4 2 2 Die„Schwerter Jeitung“ erscheint wöchentlich seche mal. Bejugeprets haldmonatlich 1.20 Marke, Einzelnummer 15 Pfg. Drucke u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Ruhr), Postscheckkonten: Dortmund 2652 und Hannover 21874. Geschästssteile: Große Mardistr. 3—5. Verantwortlich für die Schriftleitung H. Linner, Schwerte. Hernruf 62. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Dolksblatt P Sar S Desthofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Inam=Amagen 12 Pig. vordergesedenen Bekriedestbrungen, hervorgerusen Spig, Gewalten, übernehmen wir heinerlei Gewähr fig Erscheinen der Jeitung und kann auch keinerlei Anspruch au Schadenersatz oder Nachlieferung erhoden werden. in:= tot Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Nr. 239(Erstes Blatt) Schwerte(Kuhr), Montag, den 12. Oktober 1925. K 58. Jahrgang. Neues in Kürze. Ungarischer Ministerbesuch. pw. Berlin, 11. Okt.(Tel.) Am 20. Oktober trifft nach einer Mitteilung der Vossischen Zeitung der Unterrichtsminister Kuno von Kebelsberg zu einem offiziellen Besuch in Berlin ein. Der Zweck seines Berliner Aufenthalts, der etwa 4 Tage dauern wird, ist die Schaffung eines Instituts, in dem die in Berlin studierenden ungarischen Studenten in allen wichtigen Fächern durch deutsche Gelehrte und Professoren ausgebildet werden sollen. Der ungarische Unterrichtsminister wird sich mit dem preußischen Kultusminister Becker in Verbindung setzen. Zur Falschmünzerangelegenheit von Rupprechtsstegen pw. München, 11. Okt.(Tel.) In der Falschmünzerangelegenheit in Rupprechtsstegen wurden, wie die Morgenblätter berichten, neuerliche Erhebungen durchgeführt, die durch die Aussage des in Plauen verhafteten ehemaligen Chauffeurs des Gutsbesitzers Danach fand Durchin in der Autogarage des Gutshofes über 1500 Stück 50=Rentenpfennigstücke, die vergraben waren, ferner in einem Nebenraum die für die Herstellung notwendigen Maschinen. Ferner wurde ermittelt, daß Falschgeld auch in den Verkehr gebracht worden war, da der Falschgeldhauptstelle bereits ein 50=Rentenpfennig=Stück, das in dieser Falschmünzerei hergestellt worden war, eingeliefert worden ist. Einschränkungen im österr. Erzbergwerkbetrieb. wlb. Graz. 11. Okt.(Tel.) In Donawitz und Schönau wurde der Bergbaubetrieb bedeutend eingeschränkt. In der kommenden Woche soll nur an zwei Tagen gearbeitet werden. Die Wiederaufnahme des vollen Betriebes ist von der Beendigung des Hüttenarbeiterstreiks in Donawitz abhängig. Arbeitsfriede bei Siemens=Halske. wtb. Wien, 11. Okt.(Tel.) Gestern wurde der Lohnkonflikt bei der Firmen Siemens u. Halske beigelegt. Am Montag wird die Arbeit wieder aufgenommen. Lohnsenflikt bei den Steyrer Wassenfabriken. wtb. Wien, 11. Okt.(Tel.) Ueber den Lohnkouflikt in den Steyrerwerken werden am Montag die Verhandlungen aufgenommen. Eine Höllenmaschine. wtb. Rom, 11. Okt.(Tel.) Auf dem Bahnhof von Görz empfingen gestern der Stationschef und sein Stellvertreter ein Paket, das beim Oeffnen explodierte. Die beiden Beamten wurden schwer verletzt. Das aus Brescia stammende Paket war eigentlich an die Station Görz=Monte Santo adressiert, deren Chef Sekretär der faszistischen Partei ist. Das Paket war irrtümlich auf dem Hauptbahnhof von Görz eingetroffen. Keine Abberufung Sarrails. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Im Ministerpräsidium wird die von einer ausländischen Zeitung heute veröffentlichte Meldung, daß die französische Regierung beschlossen habe, Sarrail abzuberufen, für unrichtig erklärt. Franz. Unterseeboote an der marokkanischen Küste. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Havas berichtet aus Casablanca, daß heute vormittag zwei Unterseeboote im Hafen von Casablanca eingetroffen seien, um die an der marokkanischen Küste kreuzenden französischen Seestreitkräfte zu verstärken. Portugiesische Luftschiffhalle eingestürzt. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Nach einer Meldung aus Oporto ist auf dem Marineflugplatz eine Luftschiffhalle aus Metall, die im Bau begriffen war, zusammengestürzt. 4 Arbeiter wurden mehr oder weniger verletzt. Belgische Kriegsgerichtsurteile. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Havas meldet aus Lüttich, daß dort der sächsische Major Haseker zum Tode verurteilt wurde und der Kavallerieoffizier Wolff zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. Womit diese in contumaciam gefällten Nacheurteile begründet werden, ist in der uns diese Nacht übermittelnden Wolffmeldung nicht gesagt. Die deutsche Handelsabordnung für Rußland. wtb. Moskau, 11. Okt.(Tel.) Heute sind die Führer der deutschen Handelsabordnung. v. Körner und Schlesinger, hier eingetroffen und wurden am Bahn“ h o f v o n d e m V e r t r e t e r d e r r u s s i s c h e n H a n d e l s a b o r d nung begrüßt. Stürmische Wahlen in Australien. wtb. Premantle, 11. Okt.