Die„Schwerter Jeitung“ erscheint wöchentlich sechs mal. Bezgepreie halbmonatlich 1.20 Mark, Eimzesggngge 15 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte Dostscheckkonten: Dortmund 2852 und Hannover 21874. Geschäftsstelle: Große Marktstr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Limer, Schwerte. Fernruf 62. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Dolksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Anzeigen-Preise: Für die achtgespaltene Millimeterzeile 10 Pfe., Auswärtige 12 Pfg., Famisten-Arzeigen# Pfg., Finanz=Anzeigen 12 Pfg., Reklamezeile 50# Bei unvo hergesehenen Betriebsstörungen, hervorgerusen durch böbere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Jeitung und kann auch keinerlei Anspruch anf Schadenerlatz oder Nachlieferung erhoben werden. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde s Erstes und äliestes dagesorgau des Kreises. Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Nr. 254(Erstes Blatt) Schwerte(Kuhr), Donnerstag, den 29. Oktober 1925. 58. Jahrgang. Neues in Kürze. Reichskanzler Dr. Luther in Essen eingetrosfen. wtb. Essen, 28. Okt.(Tel.) Reichskanzler Dr. Luther traf um 6,40 Uhr im Flugzeug bei klarem Wetter und hellem Mondschein auf dem hiesigen Flugplatz ein. Die Landung wurde mit besonderen Beleuchtungsvorkehrungen bei Dunkelheit durchgeführt. Zum Empfang hatten sich eingefunden Staatssekretär Exzellenz Dr. Schmidt=Ott, Oberbürgermeister Dr. Bracht(Essen) und Oberbürgermeister Lembke(Mülheim) Damenwahl. wp. Hoppstädten(Birkenfeld), 28. Okt. Bei der jüngsten Gemeindewahl wurden von neun Gemeinderatsmitgliedern sechs Frauen gewählt, die also die absolute Mehrheit im Gemeinderat haben. Es fehlten nur zehn Stimmen, dann wäre auch die siebente Frau gewählt worden. Der Reichspräsident in Hannover. wtb. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Reichspräsident von Hindenburg hat sich heute zur Erledigung privater Angelegenheiten nach Hannover begeben, von wo er am Freitag wieder nach Berlin zurückkehrt. Macdonald bei Luther. wtb. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Heute mittag war Macdonald bei einem Diner Gast des Reichskanzlers Dr. Luther. Da der Reichskanzler für heute abend 9.30 Uhr eine Rede vor den Gewerkschaften in Essen zugesagt hatte, gab die Luftverbindung die einzige Möglichkeit, dieses Programm zu verwirklichen. Der Reichskanzler hat daher die Luftreise nach Essen kurz nach dem Diner angetreten. Abreise von Dr. Edmund Stinnes nach Amerika. wtb. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Die Meldungen von der Abreise von Dr. Edmund Stinnes nach Amcrika sind zutreffend. Von unterrichteter Seite wird hierzu mitgeteilt, daß es sich um eine Geschäftsreise handelt, von der Stinnes. der Frau und Kinder in Berlin gelassen hat, zurückkehren wird. Zutreffend sei auch, daß Stinnes vor der Abreise nochmals eine Einigung mit seiner Familie herbeizuführen gesucht hat. Auflösung eines Demonstrationszuges. wtb. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Gestern abend wurde ein Zug von rund dreihundert Teilnehmern einer Versammlung des Frontbanners, der trotz wiederholter Aufforderung zur Ruhe unter Absingen von Liedern die Bismarck= und Goethestraße entlang marschierte gewaltsam aufgelöst. Die Demonstranten verteilten sich zwar. johlten aber weiter und zertrümmerten eine Fensterscheibe. Als Haupttäter wurden sieben Personen festgenommen. Bei der Auflösung des Demonstrationszuges wurde von Gummiknüppeln Gebrauch gemacht. Selbstmord eines Untersuchungsgefangenen. wtb. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Der wegen Betruges in Untersuchungshaft genommene 58jährige Kaufmann Richard Jonas stürzte sich bei der Vorführung aus dem dritten Stockwerk des Moabiter Untersuchungsgefängnisses in die Mittelhalle hinab und blieb mit zerschmettertem Schädel liegen. Vereiteltes Attentat auf einen Güterzug. wtb. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Durch die Aufmerksamkeit eines Lokomotivführers wurde ein Attentat vereitelt, das auf der Bötzower Kleinbahn geplant war. Der Führer eines Güterzuges gewahrte auf der Strecke einen großen schwarzen Gegenstand, auf den er trotz sofortigen starken Bremsens auffuhr Es handelte sich um einen Arbeitswagen der Eisenbahn. der auer über die Schienen gestellt war. Weiterer Schaden wurde nicht angerichtet. An dem Attentat müssen mehrere Personen beteiligt gewesen sein. Die Berliner Kriminalpolizei hat die Untersuchung eingeleitet. Generalversammlung der Rolandlinie. wtb. Bremen, 28. Okt.(Tel.) In der außerordentlichen Generalversammlung der Rolandlinie A.=G., die unter dem Vorsitz des Generalkonsuls Dr. A. Strube stattfand, wurde von Inhabern der Stammaktien mit 75 569 gegen 11 075 Stimmen eine Erhöhung des Aktienkapitals um 1 bis 2 Millionen RM. beschlossen. Die Inhaber der Vorzugsaktien stimmten mit 90000 Stimmen der Erhohung zu. Gegen diesen Beschluß wurde von Dr. Trimborn, der Vertreter der Oppositionsgruppe Otto Wolff, Köln, Protest zu Protokoll gegeben. Ermordung eines Arztes. wtb. Frankfurt a. M., 28. Okt.(Tel.) Heute abend wurde aus bisher unbekannten Gründen der Arzt Dr. Seitz in seiner Wohnung in der Wittelsbacher Allee von einer Frau, einer Krankenschwester, erschossen. Die Täterin wurde verhaftet. Einführung der Einheitskurzschrift in Württemberg. wtb. Stuttgart, 28. Okt.(Tel.) Nach einer Verordnung des Staatsministeriums vom 27. Oktober darf vom 1. Oktober 1926 an im staatlichen Schreibund Kanzleidienst nur noch die Einheitskurzschrift " verwandt werden. Deutsch=niederländische Zoll= und Paßkontrolle. wtb Haag, 28. Okt.(Tel.) Wie halbamtlich mitgeteilt wird, ist auf Grund des Artikels 1 Absatz 2 des niederländisch=deutschen Vertrages betr. Zollund Paßkontrolle im internationalen Reiseverkehr zwischen dem holländischen Finanzminister Colyn und dem deutschen Finanzminister v. Schlieben eine Uebereinkunft zustande gekommen, wonach die Abmachungen vom März und November 1924 mit Wirkung vom 3. Oktober 1925 ab außer Kraft kreten, soweit sie sich auf die Grenzstationen Goch. Kranen#urg. Zevenaar und Nieuweschans„beziehen. züglich der Grenzstation Bentheim ist bestimmt worden, daß sich die niederländischer,„Zollheamten hinsichtlich der Kontrolle von B=Zug=Reisenden auf eine Visitation während der Fahrt im Zuge beschränken werden. Der Reichsranzier abel den Torarns Vertrag. wtb. Essen, 28. Okt.(Tel.) In Erwartung der heutigen politischen Ausführungen des Reichskanzlers Dr. Luther füllte eine mehrtausendköpfige Menschenmenge den großen Saal des Essener Saalbaues. Freudig begrüßt betrat Reichskanzler Dr. Luther 9.15 das Rednerpult. Er wies eingangs seiner Ausführungen auf die Bedeutung der Medizinischen Woche hin. Gliederung und Aufbau seines Vortrages, der das Thema„Was bedeutet Locarno?“ trage, wolle er dem Rahmen der medizinischen Woche anpassen: Anamnese, Gesundheitsziel Therapie, Prognose! Aufgabe der deutschen Außenpolitik nach dem Kriege sei es gewesen, wieder als gleichberechtigter Faktor in das europäische Staatensystem eingeführt zu werden. Gleichberechtigung sei Voraussetzung für jede verständnisvolle Zusammenarbeit. Die allgemeine Abrüstung und Entwaffnung sei im Vertrage von Versailles als Grundprinzip aufgestellt worden. Auch in Locarno habe die Entwaffnungsfrage eine wichtige Rolle gespielt. Das oberste Ziel von Locarno sei aber die Schaffung von Sicherungen für den Frieden. Zu diesem Zwecke diene in erster Linie der in Locarno weitestgehend verwirklichte Gedanke des Schiedsverfahrenz.,, 15 anschlichend e. Der Reichstanzier gav anschließeno eine eingehende Darlegung des Sicherheitspaktes unter besonderer Berucksichtigung einzelner die Oeffentlichkeit besonders interessierender Probleme. Das Schiedsgerichtssystem habe sich bei den Verhandlungen in London und Locarno als wirksamstes Mittel zur Sicherung des Friedens bewährt. Der Reichskanzler erörterte alsdann die einzelnen Bestimmungen des Sicherheitspaktes, beginnend mit der Pracambel und alsdann übergehend zu den Vorschriften der Artikel 1 und 2, deren Inhalt für Rheinland und Ruhrgebiet von besonderem Interesse sei. Auch die in Frage kommenden Vorschriften der Völkerbundssatzung wurden zur Erörterung herangezogen, insbesondere diejenigen, welche bei Konflikten zwischen den Staaten zur Bestimmung des Angreifers und der Regelung der Rechten und Pflichten dienen. Was die Ostfrage anbelange, so sei hier im Hinblick auf die Frage der deutschen Ostgrenzen eine andere Lage gegeben, als im Westen. Aber auch hier sei das Friedensziel wie in der Präambel über den Ostschiedsvertrag zum Ausdruck gebracht. Die in Locarno getroffenen Abkommen zwischen Frankreich und Polen bzw. der Tschechoslowakei hielten sich genau an die im Völkerbund getroffenen Abmachungen, wozu noch vom deutschen Standpunkt aus hinzukomme, daß bei etwaigem Eintritt der Garantieverpflichtung England und Italien zu Deutschlands Gunsten als Garanten auftreten müßten. Zur Frage des Artikels 16 der Völkerbundssatzung wies der Reichskanzler auf die Beziehungen Deutschlands zu Rußland hin, welche, wie der jüngste Abschluß des deutsch=russischen Handelsabkommens beweise, durch das Werk von Locarno keine Aenderung erlitten hätten. Die deutsche Stellungnahme zum Artikel 16 sei bestimmt durch die besondere Lage Deutschlands in Beziehung auf den militärischen Rüstungszustand und durch seine geographische Lage... Hansler zu der 8. Abschließend ging der Kanzter#. per Frage über, wie sich das in Locarno Erreichte in der Zukunft auswirken werde. Hierbei stellte er den Gesichtspunkt in den Vordergrund, daß ein Erfolg keineswegs abgelehnt werden könne, weil er nicht alle gehegten Wünsche erfülle. Ein Rückblick auf die vergangenen Jahre zeige, daß ein positiver Fortschritt erzielt sei. In diesem Sinne komme dem Artikel 6 des Sicherheitspaktes besondere Bedeutung zu. Hier sei in der Einführung des Schiedsverfahrens über die Regelung des Londoner Abkommens hinaus ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen. Die besondere Bedeutung des urtikels 20 des deutsch=franzosischen Sicherheitsvertrages wurde in diesem Zusammenhang eingehend erläutert. Der Kanzler setzte sich alsdann mit den Einwendungen und Bemängelungen auseinander, welche gegen das Werk von Locarno erhoben worden seien und wies abschließend auf die großen allgemeinen Gesichtspunkte hin, die bei der Abfassung des Werkes von Locarno im Rahmen der Weltpolitik und der Weltwirtschaft in Betracht gezogen worden seien. Zur Frage der Rückwirkungen unterstrich der Reichskanzler mit besonderem Nachdruck die Notwendigkeit der Schaffung einer Grundlage, auf der dem schwergeprüften deutschen Volke Vertrauen in die gemachten Zusagen und Glauben an den Frieden der Zukunft erwachsen können. Es bestehe kein Zweifel daran, daß, wenn die Rückwirkungen in Sonderheit hinsichtlich der Rheinlandfrage zutage treten, die die logische Auswirkung des Vertrages von Locarno darstellen, daß dann das deutsche Volk dem Werke zustimmen wird. Demgegenüber sei es eine Frage von nachgeordneter Bedeutung, in welcher Weise dieser deutsche Zustimmungswille endgültig zum Ausdruck kommt, sei es im Parlament, wie es jetzt besteht, sei es durch Befragung des deutschen Volkes selbst. Allen deutschen Parteien rufe er zu, daß es sich jetzt darum handle, Politik im wahren Sinne zu machen, da das deutsche Volk jetzt vor geschächtlschen Aufgaben stehe. Daß eine außenponl#sche Entscheidung von solcher Tragweite neue tiefe Spuren in die gesamte politische Entwicklung eines Volkes gräbt, entspricht allen geschichtlichen Erfahrungen. Er werde seine ganze Kraft daran setzen, daß die großen politischen Fragen wirklich reif werden zur Entscheidung durch das deutsche Volk. seine Aufgabe im Dienste des gesamten deutschen Volkes, die höher stehe, als irgendweiche Purkeigesichtspunkte. Forderungen des wib Verlin, 28. Ott.(Tel.) Der Reichsland= Milliarden Gozgggg Hesprrgrgv gesggtt#puche bund trat heute zu einer Vertreterversammlung 1923 Oupignu,, porwirft daß ich einerseits für zusammen. Der Versammlung wurde eine Entschließung vorgelegt, in der gefordert wird: Energisches Einwirken der Regierung auf die Kreditgestaltung, Regulierung der Preisgestaltung durch Wiederherstellung des vor dem Kriege annähernd erreichten Gleichgewichts zwiWenn man mir boruitse, vuß einerseits für eine intensive Bewirtschaftung eintrete, andererseits aber nicht in der Lage bin, für die zierung der Landwirtschaft zu sorgen, habe ich dazu zu erklären, doß die benicht gelingt, die Land. g. für landwirtschaftliche wirtschaft leidlich intensio zu erhalten. AndererProdutte und den Preisen für gewerbliche und in seits it jedgßitef zur“ Verzügung zu stellen die dustrielle Produlte, strenge Beschräntung aller un, Ggerastfund restlios eine intensive Wirtschaft erder die notwendigen„Maßnahmen prüfen und für intenste werden verkeiben konnen. ihre schleunige Durchfuhrung sorgen soll. Reichsernährungsminister Graf Kanitz hielt in der Versammlung eine Rede, in der er u. a. erklärte: Die gegenwärtige Krisis der Landwirtschaft ist eine Absatzkrisis. Mit Krediten wird daher der Landwirtschaft allein auch nicnr zu helfen sein und im ubrigen ist ein Begriff von dem Rückgang der Kapitalreserven zu geben. Es sei erwähnt, daß das Sparvermögen der landwirtschaftlichen Genossenschaften 1914 zwei bis drei Stimmen wlb. London, 28. 10.(Tel.) Die Times berichtet aus Paris, die Frage der Räumung Kölns könne. für so gut wie geregelt angesehen werden. Weder die französische noch die britische Regierung beabsichtige, irgend welche ernstlichen Einwände aufzuwerfen, vorausgesetzt, daß die deutsche Regierung den Geist, in dem die Verhandlungen in Locarno geführt wurden. beibehalte. Die Erwägung, die die französische Regierung beeinflußt habe, sei die Annahme, daß die Alliierten durch Erleichterungen in der Besatzung die Kräfte der Mäßigung in Deutschland stärken werden. wtb. London, 28. Okt.(Tel.) Der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph schreibt, die großen Meinungsverschiedenheiten, die innerhall des deutschen Kabinetts und außerhalb desselben entstanden seien, würden in London nicht allgemein als eine Gefahr für die Zukunft des Locarno=Vertrages angesehen. Dr. Stresemann habe im Namen des deutschen Reichskanzlers und des Kabinetts gegenüber deutschen Vertretern im neuem die Entschlossenheit betont, den Vertrag zur tensiv werden betreiben können. In seiner Erwiderung erklärte der Präsiv v. die Landwirischaft würde es lieber sehen, wenn die Brzigegegezggiger Resignation Die auferlegt werden, habe ein Recht auf hilfe in Zeiten der Not. zur Räumungsfrage. Annahme zu bringen. Die alliierten Regierungen seien von dieser Entschlossenheit in Kenntnis gesetzt worden die, wie es aus Berlin heiße, nicht ihren Zweck verfehlen werde, vorausgesetzt, daß baldige Zugeständnisse an Deutschland, die auch die alliierten Staatsmänner in Locarno zugesagt haben, namentlich mit Bezug auf die Räumung der Kölner Zone, sowie auf eine Bilderung des Besatzungsden. In London sei man der Anschi, daß die der Sicherheitspolizei 20000 oder 35000 Mann in Kasernen wohnen dürfen, sei Bedeutung und die geforderte Veränderung in den Bejugnissen des Generals Seeckt, sowie eine Verminderung in der angenblücklichen Zahl der Generalstabsoffiziere in der Neichswehr und im Reichswehrministerium würden als Fragen augesehen, die in der Praxis nicht von so großer Bedeutung seien. Der zukünftige Reichswirtschaftsrat. wtb. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Die im Reichswirtschaftsministerium ausgearbeiteten Referentenentwürfe über den Reichswirtschaftsrat wurden heute veröffentlicht. Die Vorlage besteht aus zwei Entwürfen, von denen der eine als Rahmengesetzentwurf Aufgaben, Stellung und Befugnisse des Reichswirtschaftsrates umschreibt und allgemeine Bestimmungen über seine Zusammensetzung enthält. Der zweite Referententwurf enthält einen Gesetzentwurf zur Ausführung des Gesetzes über den Reichswirtschaftsrat, regelt die Zusammensetzung der Mitgliedschaft, die Organisation und die Arbeitsweise des Reichswirtschaftsrates. In dem Referententwurf werden als Aufgaben des Reichswirtschaftsrates aufgeführt: Beratung von Reichsregierung, Reichsrat und Reichstag bei Wirtschafts= und sozialpolitischen Maßnahmen hinsichtlich der Stellung und Befugnisse. Es ist vorgesehen, daß der Reichswirtschaftsrat Wirtschaftsund sozialpolitische Gesetzentwürfe von grundlegender Bedeutung vor ihrer Einbringung zur Begutachtung vorgelegt werden sollen und daß der Reichswirtschaftsrat soweit angängig auch schon bei den Vorarbeiten zu solchen Gesetzentwürfen gehört werden soll.,„„.78 1 Die Zahl der ständigen Mitglieder werde auf 126 herabgesetzt(früher 326). Die Mitglieder gliedern sich in vier Abteilungen, und zwar Abteilung 1(Unternehmer 41 Mitglieder, Abteilung 2 (Arbeitnehmer) 41 Mitglieder, Abteilung 3(Vertreter nicht=privatwirtschaftlichen Zwecken dienender Körperschaften), Abteilung 4(von der regierung und dem Reichsrat ernannte Mitglieder mit zwei Vertretern der Tagespresse) 30 Mitglieder. In Abteilung 1 sind sechs Gruppen eingerichtet; es entfallen auf Gruppe 1(Land= und Forstwirtschaft, Fischerei) 12 Sitze, Gruppe 2(Industrie) 12 Sitze, Gruppe 3(Handwerk) 4 Sitze, Gruppe 4 (Handel) 5 Sitze, Gruppe 5(Banken und Privatversicherungen) 4 Sitze, Gruppe 6(Verkehr) 4 Sitze. Abteilung 3 gliedert sich in vier Gruppen; es entfallen auf Gruppe 7(Kommunalverwaltung) 6 Sitze, auf Gruppe 8(öffentlich=rechtliche Versiche= rungs= und Kreditanstalten) 3 Sitze, Gruppe 9 (Konsumgenossenschaften) 2 Sitze, Gruppe 10 wirtschaftliche und gewerbliche Genossenschaften) 3 Sitze. Die ständigen Mitglieder werden auf sechs Jahre berufen. Alle zwei Jahre scheidet ein Drittel der Mitglieder aus. Vom Vorstande des Reichswirtschaftsrates können jeweils für einzelne Beratungsgegenstände nichtständige Mitglieder berufen werden. Zum Schutze der Vertraulichkeit ist ein Ehrengericht vorgesehen, das auf Ausschluß eines Mitgliedes derkennen kann. Der Vorstand des Reichswirtschaftsrates erläßt die Geschäftsordnung, überwacht die Besetzung der Ausschüsse, ordnet die laufenden Geschäfte an. An seiner Spitze steht ein Vorsitzender. Es sind drei ständige Ausschüsse vorgesehen, ein wirtschaftspolitischer, ein sozialpolitischer und ein finanzpolitischer. Die Vollversammlung soll nur in Ausnahmefällen zusammentreten, während die Hauptarbeit von den Ausschüssen zu leisten ist. Die ständigen Mitglieder des Reichswirtschaftsrates erhalten freie Fahrt auf allen deutschen Eisenbahnen und eine Aufwandsentschädigung für die Teilnahme an den Sitzungen. Preußischer Landtag. 87. Sitzung. V93. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Die Beschlüsse des Ostausschusses über die Hilfsaktion für das Waldenburger Industriegebiet werden nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt. Das Haus tritt den BeEs folgt die zweite Veratung des gemeinsamen Antrages der Regierungsparteien auf weitere Verlängerung der Gültigkeitsdauer des Kriegsgesetzes zur Vereinfachung der Verwaltung, das u. a. eine Verkürzung des Geschäftsganges, eine anderweitige Kompetenzabgrenzung, eine Aenderung des Beschwerderechts der Beamten eingeführt hatte. Die Vorlage wird angenommen und anschließend in dritter Lesung verabschiedet. M#. Die Vorlage über die Pfarrerbesoloung wird abgesetzt. Sie soll am Donnerstag verhandelt werden. Das Haus geht über zur zweiten Beratung des Berghaushalts.„erhuphan mith Hi. Siinsach, Mit der Beratung verounden wiro die Besprechung einer Reihe von Anträgen und Anfragen über Zechenstillegungen im Ruhrgebiet, Herabsetzung der Arbeitszeit. Lohnkürzungen der Invaliden, Notlage des niederschlesischen Bergbaureviers. Abg. Sobcotka(Komm.) berichtet üver die Ausschußberatung zu dem kommunistischen Antrag auf Einführung des Achtstundentages; bei besonders schwerer Arbeit sollen 7 Stunden festgelegt werden. Der Ausschuß hat die Abkehnung des Antrages vorgeschlagen.„n 6. Ein Vertreter der Bergbauverwaltung beantwortet die große Anfrage der Demokraten betreffend die Notstände der Bergarbeiterbevölkerung im niederschlesischen Kohlenrevier. Die Verwaltung tue alles, was sie könne, um die Not zu mildern. Sie sei auch bereit, auf die Reichsregierung weiter dahin einzuwirken, daß die Reichseisenbahn für ihren Betrieb soviel wie möglich Waldenburger Kohle bezieht. In Bezug auf steuerliche Erleichterungen und Frachtermäßigungen sei das Staatsministerium schon vor *längerer Zeit an die Reichsregierung herangetreten. In der allgemeinen Besprechung erhielt zunächst Abg. Franz(Soz.): Der Bergbau hat unter der internationalen Wirtschaftskrise ganz besonders zu leiden. Wir sehen mit Genugtuung, daß auch in lapitalistischen Kreisen Englands und selbst Frankreichs jetzt Reformvorschläge hervortreten, wie der 2 s eines europäischen Wirtschaftsverbandes, die man früher als sozialdemokratische Utopien verlachte. Wir fordern, daß der Bergmann als völlig hberechtigter Faktor im Bergbaubetrieb betrachtet und geachtei wird.(Beifall bei den Soz.) Abg. von Waldthausen(DN.): Die heutige Absahnst ist geradezu katastrophal mit einziger Ausnahme von Oberschlesien, wo die polnische Einfuhr eit Juni ds. Is, gesperrt ist. Für einen Abbau der sozialen Lasten trete ich nicht ein, aber die Indurie muß diese Lasten auch tragen können. Unter den heutigen Umständen muß ein Teil dieser Lasten von Allgemeinheit übernommen werden.(Widerch links.) Die Verwaltungsgebühren sollten noch weiter ermäßigt werden, um die Lage des Vergbaus zu erleichtern. Gegen eine Anzahl von Anträgen, die eine Mehrheit des Hauptausschusses angenommen hat, müssen wir uns zur Wehr setzen, besenders gegen den, der die Entlassung der mit der Durchführung bergpolizeilicher Vorschriften beanten Angestellten und Arbeiter unter Strafe stellen will: darin liege eine Verdächtigung. Abg. Steger(Ztr.) betont, der Ruhrbergbau sei sehr wohl in der Lage. eine Lohnerhöhung zu tragen. Der durchschnittliche Arbeitsverdienst von 110 Mark pro Monat für den Bergarbeiter reiche nicht aus. Die Behauptung, es sei eine Verbilligung der Lebensmittel eingetreten, klinge geradezu wie Hohn. Die Arbeitgeber sollten den Bogen nicht überspannen. Ein Schreiben des Stahlhelmbundes, der den Kampf gegen die freien Gewerkschaften provagiert, zeige, daß der Stahlhelm die gelben Gewerkschaften fördern wolle. Abg. Dr. Pinkerneil(D. Vp.): Der Gedanke eines internationalen Kohlensyndikats ist an sich garnicht so abwegig, aber für seine Verwirklichung dürfte noch viel Zeit erforderlich sein, bis vor allem Engand sich damit befreundet. Die Stillegungen sind eine willkürlichen Maßnahmen. Gegen eine vernünftige Stillegungspolitik wird auch niemand twas haben können, denn es gilt eben. die Förherung dem Absatz anzupassen, und für Deutschland bestehe die Gefahr, daß für 20 Millionen Tonnen jährlich keine Verwendung zu finden ist. Für Lohnehöhungen auf der ganzen Linie sind auch wir, aber höhere Löhne können nicht aus Schulden bezahlt werden, nur aus Einkommen. Hierauf wird die Fortsetzung der Beratung auf herte abend halb 8 Uhr vertagt.— Schluß gegen 6 Uhr. Die Abendsitzung des Preußischen Landtages setzte die Beratung des Bergetats fort. Wesentliche Ausführungen wurden in der bis 11 Uhr dauernden Aussprache nicht mehr gemacht. Das Haus vertagte sich auf Donnerstag vormittag 10 Uhr. Hbriresche Wintschau Ausschuß für Handwerk und Kleingewerbe. bb Berlin, 28. Okt. Bei dem Reichskommissar für das Handwerk und das Kleingewerbe ist ein Ausschuß mit der Ausgabe gebildet worden, den Reichskommissar in Handwerksangelegenheiten zu beraten. Der Ausschuß besteht aus Vertrauensleuten des Handwerks, die vom Reichsverband des deutschen Handwerks vorgeschlagen worden sind. Die Mitglieder des Ausschusses sind: Der Vorsitzende des Reichsverbandes des deutschen Handwerks F. Derlien in Hannover, Generalsekretär de Deutschen Handwerks= und Gewerbekammertages Dr. Meusch in Hannover, der Anwalt des Deutschen Genossenschaftsverbandes Prof. Dr. Stein in Berlin, der Vorsitzende der Handwerkskammer Berlin Lubert in Berlin, der Vorsitzende der Handwerkskammer für Oberbayern Kommerzienrat Würz in München, Obermeister Olias in Dresden, Obermeister Hansen in Hamburg. Stellvertretende Mitglieder sind: Der Generalsekretär beim Deutschen Handwerks= und Gewerbekammertag Hermann in Berlin, der Vorsitzende der Handwerkskammer Düsseldorf Hecker in Düsseldorf, der Vorsitzende der Handwerkskammer Stuttgart Wolf in Stuttgart, der Syndikus der Handwerkskammer Breslau Dr. Paeschke in Breslau, der Syndikus der Handwerkskammer Königsberg Dr. Henze in Königsberg. der Präsident der Verbände der Badischen Gewerbevereine Burckhardt, Heidelberg, Schlossermeister und Stadtrat Schanz in Frankfurt a. M. Von der Wirtschaftspartei. wtb. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Zu der in den letzten Tagen durch die Presse gegangene Meldung, daß der Führer der Wirtschaftspartei. Professor Dr. Bredt, infolge von Meinungsverschiedenheiten mit seiner Partei die Absicht haben soll, eine neue Mittelstandspartei zu gründen, erfahren wir von unterrichteter Seite, daß solche Meinungsverschiedenheiten nicht bestehen und demnach Prof. Dr. Bredt auch nicht beabsichtige, eine neue Partei zu gründen. Die französischen Offiziersverluste in Marokko. wtb. Paris, 28. Okt.(Tel.) Das Echo de Paris lerichtet, Ministerpräsident Painleve hatte vor einigen Tagen im Finanzausschuß der Kammer bekanntgegeben, daß seit Beginn der Operationen in Marokko 1925 der Verlust an Offizieren sich auf 39 Tote belaufe. Wir glauben die Wahrheit dadurch feststellen zu müssen, daß wir heute die Namen von 103 Offizieren aller Grade veröffentlichen, die in Marokko gefallen sind. Ein neuer Angriff der Rifleute. wlb. Paris, 28. Okt.(Tel.) Dem Newyork Herald wird aus Madrid berichtet, daß die Rifleute die Spanier bei Ajdir gestern aufs neue angegriffen hätten, aber mit schweren Verlusten zurückgeworfen worden seien. Abd e! Krim sei es durch eine Kriegslist gelungen, sich in den Besitz einer großen Geldsumme, zu setzen, die in der Nationalbank in Tetuan aufbewahrt wurde. Die Kabinettsbildung in Frankreich. Auftrag an Painleve. wtb. Paris, 28. Okt.(Tel.) Der Präsident der Republik hat dem zurückgetretenen Ministerpräsidenten Painleve die Kabinettsbildung übertragen. Nachdem Painleve das Elysee verlassen hatte, begab er sich um 5,50 Uhr in das Palais des Kammerpräsidiums und verhandelte bis nach 7 Uhr mit Herriot. Um 7.15 Uhr hat sich Painleve zu Briand ins Außenministerium begeben, mit dem er im Augenblick noch verhandelt. Die Nevolution in Nicaragua. wtb Managua, 28. Okt. Der Präsident von Nicaragua, Solarzano, der frühere Präsident Chamorro und der Führer der Aufständischen haben ein Uebereinkommen unterzeichnet, demzufolge die liberalen Minister entlassen werden. Die Konservativen werden Solarzano im Amte belassen. Die von Chamorro aufgebrachten Truppen werden von der Regierung abgelohnt und entlassen werden. Chamorro wird zum General der Armee ernannt werden und es bleiben, bis der Friede gesichert ist. Arbeitsfragen. Eine Erklärung der Arbeitgeber der Straßenbahn. wtb Essen, 28. Okt.(Tel.) Der Arbeitgeberverband der Rheinisch-Westfälischen Straßenbahnen erklärt zu dem Schiedsspruch des Schlichters für den Bezirk Westfalen vom 26. Oktober 25 folgendes: 1. Ziffern 1, 2, 3, 4 und 6 werden im Interesse der Wirtschaft angenommen. 2. Ziffer 5 wird angenommen mit der Maßgabe, daß die Wiedereinstellung infolge des Streiks entlassener Arbeitnehmer nur in dem Umfange stattfindet, als diese unter Berücksichtigung der inzwischen erfolgten Neueinstellungen und nach Maßgabe der Betriebserfordernis möglich ist. Die vorstehend wiedergegebene Auslegung der Ziffer 5 des Schiedsspruches entspricht der Auffassung der Schlichtungskammer durch den Herrn Reichskommissar. 3. Die Wiedereinstellung solcher entlassener Arbeitnehmer, die Handlungen vorgenommen haben, die sich gegen den Betrieb(Sabotage usw.) Betriebsangehörige und Fahrgäste richten, wird abgelehnt. Schiedsspruch für die Nordwestliche Gruppe der Metallindustrie. wtb. Dortmund, 28. Okt.(Tel.) Im Lohnstreit der Metallindustrie der Nordwestlichen Gruppe wurde unter dem Vorsitz des Reichskommissars ein Schiedsspruch gefällt. Danach tritt die tarifliche Regelung nach dem Schiedsspruch vom 25. Juni am 1. November wieder in Kraft. Ziffer vier des vorgenannten Schiedsspruchs erhält folgende Fassung: Für die in achtstündiger Schicht nach der Verordnung vom 20. Januar arbeitenden Hochofenarbeiter sollen durch betriebliche Vereinbarungen die Lohngrundlagen so festgesetzt werden, daß durch die Verkürzung der Arbeitszeit keine Lohnbenachteiligung, aber auch bei gleichbleibender Leistung keine Erhöhung der Verdienste eintritt. Diese Regelung ist unkündbar bis zum 31. Januar 1926, kann von diesem Zeitpunkt ab mit einmonatiger Frist jeweils zum Monatsletzten gekündigt werden. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 31. Oktober, mittags 12 Uhr. Lohnbewegung der Eisenbahner. pw. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Gestern berieten die Tariforganisationen der Eisenbahner über eine neue Lohnbewegung. Die Beratungen führten noch zu keinem Beschluß. Sie wurden auf den Anfang der kommenden Woche vertagt. Im Laufe des heutigen Tages soll eine gemeinsame Konferenz aller Beamtenverbände und Gewerkschaften des Reichsbahnpersonals stattfinden. Lohnerhöhung im Berliner Schuhmachergewerbe. wtb. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Der Schlichtungsausschuß für Groß=Berlin hat durch Schiedsspruch den Arbeitnehmern in den Betrieben der Mitglieder der Berliner Schuhmacherinnungen eine 6prozentige Lohnerhöhung zugesprochen. Der wtb München, 28. Okt(Tel.) Zu Beginn der beutigen Verhandlung gab Pros. Coßmann eine Erklärung ab, in der er im Hinblick auf die Aussagen der bisher vernommenen sozialistischen Zeugen ausführte, die erste These der Klagepartei sei, daß die Artikel der Münchener Post den Inhalt der Dolchstoßhefte verfälschten. Rechtsanwalt Hirschberg widersprach dieser Behauptung. An unzähligen Stellen der Hefte sei der sozialistischen Führerschaft der Vorwurf des Dolchstoßes gemacht worden. Der erste Zeuge des Tages, der frühere Reichswehrminister und jetzige Oberpräsident von Hannover, Noske, führte aus, er verfolge mit großer Sorge und wachsender Empörung den Versuch einer gewissen politischen Richtung, die Sozialdemokratie wegen ihrer Haltung im Kriege und während der Revolution bis in die neueste Zeit zu infamieren. Durch den Vorwurf des Dolchstoßes werde das so notwendige Einigungswerk im deutschen Volke dauernd gestört. Da er die Politik der SPD. während des Krieges und auch nachher in regem Maße beeinflußt habe, könne er mit gutem Gewissen feststellen, daß die Partei nie ein anderes Ziel gehabt habe, als die Niederlage im Kriege vom Volke abzuwehren, nach dem Kriege die Einheit des Reiches zu wahren und als die Bolschewisterung Deutschlands gedroht habe, das Chaos zu verhindern. Wenn man das als schädlich bezeichne, dann müßte er gerade in München daran erinnern, daß die Truppen, die am 1. Mai 1919 nach München gekommen seien, auf seinen Befehl in Marsch gesetzt worden seien. Es gäbe keinen besseren Beweis für die fest begründete Vaterlandsliebe der Sozialdemokratie, als daß sie trotz des Sozialistengesetzes und trotz der Infamierung durch den früheren Kaiser in der Stunde der Gefahr sich restlos zu ihrem Lande und zur Landesverteidigung gestellt habe. Zeuge bezeichnete es als eine der Urfachen des Zusammenbruchs. daß die leitenden Kreise während des Krieges es nicht verstanden hätten, sich auf die seelische Verfassung des deutschen Volkes einzustellen. Man habe nicht den Mut gehabt, dem deutschen Volke die Niederlage an der Marne einzugestehen. Auch dem Reichstag gegenüber sei das Bild der Kriegslage dauernd verschleiert worden. Admiral Heinrich habe in diesem Prozeß ausgesagt. es sei ein Fehler gewesen, einen sozialdemokratischen Redakteur auf unserem Schiff aufzunehmen. Dieser Redakteur sei er, der Zeuge. gewesen. Er verlas verschiedene Briefe höherer Persönlichkeiten als Beweis dafür, daß seine Tätigkeit bei der Marine dort die vollste Anerkennung gefunden habe. Es gäbe keine größere Blamage als das Fevlurteil des Marinesachverständigen in Sachen des Ubootkrieges. Er habe selbst dabei gesessen, als der Staatssekretär des Reichsmarineamts mit großer Verachtung über amerikanische Kriegsmittel gesprochen habe. Diese Leute seien Stümper gewesen und sollten heute den Mund halten. Die Stimmung des Volkes sei durch Hunger, durch Not und Seelengnal. auch durch das Geschrei jener Leute ruiniert worden, die den Krieg mit großen Eroberungen abschließen wollten. Die sozialdemokratische Partei, so müsse er ausdrücklich erklären, habe niemals den Munitionsarbeiterstreik direkt oder indirekt gefördert. Männer, die an der Spitze des Reiches gestanden haben, seien vielfach ihrer Ausgabe nicht gewachsen gewesen. Man brauche nur an Michaelis und Graf Hertling zu denken. Beim Eintreffen der Kunde vom bulgarischen Zusammenbruch habe er den Regierungsmitgliedern ins Gesicht geschrien, sich zusammenzuraffen und alle Kräfte anzuspannen, um das Unalsick, wenn es möglich wäre, abzuwenden. Aus diesem Bestreben heraus sei auch der Eintritt der Sozialdemokratie in die Regierung erfolgt. Es sei das große Verdienst des späteren Reichspräsidenten Ebert gewesen, daß er damals erklärt habe, daß