OPETTUE! Die Schonn Zohuns aichin uichauich iche und Banugopets habnonalich 1.20 Maik, Enseiaummat 15 Pfg. Druck u. Verlagvon C. Braus, Schwerte(Ruhr), Potscheckkonten: Dortmund 2832 und Hannover 21874. Geschäststele: Große Machist. 3—3, Veranworlich für die Schrithseitung H Limer. Schm—: kergrut 2rro Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Gge, finangamtische u. gerichtliche Aunzeigen 10 Pig., Retlane. zeile 40 Pf; Für telefon. ausgegedene Inserate übernehmen wir keine Gewädr. Bei unoorbergesehn. Vetriedestbrungen, heroorgerusen durch hödere Gewalten, übernedmen wir keinertei Gewähe für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann auch keinerlei Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieserung erboden werden für die Schritheitug H. Eimner, Schwerte. Hermt arto Schwerter Volksblatt usS## Holzwiceder Zeitung Tagebinlt für die Eindi Schwerie und dud Ann Westhosen Smp; Kreisoirn für den nordiichen Ten bes; Forreises Iseriohn Nr. 130(Frtes Blard) Neues in Kürze. Eröffnung der 8. Reichsschul=Musitwoche. wib. Hannover, 30. Sept.(Tel.) In der Stadthalle versammelte sich heute vormittag eine stattliche Anzahl von Festteilnehmern, um der Eröffnung der achten Reichsschul=Musikwoche beizuwohnen. Nach einleitenden musikalischen Darbietungen eröffnete der Vorsitzende, Ministerialrat Prof. Kestenberg vom preußischen Kultusministerium, die Reichsschul=Musikwoche. Der Besuch des griechischen Ministerpräsidenten. pw. Berlin, 30. Sept.(Privattel.) Der griechische Ministerpräsident Venizelos hat heute mittag 12 Uhr dem Reichskanzler Müller einen Besuch abgestattet. Heute mittag gab der Reichsminister des Auswärtigen Dr Stresemann zu Ehren des griechischen Gastes ein Frühstück. Reichskanzler Müller veranstaltete heute abend anläßlich des Besuches Venizelos einen Empfang. Der Abmarsch der englischen Bahnschutztruppen aus dem Saargebiet. wib. Saarbrücken, 30. Sept.(Tel.) Der für heute nachmittag 14.30 Uhr angesetzte Abmarsch der englischen Bahnschutztruppen vollzog sich ruhig und ohne Störurig. Nach einer kurzen militärischen Feier und der Einholung der Flagge zogen die Truppen durch die Stadt zum Bahnhof, wo französisches und belgisches Militär Spalier bildete. Die Truppen wurden nach Wiesbaden verladen, um von dort aus in den nächsten Tagen mit dem Stammregiment zusammen nach England verladen zu werden. Jahresversammlung der englischen Arbeiterpartei. wtb. Brighton, 30. Sept.(Tel.) Die Arbeiter= partei trat heute vormittag zu ihrer Jahresversammlung zusammen. Anwesend waren fast 1000 Delegierte und Beamte der Partei Einschränkung des Zugverkehrs in Rumänien. wtb. Budapest, 30. Sept.(Tel.) Wie aus Bukarest gemeldet wird, hat die Direktion der rumänischen Eisenbahnen zur Beseitigung des im jüngsten Budget in Erscheinung tretenden Milliardendefizits beschlossen, in verschiedenen Teilen des Landes eine ganze Reihe von Zügen allmählich abzubauen. Bisher sind in Siebenbürgen sieben Zugpaare eingestellt worden. Bereits diese Reduktion soll im Eisenbahnverkehr Siebenbürgens ernste Störungen hervorgerufen haben. Geburt einer japanischen Kaisertochter. wtb. Tokio, 30. Sept.(Tel.) Die Kaiserin von Japan ist Sonntag früh von einer Tochter entbunden worden. Lebenshaltungsinder. im September. wtb. Berlin, 30. Sept.(Tel.) Die Reichsindex= ziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf“) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnit des Monats September auf 153,6 gegenüber 154,0 im Vormonat. Sie ist sonach um 53 v. H. zurückgegangen. Dieser Rückgang ist im wesentlichen auf eine Senkung der Ernährungsausgaben zurückzuführen, bei denen Preisrückgänge für Kartoffeln und Gemüse durch Preissteigerungen für Milch und Milcherzeugnisse sowie für Eier nicht voll ausgeglichen wurden. Die Inderziffern für die einzelnen Gruppen betragen(1913—14 gleich 100): für Ernährung 154.2, für Wohnung 126.3, für Heizung und Beleuchtung 151,2 für Bekleidung 171.1 für den „sonstigen Bedarf“ einschließlich Verkehr 192,1. Fahrt mit dem brennenden Mäbelbagen. wtb. Nauen, 30. Sept.(Tel.) Ein von Berlin kommendes großes Möbeltransportauto, das mit Möbeln beladen war, geriet auf der Hamburger Chaussee bei Friesack in Brand. Mehrere Kilometer fuhr der brennende Wagen, ohne daß der Führer etwas bemerkte. Im letzten Augenblick konnte er sich retten. Das Auto mit den Möbeln und mehrere Chausseebäume brannten nieder, trotzdem die Feuerwehr schnell zur Stelle war. Ein Faß Benzin konnte noch rechtzeitig gerettet werden. Der Teer und der Asphalt der Straße schmolzen. Die Reste des Autos wurden als Alteisen nach Nauen gebracht. Zum Tode verurteilt. Schwerte(ahe, Dienstag, den 1. Ookober 1900 IO. Johrggng Der Reichstag berät über die Reform Der Arbeilelesendersicherung wtb. Halberstadt, 30. Sept.(Tel.) Das Schwurgericht verurteilte heute den Maurer Friedrich Reins wegen Ermordung seines Sohnes zum Tode und zu lebenslänglichem Ehrverlust und wegen Notzuchtversuchs und Körperverletzung zu 2½ Jahren Zuchthaus. Reins hatte im Sommer auf dem Brocken seinen Sohn ermordet und zwar angeblich, weil sein Sohn die gleichen verbrecherischen Reigungen zeigte, wie er selbst. Auf dem Rückweg von der Mordstelle begegneie er zwei Berliner Damen, an denen er einen Notzuchtversuch unternahm. Als die Damen sich zur Wehr setzten, schlug er sie mit dem Revolver nieder. Sicherungsring der Schupo um das Reichstagsgebäude. 99. Sitzung des Reichstages. vdz. Berlin, 30. Sept.(Tel.) Die mit großer Spannung erwartete kurze Tagung des Reichstages zur Erledigung der Reform der Arbeitslosenversicherung nahm heute ihren Ansang. Die Tatsache, daß von den Kommunisten in den letzten Tagen eine außerordentlich lebhafte Propaganda gegen die Reformversuche der Regierung entfaltet worden ist, hatte die Berliner Polizeiverwaltung veranlaßt, für die heutige Reichstagssitzung außergewöhnliche Sicherungsmaßnahmen zu treffen. Mehrere hundert Schutzpolizisten bildeten um das Reichstagsgebäude einen ausgedehnten Sicherungsring. Die Straßenbahnen durften an den Haltestellen vor dem Reichstag nicht halten. Nur nach dreimaliger strenger Kontrolle konnte man Einlaß in das Parlamentsgebäude finden. Die Tribünen waren dennoch dicht besetzt. Verlauf der ersten Sitzung. Vizepräsident Esser eröffnete die Sitzung mit einem von den Abgeordneten stehend angehörten Nachruf für die seit der letzten Sitzung verstorbenen Abgeordneten Lünenschloß(W. P.), Höllein (Komm.), Hermann Schulz(Soz.) und Kulenkampf (DVp.) und die frühere deutschnationale Abg. Frau Margarete Behm. Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt die erste Beratung der Vorlagen zur Reform der Arbeitslosenversicherung. Die eine Vorlage enthält die weniger umstrittenen allgemeinen Verbesserungen, die andere, die im Reichsrat angenommenen bis zum 31. März 1931 befristeten Aenderungen, die u. a. eine Sonderbehandlung der Saisonarbeiter bringen.. Htrast, Li. Wbsatzu. Abg. Stöcker(Komm.) beantragte die Absetzung der Vorlagen von der Tagesordnung. Die Arbeiterschaft habe kein Interesse an der Beratung dieses neuen Raubzuges gegen die Erwerbslosen. Die kommunistische Fraktion protestiere weiter dagegen, daß heute mehr als 200 Schupobeamte im und um den Reichstag herum aufgeboten seien, um das Klassenparlament zu schützen.(Rufe bei den Komm.: Nieder mit Zörgiebels Bluthunden!) Die kommunistische Fraktion verlange die Beratung ihrer Anträge auf Einführung des Siebenstundentages und die Besprechung des Youngplanes. Der kommunistische Antrag wird gegen Kommunisten und Nat.=Soz. abgelehnt. Abg. Graf Westarp(DN.) erklärte, seine Freunde behielten sich vor, heute abend die Besprechung der Haager Verhandlungen für Dienstag zu beantragen. Die hierauf beginnende erste Beratung der Vorlagen zur Reform der versicherung wurde eingeleitet durch eine Rede des Reichsarbeitsministers Wissell, der von den Kommunisten mit höhnischen Zurüfen empfangen wurde. Minister Wissell ging auf die Vorgeschichte der Vorlagen ein und erläuterte die Punkte, in denen die erste Regierungsvorlage von den Vorschlägen des Sachverständigenausschusses abgewichen ist. Dem Reichsrat gebühre Dank für den Ausweg, den er mit seiner Vorlage aus den Schwierigkeiten gesucht habe, die sich bei der Parteienbesprechung über die erste Regierungsvorlage ergeben hatten. Mißbräuche der Arbeitslosenversicherung, so fuhr der Minister fort, sind zweifellos vorgekommen, aber sie sind in der Oeffentlichkeit stark aufgebauscht worden. Die Arbeitslosenversicherung hat sich als Ganzes bewährt. Die Regierung rückt ausdrücklich ab von der Behauptung, daß die Arbeitslosenversicherung die Arbeitsmoral des ganzen Volkes untergraben habe. Die Versicherung hatte gerade in der ersten Zeit mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz war von vornherein in manchen Punkten verbesserungsbedürftig. Diese Verbesserungen bringt der eine von den heute vorliegenden Entwürfen. Er definiere den Begriff „Arbeitslosigkeit". Ueber diesen Entwurf werden große Meinungsverschiedenheiten kaum bestehen (Widerspruch bei den Kommunisten.), zumal seine Bestimmungen zugunsten der Arbeitslosen weit über das hinausgehen, was beispielsweise in Rußland besteht. Die zweite bis zum 31. März 1931 befristete Vorlage will das Mißverhältnis ausgleichen, das jetzt zwischen den Einnahmen und Ausgaben der Arbeitslosenversicherung besteht. Die Versicherung schuldet heute dem Reich 250 Millionen Rm. Im kommenden Winter wird der Ausgabenbedarf die Einnahmen wesentlich übersteigen. Nach dem Jahresdurchschnitt von 1926 bis 1928 ist mit einer Arbeitslosenzahl von 1,1 Millionen zu rechnen. Auf dieser Grundlage ergibt sich bei der Arbeitslosenversicherung ein Fehlbetrag von rund 270 Millionen Rm. Der befristete Entwurf will diesen Fehlbetrag abdecken durch eine Kombination von Ersparnissen und Erhöhungen der Einnahmen.(Unruhe und Zurufe bei den Kommunisten.) Auch dann gehen die Leistungen unserer Arbeitslosenversicherung noch um das achtfache über das hinaus, was in Rußland für die Arbeitslosen geleistet wird. Ueber den in der Vorlage vorgeschlagenen Abbau der Leistungen will die Regierung nicht hinausgehen. Jede weitere Kürzung der Unterstützungen würde die Kaufkraft von Millionen der Bevölkerung schwächen und damit die Gesamtwirtschaft schädigen. In einzelnen Punkten weicht die Regierungsvorlage von der Reichsvorlage ab, dabei handelt es sich um Fragen, die weniger finanzielle als grundsätzliche Bedeutung haben. Die Regierung erwartet nicht, daß ihre Entwürfe restlose Befriedigung schaffen werden, sie sieht aber in ihnen einen gangbaren Weg zur Lösung der uns hier beschäftigenden großen Fragen. Zustimmung der Sozialdemokraten. Abg. Graßmann(Soz.) führt aus, das gegenwärtige Wirtschaftssystem führe naturgemäß zu einer großen Arbeitslosenzahl. Der außerordentlich harte Winter hat einen Notstand geschaffen, dessen Folgen nicht der Versicherungsanstalt aufgebürdet werden dürften, sondern für die der Staat eintreten muß. Die Wirtschaft, die eine Reservearmee von Arbeitslosen braucht, muß auch zur Erhaltung dieser Armee Reservemittel aufbringen. Der Abbau der Sozialpolitik würde zu wirtschaftlich=politischen Katastrophen führen mit unübersehbaren Folgen. Das Defizit in der Arbeitslosenversicherung ist erzeugt worden durch Ereignisse, die nicht in der Versicherung selbst lagen. Eine Sanierung in der Weise, daß die Leistungen in eine Relation zu den Beiträgen gebracht werden, lehnen wir ab. In England hat man mit diesem System schlechte Erfahrungen gemacht. Die Wirtschaft lehnt nicht nur eine Beitragserhöhung ab, sondern sie vermehrt durch ihre Maßnahmen noch die Zahl der Arbeitslosen. Durch das Zusammenlegen der Produktion verlieren immer mehr Arbeiter ihre Beschäftigung. Bei der letzten großen Bankenfusion sind viele hundert Bankangestellten abgebaut worden, während die Spitzenstellungen nicht vermindert werden. Ein Bankdirektor erhälts soviel wie 200 bis 300 Bankangestellte. Die Bankangestellten verlangen mit Rechi, daß die abgebauten älteren Angestellten pensioniert werden, damit sie nicht den Arbeitsmarkt neu belasten. Die angeblich notleidende Wirtschaftlich sollte erst einmal abbauen die unverhältnismäßig vielen Aufsichtsratsposten mit den unverhältnismäßig hohen Gehältern. Ein Aufsichtsrat bei Siemens& Halske erhält 74.000 Mark im Jahre.(Hört, hörtk bei den Soz.) Die Wirtschaft ist sehr wohl in der Lage, eine Beitragserhöhung um 1 Prozent bei der Arbeitslosenversicherung zu tragen. Wäre diese von uns ursprünglich beantragte Erhöhung beschlossen worden, dann wäre das Defizit der Reichsanstalt längst gedeckt. Wir halten die in der Vorlage enthaltene befristete Beitragserhöhung nicht für ausreichend, werden ihr aber zustimmen. Das Defizit müßte damit verschwinden, vorausgesetzt, daß die Wirtschaft nicht die Methode fortsetzt, ihre Gestehungskosten zu vermindern und die Lasten dafür der Zilllrause nuch 1 Führen. Acht Montenegriner niedergemetzelt. wtb. Belgrad, 1. Okt.