Anzeiger preise für die achtgespalt. mmieile 6 Pfg., Auswärtige, finanzamtliche u. gerichtliche Anzeigen 10 Pfg., Reklame= zeile 40 Pf: Ein telefon. aufgegebene Inserate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorhergesehn. Betriebsstörungen, hervorgerufen durch hohere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Zeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Die„Schwerler Jeitung" erscheint wöchentlich sechs mal Bezugspreis halbmonatlich 1.20 Maik, Einzelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Nuhr) Postscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 62. Jahrgang Schwerte(Ruhr), Montag, den 7. Oktober 1929 Nr. 235(Erstes Blatt) Preußischer Richtertag. wtb Dortmund, 6. Okt.(Tel.) Unter sehr reicher Beteiligung von Richtern und Staatsanwälten der Landgerichtsverbände Preußens begann am Samstag hier die Jahresversammlung des preußischen Richtervereins. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Dr. Bracht(Berlin) erstattete den Jahresbericht; er betonte in seinem Vortrag, daß die preußische Richterschaft grundsätzlich auf dem Boden des heutigen Staates stehe. Die Selbstprüfung und die Selbstkritik in den Reihen der Richter hätten wesentlich zur Beruhigung auf dem Gebiete des Justizwesens beigetragen. Der Parteitag der Deutschen Volkspartei abgesagt. wtb. Berlin, 6. Okt.(Tel.) Der Parteitag der Deutschen Volkspartei in Mannheim ist abgesagt. Ueber den Zeitpunkt der Einberufung einer Zentralinstanz der Partei wird der Parteivorstand noch Entscheidung treffen. Stresemannstraße im Herzen Berlins. pw. Berlin, 6. Okt.(Tel.) Wie die B3 hört, wird in Berliner städtischen Kreisen die Absicht erwogen, einer Straße im Herzen Berlins zu Ehren des verstorbenen Reichsministers des Auswärtigen den Namen Stresemannstraße zu geben. In Betracht käme danach wahrscheinlich eine der Straßen nahe der Wilhelmstraße. Blutiger Flaggenstreit auf einer Hochzeit. wtb Worpswede, 6. Okt(Tel.) Auf einer Hochzeit in Newenstedt bei Worpswede kam es zwischen den Gästen zu blutigen Auseinandersetzungen über die Flaggenfrage. Der Bräutigam, der Mitglied des Stahlhelms ist, hatte die schwarz=weiß=rote Flagge gehißt, die von einem der Gäste zerrissen wurde. Es kam zu einer Schlägerei, bei der, dem Hamburger Fremdenbl. zufolge, zehn Personen verletzt wurden. Ein Wunsch, dem Wiederaufbau des Reiches und dem Wiederaufstieg des deutschen Volkes zu dienen. Seine Vaterlandsliebe war es, die ihn nach Jahren des Zögerns, die für ihn Jahre der Zurückhaltung waren, dazu trieb, sich der Republik zur Verfügung zu stellen, um auf der neuen staatlichen Grundlage in einer trüben Gegenwart unserem Volke eine bessere Zukunft vorzubereiten. Gewiß, er dachte mit echt deutscher Sentimentalität gerne an das im Strudel des Weltkrieges versunkene Kaiserreich zurück, dessen Sonne über seiner Jugend und über der Zeit seines ersten politischen Aufstiegs geleuchtet hatte. Als er aber mit seinem klaren, politischen Sinn erkannt hatte, daß nach der Staatsumwälzung nur auf der Grundlage der Weimarer Verfassung praktische Arbeit für unser Volk geleistet werden konnte, hat er es als seine neue Lebensaufgabe betrachtet, entschlossen im neuen Staate positiv mitzuarbeiten. Das war für ihn ein Gebot echter Vaterlandsliebe. Von dem gleichfalls so früh verstorbenen Reichspräsidenten Ebert zur Führung berufen, hat Gustav Stresemann seit über sechs Jahren die Außenpolitik des Deutschen Reiches geleitet. Es scheint uns heute die ferne Vergangenheit, wenn wir an die Zeit zurückdenken, in der Dr. Stresemann entscheidend in die Geschicke unseres Landes eingriff. Es war die Zeit des Höhepunktes des Ruhrkampfes mit seiner furchtbaren politischen Erschütterung Deutschlands, mit seiner schweren seelischen Belastung des deutschen Volkes, die Zeit der schwersten Leiden des besetzten Gebiets und der völligen Ohnmacht des unbesetzten Deutschlands, die Zeit der Okt.(Tel.) Die sterbliche Hülle wtb. Berlin, 6. des Reichsaußenministers Dr. Gustav Stresemann wurde heute mittag zu Grabe getragen. Wie allgemein die Trauer über den Tod dieses großen deutschen Staatsmannes ist, das zeigte die gewaltige Beteiligung der Bevölkerung. Zehntausende füllten den großen Platz vor dem Reichstagsgebäude, ungezählte Menschenmassen bildeten Spalier vom Brandenburger Tor durch die Wilhelmstraße über den Belle Alliance=Platz und das Hallische Tor bis zum Louisenstädtischen Kirchhof in der Bergmannstraße. Ganz Berlin und sicher auch sehr, sehr viele, die aus dem Reich gekommen waren, nahmen Abschied von dem Manne, von dem Reichskanzler Müller in seiner Trauerrede sagte, daß das deutsche Volk mit ihm einen seiner besten Söhne verloren habe. Die Trauerfeier im Reichstag. Auf dem Katafalk, der im großen Sitzungssaale des Reichstages über dem Platz des Präsidenten errichtet ist, birgt der Sarg unter der Dienstflagge des Reichsaußenministers, was an Gustav Stresemann sterblich war. Im Hintergrunde wallt von der Decke in weißen Falten ein riesiges schwarzes Trauertuch herab. Zwei Leuchter mit brennenden Wachskerzen flankieren den Sarg, den die Kränze der Familie und des Reichspräsidenten schmücken. ßen Fülle der Blumenspenden nebeneinander gereiht. Kurz nach 12 Uhr erschien der Trauerzug in der Wandelhalle. Der schöne VergißmeinnichtKranz der Gattin des Verstorbenen und der letzte Gruß des Reichspräsidenten wurden voraufgetragen. Unmittelbar hinter dem Sarge schritt Hosprediger Keßler. Ihm folgte die Gattin des Tahingeschiedenen, geführt von Dr. von Kardorff, und die nächsten Verwandten. Dann schloß sich das offizielle Trauergefolge an, an der Spitze Reichspräsident von Hindenburg, ihm zur Seite Reichskanzler Müller und Reichsinnenminister Severing. Als der Zug die Freitreppe erreichte, durchbrach gerade die Sonne das Gewölk. Ein Geschwader von Flugzeugen mit Trauerwimpeln an den Flügeln umkreiste das Reichstagsgebäude und den Platz der Republik, der, mit Pylonen geschmückt, von einer gewaltigen Menschenmenge gefüllt war, die den Toten in ergriffenem Schweigen grüßte. Vor dem Gebäude wehten die Fahnen des Reiches auf Halbmast. Vor der großen Freitreppe wurde der Sarg auf den mit sechs schwarzverhüllten Pferden bespannten Wagen gehoben. Zu beiden Seiten hatten die Delegationen des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes aus Berlin und aus dem Reich Aufstellung genommen. Zu den Seiten der Freitreppe senkten sich die Fahnen des Reichsbanners. von Kardorffs. Darauf nahm Vizepräsident des Reichstages. von Kardorff, das Wort, um im Namen des Deutschen Reichstags und im Namen seiner Parteifreunde dem Toten auf seiner letzten Fahrt einen letzten herzlichen Abschiedsgruß zuzurufen. Als Stresemann sein Amt antrat, so führte der Redner aus, war die Einheit des Reiches gefährdet. Als das Amt seinen toten Händen entglitt, hinterließ er ein Deutschland, dessen Ansehen in der Welt heute nimand mehr bestreiten kann. Wohl sehen wir mit schweren Sorgen in die Zukunft, aber in diesen Jahren ist viel erreicht worden. Wir sind vorwärts gekommen. Das ist und bleibt sein Verdienst. Der Parteimann wurde zum Staatsmann. Er führte Deutschland nach London, nach Locarno, nach Geuf und nach dem Haag. Und wenn am 30. Juni nächsten Jahres die Freiheitsglocken läuten werden— er wird sie nicht mehr hören— wenn der Tag der Freiheit der Rheinlande gekommen sein wird, dann wird ein dankbares Volk seiner gedenken. Das ist die Tragik, die über ihm liegt: die Ernte war geschnitten, aber er hat sie nicht mehr in die Scheune bringen können. Das Ziel seiner Arbeit war die Freiheit des Reiches. Kurz vor Erreichung dieses heißersehnten Zieles hat das Schicksal ihn aus unserer Mitte abberufen. Der Verstorbene ist geliebt und vergöttert worden von seinen Anhängern, wie selten ein Mann zuvor, und er ist gehaßt und befehdet worden von seinen Gegnern, wie in einem ähnlichen Ausmaß selten ein Politiker und StaatsAber wie sich draußen in der Umgebung des Gebäudes ungezählte Menschenmassen schon in der Frühe angesammelt hatten, um von dem großen Toten Abschied zu nehmen, so ist auch der Saal recht lange vorher von den geladenen Trauergästen der Reichsregierung gefüllt. Auf der Regierungsestrade hatte das Reichskabinett Platz genommen; ferner die Staatssekretäre des Reiches und der Leiter der Presseabteilung der Reichsregierung, Ministerialdirektor Dr. Zechlin Der trauergeschmückte Stuhl Dr. Stresemanns blieb leer. Dahinter saß, zwischen den Reichsministern Gröner und Dr. Curtius der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Dr. von Schubert Auch die Chefs der Heeres= und Marineleitung, General Heye und Admiral Räder, waren anwesend. Die linke Seite der Estrade nahmen die Vertreter der Länder des Reiches ein, darunter Ministerpräsident Dr. Braun mit dem preußischen Kabinett, der bayrische Ministerpräsident Dr. Held, der sächsische Ministerpräsident Dr. Bünger und der württembergische Staatspräsident Dr. Bolz; ferner nahmen die augenblicklich in Berlin weilenden Botschafter des Reiches an der Feier teil. Das Parkett des Saales war dicht gefüllt. Der Reichstag und der preuzum neuen Staat. Treu seinem Grundsatz,„das Alte ehren, für die Gegenwart arbeiten, an die Zukunft glauben“, ist es ihm so gelungen, viele, die zunächst grollend abseits standen, mit dem neuen Staat zu versöhnen und als Mitarbeiter in der Republik zu gewinnen. Wenn heute eine Welle tiefer Trauer durch unser Volk geht, wenn selbst die Gegner ehrend die Degen an seiner Bahre senken, so gilt diese Trauer nicht allein dem großen Staatsmann und Führer, sondern auch dem Menschen Stresemann, den wir alle liebten. In den Ehrungen, die ihm zuteil wurden, der Verleihung des Nobelpreises und der Ehrendoktor der altehrwürdigen Heidelberger Universität, ist man der Bedeutung seiner Persönlichkeit gerecht geworden. 8 So steht die Personiichtett Gustav Sttesemanns vor uns. Wir nehmen Abschied von ihm in der Gewißheit, daß sein Gedächtnis in aller Zukunft fortleben wird. Er wird als einer der Baumeister am Wiederaufbau Deutschlands der Geschichte angehören. Sein Werk steht fest gegründet, und uns allen bleibt in Zukunft die Aufgabe, es in seinem Geiste fortzusetzen. Von ihm nehmen wir Abschied in dem Bewußtsein, daß wir in ihm einen großen Staatsmann, einen Führer und einen trefflichen Sonntagsfahrt des„Graf Zeppelin" nach der wtb. Friedrichshafen, 7. Okt.(Funkspruch.) Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ ist am Sonntag früh um 8.16 Uhr bei prächtigem Herbstwetter zu einer kurzen Fahrt nach der Schweiz unter Führung des Kapitäns Lehmann aufgestiegen. Bei fast völliger Windstille wickelte sich der Aufstieg des Luftschiffes glatt ab. Das Luftschiff beschrieb, ehe es sich in westlicher Richtung entfernte, noch mehrere Schleifen über der Stadt, um angesichts der schon ziemlich warmen Temperatur an Höhe zu gewinnen. Von einem Schweizer Flugzeug begleitet, nahm das Luftschiff darauf Kur nach der Schweiz. An Bord befanden sich über 30 Passagiere, von denen die meisten aus der Schweiz sind. Gegen 3½ Uhr nachmittags traf das Luftschiff von seinem Sonntagsausflug nach der Schweiz wieder über Friedrichshafen ein. Nach mehreren vergeblichen Landungsversuchen gelang schließlich gegen 5 Uhr die Landung. Um 5.50 Uhr befand sich der„Graf Zeppelin“ wieder in der Halle. Wie wir hören, ist außer dem bereits bekannten Fahrtprogramm für die Zeit zwischen dem 20. und 25. Oktober auch noch eine Fahrt des Luftschiffes nach Nordspanien geplant. Die Schlesienfahrt verschoben. wtb. Friedrichshafen, 7. Okt(Funkspruch.) Die Fahrt des Luftschiffes nach Schlesien, die am Sonntag abend um 11 Uhr beginnen sollte, ist, wie nach der Landung des Luftschiffes mitgeteilt wurde, einstweilen aus meteorologischen Gründen abgesagt worden. Ueber den britischen Inseln und dem Kanal liegt zurzeit ein schweres Tief(775 Millimeter), das in östlicher Richtung zieht, so daß augenblicklich über Schlesieh wieder starke Regenfälle zu verzeichnen sind. Falls sich die Wetterlage über Ostdeutschland bis Montag abend günstiger gestaltet, wird das Luftschiff in der Nacht vom Montag zum Dienstag die Schlesienfahrt antreten. Bewegung losgefahren. Unterwegs habe ihn Maxe instruiert. Er selbst wollte draußen mit dem Wagen warten. Schall führte dann den Ueberfall aus, will sich aber an Einzelheiten nicht mehr erinnern, da er vor Angst an allen Gliedern gebebt habe. Nach der Flucht, so erzählt der Angeklagte, habe er sich im Hof eines Hauses verkrochen und das erbeutete Geld gezählt. Es waren 120 Mark. Wenn mehr fehlen sollte, so müsse er es auf der Flucht verloren haben. Am nächsten Tage traf er sich mit Maxe in einem vorher verabredeten Lokal und übergab ihm das Geld. Tatsächlich scheint Schall von seinem ganzen Raub nicht einen Pfennig erhalten zu haben. Nach dem angeblichen Maxe wird noch gesucht. wtb. Berlin, 7. Okt.(Funkspruch.) Der Täter, der, wie von uns berichtet, am Freitag abend den dreisten Raubüberfall auf einen Schlächterladen in Charlottenburg ausführte und bei seiner Flucht in einem gestohlenen Kraftwagen zwei Frauen überfuhr, ist in der Nacht zum Sonntag in dem 16jährigen Walter Schall, der vor kurzem aus einer Fürsorgeanstalt entwichen war, ermittelt und festgenommen worden. Schall ist geständig, behauptet aber, von einem gewissen Maxe angestiftet worden zu sein, den er auf einem Arbeitsnachweis kennen gelernt habe. Dieser Maxe habe den Ueberfall schon vorher ausgearbeitet. Zusammen hätten sie in der mann befehdet worden ist. Er war ein Mann des Kampfes. Wir werden die Gegnerschaft, die er gefunden hat, begreifen müssen. Sie liegt begründet in der Lage Deutschlands, sie liegt begründet darin, daß die Spanne zwischen dem Wünschenswerten und dem Erreichten und dem Erreichbaren eben immer ungeheuer groß ist, und daß viele wohl die ungeheuren Opfer sehen, die wir gebracht haben und werden bringen müssen, aber nicht die Erfolge gelten lassen wollen, die wir für diese Opfer eingetauscht haben. Aber unbegreiflich will mir der Haß erscheinen, mit dem dieser Mann verfolgt worden ist, unbegreiflich will mir erscheinen, daß man es gewagt hat, diesem treuesten Patrioten die politische, die nationale und die persönliche Ehre abzusprechen. Das hat diesen lebensfrohen und empfindlichen Menschen in tiefster Seele aufs schwerste gekränkt. Es wird viele geben die ihm Abbitte leisten müssen. Er war ein leidenschaftlicher Patriot, er liebte sein Volk und sein Vaterland über alles. In der Arbeit für sein Volk und sein Vaterland hat er sich verzehrt. Die Mitwelt hat ihn verkannt, die Nachwelt wird ihm gerecht werden. Dein Volk, mein treuer Freund, wird dich nicht vergessen. So fahre denn hin zu deiner letzten Ruhestätte. Mögest du dort neben deinen lieben Vätern die Ruhe finden, die du in deinem arbeitsreichen Leben nicht hast finden können und nicht hast finden wollen. Die letzte Fahrt. Unmittelbar nach der Abschiedsrede Dr. von Kardorffs formierte sich der Trauerzug. Voran schritt eine Abteilung Schutzpolizei; es folgte die Kapelle der Berliner Schutzpolizei. Neben dem Leichenwagen schritten nicht nur die Attachés, sondern bis zum Auswärtigen Amt in der Wilhelmstraße auch Staatssekretär von Schubert und die Ministerialdirektoren des Auswärtigen Amtes, um sich dann später in den allgemeinen Zug einzugliedern. Dem Sarge folgten die nächsten Angehörigen, dann der Reichspräsident, die Reichsregierung, die ausländischen Diplomaten und das übrige Trauergefolge. Langsam bewegte sich der Trauerzug durch das Brandenburger Tor über die Straße Unter den Linden zur Wilhelmstraße. Diese Straßen waren schon kurz nach 10 Uhr von der Schutzpolizei mit Seilen abgesperrt worden. Abordnungen der Deutschen Volkspartei, zahlreicher Verbände und des Reichsbanners bildeten Spalier. Dahinter standen überall dichtgedrängte Menschenmengen, die den Toten entblößten Hauptes und mit ernstem Schweigen grüßten. Am Auswärtigen Amt hielt der Wagen unmittelbar unter dem Arbeitszimmer des Reichsaußenministers. Im offenen Fenster standen weiße Blumen. Während der Pause verabschiedete sich der Reichspräsident und trat in das Auswärtige Amt hinein. Nach 2 Minuten setzte sich der Zug wieder langsam in Bewegung. Auch auf dem weiteren Wege bis zum Friedhof wurde der tote Minister von der Bevölkerung zum letzten Male gegrüßt. Die Bürgersteige bis zum Luisenstädtischen Friedhof waren dicht mit Menschenmassen besetzt. Die Bewohner der Häuser dieser Straßen hatten aus den Fenstern Trauerfahnen gehängt. Gegen 13¼ Uhr trafen vor dem Friedhof die ersten Kranzwagen ein. Eine Fülle von Blumen wurde in die Kapelle getragen. Gegen 13¾ Uhr kündeten Trauermusik und Trommelwirbel das Nahen des Zuges an. Gleichzeitig setzte Glockengeläute der Kaiser=Friedrich=Kirche ein. Als der Wagen mit dem Sarge vor den Toren des Friedhofs hielt, spielte die Kapelle„Was Gott tut, das ist wohlgetan“. Unter dumpfem Trommelwirbel wur te der Sarg in die Friedhofskapelle getragen. Die Feier auf dem Friedhof. wtb Berlin, 6. Okt.