die Partei nichts sei gegen die Interessen des gesamten Vaterlandes und daß alles getan werden müßte, das Land zu retten, auch wenn die Partei dabei zuarunde gebe. Zu den Meutercien bei der Flotte erklärte er, er habe keine Kenntnis davon, inwieweit etwa Propaganda auf den Schiffen und in der Armee betrieben worden sei. Die Einstellung sei dahin gegangen: Sie taten ihre Pflicht und Schuldigkeit, solange es Sinn gehabt habe, aber in einem Augenblick auf den Meeresarund zu geben, wo der Krieg zu Ende sei. darüber seien ste nicht hinweggekommen. Zu dem geplanten Flottenvorstoß sei in diesem Prozeß zum ersten Male von Admiral Trotha offen zugestanden worden, daß die Absicht eines solchen Vorstoßes bestanden habe. In Kiel und Berlin sei Ende 1918 niemals ein solch klares Eingeständnts erfolgt. Von einer planmäßigen Revolte und den planmäßigen Vorbereitungen hierzu habe er, als er am 4. November auf Veranlassung der Reichsleitung nach Kiel gekommen sei, nichts beobachtet. Der Kriegsausgang hätte durch die geplante Seeschlacht im Oktober 1918 nicht mehr entscheidend beeinflußt werden können. Die Vorbereitung der Revolution sei nicht planmäßig erfolgt. Es habe jede Spur von einer Leitung gefehlt. Lediglich um ein furchtbares Unheil abzuwehren, habe er sich entschlossen, den Versuch zu machen, die Ordnung wieder einigermaßen berzustellen, die Verpflegung zu regeln und die Leute an Befehl zu gewöhnen. Er glaube, daß ihm das sowohl in Kiel wic später auch in Berlin gelungen sei. Deshalb habe er auch allen Anlaß. sich dagegen zu wehren, daß die Sozialdemokratie für die Fehler anderer verantwortlich gemacht werden solle. An den Zeugen Oberpräsidenten Noske wurde dann eine Reihe Fragen gerichtet, wobei Cotzmann erklärte, er habe Männern wie Noske niemals den Vorwurf des Dolchstoßes gemacht. Rechtsanwalt Hirschberg erwiderte bierauf mit einem Hinweis auf die Artikel in den Dolchstoßbeften, in denen ganz allgemein von den Gührern der Soztaldemokratte gesprochen wird. Der Sachverständige Oberst Schwertseger stellt die Frage, ob es nicht möglich gewesen wäre, zu verhindern, daß die meuternden Matrosen von Kiel nach anderen Orten fuhren, um dort die Revolution auszurusen? Noske erklärte, daß eine solche Möglichkeit nicht bestanden habe. Seine Absicht, in Kiel die Ordnung herzustellen und die Leute zur Vernunft zu bringen, sei ihm durch den Ausbruch der Revolution in München zerschlagen worden. Es sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als sich zum Gouverneur der Festung Kiel zu erklären. Der Zeuge Landgerichtsrat Dobring zitierte aus dem Prototoll vom 26. August eine Aeußerung des Reichstagsabgeordneten Noske, nach der es notwendig sei, gegen eine gewisse Propaganda in der Marine scharf einzugreifen und insbesondere der Tätigleit von Voatherr und der Frau Zietz stete Aufmerksamkeit zuzuwenden. Noske erwiderte, es sei wohl möglich, daß er sich so geäußert habe, er könne sich aber im einzelnen nicht mehr daran erinnern. Admiral v. Trotha stellte erneut fest, daß die rege Agitationstätigkeit der USP. mit dem Ziele der Erzwingung des Friedens gegen den Willen der Reichsregierung stattgefunden habe. Da es zu einem Eingreifen der Staatsgewalt gegen diese Bewegung nicht gekommen sei, habe sie einen immer größeren Umfang angenommen. Ueber den Flottenvorstoß sei die Reichsregierung unterrichtet und durch die Meuterei sei der militärischen Führung die Wafse aus der Hand geschlagen worden. Admiral Heinrich erklärte, er habe mit der von dem Zeugen erwähnten Aeußerung nicht Noske gemeint. Nöske sei als Reichstagsabgeordneter Gast des Kommandos gewesen. Er könne sich nicht denken, daß er diese Gastfreundschaft zu politischen Zwecken benutzt habe. Die Bekundungen des nächsten Zeugen, des Vorsitzenden der SPD., Wels in Berlin, über die Haltung der Mehrheit und der Minderheit der SPD., über die spätere USPD., bewegen sich in der Hauptsache auf der gleichen Linie wie die der bisher vernommenen sozialdemokratischen Zeugen. Der Zeuge erklärte noch, er habe selten einen so glühenden deutschen Patrioten wie den Unabhängigen Ledebour gesehen, der sich u. a. sehr heftig gegen die Preisgave Elsaßtz=Lotbringens gewandt habe. Ein solcher Mann soll ein Dolchstößer sein? Ein anderes Mal habe Ledebour geäußert, daß er den deutschen Sieg wünsche.— Auf die Spartakisten könne der Vorwurf zutressen, daß sie zum Rüstungsstreik und zur Sabotage beigetragen hätten. Für seine Gruppe müsse er den Vorwurf zurückweisen, daß sie Gelder von seindlicher Seite betommen hätte. Die Geschichte weide viel leicht eines Tages der Sozialdemotratie Dank wissen, daß sie in schwierigster Zeit Deutschland vor dem Chaos bewahrt habe. Auf den Hinweis des Rechtsanwalts Graf Pestalozza, wonach Barth von russischer Seite medrere 100000 Mark erhalten habe, erwiderte Wels, er habe nur davon gesprochen, daß die Sozialisten von Ententeseite kein Geld erhalten hätten. Rußland stand damals nicht mehr im Kriege. Ebenso verhalte es sich auch mit den Geldern, die aus der Schweiz den radikalen Gruppen zugeflossen sein sollen. Auf die Frage des Rechtsanwalts Graf Pestalozza, ob sich die Sozialdemokratie während des Krieges von der Haltung der ausländischen Sozialdemokratie wesentliches versprochen habe, antwortete Wels, daß das nicht der Fall gewesen sei. In der weiteren Auseinandersetzung zwischen den Verteidigern, den Sachverständigen und dem Zeugen Wels betonte letzterer wiederbolt, daß die Sozialdemokratie in der Frage der Kriegsdienstverweigerung immer einen ablehnenden Standpunkt eingenommen habe. Die Verhandlung wurde dann auf Donnerstagvormittag 9 Uhr vertagt. Aus Rah ur ceen. Unterschlagungen im Reichslandbund. wp. Düren, 28. Okt. Nach Unterschlagung von 7500 Mark wurde der Direktor des Reichslandbundes, Filiale Düren, Schäfer, mit seiner Buchhalterin flüchtig. Seine Familie ließ er zurück. Schäfer war vor seiner hiesigen Tätigkeit längere Zeit im Auslande. Es wird angenommen, daß er seinen Weg dorthin gefunden hat. Brand im Rathaus. wp. Eschweiler, 28. Okt. Heute vormittag brach im städtischen Bauamt, das im Rathaus untergebracht ist, Feuer aus, das erst nach einer Stunde des Ausbruchs bemerkt wurde. Das Bauamt ist vollständig ausgebrannt und das darüberliegende Aktenlager des Bauamts vollständig vernichtet. Gattenmordversuch. wp. Saarbrücken, 28. Okt. Gestern abend suchte der 24jährige stellenlose Kaufmann N. N. seine Frau, von der er getrennt lebt, im Schlafe zu ermorden. Er brachte ihr mit einem Hammer, während sie schlief. schwere Kopfwunden bei. Die Frau setzte sich energisch zur Wehr und floh hilfesuchend aus der Wohnung. Der Täter flüchtete in die Küche, die er verschloß und versuchte, durch Oeffnen des Gashahnes sowie durch Schnitte in die Pulsader sich das Leben zu nehmen. Nachdem die Küche gewaltsam geöffnet worden war, fand man den Täter leblos im Blute liegend. Ungetreuer Postbeamter. wy Mainz, 28. Okt. Ein Postschaffner, der Dienst mmischen Main; und Wiesbaden tat und dabei im Abort des hiesigen Hauptbahnhofes erwischt wurde, wie er Briese aus Amerika öffnete und ihnen Dollarscheine entnahm, wurde zu vier Monaten Gefängnis. verurteilt. Drei Opfer einer Explosion. wtb. Magdeburg, 28. Okt.(Tel.) In der Zuckerfabrik Wolmirstedt verunglückten bei der Explosion eines Flammrohres drei Arbeiter. Einer war sofort tot, die beiden anderen starben im Krankenhaus. Familientragödie. wtb Berlin, 28. Okt. Infolge ehelicher Zwistigkeiten erschoß die 52jährige zweite Frau des Telegraphenbeamten Neun ihre 17 Jahre alte Tochter und verletzte sich darauf selbst durch einen Schuß lebensgefährlich. Die Frau hatte eine ähnliche Tat schon früher einmal versucht. Zu dem Mädchenmord in Unterferrieden. wtb. Nürnberg, 28. Okt.(Tel.) Zu dem bereits gestern gemeldeten Mädchenmord in Unterferrieden meldet der Polizeibericht noch, daß die ledige 22jährige Holzhauertochter Anna Eckstein in ihrer Wohnung mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden wurde. Als Täter kommt der verwitwete, 56jährige Holzhauer Johann Eckstein, der mit seiner Tochter in unerlaubtem Verkehr stand, in Frage. Er wurde gestern im Walde an der Regensburgerstraße erhängt aufgefunden. Die Tat eines Wahnsinnigen. wp. Nürnberg, 28. Okt. Ein aus der Erziehungs= anstalt versuchsweise entlassener Schneidergeselle wollte am Fricdhof in Kühbach(Bayern) die Leichen seiner Schwiegereltern, die er für seine Eltern hielt, ausgraben, um noch einmal seine Mutter umarmen zu können. Mit einem Rucksack voll Knochen trieb er sich die ganze Nacht herum, drang schließlich in die Wohnung seiner geschiedenen Frau und verletzte sic durch Bisse am Hals und an der Wange schwer. Der Wahnsinnige, der damit drohte, das Haus anzuzünden, wurde schließlich festgenommen und in sicheren Gewahrsam gebracht. Unwetterkatastrophe in Palermo. wtb. Rom, 28. Okt. In Palermo hat am Montag ein Wolkenbruch von fünf Stunden Dauer die Stadt teilweise unter Wasser gesetzt und die Lichtleitungen unterbrochen. Eine allgemeine Panik wurde hervorgerufen. Mehrere Fabriken und Lager und auch ein großer Bücherverlag wurden vollständig überschwemmt. Vielfach erreichte das Wasser eine Höhe von 2 Metern. Der Schaden wird auf viele Millionen Lire geschätzt. Amtliche Berliner Devisenkurse. wtb Berlin, 28. Okt.(Tel.) Gegenüber der gestern zum Durchbruch gekommenen freundlicheren Stimmung herrschte ansangs große Lustlosigreit infolge der ungeklärten parlamentarischen Situation. Die ersten Kurse zeigten meist Abschwächungen mäßigen Umfangs, aver im Verlause erwies sich die Börse als entschieden widerstandsfähig, da man hinsichtlich der politischen Lage sich einer günstigeren Auffassung zuneigte. Eine Belebung des Geschäfts ersolgte aber nicht. Nur vereinzelt regte sich das Interesse für Spezialwerte. So konnten Tynamit=Nobel und KölnRottweiler Gewinne von 1¾ bezw. 1¼ Prozent erzielen. Auch Siemens u. Halste=Aktien zeigten feste Haltung. Abschwächungen auf dem Montanmarkte überstiegen nur bei Stolberger Zink 1 Prozent. Von Maschinenfabriken erfuhren Berliner Maschinen einen Rückgang um 21 Prozent, R. Wolf einen solchen von 1¾ Proz., während Gebr. Körting 212 Prozent gewannen. Von Textilwerten setzten Stöhr u. Co. die Aufwärtsbewegung mit einer Besserung um 3¼ Prozent fort. Bantaktien konnten ihren Kursstand gut behaupten. Von Schissayrtsaktien verloren lediglich Norddeutscher Lloyd nach einer vorangegangenen Steigerung von 3¼ Prozent. Deutsche Anleihen hatten sehr stilles Geschäft ohne bemerkenswerte Kursänderungen. Goldpfandbriese schwächten sich weiter etwas ab. Ausländische Anleihen und Bahnenattien waren sehr still. Nur für Mexikanische Bewässerungsanleibe bestand einiges Kaufinteresse, das den Kurs etwas steigerte. Die nur zum Einheitskurse gehandelten Industriewerte litten vielfach unter Abgaben des Privatpublikums. Die Geldsätze blieben unverändert. Am Devisenmarkte verlor Paris 37, Italien 16, Kopenbagen 10 und Oslo 12 Pfg., während Brüssel 15 Pfa. gewann. Die Börse schloß sehr still zu schwach behaupteten Kursen. Nachteilig auf die Stimmung wirkte der Umstand, daß sich im Handel zu Einheitskursen vielfach starkes Angebot aus den Kreisen des Privatpublikums zeigte. wp. Aachen, L8. Okt. Auf der KleinbahnstreckMariadorf—Neuser(Linden) ereignete sich gestern nachmittag ein schwerer Unfall. Ein von Aachen kommender Wagen fuhr auf der eingleisigen Strecke, ohne die fahrplanmäßige Kreuzung abzuwarten, durch und stieß mit dem von Mariadorf—Dreieck kommenden Triebwagen zusammen, der zum größten Teil mit Bergleuten besetzt war. Obwohl der zuletzt erwähnte Wagen noch vor dem Zusammenstoß zum Stehen gebracht wurde, wurden beide Wagen ziemlich schwer beschädigt. Die beiden Wagenführer mußten in schwerverletztem Zustande in das Krankenhaus gebracht werden. Von den Fahrgästen wurden vier Personen schwer und etwa 20 leicht verletzt. wp. Köln, 28. Okt. Am Ellerbahnhof der Rheinuferbahn sprang aus dem um 8 Uhr hier einlaufenden Zuge ein etwa 23jähriges Mädchen, als es erkannte, daß es in den verkehrten Zug gestiegen war. Das Mädchen geriet unter die Räder, wobei ihm ein Fuß abgefahren wurde. Der Zug wurde sofort zum Stehen gebracht. Da kein Verbandszeug zur Stelle war, entledigte sich ein Herr seiner Hosenträger, um nach reichem Blutverlust das Bein abzubinden. wp. Dillenburg, 28. Okt. Der Metallarbeiter Oberschelp sprang aus einem aus Siegen einlaufenden Personenzug. Er geriet dabei unter den fahrenden Zug und erlitt eine schwere Schädelverletzung, die den sofortigen Tod herbeiführte. Der Getötele. der Frau und zwei Kinder hinterläßt, war Epileptiker und schwerkriegsbeschädigt. wtb Memphis, 27. Okt. Der Schnellzug St. LouisSan Francisco ist in der Nähe von Victoria(Mississinni) entgleist und den Eisenbahndamm hinuntergestürzt. 20 Personen wurden teils sofort getötet, teils erlagen sie ihren Verletzungen vor dem Eintreffen des Hilfszuges. Anscheinend hat der mit 50—60 Meilen Stundengeschwindigkeit fahrende Zug die Schienen vor einer Blockbrücke von den Schienenstühlen losgerissen. Zunächst stürzten die Lokomotire und der erste Gepäckwagen von der Brücke. Der Zug bestand aus drei Gepäck=, neun Personen= und einem Pulimanwagen. Alle Wagen mit Ausnahme des am Schlusse folgenden Pullmanwagens rollten von der 40 Fuß hohen Böschung herab. Drei Personenwagen schoben sich zu einem wirren Trümmerhaufen zusammen. Die Unterschlagungsepidemie. bb. Berlin, 27. Okt. In Spandau wurde der Kassierer des Spandauer Bezirksverbandes der Laubenkolonisten, der Buchhalter Hilliger. verhaftet. Er hat die ihm anvertrauten Pachtgelder der einzelnen Laubenkolonien, die er an das Spandauer Bezirksamt abzuführen hatte, unterschlagen. Die unterschlagene Summe erreicht bereits 15000 Mark, dürfte aber noch viel höher sein. In jedem Herbst haben die Laubenkolonien an den Zentralverband die Pachtverträge abzuliefern. Dieser wieder führt sie an das Bezirksamt und an die Verpächetr weiter. Die Laubenkolonisten hatten Anfang Oktober zum größten Teil die Pacht abgeliefert. Hilliger hat, wie die Kriminalpolizei feststellte, sofort das Geld für Pferderennen in wenigen Tagen verwettet. pw. Berlin, 28. Okt.(Tel.) Eine hiesige Korrespondenz meldet: Im Jahre 1923 und 1924 hatten 65 Großberliner Gewerbetreibende. Kaufleute und Arbeiter von der Basdorfer Bodengesellschaft mbH. Siedlungsgrundstücke gekauft und sich in Basdorf unter großen persönlichen Opfern Notwohnungen gebaut. Veim Verkauf war den Siedlern versichert worden, daß das verkaufte Terrain in jeder Weise unbelastet sei, doch hatte die Gesellschaft es immer wieder abgelehnt, die Auflassung und Umschreibung im Grundbuchamt vornehmen zu lassen. Inzwischen hatte die Bodengesellschaft aber auf das gesamte ihr gehörige Terrain erhebliche Schulden gemacht. Nunmehr ist die Gesellschaft in Konkurs geraten, wodurch 65 Siedler in Basdorf recht= und schutzlos geworden sind. Etwa 300 bis 400 Personen werden dadurch auf die Straße geworfen. Nr 254(3 Gäglische Von Robert vo Für jeden die 2 beurteilenden Beob in Indien und in bieten, welche bishe standen, daß dort sam im Gange ist,d tischen Kontinents 1 schaft bedeutet, so später genötigt sein Asien anzutreten. aber für England zeitige große Rohst dieser Dinge trifft nicht unvorbereitet, restlos anzuerkenne gung solcher Event Hand Vorbereitung getroffen hat, um a fen. Für den ein Rückzug hält sie, in sprochen, eine ne stellung bereit. Di die Nillinie und d zeichnet. Die grundlegen Stanley leiteten, Expedition zur Beft nahm, werden erst Konzeptes klar erst diese englische Expe philanthropischen 2 keit eine weitausbl machtpolitischem S Recht als kolonialp Art bezeichnet zu w Expedition wurde tische Aequatorialp in Besitz genommen ten jede direkte Ve und der Aequatori weil die ägyptisch gewesen war, die A Seither sind nur w und England hat provinz erhobene wickelt. 