(Tel.) Die Eröffnung des Wahlfeldzuges war hier von stürmischen Szenen begleitet. Die Polizei mußle einschreiten und zerstreute die Unruhestifter, nachdem es zu Zusammenstößen gekommen war. Schneefall in Newyork. Empfang der deutschen Delegierten wtb. Newyork, 10. Okt. Das Deutsch=Amerikanertum von Newyork veranstaltete gestern abend im Liederkranz=Klubhaus einen Empfang für die deutschen Delegierten zur Interparlamentarischen Union. Den Grundton der Aussprachen, die bei dem Empsang von berufenen Vertretern des Deutsch=Amerikanertums gehalten wurden, bildeten die Bekundungen innigster Verbundenheit mit der alten deutschen Heimat, das Gelöbnis, am Wiederaufbau Deutschlands tatkräftig mitzuwirken, und die Hoffnung, daß die Beschlüsse der Washingtoner Interparlamentarischen Konferenz zu einem Ausgleich der nationalen Gegensätze führen. Der Empfang stand unter den Auspizien eines Bürgerkomitees. Unter den Anwesenden befanden sich Victor Ridder, Henry Heide, Dr. Emanuel Baruch und Vertreter der Vereinigten deutschen Gesellschaften und der Steuben Society. Der am Erscheinen verhinderte Bürgermeister Hylan hatte telegraphisch dem Stolz der Stadt Ausdruck gegeben, so erlauchte Gäste zu beherbergen und herzlichste Wünsche übersandt. Die Reichstagsabgeordnete Frau Teusch überbrachte Grüße vom Rhein und schilderte die schweren Zeiten, welche Deutschland durchgemacht habe und dankte im Namen der deutschen Frauen für die amerikanischen Liebesgaben. „Wir wollen den Frieden, aber keinen weichlichen und sentimentalen Frieden der Schwäche, sondern einen. Frieden, der die Gefühle des Neids, des Hasses, der Unwahrhaftigkeit und der Lüge zurückdrängt. Wir wollen wirken für die deutsche Einheit, für das Wohl des deutschen Volkes. Den Dombau des Friedens wollen wir mitbauen helfen.“ Pfarrer Korrell wies auf die Rede Kelloggs bei dem Washingtoner Diner hin, worin er die Mitarbeit Amerikas am Aufbau Deutschlands unterstrich. Er wünschte, die Minderheiten würden überall so behandelt, wie in Amerika und gedachte des verstorbenen Präsidenten Ebert. Er erklärte: „Wir bekennen uns stolz zu Hindenburg. Wir sind der deutschen Republik zu Dank verpflichtet, weil Die der Interparlamentarischen Union. sie die deutsche Einheit rettete und festigte. Periode des Suchens nach den europaischen Schwierigkeiten und der Erörterungen hierüber sei vorbei. Nun solle die Periode der Taten beginnen. Deutschland sei bereit, an diesen Taten mitzuhelfen. Der Redner fragte:„Wo bleibt das Selbstbestimmungsrecht der Völker und wo die allgemeine Abrüstung?“— Graebe als Vertreter der deutschen Minderheiten in Polen betonte die Zusammengehörigkeit aller Deutschen.— Reichstagspräsident Löbe erklärte, das Blatt des Hasses muß umgeschlagen und das Blatt gegenseitiger Verständigung müsse aufgeschlagen werden.— Vom deutschen Generalkonsulat hatten sich Generalkonsul von Lewinsky, Konsul Hauser und Handelsattache Wulfing In der Eröffnungsansprache hatte der Präsident des Liederkranzes, William Kline, erklärt:„Wir Deutsch=Amerikaner haben die heilige Pflicht, offen in die Welt hinauszurufen, daß wir stolz sind auf unsere Ahnen, daß wir uns eins fühlen mit unseren Stammesbrüdern und mit allen Mitteln daran arbeiten wollen, dem deutschen Volke zu der Stellung unter den Nationen zu verhelfen, Grund seiner hohen Ideale, seiner Intelligenz, seines emsigen Fleißes und seiner sittlichen Kraft zukommt.— Dr. Francis Shirp bezeichnete die Delegierten als die Weltfriedensboten. Unter starkem Beifall erklärte er, die Deutsch=Amerikaner hofften, daß trotz des Sträubens von gewisser Seite in Locarno die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands beseitigt werde. Der Redner erhofft von Locarno und von der Washingtoner Konferenz die Verständigung der Völker und den Beginn einer Friedensära, welche nicht auf Rachegefühlen und Bajonetten, sondern auf der Gerechtigkeit beruhe zum besten Deutschlands und Amerikas und damit zum Segen der ganzen Welt.— Frau Rudolph Cronau, Leiterin des deutschen Hilfswerkes, betonte die unlösbaren Bande, welche Deutsch=Amerika mit Deutschland verknüpfen. Amerikanische Briefe aus wtb. Paris 10. Okt. Der Newyork Herald fährt in der Veröffentlichung der Korrespondenz des Botschafters der Vereinigten Staaten in London, Page, fort. Heute werden verschiedene Schreiben veröffentlicht, darunter eines vom 15. Juli 1915 an den Präsidenten Wilson, in dem es heißt: Die Ansicht der verantwortlichen Kreise in London sei die, daß Deutschland Amerika keine hinreichende Antwort auf die Note betreffend die Torpedierung verschiedener Schiffe gegeben habe. Man sei der Ansicht, daß Amerika, wenn es nicht eine entscheidende Aktion unternehme, bald das Vertrauen der Welt verloren habe und Deutschland allein gegenüber stehen werde. Die Vereinigten Staaten repräsentierten gegenwärtig in der Welt die demokratische Idee. Wenn sie sich nicht stark genug zeigten, würde die Autorität der demokratischen Idee kompromittiert werden. Die Amerikaner würden einen unangenehmen Rückschlag aus dieser unangenehmen Situation zu beklagen haben.