W Bengspreis baldmonatlich 1.20 Maik, Eizelnummer 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), Postscheckkonten: Vortmund 2832 und Hannover 21876. Geschästskelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitun= H. Linner, Schwerte. Fernruf 62. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Volksblatt 2 PrihlitrsSPE. Welthofener Zeitung Holerbeter Zelung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung e Pg.: Answorige 10„Jsa., Netamgzels 40 Pia. Fir telesonisch aufgegebene Irzerate übernehmen wir keine Gewähr. Bei unvorbergesehenen Betriebsstörungen, hervorgerusen durch döhere Gewalten, übernehmen wir heinerlei Gewähr für pünktliches Erscheineg der Jeitung und kann auch keinerlei Ansporuch auf Schadenersatz oder Nachlieferung erhoben werden Nüur uenr und Gundu Shterrter fotchiet Gmm.„ Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde* Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. e Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Nr. 130(Erstes Blatt) Schwerte(Kuhr), Montag, den 7. Juni 1926. Id. Jahngung. Neues in Kürze. Relegationen in Hannover. wtb. Hannover, 6. Juni.(Tel.) Wegen der Ausschreitungen gegen Professor Lessing sind von den 200 Stundenten. die ihre Ausweiskarten abgeben mußten, 10 vom Disziplinarausschuß der Technischen Hochschule relegiert worden. Nunmehr ist die Relegation auch noch gegen einen elften Studenten ausgesprochen worden. Kundgebung der Bischöfe zum Volksentscheid. pw. Berlin, 6. Juni.(Tel.) Die Bischöfe der deutschen Diözesen haben, den Diözesanblättern zufolge, eine Kundgebung zu dem Volksentscheid erlassen, in der sie sich gegen die Enteignung der Fürstenhäuser wenden. Autounfall Dr. Eckeners. pw. Berlin, 6. Juni.(Tel.) Blättermeldungen zufolge hat gestern abend Dr. Eckener einen Autounfall erlitten. Das Auto Dr. Eckeners geriet auf der aufgeweichten Straße ins Schleudern und prallte gegen einen Chausseebaum. Dr. Eckener wurde bewußtlos, ohne jedoch erheblich verletzt zu sein. Sein Begleiter blieb unverletzt, während der Führer des Wagens erhebliche Beinverletzungen davontrug und in das Westsanatorium gebracht werden mußte. Zentralausschußsitzung der Reichsbank. wtb Berlin, 6. Juni.(Tel.) Der Zentralausschuß der Reichsbank ist auf Montag, den 7. Juni, vormittags 10 Uhr einberufen. Es handelt sich um eine der üblichen Sitzungen des Zentralausschusses. Unfall eines dänischen Flugzeuges. wtb. Hamburg, 6. Juni.(Tel.) Ein Flugzeug der dänischen Luftfahrt=Gesellschaft, das am Samstag von Kopenhagen nach Köln über Hamburg startete, mußte infolge dichten Nebels in der Nähe von Bad Cleinen notlanden. Beim Start erlitt das Flugzeug einen Radbruch, stellte sich auf den Kopf und ersuhr starke Beschädigungen. Die Fahrgestelle und drei Propeller zerbrachen. Der Vorbau in dem die Passagiere saßen, wurde eingedrückt. Die Passagiere blieben unverletzt. Veränderungen in der Reichswehr. wtb. Dresden, 6. Juni.(Tel.) Der unter dem 31. Oktober 1925 zum Besehlshaber im Wehrkreis 4 zum Kommandeur der 4. Division ernannte Generalleutnant von Pawelsz wurde unter dem 1. Juni behufs weiterer Verwendung als Reichskommissar zur Vertretung der deutschen Regierung gegenüber der Interalliierten Militärkontrollkommission von der Stelle als Kommandeur der 4. Division enthoben und zur Heeresfriedenskommission versetzt. Mit dem gleichen Tage wurde Generalleutnant Moellwarth, bisher Infanterieführer 5 und Landeskommandant in Württemberg, zum Kommandeur der 4. Division und Besehlshaber im Wehrkreis 4 ernannt. Der Opiumausschuß des Völkerbundes. wtb. Genf, 6. Juni.(Tel.) Der Opiumausschuß des Völkerbundes hat einen Antrag des Vertreters der Vereinigten Staaten auf Einberufung einer internationalen Konserenz der Polizeibehörden, die für die Kontrolle des Handels mit schädlichen Drogen zuständig sind, und einer zweiten internationalen Konferenz der Erzeuger von Betäubungsmitteln auf seine nächste Tagung im Januar 1927 verschoben. Inbetriebnahme des größten französischen Kraftübertragungswerkes. wtb Paris, 5. Juni.(Tel.) In Eguzon en Creuse ist gestern eine Wasserkraftanlage in Betrieb genommen worden, die das größte Kraftübertragungswerk in Frankreich ist. Es soll hauptsächlich für die Elektrifizierung der Eisenbahnen und die Speisung der Pariser Gegend mit elektrischer Kraft nutzbar gemacht werden. Fremdenfeindliche Kundgebungen in China. wtb. Paris, 6. Juni.(Tel.) Wie Havas aus Hanoi meldet, werden seit dem 30. Mai in Lungtschau(Provinz Kuangsi) heftige fremdenfeindliche Kundgebungen veranstaltet. Die Häuser der ausländischen Missionen und der Zollverwaltung sind geplüiniert worden..(., 9.: Saurraf 4.t wtb Paris, 6. Juni.(Tel.) Das Journal teilt mit, daß sich im Außenministerium die eingegangenen Nachrichten über den Ausbruch von schweren fremdenfeindlichen Unruhen in der Provinz Yünnan bestätigen. Zahlreiche französische Geschäftshäuser und das Missionsgebäude seien geplündert worden. Reichsminister Stresemann und die Leipziger Messe. wtb. London, 6. Juni.(Tel.) Preß Association meldet, daß das Londoner Büro der Leipziger Messe ein Schreiben vom Reichsminister Dr. Stresemann erhalten hat, in dem dieser sein Interesse an den Bemühungen, eine britische Sektion zu bilden, ausdrückt und schreibt:„Ich bin sehr erfreut über die Art, in der Sie Ihre Tätigkeit anwenden, um die Handels: beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland zu vermehren und wünsche Ihrem Unternehmen den allerbesten Erfolg.“ Maßnahmen gegen die Baugenossenschaften in Italien wtb. Rom, 6. Juni.(Tel.) Dem Minister für öffentliche Arbeiten ist die Befugnis erteilt worden, die Leitungen von Baugenossenschaften, die einen staatlichen Zuschuß erhalten, aufzulösen oder ihnen einen königlichen Verwaltungskommissar beizugeben, wenn sich in diesen Baugenossenschaften Leiter und Verwalter befinden, die nicht mit den allgemernen Richtlinien der Regierung übereinstimmen. Der Mossulvertrag unterzeichnet. wtb. Angora, 6. Juni,(Tel.) Der Mossulvertrag wurde heute vom türkischen Minister des Aeußern, Tewfik Ruschdi Bey, dem britischen Botschafter Sir Honald Lindsay und dem Vertreter des Jrak, Muri Pascha, unterzeichnet. Eine Rede des Reichsinnenministers Dr. Külz. wtb. Schwerin, 6. Juni.(Tel.) In einer öffentlichen Versammlung in Schwerin äußerte sich am Samstag, 5. Juni, der Reichsminister des Innern, Dr. Külz, ausführlich und programmatisch zu den Problemen der Reichspolitik. Jede deutsche Politik, so führte der Minister aus, werde noch auf lange Zeit hinaus sich folgende Ziele zu setzen haben: Festigung des Staatsgefüges, Wiedereinfügung Deutschlands als gleichberechtigter Faktor in die Mächtekonstellation der Welt. Wiedereinordnung der deutschen Wirtschaft in die Weltwirtschaft, Neuordnung und Festigung der eigenen Staats= und Volkswirtschaft und Förderung der deutschen Kultur. Das Staatsgefüge der deutschen Republik sei ernstlich nicht gefährdet. Die wesentliche Frage sei nicht mehr Republik oder Monarchie, sondern die, mit welchem staatspolitischen Inhalt die Republik erfüllt werden müsse. Die Tatsache, daß Hindenburg streng auf dem Boden der Verfassung stehe und die Art, wie er sein hohes Amt als Reichspräsident führe, stelle sich als eine starke Festigung des heutigen Staates dar. Die Republik habe keinen Anlaß nervös zu werden, wenn Phantasten oder Narren mit irgendwelchen unmöglichen Angriffen gegen die Staatsordnung sich beschäftigen. Die Befürchtungen wegen der zu Pfingsten veranstalteten kommunistischen Aktion hätten sich als vollkommen übertrieben herausgestellt. Was aus den in Preußen jetzt gegen Putschgedanken von Rechts unternommenen Vorgehen herauskommen werde, werde die schwebende Untersuchung hoffentlich recht bald klarlegen. Pflicht jeder Regierung und jeder staatserhaltenden Partei sei es, das Gefüge der Republik so zu festigen, daß auch nicht mehr der Gedanke eines Angriffs auf sie aufkommen könne. Zur inneren Konsolidierung der staatlichen Verhältnisse des Reichs gehöre das Gefühl innerlichen Verbundenseins der Länder mit dem Reiche. Die bekannte zweite bayrische Denkschrift werde Anlaß zur Nachprüfung der Frage sein, ob die Beziehungen der Länder zum Reiche noch enger gestaltet werden können wie bisher. Im innerlichen Verbundensein mit dem Staate müsse sich auch die Beamtenschaft und die Reichswehr befinden. Beide müssen ein zuverlässiges Instrument in der Hand des Staates zu seiner Selbstbehauptung cin.„/ Sgen Nur Nurtigen Pe Die Bemühungen der deutschen Regierung um Wiedereinfügung Deutschlands in die Mächtekonstellation der Welt würden trotz der Ereignisse in Genf mit allem Nachdruck fortgesetzt. Wenn Genf für Deutschland auch einen starken moralischen Erfolg bedeutet habe, so müsse doch die Politik über den moralischen Erfolg hinweg zu greifbaren, praktischen Ergebnissen gelangen. Die Studienkommission für die Zusammensetzung des Völkerbundsrats, die vorbereitende Kommission für die Abrüstungskonferenz seien als Stappen auf dem Wege zu diesem Ziel zu betrachten. Die zu erstrebenden Ziele würden nicht von heute zu morgen erreicht werden. Aber das dürfe nicht hindern, sie mit allem Nachdruck zu verfolgen. Der Monat September werde zeigen, ob mit der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund sich die endaültige Abkehr vom Geiste von Versailles auch äußerlich politisch zeige. Das deutsche Volk wünsche in seiner übergroßen Mehrheit eine Außenpolitik der Verständigung in den Grenzen, die nationale Würde und wirtschaftliche Lebensmöglichkeit zulallen.„gm.. m stitchf Der Organismus der Weltwirtschaft sei durch den Krieg und die Nachkriegszeit aus seiner früheren Bahn geworfen worden. Es gelte hier eine völlige Neuordnung zu vollziehen und dabei Deutschland mit seinen wirtschaftlichen Interessen einzuordnen. Die wirtschaftliche Orientierung der europäischen Mächte zu einander werde im Verfolg dieser Entwicklung auf völlig andere Grundlagen gestellt werden müssen als früher; denn es würde sich für ganz Europa als vernichtend erweisen, wenn sich die einzelnen Staaten mit Hochschutzzollmauern von einin Köln. wp. Köln, 6. Juni. Die Oesterreichische Woche in Köln, die den Zweck hat, die zwischen Donau und Rhein bestehenden Beziehungen zu festigen und zu vertiefen und den Gedanken des Anschlusses unter höheren Gesichtspunkten zu fördern, wurde heute vormittag im Gürzenichsaale durch einen Vortrag des Professors der Geschichte, Dr. Harold SteinackerInnsbruck über„Die historischen Beziehungen der Rheinlande zu Oesterreich“ eröffnet. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. Landeshauptmann Dr. Stumpff, den stellvertretenden Bürgermeister von Innsbruck, die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, sowie der Geistlichkeit und der Universität Köln. Oberbürgermeister Dr. Adenauer begrüßte mit herzlichen Worten die Tiroler Gäste, die als die ersten zur Oesterreichischen Woche erschienen seien und deren Land uns durch die mitempfundenen Leiden tief ans Herz gewachsen sei. — Landeshauptmann Dr. Stumpff brachte alsdann zum Ausdruck, daß dieser Tag ein solcher des Erlebens für die Tiroler bedeute und lange in der Erinnerung haften bleibe. Die Zeit sei hoffentlich nicht mehr fern, wo das verlassene Kind Oesterreich wieder zur Mutter eilen würde. Es sei nur zu wünschen, daß wir dann einig und stark seien. Professor Dr. Harold Steinacker gab hiernach in längeren Ausführungen einen historischen Rückblick über die Zugehörigkeit von Rhein und Donau, woander abschließen wollten. Wirtschaftsabkommen und Handelsverträge, von denen in letzter Zeit mehrere zustande gekommen seien, müßten die Grundtendenz haben, für Deutschlands Fertig= und Halbfabrikate den Weg zum Export zu öffnen und die Einfuhr der benötigten Rohstoffe zu erträglichen Bedingungen zu gewährleisten. Die innere Wirtschaft Deutschlands leide noch stark unter der Erwerbslosigkeit. Man werde sich leider mit dem Gedanken vertraut machen müssen, eine Zahl von etwa ¾ Millionen Erwerbslosen für längere Zeit zu ertragen. Diese Erkenntnis zwinge zu einer beschleunigten Regelung der Erwerbslosenversicherung. Die gespannte Lage unserer Wirtschaft zwinge aber des weiteren zur Vermeidung aller gefährlichen Experimente. Ein solches unverantwortliches Experiment würde es sein, wenn man jetzt erneut die Aufwertungsfrage ins Rollen bringen würde. Man könne sehr wohl die Auffassung haben, daß die gesetzliche Regelung der Aufwertungsgesetze manchen Wunsch offen lasse, aber eine Aufwertung im Sinne der jetzt erstrebten Volksbegehren würde den Ruin der Privatwirtschaft und der Staatswirtschaft bedeuten und damit den von der Inflation betroffenen unglücklichen Opfern nicht nur nichts nützen, sondern sie und das ganze Volk von neuem auf das schwerste gefährden. Deutschland müsse nicht nur alles vermeiden, was eine abermalige Gefährdung seiner Währung herbeiführen könnte, sondern es müsse alles tun, was eine Festigung seiner Staatswirtschaft herbeiführe. Die vor einigen Monaten beschlossenen Steuerermäßigungen bedeuteten für das Reich eine Mindereinnahme von mehr als einer halben Milliarde. Dieses sei naturgemäß nur erträglich, wenn auf der anderen Seite größte Sparsamkeit obwalte. Die Tendenz zur Svarsamkeit werde auch grundlegend sein müssen bei dem bevorstehenden Finanzausgleich zwischen Reich. Ländern und Gemeinden. Die organische Abgrenzung der Finanzen sei ohne organische Abgrenzung der Aufgaben nicht denkbar. Reich, Länder und Gemeinden würden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, eine Zeit lang nur die nötigsten und dringendsten Aufgaben in Angriff zu nehmen, denn nur so würden sie zu einer finanziellen Fundierung gelangen soppen.