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Er hatte es wäre, wenn e Nr 254(Zweites Blatt) „Schwerter Zeitung“ Englische Politik in Afrika. Von Nobert von Schenk= Mailand. Für jeden die Verhältnisse auf weite Sicht beurteilenden Beobachter zeigen die Vorgänge in Indien und in den übrigen asiatischen Gebieten, welche bisher unter britischem Einfluß standen, daß dort eine Bewegung unaufhaltsam im Gange ist, die eine Loslösung des asiatischen Kontinents von der englischen Vorherrschaft bedeutet, so daß England früher oder später genötigt sein wird, seinen Rückzug aus Asien anzutreten. Ein solcher Rückzug bedeutet aber für England den Verzicht auf seine derzeitige große Rohstoffbasis. Die Entwicklung dieser Dinge trifft die englische Regierung nicht unvorbereitet, und man kann nicht umhin, restlos anzuerkennen, daß sie, in Berücksichtigung solcher Eventualität, schon von langer Hand Vorbereitungen größten Stils dagegen getroffen hat, um ausreichenden Ersatz zu schaffen. Für den einmal notwendig werdenden Rückzug hält sie, in wirtschaftlichem Sinne gesprochen, eine neue, entsprechende Reservestellung bereit. Diese wird geographisch durch die Nillinie und den Sudan am besten gezeichnet. Die grundlegenden Ideen, welche Henry Stanley leiteten, als er seine letzte AfrikaExpedition zur Befreiung Emin Paschas unternahm, werden erst heute in der Größe ihres Konzeptes klar ersichtlich und beweisen, daß diese englische Expedition, welche damals rein philanthropischen Anstrich hatte, in Wirklichkeit eine weitausblickende koloniale Aktion in machtpolitischem Sinne gewesen ist und mit Recht als kolonialpolitischer Coup großzügigster Art bezeichnet zu werden verdient. Durch diese Expedition wurde nämlich die damalige ägyptische Aequatorialprovinz von England offiziell in Besitz genommen, nachdem seit einigen Jahten jede direkte Verbindung zwischen Aegypten und der Aequatorialprovinz aufgehört hatte, weil die ägyptische Regierung nicht imstande gewesen war, die Macht des Mahdi zu brechen. Seither sind nur wenige Jahrzehnte verstrichen und England hat inzwischen das zur Sudanprovinz erhobene Gebiet ausgedehnt und entwickelt. Die verstärkte Kontrolle der Nilquellen und ihrer Gewässer, der planmäßig erfolgende Bau der größten Staudämme und Bewässerungsanlagen unterhalb Chartum zeigen deutlich die Absicht an, die bisher brachliegenden weiten Gebiete zwischen dem weißen und blauen Nil intensivster Bewirtschaftung zu erschließen und die Fruchtbarkeit des Bodens auszunützen. Die direkte Verbindung mit dem Roten Meere wurde gleich von Beginn der Besitzergreifung an ins Auge gefaßt und zu diesem Zweck ein besonderer Hafen: Port Sudan, angelegt, der als englischer Ein= und Ausfuhrplatz den ganzen Handel des Sudangebietes kontrolliert. England strebt hier die Bildung eines weiten und mächtigen Wirtschaftszentrums an, hum griechisch duigarischen Prengronstitt. Unser Bild führt nach der Stätte des griechisch=bulgarischen Konfliktes und zeigt griechische Kavallerie im Vormarsch, den in den letzten Tagen vielgenannten Strumafluß durchquerend. Der Strumafluß spielte bereits bei früheren Balkankriegen eine bedeutungsvolle Rolle, an ihm liegt die von den Griechen jetzt beschossene Stadt Petrisch. das den Sudan, Uganda, Kenya, Tanganyika (Deutsch=Ostafrika) bis nach Nordrhodesia umfassen soll und, unter der Kontrolle der englischen Baumwollinteressenten stehend, England diesen Rohstoff und alle übrigen Rohstoffprodukte dieser ungeheuren Ländergebiete Afrikas als Ersatz für den verlorenen asiatischen Besitz zu liefern imstande sein wird. Aber noch andere Motive kommen dabei in Betracht. Von allen britischen Dominions zeigt die Südafrikanische Union immer mehr die Tendenz, sich von den britischen Fesseln zu befreien, sich unabhängig zu machen und ihre Vorherrschaft auch gegen Ostafrika und die der Union benachbarten Gebiete zur Geltung zu bringen. Dieser politische Kampf, der sich immer deutlicher abzeichnet, bildet für England die Veranlassung: die Interessen der genannten Gebiete nach dem Sudan zu dirigieren und mit denen des Sudan zu vereinigen, in der absicht und Hoffnung, dem Vordringen der Südafrikanischen Union mit der Zeit einen geschlosKonstellation hat freilich das Tanganyika=Gesenen Verband der ost= u. zentralafrikanischen Gebiete entgegenstllen zu können. Bei dieser biet bisher nur eine geringe Rolle gespielt. Allein der neue Gouverneur der Provinz hat erklärt, es sei sein Wunsch, daß die Bewohner an der Verwaltung des Landes teilnehmen, und daß er die Errichtung eines gesetzgebenden Rates zu fördern gedenke. Eine derartige Erklärung kann der Gouverneur wohl nur im Einverständnis mit dem Kolonialamt abgegeben haben. Es dürfte sich daher offenbar um den ersten Schritt zur administrativen Unabhängigkeit des Landes handeln und um die Bildung des geplanten ostafrikanischen Verbandes. Europäische, in jeder Hinsicht leistungsfähige, angesiedelte Bevölkerung ist für die dauernde Sicherung dieser letzten englischen, wirtschaftlichen Reservestellung eine unbedingte Notwendigkeit, soll mit der Zeit nicht auch in Afrika der gleiche Prozeß einsetzen, der in Asien unabwendbar geworden zu sein scheint. Denn für den dauernden Besitz bleibt schließlich und endlich die Bevölkerung im Lande selbst entscheidend. Sie spricht das letzte Wort. Maschinengewehre einer Kolonialarmee können vielleicht erobern, aber nicht mehr erhalten. Die Zeiten dafür sind vorüber, insbesondere seitdem im Weltkriege der nicht wieder gutzumachende Fehler begangen wurde: die schwarzen und gelben Rassen als mitentscheidende Faktoren bei der Auseinandersetzung in Europa heranzuziehen. Diesen englischen Bestrebungen in Afrika stellen sich nun ganz bestimmte Kräfte entgegen und lassen auf jeden Fall ihre Verwirtlichung recht schwierig erscheinen. Dazu gehört— abgesehen von dem internationalen Problem der Kolonialmandate— als für die Engländer am gefährlichsten der wachsende deutsche Einfluß. Bisher haben die Deutschen sich auf eine friedliche Durchdringung beschränken müssen, wobei sie zweifellos von den einheimischen Elementen, die ausnahmslos offen oder geheim gegen England sind, gestützt und gefördert werden. Diese Elemente sind besonders die wirtschaftlich mächtigen Griechen und die politisch ausgezeichnet organisierten Inder. Mit Hilfe dieser FakDonnerstag, 29. Oktober 1925. toren haben die Deutschen viele ihrer früheren Besitzungen zurückerlangt, bringen nun ihre Produkte auf den Markt und kaufen Rohstoffe. Es wäre nicht das erstemal in der englischen Geschichte, daß britische Staatskunst es verstünde, mit einem ehemaligen Gegner ein für beide Teile ersprießliches Gentlemen=Agreement abzuschließen. Deutschlands Zukunft. Bei Beurteilung unserer nationalen Zukunft zeigen Ausländer nicht selten einen klareren Blick als viele Deutsche. Bemerkenswert ist, was der bekannte englische Publizist Garvin im„Observer“ von der Macht biologischer Faktoren für die Zukunft Deutschlands und Frankreichs sagt: „Noch 1870 kamen sich beide Nationen so ziemlich gleich. 1914 war die deutsche Ueberlegenheit vernichtend und ohne fremde Hilfe Frankreichs Schicksal besiegelt. Doch heute? Ungefähr 64 Millionen Deutsche stehen knapp 40 Millionen Franzosen gedenüber; mag auch die deutsche Geburtsrate sich stetig senken, so dürften dennoch in wenigen Jahrzehnten zwei Deutsche auf einen Franzosen kommen. Dabei handelt es sich noch um etwas anderes als bloß den deutschen Staat, um die deutsche Rasse. Millionen Deutscher stehen außerhalb der deutschen Grenze. Es gibt weit mehr Deutsche in Mitteleuropa, als das ganze britische Reich weiße Männer aufweist. Ist der Versailler Friede ein Naturgesetz, das den Zusammenschluß dieser Menschen unmöglich machte? Gerade das Verbotene reizt am meisten. Polen, Tschechen, Rumänen, Serben sind, um die nationale Einheit zu sichern, nicht davor zurückgeschreckt, sich starke sprachliche Minderheiten einzuverleiben; soll der größten Rasse Mitteleuropas für immer verwehrt sein, was den kleineren östlichen Völkern als selbstverständlich erscheint?... Das wirkliche europäische Problem besteht darin, daß durch die Entwicklung auf unserem Kontinent selbst, in Asien und, wer weiß! in Afrika bis dahin die Verhältnisse von Grund auf umgestaltet werden. Von einer unmittelbaren Kriegsgefahr zu reden, ist Torheit. Deutschland ist entwaffnet, wie nie ein großes Volk entwaffnet war! Ein Kampf gegen seine Gegner wäre jetzt selbstvernichtend. Und dennoch die Furcht der Franzosen? Diese Furcht hat ihre Berechtigung, weil nichts auf Erden dem gegenwärtigen Machtverhältnis Dauer zu geben imstande ist. Deutschland wird wieder Europas stärkster Staatwerden. Es ist das nur eine Frage der Zeit.“— Um so törichter ist die Politik der Franzosen, den Gang der Entwicklung mit Hindernissen aufhalten zu wollen, die vor der Gewalt biologischer Kräfte wie Strohhalme zerknicken werden. T TTYNS SalmIIk. CETEEl für alle Stoffe, EULNS Terpeitin- SETPL weiss oder farbig Seit über 30 Jahren = bewährt Die Burg des Glücks. Roman von F. Arnefeld. Copyrigth by Greiner& Comp., Berlin W. 30. 88. Fortsetzung.(Nachdruck verboten). „Und es war so schön! Du machst dir keinen Begriff, Mama, wie schön!“ hatte Achim nachher erzählt. Nun spielte Achim mit seinem jüngeren Bruder drüben auf dem Rasen zwischen den Rosen Verstecken. Er hatte heute einen freien Vormittag, weil Dr. Markhof um Urlaub gebeten, Prosper wollte mit ihm auf die Rehpürsche gehen, beide waren bereits in aller Morgenfrühe nach Hochweid gefahren. Die Knaben jauchzten vor Vergnügen. Fräusein Müller trippelte wie eine Gluckhenne zwischen ihnen hin und her, fortwährend mahnend:„Nicht so wilo, Achim! Ach bitte, Achim, erhitzt euch doch nicht so sehr. Mundy muß nachher gleich essen und es könnte ihm schaden, wenn er so heiß in die kühlen Gänge kommt!“ Aber weder Achim noch Mundy hörten auf sie. „Wie sie es nur aushalten,“ dachte Edeltrud. der vom bloßen Zusehen Schweißperlen auf der Stirn standen. Dann blickte sie wieder auf die Rosen. Sie schienen ihr herrlicher als die, welche auf Dreisenstein wuchsen. Im Geist versuchte sie sich vorzustellen, wie der Ort aussah, auf dem sie gewachsen waren. Lerchenau war ihr unbekannt. Es hatte jahrelang einem alten Junggesellen gehört, der es sorgsam gepflegt, aber mit niemand Verkehr unterhalten hatte. Als er vor kurzem starb, hatte Herr von Knude das Gut von den Erben gekauft——„als Ruhesitz", wie er sagte. Würde er auch als alter Hagestolz dort leben wie der frühere Besitzer? Ach nein... Edeltrud lächelte befangen vor sich hin. Er hatte ja erst neulich gesagt, wie schön es wäre, wenn einer Weib und Kind hätte, die ihm das Leben erst lieb machten. Das beste wäre es, was das Schicksal dem Menschen schenken könne. Aber es sei eben wie das große Los: nur wenigen sei das höchste Glück beschieden, wenn sie auch Jahr um Jahr darum dienen wollten. Und dabei hatten seine guten klaren Augen sie so warm angesehen, so demütig fragend mit einem ganz, ganz leisen Schimmer von Hoffnung. „Achim!“, rief sie plötzlich laut.„Komm her zu mir. Fräulein Müller muß nun mit Mundy zum Essen gehen und ihr habt genug getollt. Setze dich ein wenig zu mir!“ Achim kam warf sich stürmisch in ihre Arme und legte sein hübsches erhitztes Gesicht schmeichelnd an ihre Schulter. „Da bin ich, kleine Mama! Was willst du? soll ich dir von Siegfried erzählen oder von den alten Römern, die Dr. Markhof jetzt mit mir durchnimmt? Denn du willst ja immer am liebsten, daß ich dir alles erzähle, was wir lernen!“ „Heute nicht, Achim, es ist zu heiß für die gelehrten Sachen. Erzähle mir lieber von Lerchenau. Wie es dort war— was Onkel Horst dir alles gezeigt hat...“ „Aber das habe ich dir ja schon gestern Abend erzählt!“ rief Achim lachend. „Das schadet nichts. Von Lerchenau selbst hast du gar nichts erzählt. Wie ist es? Beschreibe es mal!“ „Gott es ist ein Schloß mit vielen Zimmern und einem großen Park herum. Auch eine große Wirtschaft haben sie, wie wir in Klein=Dreisenstein.“ „Ist es schöner als Dreisenstein?“ „Schöner? Nein! Aber interessanter, weißt du! Ueberall sind alte Waffen und Teppiche und ausgestopfte Tiere und Jagdtrophäen, die Onkel Horst mitgebracht hat. Richtig— das vergeß ich noch: Er will mir im Park ein richtiges Indianer= lager anlegen lassen mit Wigwams und Waffen und so weiter. Dazu darf ich mir dann Freunde einladen, soviel ich will. Und wir bekommen Federkronen und Kalumet und jeder eine„Medizin" zum Umhängen. Ich aber werde der Häuptling sein und„Bärenherz“ heißen und eine Adlerfeder tragen. Ist das nicht fein?" „Sehr! Onkel Horst ist so gut!“ „Ja, sehr gut. Aber weißt du, was ich dann tue?“ „Nun?“ „Ich komme mit meinen Apachen nach Dreisenstein und raube dich, kleine Mama! Du mußt dann in meinen Wigwam kommen und bist eine Häuptlingsfrau!“ „Möchtest du gern, daß wir in Lerchenau leben?“ „O ja— ein Weilchen.“ „Nicht für immer?" Achim schüttelte den dunklen Lockenkopf und sagte überlegen:„Was fällt dir ein, kleine Mama? Was würde denn dann aus Großpapa? Und überhaupt— von Dreisenstein möchte ich nie für immer fort. So schön ist es doch nirgends wie hier!“ Edeltrud wurde rot, schwieg und blickte lange vor sich stumm hin. Dann sagte sie plötzlich hart:„Und doch wirst du einmal von hier fort müssen, mein armer Junge! Wer weiß, wie bald! Dreisenstein gehört nicht dir, sondern Onkel Prosper.“ „Onkel Prosper? Ich denke, es gehört Großpapa?“ fragte Achim verwundert. „Jetzt— ja. Aber später einmal...“ sie verstummte, denn der Herzog tauchte vor ihnen auf. Er warf einen hastigen Blick auf die Rosen und fragte kühl:„Es wird bald Zeit zum Essen sein, darf ich dir bis dahin ein wenig Gesellschaft leisten, Edeltrud?“ „Aber gewiß, Papa.“ Der Herzog setzte sich. Plötzlich, als wenn es ihm soeben erst einfiele, wandte er sich an den Knaben. „Sei so freundlich, Achim, und lauf mal in die Treibhäuser zu Herrn Bloemer. Er soll ja nicht vergessen, uns nachher die neue Rose hinüberzuschicken, die er mir vorhin zeigte. Deine liebe Mama wird es interesseren.“ Achim sprang davon. „Es handelt sich um eine neue, sehr aparte Rosenart,“ fuhr der Herzog in seiner kühlen ruhigen Weise fort, ohne Edeltrud anzusehen. Bloemer hat sie voriges Jahr aus Amerika kommen lassen und jetzt glücklich zum Blühen gebracht. Es ist ein Mittelding zwischen Baum und Strauch und blüht blau. Da ich gestern sah, welche Freude du an Rosen hast— eine Vorliebe, die mir bisher entgangen ist— so denke ich, auch unsere blaue Rose wird dir gefallen.“ Die Prinzessin war rot geworden. „Eine blaue Rose?“ sagte sie verwirrt, mit dem Spitzenbesatz ihres Batistkleides spielend. „Wie seltsam! Man denkt unwillkürlich an etwas ganz unerhört Poetisches, Märchenhaftes— wie die viel besungene sogenhafte blaue Blume der Romantik—“ „Nicht wahr? Und dann blüht sie nicht mal im Märchenland, sondern bloß auf dem nüchternen Dreisenstein!" lachte der Herzog. Aber es war ein bitteres Lachen, kein frohes. „Uebrigens würde es mich außerordentlich freuen, wenn— diese Blume hausbackener Romantik in deinen Augen ebenso viel Gnade fände, wie ihre toten Schwestern hier, die du so wenig entbehren kannst, daß du sie dir sogar aus deinem Zimmer in den Garten tragen ließest!“ „Papa!“ Edeltrud richtete sich bestürzt auf— dann funkelte plötzlich etwas Kampfbereites in ihren Augen.„Nimmst du es mir übel, wenn wenn mir ein paar Rosen gefallen?“ (Fortsetzung folgt.) Merkspruch. Das ist das alte Lied und Leid, Daß die Erkenntnis erst gedeiht, Wenn Mut und Kraft verrauchen, Die Jugend kann, das Alter weiß; Du kaufst nur um des Lebens Preis Die Kunst, das Leben recht zu brauchen. —— Zur 400jährigen Reformationsgeventseier in Iserlohn. In diesen Tagen werden in allen evangelischen Gemeinden die letzten Vorbereitungen zur Ausgestaltung des Reformationsfestes getroffen. Daß auch unsere Gemeinde in der Würdigung der großen Verdienste Luthers nicht zurückstehen will, ist schon mehrfach in dieser Zeitung erwähnt. Samstag findet der Festgottesdienst— in erster Linie für die Schulen— statt; Sonntag ist eine öffentliche Feier im Gemeindehaus, und Montag soll uns das Schauspiel„Glaube und Heimat“ noch einmal vor Augen führen, was uns Luthers Erbe wert ist. Eine besonders eindrucksvolle Feier plant unsere Nachbargemeinde Iserlohn: Die drei evangelischen Gemeinden(Stadt und Land) wollen am 31. Okennwechung der neurthagenöherberge um Rühlen sistenderg Vermisästes. am 5. und 6. Dezember. tober und 1. November die Vierhundert=Jahrfeier der Einführung der Reformation in Iserlohn festlich und würdig begehen. Iserlohn ist— neben Lippstadt und Soest— eine der ersten Städte unserer näheren Umgebung, in denen„die neue Lehre“ Eingang fand. Wenn sie sich in der damaligen Grafschaft Mark verhältnismäßig schnell und leicht verbreitete, so hatte das zum Teil seinen Grund darin, daß von hier aus gleich von Anfang an unmittelbare Verbindung mit den sächsischen Reformatoren angeknüpft wurde; besonders gilt das von den Augustinern in Westfalen, die vielfach mutig für Luthers Sache eintraten. Nicht immer sind aber die Namen der Männer bekannt, die der Reformation in ihren Gemeinden die Wege gebahnt haben; in Iserlohn jedoch sind die Verdienste des Johann und Konrad Varnhagen, deren Andenken man in diesen Tagen wieder segnet, unvergessen geblieben. In der alten Bergschen„Reformationsgeschichte der Länder Jülich, Cleve, Berg, Mark, Ravensberg und Lippe“ heißt es von ihnen:„Magister Konrad Barnhagen, Dechant und Pastor zu Iserlohn, stiftete mit Genehmigung des Kölnischen Erzbischofs und Kurfürsten im Jahre 1520 die Familien=Vikarie St. Mertens, Antons und aller Heiligen und gab sie seinem Vetter Johann Varnhagen. Dieser wurde im Jahre 1524 damit investiert, läuterte von Zeit zu Zeit seine Religionsbekenntnisse und fing an, gegen die römischen Lehrsätze zu predigen. Magister Konrad fand seinen Vortrag begründet, gab ihm Beifall, und beide wurden jetzt Lehrer evangelischer Wahrheiten.