— Auch in den Schreiben vom 24. Oktober und 8. September wird diese Ansicht betont. Erwähnenswert ist noch ein Schreiben vom 22. Juli 1915 an den Staatssekretär Lansing, in dem der Botschafter mitteilt, daß ein hervorragender Künstler, Sargent, Amerikaner von Geburt, der in London wohne, dem Kaiser Wilhelm eine Dekoration, die er vor einigen Jahren erhalten habe, zurückgeben müßte. Er wolle auch drei Kunstgesellschaften in Wien und München mitteilen, daß er die Ehrenmitgliedschaft dieser Gesellschaften aufgeben wolle. Sein Brief enthalte durchaus keine Kritik der deutschen Regierung und betone nur seinen Wunsch, und zwar in einer ganz objektiven Form. Page fragt an, ob er dieses Schreiben des Künstlers dem amerikanischen Botschafter in Berlin übermitteln solle, worauf Staatssekretär Lansing am 23. Juli antwortete, daß man nicht damit einverstanden sei und der Künstler Sargent die Kosten für die Depesche, die der Botschafter Page gesandt habe, sowie für das Antworttelegramm zurückerstatten müsse. Rote Kreuz=Konferenz gegen den wtb. Genf, 10. Okt. Die in der Freitagssitzung der Internationalen Rote=Kreuz=Konferenz vom Bundesrat Micheli eingebrachte und von der Konferenz angenommene Resolution über den chemischen Krieg besagt: Die Konferenz nimmt mit großer Befriedigung Kenntnis von der Tatsache, daß das Genfer Protokoll vom 17. Juni 1925 den chemischen und bakteriologischen Krieg feierlich verdammt. Sie gibt dem Wunsche Ausdruck, daß das Genfer Protokoll so bald wie möglich ratifiziert werde und daß die Staaten, die ihm noch nicht beigetreten sind, innerhalb der kürzesten Frist dies tun werden. Für den Fall, daß das Verbot des chemischen und bakteriologischen Krieges verletzt werden sollte, erachtet das Rote Kreuz es als seine Pflicht, schon in Friedenszeiten im Einvernehmen mit den zivilen und militärischen Behörden Mittel zu suchen, um das Rote=Kreuz=Personal, die Angehörigen der kriegführenden Armeen und insbesondere auch die Zivilbevölkerung gegen die Gefahren des chemischen Krieges zu schützen. Die Internationale Rote=Kreuz=Konferenz nahm einstimmig die Anträge der Kommission an, welche beauftragt ist, die Rolle des Roten Kreuzes im Falle der Anwendung des Artikels 16 des Völkerbundspaktes zu prüfen. Sie beauftragt das internationale Komitee, im Verein mit der internationalen Sachverständigenkommission die Haltung des Roten Kreuzes bei der Blockade gegen den paktbrüchigen Staat zu studieren. Sodann Versammlung die Berichte der verschiedenen RoteKreuz=Gesellschaften an. wtb. Newyork, 11. Okt.(Tel.) Im Staate Newnork fiel der erste Schnee. Der 10. Oktober war der kälteste Tag, dessen man sich erinnern kann. Die„ Flugkonserenz mußte wegen heftigen Windes av In gesagt werden. Zur Shenandoch=Katastrophe. wlb. Washingion, 11. Okt.(Tel.) Die Witwe des Kommandanten Landsdowne, des Führers des verunglückten Luftschiffes Shenandoah, hat gestern dem Marineuntersuchungsausschuß ihre Aussage wiederholt, daß das Marinedepartement aus politischen Gründen trotz des Einspruches ihres Gatten die Shenandoah zum Fluge nach den westlichen Staaten entsandt habe. Ihr Gatte habe dis, Agsicht geäußert, daß die Shenandoah ein Kriegsluftschen###i und nicht für inländische Flüge verwendet werden sollte. wtb. Breslau, 11. Okt.(Tel.) Nachdem der Ostausschuß des preußischen Landtages gestern abend beim Magistrat der Stadt Breslau zu einer Festsitzung geladen war, bei der Oberbürgermeister Dr. Wagner über die Notlage der Stadt Breslau berichtete, setzte der Ausschuß heute morgen die Reise nach Namslau fort und zwar in die Kreise Groß=Wartenberg und Militsch, wo er Berichte der Kreis= und Stadtbehörden aus den Kreisen Namslau, Groß=Wartenberg. Militsch=Trachenberg und Gurau entgegennahm, aus denen sich vor allem die großen Verkehrsnöte der nördlichen Kreise ergaben, da durch die neue Grenzziehung sowohl die Eisenbahnverbindungen als auch die Straßennetze vollständig zerstört sind. Infolge des großen Flüchtlings= und Optantenzustroms aus den abgetretenen Gebieten leiden diese nördlichen Kreise unter einer besonders großen Wohnungsnot. Des weiteren wurde auch die große Kulturnot der nördlichen Kreise beleuchtet, die fast völlig ohne Bildungseinrichtungen sind und dabei auf einem kulturell vorgeschobenen Posten stehen. Die wirischaftlichen Verhältnisse der nördlichen Kreise haben durch die neue Grenzziehung ebenfalls gelitten. Der Industrie sind dadurch höchst wertvolle Bezugsgebiete verloren gegangen. Handel und Gewerbe, die nach den abgetretenen Gebieten der Provinz Posen hinüberneigten, liegen schwer darnieder. Im namen des Provinzialausschusses richtete Fürst Hatzfeld an den Ostausschuß einige Worte, in denen er vor allem auf die Auseinandersetzung der beiden schlesischen Provinzen hinwies. Der Oberpräsident der Provinz Niederschlesien, Zimmer, betonte nach einigen Dankesworten an den Ausschuß, dieser müsse durch die Staatsregierung die Reichsregierung auf ihre Pflichten gegenüber dem deutschen Osten ausmerksam machen. Der Vorsitzende des Ostausschusses betonte in seinen Abschiedsworten, daß der Ausschuß in dieser Woche viel politisches Unrecht und viel wirtschaftliches und soziales Elend gesehen habe und bereit sei, zu helsen, wo geholfen werden müsse. Am Samstag begab sich der Ostausschuß dann nach Berlin zurück. Die Konferenz in Tocarno. Der amtliche Bericht über die Samstag=Sitzung. wtb. Locarno, 10. Okt. Ueber die heutige Vollsitzung wurde der folgende gemeinsam vereinbarte Bericht ausgegeben: E's wurden auf Grund der von den Juristen ausgearbeiteten Abänderungsvorschlägdie Artikel des Paktenawurfes in zweiter Lesung durchberaten. In einer Präambel wurde der Aufzählung der vertragschließenden Staaten der Name Italiens hinzugefügt, der in dem entwurf nicht enthalten war. Diese Hinzufügung bestätigt die Erklärungen des italienischen Delegierten hinsichtlich der Absicht Italiens, an dem Sicherheitspakt als Garant unter denselben Bedingungen sich zu beteiligen wie Großbritannien. ergab die endgültige Formulierung der Mehrzahl der Artikel des Entwurfes. Die übrigen Artikel wurden der spärteren Erörterung vorbehalten. Die nächste Zusammenkunft ist am 12. Oktober, 10,30 Uhr vormittags.. 