(Funkspruch.) Auf dem Luisenstädtischen Friedhof waren nur die Angehörigen des Verstorbenen, seine engeren Mitarbeiter und ein kleiner Kreis von persönlichen Freunden zugelassen. Nach der Bestimmung Dr. Stresemanns wurde zunächst der Choral„Harre meisle Seele“ von einem Chor vorgetragen. In der Kapelle, wo der Sarg zwischen weißen Lilien und grünem Schmuck aufgebahrt stand, hielt Oberhosprediger Keßler(Dresden), der dem Verstorbenen lange Jahre nahegestanden hatte, eine warmempfundene Rede, in der er als die drei hervorstechendsten menschlichen Eigenschaften Dr. Steesemanns die Güte, die Lauterkeit der Gesinnung und die Innerlichkeit hervorhob. Der Trost für die Gattin, die Söhne, die Freunde des Toten und für das ganze deutsche Volk, das an seinem Grabe trauere, müsse darin gefunden werden, daß mit seltener Ausnahme schwere Prüfungen das Los aller großen Menschen sei, die sie läutern und seelisch für die Erfüllung ihrer hohen Aufgaben stärken. Dann bewegte sich der Trauerzug zu dem vorbereiteten Grabe, das unter einer hohen Alpenplatane gelegen ist. Unter den Klängen von„Deutschland, Deutschland über alles“, wie das Dr. Stresemann verfügt hatte, wurde der Sarg ins Grab gesenkt. Hier sprach der Prediger ein kurzes Gebet. Ein Vertreter der Burschenschaft Neo Germania, der Dr. Stresemann angehört hatte, rief ihm Gedenkworte nach, die Fahnen senkten sich, der Vorsitzende Meister der Loge Friedrich der Große grüßte den Toten zum letzten Abschied. Die schlichte, durch den Sonnenschein eines warmen Oktobertages vergoldete Feier hatte ihr Ende gefunden. Das Ehrengeleit der Deutschen Luftschiffahrt wtb Berlin, 6. Okt.(Funkspruch.) Kurz vor 12 Uhr starteten vom Flughafen Tempelhof fünf Großflugzeuge der Deutschen Lufthansa, um dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann auf seiner letzten Fahrt das Ehrengeleit zu geben. Das Geschwader nahm sofort Kurs auf das Reichstagsgebäude. Immer wieder umkreiften die Flugzeuge den Platz der Republik, auf dem die Trauerseier stattfand. Als dann der Trauerzug sich in Bewegung setzte, begleiteten die Flugzeuge ihn noch ein Stück Weges. Es war eine eindrucksvolle Dankesbezeugung der deutschen Verkehrsluftfahrt, die in dem Verstorbenen einen ihrer stärksten Förderer verliert. Hat doch Dr. Stresemann in erster Linie dazu beigetragen, daß die der Entwicklung der deutschen Luftfahrt entgegenstehenden sog. Begriffsbestimmungen endlich gefallen sind. Dar demerennische Wirlschaftopregrannn. * Mannheim 6. Okt. In der Samstagssitzung des Reichsparteitages wurde das demokratische Wirtschaftsprogramm behandelt, wozu Dr. Gustav Stollper ein ausführliches Referat erstattete. Dr. Stolper führte aus, für Deutschland seien die Ausgangspositionen für wirtschaftspolitische Aufgaben der Nachkriegszeit folgende Feststellungen: 1. Wir sind eine militärisch ohnmächtige Nation geworden. 2. Wir sind eine kapitalentblößte Nation. 3. Wir sind eine schuldenbelastete Nation. 4. Wir sind eine demokratische Nation. 5. Innerhalb der Volksgemeinschaft hat sich die bedeutsamste Machtverschiebung zwischen den Klassen vollzogen. Das früher unterdrückte Proletariat ist mit zur herrschenden Klasse geworden. 6. Der Krieg hat die Selbstverständlichkeit der früheren staatlichen Ordnung aller europäischen Staaten vernichtet. Bei einer Schilderung der Struktur der deutschen Wirtschaft betonte der Redner, das deutsche Volk sei überwiegend ein Volk von Städtern und ein Industrie= und Handelsvolk. Unter dem Einfluß der Technik vollziehe sich immer mehr die Befreiung des Menschen durch die Maschine. Das Schwergewicht innerhalb der unselbständigen Existenzen verschiebe sich daher mehr und mehr von den Arbeitern auf die Angestellten und Beamten. In beiden Kategorien der Arbeitnehmer sei der Anteil der Frau gewaltig gestiegen. Es sei nicht wahr, daß die fortschreitende Konzentration der Industrie den Mittelstand auffrißt. Auch er schichte sich ständig um, behaupte aber seine Bedeutung im Rahmen der Gesamtwirtschaft. Die Masse des deutschen Volkes arbeite nicht in Riesenbetrieben. Zur Finanzpolitik erinnerte der Redner daran, daß die öffentlichen Ausgaben Deutschlands einschließlich der Soziallasten vor dem Kriege Milliarden, heute aber über 23 Milliarden erforderten. Finanzpolitik sei heute das Zentralproblem aller Wirtschaftspolitik überhaupt.— Daraus folge, daß die Finanzen von Reich, Ländern und Gemeinden als Einheit zu begreisen seien. Die kommende Finanzreform müsse vor allem das Einkommen der Massen entlasten durch eine scharfe Heraufsetzung der steuerfreien Einkommensgrenze, womit zugleich Hunderte von Millionen am Finanzapparat des Reiches und der Länder gespart würden und die Wirtschaft eine sohnpolitische Schonzeit erhalte. Solange die deutsche Wirtschaft von Kapitalnot gewürgt sei, müßten Einkommenbildung und Spartätigkeit steuerlich begünstigt, aber der entbehrliche Genuß stärker belastet werden. Die Demokraten forderten deshalb eine Senkung der obersten Steuersätze. Die Gewerbesteuer sei zu beseitigen als eine unerträgliche Sonderbelastung des Mittelstandes. Das Referat Stolpers soll als Broschüre verbreitet und innerhalb der Partei weiter diskutiert werden. Auf einer Sondertagung soll dabei nach den Vorschlägen von Dr. Koch=Weser definitiv über das Wirtschaftsprogramm Beschluß gefaßt werden. Es wurden verschiedene Anträge angenommen, die sich gegen die Fortsetzung der Beschlagnahme deutschen Eigentums in England, für den Abbau der Zölle sowie dafür aussprechen, daß bei den bevorstehenden Verhandlungen der Einfluß des Reiches auf die Reichsbahn in weitestem Maße verstärkt werde. Die Wahlen zu den Parteiämtern. Nunmehr wurden die Wahlen der Parteiführer sowie des Vorstandes und des Parteiausschusses nach den Vorschlägen der Organisations= kommission vorgenommen. Die Aemter des Parteivorsitzenden und des Vorsitzenden des Parteivorstandes, die bisher getrennt waren, wurden zusammengelegt, und es wurden beide Aemter auf Dr. Koch=Weser übertragen. Erkelenz, der bisherige Vorsitzende des Parteivorstandes, scheidet wegen seiner Erkrankung aus. Zum Ehrenvorsitzenden wurde neben den bisherigen Ehrenvorsitzenden Payer, Helene Lange und Petersen, taatspräsident a. D. Dr. Hieber=Stuttgart gewählt. Stellvertretende Parteivorsitzende wurden die Reichstagsabg. Oskar Meyer und Lemmer. Stellvertretende Vorsitzende des Parteivorstandes wurden Frau Bäumer, Hellpach, Hermann Fischer und Erkelenz. Schluß des Demokratischen Reichsparteitags. wtb Mannheim, 7. Okt.(Funkspruch.) Am Sonntagvormittag legte die Deutsche Demokratische Partei am Denkmal der Freiheitskämpfer von 1848 einen Kranz nieder. Da die Parteitagsvorsitzenden Koch=Weser und Prof. Hellpach zur Trauerfeier für Dr. Stresemann nach Berlin gefahren sind, standen die sonntäglichen Verhandlungen unter Leitung von Frau Dr. Bäumer. Zunächst nahm der Parteitag den Geschäftsbericht des Hauptgeschäftsführers Dr. Rexrodt entgegen. Der Redner gab sodann einen Ueberblick über den Mitgliederbestand der Partei, der sich auf 113323 Mitglieder mit 6243 Vertrauensleuten und 1223 Ortsgruppen beläuft, und betonte die Notwendigkeit einer verstärkten Organisationsarbeit. In dem Augenblick, wo im Reichstag die Trauerfeier für den verstorbenen Reichsaußenminister Dr. Stresemann begann, unterbrach auch der Parteitag seine Verhandlungen zu einer kurzen Trauerkundgebung. Die Vorsitzende Frau Dr. Bäumer hielt eine Ansprache, die von der Versammlung stehend angehört wurde. Dann erstattete Dr. Fischer=Köln den Finanzbericht. In der Aussprache führte Minister a. D. Dr. Külz aus, schuld an den mißlichen organisatorischen Verhältnissen sei das bisher oft mangelhafte Zusammenarbeiten zwischen Fraktionen, Presse und Landesorganisationen. Die große demokratische Presse habe z. B. in der Frage des kommunistischen Volksbegehrens zur Fürstenemteignung am falschen Strick gezogen. Es müsse eine andere Atmosphäre geschaffen werden. Auf Antrag des Vorstandes wurde beschlossen, den Parteitag künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Für den nächsten Parteitag liegt eine Einladung aus Stettin vor. Nach einer Schlußansprache der Vorsitzenden wurde der Parteitag mit einem Hoch auf die deutsche Republik geschlossen. mswert geöffnet, aber von den Sachen nichts mirgenommen. Wie der Dieb sich in das Gebäude eingeschlichen hat, weiß man noch nicht. Auch der Tag und die Zeit des Einbruches stehen noch nicht einwandfrei fest. Ein Triebwagenzug entgleist. wtb Salzburg, 7. Okt.(Funkspruch.) Am Sonntag früh entgleiste im Bahnhof Salzburg ein Triebwagenzug infolge Achsenbruches. Dabei schob sich der zweite Wagen in den ersten hinein, wodurch fünf Reisende und zwei Bahnbeamte schwer und eine Anzahl von Personen leicht verletzt wurden. Der Materialschaden ist bedeutend. Unter den Verletzten befinden sich keine Ausländer. Grubenunglück in Schlesien wtb Kattowitz, 5. Okt.(Tel.) Eine schwere Grubenkatastrophe ereignete sich auf der Gieschegrube im Nickisch=Schacht. Beim Abbau einer neuen Förderstrecke stürzte die Sohle ein. Von den herabstürzenden Kohlen wurden fünf Leute verschüttet. Nach mehrstündigen Bergungsarbeiten konnten sie geborgen werden. Während drei mit leichteren Verletzungen davonkamen, waren die beiden andern bereits tot. Eifersuchtsdrama in Wien wtb. Wien, 7. Okt.(Funkspruch.) Am Sonntag vormittag wurden in der Wohnung des Direktors Emmerich Barsony der Garbe=Aktiengesellschaft für landwirtschaftliche Maschinen, der mit einer in Scheidung stehenden Frau nähere Beziehungen unterhielt, mit einem Schuß in den Mund tot und seine Freundin mit einem Schläfenschuß tödlich verletzt aufgefunden. Die Frau ist noch während der ärztlichen Behandlung ihren Verletzungen erlegen. Es handelt sich offenbar um ein Eifersuchtsdrama. Eine Giftmischerin zu lebenslanglichem Zuchthaus verurtellt. wtb Aargau, 6. Okt.(Funkspruch.) Die 64= jährige Wahrsagerin Verona Lehner aus Suhr (Kanton Aargau) wurde wegen Ermordung zweier Pensionäre mit Gift und Unterschlagung der Hinterlassenschaft eines der beiden Pensionäre zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Die Angeklagte beteuerte, sie sei unschuldig. Trauerfeier der Deutschen Volkspartei. wtb. Berlin, 7 Okt.(Funkspruch.) Am Sonntag abend veranstaltete die Deutsche Volkspartei in dem schlicht aber eindrucksvoll geschmückten Plenarsaal des Reichstages eine Trauerfeier für ihren verstorbenen Führer, Reichsaußenminister Dr. Stresemann. Saal und Tribünen waren überfüllt. Vor dem mit Lorbeer, Immergrün und Alpenveilchen geschmückten Präsidentensitz erhob sich auf hohem mit schwarz=weiß=roten Fahnen geschmückten Postament die von Prof Lederer geschaffene Büste des Dahingegangenen. Von der Reichsregierung nahm Reichswirtschaftsminister und stellvertretender Außenminister Dr. Curtius an der Trauerfeier teil. In der großen Ehrenloge wohnten die Söhne Dr. Stresemanns der Feier bei. Geheimrat Prof. Kahl hielt die Gedenkrede, in der er der Fämilie des Heimgegangenen die innigste Teilnahme der Partei aussprach und sodann die Laufbahn Dr. Stresemanns als Parlamentarier und Staatsmann umriß. Als Geheimrat Kahl geendet, erklang, während die große Trauerversammlung sich erhob und die Fahnen sich senkten, das ergreifende„Ich hatt' einen Kameraden!"— angegeben, mit der die Reichsbank in ständiger Verbindung steht. Der Inhalt der Briefe beschäftigt sich zum größten Teil mit Beförderungen bei der Reichsbank, die nicht die Zustimmung des Briefschreibers gefunden haben. Dem Reichsbankdirektor Dr. Schacht und einigen anderen Direktoren wird Parteilichkeit vorgeworfen. Der Briefschreiber warnt die Empfänger vor weiteren Beförderungen ähnlicher Art und kündigt Gegenmaßnahmen an. Die Briefe waren schließlich in einer nicht wiederzugebenden Weise verunreinigt worden. Die Großhandelsinderziffer. wtb. Berlin, 6. Okt.(Tel.) Die auf den Stichtag des 2. Oktober berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 138.0 gegenüber der Vorwoche unverändert. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe um 0.3 v. H. auf 133.1(Vorwoche 132.7) angezogen. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist um 0.2 v. H. auf 131.2(131.4) zurückgegangen, während diejenige für industrielle Fertigwaren mit 156.9 keine Veränderung erfahren hat. Im Monatsdurchschnitt September war die Gesamtindexziffer mit 138.1 gegenüber dem Vormonat unverändert. Die Inderziffern für die Hauptgruppen stellten sich für Agrarstoffe auf 132.6(wie im August), für Kolonialwaren auf 131.0(129.5), für industrielle Rohstoffe und Halbwaren auf 131.6 (131.5) und für industrielle Fertigwaren auf 157.2 1377). Drohbriefe an die Reichebantrirertion. pw. Berlin, 6. Okt.(Tel.) Wie die Nachtausgabe erfährt, ist die Berliner Kriminalpolijei schon seit einiger Zeit bemüht, eine sensationelle Briefaffäre aufzuklären, die in Reichsbankkreisen großes Aufsehen hervorgerufen hat. Es handelt sich um 22 anonyme Schmähbriefe, die Reichsbankdirektor Dr. Schacht und einige andere Reichsbankdirektoren erhalten haben. In diesen Schreiben werden verschiedene Maßnahmen und Verfügungen der Reichsbank in einer Weise behandelt, die auf besondere Vertrautheit des anonymen Briefschreibers mit den internen Reichsbankangelegenheiten schließen lassen. Die Briefe waren alle auf Papier der Reichsbank geschrieben. Auch die Briefumschläge stammen von der Reichsbank. Auf der Rückseite der Briefumschläge hat der Absender jedesmal eine Adresse Einbruch in die französ. Botschaft Schmucksachen im Werte von über 80 000 Mark gestohlen. wtb. Berlin, 7. Okt.