Ber Die„Schwerter Zeilung" erscheint wöchentlich sechs mal Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Mlark, Einzeluummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), ostscheckonten: Dorimund 2832 und Hannover 21874. Geschästsstelle: Große Marklstr. 3—5. für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Ternruf 62. Verbunden mit: Schwerter Tageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Ainzeigen= Preise. Iir die achigespot. Aiimsterele S 2g. Auswärtige, finanzamt. u. gerichtl. Inzeig. 10 Pfg., Reklamezeile 49 P/:. Für teleson. aufgegebene Inserate übernehmen wir eine Gepödr. Veiuoobergesodz. Verzaposgteigsgg, Heräße gerusendurchböhere Gewalten, ühgrnebmen wie ve guch, keinerse, für pünktliches Erscheinen der Jeitung u. kann guch. bt Anspruch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhober Geus bute! Saperier Velihlan E„„ u im S.. Kreisblatt für den Kreis Hörde o Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.* Generalanzeiger für den Kreis Hörde. 61. Jahrgang Nr. 130(Seites Wlacd) Neues in Kürze. Ladendorff wieder Vorsitzender des Hausbesitzerwtb. Köln, 4. Juni.(Tel.) Der Verbandstag des preußischen Landesverbandes der Haus= und Grundbesitzervereine e. V. in Köln wählte den bisherigen Verbandsvorsitzenden, Landtagsabg. Ladendorff, wieder. Die Durchführung des Notprogramms. bb Berlin, 4. Juni. Auf der Tagesordnung der Sitzung des Reichstagsausschusses zur Durchführung des landwirtschaftlichen Notprogramms steht als erster Punkt die Berichterstattung der Reichsregierung über die Verwendung von Reichsmitteln zur Förderung des Absatzes von Schlachtvieh und Fleisch. Ferner soll über eine Eingabe der Direktion des städtischen Schlacht= und Viehhofes in München über die Maßnahmen zur Förderung des Absatzes von Schlachtvieh und Fleisch verhandelt werden. Geheimrat Dr. Riese an Blutvergiftung gestorben. pw. Berlin, 4. Juni.(Tel.) Gestern abend starb der Chefarzt des Lichterfelder StubenrauchKrankenhauses, Geheimrat Professor, Dr. Riese, an Blutvergiftung, die sich aus einer Erkrankung an Beinrose entwickelte und schließlich durch Versagen der Nierentätigkeit den Tod herbeiführte. Geheimrat Riese wurde 1864 in Berlin geboren und entstammt einer alten Berliner Aerztefamilie. Der„Kaiserliche Dachtklub“. pw. Berlin, 5. Juni.(Tel.) Wie das Berliner Tageblatt erfährt, soll der Reichswehrminister Beneral Groener verordnet haben, daß alle Angehörige der Reichswehr und der Reichsmarine, die Mitglied des„Kaiserlichen Yachtklubs“ in Kiel sind. dis Schluß dieses Monats ihren Austritt aus dem Klub zu vollziehen haben. Die Verfügung sei ernachdem der Klub es abgelehnt habe, die geforderte Namensänderung vorzunehmen. Die Mißhandlung des Polizeivizepräsidenten Weiß. pw. Berlin, 4. Juni.(Tel.) Polizeivizepräsident Dr. Weiß wird nach seiner Rückkehr von der Kölner Reise, dem Berliner Tageblatt zufolge, bereits am Dienstag vormittag dem Polizeipräsidenten über den Zwischenfall in der Frankfurter Allee Bericht erstatten, bei dem, wie bereits bekannt, der Polizeivizepräsident von Polizisten mit dem Gummiknüppel geschlagen worden ist. Dr. v. Dirksen f. bb Berlin, 4. Juni. Im 76. Lebensjahre starb Wirklicher Geh. Rat Dr. v. Dirksen. Er war früher Reichstagsmitglied als Angehöriger der Deutschen Reichspartei und seit 1903 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses als Freikonservativer. Auch dem früheren Herrenhause gehörte er als Besitzer der Herrschaft Gröditzberg in Schlesien an. Die Fürstenabfindung in Hessen. wtb. Darmstadt, 4. Juni.(Tel.) Vom Finanz= ausschuß des hessischen Landtages wurde heute der Gesetzentwurf über die endgültige Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Großherzog verhandelt. Nach lebhafter Aussprache wurde bei der Abstimmung die Regierungsvorlage mit 6 gegen 5 Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt. Gegen den Gesetzentwurf stimmten die Kommunisten und zialdemokraten, dafür das Zentrum, die Deutsche Volkspartei und die Demokraten. Trotz der Ablehnung der Vorlage im Finanzausschuß herrscht in politischen Kreisen die Meinung, daß bei der Endabstimmung im Landtag die Vorlage mit knapper Mehrheit angenommen werden wird. Sozialistischer Sieg bei den Luxemburger Kammerwahlen. W 18#i 1. wtb Luxemburg, 4. Juni.(Tel.) Die luxemburgischen Kammerwahlen bedeuten, aller Voraussicht nach, einen sozialistischen Sieg. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen gewinnen die Sozialisten vier Sitze, unter Umstängen noch einen fünften, wenn der Sozialistenführer Blum am nächsten Sonntag gegen seinen klerikalen Gegenkandidaten gewählt werden sollte. Die Klerikalen konnten sich behaupten: sie gewinnen sogar wahrscheinlich noch einen Sitz, während die Radikalen zwei Sitze an die anderen Parteien abgetreten haben. Das amtliche Ergebnis wird morgen bekanntgegeben werden. Das Hamburger Phosgengas. wtb London, 4. Juni.(Tel.) Die Times meldet aus Gens: Die Frage des Hamburger Phosgengases wird die Ruhe der Ratstagung nicht stören, da die Versenkung des Gases im Atlantischen Ozean, wie man annimmt, das Gas auch als internationale Frage begraben hat, sehr zum Bedauern derer, die da glauben, daß jedem Bruch der Abrüstungsbestimmungen in Europa, ob er nun klar ist oder nur scheinbar, eine automatische und sofortige Untersuchung des Völkerbundes folgen müsse. Ruhestörung in einer rumän. Parteiversammlung. wib Temesvar, 4. Juni.(Tel.) In einer hier unter dem Vorsitz des Generals Averescu abgehaltenen großen Versammlung der Volkspartei wurde die Aktion der Nationalen Bauernpartei von sämtlichen Rednern angegriffen. Im Verlaufe der Versammlung suchten einige Anführer der Nationalen Bauernpartei die Ruhe zu stören, sie wurden aber nach kurzem Handgemenge entsernt. Die Feindseligkeiten gegen Averescu wurden auf der Straße fortgesetzt, wo die Anhänger der Nationalen Bauernpartei eine Kundgebung zu veranstalten versuchten. Es kam zu Zusammenstößen, bei denen auf beiden Seiten vier Personen verletzt wurden. Die Ruhe wurde in kurzer Zeit wieder hergestellt. (Sached, Dienstag, den b. Joni 1900 Die 30. Nulelaguns. wtb Genf, 4. Juni.(Tel.) Der Völkerbundrat ist heute vormittag unter dem Vorsitz des kubanischen Ratsmitgliedes und Gesandten in Berlin, Aquero Bethancourt, der turnusmäßig die nächsten drei Monate die Funktionen des Ratspräsidenten ausüben wird, zu seiner 50. Tagung zusammengetreten. Deutschland und Frankreich, die seit der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund im September 1926 für jede Ratstagung ihre Außenminister Dr. Stresemann und Briand nach Geuf entsandt hatten, sind diesmal durch Staatssekretär von Schubert und Paul=Boncour, zweiter Delegierter Frankreichs beim Völkerbundrat, vertreten, während für England wiederum Chamberlain am Ratstisch Platz genommen hat. Auch die meisten anderen Ratsstaaten haben die gleichen Vertreter entsandt, denen sie bereits in den letzten Tagungen ihre Vertretung übertragen hatten. Die Tagung wurde, wie üblich, durch eine nichtöffentliche Sitzung zur Genehmigung der Tagesordnung und Reglung einiger Verwaltungsfragen eröffnet.....F. 4., Situng ummte Die anschließende öffentliche Sitzung wurde von dem neuen Ratspräsidenten Bethancourt mit einer kurzen Ansprache eingeleitet, in der er u. a. der Zuversicht Ausdruck gab, daß Quinones de Leon bald wieder im Rat mitwirken werde. Spanien und seine Regierung haben, so erklärte der Ratspräsident, durch Wiederaufnahme ihrer Mitarbeit im Völkerbund der Welt ihre unerschütterliche Treue zu dem Ideal des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit bewiesen. Das Anwachsen der Arbeiten des Rates und der Versammlung, die in den 8½ Jahren ihrer Tätigkeit insgesamt 1½ Jahre tätige Zusammenarbeit von ungezählten Delegierten gebracht haben, sei der beste Beweis für die Erstarlung des neuen internationalen Lebens. 8 Es wurden sodann die Berichte über Kinderschutz und über die Tätigkeit des Hygieneausschusses genehmigt. Der Hygieneausschuß verzeichnet ein erstmaliges praktisches Eingreifen zugunsten tuberkulöser griechischer Flüchtlinge und ferner die Mitarbeit der Hygieneabteilung des Völkerbundes bei der Hilfsorganisation zugunsten der von dem Erdbeben betroffenen Bulgaren. Außerdem wird im Zusammenhang mit der vom Völkerbund nach Frankfurt einberufenen Tagung zur Standartisierung der Heilsera den deutschen und preußischen Behörden der Dank für die gewährte Gastfreundschaft ausgesprochen. Ein Genfer Stimmungsbild. vdz. Genf, 5. Juni.(Funkspruch.) Vom Sonderberichterstatter des VDZ.=Büros. Der erste Tag der Ratstagung läßt trotz den ungewöhnlich ruhigen Auftakten bereits am Abend erkennen, daß auch dieses Mal um die Weiterbehandlung der politischen Punkte der Tagesordnung zunächst ein Ringen einsetzen wird. Zwei Fragen stehen heute im Vordergrund des Interesses, die St. GotthardAffäre und der polnisch=litauische Konflikt, der durch die abschriftliche Zustellung der polnischen Note gegen Wilna an die Ratsmitglieder eine Verschärfung zu erhalten schien. In den Abendstunden jedoch machte sich mehr und mehr die Auffassung geltend, daß auf beiden Seiten keine Lust besteht, die Wiinafrage zu forcieren, die der Rat ja bekanntlich auch bei seinem ersten Beschluß im Dezember aus dem Spiel sehen wollte. In dieser Frage würde sich der Rat auf eine erneute und noch dringlichere Empfehlung zur Pflege direkter Verhandlungen beschränken.— Die St. Gotthard=Affäre, der zweite Punkt, auf den sich am Montagabend das allgemeine Interesse konzentrierte, dürfte in der für Dienstag angesetzten Geheimsitzung zu erheblichen Auseinandersetzungen führen, da der Bericht des Dreier=Ausschusses bei der Kleinen Entente auf entschiedenen Widerspruch stößt. Unterstützt von Frankreich, wollen ihre Vertreter versuchen, wenigstens den Schlußfolgerungen des vorliegenden Berichts eine Schärfe zu geben, durch die ihrer Mißstimmung gegen Ungarn Rechnung getragen und ihr Schritt im Völkerbund wenigstens moralisch gerechtfertigt würde. Der Entscheidung über die von Frankreich im Zusammenhang mit der St. Gotthard=Angelegenheit aufgeworfene Frage der Erweiterung der Befugnisse des Ratspräsidenten will Frankreich nunmehr selbst durch eine Vertagung aus dem Wege gehen. In welcher Richtung die französischen Absichten in Wirklichkeit gehen, erhellt daraus, daß Paul Boncour am Montagabend der französischen Presse gegenüber von der notwendigen Verkoppelung dieses Fragenkomplexes mit den im Sicherheitskomitee geplanten Kriegsverhütungsmaßnahmen und seinen Arbeiten im allgemeinen gesprochen hat. dem nordöstlichen Gebietsteil gelangen. Der Dampfer„Hobby“ ist in Kingsbay eingetroffen. Der Kapitän der„Citta di Milano" begab sich an Bord. Die„Hobby“ nach der Mosselbay unterwegs. wtb Kingsbay, 5. Juni.(Funkspruch.) Die „Hobby“ ist am Montag um 6,30 Uhr nachmittags mit einem Wasserflugzeug, Lützow Holm, vier Italienern, Hunden und deren Führern an Bord nach der Mosselbay via Amsterdam=Inseln ausgelaufen. Das Schiff ist mit einer Radioanlage versehen. Es wird voraussichtlich Donnerstag oder Freitag zurückkehren. Die italienische Hilfsexpedition für Nobile. wtb. Mailand, 4. Juni.(Tel.) Die Organisation der italienischen Hilfsexpedition für General Nobile nimmt einen raschen Fortgang. Das Expeditionsflugzeug wird heute abend startbereit sein. Es wird u. a. 35 Fallschirme für Personen und Pakete mitnehmen. Der Kommandant Maddalena trifft heute hier ein. Die Ernennung eines zweiten Piloten durch das Luftfahrtministerium steht unmittelbar bevor. Der Bürgermeister von Mailand hat mitgeteilt, daß die Gemeinde dem Organisationskomitee 100 000 Lire zur Verfügung gestellt hat. wtb Stuttgart, 4. Juni.(Tel.) Die Tagung des Verwaltungsrats der Deutschen Reichspost fand heute im neuen Oberpostdirektionsgebäude unter dem Vorsitz des Reichspostministers statt. Unter den Beratungen nahm die Vorlage über die Einfführung einer Kleingutsendung eine bevorzugte Stellung ein. Beschlossen wurde die Zulassung eines Briefpäckchens bis zu einem Gewicht von einem Kilogramm, das in größeren Abmessungen als das bisherige Päckchen gegen eine Einheitsgebühr von 60 Pfg. mit der Briefpost befördert werden soll, und ferner die Schaffung eines mit der Paketpost zu befördernden Päckchens im Gewicht bis zu 2 Kilogr. und mit Abmessungen von 50 mal 20 mal 10 cm oder 40 mal 25 mal 10 cm gegen eine Einheitsgebühr von 60 Pfg. Beide Gebührensätze gelten für alle Entfernungen. Die Neuerungen fanden großen Anklang bei allen Beteiligten, insbesondere auch bei den Vertretern der Wirtschaft, wenn auch diese in einzelnen Punkten ihr Bedauern über die Unmöglichkeit der Berücksichtigung weitergehender Wünsche zum Ausdruck brachten. Nach Abschluß der Verhandlungen fand ein Empfang des Verwaltungsrats durch den Staatspräsidenten Dr. Bazille und die württembergische Staatsregierung im neuen Schloß statt. Der Staatspräsident begrüßte die Mitglieder des Verwaltungsrats. In der Erwiderung dankte der Reichspostminister für die liebenswürdige Aufnahme und Begrüßung und knüpfte daran anerkennende Worte über die günstige Entwicklung des Post= und Telegraphenverkehrs in Württemberg. Er betonte weiter, daß die Reichsregierung im wohlwollenden Sinne einer gesunden Verkehrs= und Wirtschaftspolitik das lebhafteste Interesse an der Förderung der Verkehrsverhältnisse Württembergs habe, auch in Angelegenheiten, die durch den Poststaatsvertrag nicht besonders geregelt sind. Der Wiederaufbau wtb. Paris, 4. Juni.(Tel.) Der Minister für öffentliche Arbeiten, Tardieu, hat den Vorsitz bei einem Bankett geführt, das der Verband der Bauunternehmer gestern in Belfort als Abschluß seines Kongresses veranstaltete. Tardieu hat dabei auch eine Rede gehalten, in der er zunächst erklärte, in 1½ Jahren werde er seine Tätigkeit als Minister für das ehemalige Kampfgebiet niederlegen, da zu diesem Zeitpunkt der Wiederaufbau beendet sein werde. Frankreich habe nicht nur den materiellen Ruin des Krieges wiederaufgebaut, es habe sich das Budgetgleichgewicht wiederhergestellt, ja sogar verbessert. Wenn er je befürchten müßte, unvorsichtig genannt zu werden, oder wenn er die Besugnis hätte, sich auszusprechen, dann würde er sagen, die Währungsschlacht ist gewonnen. Sache der Regierung werde es sein, in kurzer Zeit durch Modalitäten, die die Regierung für die besten halte, dem Währungsprogramm die legale Lösung zu geben, die angebracht ist. Die neue Kammer, die noch ihren Weg suche, werde in naher Zukunft vor eine Realität gestellt, die stärker sei als Worte. Wenn der Gesetzgebungsabschnitt nicht die Lösung der großen Probleme in ihrer Gesamtheit mit sich bringt, dann wird diese Kammer basskrott machen und dann könne er hinsichtlich des Ergebnisses der neuen Wahlen im Jahre 1932 nur warnen. Man müsse von den Arbeitgebern bessere Produktions= methoden erzielen und man müßte die Arbeitnehmer daran erinnern, daß nur ein Parlament weder sozialistische noch kommunistische Vertreter habe, nämlich das der Vereinigten Staaten. Em Hnseruf von Aoone! Ein Hilferuf Nobiles? wtb Moskau, 4. Juni.(Funkspruch.) Ein Radio= amateur namens Schmidt in Wosnessensk im Gouvernement Nord=Dwinsk nahm auf der Welle 33 bis 35 Meter, welche der Wellenlänge der„Italia“ entspricht, folgenden Funkspruch auf: „Italia Nobile Franz=Josefsland S. O. S. S. O. S. S. O. S. S. O. S. gelandet.“ Das hiesige Nobile=Hilfskomitee ist der Ansicht, die Italia sei irgendwo auf dem Franz=Josefsland niedergegangen Hilferufe der Italia auch in Schweden aufgefangen? wotb. Stockholm, 5. Juni.(Funkspruch.) Spät in der Nacht zum Montag fing ein Radioamateur in Trelleborg auf ungefähr 900 Meter Wellenlänge folgenden Funkspruch auf:„Hallo, hallo, Italia Nobile SOS, ta commissione rome Kingsbay in visible Radio Bordo". Die Meldung wurde etwa fünfzig mal wiederholt, Aehnliche Signale wurden auch von anderen Radioamateuren aufgefangen. Ein russischer Funkspruch an die Italia. wtb Stockholm, 5. Juni.