im nächsten Momenz stürmt B heran. Um den Ball zu behalten, dreht A sich bückend, sodaß B das Gesäß von A anrennt(sogen. Aussitzenlassen). 8. A ist groß. B ist klein. Während A nach hohem Ball springt, steht B hinter ihm und drückt A nach vorne, sodaß der Vall über beide hinwegfliegt und A auf den Rücken fällt9. A treibt den Ball selbst in den Strafraum, läßt sich von B angreifen, anstatt den Ball an den freistehenden Mitsnieler abzugeben. B greift vorschriftsmäßig an. A dreht sich nun mit dem Ball auf der Stelle, um einen strafbaren Angriff von hinten zu provozieren(künstlich erzeugte Freiwürfe im Strafraum). 10. A läßt B in vollem Lauf auf sich zukommen, um ihn vorschriftsmäßig von vorne zu sperren. Kurz vor dem Zusammenprall legt er beide geballten Fäuste auf die Brust, um B dagegen aurennen zu lassen. 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Ihre Wahl fiel auf die Herren Dr. Schacht, Dr. Vögler, Melchior und Kastl. Am 11. Februar trat die Konferenz in Paris zusammen und wählte den amerikanischen Finanzmann Owen Young zum Vorsitzenden. Die Pariser Verhandlungen gestalteten sich äußerst schwierig und zogen sich sehr in die Länge. Schon sehr bald stellte es sich heraus, daß die Sachverständigen der Alliierten ihre Aufgabe weniger darin sahen, die deutsche Leistungsfähigkeit festzustellen, als die finanziellen Forderungen ihrer Länder durchzudrücken. Die Verhandlungen wurden schließlich so kritisch, daß Dr. Vögler zurücktrat. Nachdem am 21. Juni die Reichsregierung den sogenannten Young= plan als Verhandlungsgrundlage angenommen hatte, begannen die Verhandlungen mit Belgien über die Markfrage, die am 13. Juli zum Abschluß des Markabkommens führten. Am 30. August erfolgte in Paris die Unterzeichnung der Protokolle der Young=Konferenz. Der Verlauf der Pariser Tributverhandlungen führte zu einer innerpolitischen Gegenbewegung, die sich in dem am 12. September angekündigten Volksbegehren gegen den Youngplan auswirkte. Vom 16. bis 29. Oktober wurde das Volksbegehren durchgeführt, und da es die erforderliche Zahl von Unterschriften erhielt, folgte der Volksentscheid, der am goldenen Sonntag durchgeführt wurde und einen negativen Ausgang nahm. Damit ist der Streit um den Tributplan vorläusig beendet, und Anfang des neuen Jahres kann im Haag die neue Konferenz beginnen. Im Zusammenhang mit den schwierigen innerpolitischen Verhältnissen hat die Reichsregierung im Jahre 1929 vielsache Krisen durchmachen müssen. Die Deutsche Volkspartei hatte ihren Eintritt in die Reichsregierung von der Umbildung der preußischen Regierung im Sinne der Großen Koalition abhängig gemacht. Die Verhandlungen hierüber gestalteten sich jedoch äußerst schwierig. Der Plan der Umbildung der preußischen Regierung mußte schließlich aufgegeben werden. Dagegen wurde am 13. April die Reichsregierung durch den Ein tritt von drei Zentrumsministern umgestaltet. Von Guérard, den das Zentrum als Verkehrsminister zurückgezogen hatte, übernahm an Stelle des Ministers Koch=Weser das Justizministerium, Stegerwald wurde der Verkehrsminister und Dr. Wirth Minister für die besetzten Gebiete. Der am 3. Oktober ganz plötzlich erfolgte Tod des Reichsaußenministers Dr. Stresemann machte dann eine Umbildung des Kabinetts notwendig. Dr. Curtius wurde sein Nachfolger und Dr. Moldenhauer übernahm das Reichswirtschaftsministerium. Inzwischen gestaltete sich die Finanzlage immer schwieriger. Reichsbankpräsident Dr. Schacht trat mit seiner Denkschrift hervor, in der er gegen die Verschlechterungen des Youngplanes Stellung nahm und die schleunige Durchführung der Reichsfinanzreform forderte. Ueber diese Reform war schon seit dem Frühjahr zwischen den Koalitionsparteien ein erbitterter Kampf geführt worden, der sich besonders um die Frage der Erhöhung der Beiträge für die Erwerbslosenversicherung drehte. Das Eingreifen Dr. Schachts hatte die Einigung auf das Sofort=Programm zur Folge, das noch kurz vor Weihnachten angenommen wurde. Darüber hinaus mußte auch noch das Tilgungsgesetz angenommen werden, da nur unter dieser Bedingung der Ueberbrückungskredit gewährt wurde. Im Zusammenhang mit diesen schwierigen Finanzverhältnissen erfolgte dann noch kurz vor Weihnachten der Rücktritt des Reichsfinanzministers. Schwere Belastungsproben für das Kabinett bildete auch der Streit um die zweite Rate des Panzerkreuzers A. Am 9. April hatte die sozialdemokratische Fraktion die Ablehnung der zweiten Rate beschlossen, die dann aber doch am 27. Juni vom Reichstag bewilligt wurde. Auch in der hart umstrittenen Konkordatsfrage erfolgte in Preußen eine Einigung, so de am 13. August der Austausch der Ratifikationsurkunden erfolgen konnte. Die sonstigen innerpolitischen Schwierigkeiten des zu Ende gehenden Jahres lassen sich kennzeichnen durch die Stichworte: Mainnruhen und Rotfrontverbot, Femeprozesse, Bombenanschläge, Republikschutzgesetz und Stahlhelmverbot. Daneben gab es noch in einer ganzen Anzahl von Ländern Landtagswahlen und im Zusammenhang damit Kabinettskrisen. Jahresleistungen der Männervereine vom Roten Kreuz in Preußen Aus dem soeben erschienenen Rechenschaftsbericht des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz und seiner Provinzialvereine für sein 64. Geschäftsjahr(1. 4. 1928 bis 31. 3. 1929) ist eine bemerkenswerte günstige Weiterentwicklung der großen Wohlfahrtsvereinigung in Organisation und Leistungen ersichtlich. So ist u. a. die Zahl der Sanitätskolonnen Pflegeverbände und Samaritervereine vom R. K. mit 197 Neugründungen auf 1557 angewachsen und umfaßt 53931 tätige und 50017 fördernde Mitglieder(11330 mehr als im Vorjahre!) Die Mitgliederzahl der 311 Kreisund Ortsvereine ist von rund 68000 auf 71000 gestiegen. An weiblichen Pflegekräften sind im Vereinsbereich in 18 Mutterhäufern 1497 Schwestern und 153 Hilfsschwestern vorhanden In der ersten Hilfe sind, an die Sanitätskolon= neu angegliedert, 2040(rund 500 mehr als i. V.) Helferinnen tätig. Die Gesamtzahl der Mitglieder des Landesvereins beläuft sich am Berichtsschluß auf 178 661. Von örtlichen Vereinigungen werden unterhalten(die Vorjahresleistungen sind, in Klammern wiedergegeben: 1003( 926) ständige Rettungswachen und Unfallstationen, 7225(6131) Unfallmeldestellen, Depots von Krankenbeförderungsmitteln und dergl., 290( 138) Krankenwagen, 168( 171) bespannte Krankenwagen, 8715 sonstige Krankenbeförderungsgeräte, 6494 Verbandkästen und=Schränke und Desinfektionseinrichtungen, 589( 303) Verleihanstalten von Krankenpflegeartikeln. Die Rettungseinrichtungen sind in Jahresfrist 594 258(i. V. 297514) mal in Anspruch genommen worden. Geschlossene Formationen oder einzelne Mitglieder des Landesvereins traten in Tätigkeit bei 123 Ueberschwemmungen, Sturmfluten und Wolkenbrüchen, 240 Gasvergiftungen, 1797 Feuersbrünsten, 154 Eisenbahnunfällen, 138 846 Fabrik=Gruben=Unfällen, 592 Seuchen und Epidemien, 109 701 Einzelunfällen(Straße, Verkehr), 9 inneren Unruhen größeren Umfangs. Weiter ist aus der praktischen Arbeit des Landesvereins die Unterstützung der behördlichen Seuchenbekämpfung durch vertragsmäßige leihweise Ueberlassung von 82 transportablen Krankenbaracken aus den Beständen des Zentraldepots zu erwähnen. Andererseits sind vielen Orts- und Kreisorganisationen von provinziellen und kommunalen Behörden in Anerkennung der für das Gemeinwohl geleisteten Arbeit Förderungen durch Barbeihilfen, durch Ueberlassung von Räumen zur Einrichtung von Geschäftszimmern, Depots, Rettungswachen zuteil geworden. Als Ergänzung der behördlichen Wohlfahrtspflege ist im besonderen die Tätigkeit der Rotkreuzschwestern in eigenen wie in kommunalen Krankenanstalten wie in der Gemeindepflege und sozialen Fürsorge hervorzuheben. Ebenso verdienen Erwähnung die im Bereiche des Landesvereins bestehenden Schwestern= und Kinder=Erholungsheime, Krankenhäuser und TuberkuloseHeilanstalten und Beratungsstellen und häufige Ausstellungen und Lehrgänge sozial=hygienischen Charakters. Für den Nachweis der tätigen Vereinsmitglieder ist das ständige Anwachsen der Sanitätskolonnen=Jugendgruppen von besonderer Bedeutung. Oesterreichs neue Nationalhymne Gott mit dir, mein Oesterreich! Die neue österreichische Nationalhymne, die von der Regierung soeben eingeführt ist, wird nach der Melodie„Gott erhalte Franz, den Kaiser!