Die Schonin Zodug uchin uichmnuich ioche ued. zugspreis haldmonatlich 1.20 Mark, Einzeinummer 13 pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schworte(Rudr), Posschaetkonten: Vormund 2632 und Homover 21874. Geschsftestels: Große Mardstr. 3—5. Verantworlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Fernruf 2770 Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Schwerter Volksblatt Westhofener Aplerbecker Zeitung Langscheder beder Zeitung Asselgun ge, 15 sslg 49 ier cch. Wiie dir die achlerert.: u. geichsche Pastign 10 19 pähktiches Erscheiten bik Jaikhug u. kohe Ansprlich auf Schadeattsatz oder Nächlieferung K Schwerter Volksblat nnnntr Kreisblatt für den Kreis Hörde„ Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. Generalanzeiger für den Kreis Nr. 106(Frites Blard) Schwerte(Ruhr), Freitag, den 30. August 1929 80. Johrgang Neues in Kürze. Endhullige Einigung in Haus. Räumung der dritten Zone am 30. Juni 1930. wtb Haag, 29. Aug. Privattel.) Nach der heuGeheimrat Quaatz drängt auf Antwort. Berlin, 29. Aug.(Tel.) Der Abgeordnete Dr. Quaatz hat den Reichsfinanzminister Dr. Hilferding um schleunige Beantwortung der von ihm gestellten Frage über die wirkliche Höhe wtb Haag, 29. Aug. Priva“:“ der Belastung des deutschen Volkes durch den tigen Vormittagssitzung des Politischen Komitees Pariser Tributplan gebeten, da die deutsche wurde von den Teilnehmern an der Sitzung mitOeffentlichkeit ein Recht auf schleunige Aufklärung gntzi:.ux 6i g#umung der Briefwechsel Briand=Stresemann über die Saarwib. Paris, 29. Aug.(Tel.) Wie der Korreipendent des Temps im Haag meldet, werden wahrscheinlich vor Schluß der Konferenz Stresemann und Briand Briefe bezüglich der Saarfrage wechseln, in denen festgelegt wird, daß es sich hier um ein deutsch=französisches Problem handelt und daß sie zur Einleitung von Verhandlungen bereit sind, die sowohl die Interessen Deutschlands und Frankreichs wie die der Saarbevölkerung berücksichtigen. wtb. Jerusalem, 29. Aug.(Tel.) Die Anwesenheit von Truppen hat die Ordnung in Palästina rasch wieder hergestellt. Ueberall da, wo Truppen sind, herrscht Ruhe. Es heißt, daß Banden von Plünderern in abgelegenen Ortschaften noch tätig sind, aber in den meisten Fällen sind sie zerstreut worden. Das Flottenbauprogramm Japans. wtb. Tokio, 29. Aug.(Tel.) Die Zeitungen veröffentlichen Berichte, denen zufolge der minister ein Flottenbauprogramm für die nächsten sechs Jahre ausgearbeitet hat, das den Bau von vier Kreuzern zu 10.000 To., 15 großen Torpedo= bootszerstörern und zahlreicher Schiffe kleineren Tonnengehalts vorsieht. Die Kosten belaufen sich auf 400 Millionen Yen. Die Regierung bezweckt mit dieser Vorlage, sich bei den Flottenabrüstungsverhandlungen in einer besseren Lage zu befinden. Der Katholikentag in Freiburg. wtb Freiburg, 29. Aug.(Tel.) Die eigentlichen Arbeiten der 68. Generalversammlung der deutschen Katholiken wurden nach dem gestrigen Begrüßungsabend heute morgen eingeleitet mit einem Pontifikalamt im Freiburger Münster, bei dem Abt Neipperg vom Kloster Neuburg bei Heidelberg die Festrede hielt. Im übrigen ist der heutige Tag ausgefüllt mit den Arbeiten der Vertretertagung, die in mehreren Gruppen für die Versammlung die Entschließungen vorbereiten. Der Abend bringt dann eine ganze Reihe von Standesversammlungen. Nuntius Pacelli benutzte den heutigen Tag dazu, dem Charitasheim auf dem Feldberg einen Besuch abzustatten. Die Reichstagsfraktion des Zentrums wird am Samstag am Grabe des rüheren Reichskanzlers Fehrenbach eine kleine Feier veranstalten und einen Kranz niederlegen. Entwurf eines Gesetzes über Vergmansedlungen. gereilt, daß der Termin fur die Räumung der dritten Zone nunmehr auf den 30. Juni 1930 festgesetzt worden sei. wtb Haag, 29. Aug.(Tel.) In der heutigen Sitzung des Politischen Ausschusses, die fast drei Stunden dauerte, wurde die Frage der Rheinlandräumung bis zu einem schriftlich niedergelegten Ergebnis durchgeführt und die Arbeit dieser Kom(Es ist ein einstimmiger Bericht über die letzten Vorbereitungsarbeiten des sog. Henderson=Komitees, das aus den Hauptdelegierten der an der Rheinlandfrage interessierten Mächte Deutschlands, Frankreichs, Belgiens und Englands besteht, dem Politischen Ausschuß vorgelegt, in dem zwei Ergebnisse festgestellt werden: 1. Daß die drei Besatzungsmächte gemeinsam die Grundlage für eine Reglung der Räumungsfrage gefunden haben, daß mit der tatsächlichen Räumung ab Mitte September begonnen werde, die belgischen und englischen Truppen innerhalb dreier Monate vom Beginn der Räumung ab zurückgezogen sein sollen, daß in derselben Zeit die französischen Truppen die zweite Zone räumen und mit der Räumung der dritten Zone sofort nach der Ratifikation des Youngplanes durch das deutsche und das französische Parlament, seiner Inkraftsetzung, begonnen wird. Aus den Vorbesprechungen geht hervor, daß Briand nicht die Absicht hat, bis zur förmlichen Erledigung dieser parlamentarischen und juristischen Arbeiten zu warten, sondern auch die Räumung der dritten Zone beginnen will, sobald die Erledigung dieser Fomalitäten sichergestellt zu sein scheint. Die Räumung soll fortgesetzt ohne Unterbrechungen und so schnell erfolgen, als es die Umstände ermöglichen. Sie soll spätestens innerhalb von acht Monaten von dem erwähnten Termin ab, jedoch in jedem Fall noch bis Ende Juni 1930 beendet sein. Wan g. 9. 2. In der Frage der Kommission für die Behandlung von Differenzen über die Auslegung der Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages, d. h. über Vorgänge in den geräumten und entmilitarisierten Gebieten des Rheinlands, ist ebenfalls eine Verständigung erfolgt, die im Wortlaut noch veröffentlicht werden wird. Dabei wird festgestellt, daß keinerlei Neueinrichtung über die Behandlung dieser Frage geschaffen wird, daß auch die bestehende keinerlei Aenderung erfährt, daß vielmehr die dur chden Locarnovertrag geschaffenen Organe der deutsch=französischen und der deutschbelgischen Vergleichskommission mit unverändertem Verfahren und unveränderten Befugnissen für solche Streitfälle zuständig bleiben. Auch ein Zusammenwirken der beiden bestehenden Kommissionen, der deutsch=belgischen und der deutschfranzösischen, kommt nicht in Frage. Es steht überdies beiden Teilen frei, den Völkerbundrat anzurufen, dessen Befugnisse nach Art. 213 des Versailler Vertrages ebenfalls unverändert bleiben. Die ganzen Ergebnisse dieser Arbeit des Politischen Ausschusses werden heute in einem Protokoll niedergelegt und durch einen sofortigen Austausch, an dem die interessierten Mächte wechselseitig beteiligt sind, ergänzt werden. wtb. Koblenz, 30. Aug.(Funkspruch.) Der Chef der französischen Telegraphenkommission bei der Rheinlandkommission, Leutnant Charles Banino, ist gestern früh im Verlauf einer heftigen ehelichen Auseinandersetzung von seiner Frau mit einem Jagdgewehr erschossen worden. Die Frau öffnete sich dann die Pulsadern und wurde in das französische Militärhospital gebracht. Das amtliche Communique über die Einigungssitzung. riand, für die Sache des Friedens gebracht wtb Berlin, 29. Aug.(Tel.) Dem Reichstag ist der Entwurf eines Gesetzes über Bergmannssiedlungen zugegangen. Der Entwurf sieht vor, daß das Bergmannssiedlungsvermögen, das durch einen besonderen Zuschlag zu den Kohlenpreisen in den Jahren 1920 bis 1923 aufgebracht wurde, nach den Bestimmungen des Reichsarbeitsministeriums vom 21. Januar 1920 zu verwalten ist. Die zum Bergmannssiedlungsvermögen gehörenden Rechte sollen nach wie vor den bereits bestehenden Treuhandstellen zustehen.— Das Bergmannssiedlungsvermögen soll in der Regel nur zur Schaffung und Erhaltung von Wohnungen für Arbeiter oder versicherungspflichtige Angestellte des Kohlenbergbaues verwandt werden. In besonders begründeten Einzelfällen sollen Ausnahmen dieser Bestimmung zugelassen sein, sofern dem Bergmannssiedlungsvermögen eine angemessene Entschädigung dafür zugeführt wird. Als wohnberechtigt gelten auch die Berginvaliden und deren Witwen. Diese Bergmannswohnungen sollen von der Hauszinssteuer und ähnlichen Belastungen im allgemeinen befreit sein. Die Explosion in Krümmel. wib Hamburg, 29. Aug.(Tel.) Der am Mittwochnachmittag durch die Explosion in der Dynamitfabrik Krümmel bei Geesthacht verursachte Waldbrand mußte noch im Laufe der letzten Nacht und Donnerstagvormittag bekämpft werden. Durch Anlegen von Schneisen und Niederlegung ganzer Waldstreifen versuchte man, das Feuer einzudämmen. Der vom Brand direkt erfaßte Waldteil konnte nicht gerettet werden. Erst am Donnerstagmittag um 12 Uhr konnte die Feuerwehr ihre Arbeit als beendigt ansehen. An der Stätte der Explosionskatastrophe selbst ist man weiter mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Wo gestern noch das Wachhaus gestanden hat, befindet sich heute ein tiefer Erdkrater. Die Leiche des Arbeiters Kruse aus Geesthacht ist bisher nicht gesunden worden. Man muß annehmen, daß der Mann bei der Erplosion vollkommen zerrissen worden ist. Der Betrieb der Fabrik erleidet keine wesentliche Unterberechung, da Reservefabrikationsräume vorhanden sind. wtb. Haag, 29. Aug(Tel.) Ueber die heutige Sitzung des Politischen Ausschusses wird das folgende Communique ausgegeben: Die Sitzung wird um 12 Uhr eröffnet. Henderson beginnt mit der Verlesung eines Berichtes des Henderson=Komitees, das die Bilanz seiner Arbeiten zieht. Dann legt er die ernsten Schwierigkeiten auseinander, die bei der Vorbereitung dieses Berichtes entstanden waren und die in einer Weise beigelegt worden seien, die die Regierungen und die beteiligten Völker zufriedenstelle. Im Hinblick auf die abgeschlossenen Verträge würden die Besatzungsmächte nicht getrennt, sondern gemeinsam bei der Räumung vorgehen. Mit der Räumung werde zudem ohne Verzug begonnen. Die Maßnahmen, die für die Inangriffnahme der Räumung getroffen wurden, sind, so führte Henderson aus, derartig, daß alle unnötige Verzögerung der Räumung vermieden wird. Wenn schließlich die allgemeinen Vereinbarungen der Konferenz— wie man hoffen kann — formuliert, unterzeichnet und so schnell, wie sich berechtigterweise erwarten läßt, ratifiziert werden, so wird sich die Räumung innerhalb einer billigen und vernünftigen Frist vollziehen. Um die Räumung im gemeinsamen Interesse zu beschleunigen, ist die verständige Bestimmung getroffen worden, die Ansprüche auf Schadenersatz usw., die aus der Liquidation der Besetzung entstehen, aufzugeben. Henderson fuhr fort: Was die Fragen anbetrifft, die durch die Art. 42 und 43 des Versailler Vertrages angeschnitten werden, so ist ebenfalls eine Vereinbarung erzielt worden. Man hat es als möglich betrachtet, daß im Vertrauen auf die bestehenden Einrichtungen eine freundschaftliche und zweckmäßige Regelung solcher Fragen erreicht werden kann. Diese Entscheidung ist ein neuer Beweis der Meinung Ausdruck, daß es zur Wiederherstellung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Völkern beitragen werde und den vom Völkerbund gewiesenen Richtlinien folge.# Dr. Stresemann beglückwünschte den Vorsitzenden des Politischen Ausschusses anläßlich des vollbrachten Werkes und gab seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß der Vorsitzende von Anfang an die Meinung vertreten habe, daß die Frage der Räumung unabhängig von den im Finanzausschuß behandelten Fragen geregelt werden müsse. Er dankte Briand für die Zusicherung, daß die Räumung des Rheinlandes aufs schnellste durchgeführt werde und sprach die Hoffnung aus, daß die Ratifizierung nicht nur durch Frankreich und Deutschland, sondern auch durch die anderen Länder in kurzer Frist erfolgen werde. Nachdem er mit Befriedigung festgestellt hatte, daß keinerlei besondere Kontrolle für das Rheinland vorgesehen sei, gab er seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß dieses Ergebnis im Geiste der Versöhnlichkeit und des guten Einvernehmens erreicht worden sei. Grandi verzeichnete seinerseits die Befriedigung der italienischen Delegation über das erreichte Abkommen und erklärte, daß Italien als Unterzeichner des Locarnovertrages sich über eine Lösung freue, die die Bedeutung und die Lebenskraft dieses Vertrages von neuem bestätigen. Adatschi führte aus, daß er sich von ganzem Herzen mit dem vollbrachten Werk verbunden fühle und betonte, daß der Youngplan von ihm nicht abgetrennt werden könne. Sodann verlieh er der Hoffnung Ausdruck, daß das Ergebnis der Arbeiten des Finanzausschusses die darauf gesetzten Erwartungen rechtfertigen werde. 800 Stünden in der Luft. „Graf Zeppelin“ in Lakehurst. Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland. Zum Schluß erinnerte Henderson daran, daß die Hauptaufgabe der Konferenz die Herbeiführung einer endgültigen, gerechten und billigen Liquidation der aus dem Kriege verbliebenen Probleme war. Infolge der Entscheidungen der Konserenz stehe der Weg zur Wiederherstellung des Allgemeinwohls und der Wohlfahrt der Völker auf der Grundlage eines sicheren und dauernden Friedens offen. Briand dankte dem Vorsitzenden für seine Worte und gab der Hoffnung Ausdruck, daß eine Einigung über die finanziellen Fragen noch im Laufe des Tages verzeichnet werden könne und daß so die Arbeiten des Politischen Ausschusses abgeschlossen werden könnten. Briand ging auf die Bedingungen ein, unter denen sich die Räumung des Rheinlandes vollziehen soll, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich alle diese Bedingungen, die eine Durchführung des Youngplanes anstreben, in der kürzestmöglichen Form verwirklichen lassen werden, um so eine schnellstmögliche Räumung zu gestatten. Er wies ferner auf die Vorteile hin, die die Sache des Friedens aus der vorbereiteten Resolution ziehen werde, in der die freundschaftliche Regelung von Streitigkeiten vorgesehen ist, die auf Grund der Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages entstehen könnten. und zwar im Wege von Kommissionen, die alle Vollmachten zur Rückfrage, Feststellung und zum Ausgleich haben, die notwendig sind. Wenn Opser von der einen und der anderen Seite gebracht werden mußten, so sollten sie nicht bedauert werden. Gie sind, so schloß wtb. Lakehurst, 29. Aug.(Tel.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ ist um 12.58 Uhr über dem Flugplatz eingetroffen und umkreiste mehrmals das Flugfeld. Die Weltreise hat 21 Tage und 5 Stunden in Anspruch genommen... 6rg chrl Nach seiner Schleifenfahrt über Lakehurst schritt Dr. Eckener zur Landung. Um 13.10 Uhr MEZ waren die Haltetaue ergriffen und das Luftschiff wurde von der bereitstehenden Haltemannschaft zur Erde gezogen. Die Landung erfolgte um 13.14 Uhr. wtb Lakehurst, 29. Aug.