8 Keine Nachmittags=Sitzung. wtb. Locarno, 10. Okt. Heute nachmittag fand die ursprünglich vorgesehene Vollsitzung nicht statt, da die Arbeiten bereits weiter vorgeschritten sind als vorgesehen war. Eine Konferenz auf dem Wasser. * Locarno, 11. Okt. Die Nachmittagssitzung der Vollkonferenz, die ausfiel, wurde durch eine eigenartige Zusammenkunft der deutschen, französischen und englischen Bevollmächtigten inmitten der blauen Fluten des Lago Maggiore ersetzt. Am Samstag nachmittag gegen 3 Uhr bestiegen Chamberlain mit seiner Gemahlin und seinem Rechtssachverständigen, Briand mit seinem juristischen Ratgeber eine schöne geräumige Motorjacht am Landungssteg von Locarno, wo sie einige Augenblicke die Ankunft des Reichskanzlers Dr. Luther, Dr. Stresemanns, des Ministerialdirektors Dr. Gaus und des Staatssekretärs v. Schubert abwarteten, die in ihrem Kraftwagen vorfuhren. Die Begrüßung auf dem Schiff war außerordentlich liebenswürdig. Man schüttelte einander die plauderte angeregt, bis das Schiff sich langsam in Bewegung setzte und auf den schönen, sonnigen See ausfuhr. Als Ziel der Fahrt wurde Brissago angegeben, das wahre Ziel ist aber der Artikel 16, den man nach den vergeblichen Beratungen der letzten Tage noch einmal in der Abgeschiedenheit und Abgeklärtheit einer einzig schönen Seefahrt zu ergründen suchen wird. Ohne die Bedeutung dieses Ereignisses zu übertreiben, darf man doch feststellen, daß es das erstemal ist, daß ein Teil der Konferenzverhandlungen, und zwar einer der allerwichtigsten, in so gänzlich unoffizieller gesellschaftlicher Form sich abspielt. Auch ist es überhaupt die erste Zusammenkunft außerhalb der offiziellen Konferenzsitzungen, wo sich die Führer der drei hauptsächlichsten Delegationen— England, Frankreich und Deutschland— gemeinsam mit ihren Rechtsbeiräten zusammenfinden. Durch die Tatsache, daß Frau Chamberlain die Herren begleitet, soll wohl der gesellschaftliche Charakter der Zusammenkunft noch betont werden, aber es steht natürlich außer Frage, daß die Besprechungen auf dem Lago Maggiore der Lösung eines der schwierigsten Probleme der Konferenz von Locarno gewidmet sein werden. Der Umstand, daß weder die belgische noch die italienische Delegation an dem SamstagsnachmittagsAusfug beteiligt sind, läßt natürlich auch Vermutungen aufkommen über den Inhalt der Besprechungen, der— zum Teil sicherlich außerhalb der eigentlichen Konferenzverhandlungen liegend— die abseits der Paktfrage zwischen Deutschland und Frankreich=England schwebenden Fragen betreffen dürfte. Der deutsche Standpunkt unverändert. pw. Berlin, 11. Okt. Zu den Meldungen der Agentur Havas aus Locarno, in denen die Dinge so dargestellt werden, als sei die deutsche Delegation in der Frage des Völkerbundes völlig isoliert und infolgedessen zu der Ueberzeugung gekommen, daß ihr nichts anderes übrig bleibe, als der sofortige bedingungslose Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, bemerken die Blätter, daß sich die deutsche Auffassung in bezug auf den Artikel 16 des Völkerbundsstatuts nicht geandert hat, daß also Deutschland seine Vorbehalte aufrecht erhält. Die Blätter weisen dann noch darauf hin, daß mit einer Entscheidung über die beiden Hauptfragen, Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und französische Garantie der östlichen Schiedsverträge noch nicht alle Schwierigkeiten behoben sind und der Ausgang der Konferenz noch nicht gesichert ist. Es ist für Deutschland noch eine Reihe weiterer wesentlicher Fragen vorhanden, deren Lösung unbedingt erfolgen müsse. Dazu gehören vor allem die Frage des Rheinlandregimes, die der Besatzungskosten und die der Räumung der Kölner Zone Havas über die Konferenz auf dem Motorboot. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Der Sonderberichterstatter des Havas in Locarno glaubt zu wissen, daß sich die Unterhaltung zwischen den französischen, englischen und deutschen Ministern an Bord des Motorlischen und deutschen Ministern an Bord des.... bootes„Fleurs d Orange ausschließlich auf bie Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund erstreckt habe. Man habe eine Formel ins Auge gefaßt, die wohl eine Verständigung herbeiführen dürfte. Das Problem der Garantie und der Schiedsgerichtsverträge im Osten sei gestern nachmittag noch nicht angeschnitten worden. Es werde vielmehr erst heute abend im Verlaufe einer Unterhaltung zwischen Briand, Stresemann und Skrzynski verhandelt werden. Der Sonderberichterstatter des Echo de Paris urteilt, wie übrigens alle französischen Korrespondenten, optimistisch über den Verlauf der gestrigen Nachmittagsverhandlung. Nach seiner Meinung hat Stresemann die Räumung der Kölner Zone, eine