(Funkspruch.) Die Radio=Station in Hernösand hörte am Sonntag um 4,13 Uhr nachmittags einen kräftigen Kurzwellensender, der das Luftschiff Italia anrief und folgenden Funkspruch auf Französisch aussandte: „Wir häben die Nachricht bekommen, daß Sie auf Franz=Josefsland sind.“ Die Meldung wurde mehrmals wiederholt. Man nimmt an, daß es sich um eine russische Station haudelte Die Nachforschungen nach Robile. wib Kingsbay, 4. Juni.(Tel.) Der Dampfer „Braganza“ ist nach Verlegn Hook gefahren und hat Hauptmann Sora und drei Alpenjäger ausgeschifft, die die Halbinsel durchsuchen und in östlicher Richtung vordringen werden. Da das Eis in der Hinlopen=Straße geschmolzen ist, kann man nach Hindenburg empfängt die Puriehfuhrer. pw. Berlin, 4. Juni. Reichspräsident v. Hindenburg wird die amtlichen Besprechungen, die der Bildung der Reichsregierung vorauszugehen haben, Ende der Woche wieder aufnehmen. Er beabsichtigt, wie die Blätter melden, im Laufe des Samstags die Parteiführer zu empfangen, und zwar zunächst als Vertreter der stärksten Fraktion den sozialdemokratischen Abgeordneten Hermann Müller=Franken. Ihm werden dann in der Reihenfolge der Stärke ihrer Fraktionen die andern Parteiführer folgen. Diese Besprechungen des Reichspräsidenten mit den Parteiführern tragen zunächst nur informatorischen Charakter, da der Reichspräsident sich über die Auffassung der einzelnen Fraktionen zu unterrichten wünscht, ehe er Vombenanstistag auf Eschungtsonn. wtb. Tokio, 4. Juni.(Tel.) Wie offiziell berichtet wird, wurde auf Tschangtsolin ein Bombenattentat verübt, während er sich auf der Fahrt von Peking nach Mukden besand. Tschangtsolin erlitt leichte Verletzungen, während mehrere Herren seines Gefolges getötet oder verwundet wurden. Anschlag auf Marschall Tschangtsolin in Mulden. wtb. Paris, 4. Juni.(Tel.) Entgegen der Meldung, daß Tschangtsolin aus der Reise nach Mulden infolge der Sprengung einer Brücke leicht verletzt worden sei, meldet der Pekinger Korrespondent der Information, daß heute in Mulden ein Anschlag gegen den Marschall verübt wurde. Es sei in der Stadt eine Bombe gegen seinen Wagen geschleudert worden, wobei Tschangtsolin schwere Verletzungen erlitten haben soll. Zu dem Anschlag auf Tschangtsolin. wtb. Peking, 4. Juni.(Tel.) Zu dem Auschlag auf Tschangtsolin wird weiter gemeldet, daß zwei Bomben auf den Zug, in dem Tschangtsolin nach Mukden fuhr, geworfen wurden, als dieser gerade unter einer Brücke hindurchfuhr. Der Zug wurde beschädigt. In Mukden wurde eine Anzahl von Beamten verhaftet. Nach japanischen Meldungen sollen die Bomben im Ausland hergestellt worden sein. Wie aus Schanghai gemeldet wird, wurde durch die Explosion ein Eisenbahnwagen in die Luft gesprengt; vier weitere gerieten in Brand. Tschangtsolin erlitt leichte Verletzungen im Gesicht. Er stieg eilends in ein Automobil, um sich nach dem Hauptquartier zu begeben. Ein Nachspiel zum Attentat auf Tschangtsolin. wtb. London, 5. Juni.(Funkspruch.) Nach in Schanghai eingegangenen Meldungen aus japanischer Quelle ist es nach dem Bombenattentat noch zu einer Art Zwischenfall zwischen Tschangtsolins Leibwache und der japanischen Gendarmerie gekommen, der die Bewachung der Bahnstrecke obliegt. Tschangtsolins Leibwache eröffnete nach dem Attentat ein lebhaftes Feuer, das sich hauptsächlich gegen die japanische Gendarmerie richtete. Die Japaner antworteten und das Feuergesecht soll 40 Minuten gedauert haben. Ueber die Verluste ist noch nichts bekannt. 40 seine Entscheidung über die Berufung eines Polizikers zur Regierungsbildung trifft. Wie der Demokratische Zeitungsdienst berichtet, besteht in demoratkischen Kreisen die Auffassung, daß der Versuch einer Regierungsbildung im Reich auf Grund der Großen Koalition gemacht werden müsse, da die Weimarer Koalition ein absolut unücheres Gebilde sei. Der Zusammentritt des Preußischen=Eilniuge! vdz. Berlin, 4. Juni.(Tel.) Das Staatsministerium beabsichtigt, wie das Nachrichtenbüro des V9Z. hört, den preußischen Landtag zu Freitag Nachmittag 4 Uhr zusammenzuberufen. Ein endgültiger Entschluß liegt jedoch noch nicht vor. Es dürfte fraglich sein, ob die Innehaltung dieses Zeitpunktes möglich ist. Beim Landeswahlleiter stehen noch eine sehr große Zahl von Erklärungen der gewählten Abgeordneten aus, ob und wo (Kreis=, Landesliste) sie die Wahl annehmen. Nach den bestehenden Bestimmungen haben die Abgeordneten acht Tage für diese Erklärung Zeit. Es besteht die Absicht, das endgültige Ergebnis am kommenden Mittwoch im Reichsanzeiger zu verAm Dienstag sind die Fraktionsführer zu einer Besprechung zusammenberufen worden, in der vor allem die Frage der Verteilung der Plätze geregelt werden soll. Die Fraktionen werden unter der Voraussetzung, daß es bei der Eröffnung am 8. Juni bleibt, am Freitag bezw. schon am Donnerstag ihre Sitzungen abhalten. Die Standorte der Reichs. intleine! wtb Kiel, 4. Juni.(Tel.) Mit dem Flottentender„Hela“ sind, von Helgoland kommend, die Bevollmächtigten zum Reichsrat in Kiel eingetroffen, die, von Emden beginnend, die Standorte der Reichsmarine besichtigen. Vertreten sind Preußen durch Ministerial= direktor Dr. Brecht, Bayern durch Ministerialrat Freiherr von Imhoff, Württemberg durch Ministerialrat Dr. Wiedmann, Thüringen durch Ministerialrat Dr. Metzler, Hamburg durch den Refereuten Bauer. Die Kommission, die vom Leiter der Marinehaushaltsabteilung im Reichswehrministerium, Kapitän zur See Gadow, geführt wird, wird heute nachmittag im Automobil nach Eckernförde fahren, wo sie die dortigen Marineeinrichtungen besichtigen wird. Morgen wird sie sich auf dem Linienschiff„Hessen“ einschiffen und anschließend die Marineschule in Flensburg=Muerwik besuchen, von wo abends am 6. Juni die Rückseise nach Berlin erfolgt. Arbeit und Wirtschaft. Schiedsspruch im Zechenangestelltenverband. wp. Bochum, 4. Juni.(Tel.) Nach dem vergeblichen Versuch, eine Einigung zwischen dem Zechenverband und den Angestelltenverbänden zu erzielen, fällte der Schlichter einen Schiedsspruch über ein neues Mehrarbeitsabkommen und eine Gehaltserhöhung. Hinsichtlich des Mehrarbeitsabkommens sind vor allen Dingen in der Frage der Sonntagsarbeit nicht unwesentliche Verbesserungen zugunsten der Angestellten erkennbar. Die Gehälter sind um 7 Prozent erhöht worden. Diese Neureglung läuft bis zum 31. Mai 1929. Erklärungsfrist bis zum 11. Juni. Zwischenfall. wtb. Beuthen, 4. Juni.(Tel.) Wie die Oberschl. Volksstimme meldet, ritten am 30. Mai, abends, ein polnischer Zollkommissar und sein Bursche, sichtlich betrunken, am deutschen Zollamt auf der Tarnowitzer Chaussee über die Grenze und bogen in einen deutschen Waldweg nach den Schießständen im Stadtwald ein. Als ein diensttuender deutscher Grenzkommissar sie darauf aufmerksam machte, daß sie sich auf deutschem Gebiet befänden, schrie ihn der polnische Kommissar mit gröblichen Schimpfworten an und erklärte, er könne reiten, wo er wolle. Er ritt dann aber nach dem polnischen Zollamt zurück. Nach wenigen Minuten versuchte er wieder, die Grenze zu überschreiten, wurde aber durch einen anderen polnischen Beamten daran gehindert. Er provozierte die deutsche Grenzwache und galoppierte erst, als ein bewaffneter deutscher Beamter erschien, zurück. Ein neuer Nachriastendiennt durch Zunspraust wtb. Newyork, 4. Juni.(Tel.) Der Newyorker Verleger George Putnau gab gestern abend bekannt, daß das dreimotorige Fokkerflugzeug, auf welchem der Flieger Wilmer Stultz heute von Boston nach Halifax geflogen ist, den Flug von dort aus über Trepassy in Neufundland nach London fortsetzen wird. Ein Frl. Amelia Earheart aus Boston nimmt als Hilfspilotin an dem Flug teil und wird abwechselnd mit Stultz die Führung des Flugzeuges übernehmen. Das Flugzeug„Friendschip“ in Trepassey. wtb. St. Johns(Neufundland), 5. Juni.(Funkspruch.) Das Flugzeug Friendschip, das in Trepassey gelandet ist, hatte auf der Fahrt von Halifax ausgezeichnetes Wetter und legte durchschnittlich in der Stunde 150 Meilen zurück. Der Flieger und seine Begleiterin hoffen am Dienstag nach Europa starten zu können. Es ist noch zweiselhaft, ob es gelingen wird, den Apparat mit den nötigen Brennstoffvorräten zu versehen. Ein ungewöhnlicher Fall Der demn Reichsgerinst. wtb Leipzig, 4. Juni.(Tel.) Der ungewöhnliche Fall, daß ein wegen schweren Verbrechens Angeklagter auf Grund des§ 54 des Strafgesetzbuches freigesprochen wurde, beschäftigte heute das Reichsgericht als Revisionsinstanz. Der Vater des Angeklagten, der Handlungsgehilfe Matthias aus Paderborn, bewohnte zwei kleine Häuser, die er aus Not verkaufen wollte. Infolge des Einspruchs einer bei ihm wohnenden Tante erhielt er aber nicht die behördliche Genehmigung. Aus Verzweiflung darüber machte der ältere Matthias wiederholt Selbstmordversuche. Um seinen Vater am Leben zu erhalten, legte der jüngere Matthias im Mai 1927 Feuer an das Haus, in dem die Tante wohnte. Das Schwurgericht kam zur Freisprechung des Angeklagten, da er im Notstand gehandelt habe und ihm der§ 54 zur Seite stehe. Gegen das Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Das Reichsgericht hob heute das Urteil auf und wies die Sache zur erneuten Verhandlung an das Schwurgericht zurück, da die Drohung des Vaters mit Selbstmord noch keine Veranlassung sei, ein so schweres Verbrechen zu begehen, und§ 54 zu Unrecht angewandt worden sei. Wiederaufnahmeverfahren in einem Gultenniererrozrs. pw. Berlin, 4. Juni.(Tel.) In Bremen an der Rhön begannen heute die Verhandlungen im Wiederaufnahmeverfahren gegen den im März 1924 wegen Gattenmordes zum Tode verurteilten Maurer Leister, der zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden war. Bei Beginn der Verhandlung lehnten die Verteidiger Amtsgerichtsrat Schein, der bei dem Todesurteil gegen Leister mitgewirkt hatte, ab. Die Entscheidung über das Ablehnungsgesuch wurde von den beiden andern richterlichen Mitgliedern des Schwurgerichts unter Zuziehung eines Ersatzrichters gefällt. Dieser Gerichtshof erklärte das Ablehnungsgesuch für begründet, da es nur darauf ankäme, ob vom Standpunkt des Angeklagten aus vernünftige Gründe vorlägen, die die Besorgnis der Befangenheit rechtfertigten. Als solche Der geisteskranke Hauptbelastungszeuge. pw. Berlin, 5. Juni.(Funkspruch.) Die ursprünglich auf heute vor dem Schwurgericht in Brandenburg angesetzte Verhandlung gegen den 20jährigen Raubmörder Willi Schmidt, der am 12. Dezember 1927 den Brauereibesitzer Freidank in Brandenburg gemeinsam mit seinem Vetter Erich Schmidt ermordet hat, ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden, da Erich Schmidt, der Hauptbelastungszeuge, geisteskrank geworden ist. Der rasende Autobus. pw. Berlin, 5. Juni.(Funkspruch.) Ein aufregender Vorfall, der um Haaresbreite zu einer Katastrophe hätte werden können, spielte sich gestern abend gegen 9 Uhr in der Potsdamer Straße ab. Dort war bei einem in voller Fahrt befindlichen Autobus die Bremsvorrichtung beschädigt worden, so daß der Wagen nicht zum Halten gebracht werden konnt:. Der Führer des Wagens mußte notgedrungen in schnellem Tempo durch die verkehrsreiche Straße fahren und den stark besetzten Wagen zwischen zahlreichen anderen Wagen hindurch lenken, bis es ihm gelang, den Autobus zum Stehen zu bringen. Zahlreiche Fahrgäste sprangen von dem Wagen ab. Fast alle trugen leichtere Beschädigungen davon. Einer Frau Auguste Schneider aus sich infolge des starken Windes ungemein schnen und setzte in kurzer Zeit vier weitere Besitzungen in Brand. Sämtliche Besitzungen sind trotz des Eingreifens der Feuerwehr vollständig niedergebrannt. Zugzusammenstoß bei Grodno. wtb. Warschau, 5. Juni.(Funkspruch.) Montag vormittag stieß bei Grodno infolge falscher Weichenstellung ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen. 22 Personen wurden verletzt, darunter zwei schwer. Mehrere Wagen wurden zertrümmert. Ein Lastauto vom Schnellzug erfaßt. wtb. Prag, 5. Juni.(Funkspruch.) Nach einer Mitteilung der Staatsbahndirektion Pilsen hat der internationale Schnellzug Linz—Prag am Montag früh bei Diendendorf(Bezirk Budweis) ein mit Marktfahrern vollbesetztes Lastautomobil beim Ueberqueren der Bahnüberführung erfaßt. Dabei wurden drei Personen getötet und eine Person leicht verletzt. Der Kraftwagen wurde zertrümmert. Wie die Blätter hierzu melden, wurde der diensthabende Bahnwärter verhaftet, der den Unfall dadurch herbeigeführt haben soll, daß er die Bahnschranke trotz des Herannahens des Zuges für das Durchfahren des Automobils noch einmal geöffnet hatte. vorrichtung festzustellen. Einzig der Geistesgegenwart des Führers ist es zu danken, daß die tolle Fahrt noch so glimpflich abgelaufen ist. Die Strecke, die der Autobus ohne Bremsen zurücklegte, beträgt 800 Meter.. 94 Fabrikbano vurch Blitzschlag. wtb. Nürnberg, 5. Juni.(Funkspruch.) Während des Gewitters, das am Montag gegen 6 Uhr nachmittags über die Stadt hinwegzog, schlug der Blitz in die Zelluloidwarenfabrik Gebr. Wolff GmbH. und zündete. Der Dachstuhl des einstöckigen Arbeitsgebäudes fiel dem Feuer zum Opfer. Auch die darunter liegenden Räume sind vollständig ausgebrannt. Großseuer. wtb. Neurode(Schlesien), 5. Juni(Funkspruch.) Montag mittag brach in der Besitzung des Stellenbesitzers Fritz Dreutler aus bisher noch nicht bekannter Ursache Feuer aus. Das Feuer verbreitete denen die katholischen Studenten in den letzten Wochen ausgesetzt waren. Der Papst gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß diese Feindseligkeiten allein darin ihren Grund haben, daß die jungen Studenten ihre katholische Lebensauffassung offen bekennen. Der Flug der„Southern Groß“. wtb. Suva(Fidschi=Inseln), 5. Juni(Funksp.) Die hiesige Funkstation hat einen Funkspruch des Flugzeuges„Southern Groß“ aufgefangen, der allerdings sehr schwach und nicht völlig verständlich ist. Soviel sich daraus entnehmen läßt, sind die Flieger auf eine geringere Höhe herabgegangen. Die Fidschi=Inseln gesichtet. wtb Newyork, 5. Juni.(Funkspruch.) Nach hier eingetroffenen Meldungen hat das Flugzeug „Southern Croß“ die Fidschi=Inseln gesichtet. Volzei und Von, Ponzel und Presse. wtb Köln, 4. Juni.(Tel.) Die 7. preußische Polizeiwoche, die im Rahmen der Pressa von der Freien Vereinigung für Polizei= und Kriminalwissenschaft in Verbindung mit dem vreußischen Enenschaft in Belomeung mir dem pleupischen Ministerium des Innern und dem Polizeiinstitut in Berlin zurzeit(4. bis 9. Juni) hier veranstaltet wird, wurde heute durch eine Ansprache des preuß. Ministers des Innern, Grzesinski, eröffnet. Zu der Tagung, in der in einer Vortragsreihe von hervorragenden Persönlichkeiten des Kriminal= und Polizeidienstes die damit zusammenhängenden wichrigen schwebenden Fragen eingehend behandelt werden, sind zahlreiche namhafte Vertreter des Polizei= und Kriminaldienstes und anderer beteiligter Behörden aus dem ganzen Reich erschienen. In seiner Eröffnungsansprache führte Minister Grzesinski u. a. aus: Die Einrichtung der Polizeiwochen ist für die preußische Polizei ehrend, denn sie sind von der Beamtenschaft selbst geschaffen worden aus der Erkenntnis, daß eine moderne Polizei im heutigen Staate sortgesetzt an sich selbst arbeiten müsse, wenn sie den an sie herantretenden Anforderungen genügen wolle. Die Polizei ist verknüpft mit Wirtschaft und Technik, mit jeder Erscheinungsform des öffentlichen Lebens. Und so wie diese dauerndem Wandel unterworfen sind, so muß sich die Polizei ebenfalls ständig bemühen, mit allen Fortschritten und Aenderungen auf diesen Gebieten Schritt zu halten, wenn sie ihre ungeheuer vielseitigen Aufgaben wirklich erfüllen will.