(Tel.) Um 7,30 Uhr (13,30 Uhr MEZ.) war der Bug des„Graf Zeppelin“ in der Halle. Die Bodenmannschaft steht unter dem Kommando des Marineleutnants Peck und arbeitet musterhaft. Schritt für Schritt schiebt sich der Riesenleib des Luftschiffes in die Halle, die der„Graf Zeppelin“ diesmal ganz für sich hat, da sich sein Schwesterschiff„Los Angeles“ auf dem Fluge nach der pazifischen Küste befindet. Die Passagiere lehnen aus den Fenstern und winken der Menge zu, die die Grüße jubelnd erwidert. In der Halle drängen sich Zeitungsleute, Photographen und Kurbelleute, Marineoffiziere und Zollbeamte bunt durcheinander. Um 7,50 Uhr 13,50 MEZ.) war das Luftschff in der Halle untergebracht. Die Flugzeit von Los Angeles nach Lakehurst betrug 51 Stunden und 59 Minuten und überbietet alle bisherigen Rekorde.— Als Dr. Eckener die Führergondel verließ, wurden ihm von der Menge stürmische Ovationen gebracht. In der Lustschiffhalle. Um 13.50 Uhr MEZ war der Graf Zeppelin in der Halle untergebracht. 13.52 Uhr MEZ verließ der erste Fahrgast das Luftschiff Der„Graf Zeppelin“ landete etwa 500 Meter vor der Halle. Er wurde darauf langsam zum Eingang der Halle gezogen und zwar im rechten Winkel zur Längsachse der Halle, da der Wind quer auf die Halle steht. Die 450 Matrosen der Landungsmannschaften wurden durch hundert Arbeiter verstärkt. Da der Bodenwind die Landung ziemlich schwierig macht, werden die Passagiere das Luftschiff erst verlassen können, nachdem es in der schützenden Halle untergebracht ist. Das Gerippe des Luftschiffes zeichnet sich unter der Außenhaut mit großer Deutlichkeit ab, es scheint während seiner Fahrt über den amerikanischen Kontinent viel Gas verloren zu haben. Um 1.26 Uhr MEZ lag der „Graf Zeppelin“ quer vor der Halle mit der Spitze vor dem Eingang. Die Landungsmannschaften begannen nunmehr, das Heck herumzuschwenken, bis das Luftschiff sich in der Richtung der Längsachse woib Lalehurst, 29. Aug.(Tel.) Die Zeppelinpassagiere sahen bei ihrer Ankunft in Lakehurst so frisch aus, als wenn sie nur von einer kurzen Motorfahrt zurückkämen und nicht von einem Weltflug. Der amerikanische Marineleutnant Richardson erklärte, obwohl der Zeppelin bei der Annäherung an Japan Ausläufer des Taifuns durchfuhr und zeitweise 500 Fuß fiel, hatte„Graf Zeppelin“ seine stürmischste Fahrt während des ganzen Weltfluges über dem amerikanischen Felsengebirge. Ueber diese Sturmfahrt berichtete der Leutnant nicht; er erzählte nur von der Taifunfahrt und sagte lächelnd, daß das Luftschiff manchmal 500 Fuß fiel, um dann wieder 500 Fuß zu steigen. Dabei rollte es heftig. Die Abstürze erfolgten aber nie so schnell wie bei einem Flugzeug. Die Passagiere waren niemals in Gefahr. Richardson erklärte, die Steuerbeschädigung sei dadurch entstanden, daß„Graf Zeppelin" beim Abflug von Los Angeles mit dem Steuervord aufstieß. Gottseidank berührten wir dabei nicht jenen elektrischen Draht. Als er gefragt wurde, wie nahe das Luftschiff daran war, erwiderte er lächelnd, dies möge ein andrer beantworten. Rund um die Welt in 21 Tagen. wtb Lakehurst, 30. Aug.(Funkspruch.) Dr. Eckener wurde von der begeisterten Menge förmlich bestürmt. Auf die Frage, wie lange er im ganzen in der Luft war, erklärte er: 288 Stunden.— Dr. Eckener sprach die Dankbarkeit für den wunderbaren und herzlichen Empfang aus, den er in Amerika gefunden habe. Das Luftschiff durchfuhr glatt jedes Wettr; nicht ein einziges Mal auf dem ganzen Fluge setzten die Motoren aus. Von den 89 Stunden des Pazifikfluges flog das Luftschift 60 Stunden durch so dichten Nebel, daß man nur selten Himmel und Wasser sah. Der Weltflug bedeutet zweifellos, daß künftig die Leichter=als=Luftfahrzeuge stets für Langstrecken, besonders über Wasser, benutzt werden, daß aber vorher eine Verbesserung des Wetterdienstes notwendig ist. Marineleutnant Richardson und Commander Rosendahl wechselten sich in der Unterstützung der Zeppelin=Navigatoren während der Amerikafahrt ab. Dr. Eckener nahm eine Einladung der Stadt Newyork zum Empfang und Lunch am Freitag an. Er flog um 1 Uhr nach Washington, wo Präsident Hoover ihn empfangen wird. D. Eckener kehrt am Freitag nach Newyork zurück. Sieben Mitglieder der Mannschaft, die zur Erleichterung de Luftschiffes in Los Angeles ausgestiegen waren, trafen Donnerstag mittag in Lakehurst ein.„St waren zwei Tage im Flugzeug und zwei Nachte Wie dier verlautet, wird„Drai Seppelug 163 s. da Dr.=Eckener mit der jetzigen nicht mehr ganz zufrieden ist (Weitere Meldungen auf der nächsten Seite.) Der Bericht Hendersons. wtb Haag, 30. Aug.(Funkspruch.) Der Bericht, den Henderson als Vorsitzender des Politischen Ausschusses diesem Donnerstagmittag überreichte und den er in eine große Rede einkleidete, bringt in dem amtlichen Communiqué die nur kurz angedeuteten Ergebnisse der Einigung in der Rheinlandfrage mit wesentlichen Einzelheiten. Er stellt fest, daß der Räumungsprozeß während des Monats September beginne, daß die belgischen und englischen Truppen innerhalb dreier Monate nach Beginn abgezogen sein werden, und daß die französischen Truppen innerhalb der gleichen Frist die zweite Zone geräumt haben werden. Die Zurückziehung der französischen Truppen aus der dritten Zone, so fährt der Bericht fort, wird unmittelbar nach der Ratifizierung durch das französische und das deutsche Parlament und nach Inkraftsetzung des Young= planes begonnen. Die Zurückziehung wird ohne Unterbrechung und so schnell durchgeführt, wie die physischen Bedingungen es zulassen. Sie wird in jedem Falle innerhalb einer Frist von acht Monaten und nicht später als Ende Juni 1930 vollendet sein. Mit Bezug auf die Lösung der im Absatz 3 des Genfer Communiqués vom 16. September 1928 aufgeworfenen Frage heißt es in dem Bericht: Um im gemeinsamen Interesse die freundliche und zweckmäßige Reglung irgendeiner Schwierigkeit zu erleichtern, die zwischen Belgien und Deutschland oder zwischen Frankreich und Deutschland bezüglich der Beobachtung von Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages entstehen könnte, einigen sich die deutsche, belgische und französische Regierung dahin, daß die Aufgabe zur freundschaftlichen Beilegung jeder derartigen Schwierigkeit von den Kommissionen erfüllt werden soll, die in den Locarno=Schiedsverträgen vom 16. Oktober 1925 zwischen Belgien und Frankreich einerseits und Deutschland anderseits eingesetzt worden sind. Diese Kommissionen sollen in Uebereinstimmung mit der feststehenden Prozedur und den Rechten arbeiten, die durch die Verträge festgestellt sind. Taucht irgendeine derartige Schwierigkeit auf, so wird sie entweder der deutsch=belgischen Vergleichskommission oder der deutsch=französischen Vergleichskommission unterbreitet, je nachdem, ob die Schwierigkeiten zwischen Belgien und Deutschland oder zwischen Frankreich und Deutschland erwachsen. Henderson unterstrich im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen die Bedeutung, die eine gemeinsame und gleichartige Räumung durch die drei Besatzungsmächte habe, ein Ziel, dessen Erreichung er sich habe angelegen sein lassen. Er ging auf die von ihm nicht ausdrücklich erwähnten französischen Einwendungen gegen die Verkürzung der Räumungsfristen, also die Truppenmengen, die Frage des Wetters und der technischen und rechtlichen Räumungsprobleme selbst ein und stellte sodann fest, daß die Aufgabe so gelöst worden sei, daß jede unnötige Gelegenheit zu Verzögerungen und Reibungen vermieden werde. Unter der Voraussetzung der Unterzeichnung und Ratifizierung der übrigen noch ausstehenden Vereinbarungen der Konferenz werde die Räumung „innerhalb eines vernünftigen Zeitraumes vollzogen.“ Mit Bezug auf die Frage der Räumungsschäden verwies er auf die erfahrungsgemäßen Schwierigkeiten, solche Schäden zu prüfen und festzustellen. Es sei daher im gemeinsamen Interesse und diene dem Zweck der beschleunigten Räumung, daß alle derartigen Ansprüche fallen zelassen würden. Er beglückwünschte vornehmlich die Beteiligten zu diesem weisen Entschluß. Auch mit Bezug auf die Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages liege, so fuhr Henderson fort, ein einstimmiger Beschluß vor, dessen besonderer Vorzug es sei, daß man als möglich befunden habe, sich auf die Wirksamkeit bestehender Einrichtungen zur Sicherstellung freundlicher und zweckmäßiger Reglungen zu verlassen. Dieser Entschluß stehe in vollem Einklang mit dem Geiste, der aus der Mitgliedschaft Deutschlands beim Völkerbund und aus seiner Unterschrift unter den Locarno= und Kelloggpakt hervorgehe. Es sei ein weiterer Beweis für die erreichte ehrliche Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich. In seinen Schlußausführungen sprach Henderson allen Mitarbeitern seinen Dank aus und verwies auf die Hauptausgabe, die endgültige Liquidation der Kriegsprobleme. Ich glaube, so betonte er, daß wir heute Entschlüsse fassen, die von jetzt an den Weltkrieg mit seinen Scheidungen, seinem Haß, mit dem Kampf gegnerischer Interessen, der ihm nachfolgte, bald nur noch als einen bösen Traum erscheinen lassen. Ein Weg öffnet sich für uns für konstruktive Arbeit am Wiederaufbau gemeinsamen Wohls und Gedeihens unserer Völker auf der festen Grundlage beständigen und dauernden Friedens. Diese Vereinbarung berührt in keiner Weise die allgemeinen Bestimmungen, die in solchen Fällen anwendbar sind. Sie wird insbesondere dem Vorbehalt unterworsen, daß die Vollmacht für Rat und Versammlung des Völkerbundes unberührt bleibe, Investigationen nach Artikel 213 des Versailler Vertrages vorzunehmen. Es herrscht ferner Einverständnis, daß jede der Mächte, die den Locarnovertrag vom 16. Oktober 1925 zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Italien unterzeichneten, sich das Recht vorbehält, jede Schwierigkeit zu jeder Zeit in Uebereinstimmung mit Artikel 4 dieses Vertrages dem Völkerbundrat vorzulegen. In seinen eignen Ausführungen betonte Henderson, daß der vorliegende Bericht einstimmig angenommen worden sei, durch einen Notenaustausch zwischen den Vertretern der Besetzungsmächte und Dr. Stresemann, und voraussichtlich während der für Freitag erhofften Plenarsitzung ergänzt werde. Henderson wies darauf hin, daß die Arbeiten des Politischen Ausschusses vielleicht nicht so kompliziert gewesen seien, wie diejenigen des Finanzausschusses, daß sie aber von unschätzbarer Bedeutung für die Versöhnung der europäischen Völker und für die Verständigung zwischen den Nationen seien, von denen auf die Dauer der Frieden abhänge. Er hoffe, so schloß Henderson, daß die Entschließungen der Vollkonferenz ebenso einstimmig und herzlich sein würden, wie die Vorverhandlungen am politischen Werk in den privaten Zusammenkünften der drei Nächstbeteiligten waren. Er spreche seinen Dank dafür aus, daß die Erfüllung der von ihm umrissenen Aufgabe dann bald vollbracht sein werde. se Frage der Besetzungskosten. pw. Haag, 30. Aug.(Funkspruch.) Aus den Finanzverhandlungen am Donnerstag nachmittag verlautet noch, daß dabei u. a. die Frage der Besetzungskosten, die bisher monatlich 11 Millionen Mark zuzüglich 3 Millionen von Deutschland getragener Verwaltungskosten betragen haben, eine erhebliche Rolle spielte, und für die man vorläufig folgende Lösung zur Ausgleichung der beiderseitigen Interessen gefunden hat. Es wird eine gemeinsame Kasse für die Bestreitung der Besetzungskosten ab 1. September errichtet, in die Deutschland einen sixen Gesamtbetrag von 30 Millionen Mark für die Restdauer der Besatzung einzahlt. Alle Summen, die diesen Betrag übersteigen, werden von den Besetzungsmächten anteilmäßig nach dem Verhältnis ihrer effektiven Posten in diese Kasse eingezahlt, aus der dann die Gesamtkosten bestritten werden. Auf diese Weise ist ein erhebliches finanzielles Interesse der Besatzungsmächte an der Beschleunigung des Besetzungsabbaues und der Verminderung der entsprechenden Kosten geschaffen worden. Die bisherigen Verwaltungskosten des Reiches für die verschiedenen Sonderorganisationen des Rheinlandes usw. in Höhe von etwa 3 Millionen Mark monatlich lausen unabhängig von dieser„Caisse commune“ weiter, vermindern sich jedoch entsprechend dem Abbau dieser Nebeneinrichtung der Besetzung. In der Frage der Besetzungsschäden, die nach dem gestern festgestellten Protokoll des Politischen Ausschusses niedergeschlagen werden sollten, ist festzustellen, daß Deutschland auf die Ansprüche aus diesem Teil von den Besetzungsmächten eine Reihe von Vorauszahlungen usw. erhalten hat. Diese (Fortsetzung von der 1. Seite.) Beginn der Neufüllung des„Graf Zeppelin“. wtb Lakehurst, 29. Aug.(Tel.) Als der Sonderzug mit den Passagieren des„Graf Zeppelin" nach Newyork abfuhr, wurde bereits mit der Legung von Rohren begonnen, durch die dem Luftschiff neuer Betriebsstoff zugeführt werden soll. Dr. Eckener fuhr in dem Sonderzug nicht mit. Nächster Start des„Graf Zeppelin" am Samstag. Dr. Eckener bleibt vorläufig in Amerika. wtb Lakehurst, 29. Aug.(Tel.) Sobald der „Graf Zeppelin“ sicher in der Halle untergebracht war, begab sich Dr. Eckener in das Pressezimmer, wo er von mehr als hundert Pressevertretern jubelnd begrüßt wurde. Dr. Eckener kündigte an, daß er nicht mit dem„Graf Zeppelin" nach Friedrichshafen zurückkehren, sondern sich etwa 12 Tage in den Vereinigten Staaten aufhalten und vor seiner Rückreise nach Deutschland Washington und Akron(Ohio) besuchen werde. In Akron befindet sich der Sitz der Goodyear Zeppelin Company, die die Zeppelinpatente für Amerika erworben hat und zurzeit zwei Riesenluftschiffe des Zeppelintyps für die amerikanische Marine baut. Dr. Eckener teilte ferner mit, daß der„Graf Zeppelin" am Samstagabend unter Führung des Kapitäns Ernst Lehmann nach Friedrichshafen abfliegen wird. Falsché Gerüchte um den„Graf Zeppelin“. wtb. Lakehurst, 29. Aug.