(Funkspruch.) Ein surchtbares Blutbad ist von einer albanischen Räuberbande auf der Landstraße bei Ipek im Sandschal unweit der albanischen Grenze angerichtet worden. Die Bande überfiel eine Anzahl montenegrinischer Kolonisten, die sich dort niedergelassen hatten, und metzelte acht von ihnen nieder. Bei den Leichen fand man einen Zettel mit den Worten:„Das ist die Rache für das Jahr 1912“. In diesem Jahre hatten zwischen albanischen und montenegrinischen Grenzstämmen Kämpfe stattgesunden und die ermordeten Kolonisten waren sämtlich Mitglieder dieses montenegrinischen Stammes. Es sind sofort umfassende Nachforschungen nach der Bande eingeleitet worden. Allgemeinheit aufzubürden. Wir sind für die Ausschaltung der Mißbräuche, für die befristete allgemeine Beitragserhöhung und für die Herabsetzung der Saisonarbeiterunterstützung auf die Höhe der Krisenunterstützung. Wir sind aber gegen eine allgemeine Verlängerung der Wartezeit, gegen eine besondere Wartezeit für Saisonarbeiter und gegen eine besondere Beitragserhöhung für die Saisonarbeiter. Die Deutschnationalen lehnen Beitragserhöhung ab. Abg. Dr. Rademacher(Dtl.) weist daraufhin, daß die Geißel der Arbeitslosigkeit einschließlich der städtischen Fürsorgegelder im letzten Etatsjahr im deutschen Volke 1650 Millionen gekostet habe. Für die parlamentarische Leidensgeschichte der jetzigen Vorlage fehle der parlamentarische Ausdruck. Erst der Reichsrat habe die der Reichsregierung völlig fehlende Initiative übernehmen müssen. Der Redner nennt die vorliegenden Entwürfe einen Torso, dessen Beratung man einer gesetzgebenden Körperschaft nicht zumuten sollte. Gegenüber dem fehlenden Mut der Reichsregierung müsse festgestellt werden, daß bei der Arbeitslosenversicherung auch auf Arbeitnehmerseite zahlreiche Mißbräuche bestehen, so die Arbeitsverweigerung ohne genügenden Grund, Sabotierung übernommener Arbeit usw., vor allem aber der Anreiz, sich Renten auf Kosten der Allgemeinheit zu verschaffen Der Redner lehnt jede Erhöhung der Beiträge ab. Die Befristung stelle eine auf mangelnden Mut beruhende Unehrlichkeit dar. Auch die Landwirtschaft habe schwere Bedenken gegen die Gesetze. Das Zentrum wünscht stärkere Seibstverwaltung. Abg. Dr. Perlitius(Ztr.) gibt eine Erklärung ab, in welcher die Zentrumsfraktion den ersten der beiden Regierungsentwürfe begrüßt, weil sie in ihm eine Handhabe sieht, um die zu Tage getretenen Mißbräuche der Arbeitslosenversicherung zu beseitigen, soweit dies überhaupt durch Gesetzesvorschriften möglich sei. Wenn auch diese Vorlag in einigen Punkten, wie z. B. bei der Wartezei# und der Anrechnung der Sozialrenten auch den Zentrum noch abänderungsbedürftig erscheine, so dürfte es doch in erster Linie Aufgabe der SelbstF9=Zug verunglückt in Mainz. wtb. Mainz, 30. Sept.(Tel.) Der von Berlin kommende Fern=D=Zug 264 fuhr heute nachmittag um 14.45 Uhr kurz vor der Einfahrt in den Mainzer Hauptbahnhof dem auslaufenden Güterzug 8711 in die Flanke. Die Lokomotive des Schnellzuges entgleiste. Mehrere Wagen des Eüterzuges wurden zertrümmert. Zwei Reisende und drei Postbeamte wurden leicht verletzt. wtb. Mainz, 30. Sept.(Tel.) Wie von der Reichsbahndirektion zu dem bereits gemeldeten Zugzusammenstoß im Mainzer Hauptbahnhof ergänzend mitgeteilt wird, hat der Fernschnellzug 462 das Einfahrtssignal bei Stellwerk VI im Bahnhof Mainz überfahren und ist infolgedessen dem ausfahrenden Güterzug in die Flanke gerannt. Die Verletzungen der drei Postbeamten und der beiden Reisenden sind leichterer Natur. Beide Hauptgeleise mußten infolge des Ereignisses mehrere Stunden gesperrt bleiben. Der Verkehr wurde durch Umleitung aufrechterhalten. wtb. Mainz, 1. Okt.(Funkspruch.) Bei dem Zugzusammenstoß in Mainz wurden sieben Wagen des Leerzuges, der mit dem FD=Zug zusammenstieß, vollkommen zertrümmert. Die Unfallstelle ist ein Chaos von verbogenen Eisenteilen, in den Boden eingewühlter Wagenräder und zersplitterter Holzteile. Die Lokomotive des FD=Zuges und der Tender entgleisten, die Lokomotive selbst legte sich auf die Seite und setzte Wagentrümmer in Brand. Ein Hilfszug mit Sanitätspersonal und der Feuerwehr war bald zur Stelle. Während der sofort begonnenen Aufräumungsarbeiten mußten immer wieder die hervorschlagenden Flammen gelöscht werden Der FD=Zug wurde umgeleitet und traf mit zweistündiger Verspätung im Mainzer Hauptbahnhof ein. Die Aufräumungsarbeiten gestalteten sich sehi schwierig, da die ineinander verfilzten Eisenteile mit Schweißapparaten zerschnitten werden mußten. Glücklicherweise waren in dem verunglückten Zug keine Reisenden. Der Bahnpostwagen des FDZuges, der an der Unfallstelle zurückblieb, wurde wenig beschädigt; er war mit elf Beamten des Bahnpostamtes 15 Oberhausen besetzt. Der Oberpostsekretär Schliti hat Brustquetschungen und eine schwere Gehirnerschütterung erlitten und ist noch immer ohne Bewußtsein. Der Postassistent Horn hat eine leichte Gehirnerschütterung davongetragen. * Eisenbahnunsack in Bad Oldesloe. wtb. Lübeck, 30. Sept.(Tel.) Nach einer Mitteilung der Direktion der Lübeck=Buechener=Eisenbahngesellschaft ist in der Nacht zum Sonntag an der Brückenbaustelle am Ende des Bahnhofs Bad Oldesloe, die zurzeit eingleisig befahren wird, der von Hamburg nach Lübeck verkehrende Eilzug auf den von Lübeck nach Hamburg fahrenden Eilzug aufgestoßen, da der Lokomotivführer des von Hamburg kommenden Zuges das Signal überfahren hatte. Die Geschwindigkeit beider Züge war bei dem Zusammenstoß gering, so daß nur die Lokomotive mit einer Achse entgleiste. Verletzungen von Personen wurden außer einer leichteren Verletzung nicht festgestellt. Der Maierialschaden ist nicht von Bedeutung. Beide Züge erlitten mehrstündige Verspätungen. Der Lokomotivführer des Hamburg—Lübecker Zuges wurde zunächst aus dem Zugdienst zurückgezogen. verwaltung sein, bei der Ausführung des Gesetzes Mißstände zu beseitigen. Die Erfahrungen bei den mannigfachen Sanierungsversuchen für die Versicherungsanstalten und die Verhandlungen der letzten vier Monate veranlaßten die Fraktion, diesen Wunsch nach stärkerer Selbstverwaltung auszusprechen.„„ Dieselbe Steuungnahme habe die Frartion auch zu der zweiten Vorlage mit den befristeten Reformen. Sie bedauere es außerordentlich, daß ihr Bemühen und das Bemühen auch anderer Parteien und namhafter Sozialpraktiker gescheitert sei, diese Reform durch sozial tragbare Vorschläge herbeizuführen. Sie hofse, daß das immer noch möglich sei. Die Fraktion werde daher ihre Mitarbeit weiter zur Verfügung stellen. Polemik der Kommunisten. Abg. Rädel(Komm.) wirft dem Arbeitsminister Wissell vor, er habe trotz seiner Stellung als Führer der freien Gewerkschaften in seiner Eigenschaft als Minister das Material für den reaktionären Vorstoß gegen die Arbeitslosen geliefert. Es bestehe bei den Regierungsparteien eine Einheitsfront gegen die Arbeitslosen. Das Problem sei nur„wie sag' ich's meinem Kinde". Das Geschrei nach Deckung des Defizits der Reichsanstalt solle nur eine Möglichkeit zur Ueberschußwirtschaft schaffen, wie sie in allen Zeit der Sozialversicherung getrieben wurde. Grundsätzliche Forderungen der Abg. Pfeffer(DPV.) wird von den Kommunisten mit dem Rufe„Oberscharfmacher" empfangen, worauf Vizepräsident von Kardorff den Zwischenrufer zur Ordnung ruft. Abg. Pfeffer betonte, leider habe man noch immer nicht verhindert, daß erwerbstätige Ehefrauen, deren Männer auch verdienen, bei Arbeitslosigkeit Unterstützung beziehen können. Es müsse nicht immer jeder kleine eintretende Notfall in die Versicherung einbezogen werden(Widerspruch bei den Sozialdemokraten), damit man besser die großen Fälle betreuen könne.(Zustimmung bei der DVP.) Die Deutsche Volkspartei leitet aus dieser ihrer grundsätzlichen Auffassung die Forderung nach Verlängerung der Wartezeit her, sodaß Fälle von zweibis dreiwöchiger Erwerbslosigkeit versicherungsfrei bleiben. Weiter verlangten seine Freunde eine bessere Relation zwischen Beitragshöhe und Unterstützung. Die volksparteilichen Kürzungsanträge gingen von der Erwägung aus, daß einmal auch viele Saisonarbeiter sich außerhalb ihrer Saison Beschäftigung verschaffen können und daß andererseits die Leistung des Saisonarbeiters zur Versicherung nur gering sei. Für später müsse man, da in den nächsten Jahren mit einem Sinken der Arbeitslosigkeit nicht zu rechnen sei, Sonderkassen für Angestellte und die Zulassung der Ersatzkassen fordern. Die Deutsche Volkspartei könne auf diese ihre arundsätzliche Forderungen nicht verzichten. Untgeinemoin wtb. Frankfurt a. M., 30. Sept.(Tel.) In der heutigen außerordentlichen Generalversammlung der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs=A.=G. lagen über 1000 Anmeldungen von Aktionären vor. Die Versammlung wurde mit ¾ stündiger Verspätung eröffnet und mit ihrer Leitung der Präsident des Hansa=Bundes, Reichstagsabg. Fischer, betraut. Den Aktionären wurde ein Bericht des Aufsichtsrates über die Lage des Konzerns überreicht, der gleichzeitig einen Rechtfertigungsversuch des Aufsichtsrates enthält. 1004 Pt# Danach wies die im Jahre 1921 vorgelegte Goldbilanz ein Goldmarkkapital von 20 Millionen Reichsmark aus, wovon fünf Millionen Reichsmark mit 25 Prozent eingezahlt waren. Dem Aufsichtsrat sei erst jetzt zur Kenntnis gekommen, daß im Reichsaufsichtsamt gegenüber der Goldbilanz Bedenken aufgetaucht seien. Der heute vorgelegte Status sei den heutigen Verhältnissen entsprechend aufgestellt und ergäbe auf Grund der Prüfung der Süddeutschen Revisions= und Treuhand=A.=G. in Mannheim einen Verlust von 38.5 Millionen Reichsmark, denen als Aktiven das eingezahlte Kapital mit 21,1, die offenen Reserven mit 8,9, der vorläufig geschätzte Kauspreis der Allianz mit 15, zusammen also 45 Millionen Reichsmark. gegenüberstünden. sodaß ein Aktivsaldo von 6.5 Millionen verbliebe. Von den entstandenen Verlusten entfielen 15 Millionen Reichsmark auf die Absatzfinanzierung, 5 Millionen Rm. auf die Beteiligung bei der Südwestdeutschen Bank, 25 Millionen Rm. auf Hypothekenaufwertungsgarantieen. 3.5 Millionen Rm. auf Finanz=Kreditbürgschaften, 1,2 Millionen Rm. auf Abschreibungen auf Aktivhypotheken und der Rest auf direkte Kreditgewährung und verschiedene Umbewertungen in der Bilanz. Zur Rechtfertigung des Aufsichtsrates wird in dem Bericht ferner darauf hingewiesen, daß durch das Anwachsen der Favag und ihr Erstarken zu einem großen Konzern die dem Aufsichtsrat vom Gesetz zugewiesenen Aufgaben eine gewisse Begrenzung erfahren hätten. Nach dem Bericht des WTB=Handelsdienst ergibt die Präsenzliste die Anwesenheit von 990 Aktionären mit 20,6 Millionen Reichsmark Kapital und 51 503 Stimmen. Der Leiter der Versammlung, Dr. Fischer machte dann einige Angaben über diese Veräußerung von Vermögenswerten. Danach ist, wie bekannt, die gesamte Sachversicherung von der Allianz übernommen worden, wofür allerdings der Kaufpreis noch nicht endgültig feststeht. her verlesenen Status sind dafür 15 Millionen Reichsmark eingesetzt. Veräußert wurden 1,8 Millionen Gesamtkapital der Frankfurter Lebensversicherung von 100 Prozent, 1,85 Millionen Aktien der Berlinisch=Preußischen, Lebensversicherung, 866000 Nm. Aktien der Karlsruher Lebensversicherung, beide an die Münchener Rückversicherung, für insgesamt 8,47 Millionen, ferner zwei Millionen mit 25 Prozent eingezahlter Aktien der AachenLeipziger Versicherung aus dem Besitz der Favag, sowie 1,8 Millionen der gleichen, aus dem Besitz der Helios=Gesellschaft, zu 130 Prozent. Dann kamen in der Hauptversammlung die Aktionärvertreter zu Wort, die begreiflicherweise in manchmal recht scharfer Form das Verhalten des Vorstandes und Aufsichtsrates kritisierten. In den Ausführungen der Aktionäre kam nach dem WTB=Handelsdienstbericht überwiegend die Meinung zum Ausdruck, daß erst nach Wahl einer Revisionskommission weitere Maßnahmen in einer späteren H.=V. beschlossen werden könnten. Ueber die Wahl der Revisionskommission entspannen sich längere Erörterungen. Nachdem verschiedene Anträge abgelehnt waren, wurde schließlich eine sechsköpfige Revisionskommission gewählt, der Prof. Dr. Apt(Berlin). Bankier Feibel(Frankfurt a.M.), Präsident Dr. Fischer(Berlin), Kommerzienrat Manasse(Berlin). Prof. Dr. Trumpler(Frankfurt a. M.) und Dr. Kolp(Zürich) angehören. Wirtschaftsvartei. Abg. Freidel(WV.) äußert die Bedenken seiner Freude wegen der Bereitstellung von 150 Millionen aus der Anleihe für die anderen Versicherungsanstalten für die Arbeitslosenversicherung. Dieses den armen Invaliden und den Angestellten genommene Geld werde die Arbeitslosenversicherung wohl nicht zurückzahlen können. Die Wirtschaftspartei wünsche, daß sich die Reichsanstalt aus sich selbst heraus saniere. Die wichtigste Aufgabe sei, den Arbeitslosen Arbeit und damit auch Brot zu geben, das könne geschehen durch Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft und der damit verbundenen Belebung des Baugewerbes. Im Baugewerbe sollte im Sommer, wo die Bauarbeiter überhaupt nur tätig sein können, die Arbeitszeit erhöht werden. Die in der Vorlage vorgesehene besondere Beitragserhöhung für Saisonberufe sei unannehmbar. Die Demokraten verlangen Stellungnahme der Regierungsparteien. Abg. Dr. Haas(Dem.) gab für seine Fraktion eine Erklärung ab, in der die Aufrechterhaltung der Arbeitslosenversicherung als selbstverständlich bezeichnet wird. Gerade deswegen sei aber die Beseitigung offenkundiger Mißstände notwendig. Der große Gedanke der Arbeitslosenversicherung sei nur dann verwirklicht, wenn die Versicherung sich selbst trage. Der Redner nennt es unerträglich, daß bis jetzt für die Reform eine einheitliche Stellungnahme der Regierungsparteien nicht vorhanden sei, und daß die Regierung den Fraktionen überlassen wolle, wie die Reform zu gestalten sei. Es sei mit den parlamentarischen Zuständen nicht vereinbar, daß die Regierung nicht führe. Solange die Regierung nicht führend die Regierungsparteien zu einer einheitlichen Stellungnahme gebracht habe, müsse sich die demokratische Fraktion ihre Entschließung in allen Einzelheiten vorbehalten. Redner. Abg. Schwarzer(Bayr. Vp.) erklärte, die Beschwerden über Mißbräuche seien stark übertrieben. Eine zu weit gehende Kürzung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung würde ihren Zweck verfehlen, weil dadurch die Wohlfahrtslasten der Gemeinden unerträglich gesteigert würden. Die Bayrische Volkspartei behalte sich ihre Stellungnahme zu den Regierungsvorlagen bis zum Abschluß der zweiten Lesung vor. Abg. Hense(Christl.=nat. Bauernp.) lehnte in einer kurzen Erklärung seiner Gruppe die Regierungsvorlage ab. Damit ist die Aussprache geschlossen. Die zweite Lesung beginnt Dienstag mittag. Vizepräsident Esser schlägt vor, die zweite Lesung am Dienstag, 12 Uhr, zu beginnen. Abg. Stöcker(Komm.) widersprach diesem Vorschlag und beantragte die Beratung sozialpolitischer Anträge seiner Freunde. Abg. Graf Westarp(DN.) beantragte die Absetzung der Arbeitslosenversicherung von der Tagesordnung. Statt dessen sollte ein deutschnationaler Antrag beraten werden, der die Regierung ersucht, den Youngplan nicht vor dem Abschluß der Volksabstimmung zu ratifizieren. Die Gutachten der deutschen Sachverständigen müßten veröfsentlicht werden. Abg. Dr. Frick(Nat.=Soz.) verlangte gleichfalls die sofortige Beratung des Youngplanes. Die Anträg: der Kommunisten, Deutschnationalen und Nationalsozialisten wurden abgelehnt. Um 9 Uhr wurde dem Vorschlag des Vizepräsidenten zugestimmt, daß am Dienstag, 12 Uhr mittags, die zweite Beratung der Reform der Arbeitslosenversicherung beginnen soll. Ein Vermittlungsvorschlag der redierung. pw. Berlin, 1. Okt.