— In die Polizei des heutigen preußtschen Staates darf nie Einzug halten der Geist der Ueberheblichkeit, der nur zu oft geneigt ist, im Publikum nur Untergebene zu sehen, sich selbst als Vorgesetzte zu betrachten. Es ist mir eine Freude, festzustellen, daß in der Einstellung der Polizei zum Volk und umgekehrt das gegenseitige Vertrauen immer mehr zum Ausdruck kommt. Einen großen Teil seiner Ausführungen widmete der Minister dann dem Verhältnis der Polizei zur Presse. Polizel und Presse im demoratischen Volksstaat gehören aufs engste zusammen. Nur wenn sie sich unterstützen bei ihrer Arbeit, wird das Wohl der Allgemeinheit gewahrt bleiben. Im bemokratischen Staat erfüllt die Presse gegenüber der öffentlichen Meinung eine im höheren Sinne polizeiliche Aufgabe. Alles Streben der Polizei nach Vertrauen der Bevölkerung, alle ehrliche und nachdrückliche Arbeit der Polizei an sich selbst hätte nichts fruchten können, wenn nicht die Presse bereitwillig in erster Linie daran mitgearbeitet hätte, ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung herzustellen. Die Polizei ist sich der Bedeutung und der Macht der Presse wohl bewußt, sie hat diese oft genug auch am eigenen Leibe gespürt. Aber gerade deshalb wird und muß es das Bestreben der Polizei sein, mit der Presse stets innige Fühlung zu halten, mit ihr zusammenzuarbeiten, sich ihrer Unterstützung und Hilfe zu bedienen. Der Minister faßte seine Ausführungen zusammen in dem Wunsche, daß die 7. preuß'sche Polizeiwoche in Köln und ihre Arbeit dazu beitragen möge, das innige Verhältnis zwischen Presse und Polizei noch enger zu knüpfen. An Stelle des erkrankten Oberbürgermeisters Dr. Adenauer überbrachte Beigeordneter Dr. Billstein die Wünsche der Stadt Köln für das Gelingen der Polizeiwoche. Den ersten Vortrag hielt sodann Ministecial= direktor Dr. Klausener, der Leiter der Polizeiabteilung im preußischen Innenministerium, öber „Polizeiliche Tagesfragen“. Er behaudelte dabei besonders die Unterbringung ausscheldender Polizeibeamter und die Diszipliuar= strafen und ging sodann auf die Bestrebungen des Innenministeriums ein, den Polizeidienst immer weiter zu technisieren, um damit die Möglichkeit eines größeren Rutzeffektes bei geringeren Kosten zu erzielen. Zur Unisormierungsfrage gab Dr. Klausener bekannt, daß in der nächsten Zeit eine einheitliche Wasse für die gesamte Polizei zur Einführung komme, und zwar ein Mittelding zwischen Seitengewehr und Hirschfänger.— Zur Frage der Einstellung der Polizeibeamtenschaft zur Politik wies der Redner die erhobenen Anwürfe aufs entschiedenste zurück. Die Polizei war und werde inimer sein die feste Stütze des neuen Staates, der Republik. vernünftigen Gründe erkannte der Gerichtshof die von der Verteidigung angeführten Vorgänge an. Amtsgerichtsrat Schein schied darauf aus dem Schwurgericht aus und wurde durch den ErsatzVon dem Mord selbst gibt Leister die gleiche Darstellung wie früher. Nach seiner Aussage liege ein Raubmord vor, bei dem 8000 Papiermark geraubt worden seien. Die Vernehmung wird zurzeit fortgesetzt; im Anschluß an sie soll eine Besichtigung durch das Schwurgericht stattfinden. Aus Nah und Fern. Elberfelder Viehmarkt. * Elberseld, 5. Juni. Auf dem heutigen Viehmarkt betrug der Auftrieb: 667 Stück Großvieh, davon 251 Ochsen, 58 Bullen, 270 Kühe, 37 Fresser, 51 Färsen; ferner 470 Kälber, 2 Schafe, 2809 Schweine.— Die Preise: Ochsen 62—64,—, 56—60,—, 48—54,—; Bullen 54—56 58—52, 44—46,—; Kühe 54—56, 46—52, 34—40, 20—30; Färsen 62—64, 56—60, 48—52; Fresser 42—48: Kälber—, 80—85 65—75, 50—60; Schaft—. Schweine 72—75, 76—78, 76—78, 74—76, 70—72, 65—10; Sauen 65—70.— Marktverlaus: Großvieh langsam, Kälber mittel, Schweine mittel, später abflauend. Doppelselbstmord. wp. Köln, 4. Juni.(Tel.) Heute morgen fand auf einem Grundstück vor dem Westfriedhof ein Arbeiter einen etwa 25jährigen jungen Mann mit einem Holzbein sowie eine etwa gleichaltrige weibliche Person tot vor. Beide hatten Revolverschüsse in den Schläfen. Die beiden Toten stammen aus Köln=Ehrenfeld. Vermutlich liegt Doppelselbstmord vor. Der Grund zur Tat ist noch unbekannt. Eine Ruhrstadt von Duisburg bis Dortmund? wp. Essen, 4. Juni.(Tel.) Eine Konferenz der Gemeindevertreter der sozialdemokratischen Partei aus Essen=Stadt und=Land beschäftigte sich ausschließlich mit der Frage der Eingemeindung des Landkreises nach der Stadt Essen. Der Führer der Essener sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion, Steinbüchel, erklärte die Bildung einer Ruhrprovinz für abwegig, die zweckmäßigste Lösung der ganzen Frage der Verwaltungsreform im Ruhrgebiet sei die Bildung einer Ruhrstadt von Duisburg bis Dortmund nach dem Muster von Groß=Berkin. Die im Industriegebiet zu bildenden Großstädte würden die Bezirksgemeinden der einheitlichen Großstadt werden, die einen Umfang von 210000 Hektar und eine Einwohnerzahl von 3,2 Millionen Menschen haben würde. Der Hauptgesichtspunkt sei nur der, daß über das ganze Gebiet diese 10 bis 12 Städte in ungefähr gleicher Größe gebildet würden. Redner ist auch der Ansicht, daß sich die Mittelstädte im Industriegebiet überlebt hätten; sie könnten die großen Anforderungen kultureller, wirtschaftlicher und sozialer Art, die hier im Industriegebiet an eine Kommune gestellt werden, nicht erfüllen. In der Aussprache ergab sich die einheitliche Zustimmung für den Steinbüchelschen Plan. Sachelscher. Plan. Beim Brand des eigenen Anwesens umgekommen. wib Stade, 4. Juni.(Tel.) In Steinau(Kreis Hadeln) brannte gestern nachmittag Wohnhaus und Scheune des Stellenbesitzers Dieckmann nieder. Dieckmann ist in den Flammen umgekommen. Ein Elbe=Frachtschiff infolge Explosion gesunten. wotb. Schwerin, 4. Juni.(Tel.) Aus einem Motorschiff der hiesigen Großhandelsfirma Franz Wulff explodierte gestern während der Fahrt auf der kanalisierten Elbe der Luftdruckkompressor eines Dieselmotors. Durch die Gewalt der Explosion lösten sich die Nieten der Schiffswände, und das eindringende Wasser brachte das mit Kolonialwaren beladene Schiff zum Sinken. Ein erheblicher Teil der etwa 6000 Zentner umfassenden Ladung ist durch das Wasser verdorben. Gesangenenausbruch. wib. Schwabach, 4. Juni.(Tel.) Als gestern der stellvertretende Gerichtswart Lex den Gefangenen das Abendessen reichen wollte, wurde er von einem 26jährigen Untersuchungsgefangenen und einem 2jährigen Strafgefangenen zu Boden geworsen und schwer mißhandelt. Die Meuterer entrissen ihm den Schlüsselbund, öffneten die Zellentür und flüchteten aus dem Gefängnis. Der schwerverletzte Beamte wurde von dem später heimkehrenden Oberwachtmeister in der Zelle eingeschlossen aufgesunden und mußte in das Krankenhaus gebracht werden. Von den beiden Entwichenen fehlt bis jetzt jed Spur. Zwei Münchener Touristen tödlich abgestürzt. wtb. München, 4. Juni.(Tel.) Wie der. Bergwacht aus Hinterbärenbad gemeldet wird, stürzten im Kaisergebirge die beiden Münchener Touristen Julius Marschall und Georg Raffler tödlich ab. Die Leichen der beiden Verunglückten wurden nach Hinterbärenbad gebracht. Flugzeug abgestürzt.— Zwei Tote. wtb. Böblingen, 4. Juni.(Tel.) Auf dem hiesigen Flugplatz stürzte ein Flugzeug mit Fluglehrer Strecker als Führer und einem Fluggast ohne erkennbare Ursache ab. Beide Insassen waren so fort tot. Wilkins und Eielson in Amsterdam eingetroffen. wtb. Amsterdam, 4. Juni.(Tel.) Die Polarflieger Wilkins und Eielson trafen heute nachmittag, von Berlin kommend, kurz nach 3 Uhr auf dem hiesigen Flugplatz ein. Zahkreiche Vertreter von Behörden usw. waren zur Begrüßung erschienen, darunter auch ein Vertreter des Geographischen Institutes. Mißglückter Langstreckenflug. wtb. Paris, 4. Juni.(Tel.) Die Flieger Arachat und Rignot, die am gestrigen Sonntag gestartet waren, um den Langstreckenrekord zu brechen, sind bereits gestern abend 10 Uhr wegen des schlechten Wetters auf dem Flugplatz Konstantinopel gelandet. Schweres Unglück durch Erdrutsch im Steinbruch. wtb. Paris, 4. Juni.(Tel.) Nach einer im Petit Journal veröffentlichten Meldung aus Cette ist gestern in den Steinbrüchen von Balarucles=Bains ein Erdrutsch erfolgt. Nach den ersten Nachrichten sollen eine Person getötet und vier verletzt worden sein. Erst die Aufräumungsarbeiten werden es ermöglichen, festzustellen, ob noch weitere Opfer zu beklagen sein werden. Der„Eiserne Gustav“ in Halrt“ wtb. Paris, 5. Juni.(Funkspruch.) Der Berlinet Droschkenkutscher Gustav Hartmann, der am 2. April mit seiner Pferdedroschke die Fahrt von Berlin nach Paris angetreten hat, als Krönung seiner 45jährigen Berufslaufbahn, ist am Montag nachmittag 4 Uhr in die französische Hauptstadt eingezogen. Seine Ankunft war von lebhaften Sympathiekundgebungen begleitet, bei denen auch Hochrufe auf Deutschland laut wurden. Die reich mit Blumen geschmückte Droschke, in der der Berliner Journalist Theobald die Fahrt mitgemacht hatte, wurde auf ihrem Wege durch die Boulevards von einer zahlreichen spalierbildenden Menge stürmisch begrüßt. Für Gustav Hartmann sind in Paris eine Reihe von Ehrungen durch verschiedene Organisationen und Unternehmungen geplant..6mc Ol. Anleu. wotb. Paris, 5. Juni.(Funrspruch.) Die Anrunst des Kutschers Gustav Hartmann hat bei der Pariser Bevölkerung das lebhafteste Interesse ausgelöst und sich zu einem wahren Triumphzug durch die innere Stadt gestaltet. Der Platz vor der Oper die Stufen der Madeleine und die Fenster und Balkone der benachbarten Häuser waren von Neugierigen überfüllt. Laute Bravorufe und Händeklatschen begrüßten den alten Kutscher, der mit seiner in den französischen Farben dekorierten Peitsche nach allen Seiten hin unaufhörlich dankte. Nach Schluß der Läden und Büros um 6 Uhr abends schwoll die Menge derart an, daß die Absperrungen durchbrochen wurden und das Gefährt, dem sich eine Abordnung alter Pariser Kutscher sowie Studenten angeschlossen hatten, nur mit Mühe zur Rue Royale gelangen konnte, wo die Zeitung Paris Midi einen ersten Empfang des Kutschers Hartmann anstoltete. Vem greßen nerheuppen Sonnengold und Himmelsblau war den vergandenen Festtagen beschieden— ein Wetter, wie man es besser nicht hätte wünschen können. Ganz Schwerte stand im Zeichen der Zusammenkunft von Angehörigen des 15., 16. und 21. Armeekorps. Aus den Fenstern, von den Dächern und hohen Masten wehten Fahnen, Wimpel und Fähnchen. Aufgestelltes Grün gab den Straßen ein frisches Aussehen, und die Sonne überhauchte alles mit ihrem Zauberspiel von millionen funkelnder Sonnenkörner. Gleich der Empfang des Generalmajors a. D. Buchholz Samstag nachmittag am Rathaus durch die hiesige„Westwacht" bestaltete sich sehr eindrucksvoll. Nach einem kurzen Amzuge durch die Hauptstraßen der Stadt zum Vereinsheim Klempt, konzertierte die hiesige Kapelle Köppikus am Postplatz. Hatten sich hier schon zahlreiche Zuschauer eingefunden, so wurden die Straßen in den Abendstunden immer belebter. Ganz Schwerte war bald auf den Beinen. Ein glänzender Auftakt des Festes war der Festzug der hiesigen militärischen Vereine am Samstag Abend. Eine vielhundertköpfige Menschenmenge bildete in den Straßen Spalier. Zwei Musikkapellen und das Trommler= und Pfeiferkorps Fuchs im Festzuge ließen frohe Marschweisen erklingen. Am Kriegerdenkmal fand eine schlichte, aber erhebende Ehrung für die Gefallenen statt. Der MGV.„Sängerbund“ sang mit großem Ausdruck„Der getreue Kamerad“, von Attenhofer. Dann gedachte Bürgermeister a. D. Rohrmann in ergreifenden Worten der gefallenen Kameraden. Er erinnerte an jene Zeit, wo Millionen zu den Fahnen eilten, um das Vaterland zu schützen. Unsterblichen Ruhm haben sich jene Helden erworben. Vier Jahre standen sie im Kampf gegen 27 Völker. Und doch mußten wir der Uebermacht weichen. Zwei Millionen sollten nicht wieder in die Heimat zurückkehren. Unsere Gedanken weilen heute in der Ferne, wo so viel Hoffnung begraben liegt. Auch die Stadt Schwerte muß den Tod von 338 ihrer Söhne beklagen. Wir trauern, aber werden nicht kleinmütig. Denken wir an die Pflichten, an die uns die gefalle nen Kameraden mahnen. Pflegen wir ihre Gräber, vor allem die in fremdem Land, helfen wir nach bestem Können den Hinterbliebenen und treten wir mannhaft für die hehren Ziele zum Wiederaufbau des Vaterlandes ein. Eins ist uns geblieben: der Glaube an die Kraft unseres Volkes. Ein Land, das soviel geleistet hat, kann nicht untergehen. Der Ansang zum Wiederaufstieg ist gemacht. Möge Deutschland weiter emporsteigen und neues Leben aus den Gräbern erblühen. Das walte Gott! Generalmajor a. D. Buchholz legte am Kriegerdentmal für die Gefallenen einen Kranz mit den Worten nieder:„Treue ist das Mark der Erde. Ohne Erde kein Vaterland.“ Entblößten Hauptes sang die Versammlung das Lied vom treuen Kameraden. Die Nacht senkte ihre dunklen Schleier hernieder und während beim Fackelschein die Kapelle Kövpikus und das Trommler= und Pfeiferkorps Fuchs mit großem Schneid den Zapfenstreich spielten, leuchteten bei der Drogerie Mehlhose bengalische Flammen auf und zischten Raketen in die Nacht. Unter den Klängen der Kavellen marschierte der Zug zum Festlokale„Freischütz". Herr Straetmanns hatte dem Saal ein geschmackvolles Festgewand gegeben, das gleich eine frohe Stimmung aufkommen ließ. Der Kommers war getragen vom Geist echter Kameradschaft. Fräulein Wolf trug mit großem Ausdruck nachstehenden Prolog vor: Willkommen heiß ich Euch verehrte Gäste! Willkommen, Kameraden, alt und jung, Die hier vereint mit uns zum Bundesfeste In gleicher Freude und Begeisterung! Nicht brauch ich heute wohl Euch noch zu mahnen An jene Tage, wo in heißem Streit Ward bühn, im Geiste ruhmgekrönter Ahnen, Erkämpft der Anfang einer neuen Zeit, Der Zeit, die über Hoffen und Erwarten Die heißen Wünsche endlich uns gewährt Und ruhmreich ausgewetzt so manche Scharten Durch„Blut und Eisen“, die sich hier bewährt. Wohl damals in den sorgenschweren Tagen Gerungen ward, gelitten oft und viel, Doch Deutsche nie erfaßt ein banges Zagen, Und siegesfreudig dringen sie ans Ziel!— Da schritten sie auf blutgetränkten Bahnen Von Schleswig=Holstein bis zum Böhmerland Und trugen ruhmesreich die deutschen Fahnen Gleich ihren Vätern bis zum Seinestrand! Von Süd und Nord, vom Osten bis zum Westen Ertönte warm empfundener Freude Schall Und drang aus Hütten, Häusern und Palästen Und fand ein jubelnd Echo überall! Das Deutsche Reich war wieder auferstanden, Und nun soll es bestehn für alle Zeit! Der Feinde Tücke werde stets zuschanden Und löse nimmer Deutschlands Einigkeit! Dazu reicht Euch die Hände, Festgenossen, Und trachtet auch in unserem Verein, Daß fester noch die Eintracht sei geschlossen Zu unserer aller Wohlfahrt und Gedeihn! Was herrlich uns durch Gottes Huld gelungen, Mit unvergessenen Opfern und Gefahr, Das sei geschirmet stets von Alten und von Jungen Mit ganzer Kraft, aufrichtig, treu und wahr! Und will uns Mißtraun, List und Bopheit spalten: Denkt der gefallnen Brüder unterm Sand Und labt die beibe Liebe nie erkalten In unserem lieben deutschen Vaterland! Und mit dem Ruf, der uns schon oft erfreute, Mit dem der Krieger kühn zum Kampfe 300, Sei unser Korvsappell begonnen heute: Das Vaterland und Deutschlands Ehre docht Der Bundesvorsitzende, Oberleutnant Theloe, dieß im Namen des Häseler=Bundes die Schwerter Bevölkerung, die Ehrengäste und die Vertreter der Stadt herzlich willkommen. Leider sei Sr. Exz. Generak der Infanterie v. Mudra, durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Großen Dank müsse er dem Ortsverein für die grobe Mühe zollen, die derselbe um das Zustandekommen des Korpsappells ausgewandt habe. Besonders danke er dem 1. Vorsitzenden, Herrn Kemper, der nun zum zweiten Male einen Korpsappell leite. Pastor Blomberg übermittelte die Grüße der einzelnen Verbände und zeichnete mit begeisterten Worten die hohen Ziele der Kriegervereine. Im Anschluß an seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen nahm er einige Auszeichnungen vor. Vom Landesverband erhielten Auszeichnungen die Kameraden: Henter, Paul, Zimmermann, Hitzegrad, Wächter und Scherff. Das Ehrenkreuz 1. Klasse wurde folgenden Kameraden überreicht: Kemper, Aug. Wolf, W. Scherff und Bedué. — Lehrer Alihof hieß die Erschienenen im Namen des Ortsverbandes der militärischen Vereine herzlichst willkommen. Auch die Ansprachen des Bürgermeisters Schlegtendal und des Generalmajors Buchfink fanden bei den Versammelten stürmischen Beifall. Eine angenehme Abwechslung des Programms bildeten die Gesangvorträge des MGV.