(Funkspruch.) Am Samstag abend wurde in der französischen Botschaft am Pariser Platz ein schwerer Einbruch entdeckt, bei dem dem Tater für über 80000 Mark Schmucksachen in die Hände gefallen sind. Das Botschaftsgebäude wird zurzeit renoviert und der Botschafter hat mit einem Teil des Personals das Haus verlassen. Im Schlafzimmer des Botschafters ist ein Schreibtisch von dem Einbrecher geschickt geöffnet worden. Gestohlen sind eine aus 60 bis 100 Perlen bestehende Kette mit einem weißen Diamantschloß im Werte von 40000 Mark, weiter fehlen ein großer weißer Diamant, der in Platin zu einem Ring gefaßt ist, drei weitere Ringe und mehrere Krawattennadeln. In dem unter dem Schlafzimmer liegenden Raum im Erdgeschoß ist der Dieb auch gewesen. Dort hat er eine Vitrine mit Goldsachen von AlterDer lebend begrabene Marquis. * Paris, 6. Okt. Der angebliche Marquis de Champaubert, der, wie gemeldet, lebendig begraben worden war, ist ein vorbestrafter Mensch. Die Pariser Presse berichtet ausführlich über die Affäre. Es soll sich um die Tat einer Feme=Organisation handeln. Diese Feme=Organisation nenne sich„Ritter der Themis". Das ergibt sich aus Briefen, die sie an die Zeitungen gesandt haben. In einem dieser Briefe heißt es: Die französische Justiz, die nur noch ein leeres Wort ist, wird verächtlich gemacht und als lächerlich hingestellt. Deshalb hat unsere Vereinigung„Ritter der Themis“ beschlossen, einen heiligen Kreuzzug zu unternehmen und dafür zu sorgen, daß die Hochstapler und Betrüger nach Verbüßung ihrer lächerlich geringen Strafen ihre Tat sühnen, und zwar sogar mit dem Tode. Wir haben uns geeint und gegenseitig unter Androhung des Todes für jeden Verrat geschworen, zusammenzuhalten und verschwiegen zu sein. Reklameschwindel? wtb. Paris, 6. Okt.(Tel.) Zeugenaussagen in der Angelegenheit des Pseudo=Marquis de Champaubert haben zur Verhaftung einer vorbestraften Persönlichkeit namens Boulogne geführt, der der Hauptbeteiligte bei der Beerdigung gewesen sein soll. Er hat bei seiner Vernehmung gestanden. den Pseudo=Marquis de Champaubert mit dessen Einwilligung lebendig begraben zu haben. Die ganze Angelegenheit hat sich damit als eine großangelegter Reklameschwindel mit tragischem Ausgang herausgestellt. Selbst verschuldet. wtb Paris, 6. Okt.(Tel.) Das Ergebnis der polizeilichen Nachforschungen bestätigt, daß es sich bei der Angelegenheit des falschen Marquis de Champaubert um eine Mystifikation, die von ihm selbst inszeniert worden sei, handelt. Raufriastendtenst durch Funrsprauft Entmündigungsverfahren gegen Maria Orska. pw. Berlin, 7. Okt.(Funkspruch.) Die Berliner Schauspielerin Maria Orska, die Anfang September aus einem Berliner Hotel in die geschlossene Anstalt Wittenau übergeführt werden mußte, und erst vor kurzer Zeit als geheilt entlassen werden konnte, ist aus ihrem Kölner Sanatorium, in dem sie sich zuletzt aufgehalten hatte, spurlos verschwunden. Sie wird seit mehreren Tagen ohne Erfolg gesucht. Die Aerzte Maria Orskas, die in Köln eine Morphium=Entziehungskur begonnen hatten, nehmen an, daß sie im Morphiumrausch planlos umherirrt. Die Möglichkeit eines Selbstmordes läßt sich nicht ausschließen. Der Bruder Maria Orskas hat gegen die Künstlerin ein Entmündigungsverfahren eingeleitet. Coste und Bellonte schlagen den Weltrekord im Langstreckenflug. wtb. Paris, 7. Okt.(Funkspruch.) Das Luftfahrtministerium teilt mit, daß die beiden französischen Flieger Coste und Bellonte den Weltrekord im Langstreckenflug geschlagen haben. Neuer amerikanischer Sachverständiger für Baden=Baden. wotb Paris, 7. Okt.(Funkspruch.) Wie dem Newyork Herald aus Newyork gemeldet wird, hat sich der amerikanische Sachverständige, Fraser, am Samstag in Newyork eingeschifft, um sich nach Baden=Baden zu begeben und dem amerikanischen Delegierten im Organisationsausschuß für die internationale Zahlungsbank zur Seite zu treten. Bevorstehende Einladung zur Abrüftungskonferenz der fünf Mächte. wtb London, 7. Okt.(Funkspruch.) Reuter. Auf Grund der Besprechungen, die am Samstagabend zwischen Hoover und MacDonald im Wochenendhaus des Präsidenten stattgesunden haben, werden heute von der englischen Regierung die Einladungen zu der Fünfmächte=Marineabrüstungskonferenz ergehen. Der Text der Einladung wird am nächsten Mittwoch bekanntgegeben werden. Prozeß gegen 50 Kommunisten in Südslawien. wtb Belgrad, 6. Okt.(Funkspruch.) Nach einer Meldung aus Agram hat die Polizei die Untersuchung über die ungesetzliche Tätigkeit der seinerzeit verhafteten Kommunisten beendet. 50 Kommunisten werden vor Gericht gestellt werden. Die Gemüse= und Obstzufuhr Newyorks bedroht. wtb. Newyork, 7. Okt.(Funkspruch.) 2000 Führer von Motorschleppern= sind am Samstag in den Streik getreten Bei längerer Fortdauer des Streits wird eine Obst= und Gemüsenot in Newyork befürchtet. Die Preise sind bereits stark gestiegen. TTN Pchah TT * W Iu A— NE Der Westdeutsche Meister in Hüsten. Hüsten 09— Schalle c4 2:3. Der westdeutsche Meister, Schalte o4 war gesterz, uegte ans esbere oesu gauter Vorm besindichen Sv. Sp. Hilten en Nur Hüten mubte Iüir keinen bertseziunen Airiau erliten hat, Ersatz einstellen, wodurch das Zusammenspiel des Innentrios .„rteidigung der Stühwestinlen in Druck gerät und so daß die vetteuuuuue, ersten 10 Minuten ist burch unhaltbaren Schuß in Führung zu geben. Erst allnähich vorsähutg vihte u, von, Ball Burchgebt, der Ausgaleich. Die vorläufig nichts zu machen. Erst nach 20 Minuten gelingt dem Sounung bocht, beon zus einen Eige langen misse. Nach weiteren 10 Minuten ist Hüstens Halblinker schnell Führungstreffer. Dadurch angespornt behält der vorläusig die Oberhand, verpaßt noch einige sichere Torche und hält sein Heiligtum rein. Aber noch ist es der Sturmführer Czepan, der wieder gleichzieht. Nach dem Wechsel geben die Mannschaften guhr her. jedas Kl=i6t 9.3 Schalle einen Außenstürmer aus, der, wie es sich bald zeigte als besser erwies. Bei den nun folgenden Angriffen des westentschen Meisters kommt Hüsten stark ins Gedränge, der Torüter scheint einen guten Tag zu haben und hält, was zu halten ist. Nur wenige Minuten sinds noch bis zum Schluß. De chießt der Halblinke der Gäste eine hohe Flanke aufs Tor. Verteidigung und Läufer glauben schon, daß sie ausgehen würde, aber Czepan springt schnell herzu und holt sie von der Torlinie weg und schießt überraschend schnell ein. Ehe abgepfiffen wurde, bot sich den Südwestfalen noch eine glänzende Torchance Tobottka verpaßt den Vall, besitzt aber noch die Geistesgegenwart, ihn im Fallen mit dem Fuß auriczahotzegr, Bier bis fug, andere Spieler fallen darüber her und sihen Kure die Torlne ast erreicht worden. Mit diesem knappen Ergebnis, das leicht hätte anders lauten können, mußte Schalte sich zufrieden geben. In der Gästemannschaft überragten Czepan im Sturm und vie Verteidigung. Inbezug auf Spieltechnik hatten die Ruhrleute atürlich ein Plus aufzuweisen. aber Hüsten“ hielt dem besser, als man erwartet hatte. Torhüter, linker Läufe Linksaußen und Verteidigung hinverließen einen günstigen Eindruck. Im Sturm machte sich das Fehlen des Halbrechten Als Gäste befanden sich unter den Zuschauern hörden, Vertreter des Stadt= und Landkreises. Der Himme hielt mit seinen traditionellen herbstlichen Regenschauern z1 ück, die sich erst gegen Schluß einstellten, wodurch ein einwandreier Spielverlauf gewährleistet wurde. Vorher spielte Hüstens Reserve gegen die 1. Mannschaft von der.: l. Käulang Vertretung des Platzvereins gewann 5:1. o fand dieses entgegen der irreführenden Presse,, am bend doch statt.— Das Geseuschaftsspier Gevei berg 08 den Westfalenmeister Spielvereinigung Herten wurde in Stunde noch abgesagt. Die beiden übrigen Spirle fanauszusehen war, wegen der in den letzten Tagen stark herniedergegangenen Regengüsse nicht vollständig abgewickelt werden. Dazu kam noch, daß auch der Sonntag von dem schlechten nicht verschont blieb, so daß die Plätze teils nur aufgeweicht, teils sogar unter Wasser standen. Dieses beeinträchtigte naturgemäß sämtliche Spiele. Was das Spiel Hagen 72— Herdecke 11 angebt, so kand Be. B4g G.sef Gaitäitig Gelsenoti, an Sonnabend gegen der letzter Etnnee noch den demgegenüber ihre Abwicklung. Hagener Staffel. R. S. V. Hagen 72— Sp. V. Herdecke 7:0 Nur die Unentwegten hatten sich zu diesem Treffen um die Punkte eingefunden. Die niedergegangenn Regenfälle hatten dem Spielfelde nichts angetan und die Rasenfläche präsentierte sich, abgesehen von der Glätte, im besten Zustande. Daß der Platzverein so hoch siegen würde, hatte man kaum erwartet. Trotz Ersatzeinstellung für Theis und Haar. konnte man kaum auf diesen Plätzen eine Lücke feststellen. Bereits bei der Pause stand man mit 2:0 in Führung. Die Tore vielen durch Halblinks und Mittelsturm. In der zweiten Hälfte kommt 72 erst recht in Fahrt und noch 5 mal mußte sich der ausgezeichnete Herdecker Torhüter schlagen lassen. Für die Tore zeichnen Volmer 3, Popelka 3 und Sondermann 1. Von den Gästen konnte lediglich die Hintermannschaft gefallen. Die Fünferreihe konnte bei 72°8 starker Hintermannschaft, in der nach langer Pause Hölterhoff wieder in der Verteidigung stand, nicht zur Entfaltung kommen, obschon die Gäste einige gute Chancen herausarbeiteten. Der Sturm des Platzvereins war überaus schußfreudiger. Die Hintermannschaft war wie immer gut. Dieses Treffen wurde von Wüllner=Werdohl in ganz ausgezeichneter Weise geleitet. Beide Mannschaften waren trotz der alten Rivalität fair Germania Mudersbach— Jugend Betzdorf 06 7:1 Jahn Werdohl—. V. f. B. Weidenau Die ganz rapide zurückgegangene Spielstärke der Weiden e machte sich im Spiel am gestrigen Sonntag gegen Jahn Werdohl mal wieder bemerkbar. Nicht mal ein Ehrentor war hie den Gästen vergönnt. Gleich bei Anstoß entwickelt sich ein flotter Kampf, jedesmal liegen die Werdohler gleich in Front. Nach einer Viertelstunde Spielzeit können die Werdohler mit dem ersten Treffer in Führung gehen. Kurz darauf folgt eine Ecke, die ebenfalls durch Kopfball verwandelt wird. Jedoch der Sieg der Werdohler steht noch nicht fest. Unentwegt kämpfen die Weidenaner um bis zum Wechsel noch etwas zu erreichen. aber es ist nichts mehr zu ändern. Nach Seitenwechsel ist der Kampf anfangs verteilt, dann gehen die Weidenauer nochmals ganz aus sich heraus, da plötzlich, das Verhängnis naht, und schon ist der Sieg sicher. Mit 3:0 mußte sich Weidenau nach verhältnismäßig' fairem Spiel das Nachsehen geben lassen. Einen unerwarteten Sieg erfocht Germania Mudersbach g gen Jugend Betzdorf 06. Die Mudersbacher scheinen sich ganz enorm gebessert zu haben, denn vor allen Dingen in der ersten Halbzeit lagen sie dauernd in des Gegners Hälfte und konnten schon mit 8:1 in die Halbzeit gehen. Nach dem Wechsel lassen die Betzdorfer mehr und mehr nach und mit einem glatten 7:1 Sieg wurde die Partie beendet. Stand der Fußballtabelle der ersten Südwestfalen ongener Staffel. Hagen 72 3 Spiele 11:4 Tore 4:2 Punkt Hagen 11 8 Spiele 8:3 Tore 4:2 Punkte Lichtenplatz 3 Spiele 8:4 Tore 4:2 Punkte Gevelsberg 08 2 Spiele 2:3 2:2 Punkte Hemer 08 2 Spiele 2:5 Tore 2:2 Punkte Herdecke 11 2 Spiele 3:8 Tore 2:2 Punkte Hagen 05 8 Spiele 2:10 Tore 0:6 Punkte Siegener Staffel. Jahn Werdohl 4 Spiele 12:4 Tore 8:0 Punkte Hüsten 09 3 Spiele 13:4 Tore 6:0 Punkte V. f. R. Siegen 2 Spiele 14.4 Tore 4:0 Punkte Mudersbach 4 Spiele 13:15 Tore 2:6 Punkte V. f. B. Weidenau 4 Spiele 7:12 Tore 2:6 Punkte Betzdorf 06 4 Spiele 7:20 Tore 2:6 Punkte Sportfr. Siegen 3 Spiele 4:11 Tore 0:6 Punkte Gesellschaftsspiele. Sp. u. Sp. Hüsten 09— Schalke 04 2:3 V. f. R. Siegen— Hagen 05 2:3 Hemer 08— Mennen 09 3:0 Zu einem Gesellschaftsspiel war Sp. C. Hagen 05 mit einer verstärkten Mannschaft nach Siegen gefahren und konnte hier einen knappen Sieg duchen. Die Pause zeigte 1:2. Der Platzverein zeigte sich seinem Gast gleichwertig. ning Hemer 08 trug auf eigenem Platz gegen Sp. V. Menden 09 ein Gesellschaftsspiel aus, welches er dank der besseren Leistungen glatt für sich entscheiden konnte. 2. Bezirksklasse. Gruppe Oberruhr B. C. Bestwig 07— Sp. V. Fröndenberg 3:4 Sp. V. Arnsberg 09— V. C. Eslohe ausgef. In dieser Klasse fiel ein Spiel aus. Nicht ganz unerwartet schlug der Sp. B Fröndenberg in Bestwig den V. C. 07. Nach verteiltem Spiel blieb der Gast glücklicher Sieger. Gruppe Hagen=Ost. Sp. V. Schwerte 06— F C. Voele 19 2:2 Das Spiel in Schwerte wurde trotz des schlechten Wetters fair durchgeführt. Da einige Schwerter Spieler nicht spielberechtigt waren ist der Kampf für Boele gewonnen. Gruppe Hagen=West Westfalia Gevelsberg— Sp. Vgg. Wetter 10 0:6 Sp. V. Vorhalle 09— Sportunion Hagen 4:3 Sp. Vag. Milspe 11— Sportfr. Lüdenscheid 08 1:2 Das Ergebnis des Favoriten Wetter 1910 gegen Westfalia Gevelsberg kommt etwas überraschend. Trotzdem blieb Wetter dank seines guten Sturmes sicherer Sieger. Zwei ebenbürtige Gegner standen sich in Vorhalle im Spiel Vorhalle 09— Sportunion Hagen gegenüber, wobei der Platzverein die besseren Chancen hatte. Der zweite Favorit Milspe 11 ließ sich von Sportfreunde Lüdenscheid abhängen. Verteiltes Spiel, der glücklichere blieb Sieger. Gruppe Lenne. V. f. B. Altena— V. f. R. Altenhundem 3:1 abgebroch. V. f. B. Altena behielt auf eigenem Platz gegen V. f. R. tenhundem die Oberhand; der strömende Regen machte aber dem Kampf ein vorzeitiges Ende, so daß eine Wiederholung statlfinden muß. Außerdem gab es in dieser Gruppe noch ein Gesellschaftsspiel. Die in diesem Jahre als spielstark bekannten Lichtenplatzer mußten die Ueberlegenheit der Letmather anerkennen. Das Treffen in Halver war trotz energischer Rivalität fair. Zunächst geht Halver durch Handelfmeter in Führung, dem fort darauf, ebenfalls durch Handelfmeter der Ausgleich folgt. Dann war das Spiel verteilt, jedoch gelingt es Halver, nochmals einzusenden Nach dem Seitenwechsel bleibt das Bild dasselbe und Haiver stellt durch zwei weitere Tore, dem der Gast nur eins entgegensetzt, den Sieg sicher. Auch scheid gab es ein Unentschieden wischen den beiden Nachbarvereinen Höh und Grünewald. Die Gegner zeigten gleiche Eine katastrophale Niederlage erlitt V. f. B. Brügge in Balve, wo der dortige Sp. Sp. V. seinen Gegner mit einer haushohen Niederlage nach Hause schickte. 3. Gruppe. Sportfreunde Hohenlimburg— Sp. V. Langschede 1:2 V. f. B. Grüne— Sp. V. Sundwig 3:2 Sp. u. Sp. V Ergste— Sp. C. Hennen 3:4 Alemannia Schwerte— F. C. Borussia Dröschede 0:: In der dritten Gruppe blieben in den vier Spielen die Glücklicheren zumeist knappe Sieger. 2. Gauklasse Sauerland 1. Gruppe. Sp. C. Westfalia Hensen— V. f. V. Lichtendorf 2:2 Sd. V. Bremke— Sp. V. Deilinghofen 2:2 Sp. V. Geisecke— V. f. B. Westhofen 5:0 Hier ist der 5•0 Sieg des Sp. V. Geisecke über V. f. B. Westhofen bezeichnend während die übrigen Spiele ausgeglichen verliefen. 