(Tel.) Nach der Landung des„Graf Zeppelin“ gingen in der Luftschiffhalle allerlei Gerüchte über angebliche Beschädigungen um, die das Luftschiff erlitten habe. Man wollte wissen, daß das Steuer bei dem kleinen Unfall in Los Angeles so stark beschädigt worden sei, daß seine Ausbesserung mindestens zwei Wochen in Anspruch nehmen werde. Alle diese Gerüchte sind durch die Ankündigung Dr. Eckeners, daß der„Graf Zeppelin“ am Samstag abend seinen Rückflug nach Friedrichshasen antreten wird, widerlegt worden. Ein Vertreter der Associated Preß berichtet, nachdem das Luftschiff in der Halle untergebracht sei, könne man sehen, daß die elektrischen Drähte, die der„Graf Zeppelin“ bei seinem Abflug von Los Angeles berührte, den unteren Rand des Steuers verbogen, aber keine Brandspuren zurückgelassen haben. Dr. Eckener erklärte Pressevertretern gegenüber, während des ganzen Weltfluges seien nur zwei sehr leichte Unsälle zu verzeichnen gewesen. In Tokio habe man den Schaden innerhalb von acht Stunden ausbessern können und über Los Angeles sei er mühelos und ohne ernsten Schaden von der Hochspannungsleitung abgekommen. Dr. Eckener dementierte schließlich die angeblich in Friedrichshafen umgehenden Gerüchte, daß er demnächst zurücktreten werde und daß der Weltflug seine letzte Reise als Führer des„Graf Zeppelin“ gewesen sei. Dr. Eckener erklärte nachdrücklich, daß er nicht die Absicht habe, zurückzutreten. Eine Botschaft Hoovers an Dr. Eckener. wtb. Lakehurst, 29. Aug.(Tel.) Der amerikanische Unterstaatssekretär für das Flugwesen, MacCracken, überreichte nach der Landung des„Graf Zeppelin" dem Führer des Luftschiffes, Dr. Eckener, ein Schreiben des Präsidenten Hoover, in dem es heißt: Es bildet für mich und meine Mitbürger eine große Genugtuung, Sie, die Besatzung und die Passagiere des„Graf Zeppelin" nach der Vollendung des denkwürdigen Weltfluges willkommen zu heißen. Der Weltflug war ein großes Ereignis, das den Geist und das Interesse aller Männer und Frauen aufs neue angeregt hat. Der Weltflug stellt einen weiteren Fortschritt des Flugwesens dar. Das deutsche Volk ist zu dem weiteren Beweis seiner Förderung der Flugkunst zu beglückwünschen, ebenso wie Sie zu Ihrem Mut und Ihrer Geschicklichkeit. Auch Herr Hearst, der, wie ich höre, den Weltflug finanziell in weitgehendem Maße unterwerden von der Gegenseite ebenso wie deutscherseits die bestehenden oder bei der künftigen Räumung entstehenden Besetzungsansprüche fallen gelassen bzw. als gegenseitig abgegolten behandelt. Eine Erklärung Stresemanns. wtb. Haag, 30. Aug.(Funkspruch.) Bei Schluß der Nachmittagssitzung am Donnerstag gab Reichsaußenminister Dr. Stresemann eine Erklärung ab, wonach er auf Grund des vorgesehenen Turnus in der voraussichtlichen Schlußsitzung der Plenarver= sammlung den Vorsitz hätte führen müssen; im Hinblick auf die außerordentlichen Verdienste Jaspars um die Konferenz beantrage er jedoch, daß diesem der Vorsitz auch für die Plenarsitzung übertragen werde. Diesem Antrag schlossen sich Snowden, Briand und die Vertreter der anderen Delegationen an, so daß bestimmt wurde, daß der belgische Minister den Vorsitz bei dieser Gelegenheit führen wird. * Briand über die Ergebnisse der Haager Verhandlungen. wtb Paris, 29. Aug.(Tel.) Der Haager Sonderberichterstatter des Temps verzeichnet folgende Aeußerungen Briands in der heute nachmittag abgehaltenen Sitzung des Politischen Ausschusses: Was die Anwendung der Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages anlangt, so hat auf französischer Seite niemals der Gedanke bestanden, eine irritierende Kontrolle auszuüben. Wir dürfen aber den in Locarno geschaffenen Ausgleichsmechanismus nicht in die Frage einbeziehen, die geeignet wäre, empfindliche Schwierigketen hervorzurufen; denn die Untersuchungsmaschinerie des Völkerbundes ist schwerfällig. Es ist ein glücklicher Umstand, daß sich der Politische Ausschuß im Haag sofort an die Arbeit begeben hat und daß damit, sobald die finanziellen Arbeiten erledigt sind, die politischen Arbeiten verbucht werden können. Wir haben einen großen Schritt auf dem Wege des Friedens getan. Unsere Genugtuung muß von sämtlichen Völkern geteilt werden. Opfer sind von der einen wie von der andern Seite gebracht worden, und zwar um der Sache des Friedens willen. Wir haben sie nicht zu bedauern. Bei diesen Verhandlungen hat es weder Sieger noch Besiegte gegeben. Heinrich IV. hat gesagt: Paris ist wohl eine Messe wert; das ist die sich aus dem gesunden Menschenverstand ergebende Wahrheit. Ich bin glücklich, daß sie gesiegt hat. stützt hat, ist zum erfolgreichen Abschluß des Unternehmens zu beglückwünschen. Glückwunschtelegramm des Reichsverkehrsministers an Dr. Eckener. wtb. Berlin, 29. Aug.(Tel.) Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald richtete anläßlich der Landung des„Graf Zeppelin" in Lakehurst folgendes Telegramm an Dr. Eckener: Nach glücklicher Ueberquerung des nordamerikanischen Festlandes haben Sie die nördliche Erdhalbkugel in einzig dastehendem Fluge umkreist. Zu diesem großen Erfolge spreche ich Ihnen und Ihren Gefährten wiederum herzliche Glückwünsche aus. Das deutsche Volk erwartet mit Begeisterung die Beendigung der Fahrt und Ihre Rückkehr in die Heimat. Gott mit Ihnen! Glückwunsch der wtb. Hamburg, 29. Aug.(Tel.) Der Vorsitzende des Direktoriums der Hapag, Geheimrat Dr. Cuno, richtete an Dr. Eckener folgendes Telegramm: Sie haben die Weltfahrt glücklich beendet und damit das größte Werk vollbracht, das menschlicher Geist für die Bezwingung der Lüfte je erträumte. Mit ehrlicher Bewunderung und mit wachsendem Vertrauen haben alle Völker der Erde die Fahrt begleitet, und mit spontaner Herzlichkeit und stürmischer Begeisterung haben diejenigen Sie begrüßt, die Augenzeugen des Fluges waren. Sie haben durch die echt deutsche Tat von technischer Vollendung die Kontinente und Menschen einander näher gebracht, und zugleich das Wirken, die Kraft und die Befähigung unseres Volkes zum Leben in und mit der Welt von neuem bestätigt. Das ist und bleibt Ihr großes historisches Verdienst, zu dem die Hamburg=Amerika=Linie Sie und die Besatzung von ganzem Herzen beglückwünscht. Mögen die kommenden Jahre im gemeinsamen Planen und Wagen die Vollendung dessen bringen, was Sie mit Ihrer Fahrt um den Erdball getreu dem Vermächtnis des alten Grafen so verheißungsvoll begonnen haben. Paketpost Tokio—Chikago in 4¾ Tagen. wtb. Chikago, 29. Aug.(Tel.) Ein Paket mit japanischen Kimonos traf heute bei einer hiesigen Firma 4¾ Tage nach der Aufgabe in Tokio ein. Das Paket war vom„Graf Zeppelin“ von Tokio nach Los Angeles und von dort durch ein Postflugzeug nach Chikage gebracht worden. Zur Frage der Rheinregulierung. wtb Berlin, 30. Aug.(Funkspruch.) Die nationalrätliche Kommission für den Staatsvertrag mit Deutschland über die Regulierung des Rheins zwischen Straßburg=Kehl und Istein hat am Donnerstagnachmittag in Bern unter dem Vorsitz des Abg. Dollfus im Beisein der Bundesräte Motta und Pilet die Beratungen zu Ende geführt. Die Beratung drehte sich in der Hauptsache noch um gewisse Einzelfragen wirtschaftlicher Natur. Die Kommission beantragte einstimmig die Genehmigung des Vertrages. Kohrbach=Gründung in Amerika. pw. Berlin, 30. Aug.(Funkspruch.) Wie dem Lokalanzeiger mitgeteilt wird, wurde in Newyork eine Gesellschaft unter dem Namen The Metal Flying=Boat Corporation mit einem Kapital von 2 Millionen Dollar gegründet. Die neue Gesellschaft wird sich ausschließlich mit dem Bau von Rohrbach=Metallflugbooten beschäftigen und zwar soll vorzugsweise mit dem Bau von Romar=Flugbooten begonnen werden. Entsprechend den besonderen Anforderungen im nordamerikanischen Verkehr soll ein Modell geschaffen werden, das 45 Passagiere befördern kann. Erntevorschätzung im Reich von Anfang August. Befriedigende Ergebnisse. wtb. Berlin, 29. Aug.(Tel.) Nach der Erntevorschätzung des Statistischen Reichsamtes wird unter Zugrundelegung der Anbauflächen mit solgenden Erträgnissen(alle Angaben in Millionen Tonnen) gerechnet: Winterroggen rund 8(gegen 8.4 endgültiges Ergebnis im Vorjahre), Sommerroggen 0,11(0,12), Winterweizen 2,89(3,46), Sommerweizen 0,26(0,39), Winterspelz 0,16(0,17), Wintergerste 0,34(0,46), Sommergerste 2,7(2.9), Haser 7(7), Frühkartoffeln 2,6(2,7). Das Statistische Reichsamt bemerkt hierzu, daß die diesjährige Getreideernte nach den bisherigen Schätzungen im ganzen nicht ungünstig auszufallen scheint, wenn auch die Erträge hinter der recht günstigen Vorjahresernte zurückbleiben. Aus Rah und Fern. Zwei Todesopfer der Brandkatastrophe am Kurfürstendamm. wtb. Berlin, 29. Aug.(Tel.) Von den bei der Brandkatastrophe am Kurfürstendamm verunglückten elf Feuerwehrleuten ist der Feuerwehrmann Kurt Klemm heute früh 5 Uhr seinen Verletzungen im St. Hildegard=Krankenhaus erlegen. wtb. Berlin, 29. Aug.(Tel.) Die Brandkatastrophe am Kurfürstendamm hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Der Brandmeister Pfeiffer ist heute gegen 11 Uhr seinen Verletzungen erlegen. Die Aufräumungsarbeiten und die Ablöschung kleiner Brandnester an der Brandstätte hat auch heute vormittag noch eine Wache der Feuerwehr in Anspruch genommen. Verhängnisvoller Streit zwischen Greisinnen. wtb. Berlin, 29. Aug.(Tel.) Vor einigen Tagen geriet die 81jährige Frau Emilie Förster auf dem Heimwege von einer Bibelstunde der Versöhnungsgemeinde in der Bernauer Straße mit einer 70jährigen Nachbarin in Streit, in dessen Verlauf die Greisin von ihrer Gegnerin mit einer Handtasche auf den Kopf geschlagen wurde, so daß sie zusammenbrach. Einige Tage später ist sie dann im Krankenhaus gestorben und zwar, wie die Aerzte feststellen, infolge eines Schenkelbruchs. Da die alte Frau herzleidend war, mag auch die Aufregung zu ihrem Tod beigetragen haben. Die Staatsanwaltschaft ist mit der Untersuchung des Falles beschäftigt. Ein ganzer Dorffriedhof von Unbekannten verwüstet. wtb Sömmerda bei Erfurt, 29. Aug.(Tel.) Auf dem Friedhof im Nachbarort Tunzenhausen haben Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag zweiunddreißig Grabdenkmäler, darunter starke hohe Säulen und Marmorplatten, zerstört, Grabtafeln und Kreuze lagen zerstreut umher. Obwohl die Landjägerei sofort ein Spürhund ansetzte, gelang es nicht, die Spur zu verfolgen, da die Einwohnerschaft inzwischen in den Friedhof eingedrungen war und die Spuren verwischt hatte. Großfeuer. wtb. Uelzen, 29. Aug.(Tel.) In den Hansawerken in Westerweyhe(Kreis Uelzen), die sich mit der Herstellung von Fußbodenbelag und Isolierstoffen aus Korkplatten befassen, brach gestern ein Brand aus, der in dem in der Fabrik lagernden Körk reiche Nahrung fand. Die Fabrikgebäude standen bald in ihrer ganzen Ausdehnung in Flammen. An den Löscharbeiten, die sich sehr schwierig gestalteten und bei denen einige Personen verletzt wurden, beteiligten sich zehn Feuerwehren der Umgebung. Mehr als 1000 Kubikmeter Kork sind verbrannt. Der durch Versicherung gedeckte Schaden wird auf eine Million Reichsmark geschätzt. Eine ganze Familie an Pilzvergiftung erkrankt.— Ein Kind gestorben. wtb. Erlangen, 29. Aug.(Tel.) Die Familie des Buchbinders Croner ist nach dem Genuß von selbst gesammelten Pilzen am Dienstag schwer erkrankt. Ein dreijähriger Sohn ist heute früh gestorben. Der Zustand des Vaters ist gleichfalls sehr ernst. Dagegen befindet sich die Mutter und ein zweiter Sohn auf dem Wege der Besserung. Unter den zubereiteten Pilzen war auch der sehr giftige Knollenblätterpilz, den Croner vermutlich mit Champignon verwechselt hatte. Schweres Unglück. wtb. Cannstatt, 29. Aug.(Tel.) An der Neckarbaustelle ging gestern nachmittag bei Sprengarbeiten ein Schuß vorzeitig los. Hierdurch wurden vier Arbeiter teils schwer, teils leicht verletzt. Einer der Arbeiter ist inzwischen gestorben. Haymanns zweiter Sieg in Amerika. wtb. Newyork, 29. Aug.(Tel.) Der Boxkampf des deutschen Schwergewichtsmeisters Ludwig Haymann gegen den Amerikaner Thompson wurde am Mittwoch abend ausgetragen. Haymann besiegte seinen Gegner in der 3. Runde durch k. o. Verurteilung eines kommunistischen Zersetzungsfunktionärs. wtb. Leipzig, 30. Aug.(Funkspruch.) Vor dem Ferienstrafsenat des Reichsgerichts wurde gestern gegen den Maurer Bludau aus Königsberg in Ostpreußen verhandelt, der als Zersetzungsfunktionär der KPD. wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit einem Vergehen gegen das Republikschutzgesetz angeklagt war. Eine im Januar d. Is. bei ihm vorgenommene Haussuchung hatte erhebliches belastendes Material zutage gefördert, darunter über 200 Exemplare von inzwischen beschlagnahmten, für die Reichswehrschutzpolizei bestimmte Zersetzungsschriften. Der Ferienstrafsenat erkannte auf Festungshaft von einem Jahr sechs Monaten sowie einer Geldstrafe von 150 Mark. Die Geldstrafe und sieben Monate gelten als durch die Untersuchungshaft verbüßt. Drei Tote und elf Verletzte bei einem Brand in=Newyork. wtb. Newyork, 30. Aug.(Funkspruch.) Bei dem Brand einer vierstöckigen Mietskaserne in der unteren Stadt kamen drei Personen in den Flammen um, während elf verletzt wurden. Eine große Anzahl Menschen, die gefährdet war, konnte in Sicherheit gebracht werden. Der Wenrundstag der„Sruf herpeinn Naufeichstendlenst=Turch Funrspracht Aus den Nachbar-Städten Aus Groß=Dortmund — Heimtückischer Ueberfall. Als sich der Arbeiter Ignatz Lupa aus der Danewerkstraße Mittwoch abend zur Nachtschicht zum Eisen= und Stahlwerk Hoesch begeben wollte, wurde er an der Danewerk= und Gronaustraßen Ecke plötzlich von einem jüngeren Mann angefallen, der ihm mit einem harten Gegenstand einen Schlag ins Auge versetzte. Er hatte in dem Angreifer den Bauarbeiter Albert Nase, der ebenfalls in der Danewerkstraße wohnt, erkannt. Nach,e des Schlages, der dem Lupa eine klassende Wunde am Auge eintrug, fiel er besinnungslos zusammen. L. gibt an, daß er mit Nase nie etwas zu tun gehabt hat und sich nicht denken kann, warum ihn dieser auf seinem Wege zur Arbeitsstätte überfallen hat. Die Angelegenheit dürfte noch ein gerichtliches Nachspiel haben. — Ihren Verletzungen erlegen ist die Tänzerin Johannita Ravello, die sich, wie wir bereits berichteten, in den frühen Morgenstunden des Mittwoch aus dem 4. Stockwerk eines Hotels gestürzt hatte. Trotzdem sie sofort ins Johannishospital gebracht und operiert wurde, erlag sie noch am Mittwoch abend ihren bei dem Sturz erlittenen schweren Verletzungen. — Vater und Sohn wählen den Freitod. Vor einiger Zeit erregte der Selbstmord eines hochbetagten Mannes im Norden der Stadt durch seine besonderen Umstände berechtigtes Aufsehen. Der Mann erhängte sich und hatte die Absicht, seine Frau mit ins Jenseits zu nehmen. Er verletzte sie allerdings nur mit einem Messer unerheblich. Ein Motiv zu der Tat war taum ersichtlich. Jetzt hat auch der verheiratete Sohn seinem Leben ein Ende gemacht. Er stürzte sich in den hiesigen Kanalhafen und konnte nur als Leiche herausgezogen werden. Hier fehlt im Augenblick jedes Tatmotiv. Wirtschaftliche Not kann nicht in Frage kommen. Man nimmt an, daß es sich bei ihm wie auch bei seinem Vater um krankhafte Veranlagungen gehandelt hat. — Tod in der Grube. Im Untertagebetrieb der