„Sängerbund“ und die turnerischen Darbietungen der Schwerter Turnerschaft. Bei gemeinschaftlichen Liedern und bei frohen Weisen der Kapellen verlebte man noch einige schöne Stunden. Die tanzlustige Jugend kam im Festzelt zu ihrem Recht. Der Hauptfesttag am vorgestrigen Sonntag wurde eingeleitet durch ein „Wecken“. Schon früh war es in den Straßen der Stadt lebendig. Gegen 8½ Uhr traten die Kameraden zum Feldgottesdienst auf dem Marktplatz an. Auf dem alten Friedhof fand dann eine Gedächtnisfeier für die gefallenen Kameraden statt. Nach dem gemeinschaftlich gesungenen Liede„Wir treten zum Beten...“ gedachten in ergreifenden, von heiliger Vaterlandsliebe durchglühten Worten Pastor Blomberg und Vikar Schleev der gefallenen Helden. Eine besonders stimmungsvolle Note erhielt die Feier durch den Gesang„Ueber den Sternen“ des Ruhrtaler Männergesangvereins. Generalmajor Buchholz nahm sodann die Einweihung der Gedenktafel vor, die fortan im Vereinsheim Klempt ihren Platz hat. Mit dem gemeinschaftlichen Liede:„Ich hatt“ einen Kameraden fand die schlichte, eindrucksvolle Feier ihr Ende. In den festlist geschmückten Straßen der Stadt sah man ein buntbewegtes Bild. Immer größer wurde die Zahl der teils zu Fuß, mit der Eisenbahn und im Lastkraftwagen eintreffenden auswärtigen Vereine. Nachdem man den Ehrengästen durch die Kavellen ein Ständchen dargebracht hatte, begann auf dem Schießstand das Preisschießen. Heiß wurde um den Pokal gekämpft und ein Kamerad vom 16. A.=K. aus Gladbeck konnte als 1. Sieger aus dem Preisschießen hervorgehen. Einen Glanzpunkt des Festes bildete der Festzug am Sonntag Nachmittag. Unter der Leitung des Kameraden Graumann zog die Fahnenkomnagnie vom Hotel„Westfälischer Hof“, geschlossen zum Schützenhof, woselbst sich alle Vereine einfanden und zur Parade aufstellten. Generalmajor a. D. Buchholz schritt die Front ab und gab in markigen Worten seiner Anerkennung über die gute Verfassung der einzelnen Vereine Ausdruck. Derselbe Geist von 1910 herrsche auch heute noch unter ihnen. Dann marschierte man in geschlossenem Zuge zum Freischütz. Es war ein buntbewegtes Bild, das man zu sehen bekam: zirka 4000 Kameraden, 61 Vereine mit Fahnen und 24 Vereine ohne Fahnen. Eröffnet wurde der Zug durch den hiesigen Kavallerieverein zu Pferde. Besonders trat die Garde, die ihre Fahnendeputation in der Uniform des 1. Garderegiments antreten ließ, hervor. Ein frischfrohes Bild bot ebenfalls die Jugendabteilung des Marine=Vereins Avlerbeck. Am Rathaus erfolgte an Generalmajor a. D. Buchholz und den übrigen Offizieren der Vorbeimarsch, der bei allen Zuschauern begeisterten Beifall auslöste. Im Freischütz wickelte sich dann ein froh=bewegtes Leben ab. Das Festzelt, der geräumige Saal und der Garten konnten kaum die Massen fassen. Die Kapellen, wobei auch jetzt die Militärkapelle des 2. Batl. Inf.=Regts. 18 aus Paderborn war, sorgten für die nötige Unterhaltung. Manche Freundschaft, welche im Felde geschlossen war, wurde wieder erneuert. Gegen 6 Uhr erfolgte die Preisverteilung durch Generalmajor a. D. Buchholz. Die Stunden eilten nur zu schnell dahin. Und jedesmal, wenn ein Verein abrückte, bebleitete ihn Musikmeister Plaschke mit mit der altvertrauten Weise„Muß i denn...“ Im Festzelt wurde unaufhörlich das Tanzbein geschwungen. An den Schänken aber wurde unermüdlich die„eiserne Nation“ in Empfang genommen. So neigte sich bald der Hauptfesttag seinem Ende zu. Alle Teilnehmer verließen den Freischütz in dem Bewußtsein, eine selten schöne Feier verledt zu haben. Am gestrigen Montag wurde morgens eine Besichtigungsfahrt zum Hengstey=Stausee unternommen. Diese monumentale Anlage löste bei allen Teilnehmern höchste Bewunderung aus. Anschließend versammelte man sich beim Ehrenmitgliede Klempt zum Frühschoppen. Eine besonders bumorvolle Note gab dem frohen Beisammensein Kamerad Peters aus Essen. Musikmeister Plaschke konvertierte mit seinen Getreuen und unterhielt die Göste aufs andenehmste. Der grstoiee Nachmittas und Abend versammelte noch einmal die Kameraden mit ibren Angedörigen des hiesigen Ortsverbandes. Auch die Kleinen kamen durch alterlei Belustigungen voll und ganz auf ihre Kosten. Musikmeister Plaschke eroberte sich bald die Herzen besonders der Tanzenden(und wer tanzte nicht?). Die Schwerter Turnerschaft trat wieder mit einigen Glanzleistungen hervor, wofür wir ihr höchstes Lob spenden müssen. Generalmajor a. D. Buchholz, welcher auch der gestrigen Feier mit seinem Adjutanten, Oberleutnant Behrenberg, beiwohnte, äußerte sich in glänzenden Worten über den Verlauf des Korpsappells und spricht der Schwerter Bevölkerung für den glänzenden Empfang seinen herzlichsten Dank aus. Um das Zustandekommen des Apvells haben sich besonders verdient gemacht die Herren: Kemper, Hagemann, Wolf, Elleringmann, Henter, Scherff, König und Graumann. So hat der Korpsappell eindeutig bewiesen, daß sie alle, die Kameraden des 15., 16. und 21. Armeekorps, das enge Band treuer Kameradschaft umschlingt. Allen aber wird der Korpsappell in Schwerte noch lange Zeit in bester Erinnerung bleiben. Aus Stabt und Sonderzüge nach der Pressa Um den Besuchern der großen Presseausstellung in Köln die Hin= und Rückfahrt nach Köln zu erleichtern, wird die Reichsbahndirektion Elberfeld von Zeit zu Zeit Verwaltungssonderzüge aus den verschiedensten Richtungen und an rechtzeitig vorher bekanntzugebenden Tagen nach Köln verkehren zu lassen. Neben einer Ermäßigung der Fahrpreise von 33½ Prozent werden für die Benutzer der Sonderzüge auch die Eintrittsvreise für die Ausstellung auf 1.— Mk. ermäßigt. Die ersten Sonderzüge nach Köln werden am Mittwoch, dem 6. Juni, von Hagen über Elberfeld bezw. von Lennev über Ohligs und von Duisburg=Calcum über Düsseldorf gefahren. Diese Züge führen die 2. bis 4. Wagenklasse. Ein weiterer Zug verkehrt am Sonntag, den 19. Juni, von Laasphe—Erndtebrück—Kreuztal bezw. von Fredeburg—Kreuztal nach Köln. Dieser Zug führt nur die 4. Wagenklasse. Der Fahrplan für die vorgenannten Züge ist folgender: Hagen—Elberfeld—Köln=Deutz. : Eisenbahn=Frauenverein. Den Wünschen der Westhojener Mitglieder entsprechend, hat sich der Vorstand des Eisenbahn=Frauenvereins Schwerte (Ruhr) entschlossen, die Mitgliederversammlung in diesem Monat in Westhofen stattfinden zu lassen. Die Versammlung findet statt am 6, Juni im Restaurant Weiberg am Bahnhof Westhofen. Abmarsch erfolgt um 15 Uhr vom Bahnhofsvorplatz des Bahnhofs Schwerte. Die Mitglieder, die nicht den Weg zu Fuß machen wollen, haben Gelegenheit, um 15,20 Uhr mit dem Personenzug bis Westhofen zu fahren. Ueber Rückweg und Rückfahrt erfolgt in der Versammlung nähere Aufklärung. Bilder vom Tage sind im Schaufenster unserer Buch= und Kunsthandlung, Bahnhofstraße 3, zu besichtigen. Was wir sehen: Aufnahme aus dem Berliner Zoo; Raketen=Weltraum=Schiff; Deutsches Traber=Derbo 1928 in Berlin=Ruhleben; 25 Jahre Radio in Deutschland; Sportereignisse; Stapellauf des Kreuzers„Köln"; Erste Fahrt des Raketen=Autos auf der„Avus“ in Berlin; 100 Jahre Gesellschaft für Erdkunde in Berdin. : Wem gehören die Schuhe? Bei den hier festgenommenen Einbrechern wurden u. a. 1 Paar Arbeitsschuhe, vermutlich aus einer Baubude berrührend, vorgefunden. Der Bestodlene wolle sich sofort bei der hiesigen Polizei melden. Auberdem wurden bei den Dieben Gegenstände aus einem anderen, in der Baubude an der Luisen= und Schützenstrabe vorgenommenen Diebstahl sestgestellt.= Die Hoziene=Koosettschan der Thalosia=Werke, Leipzie, welche am Dienstag, den 5. Juni, im Westf. Hof(Ind.: Quadbeck) bei freiem Eintritt 3.30 und 7,30 Uhr stattfindet und in unserem Anzeigenteil angetündist ist, verspricht für unsere Stadt ein besonderes Ereianis zu werden. das für die Frauenwelt 64—85-96-105 M pris um. Wochenraten von 2.50 M an ins Sillio ims## PABRIK· VERKAUFSTELLE Schwerte, Bahnhofstr. 8 Nebenverkauf stelle. Rolzen b. Schwerte von allergrößter Bedeutung ist. Ausgehend von den modernsten Anschauungen über Formenpflege und Körverphysiologie eröffnen sich für jede Frau völlig neue Aussichten für die dauernde Schönheit und Gesundheit ihres Körvers. An die Theorie schließen sich praktische Vorführungen, die das Wort noch verständlicher und die Vorzüge noch anschaulicher machen. Es geht jede Frau an, was hier gezeigt wird und ein schwerer Fehler ist es, diese Gelegenheit ungenutzt vorübergehen zu lassen. + Zwei„schwere Jungen" wurden gestern nachmittag von der Polizei zum Gerichtsgefängnis überführt. Es handelt sich um die Burschen, die in der Frühe des Samstag das Schaufenster an dem Geschäft des Kaufmanns Stern zertrümmerten und gefaßt wurden. Wie die bisherige Untersuchung ergeben hat, haben die aus Düsseldorf stammenden Täter eine ganze Reihe von ähnlichen Schandtaten, Einbrüchen usw. auf dem Kerbholze. Flüchtiger Posthelfer. Der am 1. 1. 1905 in Bad Driburg geborene, beim Postamt 1 in Bochum als Posthelfer beschäftigt gewesene Ernst Meyer ist nach Unterschlagung von 4710 RM. seit 31. Mai 19 Uhr flüchtig. Die Fluchtrichtung ist unbekannt. Auf die Ergreifung des Flüchtigen und die Wiederherbeischaffung des Geldes hat die Postdirektion unter Ausschluß des Rechtsweges eine Belohnung von 10 v. H. der entwendeten Summe ausgesetzt. Personbeschreibung: Größe: 1,76—1,80 Meter, Gestalt: schlank, nach vorn gebeugter Gang, Haar: blond, nach hinten gekämmt, bartlos, Augen: blau, Kleidung: neuer hellgrauer Anzug, heller blaugrauer Schlüpfermantel, hellgrauer Velourhut, neue braune Halbschuhe. Meyer führt ein Fahrrad mit sich, Marke Mars Nr. 43342 mit schwarzem Rahmen. „ Helden=Ehrung im Real=Gymnasium. Eine überaus würdige Helden=Ehrung hat das hiesie Realgymnasium für seine im großen Völkerringen gebliebenen ehemaligen Schüler geschaffen. Der Vorraum des Konferenz=Zimmers ist zu einer Gedächtnisstätte ausgestaltet, wie man sich eine solche kaum schöner und sinniger vorstellen kann. Die Wände haben reichen omamentalen Schmuck erhalten, während die Decke ein eisernes Kreuz ziert. Oberhalb der Tür hat ein von dem Zeichenlehrer Lengemann geschaffenes großes Gemälde seinen Platz gesunden: einen mit Stahlhelm bekleideten Reiter darstellend, der in tiefer Andacht vor den Grabhügeln gefallener Kameraden weilt und ihnen ein stilles Gebet widmet. Zu beiden Seiten sind zwei Holztafeln angebracht, auf denen die Namen der 105 ehemaligen Schüler der Anstalt verzeichnet sind, die ihr Leben für Volk und Vaterland hingegeben haben. Die ganze Anlage verrät die Hand eines Künstlers, der sich mit ganzer Hingabe seiner Aufgabe gewidmet hat und ein Werk von bleibendem Werte geschaffen hat. Nachdem heute vormittag bereits für Lehrer und Schüler eine geschlossene Einweihungsfeier stattgefunden hat, soll heue nachmittag um 6 Uhr die Anlage in Gegenwart der Eltern und Angehörigen der Gefallenen der Oeffentlichen übergeben werden. Freunde der Anstalt sind zu dieser Feier herzlichst eingeladen. „ Haus= und Grundbesitzer=Verein. Auf die heute (Dienstag) abend 8 Uhr im Hotel Jungesblut staitfindende Versammlung des Haus= und GrundbesitzerVereins sei auch an dieser Stelle nochmals besonders aufmerksam gemacht. Es soll in der Versammlung der mit der Westfäl. Provinzial=Feuer=Sozietät abgeschlossene Vertrag in seinen Einzelheiten, seinen Vorteilen für die einzelnen Mitglieder usw. erläutert werden. Weiter wird ein Lichtbildervortrag über„Feuerverhütung und Heimatschutz“ geboten, sodaß sich die Versammlung in jeder Weise sehr in teressant gestalten wird. Wetteraussichten bis Mittwoch: Wechselnde Bewölkung, strichweise Gewitter oder Gewitterregen, zunächst noch ziemlich warm, später kühler. -. Villigst, 5. Juni. Die Versammlung der Frauenhülfe muß von Donnerstag, den 7. Juni, auf Donnerstag, den 14. Juni, verschoben werden. Sie findet diesmal bei Peukmann statt. Börsen und Wärkte Dortmunder Schlachtviehmarkt vom 4. Juni. Dem heutigen Schlachtviehmarkte waren zugeführt: 854 Stück Großvieh, 547 Kälber, 32 Schafe, 1 Ziege, 3995 Schweine. Der Marktverlauf war bei Großvieh langsam, bei Kälbern mittel, bei Schweinen schlecht mit Ueberstand. Es wurden gezahlt für 50 Kilogramm Lebendgewicht: Ochsen: a) 1. 64—66, 2. 60—62, b) 1. 57—50, 2. 54—56, c) 50—53, d) 45 bis 49 M; Bullen: a) 57—60, b 53—56, c) 49—52, 9) 45—48 M; Kühe: a) 55—57, 5) 50—54, c) 45 bis 49, d) 25—44 M; Färsen: a) 62—65, b) 56—61, c) 50—55-; Kälber: a)—, b) 82—86, c) 65—82, d) 44—64 MA; Schweine: a) 63—66, b) 70—73, c) 70—73, 9) 62—72. e) 88—70, 1) 62—98, o) 54—60 Mark. In den Preisen sind enthalten die Unkosten an Sracht, Viehdosoebühren, Umsatzsteuer, Händiergewine Der pnoderne Megenmaäiten 43 1 M38153 Our-Achnee? Heute ist der Regenmantel ein unentbehrliches Kleidungsstück jeder Frau. Er muß nicht nur praktisch und haltbar sein, er soll auch noch flott aussehen, wenn die Sonnenstrahlen wieder durch die Regenwolken brechen. Darum verwendet man nicht unfreundlich dunklen Wollstoff wie früher,— helle oder lebhaft karierte Seide und Kunstseide wird imprägniert oder gummiert und in geschmackvoller Form so verarbeitet, daß die Mäntel nicht nur wetterfest im Regen, sondern auch als elegante Reisemäntel unentbehrlich sind. Arbeitet man den Mantel aus dem gleichen Seidenstoff des Kleides mit aummiertem eingeknöpftem Futter, so ist ein sehr schickes und zugleich praktisches Reise=Complet fertig. Eine andere, sehr neue Idee ist es, den seidenen Regenmantel mit Se-S. Sum Sctanimn leichtem, imprägnierten Wollstoff zu fullern, damit er auf beiden Seiten zu verschiedensten Gelegenheiten getragen werden kann. Die beliebte Passenform zeigt der Regenmantel aus grüner, gummierter Seide M 38 153. Er ist mit eingesetzten Falten gearbeitet, die in großen Taschen enden. Erf.: 3 Meter Stoff, 130 cm breit. BeyerSchnitte für 96, 104 und 112 cm Oberweite. Preis 90 8 Großkarierter Taft ergab den flotten Regenmantel M 38 187. Vorder= u. Rückenbahn sind mit seitlichen Quereinschnittnähten gearbeitet, die passenartig wirken. Abgesteppte Falten. Erf.: 4,35 Meter Stoff, 100 cm breit. Beyer=Schnitte für 88 und 96 cm Oberweite. Preis 90 J D7. Beuer-Schnitt Knopfpatten garnieren den Regenmantel M 37871 aus imprägniertem Wollrips mit aparten Passenärmel. Vorn und im Rücken sind strahlenförmig Biesen abgenäht. Erf.: 2,75 Meter Stoff, 130 cm breit. Beyer=Schnitte für 92 und 100 cm Oberweite. Preis 90 8. Sehr fesch wirkt der Mantel M 37872 aus vulkanisiertem Tussor mit Karomuster. Aufgesteppte Zackenblenden bewirken Passencharakter. Erf.: 3,50 Meter Stoff, 100 cm breit. Beyer=Schnitte für 88 und 96 cm Oberweite. Preis 90 Sehr kleidsam ist der Trench=Coat M 37873 mit meln und Schnallenvort Beuer=Sch Statt Karten! Otto von der Heide Aenne von der hleide gebd, kleimberk Vermählte. Schwerte, den 5. Juni 1928. 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Wie aber, wenn sie von jener Lebensbärte, die mächtiger als alle Paragraphen der Welt ist, von vornherein mit einem Fluch beladen ist? Wenn sie namenloses Elend und tiefsten Schmerz im Gefolge führt?.. Noch prallen die Nieinungen aufeinander. Noch dauert der Kampf. Vielleicht aber ist die Zeit nicht mehr fern, in der einsichtsvollere Maßnahmen zur Forderung werden= zum Wohle einer neuen Generation, um das Glück einer gesunden Alenschbeit, für des noikrüntige Cbeiletben von Staat und Familie! Eveline Hausen: Die Gestalten und ihre Dersteller: Dr. Schäter Zvelyn Holt Ivan Potrovisch Professor Hausen, Evelynes Vater..... Leopold Kramer Lucie Walker Agnes Petersen Dr. Greber Hans Albers Charleston Imre Raday Außerdenn Leiebapte! Frau Suse Lebensroman in 6 Akten Luetagiel Personen unter 18 Jahren haben keinen Zutritt bnitt 93827 504 bar. Erf.: 2,75 Meter Stoff, 130 cm breit. Beyes Schnitte für 104 und 112 cm Oberweite. 