Lie„Schweiter Heitung“ erschemt wöchentlich seche mol. Bezugsprets baidmonatlich 1.20 Mork, Einzelaummer 13 Pig. Druck u. Verlag von C. Brau, Schwerte(Rube), SIschueien Postmund 243: und Hamuner 2173. Mardchr. 1—3 Verantvorlich für die Scheifteitun= H. Linner, Schwerte. Hernruf 2770 Verbunden mit: Schweeter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Voieteat Zelung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung 4 s bie achitgelost mm u: e Pie, Unspir. lge, sinarsamtiche u. gerichtliche Lozeigen 10 Pig., Liekameselle 40 Pf, Lur wieson, ausgegedene Haserate üdernedmen wir keine Gewähr. Dei underdesgesehn. Beriedelsrungen, dervorgerasen duech böder: Gewalten, üdernedmen wir keinscel Gewäde sis pücktliches Crscheigen der Jeitung u. kem auch keinerlei Ansoruch auf Schodenersat oder Nachliuserung erdoden weeden c M. Septiis Cei., S aeumamee ur a. Kreisblatt für den Kreis Hörde= Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. e weneralanzeiger für den Kreis Hörde. Nr. 15b(Geles Bland) Neues in Kürze. Volksabstimmung über die Eingemeindung. wp. Hörde, 17. Jan.(Tel.) Landrat Hausmann ließ in allen Gemeinden des Kreises eine Volksabstimmung vornehmen, um festzustellen, wohin die einzelnen Gemeinden im Falle einer Auflösung des Kreises wollten. Die Abstimmung, bei der von 75397 Stimmberechtigten 70 801 Stimmen abgegeben wurden, hat ergeben, daß die Bevölkerung in überwältigender Mehrheit den Landkreis Hörde erhalten wissen will. Nach diesem Ergebnis kann schwerlich angenommen werden daß der preußische Innenminister auf seiner Vorlage, die eine Aufteilung des Kreises Hörde vorsieht, bestehen bleibt. Aufhebung veralteter Polizeiverordnungen. wlb. Berlin, 18. Jan.(Tel.) Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, hat im Interesse der Rechtssicherheit der Minister des Innern den Beschluß gesaßt, sämtliche Polizeiverordnungen der Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten, Kreis= und Ortspolizeibehörden, soweit sie vor dem 1. Januar 1890 ergangen sind, mit Ausnahme derjenigen Verordnungen, die die Strom=, Schifffahrts= und Hafenpolizei betreffen, mit Wirkung vom 1. Mai d. Is. außer Kraft zu setzen. Dieser Beschluß bezieht sich auch auf diejenigen vor dem 1. Januar 1890 erlassenen Polizeiverordnungen, die nach diesem Datum abgeändert sind Das Urteil im Sulzbacher Sparkassenprozeß. wtb. Amberg, 17. Jan.(Tel.) Im Sulzbacher Sparkassenprozeß wurden heute verurteilt: Der Bürgermeister von Sulzbach, Rauber, wegen fortgesetzten Vergehens der Untreue zu sechs Monaten Gefängnis, die beiden Mitangeklagten, Sparkassenverwalter Meißner und Sparkassenbuchhalterin Fischer wegen desselben Vergehens zu je vier Monaten Gesängnis. Den beiden letzteren wurde Bewährungsfrist bis November 1933 zugebilligt. Durch verfehlte Spekulationen der Angeklagten ist der Stadt Sulzbach(Oberpfalz) ein Schaden in Höhe von 187000 Mark entstanden. Vor der Fremdenlegion bewahrt. wp. Landau, 17. Jan(Tel.) Hier wurden zwei siebzehnjährige Ausreißer aus Thüringen aufgegriffen, die mit Revolvern ausgestattet waren. Sie wollien beide zur Fremdenlegion. Einer von ihnen war von der in der hiesigen Kaserne befindlichen Werbestelle bereits nach der Grenze in Marsch gesetzt worden. August Borms freigelassen. wtb. Brüssel, 17. Jan.(Tel.) Der Flamenführer August Borms, der nach Kriegsende zum Tode und dann zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden war, ist auf Grund der vom Senat beschlossenen Amnestie heute freigelassen worden. Dr. August Borms, Gymnasiallehrer von Beruf trat während des Krieges für die Selbständigkeit Flanderns ein: im Februar 1919 verhafteten ihn die Belgier. Im Oktober 1919 wurde er zum Tode verurteilt, doch aus politischen Gründen zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Nationalsozialisten=Feme. wtb. Berlin, 17. Jan.(Tel.) In Verfolgung einer beim Polizeipräsidium Berlin erstatteten Anzeige sind eigenartige, an die mittelalterliche Eigenjustiz erinnernde Zustände bei der Berliner Gauleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Deutschen Arbeiterpartei aufgedeckt worden. So hatte die Gauleitung einen Sonderdienst zur Bearbeitung von Verfehlungen eingerichtet, die innerhalb der Partei durch Parteiangehörige begangen wurden. und für diesen Dienst u. a. einen ehemaligen Kriminalbeamten Loeffner aufgenommen, der wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung aus dem Dienst entlassen worden war. Loeffner hat nun gemeinsam mit dem Kassierer der NDAP am 9. d Mts. einen wegen geringfügiger Unterschlagungen von der Partei verfolgten 18jährigen Menschen in der Art einer kriminalpolizeilichen Verhaftung auf der Straße festgenommen, mit einem Kraftwagen zum Gaubüro der RDAP transportiert und dort bis zum nächsten Morgen unter Bewachung festgehalten. Der mit der Bewachung beauftragte Nationalsozialist lud vor den Augen des Festgenommenen eine Pistole. Später hielten sich in dem Zimmer andere Nationalsozialisten auf, um eine Flucht zu verAm nächsten Morgen nahm Loeffner zwei Protokolle mit dem„Beschuldigten“ in der bei der Pollzei üblichen Form auf und übergab sie seinem Gauführer, dem Abg. Dr. Goebbels. Dieser machte dem jungen Mann in Gegenwart seines Privatsekretärs Wilke Vorhaltungen und verpflichtete ihn zur Verschwiegenheit. Dann erst durfte der Festgenommene das Büro verlassen. Die Polizei nahm in dem Wohnraum, der dem mit der Ueberwachung betraut gewesenen Nationalsozialisten von der NSDAP zur Verfügung gestellt worden ist, eine Durchsuchung vor, bei der zwei geladene Mehrladepistolen beschlagnahmt und ebenso die Durchschläge der mit dem jungen Mann ausgenommenen Protokolle sichergestellt wurden. Gegen sämtliche beteiligten Personen ist ein Verfahren wegen Amisanmaßung, iheitsberaubung, Nötigung und Schwerte(Gached, Freitag, den 16. Jomnar Wieder ein neuer Afghnnenteing. Abdankung des Königs Inajat Ullah. Der Rebellenführer Bascha Sakao übernimmt als König Chabib die Regierung. G. Johrgang Die Stadt Bottrop ingrößer Erpiostensgefutse 19 Jan(Fnnffneuch.) Gestern wib Moskau, 17. Jan.(Tel.) Einer Funkmeldung aus Kabul zufolge hat König Inajat Ullah heute morgen abgedankt und sich bei seiner Abdankung seine eigene Unantastbarkeit und die Sicherheit aller Personen, die sich in der königlichen Residenz befinden, ausbedungen. Das Kommando der Aufständischen teilte mit, daß der Führer der Aufständischen, Bascha, Sakao, mit dem Titel König Chabib Ullah Chasi die Regierung antrete. In Kabul herrscht völlige Ruhe; die Bazare sind geöffnet, die Gebäude der ausländischen Gesandtschaften werden von Truppen der Aufständischen bewacht. Die Haltung der Rebellen gegenüber den Ausländern ist durchaus freundlich. Während der Kämpfe in und um Kabul hat kein Ausländer irgendwelchen Schaden erlitten. Ueber die dem Sturz des 3=Tage=Königs Inajat Ullah voraufgegangenen Ereignisse liegen zurzeit nur spärliche Meldungen vor; sie besagen: wtb Moskau, 17. Jan.(Tel.) Nach dreitägiger Unterbrechung ist heute die Funkverbindung Moskau—Kabul wieder aufgenommen worden. Den aus Kabul übermittelten Berichten zufolge haben die Aufständischen nach der Abdankung Aman Ullahs ihren Vorstoß gegen Kabul fortgesetzt und es gelang ihnen, die Residenz des Königs, in der sich zum Schutze des neuen Herrschers Inajat Ullah und der Regierungsmitglieder nur ein Truppenteil besand, zu umstellen. Die Aufständischen forderten die bedingungslose Unterwerfung Inajat Ullahs und der Regierung und drohten, im Falle einer Weigerung die Residenz zu stürmen. Aman Ullah in Kandahar. wtb London, 17. Jan.(Tel.) Wie Reuter aus zuverlässiger Quelle erfährt, befindet sich Aman Ullah, über dessen Aufenthaltsort Ungewißheit herrschte, tatsächlich augenblicklich in Kandahar, wo sich auch die Königin und die Königinmutter seit einiger Zeit aufhalen. Der Aufständischenführer Nascha Sakao ist nunmehr Herr der ganzen Stadt Kabul mit Ausnahme eines Forts. In wib Bottrop, 18. Jan.(Funkspruch.) Gestern nachmittag entstand aus bisher unbekannter Ursache am Gasometer der Zentralkokerei der Rhein. Stahlwerke in Bottrop ein Brand. Durch die Hitze wurden an der Gasometerwand einige Nieten undicht, so daß Gas ausbrach und in Brand geriet. Den Bemühungen der Feuerwehr gelang es, durch Kalthalten der Gasometerwandungen und Auftragen von Chamotte auf die undichten Stellen das Feuer zu ersticken und die Gefahr zu beseitigen Die vorsichtshalber alarmierten Feuerwehren der Stadt Bottrop, der Stadt Essen und Firma Krupp brauchten nicht mehr in Tätigkeit zu treten. Der Gasometer ist gebrauchsfähig geblieben. Der Schaden ist nicht allzu groß. der Stadt herrscht Ordnung. sandtschaften ist alles ruhig. In den fremden GeFür Aufschub der Amgemeindungsvorlage. Ein Gutachten des Landeshauptmanns Dr. Horion. Kreibeltsbexenbung, Röttgung.„ Bedrohung bzw. wegen Beihilfe eingeleitet worden. Auch sind alle Beteiligten mit Ausnahme des durch seine Immunität geschützten Abgeordneten vorläufig festgenommen worden. Sie werden dem Vernehmungsrichter zugeführt werden. * Düsseldorf, 18. Jan. Der Landeshauptmann der Rheinprovinz. Dr. Horion, hat für den heute zur Beratung über die Umgemeindungsvorlage zusammentretenden Provinzial= ausschuß der Rheinprovinz ein Gutachten vorbereitet, das für einen Aufschub der Umgemeindungsvorlage auf 5 Jahre plädiert. Aus der umfangreichen Begründung, die der Landeshauptmann dem Provinzialausschuß zu dem Gutachtenentwurf vorzulegen gedenkt, heben wir— nach einem Bericht der Köln. Ztg.— folgende Punkte hervor:„„Mmeerän 1. Die wichtigsten Grenzveränderungsvorschläge werden begründet mit dem Hinweis auf die zu erwartende zukünftige Entwicklung der Industrie und der Siedlung in den betreffenden Gebieten. Wie diese Entwicklung sich in den nächsten Jahren gestalten wird ist aber im Augenblick in keiner Weise zu übersehen. Jetzt erst werden die wichtigsten Umgestaltungen, die durch die Veränderungen der innern und äußern politischen Lage Deutsch= lands auch auf wirtschaftlichem Gebiete hervorgerusen werden, allmählich zur Auswirkung kommen. Dann wird sich möglicherweise ergeben, daß die Zukunftspläne, mit denen die Umgemeindungen begründet werden, sich nicht verwirklichen. 2. Es sind inzwischen neue Vorschläge in bezug auf die Organisation der Verwaltung gemacht worden, durch die vielleicht die mit der Umänderung verfolgten Ziele zum Teil ebenfalls erreicht werden können oder umgekehrt gewünschte Umänderungen eher tragbar erscheinen: Dekonzentration der Großstadt, Großlandkreis mit KompetenzKompetenz, Verwaltungsvereinigung zwischen Großstadt und umliegendem Landkreis, Arbeitsgemeinschaften zwischen Nachbarstädten. Diese Möglichkeiten müssen zunächst genauer geprüft werden, ehe Entscheidungen getroffen werden können. 3. Die Ansicht, daß mit der Durchführung der Umgemeindung eine Beruhigung in den betreffenden Gebieten eintreten würde, wird sich infolge des erbitterten Kampfes, der geführt worden ist, voraussichtlich nicht verwirklichen, vielmehr werden die entstehenden interkommunalen Kämpfe, die sich ergebenden gegenseitigen Vorwürfe, bei denen alle nachteiligen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen auf die gegen den Willen der Bevölkerung erfolgte Umgemeindung zurückgeführt werden, ein neues Element der Erbitterung und des Gegensatzes in die Kommunen bineintragen, 44 u. 4. Es ist nicht notwendig, alle für die nächsten 30 Jahre etwa in Betracht kommenden Um= und Elngemeindungen setzt gleichzeitig vorzunehmen, da die einzelnen Pläne zum Teil völlig unabhängig voneinander sind. Spruchreife Pläne, vor allem solche, bei denen die Beteiligten zustimmen, sowie kleinere Grenzveränderungen, können auch bei einer Vertagung der Gesamtvorlage jetzt sofort in die Wege geleitet Der Landeshauptmann möchte dann zunächst eine Klärung der bekanntlich von Prosessor Stier=Semlo aufgeworsenen Frage, ob das Gesetz vom 27. Dezember 1927 rechtsungültig ist, das Umgemeindungen auch gegen den Willen der Beteiligten ermöglicht. Aus den weiteren allgemeinen Ausführungen ist noch folgendes bemerkenswert: 1. Aenderungen der kommunalen Grenzen erscheinen nur dann geboten, wenn der Nachweis erbracht ist, daß die Aenderung in besserer und billigerer Weise die Durchführung der kommunalen Zwecke ermöglicht. Vor allem können darin finden, möglichst große kommunale [Gebilde, seis es nun Stadtkreise oder Landkreise, zu schaffen. Vielmehr erscheinen im Interesse der lebendigen Mitwirkung der Bevöllerung in der Verwaltung, aber auch, im Interesse der Ermöglichung einer wirklichen Führung der Verwaltung und einer Tragung der Verantwortlichkeit durch die leitende Verwaltungsstelle, nicht zu große kommunale Verwaltungsgebiete wünschens2. Bei den Umgemeindungen und Eingemeindungen ist in erster Linie der Wille der Bevölkerung zu beachten, vor allem, wenn er einheitlich von der weit überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung geäußert wird. Infolgedessen sind die Vorschläge verschieden zu beurteilen, je nachdem die zuständigen Selbstverwaltungskörperschaften zustimmen oder nicht. Ist das erstere der Fall, so ist in der Regel den Anträgen zu entsprechen, wenn nicht ausdrücklich feststeht, daß die beantragten Grenzveränderungen für die Beteiligten selbst oder, was aber nur ausnahmsweise ausschlaggebend sein kann, für benachbarte Beirke verwaltungsgemäß einen Nachteil bedeuten. 3. Wenn die Beteiligten nicht zustimmen, darf eine Um= und Eingemeindung nur vorgenommen werden, wenn der Nachweis erbracht ist, daß schwerwiegende Gründe des öffentlichen Wohls sie erfordern, und zwar darf dies sicht lediglich von den Interessen leines Teils aus beurteilt werden, sondern muß von den Interessen beider Teile aus gewürdigt werden. Wenn ein Vorteil nur bei einem Teil vorhanden ist, so darf gegen den Willen des andern Teils die Um= und Eingemeindung nur erfolgen, wenn der begünstigte Teil ohne die Eingemeindung in seinen Existenzbedingungen schwer gefährdet ist. Das Vorhandensein von Verkehrs= und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen benachbarten Gemeinden begründet für sich allein nicht die Notwendigkeit ihrer Vereinigung, da Gemeindegrenzen keine Landesgrenzen sind und diese Beziehungen auch über die Gemeindegrenzen hinweg bestehen und gepflegt werden können. 