(Funkspruch.) Nachdem der Reichskanzler die Vertreter der Regierungsparteien nach Fraktionen getrennt empfangen und befragt hatte, trat um 7 Uhr nachmittags, dem„Berl. Tagebl.“ zufolge, im Reichstag ein Ministerrat zusammen, in dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann den Vorschlag machte, die Regierungsparteien möchten sich dahin verständigen, den Hauptstreitpunkt in der Arbeitslosenreform, nämlich die Frage der Beitragserhöhung, bis nach der Ratifizierung der Younggesetze und bis zur Erledigung der Finanzreform zurückzustellen, die dem Young= plan unter allen Umständen auf dem Fuße folgen muß. Dieser Vorschlag wird heute vormittag vom Reichskanzler den Führern der Regierungsparteien unterbreitet werden; man denkt daran, die Regierungsparteien dazu zu bestimmen, in einer gemeinsamen Resolution die Streitfrage auf diesem Wege für die nächste Zeit aus der Welt zu schaffen. Die Glückwunschtelegramm des Reichskanzlers an den Reichsgerichtspräsidenten. wtb. Berlin, 30. Sept.(Tel.) Der Reichskanzler hat an den Reichsgerichtspräsidenten Dr. Bumke in Leipzig nachstehendes Glückwunschtelegramm getondt „Dem Reichsgericht, das am heutigen Tage auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken kann, sende ist in Würdigung seiner hohen Verdienste zum heutigen Jubiläumstage aufrichtige Glückwünsche. Möge es, erfüllt vom Geiste höchster Gerechtigkeit und getragen vom Vertrauen des deutschen Volkes, alle Zeit wirken zum Wohle des Reiches.“ wtb. Berlin, 30. Sept.(Tel.) Zu der Frage der Zündholzwirtschaft wird uns von den zuständigen Ressorts mitgeteilt, daß eine Auslieferung der Zündholzindustrie an den Schwedentrust nicht in Betracht kommt, Verhandlungen darüber auch niemals geführt worden sind. Es handelt sich vielmehr um folgendes: Die unhaltbare Lage aller in Deutschland produzierenden Zündholzfabriken und die damit verbundenen Gefahren der Stillegung und weiteren Ueberfremdung machen eine Neuordnung der Zündholzwirtschaft unvermeidbar. In diesem Zusammenhang ist die Frage einer Gegenleistung des Schwedentrusts für die Verbesserung der Lage des Zündholzsyndikates und damit auch der von den Schweden in Deutschland betriebenen Fabriken in Form einer Anleihe Gegenstand von Erörterungen gewesen. Die Neuregelung der Zündholzwirtschaft kann im übrigen nur durch Gesetz erfolgen. Veröffentlichung der Verordnung über das Volksbegehren. wtb. Berlin, 30. Sept.(Tel.) Im Reichsanzeiger vom 1. Oktober 1929 wird eine Verordnung des Reichsministers des Innern vom 30. September 1929 veröffentlicht, in der das vom„Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren" beantragte Volksbegehren bekanntgegeben und die Eintragungsfrist auf die Zeit vom 16. bis 29. Oktober 1929 festgesetzt wird. Der Reichsminister des Innern hat hierdurch den Vorschriften des Gesetzes über den Volksentscheid vom 27. Juni 1921 entsprochen, ohne durch die Veröffentlichung zu dem Inhalt des beantragten Gesetzentwurfes irgendwie Stellung zu nehmen. Das Jubiläum des Reichsgerichts pw. Berlin, 1. Okt.(Funkspruch.) Anläßlich des Jubiläums des Reichsgerichts am 1. Oktober veröffentlicht die„Voss. Ztg.“ eine Kundgebung des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Bumke, in der es u. a. heißt: Eine neue Zeit hat neue Rechtsbedürfnisse und Rechtsprobleme geboren. Das ungeheure Geschehnis des Weltkrieges hat die Gedankenwelt, die sich im Rechte auswirkt, auf weiten Gebieten von Grund aus verändert. Der höchste deutsche Gerichtshof war und ist berufen, zu seinem Teile daran mitzuwirken, daß der brausende Strom der Entwicklung in die Bahnen des Rechtes gelenkt wird. Ob das Reichsgericht seiner Aufgabe immer und überall gewachsen war, darüber steht mir ein Urteil nicht zu. Eine spätere, ruhigere Zeit wird die großen Linien unserer Entwicklung klarer erkennen, als wir, die der Strudel des Erlebnis mit fortreißt. Erst dann wird ein gerechtes Urteil gesprochen werden können. Wohl aber darf ich aussprechen, daß die Richter des Reiches gleich allen deutschen Richtern nur ein Wille beseelt: An der Gestaltung der Gegenwart und der Zukunft unseres Vaterlandes mit aller Kraft mitzuarbeiten, als Diener des Volkes, dessen Söhne wir sind, als Diener des Staates, dessen edelstes Gut wir behüten, als Diener des Gesetzes, das die Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft bildet. wtb. Viersen, 1. Okt.(Funkspruch.) Gestern nachmittag wurde hier eine Falschmünzerwerkstatt ausgehoben. Die Fälscher, zwei Brüder und deren Kostgänger, wurden verhaftet. Hergestellt wurden in der Hauptsache Zwei= und Fünfmarkstücke.— Hierzu erfahren wir noch: An einer Trinthalle war ein Mann bei dem Versuch, ein falsches Fünfmarkstück umzusetzen, festgehalten worden. Die Kriminalpolizei begab sich sofort in die Wohnung des Betreffenden, wo kurz nachher die beiden Brüder erschienen, die von der Festnahme verständigt worden waren, um die Werkstatt zu beseitigen. Hierbei liefen sie der Kriminalpolizei, die im Hause verweilte, in die Arme, sodaß ihre Verhaftung sofort vorgenommen werden konnte. Raketenflug Fritz von Opels. wtb. Frankfurt a. M., 30. Sept.(Tel.) Auf dem hiesigen Flugplatz unternahm Fritz von Opel heute nachmittag einen Flugversuch mit einem Raketenflugzeug. Das Flugzeug ist ein Eindecker, dessen Leitwerk ähnlich wie bei Segelflugzeugen freitagend angebracht ist. Der Rumpf ist geschoßähnlich. Die Rakéten befinden sich hinter dem Führersitz. Nachdem heute vormittag bereits zwei Startversuche erfolgt waren, erfolgte der endgültige Start gegen 3 Uhr nachmittags in Anwesenheit weniger Personen, darunter des Raketenkonstrukteurs Sander. Das Raketenflugzeug stand auf einem durch Raketen angetriebenen Schlitten, der sich auf einer Startbahn aus Metall bewegte. Sobald die Raketen in dem Startschlitten eingeschaltet waren, schoß die Flugrakete von der Startbahn in die Höhe und entschwand den Blicken der Zuschauer hinter einer Rauch und Feuerwolke. Die Flugrakete umkreiste den Flugplatz in weitem Bogen und legte in etwa 50 Meter Höhe eine Strecke von ungefähr 10 Kilometer zurück. Besonders eindrucksvoll war die hohe Geschwindigkeit des Flugzeuges und der lange Rauchschweif. Nach einem steilen Sturzflug näherte sich das Flugzeug wieder dem Erdboden und wurde mittels Landeraketen nach wenigen Metern Auslauf zum Stehen gebracht. präsidium zugeführt. Ludwig de Leopold wird vorgeworfen, an den großen Hypothekenschwindeleien seines Bankagenten Schulz in Frankfurt a. O. beteiligt zu sein. Der Bankier bestreitet, von den Betrügereien seines Angestellten, die schon ein Jahr zurückliegen, etwas gewußt zu haben. Zu der Verhaftung des Bankiers de Leopold berichtet eine Berliner Korrespondenz: Die Internationale Kredit=A.=G. vermittelt durch Agenten An= und Verkauf von Hypotheken, besonders in den Kreisen der Landwirtschaft. Einer der Agenten, ein gewisser Schulz aus Frankfurt an der Oder, hatte vorgetäuscht, daß er größere Kredite zu einem Zinssatz von 6 Prozent auf die Dauer von 15 bis 20 Jahren aufbringen könne. Er müsse aber, um einen Zwischenkredit zu erlangen, die Hypotheken zunächst der Internationalen Kredit=A.=G. übergeben, von der sie nach Ablauf eines Jahres zuzüglich 8 Proz. Zinsen zurückgekauft werden könnten. Als er seine Versprechungen einlösen sollte, kamen seine Machenschaften ans Licht. Schulz behauptet, daß Bankier de Leopold der eigentliche„Drahtzieher" gewesen sei. Diese Beschuldigungen wurden vom Landgericht in Frankfurt a. d. O. als so schwerwiegend angesehen, daß ein Haftbefehl erlassen wurde. de Leopold bestreitet jedes Verschulden und erklärt, daß er von den Geschäften des Agenten Schulz nichts gewuß habe. Ein Frauenmord in Düsseldorf. wp. Düsseldorf, 30. Sept.(Tel.) Heute in den frühen Morgenstunden fanden Arbeiter oberhalb des Pappelwäldchens auf dem Rheindeich von Düsseldorf=Oberkassel nach Mönchenwerth, wo s. Zt. die Hausangestellte Gertrud Schulte durch zehn Messerstiche von einem bisher unbekannten Täter lebensgefährlich verletzt wurde, die Leiche einer etwa 30—40jährigen Frau auf. Anscheinend ist der Toten der Schädel mit einem Stein zertrümmert worden. Zu der Mordtat im Vorflutgelände in Oberkassel erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Die Tote lag etwa 50 Meter vom Rheinufer entfernt. Durch Blut kenntliche Schleifspuren ließen erkennen, daß die Ermordete vom Rheindamm am sogenannten Pappelwäldchen bis zur Fundstelle geschleppt worden war. Es handelt sich um eine unbekannte Frau, deren Alter zwischen 30 und 40 Jahren schwanken mag. Als Todesursache wurden acht schwere Verletzungen am Kopfe festgestellt. Der Schädel weist an beiden Seiten erhebliche Verletzungen auf. Unter den Kopfhaaren befinden sich mehrere Hautdurchtrennungen, und anscheinend ist auch das Schädeldach zertrümmert. Bei den Verletzungen handelt es sich vermutlich um Schläge mit einem scharfen, kantigen Gegenstand. Die Tat dürfte nach der Bekundung des Gerichtsarztes etwa um 2 Uhr nachts begangen worden sein. Sonstige Verletzungen wurden an der Leiche nicht festgestellt. Entdeckt wurde die Tat durch einen Wasserbauarbeiter, der sofort die Polizei benachrichtigte. Die Mordkommission fand bei Absuchung des Geländes in der Nähe des Tatortes einen im Freien schlafenden Erwerbslosen, der aber angab, während der Nacht nichts Verdächtiges gehört zu haben. Am Tatort meldete sich ein junger Mann, der die Tote gestern abend mit einem 28jährigen Mann, der eine Brille trug, gesehen haben will. Ein Berliner Bankier verhaftet. pw. Berlin, 30. Sept.(Tel.) Der 52jährige Bankier Ludwig de Leopold, der Mitinhaber und erste Direktor der Internationalen Kredit=A.=G., Friedrichstraße 77, wurde Montag vormittag auf Antrag der Oberstaatsanwaltschaft Frankfurt a. O. in seiner Berliner Wohnung verhaftet und sofort dem Vernehmungsrichter im Berliner PolizeiRut, und Fern. Elberfelder Viehmarkt. * B u l m e n= E l b e r f e l d, 3 0. S e p t. N a c h d e m B e r i c h t d e r amtlichen Notierungs=Kommission am Schlachtviehmarkt Elberfeld vom 30. September 1929 betrug der Auftrieb: 836 Stück Großvieh, davon 318 Ochsen, 46 Bullen, 247 Kühe, 98 Färsen(Kalbinnen), 127 Fresser, 457 Kälber, 35 Schafe, 2001 Schweine.— Dem Schlachthof im Laufe der Woche unmittelbar zugeführt: 2 Ochsen, 11 Bullen, 28 Kälber, 1 Schaf, 533 Schweine.— Preise: Ochsen: 57—59, 52—56, 45—50. Bullen: 52—54, 46—50, 40—45. Kühe: 48—52, 40—46, 30—38, 20—30. Färsen: 52—56, 46—50 40—44. Fresser: 40—45. Kälber: 80—85, 65—75, 50—60. Schafe:—. Schweine: 89—91, 87—89, 84—86. Sauen: 70—81. Großfeuer auf dem Eichsfeld. wib. Kassel, 30. Sept.(Tel.) In Steinbach bei Heiligenstadt brach heute früh Feuer aus, dem in kurzer Zeit drei Gehöfte zum Opfer fielen. Die Flammen ergriffen dann auch den Kirchturm. Dach und Glockenstuhl verbrannten, und schließlich stürzten die Glocken unter furchtbarem Getöse in die Tiefe. Sämtliche Feuerwehren der Nachbarorte, sowie die Motorspritze der Stadt Worbis wurden aufgeboten. Im Laufe des Vormittags war die Niederkämpfung des Brandes noch nicht gelungen. Gewaltige Vorräte an Getreide und Futtermitteln und viele landwirtschaftliche Maschinen sind vernichtet. Das Vieh konnte gerettet werden. Freitod eines Breslauer Produktenmaklers. wtb. Breslau, 30. Sept.(Tel.) Der Agent an der hiesigen Produktenbörse und Mitglied des Börsenvorstandes, Sigismund Morgenstern, ist gestern, wie WTB=Handelsdienst meldet, freiwillig aus dem Leben geschieden. Der Grund dürfte in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu suchen sein. In unterrichteten Kreisen wird dieser tragische Fall mit der im schlesischen Maklergewerbe bekanntlich bestehenden Notlage in Zusammenhang gebracht. Ein deutscher Flieger beim Fallschirmabsprung in Amerika getötet. wtb. Mount Kisko(Neuyork), 30. Sept.(Tel.) Der kürzlich aus Deutschland, eingewanderte Flieger Paul Wintermeier ist bei einem Fallschirmabsprung aus einem#ugzeug, das sich in 500 Meter Höhe befand, insolge Versagens des Fallschirmes ums Leben gekommen. Nichrichtendienst=Taru, Länderkonferenz über den Youngplan. pw. Berlin, 1. Okt.(Funkspruch.) Die Reichsregierung hat, laut„Voss. Ztg.“, die Ministerpräsidenten der Länder zu einer Konferenz über den Youngplan für Donnerstag nach Berlin eingeladen. Deutscher Kompaß auf englischem Kriegsschiff. pw. Berlin, 1. Okt.(Funkspruch.) Wie der englischen Oeffentlichkeit erst jetzt bekannt wird, ist das Prunkstück der englischen Marine, das neue Linienschiff„Nelson“, mit einem deutschen Kompaß ausgerüstet. Dies hat, nach einer Blättermeldung aus London, ein Mstr. Brown, der Erfinder eines englischen Kreiselkompasses entdeckt. Die„Nelson" war wie andere englische Kriegsschiffe in der soeben zu Ende gegangenen Marinewoche für den Besuch durch das Publikum freigegeben. Hier machte Brown die obige Feststellung und beschwert sich jetzt in der englischen Presse über diese Zurücksetzung der englischen Erfinder. Der auf der „Nelson“ eingebaute Kompaß ist der deutsche Kreiselkompaß der Firma Anschütz aus Kiel. Der Auswärtige Ausschuß einberufen. vdz. Berlin, 1. Okt.(Funkspruch.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichtages ist zu einer Sitzung für Freitag, 4. Oktober, einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt: Bericht und Aussprache über die Verhandlungen im Haag. Statt besonderer Anzeige! Ein gutes, treues Vaterherz hat aufgehört zu schlagen. Heute morgen 1½ Uhr entschlief sanft nach kurzem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, gestärkt durch den Empfang der heil. Sterbesakramente, unser lieber, treusorgender, unvergeßlicher Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel, der Invalide Wilnelm Rost im 68. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen Schwerte, Villigst, Holzen, Dortmund, Ergste, den 30. September 1929. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 3. Okt., nachm. 3 Uhr, V vom Marienhospital Schwerte aus, statt. Das feierliche Levitenhochamt findet am Samstag, 5. Okt., 710 Uhr, in der hies. Pfarrkirche statt.“ Zwangsversteigerung Im Wege der Zwangsvollstreckung werde ich am Mittwoch, 2. Oktober vormitt. 