— Konrad Varnhagen starb und hatte Konrad Möllenbeck, einen ihm sehr ungleichen Mann und eifrigen Papisten, zu seinem Nachfolger. Johann Varnhagen fuhr indessen mutig fort, seinen Zuhörern richtige Religionsbegriffe einzuflößen, fand den Weg zum Herzen, sah unter dem Segen des Herrn schöne Früchte seiner Arbeit und das Licht der Wahrheit allmählich sich verbreiten. Lange lebte der würdige Mann, war über 50 Jahre Prediger zu Iserlohn und starb 1582, den Dczember. Seine Söhne, Enkel, Urenkel und deren Söhne wurden in der folgenden Zeit der Gemeinde Iserlohn zum Segen.“ Es liegt in dem Sinn und der Bedeutung des Tages, wenn die Iserlohner Reformationsfeier in ihrem Ausmaß etwas Besonderes sein will. Am Sonnabend, den 31. Oktober, finden Schüler=Festgottesdienste in den drei evangelischen Kirchen statt, am Nachmittag desselben Tages zwei Festaufführungen von„Glaube und Heimat“ durch das Hagener Stadttheater, und abends soll ein PosaunenKonzert auf dem Rathausplatz den ersten Festtag würdig beschließen. Der Sonntag wird wieder eingeleitet durch Posaunenblasen am Stadtwald und auf der Hardt; die Festgottesdienste an diesem Tage erhalten ihr besonderes Gepräge dadurch, daß Generalsuverintendent D. Zöllner, Pfarrer Lic. Mumm und Pfarrer Klose=Bochum die Festpredigten in den drei Kirchen halten. Nach dem KinderFestgottesdienst soll die überragende Bedeutung des Tages durch einen Festzug von der Stadt zur Alexanderhöhe zum Ausdruck gebracht werden. In den Festversammlungen, die von 4 Uhr ab in den beiden großen Hallen der Alexanderhöhe stattfinden, wird durch Festansprachen, Vorträge des Kirchenchors, der vereinigten Männer= und Posaunenchöre Luthers Werk noch einmal die rechte Würdigung erfahren. Montag klingt dann die Iserlohner Reformationsfeier durch eine Wiederholung der Aufführung„Glaube und Heimat“ würdig aus. Wir wünschen unserer Nachbargemeinde, daß von ihren Festtagen, an denen auch wir in Schwerte herzlichen und fröhlichen Anteil nehmen— eine Abordnung unserer Gemeinde wird nicht fehlen— großer Segen ausgehen möge. ise. Die Geschäftsstelle des Reichsverbandes Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener e. V., Bezirk Arnsberg in Hagen, Körnerstr. 20, schreibt uns: 1. Witwen von Beschädigten, die bis zum Tode eine Teilrente von 10 Proz. nach dem Mannsch.= Versorg.=Gesetz 1906 oder eine Invalidenpension 5. Klasse nach dem Militärpensionsgesetze vom 27. 6. 71 oder entsprechende Versorgungsgebührnisse bezogen haben, konnten bisher nach dem ReichsVersorgungsgesetz keine Witwenbeihilfe erhalten. Es handelt sich vorwiegend um hochbetagte Witwen von Kriegsinvaliden, die zurzeit kein oder nur ein ganz unbedeutendes Einkommen haben und deshalb auf fremde Fürsorge angewiesen sind. Derartige Witwen können, wenn sie früher Witwenbeihilfe nach§ 17 Ges. 01 oder§ 27 Mil.= Hinterbl.=Ges. 07 bezogen haben, nunmehr vom 1. Oktober 1925 ab als Härteausgleich eine Witwenbeihilfe von monatlich 12 K und die entsprechende Zusatzrente erhalten. 2. Witwen von Beschädigten, die eine Rente von 20 v. H. bezogen haben und vor dem 1. Juli 1923 gestorben sind, können zur Linderung eines besonderen Notstandes Witwenbeihilfe erhalten. Die Gewährung von Waisenbeihilfe ist jedoch in solchen Fällen nicht möglich. Soweit diese bezeichneten Witwen nach dem ursprünglichen Wortlaut des§ 40 Abs. 2 RVO. eine Witwenbeihilfe von mehr als ½3 der Witwenrente beziehen könnten, weil die für Kinder sorgen, können sie nunmehr vom 1. Oktober 1925 ab als Härteausgleich einen Zuschuß zu ihrer Witwenbeihilfe bis zur Erreichung des Betrages der Witwenrente erhalten. In Zweifelsfällen erteilt die Geschäftsstelle des Reichsverbandes Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener e. V., Bezirk Arnsberg in Hagen, Körnerstraße 20, in den offiziellen Sprechstunden— Mittwoch und Samstag nachm. 4—6 Uhr— kostenlos Auskunft. Die neue Jugendherberge am Kahlen Asten. Non unserem O=Mitarbeiter. An der Straße von Winterberg nach Neuastenberg, einer der höchsten des Sauerlandes, liegt sie. Inmitten dieser Landschaft, ganz nahe dem Punkte, von dem aus man deren großartige Gestalt, die unvergeßlichen Körper ihrer von hier ausgehenden Bergrücken und Ketten mit dem Blick umspannt— eine bewußte und versönliche Bildung aus dieser Landschaft. Man sucht das Gebäude nach seiner Lage und Eigenart zu fassen, sieht es liegen: rechts von der Landstraße auf dem Hang des Kahlen Asten, mit seinem in 6 Meter Breite aus der 21 Meter langen Front gezogenen Vorbau. Man sieht es liegen vom Gipfel des Kahlen Asten aus: mählich sich an den Berg mit seinen Tannenwäldern lehnend, in seiner Schieferhülle dieser Forderung von Landschaft und Wetter und der edelsten Verkleidung eines Hauses überhaupt, und durch sie mächtig unter die Herrschaft des schönen, gebrochenen Daches Man schreitet durch die Räume der drei Geschosse und weiß, daß es sich hier um eine sehr ernstgemeinte Lösung einer außerordentlichen Aufgabe durch den Architekten Gerhards aus Wetter handelt. Hier sind Landschaft, die Art der wandernden Jugend und ein starkes persönliches Raumgefühl zu einer Einheit geworden, freilich einer Einheit, die regelloser Phantasie keinen Raum läßt, wo in klaren Linien ein nach allen Seiten begrenzter Körper von den unbedingten und selbstsicheren Formen dieser Landschaft selbst geschaffen wurde. Der Komplex der Räume und Einrichtungen, der die durchaus eigenartige Erscheinung der Jugendherberge darstellt, ist hier in drei Geschossen übereinander gelagert. Ein paar Stufen— man tritt durch den schützenden Windfang auf die Diele, jenen Raum, der, einst von einer Rasse als der schlechthin repräsentative des Hauses hervorgebracht, moderner Art zu bauen fast ganz verloren ging. Hier wird er durch breite Klapptüren mit den tief sich erstreckenden beiden Tagesraumen(für Knaben und Mädchen) zu einer mächtigen Flucht verbunden. Die Höhe der Räume (etwa 3 Meter) steht zu ihrer Breite und Tiefe in einem Verhältnis, das ein außerordentlich starkes Raumgefühl auslöst. Beide Tagesräume sino ourch die Größe ihrer Fenster zu der Landschaft in eine ganz unmittelbare Beziehung gesetzt. Man überschreitet die Diele— geradeaus das Treppenhaus, rechts zwei miteinander verbundene Trockenkäume(in dieser Landschaft herrscht der Winter), von deren ersten flurartig man Zutritt hat zu dem eigentlichen Heizraum(auch Aufbewahrungsraum für Kohlen), hier steht der Gliederkessel der Warmwasserheizung. Von hier aus wird das heiße Wasser bis ins Dachgeschoß getrieben und verzweigt sich in seinem Röhrensystem von dort über das ganze Haus. Dem Tagesraum für Mädchen gegenüber liegt — nur durch einen schmalen Flur getrennt— die große Küche. Links vom Treppenhause— durch einen kurzen Flur zu erreichen— Keller und Waschküche mit Brausebad. Rein praktische Grundsätze beherrschen die Architektur dieser Abteilung. Ueber das Treppenhaus erreicht man die Schlafräume für Mädchen. Es ist eigenartig, daß man in einem höheren Geschoß ein viel umfassenderes Gefühl des Baukörpers hat, in dem man sich befindet. Man wird gleichsam schon getragen. Ein Raum entspricht dieser Empfindung sehr stark und beherrscht den Komplex— fast 7 Meter lang, verbreitet er sich am Ende und tritt mit dem Vorbau in nunmehr sechs Meter Breite erkerartig aus der Front des Hauses vor. 10 Betten werden hier gestellt und an der Wand des Erkers entlang über den hier verlaufenden Röhren der Heizung Bänke gebaut, davor werden Tische und Stühle stehen. Gleichmäßig vom Flur aus zu erreichen sind: Gleich neben dem Treppenhause der Waschraum mit Einzelwaschbecken(jedes mit warmem und kaltem Wasser) und die vier übrigen Schlafräume, zwei zu je 8, einer zu 12 und einer für Aeltere zu 2 B e t t e n( i n s g e s a m t 4 0 B e t t e n), n e b e n d i e s e m e i n Aufenthaltsraum für Aeltere, zugehörig auch zu den Einzelzimmern des Obergeschosses. Auf dem rechten Flügel des Geschosses, von diesen Räumen getrennt, mit einem eigenen Zugang über eine außen emvorführende Treppe— die Wohnung des Herbergsvaters.— Windfang und Diele von hier aus links— Küche mit Speise= und Wohnzimmer— rechts: 2 große Schlafzimmer— gradaus: ein Durchgang zu den Räumen für Mädchen, zu beiden Seiten mit bis an die Decke reichenden Leinenschränken(zu dieser, Wohnung gehören Keller und Waschküche). Die Räume des Obergeschosses entsprechen in Eigenart und Anlage denen für die Mädchen. Das Gesamtbild ist nur weit größer(insgesamt 68 Betten), weil es den ganzen rechten Flügel des Stockwerkes mit umfaßt. Hier liegen die Zimmer ungefähr symmetrisch zu denen des linken Flügels. Hierher kehrt man vielleicht zurück, wenn man den großen Raum des Dachgeschosses besichtigt hat (die Heizung reicht bis dort, für Betten und Matratzen in großer Zahl ist Raum). Man steht im Erker an einem der großen, schönen Fenster und sucht die Eigenart des Ganzen zu begreifen, den Gedanken, der dies hervorgebracht. Jenseits durch die Wipfel der Bäume sieht man die Linien der großartigen Landschaft. Da fühlt man: hier ist alles Bedürfnis. Einordnung nämlich in eine ganz bestimmte Art: Dienst an der wandernden Jugend, und gleichzeitig alles Geist, nämlich einer, der, nachdem er jenem an sich zeitlichen Moment einenstrengen, räumlichen Ausdruck gegeben, darüber hinaus den ganzen Umfang dessen, das an dieser Stelle je geschehen wird, in eine unmittelbare und bedeutende Beziehung zur Landschaft setzte. Auf zum Astenberg! D. Was, im nebligen, regnerischen Dezember sollen wir zum Astenberg vilgern? Ist das nicht ein gewagtes Stück? Wir wissen's doch alle, wie gern der Bergalte den Wanderern einen Streich spielt. Sie wollen ihn in seiner vielgepriesenen Schönheit bewundern, wollen herrliche Fernblicke bis zum Rhein und zum Habichtswalde hin genießen, ihre Augen sollen„trinken, was die Wimper hält, von dem goldenen Ueberfluß der Welt“, und der alte Griesgram zieht sich eine Nebelkappe über die Ohren, als ob er von dem Menschengekribbel auf seinem breiten Buckel nun ein= für allemal nichts mehr wissen wolle. Freilich kann er's auch anders, und der ist glücklich zu preisen, der ihn in guter Laune antrifft: wenn er sich behaglich dehnt in wohlig durchwärmter Luft, in deren Klarheit sogar die weite Ferne näher rückt, oder, wenn er stolz wie ein Herrscher den Hermelinmantel aus blendend weißem Schnee um seine gewaltigen Schultern legt. Wir hoffen nun, daß er sich am 5. und 6. Dezember, der Jahreszeit zum Trotz, im besten Lichte zeigen wird. Hat er doch auch allen Grund dazu! Er braucht sich nicht mehr mit seinem stolzen Turme zu begnügen, den er nun schon jahrzehntelang mit Befriedigung auf seinem Rücken trägt,— weil sie zu ihm gehört, sich Schutz suchend an seine Brust schmiegt, hat die neue Zufluchts= und Ruhestätte für wanderfrohe Menschen den Namen Jugendherberge Astenberg bekommen.— Sie gilt's einzuweihen, nicht mit großem Lärm, der zu diesem Werke schlecht passen würde, aber mit frohem Herzen und voll Dankbarkeit, daß schon wieder ein großer Fortschritt des Jugendherbergswerkes zu verzeichnen ist. Westfalen, das Land der roten Erde, unsere heißgeliebte Heimat, ist die Geburtsstätte des Jugendherbergsgedankens. Von hier aus drang er werbekräftig in alle deutschen Gaue. Haben wir da nicht allen Grund, uns herzlich zu freuen, daß das Jugendherbergswerk im Westfalenlande so kräftig geblieben ist, trotz aller Not der Zeit; daß die schöne neue Jugendherberge Astenberg so schnell und in solcher Pracht erstehen konnte! Darum: Auf zum Astenberge!— Sorget nicht, die Tage könnten euch zu früheren Enttäuschungen eine neue bringen. Das ist ausgeschlossen. Sind wir doch nicht ganz der Laune des Wetters preisgegeben. Die Winterberger werden schon dafür sorgen, daß es in der Schützenhalle behaglich ist und dem Begrüßungsabend am 5. Dezember ein schöner Verlauf gesichert wird. Und wer freut sich nicht schon im voraus, wenn er hört, daß die Singgemeinden Dortmund, Iserlohn und Witten hinkommen werden, auch der Kinderchor der Voerder Schule, die Tanzgruppen des Hasper Jugendringes und die Spielgemeinschaft Dortmund? Rektor Johannes Hatzfeld will uns mit einem kurzen Vortrage über„Heimat und Volkslied“ das Herz warm machen; sein vielfach erprobtes Spiel „Die Spinnstube“ soll uns auch in Winterberg erfreuen, und Ludwig Schröder erzählt uns vielleicht auch wieder etwas in unserer alten Muttersprache. Am Sonntag morgen nach dem Gottesdienst um 11 Uhr ziehen wir mit Musik zur neuen Jugendherberge, voll Freude, daß die Weihe mit Gesang dort stattfinden kann, daß wieder ein Werk vollendet ist, das auch zukünftigen Geschlechtern noch ein Zeuge sein wird von der Opferfreudigkeit der Westfalen, die nun einmal nicht klein zu kriegen sind und in ihrer Kantigkeit und Derbheit immer wieder richtig zu liegen kommen, wie die Felsblöcke unserer Heimat, bei denen es auch ganz gleichgültig ist, wie sie fallen. Auf zum Astenberge! Die Zugenöherberge m Witten. 9 4 FRR e e 5266. Die neueste Damenmode. An Stelle der bisher in den Wintermonaten von der Damenwelt bevorzugten hohen Stiefel soll in diesem Jahre allgemein die Wickelgamasche treten. Die Mannequins der großen Pariser Modehäuser zeigen sich daher bei der Vorführung winterlicher Straßenkleider denn auch bereits in Halbschuhen, zu denen sie Wickelgamaschen in der Farbe des betreffenden Kostüms tragen. Furchtbare Bluttat infolge nervöser Ueberreizung. Vor wenigen Tagen war ein Mann aus Luzern nach Genf gekommen, wo er eine Pension käuflich erwarb und unmittelbar darauf seine Ehefrau, seine beiden Töchter und dann sich selbst erschoß. Die Tat geschah in einem Anfall von Geistesgestörtheit. Abschaffung der Sklaverei in Nordindien. Der Maharadscha von Neval(Nordindien) hat beschlossen, die Sklaverei in seinem Staate aufzuheben und hat bereits zwei Millionen Rupien als Entschädigung an Sklavenhalter gezahlt. Im verflossenen Jahre gab es in Neval noch rund 53.000 Sklaven, die sich auf 15000 Besitzer verteilten. Gleichsam über Nacht Millionär geworden sind die Diamantsucher im Voalbesch=Gebiet in Südafrika. In den letzten Wochen sind dort besonders große Funde zu verzeichnen gewesen. Ein Bazar durch Feuer vernichtet. In dem bulgarischen Städtchen Gorna=Giuma ist durch einen verheerenden Brand der Bazar mit allen Läden zerstört worden. Der Schaden beziffert sich auf mehrereMillionen Leva(1 Leva=1 Frank). Guter Fang. In Moskau wurde eine Bande von 56 Geldschrankknackern dingfest gemacht. Sie stand unter der Führung eines zu insgesamt 60 Jahren verurteilten Verbrechers, der von der Internierungsinsel Solowjetz im Nördlichen Eismeer geflohen war. In Aegypten abgestürzt. Bei einem Fluge über Kairo stürzte ein bekanater bayerischer Flieger, der Dr.=Ing. Horstmann, ab. Der Verunglückte erlitt derartig schwere Verletzungen, daß er wenige Stunden darauf verstarb. Die Schlafkrankheit in Deutsch=Ostafrika. Nach englischen Nachrichten ist in dem jetzt britischen Mandatsgebiet von Deutsch=Ostafrika ein großer Schlafkrankheits=Herd entdeckt worden. Elefantenjäger haben diesen Ort des Grauens aufgespürt, der aller Wahrscheinlichkeit nach absichtlich bisher geheimgehalten worden ist. Wie die Berichte besagen, sollen 45 vom Hundert der Bevölkerung von der Schlafkrankheit befallen sein; ganze Dörfer sind ausgestorben und liegen völlig verödet da. Das Schicksal einer Eiche aus dem Sachsenwalde. Aus Anlaß des Regierungsjubiläums König Alberts von Sachsen wurde im Schulhofe von Niederneuschönberg im Erzgebirge eine aus des Sachsenwalde bezogene Eiche gepflanzt. Infolge Vergrößerung des Spielplatzes hat man diese Eiche wieder entfernt. Großfeuer in einem Landhause. Mit 8 Schlauchleitungen mußte in Quedlinburg die Wehr gegen eine in Brand geratene Villa vorgehen. Der große Dachstuhl des Hauses wurde völlig zerstört. Nur mit Mühe konnte ein Weiterumsichgreifen des Feuers verhindert werden. Die„Jugend“ verkauft? Die Dautsche Vetlangsanstalt in Stuttgart ist, wie verlautet, mit Hirthschen Erben in München in Unterhandlungen getreten, die den eventuellen Erwerb der„Jugend“ betreffen. Damit dürfte jedefalls die unlängst vom Aufsichtsrat der Deutschen Verlagsanstalt beschlogene Kapitalserhöhung von 600000 Mark in Zusammenhang stehen. Riesenbrand in den Docks von Southampton. In den Tocks von Southamton(England) war in einem siebenstöckigen Gebäude Feuer ausgebrochen, das erst nach langer Zeit und mit vieler Mühe zum Stillstand gebracht werden konnte. Das Gebäude war angefüllt mit 150 Tonnen für den Export bestimmten Tabak und Allohol im Werte von 250 000 Pfund. Am vergangenen Sonntag fand in der ober abgebildeten Jugendherberge Witten eine Zusammenkunft aller Ortsgruppengeschäftsführer des Industriegebiets statt. Vom Vorstand waren der 1. Vorsitzende Herr Lehrer Richard Schirrmann, Altena, der Geschäftsführer des Zweigausschusses Sauerland, Herrt Lehrer Max Kochskämper, sein Mitarbeiter Herr Externbrink, der Herbergswart Herr Lehrer Paul Buck, Herscheid und Herr Lehrer Karl Hoffmann, Werdohl, anwesend. In der mehrstündigen Besprechung und Aussprache wurden von vielen Seiten Anregungen und Winke gegeben, die sich im Leben der Ortsgruppen auswirken werden. Vor Beginn der Tagung fand eine Besichtigung der idealen Herbergen statt. Es sei hier kurz hervorgehoben: Sie liegt auf dem Helenenberge und besitzt 7 große Schlafräume mit 120 Betten mit Wäsche, 100 Strohsäcke mit Decken, 4 Tagesräume, große Küche zum Abkochen, Brausebad= Wohnung für den Herbergsvater; in allen Räumen Zentralheizung. Wunderbar ist der Fernblick von der Jugendherberge aus, nach links das liebliche Borbachtal, geradeaus der Stadtwald Hohenstein und nach rechts schweift der Blick über den Hammerteich mit dem Massiv des Wennemarsberges als Abschluß, von fernher grüßen Bommern und Wengen herüber, ein Bild von berückender Schönheit. was sie geene haden! Wieviel Freude bereitet es, Kinder zufrieden und glöcklich zu machen.