4. Bei den Umgemeindungen ist zu unterscheiden die Vereinigung mehrerer an sich lebensfähiger und über ausreichende eigene Einrichtungen verfügender großer kommunaler Gebilde zu einer neuen Einheit und die Zuzeilung kommunaler Gebilde an eine Großstadt. In dem erstern Fall sind bei Widerspruch der Selbstverwaltungskörperschaften die Voraussetzungen für die Umgemeindungen mit besonderer Sorgfalt zu prüsen und nur im Fall dringendster Notwendigkeit Mit Einzelfragen beschäftigen sich die„Grundsätze“ nur dort, wo die Provinzialgrenze nach dem Vorschlag des Ministers geändert werden sollte. „Die Denkschrift ist nicht ein geheimes Staatsdokument, aber sie ist sehr wichtig.„Die Sache war eine deutsche militärische Erklärung, die den Parteiführern vertraulich abgegeben wurde. Sie ist durchaus authentisch und sie ist nicht gestohlen worden. Sie ist in der üblichen Weise an mich gelangt, auf einem Wege, den ich kenne und zu dem ich Vertrauen habe. Ich habe die Ueberzeugung erlangt, daß sie authentisch ist. Die innere Ueberzeugungskraft spricht so stark für die Echtheit, daß kein verantwortlicher Journalist zögern würde, das Dokument zu veröffentlichen. Das Dokument ist nicht so geheim geblieben, wie gewünscht worden war.“. Masme 2. Zu der Berliner Meldung, daß an den deutschen amtlichen Stellen eine Untersuchung angeordnet worden sei, bemerkte lächelnd Steed:„Soweit ich in Frage komme, können sie soviel untersuchen, wie sie wollen Mllen.“ DerVerrat der Marinedenkschrift pw. Berlin, 18. Jan.(Tel.) Am Donnerstag vormittag fand, wie der„Jungdeutsche" berichtet, im Reichswehrministerium eine Konferenz statt, zu der auch verschiedene Parlamentarier zugezogen waren, die sich mit dem Verrat der Marinedenkschrift besaßte und über die weiteren Schritte in dieser Angelegenheit Beschluß fassen sollte. Steed über die Erlangung der Grönerschen Darlegungen. wib. London, 17. Jan.(Tel.) Der Herausgeber der Review of Reviews“, Wickham Steed, gab gestern abend eine Erklärung darüber ab, wie die deutsche Denkschrift über den Bau des PanzerAenderungen nicht lediglich ihren Grund(kreuzers in seinem Besitz gekommen sei. Er sagte: Der Arbeitsschutzgesetzentwurf vom Reichsrat angenommen. vdz. Berlin, 18. Jan.(Funkspruch.) Der Reichsrat nahm den Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes gegen die Stimmen von Bayern, Württemberg und Westfalen an. Gegenüber der früheren, wegen Auflösung des Reichstags, nicht mehr erledigten Vorlage enthält der neue Entwurf Aenderungen in der Organisation der Arbeitsschutzbehörden. In allgemeinen Fragen von größerer Bedeutung soll ein Beirat hinzugezogen werden, der zu gleichen Teilen aus Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht. Dem Arbeitsminister werden weitgehende Mitwirkungsrechte gegeben. Die Ausschüsse des Reichsrats haben eine Bestimmung eingefügt, wonach der Arbeitsminister für kleine Betriebe, die in der Regel nicht mehr als 5 Arbeitnehmer beschäftigen, die Arbeitszeit abweichend von den allgemeinen Bestimmungen regeln kann. Außerdem soll nach den Ausschußbeschlüssen die Reichsregierung den Ländern etwaige Mehrkosten ersetzen. Beide Beschlüsse wurden vom Arbeitsminister bekämpft. Die Vertreter von Bayern und Württemberg erklärten sich gegen die Vorlage, namentlich wegen der Eingriffe in die LandesDer Antrag der Reichsregierung, die Bestimmung über den Kostenersatz wieder zu streichen, wurde mit 31 gegen 31 Stimmen angenommen. Sturz der Dynastie Booth. gegen den General. einer 14½ Stunden dauernden Sitzung nahm der Hohe Rat der Heilsarmee in einer geheimen Abstimmung mit 55 gegen 8 Stimmen eine Entschließung an, daß General Bramwell Booth, der jetzige Führer der Heilsarmee, unfähig sei, das Oberkommando weiter zuführen. Die Hauptpunkte, mit denen sich der Rat in seiner langen Sitzung beschäftigte, waren It. Köln. Ztg., abgesehen von dem schlechten Gesundheitszustand des Generals, folgende vier Anklagen:,.„.insag B.it bar 65. 1. daß der General schon einige Zeit vor seiner Krankheit sich von anderen Mitgliedern seiner Familie habe beherrschen lassen und infolgedessen seine Entscheidungen oft umgestoßen habe; 2. daß er infolge dieser Beherrschung sich Ungerechtigkeiten und Parteilichkeiten gegenüber den Offizieren der Armee habe zuschulden kommen 3. bas er einigen seiner Kinder Beförderung, Macht und Belohnung habe zukommen lassen, die auf Grund ihrer Befähigung und durch die Gebräuche der Armee nicht gerechtfertigt seien; 4. daß er für sich und seine Familie Geschenke und Vorteile angenommen habe, zu denen er zwar gesetzlich, nicht aber durch die Bestimmungen der Heilsarmee berechtigt gewesen sei. General Booth verweigert den Rücktritt. wtb. London, 17. Jan.(Tel.) General Boolh wiederholte in einem Interview mit einem Verireter der Daily Mail seine Erklärung, daß er sich nicht absetzen lassen werde. Er sagte, er werde sein geringes Privatvermögen dazu verwenden, um seine Stekung zu verteidigen. Schwere persönliche Angriffe * London, 17. Jan. Bei Ein zeitweiliger Führer der Heitsarmee gewählt. wib London, 18. Jan.(Funkspruch.) An Stelle des abgesetzten Generals Bramwell Booth ist Kommissar Higgins, einer der höchsten Beamten der Heilsarmee, vom Hohen Rat zum zeitweiligen Führer erwählt worden. Wie verlautet, wird General Booth es dem Hohen Rat überlassen, gerichtliche Schritte zu unternehmen, um das Verfügungsrecht über das bewegliche und unbewegliche Vermögen zu erlangen das die Heilsarmee in England, Frankreich und Australien besitzt und das General Booth auf testamentarische Verfügung seines Vaters, des Gründers der Heilsarmee, als Treuhänder verwaltet. Der Wert dieses Besitzes der Heilsarmee wird auf 36 Millionen geschätzt. Reich läßt eine Lezsnh=Erbenmunge prägen. bdz. Berlin, 18. Jan.(Funkspruch.) Der Reichsrat erklärte sich damit einverstanden, daß gelegentlich des 200. Geburtstages Lessings Reichs=Silber= münzen als Gedenkmünzen ausgeprägt werden, mit dem Kopf Lessings. gu... 898. Angenommen wurde schließlich noch ein Gesetzentwurf, der bezweckt, die übergroße Zahl der Wartegeldempfänger, namentlich aus der Abbauzeit. herabzusetzen, eventl. auch durch Zwangspensionierung. Kommunistendemonstration im bayrischen Landtag. wtb München, 18. Jan.(Funkspruch.) Zur Beratung des Sozialetats im Landtag hatten sich am Donnerstagnachmittag auf den Tribünen zahlreiche Erwerbslose und offenbar auch Anhänger der Kommunistischen Partei eingefunden, von denen Imer nouf sehr stürke Sanersale. Starkes Schneetreiben in West= und Südwest* deutschland. wib. Köln, 17. Jan.(Tel.) In der neunten Morgenstunde setzte hier bei Null Grad starkes Schneetreiben ein, das die Rheinschiffahrt beeinträchtigte. Die Züge aus Ostende, aus Berlin, aus Warschau und aus dem ganzen Osten kamen mit erheblichen Verspätungen an. Der Verkehr in der Stadt ist nicht gestört, da hier das Schneetreiben nur von kurzer Dauer war.„„ 5 wtb. Frankfurt a. M., 17. Jan.(Tel.) Seit den frühen Morgenstunden gehen in ganz Südwestdeutschland große Schneemassen nieder. Der Autound Straßenbahnverkehr wickelt sich außerordentlich schwierig ab. Der starke Schneefall verursacht auch im Eisenbahnverkehr größere Verspätungen. Starker Eisgang an der deutschen Küste. * Norddeich, 18. Jan. Der deutsche HochseeRundsunk in Norddeich verbreitete heute Nacht folgenden Funkspruch:„Wegen starken Eisganges beim Ansteuern der deutschen Küste Vorsicht geboten, da ein Teil der Seezeichen, insbesondere Leuchttonnen, eingezogen sind und mit richtiger Lage der Winterseezeichen nicht zu rechnen ist.“ Ostpommerns Küste blockiert. pw. Berlin, 18. Jan.(Funkspruch.) Seit gestern ist die bisher noch zum größten Teil eisfreie oftpommersche Küste in ihrer gesamten Ausdehnung vom Eis blockiert, das eine Breite von 10 Seemeilen einnimmt. In Kolberg und Stolpmünde liegen mehrere Dampfer fest. Von Schweden und Dänemark avisierte Dampfer können die Eisblockade nicht passieren und müssen die Eismassen abtreibenden Wind abwarten. Drei Ostscedampfer vom Eise festgehalten. wtb. Saßnitz, 17. Jan.(Tel.) Der Bergungsdampfer Secadler, der am Dienstag, von Labö kommend, gegen 10 Uhr abends den hiesigen Hafen anlief und um 11 Uhr mit unbekanntem Ziel den Hafen wieder verließ, gab am Dienstag abend verirrte er sich. Als er nicht zurückkehrte, gingen ihm Leute aus der Bärenbaude suchen, konnten ihn aber, da nachts mehr als ein halber Meter Schnee gesallen war, nicht finden. Erst während der heutigen Nacht wehte der Wind den Schnee fort, und es wurde eine neue Hilfsexpedition ausgesandt. Auf dem Wege zur Peterbaude begegneten sie Schifahrern, die ihnen mitteilten, daß sie in dem Sattel zwischen dem Mannstein und dem Hohen Rade einen erfrorenen Schifahrer bemerkt hätten. Die bei dem Toten gesundenen Papiere ergaben, daß es sich um den vermißten Direktor des tschechoslowakischen Pressebüros Kalman handelte. Die Leiche wird nach Spindermühle gebracht werden. Dollar=Maschiue. wtb. Berlin, 18. Jan.(Tel.) Die Kriminalpolizei hat den Schlepper einer Schwindlerbande festgenommen, welcher kapitalkräftigen Leuten eine rsuchte d-=ch die Tat ist offenbar in wirtschaftlicher Notlage zv suchen. Ein Auto vom Schnellzug überfahren. wtb. Newyork, 17. Jan.(Tel.) Der Long IslandExpreß ist an einem Uebergang mit einem Automobil zusammengestoßen, dessen fünf Insassen getötet wurden. Großfeuer in Newyork. wtb. Newyork, 17. Jan.(Tel.) Ein Brand in einem Teil im Nordosten der Stadt griff auf eine Fabrik und ein größeres Mietshaus über. 48 Familien wurden obdachlos. Mehrere andere Wohngebäude werden von dem Brande bedroht Seltsames Ende eines Hoteldiebes wib Berlin, 18. Jan.(Funkspruch.) Der Erkennungsdienst der Kriminalpolizei macht Mitteilung von dem seltsamen Ende eines berüchtigten und erfolgreichen deutschen Hoteldiebes, des 26= jährigen Bernhard Strasfer aus Bayern, der in den letzten acht Jahren zahlreiche große Hoteldiebstähle in Deutschland ausgeführt hat. Strasser hatte u. a. im Frühjahr 1928 in einem vornehmen Münchener Hotel einen engNaschine vorzuführen verzuane, durch die lischen Regierungsbeamten um etwa 20000 Mark angeblich Dollarnoten herggs.!! in har und um Inwelen im Werte van 36 000 Mark einige mehrmals versuchten, sich durch Mißfallens= 5 Uhr drahtlos durch die hiesige Funkstelle an und Veisalsruse in die Verhandlungen zu vzschez sig iu Her Zähe von Harser, Oit bölig pereitz in und Beifallsrufe in Als der kommunistische Abgeordnete Büchs abends Uhr seine Rede mit einer Verherrlichung der Diktatur des Proletariats schloß, klatschte eine Reihe von Tribünenbesuchern Beifall. Präsident Königbauer hob die Sitzung auf zehn Minuten auf und gab den Polizeibeamten den Auftrag, die Demonstranten hinauszuführen und ihre Personalten festzustellen. Nach einigen Minuten ließ er sämtliche Tribünen räumen, weil die Demonstranten im einzelnen nicht festgestellt werkonnten. Der Kelloggpaft. #r#sident Coolidge unterzeichnet den Kelloggpakt. wtb. Washington, 17. Jan.(Tel.) Präsident Coolidge unterzeichnete heute vormittag die amerilanische Ratifikationsurkunde des Kelloggpaktes in einer feierlichen Zeremonie, zu der alle Senatoren, Vizepräsident Dawes und das Kabinett geladen waren. Arbeit und Streik der Berliner Kohlentransportarbeiter. pw. Berlin, 17. Jan.(Tel.) Die Akkordarbeiter der Berliner Fuhrbetriebe, die für die Kleinhändler die Kohlen von den Güterbahnhöfen abfahren, sind wegen Lohndifferenzen in den Streit getreten. Es kommen insgesamt etwa 600 Arbeiter in Frage, die nach Auskunft des Verbandes der Kohlenfuhrbetriebe auf den Güterbahnhöfen die Arbeit niedergelegt haben. Die Kohlenkleinhändler wollen versuchen, die Kohlen selbst abzutransportieren. Ob und in welchem Umfange dies möglich sein wird. läßt sich noch nicht sagen. Nach Auskunft der Kohlenkleinhändlerorganisation liegt vorläufig kein Grund zu Befürchtungen vor. Bei längerem Andauern des Streiks würden sich allerdings Schwierigkeiten in der Versorgung des Kleinhandels ergeben. Der Kohlengroßhandel wird durch den Ausstand nicht betroffen. Der Bergarbeiterstreik in Frankreich. wotb. Paris, 17. Jan.(Tel.) Während im Loirebecken auf Grund eines gestern gefaßten Beschluffes der Streik der Bergarbeiter zu Ende zu gehen scheint, ist die Lage im Departement Gard unverändert. Nach einer Havasmeldung aus Nimes sind bei den gestrigen Zusammenstößen zwischen Streikenden und republikanischen Garden, über die bereits berichtet wurde, 26 Personen beider Parteien verletzt worden. Wiederaufnahme der Arbeit im Loire=Becken. wtb Paris, 18. Jan.(Funkspruch.) Im LoireBecken haben die Arbeiter gestern die Arbeit sämtlich wieder ausgenommen. Während der Streikdauer sind sieben Verhaftungen wegen Arbeitsbehinderung vorgenommen worden. Die Fälle kommen vor das Strafgericht St. Etienne. Ueberall Gasvergiftungen. Neue Undichtigkeit der Duisburger Ferngasleitung wib Duisburg, 17. Jan.(Tel.) Gestern abend trat in der Ferngasleitung in der Nähe des Stadions eine neue Undichtigkeit auf. Es wurde ermittelt, daß das Gas einer Lücke des Rohres entströmte Die schadhafte Stelle lag im freien Gelände und konnte im Laufe der Nacht abgedichtet werden. Gaserkrankungen sind nicht zu verzeichnen. Unter Leitung des Duisburger Polizeipräsidenten fand heute eine Besprechung über die Gasunglücke in Duisburg statt. Von Vertretern der Thyssenschen Gas= und Wasserwerke und der Ruhr=Gas AG. wurden die bereits vorgenommenen und noch in Aussicht gestellten Sicherungsmaßnahmen zur Verhütung weiterer Unglücke vorgetragen. Gasvergiftungen im Olmützer Armenhaus. wib Olmütz, 18. Jan.(Funkspruch.) Gestern mittag ereignete sich im Olmützer städt. Armenhaus eine Massenvergiftung durch Leuchtgas. Aus bisher noch nicht festgestellter Ursache barst das in die Mauer eingebaute Gasleitungsrohr und das Leuchtgas drang in mehrere Räume ein. Sechs Personen erlitten Gasvergistungen und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Der Zustand der Vergifteten ist sehr ernst. schwerer Seenot befinde und unverzüglich Hilfe durch einen anderen Bergungsdampfer verlange. Von Saßnitz aus wurde sofort der Bergungsdampfer Seehund, ein Schwesterschiff des Seeadler, der den Hasen Danzig mit dem Ziel Saßnitz verließ, entsandt.“ Beide Dampfer haben Saßnitzer Mannschaften an Bord. Bis heute mittag war von beiden Dampfern noch nichts bekannt. Gestern früh traf die Meldung ein, daß der Dampfer Regent vormittags einlaufen würde, um seine Bunkerbestände zu ergänzen. Der Dampfer ist bis gestern abend nicht eingetroffen. Aus den von ihm drahtlos gegebenen Meldungen geht hervor, daß es dem Dampfer nicht möglich ist den Saßnitzer Hafen zu erreichen. Weitere Meldungen liegen bis jetzt nicht vor. Folgen des Schnesturms für die Stralsunder Schiffahrt. werden könnten. Die Arbeit dieser Maschine beruht auf einem Trick, auf den verschiedene Personen hereingefallen sind, die sich dazu bewegen ließen, zum Betrieb dieser angeblichen Falschmünzerwerkstatt hohe Summen beizusteuern. So sind einem Kaufmann 30000 Mark und einem anderen Opfer 5000 Dollar abgenommen worden. Ein ausländischer Kaufmann wurde bei der Besichtigung der Maschine durch giftige Dämpfe betäubt, und die Verbrecher raubten ihm 52000 Mark. Die Häupter dieses„Unternehmens" haben sich noch nicht feststellen lassen. Aus Nah und Fern. Ein unmenschlicher Vater. wp. Horst=Emscher, 17. Jan.