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Ein solcher Herr erzählte im Eisenbahnabteil zwischen Leipzig und Berlin seinen hilflosen Zuhörern seine Boxabenteuer:„... und da fing er nun dauernd an zu clinchen, ich aber immer feste druff, und dann versucht doch der Kerl, mir einen llinken Schwinger zu verabreichen, ich erkenne natürlich sofort die Sachlage, weiche aus, und der Junge fällt bin, so lang wie er ist.. 1 So erzählte besagter Herr. Von Leipzig nach Berlin.— Als er das Abteil verließ, fragte er:„Ich habe doch nichts zurückgelassen?“„Doch,“ sagte eine Dame,„einen sehr schlechten Eindruck.“ Der Unfall. Auf dem Fußballplatz entstand plötzlich während des Spiels ein wüstes Durcheinander. „Ist denn etwas passiert?“ fragte ein Sportberichterstatter den Linksaußen, der gerade eilig vorüberlief.„Ist ein Mann verletzt worden?“ „Nein, erwiderte der Fußballer,„kein Mann. les ist der Schiedsrichter.“ Die inneren Stimmen. „Ich würde gern Sport treiben,“ sagte der alte Herr, einer der prominenten Politiker der Reichshauptstadt. „Und warum tun Sie es nicht?“ fragte der Revorter. „Meine Vernunft," erläuterte der Politikus, „sagt mir: Treibe Sport! Mein Herz sagt mir gleichfalls: Treibe Sport! Aber meine Magenkrankheit sagt mir: Am Himmelswillen nicht!“ Seheiagerennen. Beim Sechstagerennen machte ein Besucher fortwährend laute kritische Bemerkungen über den Fahrer B. Dieser ärgerte sich wütend darüber und begab sich bei der ersten Gelegenheit zu dem Herrn, um ihm den Kopf zu waschen. „Sagense ma, wat meckern Sie eiientlich hier immazu über mich? Sind Sie een Sechstagefahrer oder bin ick es?“ „Keena von uns zwee beoden,“ erwiderte det Unverbesserliche. Nr. 130(Zweites Blatt) „Schwerter Henuns Dienstag, 5. Juni 1928 von Wosado##sfn= Wohner: Angarn ist das Land, das am lautesten Graf von Posarewsty Wechner die Revision der Friedensverträge fordert. Da diese Forderung auch in Deutschland unentwegt gestellt werden muß, ist es nicht uninteressant, das Verhältnis der ungarischen Revisionsbestrebung zur deutschen außenpolitischen Linie zu skizzieren. Man könnte annehmen, daß sich die ungarische Außenpolitik jener des deutschen Reiches vollkommen koordiniert, weil sie an dem gleichen Ziel interessiert ist. Das trifft jedoch nicht zu. Wenn wir von den unverbindlichen Freundschaftskundgebungen dem Reiche und Oesterreich gegenüber absehen, so bewegt sich die ungarische Außenpolitik in einer ganz anderen Richtung. Es ist heute klar, daß die Achse kontinentaleuropäischer Politik im Westen in den deutschfranzösischen Beziehungen liegt. Es wäre zwar noch verfrüht, von einem deutsch=französischen Block zu sprechen, aber das, was sich im Westen anspinnt, läßt immerhin gewisse Schlüsse zu. Politische Ziele von so weittragender Bedeutung werden anfangs wohl nur instinktiv erfaßt, um sich dann allmählich zu klären. Nun hängt ja allerdings eine solche Entwicklung auch exogenen Faktoren ab. Der sich entfaltende italienische Imperialismus kann diese Entwicklung erheblich beschleunigen. Dazu kommt das noch immer ungeklärte Verhältnis Rußlands zu Europa, das auf die deutsche Stellungnahme ebenfalls einen entscheidenden Einfluß ausüben wird. Wie dem aber auch immer sei, das deutschfranzösische Verhältnis ist sowohl für das Schicksal Europas als auch für jenes der Friedensverträge von entscheidender Bedeutung. Demgegenüber hat sich Ungarn der italienischen Machtpolitik verschrieben. Diese aber und die deutsch=französische Verständigung sind entgegengesetzte Pole, die die Tendenz haben sich zu bekämpfen. Mit Frankreich kollidiert Italien im Mittelmeer, mit der gesamten deutschen Nation infolge seiner rücksichtslosen Behandlung der deutschen Minderheit in Südtirol. Sollte eine Annäherung zwischen Ungarn und Polen der frühere Reichs= und preußische Minister, der auf der Liste der Volksrechtspartei in den preußischen Landtag gewählt wurde, wird die nächste Session des Landtags als Alterspräsident eröffnen. Artur Adolf Graf von Posadowsky=Wehner, Freiherr von Postelwitz, der am 3. Juni 1845 in Großglogau geboren wurde, jetzt also 83 Jahre alt ist, hat im kaiserlichen Deutschland eine hervorragende Rolle gespielt. Er wurde 1873 Landrat, 1889 Landesdirektor von Posen, 1893 Staatssekretär des Reichsschatzamtes, 1897 bis 1907 Staatssekretär des Innern und preußischer Staatsminister, ließ sich 1912 in den Reichstag wählen, dem er bis 1918 angehörte, ohne sich einer bestimmten Partei anzuschlieben, und war auch Mitglied der Nationalversammlung. In den letzten Jahren hat er sich sehr stark mit Aufwertungsfragen beschäftigt und sich der Volksrechtsvartei angeschlossen, auf deren Liste er in den Landtag gewählt wurde. Die Revisionsbewegung und die Außenpolitik Ungarns Es hieße sich augenfälligen Tatsachen verschließen, wollte man nicht anerkennen, daß der Gedanke der Revision der Friedensverträge gewaltige Fortschritte macht, daß immer größere moralische Kräfte aufgeboten werden, um dieses Ziel zu erreichen. Man möchte glauben, daß die moralische Front, die sich schon ziemlich deutlich herausgebildet hat, auch von einer parallelen politischen Front begleitet wird. Im allgemeinen hat jede politische Bewegung eine zweifache Funkstation. Auf der einen Seite hat sie mit geistig=moralischen Kräften die Richtigkeit und Rechtmäßigkeit ihrer Bestrebungen zu bekräftigen. Darin liegt nicht wenig Berechtigung. Muß doch jede politische Bewegung irgend ein sittliches Ziel vor Augen haben und ihr Recht auf Erfolg eben von diesem Ziel ableiten. Je durchschlagender die sittliche Kraft des politischen Zieles ist, um so schwerer haben es die Gegner, ihr ein anderes gegenüberzustellen. Andererseits ist aber eine politische Bewegung auch Handlung. Sie kann ihr Ziel nur erreichen, wenn sie sich ihren Weg dazu durch politische Einzelhandlungen bahnt. über Italien erfolgen, so ist auch hier der Gegensatz zu Deutschland gegeben. Dieser latente Gegensatz Ungarns zu Deutschland wird von einem akuten zwischen Ungarn und Jugoslavien begleitet. Jugoslavien ist das Land, das von einer etwaigen Revision der Friedensverträge am wenigsten zu fürchten hat. Die realen, aus der der Lage der Dinge sich ergebenden Gegensätze Ungarns zu Rumänien und der Tschechoslowakei sind unvergleichlich größer als jene zu Jugoslavien. Letzteres besitzt am wenigsten national=ungarische Gebiete, insbesondere wenige mit rein ungarischem Charakter. Hier wären also die Vorbedingungen zu einer Verständigung am ehesten gegeben. Dadurch, daß sich Ungarn an das Schlepptau der italienischen Machtpolitik knüpfen ließ, wird in Jugoslavien eine politische Entwicklung ausgelöst, die der möglichen Verständigung entgegenarbeitet. Die Einkreisungspolitik Italiens zwingt Jugoslavien, seine politische Verbindung mit Frankreich auch geopolitisch auszubauen. Dasist natürlich nur über Wien und Berlin möglich. Das Entstehen dieser geopolitischen Linie von der griechisch=bulgarischen Grenze über Westeuropa bis zum Mittelmeer bedarf nur einer klaren deutsch=französischen Verständigung. Es entwickelt sich somit in Europa allmählich eine politische Konstellation, die Deutschland und Ungarn in entgegengesetzten Lagern vorfindet. Trägt nun diese außenpolitische Linie Ungarns zur Steigerung der sittlichen Durchschlagskraft des Revisionsgedankens bei? Ungarn setzt einmal seine Hoffnungen auf Revision in die Freundschaft und Machtstellung Italiens. Hat aber das faschistische Italien überhaupt ein moralisches Recht, sich als Anwalt der ungarischen Revisionsbestrebungen aufzudrängen? Gerade das ungarische Revisionsbegehren stützt sich fast ausschließlich auf das nationale Recht, d. h. auf das Recht eines jeden Volkes, soweit es dem geschlossenen Siedlungsgebiet angehört, im nationalen Staat zu leben. Dieses ReviNahrungsmittel aus 8 Hochwasser in Schlesien Erfolgreiche Versuche der deutschen Wissenschaft Wie wir kürzlich schon mitteilten, ist es dem Heidelberger Chemiker Professor Dr. Bergius gelungen, die Vorbedingungen zu einer Herstellung von löslichen Kohlenwasserstoffen aus Holz zu schaffen. Dr. Bergius machte auf der Hauptversammlung des Vereins Deutschen Chemiker in Dresden nähere Mitteilungen darüber, die erkenen lassen, daß es möglich ist, aus Holz durch chemische Einwirkung Futterstoffe zu gewinnen, die zur Viehfütterung vorzüglich geeignet sind u. die dadurch unsere ganze Ernährung auf eine neue Grundlage stellen würden. Dr. Friedrich Bergius, der Erfinder des nach ihm benannten Berginverfahrens zur Herstellung flüssiger Kohlenwasserstoffe aus Kohle, wurde am 11. Okt. 1884 in Goldschmieden bei Breslau geboren, wurde 1913 Privatdozent in Hannover und siedelte nach Patentierung seiner ersten Erfindungen 1921 nach Heidelberg über, wo er für die Badische Anilin= und Sodafabrik in Mannheim=Rheinau eine Anlage zur fabrikmäßigen Verwertung seiner Patente herstellte. Eine überschwemmte Straße in Reichenbach, dem Ausgangspunkt für den Besuch des Eulengebirges. Die Stadt hat durch die Unwetterkatastrophe schweren Schaden erlitten. sionsbegehren, das einen so stark betonten nationalpolitischen Charakter trägt(das deutsche Begehren hat unter anderem auch noch einen wirtschaftspolitischen und einen kolonialpolitischen Charakter) erwartet Förderung von einem Italien, das fremdes nationales Recht mit Füßen tritt! Ungarn hätte doch allen Grund, sich mit der in Südtirol vergewaltigten Minderheit solidarisch zu erklären, denn das Schicksal seiner im Auslande lebenden Volksgenossen hängt zum großen Teil davon ab, welchen Gang die Minderheitenfrage in Europa nimmt. Statt dessen werden die Faschisten in Ungarn leidenschaftlich gefeiert. In der Anschlußfrage, die doch das reinste nationale Recht des deutschen Volkes bildet, nimmt Italien eine unnachgiebige Haltung ein. Dazu kommt noch, daß Italien nach der jugoslarischen Adriaküste strebt, obwohl diese einen rein national=jugoslavischen Charakter trägt. Der Widerspruch ist augenscheinlich. Auf der einen Seite soll der Friedensvertrag revidiert wreden, um dem nationalen Recht Geltung zu verschaffen, auf der italienischen, also auf der and. Seite will man ihn ändern, um das nation. Recht der Jugoslaven zer verletzen. Die dauberfährt der„Euglena Roman von Maximilian Bernd. Lopyright by Knorr& Hirth, G. m. b. H., München. 32. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Win sprach, in seine Pläne vertieft, weiter:„Der äußere Schiffskörper wird von innen heraus angetrieben, so daß die Schiffshaut nicht irgendwo durch Rillen oder Fugen, wie bei dem Singerschen Boot, unterbrochen wird. Die kleine Schraube, die sonst den großen Schiffskörver vorwärtsdrückte ist nun also ganz über ihn hinweggezogen. Den äußeren, sich dehnenden Schiffskörper, der um das Innere cotiert, habe ich„Notor“ genannt, den inneren, eigentlichen Schiffskörper der feststehend zu denken ist hat den entsprechenden Namen„Stator“. Durch zwei besonders massige, genau berechnete Spezialkreisel, die fest mit den Wänden des Stators verbunden sind, sowie durch die Unterbringung der schweren Akkumulatorenbatterie in den Kiel des Stators wird dieser konstant in der Senkrechten gehalten. Andernfalls würde der Rotor im Wasser feststehen und der Stator sich umwälzen. Der Antrieb des Bootes erfolgt durch zwei Elektromotoren, die fest an beiden Enden des Stators verankert sind. Sie werden von der Batterie im Kiel gespeist. Die Motoren werden mit zwei starken hohlen Wellen gekuppelt, die, fest mit dem Notor verbunden, in den Stator hineinragen. Auf diese Weise können die Motoren von innen heraus den äußeren Mantel drehen. Da sich nun während der Fahrt der ganze äußere Mantel dreht, ist eine Verbindung mit der Außenwelt nur durch die beiden hohlen Wellen, die die vordere und hintere Spitze des Bootes durchschneiden und die naturgemäß keiner Notation unterworfen sind, vorhanden. Durch das Innere dieser Welle ist, wiederum auf Lagern, alles das gelegt, was zur Verbindung mit der Außenwelt nötig ist. Nach vorn heraus sehen Sie ein besonders stark konstruiertes Periskoo nach binten das Ruder mit dem Steuerapparat. Eine gewisse Schwierigkeit liegt in der Landung dieser eigenartigen Bootes. Die Pläne für eine solche Anlage kann ich Ihnen hier auch zeigen. Es handelt sich um eine flache Trichterschale, wie etwa einen halbierten Kegel, der im Prinziv als passende Schraubenmutter zur Schraube des äußeren Schiffskörpers, des Rotors ausgebildet ist. Durch eine halbautomatische Schnappvorrichtung wird erreicht, daß die Einsteigeluben des Rotors und des Stators übereinander festgehalten werden. Die Passagiere können sodann bequem, wie bei einem gewöhnlichen Unterseeboot, ein= und aussteigen. Damit habe ich Ihnen, meine Herren, in großen Zügen das Boot beschrieben. Die Frage ist, welche Vorteile bringt uns dieses seltsame Fahrzeug, das nichts anderes als eine Schraube ist, in dessen Innern ein fester, von Menschen zu benutzender Bootskörper hängt?“ Win machte ein Pause. „Aber, sehr verehrter Herr Wenneberg," begann ein älterer Herr am Ende des Tisches.„Was geschieht, wenn auf hoher See etwas passiert, dann sind die Menschen gefangen, nicht wahr?“ „Das wäre schlimm,“ antwortete Win.„Das Boot bann seine Fahrt unter und über Wasser durch eine Vorrichtung, die ich Ihnen nachher erklären werde, stoppen. Liegt das Boot still. so wird der Notor um eden Stator gedreht, bis die Luken übereinander stehen bleiben. Die Kreise halten das Boot in der Senkrechten und die Passagiere können glesteigen. Der Ingenieur nickte befriedigt. Win fuhr in seinen Darlegungen fort. „Ich lege Ihnen nun meine Berechnungen über die Geschwindigkeit des Bootes dar. Sie ergeben eine phantastische Zahl. Wenn sich allerdings eine lange Schraube ohne jede andere Hemmung im Wasser dreht, so muß die Geschwindigkeit auch enorm sein. Sie können aus der bekannten Schraubenformel leicht die Geschwindigkeit des Bootes im Wasser errechnen. Sie setzen für die Umdrebungszahl 100 ein, das heißt also: dreht sich der Notor in einer Minute bundertmal um den Stator. so kommen wir auf diese Zahl dier!" Win hob ein Blatt, das mit Integral= und Differentialzeichen bedeckt war, hoch und reichte es dem Präsidenten Donald Roald Odskiff. Dieser las die Zahl und wiegte verklärt den Kopf. Er überschlug die Zeichen des Mathematikers, die für ihn sicherer waren, als die Masse des Erdballs, und sagte tonlos hauchend: „600 Kilometer die Stunde!“ „Was sagen Sie? 600 Kilometer die Stunde?" schrie Archibald Camper der Neuyorker Manager der White Star Linie, von seinem Stuhle ausspringend. „Allerdings, mein Herr!“ sagte strablend Win, der die Frucht seiner arbeitsvollen Nächte reisen sah. „Mein Herr!“. Camper lief um den Tisch herum und packte Win am Rockkragen.„Wissen Sie, was das heißt?“ „Sicher weiß ich das, aber Sie reihen mir ja den Kragen ab!“ „Das heißt: Eurova— Amerita in 10 Stunden!“ „Jawohl, meine Herren, mein neues Schraubenschiff wird die Entfernung Neuyork—Hamburg in 10 Stunden zurücklegen!“ Donald Roald Odskiff war aufgestanden und auf Win zugetreten. „Mr. Wenneberg, erlauben Sie mir, als Erster zu gratulieren. Die Idee ist einzigartig in ihrer Kühnheit und grandiosen Konzeption.“ Win war umdrängt von den Herren, die ihm die Hand drücken wollten.