„ Tergen dar Gagenwart dürften Die materiellen Sorgen der Gegenwart dürften den Blick nicht trüben für die Kulturaufgaben. Die deutsche Kultur sei das höchste und edelste Gut, was Gesamt=Deutschland besitzt und sei das stärkste Bindemittel, was die Deutschen im Reich und die Deutschen, die sonst in der Welt wohnen, zusammenhalte. Die großen gesetzgeberischen und verwaltungstechnischen Aufgaben, die für die nächste Zeit bevorstünden, könnten befriedigend niemals wenn nicht eine innere Konsolidierung im Reichstag und in den einzelstaatlichen Parlamenten eintrete. Die jetzt im Gange befindliche Bewegung auf Enteignung der Fürsten sei ein starkes, inneres Unruhemoment, das seiner akuten Erscheinung zu entkleiden, Aufgabe des Reichstages durch Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes sein müsse. Die Behandlung der jetzt wieder aufgerollten Flaggenfrage müsse in einer Form geschehen, die getragen sei von gegenseitiger Achtung der beiden Für die Abhaltung des nächsten Kongresses erließen Griechenland, Deutschland(für Berlin) und Rumänien Einladungen. Die Entscheidung über die Wahl des Ortes soll später getroffen werden. Die Kongreßteilnehmerinnen durchfuhren gestern die Stadt mit großen Kraftwagen, die die Aufschrift trugen: Alle Frauen müssen das Stimmrecht haben! Am Abend fand im Trocadero unter dem Vorsitz Herriots und in Anwesenheit des Ministers de Monzie die angekündigte große Kundgebung für den Frieden und den Völkerbund statt. Herriot erklärte, er finde es berechtigt, daß die Frauen ihren Anteil an den Rechten forderten, damit sie auf das Werk der Männer einen nützlichen Einfluß ausüben könnten. Das sei ein Friedenswerk, das man unterstützen müsse. Seit Beendigung des Krieges habe man sich bemüht, den Menschen jenes Friedensstatut zu erwirken, das man den im Kriege Gefallenen versprochen habe. Der Horizont der Zukunft helle sich auf. Herriot schloß mit den Worten: Friede allen Menschen, die eines guten Willens sind. Für die deutsche Delegation, sprach im Laufe des Abends Adele Schreiber und erklärte, es sei notwendig, daß der Gedanke der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit endlich in die Tat umgesetzt werde. Der Abend schloß mit einer vom Direktor des Odeon, Gremier, geleiteten künstlerischen Darbietung. Der 10. Kongreß der Intecnationalen Vereinigung für das Frauenstimmrecht fand mit dieser Veranstaltung offiziell sein Ende. der Welt zu Khasen.„ 4 Gshen und Gu. Die Zusammenfassung aller auf Aufvau und Ausbau des deutschen Staates, der deutschen Wirtschaft und der deutschen Kultur gerichteten Kräfte werden nur möglich sein, wenn im Reichstag und in den einzelstaatlichen Parlamenten die Parteien sich zu sicheren Mehrheitsbildungen zusammenfinden, die eine ruhige und stetige Arbeit zum Wohle für Volk und Raterland erntglichen. Preußischer Landtag. 178. Sitzung. bb Berlin, 5. Juni. Der Preußische Landtag setzte heute die zweite Lesung des Haushalts des Finanz= ministeriums bei der Einzelberatung fort. Finanzminister Dr. Höpker=Aschoff erklärte gegenüber Ausführungen des Abg. Dr. v. Brehmer(Völk.), die dieser in einer Rede in Bückeburg am 2. Juni gemacht hat: Die preußischen Finanzverhältnisse seien durchaus gesund. Die Ausführungen über eine amerikanische Anleihe träfen nicht zu. Verhandlungen darüber hätten geschwebt; sie seien aber noch nicht zum Abschluß gekommen, weil inzwischen Anleihen im Inland aufgenommen seien. Es könne auch keine Rede davon sein, daß ein Pfennig der Anleihe zur Deckung des Fehlbetrages bestimmt sei. Sie sei lediglich für werbende Zwecke bestimmt. Nach weiterer Aussprache, bei der in der Hauptsache Beamtenwünsche vorgetragen wurden, war die Beratung des Haushalts des Finanzministeriums bis auf die Abstimmungen, die am Dienstag vorgenommen werden sollen, erledigt. Es folgte die zweite Beratung des Haushalts der Preußischen Staatsbank. Der Ausschuß, der die unveränderte Annahme dieses Haushalts empfiehlt, hat sich mit den im Ausschuß an die verlustreichen Kreditgeschäfte vorgenommenen Satzungsänderungen, die das Kollegialsystem bringen, einverstanden erklärt. Dadurch sollen nach Möglichkeit faule Kreditgeschäfte vermieden werden. Wie der Berichterstatter. Abg. Dr. Leidig(Deutsche Vp.) weiter erwähnte, ist von einer ganzen Anzahl Parteien ein Antrag eingebracht. der einen neuen Staatsfinanzratsposten schaffen will. Dieser Posten ist dadurch nötig geworden, daß der aus der Barmat= und Kutiskeraffäre bekannt gewordene Staatsfinanzrat Dr. Rühe zwar seinen Posten noch innehat, gegenwärtig aber wegen eines Disziplinarverfahrens seine dienstlichen Funktionen nicht ausüben kann. Die Abstimmungen werden, da sich insgesamt kaum 20 Abgeordnete im Saal befinden, auf nächsten Dienstag vertagt. Bei der zweiten Beratung des Haushalts der Porzellanmanufaktur in Berlin empfiehlt der Ausschuß unveränderte Annahme. Nach kurzer Aussprache war auch der Haushalt der Porzellanmanufaktur bis auf die auf Dienstag zurückgestellten Abstimmungen erledigt. Montag 1 Uhr: Justizhaushalt. bei er auch auf den Ursprung Kölns zurückging. Oesterreich und Rheinland bildeten eine große deutsche Partei. Die Beziehungen zwischen Rhein. und Donau beruhten auf Wesensverwandtschaft und Schicksalsgemeinschaft. Am stärksten habe sich diese Wesensverwandtschaft bei der Gegenreformation gezeigt. Man könne von einer schicksalshaften wechselseitigen Abhängigkeit von Rhein und Donau sprechen. Eine besondere Notwendigkeit sei das Verstehenlernen der deutschen Stämme. In seinen Schlußausführungen zitierte der Redner noch Josef Görres und Ernst Moritz Arndt:„Das ganze Deutschland soll es sein.“— Der Vortrag wurde umrahmt von Liedervorträgen der Sängervereinigung„Die Wolkensteiner“ aus Innsbruck, die u. a. ein mit großem Beifall aufgenommenes Lied aus dem Wolkenstein vom Jahre 1420 vortrugen. Frauenstimmrechtskongreß. wtb Paris, 6. Juni.(Tel.) Auf dem 10. Kongreß der Internationalen Vereinigung für Frauenstimmrecht forderten gestern einige Teilnehmerinnen, daß den Frauen Gelegenheit gegeben werde, den geistlichen Beruf in verschiedenen Religionsgemeinschaften zu ergreisen. Dieser Antrag vurde aber nicht weiter erörtert, weil man eine Veruneinigung der Mitglieder verhindern wollte. Es wurde beschlossen, konfessionelle Fragen vom Verbande fernzuhalten. Politische Umschau Reichsverkehrsminister Dr. Krohne zum Ableben Dr. Oesers. wtb. Berlin, 6. Juni.(Tel.) Anläßlich des Hinscheidens des Generaldirektors Oeser hat Reichsverkehrsminister Dr. Krohne von Lübeck aus an die Deutsche Reichsbahngesellschaft, Hauptverwaltung, folgendes Beleidstelegramm gerichtet: „Der Deutschen Reichsbahngesellschaft spreche ich anläßlich des Hinscheidens ihres hochverdienten Generaldirektors meine wärmste Teilnahme aus.“ Femeausschuß des Reichstages. bb Berlin, 6. Juni.(Tel.) Der Femeuntersuchungsausschuß des Reichstages vernahm am Samstag zum Falle Baur den Zeugen Franz v. Puttkamer. Dabei kam es zwischen dem Abg. Schäffer und dem Zeugen zu einem Zusammenstoß. Der Zusammenstoß hatte zur Folge, daß der Ausschuß in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen hat, dem Zeugen eine scharfe Rüge zu erteilen und von einer Bestrafung nur darum abzusehen, weil es sich bei seiner Aeußerung um eine politische Entgleisung handle. Hessen und die Besatzung. wp. Frankfurt, 6. Juni. Nach einer Derkschrift des Ministeriums für die besetzten Gebiete sind zurzeit in Rheinhessen und dem Mainzer Brückenkopf 21777 Franzosen und 500 Engländer. Das sind rund 8000 Militärpersonen mehr als vor dem Kriege in diesem Gebiete vorhanden waren. Ein Rückgang vom Sep remder 1925 bis März 1926 hat nicht stattgefunden, im Gegenteil hat die Belegung, wenn auch nur um ein geringes, zugenommen. Die Sparmaßnahmen in Oesterreich. wtb. Gens. 6. Juni. Der Finanzausschuß des Völkerbundes hat gestern unter Zuziehung des österreichischen Bundeskanzlers, des ö sterreichischen Finanzministers und des Völkerbundskommissars Zimmermann, mit den Beratungen der Finanzlage Oesterreichs, deren Kontrolle durch Abberufung des Völkerbundskommissars am 1. Juli endgültig aufgehoben werden soll. Beschlüsse sind noch nicht gefaßt worden. wtb. Wien, 6. Juni.(Tel.) Aus Anlaß der Genfer Verhandlungen wird amtlich eine Uebersicht über die wichtigsten Reform= und Ersparnismaßnahmen veröffentlicht, die im Rahmen des Genfer Programms bereits durchgeführt wurden. U. a. wurde die Zahl der Ministerien von 10 auf 7, die der MinisteriumsSektionen von 68 auf 20, die der Abteilungen von 376 auf 127 verringert. Die Zahl der Mitglieder des Nationalrates wurde von 183 auf 165 herabgesetzt. Es wird ferner eine lange Reihe von Aemtern, Behörden und Anstalten aufgezählt, die aufgelassen wurden, während bei anderen durch Vereinigung vorher getrennter Stellen wesentliche Ersparnisse erzielt wurden. Die Organisation der Bundesbahnen des Post=, Telegraphen= und Fernsprechwesens und anderer staatlicher Verwaltungen hat zu größeren Ersparnissen geführt. Der Personalabbau umfaßt nach dem Stande vom 31. Mai d. Is. insgesamt 96 430 Angestellte. Der Streit unter den englischen Liberalen. wtb Manchester, 6. Juni.(Tel.) In einer hier gehaltenen Rede verteidigte sich Lloyd George sehr energisch gegen die Angriffe Asquiths und seiner Anhänger. Er erklärte, die gegenwärtige Spaltung im liberalen Lager sei einer großen Partei nicht würdig. Es handle sich nicht um einen wirklichen Streit, sondern um einen elenden Vorwand. Er stellte entschieden in Abrede, jemals aus der Partei ausgetreten zu sein. Er erklärte, daß er, wenn Asquiths Anhänger ihn wegen seiner Unterstützung der Versöhnungspolitik während des Streikes aus der Partei hinausjagen wollten, den Kampf bis zum Ende führen würde. Zur Regierungsbildung in Polen. wtb Warschau, 6. Juni.(Tel.) Aller Voraussicht nach erfolgt die Konstituierung der neuen polnischen Regierung erst Dienstag oder Mittwoch. Ministerpräsident Bartel erhielt zwar, wie vorausgesehen, vom Staatspräsidenten den Auftrag der neuerlichen Kabinettsbildung, erbat sich jedoch eine dreitägige Bedenkzeit. Trotzdem wird in politischen Kreisen angenommen, daß Bartel wieder an der Spitze der neuen Regierung stehen wird. Bei Besetzung der einzelnen Ministerien macht die Vergebung des Finanzportefeuilles die größte Schwierigkeit. Als geeignete Persönlichkeiten werden der frühere Handelsminister Klarner, der Krakeuer Volkswirtschaftler Professor Kryczanowski genannt. Die Aussichten auf eine Rückkehr des Grafen Skrzynski in das Außenministerium haben sich zurzeit vermindert, da das Bestreben vorherrscht, dieses Ministerium mit dem derzeitigen Leiter Zalesti endgültig zu besetzen und Skreynski allenfalls als Nachfolger des Gesandten Skirmunt nach London zu entsenden. Das russische Volkskommissariat des Aeußeren über die Unterstützung des englischen Generalstreiks durch die russische Arbeiterschaft. wtb Moskau, 6. Juni.(Tel.) Meldung der Tel.= Agentur der Sowjetunion. In Beantwortung der Verbalnote der britischen diplomatischen Vertretung darüber, daß das Beladen von zwei britischen Dampfern in Batum aufgehalten worden sei, weist das Volkskommissariat des Auswärtigen in einer Note darauf hin, daß die Gewerkschaften der SowjetUnion zu Beginn des englischen Generalstreiks beschlossen hätten, nicht nur unter ihren Mitgliedern Geld für die streikenden Mitglieder der Trade Unions zu sammeln, sondern auch, wie die Gewerkschaften anderer Länder, in einen Solidaritätsstreik zu treten. Das Volkskommissariat erklärt ferner, die Sowjetunion gewähre den Arbeitern der Sowjetunion vollste Streilfreiheit. Die Sowjetunion könne sich daher in den gewerkschaftlich organisierten Streik, insbesondere in den gegenwärtigen Solidaritätsstreik der Seeleute und Hafenarbeiter in der Sowjetunion nicht einmischen. Was die fraglichen englischen Dampfer betreffe, so habe der eine am 29. Mai Batum mit einer Benzinladung verlassen. Die Abfahrt des anderen sei für den 30. Mai vorgesehen gewesen. mengeschlossen, um den in der Gefangenschaft aus Schicksalsnotwendigkeit erwachsenen Geist der Kameradschaft zum Wohle des deutschen Voikes politisch nutzbar zu machen. Zur Tagung hatte der Reichspräsident einen Glückwunsch gesandt mit der Mahnung, den in harter Gesangenschaft bewiesenen Geist auch nach der Heimkehr lebendig zu erhalten. Uebereinstimmend wurde auf der Tagung der Erkenntnis Ausdruck gegeben, daß nur eine geistige Erneuerung des deutschen Volkes zu der Schicksalsgemeinschaft führen kann, die zu Deutschlands Aufstieg notwendig ist. Deutsche aller Berufsschichten wie auch aller Parteien gaben einmütig dem Willen Ausdruck, zur Schaffung dieser Schicksalsgemeinschaft zu arbeiten. Wohl zum ersten Male in Deutschland wurde diesem Willen durch eine öffentliche Kundgebung Ausdruck verliehen an der sich auch weite Kreise der Bevölkerung beteiligten und der Gedanke der Schicksalsgemeinschaft, mit, heller Begeisterung ausgenommen wurde. Verschönt wurde die Tagung durch die Anwesenheit der Schwester Dr. Elsa Brandström, die durch ihre Liebeswerke für die deutschen Kriegsgefangenen allgemein bekannt ist. Der Reichsbahn=Generaldirektor. Ein Schreiben des Reichskabinetts. wtb Berlin, 6. Juni.