2. Grup Sp. u. Sp. Oberbauer— F. C. Schwarz=Weiß Oberp rahmede 6:0 Wandhofen—. V. f. L. Iserlohn fiel aus. In der zweiten Gruppe wurde nur die Begegnung Oberbauer— Oberrahmede bekannt. Oberbauer war hier nach einem Halbzeitstand von 5:0 überlegener Sieger, obwohl Oberrahmede in der zweiten Hälfte noch zwei Ehrentore herausholte. Gauflasse Siegerland. Finnentrop— Freudenberg 8:1 Setzen— Seelbach 3:1 Sp. V. Attendorn— Niederndorf 2:0 Bürbach— Oberschlesien 111 abgebrochen. 18 blatzer mußten die Ueberlegenheit... g Der Sturm des Gastgebers zeigte vorzügliches Konnen, wie man es seit langem nicht mehr gesehen hatte. Der Sieg war verdient. Gruppe Siegen. Sp. V. Langenau— Niederschelden=Gosenbach 5:1 Klafeld=Geisweid— Sp. V. Eiserfeld 1:1 B. C. Eintracht Siegen— B. C. Siegen 2:1 Sp. V. Brachbach— Caan=Marienborn 4:1 Der Spitzenführer Sp. V. Langenau hatte den Tabellendritten Niederschelden Gosenbach zu Gast und konnte sich hier zwei weitere Punkte sichern. In Klafeld teilte man sich nach ausgeglichenem heißen Kampfe in die Punkte. Die ersten Punkte verlor der B. C. Siegen gegen seinen Ortsrivalen Eintracht. Obschon Eintracht dem B. C. nicht bedeutend voraus war, war ein glücklicher Treffer ausschlagge Rech Erwartungsgemäß mußte Kann Marienborn PI. J. gegen den dortigen Sp. V. die Punkte auf der Strege Gruppe Betzdorf. Sp. V. Kirchen— Hurst=Rosbach 2:4 V. f. B. Wissen— Niederfischbach 8:3 Struthütten— Neunkirchen 0:0 Sport. Daaden— Müschenbach 6:2 In der Gruppe Betzdorf kamen einige Ueberraschungen heraus. 1. Ganklasse(Sauerland). 1. Gruppe. F. C. Vogelsang— F. C. Wengern 5:5 Postsport Hagen Sp. Sp. Westfalia Esborn 2:0 F. C. Schwarz=Weiß Silschede— S. V. Haspe 2 0:3 Einen erbitterten Kampf lieferten sich F. C. F. C. Wengern. Beide Parteien begnügten sich schließlich mit der leichen Punktzahl. Nach der haushohen Niederlage vom vergangenen Sonntag stellte der Postsportverein gegen Westfalia Esborn hier seine alte Kampfkraft wieder unter Beweis. Der Sieg war knapp aber verdient. Auch der Sp. V. Haspe 28 scheint sich wieder etwas borgenommen zu haben; konnte er doch gestern eine überlegene Partie gegen Schwarz=Weiß Silschede beenden. 2. Gruppe. Sp. u. Sp. Halver— Sp V. Eiringhausen 12 412 R. S. V. Lüdenscheid=Höh— Sp. V. Grünewald 111 Sp. u. Sp. Balve— V. f. B. Brügge 712 Siegener Staffel. Sportfreunde Siegen 1.— Klafeld=Geisweid Sp. V. Eiserfeld 06— Niederschelden=Gosenbach 2:0 Die Sportfreunde Siegen bringen in ihrer Gruppe ihren Gegnern nur zweistellige Niederlagen bei. So errangen sie gestern einen Sieg der mit zwei Toren vor der Nummer Wie vorausgesagt errangen die Niederscheldener aufgrund ihrer überragenden besseren Spieltechnik in Eiserfeld gegen den sportverein 06 einn hohen Sieg. Lenne=Staffel. Das Spiel Sp. V. Eiringhausen gegen V. f. R. Altenhundem fiel aus, da es die Eiringhauser in unverständlicherweise nicht für nötig hielten auch nur auf dem Platze zu erscheinen, obschon die Altenhundemner angetreten waren. Hagener Staffel. Sportunion Hagen— Hagen 05 ausgefallen Polizei Hagen— Herdecke 11 3:3 Lüdenscheid 08— Hagen 11 1:3 Die Handballspiele litten fast sämtlich unter der ungünstigen Witterung. Die Begegnung Sportunion— Hagen 05 fiel aus, weil unverständlicherweise der angesetzte Schiedsrichter ausZiemlich ausgeglichen war der Verlauf zwischen den Polizisten und Herdecke 1911 Obschon die erste Hälfte leicht im Zeichen der Leute von der Ruhr stand konnten die Ordnungsleute schon mit 2:0 in Führung gehen. Der Wechsel bringt den Polizisten eine kleine Ueberlegenheit, können sich abr zu einem Siege nicht entfalten und müssen sich mit einem Unentschieden zufrieden geben. Stand der Handballtabelle der ersten Bezirksklasse Südwestfalen Siegener Staffel. Sportfreunde Siegen 4 Spiel 43:3 Tore 8:0 Punkte Niederschelden 4 Spiele 25:21 Tore 6:2 Punkte Eiserfeld 06 4 Spiele 15:26 Tore 4:4 Punkte Klafeld=Geisweid 5 Spiele 17:34 Tore 4:6 Punkte V. f. B. Weidenau 3 Spiele 3:6 Tore 2:4 Punkte Dreis=Tiefenbach 4 Spiele 9:19 Tore 0:8 Punkte. Lenne Staffel. Jahn Werdohl 4 Spiele 26:11 Tore 6:2 Punkte V. f. R. Altenhundem 4 Spiele 29:22 Tore 5:3 Punkte Eiringhausen 3 Spiele 1:8 Tore 5:1 Punkte Sp. V. Attendorn 3 Spiele 13:23 Tore 2:4 Punkte Plettenberg 11 3 Spiele 12:15 Tore 1:5 Punkte B f. B. Altena 3 Spiele 4:16 Tore 1:5 Punkte Hagener Staffel. Hagen 11 5 Spiele 31:19 Tore 10:0 Punkte Hagen 72 3 Spiele 22:7 Tore 6:0 Punkte Polizei Hagen 5 Spiele 30:19 Tore 5:5 Punkte Herdecke 11 6 Spiele 20:27 Tore 5:7 Punkte Union Hagen 4 Spiele 22:14 Tore 4:4 Punkte Hagen 05 4 Spiele 16:17 Tore 4:4 Punkte Lüdenscheid 08 4 Spiele 12:20 Tore 2:6 Punkte Lüdenscheid=Höh 5 Spiele 4:24 Tore 0: 10 Punkte#### * Ritteldeutschland— Westdeutschland§:5. Im Rahmen der großen Sportwoche fand am Sonntag in Magdeburg ein Länderhandballspiel Mitteldeutschland—Westdeutschland statt. Bereits im Juni dieses Jahres hatten die Mitteldeutschen die Westdeutschen in Hagen 7:4 geschlagen. Bei der Begegnung in Magdeburg konnten die Westdeutschen dank verbesserter Stürmerleistungen ein durchaus verdientes unentschieden 5:5 erzielen. Radsport. 100 km Berufsfahren in der Pariser Winterbahn. Die Pariser Winterbahn wurde am Sonntag mit einem 100 km Berufsfahren eröffnet. Das deutsche Paar Stübecke (Westig)—Jocksch hielt sich ausgezeichnet und konnte mit drei anderen Mannschaften das gesamte Feld überrunden. Hier siegte Louet=Mouton in 2,16,22 mit 22 Punkten vor Broccardo=Blanchomet, Maes=Müller und der deutschen Mannschaft. Leichtathletik Deutschland siegt in Japan mit 79½:71½ Punkten. Tolio, 6. Oktober 1929 Die gesamte japanische Bevölterung sah mit riesigem Interesse dem ersten Länderkampf Japan— Deutschland entgegen; besonders zeigten sich das Kaiserhaus und offizielle Stellen lebhaft interessiert. Schon am Samstag umsäumten über 20000 Zuschauer die herrliche Arena, das Maidji=Shrine=Stadion zu Tokio. Am ersten Tage konnten trotz einiger Versager die Deutschen bereits mit 36:34 Punkten in Führung gehen. Am Sonntag aber war Festtag in Tokio und hinsichtlich suches wurden die Erwartungen bei weitem übertroffen. Bei herrlichem Wetter bot die Kampfanlage mit 40 000 Zuschauern einen imposanten Eindruck. Unsere Vertretung konnte am Sonntag einen äußerst knapp verdienten Sieg von 79½:71½ Punk. un erringen. Ausschlage= bend für den Sig waren unsere Siege in den Mittelstrecken, in denen Dr. Peltzer, Storz und Engelhardt sehr vie: Punkte für Deutsch 5 herausholten. Welch großer Sympathien sich die Deutschen erfreuten, bewies der ungeheure Beifall, den sie einheimsten, der sich aber noch steigerte, als der Führer der japanischen Mannschaft, Ddi, 1 die deutschen Leichtathleten mit herzlichen Worten beglückwünschte und hierbei betonte, daß der deutsche Sieg verdient errungen wäre. Gleichzeitig sagte er, daß die deutschen Leichtathleten besser wären, als die der Franzosen. Ergebnisse des zweiten Tages: 100 m: 1. Eldracher (10,6 Sek.), 2. Rambu 1 m zurück, 3. Dr. Wichmann, 4. Anno. Hochsprung: 1. Kimura 2,10 m, 2. Ono 1,90 m(durch Stechen), 3. Ladewich 1,88 m, 4. Wegner 1,70 m. Diskuswerfen: 1. Saito 42,05 m, 2. Hirschfeld 41,14 m, 3. Itabaschi 40,07 m, 4. Weiß 39,62 m. 400 m=Lauf: 1. Storz 48,4 Sek., 2. Engelhardt 5½ m zurück, 3. Nakasima, 4. Kiutschi. Weitsprung: 1. Rambu 7,31 m, 2. Köchermann 7,18 m, 3. Oda 6,87 m, 4. Ladewich 6,87 Meter(Punktteilung). 1500 m=Lauf: 1. Dr. Peltzer 4:04,8 Min., 2. Böcher 14 m zurück, 3. Kitamolo, 4. Fudjaki. Speerwerfen: 1. Molles 62,88 m, 2. Suganuma 57,85 m, 3. Sumiyoschi 57,47 m, 4. Wegner 48,71 m. 4X200 m=Staffel: 1. Deutschland(Storz, Weiß, Wichmann, Eldracher) 1:27,4 Min.; 2. Japan 6 Meter zurück. Gesamt=Ergebnis: Deutschland siegt mit 79½:71½ Punkten. * Die Landesbank und das Pfandbriefamt für Hausgrundstücke. Die Bilanzsumme der beiden Institute belief sich Ende August 1929 auf 471 Millionen RMt. Die Umsätze betrugen 771 Millionen Reichsmark. Die Kreditgewährung ist noch immer wegen der ungünstigen Lage des Kapitalmarktes gesperrt. Immerhin konnten seit Beginn dieses Jahres 833 Darlehen mit zusammen 45,4 Millionen Reichsmark gewährt werden, darunter 239 Darlehen mit 8,2 Millionen Reichsmark an Aemter, Landgemeinden pp., 142 Darlehen mit 28,3 Millionen Reichsmark an Städte, Kreise etc. und 452 Hypotheken mit 8,8 Millionen Reichsmark nur für den Wohnungsbau. Eine neue Form zeigt die Hemdhose W 24072 durch den Faltenrock, der in tieser Hüftlinie in Bogen angesetzt ist. Handstickerei ziert den oberen Saum und bildet vorn zwischen zwei Hohlnähten eine Vordüre. Zm Schritt Knopfschluß. Erforderlich 2.05 m Stoff. 90 cm breit. Beyer=Schnitte für 92 u. 100 cm Oberweite zu je 70 Pf. Moderne Wäsche Unsere Industrie ist fleißig am Werk, die Kunstseidenfabrikate immer mehr zu verbessern, um sie den Erzeugnissen der Naturseide vollkommen gleichwertig zu machen. Trikot, Milanaise. Waschseide und Chinakrepp aus zartfarbener Kunstseide haben sich für die moderne Wäsche gut bewährt und werden mit Spitze, abstechenden Blenden, Hohlnähten und zierlicher Handstickerei geschmackvoll verziert. Ein ganz neues Material für Wäsche ist Fortaseide, die in schwerer, haltbarer Qualität aus reiner Seide hergestellt wird. Forta=Toile und Forta=Krepp=de=Chine=lavadie sind weich, dauerhaft, angenehm im Tragen und gut zu waschen. WatOTa Beger=Schnitt Watogs Beger=Schnitt Unter einem Kleid mit Glockenrock wird die Hemdhose W 24075 getragen, der seitlich Glockenteile eingesetzt sind. Handhohlnaht bildet den Schmuck. Schrittschluß, Erforderlich 2,10 m Stoff, 80 cm breit. Beyer=Schnitte für 96 und 104 cm Ober= weite zu je 70 Pf. Hohlnähte und zarte Spitze garnieren die Hemdhose W 24077. Der Nock ist in Falten geordnet, in Zackenlinie angesetzt und erhält im Schritt Knopfschluß. Erf. 2,55 m Stoff, 30 cm breit und 1.10m Spitze, sem breit. Beyer=Schnitte für 96 u. 104 cm Oberweite zu je 70 Pf. Eine breite Tüllblende bildet den oberen Rand der Hemdhose W 24076. Das gereihte Röckchen is unter einem weißen Vorstoß angesetzt. Im Schritt Knopfschluß. Erforderlich 1,50 m Stoff, 20 cm Garniturstoff je 30 cm breit. Beyer Schnitte für 28 und 100 cm Oberweite zu je 70 Pf. KAK- OTT Beger=Schnitt P# Beuer=Schnitt M8407S 10S4074 Beger=Schnitt Sehr kleidsam ist das ärmeklose Nachthemd W 24078 aus Fortaseide mit eingebügelten Faltengruppen. Die Krawattenenden sind durch Einschnitte gezogen und wie der Bubikragen sein umhäkelt. Seidenbandgürtel. Erforderlich 2,85 m Stoff, 80 cm breit. 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In tiefer Trauer: Die Hinterbliebenen Villigst, Werne, Hennen, Düsseldorf, Schwerte und Haspe, 5. Okt. 1929. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. Oktober 1929, nachm. 2 Uhr, vom Sterbehause aus, statt. 380 bietet auch im Winter angenehmen Aufenthalt. Die neue Veranda ist stets mollig geheizt. K so Mitte der Stadt 4 ZimmerWohnung u. große geräumige Werkstatt evtl. mit elektr. Motor sofort zu vermieten. Anfragen unter A. 3.100 an die Geschäftost. ds. 3tg. 182 Schäfterhung schwarzgelb in gute Hände abzugeben. Zu erfragen in der Geschäftsst. ds. Ztg. ese ee Einige gebr., fast neue Pianos darunter ein sehr gut erheltenes 3786 lbachPlano sehr preiswert unter günstigen Teilzahlungen abzugeben. Carl Schmitt, Hagen Hefplano- und Flügelfabrik. Schuhe nach Maß Reparaturen 20 gut und preiswert J. Kühle Markt 2. für den Amtsgerichts- Bezirk Schwerte und das Amt Westhofen, sowie für die Gemeinden Ergste und Hennen wird zurzeit neu bearbeitet. Eine Neuausgabe ist dringend erforderlich geworden, da die alte Ausgabe(1925) total überholt und vergriffen ist. Die verschiedensten Anfragen betr. eines Adreßbuches beweisen, daß die Neuanfertigung ein wirtschaftliches Erfordernis ist. In dem Adreßbuch 1929/1930 wird zunächst das alphabetische Namensverzeichnis mit Fernsprechanschluß, ein Brancheverzeichnis, d. h. Aufführung der Firmen nach Branchen geordnet, neu hinzu ein Straßenverzeichnis, nach Straßen und Hausnummern aufgeführt. Ebenfalls wird der neueste Stadtplan(mehrfarbig) dem Adreßbuch beigefügt. Da nun für den allgemeinen Verkehr ein Adreßbuch unbedingt notwendig ist und einen tätsächlichen Gebrauchswert hat, wird der hiesigen Geschäftswelt eine erstklassige Propagandamöglichkeit für mehrere jahre wiederum geboten. Wir bitten die geehrte Geschäftswelt unseren Vertretern, Herrn Göbel und Herrn Lohmann, bei der Vervollständigung der Eintragungslisten behilflich zu sein, damit eine genaue Ausgabe ermöglicht wird. Adreßbuchverlag C. Braus Schwerte, Große Marktstraße 3 Preis des Adreßbuches bei Vorausbestellung bis 15. Oktober R2. 5.—. Ab 15. Okt. R2. 8.—. Auf Grund des§ 1 der Städteordnung für die Provinz Westfalen, des Reichsmietengesetzes vom 24. 3. 1922, des Wohnungsmangelgesetzes vom 26. 7. 1923, des Gesetzes über Mieterschutz und Mieteinigungsämter vom 30. 6. 1926, sowie der Beschlüsse des Magistrats vom 16. September 1929 und der Stadtverordnetenversammlung vom 27. September 1929 wird hiermit für den Stadtbezirk Schwerte folgende Ortssatzung erlassen: § 1. Für den Stadtbezirk Schwerte wird ein Mieteinigungsamt errichtet. S 2. Das Mieteinigungsamt besteht aus dem Vorsitzenden, dessen Stellvertreter, 6 Beisitzern, deren Stellvertretern, einem Schriftführer und dessen Stellvertreter. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter müssen zum Richteramt oder zum höheren Verwaltungsdienst befähigt sein. Sie werden ebenso wie der Schriftführer und sein Stellvertreter auf unbestimmte Zeit vom. Magistrat ernannt. Die Beisitzer müssen zur Hälfte dem Kreise der Hausbesitzer und zur Hälfte dem der Mieter angehören. Sie werden auf die Dauer eines Jahres von der Stadtverordnetenversammlung zu Schwerte gewählt. § 3. Das Mieteinigungsamt entscheidet in der Besetzung mit 1 Vorsitzenden und 2 Beisitzern, von denen 1 dem Kreise der Hausbesitzer und 1 dem Kreise der Mieter angehören muß. Die Leitung der Sitzungen steht dem Vorsitzenden zu. § 4. Die Zuständigkeit des Mieteinigungsamtes und das Verfahren vor dem Mieteinigungsamt wird durch die Reichs= und Landesgesetze bestimmt. § 5. Diese Satzung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Schwerte, den 3. Oktober 1929. Der Magistrat. Schlegtendal. Weber. HeizungsAnlagen: sowie sämtliche Reparaturen gut und preiswert. Wilhelm Hesse Hörderstr. 10 Rut 2024 1: Wu ensehen gutes, starkes Pack-Papie, : sowie feines,# 1: buntes 5 p* CARL BRAUS 55 Wu * Nr. 235(Zweites Blatt) „Schwerter Heuues Montag, 7. Oktober 1929 Politischer Vorstoß Englands in Südamerika Scharfer Angriff auf Deutschlands und Amerikas Handel. Von F. L. Campe. „Nachgiebigkeit gegenüber den Bedürfnissen der Vereinigten Staaten ist ebenso gefährlich wie Nachgiebigkeit gegenüber Deutschland.