— Zwei Stunden später waren die Verträge unterzeichnet, die Uebergabe der Werft sollte morgen mittag um zwölf Uhr feierlich erfolgen. Dann sollte der Bau mit allen Mitteln so schnell wie möglich gefördert werden. Als Win, seine Zeichnungen unter dem Arm, die grobe Freitreppe des Shipping Board Buildings herunterging, wußte er sich vor Freude kaum zu fassen. Das war der dritte Moment in seinem Leben, wo der Vorhang für einen Augenblick vor dem Schrei des unermeßlich groben, sonnengleibenden Glückes hinwegezogen schien. Er fuhr noch einmal nach Hoboken, bevor er Solvia die Nachricht brachte und engagierte Jack Carter. Dieser sollte morgen mittag um zwölf Uhr seine Arbeit auf der neugegründeten Werft der „Screwing Boat Company“ antreten. * Sam Nataly stand, einen Arm aufstützend, an die Maklerbank gelehnt, an der die„Singer=Aktien“ gehandelt wurden. Er beobachtete mit mißtrauischen Blicken das Gewühl der Händler vor sich. Es war da etwas im Gange, das er sich nicht erklären konnte. Gestern waren die Kurse nach der scheinbar gelungenen Probefahrt sprunghaft in die Höbe gegangen. Auch heute morgen noch im vorbörslichem Verkehr. Doch nun sah er auf einmal, daß sehr viele Papiere von Neuvorker Maklern angeboten wurden. Die Aufwärtsbewegung geriet langsam ins Stocken. Es bildeten sich zwei Parteien, die aufgeregt in Singer=Aktien handelten. Eine ungewöhnliche Situation. Alles von Neuvork herauskommende Material wurde sofort von Chicago aufgenommen. Sam Nataly überlief es beiß und kalt. Da war irgend etwas nicht in Ordnung. Das konnte höchstens noch fünf oder zehn Minuten so weitergehen, dann mußte die Chicagoer Börse auch argwöhnisch werden. Der kleine Sam zuckte immer nervös zusammen, wenn einer aus der schreienden und gestikulierenden Gruppe vor ihm plötzlich gellend„here“ schrie und sich rücksichtslos einen Weg durch die Menschenmauer hindurch zu den Telephonzellen bahnte. Sam war auf die Stufe der Maklerbank gestiegen und beobachtete das Gesicht der Telephonboys, wenn sie ihren Herren die Nachricht gaben. Ernst und verbissen— Chicago nahm auf— Neuyork gab ab. Dann plötzlich wußte Sam, daß diese Deroute von den Schiffahrtsgesellschaften ausgehen mußte. War das ein Manöver— war das Mißtrauen? Sam konnt es nicht verstehen. Vor ihm wurde plötzlich wieder unangenehm laut„here“ gerufen. (Fortsetzung folgt.) Aus dem Vorstand des Parität zwischen Stadt und Land, Verwalkommunale Gebietsveränderung, Großstädte und Landkreise, Pflege der Landkultur, Verücksichtigung des allgemeinen Volkswohls. Nachdem die Wahlen beendet sind und die Parlamente sich zu neuer Arbeit rüsten, treten auch an den Vorstand des Landkreistages wichtige Entscheizungen heran. Für die nächste Zutunft wird in Preußen das Wort Verwaltungsreform eine große Rolle spielen. Da die Verwaltungsreform von einflußreichen Kreisen auch dahin ausgefaßt wird, daß hinsichtlich der kommenden Abgrenzung namhafte Aenderungen vorgenommen werden sollen, tritt diese Frage für die Landkreise in ein akutes Stadium. Die Erfahrung, die die Landkreise bei den bisherigen Eingemeindungen machten, zeigen, daß die größte Gefahr besteht. Die dauernde Schwächung der Landkreise durch die Auskreisung von Städten, die Gebietsverringerung der Landkreise durch die Eingemeindung nach den Großstädten hin, sind auf dem besten Wege, die Parität zwischen Stadt und Land noch mehr als bisher zu verschieben. Die Landkreise und ihre Spitzenorganisation, der Landkreistag, müssen verlangen, daß bei den zukünftigen Reformarbeiten ihre tätige Mitwirkung gewährleistet ist. Es ist nicht nur ein wirtschaftspolisches, sondern auch ein eminent staats= und sozialpolitisches Problem, die Landkreise in ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten. Die Kreise müssen in der Lage sein, die wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben zu erfüllen, wie das der Großstadt möglich ist. Sollte dieser Grundsatz bei den zukünftigen Maßnahmen des Staates auf dem Gebiete der Verwaltungsreform verletzt werden, so würde das seine wirtschaftspolitische Auswirkung auch dahingehend finden, daß die Bevölkerung des flachen Landes weiterhin verkümmert. Die Hineinnahme immer größerer ländlicher Gebiete in die Großstädte verschärft unstreitig die Agrarkrise, die wie im Wahlkampf, so bei den vorbereitenden Besprechungen der Fraktionen eine maßgebende Rolle spielt. Die Tatsach, daß der Gesamtverlust der Landkreise seit 1900 4,6 Millionen Einwohner beträgt, und daß sich dieser Verlust in den letzten 10 Jahren gegenüber der vorhergehenden Periode vervielfacht hat, gibt zu denken. Die Landkreise verschließen sich durchaus nicht der Mitarbeit bei notwendigen Reformen. Sie müssen jedoch verlangen, daß ihnen nicht ohne Notwendigkeit Gebietsteile entzogen werden. Vor allen Dingen legt der Vorstand des Landkreistages Wert darauf, daß bei den zukünftigen Maßnahmen der Parlamene eine klare Programmlinie für die Behandlung von Eingemeindungsfragen heraausgearbeitet wird. Daß bei der Lösung dieser Eingemeindungsfragen die Leiter der Landkreise in der Wahrnehmung der Interessen ihrer Bevölkerung dasselbe Recht haben sollen, wie die Leiter der Großstädte, ist eine selbstverständliche Fordrung. Um den Landkreisen entsprechend der neuzeitlichen schnellen Entwicklung auf allen Gebieten Bewegungsfriheit und Elastizität, größere Selbständigkeit und Widerstandskraft zu geben, erscheint eine zweckmäßige Aenderung der Kreisordnung geboten. Die Regierung hat sich dieser Auffassung angeschlossen, indem sie schon im Jahre 1922 eine Reform der Kreisordnung plante. Daß diese Reform einer sorgfältigen Vorbereitung bedarf, ist deshalb so klar, weil sie für die Entwicklung der Landkreise in der nächsten, recht schwierigen Zeitveriode die Grundlage ihres Wirkens darstellen soll. Der Preußische Landkreistag wird diesem Problem seine größte Aufmerksamkeit widmen, um die Interessen des Landvolkes bei der Lösung der schwebenden großen Fragen zu wahren. Er wird in dieser Schicksalsstunde, in der die Landkreise sich hinsichtlich ihrer ferneren Wirkungsmöglichkeit innerhalb des Volksganzen befnden, unter Verzicht auf machtpolitische Bestrebungen seine Tätigkeit ausschließlich leiten lassen von den beiden hohen Gesichtspunkten der Erhalung der Landkultur und der Brücksichtigung des allgemeinen Volkswohls. Der Firsternhimmel befindet sich zur Monatsmitte in der nachfolgend beschriebenen Stellung: Tief über Nordnordwest glänzt Capella im Fuhrmana, über Nordwest erscheinen als strahlendes Sternenpaar die Zwillinge, genau über Westen aber leuchtet Regulus, der Hauptstern im eingeprägsamen Bilde des Löwen, das sich bereits stark seinem Untergange zuneigt. Der einsam blitzende Stern über Südwesten ist Spica in der Jungfrau, über Süden aber das dämonisch glosende Paar heller Gestirge Antares im Scorvion mit Saturn, dem ringgegürteten Wunderplaneten. Ueber Südosten in mäßiger Höhe steigt der Adler mit dem Hauptstern Atair herauf, während ganz im Nordosten in liegender Stellung Andromeda sich eben über den Gesichtskreis emporschwingt. Im Norden selbst erhebt sich Perseus als aufrecht am Gesichtskreisbogen stehende Figur. Blickt man gen Süden steil emvor und biegt nachher den Kopf immer weiter zurück, so daß man bis übers Zenith hinaus greift, dann hat man in mäßiger Höhe, links bei Süd den Schlangenträger mit der Schlange vor sich, rechts von Süden Bootes mit dem rötlich glänzenden Hauptstern Arkturus, zwischen beiden die nördliche Krone und links von dieser, etwas höher, Herkules. Der auffallend helle Stern aber ostwärts vom Scheitelpunkte ist Wega in der Leier, während etwas tiefer noch gen Osten das schöne Kreuz des Schwans im Milchstraßenzuge flimmert. Den Polarstern findet man wie immer genau im Norden in einer Höhe, welche der geographischen und Hellnit. Himmelsrundschau im Juni Von Max Valier. Im Berichtsmonat erreicht die Sonne am 21. um 17 Uhr 7 Min. den höchsten Punkt ihrer scheinbaren Bahn am Himmelszelt, womit astronomisch der Frühling sein Ende findet und der Sommer beginnt. Da sie sich in den Tagen der Sonnwendzeit 23½ Grad nördlich des Himmelsäquators befindet, erreicht die mittägliche Steilung der Sonnenscheibe am Firmament für Norddeutschland 60 Grad, für die Südgrenze Deutschlands sogar 66 Grad. Die Tageslänge ist, besonders in Norddeutschland, sehr groß und die Dämmerungszeit so ausgedehnt, daß nördlich der Mainlinie die Abenddämmerung in die Morgendämmerung übergeht und auch um Mittemnacht keine vollkommene Dunkelheit mehr eintritt, weil die Sonne weniger als 18 Grad tief unter dem Gesichtskreis verweilt. Das stört zwar manche feineren Beobachtungen am Sternenhimmel, dafür aber laden wieder die milden Nächte besonders zum Verweilen im Freien ein. Von Leo M. Vorweggenommen sei: die neu entdeckte Methode, der„Eigenblutbehandlung“ ist nicht zu verwechseln mit der„Eigenbluttransfusion“, die darin besteht, daß man Kranken, bei denen sich infolge von Verletzungen große Blutmengen in die Bauchhöhle ergossen haben, anstelle fremden Spenderblutes das durch operative Eröffnung der Bauchhöhle zurückgewohnene und noch nicht geronnene eigene Blut in eine Vene einspritzt und so dem Kreislauf wieder, zuführt. Bei dieser neuerdings besonders in Fällen von Leber= und Milzzerreißungen erfolgreich angewandten Methode handelt es sich lediglich um einen mechanischen Blutersatz, bei der für ganz andere Krankheitsarten bestimmten Eigenblutbehandlung dagegen um ein biologisches Verfahren: Man entnimmt dem Kranken einige Kubikzentimeter Blut aus einer Vene- und spritzt es dann sogkeich unverändert an einer anderen Körverstelle, entweder in oder unter die Haut, oder in die Muskulatur wieder ein und wiederholt diese Prozedur unter Umständen mehrmals nach einigen Tagen. Diese von Dr. Nourney entdeckte, von Dr. Pollack und Dr. Sorter erweiterte Methode erscheint auf den ersten Gedanken hin widersinnig, wird doch gerade das Blut bei den meisten Krankheiten in Mitleidenschaft gezogen! Aber auf eben dieser Tatsache beruht der Gedanke der Eigenblutbehandlung: Einerseits ist zwar das Blut bei den verschiedensten Leiden krankhaften Ver= änderungen unterworfen, anderseits aber besitzt es auch die Fähigkeit un ddas Bestreben, sogenannte „spezifische Antitoxine“ zu bilden, d. h. die entsprechenden Gegengifte und Abwehrkräfte zur Wiederherstellung des normalen Zustandes. Dieses „Immunitätsbestreben“, kann bei Infektionskrankheiten sogar soweit gehen, daß ein Ueberschuß an Antitoxinen gebildet wird, der den Körper für lange Zeit, oft dauernd, gegen Ansteckungen der überstandenen Art feit. Daraus schlossen nun die genannten Forscher, daß in gewissen Fällen die Krankheitsentwicklung bezw. Heilungsverzögerung weniger auf einen allgemeinen als vielmehr örtlichen Antitoxin= mangel, d. h. also auf Hemmungen in der Antitoxin= zufuhr zum Krankheitsherde zurückzuführen ist. Klinische Untersuchungen ergaben die Richtigkeit dieser Folgerung und zugleich wichtige Anhaltspunkte für die Erklärung der Wirkungsweise der Eigenblutbehandlung. Zunächst könnte man wieder annehmen, daß nichts im Organismus geändert wird, wenn man ihm geringe Mengen des eigenen Blutes an einer Stelle entzieht, um es gleich darauf an einer anderen wieder einzuführen. Das wäre allerdings der Fall, wenn das entnommene Blut dem Kreislauf unmittelbar wieder zugeführt würde, da es aber nicht in eine Vene, sondern in die Gewebe eingespritzt wird, kann es nicht sofort in die Blutbahn zurückgelangen und verfällt deshalb der Zersetzung. Hierbei werden nun die Abwehrstoffe frei und zugleich Eiweiß=Zerfallsprodukte gebildet, die ebenfalls von großer Bedeutung sind. Da die einzelnen Gewebsschichten wie durchlässige Membranen wirken, verbreitet sich das eingespritzte und zersetzte Blut schnell in der näheren Umgebung, und da man ferner bei örtlich begrenzten Krankheitserscheinungen die Eigenbluteinspritzungen in der Nähe des Krankheitsherdes vornimmt, gelangen auf diese Weise größere Mengen Abwehrstoffe dorthin als allein auf dem natürlichen Wege des Blutkreislaufes. Es findet also eine Anreicherung mit Abwehrstoffen statt, die den Heilungsprozeß wesentlich beschleunigen kann. Damit ist aber die Wirkung der Eigenblutbehandlung noch nicht erschöpft. Die bei der Zersetzung des eingespritzten Blutes entstandenen Eiweiß=Zerfallsprodukte wirken als sogenannte„Reizkörper“, d. h. sie regen den Organismus zur Bildung weiterer Abwehrstoffe erheblich an. Sowohl die beim Zerfall des Blutes freigewordenen als auch die durch Anregung seitens der Reizkörper indirekt gebildeten Abwehrstoffe bleiben nicht in der näheren Umgebung der Einsprißstelle bezw. des Krankheitsherdes lokalisiert, vielmehr gelangen sie auf dem Wege des feinverzweigten, in alle kebenden Gewebe verteilten Gefäßnetzes schließlich in den Blutkreislauf, um dort auch die Heil= und Abwehrkräfte des Körvers allgemein zu heben. Demnach ist die Eigenst Dickmann. blutbehandlung nicht nur bei Krankheiten mit örtlichen Erscheinungen, sondern auch bei solchen allgemeiner Art anwendbar. Bei akuten, mit Geschwulstbildungen verbundenen Entzündungen wie Abszessen, Furunkeln und Karbunkeln wurden besonders auffallende Erfolge beobachtet; so z. B. konnte man verschiedentlich bei bösartigen Gesichtsfurunkeln die bereits unvermeidbar erscheinende operative Eröffnung dadurch umgehen, daß man die Eigenbluteinspritzungen ringsum die Geschwulst vornahm. Hierdurch wurde gleichzeitig das gerade bei derartigen Furunkeln so sehr gefürchtete Weitergreifen der Eiterung verhütet. Der chirurgischen Behandlung gegenüber hat die Eigenbluteinspritzung den Fortfall entstellender Norben voraus, was sicherlich häufig ausschlaggebend für ihre Anwendung sein wird. Ein weiterer Vorteil des neuen Verfahrens ist seine mit der Heilwirkung verbundene schmerzstillenden Kraft, die sich vor allem bei schmerzhaftem Gelenkrheumatismus bewährt hat, also in Fällen, wo man bisher neben dem eigentlichen Heilmittel oft noch schmerzstillende Narkotika anwenden mußte. Wie Dr. Sorter jüngst berichtete, konnte er häufig ohne Zuhilfenahme irgendwelcher Medikamente schon mit zwei bis drei Eigenbluteinspritzungen schmerzhafte rheumatische Anfälle kupieren: Die Schmerzen hörten sofort auf, die Schwellungen gingen zurück, und auch das Fieber ließ nach; dabei waren keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen festzustellen, insbesondere aber fiel die mit der Anwendung narkotischer Hilfsmittel stets verbundene Gefahr der Angewöhnung fort. Als erfolgreich erwies sich die neue Heilmethode namentlich in jenen hartnäckigen und allen anderen Behandlungen trotzenden Fällen der sogenannten „isolierten rheumatischen Herde", d. h. also dort, wo die natürliche Zufuhr der Abwehrstoffe durch den Blutkreislauf erschwert ist. Solche Fälle können als ein besonderes Anwendungsgebiet der Eigenblutbehandlung angesehen werden, denn hier kommen ihre bereits beschriebenen Eigentümlichkeiten zur vollen Auswirkung. Das Gleiche gilt für die Gicht, wo die Eigenbluteinspritzungen zur Auflösung der Harnsäureablagerungen und damit zugleich zur Schmerzstillung führen. Gute Heilwirkungen waren ferner zu verzeichnen bei Infektionskrankheiten wie Grippe, Lungenentzündung und Tuberkulose, abgesehen davon auch in einzelnen Fällen von Zuckerkrankheit und Nierenentzündung, ja sogar bei Kopfschmerzen, Neuralgien und anderen Nervenleiden. Besonders bemerkenswert ist die Wirkungsweise der Eigenblutbehandlung bei chronischen Leiden der oben genannten Art, wo zunächst die sogenannte „Provokationswirkung“ in Erscheinung tritt: Die Krankheiten kommen in das akute Stadium zurück, die verschleierten, oft sogar nicht mehr erkennbaren Symptome treten wieder deutlich hervor und ermöglichen dadurch dem Arzte nicht nur klare Feststellungen über den Stand der Krankheit, sondern vor allem auch die Einleitung einer energischen Behandlung. Denn im chronischen Krankheitszustande sind die Heil= und Abwehrkräfte des Körpers gewissermaßen in eine Verteidigungsstellung zurückgedrängt, in der sie eine Position nach der anderen preisgeben müssen; ins Akute provoziert, vermögen sie wieder zum Angriff überzugehen, wenn sie die Kraftreserve erhalten, die ihnen durch weitere Eigenbluteinspritzungen zugeführt werden kann. Die Eigenblutbehandlung ist ein„biologisches“ Heilverfahren, d. h. sie bezweckt nicht nur eine Unterstützung des natürlichen Heilvermögens, sondern bedient