(Tel.) Ein hiesiger. dem Trunke ergebener Bergarbeiter kam in stark angetrunkenem Zustande nach Hause. Als seine Frau ihm Vorwürfe machte, drang er mit einem Brotmesser auf sie ein. Die Frau flüchtete aus dem Zimmer. Der Wüterich, der sein 6 Monate altes Kind in einem Bette liegen sah, schüttete dann den Inhalt eines auf dem Ofen stehenden mit kochendem Wasser gefüllten Kessels auf das Kind, das furchtbar verbrannt wurde. Der unmenschliche Vater wurde festgenommen. Tragödie im Zentrum Berlins. pw. Berlin, 17. Jan.(Tel.) Im Hause Alexanderstraße 35 im Zentrum Berlins spielte sich heute mittag kurz nach 1 Uhr eine Tragödie ab, die in ihren Einzelheiten noch der Aufklärung bedarf. Der Inhaber einer Fußbodenwachsfabrik, Jakob Pallmann, und die Mitinhaberin der Fabrik, Fräulein Meyer, die beide aus München stammen, in var und um Huweren im Werte von 36000 Mark bestohlen. Seitdem war er spurlos verschwunden. Im vorigen Monat war nun ein Deutscher. dessen Identität nicht festgestellt werden konnte, mit seinem Automobil unweit Trenton im amerikanischen Staat New Jersey gegen den Mast einer Ueberlandleitung gefahren und mit zerschmettertem Schädel tot liegen geblieben In dem verunglückten Auto wurde ein kleiner Koffer gefunden, der Brillanten und sonstige Schmucksachen im Werte von etwa 70000 Mark und Pfandscheine über versetzte Juwelen in etwa gleicher Höhe enthielt. An Hand der von der amerikanischen Polizei nach Berlin übermittelten Fingerabdrücke konnte jetzt festgestellt werden, daß der Tote Strasser war. Das Rettungsbootunglück in holland. wtb Amsterdam, 17. Jan.(Tel.) Wie aus Hoek van Holland gemeldet wird, ist heute nachmittag das gestern bei einem Rettungsversuch zugunsten des gestrandeten lettischen Dampfers„Valka" verunglückte Rettungsboot„Prinz der Neederlande“ bei der Ortschaft Rockanse mit dem Kiel nach oben angetrieben worden. Außerdem sind bei derselben Ortschaft noch drei weitere Leichen der umgekommenen achtköpfigen Besatzung angespült worden, so daß nunmehr insgesamt 5 Leichen geborgen sind. Die umgekommenen acht Seeleute waren alle verheiratet und hinterlassen außer ihren Ehefrauen im ganzen 35 Kinder. Zur finanziellen Unterstützung der Hinterbliebenen veröffentlicht das Niederländische Rote Kreuz heute einen Aufrus in den Blättern.„ uuch 9. wib Amsterdam. 18. Jan.(Funkspruch.) Von der aus acht Personen bestehenden Besatzung des Rettungsbootes„Prinz der Neederlande", das bei dem Versuche, dem gestrandeten lettischen Dampfer „Valka“ Hilfe zu leisten, verunglückte, sind weitere drei Leichen bei Rockanje angespült worden, so daß nunmehr füns Leichen geborgen sind. Die umwtb Stralfund, 17. Jan.(Tel.) Ueber die Folgen wurden in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Palldes Schneesturms, der am Mittwoch den ganzen mann hatte sich nach Oeffnung der Gashähne eine Tag in unverminderter Heftigkeit geweht hat. er=Kugel in den Kopf gejagt: Fräulein Meyer wurde fahren wir noch folgendes: Fährschifse nach Alte= mit Gas vergiftet aufgefunden. Bei beiden Perfähr kamen durch Eispressung in arge Bedräng=sonen konnten die Aerzte nur noch den Tod festTrajekt ssamer Selbstmoxd vorliegt, wird von der, Kriminal=,—.— 4gg waren alle verheiratet. wurde beschädigt, ein anderer mußte wegen zus polizei untersucht. Das Motiv zu der furchtbaren gekommenen Sectenn wale. eiage Doues gusolen„s Losenderrt: „Thiessow“ hat gestern von Thiessow die Fahrt in vollem Schneesturm angetreten, um die beiden Inseln Greifswalder Oie und Ruden mit Lebensmitteln zu versorgen. Schwere Verkehrskbrungen in Bokern. Jahresversammlung des Bundes zur Erneuerungl dienste des ehemaligen Bundespräsidenten um die wib. Kempten, 17. Jan„Tel.), Der heutg. früh des Reiches. Republik hingewiesen, die von allen Seiten hoch neuerlich einsetende starte Schneekturm im Augau) Berlin 48 Jan(Kunksuruch.) In der anerkannt selen, das eine Begründung übernebduegu de, Seschasicg aunsesten eien Behuige eche euis ein Gie sestalteiger mistunuenhenten gren u. Nachricstendienst durch Funesprauf! hält sen, die von allen Seiten he 19. Vov.(PumtyorZamhmlung des flüssig sei. Süutend, Wou vochnet I—, Zahpoersehre. Der stimmig eine Enischlletzung angenommen, Regserung Voinatt. ilimer Personenzug ist mittags im Bahnhof in in der es heißt, daß der Bund zur eine Gesanze wih Paris, 18. Jan.(Funspruch.) Die soziaKempten auf den Prellbock aufgefahren. Das Post= lösung der Reichsreform einritt, vie sowohl Noro- listischen Abgeordneten Lafaye und Gen. haben utonobl nach Biuraspoen Bbe, Im Sohwe ve,uhizichen Eprichtircteu, urt- verschledenen Frächl in der die glesenrikeicge Pesiteruns besen stecken. Auf der Strecke Sontheim geriet ein an= geschichtlichen Entwiatung in ven versc#teng derer Postkraftwagen infolge des Schneesturmes in Reichsteilen und dem Bestehenden, das einen Graben und mußzte die Fahrgäste anssehen, steche P.r“ Bunhrtgnz, v her. Geite der sog.„disse., Schneeverwehungen in Westböhmen. renzierenden Endlösung", Zum Schluß wird bewib Pilsen, 18. Jan.(Funkspruch.) Aus ganz tont, daß der Bund seine Arbeit sortsetzt und sich Westböhmen, insbesondere aus der Gegend von den politisch verantwortlichen Stellen zur VerTaus, Schüttenhofen und Planitz, treffen Nach= fügung hält. große Verkehrsschwierigleiten entstehen. Auch aus Auch Meclenburg=Schwerin klagt gegen ihrer Zusammensetzung und der Bildung der Regierungsmehrheit für außerstande erklärt wird, der Arbeiterklasse die notwendigen Garantien für eine ernsthafte Verwirklichung der erforderlichen Reformen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete zu geben. Clemenceaus Befinden gebessert. wtb. Paris, 18. Jan.(Funkspruch.) Wie Havas verichtet, in in dem Befinden Clemenceaus, der Spie, Lilenkein und anderen Teltzsehrs böhnzisg, pwp. Verlig,. 18. Jan.„weriatv(amisten) der pericdtek. V ippe besalen in, eine Veserung einbayrischen Grenzgebietes werden sehr ausgiebige man sich in Mecklenburg=Schwerin inmitten der von einer Grippe vefallen ist, eine Besserung ein Schneefälle gemeldet. An einigen Stellen ent= Sorgen um die Balanzierung des Haushaltsplans getreten, so daß seine Umgebung nicht mehr standen Schneeverwehungen bis zu 2 Meter Höhe, befindet, bringen mecklenburgische Blätter die unruhigt ist. die In der Gegend von Taus ist die Lage so kritisch, überraschende Mitteilung, daß auch Mecklenburgdaß einige Gemeinden fast vollkommen von der Schwerin gleichwie Sachsen Millionenforderungen Außenwelt abgeschnitten sind. an das Reich geliend machen soll, die sich aus dem Staatsvertrag über die Verreichlichung der meckSchnee in Itatten.„.„ 5 lenburgischen Landeseisenbahn ergeben. Der wib. Kom, 17. Jan.(Tel.) In Florenz vai Finanzminister in Mecklenburg soll entschlossen es in der vergangenen Nacht stark geschneit, so daß sein, auch die sog. Eisenbahnklage gegen das Reich die Stadt und ihre Umgebung unter einer Schnee= einzureichen. Es handelt sich dabei um eine Kapidecke liegen. Der Verkehr der elektrischen Bahnen konnte erst am späten Vormittag und der Automobilverkehr nach der Umgebung erst nachmittags aufgenommen werden. Aus Ancona wird gemeldet, daß eine 10 Zentimeter hohe Schneedecke die Stadt und ihre Umgebung bedeckt. Auch in talforderung an das Reich von über 4 Millionen. Ein Ceneralintendant mißhandelt einen Chefredakteur. pw Berlin, 18. Jan.(Funkspruch.) Im Anschluß an eine Stadtverordnetensitzung in Ehi Die amerikanischen Reparationssachverständigen. wib Washington, 18. Jan.(Funkspruch.) Der britische Botschafter Sir Esme Howard suchte Staatssekretär Kellogg auf, unterrichtete ihn über die Wahl von Owen D. Young, John Pierpont Morgan und Thomas Perkins und fragte, ob die amerikanische Regierung gegen die Wahl Bedenken habe. Kellogg verneinte dies. Sir Esme Howard reist am Freitag nach Newyork, um die Erwählten offiziell zu fragen, ob sie die Einladung annehmen. Verwegener Raubüberfall in Newyork. wib Newyork, 18. Jan.(Funkspruch.) In der vornehmen Park=Avenue wurde gestern vormittag ubübersall auf ein Juwelierud bonr iner beichen Sadersicke ibenegen. Gaserasntendalt Tadber gesig asgeige eigazt usgeilhet, Fut demastate iunge Kute verrten be In einzuhepbahmen Schmucksachen Vorübergeben auf der Trepvve, Male mit dem Hünderten sie den Lavex, nagmen Somuagzuchen, Spazterstock über den Kopf und Rücken. Ehef= und zwar hagptsächlich Diamanien, im Werie von wtb. Belgrad, 18. Jan.(Funkspruch.) gestern schneit es ununterbrochen. In Belgrad hat die Schneedecke eine Höhe von mehr als 30 Zentimetern erreicht. In der Provinz verursachte der Schneesturm erhebliche Zugverspätungen. Der Verkehr zwischen Spalato und Agram ist völlig unterbrochen. In der Gegend von Neusatz und Veliki Becskerek stecken die Lokal=Züge seit mehreren Stunden im Schnee fest. Im Schneesturm umgekommen. wtb. Prag, 18. Jan.(Tel.) Das tschechoslowakt= sche Pressebüro teilt mit, daß sein administrativer Direktor Richard Kalman im Riesengebirge ums Leben gekommen ist. Direktor Kalman, der am Montag seinen Urlaub angetreten hatte, traf am selben Tage in der Bärenbaude ein, wo er Wohnung nahm. Am Dienstag nachmittag unternahm er einen Schiausflug zur Peterbaude und trat während eines heftigen Schneesturmes den Rückweg an. Aber gleich hinter der Peterbaude redakteur Maushagen erlitt unbedeutende Verletzungen. Generalintendant Tauber erklärte nachher, daß er seiner Sinne nicht mächtig gewesen sei und wollte den Chefredakteur um Entschuldigung bitten, die aber nicht angenommen wurde. Welche Auswirkungen der Zwischenfall haben wird, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Eine Ehrenpension für den ehemaligen Bundespräsidenten Dr. Hainisch. wib Wien, 18. Jan.(Funkspruch.) Die Regierung hat gestern im Nationalrat einen Gesetzentwurf über die Zuerkennung einer Ehrenpension von 12000 Schilling jährlich an den ehemaligen Bundespräsidenten Dr. Michael Hainisch eingebracht. In der Begründung wird auf die Veretwa 200 000 Dollar an sich und entkamen. Mehrere Solitärs im Werte von 500000 Dollar hatten die Banditen in der Eile übersehen. Erdbeben in einer venezuelanischen Hafenstadt. wib Newyork, 18. Jan.(Funkspruch.) Wie Associated Preß aus Carracas meldet, ist die in der Provinz Suere gelegene venezuelanische Hafenstadt Cumana gestern früh 7.24 Uhr von einem heftigen Erdbeben heimgesucht worden, das beträchtlichen Schaden anrichtete. Einzelheiten fehlen noch, va die Drahtverbindung mit Cumana unterbrochen ist. Die Erschütterungen sind auch in Carracas und anderen venezuelanischen Städten verspürt worden. Präsident Gomez hat einen Hilfsdampfer nach Cumana entsandt. Die Hlacht der dem Weide Die seicht einen Pantotfelhelden.— Dreihundert Kilometer Die französische Gendarmerie sucht einen zu Fuß in Von Georges Monsieur Greneche aus Bouville im Departement Seine=et=Oise war bisher ein biederer Bäckermeister, dem seine lieben Mitmenschen nichts anderes als einen etwas übertriebenen Respekt vor der streitbaren Gattin nachsagen konnten. Treu und brav but er sein Brot und seine Hörnchen und bestieg zwei= oder dreimal in der Woche seinen zweirädrigen Wagen, um die Kundschaft in den umliegenden Dörfern mit Backwaren zu versorgen. So führte er das Leben aller anderen braven sranzösischen Landbäcker, ohne jede Aussicht, ein; mal außerhalb seines Wirkungskreises bekannt oder gar berühmt zu werden. Doch eines Tage kam für ihn und für Frankreich die große SenAn einem der letzten Dezembertage des Jahres 1928 war Meister Greneche wieder einmal mit Pferd und Wagen auf die Kundenfahrt gezogen. Als er abends zur gewohnten Stunde nicht nach Hause kam, wurde seine Frau recht ungeduldig. Schließlich überwand Madame Greneche alle Furcht vor der ungewöhnlich grimmigen Kälte und machte sich auf die Suche nach dem Gatten. Ihre Stimmung war alles andere als friedfertig, und sie überlegte schon, welcher Haushaltungsgegenstand am geeignetsten sein mochte, um den Säumigen zur Pünktlichkeit zu erziehen. Sie brauchte nicht weit zu gehen, denn kaum hundert Meter von ihrem Hause entfernt sand sie Pferd und Wagen. Nur der Mann fehlte, mit ihm leider auch die Geldtasche.„Sie haben ihn ermordet und beraubt!“ war der erste Gedanke der liebenden Gattin. Dann kletterte sie in den Wagen, brachte als sorgsame Landfrau das Pferd in den Stall und meldete der Gendarmegie den Verlust. Auch für die Obrigkeit konnte es keinen Zweifel geben:„Grenéche ist Mördern in die Hände gefallen, und seine Leiche wurde verstect.“ Also begann am nächsten Tage die Suche nach dem bäckermeisierlichen Leichnam. Alle Posten im eigenen Bezirk und in den angrenzenden Departements wurden benachrichtigt, und kein Fußbreit Landes blieb ununtersucht. Für die Vo. levardpresse bildete der Vorfall einen Leckerbissen, und sie berichtete in sensationellen Schlagzeilen über die„Affaire Greneche“. Ganz Frankreich int. ressierte sich für den armen toten Bäkker, und sein Name wurde innerhalb weniger Tage brühmt. Madame Greneche, die liebende Gattin, war der schmerzgebeugte Mittelpunkt eines Kreises aufgeregter Reporter und Kriminalisten. Neun T#ge lang suchten Hunderte von Gendarmen und Polizisten umsonst nach der Leiche, und ein immer dichter werdendes Geheimnis wob sich um Greneche. Da riefeines Morgens der Gendarmeriebezirksvorstand in Chartres im benachbarten Departement Eure=et=Loir bei seinem mit der Leitung der Nachforschungen beauftragten Kollegen in Etampes an:„Heute morgen um sechs Uhr ist der vermißte Greneche heil und gesund, nur etwas abgekämpft, bei seiner Schwägerin, einer Bauersfrau in Thivars, acht Kilometer von hier, eingetroffen." Die Gendarmerie in Etampes, die den armen Bäckermeister schon längst totgesagt hatte, konnte der Meldung nicht recht Glauben schenken. Deshalb setzte sich der Vorstand in den nächsten bePankoffetheiden.