(Tel.) Zu den verschiedenen Pressenachrichten über die Wahl des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahngesellschaft erfahren wir, daß am Freitag, den 4. Juni, abends das folgende Schreiben des Staatssekretärs in der Reichskanzlei an den Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft überbracht wurde: Auf das an den Herrn Reichsverkehrsminister gerichtete, an mich weitergeleitete Schreiben vom 4. ds. Mts. teile ich auftragsgemäß mit, daß das Reichskabinett in seiner heutigen Sitzung von der durch den Verwaltungsrat vorgenommenen Wahl des neuen Generaldirektors Kenntnis genommen hat. Die Reichsregierung, die nicht in die Lage versetzt worden ist, vor erfolgter Wahl zu der für die Nachfolge in Frage kommenden Persönlichkeit irgendwie Stellung zu nehmen, wird sich ihre Entscheidung vorbehalten. Sie wird sich erst, nachdem der verstorbene Generaldirektor seine letzte Ruhe gefunden hat, mit der Angelegenheit beschäftigen. gez. Kempner. Reichsregierung und Reichsbahn. pw. Berlin, 6. Juni.(Tel.) Der Verwaltungsrat der Reichsbahngesellschaft wird sich in der kommenden Woche versammeln, um zu dem Schreiben der Reichsregierung betreffend die Wahl Dr. Dorpmüllers zum Generaldirektor Stellung zu nehmen. Schiedsspruch für das Klempnereigewerbe in Rheinland und Westsalen. wp. Dortmund, 6. Juni.(Tel.) In dem Lohnstreit im Klempnereigewerbe des rheinisch=westfälischen Industriegebietes wurde unter dem Vorsitz eines stellvertretenden Schlichters folgender Schiedsspruch gefällt: 1. Der bisherige Stundenlohntarif wird ab 11. Juni 1926 wieder in Kraft gesetzt mit der Maßgabe, daß der Spitzenlohn 1,05 A je Stunde beträgt. 2. Diese Regelung kann mit monatiger Frist jeweils zum Monatsersten gekündigt werden. 3. Die Erklärungsfrist läuft bis 11. Juni 1926. ununterbrochen drei Stunden anhielt. Die Tabakpflanzungen, ein Teil der Teepflanzungen und die Maisfelder sind vernichtet. Die Eisenbahnverbindung Batum und Tiflis ist zeitweilig unterbrochen worden. Aus Nah u. Beide Hände verloren. wp. Duisburg, 6. Juni. Auf dem Kabelwerk kam eine Arbeiterin mit den Händen in eine Walze. Die Hände wurden derart zugerichtet, daß sie abgenommen werden mußten. An Blutvergiftung gestorben. wp. Mülheim=Ruhr, 6. Juni. Der 30 Jahre alte Justizkanzleiassistent Stein aus Broich hatte sich an der Unterlippe eine Kratzwunde zugezogen. Als er sich später rasierte, schnitt er sich in die Wunde, so daß Blutvergiftung eintrat, die ihn nach zwei Tagen dahinraffte. Ein Kind verbrüht. wp. Gelsenkirchen, 6. Juni. In einem Hause in der Bornstraße riß ein Kind eine Kanne heißen Kaffee vom Küchenherd, wobei sich der Inhalt über ein vor dem Herd spielendes zweijähriges Kind ergoß und dieses so stark verbrühte, daß es am folgenden Tage seinen Verletzungen erlag. Grubenunglück im Waldenburger Revier. pw. Berlin, 6. Juni.(Tel.) In der 5. Abteilung des Mayramschachtes in Fellhammer bei Waldenburg in Schlesien wurden drei Bergleute während der Arbeit von einem Pfeiler verschüttet. Es gelang der Nettungskolonne nach stundenlanger Arbeit zwei Bergleute in völlig erschöpftem Zustande lebend frei zu legen, der dritte konnte nur als Leiche geborgen werden. Der Ringkampf mit dem Löwen. wp. Darmstadt, 6. Juni. Bei der Eröffnungsvorstellung des Zirkus Birkeneder erhielt bei dem Ringkampf des Dompteurs Berberida mit dem Riesenlöwen Goliath der Dompteur durch den Löwen einen Tatzerhieb, der ihn im Gesicht verletzte. Todessprung aus dem Eisenbahnzug. wtb Mannheim, 6. Juni.(Tel.) Gestern nachmittag sprang eine Frau zwischen Bobenheim und Frankenthal aus dem in voller Fahrt befindlichen beschleunigten Personenzug Wiesbaden—Mannheim. Sie war sofort tot. Der Zug wurde zum Halten gebracht und die Leiche nach Frankenthal überführt. Nach Angaben von Mitreisenden soll die Frau, die sich seit ihrem Einsteigen in Worms sehr aufgeregt zeigte und dauernd an der Tür aufhielt, einen geistesgestörten Eindruck gemacht haben. Unter einer einstürzenden Scheune verschüttet. wtb Stuttgart, 6. Juni.(Tel.) In Oberstetten stürzte gestern bei Bauarbeiten der Giebel einer Scheune ein. Dabei wurden die mit den Ausingen. Hauptversammlung der deutschen Gesellschaft für Volksbänder. wp. Düsseldorf, 6. Juni. In der Hauptversammlung der deutschen Gesellschaft für Volksbäder unter dem Vorsitz des Präsidenten, Wirkl. Geh. Obermedizinalrat Professor Dr. Dietrich, wurde u. a. mitgeteilt, daß die Zahl der Sommerbäder in dem abgelaufenen Geschäftsjahr wesentlich zugenommen hat, zumal die Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge hierfür zur Verfügung wurden. Dagegen ist der Vau von Hallenbädern infolge der ungünstigen Wirtschaftslage fast ganz zum Stocken gekommen. Die geldliche Lage der Gesellschaft ist infolge der Beihilsen der staatlichen Stellen gesichert. Die Zahl der Mitglieder hat sich wieder gehoben. Es sind auch Städte des Auslandes der Gesellschaft als Mitglied beigetreten: Amsterdam. Kopenhagen, Budapest u. a. m. Für den rheinisch=westsälischen Bezirk wurde Direktor Klönne aus Duisburg als Mitglied in den geschäftsführenden Ausschuß gewählt. Die Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses: Geh. Rat Dr. Aschrott, Prof. Dr. Darmstädter, Kommerzienrat Knopfloch und der Generalsekretär der Gesellschaft Geh. Rat Böttcher, die zu den Gründern der Gesellschaft gehören, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Dem Generalsekretär wurde außerdem die silberne Plakette des Verbandes verliehen. Die nächste Tagung soll in Schreiberhau voraussichtlich im Winter abgehalten werden. Bundes= und Kameradschaftstag der Kriegsgefangen. wp. Remagen, 6. Juni.(Tel.) Die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener hielt in Remagen ihren 10. Bundestag ab, der aus allen Teilen des Reiches zahlreich beschickt war und dem Führer der Reichsvereinigung, Freiheren v. Lersner, Polodam, eine#####immig gefaßte Vertrauenskundgebung brachte. In der Reichevereinigung, wohl der einzigen politischen Organisation in Deutschland, in der Rechts wie Links zusammenarbeiten, haben die ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen sich zusamVier babon, varunter der Besiher der Scheune sofort tot. Ein weiterer Verunglückter wurde so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Autounglück. wtb. Bern, 6. Juni.(Tel.) Gestern abend fuhr ein mit vier Personen besetzter Kraftwagen bei Muri gegen eine Telegraphenstange. Zwei Personen wurden getötct, die beiden anderen verletzt. Der Dynamitselbstmord des Ingenieurs. pw. Berlin, 7. Juni.(Funkspruch.) Zu dem Selbstmord des Ingenieurs Bargheer aus Hannover, der sich am Bahnhof Heerstraße bei Berlin durch Dynamit in die Luft gesprengt hat, meldet die Montagspost, daß Bergheer bei dem Bau des Hammerkanals in Mecklenburg beschäftigt war. Am 28. Mai hatte er plötzlich seine Arbeitsstelle verlassen. Wie festgestellt wurde, hat er die den Arbeitern abgezogenen Beträge für Lohnsteuern und Invaliden=Versicherung nicht abgeliefert, sondern für sich verbraucht. Mord an zwei Kindern. wtb. Breslau, 7. Juni.(Funkspruch.) Gestern abend wurde auf der Uferzeile an der Mauer der technischen Hochschule von einem Wächter ein großes verschnürtes Paket gefunden. Darin waren Körperteile von zwei Kindern im Alter von 8 und 11 Jahren und zwar von einem Knaben und einem Mädchen. Die Eltern der Kinder wurden noch in der Nacht festgestellt. Für die Ermittelung des Täters ist beim Regierungspräsidenten eine namhafte Belohnung beantragt. pw. Berlin, 7. Juni.(Funkspruch.) Wie die Blätter zu der Ermordung von zwei Schulkindern in Breslau ergänzend melden, handelt es sich um den achtjährigen Knaben Otto Fehse und dessen 11jährige Schwester Erika. Die Mutter der Kinder, die Witwe besserungsarbeiten beschäftigten Personen verschüttet.### Nend. Die Mamlttr, ur u. Vier davon darunter der Besitzer der Scheune, waren ist, hatte sie am Samstag gegen 5 Uhr nachmittags Unwetter u. Ueberschwemmung. Unwetterschäden in Südeutschland. wtb. Lindau, 6. Juni.(Tel.) Der unaufhörliche Regen der letzten Zeit hatte ein starkes Anschwellen der Zuflüsse zum Bodensee zur Folge. Im Stadtteil Lindau=Aeschach ist die Aach aus ihren Afern getreten und hat den Ortsteil Neuseeland überflutet. Zahlreiche Wohnhäuser wurden vom Wasser eingeschlossen. Im Stadtteil Lindau=Reutin ist der Grenzfluß Laiblach aus den Ufern getreten und nimmt seinen neuen Weg durch den Zechwald auf die Staatsstraßen Lindau—Bregenz. Auf den Bergen fällt Neuschnee; der Pfänder ist bis tief hinunter eingeschneit. In Friedrichshafen steht die Luftschifshalle unter Wasser. Zu den Ueberschwemmungen am Bodensee. wtb. Konstanz, 6. Juni.(Tel.) Das anhaltende Regenwetter der letzten Tage hat auch in den nördlich des Ueberlinger Sees gelegenen Gebietesteilen große Ueberschwemmungen verursacht. Insbesondere ist die Seefelder Aach über ihre Ufer getreten und das Wasser ist in zahlreichen Ortschaften in die Häuser eingedrungen, zumal das Gefälle des Flusses dort nur gering ist. Einzelne Brücken mußten für den Verkehr gesperrt werden. Der Betrieb mehrerer Postkraftwagen=Linien wurde eingestellt. Besonders schwer heimgesucht ist die Gegend von Markdorf, wo gleichfalls große Strecken von Aeckern und Gärten unter Wasser stehen. Auch Oberuhldingen hat unter Wassersnot erheblich zu leiden, desgleichen das Salerner Tal. Die Eisenbahnzüge können teilweise nur sehr langsam fahren, da Dammunterspülungen befürchtet werden. Seit gestern abend ist kein Regen mehr gefallen, und es kann mit einem allmählichen Abfließen des Wassers gerechnet werden, das allerdings durch den gegenwärtig sehr hohen Wasserstand des Bodensees verlangsamt wird. Auch die Wasserläufe, die von der Schweiz in den Bodensee führen, namentlich die Thur und die Murg, führen Hochwasser, wodurch sehr erheblicher Schaden angerichtet worden ist. Auch der Radolfzeller See hat das Ufergelände überschwemmt und das Wasser ist in die Keller der am Ufer gelegenen Häuser eingedrungen. Ueberschwemmungen in Schlesien. wtb Görlitz, 6. Juni.(Tel.) Infolge der starken Regenfälle ist die Neiße seit gestern mittag um über 1 Meter gestiegen. Der Pegelstand betrug früh 8 Uhr 2,62 Meter(Normalstand 1,20 Meter). Die Neißeinsel und weite Wiesenflächen sind vollständig überschwemmt. Die Fluten führen große Mengen Heu mit sich. Zittau meldete gestern abend einen Wasserstand von 2,65 Meter. Ueberschwemmungen in Rumänien. wtb. Bukarest, 6. Juni.(Tel.) Starke Regenfälle haben in verschiedenen Teilen des Landes große Ueberschwemmungen verursacht. Auf verschiedenen Eisenbahnlinien ist der Verkehr eingestellt. Unwetter in Transkaukasien. * Moskau, 6. Juni. Aus Transkaukasien werden lt. Köln. Ztg. heftige Sturzregen und Hagelschläge gemeldet. Besonders schwer heimgesucht wurde Georgien, wo weite Strecken vom Hagel verwüstet worden sind. Bei Batum ging ein Hagelschlag nieder, der letzten vom 7. Juni 1926 von 1—3 Uhr nachts. Volksentscheid in Schaumburg=Lippe. wtb Bückeburg, 6. Juni.(Funkspruch.) Vorläufiges Ergebnis der heute vorgenommenen Abstimmung zum Volksentscheid über die Frage des Anschlusses des Freistaates Schaumburg=Lippe an den Staat Preußen: Es stimmten mit Ja 8516, mit Nein stimmten 9681. Die Ergebnisse aus 17 Ortschaften stehen noch aus. Man kann mit Sicherheit annehmen, daß sich an dem Resultat der Ablehnung des Antrages nichts mehr ändern wird. Die Landtagswahlen in Mecklenburg. wtb Schwerin, 7. Juni.(Funkspruch.) Das bis 11 Uhr abends festgestellte vorläufige Ergebnis der gestrigen Wahlen in Mecklenburg aus 955, vorwiegend ländlichen Bezirken, von insgesamt 1412 Bezirken beträgt: Deutschnationale 45181, Sozialdemokraten 75 260, Deutschvölkische 16 103, Kommunisten 11 402, Deutsche Volkspartei 16 278. Demokraten 5883, Gruppe für Volkswohlfahrt 5180, Wirtschaftspartei 11 906,.; 9 S National=sozialistische Arbeiterpartei 3251 Stimmen. wp. Schwerin, 7. Juni.(Funkspruch.) Um 1 Uhr vormittags lag das Ergebnis der Landtagswahlen aus 1138 von insgesamt 1412 Bezirken vor. Es fehlen also noch 274 Bezirke. Das vorläufige Ergebnis lautet: Deutschnationale 57 263 Sozialdemokraten 101 637 Deutschvolkische 23643 Kommunisten 17 200 Deutsche Volkspartei 21 475 Demokraten 7930 Gruppe für Volkswohl 7152 Wirtschaftspartei 15 806 Nationalsozialistische Arbeiterpartei 4185. wtb. Schwerin, 7. Juni.(Funkspruch.) Bei der schwachen Wat:beleina### die#a auf## in Prozent stellen dürfte, iit es sehr wahrscheinlich, daß die Zahl von 50 Abgeordneren bei der vorgeschriebenen Teilungszahl von 6000 nicht erreicht werden wird. Da das Gesetz 50 Abgeordnete vorschreibt, so wird die Teilungszahl entsprechend herabgesetzt werden müssen; sie läßt sich natürlich erst dann bestimmen, wenn das endgültige Ergebnis vorliegt, wird aber kaum über 5200—5300 liegen. Die Elternbeiratswahlen in Groß=Berlin. wtb Berlin, 7. Juni.(Funkspruch.) Unter großer Beteiligung aus allen Lägern haben am gestrigen Sonntag die Wahlen zu den Elternbeiräten in GroßBerlin stattgefunden. Bis 10 Uhr abends lagen aus 329. von insgesamt 551 konfessionellen Schulen folgende Ergebnisse vor: Christlich unpolitische Liste 2822 Sitze, sozialistische Liste„Schulaufbiu“ 466, kommunistische Liste„Kind in Not“ 133. Dazu müssen noch etwa 350 weltliche Sitze an den weltlichen Schulen gerechnet werden, so daß also den 2821 Sitzen der christlich=unpolitischen Liste insgesamt etwa 949 Sitze der weltlichen Listen gegenüberstehen. Die Wahlbeteiligung wird geschätzt. mit dem Auftrag fortgeschickt, ein Paket auf das Postamt zu tragen. Als die Kinder gegen 8 Uhr noch nicht zurück waren, hatte die Mutter bei der Kriminalpolizei Anzeige erstattet. Beim Anblick der aufgefundenen Leichenteile erkannte sie sofort ihre Kinder wieder. Nach dem Befund der Leichenteile sind beiden Kindern von dem Täter die Kehlen durchschnitten worden. Alle Anzeichen deuten auf einen Lustmord hin. Dem Montagmorgen zufolge hat der Regierungspräsident eine Belohnung von 2000 Mark für die Ermittelung des Täters ausgesetzt. Die Neiße fällt. wtb Görlitz, 7. Juni.