Abänderung des Besatzungsregimes und der Statute aN - Souhe ung ∆ 9 für das Saargebiet angeregt, um Deutschland entgegen zu kommen. Es scheine jetzt auch die Rede davon zu sein, dem Reiche ein oder zwei Kolonial= mandate zu gewähren. Offenbar sei auch Chamber= lain hierüber schon befragt. Heute, am Sonntag, würden Skrzynski und Benesch mit Briand verhandeln. Am Montag werde Stresemann mit Skrzynski sprechen. Das Schiedsgerichtsverfahren werde sich auf politische und juristische Konflikte erstrecken. Im ersteren Falle sei der Internationale Schiedsgerichtshof im Haag zuständig. Sein Spruch würde„coerzitiven“ Charakter haben. Im zweiten Falle sei der Völkerbund zuständig. Aber dieser hätte nur seine Ansichten kundzugeben, also keinen obligatorischen Spruch zu fällen. Eine Erklärung von Chamberlain. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Havas berichtet aus Locarno, daß Chamberlain den englischen Journalisten heute abend eine Erklärung abgegeben habe, in der er u. a. sagte, daß der Ausflug auf dem Lago Maggiore es den Delegierten ermöglicht habe, sich besser kennen zu lernen und die verschiedenen Standpunkte einander näher zu bringen. Er glaube, daß man einer Verständigung näher gekommen sei. Es bleibe jedoch noch viel zu tun übrig, bis die Konferenz beendigt werden könne. Porikische Anltschau Glückwunsch des Reichspräsidenten an Staatssekretär a. D. Dr. Kraetke. wtb. Berlin, 10. Okt.(Tel.) Der Herr Reichsprüsident hat an den früheren Staatssekretär im Reichspostamt Dr. Kraetke, der heute seinen 80. Geburtstag begeht, folgendes Telegramm gerichtet: „Euerer Exzellenz sende ich zu Ihrem 80. Geburtslage meine aufrichtigsten Glückwünsche. Dankbar gedenke ich der großen Verdienste, die Sie sich als langjähriger Leiter der Deutschen Reichspostverwaltung im Frieden wie in der Kriegszeit erworben haben. Nicht vergessen werden soll auch Ihre warmherzige Förderung unserer früheren Kolonien. Möge Ihnen noch manches Jahr in voller körperlicher und geistiger Frische beschieden sein.„. gegant gez. von Hindenburg, Keichsprasivent. Vorstandssitzung des deutschen Städtetages. wtb. Fleusburg, 10. Okt. Gestern tagte in Flenburg der Vorstand des deutschen Städtetages unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Boß(Berlin). Die Versammlung beschäftigte sich zunächst mit Fragen der städtischen Finanzverwaltung, besonders mit der Frage der Aufnahme von Anleihen durch die Städte. Dabei wurde die Notwendigkeit betont, daß auch den Gemeinden die Aufnahme von Anleihen für ihre unabweisbaren rein wirtschaftlichen Bedürfnisse unter allen Umständen weiter ermöglicht werden müsse, da die Gemeinden als Träger öffentlicher Wirtschaftsbetriebe einen integrierenden Bestandteil der öffentlichen Wirtschaft darstellten. Der Vorstand des deutschen Städtetages wandte sich ferner gegen die ungerechtfertigte Anschuldigung seitens der öffentlichen Meinung, daß die Städte und Gemeinden in ihrer Verwaltung Verschwendung trieben. Den wichtigsten Beratungspunkt bildete der Referentenentwurf des Reichsschulgesetzes, zu dem eine Entschließung angenommen wurde, die besagt: Der deutsche Städtetag hält es für seine Pflicht, vom schultechnischen und finanziellen Standpunkte aus zu beanstanden, daß in dem Entwurf die Regelung der Rechte derjenigen Elternkreise fehlt, die die Simultanschule wünschen. Die in dem Entwurf vorgesehene Errichtung von Schulen auf Antrag von nur 40 Eltern würde besonders in größeren Städten den Schulorganismus aufs schwerste schädigen können und die Bildung von Zwergschulen hervorrufen. Das Antragsrecht muß so geregelt werden, daß die Gruppierung von neu einzurichtenden Schulen nicht wesentlich hinter dem ortlich bestehenden Normaltypus zurückbleiben darf. Die Mehrkosten. die durch die Neugründung von Schulen und durch die Vermehrung der Klassenzahl oder die Einstellung von Lehrern entstehen, müssen vom Reich und von den Ländern übernommen werden. Schließlich werden Sonderbestimmungen für Förder=, Hilfs= und Begabtenklassen vermißt. Stundung der Saatgutkredite. wtb. Berlin, 10. Okt. Die von der preußischen Staatsbank(Seehandlung) gegebenen Saatgutkredite in Gesamthöhe von 40 Millionen Mark waren bis zum 15. November d. Is. zurückzuzahlen. Die Staatsbank ließ sich aber in Würdigung der Lage der Landwirte bereit finden, eine Drittelung der Rückzahlungen in der Weise eintreten zu lassen, daß ein Drittel der Kredite pünktlich bis zum 15. November zurückgezahlt, das zweite Drittel bis zum 10. Dezember und das letzte Drittel spätestens bis zum 31. Dezember erstattet wird. Der Finanzminister hat die Ermäßigung der Zinsen auf 6 Prozent für den Landwirt auch für diese Zeit übernommen. Greßzdeutscher Abend in Königsberg. Königsberg, 11. Okt.