— Dreihundert Kilometer Holzpantinen. Mouysard=Paris. sten Kraftwagen, rafte durch die tiefverschneite Landschaft in einer Stunde nach dem 60 Kilometer entfernten Thivars, polterte in die Stube der bäckermeisterlichen Schwägerin und stand wirklich vor dem etwas verlegen lächelnden Monsieur Greneche. Dem kleinen Mann mit dem martialischen Schnurrbart und dem furchtsamen dünnen Stimmchen schien das Interesse der hohen Obrigkeit wenig zu behagen, doch schließlich schwang er sich zu einem von ängstlichen Pausen unterbrochenen Bericht auf:„Warum so viel Aufregung um eine ganz einfache Sache? An dem Tage, als ich zuletzt zur Kundschaft gefahren war, hatte ich mich ein wenig verspätet und außerdem auch ein bißchen getrunken. Nicht viel gerade, aber es kostete doch etwas Geld aus meiner Tageseinnahme. Sie kennen vielleicht meine Frau noch nicht so recht; ein gutes Weib, eine Seele von einem Weib, nur etwas sehr geizig, zählt mir jeden eingenommenen Sou nach und fährt leicht aus der Haut. Sonst hat meine Frau aber gar keine Schattenseiten. Wie ich nun so in meinem Wagen duselte, fiel mir plötzlich ihr liebes Gesicht ein, und ich dachte mit Schrecken an den Krach, den sie mir zu Hause machen würde. Sie hat so eine ganz merkworden. Ihre Frau muß ja ein entsetzlicher Drachen sein, daß...“ Da wurde der verschüchterte kleine Pantoffelheld plötzlich aufgebracht:„Bitte, kein respektwidriges Wort mehr über meine Frau! Ich dulde nicht, daß sie beleidigt wird. Sonst bekommen Sie es mit mir zu tun.“ Dann sank er wieder in sich zusammen:„Ach, hoffentlich verzeiht sie mir. Sie wird mich doch wohl abholen und nach Hause bringen?"—„Ja, das wird sie,“ beruhigte ihn ein Gendarm,„und da die Augen ganz Frankreichs heute auf Ihnen ruhen, so wird Ihre liebevolle Gattin diesmal Gnade für Recht ergehen lassen und Sie nicht mit handgreiflichen Vorhaltungen betäuben.“ So wurde aus der sensationellen„Affaire Greneche“ eine Komödie. Der tote Monsieur Greneche hätte sich bestimmt einen besseren Abgang verschafft. würdige Art, einen mit handgreiflichen Vorhaltungen zu betäuben. Ohne zu überlegen, stieg ich aus dem Wagen und ließ das Pferd laufen, wohin es wollte.„Nur nicht Deiner Frau heute noch unter die Augen kommen!“ war mein einziger Gedanke; deshalb lief ich trotz meiner Holzpantinen in Nacht und Kälte nach dem Bahnhof Saint=Cscobille. Dort setzte ich mich in den ersten Zug, der einlief. So kam ich am Morgen nach Orleans. Auf dem Bahnsteig stand gerade ein anderer Zug. Ich kletterte hinein und bezahlte bis nach Le Mans nach. Als ich dort eintraf, war ich schon zwei Nächte und einen Tag unterwegs. Immer schien es mir, als ließe mich meine Frau nicht in Ruhe und liefe hinter mir her:„Warum haft Du Dich verspätet? Wo ist das fehlende Geld?“ Ich gönnte mir deshalb keine Erholung, sondern verlangte einen Fahrschein nach dem ersten Ort, dessen Name mir gerade ins Auge fiel. So kam ich nach Versailles. Ich hielt mich dort nur eine Stunde im Wartesaal auf, dann peckte mich wieder die Angst. Mein Geld war zu Ende, und ich lief zu Fuß weiter. Wohin die Landstraße führte, war mir einerlei. Ich lief und lief, und meine Holzpantinen scheuerten sich ab. Es war grimmig kalt. Uebernachten konnte ich nicht, deshalb schlief ich stundenweise im Straßengraben. Ich erbettelte mir ein Stück Brot. Zeitungen bekam ich nicht zu Gesicht, deshalb wuhte ich nicht, daß man mich in halb Frankreich suchte. Immer wieder jagte mich der Gedanke an das Strafgericht zu Hause weiter. Eines Tages kam ich in eine ich in eine große Stadt. Es war wieder Le Mans, das ich erst anfangs der Woche verlassen hatte. Da fiel mir meine Schwägerin in Thivars ein, und kurz entschlossen lief ich auf dem gleichen Weg nach Chartres zurück. So kam ich hierher. Jetzt habe ich genug von der Lauferei, denn dreihundert Kilometer zu Fuß im Winter und in Holzpantinen sind keine Kleinigkeit.“ Begreiflichen eise wurde Monsieur Greneche nach seiner Beichte nicht mit Handschuhen angefaßt:„Ihres verrückten Streiches wegen sind Hunderte von Gendarmen in Bewegung gesetzt Soziales Arbeitsprogramm des Westf. Herbergsverdundes epw. Am Schluß des vergangenen Jahres trat der Vorstand des Westf. Herbergsverbandes in Münster zu einer bedeutenden Ganztagssitzung zusammen, um das Arbeitsprogramm dieses Jahres zu beraten. Dem Westf. Herbergsverband liegt es daran, immer wieder an die Quelle der Not vorzustoßen nach dem bekannten Wort, daß vorbeugen besser ist, als heilen. Die wichtige Frage der Obdachlosenunterbringung(Obdachlosenfürsorge) wurde gründlich durchberaten. Bei den Obdachlosen handelt es sich zum großen Teil um ein Heer von Asozialen. Einen neuen Weg in der Fürsorge an diesen Asozialen hat man eingeschlagen durch Verbindung von Herberge und Obdachlosenunte bringung, wie es bereits an zwei Stellen in der Provinz geschehen ist und wie es an anderen Stellen in Vorbereitung ist. Die so dringende Frage des Kostgängerwesens stand ausführlich zur Verhandlung. Es ist eine traurige Tatsache, daß ein großer Prozentsatz von Arbeitskräften dadurch verlorengeht, weil e schlechte Unterbringung eine Gefahrenzone bedeutet. Der Herbergsverband will sich so. an mehr noch als bisher der Frage der Ledigen heime annehmen. Die Frage der Lehrlingsheime wird im Hinblick auf die ungeheure Zahl stellenloser Jugendlicher in Westfalen immer brennender. Der. Frage der Berufsberatung gilt es rechtzeitig die Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ein wichtiger sozialer Dienst wird geleistet in den Uebergangsheimen für strafentlassene Gefangene, die zum Teil mit den Herbergen verbunden sind, z. B. in Hamm und Bochum. Endlich wurde noch über die Vorbereitung des 75jährigen Herbergsjubiläums in diesem Jahre ausführlich verhandelt. Es sind gerade in diesem Jahre 75 Jahre vergangen, seitdem der Gründer der Herbergen zur Heimat, Projessor Clemens Perthes in Bonn die erste Herberge zur Heimat ins Leben rief. Diese Tatsache soll zu einem Anlaß genommen werden, hin und her in den Geninden auf die ungeheure Bedeutung der Wanderer= und Obdachlosenfürsorge in Verbindung mit Herberge zur Heimat hinzuweisen, da dieser Dienst im Hinblick auf die Notlage der Zeit immer bennender wird. Von der hier geleisteten Arbeitsfürsorge, Arbeitsvermit lung usw. hängt mit ein großes Stück echter sozial: A fbauarbeit ab. Diese tung gab wiederum den Beweis von der wichtigen, bedeutungsvollen sozialei. Aufbauarbeit, die vor allem der Westf. b verband auf dem Gebiete der Wandereruns Or Cosenfürsorge für die Provinz westselen leistet und die mit entscheidend ist für Beeinflussung eines gesunden sozialen Oeffentrichkeitswillens zum Besten unserer Gemeinden. Kukirolen Sie mit Garantie! Auch in unserem Geschäftsleben verspüren wir heute mehr und mehr den Dienst am Kunden, der in Amerika das gesamte Geschäftsleben günstig beeinflußt. Dort heißt es nicht nur War verkaufen, sondern vor allen Dingen den Kunden zufriedenstellen, damit er die Firma und ihre Erzeugnisse weiterempfiehlt. Von diesem Gedanken hat sich wohl auch die Kukirol=Fabrik in Bad Salzelmen bei der Einführung ihres f.: Deutschland vollkommen neuartigen Systems leiten lassen. Wenn man jetzt 1 Packung Kukirol=Hühner= augen=Pflaster kauft, erhält man 1 Garantieschein mit, welchen der Apotheker oder Drogist persönlich unterschreibt. Hat man nach Gebrauch von 2 Packungen Kukirol keinen Ersolg erzielt. dann trägt man dem Kukirol=Verkäufer die le.= ren Packungen und die beiden Garantiescheine hin und bekommt dafür den vollen Kaufpreis für beide Packingen zurück. Eine Firma, die ein so weitgehendes Angebot macht, muß ein großes Vertrauen zu der Güte ihrer Erzeugnisse haben, denn sonst wäre das Garantie=System eine recht gewagte Sache Bei einem so vorteilhaften Angebot, wo man bei Nichterfolg sein Geld zurück bekommt, wi d wohl jeder an Hühneraugen Leidende, der Kukirol noch nicht probiert hat, einen Versuch machen. Rundfunk=Programm Sonnabend, 19. Januar. Münster. 10.15—01.00: Uebertragung von Köln. Langenberg. 10.15—01.00: Uebertragung von Köln. Kö.n. 10.15—11.10: Schallplattenkonzert.— 10.30: Tagesdienst und Wasserstandsmeldungen. 11,10—12,00: Was will ich werden? Bötenkrüger:„Berufe im Bekleidungsgewerbe und in der Textilindustrie“.— Direktor Dr. van den Wyenbergh: Der Dipl.=Handels= u. Gewerbelehrer". 12.10: Schallplatten=Konzert.— 12.50: Wetterdienst.— 12.55: Nauener Zeitzeichen. Tagesdienst.— 13.05—14,30: Mittags=Konzert, Leitung: Eysoldt.— In der Pause Programmbemerkungen.— 14,30: Funkwerbung. Ratschläge fürs Haus.— 15,30: Wirtschaftsdienst.— 15.40: Grundlagen der Funktechnit.###cnstz. Arthur Wurbs:„Die Elektronenröhre als Verstärker, als Detektor und Schwingungserzeuger“.— 16,00: Frauenstunde.— 16.30: Rechtsanwalt Dr. Jost: „Die Organisation und Rechtsentwicklung des deutschen Rundfunks“.— 16,55: Der junge Mensch. Univ.=Prof. Dr. Stählin:„Elied in der Kette“.— 17.20: Englisch(Prof. F. Hase). — 17,45—18.30: Kammermusik. Werag=Streich= trio. Mitw.: Grape(Klavier), Böhm(Baß). In der Pause 18,15: Programmbemerkungen. — 18.30: China, Landschaft und Kultur. Dr. Salmony:„Die chinesische Plastik“.— 18.50: Vom Tage.— 19.15: Die Stunde des Arbeiters. wissen wir von der Sele“.— 20.00: Lustiger Abend. Kapelle: Eysoldt.— Anschließend: Letzte Meldungen, Sportbericht, Funkwerbung.— Anschließend bis 01.00: Nachtmusik und Tanz. Es war unmöglich, in dem Massenansturm alle Käuler zu bed enen. unsere Räumlichkeiten sind zu klein Wir erwarten Sie daher nochmals. Sie sollen die elben Vorteile vorfinden wie am ersten Tage SOEioth Bund eeV e E*""-hn vopd gyupitol- 1 Trotz der Ausverkaufspreise bleibt die bekannte Fahrtvergüllung Preie Palirl nach ISerionn und Zurdch: bei Einkäufen von Mark 40.— an bestehen. Wir haben ihn vorausgesehen, den SIEGESLAUF der(# Xu.) Qualiläten. Unsere Riesen= Sortimente sind daher Tausende von Käufern haben zufrieden unser Haus verlassen. Jetzt heißt es. schnell zugreifen und mitprositieren Photo-Sport im Winter Ist ebenso reizvoll wie im Sommer, Unterrichten Sie sich bitte bei mir über das zweckmäßigste Aufnahmematerlal, das beste Zubehör. Drogerie M. Nehlhose Postplatz Photo-Centrale Postplatz ieh mief mninn Anti eomt Wooueue. 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Der Reichsfinanzausgleich, d. h. die Verteilung der Steuerquellen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden unter gleichzeitige Abgrenzung der Zuständigkeiten und Aufgaben, wird allerdings wieder vertagt werden, o####; seine endgültige Gestaltung für 1929, I sicht genommen war. Dagegen wird das Steuervereinheitlichungsgesetz, das bereits den Reichsrat beschäftigt hat, zur Verabschiedung Wie im Reichsrat, so wird auch im Reichstag die Beratung zu heftigen Kämpfen führen. Die im Entwurf behandelten Materien stehen in engstem Zusammenhang mit dem Finanzausgleich. Der Gesetzentwurf enthält außerdem einige grundsätzliche Gedankengänge, welche die steuerpolitischen Gegensätze innerhalb der Regierungsparteien stark hervortreten lassen werden. Die Klagen der Gewerbesteuerpflichtigen über die Steuerpolitik der Gemeinden sind bekannt, und, was besonders hervorgehoben werden muß, von Regierungsseite anerkannt. An der verhängnisvollen Entwicklung der Realsteuern tragen die Gemeinden nicht allein die Schuld. Es ist aber nicht abzuleugnen, daß die Finanz= gebarung der Gemeinden die steuerliche Belastung von Handel und Gewerbe verschärft hat. Aus der verhängnisvollen Steigerung der Gewerbesteuern leitete der Staat die Notwendigkeit ab, den von der Steuer Betroffenen eine gewisse Einwirkung auf die Höhe der Lasten einzuräumen. Das Kommunalabgabengesetz sah in§ 54 tretungen bei der Festsetzung der gemeindlichen das Anhörungsrecht der amtlichen BerufsverSteuerzuschläge vor. Das Oberverwaltungsgericht beurteilte diese Bestimmung aber nur als eine Sollvorschrift. Erst die preußische Gewerbesteuerverordnung von 1923 bestimmte zwingend, daß die Berufsvertretungen der Gewerbesteuerpflichtigen'— also in erster Linie die Industrieund Handelskammern und die Handwerkskammern— vor Fassung des Gemeindebeschlusses zu hören sind. Die Berufsvertretungen haben sich zu äußern: 1. über die Tragbarkeit der beabsichtigten Zuschläge zu den Steuergrundbeträgen in von mehr als 200 Prozent; 2. über die Zweckmäßigkeit ungleicher Bemessung der Zuschläge; 3. über die Richtigkeit der dem beabsichtigten Beschlusse zugrunde gelegten Schätzung des Aufkommens an Gewerbesteuer. Sie können sich ferner äußern über das Verhältnis des Aufkommens an Gewerbesteuer zu dem Aufkomden, insbesondere aus der Grundvermögensmen aus den übrigen Einnahmen der Gemeinsteuer. Als Unterlagen für die gutachtliche Aeußerung sind den Berufsvertretungen mitzuteilen 1. der geplante Zuschlagsbeschluß, 2. die vorges##ete eine eebhafte Bewegung kommunaler Spitzenverbände gegen das Anhörungsrecht ein. Die Spitzenverbände der Gemeinden— es handelt sich dabei hauptsächlich um Großstädte und größere Kommunen— sehen in dem Anhörungsrecht einen Eingriff in die gemeindliche Selbstverwaltung. Die Berufsvertretungen würden durch dieses Recht gewissermaßen zu einer neuen Aufsichtsinstanz erhoben und die Gewerbesteuerpflichtigen rechtlich besser gestellt als andere Gruppen von Steuerzahlern. Diese Besserstellung laufe auf eine Verletzung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts hinaus. Den Berufsvertretungen fehle ferner die nötige Kenntnis der örtlichen Verhältnisse, um die Beschlüsse der Gemeinden kritisieren zu können. Schließlich hätte die praktische Ausführung des Anhörungsrechts Anlaß zu Reibungen zwischen Kammern und Kommunen gegeben und zu einer schädlichen Entfremdung geführt. Die Gemeinden ziehen also mit sachlichen und politischen Argumenten gegen das Anhörungsrecht zu Felde. Die Reichsregierung hat über die bisherigen Erfahrungen Untersuchungen angestellt. Aus dem Ergebnis ist in der amtlichen Begründung des Entwurfs eines Steueranpassungsgesetzes d. Schluß gezogen worden, daß die Uebernahme der preußischen Bestimmung in das Reichslecht„ebenso sehr im Interesse der Wirtschaft wie auch im Interesse der Gemeinden läge.