“ gesungen. Sie hat folgenden Wortlaut: Sei gesegnet ohne Ende, Heimaterde, wunderhold! Freundlich schimmert dem Gelände Tannengrün und Aehrengold. Deutsche Arbeit, ernst und ehrlich, Deutsche Liebe, zart und weich, Vaterland, wie bist du herrlich! Gott mit dir, mein Oesterreich! Keine Willkür, keine Knechte, Off'ne Bahn für jede Kraft! Gleiche Pflichten, gleiche Rechte, Für die Kunst und Wissenschaft. Starken Mutes, festen Blickes, Trotzend jedem Schicksalsstreich, Steigt empor der Tag des Glücke Gott mit dir, mein Oesterreich! Osterland bist du geheißen, Und vom Osten kommt das Licht, Nacht und Finsternis zerreißen, Wenn es durch die Wolken bricht. Seht verklärten Angesichtes Den ersehnten Tag vor euch! Land der Freiheit, Land des Lichtes— Gott mit dir, mein Oesterreich! Land im Osten Die dichtere Besiedlung des deutschen Ostens rückt als national=wirtschafts= und bevölkerungspolitisches Problem immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses. Auf Anregung des Evangelischen Siedlungsdienstes, Sitz Bielefeld findet demnächst am 13. und 14. Januar 1930, in Spandau ein Schulungskursus über Fragen der West=Ostsiedlung statt. Am 1. Tag sprechen zur Frage„Staatund Siedlung" Mitglieder des Reicharbeitsministeriums, der „Landgesellschaft Grenzmarksiedlung“ und des Landtags über„Geschichte und Entwicklung des deutschen Ostens“, über„Notwendigkeiten der deutschen Ostsiedlung" und über„Die Siedlungsgesetze des Reiches und Preußens". Am zweiten Tage kommen die Aufgaben zur Verhandlung, die speziell von der evangelischen Kirche bezüglich der Ostsiedlung zu lösen sind. Die Verhandlungen werden von dem Vorsitzenden des Westfälischen Provinzialverbandes für Innere Mission, in dessen Rahmen der Evangelische Siedlungsdienst begründet wurde Kons. Rat lic. D. Hymmen geleitet, Auskunft über alle Fragen der Siedlung sowie über die bevorstehende Veranstaltung gibt der Evangelische Siedlungsdienstt in Bielefeld, AltstädterKirchplatz. 1 Million deutsche Reisende im Ausland In der Zeitschrift„Wirtschaft und Statistik“ findet sich eine bemerkenswerte Darstellung über Die internationdle 13 Romau von J. Schneider-Foerstl. 31. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er bezahlte und ging an Tandey vorüber. Der Detektiv streifte ihn mit keinem Blick. Vielleicht ist meine Furcht übertrieben, dachte Krappe und fühlte, wie sein Mut und seine Kräfte wuchsen. Das beste war, er nahm keinerlei Notiz mehr von ihm. Er ging in sein Abteil, holte den Stock aus dem Gepäcknetz und hörte jemand hinter sich eintreten. Draußen rasten die ersten Riesenschilder vorüber, welche die Nähe Dovers kündeten. Villen reihten sich aneinander. Hochgeschachtelte Gebäude lösten die Landhäuser ab. Die Räderpaare hasteten über ein Gewirr von Schienensträngen und ließen die gutgefederten Wagen auf= und niederschaukeln. „Dover." Die Türen flogen auf. Krappe stand schon auf dem Bahnsteig und tauchte im Gewühl unter. Von Tandey war nichts zu sehen. Entwischt! Der Medizinalrat hätte jeden einzelnen umarmen und küssen mögen. Ein Herr stieß unsanft gegen ihn, eine deutsche Zunge sprach ihn an.„Verzeihung, ich bin nicht in der Lage, mich zu orientieren. Wie komme ich am raschesten zum Hafen?“ Krappe, ob seines Glückes gut gelaunt, lud ihm sofort zum Mitkommen ein. Nach Calais wollen Sie?“ fragte er, als sie nebeneinander herliefen,„dann haben wir ohne dies den gleichen Weg. Aber wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.“ Er winkte einer Droschke und half dem anderen den etwas schweren Koffer hineinverstauen. Die Räder glitten über den Asphalt dahin nach dem Hafen, wo die Schiffe zur Ausfahrt bereitlagen. Er wußte nun, daß der Deutsche Grode hieß und ein Berliner war. Der Fremde stelte sich etwas ungeschickt und bedauerte, noch kein Billet zu haben. Er benahm sich überhaupt furchtbar ausgeregt und ungewandt. Das bekommen Sie alles an Bord“, beschied Krappe. Er hatte Eile an Deck zu kommen. Dann erst fühlte er sich wirklich gerettet. Als er endlich den Fuß darauf gesetzt hatte, und seine Pässe in vollster Ordnung gefunden wurden, betrat er mit einem Wohlgefühl ohnegleichen die ihm zugewiesene Kabine erster Klasse und freute sich, daß der andere die Kajüte neben ihm bekamt. Eine halbe Stunde später brüllten die Sirenen das erste Zeichen zur Abfahrt. Tandey stand in der Telefonzentrale der Hauptpolizei in Dover und horchte auf die Stimme, welche aus dem Apparat klang.„All right!“ meldete ein gemütlicher Baß.„Wir stechen in zehn Minuten in See.— Er ist vollkommen ahnungslos. Sie erwarten uns in Calais?— Schön! Auf Wiedersehen, Herr Tandey." Dieser hing den Hörer zurück und wandte sich an Stenson, der hinter ihm eingetreten war. „Den hätten wir also. „Sie wollten mir doch sagen, wie Sie das gedeichselt haben,“ fragte der Inspektor neugierig. „Verflucht einfach. Die Meldung von dem Motorraddiebstahl, die gestern in Scottland Yard einlief, hat mich auf seine Spur gebracht. Ich bin sofort nach Manchester, weil ich mir schon dachte, daß sein Weg— wenn er überhaupt an eine Flucht denkt— nach der. Küste gehen wird. Ich habe nachgefragt, ob nicht irgendwo ein herrenloses Motorrad stehen geblieben sei und wurde in einen Fabrikhof gewiesen, wo ich es tatsächlich fand. Ein englischer Kollege war so liebenswürdig, mir seinen Polizeihund auf die Fährte zu setzen. Na— und diese Fährte ging geradewegs zu einem Trödler, mit dem habe ich nicht lange Federlesens gemacht. Nach fünf Minuten der Unterhaltung habe ich alles gewußt: Wie der Medizinalrat jetzt aussieht und unter welchem Namen er reist.— Zufällig unter dem Ihren lieber Stenson.“ „Nein!“ „Wenn ich es Ihnen aber sage!— In Ihrem Mantel muß eine Visenkarte gesteckt haben, die er dem Trödler zeigte. Der hat ihm natürlich aufs Wort geglaubt. Und obendrein noch ein paar Bücklinge vor dem gefürchteten Inspektor von Scottland Yard gemacht.“ „Unerhört.“ „Daß ist so Krappes System.— Den Mantel können Sie übrigens jederzeit abholen lassen. Ich habe dem Trödler streng untersagt, ihn zu veräußern. Stenson vermochte sich kaum zu fassen. Als er zehn Minuten später mit Tandey die Treppe hinunterschritt, hatte er noch immer ein Kopfschütteln für diese nie dagewesene Verbrecherfrechheit. * Krappe stand über die Brüstung der„Majestik“ gelehnt und hielt den Flaggenmast mit einem Arm umschlungen. So opferte er dem Gott des Meeres, opferte ihm aus Ekel, an allem was Leben hieß und sich Mensch nannte, insbesondere. Dieser harmlose Deutsche, der sich als Hans Grode vorgestellt hatte und Kunstmaler aus Berlin sein wollte, war ein Spitzel.— Huup! —— war ein Beamter des Dover Geheimdienstes.— H—uup! Noch nie in seinem Leben war ihm so jämmerlich zumute gewesen. Er, Gimpel, war in die Falle gegangen.— Er hing weit über das Geländer und wurde von dem Steward an den Rockschößen zurückgehalten. „Nehmen Sie einen Schluck Cherry, Mister.“ Der Cherry erhielt keine Aufenthaltsbewilligung in Krappes Magen. Nun wußten die Fische unten, wie Cherry Brandy schmeckte. Das kam, wenn man immer so übersolide lebte, immer so schön brav als Gentleman in seinem Sanatorium hauste. Dann brachte einen ein solcher Schlingerkasten sofort aus dem Gleichgewicht. Neben ihm sprach jetzt die erhaßte deutsche Stimme:„Die Reise bekommt Ihnen wohl nicht?