(Funkspruch.) Im Lause des gestrigen Nachmittags ist der Wasserstand der Neiße gefallen und war gegen 7 Uhr abends gegenüber dem Stande am Mittag mit 2,86 Meter auf 2,65 Meter zurückgegangen. Das Wasser fällt ständig weiter, so daß jede Gefahr als beseitigt gelten kann. Schweres Automobilunglück. wtb. München, 7. Juni.(Funkspruch.) Gestern vormittag ereignete sich auf der Ingolstädter Straße in der Nähe von Schleißheim ein schweres Automobilunglück. Der Wagen eines Münchener Direktors geriet ins Schleudern und stürzte um. Der Direktor. der seinen Wagen selbst lenkte, war sofort tot. Seine beiden 15 und 17 Jahre alten Töchter, sowie ein mitfahender Betriebsleiter wurden schwer verletzt, während der gleichfalls mitfahrende Sohn des Direktors unverletzt blieb. Die Großdeutschen zur Anschlußfrage. wtb. Innsbruck, 7. Juni.(Funkspruch.) Auf dem großdeutschen Parteitag wies Parteiobmann Dr. Wotawa in einer Ansprache auf die Bedeutung hin. die den diesjährigen Beratun: 2.s Parteitages zukomme und erklärte zur Anschrußfrage, daß Oesterreich nicht gegen die bestehende Ordnung in und gegen die Friedensverträge Eim: eor politische Intrigen anwenden könne, daß aber dem deutschen Volke Oesterreichs andere Wege zur Verfügung ständen, um gegen diese Verträge anzukämpfen. Das wichtigste dieser Mittel sei das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes. Dr. Wotawa schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß der Tag nicht mehr fern sein möge, an dem sich der alte deutsche Sehnsuchtstraum erfüllen wird. Auflösung des portugiesischen Parlaments. wtb. Paris, 6. Juni.(Funkspruch.) Wie Havas aus Lissabon meldet, hat die Regierung durch Dekret das Parlament und sämtliche parlamentarischen Ausschüsse aufgelöst. Die Lage in Marokko ungeklärt. wtb. Paris, 6. Juni.(Funkspruch.) Der Korrespondent des Paris Midi in Tasa berichtet: Die Stämme der Beni Uriaghel sammeln sich von neuem; sie sind im Begriff, einen Nachfolger Abd el Krims zu wählen, um den Kampf gegen die Spanier wieder aufzunehmen. Mit Bokkoja stehen die Spanier seit dem 2. Juni bereits wieder im Kampf. Die spanische Zone, so erklärt der Berichterstatter, ist noch nicht unterworsen. Ueberall sind Revolten zu verzeichnen. Er fordert deshalb die französische Regierung auf, die nötigen Vorkehrungen zu treffen, um ein Uebergreifen dieser Bewegung auf die französische Operationszone zu verhindern. Das neue ägyptische Kabinett. wtb. Kairo, 7. Juni.(Funkspruch.) Nach Besprechungen mit Zaghlul Pascha hat der Führer der Liberalen Adly Pascha das Kabinett gebildet, in dem er selbst das Ministerpräsidium und das Ministerium des Innern übernimmt. Der ehemalige Premierminister Sarwan Pascha übernimmt das Ministerium des Aeußeren und Kemal Bei Khashaba das Kriegsein tisteriu# Zaghlul=Kabinetts von 1924. Die Whlereiligung wien auf 55 Proz. ministrrium. Alle drei Minister waren Mitglieder des Das Wandern der Jugend. Wandervögel aller Schattierungen durchziehen jetzt wieder unsere Stadt. Besonders Samstags abends ziehen sie, vielfach mit Gesang, ein, um zu übernachten und in der Sonntagfrühe weiter zu eilen, der Sonne und der der Tat die billigste Art der körperlichen Erschönen Natur entgegen. Das Wandern ist in tüchtigung und der Trunk an der Quelle der Natur ist immer noch der erfrischendste. Die Natur ist der beste Arzt, die Sonne das beste Tuberkulin. Dazu kann Einfachkeit, Selbstzucht und Selbsthilfe nicht besser geübt werden, als beim Wandern. Das gilt für Jungen und Mädchen. Wandervogel sein ist auch ein gutes Mittel, sich gegen Zigaretten, Vergnügungssucht und Geldverschwendung zu schützen. Man kommt heraus aus der engen Stadt, aber auch aus Modesklaverei, Zimperlichkeit und Oberflächlichkeit.— Etwaige Auswüchse beim Jugendwandern müssen natürlich unterbunden werden. Da können die Leiter von Jugendherbergen die besten Lehrmeister sein. Dann kommt auch ein sozialer Ausgleich zustande. Denn der Student kocht am Feuerherd neben dem Arbeiter seine Atzung, der Fabrikantensohn neben dem Proletarier. So wollen wir denn uns freuen, wenn die Jugend wandert in unserer Stadt und aus unserer Stadt, wollen ihr nützen und sie schützen. Schwerte, 7. Juni 1926. 4 Falsche Gerüchte. In der letzten Stadtverordneten=Sitzung hat bei der Beratung des Etats des Wohlfahrtsamtes ein Redner die evtl. Stilllegung der hiesigen Eisen=Industrie in den Kreis der Debatte gezogen und die Schließung des Werkes als nahe bevorstehend hingestellt. Erfreulicherweise können wir mitteilen, daß von einem derartigen Plan an unterrichteter Stelle nichts bekannt ist. Uebrigens hat die Lage des Werkes in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht bisher zu einer solchen Maßnahme ja auch keinen Anlaß gegeben. + Früh verdorben sind einige junge Burschen, zum Teil noch schulpflichtig, die vor einigen Tagen eine im kleinen Saal„Im Reiche des Wassers“ untergestellte Kiste Schokolade erbrochen und den Inhalt teils verzehrt, teils in den Mühlengraben geworfen haben. Dem Eigentümer— einem hiesigen kleinen Händler— ist ein Schaden von über 80 Mark entstanden. Hoffentlich trifft die jugendlichen Sünder, die alle ermittelt sind, eine recht exemplarische Strafe. Ein Schwindler treibt sich augenblicklich in unserer Stadt herum. Er stellt selbst Scheine aus und zieht darauf Beträge für die Ortskrankenkasse ein. Sollte derselbe seine unsaubere Tätigkeit fortsctzen, so bitten wir, sofort die Polizei davon in Kenntnis zu setzen. : Paul Gerhardt=Gedächtnisgottesdienst. Der gestrige Gottesdienst in der großen evgl. Kirche war zu einer schlichten u. eindrucksvollen Paul GerhardtGedächtnisfeier ausgestattet. Heute sind 250 Jahre vergangen, daß der Mund des nächst Luther größten und bedeutendsten Kirchenliederdichters verstummt ist. Ihm zur Ehre, zum Dank und zum Gedächtnis erklangen gestern in allen evangelischen Kirchen seine Lieder und bewiesen ihre unvergängliche Lebenskraft.(Ausf. Bericht folgt morgen.) Kasverl=Theater der Dortmunder Spielschar. Auf die am heutigen nachm. 5 Uhr für Kinder und abends 8 Uhr für Erwachsene stattfindenden Vorstellungen im„Westfäl. Hof“ weisen wir hiermit nochmals empfehlend hin. Der Bürger=Schützenverein Schwerterheide ist anscheinend bei Jupiter pluvius nicht gut angeschrieben. Der Regiments=Appell am vorigen Sonntag stand im Zeichen des Regenschirmes und auch am gestrigen Schützentag machte der Himmel kein allzu freundliches Gesicht. Wenn trotzdem die Veranstaltung bei starker Teilnahme in der schönsten, harmonischen Weise verlaufen ist, so zeugt das eben von dem guten Korpsgeist, der in den Reihen der Schützenbrüder auf der Schwerterheide herrscht. König Adolf rief, und alle, alle kamen, und es war ein überaus stattlicher Zug, der sich gegen 3 Uhr mit flatternder Fahne und rauschender Musik vom königl. Palais aus über die Hörder Straße zum Freischütz bewegte. Die Mahnung des Obersten Weiher der übrigens in diesen Tagen sein 25jähriges Jubiläum als Regimentskommandeur feiern konnte, die Kameradschaftlichkeit zu pflegen, war auf fruchtbaren Boden gefallen. Im Laufe des Nachmittags brachte in einer Konzertpause der Vorsitzende Hosang in beredten Worten das Hoch auf das Vaterland aus, während Major Wendt das Königspaar feierte. Ein glänzender Königsball beschloß die schöne Feier. Kriegerverein. Die Kameraden, die das 80. Lebensjahr zurückgelegt haben oder in diesem Jahr erreichen, werden freundlichst gebeten, ihre Photographie dem 2„Vorsitzenden, Prof. Feldhügel, Hagener Straße 54, einzusenden behufs Aufnahme in die Ehrentafel der Kriegerzeitung. Kameraden, die nicht im Besitz eines Lichtbildes sind, werden gebeten, sich von Kam. Münkel, Bahnhofstr., auf Vereinskosten photographieren zu lassen. Marine=Konzerte. Im Freischütz gastiert wiederum wie im Vorjahre am 9. Juni die Kavelle der 2. Küstenwehr=Abtlg., worauf wir schon jetzt hinweisen. 4„Margarethe“ stillgelegt! Das Schicksal der Zeche„Margarethe“ ist jetzt entschieden. Der gesamten Belegschaft— etwa 1200 Mann— ist gekündigt. Der Betrieb wird am 15. d. Mts. endgültig stillgelegt. Wie sich das Schicksal der von der Maßnahme am meisten betroffenen Gemeinden Lichtendorf, Sölde usw. gestalten wird, liegt im Schoße der Zukunft verborgen. Führung der Viehhandelskontrollbücher. Verfügung des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. 1. Die Bestimmungen zu§ 20 V. A. V. G. in genanntem Begleiterlaß vom 28. März 1920 werden dahin geändert, daß es der Führung mehrerer Kontrollbücher nicht bedarf sondern die Viehhändler am Orte ihrer Handlungsniederlassung ein Hauptkontrollbuch führen, in das sie sämtliches Vieh, das ihren Handelsbetrieb durchläuft, nach den Vorschriften der§§ 20 und 21 V. A. V. G. eintragen. Dabei kann das Hauptgeschäftsbuch als Kontrollbuch im Sinne des § 20 V. A. V. G. angesehen werden, sofern es alle in dem Muster für ein Kontrollbuch(Anlage zu § 20) vorgeschriebenen Angaben aufweist.. 2. Bei Transporten auf der Eisenbahn oder auf Schiffen sind den Sendungen jedoch an Stelle der Transportkontrollbücher Begleitscheine mitzugeben, die folgende Angaben enthalten müssen: a) Name und Wohnort des Versenders, b) Name und Wohnort des Empfängers, c) Datum des Abganges der Sendung, d) Kennzeichen der Tiere nach Maßgabe des§ 21 V. A. V. G. Pferde und Rinder, ausgenommen Kälber bis zu 3 Monaten sind hiernach unter Angabe des Geschlechts, der Farbe, der Abzeichen, des Alters und der besonderen Kennzeichen einzutragen. Kälber und Schweine können in einzelnen Posten nach Stückzahl und Alter eingetragen werden. Dieselbe postenweise Eintragung ist bei Rindern zulässig, wenn die Rinder mit haltbaren Kennzeichen(Ohrenmarke, Hautbrand, Hornbrand, Haarschnitt) versehen, wenn diese Kennzeichen in den Begleitschein eingetragen sind. Betr. Kurzschrift. Der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat dem Stenographenbund Stolze=Schrey auf eine Eingabe folgende Antwort gegeben: An den mir unterstellten Schulen ist der Unterricht in der Kurzschrift ausschließlich wahlfrei. Es besteht also kein Zwang, die Einheitskurzschrift zu erlernen oder das bereits erlernte System zu wechseln. Diese Selbstverständlichkeit den Schulen ausdrücklich mitzuteilen, besteht keine Veranlassung. Für das Berufs= und Fachschulwesen ist der Herr Minister für Handel und Gewerbe zuständig. Immer noch keine Aussicht auf besseres Wetter. Wetterbericht der Wetterwarte Essen vom 6. Juni: Ueber dem mittleren Deutschland liegt heute morgen ein flaches Tiefdruckgebiet, das uns vorwiegend trübes Wetter bei nördlichen Winden bringt. In England und Frankreich herrscht hoher Luftdruck, der eine Zufuhr ozeanischer Luft unterbindet, so daß für die nächsten Tage wohl noch vielfach trübes oder bedecktes Wetter mit nur sehr geringen Niederschlägen zu rechnen ist.— Wetteraussichten bis Dienstag: Vorwiegend trübe mit zunächst noch leichten Regenfällen, zeitweise etwas aufheiternd bei nördlichen bis westlichen Winden und geringer Wärmeänderung. Mittwoch, 9. Juni, abends 7.30—9.30 Uhr. B 36. Preise 1. Zum 4. Male:„Elektra“. Tragödie in 1 Aufzuge von Hugo von Hoffmannsthal.— Musik von Richard Strauß. Vorverkauf ab Sonntag. s 10 Ner M. 4. Donnerstag, 10. Juni, abenos 7.30—10 Uhl. Auger Vormiete. Preise 2. Festvorstellung anläßlich der Sport= und Werbewoche zur Eröffnung der Kampfbahn„Rote Erde“. Neu einstudiert:„Die Hermannsschlacht". Drama in 5 Aufzügen von Heinrich von Kleist. Spielleitung: Oskar Walleck. Vorverkauf ab Montag. Freitag, 11. Juni, abends 7—10.30 Uhr. Außer Vormiete. Preise 1. Zum 3. Male:„Die Trojaner“. Lyrische Dichtung in 5 Akten und 8 Bildern.— Dichtung und Musik von Hector Berlioz. Deutsche Uebertragung von EmmaKlingenfeld(Textrevision von Herm. Levi). Stuttgarter Bühneneinrichtung von E. Gerhäuser und Max von Schillings. Vorverkauf ab Dienstag. Samstag, 12. Juni, abends 7.30—10 Uhr. Außer Vormiete. Preise 2. Zum 7. Male:„Martha“. Romantisch=komische Oper in 4 Aufzügen von Fr. von Flotow. Text von W. Friedrich. Vorverkauf ab Mittwoch.„.„. 66, Sonntag. 13. Juni, abends 5—11 Uhr. außer Vormiete. Preise 1. Zum 2. Male:„Die Meistersinger von Nürnberg“. Handlung in 3 Aufzugen von Richard Wagner. Vorverkauf ab Donnerst. Burgwalltheater. Montag, 7. Juni, abends 7.30—11 Uhr. Preise 3. Zum 4. Male:„Doktor und Apotheker“. Overnposse aus dem Wiener Rokoko in 2 Akten(4 Vildern) von Karl Ditters von Dittersdorf.— Textliche und musikalische Neugestaltung unter Anlehnung an den Originaltext von Friedrich Geßner. Musikalische Bearbeitung von Ernst Fischer. Vorverkauf ab Freitag. Dienstag, 8. Juni, abends 7.30—10.15 Uhr. Preise 3. Zum 14. Male:„Dorine und der Zufall“. Lustspiel mit Musik in 3 Akten von Fritz Grünbaum und Wilhelm Sterk. Musik von Jean Gilbert. Vorverkauf ab Samstag. Mittwoch, 9. Juni, abends 7.30—10.30 Uhr. Preise 3. Zum 1. Male:„Die Kinokönigin“, Overette in 3 Akten von Georg Okonkowski und Julius Freund. Musik von Jean Gilbert. Spielleitung: Oskar Walleck. Dirig.: August Pevöck. Vorverkauf ab Sonntag. Donnerstag, 10. Juni, abends 7.30—11 Uhr. Preise 3. Zum 5. Male:„Doktor und Apotheker Opernposse aus dem Wiener Rokoko in 2 Akten (4 Bildern) von Karl Ditters von Dittersdorf Textliche und musikalische Neugestaltung unter Anlehnung an den Originaltert von Friedrich Geßner. Musikalische Bearbeitung von Ernst Fischer. Vorverkauf ab Montag. Freitag, 11. Juni, abends 8—10.45 Uhr. Preise 3. Zum 15. Male:„Dorine und der Zufall". Lustsviel mit Musik in 3 Akten von Fritz Grünbaum und Wilhelm Sterk. Musik von Jean Gilbert. Vorverkauf ab Dienstag. Samstag, 12. Juni, abends 7.30—10.30 Uhr. Preise 3. Zum 2. Male:„Die Kinokönigin“, Overette in 3 Akten von Georg Okonkowski und Julius Frcund. Musik von Jean Gilbert. Vorverkauf ab Mittwoch. Sonntag, 13. Juni, nachm. 