10 Uhr in Schwerte, Westenstraße 13 zirka 8 Pfd. Sohlleder 30 Flaschen Wein 30 Flaschen Sekt 25 Liter Doppelkorn öffentlich meistbietend gegen sofortige Bezahlung verkaufen. Schwerte, 1. Ottober 1929. Kötter Gerichtsvollzieher kr. A. Moltkestraße 23 Ihre Vermählung geben bekannt: Georg Hawel Maria Hawel geb. Fisch Schwerte(Ruhr) Hagen(Westf.) z. Zt.Berlin W.(Adr. Herm. Fisch, Genthinerstr. 17) 1. Oktober 1929. — Nach langjähriger Ausbüldung in Chirurgie, Geburtshülfe und der Behandlung von Frauenleiden habe ich mich am 1. Oktober in Schwerte niedergelassen. Dr. med. Schwartz Facharzt für Chirurgie und Frauenleiden lettender Arzt am evangel. Krankenhause in Schwerte-Ruhr. Sprechstunden im ev. Krankenhause. Wochentags nachm. 4—6 Uhr 3693 Samstags vorm. 11—12 Uhr. B Frauenhülfe Schwerterheide fällt heute aus. 9 Die glückliche Geburt eines gesunden Töchterchens zeigen in dankbarer Freude an Geschafts Verlegung Meinen verehrten Kunden von Schwerte und Umgegend zur gefl. Kenntnis, das ich mein Geschäft ab 1. Oktober von Moltkestr. 44 nach Hörderstraße 12 verlegt habe und bitte, mich, durch das entgegengebrachte Vertrauen, auch weiterhin zu unterstützen. Hochachtungsvoll 3672 Elektro-Becker Hörderstr. 12 Gitterflausch für Pullover, Westen u. Kleider in hübschen Farben. L. Häberlein Hüsing= u. Mährstr.=Ecke Kräftige Arbeiter gesucht. Ziegelwerk Joh. Macchen 22 Jahre, sucht Stellung für sofort im Haushalt. Angeb. unt. Nr. 3688 a. d. Geschäftsst. ds. Ztg. Dr. Hermann Hille und Frau Else geb. Schulte-Höfinghoff Hindenburg Geburtstagsteier mit Veteranenehrung 8 2. Oktober, nachm. 3½ Uhr„Im Reiche des Wassers“, gemeinsames Kaffeetrinken. Festrede von Herrn Studiendirektor Löscher. Lieder des Klempt-Vokal-Terzett. Eintritt und Kaffeekarte 40 Pfg. jedermann ist herzlich eingeladen. Vaterländ. Frauenverein, Schwerte Siss. Leeres gr. 3692 Garenfeld, 30. September 1929. 3674 Café Astoria Mmmmmmmmm Mmmmmmmmmmmmmm Von heute ab jeden Abends 7 Uhr anfangend Das große Varieféprogramm William Norrison HMNHMAMM REVLLE MAM Tänzer und Tänzerinnen 8 Humoristische Einlagen Eintritt frei! Nasbery& Co. Däder- s Wasservellenljetzt: Moltkestr. 44 Schöneis Drei ganz besondere achtvorführungen des bedeutendsten Sexualfilms Falsche Geschlechtliches darf nicht Geheimnis sein! Aufklärungsfilm in 4 Lebensschicksalen EIN BEISPIEL: Zwei Schüler besuchen einen Vergnügungspark. Ihre Phantasie wird durch die in Trikot gekleideten Mädchen einer Schaubude angeregt. Sie sprechen mit den Mädchen und verabreden eine Zusammenkunft. Freitag, Samstag und Sonntag, 23 Uhr s Lichtspiele „Zur Reichskrone“ Freischütz 9690 Mittwoch, den 2. 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In der ehemaligen deutschen Kolonie DeutschOstafrika, dem jetzigen britischen Mandatsgebiet Tanganyika, sind kürzlich zwei Ereignisse eingetreten, die das Interesse aller in die alte Kolonie wieder zurückgekehrten Deutschen aufs lebhafteste erregt haben und die wohl beide geeignet sind, die englischen Absichten klar zu erhellen. Der britische Gouverneur von Tanganyika, Sir Ch. Camron, hat den Norden des ihm unterstellten Landes besucht, was bisher nie geschehen war. und der militärische Oberbefehl über alle Streitkräfte im Tanganyika=Mandat, der KenyaKolonie und im Uganda=Preotektorat soll in der allerächsten Zeit vereinigt und nach der Hauptstadt Tanganyikas, Daressalem, verlegt werden. Für den Besuch des Gouverneurs im Hinterland von Tanga war nach amtlichen Mitteilungen die Einweihung einer neuen großen Brücke de Veranlassung; ferner wurden als amtliche Gründe angegeben, daß sich de Gouverneur von dem Fortschritt des Ausbaues von Arusha, das noch vor wenigen Jahren nur ein größeres Negerdorf mit einigen Europäerhäusern war. überzeugen wollte und daß er es für notwendig hielt, sich selbst zu informieren, bevor die geplante Verbindungsstrecke von der Tangabahn nach der Mittellandbahn, die von Daressalaam ausgeht, begonnen wird. Er selbst scheint es gern zu sehen, wenn diese Bahn von Arusha aus abzweigen würde, jedoch sind fast alle Interessenten gegen diesen Plan. Im allgemeinen wird als Abzweigungspunkt Mombo am Westabhang des Usambaragebirges vorgeschlagen, unter Umständen kommt auch das nicht weit davon entfernte Korogwe dafür in Frage. Da aber allgemein bekannt ist, wie ungern der Gouverneur seine Residenz verläßt und wie schwer es ihm gefallen ist, sich zu dieser Reise zu entschließen, wird angenommen, daß noch tiefere Gründe vorhanden sein müssen, die ihn zu dieser Reise veranlaßt haben. Es haben auch tatsächlich mit den leitenden britischen Beamten des Nordgebietes geheime Besprechungen stattgefunden, aus denen manches durchgesickert ist. Danach scheint der Hauptgrund der Gouverneurreise in den Folgerungen zu suchen sein, welche die britische Regierung in London aus den Plänen der vor fast zwei Jahren entsandten Hilton=Young=Kommission und dem Bericht des erst kürzlich von seiner ostafrikanischen Informationsreise nach England zurückgekehrten Unterstaatssekretärs im Kolonialamt, Samuel Wilson, ziehen will. Anscheined würde Wilson, der als Generalgouverneur für die vereinigten britischen Gebiete Tangayika, Kenya und Uganda vorgesehen ist, am liebsten alle drei Länder zu einem großen britischen Ostafrika als Kolonie zu vereinigen. Ueber die Tatsache, daß Uganda Protektoratsgebiet ist, würde man sich wohl ohne weiteres hinwegsetzen, doch erscheint es nicht gut möglich, auch das Tanganyika=Territory, das alte Deutsch=Ostafrika, einfach zu annektieren und als Kolonie überzuschlucken. Deutschland hat zwar im Diktat von Versailles ausdrücklich zugunsten der Feindbundmächte auf seine Kolonien verzichtet, aber es ist doch jetzt im Völkerbund vertreten und würde eine solche Annexion wohl kaum zugeben. Das Interesse Englands verlangt nur in der Hauptsache einen Landweg zwischen dem nördlichen britischen Gebiet, also Aegypten und dem Sudan, und der südafrikanischen Union. Früher lag die deutsche Kolonie dazwischen. Solange England das Mandat über dieses Land behält, ist der Landweg auch gesichert, sollte aber eines Tages, wie die Engländer fürchten, auf Grund veränderter politischer Konstellationen der Völkerbund das Mandat über das Tanganyika=Gebiet einem anderen Staat, etwa gar den Franzosen übertragen, so wäre dieser Landweg wieder gesperrt. Außerdem hat England ein Interesse daran, daß z. B. der Hafen in Tanga nicht zu groß wird, da den Briten naturgemäß daran liegt, den in der Kenya=Kolonie liegenden Hafen Mombasa auf Kosten Tangas auszudehnen. Deshalb will hier das Gerücht nicht verstummen, das England nur an dem nördlichen Gebiet der alten Kolonie, das auch das wervollere ist, Interesse habe und unter bestimmten Kautelen bereit sei, den Rest an Deutschland zurück zu geben. Die Regierung in London ist anscheinend der Ueberzeugung, daß Deutschland mit der Annexion eines bedeutenden Teiles seiner alten Kolonie durch England einverstanden sein würde, wenn es selbst ebenfalls wieder Kolonien erhielte. Anscheinend sind auch schon irgend welche mehr oder minder offiziellen Verhandlungen darüber gepflogen worden, deren Ergebnis jeden Tag bekannt werden kann. Auch scheinen die Engländer auf die Aussprüche Dr. Schachts in Paris und Berlin weit größeres Gewicht zu legen, als es in Deutschland selbst geschieht Tatsache ist jedenfalls, daß man in absehbarer Zeit an die deutsche Regierung auch offiziell mit dem Ersuchen herantreten wird, der Annexion eines bestimmten Teiles der alten deutschen Kolonie zustimmen. Als Entgelt wird dann voraussichtlich vor allem der südliche Teil der alten Kolonie, die ja jetzt ohnehin für Deutschland verloren sei, angeboten werden. Die neue nördliche Grenze dürfte dann eine Linie sein, die südlich von Daressalaam beginnend in nordwestlicher Richtung bis zu einem Punkt von Tabora läuft und sich dann fast genau nach Süden wendet, um bei Neulangenburg den Nyassa=See zu erreichen. Dann wird beabsichtigt, Deutschland noch einen bedeutenden Teil von PortugiesischOstafrika bis südlich vom Sambesi zu übergeben und, wenn es damit noch nicht zufrieden sein sollte, ihm auch Gebiete von Portugiesisch=Angola zu übertragen, das dann zwischen England und Deutschland aufgeteilt werden würde. Die Grenze soll hier etwa auf der Linie Kifumadjisümpfe=Tapadomündung verlaufen. Damit hätte dann Portugal, das ja heute schon nur ein britischer Vasallenstaat ist, aufgehört, eine Kolonialmacht zu sein. Jetzt wird auch die zweite im Anfang gemachte Mitteilung über die Zusammenfassung der britischen ostafrikanischen Streitkräfte verständlich. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß der neue Kommandoort viel besser liegt als der bisherige in Nairobi. Bedenkt man, daß man zu dem geplanten britischen Ostafrika auch das Nyassaprotektorat rechnen muß, so stellt sich heraus, daß Daressalaam eine hervorragende zentrale Lage besitzt. Mit Hilfe der ausgebauten Mittellandbahn lassen sich auch größere Truppentransporte leicht in jeder gewünschten Richtung bewerkstelligen, besonders dann, wenn erst die oben erwähnte Querbahn im Innern vollendet ist. Auch die deutsche Regierung scheint von diesen Plänen, die schon des längeren bestehen, zu wissen. Anders ist es wenigstens nicht zu versthen, daß von dem Reichsenschädigungsamt bezw. anderen in Frage kommenden Behörden die Siedler möglichst nach dem Süden der Kolonie in die für die Abtretung in Aussicht genommenen Gebiete gelenkt werden. Auch sonst unterstützte die deutsche Regierung in der ganzen Zeit, seitdem Deutsche wieder in Ostafrika zugelassen wurden, stets in erster Linie die im Süden des Landes seßhaften Siedler und Kaufleute, während der Norden erst an zweiter Stelle kam. Ebenso machten es die anderen für die Kolonien tätigen Stellen der Heimat. Wie sich die Oeffentlichkeit zu diesen englischen Plänen stellen wird, läßt sich noch nicht voraussagen. Sicher ist jedenfalls, daß wir auf diese Weise für unser Volk Platz bekämen, im dem sich die Uebervölkerung ausbreiten kann, ohne befürchten zu müssen, daß in absehbarer Zeit Arbeits= und Landmangel eintritt. Aber auch hier werden die Neusiedler spüren, daß sie Lasten zu tragen haben, denn Deutschland dürfte wohl vorläufig kaum imstande sein, irgend welche Staatsmittel in die neuen Kolonien zu stecken. Diese müßten sich also von vornherein selbst erhalten; das wird aber vor allem dadurch erschwert werden, daß bei der vorgesehenen Grenze die seinerzeit von den Deutschen erbaute Mittellandbahn vollkommen auf englisches Gebiet fällt, Einnahmen aus der Verfrachtung usw. für die ganze erste Zeit, bis eine neue Bahn hergestellt ist, also nicht in Frage kommen. Auch dürften die Erträgnisse aus dem jetzt noch vortugiesischen Teil des Neulandes nicht allzu hoch zu bewerten sein, bis die Deutschen, die dort siedeln wollen, ihre Pflanzungen so weit gebracht haben, daß sie Ernten bringen. Das dauert aber je nach den angelegten Kulturen drei bis acht Jahre. Viel wichtiger wäre es deshalb für Deutschland, wenn es statt des ebenfalls vorgesehenen westafrikanischen portugiesischen Landes wenigstens einen Teil der Mittellandbahn in seinen Besitz bekommen könnte. Das erscheint allerdings völlig unmöglich, solange England Wert darauf legen muß, einen Teil von Tanganyika als Durchgangsstraße von seinen nördlichen Kolonien nach Südafrika zu besitzen. Neue Briefmarken Von neuen Briefmarken, wie der Weltpostverein mitteilt, sind von besonderer Bedeutung chinesische Flugpostmarken zu 15, 30, 45, 60 und 90 Cents, auf denen die Flagge durch die Nationalregierung ersetzt ist. Großbritannien hat Marken für Bahama zu 5 Pence, Grenade zu 2 Schilling 6 Pence und Trenganu zu 1 Dollar herausgegeben. In Litauen gibt es neue Marken zu 5, 15 und 30 Centas. In Norwegen gibt es Marken zu 7 und 14 Oere, Dienstmarken zu 2 Oere. Die Niederlande haben eine neue Postkarte mit Bild zu 7½ Cents. Für Curacao gibt es Flugpostmarken zu 50 Cents, zu 1 und 2 Gulden. Persien hat Postkarten zu 2 und 9 Chahis. Portugal hat Ueberdruckmarken für die Azoren zu 4, 10, 12, 15, 20 und 40 Centavos ausgegeben, San Marino Eilbriefmarken zu 1 Lire 25 Centesimi und 2 Lire 50 Centesimi. Anschriftendruckplatten Anschriftendruckplatten, bei denen alle Anschriftzeilen an der gleichen Stelle beginnen, müssen neuerdings bestimmten Anforderungen entsprechen: 1. Der Bestimmungsort soll unterstrichen sein; 2. Zwischen der Ortsangabe und den darüber befindlichen Anschriftzeilen soll mindestens eine Zeile frei bleiben; 3. Die Straßen= und Wohnungsangabe soll unter der Ortsangabe stehen. Firmen, die Anschriftendruckplatten besitzen, die den neueren Vorschriften des Reichspostministeriums nicht entsprechen, werden um Mitteilung an die Industrie= und Handelskammer zu Dortmund ersucht. MSTRSS e n eehe. dur Be en Sie S.p o.. Luppenflelich Sschurch üat. n. Der Atlantikflieger Originalroman von Anny v. Panhuys. Copyright 1929 by Verl. A. Bechtholdt, Braunschweig. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Nun, weißt du, er hat fünfunddreißigtausend Dollar erhalten, und ich meine, eigentlich genügt die Summe!“ Sie sah ihn mit kriegerisch funkelnden Augen an. „Mache ihm doch den Flug nach, Bert, wenn du seinen Mut so gering einschätzest,“ warf sie spottend hin. „Ich bin der Bürgermeister von Carytown und kein Flieger," erwiderte er ärgerlich.„Für die Menschen, die ihre Neigung dazu treibt, hoch über umnseren Köpfen hinwegzufahren, ist das, was uns unerhörter Mut dünkt, wohl eigentlich eine Art Freude, Talentbetätigung oder sonst etwas Aehnliches. Denn es zwingt sie doch niemand, auf einem Gebiete Lorbeeren pflücken zu wollen, das wirklich nicht jedermann liegt. Immerhin erkenne ich einen Nollenhoff bewundernd an, aber seine Natur, seine Neigung, die Lust zu diesem Sport ist doch bei ihm vorhanden, und dadurch unterscheidet er sich von mir. Wir können nicht alle Bürgermeister von Carytown und nicht alle ein deutscher Flieger wie dieser Nollenhoff sein.“ Sie lächelte kokett. „Aber nicht wahr, so einen ähnlichen Rind spie ich ihn für die Frauen von Carytown opserie, erstattet mir der Herr Bürgermeister wieber?“ Gr konnte dem koketten Lächeln nicht widerstehen. „Bist eine verdammt hübsche Hexe, Evelyn, unnd ich will mir den Fall einmal gründlich Scerlegen. Er büickte nachdenklich auf seinen Tetler, deimmte ein unmutiges Hmum, hmml vor sich han. Sie fragte:„Was hast du denn, Bert?