“ Er hörte den Spott heraus, wollte auffahren und neigte sich gerade noch rechtzeitig über das Geländer. Nur nicht merken lassen, daß er der Sache auf die Spur gekommen war. Und wie das zugegangen war. Das wäre Tandey nie passiert. Bei einem Guß Meerwasser, der zufällig über Deck gestäubt kam, hochzustülpen, daß die Erkennungsmarke sichtbar wurde. Er konnte von Glück sagen, daß ihm Zeit blieb, nach etwas zu suchen, das eine Rettung bedeutete. Wenn nur dieses verdammte Jammergefühl nachlassen wollte. Falls das noch lange anhielt, verblödete ihm das ganze Gehirn. Er erschien mit zitronenfarbenem Gesicht an der Abendtafel und zwang sich ein paar Bissen hinunterzuwürgen. Miß Golfston, seine Nachbarin, riet ihm, eisgekühlten Mokka zu trinken. Den schluckte er mit Todesverachtung hinunter. In der Kabine wälzte er sich vom linken Bettrand nach dem rechten hinüber und wieder zurück. Nebenan— Hand an Wand mit ihm — schlief dieser verfluchte englische Spitzel. Wie sich retten, wenn man den Himmel über und das Wasser unter sich hatte? Die zweite Hälfte der Nacht schlief er leidlich gut. Als er beim Gabelfrühstück im Speisesaal erschien, war er bester Laune. Er küßte Miß Golston die Hand und neckte sich mit Grode. (Fortsetzung folgt.) Zahl der Deutschen, die als Reisende das Ausland aufsuchten. Aus dieser Aufstellung ergibt sich, daß außerhalb des Reiches im Jahre 1928 477000 Deutsche in der Schweiz, 246.000 in Italien, 132000 in der Tschechoslowakei, 56 000 in Dänemark, 50 000 in Danzig und Zoppot, 38000 in England, 37000 in den Niederlan den, 24000 in Ungarn, 8000 im Memelgebiet und 7000 in Finnland sich aufhielten. Für Oesterreich und die Tschechoslowakei werden die Ausgaben der Reichsdeutschen auf diesen Geschäfts= und Vergnügungsreisen nach relativ zuverlässigen Unterlagen auf rund 90 Millionen geschätzt. Geht man von den Zahlen und von den Schätzungen für Jugoslawien, Ungarn, Schweiz, Danzig, Italien und Dänemark aus, so kommt man für Europa insgesamt auf rund 230 Millionen RMt. w Es lebe der Schwerte, den 28. Dezember 1929. Was würde wohl der selige General von Zicten gesagt haben, wenn ihm die jungen Demoiselles des Jahres 1929, bekleidet mit seltsamem Schuhwerk an einem regenfeuchten Dezembertage auf der Straße begegnet wären? Potzmohrenelement! Haben denn die Damen meinen Husaren die hohen Stiebeln abgeguckt? Mit dem Ueberschuh aus Wolltrikot, und lanbfroschgrüner Gummihant begann's. Dann kam der noch relativ niedrige Russenstiefel, defsen Schaftlänge je nach der Mode zwischen einem soliden Damenschnürstiefel und dem Kommiß stiefel eines Insanteristen schwankte. Bis endlich zum Erstannen der gesamten zivilisierten Männerwelt die erfinderische Mode den schneidigen Stulpenstiefel den Damen vor die Füße setzte. Er oriente lur! Aus dem Osten kommt noch mehr. Der Siegeszug der einst weltberühmten Petersburger Gummigaloschen gelangte zwar vor Jahren zum Stillstand. Angeblich weil sich zahlreiche Geschäftsleute weigerlen, der Aufforderung ihrer Kundschaft, ihr den Buckel mit diesen Galoschen herunterzurutschen, immer wieder nachzukommen. Und dann? Im Osten nichts Neues? Da setzte auf der gewaltigen Front von Riga bis Tarnopol die General offensive der Schuhwarenfabriken ein und über schültete ganz Ost=, Nord= und Mitteleuropa mit einem Trommelseuer von Damen=Stulpenstieseln, an dem gemessen die Kanonade von Valmy ein Kinderspiel war. Die Damen von heute tragen den Stulpenstiesel in den verschiedensten Höhen, Qualitäten und Preislagen. Mit und ohne Pelzverbrämung. In Lack=, Rindbox=, Sassian= und Juch tenleder. Und die Männer von heute wissen nicht, ob sie lachen oder schelten sollen, wenn ihnen so ein blitzsauberes frisches Geschöpf, bekleidet mit Kappe oder Baskenmütze, unter der man den keck geschnittenen Bubenkopf mehr ahnt als sieht, Treuchoat oder Pelz und den lacklederneu Stulpenstiefeln über den aufgeweichten Weg läuft. Ein gewisser Ansatz von Wade gehört freilich zur Trägerin eines solchen Halbschästers hinzu. Der Dame mit Storchenbeinen, die in gewaltigen Kanonenrohren einherstelzt, bemächtigt sich in immer liebevollerer Weise die Karikatur zahlreicher Witzblätter. Nur eins begreift kein Mann. Weshalb die Frauen, anzuschauen wie Kanonierrekruten, gestiefelt durch schneelose, aber regennasse Straßen stampfen in einer Zeit, da just die Röcke im Interesse notleidender Tuchfabrikanten je länger je lieber werden. Die alten Römer wußten, weshalb sie einen ihrer Soldatenkaiser Caligula (Stieselchen) nannten. Doch hüten wir uns, daraus verkehrte Schlüsse zu ziehen! Es macht den Frauen Vergnügen, forsch auszutreten, sich männlich aufzuführen. Sie werden's bleiben lassen, sobald der seminine Mann von heute in wohlverdienster Versenkung verschwindet und das Pantoffelheldentum neuamerikanischen Musters mit ihm. Gedenklage. 28. Dezember: 1856: Woodrow Wilson, Präsident der Vereinigten Staaten, in Staunton geboren(gestorben 1924).— 1908: Großes Erdbeben in Unteritalien und Sizilien: Zerstörung der Städte Messina und Reggio. 29. Dezember: 1809: Der englische Staatsmann William Gladstone in Liverpool geboren(gestorben 1898).— 1832: Der Buchhändler Johann Friedrich Cotta in München gestorben(geboren 1764).— 1926: Der Dichter Rainer Marie Rilke in Paris gestorben(geboren 1875). : Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 27. Dezember 1929. Während das gestrige Hochdruckgebiet über dem Nordmeer nordostwärts abgezogen ist, hat sich das neue bei Island erschienene Tief in Ausläufern über Großbritannien und Frankreich ausgebreitet. In Deutschland war es heute früh bei 0 bis 3 Grad Wärme und wechselnder Bewölkung mit Ausnahme des Ostens und Südbayerns, wo noch Regen oder Schnee fiel, trocken. Die Witterung wird auch weiterhin veränderlich bleiben. Der Kahle Asten hatte frischen Südwestwind, Nebel und 1 Grad Frost Aussichten bis Sonntag: Wolkig, vorübergehend wieder Regenfälle und verhältnismäßig mild bei teilweise westlichen Winden. Silvesterfeier im„Freischütz.“ Im„Freischützsaal“ findet am 31. Dezember abends 8,30 Uhr eine große Silvesterfeier des MGV.„Sangeslust“. Schwerterheide, Turnverein„Jahn“ Schwerterheide und des Musikvereins Schwerte=Ost statt. Ein hervorragendes Programm mit allerhand Ueberraschungen ist aufgestellt. Gute Musik sorgt für die nötige Stimmung. Nachts um 12 Uhr bläst die Kapelle einen Choral vom Freischützturm. Beurlaubt. Schulrat Dr. Appens ist bis zum 2. Januar beurlaubt; sein Vertreter ist Schulrat Dr. Schmeck in Dortmund=Hörde.— Ferner ist der Schulrat Dr. Berkermann in Iserlohn bis zum 10. Januar beurlaubt. Seine Vertretung hat Schulrat Stader in Schwerte übernommen. Fahrplanänderung. Ab 2. Januar 1930 verkehrt Pz. 896 in nachstehendem Plan mit Aufenthalt in Hennen und Kalthoff: Schwerte ab 5,39 Uhr, Ergste..., Hennen an 5,52 Uhr, Hennen ab 5,53 Uhr, Kalthoff an 5,57 Uhr, Kalthoff ab 5,58 Uhr, Sümmern..., Iserlohn an 6,11 Uhr. :„Handarbeiten nur nach Beyer's Bücher“ Wir empfehlen unseren Leserinnen und Lefern das am heutigen Tage beigelegte Prospekt, betr. Beyers Bücher, einer sorgfältigen Beachtung zu unterziehen. Das Weihnachtskonzert des M. G. V. „Sängerbund“ Schwerte, über das wir schon berichteten, war, wie nicht anders zu erwarten, ein voller, aber auch wohl verdienter Erfolg für Leiter und Sänger. Ein großer Freundes= und Gönnerkreis hatte— angelockt durch das vielversprechende, fast zu reichhaltige Programm— das Haus bis auf den letzten Platz gesüllt und spendete reichen Beisall zu allen Darbietungen der Mitwirkenden. Erfreute Vater Betzel aus Dortmund mit seinem„collegium musicum“, die Zuhörer durch stimmungsvolle und mitreißende Weisen, so forderten die klangreinen, gefühlstiefen Liedchen des gastierenden Solo=Quartetts Schwerte=Ost (Leitung: Dirigent Temme) das Publikum zu immer neuem Beifall heraus. Die äußerst beachtenswerten Leistungen des festgebenden Vereins zeugten von großem Fleiß und ernster Zielstrebigkeit. Besonders gesielen„Nachtwandler“ von dem in hiesiger Gegend noch wenig bekannten Rinkens und die„Wolgalieder“ von Jüngst. Bemerkenswert sind noch die zu den Wolgaliedern wiedergegebenen Rezitationen durch das Vereins=Mitglied Kaspar Humpert. Alle Achtung vor diesen Leistungen. Tönsmann's „Weihnachtslied“, eine Komposition des jungen strebsamen Dirigenten, erlebte hier seine Uraufführung und sand ungeteilten Beifall. Wir gratulieren Herrn Tönsmann zu seinem persönlichen Erfolg, andererseits dem Verein aber auch zum Gelingen dieser schönen Weihnachtsveranstaltung. Ruhrtaler Sängerverein Schwerte. Am Neujahrstage veranstaltet der Ruhrtaler Sängerverein im„Freischütz“ sein beliebtes Neujahrskonzert. Um seinen Freunden einen besonderen Genuß zu bereiten, wurde die Orchesterschule des städt. Konservatoriums in Dortmund zur Mitwirkung gewonnen. Wer gute Musik liebt, der versäume nicht, dieses Konzert zu besuchen. Wegen ungünstiger Witterung verkehren die Wintersportzüge nach Winterberg heute und morgen nicht. Vom katholischen Krankenhause. Am 1. Januar 1930 übernimmt Dr. Goecke als Chefarzt des Marienhospitals die chirurgische und frauenärztliche Tätigkeit wieder, behält aber Privatpraxis, freie und kaufmännische Kassen bei.