3—5.15 Uhr. Preise 4. Zum 40. Male:„Der wahre Jakob". Schwank in 3 Akten von Franz Arnold und Ernst Bach.— Abends 7.30—10.15 Uhr. Preise 3. Zum 16. Male:„Dorine und der Zufall". Lustspiel mit Musik in 3 Akten von Fritz Grünbaum und Wilhelm Sterk.— Musik von Jean Gilbert. Vorverkauf ab Donnerstag. Eurnen uns Wandern. Rouzert und Rheinischer Abend im Freischütz. Der vorgestrige gutbesuchte Rheinische Abend im Freischütz stellt den Mitwirkenden: M.=E.=V.„Cäcilia"=Schwerte und Musikkorps des 2. Batl. des Inf.= Regts. 13 aus Ludwigsburg, das allerbeste Zeugnis aus. Leider konnten wir nur den letzten beiden Teilen des umsangreichen und stimmungsvollen Programms beiwohnen. Seit längerer Zeit war es uns einmal wieder vergönnt, dem Gesang der„Cäcilia" zu lauschen. Die unter der feinsinnigen Leitung des Herrn Brockpähler stehenden, geschulten Sänger boten in mustergültigem, fein nüanciertem und phrasiertem Vortrag von Rhein= und Volksliedern den besten Beweis für die Schönheit dieser heute noch unverblaßten Musik. Der Dirigent versteht es, alle Schattierungen des Ausdrucks sorgsam und empfindungsreich abzuwägen und den musikalischen wie dichterischen Gehalt voll zu erschöpfen. Besonderen Anklang fanden„Elslein von Caub' von Filke und„Der Spielmann“ von Krämer. Die Zugabe„Hopp, hopp hopp...“ fand wie die anderen Vortragsstücke stürmischen Beifall. Diesen Beifall erntete auch in reichem Maße die Militärkapelle Manche Militärmusik haben wir in letzter Zeit am Freischütz gehört und sind etwas verwöhnt worden. Doch, was uns die„Ludwigsburger“ unter der Leitung des Musikmeisters Krause boten, verdient besonderes Lob. Jedes der Vortragsstücke wurde zu einer in sich geschlossenen, völlig einheitlichen Kunstleistung, getragen von einem ausgesprochenen Gefühl für Stil= und Wesensart des einzelnen Musikstückes. Als besonders stimmungsvoll seien aus dem Rheingold:„Eingang der Götter in Walhalla“ von Wagner und das„Potvourri“, von Hanemann genannt. Die Fackelvolonaise durch die illuminierten Anlagen des Freischütz fand besonderen Anklang. Th. Sch. Spielblan der Dortmunder Städt. Bühnen. Stadttheater. Montag, 7. Juni, abends 7.30—10 Uhr. Außer Vormiete. Preise 3.„Tanz und Mode“. Ausgeführt von dem gesamten Tanzpersonal der städt. Bühnen Dortmund, unter Leitung der Ballettmeisterin Frau Rittä Rokst und der Fa. Max Weser, Dortmund, Betenstraße. Dirig.: Siegfried Meik. Vorverkauf ab Freitag. Dienstag, 8. Juni, abends 7.30—10 Uhr. Außer Vormiete. Preise 2. Zum 14. Male:„Tiefland". Musikdrama in einem Vorspiel und 2 Aufzügen von Eugen d'Albert. Text von A. Guimera und Rudolf Lothar. Vorverkauf ab Samstag. Boxsport. Kampftag in Schwerte am 5. Juni. Der Besuch ließ in anbetracht der„Kanonen", die auf dem Programm standen, zu wünschen übrig. Daß Trippe und Lindenkohl nicht antraten und im letzten Augenblick absagten, ist im Interesse des aufblühenden Voxsportes sehr zu bedauern. Dem hiesigen Borklub trifft keine Schuld. Die Eintritspreise hätten zwar etwas herabgesetzt werden können. Von Trippe hatte man erwartet, daß er nun, nachdem er bereits früher schon einmal seinen Kampf absagte, antrat. Hier mag einmal der Verband mit aller Schärfe vorgehen Trotz der fehlenden„Größen“ ist wohl jeder Besucher auf seine Kosten gekommen, denn es wurden interessante und schöne Kämpfe ausgetragen Die Urteile des Punktgerichts waren einwandfrei und daher ist das unsportliche Benehmen mancher Besucher(Zwischenrufe und Gejohle) nur zu rügen. Auch der Ringrichter leitete sehr korrekt. Nach kurzen Begrüßungsworten gab Herr Fastnacht den Ring frei. Nachstehend die Kämpfe: Jugend=Papiergewicht: Wienhold 2= Schwerte— Patzeck= Dortmund. Trotzdem W. körperlich überlegen ist und über eine größere Reichweite verfügt, greift B. forsch an und weicht geschickt aus. W. aber läßt nicht locker, setzt seinem Gegner hart zu und kommt rechts und links gut herein. Sieger: Wienhold II nach Pkt. Bantamgewicht: Günther I=Schwerte— Wieser=Bochum. W. ist ein äußerst guter Techniker und blitzschnell am Mann. Gut eingebrachte Gesichtstreffer sichern ihm die erste Runde. Auch in der 2. N. bringt W. gute eins=zwei Schläge an und meidet vorzüglich. G. hält sich hier wie in der 3. Runde gegen den ringerfahrenen W. gut und zeigt ein echtes Kämpferherz. Durch diesen Kampf wird G. vieles gelernt haben. Der Punktsieg Wiesers ist für G. ehrenvoll. Leichtgewicht: Groll=Schwerte— SpälhDortmund. Zu Beginn des Kampfes setzt gleich ein äußerst harter Schlagwechsel ein, der in der ganzen 1. Runde anhält und das Publikum zu spontanem Beifall hinreißt. In der 2. und 3. Runde lassen jedoch beide Kämpfer, infolge des zu harten Kamofes der 1. Runde, ihre„Flügel“ hängen. Groll ist zum Schluß der Frischeste. Was man von ihm erhofft hat, hat sich voll erfüllt. Er berechtigt zu den besten Hoffnungen. Sieger: Groll nach. Pkt. Weltergewicht: Minuth=Schwerte—Beier= Hagen. In der 1. Runde vorsichtiges Abtasten. Beide Kämpfer sind gut in Form. Die 2. Runde ist forscher, doch wird viel umklammert. M. hat in technischer Hinsicht weiter gute Fortschritte gemacht und er unterlag knapp nach Punkten. Sieger: Beier nach Pkt. Weltergechicht: Klöpper=Boxsport 20 Dortmund—Knöpfel=Hagen. Beide Kämpfer sind technisch gut durchgebildet und im„Nehmen“ wie “ i m„ G e b e n“ g r o ß. D i e 2. R u n d e l e i d e t d u r c h v i e l e s Umklammern. Klöpper zeigt bessere Beinarbeit und ist in der 3. Runde der Ueberlegene. Sieger: Klöpper nach Punkten. Mittelgewicht: Maus=Schwerte— NehmHagen 23. Beide ein paar schöne Kämpfergestalten, aber auch weit vorgeschrittene Boxer. Den Schwingern des Hagener weicht Maus gut aus und punktet gut. Durch Unvorsichtigkeit N. schlägt M. ein Saltomortale, wofür N. eine Verwahrnung erhält. Auch die letzte Runde sichert sich Maus durch gutes Punkten. Sieger Maus. Leichtgewicht: Demski=Germ.=Dortmund— Veihoff=Unna. Gegen den ringerfahrenen und wei fortgeschrittenen Demski kommt der Unnaer nicht auf und muß nach kurzem Schlagwechsel einen ko einstecken. Sieger: Demski durch„ko“. Mittelgewicht: Hertel I=Schwerte—Tausch= Dortmund. Horsthofer tritt gegen Tausch nicht an, weil er angeblich bereits für einen Kampf in Bochum am Sonntag morgon verpflichtet wurde, da sein vorgesehener Gegner Lindenkohl nicht antrat. —Beide Boxer führen einen stilvollen Kampf vor. Ihre Beinarbeit und Deckung ist vorzüglich. Während die ersten zwei Runden ausgeglichen sind, schlügt T. in der 3. Runde genauer und sichert sich so einen Punktsieg. Sieger: T. nach Punkten. Th. Sch. Hohensyburg Rundstreckenrennen am 5. Juni. Auch zum diesjährigen nationalen Hohensyburgrennen hatten sich Tausende von Zuschauern eingefunden, die teils am Start und Ziel, teils an Rennstrecke Spalier bildeten. Einige„Kanonen" waren am Start, u. hoffte man auf ein interessantes Rennen. Das Meldeergebnis erlangte mit den Nachmeldungen die stattliche Zahl von 126 Fahrern. Doch die Organisation war mangelhaft. Es begann das Rennen mit einer halben Stunde Verspätung. Das Programm enthielt nur einen Teil der Fahrer. Die vielen Nachmeldungen hätten dem Publikum durch einen gedruckten Nachtrag mitgeteilt werden müssen. Fabelhaft fuhr Nr. 122 (Fahrer im Programm nicht zu ermitteln), Hugo Walther=Hameln auf„Selwe“.(Nr. 73), Robert Breier, Brambauer auf„Bugatti“(Nummer 72), desgleichen der Junior Edy Götte aus Essen auf einer B. M. W.=Maschine der von den Motorradfahrern die schnellste Zeit des Tages fuhr, und Brackelsberg, Milspe, fuhr auf Bugatti mit 33,10 Minuten für Wagen die beste Zeit des Tages. Eine glänzende Probe ihrer Leistungsfähigkeit gaben Hanomagwagen, von Witte und Stahl gesteuert. Viele Stürze kamen besonders in der SKurve und in der Haarnadelkurve vor, keiner jedoch von ernsthafter Natur. Der gebotene Sport war hervorragend. Die Polizei und Feuerwehr bewährte sich vorzüglich. Nachstehend die Ergebnisse: Motorräder, Klasse A bis 175 ccm; 2 Runden a 14,8 Klm. 1. Steinweg, Münster(DKW.), 78 Minuten. Klasse B bis 250 ccm, 3 Runden a 14,8 Klm. 1. Fred Henn, Düsseldorf(Imperia), 37,20 Min.; 2. Plaetzer, Milspe(Ewabra), 44 Min. Klasse C bis 350 ccm. 3 Runden. 1. Hoppe, Solingen(A. J. S.), 35,25,8 Min., 2. Ceyer, Dortmund(A. J. S.). Klasse D bis 500 ccm, 4 Runden. 1. Gerlach, Dortmund(Viktoria), 42 Min. Klasse E bis 750 ccm. 1. Paetzold, Köln(Scott) 41 Minuten. Klasse F bis 1000 ccm, 4 Runden. 1. Ceyer, Dortmund(A. J. S.), 44,03 Min. Touren= und Sportwagen: 1. Klasse bis 2 PS., 3 Runden: 1. Witte, Dortmund(Hannomag), 52,04 Min.; 2. Hofmann, Dortmund auf Matties, 55 Minuten. Bis 4 PS., 3 Runden: 1. Cremer, Hagen,(Oxel) 42,38 Minuten. Bis 6 PS.: 1. Brackelsberg, Milspe(Bugatti). 33,3,8 Min.(schnellste Zeit des Tages sämtlicher Fahrzeuge). Bis 8 PS., 4 Runden(Privatfahrer): 1. Breier, Brambauer(Bugatti, 42,02 Min. Industriefahrer, Klasse wie vor: 1. Walther, Hameln(Selve), 41,56 Min.; 2. Rosenberg, Dortmund auf Opel, 48,42 Min. Bis 10 PS.: 1. Stock auf Austro=Daimler, 50.40 Minuten. Bis zu 12 PS., 4 Runden:: 1. Keil, Barmen (Austro=Daimler), 45,49 Min. Klasse der Rennwagen, 5 Runden: 1. Ludewig, Essen(Bugatti), 50,56,8 Min. Th. Sch. Leichtahletik. Neuer Weltrekord Dr. Peltzers. Budapest, 6. Juni. Dr. Peltzer, der am Sonntag in Budapest startete, stellte über 500 Meter mit 1,03,6 Min. einen neuen Weltrekord auf. Barsi=Budapest landete hinter ihm als Zweiter in 1,04,6. Im 400=Meter=Hürdenlauf erzielte Dr. Peltzer mit 55,6 Sek. eine neue deutsche Höchstleistung. Jußball. S. S. V 06, Schwerte. Sämtliche Spiele fielen wegen der schlechten Witterung aus. 85 51107 01810. Schnittübersicht zum Kleid Abb. 01807 für 3 Jahre, Vorderteil und Rücken(Hälfte). erhältlich. Beyer=Abplättmuster zur Langette Nr. 30 956/I. 1m. 51 107. Täschchen. Für das 15 zu 18 cm große Täschchen wählt man grau=blaues Tuch als Grundstoff. Den Elefanten, zusammenhängend mit Sänfte und Bandelsmann, schneidet man in hellgrauem Tuch aus und näht dies Stück mit weitläufigen Langettenstichen und schwarzer Seide auf. Dann stickt man mit Filoflossenseide im dichten Strich= und Stielstich die Zeichnung aus. An den Ecken der Satteldecke schwarze Seidenquästchen, graues Futter und grauseidene Schnur. Das BeyerAbplättmuster ist unter Nr. 51 107/I erhältlich. MK 01 004.: Kinderkleid und Mützchen in Buntstickerei. Das Kleidchen arbeitet man aus lindengrünem Flanell. Die wirkungsvolle Stickerei führt man mit Fichuwolle und Kräuselgarn in Spann=, Platt=, Ketten= und Ueberfangstichen aus. Das Ueberjäckchen füttert man mit weißem Batist und deckt den Schluß am Hals mit einer Schleife aus kupferfarbenem, 1.5 cm breitem Seidenband mit langen Enden. Das aus gleichem Stoff gefertigte Mützchen ziert die Buntstickereikante am aufgeschlagenen Krempenrand. Die Krempe ist seitlich geteilt und durch je einen lachsfarbenen Doppelknopf gehalten. Innen weißes Batistfutter. BeyerSchnitt für 3 Jahre. Beyer=Abplättmuster Nr. 51 108/III(Kleid), und 51 113/1(Mütze). SK 01 003. Kindergarnitur. Die Ränder der Garnitur aus rosa Creve de Chine sind mit einem 1.5 cm breiten Abschluß aus feinem Waschtüll begrenzt. Man heftet den Tüll doppelt zusammengelegt unter die Seide und führt die schmale Langette mit weißerWaschseide aus. Hübsch wirkt es auch, wenn man anstatt der Langette schmalen, dichten Plattstich ausführt man stickt dann nur auf der inneren Linie der Vorzeichnung, die äußere wird mit dem überschüssigen Stoff fortgeschnitten. Am Hemdhöschen bilden den unsichtbaren Verschluß Perlmutterknöpfchen und langettierte Schlingen Am Jäckchen zieht man durch den Tüllrand des Halsausschnittes eine 58 cm lange Schnur An den Enden kleine gehäkelte Röschen, die überhaupt als Schmuck der ganzen Garnitur verwendet sind. Man häkelt für ein Röschen mit Perlgarn Nr. 12 in tl. Lftm.=Bg. 5mal wechselnd 2 Lftm. 1 f. M. 2. Rd.: in die Bg. 1 f. M. 5 Stbch. 1 f. M. Darüber als Blütenmitte 3. R.: 3mal abw. 3 Lftm. 1 f. M., die f. M. greifen um die f. M. der 1. Rd. 4. Rd.: in die Lftm.=Ba. 1 f. M. 5 Stbch. 1 f. M. Am Häubchen ist der Kopfteil dem Rand angereiht. Zum Festbinden dient eine 56 cm lange Schnur, die am unteren, inneren Rand des Häubchens durch einige langettierte Stege geleitet ist. An den Unden ebenfalls Röschen. Beyer=Schnit statteten Form. Zuerst ziert man Vorderteil und Rücken mit den zierlichen Blütensträußen. Man stickt mit Waschseide oder Glanztwist in Stiel= und Plattstich. Danach näht man die Teile zusammen und fährt an den Seiten und Schultern die kleinen, auf der Spitze stehenden Vierecke in Schmuckfalten aus. Dazu begrenzt man sich den Teil mit einem Heftfaden. Die Stoffläche innerhalb des Fadens wird nun mittels eines Maßes in gleichmäßige, etwa 1 cm große Vierecke geteilt, die mit Punkten bezeichnet werden. Darnach reiht man den Stoff reihenweise mit mittelstarkem Faden ein, dabei Punkt für Punkt auf die Nadel nehmend. Damit der Knoten am Anfang der Reihe nicht durchrutscht, ist ein Hinterstich zu machen. Wer geübt im Einreihen ist, kann auch mehrere Punkte auf einmal aufnehmen. Man zieht den Faden so an, daß hochstehende Falten sich bilden. Von diesen Falten sind dann mit farbigem Faden je 2 Falten mit 2 Stichen zu übersticken, wobei die Stiche immer nur die Höhe der Falten fassen und nicht fest angezogen werden bürsen. In den folgenden Reihen sind die Jalten versetzt zueinander zu fassen. Zuletzt die Reihfädenentfernen. Der Beyer=Schnitt ist für 3 Jahre stets erhältlich. Beyer=Abplättmuster Nr. 01 010 359/IV. Der schönste Schmuck der Kinderkleidung ist zierliche Handstickerei, die man in feinen lustigen bunten Motiven oder als zarte Hohlsaumund Bortenberandung in verschiedenster Weise anbringt. Bei dem allerliebsten Blusenanzug Abb. KK 1659 wurden die Hohlsäume mit der Maschine ausgeführt, was jedoch jede Frau auch sehr leicht selbst fertig bringt. Durch einen kleinen, vatentamtlich geschützten HohlsaumApparat, der an jeder Köhler=Nähmaschine (außer Langschiff) an Stelle des Füßchens an der Füßchenstange zu befestigen ist, kann jeder in ganz gewöhnlicher Naht Stäbchen=Hohlnähte ausführen. Da bei Ausführung dieser Nähte keine Fäden zu ziehen sind, können Stoffe jeder Art hierzu verwendet werden. Anders ist es hier bei handgenähten Hohlsäumen, die Stoffe mit ausziehbaren Fäden erfordern. Man fertigt in diesem Falle dann die Bluse zu dem hier abgebildeten Knabenanzug Abb. KK 1659 aus weißem Battist oder feinem Leinen, die Trägerhöschen dagegen aus hellblauem Ripsleinen. Das Blüschen schließt in vorderer Mitte mit Perlmutterknöpfen. Beyer=Schnitte für 1 und 3 Jahre. Das reizende Mädchenkleid Abb. MK 01807 ist ebenfalls aus hellblauem Ripsleinen gefertigt. Mit Abb. 01810 geben wir die Schnittübersicht der einfachen und doch reizvoll ausgeBachhaustuug Sart Graus, Schwertr. Stärkewäsche! sauber gewaschen und gebügelt Oberhemd 70 4 Steh=Umlegkragen 15„ Kläppchenkragen u. einfache Kragen] 10= Große Serviteurs 20„ Kleine Serviteurs 15„ Manschetten... 