“ Dieser Schlußfolgerung ist beizustimmen. Mit den sachlichen Einwänden der Gemeinden braucht man sich nicht zu beschäftigen. Die Gewerbebetriebe innerhalb einer Gemeinde hängen von der gesunden Entwicklung des Gemeindelebens ab. Bei der Etatskritik muß schon aus diesem Grunde streng sachlich gearbeitet werden. Schematische oder rein negative Einsprüche kommen gar nicht in Frage. Es ist selbstverständlich, daß die Gutachten auf eingehenden lokalen Ermittlungen aufgebaut werden, die im Laufe der Zeit ein. recht genaue Kenntnis der Verhältnisse der einzelnen Gemeinden vermitteln. Das Anhörungstect wi, auch nicht von den Geschäft:führern der Berufsvertretungen ausgeübt sondern von de:. Kammermitgliedern, also von den Vertretern der Gewerbetreibenden. Das sind i den meisten Fällen Persönlichkeiten, die über den engeren Horizor: ihres Berufes hinausblicke und die wirtschaftlichen Verhältnisse des Bezirks besser überblicken können als die Verwaltungsbürokratie, die gewohnt ist, die steuerliche Leistungsfähickeit der Wirtschaft nach ihrem Bedarf abzuschätzer. Bei sachgemäßer Ausübung des Anhörungsrechts wird keine Entfremndung eintreten. Im Gegenteil! Die Magistratskollegien, die oft schwer gegen die Bewilligungssucht der Gemeindeparlamente zu kampsen haben, werden in den Berufsvertretungen gute, sachverständige Bundesgenossen finden. Was die politischen Einwände anlangt, so ist hervorzuheben, daß die Spitzenverbände der Wirtschaft für die kommunale Selbstverwaltung eintreten. Das Anhörungsrecht schafft keine neue Aufsichtsinstanz, da es nur gutachtlicher Natur ist und je nach der Ueberzeugungskraft der kritischen Gründe auf die zur Entscheidung berufenen Stellen wirken soll, aber die Freiheit der Entschließung weder der Gemeindeverwaltung, noch des Gemeindeparlaments, noch der Aufsichtsorgane einengt. Aus diesem Grunde kann auch eine Verletzung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts nicht anerkannt werden. Nach dem Ausspruch eines prominenten Kommunal= mannes beruht das Wesen der Selbstverwaltung darin, daß die Ausgabenpolitik grundsätzlich von den Stellen beeinflußt wird, welche die Mittel zur Bestreitung der Ausgaben zu gewöhren haben. In diesem Sinne haben wir heute keine Selbstverwaltung. Wenn heute die kommunale Selbstverwaltung nicht mehr wie früher besteht, so liegt das zunächst an der Verteilung der öffentlichen Aufgaben und der Steuerquellen, dann aber auch an der Zusammensetzung der Gemeindeparlamente. Die Gewerbesteuer bildet seit der Beseitigung des kommunalen Zuschlagsrechts zur Einkommensteuer den Schwerpunkt der kommunalen Besteuerung, die längst den Charakter einer Leistung und Gegenleistung abwägenden Zwecksteuer verloren hat und zu einer unbilligen Sonderbelastung von Handel und Gewerbe geworden ist. Der Einfluß der Gewerbesteuerpflichtigen auf die Gemeindeverwaltung ist aber nicht gestiegen, sondern sie besitzen in vielen Stadtparlamenten infolge ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit überhaupt keine Möglichkeit, ihre Interessen zu vertreten. Das Anhörungsrecht der Berufsvertretungen ist ein sehr begrenzter Ersatz für die Einflußlosigkeit der Gewerbetreibenden auf den kommunalen Finanzbedarf und damit auf die Höhe der Gewerbesteuer. Das widerspricht dem Prinzip der Selbstverwaltung und den Grundrechten unserer heutigen sogenannten dem Pratischen Staatsauffassung. Vom rheinisch=westfälischen Avertpapiermarkt Mitteilungen des Bauthauses Gebrüder Stera, Dortmund. (Vor der Börse.) Der rheinisch=westfälische Wertpapiermarkt bleibt in seiner Grundstimmung freundlich und fest und unbeeinflußt von den Vorgängen an der Berliner Börse. Vom Kalimarkte gingen auch in dieser Woche wieder neue Anregungen aus. Die Aufwärtsbewegung in Dr. Wilhelm Sauer=Werten setzte sich fort, und auch einzelne Werte der Ascherslebengruppe hatten ansehnliche Kurssteigerungen zu verzeichnen. So wurden Hansa=Silberberg (10 850 M) stark gekauft und 900 M höher bezahlt. Auch für Hope(6725 M) bestand lebhafte Nachfrage, so daß die Kuxe in dieser Woche 500 Mark gewinnen konnten. Heimboldhausen (3125 J) und Mariaglück(7025 M) waren auf der Schulkinder ha. Den Schutz der Schulkinder vor Kälte und Nässe lassen sich einzelne Schulverwaltungen besonders angelegen sein. Es wurde festgestellt, daß jüngere Kinder sich vor den Schulen und Klassenzimmern ohne den nötigen Schutz vor Kälte und Nässe aufhalten. Diesem Mißstande soll mit Nachdruck begegnet werden. Die Eltern sollen gebeten werden, die Kinder nicht zu früh oder zu spät zur Schule zu schicken. Wo ein warmer Flur oder andere Räume vorhanden sind, sind sie mit Sitzgelegenheiten auszustatten. In wenig gegliederten Schulen kann nötigenfalls ein älteres Schulkind die Aufsicht übernehmen. Es soll abwechselnd mit anderen mit dieser Aufgabe betraut werden. Bei schlechter Witterung läßt es sich u. U. nicht vermeiden, die Kinder in die Schulklasse aufzunehmen und dort still z besc###ig. n. 100 A höherer Preisgrundlage vielsach im Verkehr. Auch die übrigen zu dieser Gruppe gehörigen Werte wurden vielfach umgesetzt, ohne jedoch ihre Kurse wesentlich zu ändern. Während Hugo(12 400 Ml), Hohenfels(11450.) und Erichssegen(6550 MA) zu höheren Preisen ständig aus dm Markte genommen wurden, blieben Bergmannssegen vernachlässigt. Die Werte des Burbach= und Gumpel=Konzerns sanden im Zusammenhang mit dem Rückgang des Kurses von Krügershall=Aktien nur zu niedrigeren Preisen Aufnahme. Für Hindenburg und SiegfriedGießen beträgt der Verlust etwa 500 M, für Asse bis 350 M, Beienrode(2025.A) hatten vorübergehend eine Steigerung von 200 M zu verzeichnen. Fest liegn dagegen Burbach(8200 M), für die wieder größeres Interesse bestand und die die Woche 200 A höher veranlassen können. Am Kaliaktienmarkte notieren Hallesche Kali (244 Prozent) 11 Prozent höher. Von den übrigen Werten verloren Krügershall 9 Prozent, Adler=Kali 7 Prozent und Hannoversche Kali 4 Prozent. Am Kohkenmarkte wechselten König Ludwig 750 A höhr; ihre Besitzer. Diergardt=Mevisse: (3575#, wurden 200 A niedriger zum Verkauf gestellt. Dahlbusch= und Lothringen=Aktien büßten 2 Prozent ein. Am Braunkohlenmarkte unterlagen Bruckdorf=Nietleben(5300 M) erheblichen Schwankungen; im ganzen bleibt der Kurs 600 M gegen die Vorwoche zurück. Am Terminmarkte lagen nur Montanaktien bei größerem Umsatz fester. Es gewannen Gelsenkirchener Bergwerk 1½ Prozent, Hoesch, Stahlverein und Mannesmann 2 Prozent, Klöckner 3 Prozent. Rheinisch=Westfälische Elektrizitätswerke=Aktien verloren 10 Prozent und Kali=Ind strie 5 Prozent. Auf abschüssiger Bahn Roman von B. Corony. Copyright by Greiner& Co., Berlin W. 30. 50. Fortsetzung.(Nachdruck verboten.) Sie nickte und schlüpfte an ihm vorüber in ihr Zimmer. Dort verließ sie aber die mühsam aufrecht erhaltene Kraft. Sie warf sich auf das Lager und schluchzte in die Kissen, wie ein krankes, fieberndes Kind. Nach einer Weile erhob sie sich wieder, nahm aus dem geheimsten Fache ihres Schrankes verschiedene welke Blumensträußchen, machte in dem Kamin einen kleinen Scheiterhaufen von danebenliegenden Holzspänen zurecht, legte die gestorbenen Blüten darauf, zündete ein Stückchen Papier an und sah mit feuchten Augen zu, wie das Feuer die Blumen und alle die lieben Andenken an ein seliges und getäuschtes Liebesahnen verzehrte. 16. Kapitel. In derselben Nacht blieb Breuee noch bis ziemlich spät wach. Er rechnete beständig, da er zu dem Sohn ziehen und aus seinem Geschäft doch noch soviel Vorteil wie möglich herausschlagen wollte. Die Lampe war tief herabgebrannt und drohte bald zu verlöschen.„Ja, ja, der Klaus, der fehlt doch an allen Ecken und Enden.“ murmelte der Alte.„Aber einen anderen an seine Stelle setzen— nein, das wäre zuviel gewagt. Die paar Wochen geht's auch so!“ Wie das Diamantkreuz in der fahlen Beleuchtung funkelte! Er mußte es nun in den Geldschrank einschließen. Horch— was war das? Tönte da nicht ein seltsames Geräusch, wie wenn jemand im Dunkeln umherschlich, aus dem Erdgeschoß herauf? Rein— er mußte sich getäuscht haben, denn jetzt blied alles still. Aber jehzt— jetzt knarrten doch die Stusen— oder war es nur Einbildung? „Habe ich nach dem Fortgehen Fräulein von Felsings nicht am Ende vergessen, die Sicherheitskette vorzulegen?" Dieser Gedanke durchzuckte des Alten Gehirn, und er konnte sich durchaus nicht auf Vollziehung dieser notwendigen Maßregel besinnen. Der Klaus, ja, der würde es nie unterlassen haben, dessen dicker, dummer Schädel brauchte aber auch an weiter nichts zu denken. s43 „Nein, nein— alles war ruhig— nichis rührte sich— vielleicht war es aber doch besser, nachzusehen und ein etwaiges Versehen gutzumachen. Man konnte nicht wissen— es gab zu viel Diebesgesindel in der Hauptstadt und auch das festefte Schloß läßt sich mit einem Nachschlüsses öffnen. Da gewährte nur die Sicherheitskette Schutz— doch je mehr Breuer seinen Kopf zermarterte, desto weniger konnte er sich erinnern, sie vorgelegt zu haben. Also rasch hinunter! Er ergriff die Lampe, doch seine Hand zitterte und ein kalter Schauer nach dem anderen rieselte ihm durch die Glieder. Was war das? Er hatte doch sonst keine Furcht gekannt? Freilich hatte er sich auch immer von einem treuen Riesen beschützt gewußt! Daß der Klaus auch so krank werden mußte! Jetzt fühlte der Wucherer zum erstenmale ein Anwandlung von Nervosität. Was für häßliche Schatten all die Krüge und Urnen warfen! Wie abscheulich grotesk und verzerrt sich die alten Rüstungen in den Ecken ausnahmen, gerade, als stecke in jeder ein Mann, der im nächsten Augenblick die Lanze schwingen würde! Sogar das Tigerfell schien Leben bekommen zu haben und der gewaltige, ausgestopfte Kopf ihn mit den mächtigen, weißen Zähnen zu bedroßen. 16 9m Nein, ich gehe nicht hinao— ich dett#egele und verrammele lieber meine Tür und die nächste und die dritte— dann werde ich wohl in Sicherheit schlafen können— aber— was ist das nur mit mir? Werde ich krank? Bin ich es schon? O Gott, so entsetzlich war mir noch nie zu Der Klaus muß morgen her— oder ein Polizist, den ich reichlich bezahle und der unten im Hausflur sitzt.— Nein, nein, so geht's nicht weiter! — Da könnte einer ja verrückt werden! Na, diese Nacht werde ich gewiß auch noch überstehen. Aber ich bin krank, ganz gewiß, ich bin * — wieder ein tnackendes Gerausch!— Und jetzt ein leises Picken— das einförmige Arbeiten des Holzwurms. Bedeutete es nicht den Dummheit! Aberglaube des albernen! Aber wenn doch etwas Wahres daran — Ein gräßlicher Gedanke! Schnell. schnell den Riegel vorgeschoben und dann zu Bett! Morgen muß gleich der Arzt kommen und ihn von diesem Fieber befreien— denn Fieber und nichts weiter war diese peinigende, unselige In Schweiß gebadet und mit schlotternden Knien schwankte er der Tür zu. Da flog dieselbe auf und ein Mann stand auf der Schwelle. „Gott im Himmel— was ist— wie kommen Sie hier herein?“ kreischte der Alte.„Hilfe! Hilfe! Mörder— Diebe!“ Er wollte das Fenster aufreißen, aber schon packte eine würgende Hand ihn bei der Kehle. „Hilfe! Hilfe!“ klang es noch röchelnd durch den einsamen, matt erhellten Raum. Dann stürzte Breuer zu Boden und rang vergebens nach Atem, denn der Eindringling kniete ihm auf der Brust und preßte seinen Hals wie in einem Schraubstock zusammen. Noch ein konvulsivisches Zucken, eine letzte, furchtbare aber fruchtlose Anstrengung, die entsetzliche Last abzuschütteln— dann brachen die weit geöffneten Augen, ein gurgelndes Stöhnen — blutiger Schaum trat auf die bläulichen Lippen und alles war vorüber. Eine Stunde später verließ eine Gestalt leise und vorsichtig schleichend das einsame Haus, glitt wie ein Schatten an den Mauern der nächsten Gebäude entlang und verschwand im Dunkel der Nacht.„ Der Bäckerjunge, der jeden Morgen bei Dreuer Brötchen ablieferte, sand die Tür unverschlossen, entdeckte das Verbrechen und schlug Lärm. Bald füllte sich die schmale Gasse mit einer neugierigen Menge und Polizisten betraten den Tatort. Breuer lag mit verglasten Augen und wie zum Entsetzensschrei geöffneten, verzerrten Mund auf dem Boden. Man hatte ihn ermordet— ob auch beraubt, das ließ sich noch nicht feststellen. Den eisernen Geldschrank hatte man zwar zu erbrechen versucht, aber er hatte den Bemühungen widerstanden. Die erbrochenen Fächer des Schreibtisches standen offen, und der Inhalt war hastig durcheinandergeworfen; aber viel Geld pflegte der Alte da nicht zu verwahren; wie sein Diener Klaus, der im Krankenhaus vernommen wurde, aussagte. In der Oberförsterei wurde Herbert erwartet. Die beiden für ihn bestimmten Zimmer gewährten einen ebenso wohnlichen als eleganten An8 G Konstanze fand immer noch hier und on enlons zu verschönern. Das Glück strahlte ihr aus den Augen und färbte ihre sonst so bleichen Wangen rosenrot. Braut! Des Geliebten Braut! Niemand konnte ihr diesen höchsten Schatz, diesen bis zum Wahnsinn angebeteten Menschen mehr nehmen. Und wenn er nun nach Hause kam, dann wollte sie ihm als erste Gabe das teuer erkaufte Papier darbieten. Ach was— teuer erkauft! Mit ihrem Herzblut hätte sie es jubelnd bezahlt, um dem Verlobten einen Beweis ihrer unendlichen Liebe zu geben. Das ging auch niemand etwas an. Das blieb ihr und Herberts Geheimnis und sollte zu einem neuen, festen Bande zwischen ihnen werden. Jetzt fühlte sie, daß das Glück den Menschen veredelt und besser macht, denn während sie sonst stets leicht gereizt und trotzig war, konnte Konstanze sogar den finsterblickenden Onkel jetzt umschmeicheln und zärtlich fragen:„Bist du noch böse auf mich, Onkelchen?“ „Rein, nein, mein Kind,“ erwiderte er. (Fortsetzung folgt.) dus den Nachbar-Städten E * Kamen, 18. Jan. Der Fremdenlegion entgonnen. Bei dem deutschen Generalkonsulat für Süo=Und Westanatolien in Smyrna meldete sich ein Bergmann Franz Zebrowsti aus Kamen, Schlachthofstr. 