Zeche„Westhausen" verunglückte der Bergmann Albert Kortum aus Dortmund=Kirchlinde, Frohlinderstraße, heute während der Morgenschicht tödlich. K. war in einer alten Strecke beschäftigt. Der Tod trat durch Ersticken ein. — Motorradunfall auf der Hohe Straße. Gestern nachmittag wurde ein junger Mann auf der Hohe Straße von einem Motorrad angefahren und schwer verletzt. Ohne sich um den Verunglückten zu kümmern, fuhr der Motorradfahrer in schärfstem Tempo davon. Ein in der Nähe wohnender Arzt leistete dem Verletzten die erste Hilfe. Blutiges Ende einer Hochzeit. Eine blutige Schlügerei spielte sich heute früh in den eisten Morgenstunden auf der Langestraße zwischen einigen jungen Leuten ab, die in äußerst animierter Stimmung auf dem Heimwege von einer Hocheeitsstier wexen. In der Alkohollaune schlug einer derselben einem anderen den Zylinderhut zuschanden, worauf dieser derart in Wut geriet, daß er ohne weiteres zum Messer langte und auf den Uebermütigen einstach. Auch einem weiteren Begleiter, der sich zwischen die Streitenden warf, um größeres Unheil zu verhüten, versetzte er einen Stich in das Gesäß, so daß dieser in wenigen Sekunden wie in Blut gebadet aussah. Schrecklich wirkten die Schreie des ersteren, der in seiner Angst aus Leibeskräften um Hilfe rief. Arbeiter, die schon zur Frühschicht gingen, eilten hinzu und mußten zu mehreren alle Kräfte aufbieten, um den Wüterich zu bändigen. — Lindenhorst—Schwerterwald. Die Linie 7 der Dortmunder Straßenbahn, die bisher Lindenhorst—Hauptfriedhof fuhr, fährt von Sonntag, den 1. September, weiter nach Aplerbeck und mit entsprechend beschilderten Wagen durch Aplerbeck bis zum Schwerter Wald(Wirtschaft Gockel), um von dort mit direktem Anschluß bis Schwerte zu fahren. Die Linie 8 fährt vom gleichen Tage ab von Brambauer nur bis Hauptfriedhof. Höchsten. Gefährliches Spiel. Ein Spiel, das schlimme Folgen haben kann, treiben alljährlich im Herbst junge Burschen. So kann man hier fast an jedem Abend, sobald die Dämmerung eintritt, bemerken, wie man Windvögel, an deren Schwanzende eine brennende Fackel befestigt ist, steigen läßt. Daß hierdurch ein größeres Unglück entstehen kann, namentlich wenn noch Kornhausen auf den Feldern stehen, wird dabei nicht bedacht. Mögen Eltern und Erzieher die Jugend auf die Gefährlichkeit ihres Spiels doch hinweisen. Aplerbeck. Folgen der Dürre für Obsthöfe und Gärten. Die geringen Niederschläge der vergangenen Woche haben den Gärten nur wenig genützt. Herbstpflanzung und Herbstsaat verkümmern unter der Dürre. Um so lebhafter entwickelt sich das Ungeziefer. Die Bohnen verlausen von Tag zu Tag mehr, und die Raupe des Kohlweißlings, die sehr stark auftritt, macht sich auf den Beeten aller Kohlarten unliebsam bemerkbar. Der Obsthof bringt wieder sehr viel Fallobst, fast durchweg wurmstichig und kaum zu verwerten. Jedenfalls wird auch der Mangel an Saft die Frühreise hervorrufen. Wie im Aplerbecker Bezirk, so ist es auch in denen der Nachbarschaft. Ueberall sehnt man sich nach Regen. * Letmathe. Ein fetter Braten. Am Montag wurde von der Metzgerei Friedrich Schlüter ein zweijähriges Schwein geschlachtet, das das respektable Gewicht von 700 Pfund hatte. Bemerkenswert ist noch, daß dieses das schwerste Schwein ist, das bisher im neuen Zweckverbandsschlachthof geschlachtet wurde. Gelsenkirchen=Buer. Herzschlag bei einem Wettschwimmen. Die 18jährige Gertrud Fröhlich von hier machte mit einigen Schulfreundinnen im Kanal an der Schleuse 4 ein Wettschwimmen. Viermal hatte sie die festgesetzte Strecke bereits durchschwommen, als sie noch einen fünften Versuch unternehmen wollte. Sie hatte noch nicht ganz ihr Ziel erreicht, als sie plötzlich unterging. Die Schulfreundinnen sprangen sofort ins Wasser, konnten die Unglückliche jedoch nicht finden. Alle Versuche, die Leiche aufzufinden, waren bisher ergebnislos. Allem Anschein nach hat die eifrige Schwimmerin einen Herzschlag erlitten. Essen. Mit einem Spaten erschlagen. Vorgestern gegen 18 Uhr wurde der 36 Jahre alte Bergmann Ferdinand Reichardt aus Borbeck nach einem voraufgegangenen Wortwechsel von dem im gleichen Hause wohnhaften, 52 Jahre alten Bergmann Josef Polomsti im Hausflur mit einem Infanteriespaten erschlagen. Der mit Wucht geführte Schlag traf den Hals des R. und riß die Schlagadern durch, wodurch der Getroffene auf der Stelle getötet wurde. Der Täter wurde von der Polizei festgenommen. Warburg. Ein Tierquäler festgenommen. Der Polizei war zu Ohren gekommen, daß der Knecht P., der bei dem Landwirt in der Nähe unserer Stadt bedienstet ist, ein wertvolles Tier in bestialischer Weise behandelt hatte. U. a. hatte das Tier beinahe das Augenlicht infolge der rohen Behandlung verloren und mußte wegen sonstiger schwerer Verletzungen dem Arzte zugeführt werden. Die Polizei ließ den Kerl festnehmen und ihm nun sicherlich einen gehörigen Dentzettel zukommen zu lassen.— Es wäre überhaupt sehr wünschenswert, wenn gegen diese Art Leute des öfteren vorgegangen würde. Truppenverstärkungen für Palästina 84 Re ec cc ∆ Die überaus blutigen Kämpfe zwischen Arabern und Juden in Palästina, die bisher etwa 150 Tote und dreimal so viel Verwundete forderten, haben die Entsendung starker britischer Truppenkontingente notwendig gemacht, denen es auch gelungen ist, eine teilweise Beruhigung herbeizuführen, wenn es auch noch an kleineren schcg Orten zu Zusammenstößen kommt. Mehrere in Malta und Aegyten stationierte Bataillone haben Befehl erhalten, sich nach Palästina einzuschiffen. Ebenso sind mehrere Kriegsschiffe nach Palästina ausgelaufen. In Jerusalem ziehen starke britische Truppenkontingente in voller Ausrüstung durch die Straßen. Selbstmörder, nehmt Rücksicht auf Eure Mitmenschen! Auf den Pariser Untergrundbahnhöfen sollen Schilder mit nachstehender Inschrift angebracht werden:„Wenn Sie lebensmüde sind, so wählen Sie eine Todesart, durch die Sie nicht auderen Menschen lästig fallen! Ihre persönlichen Sorgen bilden keinen Grund, um Tausenden Ihren Mitmenschen, die nichts damit zu tun haben, Umstände und Kosten zu verursachen.“ Die Veranlassung zu dieser immerhin seltsamen Ermahnung gab eine Frau, die sich unlän auf einem der belebtesten Untergrundbahnhöfe vor einen gerade einlaufenden Zug warf. Der Strom mußte sofort abgestellt werden, und drei Viertelstunden lang stand der Betrieb zwischen Clignancourt und der Porte d’Orléans, also auf einer der verkehrsreichsten Strecken, vollkommen still. Die Folge war, daß rund 10000 Berufstätige zu spät zu ihrer Arbeit kamen. Zahllose Midinettes, Stenotypistinnen und andere nicht besonders gut bezahlte Angestellte waren gezwungen, ein Auto zu nehmen, wenn sie rechtzeitig an ihrer Arbeitsstelle eintreffen wollten. Nur, weil eine Lebensmüde nicht bedacht hatte, daß sie durch ihr selbgewähltes Ende so viele ihrer Mitmenschen in Ungelegenheit stürzen würde. Verantwortlich für Lokales, Kommunalpolitik, Feuilleton, Provinzielles, Gerichtssaal u. Sport Hans Eberhard Lex, Schwerte. *** e Irgendwo an der Ostsee, 4. Augustwoche 1929. Also in den Vereinigten Staaten ist Deutschland heute Triumph. Das freut mich herzlich zu hören(Wenn ich auch weiß, daß vom Trumph bis zum Tri= umph der Weg so weit ist wie — beispielsmäßig— von Newyork bis zum Haag!). Aber die Amerikaner sind praktische Leute. Wenn sie uns mit Enthusiasmus überschütten, dann wissen sie auch gleich: warum. Der Zeppelin hat ihnen mächtig imponiert, als er wieder kam, und als er gar aufflog, um nach Japan und dann über den oft verflucht un=stillen Ozean zu fliegen, da hat er ihnen noch mehr imponiert. Aber wieso wir gerade, wir Deutschen, das leisten konnten, den Bau solchen Riesenvogels und seine Luftsicherheit, und seine Flugleistung, ringsherum um den noch nie so unigondelten Globus, das haben die Amerikaner uns auf der„Reklame=Ausstellung“ schon in riesengroßen Plakaten ihrer Fabriken freundlichst mitgeteilt.„Sauerkraut müßt ihr essen,“ haben sie gesagt, geschrieben, gesungen, getutet.„Sauerkraut, wie es die Deutschen von morgens früh bis abends essen. Sauerkraut erfüllt“— der Deutsche liest's mit Genugtuung—„soziale und hygienische Aufgaben zugleich. Und wenn Ihr's gar in der schmackhaften Form des von uns hergestellten Sauerkrautsalats konsumiert“, sagen, schreiben, drucken, tuten die kalifornischen Fabriken,„dann werdet Ihr wie die famosen Deutschen, die heute bei uns Trumph sind, im Handumdrehen— oder im Magenfüllen— fleibig, klug, schaffensfroh, weitsichtig, energisch und jahig“—— immer noch mehr Reparationskosten zu zahlen und schlecht berechnete Sachlieferungen zu liefern. Und so ist es zu verstehen: Deutschland zeigt heut' frohe Miene, Denn es baut zu seinem Wohl Einesteil die Zeppeline. Andernteils den Sauerkohl. Fährt das Luftschiff um die Welten, Jauchzt uns zu Amerika, Daß man— selbst da drüben— selten Kühn're Tat gelingen sah. Und sie steh'n auf allen Straßen, Fähnchenschwingend, zum Empfang. Und sie recken ihre Nasen In den Aether stundenlang. Aber setzt sich dann zu Tische Froh der Yankee, ruft er laut, Daß er nichts von solcher Frische Kenne als— das Sauerkraut! Solches leihe Kraft und Stärke Hebe eines Volkes Niveau, Durch den Bau gewalt'ger Werke— (Siehe Zeppelin und so). Wenn zu Deutschland das Vertrauen Wuchs und seinem neuen Wohl, So geschieht, weil wir bauen Ueberall den Sauerkohl. Und man wird um Friedrichshafen Nichts als Sauerkohl gewahr, Wie es denn des großen Grafen Und auch Eckeners Nahrung war. Ich, ich riech' ihn gern im Tippchen, Hanz besonders stillvergnügt, Wenn ein köstlich' Schweinerippchen Zwischen seinen Blättern liegt. Und ich weiß, daß diese holde Speise, die mein Wunsch umschwärmt, Schon die tücht'ge„Witwe Bolte“ Schätzte,„wenn sie aufgewärmt.“ Wenn ich kräftig mich bediene, Eß' ich huld'gend ein Symbol: Den Triumph der Zeppeline Fei're ich im Sauerkohl! Der Sauerkohl bedarf keiner Reklame mehr — immerhin sie ist hiermit gemacht. Aber mit den Speisen ist das so eine wunderliche Modesache. Bis zur Zeit Ludwigs XVI. hat man bekanntlich— ich sage immer„bekanntlich“, wenn ich genau weiß, daß Sie's nicht gewußt haben — die Fleischbrühe einfach weggeschüttet. Als etwas Ekelhaftes. Und die herrliche vielbesungene Himmelsspeise der Bibel, das Manna, ist heute eigentlich nur noch als ein mild abführendes Mittel bekannt, das den Darm nicht angreift. Umgekehrt(ich meine nur stilistisch, nicht vom Darm) hat sich das schlichte Sauerkraut— eine so ehrenvolle Rolle es, besonders auch auf bayerischen Speisekarten, spielt— gewiß nicht träumen lassen, daß es einmal dazu bestimmt sein könnte, die Sympathie für Deutschland im Ausland zu wecken und zu stärken und für geistige Qualität und Energien Deutschlands als Ursache zu gelten. Ich weiß nicht, ob auch der Graf Misogotschi, Mitglied des japanischen Oberhauses, der in Tokio die große Ansprache an die Zeppelinflieger hielt, das Sauerkraut gebührend herausgestrichen hat. Aber die Amerikaner haben es— dank den kalifornischen Fabriken— gehörig auf's Brot geschmiert bekommen. Bloß die Polen wollen ärgerlich weder vom Zeppelin noch vom Sauerkraut wissen. Sie schimpfen hinter dem flüchtigen Riesenvogel her und finden es außerordentlich bezeichnend, daß Dr. Eckener, der sich eine Erlaubnis zur Ueberfliegung Polens verschafft hatte, seinen Weg trotzdem über Danzig, Königsberg und Litauen zur russischen Grenze gewählt habe. Das sei der bekannte Weg der deutschen Ausdehnung nach dem Osten und gleichzeitig auch die militärische Straße nach Rußland unter Umgehung Polens. Womit offenbar gesagt sein soll, daß die paar Zeppelin=Männekens bestimmt oder gewillt sind, irgendwie in den russisch=chinesischen Konflikt einzugreifen, der auf die Dauer mit bloßen russischen Noten, die China beschuldigen, und mit chinesischen Noten, die Rußland beschuldigen, nicht beigelegt ist. Das kann bald im Osten ein übles Durcheinander geben, wenn die gelben Truppen, von denen die Russen behaupten, daß sie von weißen Truppen unterstützt werden, mit den roten Truppen, die vielleicht im Laufe der Begebenheiten ein bißchen in der Farbe chaugieren, durcheinandergeraten! Und der„Völkerbund" dürfte dabei wieder eine komische Rolle spielen. In seinem Traktat Zum ewigen Frieden hat Kant gefordert: die Moral sei schon an selbst eine Praxis in objektiver Bedeutung als Inbegriff von unbedingt geltenden Gesetzen, nach denen wir handeln sollen, und es sei eine offenbare Ungereimtheit, nachdem man diesem Pflichtbegriff seine Autorität zugestanden hat, noch sagen zu wollen, daß man es doch nicht könne. Wollen wir wetten, daß der Völkerbund der Lehre des großen Philosophen, der die Ansicht vertrat, die wahre Politik könne keinen Schritt tun, ohne vorher der Moral gehuldigt zu haben, in der Würdigkeit seines Pflichtbewußtseins ein Schnippchen schlägt? Wollen wir wetten, daß... Aber ich will überhaupt nicht wetten oder sonst was. Ich will betrübt— meine Koffer packen. Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo, rückwärts, rückwärts, stolzer Eid! Als Letztes hab' ich gerade noch— warum, weiß ich nicht, denn was geht das mich(seit der Inflation) an— einen Blick in den„Börsenbericht" geworfen... Ich lese zuweilen Gedichte, Ich lese auch manchen Roman, Ich lese die„Börsenberichte" Und finde nicht viel daran. Gleichgültig will mir's erscheinen, Hausse, Baisse und Börsenskandal— Längst liegt in der allgemeinen Pleite mein Kapital. Am Ende geliebter Verbannung Hab' ich auf's Blatt gestiert; „Bankaktien“ und„Entspannung“ Hat mich nicht int’ressiert. Doch über Kurs und Devisen, Wie Blümchen im April, Sah ich drei Wörtchen sprießen: „Erholt— aber still.“ Da dacht' ich, ein schweigender Hoffer, An meinen üblen„Termin“, An meine gepackten Koffer Und— an den Zug nach Berlin. Ob Schnee und Sorgenschwere Mich dort erwarten will— Ich wink meinen Abschied dem Meere, Erholt— aber still. K ab Freitag, den 30. August! Um einen neuen Beweis unserer Leistungsfähigkeit zu liefern, veranstalten wir diesen Reklame-Verkauf. Für ganz billige Preise erhalten Sie Schuhwaren in einwandfreier Beschaffenheit! 625 ouenuner, Vertzegenr Grähe. 90 andene eäche sone är oa. 1050 hellf., m. LIX Absätz. u. Trotteurabs. 36/42 P O 790 S seknschungen u.se 9.s. 85 Katon, uie vasten, Gr 9s 11046=8 moderne Formen, Gr. 4046 Haunz eue sechren, Gihr Bae. Aeouer Kasichnueg uncdhene on A mit und ohne Ledersohle □E Gr. 36/42 von SO Pig. an u., aus ersche. Olebgitésehühe##90 mit und ohne Beschlag von an Schalkaus Zum Ttongemer gute Schuhe äußerst preiswert! Dirr, Tutr•rde. Otto Krämer Margarete Krämer geb. Große Vermählte Schwerte, 30. August 1929. Kreuzstr. 