— Für die innere Abteilung ist der Facharzt für innere Krankheiten, Dr. Bücker, bisher Oberarzt am Marienhospital Aachen=B., bestellt, der am 7. Januar 1930 seine Tätigkeit aufnehmen wird. Dr. Bücker wird vorläufig im katholischen Krankenhause wohnen und da auch seinen Sprechstundendienst einrichten. Die Sprechstundenzeit wird noch näher bekannt gegeben. + Weihnachtsseier im kath. Arbeiterverein. Wie alljährlich hatte auch in diesem Jahre der Arbeiterverein„St. Stephanus“ seine Mitglieder und deren Familien am zweiten Weihnachtstage unter dem strahlenden Christbaum zu einer sinnigen Weihnachtsfeier versammelt. Der große Peter'sche Saal, weihnachtlich geschmückt, vermochte die Menge der Gäste kaum zu fassen. Herzliche Worte der Begrüßung seitens des Vorsitzenden Kebekus, Musikvorträge und gemeinschaftlicher Gesang der alten vertrauten Weihnachtslieder leiteten über zu der tiefschürfenden Ansprache des Schulrats Stader über die große Bedeutung des Weihnachtsfestes, das Kind von Bethlehem in seiner Beziehung zum Christentum. Ein dreiaktiges Schauspiel, von der Theaterabteilung mit liebevoller Sorgfalt einstudiert, fand größte Aufmerksamkeit und immer wieder starken Beifall. Auch die Kinder kamen auf ihre Rechnung, da für sie eine besondere Feier am Vormittag veranstaltet war, bei der auch die Weihnachtstüte nicht fehlte. Die Sparkasse zu Schwerte ist des Jahresabschlusses wegen am Dienstag, 31. Dezember für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Auszahlung der Gehälter findet am 30. Dezember statt(s. Anzeige). : Von der Theatergesellschaft„Minerva“. Die allseits bekannte und beliebte Theatergesellschaft„Minerva“ veranstaltete vor einem stark besuchten Hause am zweiten Weihnachtstage im Saale„Im Reiche des Wassers“ einen Theaterabend, dem ein voller Erfolg keineswegs versagt blieb. In der Auswahl der beiden Bühnenstücke„Paria“ und„Vater Lorenz“ hatte man eine glückliche Hand bewiesen und die Wiedergabe dieser beiden Theaterstücke war äußerst gut Der Pfefferkuchenberg. tond uuf Weihint Vernachlässigter Alltag.— Neujahr in Sicht!— Die Verlobungsepidemie! „Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen. So ähnlich heißt wohl jener Spruch, der von den Anstrengungen der Festtage Zeugnis ablegt. Die Weihnachtstage allerdings gehören zu den guten Tagen, die man gern erträgt, ist doch unter dem Kerzenschimmer des Weihnachtsbaumes manche Sorge verscheucht worden. Die Kraft, zu feiern, gab auch neue Lebenskräfte. Der Gabentischerinnerte uns an die Freunde, die uns Freude bereiteten, und das Geben auch im bescheidensten Rahmen gab uns die Gelegenheit, aller Liebe auch einen greifbaren Ausdruck zu geben. Am besten bekam das Weihnachtsfest natürlich den Kindern. Sie vertieften sich in den Feiertagen je nach Temperament in ihre Spielsachen oder Bücher. Wenn man so eine kleine Rundreise an verschiedenen Weihnachtstischen zurückgelegt hat. so erkennt man auch an den Gaben den Sieg der Technik. Das Spielzeug ist Vorbereitung zur Arbeit geworden, und den armen Eltern fiel es nicht immer leicht, der großen Sachkenntnis der Kleinen gerecht zu werden. Von den Dingen, die den Menschen zur Unterhaltung dienen, hat das Radio entschieden den Sieg unter den Weihnachtsgeschenken davongetragen. Im übrigen wurden alle Mittel dazu verwandt, um für neue Kleidung zu sorgen. So sind die Menschen zu nachbarlichem oder freundschaftlichem Besuch an den Feiertagen im Schmucke ihrer Festtagskleider gekommen. Dabei wurde nun verglichen, bewundert, bekrittelt u. beneidet.Schließlich aber gingen alle diese kleinen menschlichen Schwächen an der unzerstörbaren Festfreude zugrunde. Letzten Endes waren die Weihnachtstage auch eine Generalprobe für die Leistungsfähigkeit des Magens. Leider habe ich noch keine Statistik zur Hand, wieviel Gänse, Hasen und Karpfen die Tafeln zierten. Würde man aber alle Pfefferkuchen, Aepfel und Rüsse, die der Weihnachtsmann brachte, zu einem großen Berg auftürmen, so würden berühmte Bergsteiger sicherlich vor einer gewaltigen Aufgabe stehen, wenn sie den Gipfel erklimmen wollten. Aber auch nach Weihnachten wird dem Alltag wenig Raum gegeben. Man läßt uns sozusagen nur verschnaufen, damit wir die Silvesternacht und den Neujahrstag, der vor uns steht, vertragen können. Der Qual und Mühe eines ganzen Jahres wird ein festlicher Abschluß gegeben, der zugleich einen frohen Auftakt für die Kämpfe bildet, die die dunkle Zukunft noch von uns fordern wird. Darum wollen wir die trüben Gegenwartserscheinungen heute nicht unter die Lupe nehmen. Wir wol1 l e n d i e s e r f e s t l i c h e n W o c h e n i c h t d e n D u f t r a u b e n. So lange der immergrüne Tannenbaum in seinem Weihnachtsschmuck unsere Zimmer ziert, so lange hält auch die festliche Stimmung an. Es gibt kein Fest, dessen Ausklang ähnlich schön wäre. Vielfach herrscht die Sitte, zum Neujahrstag das letztemal die Kerzen anzuzünden, und wo für die Kinder der Baum mit Süßigkeiten behängt ist, findet dann eine fröhliche Plünderung statt. Der Baum verschwindet, und die Festzeit ist vorüber. Für die Jugend bieten diese Tage von Weihnachten bis zum neuen Jahr auch eine„bedenkliche Gefahr". Den Kleinsten kann es zwar nur an den Magen gehen, der erwachsenen Jugend geht es aber oft ans Herz, wie es die Verlobungsepidemie der Festtage beweist. Wir wollen hoffen, daß dieser Verlobungsmut bei allen entsprechend belohnt wird. Möge das bevorstehende Neujahrsfest von allen fröhlich gefeiert werden, soweit von Weihnachten her noch etwas Kleingeld vorhanden ist. Das nächste Mal ruft uns der Alltag wieder zu ernster grticlk. und rief bei den Zuschauern den lebhaftesten Beifall hervor. Die Herstellung der Bühnendekoration durch Herrn Büscher setzte in Staunen und muß anerkannt und gelobt werden. Noch genannt seien die Mitwirkenden: Frau Exnowsky, Frau Runge, Frl. Engelhardt, Frl. Wehberg sowie die Herren Seegref, Jacob, Peters, Runge, Schöttler, Brandt, Kraus, die alle ihr Bestes gaben und Leistungen über den Durchschnitt boten. Die Spielleitung wurde ihrer Aufgabe gerecht, sodaß es keinen Versager gab. Gut einstudiert und mit viel Liebe und Wärme gespielt, wurden die beiden Aufführungen zu einem schönen Weihnachtserlebnis und es ist nur zu wünschen, daß auch in Zukunft der Theatergesellschaft„Minerva“ nur starke Erfolge zuteil werden. ha. Aenderung der Fernsprechordung. Die Fernsprechordnung wird zum 1. Fehruar geändert. Dies ist in erster Linie durch die Aenderungen der Bestimmungen für den zwischenstaatlichen Verkehr nötig geworden, wie sie ein zwischenstaatlicher Ausschuß beschlossen hat. Zugelassen werden Ferngespräche mit einer festen Ausführungszeit, die der Anmeldende bestimmt. Die Höchstdauer der Ferngespräche wird von 6 auf 12 Minuten erweitert. Zugelassen werden auch Fernverbindungen von einer Stunde oder längerer Dauer. Für Gespräche, zu den eine Person herbeigerufen wird, werden eine Reihe von Erleichterungen durchgeführt. Endlich werden in Bayern und Württemberg private Nebenstellenanlagen zugelassen. Erweiterungen, Erneuerungen, Verlegungen und sonstige Aenderungen der Nebenstellenanlagen oder einzelner Teile derselben dürfen nur von der Deutschen Reichspost vorgenommen werden. Ihre Sache ist auch deren Instandhaltung. Iserlohn Amt Westhofen Holzen. Weihnachtsfeier des Dilettantenvereins„Rosa“. Am zweiten Weihnachtstage feierte der Dilettantenverein „Rosa“ Holzen, in den Lokalitäten des Wirtes Arns sein Weihnachtsfest. Nachdem die Kapelle Weber mehrere Musikstücke gespielt hatte, zeigte man das Schauspiel„Mag' auch die Liebe weinen.