15, der seit April 1924 vermißt wurde. Angeblich hat er sich mit einem Fremden eingelassen und mit diesem seine Heimat verlassen, um sich für die Fremdenlegion anwerben zu lassen. Erst viel später, nachdem er schon lange vermißt war, gelangten die Eltern durch von ihm geschriebene Briefe in Kenntnis, daß er sich in der Fremdenlegion befand. Anscheinend ist es nunmehr dem Z. gelungen, von seinem zurzeit in Syrien liegenden Truppenteil zu entfliehen und seine Flucht erfolgreich durchzuführen. * Lüdinghausen, 18. Jan. Neuer Einbruch in das Amtshausgebäude. In einer der letzten Nächte statteten Einbrecher dem Verwaltungsgebäude des Amtes Lüdinghausen abermals einen Besuch ab. Die Diebe zertrümmerten eine Scheibe an der Hinterseite des Hauses, die sie vorher mit Seife einschmierten, öffneten von innen das Fenster und stiegen dann ein. Sie erbrachen sämtliche Räume und Schubladen, wühlten den Inhelt durcheinander und entwendeten eine Anzahl Versicherungsmarken, sowie mehrere Dienstsiegel. Die Art und Weise, wie der Einbruch ausgeführt wurde, läßt darauf schließen, daß es sich um gewohnheitsmäßige Einbrecher handelt. * Selm, 18. Jan. 7 Jahre Zuchthaus erhielt der vielfach vorbestrafte Arbeiter Josef Koop, früher in der Hermannstraße wohnhaft, von der Münsterschen Sträfkammer für ein schweres Sittlichkeitsverbrechen. An einer einsamen Stelle der Landstraße Lüdinghausen=Selm hatte er ein 16jähriges Mädchen geknebelt und in ein Tannengebüsch geschleppt. Hier entkleidete der Unhold das Mädchen und verging sich unter DroFührertagung des Westfälischen Landbundes hungen mit einem Rasiermesser schwer an ihm. Wegen eines gleichen Sittlichkeitsverbrechens in Stuckenbrock bei Paderborn wurde der Wüstling kürzlich ebenfalls zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. * Gelsenkirchen=Buer, 18. Jan. Einer ungewöhnlichen Roheit machte sich der auf der Verbindungsstraße in Hörst wohnende Bergmann R. schuldig. Er kam um etwa 7 Uhr in stark betrunkenem Zustande nach Hause und mußte von seiner Frau eine Anzahl Vorhaltungen über sich ergehen lassen. R. geriet darüber in eine derartige Wut, daß er auf seine Frau zustürzte und sie mit einem langen Messer zu treffen versuchte. Die Frau konnte sich durch Flucht retten. Der brutale Mensch ergriff dann in seiner sinnlosen Wut einen mit siedendem Wasser gefüllten Wasserkessel, der auf dem Ofen stand. Hiermit überschüttete er sein erst 6 Monate altes Kind, das schwer verbrannt wurde und in hoffnungslosem Zustand ins St. Joseph=Hospital geschafft werden mußte. * Gelsenkirchen=Buer, 18. Jan. Ein wüster Auftritt ereignete sich auf dem Arbeitsamt in Gelsenkirchen. Gegen 10 Uhr vormittags erschien dort ein Gelsenkirchener Einwohner und verlangte eine Unterstützung. Als ihm diese verweigert wurde, kam es zu einem wüsten Auftritt. Der Mann tobte und schimpfte und bedrohte den Arbeitsamtsdirektor Mintenig. Man rief polizeiliche Hüle herbei. Ein sofort erscheinender Polizeibeamter nahm dem rabiaten Burschen einen Trommelrevolver weg, der mit fünf Schüssen scharf geladen war. Waffe und Munition wurden beschlagnahmt. Die Personalien des Mannes, eines Anwohners der Grabenstr. in Gelsenkirchen, wurden festgestellt. Die Geschichte dürfte für ihn ein gerichtliches Nachspiel haben. Am gestrigen Tage hielt der Westsälische Landbund im Hotel Buschkühle in Hamm ei##e Führertagung ab, die aus allen Teilen der Provinz außerordentlich gut besucht war und sich zu einer gehaltvollen Durchleuchtung der Fra gen gestaltete, die heute die Westfälische Landwirtschaft bewegen. In Vertretung des erkrankten Vorsitzenden begrüßte der zweite Vorsitzende, Landwirt Schulze=Oben in Frömern, die Erschienenen, darunter Vertreter der Landwirtschaftskammer, der Verbindungsstelle der Hauptlandwirtschaftskammer in Essen, des Westfälisch=Lippischen Handwerkerbundes, verschiedener Industrie= und Handelskammern und Handwerkskammern sowie einer Reihe anderer Organisationen. Er zeigte die Aufgabe der Führertagung dahin auf, einmal den führenden Mitgliedern und durch ihre Vermittlung der gesamten Mitgliedschaft der Organisation durch führende Männer der Wissenschaft und der Politik das erforderliche Rüstzeug für ihre wirtschaftspolitische Tätigkeit zu übermitteln, und zum anderen die große Oeffentlichkeit über die Probleme aufzukläten, um die heute die Landwirtschaft ringt. An erster Stelle hielt Universitätsprosessor Dr. Spahn in Köln, M. d. R., einen großangelegten Vortrag über:„Das deutsche Bauernium in Vergangenheit und Gegenwart“. Den zweiten Vortrag hielt Professor Dr. Ritter in Berlin über die Frage:„Das Absatzproblem der deutschen Landwirtschaft". Als dritter Redner sprach der Direktor der Landwirtschaftskammer in Detmolg, G. R. Treviranus, M. d. R., über: „Staatliche Hilfe im Abwehrkampfe der Landwirtschaft".— In der Aussprache nahm u. a. Landwirt Werdes, M. d. L., das Wort, der unterstrich, daß bis jetzt alle Handelsverträge auf Kosten der Landwirtschaft abgeschlossen selen, daß man auch in den Verhandlungen mit Polen die Landwirtschaft opfern wolle und daß angesichts aller dieser Gefahren eine landwirtschaftliche Einheitsorganisation durch Bauernverein und Landbund hergestellt werden müsse, zu der der Westfälische Landbund jederzeit bereit gewesen sei. Der Vorsitzende schloß die Führertagung mit dem Ausdruck der Ueberzeugung, daß die glänzend verlaufene Veranstaltung das ihrige dazu beitragen möge, die Widerstandskraft und den Kampfesmut in der Landwirtschaft zu stärken und der breitesten Oeffentlichkeit die Notwendigkeit einer durchgreifenden Hilfe für den bedrängten Berufsstand vor Augen zu führen. durch das Zentrum gefährdet Der Vorstand der Rheinischen Zentrumspartei hat sich Dienstag in Köln eingehend mit den Um= und Eingemeindungsvorschlägen des pr ußischen Innenministers befaßt. Den Niederschlag der Beratungn bildet folgende einstimmig angenommene Entschließung:„Die Zeatrumspar= kei ist von jeher für den Schutz der Selbstverwaltung, auch der kleinen Gemeinden und Städte eingetreten. Die Vorschläge des Ministers des Innern tragen diesem Wunsche in keiner Weise Rechnung, weil ohne offenbare und nachgewiesene zwingende Notwendigkeit in iner ganzen Reihe von Fällen Gemeinden gegen ihren Willen ihre Selbständigkeit oder wesentliche Teile ihres Gebietes genommen werden sollen. Der Vorstand der Rheinischen Zentrumspartei lehnt ein solches Vorgehen grundsätzlich ab. Es kommt hinzu, daß die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Gebietes sich überhaupt noch nicht übersehen läßt, und daß daher zu einer ganzen Reihe von Fragen überhaupt noch nicht Stellung genommen werden kann. Aus diesen Gründen sieht der Vorstand der Rheinischen Zentrumspartei den Vorschlägen des Ministers in wesentlichen Teilen ablehnend gegenüber. Angesichts der einflußreichen Stellung des Rheinischen Zentrums in der Gesamtpartei ist jetzt wohl damit zu rechnen, daß die Vorlage nicht als Gesetzentwurf der Gesamtregierung an den Staatsrat und Landtag kommt. Wahrscheinlich werden wir wohl dazu kommen, daß die große Vorlage in ihre Einzelheiten aufgelöst und in Einzelgesetzen erledigt werden wird. —.— Die Lage des Arbeitsmarktes im Landkreise Hörde Die Zahl der Unterstützungsempfänger hat sich in der verflossenen Woche um ein Geringes vermindert, da eine größere Zahl in verschiedenen Berufen Arbeit aufnehmen konnte und weitere aus der Unterstützung wegen Höchstdauer ausschieden. Die Zahl der Arbeitssuchenden indes ist durch einen erneuten Zugang gröde rgeworden. Die Neuanmeldungen kommen in der Hauptsache aus Bergbau, Metallindustrie und Baugewerbe; im letzteren Gewerbe infolge des anhaltenden Frostwetters. Auch das Baunebengewerbe gab mehrere Arbeitskräfte ab. Aus genanntem Grunde ging auch die Zahl der Notstandsarbeiter auf fast die Hälfte der Vorwoche zurück. Die übrigen Neumeldungen verteilen sich auf alle Berufsarten. Der Zugang beträgt 382. Von den im November 1928 Ausgesperrten sind 4 Personen nicht wieder eingestellt. Die Zahl der weiblichen Arbeitslosen ist die gleiche geblieben. Der Markt der männlichen arbeitslosen Angestellten wurde um weitere 10 kaufmännische Bürokräfte und Techniker belastet. Die Vermittlungstätigkeit konnte etwas erheblicher sein als in der Vorwoche. Zusammenfassend wird bemerkt, daß die schlechte Beschäftigungsmöglichkeit in der Metallindustrie in weitläufiger Konjunktur zu suchen sein wird. Im Abrigen bringt die Saisonarbeitslosigkeit die bestehende hohe Belastung der Arbeitslosenversicherung. Die Zahl der Arbeitssuchenden beträgt 4169, d. i. 4 Prozent der Bevölkerung. Es sind 3068 Unterstützungsempf.nger aus der Arbeitslosenversicherung, 132 aus der Krisenfürsorge mit insgesamt 3564 Zuschlagsempfängern. Im verflossenen Monat wurden an Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung 279 819 M, aus der Krisenfürsorge 10•293 M ansgezahlt Wie wird das Wetter? 2 Die Wetterdienststelle Essen schreibt: Ausläufer des unverändert über die südlichen Ostsee liegenden Teiltiefs erstrecken sich heute nach der Nordsee und Nordwestdeutschland, während über Westeuropa hoher Luftdruck fortbesteht. Nordwestlich von' Großbritannien und über dem Nordmeer dringen neue Tiefdruckgebiete vor. In Deutschland war es heute früh im Osten teilweise heiter, sonst meist trübe, im Westen mit ausgedehnten Schneefällen. Im allgemeinen herrschte 5 bis 14 Grad Frost, nur im äußersten Westen hat der Frost vorübergehend abgenommen. Der Kahle Asten meldet mäßigen Westwind, bedeckten Himmel, 10 Grad Frost und 55 cm Schneehöhe. Wetteraussichten bis Samstag: Veränderlich, zeitweise Schneefälle bei an Stärke wechselndem Frost. Gedenktage 18. Januar. 1701 Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg nimmt als Friedrich I. die Königswürde an— Stiftung des Sch varzen Adlerordens.— 1871 Proklamation von Versailles: Wilhelm I., König von Preußen, wird deutscher Kaiser.— 1873 Der englische Romanschreiber Edward Bulwer(Lord Lytton) in Torqu iy gestorben(geb. 1803).— 1877 Der Roman= schriftsteller Karl Hans Strobl in Iglau geboren. —.— Schwerte(Ruhr), den 18. Januar 1929. Geburtstagsfeier. Vor Tagen konnte der frühere Obermeister der Großenhütte, Herr Gustav Mailinghaus, seinen 81. Geburtstag feiern. Dem Geburtstagskinde nachträglich unsern herzlichsten Glückwunsch. * Bestandenes Examen. An dem Oberlandesgericht zu Köln bestand Herr Ernst Sternberg von hier sein Referendarexamen. Gedenket der hungernden Vögel! einer schicksalsschweren Entscheidung. Wir haben vorige Woche eine Schilderung von dem Vorsitzenden des Eingemeindungsausschusses des Preußischen Landtages, Herrn Professor Dr. Greßler und die Entschließung, welche in öfsentlicher Stadtverordnetensitzung der Stadt Schwerte gefaßt worden ist, gebracht. Um diese Frage auch nach der finanziellen Seite zu beleuchten, haben die Ortsgruppen der Demokratischen Partei von Schwerte und Westhofen den Preußischen Finanzminister, Herrn Dr. HöpkerAschoff gebeten, in einer öffentlichen Volksversammlung hierüber zu sprechen. Der Herr Minister hat infolgedessen seinem Vortrage in Schwerte am kommenden Sonntag, den 20. Januar, 20 Uhr im Reiche des Wassers das Thema zu Grunde gelegt:„Das Schicksalsjahr 1929!“ Es ist selbstverständlich, daß der Herr Minister auf die uns besonders interessierenden Fragen im einzeln näher eingehen wird. Zahlreiches Erscheinen liegt im Interesse der gesamten Bürgerschaft. Kostümfest. Am kommenden Samstag begeht das Hotel Sternberg in seinen sämtlichen Räumen sein diesjähriges Kostümfest. Die Vorbereitungen, insbesondere die Dekorationen, sind so umsichtig getroffen, daß sich auch das diesjährige den früheren würdig anschließen wird. Eintrittskarten sind in dem genannten Lokal zu haben. Willi Ostermann im Freischütz. Wer kennt nicht den König des Karnevals, Willi Östermann. Alle kennen seine lustigen Karnevalsschlager, ohne die eben ein Karneval gar nicht denkbar ist, seine Köllsche Krätzcher sind berühmt. Viele werden Willi Ostermann bereits am Radio gehört haben, aber nur wenigen wird es möglich gewesen sein, ihn persönlich kennen zu lernen. Diese Möglichkeit ist aber jetzt gegeben, denn wie schon mehrfach angekündigt, gastiert Willi Ostermann am Samstag, den 26. Januar im Rahmen einer großen karnevalistischen Sitzung im Freischütz. Dem Freischützwirt, Herrn Straetmanns, der wie immer bemüht ist, seinen Gästen das Beste zu bieten, ist es unter großen Opfern gelungen, Herrn Ostermann für diesen Tag zu verpflichten. Man versäume daher einen Besuch dieser Karnevalsveranstallung nicht. Kameradschaftlicher Verein„Westwacht“. Am morgigen Samstag um 20,30 Uhr findet im Vereinslokal Klempt eine ordentliche Hauptversammlung statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Wahlen. Der Vorstand bittet um zahlreichen Besuch. * Was dünkt euch von Christus? Ueber dieses höchst zeitgemäße Thema spricht am Sonntagvormittag in Verfolg der religiös=wissenschaftlichen Vorträge Pater Kother aus Düsseldorf in der hiesigen kath. Pfarrkirche. Wer ist Christus? Keine Frage ist so entscheidend für die Zukunft unseres Volkes, für das Glück unserer Familien und jedes einzelnen Menschen. Himmelhoch ragt diese schicksalsschwere Frage in der Weltgeschichte auf und fordert von jedem Menschen Antwort und entschiedene Stellungnahme. Der Vortrag will aus den ältesten Quellen die Antwort schöpfen, die Christus selber gab. Der Vortrag will die Christusfrage beantworten im Licht der drei ältesten Evangelien, in dem Licht, das in die Finsternis unserer Tage die Sonnenstrahlen der Wahrheit sendet. Jedermann ist zu dem Vortrag freundlichst eingeladen. 40jährige Mann nicht bei sich. Die Polizeibehörde Ergste schaffte ihn mit dem Sanitätsauto des Landkreises Iserlohn zum evgl. Krankenhause nach Schwerte. Bis zur Stunde stehen die Personalien des Mannes noch nicht fest. m. Ergste, 17. Jan. Kleintierzuchtverein. Der hiesige Ziegen= und Kleintierzuchtverein hielt im Gasthof Hengstenberg eine gutbesuchte Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende des Vereins hat infolge Fortzuges sein Amt niedergelegt. Zum neuen Vorsitzenden wählte der Verein den Kettenschmied Wilhelm Schulte. Nach Besprechung sonstiger interessanter Vereinsangelegenheiten fand die Versammlung ihr Ende. I. Villigst, 17. Jan. Gemeinderatssitzung. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde folgendes beschlossen: Dem von der Amtsverwaltung Westhofen vorgelegten Ortsstatut betr. Verfahren bei öffentlichen Bekanntmachungen wird zugestimmt. Dem Feuerwehrmann T. wird eine Vergütung für seinen Verdienstausfall anläßlich eines Unfalles bewilligt. Zum Schutze der Singvögel sollen 25 Burlepsche Nisthöhlen beschafft werden: Bezüglich der Umgemeindungsfrage ist die Vertretung dafür, daß die Bildung des Ruhrostkreises angestrebt werden soll, ein Zusammenschluß mit Schwerte wird abgelehnt. Eine Angliederung nach Iserlohn wird nur befürwortet, wenn Schwerte als Kreisstadt in Frage kommt. Keine Stellung wurde zu der Frage, Erhaltung des Kreises Hörde genommen. Amt Westhofen I. Amt, Westhofen, 17. Jan. Zur Umgemeindungsfrage. In den Gemeinden Wandhofen, Geisecke, Lichtendorf wurde einstimmig der Beschluß gefaßt: Die Gemeindevertretung wendet sich gegen den Entwurf des Ministers vom 20. Dezember. Es wird einstimmig beschlossen, den Landkreis Hörde restlos zu erhalten und mit ihm Selbständigkeit der Gemeinden. —3— Deutsche Turnerschaft Mamelbel? „Teutonia“ Westhofen 1— Holzen 07 I. Obiges Spiel findet bereits am Samstagabend auf dem Teutonenplatz in Westhofen statt. Die Gastgeber, welche erst vor kurzer Zeit eine Handballmannschaft ins Leben riefen, verfügen über guté Einzelkräfte und werden den technisch besseren Holzenern viel zu schaffen machen. Eintracht Lütgendortmund II— Holzen 07 II. Zum fälligen Punktespiel müssen die Holzener nach Lütgendortmund und werden ihr ganzes Können hergeben müssen, um die führende Stellung zu halten. Ev. Verein j. Männer Schwerte I. Igd.