13 Schwerter Doppel-Quartett Leiter: Willi Peters Wir drucken alles. Buchdruckerei C. Praus. 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Die Suffragettenbewegung hat dann den englischen Männern, zunächst mit geringem Erfolg, diese Art der politischen Beweisführung mit zertrümmerten Schaufenstern, zerschnittenen Kunstwerken, Hundepeitschenattacken gegen Generale und Minister und Boxkämpfe mit Schutzleute nachgemacht. Wir sind gewöhnt, die Nordfinder solcher Unbesonnenheiten für unfähig zu halten. Sie erscheinen uns rührig, aber heiter wie die urgemütlichen Walrosse. Wenn die politische Hitze jedoch Grade erreicht, bei denen Fensterscheiben zerspringen, muß doch wohl irgend etwas ganz Bedeutendes im Werke sein. Bei näherem Zuschauen wird man schwer enttäuscht. Der erbitterte Kampf spielt sich um Städtenamen ab. Seit einigen Jahren nennen wir das alte Kristiania bekanntlich Oslo. Einige von uns wissen das noch nicht, merken es aber, wenn sie Briefe als unbestellbar zurückbekommen, die sie nach Kristiania gerichtet haben. Vom 1. Januar 1930 sollen wir Trondjem nur noch Nidaros nennen. Trondiem klingt angeblich zu dänisch; worauf wir erwidern müssen, daß uns Nidoras spanisch als norwegisch vorkommen würde. Aehnliche Empfindungen herrschen bei starken Bevölkerungsschichten auch in Norwegen selbst. Daher die vermehrte Beschäftigung für die norwegischen Glasermeister. Sie haben auch in Christiansund, das in Fosna verändert werden wird, und in Bergen, wo man sich an dem neuen Namen Bjürkvik die Zunge verrenken soll, zu beträchtlichen Aussichten auf Belebung des Geschäftes Es fällt schwer, bei der Betrachtung der Landesmaal=Bewegung, die hinter diesen Dingen steht, um das ganze Land zu entdänisieren, aus der Ironie heraus zu einer sachlichen Beurteilung überzugehen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die freien Norweger sich in Haakon VII. einen Dänen, den früheren Prinzen Karl, zum Staatsoberhaupt erkoren haben, der nun all diese antidänischen Säuberungsveranstaltungen mit seinem Namen decken muß. Achtunggebietend und einleuchtend war die nationalistische Bewegung, als sie an dem Aufbau eines norwegischen Schriftentums arbeitete und die dänische Haut von der bodenständigen und ohne Zweifel wertvollen kulturellen Eigenleistungen Norwegens abstreifte. Aber nun ist auch für Norwegen längst der Zeitpunkt herangerückt, in dem es sich in innen= und außenpolitischen Dingen die wunderbare Selbstzucht und die edle Weisheit des letzten norwegisch=schwedischen Königs zum Muster nehmen könnte. In den sorgenschweren Oktobertagen nach der norwegischen Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1905 entschied König Oskar vor der Waage Prestigeihres Königs gewartet hatten, drang donnerhallend. an seine Ohren wie eine Freudensalve vieler Geschütze nach einem erstrittenen Sieg. Die Hochherzigkeit des Schwedenkönigs, die über tömende Dankesstimmung der harrenden Bürger vor seinen Fenstern, die sich in Umarmungen und Freudentränen entlud, gehören zu den großartigsten Bekundungen, der klaren prächtigen nordischen Seele und waren ein Geschenk an der Wiege des jungen norwegischen Staates, das er in seiner Politik niemals vergessen sollte, besonders nicht in Fragen, die an die Gefühle alle Skandinavier rühren. Mit einigem Optimismus darf man hervor heben, daß der übertriebene norwegische Nationalismus, der sich so seltsame Purzelbäume der Selbstverleugnung vor dem Britentum leistet, allmählich aber sicher zum„Skandinavischen Gedanken“ zurückfindet. England hat den Norwegern für ihre wohlwollende Neutralität zum Besitz von Spitzbergen und zum Aufsichtsrecht über die südpolnahe Bouvetinsel verholfen, während es die Schweden zur Strafe für ihre unbeirrbare Neutralität durch den gehorsamen Völkerbund ihrer Rechte aus die Alandsinseln berauben ließ. England hat trotzdem auch moralische Fortschritte, in Schweden gemacht, ebenso wie dort nach dem Kriege französische Kultureinflüsse einen günstigen Boden fanden, Das Ziel der Zeppelin=Weltfahrt Wie so oft schon ist„Graf Zeppelin“ auf dem nun weltberühmt gewordenen Luftschiffhafen Latehurst bei Newyork niedergegangen, diesmal jedoch nicht aus Osten, sondern aus Westen kommend. Die Weltreise des„Graf Zeppelin", die bekanntlich in Lakehurst ihren Anfang genommen hat, hat damit ihr Ende gefunden und Dr. Eckener mit seinen kühnen Mannen haben eine Leistung vollbracht, wie sie in der Geschichte der Luftschiffahrt beispiellos dasteht. Unser Bild zeigt oben das Innere der Luftschiffhalle von Lakehurst, unten die amerikanische Landungsmannschaft beim Ausmarsch. Freitag, 30. August weil unsere stets getreuen schwedischen Freunde, gemäß der starken ethischen und geistigen Untergründe der nordischen Seele, von immer noch ungünstig hervorstechenden, eher ungeistigen als geistigen Strömungen des sogen.„neuen“ Deutschland sehr wenig entzückt sind. Da der„Skandinavische Gedanke“ auch in Finnland über eine starke Anhängerschaft verfügt und selbst noch in Estland Widerhall findet, muß wenigstens mit raschen Fortschritten einer kulturellen und wirtschaftlichen Lebensgemeinschaft dieser Länder gerechnet werden, die mehr als den zehnten Teil Europas mit allerdings erst knapp 17 Millionen Menschen bewohnen. Zwischen den drei eigentlichen skandinavischen Staaten und Finnland, das seine Finnisierungsversuche gegen die 350000 Schwedisch=Finnen auf seinem Boden vermutlich zugunsten einer festeren Geschlossenheit gegen die bolschewistische Gefahr zurückstellen wird, ist kürzlich eine Paßgemeinschaft entstanden. Für Reisen der Staatsbürger dieser Länder auf dem gesamten Gebiet ist nichts weiter erforderlich als der Bezug einer„Paßkarte", die man für 25 Pfennig bei der Polizei oder bei der Post erhalten kann. Finnland und Estland haben untereinander die gleiche Verkehrserleichterung geschaffen. Die zu erwartende planmäßige Weiterentwicklung des „Skandinavischen Gedankens" wird in Deutschland stets mit besonderem Wohlwollen betrachtet werden, weil sie in der Richtung der friedfertigen, geistigen und wirtschaftlichen Arbeit unseres Landes liegt und einer Völkergruppe ein stärkeres Gewicht verschafft, die mit unruhigem und ernsten Eifer auf die Ablösung der Friedens= und Völkerbundspolitik der Versprechen durch eine Politik sichtbarer Taten drängt. Delegation britischer Kirchenmänner in Westfalen epw. Bethel. Den Abschluß fand die Reise der britischen Kirchenmänner durch Deutschland durch einen Besuch der Anstalten Bethel bei Bielefeld. In der schlichten und doch so warmen Gastlichkeit, die der weltberühmten Anstalt Bethel eigen ist, wurden die 20 britischen Kirchenmänner von Geistlichen der Anstalt Bethel am Bahnhof in Bielefeld willkommen geheißen und im Gesellschaftsauto nach der Anstalt Bethel geführt. Ihr Quartier schlugen sie in dem zur Zeit der Studentenferien wegen leeren Remter der Theologischen Schule auf. Ein Rundgang durch die Anstalten zeigte ihnen, wie hier im Sinne des großen Menschenfreundes von Bodelschwingh die Elendesten, Epileptischen, Blöden, verpflegt werden. Einen besonders tiefen Eindruck erhielt der Besuch auf dem stillen Bethel=Friedhof, wo die Delegation in ernster Erinnerung am Grabe von Bodelschwinghs weilte, und dann der Gottesdienst in der Zionskirche, in der sich eine überaus zahlreiche, vielleicht einzigartige Gemeinde mit den Gästen zur Anbetung zusammenschloß. Nach der Predigt des Pfarrers Wilm(ehemals in Edinburg) und dem tief ergreifenden Gesang des Krankenchors:„Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird", sprach in fließendem Deutsch in tiefer Ergriffenwälte auf dich Roman von Fr. Lehne. 48. Fortsetzung. Nachdruck verboten. So schnell konnte sie nicht vergessen und verzeihen— auch nicht um des Kindes willen, das der Gatte in schnell erwachter Großvaterzärtlichkeit jetzt auf dem Arm hielt. Im Gegenteil! Es erinnerte sie an etwas, das ihr bis heute unverzeihlich erschien; seine blonde, engelhafte Lieblichkeit, die so schnell des Großvaters Herz gewonnen, sprach nicht zu ihr. Ihr Gesicht hatte einen ernsten, strengen, zürnenden Ausdruck. Ein schweres Schweigen hing zwischen den dreien. Mit gesenktem Kopfe stand Sylvia da und unaufhaltsam rannen ihr die Tränen aus den Augen. 2 awurde der Türvorhang vom Nebenzimmer zurückgeschlagen— Viktor Lüdorff kam herein. Vorwurfsvoll wandte sich Frau von Darwitz ihm zu. „Graf, warum haben Sie mir nicht gesagt, daß—“ „Frau Baronin man muß vergessen können. Als ergebener Freund Ihres Hauses habe ich mir erlaubt, so eigenmächtig vorzugehen.— In dem Bewußtsein, gut und richtig gehandelt zu haben, nehme ich selbst Ihren mich schmerzenden Unwillen auf mich. Ich hoffe, daß ich nicht vergeblich gekommen bin—“ Ernst und eindringlich hatte er gesprochen; Sylvia warf ihm einen heißen Dankesblick zu. Was hatte er für sie getan? Sie ahnte ja seine Gedankengänge nicht, ahnte nicht, daß er bei allem nur daran dachte, sich den Weg zur ihr zu bahnen. Seine unbezwingliche Leidenschaft ließ ihn alles vergessen. Gr mußte sie besitzen, sonst war ihm das Leben wertlos geworden. Ehen konnten getrennt werden. Er rechnete mit Sylvias schwachem, leicht zu beeinflussendem Charakter. Und daß die Baronin einen unversöhnlichen Haß gegen den Gatten der Tochter hatte, wußte er. Den Doktor Hammerschmidt würde sie nie als Sohn anerkennen— nie durfte dieser Mann ihre Schwelle übertreten. Und darauf baute er seinen Plan. Er war ganz unabhängig. Was tat es ihm, eine geschiedene Hammerschmidt zu heiraten, wenn damit die süßeste Frau sein eigen wurde, nach der die Sehnsucht ihm das Blut verbrannte. Seine Wünsche waren nicht erstorben; sie waren jäh erwacht, seit er Sylvia in ihrer wundervollen, reifen, lockenden Frauenschönheit wiedergesehen! Sylvia wagte einen scheuen Blick in das starre Gesicht der Mutter, kein Entgegenkommen, keine Liebe lag darin. Sie richtete sich stolz auf. „Sie bleiben!“ befahl Graf Lüdorff herrisch; dann trat er auf die Baronin zu und faßte nach ihrer Hand, di. er mit seinen Lippen berührte. „Ich komme morgen wieder, Frau Baronin.“ Sylvia streckte ihm die Hand entgegen; in ihren Augen schimmerte es feucht. „Wie soll ich Ihnen danken, Graf Lüdorff!“ sagte sie leise, und in einer unwillkürlichen Aufwallung umschloß sie seine Rechte fest mit ihren beiden Händen. Der innigscheue Dankesblick ihrer Rehaugen berührte ihn wundersam. So hatte sie ihn noch nie angesehen! Er lächelte leise. „Menschenpflicht, meine Gnädigste! Sie haben ja immer so schön davon gesprochen.“ Sylvia war mit ihren Eltern allein. Frau von Darwitz verharrte in ihrem eistgen Schweigen. Der Baron sah sie bittend an. Die veränstigt dastehende Tochter tat ihm doch leid. Wenn auch sein Groll nicht erloschen war, so war seine Vaterliebe doch größer. „Alexandria, Sylvia ist nun einmal da—“ „Haben wir sie gerufen?“ fuhr die Baronin aus ihrem Stillschweigen auf. „Andere denken größer als du, Alexandria. Siehe Raumhoffs! Sie haben Sylvia nicht fühlen lassen, haben ihr Gastfreundschaft gewährt und sogar Lüdorff—“ „Sie alle können es dennoch nicht aus der Welt schaffen, daß unsere Tochter eine einfache Frau Doktor Hammerschmidt ist.— Sieh sie dir doch an, was für einen dürftigen Eindruck sie macht— es ist nur Mitleid und Erbarmen der anderen—“ „Nein, Mama, man hat wirklich nicht nötig, nur Mitleid und Erbarmen mit mir zu haben,“ sagte Sylvia mit zitternder Stimme,„um Almosen bettle ich nicht! Ich freue mich dennoch, daß ich euch habe wiedersehen dürfen, es war ein heißer Wunsch von mir! Nun will ich euch aber gewiß nicht länger lästig fallen.“ Sie wollte Fritz Andreas vom Arme des Vaters nehmen,„komm, mein Kind—“ Doch der Kleine hielt den Hals des Barons fest umklammert, da er sich anscheinend sehr wohl an seinem Platze fühlte. Sylvia konnte ihre Tränen kaum noch gebieten, sie eilte hinaus und lief die Treppe hinan nach ihrem Mädchenzimmer, mußte aber vor der Türe stehen bleiben— sie war verschlossen. Der Brüder Zimmer war nicht weit davon. Dort suchte sie ihre Zuflucht. Die Erregung der letzten Stunden löste sich in einem heißen Tränenstrom. Und über allem das Glückempfinden: Du hast die Eltern wiedergesehen, das liebe Elternhaus! Mit überfließenden Augen blickte sie um sich — Wilms und Karlos Arbeitszimmer. Wie manche Stunde hatte sie mit ihnen hier gescherzt und gelacht! Ach, so viele Erinnerungen stürmten auf sie ein. Sie hob den Kopf— ihr war, als näherten sich Schritte. Es war der Vater— sie hörte seine Stimme:„Sylvia!“ Sie öffnete die Tür—„Papa, lieber Papa,“ schluchzend warf sie sich an seine Brust, sich seft an ihn drückend, Zuflucht bei ihm suchend. Er streichelte ihr Haar; er ließ sie sich ausweinen, selbst voller Ergriffenheit. „Ach, daß ich euch wiedersehen durfte!" Sie legte ihre tränenfeuchte Wange an seine Hand.„Papa, du wenigstens stößt mich nicht von dir—“ „Kind— wenn du uns auch so wehe getan hast— darüber wollen wir in dieser Minute gerade nicht sprechen—“ „Wo ist Bubi?“ fragte sie ablenkend. „Ich habe ihn bei Großmama gelassen—“ er lächelte ein leises Lächeln. „Ist er nicht herzig, Papa?“ fragte sie lebhaft. Er nickte. Sie faßte nach seiner Hand.„Papa, und nun ist alles wieder gut?“ kam es leise von ihren Lippen. Eine tiefe Falte stand zwischen seinen Brauen Er zögerte mit der Antwort. „Fertig sind wir damit nicht geworden, Selvia, wie du eigenmächtig dein Geschick selbst gezimmert hast— es ist schwer für uns. Wir haben sehr gelitten. Mama ist krank darüber geworden. Da hast ja selbst gesehen, wie verändert sie ist—“ Sylvia nickte stumm und blickte trübe vor sich hin. „Bist du wenigstens glücklich in deinem seldstgewählten Leben?“ Sylvia zögerte mit der Antwort, um dann ziemlich hastig zu sagen:„Ja, Papa, nur eben der Gedanke an euch war es, an euren Groll, der mich bedrückte.— Mein Mann ist rührend gut! Ach, Papa, wenn du ihn näher kennen wür. dest—“ Der Baron machte eine abwehrende Bewegung. Somm!“ Schwerfällig erhob sie sich. (Fortsetzung folgt.) heit Rev. Morton aus London unter aufmerksamer Teilnahme dieser einzigartigen Gemeinde, die aus Hochschullehrern und Aerzten, Beamten und ganz einfachen fallsüchtigen Kranken besteht, über die Eindrücke seiner Reise. Das sei Erfüllung langjähriger Sehnsucht, daß er an dieser Stätte weilen könne, habe doch das Buch des großen Helden auf dem Kampfesfelde der Barmherzigkeit, von Bodelschwingh, als eins der ersten Bücher, das er in deutscher Sprache gelesen habe, den allertiefsten Eindruck auf ihn gemacht. Er grüßt und dankt im Namen der Weltvereinigung für Freundschaftsarbeit der Kirchen, Freundschaft müsse Platz greifen zwischen den Ländern der Welt, erst dann könne ein neuer Aufstieg nach dem schweren Elend des letzten Jahrzehntes kommen. Mit dem Eindruck der mächtigen Liebesarbeit an dieser Stätte würden er und seine Amtsbrüder in wenigen Tagen in ihr Heimatland zurückkehren. Das Wort des ergreifenden Evangeliums des heutigen Tages(vom barmherzigen Samariter) wollen wir alle zu unserer Losung machen:„Gehe hin, tue desgleichen!