“ Er zwinkte nervös mit den Lidern. „Eigentlich hätte ich mir das Geld doch von dem Deutschen bestätigen lassen müssen, ich meine schriftlich. Es ist ja nicht mein Geld. Ich hätte mir wohl für den Nachlaßverwalter des Preisstifters eine Quittung geben lassen müssen.“ Sie zog die schmal zurechtgeschnittenen Brauen zusammen. „Ach, wie seid ihr Büromenschen schwerfällig Du hast dem Flieger doch das Geld in der Brieftasche vor den Augen vieler Leute gegeben, das ersetzt vollkommen eine Quittung.“ Der Negerdiener trat geräuschlos ein und meldete, es wären eine Menge Männer im Wartezimmer, die alle den Herrn Bürgermeister sprechen wollten, um Näheres über den Fliegerbesuch zu hören. Der Mann mit dem ergrauten Haar und dem etwas hölzern erscheinenden Gesicht erhob sich. „Machen wir Schluß mit dem Frühstück, ich muß an die Arbeit, Liebste.“ Er umschritt den Tisch und neigte sich zu flüchtigem Kuß auf die Wange über die linke Seite seiner Frau. „Auf Wiedersehen gegen Abend, Liebste, dann wollen wir überlegen, wie wir das wichtige Ereignis von heute bald noch etwas feiern können, wenn auch in Abwesenheit des zu Feiernden. Schließlich haben wir als Hauptrepräsentanten von Carytown allen Grund, ein bißchen Trara von dem gelungenen Flug zu machen.“ Der arme Bürgermeister hatte einen schweren Nachmittag. Wie in einem Bienenkorb schwirrten Besucher hin und her. Die meisten waren von außerhalb gekommen, und jeder wollte etwas über den Plloten der„Elsa“ wisson. Dazu klingelte imunterbrochen das Telefon. Und auch Evelyn hatte Besuch, ein paar inume Freundinnen kamen, schwärmten ihr von dem deutschen Reieger vor. Gegen Abend saß sie dann in ihrem Toilettezimmer und schaute verträumt auf ein ratfiniert gearbeitetes Kleid, das über einer Strohpuppe hing. Sie hatte es anziehen wollen zu dem Fest, das man dem Helden des Tages zu Ehren gegeben hätte, wenn er nicht fortgemußt. Sie schloß halb die Augen. Wie schade, daß er sie nun nicht darin bewundern konnte, der Deutsche mit dem dunkelgetönten, rassigen Gesicht und dem Blick, der ihr das Blut vom Herzen hoch getrieben in die Wangen. Sie dachte daran, wie er gesagt: Ein Narr wäre ich, fernzubleiben, wenn es gilt, eine schöne Frau wiederzusehen! Sie meinte es deutlich in dem gleichen Tonfall zu hören wie am Vormittag draußen auf dem Flugplatz, die gleiche Stimme glaubte sie zu vernehmen, und ihn selbst, der so zu ihr gesprochen, glaubte sie vor sich zu sehen, schlank und die meisten Männer an Größe überragend. Hoch die Frauen von Carytown! hatte er gerufen, nachdem er den Ring, den sie vom Finger gezogen, in Empfang genommen, aber sie allein wußte, daß er dabei nicht an die Frauen von Carytown gedacht hatte, sondern nur an eine einzige Frau— an sie. Ein prickelnder angenehmer Schauer überlief sie. Er würde wiederkommen und bald wiederkommen! Dann zog sie das mattlila und reich mit Silber gestickte Kleid an, das so fabelhaft zu ihrem goldgelben Lockenkopf wirkte, das ihrem Hals und ihren Armen so verlockend weißen Schmelz verlieh, und er würde, berauscht von ihrer Schönheit, ihr Wort sagen, wie er sie noch zu keiner Frau gesprochen. Schön mußte das sein! Sie trat an das Fenster. Es dämmerte schon ein wenig; aus dem groden Garten hinter dem palastartigen Hause, in dem das jeweilige Oberhaupt von Carytown wohnte und repräsentierte, strömte der Duft von frühlingswarmer Erde, von Blumen und Büschen. Ganz weich ward der hübschen Evelyn Parker zumute, die bisher mit ihrem Leben äußerst zufrieden gewesen. Sie sehnte sich plötzlich nach Dingen, die sie nicht kannte. Nach heißer Liebe und Leidenschaft, und sie beneidete den jungenhaften Mechaniker, der mit dem Manne, der ihr so gut gefiel, die Gefahren hoch oben in der Luft teilen durfte. Wo mochte die„Elsa“ jetzt sein? Vielleicht bald in Neuorleans, wo ein Sterbender den Bruder erwartete. Ein paar Tränen lösten sich unter ihren Wimpern, sie fühlte, wie sie ihr langsam über die Wangen rollten. In diesem Moment höchster Versunkenheit flog die Tür auf. Als sich die blonde Frau erschreckt umwandte, stand ihr Mann vor ihr. Er sah kaltig grauweiß im Gesicht aus. Sie vergaß ihre Träumerei und Sentimentalität, das Gernhaben für den Mann, dessen Namen sie trug, brach durch. „Um des Himmelswillen, was fehlt dir, Bert?“ fragte sie, schob dem sichtlich Erregten einen Stuhl zu und drückte ihn darauf nieder. Sekundenlang saß er so, ohne sich zu rühren, doch dann sprang er auf und begann im Zimmer hin= und herzumarschieren.„Ich werde verrückt! Ich werde verrückt!" verkündete er, als hätte er sich erst darauf besinnen müssen. Evelyn Parker packte ihn bei den Schultern. „Rede doch Bert, ich vergehe vor Angst, so siehst du aus.“ Er lachte grimmig.„Meinst du, mir ist wohl? Ich bin total vertattert, ich weiß nicht ein und aus, denn wenn das wahr ist, was mir eben von Galveston gemeldet, dann bin ich blamiert u. lächerlich gemacht vor der ganzen Welt.“ „Rede doch, rede!“ drängte sie. Eine Ahnung stieg in ihr auf, als drohe ein wunderschöner Traum, der hell aufgefunkelt wie ein vielfach geschliffener Kelch, den sie an die Lippen setzen wollte, in Scherben zu gehen. (Fortsetzung folgt) tun Mthg! A Oktober Schwerte, den 1. Oktober 1929. * Wieder standen wir am Ende eines Monats, und wenn wir am Abreißkalender die„1“ des neuen Monats sehen, so kommt doch ein gewisses Erstaunen über uns, wenn wir über oder unter der Zahl in großen Buchstaben das Wort„Oktober" lesen.„Schon wieder Oktober, wo ist nur die Zeit geblieben," so lautet die Frage. Oktober, der zehnte Monat des bürgerlichen Jahres und der Beginn des letzten Quartals. Während man in den Bergen schon das Vieh von der Weide ins Tal treibt, rüstet man sich in der Weingegend zur Lese. Schon Karl dem Großen galt diese köstlichste aller Gaben der Natur als Charakteristikum dieses Monats, dem er die Bezeichnung„Weinmonat“ gab. Ein untrügliches Zeichen, daß die Zeit der Lese bevorsteht, geben die Fässer, die ausgebessert und gereinigt werden, denn auf ein gutes, reines Faß muß der Winzer sehen, soll der Most nicht in der Gähre verderben. Der Oktober bringt zahlreiche Gedenktage, die seit alten Zeiten auf Segen oder Mißgeschick der Ernte bezogen werden. Eine große Rolle spielte der Oktober in der Wetterkunde. Man war stets der Meinung, daß einem warmen Oktober ein kalter Februar folgen müsse, aber Bringt der Oktober Frost und Wind, So sind er Jänner und Hornung gelind.“ Dieser Glauben an die alten Sprüche hat sich bis heute erhalten, während man den Voraussagen der Wetterdienststellen nicht überall trauen will. Gedenktage. 2. Oktober: 1814: Der russische Dichter M. J. Lermontow in Moskau geboren(gestorben 1841).— 1839: Der Maler Hans Thoma im Schwarzwald geboren(gestorben) 1924).— 1847: Reichspräsident Paul von Hindenburg in Posen geboren.— 1865: Der Afrikareisende Karl Klaus Freiherr v. d. Decken bei Berdera (Ostafrika) ermordet(geboren 1833).— 1869: Der indische Nationalist Mohandas Karamchand Ghandi in Porbandar geboren.— 1921: Der frühere König Wilhelm II. von Württemberg in Bebenhausen gestorben(geboren 1848). Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 30. September 1929. Neue Ausläufer des nordwestlichen Tiefdruckgebiets sind über Großbritannien, die Nordsee und Nordwestdeutschland vorgedrungen, während sich das Hochdruckgebiet über Osteuropa weiter zurückgezogen hat. In Deutschland war es heute früh im Osten und Süden noch heiter, sonst wolkig und an der Nordseeküste regnerisch. Die heutigen Morgentemperaturen lagen zwischen 9 und 15 Grad. Der Kahle Asten hatte mäßigen Südwestwind, bewölkten Himmel und 11 Grad. Aussichten bis Mittwoch: Wechselnde Bewölkung sowie zeitweise Regenfälle bei mäßigen westlichen Winden und wenig geänderten Temperaturen. Senderkonzert im„Freischütz“. Im„Freischütz", Schwerterwald, finden jeden Mittwoch Konzerte, abends Tanz statt(auch im Winter). Aus Anlaß des Geburtstages des keichspräsidenten ist morgen nochmals ein Sonderkonzert des Betzelschen Solistenorchesters, und beginnt dieses mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Jahreszeit schon um 3 Uhr. Abends ist Tanz. Eintritt frei. 25jähriges Dienstjubikäum. Studiendirektor Rudolf Löscher kann heute sein 25jähriges Dienstjubiläum feiern. Aus diesem Anlaß wird um 12 Uhr eine kleine Feier der Schulgemeinde in der Aula stattfinden. Morgens versammeln sich Chor und Orchester vor der Wohnung des Direktors Löscher, um ihm ein Ständchen zu bringen. Seit 7 Jahren weilt Direktor Löscher in Schwerte. Mit der Entwicklung des Realgymnasiums in Schwerte ist der Name Rudolf Löscher untrennbar verbunden. Der von seinem Vorgänger, dem im vergangenen Jahre verstorbenen Direktor Dr. Karl Renz, vorbereitete Ausbau zur Vollanstalt mit Reifeprüfung fand unter Löschers Amtszeit Verwirklichung. Mit aller Kraft setzte er sich immer für die Pflege der Leibesübungen ein, die jetzt an der hiesigen Anstalt in vorbildlicher Weise betrieben werden. Bei der Schülerschaft und der ganzen Bevölkerung ist Direktor Löscher wegen seines schlichten und menschenfreundlichen Wesens sehr beliebt. 25 Jahre treue Dienste. Der Prokurist Robert Mayer, Richardstraße 18 wohnhaft, kann am heutigen Tage auf eine 25jährige Tätigkeit bei den Nickelwerken zurückblicken. Den vielen Glückwünschen fügen wir die unsrigen gern hinzu. X In den Ruhestand. Wegen Erreichung der Altersgrenze mußten mit dem gestrigen Tage zwei verdiente Polizeibeamte unserer Stadt Heinrich Speer und Heinrich Rickert in den Ruhestand treten. Herr Sp. ist über 33 Jahre in dem aufreibenden und verantwortungsvollen Polizeidienst tätig, davon zirka 30 Jahre in unserer Stadt, während Herr R. mit Beginn des Krieges seine Kräfte in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat, nachdem er schon lange Jahre vorher bis vor Jahresfrist an dem Ausbau und der Führung des hiesigen Feuerlöschwesens ganz hervorragenden Anteil genommen hatte. Beide Beamte erfreuen sich in der ganzen Bürgerschaft größter Achtung und Wertschätzung und wird ihr Ausscheiden allgemein bedauert. Mögen sie sich noch recht lange der wohlverdienten Ruhe erfreuen können. Wieder daheim! Von den s. Zt. bei dem Autounfall bei Remscheid verunglückten Angestellten der Firma Stein sind am gestrigen Tage die letzten geheilt hier wieder angekommen. Reformationsfeier. Es ist schon an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die am 6. Oktober, also nächsten Sonntag vom Evangelischen Bund veranstaltete Reformationsfeier eine besondere Ausgestaltung erfahren soll durch die Aufführung des religiösen Schauspiels„Die Hugenotten“ von NithackStahn. Vielfachen Wünschen entsprechend, soll an diesem Tage auch eine Schülervorstellung statt finden und zwar nachmittags um 4 Uhr im evgl. Gemeindehaus zu einem Eintrittspreis von nur 20 Pfennig. Eintrittkarten für diese Veranstaltung, zu der Erwachsene keinen Zutritt haben, sind nur am Saaleingang zu haben. Durch die Schülervorstellung wird eine Verlegung der ursprünglich auf 5 Uhr festgesetzten Hauptfeier notwendig sie beginnt also nicht um 5 Uhr, sondern erst um 8 Uhr abends im Gemeindehaus. Eintrittskarten zu fünfzig Pfennig sind noch durch die Mitgliedr des Evgl Bundes und am Aufführungstag an der Abendkasse zu haben. : Zu dem Erweiterungsbau am hiesigen Realgymnasium. wurden folgende Kostenanschläge abgegeben: Bauindustrie 14 535 Mark, Bätz 12 774 Mark, Brösecke 16098 Mark, Dittrich Ernst 14247 Mark, Dittrich, Karl 14,120 Mark, Düllberg 14 152 Mark, Krämer 14 073 Mark, Luck 15 807 Mark, Scherff 16 275 Mark, Stellbrink 16 951 Mark, Frage 16 355 Mark, Zeuch 14947 Mark. : Eisenbahn=Frauenverein Schwerte=Ruhr. Die Monatsversammlung findet am 2. Oktober ds. Is. 15 Uhr im Vereinslokal Hotel „Westfälischer Hof" statt. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Vaterländischer Frauenverein. Zu der Hindenburg=Feier am 2. Oktober, dem Geburtstag des Reichspräsidenten, die wieder mit einer Veteranenehrung verbunden ist, laden wir nochmals ein und bemerken dabei, daß die Veteranen wieder in Autos abgeholt werden und sich von 3 Uhr an bereit halten müssen. Außer den Ehrengästen und Mitgliedern kind alle beutschgesinnten Männer und Frauen herzlichst willkommen. Die Eintrittskarte, die zum Kaffeetrinken berechtigt, kostet 40 Pfennig. Zubrot kann mitgebracht werden, ist auch im Festsaal zu haben. Die Feier findet um 3.30 Uhr„Im Reiche des Wassers" statt. *- Ruhrtaler Sängerverein, Schwerte. Am Sonntag, den 13. Oktober, veranstaltet der„Ruhrtaler Sängerverein“ im„Freischütz“ sein Herbstkonzert. Aus seinem reichen Liederschatz wählte er die schönsten Werke, um den Freunden des edlen Männergesanges einige genußreiche Stunden zu bieten. Wir weisen schon heute auf die Veranstaltung hin. Nachtfilm=Vorführungen. Am Freitag, Sonnabend und Sonntag wird an allen drei Tagen 23 Uhr in den Lichtspielen „Zur Reichskrone“ der Sexualfilm„Falsche Scham“ vorgeführt, dessen Aufführungen in den benachbarten Großstädten einen ungeheuren Erfolg auszuweisen hatten, so daß vielfach die größten Lichtspielpaläste nicht ausreichten, die Besuchermassen alle aufzunehmen. In vier aus dem Leben gegriffenen Beispielen zeigt der Film die ganze Wichtigkeit des Sexualproblems, die Schrecken der Krankheiten, aber auch die Möglichkeit der Heilung und des wiedergesundenen Lebensglückes. Der ganze Stoff ist in so anregende Form gekleidet, daß jeder Besucher auf seine Rechnung kommt. 1 Der kommanatpenlische Reigen i Schwerie eroffnel Schließen sich die bürgerlichen Parteien zusammen?