“ Das ist das neue Leitmotiv, unter dem Lord D'Abernon, uns Deutschen ebenso bekannt durch seine Berliner Botschaftertätigkeit in den kritischen Inflationsjahren wie durch die gehässige Schimpftanonade gegen Deutschland und das Deutschtum in seinen„Erinnerungen“, mit amtlicher Unterstützung einen umfassenden politischen und wirtschaftlichen Vorstoß zugunsten Englands in den südamerikanischen Republiken eingeleitet hat. Das britische Weltreich ist damit in den Welttrieg um die Wirtschaftsgeltung der Industriestaaten, den die monströse amerikanische Hochschutzzollvorlage entfesselt hat, mit fliegenden Fahnen eingetreten. Gewiß verhandelt Mac Donald mit Hoover friedfertig über die Seeabrüstung. Das geschieht aber zu dem einzigen tatsächlichen Zweck der Freimachung unergiebig in der Kriegsflotte angelegter britischer Kapitalien für den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die wirtschaftspolitische Ausdehnung des britischen Weltreiches Dafür laufen zwischen dem Mutterland und den Dominions eifrige Beratungen der führenden Persönlichkeiten parallel mit den Seeabrüstungsverhandlungen. England wird aus ihnen als die schlagkräftigste Seemacht hervorgehen und auch diesen Umstand zur Ausdehnung seiner Wirtschaftsabwicklung mit Südamerika durch häufiges Zeigen seiner Flagge in den südamerikanischen Häfen nutzen. Die von Lord D'Abernon geführte„Studienkommission“, für die„industriellen, kommerziellen und finanziellen Beziehungen zwischen Großbritannien und Südamerika“ trifft mit ihrem politischen und wirtschaftlichen Angriff namentlich auf Argentinien und Brasilien einen der empfindlichsten Nerven der amerikanischen Außenpolitik. Die durch D'Abernon geschaffene Lage entspricht ungefähr der moralischen Wirkung einer ähnlichen„Studienkommission“ von Wirtschaftlern der Vereinigten Staaten unter Führung ihres tatkräftigsten und erfahrensten Diplomaten in Britisch=Indien. Man kann dennoch loyalerweise nicht bestreiten, daß die Engländer nicht etwa nur mutwillig in einen amerikanischen Markt einbrechen, sondern zunächst einmal tüchtige Arbeit zu leisten haben, um ihre dortige Vorkriegsstellung wiederzugewinnen. Für die Entwicklung dieses Erdteils mit einer heute genau so hohen Einwohnerzahl wie Deutschland hat England vor dem Kriege ebenso wie Deutschland mehr getan als die Vereinigten Staaten. Aber diese erlangten während des Krieges trotz der eingefleischten Gegnerschaft der führenden Gesellschaftsschichten, insbesondere des spanisch sprechenden Südamerika, die überlegene Vormachtstellung in diesem Kontinent. Die Nordamerikaner pflegen die südamerikanischen Märkte durch ausgiebigste Lerngelegenheiten für die spanische Sprache und andere kulturelle Hilfsmittel ebenso zielbewußt wie durch den raumschaffenden Dollar. Ihr vorbildlicher Eifer im Ringen um die südamerikanische Wirtschaft ist angesichts ihres phantastischen Aufschwunges in den letzten Jahrzehnten begreiflich. Wir halten schon den Begriff „amerikanische Entwicklung“ für einen Superlativ. Trotzdem wird er noch übersteigert durch den Begriff„südamerikanische Entwicklung". Buenos Aires, die Hauptstadt Argentiniens, umfaßte 1870 noch nicht 200 000 Einwohner, 1910 waren es schon 1,2 Millionen, und heute ist diese prächtige Weltstadt mit 2,3 Millionen Einwohnern dem Zeitpunkt nicht mehr fern, an dem sie die volkreichste lateinische Stadt, Paris, aus dem Felde geschlagen haben wird. Rio de Janeiro, die Hauptstadt des menschenreichsten südamerikanischen Staates Brasilien, wuchs von rund 300 000 Einwohnern im Jahre 1880 auf gegenwärtig 1,2 Millionen. Die sprunghafte Steigerung der Weltbedeutung dieser Länder zeigt sich noch deutlicher in der Entwicklung ihres Außenhandels. Der Gesamthandelswert, also Einfuhr und Ausfuhr, Argentiniens betrug 1870 rund 300 Millionen, 1900 nur erst 700 Millionen Mark, heute jedoch 6,5 Milliarden. Deutschland ist daran mit fast 25 Prozent beteiligt. Davon macht seine argentinische Einfuhr leider nur rund 300 Millionen aus gegenüber einem Ausfuhranteil von mehr als einer Milliarde. Der wichtigste Lieferstaat für Argentinien, das wirtschaftlich am meisten entwickelte Land, dessen Verhältnisse aber einen ungefähren Durchschnitt der südamerikanischen Gesamtlage bilden, sind die Vereinigten Staaten. Sie verdrängten nicht nur Deutschland sondern auch England aus der Führung, das vor dem Kriege ein Drittel der Einfuhr bestritt und heute auf ein Sechstel zurückgeworfen ist.— Der amerikanische Erfolg beruht in hohem Maße nicht nur auf der Tatkraft und der Findigkeit der amerikanischen Wirtschaft. Dieser wurde der Boden durch vielfältige politische und kulturelle Mittel bereitet, von denen Presse und Film im Vordergrund stehen. Aus der Haltung D'Abernons in Südamerika, die sich nach einer nunmehr fast achtwöchigen Wirksamkeit in allen Einzelheiten sehr genau überblicken läßt, wird England den Versuch machen, durch Aufbau eines englischen Nachrichtendienstes für und aus Südamerika und durch Einfuhr englischer Filme jeder Art den Amerikanern den Rang abzulaufen. Diese haben bisher erhebliche Millionensummen zur Unterstützung des Südamerikadienstes der„Associated Preß" und der„United Preß", der beiden größten nordamerikanischen Nachrichten=Agenturen, aufgewandt. Der Erfolg ist jedem Betrachter südamerikanischer Zeitungen offenkundig. Die Meldungen und Beiträge dieser Agenturen bedecken mehrere Seiten des Riesenformats der größten südamerikanischen Blätter. Diese wissen, daß sie dadurch für Nordamerika Werbearbeit leisten. Sie tun das widerwillig und begehren oftmals dagegen auf, wie denn auch die gesamte geistige und politische Führung aus ihrem Argwohn— um nicht zu sagen: Abscheu— vor den Vereinigten Staaten kein Hehl macht. Aber diese sind eine Macht im kräftigsten Mannesalter, während die südamerikanischen Staaten sich noch in einem Zustand frühester Jugend befinden. Trader um einen Freune Von Emil Rameau. Emil Rameau ist der Präsident des Deutschen Bühnenklubs, dem Stresemann jahrelang als Mitglied angehört. Wer das Glück hatte, Stresemann in ruhigen Stunden der Entspannung nahe sein zu dürfen, seinen Gesprächen zuzuhören oder bei ihnen beteiligt zu sein, der weiß, wie mannigfaltig und immer wieder überraschend die Ausstrahlungen seines Wesens, seines Geistes waren. Frei von dem Zwang der Etikette, den Pflichten der Repräsentation, losgelöst von der gewohnten Umgebung der politischen Freunde und Widersacher, in der Einsamkeit oder im kleinsten Kreise ihm Vertrauter entfaltete er den großen Zauber seines Wesens, gab er tiefe Einblicke in seine optimistische Weltanschauung, die er sich in allen heftigen Stürmen, im heißen Ringen gegen übermächtige Gegner, in den Zeiten tiefster wirtschaftlicher Depression bewahrt hatte. Ein Glaube von fast religiösem Fanatismus an den Sieg der Vernunft beherrschte und lenkte ihn. Ein hoher Idealismus, wurzelnd in einer alle geistigen Strömungen durchforschenden und beherrschenden Bildung, genährt vom Studium, dem nie unterbrochenen, der klassischen Literatur, lebte in ihm und bewahrt ihn vor der Gefahr einseitigen, doktrinären Denkens. Er wußte um das Geheimnis des Wechsels im Rhythmus des Lebens. Nach den entnervenden, aufreibenden Konferenzen im Völkerbund, nach heftigen politischen Kämpfen flüchtete er zum Buch, ins Theater, in den Klub der Künstler, der Schauspieler, dem er seine ganz besondere Aufmerksamkeit und Sympathie schenkte. Hier fühlte er sich am wohlsten, wußte er doch, daß er sich ungezwungen geben konnte, wie er wollte. Hier konnte er auch aus vollem Herzen lachen über Anekdoten und Berichte aus dem stets reichbewegten Bühnenleben. Und allen war es ein wahres Bedürfnis, ihn zu erfreuen. war— wie er sagte— eines seiner schönsten Geburtstagsgeschenke, als er im vorigen Jahre vom Deutschen Bühnenklub zum Ehrenmitglied ernannt wurde.— Unvergessen sind dort die großen Festabende, an denen Stresemann sprach. Das Ergebnis jahrelanger Goethestudien breitete er in einem„Rätsel um Goethe“ betitelten Vortrag vor einem Kreis begeisterter Zuhörer aus. Zuletzt sprach er über die Gefahr, die er für die geistige Entwicklung und Erziehung der Jugend durch die Ueberbetonung des Sportlichen zu sehen glaubte, über die Hypertrophie des Mechanisierten, von dem er unseren Besitz an Kulturgütern gefährdet glaubte. Ihn sprechen zu hören und während der Rede zu beobachten, wie die sich überstürzenden Einfälle und Gedanken nach Form rangen, wie Denken sichtbar wurde, das war ein großes künstlerisches Erlebnis, dem Schiller im „Künstler“ so wunderbaren Ausdruck gibt. Und der erhabene, menschliche Gedanke Sprang aus dem flammenden Gehirn. Das befreiende aller Kunst von irdischer Enge und dem Joch der Arbeit war in ihm zu klarstem Bewußtsein schöpferischer Erkenntnis gelangt. Er sprach ihr— wiederum ganz im Sinne seines geliebten Nationaldichters— die große, würdige Bestimmung zu:„die getrennten Kräfte der Seele zu einem harmonischen Bunde zu vereinigen, um den ganzen Menschen in uns wiederherzustellen. Darum aber muß sie auf der Höhe des Zeitalters stehen, müssen reife und gebildete Hände sie ausüben.“ Diese Gedankengänge beherrschten Stresemann, den Privatgelehrten, der an seiner geistigen Entwicklung, an der Läuterung seines Geschmacks unablässig arbeitete und sich hinaufsteigerte zu einer Individualität von vorbildlicher und bewundernswerter Größe. Sein heroisches Ich kämpfte lange, aber vergeblich gegen den kranken Körper. Wie Friedrich Schiller war es ihm nicht vergönnt,„Meister zu werden des stockenwollenden Uhrwerks", die Materie besiegte den Geist, der letzter Weisheit zustrebte. Nun ruht er aus von allem Kampf, allem Ringen um die Zukunft seines geliebten Vaterlandes, von allen bitteren Enttäuschungen eines trotz allem reichen Lebens. — Er war, nehmt alles nur in allem, ein Mann im wahrsten und schönsten Sinne des Wortes, der Trauer wert, die wir um seinen Verlust empfinden. Stahlhäuser aus der Hauszinssteuer Stahlhausbauten werden aus der Hauszinssteuer unterstützt. Der Deutsche Normenausschuß hat unter Din 1030 Gütevorschriften für ortsfeste Stahlhäuser herausgegeben. Nach einer Verfügung an die Regierungspräsidenten, den Verbandspräsidenten in Essen und den Oberpräsidenten in Charlottenburg sind diese Vorschriften zu beachten, wenn Gemeinden und Gemeindeverbände die Förderung von Wohnhausbauten aus Stahl auf Grund der Richtlinien für die Verwendung des Anteils am Hauszinssteueraufkommen beabsichtigen, der für Neubauten bestimmt ist. Der Atlantikflieger Originalroman von Anny v. Panhuys. Copyrioht 1929 by Verl. A. Bechtholdt, Braunschweig. 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der Bürgenmeister schien in guter Stimmnug. Er lächelte:„Dieser Nollenhoff, dessen Papiere ich mir natürlich gründlich ansah— er zeigte sie mir übrigens freiwillig, gleich nachdem Sie gegangen waren— ist ein netter Mensch. Er sah schließlich ein, daß man sich von einem gerissenen Gauner betrügen lassen kann, und wir schieden als die besten Freunde. Er will den Flug nächstes Jahr nochmals probieren, ohne dafür einen Preis zu erwarten.“ Alice Osgood nickte.„Ich will mich dann heute gleich von Ihnen verabschieden, um mein Heil zu versuchen.“ Man unterhielt sich ein Weilchen, und schließlich nahm Alice Osgood noch die Einladung zum Abendesson an. Sie ging jedoch erst ins Hotel zurück, schrieb dort einige Briefe, sann über den Fall Nollenhoff nach und fand sich zum Abendessen wieder in dem wundervollen bequemen Hause ein, darin die beiden Parkers wie ein Herrscherpaar in seiner Residenz wohnten. Das Hauptgespräch bildete natürlich der Besuch des deutschen Fliegers, und Evolyn Parber sagte ein paar Mal begeistert:„Nächstes Jahr wird er wiederkommen, er will den gefährlichen Flug über das Meer doch noch einmal wagen.“ Bert Parker schob Alice Osgood diskret einen Umschlag zu. „Ein kleiner Vorschuß, Frau Osgood, scheuen Sie, bitte, keine Unkosten den Schwindler zu erwischen.“ Gegen zehn Uhr stand man vom Tisch auf. Evelyn Parker meinte ebenfalts zu ihrem Gast:„Eilen Sie sich nur, den Schwindler bald zu fasson, vielleicht findet man noch einen Teil des Geldes bei ihm, denn sonst muß es mein Mann möglicherweise ersetzen, und vielleicht findet man noch meinen Ring bei ihm.“ Sie war jetzt rücksichtslos; der echte Flieger hatte ihr zum Schlusse noch besser gefallen als der Erste, und er hatte ihr beim Abschied noch einmal so heiß in die Augen geschaut. Heißer als der Andere. Alice Osgood hätte gern gefragt, worüber sich der Deutsche in ihrer Gegenwart nicht hatte unterhalten wollen, aber es ging sie schließlich nichts an. Eben wollte man sich trennen, als der schwarze Diener ein Delegramm brachte. Bert Parter öffnete es und machte dann ein so törichtes Gesicht, wie man es ihm kaum zugetrant hätte. Stumm gab er das Papier in Allce Osgoods Hände. Sie bas:„Werde mir am Freitag erlauben, Carytown zu besuchen! Emnst Nollenhoff.“ Beide sahen sich an, und Evelyn fiel die Verblüffung der zwei auf. Sie zog das Telegramm aus den Fingern Alice Osgoods. Gleich darauf drückt auch ihr Gesicht nur noch eine einzige große Frage aus. Die erste, die sprach, war Alice Osgood. Sie fragte:„Darf ich wissen, wovon der Besuch heute nachmittag nicht in meiner Gegenwart sprechen wollte, Herr Bürgermeister?" Bert Parker druckste ein wenig, dann gab er ehrlich Antwort. „Er bat mich um Geld, weil er sich in großer Verlegenhoit befände. Man seierte ihn wie einen großen Held, sagte er, man fülle ganze Spalten in den Zeitungen mit seinem Namen, aber niemand denke daran, ihm auch nur einen Dollor anzubieten, und die Reparaner seines Flugzeuges koftete allein eine Unsumme, die größer wäre, als der Betrag, den er mit sich führte. Ich beriet mich mit meiner Frau, und wir liehen im fünftausend Dollar, die ich gerade im Hause hatte.“ Alice Osgood zog den Umschlag mit dem Vorschuß wieder aus dor Tasche. „Herr Bürgermeister, daß Sie abermals veingefallen sind, ist peinlich, daß es aber gewissermaßen unter meinen Augen geschah, ist für meine kriminalistischen Talente weniger schmeichelhaft. Derselbe Mensch, der sich die fünfunddreißigtausend Dollar holte, hat sich nun noch die fünftausend dazu geholt, anscheinend liebt er die runden Summen. Hier ist ihr Vorschuß zurück, den heutigen Fehler habe ich gut zu machen, jetzt ist es meine Pflicht, den Unverschämten zu fassen.“ Bert Parker sank in einen Stuhl und seine Frau in den nächsten. Alice Osgood machte das Gesicht einer Rachegöttin, und ihr war es, als höre sie ein Männerlachen fern verhallen. Lachte es nicht: Die gefährliche Person da stört mich? Sie wiederholte:„Jetzt ist es meine Pflicht, den Unverschämten zu fassen.