“ Mit diesem Stück überbot der Dilettantenverein„Rosa“ alles bisher Gebotene. Die Rolleneretilung war die denkbar Beste; die Darsteller ließen eine deutliche Aussprache nicht vermissen. Ein besonderes Lob verdient das siebenjährige Töchterchen des Vorsitzenden Grüll, das mit voller Hingabe ihre nicht leichte Rolle spielte. Die Bühnendekoration wies keine Mängel auf. Anschließend fand noch ein Festball statt. Westhofen. Erledigte Schulstellen. Durch den Weggang des Lehrers Jacques nach Opherdicke ist in Garenfeld an der evangelischen Schule eine Lehrerstelle frei geworden Ebenso ist in Holzen eine katholische Lehrerstelle sosort zu besetzen. Die Regierung schreibt diese Schulstellen in dem letzten Amtlichen Schulblatt aus. Bewerbungen sind an die Regierung zu Arnsberg, Abteilung für Kirchenund Schulwesen zu richten, doch müssen Schulamtsbewerber und Schulamtsbewerberinnen, welche sich um diese Stellen bewerben wollen, mindestens ein Jahr im Schuldienst beschäftigt gewesen sein. 1 Westhofen. Geflügelmarder. In der Nacht wurde das Geflügelhaus des Mühlenpächters Weißenberg an der Rettelmühle von Raubzeug, anscheinend Füchsen, heimgesucht. Es fehlten am nächsten Morgen ein wertvoller Truthahn und einige Gänse. ! Westhofen. Eine Gemeindesilvesterfeier findet am 31. Dezember statt. Vorgesehen ist neben dem Gottesdienst eine Veranstaltung des Jungmännervereins im Gemeindehause. In der Stunde der Jahreswende wird erstmalig der seit einigen Monaten bestehende Posaunenchor durch Choralvorträge das neue Jahr grüßen. Amt Ergste m. Ergste. Vom Tode ereilt wurde am 1. Feiertag die älteste Einwohnerin der Gemeinde Ergste, die Witwe Karoline Herlinghaus im Alter von 92½ Jahren. Die alte Dame war bereits 8 Jahre lang an das Bett gesesselt. m. Ergste. Weihnachtsfeier. Im stimmungsvoll geschmückten Schneiderschen Saal veranstaltete am 2. Weihnachtsfeiertag der M. G. V.„Sängerbund“ eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier, die einen vollen Erfolg für den Verein hatte. Bis auf den letzten Platz war der Saal von den Vereinsmitgliedern mit deren Angehörigen gefüllt. Sprühend leuchteten die Augen der Kleinen beim Anblick der Tannenbäume. Herr Pfarrer Schulte=Noelle hielt eine passende Ansprache. Hiernach begann die Bescherung. Ein jedes Kind wurde bedacht. Noch lange werden die Kleine an den freundlichen Weihnachtsmann mit seinen Gaben und seiner Neugierde denken. Steinberg. Auszeichnung. Gelegentlich der im Vorjahre der in Iserlohn stattgefundenen„Hagela"=Ausstellung erhielt jetzt in Anerkennung seiner Leistungen der in Iserlohn beschäftigte Friseurlehrling Erwin Lueg von der Handwerkskammer eine besondere Auszeichnung.— Wir gratulieren! Aus den Nachbar- Städten Botschafter Shurmann Groß=Dortmund — Zwei Wirtshausschlägereien. In einem Lokal in der Nähe des Borsigplatzes belästigte ein angetrunkener Cast verschiedene andere Gäste, weshalb sich der Wirt gezwungen sah, ihm das Lokal zu verbieten. Als er dieser wiederholten Aufforderung nicht nachkam, rief er einen Polizeibeamten herbei, der dem Gast gütlich zureden wollte, und ihm auf die Schultern klopfte. Das begriff der Mann verkehrt, und er ging auf den Beamten los. Es kam zu einem regelrechten Ringkampf, der nur durch Hinzukommen von weiteren Beamten und mit Hilse des Gummilnüppels entschieden werden konnte Der rabiate Gast mußte mit zur Wache.— Vor einer Wirtschaft in der Holsteiner Straße kam es zwischen Gästen und auf der Straße wartenden Rüpels zu einer Schlägerei, die durch das herbeigerusene Uebersallkommando beendigt wurde. Wanne=Eickel. Sie wollten in die Fremdenlegion. Im Wartesaal des hiesigen Hauptbahnhofs kam es zwischen zwei jungen Leuten zu einer Schlägerei, sodaß die Polizei einschreiten und die Radauhelden festnehmen mußte. Bei der Feststellung der Personalien ergab sich, daß die beiden auf dem Wege in die französische Fremdenlegion waren. Sie kamen von außerhalb und wurden einstweilen in Schutzhaft genommen. Witten. Ein tragischer Tod überraschte den Bäckermeister Göbel in der Breitestraße. G. wollte vor dem Feste in der Backstube noch Besorgungen machen. Als seine Frau morgens gegen 4 Uhr erwachte, fand sie das Bett ihres Mannes leer vor. Beim Nachsehen mußte sie zu ihrem größten Schrecken die Wahrnehmung machen, daß ihr Mann im Hose ausgeglitten und regungslos liegen geblieben war. Der Arzt stellte den sofort eingetretenen Tod durch Rückgratverletzung fest. Massen. Rücksichtslose Kraftfahrer kann man im Verkehrsleben sehr häufig beobachten. Erst dieser Tage wieder kamen mehrere Personen in arge Bedrängnis, als sie an einer Haltestelle auf die elektr. Straßenbahn warteten. Als sie sich beim Halten des Wagens auf den Fahrdamm begaben, um einzusteigen, kam in demselben Augenblick ein Lastkraftwagen vorbei. Der Fahrer stoppte aber nicht ab, sondern fuhr verbotswidrig ohne die Geschwindigkeit zu mäßigen weiter. Nur durch schnelles Ausspringen auf die Straßenbahn konnten sich die Fahrgäste vor dem Ueberfahren retten. Die Nummer des Kraftwagens konnte leider nicht festgestellt werden. Mörs. Hypothekenschwindler. In Camp=Lintfort erschienen bei einem Rentner zwei angebliche Finanzbeamte und forderten Belege über einen im April stattgefundenen Verkauf. Der leichtgläubige Mann gab den beiden„Finanzbeamten“, ein Sparkassenbuch über 396 Mark und einen Hypothekenbrief über 15000 Mark als Unterlage zur Prüfung in die Hand. Die beiden Schwindler verschwanden darauf u. versilberten sofort das Sparkassenbuch. Sie fuhren mit einem Personenkraftwagen bei der Sparkasse vor. Ob der Hypothekenbrief umgesetzt worden ist, ist noch unbekannt. Vor dem Ankauf des Hypothekenbriefes, der auf den Namen Kamann ausgestellt ist, wird gewarnt. Essen. Brand eines Postwagens. Die Reichsbahndirektion Essen teilt mit: Am Freitag abend gegen 9,15 Uhr wurde der in den Bahnhof Langendreer einfahrende Personenzug 2281, welcher von M.=Gladbach nach Dortmund fährt, durch Ziehen der Notbremse zum Halten gebracht, weil in dem im Zuge laufenden Postbeiwagen Feuer entstanden war. Beamte des Hauptpostwagens öfsneten die Tür des brennenden Wagens und zogen den schon bewußtlos gewordenen Postbediensteten heraus. Das Feuer wurde gelöscht. Die Ladung ist zum größtenteil vernichtet worden. Selm. Autounglück. Ecke Grüner Weg und Hauptstraße stießen zwei Autos in voller Fahrt zusammen. Der Lenker des Lieferwagens der Firma Grundmann=Lünen flog durch die Scheibe auf das Straßenpflaster und trug schwere Verletzungen davon. Ein anderer Insasse des Wagens erhielt Quetschungen und wurde bewußtlos davongetragen. Der eine Wagen, der Firma Pieper in Olfen gehörig, wurde ebenfalls bei dem Zusammenstoß zertrümmert. Ein Mitfahrer dieses Wagens, ein Junge von zehn Jahren, erlitt ebenfalls eine schwere Kopfverletzung. Beide Wagen mußten abgeschleppt werden. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt Beckum. Vom Ackerwagen überfahren wurde in der letzten Woche der Gutspächter Albersmeyer aus dem nahen Wocklum. Neben kleineren Verletzungen erlitt er einen schlimmen Unterschenkelbruch. Das Bein mußte abgenommen werden. Sein Zustand verschlimmerte sich immer mehr, sodaß er am Freitag an den Unfallfolgen gestorben ist. Arnsberg. Weitere Ausbreitung der Diphtherie. Unter den Kindern des Dorfes Allagen traten vor einiger Zeit Diphtherieerscheinungen auf. Die Krankheit hat sich in den letzten Tagen erheblich ausgebreitet und auch in der Umgegend Krankheitsfälle hervor gerufen.— Wie gefährlich die Kranheit ist, mag dadurch bewiesen sein, daß in Minden 4 Kinder der Diphtherie zum Opfer gefallen sind. Osnabrück. Um eine Zigarette in den Tod. Vor dem hiesigen Gerichte standen die beiden aus Borsum stammenden Landwirte Schröder und Schlömer, die bei einer Hochzeit in Borsum wegen eines Mädchens mit dem Dienstknecht Hunfeld aus Aschendorf in Streit geraten waren. Zunächst konnten die Gegner wieder versöhnt werden. Später verlangte Schröder von Hunfeld eine Zigarette, die rer unter der Bedingung abgeben wollte, daß er anständig darum gebeten würde. Nun kam es zwischen den dreien nochmals zu einer gefährlichen Keilerei, wobei Schröder dem Hunfeld gefährliche Tritte versetzte u. hierdurch bei seinem Gegner einen Darmriß und Bauchfellentzündung verursachte, an deren Folgen Hunfeld bald darauf verschied. Das Gericht verurteilte den Angeklagten Schlömer wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu neun ten Gefängnis und Schröder zu 500 Geldstrafe. Langenberg. Tragischer Tod. Einen tragischen Tod fand der 63jährige Invalide Wirtz. Der alte Mann hatte am Heiligen Abend noch einige Weihnachtseinkäufe erledigt, und wollte dann nach Hause gehen. Er fiel durch die Glätte der Straße jedoch die Böschung herunter— unglücklicherweise mit dem Gesicht nach unten in das Bett eines nur wenig Wasser führenden Baches. Der alte Mann konnte sich nicht mehr befreien und ertrank. Man fand ihn nach kangem vergeblichen Suchen endlich am zweiten Weihnachtstage. Seine Weihnachtseinkäufe hatte er noch im Arm. tritt jetzt endgültig zurück. Weitere Spiele in der Kreisklasse: ATV. Dorstseld 1.