“ Die Delegation hat dann nach geselligem Beisammensein mit den Geistlichen der Anstalt Bethel über Köln die Rückreise in ihre Heimat angetreten, alle von den in Deutschland empfangenen Eindrücken tief bewegt und von dem ernsten Willen durchdrungen, sich mit aller Macht der Anbahnung der Freundschaft unter den Völkern hinzugeben. on die blühende Heide Schwerte, den 30. August 1929. * Die Sommerzeit ist bald vorbei. Heimwärts sind die vielen Sommervögel geflattert vom Freiflug in den langen Sommertag. Ein Schimmer herbstlich stiller Schönheit breitet sich schon über die Berge und den Meeresstrand und nicht allzuviele lieben diese erquickende Ruhe zwischen Mittag und Abend der Natur. Ob die meisten nur deswegen so ungern an den Abend erinnert sein wollen, weil ihm zu schnell die Nacht folgt? Sehen sie denn nicht die Sterne, die auch im Dunkel das Sonnenlicht widerstrahlen tausendfältig, so mild und still, ohne das brennende Sengen und Ausdörren des Mittags? Licht ist immer um uns, wenn wir es nur zu sehen verstehen, am Abend und in der Nacht. Gerade im Dunkeln ist es am schönsten weil es uns aufwärts zwingt, ohne daß der Lärm des lichtsatten Tages uns ablenkt. Vielleicht meiden viele deshalb die Heide, weil sie so wenig zum Abirren vom Weg nach oben Gelegenheit gibt. Sie können die Stille nicht ertragen, nicht das ewig gleiche, feine Klingen hören, das bei jedem Windhauch aus jedem winzig kleinen Heidekrautglöcklein erklingt. Ja, die Heide ist öde für alle, die nur sehen, wie sie blüht, aber nicht fühlen, wie sehr sie lebt. Nur dem, der sie liebt, offenbart sie sich ganz. Ihm zeigt sie sich stündlich in neuem Gewand, wenn das Morgenrot über ihr liegt, purpurrot, die Wolkenschatten verfliegen vor der Mittagssonne oder schimmerndes Abendgold sie in unwirklich scheinendes Märchenland verwandelt, in dem Birken und dunkler Wacholder wie Ritter im Kampf um Recht und Unrecht sich zu begegnen scheinen. Die Heide blüht! Für viele ein Ruf von unbezwingbarer Macht. Dort ist Schönheit und Friede und Einsamkeit. Kein menschlicher Laut stört die Silberstimme der Prinzessin Erika, die so heimisch plaudernd uns hinauszuführen versteht über die Enge der Tage und von aller häßlichen Kleinheit, die nur im Lärm des Tages sich unbemerkt an uns hängen konnte, seelenheilend uns befreit. Gedenktage. 30. August: 526: Der Ostgotenkönig Theodorich der Große in Ravenna gestorben (geboren 454).— 1757: Sieg der Russen über die Preußen bei Großjägersdorf.— 1813: Sieg der Verbündeten bei Kulm und Nollendorf über die Franzosen.— 1870: Sieg der Deutschen bei Beaumont.— 1924: Londoner Abkommen über den Dawesplan. — Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 29. August 1929. Das Tiefdruckgebiet ist nordostwärts fortgeschritten und hat sich über Skandinavien ausgebreitet, während sich das Hochdruckgebiet über Frankreich und Süddeutschland verstärkt hat. In Deutschland war es heute früh trocken und ziemlich heiter bei 13 bis 23 Grad Wärme. Der Kahle Asten hatte Windstille, ziemlich heiteres Wetter und 15 Grad. Aussichten bis Samstag: Meist trocken, vielfach heiter und ziemlich warm. Stahlhelm. Der Stahlhelm versammelt sich am Samstag, den 31. August 1929, abends 8 Uhr im „Westfälischen Hof“ hierselbst. Auf die morgige Versammlung wird nochmals hingewiesen. Im Kaffeerestaurant„Zum Anker“. gastiert ab 1. September eine erstklassige Kapelle. Außer Jaztband wird auch Saxophon gespielt. Der Kapelle geht ein guter Ruf voraus; ein Besuch des Kaffeerestaurants„Zum Anker“. ist zu empfehlen. * Die zerbrochene Flasche. Einen bedauerlichen Unfall erlitt gestern abend auf der Brückstraße ein etwa 6 Jahre alter Schulknabe, der für seine Mutter Essig einkaufen sollte. An der Ecke der Hagenerstraße kam er so unglücklich zu Fall, daß die Flasche in Scherben ging und der arme Junge sich tiefe und schmerzhafte Schnittwunden an der rechten Hand zuzog. * Verband der militärischen Vereine. Am Sonntag wird das Ehrenmal am„Kellerkopf“ bei Hengsen feierlich eingeweiht. An dieser Feier nehmen die militärischen Vereine unserer Stadt geschlossen teil. Die Vereine treten gegen 11 Uhr in ihren Vereinslokalen an. Nach dem Weiheakt wird sich auf dem großen Festplatz beim Wirt Pampus ein fröhliches Lagerleben entwickeln, bei dem auch die Gulaschkanonen nicht fehlen werden. Auch der hiesige Kriegerverein ist Dank der Bemühungen zweier Vereinsmitglieder in den Besitz eines solch nützlichen„Kriegsgerätes“ gelangt und soll eine delikate Erbsensuppe die müden Krieger erquicken; sicherlich ein Grund mehr, sich recht zahlreich an dem Ausmarsch zu beteiligen. Näheres wird noch durch Anzeige mitgeteilt. Zahlung der Unfall= und Invalidenrenten Auf Anregung des Reichsarbeitsministers soll die Auszahlung der Unfallentschädigungen und Invalidenbezüge für September bereits em 31. August beginnen. Die Renten werden also schon am Sonnabend, den 31. 8. in der Zeit von 8 bis 12 und von 17 bis 18 Uhr bei der Paketannahme des Postamts gezahlt werden. Bericht über die Lage des Arbeitsmarktes im Arbeitsamtsbezirk Schwerte. Am Stichtage wurden gezählt: 1487(1456) Arbcitsuchende, 823(765) Unterstützungsempfänger der Arbeitslosenversicherung, 93(97) Unterstützungsempfänger der Krisenfürsorge, 231 Notstandsarbeiter aus der Arbeitslosenversicherung und 48 Notstandsarbeiter aus der Krisenfürsorge. Zeppelin=Weltfahrt=Gedenkmünze. Die Preuß. Staatsmünze, Berlin teilt mit, daß anläßlich der 1. Weltfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ eine Medaille nach dem künstlerischen Entwurf des bekannten Bildhauers Oskar Gloeckler geprägt wird. Die Vorderseite der Gedenkmünze zeigt die Profile von Graf Ein nrurk Arteßbuch für Schwerte unter Einbeziehung der Gemeinden des Amtes Schwerte, den 30. August 1929. * In absehbarer Zeit wird im Verlage von C. Braus, Schwerte, ein neues Adreßbuch hergestellt, in das neben der Stadt Schwerte die Gemeinden des Amtes Westhofen sowie Ergste und Hennen ausgenommen werden. Hiermit kommt man einem dringenden Bedürfnis entgegen, das sich besonders nach der erfolgten Umgemeindung stark fühlbar machte, zumal auch das zuletzt erschienene Adreßbuch aus dem Jahre 1925 vollständig vergriffen ist. Auch hat sich in den letzten Jahren mancher Wandel vollzogen. In Schwerte sind z. B. neue Straßen und Gebäude entstanden, an die 1925 noch keiner dachte und so ist es manches, was korrigiert und hinzugesetzt werden muß, will man ein richtiges und eindeutiges Bild gewinnen. Einneues Adreßbuch, nach amtlichen Quellen bearbeitet, ist erforderlich geworden, und daß der erfolgten Umgemeindung in diesem besonders Rechnung getragen wird, ist selbstverständlich. Eine geschmackvolle Ausstattung des Adreßbuches läßt sich obengenannter Verlag besonders angelegen sein, wie auch der Neuausgabe ein Plan der Stadt Schwerte beigefügt wird, Die behördlichen Einrichtungen in unserer Stadt erfahren eine besondere Berücksichtigung, wie auch der heimischen Industrie usw. ein ausgiebiger Platz eingeräumt wird. ZuWesthofen und der Gemeinden Ergste u. Hennen. sammengefaßt sei gesagt, daß man in dem neuen Adreßbuch all' das finden wird, was eben wissenswert erscheint, will man schnell und sicher über das Leben und die Tätigkeit der Stadt Aufschluß haben. Damit wird das Adreßbuch zu einem wertvollen und nicht zu entbehrenden Bindeglied innerhalb der Bevölkerung und darüber hinaus. Wie früher wird das Adreßbuch auch dieses Mal durch einen Inseratenanhang bereichert, dem besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist, da ihm eine gehobene Werbekraft innewohnt. Die Geschäftswelt sollte es nicht versäumen, durch ein Inserat die Aufmerksamkeit der kaufenden Kreise auf die Geschäfte zu lenken und mit die Losung„Kauft am Platze“ wirkungsvoll zu unterstreichen. In der nächsten Zeit werden die Geschäftsleute von einem Vertreter des Adreßbuchverlages aufgesucht, der den Inserenten diesbezügliche Auskunft gibt. Man möge von der günstigen Gelegenheit, im Adreßbuch zu inserieren, ausgiebig Gebrauch machen. Wir sind davon überzeugt, daß das Adreßbuch nach Fertigstellung wieder viele Freunde finden wird. Es gehört zu dem eisernen Bestandteil einer Stadt, die immer nur den Fortschritt will und deren Bevölkerung sich ihrer fortschrittlichen Aufgabe in hohem Maße bewußt ist. Bals wird der Eommer scheiren Schwerte, den 30. August 1929. * Nur noch ein Tag, dann gehört auch der August der Vergangenheit an und nicht lange mehr wird ihn die sommerliche Feierlichkeit und die fruchtschwere Vollsaftigkeit überdauern. In diesem Jahre empfinden wir nach Tagen, über denen Sonnenschein ohne jegliche Mißakkorde stand, des Sommers Abschied besonders früh und deutlich hervorgehoben, sind doch schon die voreiligen Malergehilfen des Herbstes durch die Wälder gezogen und haben etliche gelbe und bräunliche Farbenklexe auf dem Blattwerk der Sträucher und Bäume zurückgelassen. Und nicht lange mehr währt es, wo der Herbst die Schere zur Hand nimmt und die ganze sommerliche Pracht zerschneidet, die todesmatt und wund des Waldes Boden bedeckt oder aber in den Gärten von den Blumenstauden wie verträumte Falter zur kühler werdenden Mutter Erde sinkt. Vielleicht zerstört er auch in seinem radikalen Begehren den uns so liebgewordenen veilchenblauen Himmelsmantel, bläst schwere, dunkle Regenwolken ungestüm vor sich her und hüllt die Welt in ein trübes, düsteres Gewand, vor dem wir gleich Strafe erwartenden Kindern zurückschrecken und begierig Licht und Sonne ersehnen. Aber noch leben wir ja in der goldenen Zeit und den Gedanken enthalten, wir die Zukunft vor, die unserer wartet. Und wenn auch nun der Sommer bald von uns scheiden wird, so haben wir nur den einen Wunsch und die eine Hoffnung, daß uns auch der Herbst noch recht schöne und, sonnige Tage schenken möge. Ergeht man sich in diesen Tagen vor den Toren unserer Stadt, so blüht die Welt noch voll tausend Wundern. Prächtige Blumenkinder haben ihre Reize zu voller Entfaltung gebracht und glühen in den sattesten Farben. Auf hohen Stielen pendeln Sonnenblumen im lauen Sommerwind, roter Klatschmohn verblutet wie ein heiliges Opfer im grünen Wiesengrund und am plätschernden Bach findest du zarteste Himmelsbläue, die dir in vielsternigen Blüten entgegenleuchtet. König Sommer schreitet noch siegreich auf seinen Pfaden. In früher Morgenstunde ist noch das Schweigen im Walde, der beseligende Friede, der dem Tag vorausgeht, der unser Herz so weihevoll berührt. Auf den Gräsern blinkt nachtschwerer Tau, beginnt im ersten Sonnenlicht diamantenschön zu glitzern und für seine ungetrübte Reinheit zu werben. Der rötliche Frühglanz fällt auf weiche Mooskissen, klettert behend an silbergrauen Stämmen empor und flutet dann wie in vollen Akkorden über das Blattgewirr knorriger Eichen und schlanker Buchen, die hier schon Jahrzehnte hindurch in enger Freundschaft zusammenstehen. Rote Beeren schaukeln an hängendem Geäst, das soeben von einem singenden aufgescheuchten Waldbewohner verlassen wurde und im Unterholz, wo Himbeeren und Brombeeren mit ihrer Reife verlockend winken, verhallt der flüchtige Lauf eines Schmalrehes. Dort von der Höhe lohnt eine ausgedehnte Fernsicht dein eifriges Aufwärtsstreben zu diesem Wanderziele. Unter dir dehnen sich gelbe Stoppelfelder; die wertvolle Frucht wurde bereits von fleißigen Händen geborgen. Aehrenleserinnen mühen sich in gekrümmten Haltungen, etwa noch zurückgebliebenes Gut nicht ungenützt verderben zu lassen. Auf den Wiesen sucht sich schwarz=weißes Weidevieh seine saftige Nahrung und am Wegrande äugt der wachsame Hund zu der blökenden Schafherde hinüber, auf daß keines von ihnen verloren geht. Wanderfrohe Jugend schreitet auf sommerlichen Wegen, ein flachsblonder Bursche geigt auf der Fiedel ein lustiges Lied, in das die übrigen Wandergenossen begeistert einfallen. Sie alle wollen diese sommerlichen Stunden auf rechte Art und Weise ausnutzen, wollen sich die herrliche Heimat ungezwungen und mit empfänglicher Seele erwandern, die doch so reich an lauterster Schönheit ist. Vor den Toren der Stadt schaust du dem König Sommer direkt in die offenen Augen, spürst den weichen, duftigen Odem, der von ihm ausgeht, erfreust dich an seinen bunten Königsgärten, die er sorgsam pflegt und hütet, und blickst voll Dankbarkeit in sein väterlichgütiges Antlitz, das er dir unverhüllt in seiner ganzen Natürlichkeit zeigt. Nutze nur noch diese Tage, eile hinaus, sobald es dir deine Zeit erlaubt und entbiete dem bald Scheidenden deinen herzlichen Gruß, den er dir gern und überall erwidert.— König Sommer wird in Kürze von uns scheiden und dann nimmt der Herbst die Schere. Lex. Zeppelin als Schöpfer, Dürr als Erbauer, Er kener als Führer. Die Rückseite wird durch die Weltkugel mit genauer Darstellung der Erdteile und der Etappenstationen ausgefüllt. Außerdem werden auch die einzelnen Fahrtdaten eingeprägt. Die Umschriftung lautet: I. Weltfahrt des„Graf Zeppelin“ 1929. Sämtliche Gedenkmünzen tragen die Randschrift: Preuß. Staatsmünze nebst Feingehalt. Die Preise der Gedenkmünzen sind wie folgt festgesetzt: In Fünfmarkstückgröße in Bronze RM. 3.—, in Silber RM. 6,—, in Gold RM. 100.