20„ Schonende Behandlung der Wasche! Frau Stegemann zu Büglerin Kampstraße 23, 1 Etage. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres guten Schwagers und Orkels, spreche ich allen, besonders dem Herra Pastor Plorin, für seine trostreichen Worte am Crabe, sowie dem Kriegerverein, desgleichen für die zahlreichen Kranzspenden meinen herzlichsten Dank aus. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen. Ww. Heinrich Meier. Schwerte, den 7, Juni 1926. 2s11 Mittwoch, den 9. Juni d. I, nachmittags 5 Uhr anfangend, soll der 1. u 2. Grasschnitt in der Flößwiese Flurpöten b. Lichtendorf öffentlich, meistbietend, nummerweise gegen bar u. Kredit verkauft werden. Zusammenkunft an Ort und Stelle, beim Landwirt F. Krumme in Schwerte, Ostenheide Nr. 11 4079 Haus Villigst b. Schwerte, den 4. Juni 1926. Irhrl. v. Gemmingen'sche Rentei 88RR8M MES8KESSNE 88 Jugendliche Arbeiterinnen von 14—16 Jahren erhalten Beschäftigung in unserer Versilberung als Handpoliere= 2 rinnen und auf dem Lager zum Einpacken 5 von Fertigwaren. 258 9.2075 Nickel=Werk Schwerte. Bestellungen nimmt der Verlag und jedes Postamt, Wünsche für Probebezug der Verlag in Efsen, Theaterplatz 8/10, entgegen. Metallbetten Stahlmatratzen, Kinderbetten günst a. Priv. Kat 2525 frei Eisenmöbelfahr. Suhl(Chür.) Fr. Hidding Nr. 130(Zweites Blatt) „Tasuk"“ C P U Peerroheert Mit Rudolf Oeser hat die Deutsche Reichsbahn=Gesellschaft ihren ersten Generaldirektor verloren. Eingeweihten ist der Tod nicht überraschend gekommen. Oeser war bekanntlich schon längere Zeit leidend. Seine Energie vermochte es jedoch, die Krankheit immer wieder zurückzudrängen. Mehrfach suchte und fand er Erholung im Süden, zuletzt noch in der Zeit von Ostern bis kurz vor Pfingsten, er kehrte aber von dort stark leidend zurück. Trotzdem übernahm er persönlich wieder die Geschäfte und leitete auch entscheidende Sitzungen selbst. Dann aber erfolgte der Zusammenbruch. Noch bis zuletzt hat er vom Krankenlager aus an der Leitung der Geschäfte teilgenommen und Unterschriften persönlich ausgefertigt. Der Verstorbene war ursprünglich kein ausgesprochener Verkehrsfachmann, jedoch hat er sich während seiner langjährigen journalistischen und parlamentarischen Tätigkeit viel mit dem deutschen Verkehrswesen und seiner Entwicklung befaßt. Als Mitglied des Reichstags trat Oeser in der Vorkriegszeit besonders als Berichterstatter des Eisenbahnhaushalts hervor. Diesem Umstande ist es wohl zuzuschreiben, daß Oeser nach dem Kriege als Minister för öffentliche Arbeiten in das preußische Kabinett berufen wurde. Hier harrte seiner als Hauptaufgabe der Wiederaufbau des durch den Krieg zerrütteten Eisenbahnwesens, das damals dem Untergange nahe stand. Unter seiner entscheidenden Mitwirkung wurde die in der Weimarer Verfassung vorgesehene Ueberführung der Landeseisenbahnen in Reichsbesitz vollzogen. Nachdem fast alle Aufgaben seines Ressorts auf das Reich übergegangen waren, schied Oeser aus dem Amt des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, zwei Jahre später übernahm er dann das Reichsverkehrsministerium. Auf dem Gebiete der Wasserstraßenverwaltung, die zum Ressort dieses Ministeriums gehörte, hat er den Bau des Mittellandkanals, die großen süddeutschen Wasserstraßenpläne sowie die Verbesserung der Seewasserstraßen nach Königsberg, Stettin, Hamburg und Bremen nachdrücklich gefördert. Bei der Umwandlung der deutschen Reichsbahn in die Deutsche Reichsbahngesellschaft im August 1924 wurde er als Generaldirektor an die Spitze des Direktoriums der Gesellschaft berufen. Mit der Uebernahme dieses Amtes hatte sich die Stellung Oesers der Reichsregierung = und dem Reichstag gegenüber grundlegend geändert. Während er bisher als parlamentarischer Reichsminister dem Reichstag gegenüber verantwortlich war, stand er jetzt an der Spitze der Verwaltung einer Verkehrsgesellschaft, die die Reichsbahn als hauptsächlichste Garantie der deutschen Entschädigungsverpflichtungen übernommen hatte. Die Reichsbahn blieb Eigentum des Reiches. Aber sie wurde doch bis zu einem gewissen Grade selbständig gemacht, wenn auch dem Reiche Aufsichts= und Kontroll= befugnisse verblieben. Infolgedessen kam es in den letzten Jahren mehrfach zu ernsten Meinungsverschiedenheiten zwischen der Reichsbahn=Gesellschaft einerseits und Regierung und Reichstag anderseits. Die Leitung der Reichsbahn=Gesellschaft war naturgemäß bestrebt, die durch die Dawesgesetze der Reichsbahn=Gesellschaft auferlegten Lasten herauszuwirtschaften. Zu diesem Zwecke schränkte sie das Personal ganz erheblich ein und suchte durch eine ziemlich scharfe Tarif= und Preispolitik die Einnahmen der Gesellschaft zu heben. Die rücksichtslose Durchführung dieser Maßnahmen brachte jedoch die Reichsbahn in schärfsten Gegensatz zu dem Reichstag, der mit einer seltenen Geschlossenheit gegen die Reichsbahn=Gesellschaft Front machte. Besondere Entrüstung hatte es seinerzeit erregt, daß die ReichsbahnGesellschaft einen Schiedsspruch des Reichsarbeitsministers in dem letzten Lohnkonflikt zwischen der Reichsbahnverwaltung und den Eisenbahnern nicht anerkennen wollte. Die Angelegenheit wurde vor das Reichsbahngericht gebracht, wo sie jetzt noch schwebt. Generaldirektor Oeser hat wiederholt Gelegenheit genommen, alle diese Maßnahmen mit der finanziellen Belastung der Reichsbahn durch das Dawesabkommen zu rechtfertigen, doch ist es ihm nicht mehr gelungen, das frühere Vertrauensverhältnis zwischen Reichsbahn und Reichsparlament wieder herzustellen. Gleichwohl wird jedermann dem Verstorbenen das anerkennende Zeugnis ausstellen müssen, daß er redlich bemüht war, seiner schwierigen Aufgabe als Leiter des größten deutschen Verkehrsunternehmens gerecht zu werden. Er sah sein Ziel darin, als Treuhänder des deutschen Volles und der deutschen Wirtschaft das Unternehmen leistungsfähig zu erhalten und den Zugriff der ausländischen Vertreter durch ein Höchstmaß von Leistung zu vermeiden. Und dieses Ziel hat er auch erreicht, ein Erfolg, der allerdings dadurch beeinträchtigt wird, daß es dabei nicht ohne besondere Härten abgehen konnte. Von Drinnen und Draußen. Irgendwo an der Ostsee, Anfang Juni 192 Ich will den so oft im Grabe gestörten Ben Akiba nicht bemühen, um ihn zu neuem Umlernen zu zwingen. Aber es gibt doch noch Neues unter der Sonne. Man hat kürzlich in Berlin einen Film ausgepfiffen! Nicht einen russischen Hetzfilm, oh nein. Der ist künstlerisch so gut und volitisch so pfiffig gemacht und die politische Hetze ist so listig in einwandfrei Künstlerisches eingewickelt, daß, von den Leuten abgesehen, die schon an der Hetze an sich das Vergnügen haben, die künstzerisch Bestochenen Zeter und Mordio schreien würden, wenn man sie fragte: Würde das neue Rußland— lesen Sie den guten Roman von Claude Anet, dem Franzosen,„Lydia Sergygwna“, und manches wird Ihnen klar werden— ich sage: würde das neue Rußland einen Film, der vom Anfang bis zum Ende das Glück der monarchischen staatsform verherrlicht, selbst in der glänzendsten Aufmachung und Darstellung Serie spielen lassen? Also nein, ein russischer Film ist's nicht, kein „Propaganda"=Film, der immerzu aus dem Gestampf der Schiffsschrauben in der Begleitmusik die Internationale aufglühen läßt. Es war ein amerikanischer Film, der sich— oh, moralisches Deutschland!— abschreckend„Gier nach Geld“ nannte. Und den Herr Erich von Stroheim verfaßt hat. Es sind schon gute und liebenswürdige Schriftsteller aus dem österreichischen Offizierkorps hervorgegangen. Der österreichische Oberleutnant Erich von Stroheim hat den Waffenrock rechtzeitig in Europa ausgezogen, um ihn— im freien Amerika— wieder anzuziehen. Das heißt— da hat er den preußischen Offiziersrock angezogen. Das wirkte besser unter den Jupiterlampen. Und hat dann in dieser Uniform— den niederträchtigsten und verlogensten Hetzfilm gespielt. Aber die Gier nach Gold und Herr Erich von Stroheim können auch anders. Und so entstand der köstliche Sittenfilm, den kürzlich ein verständiges, Publikum im Afa=Palast am Zoo so empört wie kräftig ablehnte. Ein Anfang— immerhin ein Anfang! Ohne vielleicht von dem Edelmann von Stroheim. seinem rühmlichen Lebensgang und künstlerischen Wirken etwas zu wissen, hat das Publikum den Unfug seiner Dichtung nicht mitgemacht und sich sogar— oh, liebliche Neuheit!— sein gutes Eintrittsgeld zurückzahlen lassen, das es nicht für amerikanischen Mist angelegt haben wollte. Ein Anfang— immerhin ein Anfang!— Uebermächtige Gewalten Haben gegen uns entschieden— Aber reinlich uns zu halten, Wehrt uns nicht mal dieser Frieden! Und kein Jubel zu durchlaufen Braucht das Land in trüben Tagen, Weil der Kitsch und Schmutz von draußen Munter wird uns zugetragen. Muß es sein— du meine Güte!— Daß wir so uns selbst kasteien!? Welsche Röcke, brit'sche Hüte Und Pariser Schweinereien, Und mit was der gute Oheim Sam, der Pfiffige, uns beehrt hat, Oder gar der Lump von Oheim Filmisch=dichterisch beschert hat!? Woll'n wir, eh wir ganz erblinden, Nicht mal endlich uns besinnen, Uns die eignen Führer finden Und den neuen Weg beginnen!? Woll'n wir— wär's nur zum Kontraste!— Mit uns selbst nicht Frieden schließen— Geistig bei uns selbst zu Gaste Sein— und deutsche Kost genießen!? Sind das gar so fremde Sachen: Deutsches Brot von deutschen Mühlen, Deutsches Weinen, deutsches Lachen, Deutsches Denken, deutsches Fühlen? Daß ob deutschen Landen rage Deutsch Panier und uns begeister', Scheint die wich'ge Flaggen=Frage— Mir im Reich der freien Geister! Wenn ich übrigens über etwas froh bin, so ist es die Tatsache, daß hier, wo ich in meinem stillen Sommerhäuschen sitze, kein Mensch von der „Flaggenfrage“ redet. Also gar nicht seltsam: ich fühle mich hier wohl, wie ein Fisch im Wasser Montag 7. Juni 1926. Paul Gerhardts 250. Todestag(7. Juni 1926). Harl= Schadel. Von Walter Engstfeld, Haspe. Ein Roman aus dem westfälischen Volksleben. 27. Fortsetzung.(Nachdruck verboten). Ob Liese sich nun auch mit aller Macht wehrte, ob sie alle glücklichen und fröhlichen gemeinsam verlebten Stunden zur Hilfe heranzog, sie konnte sich der bitteren Erkenntnis nicht verschließen, daß sie längst nicht mehr der Hauptinhalt im Denken, Fühlen und Streben ihres Mannes war— nein— sein Streben, Ringen, all' sein Schaffen und Mühen, sein Denken und Handeln galt dem Besitz— genau wie es auch der Vater machte, kein Jota war Fritz anders als jener Liese hatte es gefühlt, um ihrethalben hätte er von seinem Besitz nicht mehr gelassen, wenn sie auch darüber gestorben wäre. War das wirklich das große schöne Glück, was sie mit Fritz erwartet und erträumt hatte? Weit ab vom menschlichen Verkehr, auf einsamer Siedelung mitten im Urwald, umgeben von Menschen, die zwar gegen Liese sich treu und gut jederzeit gezeigt, da war es kein Wunder, daß solche Empfindungen über die junge Frau häufig hinwegstürmten. Zwar bot ihr nun das Leben, bei dem raschen Emporblühen der Siedelung mancherlei, was ihr in der ersten Zeit ihres Hierseins schwer gefallen, entbehren zu müssen, aber gerade dies veränderte Leben machte ihr den Gatten und den Vater ihrer Kinder noch fremder, machte ihr Benehmen ihm gegenüber kühler und zurückhaltender. Fritz zeigte sich zwar stets liebevoll und besorgt um Mutter und Kind— doch die Siedelung wuchs mehr und mehr— und wenn ihre Ehe gerade nicht zu einer unglücklichen wurde, so war es eben doch nur ein vom Schicksal herbeigeführtes Zusammenhalten, kein herzliches, inniges Verstehen und gegenseitiges Aufgehen in gemeinsame Interessen, was sie miteinander verband. Fritz war ein Graßkamp vom Scheitel bis zur Sohle— er würde aushalten, mochte um ihn herum alles vergehen, starr würde er das Schicksal zu meistern suchen— würde lieber selber zugrunde gehen, ehe er nachgäbe— und warum das alles Nur weil der Vater kein rechtes weiches Empfinden hatte, weil sein Schädel, wie Fritz einstens selber gesagt hatte, hart wie Eisen sei und dieser harte Schädel war des Sohnes einzigstes Erbteil. 11. Nicht der Wille der Väter zwingt das Schicksal, sondern das Schicksal meistert der Väter Wollen. 