— Die gut verlaufene Versammlung im Restaurant„Zum Brauhaus“ Wilkes am gestrigen Abend. Schwerte, den 1. Oktober 1929. Für eine unparteiische Mittelstandsversammlung war gestern abend in den Saal des „Brauhauses“, C. Wilkes, Bahnhofstraße, einberufen worden, die gut besucht wurde. Gegen 8,30 Uhr eröffnete der Versammlungsleiter, Graumann, die Versammlung, hieß alle Erschienenen willkommen und begrüßte besonders den Redner des Abends, Herrn Dr. Junger, sowie die Presse. U. a. sagte er, daß heute der Kampfruf erschalle: Mittelstand, kämpfe um deine Existenz! Es sei erforderlich, daß der Mittelstand aus seinem Schlaf geweckt würde, besonders gälte es, hinsichtlich der Steuern eine Abwehrfront einzunehmen. Handel, Landwirtschaft und Gewerbe müßten sich gegen eine von links kommende Welle entschiedeu wehren. Im Kreise Iserlohn sei ein diesbezüglicher Zusammenschluß schon getätigt worden. Dann sprach Dr. Junger über das Thema: „Stellungnahme zu den Wahlen". Redner führte den ganzen Tatbestand klar vor Augen, wie er in der neuesten Zeit festzustellen ist. U. a. sagte er, daß sich der Mittelstand aus allen den Bevölkerungsschichten zusammensetze, die auf dem Boden der Privatwirtschaft stehen. Die Frage sei aufzuwerfen, wie man auf dem Boden der Privatwirtschaft stehe. Heute sei es so, daß sich die Kommunen auf allen wirtschaftlichen Gebieten betätigen. Im Besitz der öffentlichen Hand allein seien 90 Prozent der Wasserversorgung, 80 Prozent der Gasversorgung und etwa 25 Prozent der Elektrizitätsversorgung. Auch habe in den letzten Jahren die Beteiligung der Kommunen an den Grundstücken überhand genommen. Der ganze Wert der Grundstücke bei den Kommunen würde auf etwa 55 Milliarden Reichsmark veranschlagt. Heute gälte der Grundsatz, daß eine moderne Stadt nicht nur Behörde, sondern auch Kaufmann sein müsse. In den Jahren 1924—1927 habe es in der Hauptstadt Berlin allein 252 kommunale Wirtschaftsbetriebe gegeben. Der größte Teil dieser Einrichtungen trage den Namen„gemeinnützig“, um einer gewissen Steuerlast zu entgehen. Von vorgenannten 252 Betrieben hätten nur 151 Umsatzsteuer gezahlt, davon 43 Betriebe weniger als 10 Reichsmark. Diese Betriebe scien oft genug Desizitgesellschaften, viele von ihnen hätten mit Verlust gearbeitet. Redner führte dann mehrere Persönlichkeiten an, die sich für eine solche Wirtschaft aussprechen, so u. a. den Präsidenten des DeutStädtetages Dr. Mulert, sowie den preußischen Innenminister Grzesinsli. Erfreulich sei es gewesen, daß der Handelsminister Dr. Schreiber (Dem.) mit einer größeren Objektivität vorgegangen sei. Er habe z. B. gesagt, daß es besser um die Gemeinden bestellt wäre, wenn sie mehr Verwaltung ausüben würden, anstatt wirtschaftlichen Interessen zu folgen. Redner erwähnte auch den Oberbürgermeister von Essen, Bracht, der sich gegen diese Politik wendet und u. a. erklärte, daß bei den heutigen Zinssätzen der Mittelstand zu Grunde gehen müßte. Zwangsausgaben und Zwangsaufgaben zu lockern sei heute Sache des Reiches. Dr. Junger wandte sich dann den Vorschlägen für die Durchführung der Finanzreform zu. Er war der Ansicht, daß die Lasten erheblich abgebaut werden müßten. Zu dem HöpkerAschoffschen Problem Stellung nehmend, sagte er, daß ein festes Verhältnis zwischen den Einkommen= und Realsteuern geschaffen werden müsse. Referent ging darüber noch hinaus, indem er erklärte, daß man jede Sondersteuer, jede Gewerbesteuer nicht einführen und nicht ausbauen dürfe. Erst dann würde mit dem heutigen System gebrochen. Auch die nicht gewerbetreibenden Schichten müßten ihren Obolus entrichten, damit den weiteren Ausgaben Einhalt getan werde. Dr. Junger wandte sich in seinen weiteren Ausführungen scharf gegen das Konsum=Vereins= und Warenhauswesen. Es sei bedauerlich, daß in der jüngsten Zeit auch vaterländische Verbände dazu übergegangen seien, eine Eigenversorgung durchzuführen. Die Beamtenschaft solle doch möglichst am Platze kaufen, von auswärts werde nichts geschenkt. Es sei das Bestreben der linksgerichteten Kreise, daß sich der Mittelstand nicht zu einer Einheit zusammenschließe. Pflicht sei es darum für jeden Mittelständler, zur Wahlurne am 17. November zu gehen und seine Pflicht zu tun. Dr. Junger machte dann die Versammlung näher mit den sozialdemokratischen Richtlinien bekannt und sagte u. a., daß diese ein Reichskommunalgesetz erstreben wollten.(Enteignungsrecht, Unterbindung von Zuschlägen zur Einkommens= und Körperschaftssteuer, Beseitigung des Einspruchsrechts der Unternehmer, Ausbau der Getränkesteuer und Beibehaltung der Luxussteuer, Trennung von Kirche und Staat usw.) Hinsichtlich der Boden= und Wohnungspolitik verlange man den Erlaß eines Reichsenteignungsgesetzes sowie eines Reichsstädtebaugesetzes. Alles das bedeute Sozialisierung im schlimmsten Maße. Weitgehendst seien die Forderungen der SPD. an die Gemeinden. U. a. sei es die Forderung, daß die Gemeinden möglichst viel Grundbesitz erwerben. Auch hinsichtlich der Arbeitspolitik mache man Ansprüche von dieser Seite geltend. So verlange man z. B., daß die Lohn= und Arbeitsbedingungen unbedingt durch Lohn= und Tarifverträge zu regeln seien. Ein Pensionierungssystem wolle man einführen. Hinsichtlich der Gemeindearbeiten wolle man nur jene Arbeiten durch selbständige Handwerker ausführen lassen, wozu sich die bei einer Kommune beschäftigten Kräfte nicht eigneten. Wenn man das alles in Betracht ziehe, sei es Pflicht des gewerblichen Mittelstandes, hiergegen eine geschlossene Front einzunehmen. Sonst würde man zu Gunsten der öffentlichen Hand Dinge erleben, die keinem genehm sein würden. Man betreibe einen künstlichen Zellenaufbau der kommunalen Wirtschaft. Dr. Junger führte anschließend einige Auslandsstimmen an, nach denen im Ausland über die Lage der Dinge anders geurteilt wird. Er wies noch einmal deutlich auf die Gefahr hin, die im Verzuge sei und daß es sich um einen Kampf handele zwischen der Persönlichkeit und der Masse. Er sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß man fest zusammenstehe und den richtigen Weg finden werde. Der Vortrag von Dr. Junger, der sich in besonderer Weise durch ein ausführliches, belehrendes statistisches Material zusammensetzte und daher über die Verhältnisse einen klaren Ueberblick gab, fand bei den Zuhörern lebhaftesten Beifall. Anschließend folgte eine rege Diskussion, an der sich viele Anwesenden beteiligten. Der Versammlungsleiter Graumann dankte zunächst dem Referenten für seine vorzüglichen Ausführungen und wies nochmals darauf hin, daß ein fester Zusammenschluß notwendig sei und daß man gemeinsam in den Wahlkampf hineinziehen müsse. Bebel habe einmal gesagt, daß die Sozialdemokraten weiter fortschreiten würden, solange der Mittelstand schlafe. Redner erinnert an die kleinen Hausbesitzer und an die kleinen Sparer, denen die Rente durch Auferle(ung der Hauszinssteuer genommen worden sei. Der Feind stehe nicht allein links, sondern er sei auch beim Großkapital zu suchen, das die Steuerlast auf den Mittelstand abzuwälzen versuche. Dr. Junger äußerte sich anschließend über die Erfahrungen bei den letzten Wahlen im Kreise Iserlohn und kennzeichnete die Vorzüge bei Aufstellung einer neutralen parteilosen Mittelstandsliste. Auch für die bevorstehende Wahl seien die Vorarbeiten im besten Gange. Richtig und zweckmäßig sei es, daß eine einheitliche Front geschaffen werde. Redner empfiehlt, sich den Parteien des Kreises Iserlohn anzuschließen, da hiermit eine erhöhte Stärke verbunden sei. Die Landwirtschaft sei gewillt, mitzugehen und er glaube, daß zwei Kreisausschußzmitglieder erreicht werden. Hinsichtlich der Stadtverordnetenwahl seien die Verhältnisse einer Stadt maßgebend. Herr Färber ist der Ansicht, daß eine Verständigung mit den Rechtsparteien von Erfolg gekrönt sei. Dagegn glaubt Dr. Junger nicht an einen Bürgerblock bei den Kreistagswahlen. Herr Budde ist für die Aufstellung einer ausgesprochenen Mittelstandsliste. Der Versammlungsleiter Graumann erklärte, daß noch kein geschlossenes Ganze vorhanden sei, es fehle noch der Schutzverband für Handel und Gewerbe. Redner sagte, daß ein Zusammenschluß mit den Rechtsparteien bei den Stadtverordnetenwahlen erfolgen werde. Es frage sich, ob man selbständig oder mit den anderen verbunden vorgehen wolle. Herr Budde erinnert an die Linksparteien, bei denen es auch Leute gebe, die ihren Grundbesitz geschützt haben wollten. Herr Färber erklärte, daß nur jene Parteien für einen Zusammenschluß in Frage kommen, die keine eigene Liste aufstellen. Für einen Zusammenschluß erklärt sich Herr Lindemann, der von der Wahl vom 20. Mai 1928 interessierende Vergleichszahlen gab. Die Versammlung ist dann damit einverstanden, daß bei der Stadtverordnetenwahl die Parteien(Deutsche Volkspartei, Deutschnationale Volkspartei, Deutsche Demokratische Partei und die Reichspartei des Deutschen Mittelstandes) zusammengehen. Hinsichtlich der Kreistagswahlen erklärte sich Herr Linner für den gleichen Zusammenschluß wie bei den Stadtverordnetenwahlen. Herr Göckmann machte die Mitteilung, daß der landwirtschaftliche Kreisverein einstimmig beschlossen habe, die Mittelstandsliste zu wählen. Herr Parschmann glaubt an eine Einigung mit den Rechtsparteien und schließt sich im übrigen den Ausführungen des Herrn Linner an. Er tritt dafür ein, daß diesbezügl. Schritte unternommen werden. Dr. Junger erklärte, daß damals die Verhandlungen mit den Rechtsparteien gescheitert seien. Aus den Wirtschaftskreisen des Kreises Iserlohn liege der Wunsch vor, genau wie damals vorzugehen. Herr Göckmann ist der Ansicht, daß sich die Rechtsparteien melden sollen, wenn ihnen an einem Zusammengehen gelegen ist. Eine Einheitsliste sei jedenfalls erwünscht. Als Mitglied der Deutschen Volkspartei sagte Herr Jacobs, daß es das richtigste sei, gemeinsam zu marschieren. Herr Graumann unterstrich seine Ausführungen dahin, daß man sich doch gegenseitig helfen und ausmerzen wolle, was an dem Mittelstand gesündigt worden sei. Ein Zusammenschluß müsse versucht werden. Man kam dann zu dem Ergebnis, daß der Versuch gemacht werden soll, mit den in Frage kommenden Parteien des Landkreises Iserlohn bei den kommenden Kreistagswahlen einen gemeinsamen Block zu bilden. Bei den Provinzial=Landtagswahlen ginge jede Partei, wie Versammlungsleiter Graumann erklärte, politisch selbständig vor. Nach einer ausgiebigen und aufklärenden Diskussion konnte die gut und interessant verlaufene Versammlung gegen 10,30 Uhr geschlossen werden. L=x. Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Selbstmord oder Verbrechen? Gestern morgen 5,30 Uhr wurde auf der Reichsbahnstrecke an der Steinhammerstraße in DortmundMarten, etwa 50 Meter südwestlich der Zeche „Germania 1“, die Leiche eines jungen Mannes gesunden. Der Kopf war vom Körper getrennt und außerdem ein Arm abgerissen. Die Personalien des Toten konnten noch nicht festgestellt werden, da keinerlei Papiere vorzufinden waren. Es ist daher noch nicht geklärt, ob Selbstmord, Unglücksfall oder gar ein Verbrechen vorliegt. Der Tote ist 1,60 bis 1,65 Meter groß, 23 bis 25 Jahre alt, hat blondes Haar, ovales Gesicht. Er trug einen dunkelgestreiften, ziemlich schwarzen Anzug, schwarze Strümpfe und schwarze Halbschuhe, rotgestreiften Selbstbinder, gestreiftes Hemd und hellgrauen Filzhut.— Die Kriminalpolizei hat sofort die entsprechenden Ermittlungen ausgenommen. — Vor dem Sturz in den Abgrund bewahrt. Einem entsetzlichen Unglück ist in der vergangenen Nacht eine Reisegesellschaft aus Herne mti knapper Not entgangen. Ein mit mehreren Insassen besetzter Personenwagen fuhr an der gefährlichen Eisenbahnüberführung Dortmund— Lütgendortmund auf der Steinhammerstraße gegen das Gelände dieser Ueberführung. Dieses wurde vollkommen zertrümmert, bot aber doch so viel Widerstand, daß der Wagenlenker noch im letzten Augenblick anhalten konnte und so den sicheren Absturz in die Tiefe verhindern konnte. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Der Personenwagen wurde verhältnismäßig leicht beschädigt. — Folgenschwerer Wasserrohrbruch. Auf der Anlage des Sportplatzes in Dortmund=Schüren kam es nachts zu einem mächtigen Wasserrohbruch. Die großen Wassermassen verwüsteten den bereits fertiggestelten Teil des Sportplatzes. Die Wassermassen setzten die Keller des in der Nähe liegenden alten Hauses unter Wasser. Es bedurste längerer Arbeiten durch Angestellte des Dortmunder Wasserwerks, bis die Leitung wieder in Ordnung gebracht war. — Ein Opfer betrunkener Fahrer. In der Nacht zum Montag wurde auf der Verbindungsstraße Aplerbeck=Asseln durch ein schlecht beleuchtetes und auf der falschen Straßenseite verkehrendes Pferdefuhrwerk, das mit drei sehr stark betrunkenen Personen besetzt war, ein Motorradfahrer derartig unglücklich angefahren, daß die Mitfahrerin— ein junges Mädchen— beim Sturz in den Straßengraben den Tod fand. Die Insassen des Fuhrwerks kümmerten sich nicht um den angerichteten Schaden, sondern schlugen wie wild auf das Pferd ein, um durch die Flucht zu entkommen. Glückl.cherweise gelang es dem Motorradfahrer, mit Hilfe eines zur Verfügung gestellten Fahrrades das Fuhrwerk in Aplerbeck einzuholen und die Insassen der dortigen Polizeiwache zuzuführen. Obwohl die Leute durch die polizeiliche Feststellung ihrer Personalien von dem Unfall Kenutnis erhielten, kehrten sie noch in weitere Wirtschaften ein, um erst in den frühen Morgenstunden nach Haus zu kommen. Die Kriminalpolizei hat die weitere Bearbeitung in Händen. Die Leiche wurde nach Aplerbeck gebracht. Hürde. Schlechtbelohnte Freigebigkeit. Am Sonnabend hatte ein junger Mann sein Monatsgehalt bekommen, und gleich hatten sich ihm, der als sehr freigebig bekannt ist, zwei Frauens= und eine Mannsperson angehängt. Man zog von Lokal zu Lokal, wo der Spender immer bezahlte. Dann kam man zu einem Lokal, wo man diesen Spender noch gehörig ausnehmen wollte. Man hatte nicht mit der Aufmerksamkeit der Wirtsleute und des anderen Publikums gerechnet. Eine der beiden Frauenspersonen hatte dem jungen Mann einen Fünfzigmarkschein aus der Tasche gestohlen und wurde dabei abgefaßt. Polizei war bald zur Stelle, die sie in Empfang nahm und auch noch den Begleiter zur Wache brachte. a Sölde. Haus in Flammen. Nachdem erst vor kurzer Zeit die Besitzung Stiepermann auf dem Eichholz vom Feuer eingeäschert wurde, erschollen abermals die Brandsirenen der Feuerwehr. Das Haus des Möbelschreiners Kleff im Sölderholz stand in Flammen. Die Feuerwehr von Sölderholz, die sofort zur Stelle war, konnte sich nur darauf beschränken, die angrenzende Werkstatt kalt zu halten. Erst nachdem die Berufsfeuerwehr von Dortmund kam, gelang es nach mehrstündiger Arbeit, des Feuers Herr zu werden. Das Gebäude, das versichert war, wurde bis auf die Mauern des 1. Stockwerks ein Raub der Flammen. k Massen. Vorsichtig beim Umgang mit Spiritus. Vor einigen Tagen hatte ein hiesiger Handwerksmeister Glück beim Unglück. Aus irgend einem Grunde explodierte plötzlich ein Spirituskocher, mit dem der Mann hantierte. Durch die Stichflamme wurden einige Möbelstücke in Brand gesetzt. Durch sofortiges Eingreisen konnte die Feuersgefahr schnell beseitigt werden. Der Handwerksmeister kam glücklicherweise mit dem Schrecken davon. I. Detmold. Lloyd George und der Denkmalswärter. Vor einigen Tagen traf hier der frühere Außenminister Englands, Lloyd George, mit seiner Frau ein, um unser schönes Städtchen und das Hermannsdenkmal zu besichtigen. Bei der Fahrt zum Hermann passierte dem Minister folgende Geschichte, die allgemein viel belacht wird: Oben auf der Grotenburg angekommen, machte der Aufseher des Parkplatzes den Chauffeur des Autos, in dem sich Lloyd George mit seiner Gattin befand, darauf aufmerksam, daß er parken müsse und unter keinen Umständen weiterfahren dürfe bis direkt zum Hermannsdenkmal. Lloyd George mischte sich nun in die Unterhaltung und verlangte unter allen Umständen, bis an die große Freitreppe vor dem Denkmal fahren zu dürfen. Der Autowärter ließ aber nicht locker, auch dann nicht einmal, als er erfuhr, daß in dem Wagen Englands früherer Außenminister saß. Nach einem längeren Intermezzo, in dessen Verlauf der Wärter den englischen Außenminister auf die nun einmal bestehenden Vorschristen, die auf alle Menschen ohne Unterschied des Standes Anwendung finden müßten, ausmerksam machte, verließ Lloyd George das Auto und begab sich zu Fuß zum Hermannsdenkmal, nach dessen eingehender Besichtigung er nach Detmold zurückfuhr. l. Münster. 