— Sie haben es leicht, rich oft zu freuen, denn immer wird ein Kinderherz gefangen sein, wenn ein gut zubereiteter und fein angerichteter Setker-Fadunig aufgetragen wird. Glückliche Mütter wissen dies längst und bringen auch an kalten Tagen Oetker-Puddings auf den Tisch. Die Zubereilung nach der stets aufgedruckten Gebrauchsanweisung ist einfach und schnell, die Aufwendung dafür gering. Vielfach läßt sich durch einen reichlich gegebenen Nachtisch ein Zwischengericht ersparen, denn Oetker-Puddings sind außerordentlich nahrhaft und wohlschmeckend. Ein Päckchen ist ausreichend für 3—4 Personen. In vielen Geschmacksarten bieten Dr. Oetker's Puddingpulver reiche Abwechslung. In allen einschlägigen Geschäften nur in Originalpackung (niem. lose) z. Preise v. 10—30 Pfg. f. d. Päckch. zu haben Achten Sie bitte auf die Schutzmarke „Oetker's Hellkopf“. Verlangen Sie in den Geschäften kostenlos die beliebten Oetker-Rezeptbücher, wnn vergriffen, durch Postkarte umsonst und portofrei von Dr. A. Oetker, Bielefeid Heimaltlunge. Im alten niedersächsischen Bauernhaus. Von Hans Dietrich. Nirgends in Norddeutschland ist das deutsche Volkstum so unverfälscht erhalten geblieben, wie in Niedersachsen, jenem Lande, das sich von der Nordsee bis zum Harz, von der holländischen Grenze bis an die Elbe ausdehnt, im wesentlichen also die Provinz Hannover und den größten Teil von Westfalen umfaßt. Besonders im altniedersächsischen Bauernhaus kam es bis in die jüngste Zeit zum Ausdruck, ja, teilweise leben die alten Sitten noch fort. Das häusliche Leben des niedersächsischen Bauern spielte sich fast ausschließlich auf der Diele, dem Flett, ab. Es war der einzige Wohnraum des Hauses, ursprünglich noch nicht von Kammern und Stuben umgeben; diese kamen erst später, als die Stadtkultur aufs Land zog. Das Flett war gegetrennt von der großen Lehmdiele, der Grotdäl; sie war die Stätte reger Arbeit, aber auch der Tummelplatz für das frei im Hof herumlaufende Kleinvieh. In der Mitte des Fletts stand der Herd, meist aus rohen Feldsteinen gefügt, in der Form rund und niedrig, selten viereckig. Das Feuer verlöschte kaum auf ihm, selbst nachts wurde es glimmend erhalten, indem man es mit eisernen Füerstülvern bedeckte; so brannte es unter der Asche in geborgener Glut, bis frühmorgens die sorgende Hausfrau es wieder zu lustigem Geflacker entfachte für die Morgensuppe. Ueber dem Herde hing der Kesselhaken; das war eine lange, gezähnte Stange, unten zu einem Haken umgebogen, seitwärts oft mit Töllen versehen für den lichtspendenden Kienspan.— Ein dämmeriges Licht erhielt der Raum von kleinen, auf beiden Seiten angebrachten Fenstern, die häufig mit buntbemalten Glasscheiben verziert waren. Es waren Geschenke von Nachbarn und Freunden, zur Erinnerung an die Husbörn(Hausrichtung) und bei dem sogenannten Fensterbier gestiftet. Die Scheiben zeigten neben dem Namen des Stifters und der Jahreszahl Wappen, Hausmarken, Reiter, Handwerker bei ihrer Arbeit, Sprüche und dergl. Das Flett hatte auf jeder Seite eine wagerecht geteilte Tür, die sogenannte Blangendör (Lüttdör), im Gegensatz zu der großen Tür, die auf die Lehmdiele führte und Grotdör wie auch Mittendör hieß. An den Seitenwänden des Fletts befanden sich die Schlafstätten, mit Schiebetüren versehene Butzen. Hier standen auch die mächtigen Truhen und Schränke. An der lange Wand, der Howand, glänzten auf Borden als Stolz der Hausfrau die zinnernen und tönernen Teller und Schalen. Am Speckwiemen hingen Schinken, Würste und Sveckseiten zum Räuchern. Vor dem Herde stand eine niedrige Bank, und um den Herd herum einfache Stühle mit Sitzen aus Binsen= oder Weidengeflecht. Der lange eichene Eßtisch stand am Fenster, an ihm wurden gemeinsame Mahlzeiten eingenommen. Jeder Hausbewohner hatte seinen bestimmten Platz. Messer, Gabel und selbstgefertigte Holzlöffel steckten in einem Lederriemen an der Wand. Supve und Milch wurden aus einer gemeinsamen Schüssel gegessen. Bei Tage gab es für die Männer reiche Arbeit auf dem Felde, so daß die Frauen im Hause emsig im Flett schaffen konnten. Zur Winterzeit, wenn die Feldarbeit ruhte, schnurrten hier die Spinnräder und die Haspeln, oder es klapperte unaufhörlich der Webstuhl, und auf der Grotdäl schlugen lustig die Dreschflegel den Takt dazu. Vielfach war die Arbeit im Bauernhaus dem einzelnen zugeteilt. Die Hausfrau sorgte fürs Vieh; sie kochte in dem Graven über dem Herde die Kartoffeln für die Schweine, sie besorgte das Füttern und Melken der Kühe und betrieb die Milchwirtschaft mit Buttern und Käsemachen; sie plagte sich ums liebe Federvieh; so hatte sie tagaus, tagein voll zu tun. Dafür wurde aber dann für die Zubereitung der eigenen Mahlzeiten nicht viel Mühe verlangt, man lebte eben anspruchslos, aber gesund. Das Essen war einfach und reichlich— derbe Hausmannskost! Man brockte sich Schwarzbrot in die Milchsuppe und löffelte sie mit Behagen, oder es gab Kartoffeln mit Schinken oder im Sommer Erbsen, Steckrüben und Große Bohnen mit Speck. Dasselbe gab es zu Abend, wohl oft auch Pellkartoffeln, und ganz was Teines waren die„Pannkoken“(Pfannkuchen). Man webte sich selber noch den Stoff zum Kleid. Daher stand der Flachsbau in Blüte, er machte viel Mühe und gab kargen Ertrag. Im Winter wurde gesponnen und gewebt, und alles half dabei, Magd und Knecht, und schön schimmerte das Leinen, wenn die Verarbeitung gelungen war.— Die Grotdäl war die Arbeitsstätte für die Männer. Hier stand das Vieh: links die Kühe, rechts die Pferde; hier stand die Häckselschneidelade, und Abend für Abend ging es gleichmäßig„reck— schneck“, wenn Futter geschnitten wurde, was Anstrengung verlangte und starke Muskeln. Besonders zur Erntezeit gab es reichlich Arbeit auf der Grotdäl. Die Korn= und Heuwagen fuhren herein, und durch die Luke wurde ihre Last auf den Boden„gestakt“, später wurden die Garben zum Dreschen wieder heruntergeworfen, losgebunden und ausgebreitet, und schon hämmerten die Dreschflegel und hatten ihre Arbeit. Wenn der Abend kam, zog allgemach Ruhe ins Bauernhaus. Man saß gern um den Herd zusammen, dabei gab der Kienspan oder das Trankrüsel mattes Licht. Nachbarn kamen oft, und man schmauchte und plauderte, oder auch der ChristAndres erzählte seine Geschichtchen— er war Spökenkieker im Dorf—, wobei allen gruselte. Man trank auch wohl eins. Aber früh legte sich alles zur Ruhe. Dann war es still im großen Bauernhaus, nur die Uhr im Flett tickte eintönig, und zuweilen bellte Caro, wenn vom Dorf ein Geräusch auf den Hof drang. Die neue Zeit nahm die schöne Geruhsamkeit und wandelte alles grundlegend. Man schaffte sich Maschinen an und baute schöne Stuben und Kammern im Flett ein. Das vatriarchalische Verhältnis schwand und damit die gemütvolle Hausgemeinschaft. Der Flachsbau hörte auf, der Webstuhl verschwand in der Rumpelkammer. Die Milch wurde zur Molkerei geliefert. Der steinerne Herd wurde durch den eisernen Sparherd ersetzt. Damit war die Küche da. Bald hörte auch der eintönige Takt des Dreschens auf. Und die„gute alte Zeit“ sank dahin, um der modernen Platz zu machen. Sie brachte vieles mit: städtische Kultur und Manier. Des Bauern Töchterlein muß h#ute die seine Küche lernen, und den Spinnrocken nimmt sie in der Aussteuer mit, nicht weil sie spinnen möchte wie einst ihre Großmutter oder Urahne, sondern weil die„vornehmen Leute“ ein solch Stück Möbel auch haben. Und die schönen Pannkoken kann sie kaum mehr backen, wohl aber Torten. Und wer Große Bohnen mit Speck essen will, muß schon in Bauernhaus vorsprechen, wo eine richtige, tüchtige Landfrau noch ihres Amtes waltet. Westfälischer Sagenkranz. Graf Erpo von Padberg. Auf der Burg Bukke, später Bocke, die noch aus alten heidnischen Sachsenzeiten stammte, saß ein Graf Padberg und Flechtrop. Der war von jäher und wilder Gemütsart und schonte nichts, wenn erst sein Zorn erregt war. So hatten sich einmal die Einwohner des Dorfes Horhufen, das jetzt nicht mehr vorhanden, gegen den Grafen aufgelehnt. und er brach alsbald auf, das Strafamt zu üben, alles zu ermorden und den Ort niederzubrennen. Da nun die Rache ihren Anfang nahm und die ersten Häuser bereits brannten, liefen einige Bewohner vor Schreck und Entsetzen in die Kirche zum heiligen Märtyrer Magnus, rissen das Kruzifix vom Altar und trugen es dem Wüterich entgegen, beim Bilde des Gekreuzigten um Schonung und Gnade flehend. Graf Erpo wollte aber nichts davon wissen, er schlug mit seinem Schwert auf das Bild des Erlösers, daß die Dornenkrone gleich in Stücke zersprang und zur Erde fiel. Aber im selben Augenblicke durchzückte des Grafen Hand ein jäher Schmerz, das Schwert entfiel ihr und jäh verkrümmten die Finger. Da erkannte der Graf die strafende Hand Gottes, ließ ab von seinem bösen Beginnen und begabte die Kirche des heiligen Magnus. Auch erbaute er ein Kloster zu Flechtorp und brachte dorthin die Gebeine des heiligen Landelin, die früher in Bocke verwahrt waren und die Bischof Badured im Jahre des Herrn 836 aus Cambray erhalten und der Pfarrkirche des alten Ortes Bukke geschenkt hatte. Graf Erpo starb ohne Erben und all sein Gut fiel dem Kloster Flechtrop zu. Sprechende Vogelarten. Von Dr Emil Carthaus. Menschliche Sprachlaute nachahmende oder selbst ganze Sätze sprechende Vögel haben sich stets beim Volke großer Beliebtheit erfreut. So wissen wir, daß Stare, die es zu dieser Fertigkeit gebracht hatten, im deutschen Mittelalter weit höher geschätzt wurden als süß singende Nachtigallen. Und wieviele ergötzliche und auch rührende Geschichtchen hat man immer von diesen gelehrigen Tieren zu erzählen gewußt! Ich erinnere nur an jenes wenig bekannte, schöne deutsche Gedicht, welches uns von einem steinalten Papagei berichtet, der als letztes Lebewesen und von keinem mehr verstanden in der Sprache der Aturen redete, eines von den umwohnenden Indianerstämmen gänzlich ausgerotteten Volkes, und dessen geisterhaft klingende, mahnende Worte das Grauen und Entsetzen aller Rothäute erregten. Papageien sind bekanntlich große Sprachkünstler in der gefiederten Welt und es gibt unter ihnen einige besonders gut beanlagte Wesen, die Dutzende von menschlichen Worten und Redensarten mit überraschender Genauigkeit wiedergeben. Trotzdem traten sie in der Nachahmung menschlicher Sprachlaute, vor allem aber anderer Lautäußerungen des Menschen, wie Lachen, Weinen, Husten, Riesen und Ausspeien, entschieden zurück gegen mehrere Vögel aus der Familie der Stare. So weiß der bekannte deutsche Vogelforscher Lenz von einem gewöhnlichen Star zu berichten, welcher nicht nur das Weinen und die weinerliche Stimme eines Kindes in seiner Nachbarschaft meisterhaft nachahmte, sondern später auch mit immer größerer Genauigkeit die täglich gehörten Trompetensignale eines Kavallerieregimentes wiedergab. Der Forschungsreisende S. G. Gmelin sah schon 1771 in der Landschaft Gilan am Kaspischen Meer eine Starenart, Coracias docilis, von der Größe und Gestalt einer schlanken Dohle, die, wie er schreibt,„eine ungemeine Geschicklichkeit besaß, einige persische Wörter und Redensarten zu sprechen, aber auch das Husten nachzuahmen und sich kläglich als ein Weinender anzustellen wußte.“ Zur Starenfamilie, und zwar zur Gattung Eulabes, gehört auch der Béo oder Minho der Malaien, Eulabes javanica, ohne Frage der größte Sprachkünstler der ganzen gefiederten Welt, demgegenüber selbst die gelehrigsten Papageien als wahre Stümper im Nachahmen menschlicher Laute jedweder Art erscheinen. Dieser schwatzhafte Vogel ist imstande, gehörte Worte oder sonstige menschliche Stimmäußerungen so genau in allen Eigenarten der Klangfarbe wiederzugeben, daß man, falls man sie kennt, sofort die Person herausfindet, welcher der hübsche und klug dreinschauende kleine Kerl das Erlernte abgelauscht hat. Der Béo ist au den westlichen Sundainseln sowie auch auf den Nikobaren heimisch, und im Urwalde von Sumatra trifft man zuweilen ganze Gesellschaften von ihm an. Man steht dann verwundert da ob de: unglaublichen Zungenfertigkeit, welche der Vogei hier selbst ohne Zutun des Menschen an den Tag legt. Eben wegen dieser außerordentlichen Stimmbegabung findet man den Béo, der in seiner ganzen Erscheinung, abgesehen von einem schön gelb gefärbten Band am Halse und hochgelben Lautlappen am Hinterkopfe, sehr an eine noch nicht ausgewachsene Dohle erinnert, auf Java und Sumatra überaus häufig in einem geräumigen Käfig eingeschlossen, sowohl bei den Wohnungen der Eingeborenen als auch der Europäer. Sehr schnell versteht er es, sich zum Liebling aller Hausbewohner zu machen; denn als meisterhafter Nachahmer aller möglichen, häufiger vernommenen Stimmlaute oder Töne liefert er immer wieder Stoff zum Lachen und zu komischen Zwischenfällen. Was ein Béo in dieser Beziehung zu leisten vermag, habe ich als häufiger Gast des Orango=Hotels in Padang, der Hauptstadt von Sumatra, wirklich bewundert. Dieser geschwätzige Vogel, dessen Bauer zwischen den Pavillons des Hotels stand, fing morgens damit an, in sehr energischen Worten nach Futter zu rufen. Nachdem er sein Morgenmahl gehalten hatte, beliebte er, das Erwachen und Aufstehen eines bejahrten Junggesellen, der jahrelang in einem Zimmer nahe bei seinem Käfig gewohnt hatte, in allen damit verbundenen Stimmäußerungen und Geräuschen bis zum Rufen nach Kaffee und Frühstück nachzuahmen. Da hörte man den kleinen schwarzen Gesellen stöhnen, gähnen, husten, ausspeien und rufen, ganz wie es der alte Herr auch getan hatte. Bisweilen mischte er sich in verwirrender Weise in die Gespräche am Fernsprecher des Hotelbüros, und die Hähne, die sich um seinen Käfig herumbewegten, brachte er nicht selten in hellen Aufruhr, indem er genau so trotzig wie sie krähte, ohne dabei irgendwie den Hals zu verrenken. Dazwischen ließ er gelegentlich auch Hühnergegacker und Entengeschnatter hören. In Tassikmalaja auf Java hörte ich einmal einen Béo unter steter Wiederholung des Lautes „la“ wirklich sehr hübsch die früher bei uns so oft gehörte Melodie:„Siehst du wohl da kimmt er“ wohlbemerkt singen und im Hotel Bellevue zu Buitenzorg hat mich einer dieser klugen Vögel, den später der Besitzer des New York Herald. der bekannte G. Benett, für 100 Gulden erstand, oft damit ergötzt, daß er tadellos die beliebte französische Weise:„Immer lustig immer spröde, also war M'mselle d'Angöt“ unter melodiösem Pfeifen von Anfang bis zu Ende zum besten gab.