(Tel.) Die Deutsche Demokratische Partei veranstaltete heute abend Nahmen des ostpreußischen Parteitages im Tiergarten einen Großdeutschen avend wobei Vizevolizeipräsident von Berlin, Friedensburg, und der demokratische Abgeordnete Freiherr von Richthofen in Ansprachen für den Anschlußgesanken eintraten. Friedensburg wies darauf hin, daß der Weg jetz rei lei, um alle deutscher. Stchpie Herpiezigung und Staat zusammenzufassen. Die Verwittlichung dieses Zieles sei aoer nur moglich lage der Volkspolitik. Die demokratische Polit der Weimarer Versassung gab die Grundlage für eine einheitliche nationale Entwicklung. Alle hätten die Pflicht, dem großen deutschen Ziele, die Vereinigung mit unseren österreichischen Brüdern, zuzustreben. Für dieses große Ziel müsse vor allen Dingen praktische Arbeit geleistet werden: Zusammenfassung aller Deutschen diesseits und jenseits der Grenze. In unseren Herzen gebe es nur das große Vaterland, dem alle Deutschen angehören, alle die deutsche sprechen, deutsch denken und deutsch sühlen. Abgeordneter von Richthofen knüpfte an an das von Wilson begründete Selbstbestimmungsrecht der Völker an. Darin liege auch unser Verlangen begründet, daß diejenigen Deutschen die wider ihren Willen von uns getrennt und von uns ferngehalten würden, wieder zum alten Vaterland zurückkehren könnten. Durch die Schaffung des polnischen Korridors sei dem deutschen Volk ein schweres wirtschaftliches. politisches und moralisches Unrecht zugefügt worden, ohne dessen Wiedergutkein dauernder Frieden in Europa möglich sei. Um die nationalen Ziele zu verwirklichen, bedürse es im Innern der Ruhe und der Ordnung. Das Werk der Weimarer Verfassung müsse ausund vertieft werden. Richthofen gedachte ssch;“ storbenen Reichsministers Preuß, zu Dier des verst:., die Versammtung von den bessen, Oeden e Zu viel größerem Maße als bisher, so fuhr der Redner fort, müsse im deutschen Volk das Gefühl der Einigkeit und der Zusammengehörigkeit Platz greifen, und die Zerrissenheit müsse überwunden werden. Jeder einzelne Deutsche müsse aber auch von einem starken freiheitlichen Gefühl durchdrungen sein und von inniger Liebe zum Vaterlande. Wenn wir für das Vaterland arbeiten, arbeiten wir für die Menschheit, zu deren wertvollsten Gliedern das deutsche Volk immer gehören wird. Den Ausführungen beider Redner folgte lebhafter Beifall. Polnischer Terror gegen Deutsche in Oberschlesien. pw. Beuthen, 10. Okt. Die Ostdeutsche Morgenpost berichtet aus Laurahütte: Die Verwaltung der Vereinigten Laura= und Königshütte kündigte sämtlichen in den Gruben des Rybniker Reviers beschäftigten deutschen Beamten. Den Beamten wurde aber freigestellt, als Arbeiter weiter tätig zu sein. In einem weiteren Telegramm aus Laurahütte berichtet das Blatt von neuerlichem polnischen Terror gegen deutsche Optanten. Verschiedene Bürger, die die Option für Deutschland ausgeübt hätten, hätten Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, Polnisch=Oberschlesien binnen 48 Stunden zu verlassen. Falls sie der Aufforderung nicht folgten, würden sie von der Bildfläche verschwinden. Der Friedhof der Märzgefallenen. wtb. Berlin, 11. Okt.(Tel.) Das neue Portal auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Friedrichshain wurde heute unter zahlreicher Teilnahme der Bevölkerung eingeweiht. Bürgermeister Mielitz vom Bezirksamt Friedrichshain hielt die Weiherede. Unter Trommelwirbel wurde dann das Portal enthüllt. Die von Ludwig Hoffmann geschaffene Umrahmung des. Friedhofs zeigt auf beiden Pfeilern zwei sitzende Gestalten, die trauernd die Fackel senken. Danach richtete der Gauvorsitzende des Reichsbanners Schwarz= Rot=Gold herzlichen Dank an Bürgermeister Mielitz und an alle, die die Ausführung des Werkes unterstützten. Im Anschluß an die Feier fand heute nachmittag im Plenarsitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses eine Reichskonferenz des Reichsbanners statt. Ueberfall auf Frontbannerleute. wtb. Berlin, 10. Okt. In Kaulsdorf bei Berlin sind gestern abend 5 Uhr Angehörige des Frontbanns. die von einer Sitzung auf Heimwege zum Bahnhof waren, von etwa 20—25 Personen überfallen worden. Bei dem Zusammenstoß fielen mehrere Schüsse. Die Angreifer stürzten sich mit Schlagringen und Stöcken auf fünf Frontbannleute und verletzten einen der Frontbannangehörigen so schwer, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Täter entkamen. Ohm Krügers 109. Geburtstag. wtb. Amsterdam, 10. Okt. Die Blätter erschienen heute größtenteils als Paul=Krüger=Gedenkausgaben zur Erinnerung an den 100jährigen Geburtstag des ersten südafrikanischen Präsidenten ebenfalls eine Geverschiedenen holländischen Städten und von zahlreichen Verbänden wird der heutige Tag festlich begangen werden.„ 96, Wpi, Lam Tel. wtb. Amsterdam, 10. Ort. Wie dem Telegraaf aus Pretoria(Südafrika) gemeldet wird, sind dort fast alle holländischen Südafrikaner zur Feier des 100jährigen Geburtstages Paul Krügers zusammengekommen. Ihre Anzahl sei so groß, daß sie genötigt seien, auf den Sportplätzen zu kampieren. Die Festlichkeiten sollen sich nicht nur einseitig auf die Holländer beschränken, sondern auch zahlreiche Engländer, an ihrer Spitze der Generalgouverneur, werden daran teilnehmen. Die englische Presse widmet dem ersten südafrikanischen Präsiendten ebenfalls eine Gedenkausgabe. Die Festlichkeiten werden heute mit einer feierlichen Kranzniederlegung auf dem Grabe Krügers bei der alten Kirche beginnen. Den Mittelpunkt der Feierlichkeiten bildete die Enthüllung des Krügerdenkmals in Pretoria. Die englische Presse feiert Krügers staatsmannische Fähigkeiten. Der Gedenktag wurde durch kein Anzeichen alter Bitterkeit gestört. Internationaler Feuerbestattungskongreß 1926. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Für kommendes Frühjahr ist in Mailand aus Anlaß der 50. Wiederkehr des Tages. an dem dort das erste Krematorium errichtet wurde, ein internationaler Feuerbestattungskongreß geplant, dessen Vorbereitung dieser Tage aus Anlaß des in Paris abgehaltenen internationalen Städtetages, auf dem 40 Staaten vertreten waren, stattgefunden hat. Es wurde beschlossen, auch Deutschland zu dieser Konferenz einzuladen. Im Namen des Weltvereins der Feuerbestattungsvereine hat Stadtsyndikus G. Schlyter aus Helsingborg in Schweden einen Bericht über den Stand des Feuerbestattungswesens erstattet und darin besonders die Bedeutung des deutschen Feuerbestattungswesens hervorgehoben. Die Bestrebungen gehen darauf hinaus, im kommenden Jahr in Mailand dafür zu sorgen, daß der Völkerbund eine ständige offizielle FeuerDer Maroktokrieg. wtb. Paris, 11. Okt. Havas veröffentlicht ene Depesche offiziösen Ursprungs aus Fez. in der es heißt, die Lage Abd el Krims scheine jetzt sehr schwierig zu werden. Trotz seiner starken Propaganda nehme sein Prestige weiter ab. Die Bevölkerung sei durch die fortwährenden Luftbombardements durch die Flugzeuge und aus Mangel an Lebensmitteln geneigt, sich ganz von ihm zurückzuziehen. Im übrigen wird über die Lage an der Front berichtet: Im Westen entwickelt der Feind im Naume von Aidor, Ulew, Gessare und Bibane einige Tätigkeit, im mittleren Frontabschnitt behalten die französischen Abteilungen weiterhin die Oberhand über Senhabscha. Eine französische Kavallerieabteilung unternahm einen Streifzug zum Wed Nual. Eine andere Gruppe hat mit Unterstützung von Artillerie einen Gebirgszug zwischen Kulat und Kudda Sedrada in der Gegend von Bab Tasa durchstreift und Radscher Haled Cheta erreicht. Rifabteilungen, die in der Gegend von Kubda gemeldet worden sind, ziehen sich zum Dschebel Brinkel. Im Frontabschnitt des 19. Korps sollen sich jetzt die letzten Abteilungen der Tsul unterworfen haben. Auch bei den Branes und Metalsa sind weitere Unterwerfungen zu verzeichnen. Die feindlichen Ansammlungen am Wed Gis sind gestern von den Flugzeugen kräftig beschossen worden. Nach Blättermeldungen aus Fez sollen die Spanier die Stellungen bei Aschdir und namentlich im Tale des Weg Gis erweitert haben. Die spanischen Patrouillen seien bis zu den Beni Sef, 10 Kilometer südlich von Aschdir und unweit von Hamman, dem Zufluchtsort Abd el Krims, nach der Einnahme von Aschdir vorgedrungen. Amtliche Berliner anzen Jahres 1913 die tägliche Kokserzeugung tellte sich auf 57 724 To.(gegen 56 676 To. bezw. 8##### To.), die arbeitstägliche Preßkohlenherstelung auf 11 285 To.(10 889 To. bezw. 16 439 To.). bestattungskommission einrichtet, der die schon beehenden Komitees angegliedert werden sollen. Arbeiterentlassungen. wtb. Köln, 10. Okt. Wolffs Provinzialdienst meldet aus Datteln: Die Zeche Emscher Lippe hat am 1. Oktober wegen starken Absatzmangels 442 Arbeiter entlassen. Zum 15. Oktober wurde außerdem 105 Bergarbeitern gekündigt. Die Ruhrkohlenförderung. wtb. Essen, 11. Okt.(Tel.) Nach vorläufigen Berechnungen wurden in der Zeit vom 27. September bis 3. Oktober im Ruhrgebiet in sechs Arbeitstagen 1946 351 To. Kohle gefördert gegen 1945728 To. in der vorhergehenden Woche bei ebenfalls sechs Arbeitstagen. Die Kokserzeugung stellte sich in den sieben Tagen der Berichtswoche (in den Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) auf 404 065 To. gegen 396731 To. in der vorhergehenden Woche, die Preßkohlenherstellung auf 67710 To. gegen 65 336 To. bei sechs Arbeitstagen. — Die arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 27. September bis 3. Oktober im Ruhrgebiet 324 392 To. gegen 324288 To. in der Woche vorher und 379 840 To. im Durchschnitt des Fie taglir Tzeugung 0 68 377 T lung auf Glasarbeiterstreik in Niederschlesien. wtb. Penzig, 10. Okt. Als Gegenmaßnahme gegen den Streik der Glasarbeiter im Bezirk Senftenberg (Gruppe 1) erhielten im Bezirk 3(Penzig, Rauscha, Kohlfurt usw.) wie auch im Bezirk 2(Weißwasser, Rietschen) sämtliche Glasarbeiter die Kündigung. Falls es nicht noch heute zu einer Einigung kommt, tritt am Montag die Generalaussperrung in Kraft. Dadurch würden die zu diesen Bezirken gehörenden Glasfabriken an diesem Tage stillgelegt. Von dieser Maßnahme würden in allen 3 Bezirken zusammen etwa 15000 Arbeiter betroffen. Verkehrsstreik in Paris. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Ueber die Lage im Verkehrsstreik wird berichtet: Um etwaigen Zwischenfällen vorzubeugen, waren gestern in Paris und Polizeiaufgebote an den Haltestellen und Endstationen der Autobusse und Straßenbahnen postiert. Es ist jedoch kein ernster Zwischenfall zu verzeichnen. Zwölf Personen. die etwa 6000 Nummern der Humanite auf der Straße verteilten, wurden festgenommen, bald darauf jedoch wieder freigelassen. Von den insgesamt 33000 Angestellten und Arbeitern der Verkehrsgesellschaften sollen nur etwa 4000 gestreikt haben. Der Seemannsstreik in Südafrika beigelegt. wtb. Kapstadt, 11. Okt.