1000 Eier gestohlen. Einem Händler in Laer wurden in der Nacht 1000 Eier gestohlen, die in einer Kiepe und in einer Eierversandkiste verpackt waren. Wie sich herausstellte, ist die Beute auf einem zweirädrigen Karren, vor das ein Pferd mittlerer Größe gespannt war, fortgeschafft worden. Die Spuren gehen nach Metelen. FLECKEENTFERNE MIT. Landkreis Iserlohn o Iserlohn. Beim Fußballspiel veranglückt. Vorgestern nachmittag verunglickte in Hemer beim Fußballspiel der aus Iserlohn stammende 20jährige Willy Küche, wohnhaft Luisenstraße 9. Er erlitt einen Bruch des linken Ellenbogens. Er wurde dem Krankenhaus Hemer zugeführt, später aber in seine Wohnung gebracht, nachdem er verbunden worden war. o. Iserlohn. Neuordnung der Handelskammern. Die Industrie= und Handelskammer Iserlohn lehnte in ihrer letzten Vollversammlung einstimmig die Vorschläge des Handelsministeriums, welche eine Verschmelzung unserer Kammer mit der Hagener Kammer vorsehen, ab und beschloß, mit allen Mitteln für die Erhaltung der Iserlohner Kammer einzutreten. Dagegen will die Kammer dem Vorschlage des Handelsministers insofern entgegenkommen, als sie mit der Gründung eines Zweckverbandes der in Frage kommenden südwestfälischen Handelskammern einverstanden ist, der in gut durchorganisierter und festgesügter Weise allen Wünschen des Handelsministeriums auf Vereinfachung der Arbeitsweise entgegenkommen kann, ohne in den Fehler zu verfallen, die Firmen ihrer engeren Wirtschaftsvertretung zu berauben und ihnen dafür noch höhere Beiträge für eine weiter abliegende Vertretung aufzuerlegen. o Hemer. Motoradunfall. Samstag abend 11 Uhr ist der Schachtmeister Aloys Weilke aus Münster, in Hemer bei der Gasfernleitung beschäftigt, mit seinem Motorrad gegen einen Baum gefahren. Er erlitt einen Bruch des rechten Ellenbogens, sowie einen Bruch der Kniescheibe. Die Soziusfahrerin Frau Kaes aus Iserlohn erlitt einen rechten Handgelenkbruch. Beide wurden dem hiesigen Krankenhaus zugeführt. a Hemer. Unfälle. Auf der Hauptstraße wurde in einer der letzten Nächte bei der Wirtschaft Edelhoff ein Mann von einem Personenauto angefahren. Durch die Umsicht des Wagenführers konnte in letzter Minute ein schweres Unglück verhütet werden. Das Sanitätsauto des Landkreises Iserlohn brachte den Verletzten, der am Kopfe stark blutete, ins Amtskrankenhaus. — In einem Wirtschaftsbetriebe hatte sich ein junges Mädchen dadurch verletzt, daß es mit dem Bierglase sich die Schlagader verletzte. Die Verletzte fand Aufnahme und ärztliche Hilfe im Amtskrankenhaus.— Ein älteres Mädchen aus Ihmert öffnete sich im Amtskrankenhaus in einem Anfalle geistiger Störung die Schlagader. Nach ärztlicher Hilfe wurde das Mädchen in die Anstalt Eickelborn gebracht. Westhosen ! Westhofen. Wohltätigkeitsabend des Kirchenchors Westhofen. Der hiesige Kirchenchor hatte seine Freunde und Gönner zu einem Unterhaltungsabend eingeladen, der am Samstagabend stattfand. Sehr zahlreich hatte die Bürgerschaft der Einladung Folge geleistet, so daß der Saal des Gemeindehauses kaum die Erschienenen fassen konnte. Wir müssen eingestehen, daß der Kirchenchor bei den Zuhörern durch seine hervorragenden Darbietungen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Das Programm wies Chöre von Gluck, Abt, Gleim usw. auf. die sämtlich in musterhafter Weise zum Vortrag gebracht wurden. Dann lernten wir Herrn Lehrer Liebscher von hier als ein Meister auf der Geige kennen. Wir hörten Werke von Bach(eine Air und Gavotten), ferner ein Menuett von Beethoven und eine ViobinNICHT FEUERGEFAHRLICH! Gebrüder Kroner, Eos-Werke, Berlin und Danzig sonate von Nardini. Herr Liescher versteht sein Instrument vorzüchlich zu meistern und führte sich durch sein feinsinniges Spiel gut ein. Die Begleitung am Ibachflügel lag bei dem Dirigenten des Chors, Herrn Lehrer Hillefeld, in den besten Händen. Dann wurden einige Märsche, von dem Schüler Hans Ebinghaus und Herrn Hillefeld vierhändig am Flügel exakt vorgetragen. Sehr zur Erheiterung der Zuhörer trugen zwei Aufführungen bei: Die Post im Walde und: O diese Backfische. Die Stücke waren mit großer Sorgfallt und viel Liebe einstudiert und wurden tadellos gespielt. Sämtliche Darsteller hatten ihre Rollen glänzend erfaßt und wurden durch die Chöre aufs beste unterstützt. Der Abend dürfte für den Chor ein voller Erfolg gewesen. Wir können unseren Bericht nur mit dem Wunsche schließen, daß der Chor häufiger solche Unterhaltungsabende veranstaltet Er wird stets eine dankbare Zuhörerschaft finden. Dem Leiter des Kirchenchors, Herrn Lehrer Hillefeld, gebührt für sein aufopferungsvolles Bestreben auf diesem Gebiete ganz besonderer Dank. ! Westhofen. Aus dem Polizeibericht Bei der Polizeiverwaltung gelangten in der letzten Woche folgende Sachen zur Anzeige: 1 Anzeige wegen Fischereivergehens, 1 wegen Motorradunfall, 1 Wandergewervergehen, 1 Sachbeschädigung, 1 schwerer Einbruchsdiebstahl, 3 wegen Uebertretung der Straßenverkehrsordnung. Ein größerer Geldbetrag und eine Geldbörse mit Inhalt wurden als Fundsache gemeldet. Aus industriellen Werken wurden fünf Unfälle zur Anzeige gebracht. Die Taubensperre zum Schutze der Herbstsaaten dauert vom 1. bis 31. Oktober. Ab 1. Oktober sind die während des Sommers für den gesamten Kraftfahrzeugverkehr an Sonn= und Feiertagen gesperrten Straßen nach Hohensyburg und durch die Gemeinde Holzen wieder freigegeben. Deutsche Turnerschaft Handball Tv.„Eiche“ Iserlohn=Grüne— Holzen 07. Die Holzener erlebten am Sonntag in Iserlohn=Grüne wohl die größte Ueberraschung ihres Lebens; denn als die Mannschaft spielen wollte, war kein Gegner(Grüne) zur Stelle. Der Gastgeber war zur Austragung eines Meisterschaftsspieles nach auswärts gefahren und fand es nicht für nötig, die Holzener vorher zu benachrichtigen, so daß die Reise der Holzener vergebens war. Es wäre sehr angebracht, wenn sich der Gauspielausschuß dieses Falles annähme und den betreffenden Verein aufs schärfste bestrafte. Eintracht Lütgendortmund 1.— Holzen 07 2. 6:1(2:0). Auch Holzens 2. Garnitur erlebte in Lütgendortmund beim Pflichtspiel eine Ueberraschung. Zwar war hier der Gegner zur Stelle, aber mit einer Niederlage von 6:1 hatte keiner gerechnet. Lütgendortmund stellte eine technisch gut durchgebildete Elf ins Feld, welche leider nach der Pause von ihrer Körperkraft reichlich Gebrauch machte. An Eifer waren die Holzener dem Gastgeber überlegen, aber es fehlte ihnen noch das nötige Zusammenspiel. Mögen sich die Holzener trösten; denn es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Reichsbahn Schwerte 1. Jgd.— Holzen 07 1. Jgd. 2:5(2:0). Ein Spiel mit zwei verschiedenen Halbzeiten. Während sich die Holzener in der 1. Halbzeit nicht finden konnten und mit 2:0 im Rückstand lagen, kamen sie nach der Pause gewaltig auf und konnten dem Gastgeber fünf Tore beibringen. Kl. A0 Allgemeiner Deutscher Turnerbund Turnverein„Jahn“ Schwerterheide. Vor gut besetztem Hause fand am Sonntag im„Freischützsaal" der mit Spannung erwartete Gerätekampf der Turnvereine„Germania“ Hohenlimburg=Reh,„Grüne Eiche" Bürenbruch und „Jahn“ Schwerterheide statt. Die Veranstaltung wurde eingeleitet mit einigen Musikstücken von der Kapelle Schimerowski. Hierauf begrüßte der 1. Vorsitzende des festgebenden Vereins die Mannschaften der Vereine und das Kampfgericht. Schüler und Jugend zeigten danach gut eingeübte Freiübungen und Barrenübungen. Hier führte Jahn=Schwerterheide mit 2 Punkten. Nach den Freiübungen mußte der führende Verein 7 Punkte abgeben, holte aber im Langsprung 6 Punkte wieder auf. In der fünften Uebung am Reck mußten sich die auswärtigen Vereine dem besseren Können der Schwerter beugen, denn hier allein holten sie 24 Punkte, so daß das Endergebnis lautete: T. V.„Jahn“ Schwerterheide 651 Punkte, T. V. Hohenlimburg=Reh 619 Punkte, T. V.„Grüne Eiche" Bürenbruch 553 Punkte. Als Einzelsieger gingen vom T.V. „Jahn“ Schwerterheide A. Clout und Jos. Paul mit je 110 Punkten als 1. Sieger hervor. Als 2. Sieger gingen H. Fritzenkötter T. V. Hohenlimburg=Reh und A. Tönnis T. V.„Grüne Eiche" Bürenbruch und A. Schmücker T. V. „Jahn“ Schwerterheide mit je 101 Punkte hervor. Als 3. Sieger ging G. Wüsthoff T. V. „Jahn“ Schwerterheide mit 94 Punkten hervor. Als 4. Sieger ging Walter Hobein T. V. Hohenlimburg=Reh mit 91 Punkten hervor. Die Zpischenzeit wurde durch neuzeitliche Ringübungen der Jugend und Volkstänze und Flammenschwingen der Damen ausgefüllt. Da diese gezeigten Vorführungen gut eingeübt waren, fanden sie reichen Beifall. Die Siegerehrung nahm der Kreisspielwart Stuhlmann=Hagen vor, und überreichte der siegenden Mannschaft den Lobeerkranz und den Einzelsiegern den Eichenkranz. Nach einigen genußreichen Stunden fand die Feier ihren Abschluß. Bericht über die Preisfeststellung des Dortmunder Schlachtviehmarktes vom 30. September. Dem gestrigen Schlachtviehmarkte waren zugeführt 1301 Stück Großvieh, 403 Kälber, 82 Schafe, 2437 Schweine. Der Marktverlauf war bei Großvieh langsam, bei Kälbern gut, bei Schafen mittel, bei Schweinen flott. Es wurden gezahlt für 50 Kilo Lebendgewicht: Ochsen: a) 1. 57—59, 2. 53—55; b) 1. 53—55, 2. 48— 50; c) 46—47; d) 40—44. Kühe: a) 50—53; b) 46—48; c) 40—44; d) 25—38. Färsen: a) 56—58; b) 48—54; c) 40—46. Kälber: a) 100—110; b) 88—92; c) 70—87; d) 55—69. Schafe: b) 54—56; c) 48—53; d) 30—45. Schweine: a) 88—90; b) 90—92; c) 90—92; d) 88—90; e) 86—88; f) 83—85; g) 75—82. hören wir im Rundfunk? Mittwoch, den 2. Oktober 1929. 10.15—11,15: Schallplattenkonzert. 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen. 11,20: Musikalischer Schulfunk für die Oberstufe höherer Lehranstalten. 12,10: Schallplattenkonzert. 12.50: Wetterdienst. 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesvienst. 13,05—14,30: Mittagskonzert. In der Pause 13.30: Programmbemerkungen. 15,00: Kinderspielstunde. Egbert Grape spielt und erläutert leichte bekannte und unbekannte Klavierwerke zum Nachspielen. 15.30: Wirtschaftsdienst. 16,00: Dr. Rosemarie Ellscheid:„Was muß die Frau von der Krisenunterstützung wissen? 16,25: Wirtschaftsdienst. 16,30: Lebende Dichter. Friedrich Schnack: Aus dem Roman„Sebastian im Wald.“ 17,00: Funkpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer an Volksschulen. Sprechübungen in der Mittelschule einer gemischtsprachigen Volksschule(Lehrender: R. Schupp). 17,35—18,30: Kammermusik. In der Pause 18,15: Programmbemerkungen. 18.30—18.50: Die moderne Genossenschaftsbewegung. Peter Schnitter:„Entwicklung und Geschichte der Gonossenschaften des Handels.“ 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst. über „Verkehr und Wirtschaft.“ 20,00: Der heitere Mittwoch. Auschließend: Letzte Meldungen. Bericht das geistige Leben, Sportdienst. Danach bis 24,00: Meister des Jazz(Schallplatten). K. 100. In 4 Jahren ist die Miete unter den angegebenen Umständen verjährt. Man soll des Guten nicht zu viel tun, darum sei wieder darauf hingewiesen, daß Maggi's Würze gerade bei sparsamer Verwendung ihre vorzügliche Wirkung entfaltet. Wenige Tropsen genügen, um schwache Suppen und Soßen überraschend zu verbessern und den Geschmack von Gemüsen und Salaten zu verseinern. ORHEBERRECHTSCHUTZ: OURCH · VERLAG OSKAR: (23. Fortsetzung.) Die Kutscher zu bestechen hatte Karsten für. den Moment aufgespart, wo man den Kommissar zurücklassen wollte. Es war dann immer noch früh genug. Jedenfalls würden sie williger sein, wenn man sich weit von Petersburg befand und mit Geld und Juwelen, ohne Gefahr zu laufen, die Freiheit sichern konnte. Wenn es sein mußte, nahm man sie eben mit über die Grenze. Er sah jetzt immer klarer, daß Dimitri Recht hatte, wenn ein Entkommen überhaupt möglich war, konnte es nur über Archangelsk sein. Jeder andere Weg war ihnen abgeschnitten. In Archangelsk wohnten außerdem eine Menge Kutscher, die nicht einmal die Revolution abgeschreckt hatte, ihre Hütten abzubrechen und ihre Geschäfte im Stiche zu lassen. Vorwärts“ rief der Kutscher des ersten Schuttens seinen Pferden zu Zwischen Dimitri und dem Hilfsregisseur auf dem Sitze stehend, hielt er die Zügel in der Hand und schnalzte anfeuernd mit der Zunge. Wie ein Pfeil schoß die Troika, gefolgt von den anderen. über den Schnee, bog in beängstigendem Winkel um Ecken und Kurven und erreichte endlich das freie Feld. wo nichts mehr das Ausgreifen der Rosse behinderte. Marions Wangen blühten wie zarte Rosen von der Kälte und dem Winde, der ihr Gesicht streifte, leicht überglüht, aus der riesigen Rutze dunklen Bibers, welche ihr Petroff über das Haar gestülp und tief über die Ohren herabgezogen hatte. Ihr Gesicht lachte ihn an. Beinahe tat es ihr leid, daß er für all seine Sorge um sie so schmählich sollte betrogen werden. Sie wollte ihn wenigstens einigermaßen dafür entschädigen und drückte sich enge an ihn. Trotz der dicken Fellhandschuhe merkte sie, wie seine Finger zitterten. Als er den Mantel aus weißem Schafpelz öffnete, kuschelte sie sich mit einem leisen Kichern an seine Brust. Willig glitt ihr Kopf an seine Schulter und blieb dort ruhen. Während die Troika dahinschoß, brannte ihr Mund von seinen Küssen. Einmal sah sie unter halbgesenkten Lidern zu ihm auf und schloß sie mit einem lähmenden Gefühl des Grauens. Es war das erstemal, daß sie sich vor ihm fürchtete. Seine Augen schillerten in einem Zuge von grausamer Härte. Ein offener Spott saß um seine Mundwinkel eingegraben. „Barmherziger Gott!