— Jahn Brechten 1. Germ. Lütgendortmund 1. Tgm. Dortmund 1. Eintracht Brambauer 1.— Wellinghofen 05 1. Jahn Ahlen 1.— Hamm 77 1. Ganklasse: Germ. Lütgendortm. 2.— Tam. Dortmund 2. Eintr. Lindenhorst 1.— Arminius Marten 1. Vom Film Deutsche Turnerschaft Handball Nachdem die Feiertage vorüber sind, rüstet man in den Gauen der Deutschen Turnerschaft zur Austragung der zweiten Serie der Meisterschaftsspiele. Auch im Hellweg=Märkischen Turngau nehmen die Punktespiele ihren weiteren Verlauf. Das Hauptinteresse der auszutragenden Spiele in der Gruppe Hamm richtet sich auf die Begegnung Holzen 07 1.— T. B. V. Lünen 1. Wohl selten sah man einem Pflichtspiel mit einem derartigen Interesse entgegen, wie der obigen Begegnung. Mit der größten Erbitterung wird man beide Gegner kämpfen sehen; denn es geht um die Tabellenspitze. Nur ein Punkt trennt beide Vereine in der Tabellenführung. Bei dem Vorspiel in Lünen gelang den Holzenern nur mit viel Glück ein 5:4 Sieg. Wie wird es auf dem eigenen Gelände ausfallen? Werden die Holzener die Spitze auch weiterhin behalten? Die Gäste stellen eine durch jahrelange Spielerfahrung kampferprobte Mannschaft ins Feld, deren Hauptkraft der technisch gut durchgebildete Sturm ist. Die Holzener, welche ihre Mannschaft umgestellt haben, werden einen schweren Kampf bestehen müssen. Da sich beide Gegner gleichwertig sind, sollte es nur mit Fortunas Hilfe einer Partei möglich sein, den Sieg zu erringen. Die Hiesigen werden in folgender Aufstellung antreten: Kleeschulte II Kleinsorg Korte Michel Henschel Wahle Kleeschulte 1 Siebald Brunke Bayha Remscheid Holzen 07 2.— Eintracht Lütgendortmund 1. Die zweite Mannschaft erwartet die äußerst spielstarken Eintrachtler. Bei dem Vorspiel mußten die Holzener eine hohe 6:1 Niederlage einstecken. Sie werden sich anstrengen müssen, um ein annehmbares Ergebnis zu erzielen. Paris und Wien, zwei entgegengesetzte Pole. Hier der Leichtsinn, das Laster, das Sündenbabel und dort Anmut und Grazie, wienerische Fröhlichkeit und Ursprünglichkeit, im Prater blühende Bäume. Diese äußeren Eindrücke vermitteln uns deutlich die beiden Filme, die z. Zt. in den Lichtspielen zur Reichskrone über die weiße Wand laufen, zwei Filme, die an ein Großstadtprogramm erinnern.„Der Herzensphotograph“, den keiner besser als Harry Liedtke darstellen könnte, behandelt das Schicksal zweier Schwestern, die in ihren Veranlagungen grundverschieden sind, die Glück und Unglück scharf von einander trennen und verkörpern. Während eine von ihnen als Tänzerin in den Vergnügungsstätten in Paris von Stufe zu Stufe sinkt, ersehnt die andere das traute, deutsche, häusliche Glück an der Seite des Herzensphotographen und der Schluß nimmt dann eine glückliche, vielleicht auch überraschende Wendung. Beachtlich ist die Rolle des Vaters, der zwischen den Töchtern steht.—„Im Prater blüh'n wieder die Bäume“ ist ein Großfilm voll komischer Einfälle, die uns zuweilen etwas übertrieben erscheinen. Lilian Ellis und Werner Fuetterer in den Hauptrollen weisen nach, daß die Liebe eine wirklich dumme, süß Angelegenheit ist, namentlich in Wien, der Stadt der Träume, inmitten von Lenzesdust und Frühlingsklingen. Prächtige Landschaftsaufnahmen untermalen die vorzüglichen Darstellungen auf das Beste.— Hierzu die beliebte Ufa=Wochenschau.— In den„Odeon=Lichtspielen“ ist es„Die Rache des Araberfürsten". ein Film voll orientalischer Romantik und spannender Handlung, der das Publikum zu fesseln versteht. Ein Wildwestfilm mit den erforderlichen Sensationen,„Der Teufel im Sartel“, mit Ken Maynard in der Hauptrolle, bringt das Blut in Wallung. Beide Programme können nur warm empfohlen werden. Ev. Krankenhaus: 8,30 Uhr P. Kleinemeyer Geisecke=Lichtendaif: 9,30 Uhr P. Millard. Silvester. Große Kirche: abends 8 Uhr P. Ohlig. Neujahr. Große Kirche: 9,30 Uhr P. Millard. Kleine Kirche: 5 Uhr P. Kleinemeyer. Evgl. Krankenhaus: 8.30 Uhr P. Millard. Geisecke=Lichtendorf: 9,30 Uhr P. Kleinemeyer. Ev. Stadtmission Schwerte, Kuhstraße 7. onntag früh 8 Uhr: Blaukreuzstunde; 4 Uhr: Bibelstunde; abends 8 Uhr: Jugendbund; Dienstag, abends 9 Uhr: Silvesterfeier; Donnerstag, abends 8,30 Uhr: Gemischter Chor; Freitag, abends 8 Uhr: Blaukreuzverein. Katholische Gottensdienste. Schwerte. 6 Uhr: Stille hl. Messe. Vikar Schlecp. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 8,15 Uhr: Schulmesse mit Predigt. Pater Schnurbus. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2,30 Uhr: Andacht. 4,30 Uhr: Andacht in der Krankenhauskapelle. An den Werktagen sind in der Pfarrkirche drei hl. Messen: 7, 7,40 und 8,15 Uhr. In der Krankenhauskapelle ist eine hl. Messe 6,30 Uhr. Geisecke. ,15 Uhr: Stille hl. Messe mit Predigt. Vikar Winter. Westhofen. 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Holzen. 9,30 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vikar Schleep. Lichtendorf. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2,30 Uhr: Andacht. Schwerte. Dienstag, 31. Dezember(Silvester). Abend 7,30 Uhr: Dankandacht mit Predigt und Te Deum. Neujahr. 6 Uhr: Stille hl. Messe. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt. 8,45 Uhr: Schulmesse mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 230 Uhr: Audacht, hören wir im Rundsunk? Sonntag, den 29. Dezember 1929. 07,00: Morgenkonzert. 08,10: Selbstverteidigungskursus Bach). 08,30: Esperanto. 09,00: Uebertragung des Geläutes v. reon. Katholisch am Krankenbett. (Dr. Ludwig St. GeGottesdienste am Sonntag, 29. Oczember, Silvester und Neujahr Evangelische Gottesdienste. Sonntag nach Weihnachten. Große Kirche: 9,30 Uhr P. Kleinemeyer. 11 Uhr Kindergottesdienst. Kleine Kirche: 5 Uhr P. Millard. Feuer im Weißen Haus Das Weiße Haus in Washington, der berühmte Wohnsitz des amerikanischen Präsidenten, ist am Weihnachtsabend von einem Brande heimgesucht worden, der im Verlauf von vier Stunden die Büros des Präsidenten, seiner Sekretäre und der Presse nahezu vernichtete. Präsident Hoover weilte selbst an der Brandstätte, um die Rettung der Akten zu leiten. Tratzdem wurden viele wertvolle Dokumente vernichtet. Das Weiße Haus ist bereits einmal, und zwar im Jahre 1814, durch Feuer zerstört worden. Der Neubau erhielt einen weißen Anstrich und seitdem trägt das Haus seinen in der ganzen Welt bekannten Namen. Flesch: Falsche Soldaten. Zwei Erzählungen. 12,25: Otto Heller:„Mit dem Eisbrecher „Krassin" nach Sibirien.“ 13,00: Mittagskonzert. 14,50: Schachsunk. 15,10: Richard Wenz:„Die Weltwanderschuhe Eine Begegnung.“ 15,35: Verwaltungsdirektor Molitor: Fertigkeitsprüfungen für Kurzschriftler. 16,10: Für den Landwirt. Landwirtschaftslehrer Spital:„Entwicklung der westf. Kaltblutzucht.“ 16,30:„Fürst Fitzebutze“. Eine lustige Hörspielgeschichte. 18,20: Grete Stoffel:„Als Werksstudentin in Frankreich: Eindrücke und Beobachtungen. 18,50: Die Stunde des Arbeiters. 19,20: Sportvorbericht. 19,30: Tanzstunde für Ansänger. 20,00: Orchesterkonzert. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Nachtmusik. Montag, den 30. Dezember 1929. 06,45: Leibesübungen. 07,00—08,00: Morgenkonzert. 10,15—11,10: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst. Wasserstandsmeldungen. 12,50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05—14,30: Mittagskonzert. 15,00: Kinderspielstunde. Els Vordemberge: „Neue Märchen.“ 15,30: Wirtschaftsfunk. 16,10: Frauenstunde. 16,45: Jugendfunk. 17,30—18,30: Kammermusik. 