—. Außerdem gelangen in der Größe des früheren Zwanzigmarkstückes zum Preise von RM. 25,— zur Ausgabe. Die Staatsmünze bittet, eventuelle Bestellungen an die Zentralwerbestelle Deutscher Gedenkmünzen, Berlin RW 7, Unter den Linden 39 zu richten, die den Versand durchführt. Sorgfalt beim Ausstellen der Arbeitsbescheinigung. Die Bescheinigung, die entlassenen Arbeitnehmern auf Verlangen auszustellen ist, muß bekanntlich=Angaben über die Art des Arbeitsverhältnisses, über seinen Beginn und sein Ende sowie über den Entlassungsgrund enthalten und ferner die Höhe des Arbeitsverdienstes und eine etwa gewährte einmalige Abfindung angeben. Diese Angaben müssen vollständig und richtig sein— an sich eine Selbstverständlichkeit— die jedoch in der Praxis keineswegs immer ausreichend beachtet wird. Vor allem über den Entlassungsgrund, aber auch über den Arbeitsverdienst, werden häufig ungenaue und unrichtige Angaben gemacht. Da diese Angaben jedoch die Unterlagen für die Prüfung des Anspruches auf Arbeitslosenunterstützung und für die Bemessung ihrer Höhe bilden, so kann jede Ungenauigkeit zur Folge haben, daß unberechtigt oder zu hoch bemessene Arbeitslosenunterstützung gezahlt und dadurch das Vermögen der Reichsanstalt geschädigt wird. Ein Arbeitgeber, der z. B. wegen Arbeitsmangel bescheinigt und gleichzeitig neue Arbeitskräfte der gleichen Kategorie sucht, oder der unrichtige Angaben über Beschäftigungsdauer und Lohnhöhe macht, setzt sich der Gefahr aus, vom Staatsanwalt wegen Beihilfe zum Betrug verfolgt und von der Reichsanstalt wegen Schadenersatz belangt zu werden. Größte Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit bei Ausstellung der Arbeitsbescheinigung ist daher dringend anzuraten. Landkreis Iserlohn Aufhebung der Straßensperrung. Die erfolgte Sperrung der im Zuge der Barmen=Hagen=Wimberner Provinzialstraße gelegenen Lennebrücke in Hohenlimburg wird wieder aufgehoben. Amt Westhofen I. Westhofen. Wochenmarkt. Der Wochenmarkt war reich mit Waren aller Art beschickt Infolge des herrlichen Wetters hatten sich auch zahlreiche Käufer eingefunden. Obst und Gemüse wurde in reichlichen Mengen angeboten. Die Preise hierfür waren teilweise gesunken und tcils auf dem vorigen Marktpreis stehen geblieben. Im übrigen bewegten sich die Preise im ortsüblichen Rahmen. I. Westhofen. Unfall. Auf einer kleinen Schulwanderung zum Ebberg erlitt der 7jährige Schüler Otto K. einen bedauerlichen Unfall. Er sprang fehl und zog sich eine Splitterung des rechten Enkelknochens zu. Von seinen Schulkameraden mußte er nach Hause getragen werden. I. Lichtendorf. Hohes Alter. Am morgigen Tage vollendet der Invalide Wilhelm Riedel in Lichtendorf, Ostberge 9½, sein 87. Lebensjahr. Trotz seines hohen Alters erfreut sich der greise Herr noch reger körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Man sieht ihn heute noch mit seiner 83jährigen Ehefrau kleinere Gartenarbeiten verrichten. Bemerkenswert ist, daß die betagten Eheleute im Jahre 1923 noch eine gemeinsame Reise über das große Wasser nach Amerika, zu ihren dort lebenden Kindern unternommen haben, von der sie im Jahre 1926 nach hier zurückkehrten. Bereits im vergangenen Jahre konnten sie das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern. Den vielen Glückwünschen, die dem allseits beliebten Herrn Riedel zugehen werden, schließen wir die unsrigen herzlichst an. Ergste Ergste. Preisschießen des Kriegerund Landwehrvereins Bürenbruch Vorstehender Verein hält am kommenden Sonntag vormittag auf dem Schießstand„Am Hachen“ sein zweites diesjähriges Vereins=Preisschießen ab. Eine Anzahl von den Mitgliedern gestiftete Preise kommen an die besten Schützen zur Verteilung. Der Veranstaltung wünschen wir einen guten Verlauf. Ergste. Turnerfest. Der hiesige Turnverein M. d. D. T, seiert am 31. ds Mts. im Vereinslokal Gasthof Pütter hierselbst sein 45jähriges Bestehen. Die Feier wird um 7 Uhr durch turnerische Vorführungen eröffnet. Alsdann folgen in bunter Reihenfolge lebende Bilder, Schattenbilder und Verlosung. Ein gemütlicher Tanz soll die Feier beschließen. Ergste. Rentenauszahlung. Die Rentenauszahlungen für den Monat September finden bei der hiesigen Postagentur nicht am Montag, den 2. September sondern bereits am Samstag, den 31. ds. Mts. statt. Rückblick auf den August Zeichnungen von Ebs Braver Killog dreh' dich am; Denn wir spielen jetzt bum um. In Berlin regiert die Stunde Se. Majestät der Kunde. Der ganze Erdball voll Ekstase Streckt in den Himmel seine Nase. Der„Silberstreif'“ auf den wir hoffen, Ist im Haag nicht eingetroffen. Das erite Kandsunk=Veestartkk=Aufe lanst in Westbratschlune Runesum=Pregrnm Sonnabend, den 31. August 1929. Münster. 06,45—07,02: Uebertragung von Köln.— Anschließend Uebertragung von Langenberg.— 07,30: Uebertragung von Köln.— 10,15—11,50: Uebertragung von Langenberg.— 12,10: Uebertragung von Langenberg.— 12,50—16,00: Uebertragung von Köln.— 16,00: Uebertragung von Langenberg.— 16,30—17,35: Uebertragung von Köln.— 17,35—18,30: Vesperkonzert.— 18,30—01,00: Uebertragung von Köln. Langenberg. 06,45—07,02: Uebertragung von Köln.— 07,30: Uebertragung von Köln.— 10,15—11,50: Schallplattenkonzert.— 12,10: Schallplattenkonzert.— 12,50—16,00: Uebertragung von Köln. — 16,00: Telegr.=Insp. Art. Wurbs:„Ueber Lautsprecher und Lautsprechersysteme“.— 16,30 —17,35: Uebertragung von Köln.— 18,30— 01,00: Uebertragung von Köln. Köln. 06,45: Leibesübungen.— 07,00: Wetterdienst Anschließend Uebertragung von Langenberg.— 07,30—08,30: Brunnenkonzert aus Bad Neuenahr.— 10,15—11,50: Uebertragung von Langenberg.— 10,30: Tagesdienst, Wasserstandsmeldungen, Arbeitsmarktberichte.— 12,10: Uebertragung von Langenberg.— 12,50: Wetterdienst.—12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst.— 13,05—14,30: Mittagskonzert.— In der Pause 13,30: Programmbemerkungen.— 14,30: Ratschläge fürs Haus.— 15:00: Els Vordemberge: Kinderspielstunde.— 15,30: Wirtschaftsdienst.— 16,00: Uebertragung von Langenberg.— 16,30: Adolf Uzarski:„Humor der Weltliteratur.“— 16,55: Frauenstunde.— 17,15: Dr. Grotewahl:„Polarflüge und Polartragödien der jüngsten Zeit.“— 17,35: Uebertragung von Münster.— 18,30: Dr. Adolph Reifferscheidt:„Die Rückwirkungen des deutschfranzösischen Handelsvertrages auf die deutsche Industrie.“— 18,50: Mitteilungen der Interessengemeinschaft westdeutscher Funkvereine. 19,00: Wirtschafts=, Wetter= und Sportdienst.— 19,15: Die Stunde des Arbeiters.— 19,40: Hermann van Ham:„Wirtschaftssorgen des westdeutschen Grenzlandes."— 20,00: Lustiger Abend.— Anschließend letzte Meldungen, Sportdienst, Mitteilungen aus der Geschäftswelt.— Danach bis 01,00: Nachtmusik und Tanz.— Bei einer Uebertragung Um stets„schlagfertig" zu sein und um aktuelles Geschehen sofort übertragen zu können, hat der Westdeutsche Rundfunk ein Verstärker=Auto in Dienst gestellt. Im Mittelpunkte der technischen Einrichtungen dieses Wagens, der fünf Personen Platz bietet, steht eine komplette Uebertragungs=Apparatur. Es handelt sich also aus dem Kölner Zoo. um einen Verstärkerraum auf Rädern. Außerdem enthält der Wagen alle Instrumente, die zum Rundfunkempfang notwendig sind. Das Dach des Wagens ist besonders konstruiert, um dem Funkreporter als Standort zu dienen, von dem er die zu schildernden Vorgänge gut übersehen kann. Das Innere des Rundfunk=Verstärker=Autos. Vom rheinisch=westfälischen Wertpapiermarkt Mitteilungen des Bankhauses Gebrüder Stern, Dortmund. Dortmund, den 28. August 1929. (Vor der Börse.) Der Markt machte sich auch in der vergangenen Woche von der Entwicklung aller anderen Börsen frei. Er behält seine eigene Tendenz. Selbst die politischen Vorgänge, die an den Zentralbörsen starke Zurückhaltung hervorriefen, wurden hier wenig oder gar nicht beachtet. Nur das Problem der Sachlieferungen auf der Haager Konferenz hatte die Aufmerksamkeit der Börse. Es verstimmte, daß der deutsche Kohlenanteil an den Reparationslieferungen an Italien auf England übergehen solle, und darauf geriet die anfänglich lebhafte Nachfrage nach Kohlenwekten, die in den gegenwärtigen Absatzverhältnissen durchaus begründet ist, ins Stocken. Die Kurse für Ewald, die nach 20 000 Mk. vorübergehend bis 20 750 M bezahlt wurden, gaben um 500 M, Langenbrahm nach 16 500 Mt. bis 16.000 M, Diergardt nach 4325 M bis 4200 M wieder nach, und nur König Ludwig konnten bei mehrfachen Käufen den Kurs von 40 000 M(+ 1250 M) überschreiten. Carolus Magnus schwankten zwischen 8300— 8600 8459 M, Heinrich von 6900— 7175— 7050 M, während Graf Schwerin unter geringen Veränderungen sich bei 4250 M behaupteten. Deutschland hatten bei 285—295 großes Geschäft. Auch in Kohlenaktien schrumpften die Umsätze aus den erwähnten Gründen stark zusammen, und die Kurse zeigen bei Berichtsschluß kaum Veränderungen gegen die Anfangskurse. Es notierten Dahlbusch 126—127 Prozent, Lothringen 45—44 Prozent und Niederrheinische Bergwerke 74—76 Prozent. Lebhaft war der Verkehr in Braunkohlenkuxen, wo die Spekulation ihre vorübergehend unterbrochenen Käufe in den Kuxen des Michelkonzerns fortsetzte. Die Kurse konnten ihre vorwöchentlichen Einbußen wieder einholen und zum Teil neue Höchstkurse erzielen. Das gilt besonders für Gute Hoffnung und Vesta, die die Berichtswoche nach bedeutenden Umsätzen mit 5250 M bezw. 7350 verlassen. Leonhardt notieren 10 350 M nach 10 100 M, Michel 11 900 M nach 11 600 M. Eine Ausnahme machen allein Bruckdorf=Nietleben, die bei fortgesetzten Abgaben ihren Rückgang von 4250 M bis 4000 M fortsetzten. Das bedeutet gegen die Vorwoche einen Verlust von 850 M. Der Kalimarkt hatte in der vergangenen Woche wieder Großkampftage. Zunächst war es die Entschädigungsfrage für die elsässischen Gewerkschaften, die zu außergewöhnlich starken Käufen in diesen Werten führte. Marie konnten hierbei von 1500—1700, Marie Luise von 1500 bis 1600, Max von 1600—1750 und Reichsland von 2650—2950 M anziehen. Vorübergehend gaben die Kuxe unter Schwankungen etwa 150 Mk. her, holten dann aber diese Einbuße wieder Nur Max und Marie Luise verloren Glattstellungen wiederum 150 M, Reichsland erreichten einen neuen Höhenstand von 3100 M. Als diese Bewegung beendet war, setzten umfangreiche Käufe in Siegfried 1 und Einigkeit ein, die die Kurse schnell von 8500 bis 11 500 A hoben. Die Gründe für diese Bewegung sind nicht zu erkennen. Indessen soll nach unseren Informationen die heutige Pressenachricht, wonach die Aschersleben=Gruppe auf die Kuxe ein Gebot abgeben würde, nicht zutreffen Diese Bewegung hatte indes umfangreiche Käufe auf dem gesamten übrigen Markte im Gefolge, und in den bis dahin vernachlässigten Minderheitskuxen setzte eine neue Aufwärtsbewegung ein. Bergmannssegen wurden in zahlreichen Stücken bis 19 400 M, Hugo nach 12 500 bis 14000, Hohenfels nach 11 500—12 750, Erichssegen nach 6 700—7.500 bezahlt. Burbach Kuxe holten ihren vorwöchentlichen Verlust wieder auf und überschritten erneut den Stand von 12000 M. Beienrode folgten zögernd, schließen aber bei Niederschrift dieses Berichtes mit 3850 M. Hansa Silberberg erzielten nach 13 500— 15 500 M. Große Umsätze erfolgten wiederum in den Minderheitskuxen, wo Braunschweig=Lüneburg von 8 100— 9 000, Heimboldshausen von 5 200—5 900, Ransbach von 7·600 bis 8 200, Neusollstedi von 5 900—6 500, Habighorst von 4 500—5100, Mariaglück von 9000—9 800, Hope von 7900—8900 bezahlt wurden. Nur Thüringen wurden von der Bewegung nicht erfaßt. Trotz mannigfacher Glattstellungen konnte sich der Höchstand leicht behaupten. Zum Teil erschienen auch neue Käuferschichten am Markte, als die Verhandlungen, die der anhaltische Fiskus wegen seiner Salzbergwerke führt, bekannt und damit die außerordentlich hohen Gebote, die gegenwärtig für Quoten im Kalisyndikat bezahlt werden, offenbar wurden. Der Kaliaktienmarkt falte der Bewegung des Kuxenmarktes nicht in gleichem Maße. Die Hauptaktie des Kassamarktes— Burbach— holte von ihrem jüngsten Verluste etwa 14 Prozent auf und schließt bei 217 Prozent. Hallesche Kali wurden um 15 Prozent höher mit 247 Prozent bezahlt, Adler Kali gewannen 10 Prozent(167 Prozent) und Hannoversche Kali ebensoviel bei 188 Prozent. Die Wintershall Aktie am Terminmarkte zeigt dagegen geringere Schwankungen. Der Kurs ging von 233 Prozent auf 230 Prozent zurück und erholte sich dann in den letzten Tagen bis 239½ Prozent, wobei auf die großen Vorteile hingewiesen wurde, die der Konzern durch die Abfindung der elsässischen Gewerkschaften erhalten wird. Der übrige Terminmarkt war entsprechend der Lage der großen Börsen vernachlässigt. Nur die Umsätze in Montanpapieren nahmen vorübergehend etwas größere Ausdehnung an, wobei Gelsenkirchener, Mannesmann und vor allem Stahlverein bei mehrprozentigen Steigerungen bevorzugt wurden. Am allgemeinen Aktienmarkte war der Verkehr ruhig und die Umsätze so gering, daß eine Berichterstattung hierüber sich nicht verlohnt. Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 29. August Es notierte: Inl. Weizen 22.5—25.75, Inl. Roggen 20.25 bis 20.5, Wekf. Hafer 18.5—19, Pomm. Weißhafer 22(alte Ernte), Inl. Gerste 19—20, Ausl. Weizen 27.5—30, Ausl. Roggen 24.5—25.5, Ausl. Hafer 21,5—22.5, Ausl. Gerste 18.5—19.5, Platamais 20.5, Cinquantinomais 22, Bäckermehl 38.5—39, Roggenmehl 31.25 bis 31.75, Ostdeutsch. Roggenmehl 29.5, Weizenkleie 11.5—13, Trockenschnitzel 15—16, Zuckerschnitzel 20—21. Diese Preise sind Großhandelsverkaufspreise und verstehen sich per 100 Kg. waggonfrei Dortmund in Ladungen von 10 bis 15 Tonnen. Tendenz: ruhig. Lichtsblele zur Reichskrone Wir kommen auch heute wieder mit einem großen Programm Nachtwelt Eine Tragödie aus der Großstadt in 8 Akten. Anna May Wong, die weltberühmte chinesische Künstlerin, in der Hauptrolle. Santa Fee, der Schrecken der Farmer Spannender Wild-West-Film in 5 Akten Buzz Barton in der Hauptrolle. S 42 Mochemschen- Listspiet 4 18. Fortsetzung. XXII. Sonntagsstille herrschte im Haus. Die Magd war ausgegangen. Ivo schlief. Christa richtete Tee und Brötchen auf ein Tablett und begab sich nach dem Zimmer ihres Schwiegersohnes. Er war auch zu Tisch nicht erschienen, sondern hatte sich das Essen von der Magd aufs Zimmer bringen lassen. Er habe zu arbeiten, ließ er Christa sagen. Aber er arbeitete nicht, als sie nun eintrat. Das Tintenfaß war zu und kein Blättchen Papier auf dem Schreibtisch. Er selbst saß, den Kopf in die Hände gestützt da und brütete vor sich hin. Bei Christas Eintritt fuhr er ärgerlich auf. „Ich mag nicht essen! Ich habe keinen Hunger. Und ich klingelte ja auch nicht!“ Christa war erschrocken stehen geblieben. Nicht über seine Worte, sondern über sein unheimlich bleiches, gramentstelltes Antlitz, das ihr deutlicher als je verriet, wie tief er litt. Dann stellte sie das Tablett auf den Tisch und trat zu ihm. „Lieber Leo, du solltest nicht so allein hier sitzen und deinen Gedanken nachhängen!“ sagte sie in ihrer warmen, herzlichen Art, zum erstenmal ihre Scheu ihm gegenüber überwindend und seinen abweisenden Blick nicht beachtend. „Sieh mal— Geschehenes ist doch nun einmal nicht zu ändern. Du solltest alle Kraft aufwenden, um darüber hinwegzukommen!“ „Das weiß ich. Aber ich kann nicht—“ „Dann laß dir von Hilde helfen! Zwei Schultern tragen leichter!