“ Alice Osgood war nicht untätig, aber sie reifte nicht ab, sondern suchte die Spur des Hochstaplers von Carytown aus zu verfolgen. Da niemand von dem zweiten Besuch des Schwindlers etwas wußte, und das Bürgermeisterpaar glücklicherweise noch zu niemand darüber eine Aeußerung gemacht, hatte Alice Osgood den Beiden versprochen, zu keinem darüber zu sprechen. „Ich wäre unsterblich lächerlich, wenn man erfahren würde, ich sei demselben Kerl noch einmal zum Opfer gefallen,“ hatte Bert gestöhnt und Evelyn, ganz kreideweiß trotz des rosigen Puders, der farblos geworden schien, hatte gleichfalls himmelhoch gebeten, nur zu keinem etwas von dem zweiten Besuch des Frechen in Carytown zu erwähnen. Mit förmlicher Spannung sahen alle drei dem Besuch des echten Nollenhoff entgegen. Die Reporter wußten auch schon Bescheid, denn Nollenhoff war eine vielgeseierte Persönlichkeit. Trotz seines Pechs war seine Leistung hervorragend und bestaunenswert. Bert Parker begriff gar nicht mehr, daß diese zweite Gaunerei glücken konnte. Ein Mann wie der echte Nollenhoff vermochte gar nicht so lautlos zu kommen und zu verschwinden wie der falsche, der plötzlich dagewesen, als sei er ein beliebiger Mensch, für den niemand Interesse hegt und der wieder im Nichts untergetaucht war, nachdem er sich fünftausend Dollar gegen eine wertlose Bestätigung geholt. Soviel hatte Alice Osgood herausgebracht, er war weder mit dem Zug gekommen, noch fortgefahren, sondern hatte ein geschlossenes Auto benützt, das in einer Seitenstraße, unfern der Bürgermeisterei gehalten. Es stammte aus dem nächsten Ort, wo es laut Erklärung des Chauffeurs von einem elegant gekleideten großen dunklen Herrn bestiegen wurde und von einer mittelgroßen, sehr schmalen Dame, die den Herrn mit ihren auffallend dunklen Augen förmlich in das Auto hineingezwungen habe. Er schien im letzten Augenblick keine rechte Lust mehr zu der Fahrt nach Carytown gehabt zu haben. Beide sprachen spanisch miteinander und schlenen drüben aus Mexiko zu sein, zu dem Texas ja früher auch einmal gehört hatte. Nun erwartete Alice Osgood mit Spannung die Ankunft des echten Nollenhoff. Und er kam. Kam wie ein Sieger. Die Zeitungsleute waren an der Bahn, und die Phorographen hatton sich aufgestellt. Bert Parker mußte den Erfreuten spielen, obwohl ihm der Name Nollenhoff schon Schüttelfrost verursachte. Die Stadtkapelle war pünktlich zur Stelle, und als der Jug hielt, intonierte sie„Das Sternenbanner.“ Wie zu einem richtigen Meteor ein ordentlicher Schweif gehört, so zog der nchrigr, Sruß Nollenhoff einen Schweif von schnell nen Freunden hinter sich her. Amerikanische Flieger begleiteten ihn, auch emn übergeschrapg. ter Millionär, der Nervenerregungen siuha und dessen höchster Wunsch es war, mit ihm nach Europa zu fliegen und dabei über dem Oz heruntergehen zu müssen aus irgend einer siabelhaften Höhe. (Fortsetzung folgt.) Bildung und Verbrechen Schwerte, den 7. Oktober 1929. * Die Hoffnung, die vielfach ausgesprochen wurde, daß sich durch die allgemein erstrebte Hebung der Volksbildung die Zahl der Verbr. 2,: mindern würde, hat sich bisher nicht erfüllt. Ehe wäre sogar eine gewisse Zunahme festzustellen, so daß dadurch die andererseits fest vertretene Meinung, die Ausbreitung der Volksbildung könne niemals eine Verminderung der Straftaten im Gefolge haben, einen ebenso großen Anspruch aus ihre Richtigkeit erheben könnte Im allgemeinen wird die versittlichende Kraft der Bildung eher unter= als überschätzt. Allerdings ist dabei ein gewisser Unterschied in der Art der Bildung zu machen. Die Kenntnis des Lesens, Schreibens und Rechnens allein, die die Verstandeskräfte zu entwickeln sucht, ist an und für sich von einem untergeordneten Wert Der Mensch wird besser noch sittlicher dadurch, daß er imstande ist, seine Kenntnisse zu verwerten. Bei unangemessenem Verbrauch wird er nicht besser und wer seine Lesekunst lediglich dazu benntzt, sich mit schlechter Lektüre vollzustopfen, verdirbt mehr, als wenn er weiter als des Lesens und Schreibens Unkundiger durch die Welt gegangen wäre. So haben wir auch in verschiedenen Ländern die festgestellte Tatsach:, daß der Anteil der Analpheten an den Verbrechen verhältnismäßig viel geringer ist als der der von Kultur und Bildung Gestreiften. Man kommt dadurch leicht zu dem Schluß, daß die Ausbildung des Verstandes allein, wie sie leider heute zum Teil in erster Linie bestrebt wird, einen großen Fehler in sich tragen muß. Der Mensch wird sich niemals ausschließlich von seinem Verstand leiten lassen. Sein seelisches Empfinden wird immer von großem Einfluß sein. In einer Zeit, in der die materialistische Lebensauffassung über Idcale triumphiert, die mehr für die nach Mark und Pfennig abschätzbaren Güter Verständnis besitzt, muß selbstverständlich die harmonische Entwicklung von Verstand und Gemüt vor der einseitigen Ausbildung der Verstandeskräfte zurücktreten. Die gefühlslose Roheit, die den modernen Verbrecher kennzeichnet, ist nicht zuletzt auf diese ausschließliche Pflege der Verstandesbildung zurückzuführen. Wenn sich die heutige Zeitströmung weiterhin lediglich darum bemüht, den Massen den Glauben zu nehmen, ohne ihnen als Ersatz dafür die Wahrheiten der Ethik einzuprägen, werden wir niemals dami“ rechnen können, daß der durch die reine Verstandesbildung in sittlicher Beziehung haltloser gewordene Mensch sich leichter der Versuchung, vom rechten Wege abzugleiten, wird entziehen können. Die Halbbildung, die in der reinen Ausbildung des Verstandes besteht, ist geradezu ein Fluch unserer Zeit geworden. Bildung darf nicht nur Macht verleihen, sondern muß auch höhere Sittlichkeit und höheres Pflichtbewußtsein in sich tragen und das kann sie nur, wenn Verstand und gefühlsmäßiges Empfinden in gleicher Weise gepflegt werden. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 6. Oktober 1929. Ein neues kräftiges Tiefdruckgebiet ist über Großbritannien herangezogen, unter dessen Einfluß in Norddeutschland erneute Regenfälle eingetreten sind, während es sonst in Deutschland trocken und im Süden teilweise heiter ist. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 7 und 14 Grad. Der Kahle Aston hatte schwachen Südostwind, Regen und 9 Grad. Wetteraussichten bis Dienstag: Fortgesetzt veränderlich sowie zeitweise Regen bei wenig geänderten Temperaturen. Gedenktage. 8. Oktober: 1585 Der Komponist Heinrich Schütz in Köstritz geboren(gestorben 1672).— 1834 Der Komponist Francios Andrien Boieldien in Jarcy gestorben(geboren 1775).— 1868 Der Maler Max Slevogt in Landshut i. B. geboren— 1915 Die österreich=ungarischen Truppen erobern Belgrad. Sterbefall. Im 74. Lebensjahre starb in Villigst nach einem langen Leiden Frau Ww. Wilhelm König geb. Bergfeld. Möge die Dahingeschiedene den ewigen Frieden finden. Wer ist der Eigentümer? Dortmund ist ein junger Mann festgenommen worden, der u. a. bei der Vernehmung angab, in der Zeit vom 20. bis 25. September ds. Is. gegen 10 Uhr abends vor einem Geschäft in der Bahnhofstraße(Kolonialwaren oder Kafseegeschäft) ein Fahrrad, Marke Dürkopp gestohlen zu haben. Der Eigentümer eines solchen in dieser Zeit entwendeten Fahrrades möge sich umgehend bei der hiesigen Polizeiverwaltung melden. Ein schwerer Junge. Der erst 27jährige Dietrich H. aus Schwerte ist schon zwölfmal wegen schwerer Eigentumsvergehen vorbestraft und stand schon wieder wegen der vier Einbrüche, die Ende Juni in und um Schwerte verübt worden sind, vor dem kleinen Schöffengericht in Hagen. Er bestreitet, an den Einbrüchen aktiv beteiligt gewesen zu sein. Er will nur von dem gestohlenen Gute etwas abbekommen haben und zwar aus einer erbrochenen Verkaufsbude Obst, aus einem Kolonialwarengeschäft Boubons. Der dritte Einbruch blieb im Versuch stecken. In der Villa des Lehrers W. fielen den Einbrechern— es waren deren drei— Anzüge, Wäsche, Schuhe, Frauenkleider, Schmucksachen und anderes mehr im Werte von zusammen 2500 Mark in die Hände. Weder der Staatsanwalt noch das Gericht glaubten an die harmlosen Ausreden des Angeklagten. Der Staatsanwalt beantragte für den rückfälligen Einbrecher zwei Jahre und acht Monate Zuchthaus. Das Gericht nahm noch einmal mildernde Umstände an und verurteilte den Angeklagten wegen Hehlerei, eines versuchten und eines vollendeten Einbruchs zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis unter Ehrverlust von drei Jahren. + Ein widerlicher Anblick bot sich am Samstag nachmittag den Passanten der Hörderstraße. An der Ecke der Hohenzollernstraße waren zwei betrunkene junge Burschen in Streit geraten und verprügelten sich gegenseitig nach allen Regeln der Kunst. Als Waffe benutzte der eine der beiden Streithähne eine lange Peitsche, mit welcher er unbarmherzig auf seinen Gegner einschlug, sodaß dieser schließlich am Boden lag. Die alsbald auf der Bildfläche erscheinende Polizei machte dem„Schauspiel“ schnell ein Ende und brachte beide Kampfgenossen hinter die schwedischen Gardinen. + Glimpflich abgelaufen ist ein Zusammenstoß, den am Samstag unweit des Hotels Jungesblut eine jugendliche Radfahrerin mit einem Personenwagen hatte. Das junge Mädchen wurde bei dem Anprall zwar zu Boden geschleudert, kam aber im übrigen mit dem Schrecken davon; ihr edles Stahlroß bildete allerdings nur noch einen Trümmerhaufen. Unser aktueller Bilderdienst im Schaufensteraushang der Buchhandlung C. Braus zeigt folgende Aufnahmen: Um die Golfmeisterschaft 1929 in Leipzig=Gaschwitz; Der Dampfer„Virginia“ wurde bei der Ausfahrt aus dem Hasen von San Franzisko gerammt; Ein neuartiges Rettungsgerät; Zum Straßenbahnzusammenstoß in Essen; Von der Gebrauchsprüfung deutscher Polizeihunde in England; Das Luftschiff im Dienste des Motorsports; Motorradrennen auf der Rodelbahn; Der Raketenwagen Valier bei der Probefahrt mit seinem neuen Rückstoßwagen. Der Magistrat veröffentlicht in unserer heutigen Ausgabe die Satzung betr. Einrichtung eines Miteinigungs= amts für don Stadtbezirk Schwerte, auf die wir unseren Leserkreis ausmerksam machen. Der Kreisausschuß Iserlohn teilt in einer Bekanntmachung u. a. mit, daß die Zahl der zu wählenden Kreistagsabgeordneten vom Kreisausschuß auf 30 festgesetzt worden ist. : Ehrenvolle Auszeichnung. Herr Straetmanns,„Freischütz“ hat auf der 6. Westfälischen Gastwirtsmesse in Dortmund, welche vom 27. 9. bis 6. 10. stattfand, die silberne Medaille erhalten. Fernsprechschnellverkehr. Die Fernsprechteilnehmer von DortmundHauptamt, Dortmund=Norden, Dortmund=Hörde, Dortmund=Lütgendortmund, DortmundMengede, Dortmund=Wickede=Asseln, Lünen, Schanze, Schwerte, Unna und Witten sind ab Sonntag, den 6. Oktober zum Schnellverkehr mit Remscheid und Lennep zugelassen worden. Gespräche sind daher nicht mehr beim Fernamt, sondern beim Schnellverkehrsamt anzumelden(Selbstanschlußteilnehmer wählen 9). ha. Was man Wertbriefen beifügen darf und was nicht! Wertbriefen dürfen bestimmte Gegenstände nicht beigefügt werden. Nach einem Beschluß des Weltpostkongreß von London ist dieses Verbot für Wertbriefe auf das Platin ausgedehnt worden, für Wertsachen auf Banknoten. Opium, Morphium, Kokain und andere Betäubungsmittel dürfen dagegen in Zukunft Wertschachteln Das kleine Geburtshaus des großen Mannes Tungeririg mSchwerik War das ein Singen und Klingen am gestrigen Sonntag in unserem Städtchen. Ueberall, in allen Lokalen waren sangesfrohe Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung eingekehrt, überall wurde in machtvollen Akkorden das deutsche Lied gefeiert. Weilten doch anläßlich des Gesangwettstreites des M. G. V.„Cäcilia“ etwa 600 auswärtige Sänger in Schwerte, um im feierlichen Wettstreit um den Siegespreis zu ringen. Es wurde ein heißer Kampf, da durchweg mit ganz hervorragenden Leistungen aufgewartet wurde und die wettstreitenden Vereine ihre besten Kämpen ins Feld geschickt hatten. Erst in später Abendstunde war die„Schlacht“ geschlagen und konnten die letzten Resultate bekanntgegeben werden, von den siegreichen Vereinen mit hellem Jubel, von den unterlegenen mit stiller Resignation ausgenommen. Doch auch die letzteren werden die„Niederlage“ jedenfalls bald verschmerzt und sich gesagt haben:„Das nächste Mal sind wir die Sieger.“ Ein Gesangwettstreit im Kleinen war bereits die Vorseier am Samstag im„Reiche des Wassers". Fast alle Chorvereinigungen unserer Stadt waren der Einladung des Jubelvereins gefolgt, so daß der geräumige Saal bis auf den letzten Platz besetzt war, als nach dem Vortrage des„Sängergrußes" und Kreutzers „Sonntagslied" durch die„Cäcilia“ Herr Kathol den zahlreichen Gästen, Ehrengästen und Sangesbrüdern herzlichen Willkommensgruß entbot und nach einem kurzen Rückblick auf die wechselvolle Geschichte der„Cäcilia" das deutsche Lied feierte und ein begeistert ausgenommenes Hoch auf dasselbe ausbrachte. Und dann gab es einen edlen Wettstreit zwischen den einzelnen Chören: Quartettverein Schwerte=Ost, „Flügelrad", Solo=Quartett Schwerte=Ost, Doppelquartett Schwerte, Gemischter Chor „Harmonie“, der u. a. mit dem herrlichen „Vespergesang“ brillierte,„Sängerbund“, dessen„Totenvolk“ eine Glanzleistung war, Frauenchor der„Cäcilia",„Ruhrtaler" und„Edelweiß" Wandhofen. Alle Vereine gaben ihr Bestes, so daß in der Tat Spitzenleistungen dargeboten wurden und immer wieder stürmischer Beifall den Saal durchbrauste. Der Jubelverein beendete den gesanglichen Reigen mit dem bekannten Hegar'schen Chorwerk„Die beiden Särge". Umrahmt wurden die Darbietungen der Vereine durch Vorträge eines kleinen Orchesters und dann konnte noch einige Zeit das Tanzbein geschwungen werden, währenddessen es in den einzelnen„Standquartieren“ der Vereine noch recht lebhaft und hoch herging. An dem eigentlichen Wettstreit, der gegen 1,30 Uhr im„Reiche des Wassers" begann, beteiligten sich etwa 600 Sänger. Auch hier 1 urden durchweg hochwertige Leistungen dargeboten, wenn es auch hier und da etwas zu bemängeln gab. Doch ist es in diesem Falle nicht unsere Sache, Kritik zu üben, das wollen wir den beiden dazu bestimmten Fachleuten, Musikdirektor Haselhoff und Musiklehrer Hußmann=Barmen überlassen, die in voller Unparteilichkeit nach bestem Können ihres schwierigen Amtes gewaltet haben und folgendes Urteil fällten: 2. Landklasse: Quartett=Verein Altenbögge mit 115 Punkten 1. Preis;„Sangeslust“ Höchsten 2. Preis(108 Punkte); M. G. V. Westick 3. Preis(108 Punkte);„Eintracht“ Landhausen 4. Preis(107 Punkte);„Liedertafel“ Overberge 5. Preis(90 Punkte). 1. Landklasse:„Liederkranz" Lichtendorf(Hefendehl) 1. Preis 121 Punkte;„Lohengrin“. Schüren 2. Preis 119 Punkte;„Rütli“ Elberfeld 3. Preis 118 Punkte; M. G. V. Hemer 4. Preis 117 Punkte; MGV.„Haspetal"=Verneis 5. Preis 114 Punkte. 3. Stadtklasse:„Treubund“ Berghofen 1. Preis 120 Punkte;„Edelweiß" Ostende 2. Preis 116 Punkte; MGV. Blankenstein 3. Preis 115 Punkte;„Wartburg" Dortmund 4. Preis 113 Punkte. 1. Stadtklasse:„Liedertafel“ Telgte b. Münster 1. Preis 125 Punkte; MGV. Stoppenberg b. Essen 2. Preis 124 Punkte. Ehrenpreise errangen in der zweiten Landklasse: Altenbögge 1. Preis mit 115 Punkten; Höchsten 2. Preis 112 Punkte; Landhausen 3. Preis 107 Punkte; Westick 4 Preis 105 Punkte; Lichtendorf 1. Preis 119 Punkte; Elberfeld 2. Preis 118 Punkte; Verneis 3. 107 Punkte; Hemer 4. Preis 98 Punkte. 3. Stadtklasse: Blankenstein 1. Preis 121 Punkte; Ostende 2. Preis 120 Punkte; Berghofen 3. Preis 118 Punkte; Dortmund 4. Preis 98 Punkte. 1. Stadtklasse: Telgte 1. Preis 125 Punkte; Stoppenberg 2. Preis 122 Punkte. Hauptehrenpreise ersangen sich in der 2. Landklasse: Altenbögge 1. Preis 107 Punkte; Höchsten 2. Preis 106 Punkte; Westick 3 Preis 101 Punkte; letztere Punktzahl errang auch der Verein Landhausen, doch entschied das Los gegen ihn. 1. Landklasse: Lichtendorf 1. Preis 108 Punkte; Elberfeld 2. Preis 106 Punkte; Hemer 3. Preis 104 Punkte. 