18,30: Gerd Wohlleben:„Die Bedeutung der studentischen Erwerbsvermittlungsämter.“ 18,50: Vom Tage. 19,00: Wirtschaft=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Spanische Unterhaltung. 19,40: Elternstunde. 20,00: Die unsterbliche Stimme. Anschließend letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Konzert aus dem Hotel Kaiserhof. Kapelle Hans Warzyniak. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Haus Eberhard Lex, Schwerte. OONSTTTTT T R e Trcor Sin (3. Fortsetzung.) Er hat kein Licht, dachte Anstetten aufatmend, und setzte den Schritt in das Zimmer, welches in tiefem Dunkel lag. „Es ist später geworden, als ich glaubte.“ Der Kranke horchte auf den Tonfall der Stimme und hatte wieder jenes verstehende Lächeln um den Mund, und jenes wissende Etwas in den Augen, dem kein Geheimnis standhielt. „Muß ich noch irgend etwas ergänzen? Hast du noch irgendwelche Frage, Gunther?“ „Nein.“ „Dann darf ich also jetzt von den Wunschen sprechen, die ich auf dem Herzen trage?" „Ja!— Aber laß mich erst Licht machen, Peter. Ich muß dein Gesicht sehen können, wenn du zu mir redest. Er holte Streichhölzer vom Nachttisch herüber und ließ die Kerze aufflammen, die als Notbeleuchtung auf dem Wandtische stand. Sie warf eine rötlich flimmernde Helle über die Zirbelholzmöbel und ließ die Farben des Teppichs, welcher den Boden bedeckte, in satten Tönen aufleuchten.„Willst du nicht zuvor noch eine Erfrischung nehmen?" Er trat zu dem Kranken. hob dessen Rechte hoch und maß am Gefühl der eigenen Bluttemperatur die Fieberhitze, welche den Körper des anderen durchströmte. 34 8 Hans Peter verspurte das Zucen der Finger. weiche die seinen umschlossen hielten und richtete den Blick auf das bleiche Gesicht, welches über ihn geneigt war„Würdest du es als unerträgliche Last empfinden, wenn ich dich bitte. meinem Jungen Vater zu sein?“ „Du weißt— Anstetten schluckte an den Worten—„daß ich alles für deinen Sohn zu tun bereit bin Alles!“ wiederholte er und rückte den Stuhl, auf welchem er saß, noch näher an das Lager„„„„„ „Der Vertrag, erliarte der Krante,„den Brunhilbe und ich eine Stunde vor unserer Trennung schlossen, lautet, daß Bernd an seinem achtzehnten Geburtstag Anstetten zugeschrieben bekommt mit allen Rechten des Erben—— vorausgesetzt, daß ich bis dahin noch am Leben bin.— Andernfalls würde das Verfügungsrecht über das Gut meiner Frau zustehen.„ „Wie konntest du oas, siei iym Guntyer oazwischen Der Kranke hörte den Ton des Vorwurfs, welcher mit hineingemischt war.„ „Wie ich das konnte?— Du weißt, wie es seit dem Zusammenbruche des Kaiserreiches um Anstetten bestellt war. Die Inflation hat mich ruiniert. Die Hypotheken erdrückten mich. Brunhilde hat kein Interesse für die Bude gehabt, wie sie sich als Tochter eines preußischen Junkers auszudrücken pflegte. Mir aber war sie die Heimat.— Und dir auch, Günther." Ein schweigendes Bejahen. „Ich habe darum gekämpft bis zur letzten Minute meines Beisammenseins mit ihr. Unter der Bedingung, daß ich der Misere unserer Ehe vorläufig dadurch ein Ende mache, daß ich einige Jahre auf Reisen gehe, willigte sie ein, einen Teil ihres Vermögens auf Anstetten anzulegen Bernhards wegen, der doch ihr Sohn so gut ist, wie der meine. An seinem achtzehnten Geburtstag sollte er dann das Ganze auf seinen Namen übertragen bekommen.— Und ich die Erlaubnis erhalten, zurückzukehren, denn dann,— ein bitterer Zug grub sich um die Mundwinkel Hans Peters—„hoffte sie, würde ich als Entrechteter mich willenlos unter das Regiment ihrer Hände ducken Sie hat mir sogar den Vorschlag gemacht, die Leitung ihres Gutes„Bölken“, das sie von ihrem Vater zur Erbin in Aussicht hatte, zu übernehmen. „Wie demütigend!“. Gunther war aufgesprungen und begann im Zimmer hin= und herzugehen und dann wieder in seinen Stuhl zu sinken. „Wenn ich nun sterbe,“ fuhr Hans Peter fort,„wird es ihr erstes sein, Anstetten loszuschlagen. „Ich bitte dich! Wie willst du dich vom Fieber freimachen, wenn du immer so schreckliche Gedanken trägst!" zürnte Günther.„Ich habe gedacht, gerade dieser Umstand müßte dich mit einem Lebenswillen ohnegleichen durchpulsen. „Günther! Du sprichst wie ein Gesunder und weißt nicht, wie krank ich bin!— Wie krank! Frag deinen Akab! Der ist ehrlicher als du und Dr. Alsworth zusammen. Zweimal vierundzwanzig Stunden noch— mehr hat er mir nicht gegeben. „Hat er dir das ins Gesicht gesagt?“ entsetzte sich der Baron. „Ich habe ihn gefragt.— Sieh mich doch nicht so entgeistert an! Ich fühle es ja selbst und ich bin ein Mann, der auch im Trommelfeuer keine Angst vor dem Tode gekannt hat, viel weniger jetzt, wo es ein so langsam friedliches Zur=ruhe=gehen wäre, wenn nicht der Gedanke an Bernds Zukunft es so unerträglich schwer machen würde.“ Da keine Zwischenrede erfolgte, wandte Hans Peter den Kopf zurück und sah Günther in vorneübergeneigter Stellung gegen die Rückwand des Bettes lehnen. „Komm her, Alter! Das ganze Versteckspiel hat jetzt keinen Wert mehr, die Rixa verkriecht sich schon— das soll zuweilen bei Tieren vorkommen, sie riechen den Tod Ich verlasse mich auch nicht mehr auf die zweimal vierundzwanzig Stunden— es könnten am Ende doch weniger sein!" „Du quälst mich über die Maßen, schrie Günther hinaus. „Wenn es sich machen ließe——“ „Würdest du dich statt meiner zum Sterben legen— ich weiß es schon Aber das geht nun einmal nicht! Das muß jeder allein besorgen!—— Aber das andere! Günther, das andere! Wenn du das für mich tun wolltest!“ „Ich habe dir schon gesagt: Ich will Bernd ein Vater sein! Ich will ihn lieben, wie du ihn geliebt hast!“ „Das genügt nicht, Günther. Es handelt sich um mehr! Du weißt doch! Ich werde keinen Frieden finden, wenn ich denken muß, daß Anstetten über Jahr und Tag in fremde Hände kommt Es soll Bernd bleiben. Seit den Kreuzzügen die Anstetten darauf! Nur sie! Sonst keiner und nun— nun soll das alles anders werden! Bernd wird ein Junker, wie es der Vater seiner Mutter ist— er wird die Heimat vergessen und mit ihr die Gräber meiner Ahnen—— von dem meinen ganz zu schweigen.“ „Ich bitte dich, Peter, errege dich nicht so maßlos. Es schadet dir wieder. Deine Frau wird doch ein Herz haben, wenn ich ihr deinen Wunsch überbringe, daß das Gut nicht veräußert wird“ „Da kennst du sie schlecht!— Wie sie ihr Versprechen hält. siehst du aus Bernds letztem Brief. Sie spricht schon jetzt vom Verkaufen.— Jetzt, wo ich doch eigentlich noch lebe! Ich habe beim Abschluß des Vertrages mit keinem Gedanken die Möglichkeit erwogen, daß ich an Bernds achtzehntem Geburtstag nicht mehr sein würde Das war der Fehler.— Man trifft Bestimmungen für Jahre voraus und sieht zu spät, daß die Rechnung nicht stimmt.— Nur eines gibt es, das alles wieder in Ordnung bringt. Er hielt inne und sah forschend zu Günther hinauf. „Das wäre?———“ „Sie darf nichts von meinem Tode erfahren!“ „Peter!“ „Bernd muß nach wie vor die Briefe von seinem Vater bekommen.— Bis zu seinem achtzehnten Geburtstag soll meine Frau nicht wissen, daß sie Witwe ist.“ „Peter—— sie———“ „Du willst sagen, sie ist es ja noch nicht. Lieber Alter, was spielen zweimal vierundzwanzig Stunden für eine Rolle?— Keine! Das mußt du doch wahr sein lassen.“ Günther stöhnte auf und zog die Wölfin, welche sich unter das Bett gekrochen hatte, unsanft an dem Fell hervor, daß sie heulend aufwinselte „Laß das Tier," tadelte der Kranke.„Es handelt instinktgemäß, ich möchte dich bitten——“ Er unterbrach den Satz, denn Günther war nach der Türe geschritten, an welcher der Hindu flüsternd stand und Zeitungen und Briefe aus einer Mappe nahm. Sie waren von einem Boten gebracht worden, der die Post von Benares nach Dardschiling auf kürzestem Wege zu befördern pflegte. Es war auch ein Briefumschlag mit Hans Peters Adresse dabei, sowie ein zweiter, dessen Handschrift Günther unbekannt war. Er legte sie ihm beide auf die Bettdecke, sah ihn fragend an, schnitt auf dessen Nicken die Hülle mit einem Messer entzwei und faltete die Bogen auseinander. Der eine derselben war eng beschrieben und trug am Rande noch eine Querzeile. Die Buchstaben des anderen füllten. trotz ihrer Höhe und Steilheit, nur eine einzige Seite aus „Von ihr!“—— Hans Peter lehnte den Kopf zurück.