— Holzen 07 l. Jgd. Aus diesem Treffen werden wohl die Schwerter als Sieger hervorgehen. Kl. * Missionsfilm. Wir weisen noch einmal auf den heute abend ab 20 Uhr im evgl. Gemeindehause, Hagenerstraße, laufenden Misssionsfilm„Auf Vorposten im Urwald einer heidnischen Insel“ hin. Dieses hochinteressante Filmwerk wird sicherlich vor einem vollen Hause über die weiße Wand laufen. * In der Eingemeindungsfrage stehen die Stadt Schwerte und das Amt Westhosen vor Amt Ergste m. Ergste, 18. Jan. Polizeibericht. Einen Unfall erlitt die Wwe. Anna Schulte von hier, dadurch, daß sie bei der Futterbereitung für das Vieh ausrutschte u. so unglücklich zu Fall kam, daß sie einen Knochenbruch an der rechten Hand davontrug.— Obdachlos aufgegriffen wurde in einem Walde bei Schäfer am Ufer ein älterer Mann, der anscheinend schon längere Zeit im Schneegestöber umhergeirrt und dem Zusammenbruch nahe war. Ausweispapiere hatte der etwa Börsen und Märkte Dortmunder Getreidebörse vom 17. Jan. Es notierte: Inl. Weizen 22.75—22.85, inl. Roggen 22.75—23, Pomm. Weißhafer 25, ausl. Weizen 27—29, ausl. Roggen 27—28.5, ausl. Hafer 24.5—26, ausl. Gerste 20—22, Platamais 24, Cinquantinomais 26. Bäckermehl 30.75—31.25, Roggenmehl 31.75—32, Ostdeutsches Roggenmehl 29.75—30. Weizenkleie 14—15, Trocken= schnitzel 16.5—16.75, Zuckerschnitzel 19.75 bis 20.25. Diese Preise sind Großhandels=Verkaufspreise und verstehen sich per 100 Kilogr. waggonfrei Dortmund in Ladungen von 10—15 Tonnen. Tendenz: fest. Verantwortl. für Unterhaltung u. Wissen, Theater, Konzert u. Sport: Th. Schäfers, Schwerte. Die URHEBERRECHTSSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER, WERDAU (5. Fortsetzung.) Da wurde ihm leichter zumute— die leise Unruhe in ihm schwand, und in dem lauten hin und her des Straßenlebens, dem Wirbel der klirrenden, knatternden. rasselnden Fuhrwerke und Autos und elektrischen Bahnen schien für sein sehnsüchtiges Fühlen lauter und lauter eine weiche, zarte Stimme zu schwingen, die schon so oft an sein Ohr geflüster „Ich liebe dich, Hubert— ich liebe dich mit meiner ganzen Seele und all meinem Blut! Ich will, ich kann dich nicht verlassen!“ 6. Und wieder summten die Blätter im lauen Nachtwind zärtliche Melodien. und die Stille der Nacht war voll verhaltener Inbrunst und umhüllte liebevoll alles Glück mit ihren warmen, blauen Schleiern. „Was für ein schöner Tag ist uns verloren gegangen, Liebste. Nun muß uns wieder eine Stunde genug sein „Silvia hat mir erzählt— du Lese, zerflatternd klang Ellinors Stimme. „Ich hatte noch Probe mit den andern—“ „Und ich habe deinen Geist gesehen,“ lächelte Hubert. „Denk' nur— fest überzeugt war ich, daß ich dich unterwegs gesehen hätte, mit einem Manne, der— nun, der nicht gerade wie ein Kavalier aussah Ellinor war unmerklich zusammengezuckt. Mein Gott. allo hatte er doch nicht nur flüchtig hingesehen. „Dann muß ich wohl eine Doppelgängerin haben. Liebster“ sagte sie scherzend. aber das Herz tat ihr weh. „Oder ich habe mich durch das Kleid. die Haltung. irgendeine vertraute Bewegung täuschen lassen. Ich war ja nur mit meinen Gedanken bei dir. du. Aber ich hätte solche Sinnestäuschung nicht für möglich gehalten Wenn nicht du es wärest, die mir versichert, ich habe mich geirrt Zwei Arme schlangen sich um seinen Hals „Hubert— ich war so froh, als ich hörte, du wärest bei mir gewesen. Aber nun bin ich noch mehr froh. da ich bei „Du Liebe. Ich habe dir auch etwas— extra Schönes mitgebracht— heute. Hör' mich an—“ erira Schönes); fragte sie zaghast, noch als bei dir zu sein, Hubert und dir meine Liebe zu schenken?".... „Du reiche Spenderin. Ja— es gibt vielleicht noch erwas Schöneres: Sein Glück aller Welt zu zeigen und überall zu wissen, daß der goldene Reif, den man am Finger trägt. einen unzertrennlich miteinander verbindet—“ Ellinor bog sich unwillkürlich in seiner Umarmung nach hinten. 90 „Hubert— was wiulst ou—7 „Dich— vor allen Menschen! Du siehst ja, meine Sehnsucht ist so groß, daß ich dein Bild schon in fremden Menschen zu sehen vermeine. Dich will ich— als meine Braut. vor allen Menschen, und dann darf es nicht kange dauern. Liebste, bis du ganz mein eigen wirst—“..... „Hubert— deine Eltern! Du weißt doch, oaß sie nichts davon wissen wollen Laß doch Zeit vergehen— meine Liebe bleibt dir ja doch ewig Ich will keinen Unfrieden stiften. Und— was weißt du schon von mir!— „Daß du die Schönste bist, Ellinor! Die— die für mich bestimmt ist. Und das genügt mir! Du bist allein in der Welt „Allein—.“ murmekte sie leise Sie hatte einmal Hubert erzählt, daß sie Waise sei. Ihre Mutter sei tot und ihr Vater— verschollen. Nie hätte sie es vermocht, von ihrem Vater zu sprechen. Vielleicht— wenn sie Hubert nicht so sehr liebte—. aber so hatte die Furcht, ihn zu verlieren, wenn er Näheres über ihren Vater erfuhr, ihr die Lippen gebunden. „Und Unfrieden? Der ist auch so. Der kann nur durch eine klare offene Tat beseitigt werden, glaube mir.“ Er blickte ihr nah ins Gesicht. „Ellinor— du liebst mich doch!“ Sie nickte ihm zu „Bis in den Tod. Hubert—“ Ihre Augen schimmerten feucht. „Und du willst doch mein Glück—“ „Und willst doch nicht ewig als Musikantin durch die Welt ziehen, der Begierde sorgloser Lebensgenießer prei=gegeben: bei aller Hochachtung vor deiner Kunst— du bist und bleibst doch nun einmal eine Frau—“ „Ich liebe meine Kunst, Hubert.“ „Mehr als mich?“ Sie schüttelte leise den Kopf. „Für meine Kunst könnte ich leben, für dich— kann ich sterben!“ Er atmete den süßen Duft ihres Haares und seine Hände zitterten, da sie wie Schalen sich um ihr Gesicht legten Trunken küßte er ihre Lippen und sagte dann voll bebender Seugkeit: „So mußt du mir deine Hand geben, Liebste, daß ich dir die goldne Fessel anlege, die sich nie mehr löst Wie willenlos überließ sie ihm ihre Hand— Er hatte am Nachmittag noch, da sein Entschluß feststand, die goldnen Ringe gekauft. Jeder Reif war mit einem Beillanten von gleicher Kraft und gleichem sprühenden Glanz geschmückt Nun zog er das kleine Etui aus der Tasche. Flim. mernde Lichtstrahlen zuckten auf. Vorsichtig streifte Hubert den einen der Ringe über Ellinors Ringfinger. Kühl schmiegte sich der Reif um die Haut. Dann zog er selbst den andern auf.„ 4 g. Ellinor saß wie in einer süßzen, willenlosen Erstarrung. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. War das alles Wirklichkeit? „Ellinor! Liebste! Schönste aller Bräute!“ Es von Da wurde sie sich wieder ihrer selbst bewußt. Ihre Hand sank in den Schoß— der Stein blitzte auf—. und dann sank sie ihm zu und die Tränen, Tränen einer maßkosen Freude, stürzten ihr aus den Augen. „Liebster— Liebster•—“ Er flüsterte:„„ 816 „Und die Sterne tanzen den Brauttanz üder uns. Sieyst du sie? Und die Blätter singen uns die Melodie vom ewigen Sichfinden und Glücklichsein Ellinor— im Angesicht der Nacht schwöre ich dir ewige Treue! Dein bleibe ich bis zum Ende aller Tage, mag da kommen, was will! Es wird nichts geben, Leiden und Seligkeiten, die wir nicht gemeinsam tragen wollen. Aber der Seligkeiten sollen mehr sein!“ Sie schmiegte sich an ihn. s. 31. „Soviel Glück in einer Stunde. Huvert, wie wurde die Geige jetzt jubeln, wenn ich sie spielen könnte! Und der selige Strauß da oben würde, wenn er es hören könnte, lachen und vor Freude schreien, wie er es so oft tat:„Kinder, so an verliebtes Herz muß grad wie an Weaner Walzer san! Schluchzen und Lachen in einer Sommernacht, das kann halt nur an Walzer von mir oder die rechte Lieb!“, Hubert— nun kriegst du den Brautkuß, und an den sollst du ewig denken!“ Und die Nacht hielt den Atem an, und die große Feierlichkeit der Welt stand wie ein Tempel um die beiden, die zwischen Himmel und Erde weilten, im geheimnisvollen Zwischenreich aber Liebe, das keine Zeit und keine Grenzen „Ich werde morgen meinen Eltern Mitteilung von unserer Verlobung machen. Auch Freunden und Bekannten.“ „Muß das sein, Hubert““„„. Woglm wir dat uach „Ich will es so. Und dann, Liec— mussen wir doch noch eine richtige Feier machen, so unter uns. Meinst du nicht auch?“." M32 Seine Stimme wurde kuingenlder. 91. „Morgen fahren wir hinaus ins Grüne, Lieo.“ „Aber zum Abend muß ich zurück sein.“: „Ginge es nicht einmal ohne dich beim Konzert? Einen Abend Urlaub kannst du dir gewiß nehmen—. Sie nicte ihm berzlich du.„ möche sch mit Hir ein„Ja. Liebster— einen ganzen Tag mochl ih mit bit einmal zusammen sein. Ich werde morgen früh alles veranlassen. Unser braver Herr Direktor wird zwar ein schiefes Gesicht ziehen, aber schließlich wird er doch einverstanden sein müssen. Du— wie freu' ich mich auf morgen!“ So entschied in dieser Sommernacht Hubert von Stranzky über sein Schicksal, und ob es ihm zum Guten oder zum Bösen ausschlagen würde, das konnten nur die funkelnden Sterne droben am Himmel wissen, die„Augen Gottes“, die eine geheimnisvoll=mächtige Gewalt über der Welt leuchten Es wurde ein einzig schöner Tag, den Ellinor und Hubert draußen in der sommerlichen Gotteswelt genossen. Sie waren weit hinausgefahren, dorthin, wo der märkische Wald einsam an den Ufern des Scharmützelsees träumte und man ungestört wandern und lagern konnte, von der Romantik und dem idyllischen Reiz dieses schönen Erdenfleckens eingesponnen wie in ein Zaubernetz. Ewig lang schien der Tag.„ Und nahm dennoch ein Ende. Und ewig schon war der Abend unter den violetten Wolkenschleiern am See, und ewig schön und unvergeßlich die Nacht, durch die die Liebenden dann wanderten, wieder zum Bahnhof zurück, von wo sie. allein im Kupee, in das brausende Leben Berkins heimDas war die Feler, die sie sich seibst schenkten, da sie auf Leben und Sterben sich einander anverlobt hatten.— Es gab danach eine gewaltige Sensation in der Gesellschaft, als die Nachricht von Huberts Verlobung bekannt wurde Man wollte es nicht glauben, Hubert von Stranzky, der einzige Sohn seiner Exzellenz des Generals von Stranzky, versobte sich Knall und Fall? Und mit einer Bürgerlichen? Wer war denn überhaupt diese Ellinor Degener? Ab— eine Musikantin. Der Klatsch hatte schnelle Beine! Eine Geigerin in einem Konzertgarten! Pikanter Chef einer Damenkapelle! Das war Wasser auf die Mühlen. Köpfeschütteln! War ja eine ganz verrückte Sache— diese Verlobung Eine richtige, ausgewachsene Mesalliance! Was wohl die Exzellenz darüber sagen mochte? Ausgeschlossen, daß der alte Herr seinen Segen dazu gab! Dieser Hubert! War ja ein ganz toller Außenseiter! Kein Wunder, daß sich, kaum daß diese ominöse Verlobung bekannt geworden war. in dem Konzertgarten an der Spree, wo Ellinor spielte. Herren und Damen der Gesellschaft am Abend einfanden um dieses Wunder von Mädchen zu sehen das es fertig gebracht hatte, einen der Ihren einzufangen. der mit dieser Verlobung seine glänzende Karriere riskierte. Es waren natürlich fast nur jüngere Leute und Frauen. die die Neugierde hintrieb. Und sie kamen nur teilweise auf ihre Kosten. Daß diese Ellinor Degener ein verteufelt schönes Mädel war, das mußte man allerdings einstimmig feststellen Die sungen Herren, die sie noch nicht gesehen hatten, waren unter sich sehr begeistert und fanden Hubert von Stranzkys Wahl durchaus nicht sonderbar. Aber die gemünschte Sensation den glücklichen Bräutigam hier anzutreffen, während seine Braut auf dem Podium Musik machte.— blieb aus Hubert hütete sich, in diesen ersten Tagen nach der Veröffentlichung seiner Verlobung hier aufzutauchen und der aufdringlichen Neugierde Bekannter als Objekt zu dienen Bald genug würde ja wohl das Interesse an dieser Sache erlahmen — wie es so zu gehen pflegte. Und vom nächsten Ersten ab hatte Ellinor mit ihrer Kapelle überhaupt ein anderes Engagement in einem Vorort. Bis zur Hochzeit wollte sie nichts davon wissen, das öffentliche Musizieren an den Nagel zu hängen und Hubert mußte ihr darin recht geben— Die„Gesellschaft“ hatte richtig orakeit, als sie der Meinung war, daß die alte Erzellenz unmöglich ihren Segen zu dieser Verlobung geben würde. is gab eine böse Stunde im Hause Stranzky, als der Brief Hubert eintraf, in dem er seinen Eltern Mitteilung davon , hat nicht voreilig den Stah siher idn zu machte und var, Nichl bolinig den Stab über ihn zu drechen und ihm Nachricht zu geben, wann er persönlich vorsprechen dürfe, um seine Braut vorzustellen. Exzellenz von Stranzky traute seinen Augen kaum, als er Dann stieß er einen Laut aus, der aus dem Zorn seiner maßlos erregten Seele kam. „Unglaublich! Diese Schande! Das— das int ja schändDie Faust zerknitterte den Brief, den er eben seiner Gattin vorgelesen hatte, die blaß vor Schrecken geworden war. „Das wagt Hubert uns zu bieten! Diesen Affront! Ah ich könnte verzweifeln! In welcher Zeit leben wir denn, daß Er sief wie gefangen im Zimmer auf und ab, von maßloser Wut geschüttelt. Lachte höhnisch auf. „Nie wieder darf er mir vor die Augen! Das ist zu viel! Das ist also die Antwort auf meine väterlichen Ermahnungen, auf meinen Appell an seine Vernunft! Herrgott—!“ Frau von Stranzky saß wie leblos im Sessel Auch sie begriff ihren Sohn nicht. Zu fest wurzelten die Anschauungen ihrer Kaste noch in ihr, als daß sie Huberts Handlungsweise hätte verstehen können. Sie hielt den Kopf tief gesenkt. „Berthold— du mußt versuchen, seinen Irrium ungeschehen zu machen. Es kann sa doch nur eine Verirrung sein! Nichts weiter! Oder Trotz! Er ist immer ein Dickkopf gewesen, der Junge. Er wird Vernunft annehmen. Er muß doch selbst einsehen—“ mit sehenden Augen in sein Unglück! Gut— soll er! Soll er nur. und sich den Schädel dabei einrennen! Eher wird der nicht kuriert! Seine Braut vorstellen Verrückt! Eine Musikantin! So vor Hinz und Kunz in Bierlokalen Pfui Deubel! Seine Braut!“ Sein Gesicht hatte einen Ausdruck eiserner Härte. Scharf wie Säbelhieb fiel das Wort. „Man muß kranke Bäume mit der Wurzel ausreißen!“ Wos willit du tun?!“..1.pf Mir uind „Ihm nun endgültig das Haus verbielen! Wwir sind es uns. unserer Stellung, unserem Ruf schuldig! „Du mußt das einsehen. Es geht nicht anders. Ich bin der Aelteste der Familie Stranzky— ich kann nicht wart bis ein Familienrat mir erst sagt, was ich zu tun habe. Frau von Stranzky stand auf Müde. Wie abwesend. „Du magst wohl recht haben!" herbe Falte stand um ihren Mund. Ich will dich allein lassen. Berthold, Schreibe ihr, du es für richtig hältst. Aber denke daran, daß du nia,: nur Richter, sondern auch Vater bist.