1898—1918! Zwanzig Jahre! Der Krieg mit all' seinen Folgen war über Deutschland gekommen und wenn sich auch innerhalb seiner Grenzen nicht Kämpfe und Gefechte abgespielt hatten— Schlimmeres war geschehen. Das ehemals so reiche, blühende Land verarmte, hatte alles hergegeben, was herzugeben war, sogar das Beste, seine gesunden, starken Söhne. Auch Hunger und Elend waren gekommen und hatten aus den Reihen der Kinder und Greise dem Tode die Beute in die Arme getrieben. Diese zwanzig Jahre waren auch über den Schultenhof und Holthausen nicht hinweggegangen ohne tiefe, unverwischbare Furchen einzugraben Das wichtigste aus ihnen ist in kurzen Umrissen schnell gesagt. Mutter Zapp und auch Trine hatten beide das Kriegsende nicht mehr erlebt, sie ruhten schon längst auf dem Friedhof in G.. Schulte=Graß= kamp war alt, sehr alte geworden und als sein Enkel Fritz aus dem Felde heimkam, hatte er gerade seinen 79. Geburtslag gefeiert. Dem willensstarken zähen Bauern war das Nichtstun auf die Dauer nicht mehr möglich gewesen. Eines guten Tages hatte er all seine Kräfte gesammelt, hatte alle Schmerzen verbissen, hatte sich allein mühsam aufgerichtet und sein Lager verlassen, hatte trot lahmen Bein und steifem Arm langsam und schwiePaul Gerhardt, (geb. 12. März 1607 in Gräfenhainichen), der vor 250 Jahren am 7. Juni als Prediger in Lübben a. d. Spree starb, ist der Hauptvertreter des protest. geistlichen Liedes im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Seine bekanntesten und schönsten Lieder sind„Befiel du deine Wege" und„O Haupt voll Blut und Wunden,. Letzteres ist von Johann Sebastian Bach in der Matthäuspassion komponiert worden. Der Fisch im Wasser selbst aber— und das ist widerum das Seltsame— fühlt sich seinerseils wieder in Berlin, von wo ich ohne Heimweh komme, besonders wohl. Wenigstens ist das den Mitteilungen des Berliner Zoo an die Blätter zu entnehmen, deren letzte— oder ist sie schon überholt? Der Zoo ist sehr rührig in Notizen— also, deren letzte mir bekannten wörtlich so lautet:„Der mächtige Tintenfisch oder Seepolyp, der bereits vor Monaten ein Asyl im Aquarium gefunden hat, ist in dieser kurzen Zeit zu doppelter Größe herangewachsen. Es ist dies überhaupt die längste Zeil die ein Tintenfisch in einem Aquarium ausgehalten hat, ohne einzugehen“... Na also! Ein Seepolyp muß man sein, und seine Beziehungen zu der auch mir nicht fremden Tinnte muß man so innig gestalten, daß man mit recht auch Tintenfisch genannt werden kann— dann ist das Klima Berlins das Köstlichste für ein Lebewesen.„Die Tinte macht uns wohl gelehrt— doch ärgert sie, wo sie nicht hingehört.— Geschriebenes Wort ist verlengleich, ein Tintenklecks ein böser Streich"... sagt Goethe. Berlin ist wohl die Stadt, in der am meisten„verlengleiche“ Wort geschrieben werden. Das liegt im Zuzug aller Schreibkundigen dorthin, die von da aus ihre Perlen vor die Leser werfen wollen,(wenn sie einen Verleger finden). Vielleicht ist auch der Prozentsatz der Tintenkleckse dort der größte, was wiederum mit den unerhört vielen Aemtern zusammenhängen mag. Und daß die Forschung jetzt noch gar anführt, daß der Tintenfisch persönlich sich dort so wohl fühlt, das tut meinem Herzen im freiwilligen Sommerexil an der See besonders gut. Denn ich mache mir nichts aus Tintenfischen und sie können meinetwegen alle in Berlin sein, wenn ich hier in der See bade. Aber Tintenfisch her— Seepolyp hin ich bin froh, daß ich durch den Strandsand wate, und daß auf der einzigen Litfaßsäule als aufregendste Veranstaltung ein„Tanzkränzchen" angezeigt ist, zu dem ich kein Eintrittsgelo zu zahlen brauche—, wenn ich hingehe. Aber ich mache jetzt prinzipiell so teure Vergnügungen nicht mehr mit. Weil ich spare. Für eine Reise nach Frankreich, nach Paris. Wenn erst der Franc noch billiger geworden ist. Die Herrschaften dort sind auf gutem Wege. Wir kennen den Weg! So um 1920 fing er bei uns an. Und da helfen alle Siege I am Riff nichts. Und wenn die ganze lopfreiche Familie des Ab del Krim sich bis zu seinen sämtlichen Schwiegermüttern der Gnade Frankreichs überliefert hat—die leichtsinnige Marianne, die rig sich fortbewegt. Wer damals so zuerst den Graßkamp gesehen, war von tiefem Mitleid für den Mann erfaßt worden— doch langsam hatte man sich auch an diesen Anblick gewöhnt— und nachher wußte man es nicht mehr anders. Auf Holthausen ging alles in ruhigen Baynen. August und Lina boten in ihrer Gesundheit und in ihrem glücklichen häuslichem Leben das schönste Urbild eines westfälischen Bauernpaares. Sie hatten es sich bei ihrer Wohlhabenheit nicht nehmen lassen, ihrem Kinde, wie sie so hübsch selbst sagten,„auch eine gute Erziehung zu geben“. Haiten die einzigste Tochter auf ein Jahr in die Stadt im Hause eines Fabrikanten zur gründlichen Erlernung der Küche und des Haushaltes untergebracht. Das Linachen von früher und die Lina von heute waren dadurch zwei ganz verschiedene Begriffe geworden. Zwischen den beiden Nachbarhöfen hatte sich trotz der Jahre das Verhältnis kaum nennenswert verändert. Ob der alte Graßkamp es gerne oder nicht gerne gesehen, Fritz war auf Holthausen immer wie zu Hause gewesen und wie zwei Geschwister hatten Lina, die Jüngere, und er stels miteinander verkehrt, bis— nun, bis Lina in die Stadt gekommen war. Graßkamp hatte, als er durch Fritz hiervon er. fuhr, gemeint:„Das ist das Richtige, wenn so'n Bauernmädchen das Kochen und Bettemachen in der Stadt lernt, da kann nachher das Heu verregnen, wenn bloß der Braten nicht anbrennt.“ Fritz hatte nicht geantwortet, er vermochte es nicht, den Großvater zu kränken, konnte innerlich auch nicht vertragen, wenn in abfälliger Art über Lina oder irgend eine andere Person von Holthausen gesprochen wurde. Als nun Lina ihr Jahr um hatte und nach Hause kam und gleich bei ihrer Rückkehr zufällig Fritz unter den alten Weiden zum ersten Mal traf und schmuck, etwas städtisch gekleidel, mit freien Manieren auf Fritz fröhlich lachend zuschritt und„Guten Tag, Fritz, da bin ich wieder,“ sagte, da stand dieser dem jungen hübschen Mädchen recht bäuerlich unbeholfen gegenüber und sein„Guten Tag, Lina,“ klang gar nicht so, wie es wohl hätte klingen sollen. Diese kleine, an sich unbedeutende Szene halte einen Belauscher gehabt. Unweit davon hatte Graßkamp gestanden und hatte interessant das Bild dort betrachtet. Darüber waren seine Gedanken um fünfundzwanzig Jahre zurückgewandert. Für sein Leben gern hätte es damals gehabt, wenn der Vater dieses Jungen da vor ihm, sein Sohn Fritz, seinen Herzenswunsch erfüllt und die Lina Holthaus geheiratet hätte. Es wäre eine Pracht gewesen. Die beiden jungen, tüchtigen Leute hätten die großen schönen Höfe vereint, und das wäre wohl ein Gut geworden, wie stundenweit in der Umgebung kein zweites— und er, der SchulteGraßkamp, hätte dann stolz sein können. Aber alles war so ganz anders gekommen. Nun standen da drüben wieder wie einst ein Fritz und eine Lina— konnten da nicht vielleicht doch noch—? Nein, nein, und nochmals nein, aus diesen beiden sollte und durfte kein Paar werden. Eine Lina Zapp, das würde was nettes werden, eine Bauernfrau mit Stadtmanieren— nein, das war nichts Passendes für den Schultenhof. Lange schüttelte Graßkamp noch mit dem Kopfe und humpelte dann mühsam nach Haus. Fritz war, als der Krieg ausbrach, eben 24 Jahre alt und ein baumstarker Bursche und einer der ersten, die mit ins Feld rückten. Auf dem Schultenhof hatte Ernst Schmidt treu als Knecht ausgehalten. Seit einer Reihe von Jahren war er schon verheiratet und wohnte mit seiner Frau, die zeitweise auch auf dem Schultenhof half, auf Holthausen in Mutter Zapps kleinem Häuschen, das August ihm vermietet hatte. Er brauchte nicht mit ins Feld, weil er schon bei Kriegsausbruch fast 50 Jahre alt war. (Fortsetzung folgt.) von den ehemals seindlichen Nachbarn durchaus nichts lernen will, wird zum Schrecken ihrer Hunderttausende von Kleinrentnern, die an der Seine und Loire ihren Kohl verkümmern sehen, in dasselbe Verderben tänzeln, das uns einmal— zu Milliardären gemacht hat. Das schöne Gold aber, von dem Shakespaere gesagt hat, daß es„macht selbst den Aussatz leidlich, hilft dem Dieb— zu Aemtern, Titeln Ehr' und Anerkennung— und schafft der überjähr'gen Witwe Freier"... Das Gold wird rarer werden als die Aussätzigen und die überzähligen Witwen. Und so schuldig der Prinz Windisch=Grätz gewesen sein mag— daran sind seine in Budapest hübsch gefälschten Hunderttausender nicht schuld. Wenn der Vizepräsident des ungarischen Nationalbundes Szöretsey gesagt hat, es müßten Banden organisiert werden, die mit Gift und Dolch, vom Säugling bis zum Greis, für das geraubte Ungarn kämpfen, so hat er damit weder des Genfer Friedensgesäusels liebliche Stimme verstärkt, noch hat er eigentlich die Methode des Prinzen Windisch=Grätz, um die es doch vor dem Budapester Gericht gegangen ist, damit ein germaßen ähnlich geschildert und abgemalt. Denn die Frankenfälschung, wie die Herren Fälscher wünschten, als„kriegerische Unternehmung" betrachtet, war eigentlich recht still und leise— fromme Weise— gedacht und vorgesehen. Und hätte vielleicht, wenn sie nicht zu früh entdeckt worden wäre, und wenn die Herren Franzosen nicht schon selber in dieser Richtung an der Notenpresse tätig gewesen wären, zu einem Ziele geführt, das nun... ohne sie erreichte wird. Und das ist die späte und betrübte Einsicht des jetzt zu vier Jahren Zuchthaus verurteilten Prinzen. Und deshalb ist es erklärlich... Es brach der Zorn des Windisch=Grätz In seiner ganzen Wucht aus: „Genug forensisches Geschwätz, Ich wand're halt ins Zuchthaus. Hab' heimlich alten Haß geschürt Und hab’— so war's mein Wille— Verlor'nen Krieg noch fortgeführt, Für mich und in der Stille. Der dumme Zufall fällte mich. (Dummheit ist immer stärker!) Das Urteil war nicht zimperlich: Vier Jahre schweren Kerker. Vier Jahre hält mich die Justiz In ihren scharfen Krallen. Derweil— auch ohne meinen Witz— Die Franken täglich fallen! Sie fallen rasch, sie fallen sacht, Da ist kein Hoffnungsschimmer. Ob sonst die Börse lacht, ob kracht, Die Franken fallen immer... Und täglich neuer Frankensturz, Und stets dieselbe Chose— Sie fallen über lang und kurz Bestimmt ins Bodenlose! Wie komm' ich jetzt mir selber vor— Im Dalles dieser Welschen!? Ich war ein rechter Narr und Tor: Dreck— braucht man nicht zu fälschen!“ Diogenes. Aus den Probinzen. Der neue Rektor der Westfälischen Wilhelmsuniversität. Münster, Der Senat der Westfälischen WilhelmsUniversität hat am Mittwoch voriger Woche für das Jahr 1926=27 den ordentlichen Professor des Kirchenrechts Dr. Karl Lux, Mitglied der katholisch=theologischen Fakultät, zum Rektor gewählt. Werber für die Fremdenlegion verhaftet. Siegen, 7. Juni. Der Polizei in Hilchenbach bei Siegen gelang es, die Spur eines Automobiles mit Werbern für die Fremdenlegion zu verfolgen und sämtliche Insassen zu verhaften. Die Werber hatten an einen jungen Mann 6000 Franke gezahlt als Gegenleistung für Dienste in Frankreich. Ebenso hatten sie an Jugendliche Beträge bis zu 500 Mark abgegeben. Schwerer Unglücksfall. Siegen, 7. Juni. Auf der Schiefergrube Luise waren die Bergleute Karl Klein und Karl Reuter beschäftigt, die durch einen Schuß gelockerten Gesteinsmassen wugzuräumen, als plötzlich große Massen abstürzten und beide Bergleute begruben. Bei den sofort ausgenommenen Bergungsarbeiten konnten der Bergmann Klein nur als Leiche und Reuter schwer verletzt ans Tageslicht gebracht werden. Unglücksfälle. Mülheim=Nuhr, 7. Juni. Der 32 Jahre alte Kanzleigehilfe Stein zog sich eine kleine Verletzung an der Unterlippe zu, zu der sich eine Blütvergiftung gesellte, deren Folgen Stein erlag.— Durch Starkstrom getötet wurde auf den Thyssenwerken der Elektrotechniker Ader vom Zehntweg in Mülheim=Dümpten. Der Verunglückte war 18 Jahre alt. Unglücksfälle. Hamborn, 7. Juni. Ein 14jähriger Mittelschüler aus der Ranenbergstraße hatte ein altes Teschin gefunden, das er instandsetzte und mit Munition, die er bei einem Händler kaufte, Schießversuche machte. Hierbei traf er den 12jährigen Sohn des Vorarbeiters Gohla derart unglücklich in den Unterleib, daß der Junge lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mußte.