„Die erste, direkte Nachricht seit dreieinhalb Jahren!— Jetzt—— knapp vor dem Sterben!“ Gunther strich ihm beruhigend über den Arm und gab seinem Rücken eine bequemere Lage, während die Augen des Kranken über das Geschriebene hinweghasteten. Dann ein Auflachen, so bitter und qualerfüllt, wie Günther von Anstetten es noch nie gehört zu haben glaubte!— Und noch einmal!— „Alter!“— Eine dunkle Röte Blutes gab Hans Peters Gesicht ein vollkommen verändertes Aussehen.„Alter!—— Ein Todesurteil von oben und eins von ihr! Zwei Ultimatums auf einmal Das von meinem Herrgott mit zweimal vierundzwanzig Stunden Frist und das von ihr mit etlichen Wochen.—— Das ist der Abschluß der Komödie meines Lebens.“ „Peter!“. Der Baron fing den vorneübergleitenden Leib des Freundes mit den Armen auf.„Peter!“ Die Wölfin war mit einem Satz an der Türe und heulte bellend auf, sprang an der Füllung hoch und scharrte an dem Holze, bis eine Hand von außen öffnete und ihr so den Weg in die Freiheit gab. Der Hindu war eingetreten und blieb zu Häupten des Bettes stehen.„Sahib, träufle ihm etwas von dem Saft der Beeren, die dort in dem Teller liegen, auf die Lippen.“ Und als Günther in seiner Verstörtheit nach einer der Beeren griff. die in der Schale nebenan aufgeschichtet waren. schob ihn Akab leicht zur Seite und ließ von der Traube, von der er bereits einen Zweig in den Fingern hielt, eine Flüssigkeit in den halbgeöffneten Mund des Kranken rieseln Es dauerte Minuten, bis dieser wieder zu Bewußtsein kam. Aber dann war sein Blick auch sofort wieder klar und von ungetrübtem Erinnern.„Das hätte mir beinahe den Rest gegeben.“ stammelte er mühsam,„lies Günther!— Lies!“. Er schob ihm mit fieberzitternden Fingern das Blatt entgegen. Und Günther las: „Hans Peter! Ich bin des Alleinseins satt und das ewige Getue vor der Welt und die Komödie, einem Manne Frau zu sein. von dem ich nichts— aber auch gar nichts habe Bernd ist in den Jahren, daß er anfängt zu fragen und Schlüsse zu ziehen. Wir wollen es also um seinetwillen noch einmal miteinander versuchen. Vielleicht gelingt es jetzt besser als in den Jahren vorher Ich stelle eine einzige Bedingung: Du fährst nach Erhalt dieses Briefes sofort von Indien ab und meldest Deine Ankunft in einer Depesche Ich werde sehr wahrscheinlich auf Anstetten sein.—— Solltest Du Dich weigern, zurückzukehren, so hast Du alle weiteren Folgen Dir selbst zuzuschreiben: Das Gut wird verkauft. Bernd übernimmt„Bölkin“.— Ich leite die Scheidung gegen Dich ein und beanspruche den Jungen allein für mich Ich möchte nicht unterlassen zu bemerken, daß von einer ehelichen Gemeinschaft natürlich auch im Falle Deiner Rückkehr keine Rede mehr sein kann.— Ich hoffe, daß Du mich versteht. Es handelt sich lediglich um ein kameradschaftliches Zusammenleben. Ich habe gar keinen Zweifel, daß Du das erstere trotz allem vorziehst und sehe also Deinem Eintreffen entgegen. Brunhilde.“ Während Gunther las, hielt der Kranke hartnäckig den Blick auf ihn gerichtet und fand sogar ein Lächeln, als er dessen verstörtes Gesicht gewahrte.„Begreifst du jetzt, daß solche Briefe tödlich sein konnen?“. Und als eine Erwiderung unterblieb, sagte er bittend:„Lies jetzt, was Bernd schreibt. Ich fühle mich nicht stark genug, auch das noch durchzusehen.“ Die Knabenhand war sichtlich erregt gewesen, als sie die Zeilen hingeworfen hatte, denn die Buchstaben waren von einer Ungleichmäßigkeit, wie man sie nur dann zu Papier brachte, wenn das ganze Außen= und Innenleben eine schwere Erschütterung erfahren hatte: „Geliebter Vater! Heute dringt mein Rufen bis über die Wasser, durch Urwald, Steppe und Dschungel hinüber zu Dir.—— Komm! Komm! Komm!—— Mama sagt mir, daß sie Dir geschrieben habe, Du solltest endlich— endlich heimkommen zu uns Vater!— Ich kann nicht knien! Es fällt mir sogar schwer, meine Füße in der Kirche zu beugen, aber jetzt — jetzt Vater, liege ich hier auf dem Boden und hebe die Hände zu Dir auf und bitte Dich um aller Liebe willen —— Du hast mich doch lieb. Vater?—— komm! komm! komm zu mir! Zu uns! Ich bin doch schon fünfzehn Jahre und kein Kind mehr. Es wird alles gut werden, Vater Du brauchst nicht bange zu sein. Mama hat mir Dein Bild in mein Zimmer gestellt, weil ich mich nicht mehr recht erinnern konnte, wie Du aussiehst. Aber jetzt würde ich Dich aus tausend anderen herausfinden. Und Vater—— Mama hat gestern zu dem Diener gesagt:„Sorgen Sie dafür, daß die Zimmer des gnädigen Herrn instand gesetzt werden. Er kommt in den nächsten Wochen zurück. Ich habe ihrs abgeschmeichelt, daß ich meine Schlafstube neben der Deinen kriege. Das wird fein, Vater! Denk doch! Ich bin dann der erste, der Dir„Guten Morgen“ wünscht und wenn Du des abends zu Bett gehst, kannst Du Dich noch ein Stückchen an den Rand des meinen setzen und mir erzählen Mama hat auch das Dach im Dienerhause erneuern lassen und einen großen Daimler gekauft— obwohl wir doch keinen Sechssitzer brauchen. Sie steuert ihn nämlich selbst. Und Du und ich, wir sitzen dann hinten Man kann viel besser plaudern, wenn man nicht chauffiert. Ich glaube, daß ich Dich gar nicht an der Station empfangen kann, denn ich werde krank sein, sehr krank vielleicht, vor Freude Cathlen hat mir Baldriantropfer gegeben, sie sollen sehr gut für Herzkrämpfe sein. Wenr Du zurückgekehrt bist, werde ich sie nicht mehr brauchen Also komm! Komm! Komm zu Deinem Bernd.“ „Ja, ich komme, mein Junge!“ Günther sah tödlich erschrocken auf das kalkweiße Gesicht, dessen Augen wie die eines Sehers brannten und hielt mit aller Kraft den Mann zurück, der jetzt die Decke nach hinten schlagend, vom Lager steigen wollte. „Was machst du, Peter?“ „Du weißt es doch! Heim muß ich! Heim zu meinem Jungen!“ „Peter!“ warnte Anstetten und benötigte die ganze Kraft seiner Muskeln, den Vetter zu halten.„Derartige Aufregungen müssen sich furchtbar rächen Laß doch vernünftig mit dir reden, Lieber, bat er und drückte ihn auf den Rand des Bettes zurück„Du sollst ja reisen— aber nicht heute.“ „Morgen vielleicht?“ Es war milder Spott, der in der Stimme des Kranken aufklang.„Morgen ist es zu spät, mein Alter! Wenn ich aber heute reise und während der Fahrt die Augen zutue, dann hat sie wenigstens den Beweis, daß ich das Letzte getan habe! Dann—— dann kann sie nicht sagen, ich hätte mich geweigert, heimzukommen— Dann hat sie auch kein Recht mehr. Anstetten zu verkaufen, und meinen Jungen heimatlos zu machen.“ „Peter! Wir sind doch nicht auf dem Semmering, daß es nur ein paar Schnellzugsstationen bedarf, um nach Hause zu kommen. Von Dardschiling bis Bombay allein sind zwei Tagereisen. Das andere nicht mitgerechnet.“ Der Kranke fühlte die ungeheure Mattigkeit der Glieder und das gänzliche Versagen des Herzens, das aller Kraft des Willens spottete und jede Minute stillzustehen drohte.„Möchtest du mir Dr. Alsworth rufen lassen?" „Sofort!“. Günther war schon aus dem Zimmer Peter von Anstetten griff wieder nach dem Brief des Sohnes:„Ich komme, Bernd! Hab nur Geduld! Du sollst nicht umsonst vor deinem Vater gekniet haben.—— Willst du mir das große Kursbuch dort geben, wandte er sich an den Hindu, der lautlos eingetreten war und eine Flasche Rotwein mit Sandwichs auf das Tischchen nebenan stellte. „Sahib! Es ist nicht nötig.“ Der Inder sprach in ruhigem Befehlston. „Nicht nötig!——“ Ohne Widerstand zu leisten, ließ sich Hans Peter von kräftigen Armen auf das Lager zurückbetten. „* * Fünf Minuten später trat Alsworth mit Günther in den Raum. Der Arzt vermochte seinen Schrecken nicht zu verbergen.—„Das letzte Stadium!“ Obwohl er diesen Ausspruch nicht in Worte kleidete, las der Baron es mit aller Gewißheit von seinem Gesichte ab.„Fühlen Sie sich matter?“ fragte er und horchte, sich herabneigend, auf den Schlag von Peters Herzen. Bei achtundvierzig hörte er zu zählen auf.— Er hatte nicht gedacht, daß der Verfall so rasch eintreten würde und war für den Moment unfähig, irgendwelches Belangloses zu sagen. „Kein Aufschub möglich?“ unterbrach der Kranke sein Schweigen. Diesmal fehlte das Lächeln in seinem Gesichte. „Herr Baron, wir haben uns alle der Macht eines Höheren zu beugen.(Fortsetzung folgt.)