3. Stadtklasse: Blankenstein 1. Preis 108 Punkte; um den 2. Preis mußten Berghofen und Ostende mit je 106 Punkten losen, das Los entschied zu Gunsten Berghofens. 1. Stadtklasse: Stoppenberg 1. Preis mit 108 Punkten; Telgte 2. Preis 107 Punkte. Erst nach 11 Uhr erreichte der edle Kampf um den Lorbeer des Sieges sein Ende und jetzt kam auch die tanzfrohe jüngere und ältere Welt auf ihre Rechnung.— Heute vormittag wurde im Vereinshause die Preisverteilung vorgenommen, nochmals gab es einige frohe Stunden im Kreise der Sängerwelt und das Jubelfest der„Cäcilia“ gehört der Vergangenheit an. Wohl niemand würde dem unscheinbaren Hause in der Köpenickerstraße 66 zu Berlin, ansehen, daß hier eine weltbekannte Persönlichkeit, wie der verstorbene Reichsaußenminister Stresemann, das Licht der Welt erblickt hat. beigefügt werden, wenn die Sendungen zu einem medizinischen oder wissenschaftlichen Zwecke in diejenigen Länder versandt werden, die sie unter dieser Bedingung zulassen. Landkreis Iserlohn o Iserlohn. Eine blutige Schlägerei entstand in einer Wirtschaft im Schützenhof. Die unter sich in Streit geratenen Gäste bearbeiteten sich gegenseitig mit Biergläsern, Tischen und Stühlen, so daß von der Wirtin die Polizei zu Hilfe gerufen werden mußte. Nachdem diese den Haupträdelsführer mit zur Wache genommen hatte, konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Ein Gast, Heinrich M. von hier, erhielt hierbei eine schwere Kopfverletzung und mußte auf der Hauptwache verbunden werden. Amt Westhofen Westhofen. Der Turnverein„Teutonia“ e. V. 1883 Westhofen konnte am Samstag unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder und Vereinsfreunde im Saale Fritzenkötte: sein 46. Stiftungsfest begehen. Die Feier nahm einen überaus harmonischen Verlauf; ein umfangreiches Programmtstellte das Können der Westhofoner Turnerinnen und Turner in den Vordergrund, was allgemeine Anerkennung fand. Wir kommen auf diese Veranstaltung in unserer morgigen Ausgabe noch näher zurück. Was hören wir im Rundfunk? Dienstag, den 8. Oktober 1929. 10,15—11,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 11,15: Schulfunk für Volksschulen:„Besuch in einer Silbersuchsfarm". 12,10: Schallplattenkonzert. 12.50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst. 13,05—14,30: Italienische Opernmusik. In der Pause 13,30: Programmbemerkungen. 15,00: Kinderspielstunde.(Els Vordemberge): „Mit Buntpapier und Schere.“ 15.30: Wirtschaftsdienst. 1625: Wirtschaftsdtenst.. g8chischer zu, 16.30: Lorenz Pauper:„Deutsche Lesetbuche. für große Leute.“ s4us 17,00: Funkpädagogische Arbeitsgemenschaft der Lehrer an höheren Schulen. Studienrat Dr. Lücke:„Die Hausaufgabe im erdkundlichen Unterricht.“ 17,35—18,30: Vesperkonzert. In der Pause 18,15: Programmbemerkungen. 18.30: Rabbiner Dr. Rosenthal:„Aus der talmudischen Weltanschauung: Der Missias". 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. 19,15: Zeitfragen der Energiewirtschaft. 19.45: Gespräche über Menschentum Hardt—Honigsheim—Stein—Worm. „Siegfried". Zweiter Aufzug. Oper von R. Bbees. D en u Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportdienst. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. + Apotheken=Nachtdienst. Von Montag, den 7. bis Sonntag, den 13. Oktober, verrichtet die Neue Apotheke am Postplatz Nachtdienst.(Nur in dringenden Fällen.) Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Vortmund — Mysterlöse Verhaftung in der Straßenbahn. Einiges Aufsehen erregte am Dienstag mittag die Verhastung eines Mannes im Vorort Wickede=Asseln. Als ein Straßenbahnzug der Linie 12 anhielt, bestieg ein Polizeibeamter die Straßenbahn und ging auf einen gut angezogenen jungen Mann zu, den er festnahm. Der Mann, der einen Koffer bei sich trug, mußte dem Beamten aus die Wache folgen. Er wurde später nach Dortmund abtransportiert. Dem Vernehmen nach handelt es sich um einen Landwirtschaftseleven, der wegen eines Notzuchtverbrechens gesucht wird. Auto im Schaufenster. In der Nacht zum Donnerstag fuhr ein Personenkraftwagen aus Düsseldorf in Dortmund die Hansastraße zum Grafenhof herauf. Zu spät bemerkte der Lenter dieses Wagens, der die Straßenmitte innehielt, daß vom Grafenhof her ihm ein Straßenbahnzug entgegenkam. Im letzten Augenblick riß er das Steuer herum und verlor dabei die Gewalt über die Steuerung. Der Wagen überfuhr den Bordstein des Bürgersteiges und landete in der Spiegelscheibe des Cafés Kacthler, Hansastraße 99. Die Spiegelscheibe wurde völlig zertrümmert, auch der Wagen erlitt an Beleuchtung, Kotflügeln und Vorderrädern ziemlich erhebliche Beschädigungen, versuchte aber doch, seine Fahrt fortzusetzen, um sich der Feststellung zu entziehen. Dies gelang ihm aber nicht, und so war es möglich, die nötigen Feststellungen zu machen. — 35 Selbstmorde. Im Präsidialbezirk Dortmund sind in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1929 35 Selbstmorde zu verzeichnen. Als Ursache wurde angegeben: Schwermut in 11, Liebeskummer in 2, geistige Umnachtung in 6, unheilbare Krankheit in 7, zerrüttete Familienverhältnisse in 2 und unbekannte Ursache in 7 Fällen. — Handwerksmeister angefallen. Als ein Handwerksmeister aus der Bleichmärschstraße gegen 12 Uhr seinen Heimweg antrat, wurde er unter der Brücke an der Oestermärschstraße von drei jungen Leuten belästigt und beschimpft. Ja, sie gingen sogar so weit, ihn derart zu stoßen, daß er zu Boden fiel und sich dabei ganz erhebliche Verletzungen im Gesicht, am Auge und am Knie zuzog. Als der Handwerksmeister sich wieder erhob, waren die jungen Leute inzwischen geflüchtet. Er hofft jedoch, einen der Täter wiederzuerkennen, so daß es nicht ausgeschlossen ist, daß die Rowdies noch zur Rechenschaft gezogen werden können. Auf der Straße vom Tode überrascht. Ein tragisches Geschick ercilte am Sonntag nachmittag kurz nach 3,30 Uhr auf der Mittel= und Markgrafenstraße Ecke einen Invaliden. Dort erlitt der Bedauernswerte plötzlich einen Schlaganfall. Er wurde sofort von herbeigeeilten Passanten in seine in der Nähe gelegene Wohnung geschafft, wo der sofort hinzugezogene Arzt nur noch den Tod feststellen konnte. — Tödlich verlaufener Verkehrsunfall. In der Nacht zum Sonntag kam ein Personenkraftwagen den Körnerhellweg in Richtung. Wambel heruntergefahren. In der Nähe der Straße Am Bertholdshof erfaßte das Auto den über die Straße gehenden Arbeiter Josef Spliker. Der Mann wurde zu Boden gerissen, überfahren und blieb schwer verletzt liegen. Der Autofahrer wollte, ohne daß seine Nummer im Augenblick erkannt worden war, die Flucht ergreifen. Er hatte aber das Pech, daß sich durch den Zusammenprall die vordere Schutzstange, an der das vordere Erkennungszeichen befestigt war, gelöst hatte und auf der Straße liegen blieb. So war es möglich, den Eigentümer des Wagens zu ermitteln. Der Wagen ist in Hamm zugelassen und in Unna beheimatet. Der schwerverletzte Arbeiter wurde in das Brüderkrankenhaus gebracht, wo er kurz nach der Einlieferung an den schweren Verletzungen gestorben ist. Ein Kriminalkommissar begab sich Sonntag vormittag nach Unna, um den Fahrer des Wagens festzunehmen, doch gelang die Festnahme nicht, da der Mann nicht zu finden war. Schüren. Im Rausch logte sich ein Bergmann in der Nacht am Wasserwege nieder. Als in der Frühe des Morgens ein jugendlicher Arbeiter per Rad zur Arbeit fuhr, kam er durch den Bergmann, der mitten im Wege, nur noch mit der Hose bekleidet, lag, derart zu Fall, daß er sich einen Knöchelbruch zuzog. n Wickede=Asseln. Schweres Verkehrsunglück. Auf dem Witeder Hellweg fuhr abends ein Personenkraftwagen einen über die Straße laufenden Invaliden an. Erschreckt viß der Führer den Wagen zur Seite und fuhr mit voller Gewalt gegen einen Baum. Der Invalide wurde in hoffnungslosem Zustande ins Brüderkrankenhaus gebracht. Der Führer des Personenwagens erlitt mit seinem Begleiter schwere Kopfverletzungen. Das Auto wurde stark beschädigt. h Lüdenscheid. Aus Nahrungssorgen in den Tod. In den„Höher Tannen“ wurde ein etwa 50=jähriger Mann, der stark abgemagert war, erhängt aufgefunden. Wie sich herausstellte, hatte er schon seit Montag in der Umgegend gebettelt. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß der Mann den Tod aus Nahrungssorgen gesucht hat. ! Gevelsberg. Hoffnungsvolle Kinder. Ein 13= und ein 14=jähriges Mädchen unternahmen mit 240 Mark, die die 14=jährige ihrem Arbeitgeber gestohlen hatte, einen„Ausflug" nach Berlin. Zunächst nahmen sie in Hagen Aufenthalt, um sich neu einzukleiden und die alten Kleider über einen Zaun zu werfen. Die Fahrt nach Berlin sand aber dort ein unerwartetes Ende. Die Kinder wurden von der Berliner Bahnhofsmission aus dem Zuge geholt Von den 240 Mark hatten sie keinen Pfennig mehr. o Leune. Vom Zuge überfahren und getötet. Am Freitag früh wurde die Leiche eines Schmiedemeisters auf dem Bahngleis in der Nähe des Bahnhofes aufgefunden. Die Leiche wies Verletzungen am Fuß, Hals und Brust auf, die darauf schließen lassen, daß der Verunglückte auf dem Wege von Fleckenberg nach Lenne vom Zuge überfahren und getötet worden ist. Das Fahrad des Getöteten lag unbeschädigt neben der Leiche. 18. Seutscher Im Halle a. S., der Stadt alter Kultur und neuzeitlicher Entwicklung, fand vom 4. bis 6. Okt. der 18. Deutsche Berufsschultag statt, in der Stadt, in welcher im Jahre 1892 der Deutsche Verein für das Berufsschulwesen unter dem Namen„Verband der Freunde und Lehrer deutscher Fortbildungsschulen“ ins Leben gerusen wurde, um die Fortbildungsschulen in der schweren Frage zu unterstützen, wie die deutsche Jugend sittlich und geistig dergestalt zu kräftigen sei, daß die jungen Menschen sich als charaktervolle Männer, als leistungsfähige Arbeiter, als tüchtige Bürger bewähren. Durch die Tätigkeit des Vereins, dem außer den Landesverbänden zahlreiche Städte und Wirtschaftskammern angehören, hat sich der Gedanke der Erziehung durch den Beruf und die durch diese Forderung bedingte berufliche Gliederung der Fortbildungsschule heute soweit durchgesetzt, daß die Bezeichnung„Berufsschule" an Stelle der Fortbildungsschule getreten ist. Der Verein nennt sich mit Recht seit 1924„Deutscher Verein für Berufsschulwesen". Mit der Tagung war eine Ausstellung von Schülerarbeiten, von Lohr= und Lernmitteln verbunden, die alles zeigte, was nur irgendwie mit der Berufsschule und den Gebieten des sozialen Lebens in engem und engstem Zusammenhange steht. Der erste Tag galt der Erlediung geschäftlicher Angelegenheiten und der Arbeit des Vereins, die ihren Ausdruck findet in der Herausgabe der Vereinszeitschrift„Die deutsche Berufsschule", in Jahrbüchern, die über den Stand des Berufsschulwesens Auskunft geben und in den Jugendzeitschriften„Feierabend“ für die männliche und„Wege zur Freude“ für die weibliche Jugend. Im Stadtschützenhaus fand abends 8 Uhr eine eindrucksvolle Feier statt, in der Stadt, Staat, Reich und Verbände die Gäste begrüßten. Sogar die Fortbildungslehrer Deutsch=Oesterreichs hatten Vertreter entsandt. Der zweite Tag brachte um 9 Uhr die erste Arbeit. Nach begrüßenden Worten des Vorsitzenden Prof. Dr. Thoman=Hamburg sprach Universitätsprosessor Geh. Med.=Rat Dr. Ziehen=Halle über das Thema: Die seelischen Beziehungen des Menschen zur Berufsarbeit. Dieser tiefgründige, mit lebhaftem Beifall ausgenommene Vortrag, welcher die Neigung und Liebe zum Beruf, die Arbeitsfreude, das Interesse am Beruf, den Berufsstolz, den Respekt vor der Berufsehre, das Pflichtbewußtsein, die Einstellung des Fühlens, Dentens und Wollens zur Berufsarbeit in 1½stündigen Ausführungen in den Kreis der Betrachtungen stellte, wird dem Druck übergeben.— Der zweite Vortrag des Tages von DirektorStellvertreter Erben aus Gelsenkirchen=Beur behandelte das Thema:„Die Vorarbeit für die Berufsschule in Familie und allgemein bildende Schulen, besonders in der Volksschule. Folgende Die Traue vor dem Reichstage Die Trauerfeier i Reichblag Vor dem Sarge Reichskanzler Müller bei der Trauerrede Gedanken lagen dem Vortrag zugrunde: Die Berufsschule hat ein Recht von Forderunigen, da die Gegenwart und Zukunft an alle Berufsträger immer höhere Anforderungen stellt, die in Hinsicht auf eine gradlinige Entwicklung schon in den allgemein bildenden Schulen Berücksichtigung finden müssen. Die Tatsache, daß die bestehende Kultur der Volksschule immer mehr Gebiete zur Pflege übergibt, muß die Volksschule kritisch verfolgen. Sie muß sich unter Anwendung der Grundmethode, viel an innerer Kraft im Zögling zu bilden, auf ihre ureigendste Aufgabe besinnen. Jede unmittelbare Vorbereitung auf bestimmte Berufe muß von den allgemeinbildenden Schulen ferngehalten. werden. Die Erweiterungs= u. Aufbaubestrebungen der Volksschule in der Richtung auf das 9. und 10. schuljahr sind ab zulehnen. Andererseits muß im Interesse der Berufsreifmachung eine gründliche mittelbare Vorbereitung auf das spätere Berufsleben von den allgemeinbildenden Schulen gefordert werden. Dieser Vortrag löste eine längere Aussprache aus. Am Nachmittag fanden Besichtigungen und Abteilungsversammlungen statt. Am dritten Verhandlungstage sprach zunächst Gewerbeoberlehrer Dr. Behler=Essen über die Ergänzung der Berufsschulerziehung an der Arbeitsstätte und durch freie Einrichtungen für die Jugend. Die Berufsschulpädagogik soll die Grenzen der außerschulischen Erziehungsjaktoren nicht zu weit stecken; denn es ist auch noch die pädagogische Aktivität der Gewerkschaften, Parteien und Konfessionen vorhanden und vom Wesen dieser Gruppen ausgeschaut auch berechtigt. Die Berufsschulpädagogik leistet insofern eine nicht zu unterschätzende Vorarbeit für die Erziehungs= und Ausbildungsbestrebungen der genannten sozialpolitischen Gebilde, daß sie durch ihre Arbeit ein leistungsfähiges Menschenmaterial bereitstellt. Die Betrachtung des Verhältnisses zwischen Berufsschule und Arbeitsstätte zeigt, daß das Wesen der Berufsschulpädagogik dann nicht schon erfüllt ist, wenn man die Arbeitstechniken, den Werkraum, das Werkzeug und Material zum Ausgangspunkt und Mittelpunkt des Unterrichts macht, auch nicht, wenn mian sorgsam darüber wacht, daß als Bildungsgut nur das Eingang in Berufsschulen findet, was unmittelbar mit dem täglichen Berufsschaffen in Verbindung steht. Vielmehr gehört zum Wesen der Berufsschule, daß der Beruf als Lebensaufgabe in all seinen vielfachen Verpflechtungen zum Ausgang und Mittelpunkt erhoben wird. Der Beruf steht in engster Beziehung zu anderen, die mit ihm verkettet, die auf ihn angewiesen sind. Er schafft die Grundlage der Lebensmöglichkeit für den einzelnen, für die Familie, für den Staat. Er ist das Zentrum, von dem alle Fäden und Verbindungen zu allen Wertgebieten ausstrahlen. Eine rege Aussprache folgte. Dann sprach noch Universitätsprosessor Dr. Flitner=Hamburg über„die berufliche und allgemeine Weiterbildung nach dem Berufsschulbesuch". Die nächste Tagung soll in Mannheim oder Hildesheim stattfinden. Der Vorstand des Vereins setzt den Tagungsort fest. Gedichte Stresemanns Als Beweis für die Künstlernatur Stresemanns bringen wir hier zwei Gedichte, die der Verstorbene in den Jahren 1896 und 1909 schrieb. Herbst. Knisternd hör' ich meine Schritte In dem Walde widerhallen, Während rings von allen Bäumen Leise schon die Blätter fallen. Und mir ist's, als säh' ich helle Meines eig'nen Geistes Flug, Trotzig wie des Waldes Riesen, Die das Sehnen aufwärts trug. Doch die Blätter fielen balde, Eh' noch eine Frucht ihn schmückt; Einsam bald auf öder Halde Steht er starr und unbeglückt. Und sie fallen und verwehen Unstet, flüchtig, ohne Ruh', Und sie decken mit Erbarmen Manch getäuschte Hoffnung zu. „„* Einsam hinauf zu den Sternen Lenke den Sinn, dein Gemüt. Sieh, wie aus fernweiten Fernen Ewigkeitsglanz dich umzieht. Ruhe im Großen und Weiten! Ueber den Kleinkram der Zeiten Bangt nur ein zweifelnder Sinn, Nächtlich in sternklarer Runde Endet des Alltags Wunde, Rinnt unser Zagen dahin. Balte uit diche Sohgne aih an scharfen Wegekrümmungen, Kreuzungen und Haltestellen der Straßenbahn, derartige Stellen müssen übersichtlich bleiben. URHEBER-RECHTSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER WERDAU SA. (3. Fortsetzung.) Steinicke hielt nach einer halben Stunde den Text Bolles in den Händen. Er schüttelte den Konf und murmette ärgerlich:. Ist der Alte verrückt geworden?