“ „Wenn man einander versteht— ja! Wenn beide dasselbe fühlen. Aber das ist hier nicht der Fall. Ich kann's ja am Ende auch nicht verlangen. Was war ihr der alte Mann? Nichts. Weniger als nichts— aber mir—“ Er brach ab und sah gequält vor sich hin. Christa legte schüchtern ihre Hand auf seine Schulter. „Du hattest deinen Vater wohl sehr lieb, mein armer Leo?“ Es lag kein Mitleid in der Frage. Aber aus Ton, Blick und Haltung strömten ein innig zartes Mitempfinden, das den Mann an ihrer Seite seltsam durchrieselte. „Lieb? Ich weiß es nicht—!“ murmelte er ohne aufzublicken.„Ich glaube nicht. Wir waren uns so fremd geworden mit den Jahren. Sahen uns so selten! Und ich dachte immer, auch er machte sich nicht viel aus mir— aber nun—“ Er schüttelte sich. Die Qual in seinen Zügen vertiefte sich und plötzlich griff er wie ein Ertrinkender krampfhaft nach Christas Hand. „Du wirst es vielleicht besser verstehen, Mutter, als deine Tochter— Der alte Mann hat sich nach mir gesehnt mit allen Fasern seines Herzens!! Halb sterbend schon schrieb er es nieder. Tag um Tag— stückweise— er, der bisher nie im Leben einen Brief an mich geschrieben hatte! Er wollte Ivo haben, der sein Liebling war. Und zuletzt mich! Nur einmal noch sollte ich kommen— nur einmal noch wollte er mich sehen— das war sein Denken Tag und Nacht! Mit dieser unerfüllten Sehnsucht ist er gestorben. Und ich— warum schickte ich ihm nicht wenigstens das Kind, dessen Nähe vielleicht seine Schmerzen gelindert hätte? Warum fuhr ich nicht selbst hin— warum schob ich es auf von Monat zu Monat? Er hat mir keinen Vorwucf gemacht in jenem letzten Brief— nicht den leisesten! Aber eben deshalb komme ich nicht darüber hinweg. Hätte er mir geflucht— ich würde es leichter tragen. Seine Stimme brach. Er, der bisher in seinem starren Schmerz noch keine Träne gefunden, weinte plötzlich. Christa war erschüttert, daß sie keine Worte fand. Aber sie legte seinen Kopf an ihre Brust und streichelte sein Haar, wie sie es mit dem kleinen Ivo machte, wenn er ihr ein Leid klagen kam. Herrlinger stand endlich auf. „Du bist so gut, Mutter— auch um dich habe ich dies nicht verdient— „Ach geh. Leo, rede doch keinen Unsinn! Ich möchte dir doch so gerne helfen!“ „Ich glaube nicht, daß ich darüber hinwegkomme!“ sagte er düster zu Boden starrend.„Du wirst mich für einen Schwächling halten—“ „Weil du ein Herz hast? O Leo!“ „Weil ich mich nicht aufraffen kann daraus. Denn mein Verstand sagt mir ja auch: Geschehenes ist nicht zu ändern. Und trotzdem! Ich habe keine Freude mehr an dem, was mich vorher ganz erfüllte. Beruf— Leben— alles scheint mir leer und zwecklos. Hilde hat am Ende recht: ich bin kein Mann mehr, sondern ein Waschlappen!“ „Hilde hat nicht recht! Sie ist jung und glücklich, sie weiß noch nicht, wie Schmerzen tun! Du aber mußt ankämpfen gegen dein Leid, Leo, und ich weiß auch wie. Was du an deinem Vater versäumt hast, das mache gut an seinem Liebling!“ Er sah fragend in ihre hellgewordenen Augen. „Ich meine Ivo, fuhr sie eifrig fort.„Er gedeiht nicht bei eurer drakonischen Erziehung, ich wollte dir das schon lange sagen. Was für den robusten Ernst und die kräftige Erni gut ist, taugt nicht für sein zartes Körperchen. Auch ## ihr beide das Kind nicht und habt es zu wenig „Ich habe ihn doch lieb. Nur reizt mich seine weinerlich Art oft. Und man kriegt ja auch kaum ein Wort aus dem Jungen heraus!“ „Weil er Scheu hat vor dir! Du befaßt dich ja nur mit ihm, wenn er Strafe bekommen soll! Versuche es doch einmal anders. Plaudere mit ihm, wie du es mit Heinz tust, vertiefe dich in seine kindliche Gedankenwelt, die reicher und sinniger ist als die anderer Kinder. Du wirst es nicht bereuen. Leo, abgesehen davon, daß es dich zerstreuen wird. „Ich will es versuchen. Vielleicht hast du recht. Als sch voriges Jahr zum letztenmal bei meinem Vater war, sprach er Aehnliches zu mir.“ Christa griff nach dem Tablett. „Weißt du was? Geh gleich zu ihm und trinke deinen Tee drüben! Ivolein soll auch seine Milch bekommen und dann plaudern wir alle drei gemütlich, bis Hilde heimkommt. Du wirst sehen, daß dir dabei die Zeit viel besser vergeht, als wenn du hier allein sitzest und über geschehene Dinge nachgrübelst!“ Herrlinger folgte ihr schweigend. Zum erstenmal empfand er die Anwesenheit Christas in seinem Hause als Segen. Und dann verflogen ihm die Stunden an Ivos Bettchen merkwürdig rasch. Staunend entdeckte er, nachdem der Knabe erst ein wenig zutraulich geworden war, eine Menge kleiner Züge an ihm, die ihn an seinen Vater erinnerten. Einen trockenen Humor, scharfe Beobachtungsgabe und ganz besonders eine naive, verständnisvolle Freude an allem, was mit der Natur zusammenhing. Ivo, der doch erst seit Herbst zur Schule ging, wußte erstaunlich viel über Tiere und Pflanzen. „Denn das ist mir das liebste, Papa, wenn uns der Herr Lehrer davon erzählt! Weißt du, was ich möchte?“ „Nun?“ „Ein Landmann werden, der Felder bebaut, Obst züchtet und recht viel Vieh in den Stallen hat! Es muß herrlich sein, immer auf dem Lande leben zu können! Heinz will ein Doktor werden, aber das möchte ich nicht. Dann muß man immer in der Stadt bleiben und dann denke bloß, was ich für Geld verdienen kann, wenn ich alles aus meiner Wirtschaft verkaufe!“ Es war der kindliche Traum eines Siebenjährigen. Aber Herrlinger wurde doch nachdenklich dabei. Sein Vater hatte als Hausierer begonnen und war als reicher Mann gestorben. Und auch er hatte immer den Traum gehabt, ein eigenes Anwesen zu besitzen, das er nutzbar bewirtschaften wollte. Und zwei Jahre vor seinem Tode verwirklichte er seinen Traum, indem er einen herabgekommenen Bauernhof in seinem Heimatsdorf kaufte, aus dem sich„etwas machen“ ließe. Dann war seine Krankheit dazwischen gekommen und er hatte nichts anderes mehr machen können, als aus dem baufälligen Wohnhaus ein hübsches neues Gebäude im Schweizerstil. Nach seinem Tode verpachtete Herrlinger das Ganze vorläufig mit der Absicht, es so bald als moglich zu verkaufen. Aber nun— warum sollte es nicht verpachtet bleiben und Ivo dereinst seine jungen Kräfte dran erproben? Vielleicht hatte Vater, dessen Herz so sehr an dem neuen Besitz hing, sogar diesen Plan gehabt und Ivo deshalb zu sich verlangt, um in ihm die Liebe für den Hof zu erwecken? Wer konnte es wissen? Christa saß still mit ihrem Strickstrumpf daneben, störte die Unterhaltung mit keinem Wort und war glücklich, daß ihr Vorschlag so gute Früchte getragen. Vater und Sohn hatten endlich den Weg zueinander gefunden und Leos düsterer Gram war durch neue Vorstellungen in den Hintergrund gedrängt worden. Mitten in diese Idylle hinein platzte Hilde mit Erni wie ein Frühlingssturm Sie hatte ihre grollende Gereiztheit gegen Mutter und Mann vergessen, sah bezaubernd hübsch aus mit ihren von der Kälte geröteten Wangen und den lebhaft blitzenden Augen und sprudelte ihre Neuigkeiten temperamentvoll heraus. „Es war einfach herrlich gewesen draußen! Und Frau Hubermann so froh, daß sie gekommen! Erni hatte geradezu Triumphe gefeiert durch ihre Drolligkeiten. Alle waren rein weg von ihr—“ „Alle?“ fragte Herrlinger.„War denn sonst noch jemand dort?“ „Ja. Eine Frau Vorbeck von hier mit ihrer Nichte, die mit der Hubermann in Borkum waren und sie heute zufällig besuchten. Von ihr erfuhr ich Dinge— aber das erzähle ich euch später,“ setzte sie mit einem Blick auf die Kinder hinzu.„Bis wir allein sind. Ihr werdet staunen!“ „Wie geht es denn dem alten Waidacher? Hast du nichts gehort darüber?“ frug Christa, während sie Erni zu Bett brachte. „Doch. Es soll ihm sehr übel gehen. Er hatte neulich nach einem Streit mit seiner Frau abermals einen Schlaganfall, nach dem die ganze linke Seite gelähmt blieb. „Der Arme! Ich will ihm morgen wieder schreiben, da ich doch mein Versprechen, ihn öfter zu besuchen, unserer raschen Abreise wegen nicht halten konnte. Vielleicht zerstreuen ihn Briefe ein wenig in seiner traurigen Vereinsamung. „Ja, einsam ist er sehr! Frau Sofie soll keinen Menschen zu ihm lassen, damit er sich nicht über sie beklagen kann. Und der Streit neulich entstand, weil es ihm gelungen war, seinen alten Freund, den Bürgermeister, im Wirtshaus aufzusuchen, wahrend sie für kurze Zeit abwesend war. Waidacher benützte die Gelegenheit, bestach einen Knecht und ließ sich nach dem Goldenen Krug fahren, wo ihn dann seine Frau nach langem, vergeblichem Suchen endlich entdeckte. Er saß sehr vergnügt im Extrastübchen zwischen Bürgermeister, Apotheker und Notar, mit denen er Tarock spielte. Frau Sofie wurde mit Hallo und spöttischem Gelächter begrüßt. Sie hätten ihren Freund Waidacher selbst geholt, hieß es, und er habe versprechen müssen, nun alle Tage auf einen Dämmerschoppen mit nachfolgendem Königrufer zu kommen, basta! Die Sofie machte gute Miene zum bösen Spiel, lachte mit und erklärte, das sei ihr gerade recht, denn dann würde ihr Mann weniger brummig sein. Aber daheim! Da ging's dann los. Der Knecht mußte zur Stunde sein Bundel schnüren und fort. Frau Sofies zeternde Stimme war so laut, daß sie drüben in Villa Hermes fast die Worte verstehen konnten. Bis es dann um Mitternacht plötzlich totenstill wurde und der Kutscher wie die wilde Jagd nach dem Doktor fuhr, denn der Alte hatte wieder einen Schlaganfall bekommen und lag steif und röchelnd da, als wollte er ihnen unter den Händen sterben. Seitdem ist strengste Klausur für jedermann auf dem Waidacherhof. Wie der Teufel wacht Frau Sofie darüber, daß kein Mensch die Krankenstube betritt.„Der Arzt hat's verboten,“ sagt sie,„und der Arzt— bestätigt es, was sie, wie die bösen Zungen behaupten, ein schönes Stück kostet!“ „Der Arme!“ sagte Christa noch einmal.„Er ist hart bestraft, daß er diese Frau heiratete.“ „Nun, andern geht es noch schlimmer!“ meinte Hilde mit bedeutungsvollem Blick. Es gibt entschieden eine Nemesis!“ Eine Stunde später, nachdem auch der inzwischen heimgekehrte Heinz zu Bett gebracht worden war, zog sich das Ehepaar ins Wohnzimmer zurück. Christa, um nicht zu stören, wollte sich mit einem Gutenacht entfernen, als Hilde sagte. „Bleib nur noch ein wenig, Mutter.“ Ich habe noch eine Neuigkeit mitgebracht, die auch dich interessieren wird!“ „Mich?“ „Ja.“ Denke dir, Frau Vorbeck wohnt.nämlich der „Villa Myra“ gerade gegenüber und wurde so— sehr gegen ihren Willen— Zeugin der letzten Ereignisse dort. Stelle dir vor, Vaters zweite Frau, deren sinnlose Verschwendung schon lange das Gespräch der Nachbarschaft bildete, hat das ganze Geld, das Vater ihr seinerzeit heimlich zuschreiben ließ, bereits durchgebracht und ist mit Hinterlassung zahlreicher Schulden in Begleitung eines reichen alten Rentiers verduftet! Schon am nächsten Tag stürzten sich die Gläubiger wie die Aasgeier auf Vater, der aber selber keinen Heller besitzt und in der letzten Zeit froh gewesen sein soll, wenn er satt zu essen bekam— was nach Aussage der Dienstboten durchaus nicht immer der Fall war. Frau Vorbeck, die natürlich keine Ahnung hat, in welchem Verhältnis ich zu dem schnöde verlassenen Gatten stehe, sagt, es habe schauderhafte Szenen gegeben zwischen ihm und den betrogenen Gläubigern.— Die Villa wird natürlich zwangsweise versteigert und Vater, der dadurch nicht mal ein Obdach behält, kann nun auf seine alten Tage sehen, wie er sich durchschlägt. Das Schicksal hat sich härter an ihm gerächt, als du selbst es gekonnt hättest!“ Christa war kreideweiß auf einen Stuhl gesunken. „Und das Kind?“ stammelte sie endlich.„Was ist aus dem Kind geworden?" Hilde sah sie überrascht an. „Du weißt, daß sie ein Kind hatten?“ „Ich— ich hörte es—“ „Ja. Es ist ein Knabe. Fast so alt wie Ivo. Was aus ihm wurde? Nun, sie hat ihn natürlich dem Vater gelassen; der kann nun sorgen für ihn!“ „Wie furchtbar für ihn— und das Kind!“ murmelte Christa tief erschüttert, während ihr die hellen Tränen aus den Augen schossen. Hilde zuckte die Achseln. „Nun, ich finde, gerade du hättest am wenigsten Ursache, die beiden so sehr zu bemitleiden! Für dich müßte es doch eher eine Genugtuung sein!“ Die Mutter sah sie sprachlos an. Dann erhob sie sich schwerfällig. Ein Blick, so streng richtend, so vorwurfsvoll, wie Hilde ihn nie in diesen gütigen Augen gesehen hatte, streifte sie. „Wenn das wirklich deine wahre Meinung ist, dann vergebe dir Gott!“ sagte Christa und schritt taumelnd aus dem Zimmer. „Was sagst du dazu?“ wandte sich Hilde ärgerlich an ihren Mann, der während des Gesprächs stumm im Gemach auf und ab gegangen war. Jetzt blieb er mit scharfem Ruck vor ihr stehen. „Daß deine Mutter recht hat! Es war lieblos, wenn nicht roh, ihr eine solche Nachricht in dieser Form mitzuteilen. Der Mann war immerhin ihr Gatte und— dein Vater!“ Hilde brach in Tränen aus. „Gott, was habe ich denn gesagt? Für Vater ist es doch wirklich nur eine gerechte Strafe! Denke doch, was er ihr angetan hat!“ „Deine Mutter ist viel zu edel und gütig, um jetzt nur — daran zu denken!"“ „Eben darum. Ich kenne sie. Wenn er kommt und sie anbettelt— sie hat noch Ersparnisse von Tauffernitz her — dann ist sie imstande— und gibt ihm alles! Dem wollte ich vorbeugen, sie aufrütteln—“ „Liebes Kind, vielleicht wäre es schöner, nicht immer bloß den praktischen Vorteil im Auge zu haben, sondern auch das Herz zu Worte kommen zu lassen. „Das sagst— du?“ Hildes Tränen versiegten. Maßlos erstaunt starrte sie ihren Mann an.„Du hast dich doch immer über Gefühle lustig gemacht und den Vorteil als oberstes Prinzip gepredigt! Du nanntest das stolz deinen Charakter!“ Er sah über sie hinweg in die Luft. „Vielleicht irrte ich mich. Vielleicht nannte ich Charakter, was nur selbstauferlegte Härte war. Heute glaube ich, daß es Charakter als etwas Feststehendes, Abgeschlossenes überhaupt nicht gibt. Er ist bei ehrlich strebenden Menschen nur ein ewiger Werdeprozeß, ein Emporwachsen und Freiwerden. Nur der Dumme oder Engherzige wird sich als etwas„Fertiges“ betrachten.“ „Und seit wann ist dir diese neue— Weisheit gekommen?“ „Seit ich an einem offenen Grabe stand!“ antwortete Herrlinger leise. XXIII. Christa stand noch ganz unter dem Eindruck von Günthers Besuch. Unerwartet war er in aller Frühe gekommen. Erstens, um ihr mitzuteilen, daß sein Abschiedsgesuch endlich bewilligt worden war und er daher schon in den nächsten Tagen nach Birkenheide zu Komtesse Mara v. Breitenberg fahren könne, um sich vorzustellen. Komtesse Mara die seit Christas Abreise in lebhaftem Briefwechsel mit ihr stand, hatte nämlich, als sie von der Verlobung Günthers und deren Nebenumständen erfuhr, in liebenswürdigster Weise den Vorschlag gemacht, der junge Mann moge die eben freigewordene Inspektorstellung auf ihren Gütern übernehmen. Vorausgesetzt, daß er überhaupt einwillige.(Fortsetzung folgt.) 1 *