„„ eine auf Drei Vettern des Beo, von denen der eine auf Sumbawa, der andere auf den Aru=Inseln und die dritte Art auf Neuguinea lebt, sollen weniger zungengewandt sein. Dagegen bringt es ein entfernterer Verwandter des Béo, der zur Starenfamilie gehörende Jallak auf Java, erstaunlich weit im Nachahmen von Schallengeläut und anderen metallischen Tönen. Auch einige Vertreter der Rabenfaminte konnen durch längeren Unterricht dazu gebracht werden, einzelne Worte in allerdings meist mangelhafter Weise auszusprechen, doch gibt es auch recht gelehrige Tiere unter ihnen. So kannte der englische Naturforscher Jesse eine Elster, die ja auch zu den rabenartigen VGögeln gehört, welche, wir er sich etwas unbestimmt ausdrückt, großes Talent besaß, jeden neuen Ton und jedes seltsame Geräusch, einen Pfiff und dergleichen nachzuahmen. Plinius erzählt uns im zehnten Buche seiner Naturgeschichte, Agrippina, die Gemahlin des Kaisers Claudius, sei im Besitz einer Drossel gewesen, wehche die menschliche Stimme nachgeahmt habe, was vorher noch niemals vorgekommen sei und die jungen Prinzen besäßen Nachtigallen, die sich für griechische und lateinische Worte gelehrig zeigten. Man unterrichte sie ganz allein, wo sie keinen fremden Laut hören und immer sitzt jemand bei was sie sich einprägen ihnen, der ihnen vorsage, was sie sich sollten. Man weiß nicht recht, was man hierzu sagen soll, um so weniger, als Plinius auch von einem sprechenden Hund berichtet. Man würde darüber geradezu lächeln, wenn nicht, wie auch in den Memoiren der französischen Akademie zu lesen ist, unser große Leibniz sich für diese Tatsache verbürgte. Er beschrieb nämlich einen Bauernhund aus dem ehemaligen Kreise Meißen, der wenigstens 30 Worte mehr oder weniger deutlich nachgesprochen habe, darunter selbst ein längeres Wort wie Schokolade. " Der Eine Geschichte aus der Lüneburger Heide. Von J. von Stach. Die Heide stand in Blüte; ich hatte mein Quartier in Müden aufgeschlagen und suchte bald die Schnuckenherde der Gemeinde am Wietzer Berge auf. Der alte Schäfer Märtens rief die schönsten Tiere nacheinander heran. Nur der bei weitem stärkste Bock hielt sich scheu abseits, und auf meine Frage nach ihm runzelte Märtens die Stirn:„Der Verbrecher, ach, den lassen Sie nur ein für allemal zufrieden; das ist ein Satan!“ Sein Ton war so schroff, daß ich nicht weiter in ihn drang. Einige Tage sväter besuchte ich ihn wieder. Er lag strickend unter einem mächtigen Wachholder;„Wetter“, sein Hund, hielt neben ihm Wacht, die Herde, ziemlich weit auseinandergezogen beim Weiden, war zwischen mir und ihm. Gierig umdrängten mich die Schnucken, das gebotene Salz aus meinen Händen leckend, und plötzlich sah ich auch den„Verbrecher“ auf mich zutiollen. Sein mächtiges Gehörn rollte sich in dopvelten Schneckenwindungen um seine schwarzen Ohren, die spitzen Enden waren scharf nach außen gebogen. Wenige Meter vor mir senkte er plötzlich den Kopf und stürmte in so wildem Angriff auf mich zu, daß ich nur wenig Zeit hatte, beiseite und hinter einen Wachholder zu springen. Zweimal noch trieb er mich von einer Seite des Busches auf die andere in zornigem Ungestüm, bis mich „Wetter“ heranjagend von ihm befreite.„ Der seinem Hund eiligst folgende Schafer ließ mich scharf an:„Ich hab' Ihnen doch gesagt, den „Verbrecher“ zufrieden zu lassen! Was nun, wenn „Wetter“ und ich nicht schnell zugegen waren?“— War ich auch über den plötzlichen Angriff erschrocken, fur eine wirkliche Gefahr sah ich ihn doch nicht an und sprach das auch aus. „Sie unterschätzen die Kraft, die solch ein Tier Genick hat. Zudem, wenn er Sie niedergestoßen hat, trampelt er auch noch auf Ihnen rum; ich kenne das tückische Vieh!— Da bleibt kein Knochen ganz, sag' ich Ihnen. Man sollte ihn abschlachten, aber er ist in seiner Kraft zu wertvoll als Zuchtbock,“ belehrte mich der Schäfer. Ja, das konnte ich wohl verstehen; mein Interesse an der Herde war noch gewachsen. Mehrfach suchte ich sie auf und ward gut Freund mit Vater Martens und seinem treuen„Wetter“.— Der nächste Sommer fand mich wieder in Müden, aber wie erschrak ich, als Märtens mir, verfallen und ganz zum Greise geworden, entgegentrat. „Meine Frau ist mir gestorben; ich wollt' nur, sie hätte mich gleich mitgenommen,“ sagte er traurig. Jeden Trost wehrte er müde ab.— Dann sah ich mich nach dem„Verbrecher" um. „Wetter hält ihn in Ordnung, ich selbst kann's nicht mehr; es ist mir auch gleich, ich hab' nur noch den einen Wunsch: bald neben meiner Frau schlafen zu dürfen. So gebrochen klang es, daß ich mich ernstlich um den Alten sorgte.— Eine Woche lang sah ich ihn nicht, das herrliche Wilsede hielt mich fest. Aber gleich am Morgen nach meiner Rückkehr wanderte ich in Begleitung des Försters zum Wietzer Berge hinaus.— Betroffen hörten wir schon von weitem das laute Blöken der Herde und„Wetters“ Geheul aus dem Schafkoben dringen. „Da ist was nicht in Ordnung; Märtens treibt sonst immer um fünf Uhr früh aus,“ sagte der Förter erregt.„„ e snsten 9. 6 Beim Oeffnen des Staues brangten die hungrigen Schnucken stürmisch an uns vorüber ins Freie;„Wetter“ schlich uns mit eingekniffenem Schweif winselnd entgegen und zerrte den Förster am Rock an die gegenüberliegende Stallwand.— Da lag der Schäfer, lang ausgestreckt auf dem Gesicht. Wir trugen ihn ins Freie und sahen sofort, daß sein Tod schon vor Stunden eingetreten sein mußte; durch Blutsturz, wie wir zuerst glaubten. Als wir ihm aber das Blut abwischten und das Hemd herunterzogen, schrien wir vor Schreck laut auf. Kopf und Oberkörper waren entsetzlich zugerichtet, die Ripven zerbrochen, die Brust eingedrückt und ganz mit blutunterlaufenen Beulen bedeckt. „Um Gotteswillen, er ist ermordet worden,“ stammelte ich. „Ja, aber der gute Alte war doch niemandes Feind,“ sagte ratlos der Förster. Wir leuchteten den Stall ab nach irgendwelchen Spuren, fanden aber nichts, bis wir, hinter zusammengeschobenen Raufen sich etwas regen sahen, und näher kommend, am starken Gehörn den alten Bock erkannten.— Aber wie sah das Tier aus! Kopf und Vließ waren ganz von geronnenem Blut bedeckt; es machte einen schwachen Versuch, auf die Beine zu kommen, doch sofort fiel„Wetter“ wütend darüber her und verbiß sich so in das röchelnde Tier, daß wir ihn kaum davon lösen konnten. Mit einem Schlage war uns da klar, was sich hier abgespielt hatte. Der Bock mußte, wie früher schon einmal, den Hirten von rückwärts angefallen haben. Wahrscheinlich hatte gleich der erste Stoß dem an der Stallwand Stehenden den Brustkorb eingedrückt und den tödlichen Blutsturz herbeigeführt. Dann hatte das wütende Tier sein Opfer weiter mit Kopf und Füßen so schrecklich zugerichtet, bis der dazukommende„Wetter“ seinen Herrn rächte und den Bock seinerseits niederriß. Der Förster nickte das halbtote Tier ab— wozu sollte es sich noch weiter quälen! So war der„Verbrecher" nun wirklich zu einem solchen, war an seinem Herrn zum Mörder geworden. Aber er hatte ihm dadurch seinen Wunsch erfüllt, bald neben seiner Frau auf dem kleinen Friedhof Muoens schlafen zu dürfen. Das gab dem grausigen Geschehen etwas Versöhnendes. — Gioß Mustt. (Eine wahre Geschichte.) Ich kam verspätet ins Theater. Es ist sonst nicht meine Gewohnheit, das Vorspiel zu versäumen, aber heute hatte es sein müssen. Und hätte ich mich gleich geärgert, zu ändern war daran doch nichts mehr.— Zudem, wenn auch ein schlechter Trost—, ich war nicht allein mit meinem Leide. So durfte ich mir Zeit nehmen, in Ruhe Hut und Mantel abgeben und beim Saaldiener nach einem übriggebliebenen Programmheft zu fragen. Der Mann hatte seine Mühe: Es wollte durchaus nicht gelingen, eine Gefährtin unseres Mißgeschicks von der Notwendigkeit zu überzeugen, sich nun bis zum Ende des Vorspiels zu gedulden. Unsere Ergebenheit in die Gesetze des Hauses schien ihr wenig nachahmenswert, worauf sie versuchte, ob die Türe nicht von außen zu öffnen sei. Das war nun leider nicht möglich. Da tönte mahnend, aber nicht unfreundlich ihres Gatten begütigender Baß dazwischen:„So wart' doch nur, Else,'s ist ja erst bloß Musik.“ Frau Else ergab sich, der Saaldiener hatte gewonnenes Spiel,— drinnen klagten Oboen von endlosem Sehnen, wühlten Bässe in tiefstem Leide: sollte ich zürnen oder lachen? Ich war klug und lachte, lachte noch lange, lange danach—— Ja, bloß Musik——? Aufmerksam. Wohlgemut kommt abends in das Hotel einer kleinen Stadt. Da er sehr schwer einschläft, genehmigt er vor dem Zubettgehen einige Erogs, die auch die gewünschte Wirkung haben. Kaum hat er aber eine Viertelstunde geschlafen, als es heftig an die Tür klopft. Erschrocken fährt Wohlgemut auf. „Was ist los?“ „Ihr Gepäck ist gekommen. Soll ich's rauf bringen?" „Nein, lassen Sie es nur bis morgen früh unten steben. ,777 Woklssmut—. Nach einer Stunde schlaft Wohlgemur endlich wieder ein, aber plötzlich donnert es aufs neue an die Tür. 0 „Was ist denn jetzt wieder los, zum Donnerwetter?" „Ich wollte bloß sagen, oaß es gar nicht Ihr Geväck gewesen ist.“. W.n 8uun 44 Der kleine Fragenoonnerer.„Mulki, kunn ein Neger auch Sommersprossen kriegen?“ 1800. Bill den. Schuf Reformations Rus 8 D Im Vergl diesjährige an. Ueberall oder, wer Sp es ausgeben. bei all dem Farbenzauber „Halloh! viermal wirk Sie Ihren E bekommen! 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Die Aufnahme...“ Eine lautere Stimme übertönt diese:„Hier muß man hereingetreten sein...“ Diese drei Weltwunder muß man als gebildeter Mensch gesehen haben!" Zwischen das Geschreie klingen die Weisen einer Karusselorgel, und man läßt sich treulich von der Menge weiterschieben. Toll geht's bei den „Rollenden Tonnen“ zu. Das Gelächter und Gejuche ist gar zu verlockend und man opfert die paar Groschen-- und bereut es nicht. In welche unfreiwilligen Lagen dort die Menschen in den gepolsterten, schnell routierenden Tonnen gebracht werden, ist zu köstlich. Die gleiche Stimmung herrscht im Hippodrom. Hier werden Kunstreiter und=Reiterinnen bewundert. Immer größer ist mittlerweile der Betrieb geworden und bald ist man in der Menge eingepreßt wie in einer Heringstonne. Von Hühneraugen ist keine Spur mehr vorhanden. Und hier auf dem Marttplatz der gleiche Betrieb wie auf dem Wilhelmsplatz. Den größten Zulauf hat eine Bude, von der eine heisere Stimme jemand aus der Menge zum Bonkampf einlädt. Wie sich gar ein kleines schwächliches Kerlchen meldet, wird einem bange und wir ziehen weiter. Da wären wir bald auf den Rücken gefallen. Fliegende Menschen?! Zu unserer Beruhigung stellten wir fest, daß ein Kettenkarussel die Menschen liebevoll durch Lüfte schwingt. Wie eine Verkäuferin den„Lecker— Lecker— Türkischen Honig“ in einer wenig appetitlichen Aufmachung feilbictet, sagen wir der Kirmes„Ade“. Da bietet sich uns noch ein trauriges Bild: ein Krüppel bittet um eine Gabe. Wer achtet seiner? Die meisten gehen vorüber... Es ist ja Kirmes! Schwerte, den 29. Oktober. : Die letzte Oktoberwoche läßt uns mit einiger Zufriedenheit auf die verflossenen Wochen des Monats zurückblicken. Es hat schon manchen Oktober gegeben, der schlimmer war als der jetzige. Die Voraussage, daß der Monat rauh und kalt sein würde, hat sich erfreulicherweise im großen und ganzen nicht bestätigt, denn die Vorboten des Winters, die sich zeigten, haben es bei einmaliger geringer Kälte und etwas Schnee, der nicht liegengeblieben ist, bewenden lassen. Dazwischen lagen wiederholt frühlingswarme Tage, so daß nur eine mäßige Heizung des Ofens notwendig erschien. Die Kohlen= und Brikettpreise sind denn auch nicht weiter in die Höhe gegangen. Eine beträchtliche Senkung der wichtigen Lebensmittel trat in Kartoffeln, Zucker und stellenweise auch in Rindfleisch ein. In Tagesbedürfnissen sind. Textilstoffe verschiedentlich heruntergegangen. In Bauarbeiten war die Beschäftigung ziemlich rege, eine Anzahl von Städten hat auch Erleichterungen für den Häuserneubau gewährt. Die Geldknappheit hat sich leider noch nicht erheblich gebessert. Der Gesundheitszustand war im allgemeinen befriedigend. Die Unsicherheit nimmt mit dem früheren Dunkelwerden immer mehr zu. So verfolgten gestern abend zwei halbwüchsige Burschen eine junge Dame durch die Märkische Straße bis zur Eisenlahnbrücke und machten dauernd ungebührliche Bemerkungen. Als eine ältere männliche Person des Weges kam, verschwanden diese Bürschchen. Es ware sehr angebracht, wenn die Polizei ein besonderes Auge auf solche Unholde hätte. : Staat und Wirtschaft. Zu diesem Thema wird am 3. November, abends 8.15 Uhr, im Westf. Hof (Luadbeck) Herr Erich Stolt=Hamburg sprechen. Er behandelt in seinem Vortrag den Staat als Schöpfer und Geschöpf unseres Volkstums, Politik als Machtentfaltung, Wirtschaft als Ernährung des Volkes. Politisches und wirtschaftliches Machtstreben. Bestimmt der Staat die Wirtschaft oder die Wirtschaft den Staat? Die Wirtschaftspolitik der Gegenwart als Kampf zwischen Staat und Wirtschaft um die Vorherrschaft. Staatssozialismus und Eigenleben der Wirtschaft. Staatsbürgerliche und wirtschaftliche Verantwortlichkeit. Die wirtschaftspolitische Lage Deutschlands und der berufsständige Gedanke.— Der Vortrag, der allen Besuchern wertvolle Aufschlüsse über den Kampf der Interessen im Staate geben wird, wird von der hiesigen Ortsgruppe des D. H. V. veranstaltet, der hiermit seine Mitglieder und alle Freunde der Bewegung noch besonders darauf hinweist. Beihilfe zur Witwenrente. Witwen von Kriegsbeschädigten können nach einer Anordnung des Reichsarbeitsministers zur Linderung eines besonderen Notstandes Witwenbeihilfe erhalten, wenn die Beschädigten eine Rente von 20% bezogen haben und vor dem 1. Juli 1923 gestorben sind. Die Gewährung von Waisenbeihilfe ist jedoch in derartigen Fällen ausgeschlossen, weil der Verstorbene nicht Rentenempfänger im Sinne des Gesetzes von 1923 war. Derartige Witwen können vom 1. Oktober an als Härteausgleich einen Zuschuß zu ihrer Witwenbeihilfe bis zur Höhe der Witwenrente erhalten, soweit sie nach dem ursprünglichen Wortlaut des Reichsversorgungsgesetzes eine Witwenbeihilfe von mehr als zwei Drittel der Witwenrente beziehen könnten und weil sie für Kinder sorgen.(Siehe heutiger Artikel„Witwenbeihilfe“.) Säuglingsheim. Bei der Landesfrauenklinik in Bochum ist ein mit allen Einrichtungen der neuzeitlichen Säuglings= und Kleinkindernflege ausgestattetes Säuglingsheim erbaut, das am Montag, den 2. November 1925 in Betrieb genommen wird. Das Heim bietet Platz für 100 Kinder. Aerztlicher Leiter ist der Oberarzt Dr. med. Stork, bisher langjähriger Oberarzt des Provinzial=Säuglingsheims in Paderborn. Voraussichtlich wird am 1. Januar 1926 beim Säuglingsheim in Bochum ein Kursus zur Ausbildung von Säuglingspflegerinnen beginnen. Da nur eine beschränkte Anzahl Schülerinnen für den Kursus zugelassen werden kann, empfiehlt es sich, Gesuche um Zulassung schon jetzt an den Leiter des Säuglingsheims, Oberarzt Dr. Stork in Bochum, einzureichen, von dem auch die näheren Bedirgungen für die Kursusteilnehmer bezogen werden können. Der Lehrgang dauert 2 Jahre. Für Ausbildung, Wohnung, Verpflegung und Wäsche ist nur während der ersten 6 Monate des Lehrganges eine Gebühr von 60 A monatlich zu zahlen, vom 7. Monat ab erhalten die Schülerinnen freie Station. Daneben kann ihnen bei Bewährung in 2. Jahre des Lehrganges eine geringe Vergütung gezahlt werden. Die fünf Briefmarkenarten. Briefmarken hat die Reichspost jetzt fünf verschiedene Arten, Ziffer=, Stephan=, Rheinland=, Adler= und Bildermarken. Die Ziffer=, Stephan= und Rheinlandmarken werden aber nicht mehr hergestellt und sollten in dieser Reihenfolge zunächst aufgebraucht werden. Adiermarken zu 5, 10 und 20 Pfg. dürfen am Schalter überall erst dann wieder ausgegeben werden, wenn die anderen Marken völlig abgesetzt sind. Die Reichsdruckerei wird jedoch noch einige Zeit Rheinlandmarken liefern Stephanmarken zu 60 und 80 Pfg. sowie Adlermarken zu 50 Pfg. werden jetzt allgemein verkauft. Zur Verrechnung der Paketgebühren sollen die Schalterbeamten wie bisher Ziffermarken zu 50 und 100 Pfg. verwenden. Die Bildermarken zu 1, 3 und 5 Mk. dürfen nur in besonderen Ausnahmefällen benutzt werden, solange Ziffermarken zu 100 Pfg. vorhanden sind. : Wer darf die Jugendherbergen benutzen? Aufnahme finden nur Wanderer, aber nicht Geschäftsreisende, Beschäftigungslose, Sommerfrischler usw. Alle Herbergsgäste müssen sich ausweisen, und zwar: 1. die Jugendlichen bis zum Alter von 20 Jahren durch den„Bleibenausweis"; 2. die über 20jährigen durch die Mitgliedskarte; 3. geführte Jugendliche bis zu 20 Jahren brauchen keinen Bleibenausweis. Der Ausweis der verantwortlichen Führer(Mitgliedskarte oder Bleibenausweis) muß abgestempeltes Lichtbild tragen. Lehrer als Führer von Schülergruppen bedürfen, wie bieher, eines Ausweises nicht. Mitgliedskarten(3 c für das Jahr) und Bleibenausweise(0.50 e) stellen die Geschäftsführer der Ortsgruppen aus. Das Kopfgeld(d. h. die Herbergs=Benutzungsgebühr) schwankt zwischen 10—50 Pfg. Bei Gruppenwand.