“ Dann begab er sich zu Manfred. B „Herr Bolle, wissen Sie schon, daß Ihr Herr Buler eine große Propaganda mit Wurstproben beabsichtigt?“ „Rein, das ist mir neu... 8um Schluß, Daraufhin erzählte ihm Steinicke alles. Zum Schlusse zeigte er ihm den Text, den der alte Volle selber aufgesetzt hatte. Manfred las: Text 1 für abgesprungene Kunden: Lieber Geschäftsfreund! Warum beziehen Sie von Bolle keine Wurst mehr? Sie waren doch früher ein so treuer Kunde! Ich habe mir über den Grund den Kopf zerbrochen und denke mir, daß Ihren Kunden meine Wurst nicht mehr schmeckte. Da habe ich nun jetzt Abhilfe geschaffen. Bolles Wurst ist wieder gut! Kosten Sie die beiliegenden Proben einmal mit Gefühl, und dann überschreiben Sie mir Ihre Aufträge wieder wie früher... Tamisli, alles mahl und Sonst ist doch in Ihrer werten Familie alles wohl und munter, und das Geschäft macht sich doch? In alter Freundschaft Ihr getreuer Bolle. Die beiden Männer sahen sich an. „Was sagen Sie dazu, Herr Bolle? Der Text ist sa unmöglicht....„„ 5 im Winher ahar hri. Manfred lachelte.„Das siehl ein Bilnder, aber bringen Sie das einem alten Herrn einmal bei. Uebrigens... ich vermag zwischen unserer früheren Wurst und der neuen so gut wie keinen Unterschied zu finden.“ „Geht mir genau so! Ihr Herr Vater macht um den Herrn Große einen Tamtam, der mir unverständlich ist.“ „Neue Besen kehren gut, Herr Steinicke. Wir werden ja sehen, was wird.“ „Ja, wollen wir denn diesen unmöglichen Text hinausgehen lassen?“ „Es bleibt uns nichts anderes übrig, Herr Steinicke. Sie wissen, daß mein Vater in solchen Dingen nicht die kleinste Korrektur verträgt.“ Im Betrieb war nachmittags um 2.30 Uhr Feierabend. Nur die Büroangestellten, die später begannen, arbeiteten bis 5 Uhr. Nach Feierabend suchte Karl seinen Chef auf. Bolle empfing ihn freundlich und sagte ihm noch ein paar anerkennende Worte. Dann erzählte er ihm von der Propaganda. Karl freute sich darüber, denn er erkannte, daß Bolle ein durchaus fortschrittlicher Geist war. „So, nun will ich Sie meinem Sohn und meinem Prokuristen vorstellen. Die Vorstellung zwischen den einzelnen Herren war sehr köbl. Manfred gab sich, ebenso wie Steinicke, sehr reserviert. Auch Karl hielt sich zurück, denn sein klarer Menschenverstand sagte ihm, daß ihm in den beiden Männern keine Freunde gegenüberstanden. Als Manfred und Steinicke wieder allein waren, sagte Steinicke:„Was sagen Sie zu dem Betriebsleiter? Ekelhafter, arroganter Mensch! Hat anscheinend schon das Gefühl, hier das Szepter in den Händen zu haben.“ Manfred erwiderte:„Könnte nicht sagen, daß er mir sympatisch ist. Wir werden jedenfalls auf dem Posten sein. Er ist dus unterstellt und das werden wir nicht vergessen, Herr Steinicke.“ Der Prokurist war befriedigt von Manfreds Worten. Karl Große hatte sich gut eingelebt. Er war mit Lust und Liebe bei seiner Arbeit, denn Bolle ließ ihn schalten und walten, hatte kein Wort der Widerrede, wenn er Neuerungen traf, auch seine Anforderungen einiger neuerer Maschinen kleinerer Art wurden sofort erfüllt. Eins aber freute ihn besonders: das war das reibungslose Zusammenarbeiten mit den Leuten. Große war früh der erste und abends der letzte, und er arbeitete, daß sein Tempo die anderen mitriß. Er schimpfte nicht. Alles, was er anordnete, war so selbstverständlich und wurde in einem Tone besprochen, der keinen kränkte. Das gefiel den Gesellen. Seine frohe Persönlichkeit, der jeder äußerer Stolz abging, seine Gerechtigkeit und seine wundervolle Organisationsgabe löste bei den Angestellten Bewunderung und Befriedigung aus. Besonders wirkte aber seine Kraft mit. Als sie sahen, wie er eine Last hob, die keiner von ihnen bezwang, war der Respekt, den sie vor ihn hatten, ein vollkommener. Das war das Seltsame: es ging viel freier und ungezwungener im Betriebe zu als unter Bolle fr. und Streckeband, und trotzdem verlief alles geregelter, exakter und flotter. Die Wurstproben waren hinausgegangen. Seit vier Tagen waren sie fort. Vorläufig war von der Wirkung noch nichts zu spüren, aber so rasch kam sie auch nicht Am achten Tage, da Karl Große in Bolles Wurstfabrik arbeitete, kam Steinicke durch den Betrieb. Hochmütig ging er durch die Räume und musterte alles. Er kam auch in den Raum, in dem Karl gerade beim Aba g und Bürzezig, Bursteige, uhr. Karkerwiderte seinen Gruß höflich, tieß sich im übrigen aber nicht stören, sonvern arbeitete weiter. Steinicke war innerlich wütend. Dann griff er, um den Fachmann zu markieren, in den Leberwurstteig und kostete ihn. Mit bloßen Händen tat er es. Karl sah es und zog ein finsteres Gesicht. „Herr Steinicke,“ sagte er bestimmt,„ich möchte Sie bitten, nicht mit bloßen Händen zu kosten. Bedienen Sie sich das nächstemal eines Messers. Keinem meiner Leute ist das erlaubt.“ Steinicke starrte Karl an und entgegnele dann wütend: „Was fällt Ihnen ein? Ich koste wie ich will, verstehen Sie! Ich verbitte mir Ihre Vorschriften!“ Karl unterbrach sein Wurstgeschäft und trat zu dem kuristen. „Ich habe für die Sauberkeit in diesem Betriebe gerade zu stehen, Herr Steinicke. Ich dulde es von keinem, und von Ihnen genau so wenig.“ „Wer hat denn hier zu bestimmen? Ich bin der Prokurist der Firma.“ „Ich bin der Fabrikationsleiter und keiner hat mir reinzureden. Sie haben hier nicht das geringste zu bestimmen, Herr Steinicke. Ich verbitte mir jede Einmischung in den Fabrkkationsbetrieb, von dem Sie ja doch nichts verstehen. Sie haben oben Ihre Arbeit, um die ich mich nicht kümmere, ich habe meine Arbeit hier unten.“ „Sie sind mir unterstellt!“ schrie Steinicke wütend. Karl lachte schallend auf und die Gesellen, von denen keiner Steinicke ausstehen konnte, lachten mit. Steinicke kochte vor Wut und hielt es für das beste, sich mit den Worten:„Ich werde mich bei Herrn Bolle beschweren über Ihre Unverschämtheit!“ zu verabschieden. „Ganz nach Belieben!“ rief ihm Karl nach.„Aber in den Wurstteig sollen Sie mir mit Ihren parfümierten Pfoten nicht fassen. Die Gesellen lachten, daß es Steinicke noch lange in den Ohren klang. Es waren wenige Minuten vergangen, als Margherita in den Saal trat. Karl war noch mit aller Gründlichkeit beim Abschmecken und Würzen. Sie war extravagant nach der neuesten Mode gekleidet. Das Röckchen war so kurz, daß man nicht nur das volle Knie, sondern sogar die brillantenbesetzten Strumpfbänder beim Gehen,sah. Die Bluse war tief ausgeschnitten und im übrigen ärmellos. Wenn sie nur einen Badeanzug angehabt hätte, wahrlich, es hätte nicht viel anders gewirkt. Sie schritt auf den hohen Stöckelschuhen durch den Saal. Karl sah sich um und erblickte sie. Ein spöttisches Lächeln sing über seine Züge, dann sagte er:„Was suchen Sie hier? draußen steht, daß der Zutritt verboten ist. Streckeband und die Gesellen hielten bei Karls Worten den Atem an. Kannte denn der Betriebsleiter Bolles Liebling nicht? Stolz schob sich das Mädchen an ihn heran und musterte ihn von oben herab. „Sie kennen mich wohl nicht?“ sagte sie spitz. Karl grinste und schüttelte den Kopf.„Nee, habe noch nicht die Ehre gehabt. Aber nach Ihrer Kleidung und Ihrem Auftreten zu urteilen, müssen Sie zu den Tillergirls gehören. Stimmt's?“ Die Gesellen standen mit todernsten Gesichtern und mußten sich krampfhaft Mühe geben, nicht zu lachen. Margherita hatte für einen Augenblick die Fassung verloren, dann rief sie wütend:„Sie sind ein Flegel! Ich werde mich bei meinem Vater beschweren!“ Rasch wandte sie sich ab und verließ fluchtartig den Saal. „Das war Bolles jüngste Tochter!“ sagte Streckeband zu Karl.„Donnerwetter, die haben Sie gekränkt. Die ist nun schon die zweite. Bin gespannt, wer nun dran kommt.“ Karl lachte herzhaft. „Bolles Jüngste! Hab mir's beinahe gedacht.“ Die Gesellen sahen ihn an, als könnten sie ihn nicht verstehen. „Det haben Sie sich gedacht, Herr Große und. trotzdem?“ „Eben trotzdem! So'n hübsches Ding, das Mädel, und zieht sich an, daß es ein Skandal ist. Mir tut der alte Bolle leid. Streckeband, sehen Sie mich nicht so entsetzt an. Ein kräftiges Wort tut manchmal Wunder.“ Und weiter ging die Arbeit, als sei nichts geschehen. Aber bereits nach fünf Minuten trat wieder eine Störung ein. Manfred, ganz im Vollgefühl seiner Würde als Juniorchef, trat ein und schritt auf Karl Große zu. „Guten Morgen!“ grüßte er kurz. „Guten Morgen!“ sagte Karl kühl und sah Manfred offen an. Sein Blick schien den jungen Chef zu verwirren. „Herr Steinicke hat sich bei mir beschwert!“ „So!“ Die Ruhe Karls brachte Manfred immer mehr in Wolle. Er begann mit den Armen zu suchteln, als er weitersprach: „Es geht nicht, daß Sie Herrn Steinicke, unseren Prokuristen, in so unverschämter Weise behandeln...!“ Er sprach nicht weiter, denn Karls Augen begannen plötzlich zu funkeln, und er trat dicht auf Manfred zu, daß der unwillkürlich einen Schritt zurückwich. „Herr Bolle junior,“ sagte Karl energisch,„hier bin ich der verantwortliche Herr. Hier lasse ich mir nicht reinreden und reinmantschen. Ich will für die Firma was Ordentliches leisten. Wenn Sie noch einmal ein Wort wie Unverschämtheit in den Mund nehmen, dann setze ich Sie an die frische Lust. Haben Sie verstanden?" Manfred zitterte vor Wut. „Sie sind entlassen!“ schrie er laut. Holen. Sie sich im Kontor Ihr Geld.“ Damit verließ er erhobenen Hauptes den Saal. Karl beugte sich wieder über seine Arbeit.„Weitermachen!“ sagte er so ruhig, als sei nichts geschehen. „* * Steinicke stand vor August Bolle. Er beschwerte sich in kräftiger Weise über den Betriebsssher. n un unteltech Bolle hörte ihn ruhig an, ohne iyn zu unterbrechen, dann nickte er und meinte ruhig:„Also rausgeschmissen hat er Ihnen... so quasi?“ „Jawohl, und das lasse ich mir nicht bieten. Ich denke, daß ich hier in jeder Weise meine Arbeitskraft für die Firma einsetze, und daß ich deshalb Ihren Schutz verlangen kann.“ Bolle nickte wieder. „Hm! Rabiat braucht der Große nicht zu werden. Nee, das soll er nicht. Ich werd' mit ihm reden, Herr Steinicke.“ In diesem Augenblick ging die Tür auf und Margherita stürzte mit vor Erregung roten Wangen herein. „Papa, das laß ich mir nicht bieten!“ schluchzte sie erreg auf. Bestürzt erhob sich Bolle von seinem Sessel.„Aber was haste denn, Grete? Beruhige dir man doch!“ „Dein... Betriebsleiter“ stieß sie unter Schluchzen hervor. Der unverschämte Mensch der. Du mußt ihn entlassen. Nein, was er mir gesagt hat. Huhhuhuhu!“ Steinicke schmunzelte. Das paßte ihm in den Kram. „Der Große! Der ist aber doch sonst so'n höflicher Mensch!“ „Ein Ungeheuer ist er. Ich... ich habe dich im Betrieb gesucht. Und da... da hat er mich unverschämt angefahren ... was ich hier zu suchen hätte; und dann... dann hat er gesagt, ich sähe aus— wie— wie ein Tillergirl. Jawohl, das hat der freche Mensch gesagt!“ „Sieht dem Burschen ähnlich!" warf Steinicke hämisch dazwischen. Bolle schüttelte den Kopf. Aber es wurmte ihn. Sollte sich der Große mit einem Male von einer so unangenehmen Seite zeigen?....... Wart. kinm Tact. Die Türe ging, ehe Boue auf die Worte seiner Tochter antworten konnte, wieder auf und— Manfred erschien mit hochrotem Gesicht. „Papa,“ rief er erregt,„dein Betriebsleiter ist ein un" derer Er hal f# PPrristel, unnt ungurundige. verschämter Kerl! Er hat sich erdreistet, mir anzukündigen, mich an die frische Luft zu setzen, wenn ich noch ein Wort sage. Ich habe ihn entlassen!“ Bolle bekam eine gelinde Wut gegen Große. Was war denn in den Kerl gefahren? Aber... so rasch war er mit der Order seines Sohnes nicht einverstanden. „Entlassen? Det geht dir nischt an. Der... der Große muß sich natürlich entsprechend benehmen. Det gefällt mir von ihm nich. Jetzt werde ich erst mal mit ihm reden.“ Er klingelte. Schrippe kam. „Herr Große soll sofort zu mir kommen. Sofort!“ befahl der Chef. Dabei war sein Gesicht geradezu grimmig. Karl hatte gerade das Würzgeschäft beendet, als Schrippe zu ihm trat....„. W: J59, Mt. Große sah ihn freundlich an. Na, was giois, Vater Schrippe?“ „Sturm! Der Alte ist wütend auf Sie! Steinicke und der Manfred und auch seine Tochter, die Jüngste, die haben ihm den Kopf heiß gemacht. Sie sollen gleich zu ihm kommen.“ „Wird gemacht, Vater Schrippe.“„. Karl ging mit ihm in seinen kleinen Verschlag, wusch sich die Hände und band eine saubere Schürze vor. Sie gingen zusammen über den Hof. „Ham Sie keene Angst vor’nen Donnerwetter?“ „Nee. Mit Bolle werd' ich fertig.“ Karl trat in Bolles Allerheiligstes. Manfred, Margherita und Steinicke hatten sich ins Nebenzimmer zurückgezogen, dessen Tür nur leicht angelehnt war, so daß sie jedes Wort verstehen konnten. „Morgen, Herr Bolle.“ „Morjen, Herr Große. Wat machen Sie für Geschichten?“ „Ich?“ sagte Große launig.„Ich bin unschuldig wie ein frischgewaschenes Kind.“ Dabei sah er Bolle so treuherzig an, daß der ganz verwirrt wurde. Bolle nahm wieder das Wort: „Steinicke hat sich über Sie beschwert.“ „Kann ich mir denken.“ „Meine Tochter ist über Ihr Benehmen entsetzt.“ „Das ist'n bißchen übertrieben.“ „Und meinem Sohn haben Sie angedroht, ihn an die Luft zu setzen.“ „Stimmt, Herr Bolle,“ sagte Große seelenruhig. Bolle erhob sich. Großes Ruhe brachte ihn in Wut. „Stimmt! So, na, Herr Große, det geht nich. Ich hab gedacht, Sie sind'n netter Mensch mit Lebensart, und da verkrachen Sie sich in fünf Minuten mit drei Menschen. geht nicht, Herr Große. Das verbitte ich mir. Sie sind nicht nur mir, Sie sind auch meinem Sohn und dem Herrn Steinicke unterstellt. „So!“ sagte Karl kaltschnauzig.„Dann verzichte ich dankend auf die Weiterarbeit in Ihrer Firma. Schreiben Sie Ihren Kunden, daß es von morgen ab wieder schlechte Wurst gibt.“ „Herr Große!“ rief Volle.„Das. lasse ich mir nicht bieten! Wenn Sie mir so kommen, dann sind wir geschiedene Leute!" Karl setzte sich auf den Schreibtischrand. (Fortsetzung forgr.)