“ Irgend jemand mußte um ihren Plan wissen und hatte Verrat geübt.— Oder war es nur die Angst, die sie auf einmal solche Schauer empfinden ließ? „Frieren Sie, Marion?“ Sie spürte den Hauch des Mundes, der über ihr fragte und vermochte nur den Kopf zu schütteln. Sie dachte sogar einen Moment daran, wirklich und wahrhaftig seine Frau zu werden und mit ihm nach der Krim oder irgend wohin zu ziehen, wo niemand um sie, seine und ihre Vergangenheit wuhte. r, Dimitrie Hauf Aber dann sah sie eine Streae nach vörne Dimilkis Kopf aus dem Schlitten tauchen. Ab und zu wandte er das Gesicht. Es war so weiß wie der Schnee, den die Pferdehufe gegen den Wagen spritzen. „Dimitri!“— Zwei Mannern ronnte sie nicht Weib sein. Wozu floh sie denn überhaupt aus Petersburg. Nikolajewitsch war ja frei. Sie brauchte nur das Wort zu halten, das sie Petroff gegeben hatte. Ihre Gedanken begannen sich zu verwirren, denn als die Erregung abflaute, konnte sie wieder ganz ruhig erwägen, daß man es einfach auf den Versuch ankommen lassen mußte. Wenn es nicht glückte, mußte man eben die Folgen auf sich nehmen, mußte Alexei Petroff heiraten, oder in eines der Gefängnisse wandern, deren es in Petersburg so viele gab und einer Kugel ins Auge sehen können. „Woran denken Sie, Marion?— Sie seufzen schon zum zweiten Male.“ „Wirklich, lieber Petroff?— Ich habe von der Krim geträumt und einem Hang von Veilchen!— Es gibt doch Veilchen dort?“ Das tadellose Gebiß seiner Zähne leuchtete wie eine Kette weißen Silbers aus seinem Munde.„Sie können dort in Wohlgerüchen baden, Liebste. Meine Besitzung liegt in Sebastopol. Neapel ist nur ein Schatten dieser Stadt.— Wir werden sehr glücklich sein.“ „Sehr glücklich“, höhnte der eisige Nordwind, der um Marions Wagen fegte. Der Schlitten bog in einen Wald, wo Fichten, Lärchen, und weißschälige Birken sich unter schweren, weißen Lasten bogen. Scharen von Krähen hoben sich aus den Wipfeln. Mit breitem Flügelschlage strichen sie unter den blauen Tinten des Himmels dahin, wie Fetzen schwarzer Trauerfahnen, die Stürme von fernen Masten entführt hatten. Marion sah mit aufmerksamen Augen, wie verschieden die Fährten waren, die sich auf der weißen Schneedecke eingeprägt hatten Sie wußte nicht, welche Tierart sie zurückgelassen haben würde, begriff nur, daß es vielerlei Raubzeug sein mußte, dessen Wechsel sich hier kreuzten. Plötzlich wurde das Klingeln der Schlitten von hundeartigem Geheul durchbrochen. „Wölfe“, sagte Petroff gleichmütig und verspürte im selben Augenblick, wie der Frauenkörper an seiner Brust zusammenzuckte. Er lachte auf, steckte den Kopf zum Schlitten hinaus und sah vier hundeartige Geschöpfe von respektabler Größe die hartnäckig hinter dem Schlitten herliefen. „Schießen Sie!—“ bat Marion und schauderte zusammen. Petroff rief dem Rosselenker ein paar Worte zu, der sofort die Pferde zu schärferem Laufe antrieb. „Schießen Sie!—“ Marion hörte das Heulen nun dicht hinter sich aufklingen. Er verneinte mit dem ruhigsten Gesicht der Welt. Es besteht absolut keine Gefahr meine Liebe. Sollen sie uns nachlaufen, wenn sie Lust dazu haben. Ein Wolf ist ja so furchtbar feige. Die Bestien denken ja gar nicht daran. uns MEISTER: WERDAU SA. anzugreifen. Wenn wir nicht umwerfen, oder eines unserer Pferde fällt, ist keinerlei Grund vorhanden, sich irgendwie Die Diva beruhigte sich wieder, sah aber trotzdem mit furchtsam weit geöffneten Augen nach den schwarzen Leibern, die unentwegt ihrer Spur folgten— Dann blieben sie zurück. Ihre Umrisse wurden kleiner und schrumpften zusammen zu unkenntlichen Punkten. Nur ab und zu noch drang ihr Geheul, vom Winde ausgenommen, herüber. Und weiter flogen die Gefährte. Durch Wälder, über Schneefelder, die mit trostlos ermüdender Einförmigkeit sich wie Unendlichkeiten dehnten. Auf Marion wirkten die Schauer dieser Einöde beängstigend. Unter den Kufen des Schlittens begann es zu krachen, zu bersten. Sie fuhr aus den Pelzen auf und rüttelte Petroff an den Schultern. Er zog sie wieder auf ihren Sitz zurück und hielt ihre Hände zwischen den seinen.„Wir fahren über die Tundren. Im Sommer vermag der schwankende Boden keinen einzelnen Menschen zu tragen. Jetzt kann ein Regiment Kosaken darüber reiten, ohne Gefahr zu laufen. Das Knirschen und Schwanken des Eises darf Sie nicht erschrecken. Marion beruhigte sich wiederum, atmete aber auf, als sich der erste Tag zu Ende neigte und Petroff nach der Ortschaft deutete, deren grüner Kirchturm sich in den nachtschwarzen Himmel schraubte. Der Schlitten bog in eine Straße mit einer Reihe einstöckiger Blockhütten, deren vorspringende Dächer an deutsche Gebirgshäuser erinnerten. Der Kommissar schien erwartet zu sein. Aus einer der Türen sprangen mehrere Soldaten und erwiesen ihm ihre Ehrenbezeugung. Er hob Marion aus dem Schlitten und stellte sie sorglich auf die Füße. Sie ging wie eine Marionette an seinem Arm und vermochte vor Steifheit der Glieder kaum zu trippeln. Mit gemischten Gefühlen sah sie nach den Hütten mit den primitiven Türen aus grobzusammengezimmerten Brettern, und den beiden mit Schiebern versehenen Oeffnungen, die als Fenster und zugleich als Abzug für den Rauch Verwendung fanden. Petroff hielt ihre Hand auf seinem Arme fest und ging. gefolgt von den anderen und von den Soldaten, zu einem gutgebauten Hause, das sogar einen Schornstein aufwies, wie Karsten anerkennend bemerkte. Man war dankbar für die herrliche Wärme, welche aus dem Flur strömte. Das Zimmer, in welchem man zu Abend saß, war geräumig, bequem, sogar ein bißchen ausgemalt. Marion, welche Dimitri gegenübersaß, aß mit Appetit und nahm zweimal von dem Gericht, das aus Fleisch bestand, welches in einem Gemisch von Erbsen, Rüben. Bohnen und saurem Kohl gesotten war Nur den Kwaß, das russische Nationalgetränk. verschmähte sie und schüttelte sich ekelerregend als Karsten denselben als deutsches Bier lobte. Sie fand ihn scheußlich. Ab und zu sah sie zu Dimitri hinüber. Er hatte kaum einen Bissen zu sich genommen. Seine Augen hingen an einer Stelle der Wand, die von zwei grünen, verschlossenen Vorhängen verdeckt wurde. Schon beim Eintreten hatte er eine Verneigung dorthin gemacht, mit den Fingern der rechten Hand ein Kreuz gezeichnet und etwas dabei gemurmelt. „Armer Dimitri!“ Es war gut, daß Karsten seine Laune noch nicht eingebüßt hatte. Die Unterhaltung ging fast ganz auf seine Kosten. Marion glaubte am anderen Morgen, es wäre nur ein Traum, daß sie in einem hochgetürmten, großkarierten Bette lag und Siga mit einer Tasse heißen Tee vor ihr stand. „Das Bad ist fertig, gnädige Frau. Die Diva strich ihr über den Aermel des schwarzen Kleides und lächelte verlegen.„Siga, ist das nun richtig, was du von einem-Bad gesagt hast?“ „Gewiß, gnädige Frau. Marion stieg aus dem Bett, griff sich an den Kopf, brach in nervöses Lachen aus und folgte dem Mädchen einen langen Gang zurück.— Aus einer großen, blendend sauberen Zinkwanne stieg verlockender Dampf gegen die Decke. Sie warf eine Hand voll Badesalz ins Wasser, maß die Temperatur und war der Herrin bei der Waschung behilflich. „Nebenan befindet sich noch eine zweite solche Stube“, berichtete das Mädchen leise.„Der Kommissar hat vor einer halben Stunde in ganz heißem Wasser gebadet und ist dann nackt in den Schnee unter seinem Fenster gesprungen. Er hat sich ein paar Mal darin gewälzt, dann lief er eine Strecke, riß einem Soldaten das Gewehr aus der Hand, schlug damit die Eisdecke des Brunnens ein, tauchte zweimal unter und kehrte dann ins Haus zurück, wo er noch einmal in die Wanne sprang. „Der Mensch ist verrückt“, sagte Marion und schüttelte sich Ihr Körper bekam, was man in Deutschland eine Gänsehaut nennt. Beim Frühstück, das man stehend nahm, weil draußen bereits die Schlitten warteten, fragte sie Petroff, wie ihm das Bad bekommen wäre. Er war sehr vergnügt, berichtete, ohne zu prahlen, daß er jedesmal nach einem Dampfbad sich im Schnee zu wälzen oder in Eiswasser zu springen. pflege. um sich abzuhärten.„„„ Dimitris Blick hing an iym. Verargert wandte sich der Kommissar ab Es gab Erinnerungen, die man am liebsten ausgelöscht hätte, wenn es möglich gewesen wäre. Aber gerade diese eine, welche sich ihm jetzt aufgedrängt hatte, ließ sich nicht aus seinem Gedächtnis bannen. Von solch einem Bade und folgender Nachkur hatte er einmal eine schwere Lungenentzündung davongetragen. Dimitris Mutter hatte ihn nicht ins Krankenhaus bringen lassen, sondern zu Hause gepflegt, und Nikolajewitsch hatte viele Stunden und Nächte an seinem Bette gesessen, bis die Krisis vorüber war. Er wollte die Vergangenheit abschütteln und schritt mit Marion hastig nach dem Schlitten, der schon in den nächsten Minuten wieder über das Schneefeld jagte. Der zweite Tag verlief ohne jedes bemerkenswertere Ereignis. Dafür war die Nacht umsomehr von Unruhe erfüllt. Am nächsten Abend hoffte man das Ziel zu erreichen. Karsten sondierte bei den Kutschern. Er hatte ihnen schon vorher sehr häufig Zigarren, Tabak, Branntwein und reichliches Trinkgeld zugesteckt. Es war ein Risiko ohnegleichen, wenn er ihnen auch nur teilweise seinen Plan enthüllte. Während sie aus ihren Pfeifen qualmten. versuchte er unter dem Rauch hindurch ihre Gesichter zu studieren. Unter den dünnen Lippen des nicht sehr großen Mundes sah er blendendweiße Zähne leuchten. Kleine durchdringende Augen bohrten sich in die seinen in einem Gemisch von Ernst und Gutmütigkeit, zuweilen sogar von Schwermut, aber auch von großer Verschlagenheit Zeugnis gebend. Es schien eine leidenschaftliche Heftigkeit in diesen scheinbar abgestumpften Kreaturen zu wohnen. Sie waren nicht eben gesprächig. aber doch von einer gewissen Höflichkeit„ „Ich muß es versuchen“, dachte Karsten uno zogerte noch immer. Dimitri hatte ihm das Kuvert mit den Juwelen ausgehändigt, die er im Zimmer der Mutter gefunden hatte. Er schüttete den Inhalt wie zum Spiel in die gewölbte Fläche seiner linken Hand, sah die begehrlichen Blicke und wagte das erste Wort des Vertrauens. „Ihr könnt euch die Steine verdienen, wenn ihr wolll. Schweigen.———. „Wie lange haben wir morgen noch zu führen, bis wir Archangelsk erreichen?“ „Acht Stunden, Herr."...., 61, m „Ist unterwegs noch eine Ortschaft, die woir passieren müssen?“ „Nein.— Nur mehr Wald und Moore.“ Karstens Brust zerrte bald das Hemd entzwei, so rang er nach Atem.— Es mußte sein.— Ueber den grobgezimmerten Tisch geneigt, riß ihm der eiserne Wille zum Leben das Wort vom Munde. Er fühlte nassen. tropfenden Schweiß an sich kleben, als er in die behaarten Gesichter sah, deren aufwärts gebogenen, etwas umgestülpten Nasen ihn plötzlich wie häßliche Fratzen anzugrinsen schienen. Er war nun in ihrer Hand und mit ihm die anderen. Nun gab es kein Zurück mehr. Er ließ die Steine auf die ungehobelte Platte des Tisches rinnen. Trotz des armseligen Dochtes der Oellampe, die nur ein kümmerlich rotes Licht in engem Kreise warf. schillerten die Juwelen in verführerischem Sprühen. a— Er verstand das Russisch nicht, das oie drei Manner sprachen, sah nur die unvermindert beharrlichen Blicke— dann ein Kopfschütteln des einen, das Karstens Gehirnhaut wie bei einer Skalpierung zusammenbog. Die beiden anderen schienen ihm recht zu geben. Ihre Hände schoben die Steine abwehrend von sich. Karsten verwandte seinen ganzen Willen darauf, seine Enttäuschung zu verbergen.. Die Steine repräsentierten ein Vermögen, von dem man ein ganzes Leben lang zehren konnte. Er nahm die Brieftasche heraus, legte drei Tausenderscheine in deutschen Rentenmark daneben und lächelte ermutigend. Drei Augenpaare starrten darauf hin, suchten sich dann gegenseitig zu durchbohren und senkten sich wieder. Zuerst össnete der alteste der Männer die Lippen. Die beiden anderen folgten. Und wieder konnte Karsten nicht verstehen. was sie sprachen. Der Alte winkte ihn dicht zu sich heran. „So, wie Ihr meint. Herr— geht es nicht.“ „Wie dann?—-„ „Dem Kommissar einfach vor der Nase wegfahlen:—— Er lachte kichernd.„In einer halben Stunde wären wir eingeholt.“ Karsten näher heranziehend. flüsterte er ihm etwas ins Ohr. was diesem alle Farbe aus dem Gesichte nahm.„Nein!—— Das nicht.“ Ein Achselzucken der Kutscher— keiner sprach mehr. Der Regisseur hatte keinen Spiegel bei der Hand. aber er wußte deutlich, wie er jetzt aussah: Ein Mensch, dessen Haar in einer Minute schlohweiß geworden ist und der mit einem Toten mehr Aehnlichkeit als mit einem Lebendigen trug. Er stützte die Hand auf die Platte des Tisches und türmte die Steine zu kleinen Würfeln Tierhaft gierig legte der ältere der Männer die Arme darüber Als kaue er schwer Verdauliches. begann er zu sprechen. Die anderen horchten ihm zu. Karsten beugte sich dicht gegen ihn. um kein Wort zu verlieren. „Es ist gut!“ sagte er, als der Mann geendet hatte„Ich werde dich übrigens davon verständigen. Je einen Tausendmarkschein bekommt ihr jetzt schon. Die Juwelen in Archangelsk.“ Man trennte sich, ohne noch ein Wort darüber zu versteren. Einer der Kutscher glaubte im Hintergrunde der Stube ein Geräusch vernommen zu haben. Aber es konnten auch Mäuse und Ratten gewesen sein Zudem hatte man ganz leise gesprochen Aber Kommissar Petroff war nicht zu trauen. Erst als sich einer von ihnen überzeugt hatte, daß er in dem großen Zimmer neben der deutschen Frau saß und keinen Gedanken an etwas anderes als dieses gottverdammt schöne Weib hatte, beruhigte man sich und legte sich schlafen. Karsten klopfte gegen vier Uhr morgens, wie vereinbart, bei der Diva an und teilte thr mit, wie man die Sache plane. Sie fand es sehr gut.„Es tut mir zwar sehr leid“, sagte sie und rieb sich fröstelnd die Hände,„aber Dimicris Leben „Sie wissen, was Sie zu tun haben, Frau Marion?“ „Ja, ich weiß.“(Schluß folgt.)