= rungen ist Voranmeldung selbstverständlich Pflicht der Führer; sie geschieht am besten durch vorgedruckte Doppelanmeldekarten, die von den Ortsgruppen erhältlich sind. Der Geschäftsführer der hiesigen Ortsgruppe ist Lehrer Wilhelm Doert, Withelmstraße 8. : Sprechtage des Westfäl. Bauernvereins. Für den Kreis Hörde findet am Freitag, den 30. Oktober, ein Sprechtag in Schwerte, Wirtschaft Pottheff, Schützenstraße 2, in der Zeit von 10—2 Uhr statt. Grunderwerb der Kirchen. Grunderwerb durch die evangelische und katholische Kirche bedarf der staatlichen Genehmigung. Es gilt dies für die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden und kirchlichen Verbände, also die Gesamt=, Parochial= und Gemeindeverbände, Kirchenkreise, Kreiskirchen=, Kirchenkreis=, Bezirkskirchenverbände, Propsteien, Kirchenprovinzen der altpreußischen Union usw., ferner die evangelischen Landeskirchen und die Rechtsträger, die im Gesetz über die Verwaltung des katholischen Kirchenvermögens angeführt sind. Die Genehmigung hat sich jetzt der Volksbildungsminister vorbehalten, soweit es sich um einen Erwerb durch die evangelischen Landeskirchen, die Kirchenprovinzen der altpreußischen Union, die bischöflichen Stühle, Bistümer und Kapitel handelt oder der Wert des Grundstückes 50000 Mk. übersteigt. Sonst ist sie den Regierungspräsidenten, in Berlin dem Polizeipräsidenten übertragen. : Freigestempelte Sendungen für die Bahnposten. Freigestempelte Briefsendungen können jetzt auch bei den Bahnposten eingeliefert werden. Das Reichspostministerium hat dies unter Vorbehalt des Widerrufs auf den Antrag von Firmen zugelassen, die oft Spätlingsbriefe bei den Bahnposten einliefern. : Personenschnellzug nach der Schweiz? Für die Verbindung zwischen Berlin und der Schweiz will man im nächsten Somler, wie berichtet, Fernschnellzüge Berlin—Frankfurt nutzbar machen. Man plant aber auch die bestehenden Fernschnellzüge Berlin—München dafür in Dienst zu stellen. Fährt man jetzt von Berlin 8,.56 vm., Halle 11.05, so ist man in Nürnberg 3,54 Uhr. Hier würde ein Anschluß etwa um 4 Uhr über Augsburg und Buchloe eingerichtet, mit dem man Lindau etwa 9 Uhr abends erreichen würde, so daß man Zürich noch an demselben Abend, wenn auch spät, erreichen könnte. Umgekehrt müßte man Zürich schon frühmorgens rerlassen, Lindau 10,10, um in Nürnberg 2,10 in Halle 6,36, Berlin 8.48 anzukommen. Um die frühere Abfahrzeit in Zürich zu vermeiden, wird auch erwogen, die Verbindung Zürich—Berlin später zu legen, falls die erforderlichen Mehrleistungen überhaupt möglich sein werden. Fünf Sechstel des Geldumlaufs von 1913. Als Geldumlauf hatten Ende Oktober 1923 im letzten Monat der Geldentwertung 300 Millionen in Deutschland genügt. Ende November waren es bereits 1584 Millionen, am Ende des Jahres 2273. Im Laufe von 1924 stieg die Summe auf 4274 Millionen, um in diesem Jahre von Monat zu Monat zu wechseln und Anfang Oktober fast 5055 Millionen zu erreichen. Die Summe nähert sich bis auf eine Milliarde den 6070 Millionen Goldmark, die 1913 genügten. Wertlose Drucksachen? usw. Unzustellbare Drucksachen werden neuerdings bekanntlich dem Absender nicht zurückgegeben, wenn die Post sie für wertlos hält, eine Ansicht, der der Absender in den wenigsten Fällen zustimmen wird. Man kann aber die Rücksendung durch einen Vermerk auf der Außenseite der Sendung verlangen. Beschwerden haben wieder gezeigt daß dieser Antrag häufig nicht beachtet wird. Die Vorschrift ist deshalb jetzt den Postämtern von neuem zur genauen Beachtung in Erinnerung gebracht worden.— Geschäftspapiere werden jetzt im Auslandsverkehr allgemein als eilige Sendungen behandelt und wir Briefe und Postkarten mit den schnellsten Beförderungsgelegenheiten abgeschickt. Für Warenproben und nicht eilige Drucksachen gilt dies nicht. : W e t t e r b e r i c h t d e r W e t t e r w a r t e E s s e n v o m 28. Okt. Das gestrige Tiefdruckgebiet im Norden Großbritanniens ist unter Abnahme an Tiefe nordostwärts fortgeschritten, ein neuer Ausläufer desseiden zieht nordwestlich von Irland heran. Im Südosten Europas besteht der hohe Luftdruck fort. In Deutschland war es heute früh bei schwachen südlichen Winden und 7—11 Grad Wärme ziemlich trübe und an der Ostsecküste regnerisch.— Wetteraussichten bis Freitag: Zunächst noch keine erhebliche Witterungsänderung. Ergste, 29. Okt. Goldene Hochzeit. Die Eheleute Heinrich Stellpflug und Frau, geb. Sander, welche lange Jahre am hiesigen Orte ansässig waren und nach Eveking verzogen sind, begingen am vergangenen Sonnabend das seltene und schöne Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelvaar erfreute sich hier der größten Beliebtheit und Wertschätzung, weshalb ihm zahlreiche Glückwünsche zugegangen sind. Auch wir gratulieren noch nachträglich. Zum Schiedsspruch im Straßenbuhnerstrett. Erklärung des Arbeitgeberverbandes. Essen, 29. Okt. Der Arbeitgeberverband der rheinisch=westfälischen Straßenbahnen erklärt zu dem Schiedsspruch des Schlichters für den Bezirk Westfalen vom 26. Oktober 1925 folgendes: 1. Ziffer 1, 2, 3, 4 und 6 werden im Interesse des Wirtschaftfriedens angenommen. 2. Ziffer 5 wir angenommen mit der Maßgabe, daß die Wiedereinstellung infolge des Streiks entlassener Arbeitnehmer nur in dem Umstande stattfindet, als diese unter Berücksichtigung der inzwischen erfolgten Neueinstellungen und nach Maßgabe der Betriebserfordernisse möglich ist. Die verstehend wiedergegebene Aulegung der Ziffer 5 des Schied spruches entspricht der Auffassung der Schlichterkammer durch den Herrn Reichskommissar. 3. Die Wiedereinstellung solcher entlassener Arbeitnehmer, die Handlungen vorgenommen haben, die sich gegen den Betrieb(Sabotage usw.)' Betriebsangehörige oder Fahrgäste richteten, wird abgelehnt Gerthe, 29. Okt. Der Betrieb bei der Vestischen Kleinbahn wird heute in vollem Umfang wieder ausgenommen. Handel und Börse. Vom rheinisch=bestfälischen Wertpapiermarkt. Mitteilungen des Bankhauses Gebr. Stern. (Vor der Börse.) Dortmund, 28. Okt. 192. Die freundlichere Auffassung, die sich am Anfang unseres Wochenabschnittes bemerkbar macht:, ist wieder gewichen. Die innerpolitischen Schwierigkeiten führten zu neuen Abgaben. Materi#l wurde nur zu niedrigeren Preisen ausgenommen. Auf dem Kohlenkurenmarkt war das Geschäft sehr eingeengt. Schwere Werte hatten bei völliger Umsatzlosigkeit Kursverluste bis zu A 2000.— zu verbuchen. Von mittleren Werten, die etwa àA 300.— einbüßten, fand nur Besitzwechsel:n Graf Schwerin und Diergardt statt. Von Kohlenaktien gingen Lothringen mit einem Kursverlust von 5 Proz., Dahlbusch und Präsident von 4 Proz. und Niederrheinische Bergwerks=Aktien mit einem solchen von 3 Proz. um. Adler=Bergbau wurden zu fast unveränderten Preisen gehandelt. Braunkohlenwerte lagen, mit Ausnahme von Bellerhammer, die zu behaupteten Kursen gehandelt wurden, völlig geschäftslos. Zukunf: Altien verloren 5 Prozent. Auf dem Markt der Kaliwerte fiel der scharfe Kursdruck der Kali=Industrie=Aktien auf. Sie verloren bei umfangreichen Verkäufen vorübergehend etwa 20 Proz., um auf Rückkäufe wieder etwa 8 Proz. zu gewinnen. Diese Kursbewegung war naturgemäß für alle übrigen Wintershallwerte, von denen Glückauf=Sondershausen. Alexandershall, Heiligenroda, Sachsen=Weimar. Wilhelmshall, Gebra und Carlsfund im Verkehr waren, bestimmend. Von Gumpelwerten verloren Siegfried=Giesen und Königshall=Hindenburg ca. A 500.—, Asse und Friedrichroda wurden K 300.— bezw. es 75.— billiger umgesetzt. Für Burbachverte besteht zwar fortgesetztes Interesse, aber auch hier waren Burbach K 250.—, Volkenroda A 260.—, Günthershall ö 100.—, Salzmünde und Walbeck A 50.— niedriger. Von sonstigen Werten gingen Hansa=Silberberg A 300.— billiger um. Eine Ausnahme machten Einigkeit, die etwa A 100.— höher bezahlt wurden. Kali=Aktien lagen durchweg schwächer. Bei geringen Umsätzen gingen Krügershall und Hannoversches Kali(— 3 Proz.), Wittekind=Kali (— 4 Proz.), Hallesche=Kali und Niedersachsen=Kali (— 5 Proz.) um. Adler=Kali notierten ca. 5 Proz. und Heldburg ca. 2 Proz. niedriger. Der allgemeine Aktienmarkt lag ruhig. Bei geringen Umsätzen büßten Kabelwerk Rheydt 6 Proz., Rheinisch=Westfälische Elektrizität und Deutsche Lastauto 5 Proz. ein. Uerdinger Waggon und Gebrüder Alsberg vermochten die letztwöchigen Preise zu erzielen. Der Rentenmarkt lag vernachlässigt. Handelsnachrichten. Berliner Börsenberichte vom 28. Oktober. Produktenmarkt. Das Geschäft blieb auch heute in engen Grenzen. Die Nachfrage nach Brotgetreide war nur gering. Der Mehlabsatz war weiterhin schwierig. Am Markt der Futterstoffe stand dem Angebot eine nur unbedeutende Nach, frage gegenüber. Oelsaaten waren behauptet. Devisenmarkt. Am internationalen Markt konnte sich der Pariser Franken fast behaupten, erst später trat ein neuer Kursrückgang ein. Effektenmarkt. Die anfangs schwächere Haltung konnte erst im Verlaufe der Börse durch eine festere Tendenz ersetzt werden. Die Umsatze blieben sehr gcring, da jede Belebung des Geschäftes fehlte. Der Rentenmarkt lag nicht einheitlich. Das Geschäft war sehr klein. Warenmarkt.(Mittagsbörse, Amtlich.) Getreide und Oelsaaten per 1000 Kilo, sonst per 100 Kilo in Reichsmark ab Station: Weizen Märk. 215—218 (am 27. 10.: 215—218). Roggen Märk. 145—119. Sommergerste 198—218. Wintergerste 156—164 (157—163). Hofer Märk. 166—176. Weizenmehl 26,75—30,75. Roggenmehl 21,25—23,25. Weizenkleie 11,30—11,40(11,30). Roggenkleie 8,90—9,20. Vutoriaerbsen 26—32. Kl. Speiseerbsen 25—27. Futtererbsen 20—23. Peluschken 18—19. Ackerbohnen 20—22. Wicken 22—25. Luvinen(blaue) 12—12,50. Rapskuchen 15(15,20). Leinkuchen 21,80—22. Trockenschnitzel 8,30—8,60(8,40—8,70). Sojaschrot 20,20—20,30(20,30—20,40). Torfmelasse 30=70 9,40—9,60. Kartoffelflocken 13,50—14(13,10 bis 14). Markiberichte. Dortmunder Zucht= und Faselviehmarkt. Dortmund, 28. Okt. Zum heutigen Zucht= und Faselviehmarkt wurden aufgetrieben: 502 Stück Großvieh, 96 Schweine, 6 Kälber, 2 Ziegen. Der Handel war in Großvieh langsam. Kühe kosteten 250—700 Mfl, Rinder 150—400 Al. Sämtliches zum Markt aufgetrievenes Großvieh ist gegen Maul= u. Klauenseuche geimpft worden. Die geimpften Tiere sind mit Ohrenmarkennummern versehen, die dic Bezeichnung„Magerviehhof Dortmund“ tragen. Es sind die Nrn. 52 933—52 438 verwandt worden. Am Schweinemarkt war der Handel langsam. Es wurden bezahlt für 6—8 Wochen alte Ferkel 20—26 M, für 8—10 Wochen alte Ferkel 26—43 K, für 10—12 Wochen alte Ferkel 43—60 Jl. Der nächste Markt findet am 4. November d. Is. statt. Kunst und Literatur. Hans Mühlhofer=Abend. Im Evgl. Gemeindehaus trat am 15. d. Mts. Hans Mühlhofer auf und legte Proben seiner reifen Künstlerschaft ab, die ihm wohlverdienten stürmischen Beifall eintrugen. Die fein ausgewählten älteren und neueren Dichtungen, von denen die meisten zur großen Gegenwart Beziehung hatten vermochte doch bis zum letzten Augenblick zu fesseln. Mühlhofer verfügt über eine meisterliche Beherrschung des Wortes, eine wunderbar klangreiche Stimme, einen hinreißenden Schwung des Vortrages, eine Fähigkeit den Gehalt einer Dimtung völlig auszuschöpfen und neugestaltend zu starkster Wirkung zu steigern. Die Mette von Marienburg wurde meisterhaft, mit seltener dramatischer Steigerung wiedergegeben, dem die Anwesenden erschüttert, gefesselt zuhörten. Humorvoues oder fröhlich Durchleuchtetes von Presber und Seidel bildete einen wunderbaren Ausklang des Abends. So oft Hans Mühlhofer wiederkommt, mit gleichem Jubel und gleicher Begeisterung wird er wieder ausgenommen werden. Dem D. H. V. für diesen Abend herzlichen Dank.——. — Vortrags=Vereinigung. Am morgigen Abend, 8 Uhr, liest im Evangel. Gemeindehaus Dr. Ludwig Wüllner aus klassischen Dichtungen. Da der Vortragskünstler in ceiten deutschen Gauen einen großen Erfolg hatte, wird ihm auch hier ein ausverkauftes Haus beschieden sein. Die glückliche Geburt ihres zweiten Sohnes zeigen an Otto Hans Thomas und Frau Anne, geb. Emmerich Schwerte, den 27. Oktober 1925. (z. Zt. Evang. Krankenhaus) 46 4 Hermann Bartling Franziska Bartling geb. Weißenberg Vermählte Schwerte, den 29. Oktober 1925. (Mesalngetr.) Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme beim Hinscheiden unserer teuren Mutter, sagen wir Allen aufrichtigen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Kläre Kroeger. 4607 Für die uns beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen erwiesene innige Teilnahme danken wir herzlichst. Familie Fritz Sieberg. Ergste, den 29. Oktober 1925. Reformations=Festspiele: Am Montag, den 2. November 1925, nachm. 4 Uhr(Schülervorstellung) und“ abends 8 Uhr, im Evg. Gemeindehaus Staude u. heimat Die Cragödie eines Volkes in 3 Aufzügen von Karl Schönherr. 4604 e Eintrittspreis: Abends 1 Mk., nachm " 40 Pfg. Karten sind zu haben in den “ hiesigen Buchhandlungen, anf dem Ge 1 * meindeamt, bei Küster Michel und wer* den angeboten durch Mitglieder des a Evangelischen Bereins jung. Mädchen. Vortrags=Vereinigung Freitag, den 30. Oktober 1925, abds. 8 Uhr, im ev. Gemeindehause Dr. Ludwig Wüllner Vorträge aus klass. Dichtungen. * Vortragsfolgen, die zum Eintritt berechtigen, kosten 2(für Inhaber von Grundkarten 1.4). Die Wörishofener haben sich glänzend bewährt bei: Gicht=Rheuma, Ischias, Gallensteine, Asthma, Entfettung, Blutreinigung, Magen=Verdauung, Brust=Lungen, Nieren=Blasen etc. Allein echt: Wörishofener Naturheil, Elberfeld. Bestandteile auf den Dackungen angegeben. Alleinverkauf für Schwerte: Mied.-Drogerie heppe, Schwerte(Ruhr) Frage; Statt jeder besonderen Anzeige Weinet nicht an meinem Grabe, Ihr, die ich Euch verlassen hable, Des Herren Wille muß gescheh’n, Wir werden uns einstens wiedersehn Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen heute morgen um 6 Uhr meine liebe Frau, unsere herzensgute Nlutter, Tochter, Schwester, Schwägerin, Tante und Nichte Fres-Antonte-Wiesemunn geb. Krumme im Alter von 36 Jahren, nach kurzen, schweren Leiden und andächtigem Empfang der hl. Sterbesakramente zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. In tiefer Trauer: Eisenbahnschaffner Fritz Wiesemann nebst Angehörige. Schwerte, Steinberg b. Ergste. Westhofen, Essen, Menden und Letmathe, den 27. Oktober 1925 Die Beerdigung findet am Preitag, den 30. Oktober, nachm: 4 Uhr vom Marien-Hospital aus, statt. Die Verstorbene war Mitglied des Marienvereins und des Kirchenchors. 4606 ff. Schellfisch per Pfd. 26 Pfg. ff. Bücklinge per Pfd. 42 Pfg. Adolf Kalsbach 4622 Einmachlopf. schwere Ware aus Steinzeug, von 5 50 Liter I halt vorrätig. 39 Schwerte. Achten Sie auf den Wagen Nr. 16 neben iskens Prachtschaukel, Wilhelmsplatz Nur noch bis Sonntag! Frau NORMA gelernte Kopf- u. Handlinlendeuterin. Nur im Wagen für jeden allein zu sprechen. 4618 Beranntmachung. Der Teil des Senningsweges bis zum Grundstück des Schlossermeisters W. Möller (Slur 27, Parzelle 66) wird hiermit als öffentliche Wegefläche eingezogen. Schwerte, den 26. Oktober 1925. Die Wegepolizeibehörde. 4583 PellngeTage. 29, 30., 31. Oktober, 2. November Edamerkäse, vollf. Pfd. 145 4 Weizenvollmehl Pfd. 18 (eigene Mahlung) Kaiserauszugmehl„ 23„ Feinstes Blütenmehl„ 25„ Weizenhartgries„ 30„ Haferflocken„ 24„ Hausmachernudeln„ 25„ Grober Bruchreis„ 19„ Vollreis„ 23„ Kakao, garant. rein„ 80„ Weichkochende Hülsenfrüchte Gelbe Erbsen Pfd. 18 5 Grüne Erbsen„ 19 Weisse Bohnen„ 22„ Grosse Linsen„ 29 Geschälte, gelbe Erbsen„ 32„ Feinste Molkereibutter in 1 Pfd.-Pak. Pfd. 240 Neues Sauerkraut„ 9„ Billige Waschmiltel Doppelstück-Seife(mit dem Hammer) Stück 15 Beste Transparentselfe Pfd. 35 Reine Silberseife„ 45 Salmiac-Terpentinseife Stück 30 Kristallsoda Pfd. 6 Die Sorte Jäger kut verleiten Ein' gar so manche Jägerfreiden. Jagdrecht und-Brauch pflegt Deutschlands führende jagdkynologische Seitschrift„Hegeund Jagd“. Denn Sie Interesse haben so bestellen Sie sich noch heute eine ProbeNummer gratis u. unverbindlich vom Derlag Hege und Jagd Mlünchen, Kumforöstr. 19 21. Ausführung elektr. Licht- u. Kraftanlagen durch geprüften Elektro-Meister, konzessioniert am Elektrizitätswerk Mark. Tieltr. Beleuchlungslothet in großer Auswahl. Elektr. Bügeleisen, Kocher, Waffeleisen, Staubsauger, FönApparate. Ventilatoren, Motore,Schalter Sicherungen. Sämtliche Materialien für Starkund Schwachstrom. 3983 Kadio-Apparate und sämtl. Jubehörlieferung u. Aufstellung kompl. gebrauchsfert. Anlagen. Reparaturen an Licht, Kraft, Schwachstrom u. Radioanlagen. A. 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Hierdurch geben wir bekannt, daß wir StellenAnzeigen(Angebote oder Gesuche), PensionsAnerbieten und=Gesuche usw. für das bekannte Familienblatt Säherttt zu Originalpreisen vermitteln. Das Publikum hat nur nötig, den Anzeigentext in der Geschäftsstelle der Schwerter oder in unserer Buch= und Kunsthandlung Bahnh fstraße 3 abzugeben und die Anzeigengebühren zu entrichten Die Expedition erfolgt prompt ohne Spesen für den Besteller, dem wir damit jede weitere Mühewaltung abnehmen. Die Anzeigenpreise im Daheim sind im Vergleich zur großen Auflage niedrig und betragen gegenwärtig für Stellen= Angebote 80 Pf., für die einspaltige Druck=Zeile(7 Silben), für StellenGesuche nur 60 Pf. Gesuchte und Angebotene Pensionen 1.— M. Das Daheim ist über ganz Deutschland und angrenzende Teile deutscher Zunge stark verbreitet. Sein weltbekannter, wöchentlich erscheinender Personal=Anzeiger führt Angebot und Nachfrage rasch und sicher zusammen. Wir empfehlen, die Anzeigen möglichst frühzeitig aufzugeben. 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