sich dazu auch allein körvereigener Mittel. Der erste erfolgreiche Schritt auf diesem Gebiete wurde mit der Einführung der Impfbehandlung (Serum= und Vakzinetheravie) getan, ihr folgte dann die sogenannte„Organotherapie“, die den Mangel an lebenswichtigen Drüsenabsonderungen (Hormonen) durch künstliche Hormonzufuhr auszugleichen sucht und sich vor alle mals Insulinbehandlung der Zuckerkrankheit bewährt hat. So ist die Eigenblutbehandlung als weiterer und sicherlich nicht als letzter Erfolg jener medizinischen Richtung anzusehen, die dem obersten Grundsatz der Heilkunde „Der Arzt behandelt, und die Natur heilt", folgerichtigsten buldigt. Breite des Beobachtungsortes entspricht, den kleinen Bären vom Polstern gegen den Scheitel hin sich erstreckend, vor diesem noch den Drachen und endlich den großen Bären, dessen sieben Hauptsterne auch Himmelswagen genannt werden, westwärts vom Zenith. Cepheus und Cassiopeja, im Milchstraßenzuge zwischen Schwan und Perseus eingereiht, vervollständigen das ruhig schöne Bild des nun echt sommerlich gewordenen Sternenteppichs. Dio Milchstraße selbst zieht als Ganzes vom Nordpunkt steil über Hochosten gegen den Südpunkt des Horizonts hinab. Von den Planeten befindet sich der sonnennahe Merkur in den ersten Monatstagen in außerordentlich günstiger Sichtbarkeit. Er ist am Abendhimmel, etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang, als einziger hellblitzender Stern am nordwestlichen Gesichtskreisbogen unschwer dort aufzufinden. Im Fernrohr erscheint er am 3. Juni, dem Tage seiner Elongation, wie der Mond im Viertel, allerdings ist eine 250fache Vergrößerung notwendig, um ihn ebenso so groß zu sehen wie mit freiem Auge die Mondsichel. Um die Monatsmitte wird er rückläufig und taucht bald in den Strahlengarben der Sonne unter. Im Fernrohr erscheint er als immer größere, aber immer schlanker werdende Lichtsichel. Während Merkur am 29. Juni in unserer Konjunktion mit der Sonne im Raume draußen zwischen Erde und Sonne hindurch geht, schickt sich Venus an, hinter der Sonne herum zu laufen. Ihre obere Konjunktion tritt am 1. Juli ein. Mars und Jupiter, die den Morgenhimmel planetarisch beherrschen, gehen immer früher vor der Sonne auf, Ende Juni kommen sie schon eine halbe Stunde nach Mitternacht links von Ost herauf und bieten dem Beobachter am Fernrohr viele Reize. Besenders bei Mars wird es Zeit, mit den Vorübungen für die bevorstehende Opposition im Winter zu beginnen, und was Jupiter betrifft, so verdient dieser ohnehin infolge der täglich auf seiner Oberfläche stattfindenden Umbildungen, dauernd unter der Himmelslupe gehalten zu werden. Der Planet Saturn dagegen befindet sich— wie bereits bei Beschreibung des Firsternhimmels vermerkt— am Vormitternachtshimmel, da er schon am 6. Juni in seine Gegenscheinstellung oder Opposition zur Sonne kommt. Saturn erscheint um diese Zeit ganz auffallend hell und im Fernrohr von dem Ringsystem in breit ausladender Gestalt umgürtet. Dies alles ist der Beobachtung günstig, nur der verhältnismäßig tiefe Stand am Himmel, knapp 19 Grad über dem Horizont, beeinträchtigt wegen der in solcher Schiefe meist trüben Luft die Anwendung starker Vergrößerungen. Die Planeten Uranus und Neptun kommen für gewöhnliche optische Hilfsmittel nicht in Frage. Dafür ist die Beobachtung der Mondgebilde und der Sonnenflecken um so leichter mit einfachen Hilfsmitteln zu bewerkstelligen. Im Berichtsmonat ereignen sich auch zwei Finsternisse und zwar am 3. Juni eine totale Mondfinsternis, die aber nur über dem Stillen Ozean und in seinen Randgebieten sichtbar ist, und eine partielle Sonnenfinsternis am 17. Juni, die nur in den Nordpolargebieten des Erdballs verfolgt werden kann. am Kundsunt=Predrum Mittwoch, den 6. Juni. Münster. 10,15—19,20: Uebertragung von Köln.— 19,20: Dortmund: Die Stunde des Arbeiters. Dr. Lütgenau:„Die Volkshochschule".— 19,45—20,15: Uebertragung von Köln.— 20,15: Grotesken. 1. Grotesken von Twain, Klabund, Ringelnatz(Willy Buschhoff). 2. J. Haas: Zwei Grotesken für Violoncell und Pianoforte: a) Gespenstige Stunde; b) Kobolds Laune(Rudolf Evler, Siegfried Meik.) 3. Grotesken von Frank Heller, Roda=Roda, Buschhoff, Paul Morgan(Willy Buschhoff). 4. Graener: Aus den„Galgenliedern“ von Morgenstern: a) Gespenst; b) Das Huhn; c) Der Seufzer; 9) Palmström; e) Himmel und Erde(Ludwig Bodmer). 5.„Satans Maske“. Groteske in 1 Akt von Paul Czinner.— Anschließend bis 24,00: Uebertragung von Köln. Langenberg. 10,15—24,00: Uebertragung von Münster und Köln. Köln. 10,30: Tagesdienst, Rheinwasserstand.— 10,15— 11,10: Schallplattenkonzert.— 11,15: Schulfunk für die Oberstufen höherer Lehranstalten. Leitung: Dr. Mies. Musik aus der Zeit Friedrich des Großen.— 12,50: Wetterdienst.— 12,55: Nauener Zeitzeichen, Tagesdienst.— 13,05: Operetten=Musik. Leitung: Kühn.— 14,30: Funkwerbung: Schallplattenkonzert.— 15,30: Wirtschaftsdienst.— 15,45: Frauenstunde. Moderne Fürsorge. Schwester Margit Schlüter:„Krankenhausfürsorge“.— 16,10: Gesangsmeister Jochen Breiding:„Gesangunterricht im Rundfunk".— 16,45: Düsseldorf: Wilhelm Michel, Darmstadt:„Chaplin".— Anschließend Vorlesung: Ewald Balser:„Todesangst“. Novelle von Vera Maria Eberle.— 17,30: Düsseldorf: Aus der sozialen Praxis: Direktor Lentzer=Rheindahlen:„Ein Rundgang durch eine Fürsorgeerziehungsanstalt". — 18,00: Vesperkonzert. Leitung: Eysoldt.— 18.55: Vom Tage.— 19,20: Uebertragung von Münster. — 19,45: Dr. Goldstein:„Vom Geist und Wesen des Ostpreußen“.— 20,05: Sonderbericht über das Olympische Fußballturnier in Amsterdam.— 20,15: Uebertragung von Münster.— Anschließend: Sonderbericht über das Olympische Fußball=Turnier in Amsterdam.— Letzte Meldungen, Sportbericht und Funkwerbung.— Darauf bis 24,00: Nachtmusik und Tanz. Leitung: Eysoldt. Verantwortl. für Unterhaltung u. Wissen, Theater, Konzert, Turnen u. Sport: Th. Schäfers, Schwerte. RSchent 5ei Schlusen S 5 0 Fgs# 5 5 Sand im Schuh. Von Richard Hanns Hoffmann. (Nachdruck verboten.) Fräulein Annette, die liebliche Tochter des Schloßverwalters, hält es mit den Lerchen und Finken, was das Frühaufstehen anbelangt. Noch hängen die Tauperlen an den Gräsern und Büschen, da trippelt das kleine Fräulein schon durch den Park nach dem Obstgarten, um Erdbeeren zu pflücken. Heute kommt nämlich Arthur, ihr Pflegebruder, der bei den Ulanen in der Stadt dient, zum erstenmal auf Urlaub, und da will Annette ihm seine Lieblingsfrucht als Willkommgruß auf den Frühstückstisch setzen. Plötzlich aber hält das Mädchen in seinem Laufe inne. Es pürt ein prickelndes, stechendes Gefühl auf der linken Fußsohle, daß es fast lachen muß.„Muß mir Sand in den Schuh gekommen sein,“ meint Annette, setzt sich am Wege auf einen Stein und streift den zierlichen Schuh von dem kleinen Fuße. Ein reizendes, morgenfrisches Bild: das hübsche, anmutige Kind mit dem niedlichen Häubchen und der weißen Latzschürze, in der einen Hand das weltbeherrschende Pantoffelchen, mit der andern leise über die Sohle streichend. Das muß etwas zu bedeuten haben, murmelt die Kleine, und richtig, da fällt ihr ein Sprüchlein ein, das sie einmal von der alten Dorfhexe gehört hat: „Wenn der Sand im Schuh dich sticht, Siehst du den Liebsten von Angesicht.“ Seltsam, kommt nicht just heut ihr Pflegebruder zurück? Torheit! Sie sind ja wie Geschwister zusammen aufgewachsen, wie sollte Arthur... und doch, als er Abschied nahm, küßte er sie so eigen, daß sie über und über rot wurde. Und dann hatte er sein Bild gesandt als schmucker Ulan und auf die Rückseite geschrieben:„Meiner lieben, einzigen Annette———.“„Dieser dumme Sand, auf was für torichte Gedanken er einen bringt!“ schmollt Annette, streift den Schuh wieder über und springt davon wie eine Gazelle. Aber das Sprüchlein der Dorssibylle geht ihr nicht mehr aus dem Sinn, und die Leute behaupten, es sei noch am selbigen Abend zur Wahrheit geworden. Kann wohl der Mensch dazu bestimmt sein, über irgendeinem Zwecke sich selbst zu versäumen? Schiller. Ein seltsamer Fall. Schiller sagt, es gibt keinen Zufall, und es gibt wohl zuweilen Ereignisse, die uns in der Tat überzeugen könnten, daß er hier recht hatte. Höchst merkwürdig jedenfalls mutet ein eigenartiges Zusammentreffen von Umständen an, dessen sich eine englische Familie in der Grafschaft Essex zu erfreuen hatte. Es sei ohne Kommentar hier wiedergegeben: Der Mann als Haupt der Familie heiratete, verlor seine Frau und heiratete zum zweiten Male. Der Name seiner ersten Frau war Elisabeth; sie war die älteste Tochter ihrer Familie; sie schenkte ihm dreizehn Kinder; sie kam zweimal zu früh nieder; sie gebar zweimal Zwillinge; von ihren dreizehn Kindern empfingen zehn die Taufe; ihr ältester Sohn starb sieben Jahre alt: als sie mit ihrem dreizehnten Kind niederkam, ha le sie sieben Kinder am Leben; nach siebenjähriger Ehe starb sie und hinterließ sieben Kinder. * Der Name seiner zweiten Frau war Elisabeth; sie war die älteste Tochter ihrer Familie; sie schenkte ihm dreizehn Kinder; sie kam zweimal zu früh nieder; sie gebar zweimal Zwillinge; oon ihren dreizehn Kindern empfingen zehn die Taufe; ihr ältester Sohn starb sieben Jahre alt; als sie mit ihrem dreizehnten Kind niederkam, hatte sie noch sieben Kinder am Leben; auch sie hatte nach siebenjähriger Ehe sieben Kinder; allerdings starb sie nicht zu demselben Zeitpunkt wie ihre Vorgängerin, aber höchst sonderbar ist das genaue Uebereintreffen aller übrigen Umstände. Gliederschmerzen. Der Uebergang von einer Jahreszeit zur andern pflegt stets auf den menschlichen Körper von gewissem Einfluß zu sein. Ganz besonders auffallend ist eine bei sehr vielen Menschen eintretende Mattigkeit und Zerschlagenheit, die oft sehr lästige Formen annehmen kann. Zugleich pflegen ganz eigentümliche Gliederschmerzen aufzutreten, die gelegentlich an rheumatische Affektionen erinnern können und zu quälenden, vor allem den Schlaf beeinträchtigenden Zuständen führen. Besonders in den unteren Extremitäten sind die Schmerzen häufig und auffallend. Ein unbestimmtes Ziehen, eine kaum zu unterdrückende Unruhe stellen sich ein. Bemerkenswert ist, daß äußere Ablenkung die Kennzeichen vergessen lassen. Auch die Arme, der Rucken können von Schmerzen befallen sein. Es handelt sich offenbar um rein nervöse Zustände, die sehr ähnlich denen sind, die Kinder in der Zeit sehr schnellen Wachstums aufweisen. Auch hier treten oft sehr quälende Gliederschmerzen auf, deren Grund in den Wachstumsvorgängen gesucht werden muß. Was wir als Ursache dieser Schmerzen bei Erwachsenen anzusehen haben, läßt sich kaum sagen. Wahrscheinlich spielen verschiedene Blutversorgungszustände in den betroffenen Körperstellen eine Rolle. Es ist nicht unwichtig, von dem Vorkommen derartiger Erscheinungen unterrichtet zu sein, weil wohl mancher sie für Anzeichen rheumatischer Erkrankungen halten dürfte. Damit haben diese Gliederschmerzen nichts zu tun. Als bestes Mittel dagegen bewährt sich eine energische und systematische aktive Massage durch Gehen, Laufen, Reiten, Radfahren und dergl. Auch passives Massieren der betreffenden Körperteile wirkt sehr wohltätig. Rätsel=Ecke. Worträtsel. Mit der Blüte süßem Duft Würz' ich reich im Mai die Luft, Doch verändert sich ein Laut, Liebchen, daß dir nur nicht graut! Fahre ich weit übers Meer, Riech' nach Tabak und nach Teer. Problem„Wanderer". SANNO EZ Auflösungen aus letzter Nummer. Kleeblatträtsel: 1. Lenz, Enz. 2. Mahl. Halm. 3. Ahorn, Thorn.— Halm, Ahorn, Mahl, Lenz, Enz, Thorn.— „Hamlet.“ Skat=Aufgabe: Im Skat lagen p10 und tr 7. A hatte: car B. ir D, p7, c A, c 10, c K, c9, car A. car 10, car 7. B hatte: p B, tr A, p A, cD, cs, c7, car K, car D, car 9, car 8. 1. Stich: car A, car K, tr 10+ 25; 2. Stich: tr B, car B tr A+ 15; 3. Stich: c B, tr D, p B— 7; 4. Stich c7, tr K, c9+ 4; 5. Stich. p8, o7, p A— 11; 6. Stich; c8, tr 9, cK+ 4.— Der Rest gehört dem Spieler. Die Gegner sind auf 18 Augen gekommen. 729 Wen 2. * 2 S 2 s a SSr r#s SSSTFSFRSSSSSSSESESSRSEESE S 9 1n! = (9 S 2 5 „**„ S# 2. S Sa.S2 *. Sa#g## □ Gegas T -### SS 2“„„## SpsiFsSsss#ss * 88n e des Debens T Bel M PE (1 4 3/M Roman von J. Schneider-Förstl. 28. Fortsetzung. Sie schüttelte den Kopf. „Nein, das weiß er nicht!“ Stockend, als zwinge sie die Scham, zu schweigen, gestand sie ihm die Lüge, deren sie sich schuldig gemacht, als er damals nach Indien ging.„Er weiß nicht,“ sagte sie,„weshalb mir der Doktor Penzl die Erlaubnis, mitzureisen, verweigert hat! Ich habe ihm nie von dem Kinde geschrieben, auch nicht, als es geboren war!“ Hartmann war maßlos erstaunt. Er schüttelte wiederholt: den Kopf. „Aber Frau Lisa!“ war alles, was er hervorbrachte. Sie erklärte ihm, welche Beweggründe sie hierbei geleitet hatten, aber er äußerte unverhohlen sein Bedenken. „Was würden Sie sagen, Frau Professor, wenn er nun den Jungen nicht als den seinen anerkennt? Er weiß ja nicht, daß Sie schon gesegnet waren bei seinem Gehen! Haben Sie das nie bedacht?“ fragte er warnend.„Ich achte Ihre Gründe, die Sie mir klarlegten, gewiß, aber daß ihm sein Kind„geboren“ ist, das hätten Sie ihm schreiben müssen!“ Sie starrte mit weitgeöffneten Augen in die seinen. „Ich bin überzeugt,“ tröstete er,„daß Ihr Mann ein unbegrenztes Vertrauen in Ihre Liebe und Treue setzt Aber immerhin! Anders wäre es besser gewesen— denke ich!“ Er gedachte dabei jener Stunde, in der er selbst an Ruths Treue und Liebe gezweifelt hatte. An Ruth! Dieser reinsten aller Frauen, welche die Erde trug. Lisa war wie zerschlagen. „Ich will ihm alles schreiben— heute noch!“ kam es aach einer Weile des Stillseins aus ihrem Munde. „Ja, tun Sie das, Frau Lisa! Und meiner Frau und mir gestatten Sie, daß wir Sie bis zur Rückkehr Ihres Mannes als Gast betrachten. Sie müssen unbedingt für einige Zeit entlastet werden, sonst versagt die Natur mit einem Male. Sie müssen schon des Kindes wegen mehr an sich denken!" Nach Frauenstein zu kommen, lehnte sie dankend ab, aber wenn er ihr behilflich sein wollte, ihr einige tausend Mark als erste Hypothek auf den Klausenhof zu verschaffen, würde sie ihm sehr dankbar sein, sagte sie. Er versprach, bereits morgen die Sache zu regeln. Im Grunde genommen war er sich jetzt schon klar, wie es sich am besten machen ließ. Lisa brauchte nicht zu wissen, daß er seinen Schwiegervater bitten wollte, ihr eine Summe von einigen tausend Mark zinslos zu überlassen. Sie war ja so unerfahren in solchen Dingen und mochte ruhig glauben, es sei eine Hypothekanleihe. Das Gewitter hatte sich verzogen. Nur ein leiser Regen fiel noch; Hartmann sah noch einmal auf Lisas Wunde (Nachdruck verboten.) und erneuerte den Verband.„Nun muß ich Sie allein lassen, Frau Professor,“ sagte er bedauernd.„Morgen früh schicke ich Ihnen die Schwester herüber. Sie ist sehr anpassungsfähig und hat die Kinder ungemein lieb, ich weiß das aus ihrem Verkehr mit meinen beiden kleinen Töchtern. Sie werden nicht im mindesten durch Schwester Therma gestört sein!“ Lisa verabschiedete sich halb im Taumel von ihm. Alt er schon lange gegangen war, saß sie noch immer reglos. Klein=Herbert schlief friedlich in ihrem Arm. „Ihm schreiben! Alles schreiben!“ stöhnte sie. Sie fühlte eine würgende Scham, als sei dieses Kind, dessen Dasein sie dem Manne, der es gezeugt, erst jetzt gestand, eine Frucht der Schande. Röte und Blässe lösten sich auf ihren Wangen ab. Wen rief sie zum Zeugen an? Mutter war tot! Sie war die einzige gewesen, der sie sich anvertraut hatte, sonst gab es niemanden, der für sie sprechen konnte, wenn er ihren Worten nicht glaubte. Was dann? Sie brachte das Kind zu Bett. Mit schweren Gliedern setzte sie sich an den Schreibtisch ihres Mannes. Sie fror. Mit Mühe hastete die Feder über die Zeilen. Ihr war plötzlich, als sähe sie sein Gesicht über sich gebeugt. Seine Augen bohrten sich auf die Buchstaben, die sie schrieb. Und sie glaubte schon die Antwort ihres Mannes zu vernehmen: „Mach nicht so viele Worte! Ich glaube dir doch keins von allen!