— Au der 4 Sohle des Schachtes 2 der Zeche„Neumühl“ wurde der 17 Jahre alte Schlepper Martin Ma rinko mit zertrümmertem Kopfe tot aufgefunden. M. war auf noch nicht geklärte Weise etwa 40 Me ter tief in den Abbruch gestürzt. Der Tod war au der Stelle eingetreten. Die Insel des Friedens. Von Fritz Joh Wo zwischen Langeooge und Norderney die Nordseewellen an flachen weißen Strand spülen, liegt Baltrum, die kleinste der ostfriesischen Inseln. Ein bescheidenes Aschenbrödel, das unter dem schlichten Gewand den köstlich blitzenden Schrein iner kindhaft unberührten Seele birgt, so träumt dieses kleine Eiland, getrennt von dem hastigen Getriebe der Welt, im Schoße seiner immer raunenden Mutter, der See. Wie ein kunstvoll geschliffenes Glas die Sonnenstrahlen sammelt und in einem wärmenden und leuchtenden Punkt zusammenfaßt, so fand ich alles, was die wilde und geheimnisvolle See und das friesische Land auf ruhelosem Wandern von Nord nach Süd und West in mich hinein gehämmert, geraunt und gesungen hatten, auf jener kleinen Insel wieder zu einer Einheit gefügt. Noch lastet schweres Gewölk über den weiten Marschen, und kaltes Regengeriesel schwebt als trüber Vorhang vor den lachenden Sommertagen, die ein jauchzendes Fest des Wiedersehens im sonnendurchglühten Dünensand bringen. Aber schon eilen die Gedanken den Weg voraus, über das silbern glänzende Wattenmeer und wandern die vertrauten Wege durch Dorf und Dünen, meine Grüße und Wünsche in jeden Winkel tragend. Da liegt inmitten des Dorfes die schmucklose nselkirche, die in ihrer schlichten Einfachheit, dem schwarzen Holzkreuz als einzigen Schmuck über der niederen Eingangstür, inmitten der Herbheit des Insellandes so tief zum Herzen spricht, wie nur irgendein ragender Dom, der mit gigantisch aufstrebenden Türmen in den Himmel greift. Verwitterte Holzkreuze stehen im Sande, Strandgräser nicken über den alten verfallenen Gräbern. Ein Balkengerüst trägt die kleine Glocke, die mit ihrem harten, schrillen Klang schon manchesmal in Not und Gefahr ihren Hilfeschrei in Sturm und Wogendrang hinausgellte. Jetzt ruft sie Sonntag für Sonntag die Inselfriesen zu der schlichten Kapelle, ruft auch mich, der ich dann inmitten dieser ernsten und starken Menschen, aus ihren von Sturm und Wetter durchfurchten Gesichtern und ihren kindhaft andächtigen Augen eine Predigt empfange, die nicht minder eindringlich ist als die des hageren Friesenpfarrers oben auf der Kanzel; denn es ist eine Predigt aus dem verlorenen Kinderland der Menschheit, die aus diesen Händen und Augen spricht, aus einer fernen, hier zur Wirklichkeit gestalteten Märchenwelt tiefen, ungespaltenen Glaubens und friedvoll kindlichen Genügens an der sicheren Nähe, die mit wehem Klang sich dem offenbart, der ein Kind dieser rätselhaften Zeit— in allem Denken und Erleben an ihr leidhaftes Schicksal nervenpeitschenden Stürmens und verzweifelten Fragens hingegeben ist. An dem Wege, der sich an den niederen Bauernhäusern des Westdorfes vorbei nach dem Strande der offenen See windet, liegt die alte müde Kate, bei deren Anschauen sich mir die Worte formten: Das schlummert und bettet das braune Haupt verträumt in die blauen Syringen, um seinen grauen, narbigen Leib die Blüten und Gräser singen. Das duckt sich und ist so müde, so müd', nun kommt das Ende gelinde— über die buschige Braue, den First, wandern die Abendwinde. Eine Viertelwegstunde vom Westdorf entfernt schmiegt das Ostdorf an der Wattseite der Insel seine zwölf Häuschen in die Dünen. Nie, auch auf keiner ostfriesischen Insel, habe ich in so hilflosem Glück beseligten Schauens gestanden wie vor diesem trauten, stillen Inseldorf. Hinter grünen Büschen lugen seine efeuumsponnenen Fenster über den weiten begrünten Heller aufsWatt hinaus, und Dünen, Blüten und Gräser wissen nicht, wie sie sich in nske, Emden. überstürzendem Werben um dieses köstlichste Kleinod des Eilands genug tun sollen, es mit Schönheit und Zauber zu überschütten—„ein idyllischer Platz, wie geschaffen für Maler, Dichter und Schwärmer, wo es sich beim Meeresrauschen wunderbar sinnen und träumen läßt von Inselzauber und längst vergangenen Zeiten.“ Wenn die Sonne es zu gut mit mir gemeint hatte, saß ich oben auf der Strandhalle, die auf der Höhe der Seedünenkette liegt, und ließ die Augen über Strand und See in die selige Bläue hinausträumen. Hier gibt es nichts, was aus der sonnigen Illusion zurückzwingt zum Erinnern an die Fesseln streng gemessener Zivilisation. Bunte Pavierfahnen ziehen sich durch die saubere Bretterhalle mit den großen kühlen Backsteinfliesen; du sitzt auf den blendendweiß lackierten Bänken oder im behaglichen Korbsessel und siehst, wenn du durchs Fenster blickst, auf Dünensand und Gräser. Du bist kein Fremder hier wie in der großen Welt, dem man mißtraut. Die freundlichen Friesen, denen du nicht Geschäftsobjekt bist, betreuen dich mit der Fürsorge, die nur dem Gastfreunde schlichter Menschen zuteil wird. Diese Menschen, die das Mißtrauen der Welt da draußen nicht kennen, beglücken dich in allen Dingen mit rückhaltlosem Vertrauen. Wer es unternimmt, den Frieden des kleinen Eilands zu beschreiben, darf diesen Zug nicht vergessen; denn durch nichts können wir uns mehr beschenkt fühlen, als wenn man uns, wie hier nicht mit dem künstlichen Surrogat gemachter Vertraulichkeit, sondern mit der wahrhaft vertrauenden Schlichtheit eines heimatverwurzelten Menschentums empfängt. Hat dich die weltferne Insel mit ihrem Zauber umsponnen, dir die starre Maske des Kämpfers um Macht und Erwerb mit linden Händen entwunden und hat sie mit ihren starken Winden alles, was dich an das nahe Aeußere der Dinge kettet, aus deinem Denken verweht, so reicht sie dir— gleichsam ein ungeschliffener Diamant in dem lockenden Geschmeide ihrer herben Schönheit— noch ein Geschenk, wie es seltsamer und inhaltsschwerer kaum ein Land der Erde vergeben kann. Nur dem allerdings wird es zuteil, dessen Sinne durch den Lärm der Zeit noch nicht ihre Schärfe verloren haben, daß sie die leisen und in verborgenen Tiefen rauschenden Töne nicht mehr vernehmen können; und es ist ein ungeschliffener Diamant, den du selbst mit dem Werkzeug deines eigenen Wesens erst schleifen mußt, um das Licht tausendfältig sich darin brechen zu sehen.— Steige, wenn Tag und Nacht sich begegnen und im Zwielicht die Dinge seltsam scharf und dennoch unwirklich erscheinen, auf die hohe Düne zur Seite des Ostdorfes, den Blick dem Festland zugewendet und sieh, wie das Meer seinen Atem an sich zieht. Warte, bis auf dem Ebbstrom bleigrau, unermeßlich und öde das Watt emvorsteigt— und vor dir liegt ein Reich voll der seltsamsten Wunder und unergründlicher Geheimnisse. Bis drüben zum Festland kannst du wandern, völlig gesahrlos, wenn du nur die richtige Zeit gewählt hast; und du wirst von solchem Wandern heimkehrend, ein Erlebnis mit dir tragen, das aus deinem Erinnern nie wieder schwinden wird.—— Das ist der Friede, der auf der kleinen Insel wohnt, der über dem sonnbestrahlten Meer leuchtet und aus den Augen und Herzen der Menschen strahlt. Bleibt fern von ihm, ihr Lauten und Vielzuvielen! Euch aber mit den offenen Ohren und Herzen, die ihr auch nach solcher Stille sehnt, euch singe ich das Lied in die Seele, das mir das kleine Eiland selbst in die Sinne gesungen hat: Verschwiegen und leise raune ich euch den Klang ins Ohr, damit die anderen, die Vielzuvielen, es ja nicht vernehmen— den Sang aus Traum und Stille, aus Sonne und Glück,; das Lied von der Insel des Friedens. Arsprung und Herstellung des Bieres. Plauderei von Kurt Wagner. Nachdem noch vor etlichen Jahren Aegyplen fälschlich als Geburtsland des Bieres gegolten hatte, hat man auf Grund neuer einwandfreier Forschungsergebnisse den Ursprung dieses Geträukes nach Altbabylon verlegt, wo bereits im Jahre 1800 v. Chr. ein aus Gerste, Wasser und Spelt (Tricticum dicoccum) zusammengesetztes bierähnliches Gebräu allgemein getrunken wurde. Der genaue Zeitpunkt für die Einführung des Bieres in Europa und Kleinasien läßt sich vorläufig mit Bestimmtheit noch nicht angeben., Erwiesen ist nur, daß die Pprygier und Thracier etwa um das Jahr 700 v. Chr. ein kwaßartiges Getränk zu brauen pflegten und ferner der tollkühne Seefahrer Phyteas aus Massila(Marseille) im dritten Jahrhundert v. Chr. von den Küstenbewohnern Germaniens und Skandinaviens berichtet, sie stellten aus Getreide und Honig Getränke her, die nur Bier oder Met gewesen sein können. Im letzten Jahrhundert v. Chr. finden wir ebenfalls bei den Galliern ein bierähnliches Getränk vor, Korma genannt, das sich in Nordfrankreich, Belgien und England bis tief in die Neuzeit hinein großer Beliebtheit erfreute. In seiner „Germania“ erwähnt Tacitus ein in Deutschland vorgefundenes„weinähnliches Gebräu aus Gerste oder Weizen", das nach den übereinstimmenden Urteilen römischer Heerführer und Gelehrten ein für verwöhnte Gaumen entsetzlicher Trank gewesen sein soll. Nichtsdestoweniger vertilgen die alten Deutschen, wenn sie auf der Calu=benc(Bierbank) saßen, gewaltige Mengen dieses„barbarischen Gesöffs.“ Erst mit der Verwendung des Hopfens als Bierwürze, dessen Einführungszeit in Deutschland auch umstritten bleibt, verfeinerte sich der Geschmack des Bieres. In gallisch=römischen Klöstern soll dieses gehopfte Bier jedenfalls zuerst getrunken worden sein, worauf übrigens auch die Ethymologie des Wortes„Bier"(abgeleitet vom gallischrömischen Mischwort„biver— Heiltrank") deutlich hinweist. Daß in der Folgezeit auch die deutschen Mönche ihren gallischen Ordensbrüdern nicht nachstanden, beweisen die noch heute üblichen Bezeichnungen einzelner Bierarten wie Augustiner, Franziskaner, Paulaner und Salvator=Bräu. Aus den klösterlichen Brauereibetrieben entwikkelte sich im Mittelalter das städtische Gewerbe der Brauer, mit dem zugleich eine starke Hebung der Böttchereien einsetzte. Strikte Brauverbote innerhalb städtischer Bannmeilen, die sich gegen die Gefahren fremder Konkurrenz wandten, sowie ständige Ratskontrollen über die Beschaffenhein der heimischen Biersorten gewährleisteten den einzelnen Brauereien wirksamen Schutz und reiche Entfaltungsmöglichkeiten. Es würde hier indes zu weit führen, die kulturgeschichtlich sehr interessante Entwicklung des Brauereiwesens in ihren sämtlichen Phasen bis zur Gegenwart genau zu verfolgen und dabei auf die Fülle der verschiedenen Biersorten(Münchner, Dortmunder, Einbecker, Kulmbacher, Pilsener usw.) näher einzugehen, sordern es sei im folgenden nur versucht, nach der soeben angedeuteten Entstehungsgeschichte auch die wichtige Frage der Herstellung des Bieres kurz zu beleuchten. Bekanntlich setzt sich das Bier aus den Grundstoffen Gerste, Hopfen und Wasser zusammen; welchen Wandlungen jedoch diese Bestandteile während der Herstellung unterworfen sind, bleibt den meisten Biertrinkern ein Rätsel. Deshalb mögesie sich im Geiste in den Betrieb einer deutschen Brauerei begeben, um an Ort und Stelle in großen Zügen kennen zu lernen. Auf dem Hose der betreffenden Brauerei werden gewaltige mit edler Gerste gefüllte Säcke abgeladen. Zunächst gelangt die Gerste in geräumige„Quellbottiche“ und wird hier solange erweicht, bis ihre Körner, an Holz gestrichen, mehlig abfärben. Von dort kommt sie zur„Malztenne“, wird hier zu sauberen Beeten aufgeschüttet, und der Keimungsprozeß beginnt. Aus den Körnern sprießen kleine Wurzeln, deren gleichmäßiges Wachstum der Mälzer sachkundig betreut, indem er ihnen entweder durch Umschaufelung der Beete frische Luft zuführt oder ihnen durch Höherschichtung eine intensivere Wärmeentwicklung ermöglicht. Nach acht Tagen wird die Keimung unterbrochen. Der Mälzer„zieht“ die Beete„auseinander“, und das so entstandene Malz wandert zur„Darre“, wo jdie Keimung durch starke Hitze völlig unterbunden und das bisherige„Grünmalz“ in gelbes oder braunes Malz umgewandelt wird. Hiermit ist die wichtigste Brauserodezur vollendet. Von allen Unreinlichkeiten gesäubert, wandert nun das Malz durch die„Malzquetsche“ und fällt von dort in den„Maischbottich“, in dem es infolge Wasserzusatz alle Lösestoffe verliert und dabei unter Mitwirkung der bereits bei der Keimung entstandenen fermentartigen Stoffe Diastase und Peptase die Entstehung von Zucker und Dextrin erfolgt. Nach Vollendung dieser Malzwassermischung, die man als gemeinhin als„Bierwürze" bezeichnet, wird sie in die„Braupfanne“ geleitet, dor gekocht und mit Hopfen versetzt. Erst dieser verleiht infolge seines Lupulingehalts dem Bier sowohl die narkonischen Eigenschaften als auch eigentlichen Geschmack. Das Zusetzen und Kochen dieser Hopfenblüte wird von den einzelnen Brauereien je nach Güte und Bestimmung des herzustellenden Bieres verschieden gehandhabt; besonders schwankt die Qualität des mit der Bierwürze versetzten Hopfens. Der weitere Vorgang spielt sich folgendermaßen ab: Die noch siedende Würze fließt durch einen mit Hopfen gefüllten„Sether“, nicht ohne vorher durch Nöhrenwerke, die mit Eiswasser gefüllt sind, hindurchgeleitet worden zu sein. Diese Ausgedehnte Abkühlung durch Eiswasser verbunden mit frischer Luftzufuhr beschleunigen den nun folgenden Gärungsprozeß, auf dessen einzelne Methoden(Ober= und Untergärung) hier nicht näher eingegangen werden kann. Die nach Ablauf einer Woche gegorene Würze, „grünes Bier“ genannt, ist inzwischen„fässig", d. h. zum Fassen brauchbar geworden. Nach der Enfernung letzter Schaumteilchen läuft die jetzt klare Flüssigkeit durch Schläuche in bereitgestellte Lagerfässer über. In den Kellerräumen des Lagers findet noch eine„Nachgärung“ statt, falls sie sich infolge der Eiskühlung nicht schon erübrigt. Während der Lagerung erlangt das Bier allmählich seine endgültige Reife. Oft bleibt zu Nachgarung das Spundloch der Fässer noch offen; der Spund wird in diesem Fall erst nach mehreren Wochen aufgesetzt und ungefähr 14 Tage vor dem Umfüllen in die Schenkfässer fest zugeschlagen, um das Bier durch reichliche Zufuhr von Kohlensäure recht „rahmig“ zu machen. Und dann rinnt des Gambrinus edles Naß in Humpen, Gläsern und— dürstige Kehlen!—— Winke und Ratschläge. Schwalbenneste. Kalbsschnitzel werden scharf gesalzen, gut geklopft, eine Scheibe Schinken wird darauf gelegt, beides um ein hartgekochtes Ei gewickelt, gebunden und auf Butter gedünstet, bis ein schöner brauner Saft sich gebildet, den man mit einigen Löffeln saurem Rahm aufkocht. Dann schneidet man die Schnitzel in der Mitte durch, garniert sie mit ausgebackenen Kartoffeln und serviert frischen grünen Salat dazu. Beseitigung von Glanzflecken. Glanzflecke aus schwarzen Stoffen beseitigt man leicht, indem man sie mit einer Mischung aus Salmiakgeist und schwarzem Kaffee abreibt. Ein billiges und wertvolles Nahrungsmittel 1 Liter Volimilch ### enrnälr soviel 600g Rundt 40019 e 7500 Kalbfleisch 5 Nahreinheiten 9 Hühnerclor wie etwa 2ck0 Blumenkohl oder Veißkraut R 2000 Rais, Hafergrütze oder Nudein Der Nährwert von einem Liter Milch(ca. 660 Kalorien) ist so hoch wie etwa der von einem Pfd. Rindfleisch oder von 8—9 Eiern, kostet aber nur ein Drittel soviel. Trotzdem ist der Milchverbrauch in Deutschland verhältnismäßig gering. Während z. B. in amerikanischen Großstädten pro Tag und Kopf ¾ Liter Milch verbraucht werden, sind es in Deutschland durchschnittlich nur ¼ oder 1/ Liter und in einzelnen Industriegegenden sogar nur ein Zehntel Liter. Die Gesamtmenge der in Deutschland erzeugten Milch wird für das Jahr 1925 auf etwa 18 Milliarden Liter geschätzt, womit täglich ¾4 Liter vro Kopf verfügbar wären.