“ Er blickte sie ernst an. Richte beicht. uchen: Am nächsten Tage empfing Hubert mit der ersten Pos, zeg Brief des Generals. Er öffnete ihn etwas nervös. Lar und drohend grub sich die Falte der Stranzkys, die bei der Exzellenz schon wie eine tiefe Kerbe war, quer in seine Stirn, steir Es war nicht viel, was ihm der General da schrieb. inhaltsschwer genug. Ein kühler Hauch strömte aus diesen Hubert spürte es fast torperlich Knapp und bündig schrieb sein Vater, daß er wohl von daß er und die Familie aber auch iche Haus verschlosen, bis er Lisnerhastz eines halben JohHaules alles weitere bezüglich der Zufunft. ,„festgoerggpgig inanziellen Regelung, erfahren. Es bel Ainezaglung a#. bracht werden könnte und die testamentarischen Bestimmungen geändert werden müßten. Kein Wort von Ellinor. Von der Verlobung, die einfach als Hubert zerriß den Brief. Ließ ihn in den Papierkand kalsen Srshot Gatt S6t6h.... Was kümmerte ihn das Vermogen, vas er erwarten hätte und dessen Verlust ihm angedi wenn er„nicht zur Errenurnis seiner Torheit kam"? Bah— er verlangte nicht danach und Eriungg ehenfoße nicht Damit konnte man ihn gewiß nicht würde Ellinor nichts von diesem Brief sagen, sie würde sich sonst nur von neuem Vormürfe machen „Ellinor! Du Süße! Und wenn ich dich gegen verteidigen müßte ich würde kämpfen bis zug. Denn niemals gab es schöneren Lohn— als du es bist!“ 7. Biele Tage waren vergangen. Biele Wochen. Benvenuto Degener fühlte sich recht wohl. Von Eumor hatte er allerdings nicht viel— sie ließ sich jede Woche nur einmal sehen und händigte ihm etwas Geld aus. Er nahm es mit selbstverständlicher Geste hin Obwohl er es eigentlich nicht brauchte Denn mit Vorsicht und Shmughzogen einige der ihm„in den Schoß gefallenen“ Schmun###chen## klingende Münze umzusetzen verstanden, und dein Aeußeren sah nun schon sehr manierlich aus.(Fortsetzung folgt.) Schriftleitung: Bert Oehlmann, Berlin SW. 68, Alte Jakobstr. 24. Belen, Anpusten und Kase=Auflegen heitraues! Wenn Kmpfuscher praktizieren An der St.=Blasius=Kirche zu Hannöversch=Münden befindet sich ein Grabstein, auf dem zu lesen steht: Hier ruht Johann Andreas Eisenbart geb. 1661, gest. 11. Nov. 1727 großbritannischer und braunschweigisch=lüneburgischer Landarzt. Das ist der Mann, der jahrzehntelang als marktschreierischer Heilkünstler, als Okulist und Sterndeuter, Geisterbeschwörer und Wahrsager durch die Lande zog, und von dem es so schön im Liede heißt:„Ich bin der Doktor Eisenbart, kurier' die Leut' nach meiner Art.“ Nun ruht sich der Quacksalber schon über zweihundert Jahre von seinem Erdenwallen im stillen Grabe aus, aber seine„Kunst“ ist nicht mit ihm gestorben, sie lebt noch heute und treibt ihre giftigen Blüten ärger denn je. Es sind ihm Nachfolger erstanden, die ihr Geschäft noch weit besser verstehen als er, der Altmeister, die es durch gewerbsmäßige Ausübung der Quacksalberei zu enormem Reichtum gebracht haben. Eine wahre Blütezeit aber begann für die Kurpfuscher, als ihnen durch einen Paragraphen der Reichsgewerbeordnung im Jahre 1869 die freie Ausübung des Heilgewerbes gestattet wurde. Bauern, Gerichtsdiener, Nachtwächter, Dienstmädchen, Hausierer und ähnliche nicht vorgebildete Leute stürzten sich mit Feuereifer auf das nun offene Gewerbe und begannen ihre unheilvolle Tätigkeit. Riesensummen wurden und werden noch heute verdient. Der Verfertiger der berüchtigten Morisonschen Pillen, der auch Deutschland mit seinem Allheilpräparat von England aus überschwemmte, bezahlte innerhalb von sieben Jahren allein zwei Millionen Mark an Stempelgebühren. Der Schäfer ast—„berühmt“ geworden durch seine Diagnosen aus dem Nackenhaar— quacksalberte sich ein großes Rittergut zusammen. Der Hersteller der„mit weißer, blauer und grünei Elektrizität“ geladenen Zuckerpillen, Graf Matthei, verdiente binnen kurzer Zeit 8 Millionen Mark, und der Kurpfuscher Glünecke erzielte durch den Engrosvertrieb seiner vollkommen wertlosen Kräutersäfte 120 000 Mark jährlich. Niemand wird bezweifeln, daß die Kurpfuscher des Jahres 1929 genau so viel verdienen, denn ein großer Teil des deutschen Volkes ist und bleibt unbelehrbar und trägt jenen gewissenlosen Leuten nach wie vor seine sauer verdienten Groschen hin— für nichts! Wenn diese Salben und Pillen und Kräuter eine Wirkung hervorrufen, so meistens nur nach der falschen Seite hin. Man hat berechnet, daß die Kurpfuscher in Deutschland im Verlauf der letzten zehn Jahre rund 20 Millionen eingenommen haben. Der durch sie angerichtete Schaden an der Volksgesundheit wird sich aber wohl nie zahlenmäßig erfassen lassen. Zu welchen Mitteln heutige Kurpfuscher greifen, um à la Eisenbart die Leute nach ihrer Art zu kurieren, ist oft ausgesprochen gemeinF Z S TI.EMM gefährlich. So hatte sich jetzt in Reichenbach ein gewisser Beck zu verantworten, der Rheumatismus, Lungenleiden und offene Wunden durch— Tannenöl heilen wollte, und leider auch zahllose Menschen fand, die ihm sein „Medikament“ abkauften. Pro Fläschchen 20 Mark! Den unverschämten Preis begründete er mit der Behauptung, daß er für den Inhalt eines Fläschchens die Nadeln von 1000 Tannenbäumen benötige. Besonders ärmere Leute suchten ihn auf, die sich das Essen vom Munde absparten, um in den Besitz des Wunderöls(das laut Gebrauchsanweisung innerlich und äußerlich anzuwenden war) zu gelangen. Blutvergiftungen und Ausschlag waren die Folgen für den, der des Kurpfuschers kostbares Tannenöl benutzte. Vor Gericht erklärte der Kreisarzt als Sachverständiger die Tätigkeit Becks für verbrecherischen Leichtsinn, der jedoch noch sehr milde bestraft wurde, indem man den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1600 Mark verurteilte.— Schlimm treibt es auch die Weißenberg=Sekte, die neuerdings das Feld ihrer Tätigkeit nach Oberschlesien verlegt hat; sie heilt sämtliche Krankheiten durch Gebete oder Anpusten, schmerzhafte Körperteile dagegen werden mit weißem Käse kuriert, der pfundweise auf die betreffenden Stellen gelegt wird. Auch hier hatten sich die Quacksalber wegen Betrugs vor dem Schöffengericht in Kreuzburg zu verantworten. Dunkelstes Mittelalter wird bei Aufzählung derartiger Kuren lebendig, Kuren, die nur einem helfen: dem, der sie für klingende Münze„verschreibt“.... W Hinter den Kulissen der Großstadt. Unterwelt von Berlin. Die„Amerikanisierung des deutschen Verbrechertums“ macht Fortschritte. Die nächtliche Straßenschlacht. die sich zwischen sogenannten Hamburger Zimmerleuten und Verbrechern entwickelle, legt das beste Zeugnis dafür ab und erinnert an Zustände, die in Chikago an der Tagesordnung sind. Aus bisher noch nicht einwandfrei geklärtem Grunde kam es kürzlich zu einem Vorfall, der in der deutschen Kriminalgeschichte einzig dasteht. Nach Plänkeleien im Versammlungslokal der Zimmerleute fahren rund dreißig Automobile vor, denen sehr elegante Herren entsteigen. Man sieht nur Smoking, Frack, Zylinder und Lackschuhe. Die Herren betreten das Lokal— und fünf Minuten später gleicht die Inneneinrichtung einem wüsten Trümmerhaufen. Die eleganten Gentlemen waren nämlich Mitglieder des Verbrecherklubs „Immer treu“ und rächten nun ihre vorhin von den Zimmerleuten verprügelten Kameraden. Bei dem Kampfe, der mit Beilen, Messern, Stuhlbeinen, Schlagringen, Stahlstöcken und Revolvern in geradezu fürchterlicher Weise geführt wurde„blieben ein Toter und sieben Schwerverletzte auf dem Platze.— Es ist„als ob man das Sensationskapitei eines schlechten Kriminalschmökers liest. Verbrecher in Frack und Claque, Schlacht in einer Verbrecherkneipe, VerbrecherKlubs. Wird da nicht etwas lebendig, das wie verlogenste Verbrecher=Romantik klingt? Und eine Unterwelt tut sich vor den Augen einer fassungslosen Menge auf, eine Unterwelt, von der man keine Ahnung hatte. Freilich, die Eingeweihten wußten längst, daß es in Berlin rund 30 Verbrecherklubs gibt, die etwa tausend Mitglieder zählen, ausschließlich derer, die Verbrecher-Vereinen in der Provinz angehören.(Denn nachweisbar existieren in allen größeren Städten Zweiggründungen der Berliner Vereine.) Unter harmlos klingenden Namen sind alle diese Verbindungen offiziell in der amtlichen Liste eingetragen. Teils nennen sie sich Lotterie=, Solidatritäts=, Vergnügungs= und Theatervereine, teils segeln sie unter der Flagge von Sport=, Sparund Reiseklubs. Alle diese Verbrecherverbindungen sind in einem Ring organisiert. Die Mitglieder werden bei Krankheit oder„schlechtem Geschäftsgang“, durch tarifmäßig festgelegte Geldbeträge unterstützt, deren Höhe sich nach dem jeweiligen Mitgliedsbeitrag richtet. Weitere Einnahmen erzielen die Klubs durch Veranstaltung von Festen, bei denen durch hohe Eintrittspreise und Tombola beträchtliche Summen herausgeholt werden. Diese Feste finden in den allerersten Lokalen Berlins statt. Man glaubt, sich in der vornehmsten Gesellschaft zu befinden. Die Damen tragen kostbaren Schmuck, der den Vorzug hat, echt zu sein. In Anbetracht dieser Pracht, der Schönheit der Damen, der Kostbarkeit ihrer Toiletten wird niemand auf den absurden Gedanken verfallen, daß die prächtigen Diademe, die Perlenketten„die Brillantringe und Ohrgehänge das sind, was man unter(Vereins=)Brüdern„heiße Ware", nämlich solche dunkler Herkunft, nennt.— Natürlich gibt es im Ring auch Fünf Minuten später glich die Inneneinrichtung einem wüsten Trümmerhaufen Klubs, die nicht so„erstklassig“ auf der Höhe sind. So machte Anfang Dezember vorigen Jahres der Berliner Verbrecherverein„Tartarenblut"(!) von sich reden, als wieder einmal einige seiner Mitglieder einen Ueberfall auf junge Mädchen inszenierten, dabei jedoch zum Glück dingfest gemacht werden konnten. Auch die Tatsache, daß alle dem Ring angeschlossenen Klubs und Vereine einer geheimen Justiz, dem sogenannten„Gannoven=Gericht" unterstehen, dürfte vielen nicht bekannt sein.„Die Furcht vor dieser geheimen Gerichtsbarkeit," schreibt ein Berliner Mittagsblatt,„ist ungeheuer; denn um einen Verräter zu beseitigen, wird hier auch nicht vor dem Aergsten zurückgeschreckt.“ Es ist also gar kein Wunder, wenn verhaftete Verbrecher um keinen Preis zu bewegen sind, die Geheimnisse jener Verbrecherzünfte preiszugeben. Die Furcht vor dem erbarmungslosen Gannoven=Gericht ist größer als die vor dem des Staates. Verräter werden mit unerbittlicher Grausamkeit von diesem Gericht schwerer Verbrecher verfolgt. Schon mancher, der zum„Zinker“ wurde, verschwand in jenen dunklen Vierteln Berlins, die man mit ihren düsteren Mietskasernen, den schachtartigen Höfen und verschwiegenen Kellerkneipen getrost das zweite Whitechapel nennen darf. Es wird niemals restlos gelingen, die Gegend um den Schlesischen Bahnhof herum von lichtscheuem Gesindel— weder von den verkappten Verbrecherklubs, noch von rund dreitausend dort unangemeldet lebenden Personen— zu säubern, weil jene Kreise fest zusammenhalten und ihre Geheimnisse nach Kräften hüten.— Trotzdem der Polizei alle diese Dinge bekannt sind, läßt sie die Vereine gewähren, wobei sie den Standpunkt vertritt, daß es besser sei zu wissen, wo man gewisse Verbrecher zu suchen habe, als die Verbände aufzuheben, zumal diese ihr so die beste Handhabe zu Kontrollen böten. Das mag ein Standpunkt sein, über den sich streiten ließe; aber das steht jedenfalls fest: die Sensationslust braucht nicht länger mehr sehnsuchtig nach Amerika, dem Lande der Verbrecher„Romantik“, hinüberzuschielen, die haben wir nach letzten aufsehenerregenden Vorfällen in Köln, Hamburg, Breslau und Berlin in nächster Nähe—„made in Germany“! Intelligenz hinter Zuchthausmauern. Sträflinge als Dichter, Maler und Sänger.— Erfindungen, die im Zuchthaus enkstanden.— Der Mann, der von der Freiheit nichts wissen wollte. Die Zeitungsnachricht über den amerikanischen SträfUng Jones, dessen prachtvolle Stimme gelegentlich einer gesanglichen Veranstaltung im Zuchthaus entdeckt und der daraufhin von Manager= und Varieté=Angeboten überschüttet wurde, diese Nachricht ist keine„Ente“. Jones verbüßt in einem Zuchthaus bei Chicago eine sechsjährige Strafe wegen Raubüberfalls und wird binnen Jahresfrist entlassen werden. Er war niemals ein besonders guter Sänger gewesen, sang aber in seiner Zelle viel aus Langeweile und trieb schließlich, als er aus der Anstaltsbibliothek eine Gesangsschule zur Verfügung gestellt bekam, regelrechte Studien, bis er dann die Mitwelt mit seiner großen Kunst überraschte.— In einem brandenburgischen Zuchthaus verwahrt die Verwaltung eine aus neunzehn Bänden bestehende, handschriftlich niedergelegte Gedichtssammlung, die während einer 12jährigen Strafe von einem Gefangenen niedergeschrieben wurde.— Daß sich Zuchthausinsassen als erfolgreiche Erfinder betätigt haben, ist wenig bekannt. So konstruierte beispielsweise der Australier Viktor Orlille, der vom Gericht in Sidney wegen Mordes zu lebenslänglicher Strafe verurteilt war, ein Geduldsspiel für Kinder. Orlille wurde etwas später begnadigt und konnte, da ihm eine Spielwarenfabrik das Patent abkaufte, als vermögender Mann in die Freiheit zurückkehren. Auch die Strickmaschine entstand im Zuchthaus. Der sie erfand, war ein Totschläger, der Eduard Cowper hieß und in Sherbone in England seine Strafe verbüßte. Der Zufall wollte es, daß man ihm Arbeit in der Seidenspinnerei der Strafanstalt zuwies. Diese Beschäftigung brachte ihn, der gelernter Maurer war, zum erstenmal mit Maschinen zusammen, und diese waren es, die ihm die ersten Anregungen zur Konstruktion der Strickmaschine gaben. Auch er wurde durch Verkauf des Patents ein wohlhabender Mann.— Es haben sich auch schon Fälle ereignet, in denen Gefangene, der Freiheit wiedergegeben, vergebens die Leistungen hervorzubringen versuchten, die ihnen in der Einsamkeit der Zelle nicht die geringsten Schwierigkeiten machten. Der jüngste Vorfall dieser Art ereignete sich vor wenigen Monaten in New York. Dort war ein Raubmörder, der wegen seiner unerhörten Malkunst nach Verbüßung eines Drittels seiner Strafe begnadigt wurde, voll neuen Lebensmut in die Freiheit zurückgekehrt. Doch nur, um grausam enttäuscht zu werden. Was er malte, blieb leer und farblos. Die Zelle fehlte ihm! Die brennende Sehnsucht nach dem Leben war es gewesen, die ihn zum Schaffen gereizt und die ihn Kunstwerke hatte entstehen lassen! Nun, wo ihm Erfüllung seiner Sehnsucht geworden, fehlte die seelische Inspiration, die glühende Phantasie, der Schaffenstrieb. Er kehrte nach Sing=Sing zurück, um dort auf seinen Wunsch wieder aufgenommen zu werden. Ergebnis der Denksportaufgabe Ort: Paris: Zeit: ½ 7 Uhr morgens. Der Täter: der Mann ganz links. Bei dem Kampf mit seinem Opfer riß ihm dieses ein Stück Stoff aus dem Aermel. Den Stoffetzen hält der Tote in der Hand. Geraubt wurde die Aktentasche.