“ Lachte jemand? Erschrocken sah sie sich um. Nein. Das Zimmer war leer. Wieder neigte sie sich über den Bogen. „Wessen ist das Kind?“ „Sie schrie auf. Mit zitternden Füßen wankte sie zum Fenster, die Rolläden herabzulassen. Wer war das, der da draußen im Garten stand?— Er, Ein höhnisches Lächeln spielte um seinen Mund. „Weißt du, was eine Dirne ist?“ Sie griff lautlos nach einem Halt. „Warum hast du mir das Kind verheimlicht, wenn es meines Blutes ist?“ Ihre Knie begannen zu wanken. Ihre Hand tastete ins Leere. „Ehebrecherin!“ Immer näher kam das Gesicht draußen. Immer näher. Nun wuchtete seine Gestalt vor ihr auf. Groß! Hager! Wuchs ins Riesenhafte. Seine Hände klammerten sich um ihren Arm und drückten sie nieder. Tief, immer tiefer! Sie wollte rufen und sich von seinem Griff befreien. Nun legten sich seine Finger um ihren Hals. Fest. Noch fester! „Mutter!“ Mit einem Röcheln schlug Lisa zu Boden und fiel schwer gegen die Ecke eines Schrankes. Die wohltuend weichen Hände tiefster Bewußtlosigkeit hüllten sie ein Und draußen tropfte der Regen lautlos von Baum und Strauch. Gierig sogen die Wurzeln all das Naß in sich. Ein leises, geheimnisvolles Raunen wob durch die Zweige. Vom Wald herüber rauschten die Weißtannen. Ganz sacht wiegten sich ihre Wipfel und hörten kaum das ferne Rollen. Wetterleuchten zuckte traumverloren am Westhimmel. Durch das offene Fenster schlich der Nachtwind und spielte mit kosenden Händen um das blasse Gesicht des armen, jungen Weibes, das noch immer am Boden lag. Klein=Herbert erwachte und rief mit seinem Kinderstimmchen nach der Mutter. Sie horte ihn nicht. Schlaftrunken fielen ihm die Augen wieder zu. Vom Dom Paßburg herauf, durch die Nachtstille und vom Ostwind getragen, kamen zwölf dumpfe, halbverschwommene Glockentöne. St. Anton auf der Höhe wiederholte sie. Dann ein fernes Rollen— Kanonendonner vom Wall der Festung— ein tiefes Rot am westlichen Himmel! „Brand!“ Roch einmal ein Rollen—— und wieder!— „Großfener!“ Schloß Buchheim stand in Flammen. Von Paßburg jagten die Feuerlöschautomobile. Von allen Seiten rückten Löschzüge an Kommandorufe erklangen. In Frauenstein fiel die Kunde wie ein Blitz. Eberhard war verreist, auch Hans von Hechingen. Nur Trude war allein zu Hause. Hartmann sprang aus dem Bette; Hemd und Hose und eine Lederweste darüber, jag e er auf seinem Braunen nach Buchheim hinüber. „Trude!“ war sein einzig. Gedanke. Kaum vom Pferde gesprungen, fragte er nach er. Niemand wußte von der jungen Frau, niemand hat:: jie gesehen. Also hinein in die breun#e Lohe! Der Weg durch die Halle war versperrt. Ein Kl##amenmeer schnitt ihm jedes 2o dringen ab. Die Leiter maauf! Er wußte, wo Trudes Schlafzimmer lag. Der breit: ppichbelegte Gang war ein rauchendes, qualmendes Feuc eer. Mit beiden Fäusten stieß er gegen die Türe. „Trude!“ Kein Laut kam von innen. War sie erstickt? Krachend splitterte die Türfüllung. Mit einem Sprung stand Hartmann vor ihrem Bett und riß die Besinnungslose an sich. Erstickend der Qualm. Durch den Korridor zurück zukommen war unmöglich. Er stieß das Fenster auf und rief ein helles Kommando in den menschenwimmelnden Hof. Ein Sprungtuch spannte sich fast im gleichen Augenblick. Mit sicherem Wurf fiel Trudes Körper in dem Tuch auf. Aeber Hartmann begann es zu bersten und zu krachen. Ruth! Er mußte leben um seines Weibes willen. Sein Tod war auch der seiner Frau. Seine Kinder! Vollwaisen.= Ein Ruf von unten. Ein donnerndes Krachen. Das Sprungtuch spannte sich zum zweitenmale. Zu spät! Hartmann hatte den Sprung eine Sekunde zu früh gemacht. Mit schwerem Fall traf sein Körper unten auf. Leblos blieb er liegen. Sanitäter eilten herbei und trugen ihn seitwärts in den Bart.„., 26 Emachte und bi. k. Als Trude aus ihrer Betauvung erwachte und die brennende Lohe sah. schrie sie jammernd auf. „Wer hat mich herausgeholt?“ stammelte sie. Dr. Penzl, der mit der Kolonne gekommen war, beugte sich über sie.„Ihr Schwager, Frau von Hechingen,“ sagte er und schwieg dann.. 46 915, Trudes Augen suchten nach iym.„Wo ist er?“ fragte sie bittend. Ein Sanitäter trat zu Hofrat Penzl und meldete:„Alles bereit zum Transport des Herrn Baron von Hartmann. Wohin soll er gebracht werden?". 6. Trudes Augen öffneten sich schreckhaft, mit beiden Handen griff sie nach Penzls Arm.„Ist er tot?— Mein Schwager tot?“. 4, Jch haft., Joß „Nein! Beruhigen Sie sich! Ich hoffe, buß er zu retten ist! „Lassen Sie mich zu ihm!“ jammerte sie.„Lassen Sie Sie schnellte auf und lief dem Sanitäter nach, der eben raschen Schrittes einer Baumgruppe zueilte. Sie sah eine Bahre, die am Boden stand, ein totenbleiches Gesicht mit geschlossenen Augen. 2 Tränenüberströmt neigte sich ihr Antlitz über das seine, immer näher, bis ihre Lippen auf seinen festgeschlossenen stummen Mund trafen. O, nur ein Ton! Nur ein einziger Laut! Es wurde ihr nichts. Er lag wie ein Toter, die beiden Arme hatte man behutsam dicht an seinen wunden Körper gebettet. Dann dachte Trude an ihre Schwester Ruth. Ruth würde sterben daran. Sinnlos vor Angst fiel sie neben der Tragbahre in die Knie. „Heinz! O, Heinz!—“ Dr. Penzl schalt, als er sie klagen hörte.„Das dürfen Sie nicht, Frau von Hechingen! Auf mit der Bahre! Nach Paßburg in die Klinik! Das Sanitätsauto steht vorne an der Wegbiegung!“ „Nicht! O, nicht! Bringen Sie meinen Schwager nach Frauenstein!“ bat sie angsterfüllt.„Nicht nach Paßburg! Wenn meine Schwester ihn vermißt, tut sie sich ein Leid an!“ Penzl überlegte kurz.„Also dann hinüber nach Schloß Frauenstein! Ich komme gleich nach, habe noch eine Quetschwunde zu verbinden.“ „Darf ich mitfahren?“ flehte Trude. „Nein, gnädige Frau! Kann ich nicht erlauben! Tut Trude sah noch, wie man Hartmann behutsam aufhob, dann lief sie, ohne nach ihrem brennenden Heim zurückzublicken, über Wiesen, Felder und Gräben nach Frauenstein. Drüben den Waldsaum entlang lief ein breiter, blendend heller Lichtkegel. Atemlos hetzte sie vorwärts. Die Scheinwerfer des Sanitätsautos kletterten, hellfarbenes Licht spendend, bereits die letzte Wegsteigung empor O Gott! Nur kein Hupensignal, das Ruth weckte! Das Tempo langsam verringernd, hielt der Wagen fast lautlos vor der Halle. Trude hatte die Schwester gerufen und Friedrich, dessen Füße fast den Dienst versagten. Ganz leise gingen die Träger, ganz vorsichtig, um jede Erschütterung zu vermeiden. Die Schwester sprach im Flüsterton zu ihnen. Die Bahre senkte sich zu Boden. Der dicke, breite Läufer des Ganges verschlang jeden Laut. Eine Türe öffnete sich. Geräuschlos. Angesehen. Zwei zu Tode erschrockene Augen irrten nach dem Platze, wo Hartmann lag. Ein einziger, heller Schrei! Mit beiden Armen umschlang Ruth den Körper des geliebten Mannes. „Liebster— was hast du mir getan?— Was hast du nir se6er*. ueente 8 „Liebe Frau Baronin,“ maynte Schwester Therma,„Sie töten ihn, fassen Sie sich!“ Sie vergaß ganz, daß sie zu einer Irren sprach...4 9. Türz ihuss Ruth erhob sich, wankte nach der Ture ihres Schlafgemachs und öffnete diese weit. Die Träger betteten Hartmann mit geübten Händen in die Kissen. Eben trat Dr. Penzl ein. Er beachtete niemanden, trat sofort zu dem Schwerverletzten. Mit einem Wink rief er die Schwester an deine Sete. eeich „Das rechte Bein zerspuittert— Nierenquelschung— durch die Wunde am Hinterkopf möglicherweise das Kleingehirn verletzt— leisten Sie mir die nötigen Handreichungen. Die Sanitäter werden drüben benötigt!“ Mit einer kurzen Handbewegung ließ er diese gehen. Ruths Augen irrten von ihrem Gatten zum Arzt und wieder zurück. Kein Ton kam über ihre Lippen. Sie stand dicht neben Hartmanns Lager am Kopfende, die Hände krampfhaft ineinandergeschlungen, folgte sie jeder Bewegung Penzls. Plötzlich stöhnte Hartmann auf. Der Arzt war mit einer Sonde in die Wunde am Hinterkopf gefahren. Penzl nickte.„Endlich!— Wenigstens ein Lebenszeichen!— Ist ganz gut so!“ Ruth fing bei dem Jammerton des leidenden Gatten zu zittern an. Ein warnender Blick der Schwester traf sie. Da wurde sie wieder ganz still. „Ist das Bein verloren, Herr Hofrat?“ fragte die Schwester leise. „Hm!— Wegnehmen möchte ich es nicht!— Warten wir bis morgen!“ hieß die Erwiderung. (Fortsetzung folgt.) 723 Nur das war Tag! Nur das war Nur das war Tag, Als du mit deinem Aug' mir leuchtetest, Mehr als die Sonne selbst, die unbemerkt Am Himmel kam, am Himmel untersank. Mehr als die Erde, die vergessen lag— Nur das war Tag! Nur das war Nacht, Als ich in Finsternis dich selbst nicht sah. Du mir nur Flüstern, süß Geheimnis warst, Und keins von uns das Haupt nur leis' erhob Nach jener schwer entbehrten Sterne Pracht— Nur das war Nacht! Leopold Schefer. — Die Drei um Mitternacht. Eine verblüfsende Begegnung. Von Walter Bode. (Nachdruck verboten.) Fritz Meyer, in Firma S. F. Meyer und Co., Herrenkonfektion en gros, besaß in seiner Villa einen prachtvollen Tresor, der, einem drohenden Ungetüm gleich, klotzig und hahnlachend seinen Platz im wenig benutzten Arbeitszimmer behauptete. gss..06 ihn abneseh Längst schon hatte es Bob Wilkins auf ihn abgesehen. Eine dunkle Nacht ließ ihn sein Vorhaben zur Ausführung bringen. Er pirschte sich durch den Garten an das in tiefer Ruhe liegende Haus heran, schnitt mit geübten Händen— kchchch— eine Fensterscheibe entzwei und trat näher. Wilkins war Spezialist. Tresore und Fensterscheiben— das waren zwei Artikel, die schon immer sein Interesse gereizt hatten. Er arbeitete mit eigenen Kunstgriffen und Tricks. Verzichtete völlig auf Sauerstoffgebläse und ähnliche Dinge. Sein Ruhm war selbst schon bis zur Polizei gedrungen, der er bereits zweimal sein dreifaches Kontersei ins Poesiealbum gewidmet hatte. Hallo! Würden wieder große Augen machen morgen, die gestrengen Herren sich hinter den Ohren kratzen und sagen:„Hut ab! Eine MusterAn alles dachte Bob mit einem gewissen Behagen, das jeder Mensch empfindet, der mit Lust und Liebe seinem Berufe nachgeht, während er sich mit dem stählernen Ungeheuer beschäftigte. Dann aber unterbrach er jäh seine Tätigkeit. Taghell war es im Raum geworden. Von der Decke herab strahlte der sechsarmige Lüster so grell, daß Wilkins für Sekunden die Augen schloß. Als er sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, erblickte er an der Tür zwei Personen, die vordem nicht dort gestanden hatten. Eine Dame eine sehr hübsche, junge Dame, und einen Herrn mit lanzem, wallenden Vollbart. Wilkins war ein ebenso schnell gefaßter, wie höflicher Mann, der wußte, was sich gehörte. So machte er eine Verbeugung und sagte:„„.. i, aub „Entschuldigen Sie, Herr Meyer— es kut mir außerordentlich leid— aber da Sie nun einmal hier sind, mochle ich nicht länger störend in Ihre Privatverhaltnisse eingreifen!“ Sprach's— und wollte mit expreßähnlicher Geschwindigkeit das Zimmer verlassen, eine Absicht, mit der sich der Herr nicht einverstanden erklärte. „Hiergeblieben!“ befahl er, wobei er den drohenden Tonfall seiner Stimme mit dem Hervorziehen eines niedlichen, siebenschüssigen Brownings unterstützte, so daß sich Bob entschloß, noch ein wenig zu verweilen. Trotzdem er glaubte, völlig beherrscht zu sein, mußte er doch kein sehr geistreiches Antlitz zur Schau tragen, denn die junge Dame ließ ein heiteres Lachen hören. Der Herr beachtete jedoch diese melodische Unterbrechung nicht, sondern wandte sich mit der sonderbaren Frage:„Was suchen Sie hier?“ an Wilkins.„Du lieber Gott!“ erwiderte dieser.„Die Zeiten sind schlecht und das Geld ist knapp— vielleicht, so bachte ich, ist hier irgendwie ein Ausgleich zu „Sie wollten den Geldschrank aufbrechen?“ „Hm— so sagt man wohl dazu—!“ Jetzt lächelte der Herr: Ich hätte Sie für klüger gehalten, als daß Sie Ihre Zeit und Kraft an diesem Tresor verschwenden. Es ist ein Unding, ihn gewaltsam öffnen zu wollen. Als Fachman müßten Sie das wissen!" „Nicht zu öffnen? Die Sardinenbüchse da?“ Wilkins' gekränktes Ehrgefühl erwachte.„Die schaffe ich in einer Viertelstunde!" 2 Wieder lachte die Dame. Der Herr wurde ernst.„Gut!“ sagte er.„Ihr Größenwahn soll seine Sühne finden. Ich betrachte die Angelegenheit als reinen Sport und erklat Ihnen: Brechen, Sie den Tresor in fünfzehn Minuten aaf. lasse ich Sie laufen. Erweist sich aber Ihre Behauptung als großtuerische Anmaßung, werde ich die Polizei verständigen und Sie abführen lassen!“ „Gemacht!“ strahlte Bob Wilkins. Der Herr blickte zur Standuhr, dann kommandierte er:„Los!“ Und Wilkins begann zu schuften. Wie ein Berserker. Die Minuten verrannen. Das Kreischen und Knirschen der Feilen. Sagen und Bohrer waren die einzigen Geräusche. 7—8—9— —11— Minuten. Wilkins rann der Schweiß aus allen Poren. Mit zusammengebissenen Zähnen arbeitete er. 13— 14— noch ein Ruck— ein Stoß— ein Stemmen 15— und langsam, schier feierlich, schob sich die gepanzerte Tür auf. Wilkins' Freiheit, und mehr als das: seine Be„Großartig“ rief der Herr, in heller Vegeisterung auf ihn zueilend.„Sie sind ein— ein—!“ Er fand wohl nicht gleich den rechten Ausdruck für den braven Wilkins, rusur aber ergriff er dessen Hand— nein, beide Hande— und schüttelte sie kräftig. Bei dieser Gelegenheit gab es ein metallenes, schnappendes Geräusch. „Teufel!“ brüllte Wilkins auf und starrte auf die Handschellen an seinen Gelenken. Mit einem Wutschrei wollte er sich auf den Herrn stürzen, aber noch rechtzeitig genug sah er die Mündung des Revolvers auf sich gerichtet. „Rühren Sie sich nicht von der Stelle!“ sagte die Dame und machte ein bitterböses Gesicht dazu. mit den Zähnen, fügte sich und sah zu, wie der Herr dem erbrochenen Tresor einige geschwollene Banknotenbünde. entnahm. Der Herr verstaute das Geld sorgfältig in seinen Taschen und nickte dabei Wilkins wohlwollend zu. „Ich bin Ihnen zu größtem Danke verpflichtet,“ sagte er mit gewinnendem Lächeln.„Meine Kollegin und ich quälten uns schon drei Stunden mit dem Kasten und wollten bereits unseren Plan aufgeben— da kamen Sie! Also: Mein Kompliment! Sie sind ein Meister!— So!— Und nun seien Sie vorsichtig. Jeden Augenblick kann Herr Meyer aus der Oper zurückkehren! Sie handeln am schlauesten, wenn Sie ebenso schnell und geräuschlos verschwinden, wie wir es jetzt tun werden—!“ Knips— machte der elektrische Schalter. Das Zimmer lag in tiefer Finsternis. Eilige, sich entfernende Schritte— ein girrendes Lachen von weither— dann war es still. D preßte Wilkins die Feile zwischen die Knie und hatte reichlich zehn Minuten zu tun, sich von den lästigen Armbänderr Seine Wut kannte keine Grenzen. Sich wie ein Neulinz von zwei Zunftgenossen plump übertölpeln zu lassen! Das war die Höhe! Die Haare hätte er sich einzeln ausreißer können. G12 7. sbemeine dande intrichte er.. Dann sprang er aus dem Fenster— just, als draußen vor dem Portal das elegante Privatautomobil des Haus herrn bremste—. des Nächsten. Jeder Mensch hat seine guten und bösen Seiten, Schwächen und Fehler, der eine mehr, der andere weniger. Häßlich und verabscheuungswürdig ist es, wenn jemand die Fehler und Schwächen des Nächsten verbreitet und ausposaunt, vielleicht, um sich irgendwo beliebt zu machen, oder sich selbst als gut und edel hinzustellen. Doch das Gegenteil wird er erreichen. Er wird sich nicht beliebt machen, denn der, der ihn anhört, wird mit Recht mißtrauisch gegen ihn werden, sofern er nicht gerade dumm ist, denn er muß sich sagen, auch ich habe meine Fehler, wehe, wenn der Ausposauner sie erfährt, dann weiß sie bald die ganze Stadt. Man wird ihn auch nicht für gut, geschweige denn für ede! halten, sondern vielmehr auf den Gedanken kommen, daß er selbst wohl etwas Schlechtes zu verbergen haben muß, weil er ein solches Geschrei über die Fehler des Nächsten erhebt, gewiß nur, um die Aufmerksamkeit von sich au, andere zu lenken. Jeder aber der den Verkünder der Fehler des Nächsten hört, lasse es sich zur Warnung dienen: Diesem darfst du dein Vertrauen nicht schenken, er wird von dir genau so schlecht reden. 723 135