(Tel.) Der Schiffahrtsstreik kann als beigelegt betrachtet werden. Die von den Reedern angenommenen Vereinbarungen enthalten u. a. die Bestimmung, daß die Reeder alle gerichtlichen Verfolgungen gegen die Streikenden einstellen, daß keiner der Streikenden geopfert werde und daß auch nach Ankunft der Schiffe in England keine neuen gerichtlichen Verfahren eingeleitet werden. Börsenstimmungsbild. wtb Berlin, 10. Okt. Die gestern eingetretene Befestigung der Börse hielt auch heute an. Zum Teil traten noch weitere Kursbesserungen ein. Den wesentlichen Anstoß hierzu sollen größere ausländische Käufe gegeben haben. Dies und die teilweise etwas hoffnungsvollere Beurteilung der Wirtschaftslage, wie sie bereits gestern vorherrschend war, veranlaßte die Spekulation zur Vornahme weiterer Deckungen, namentlich auf dem Montanmarkte. Im Vergleich zu den bisherigen stillen Samstagsbörsen war das Geschäft heute auf den Hauptmärkten als etwas lebhafter zu bezeichnen. Zumeist hielten sich die Kursbesserungen im Rahmen eines Prozents, erreichten bei den Montanwerten, später auch bei den Elektrizitätsaktien, auch 2 Prozent und teilweise etwas mehr. aktien, auch 2 Prozent ui Für letztere hat die Grundung der türkischen EelektroRadio=Gesellschaft stärkere Anregung, so daß von beteiligten Firmen Siemens u. Halske= und SchuckertAktien stärker beachtet wurden. Auch die Maschinenfabrik=, Metall= und Petroleum=Aktien erzielten teilweise Kurserhöhungen bis zu 2 Prozent. Ein Rückschlag der Rheinstahlaktien, der vorübergehend die Festigkeit zu beeinträchtigen schien, war bald überwunden, so daß sich die Grundstimmung trotz einiger Schwankungen und stärker nachlassendem Geschäft erhalten konnte. Ganz vernachlässigt waren Schifffahrtsaktien, für welche nur für Hamburg=Südamerika ein um 1 Prozent höherer Kurs zustande kam. Heimische Renten lagen bei belanglosen Kursveränderungen unverändert still. Für die ausländischen hielt sich für Türken und Bosnier sowie auch für Russen das Interesse, wogegen Ungarn eher etwas schwächer lagen. Der Geldmarkt zeigte weiter erleichtertes Aussehen bei unveränderten Sätzen. Von Devisen lagen Oslo und Kopenhagen schwächer. Barmat=Kuti. vdz. Berlin, 10. Okt. Die Samstagssitzung des Barmatausschusses des preußischen Landtages begann mit einem Nachruf für den verstorbenen Abgeordneten Dr. Preuß. Vorsitzender Abg. Dr. Leidig führte u. a. aus: Der Höhepunkt seines politischen Wirkens war seine Tätigkeit um die Weimarer Verfassung. Das Werk steht im Streite der Parteien, aber sein reines Wollen, Deutschland aus den Tagen der Revolution auf den Boden des Rechts wieder zurückzuführen, erkennen auch wir, seine politischen Der Vorsitzende teilt dann mit, daß der Unterausschuß mit seinen Anträgen zu dem Bericht des Abgeordneten Dr. von Waldthausen fertig sei, dagegen noch nicht mit seinen Feststellungen zur Angelegenheit Kuhmann=Caspori,(,64, brei ug. 6, Abg. Bartels(Komm.) legt brei neue Beweisanträge vor. Der Abgeordnete Heilmann soll darüber vernommen werden, ob die Gebrüder Barmat oder von diesen beauftragte Personen auf einem oder mehreren Konten Heilmanns in Hollands oder anderen Ländern außerhalb Deutschlands Geld deponiert haben. Schließlich soll das Justizministerium Auskunft darüber geben, ob es stimmt, daß die Strafverfahren gegen die Gebrüder Barmat eingestellt sind. Die Beweisaufnahme ist damit wieder eröffnet. Abg. Heilmann(Soz.) wird darauf als Zeuge vernommen. Er erklärt: Ich kann nur aussagen, daß mir darüber nichts bekannt ist. Zweckmäßig wäre, die Gebrüder Barmat darüber zu vernehmen. Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Der Vertreter des Justizministeriums gibt dann die Erklärung ab, daß das Verfahren gegen Barmat nicht eingestellt sei. persönlicher Erklärung wirft Abg. Bartels (Komm.) dem Zeugen Heilmann vor, er habe die Möglichkeit offen gelassen, daß auf seinen oder den Namen seiner Frau Konten im Auslande bestehen. Der Ausschuß vertagt sich dann auf Montag vormittag 9 Uhr. Aus Nah u. Fern. Schüsse auf einen Personenzug. wp. Duisburg, 10. Okt. Von unbekannten Tätern wurde auf einen von Düsseldorf kommenden Personenzug unweit des Grunewaldes geschossen. Von drei Schüssen verfehlten zwei das Ziel. Eine Kugel durchschlug das Fenster eines Abteils. Von den Insassen wurde niemand verletzt. Die Täter sind noch nicht festgestellt worden. Abbau beim Barmer Bankverein. wp. Koblenz, 10. Okt. Der hiesige Barmer Bankverein hat sein an der Schloßstraße gelegenes großes Gebäude der Stadt zum Kauf für 300000 Mark angeboten. Die Stadt hat ein Gebäude zur Unterbringung der Gas= und Wasserwerke, die jetzt vom Verkehr weit abliegen, nötig. Es ist aber fraglich, ob die Stadtverordneten bei der Höhe der Forderung ihre Zustimmung zu dem Ankauf geben. Aus dem Gefängnis ausgebrochen. wp. Altenkirchen, 10. Okt. In der Nacht zum Donnerstag sind aus dem hiesigen Gefängnis drei Gefangene ausgebrochen. Sie hatten sich an einem der letzten Tage. wo der Gefangenenaufseher abwesend war, ein Loch durch die Wand gebrochen und waren auf diesem Wege in die Freiheit gelangt. Sie sind bisher noch nicht wieder festgenommen worden. 40 000 Mark unterschlagen. wp. Hersseld, 11. Okt. Oberrentmeister Reddmann hat eingestanden, bei der hiesigen Kreis= und Forstkasse 40000 Mark unterschlagen zu haben. Großfeuer. wtb. Hannover, 10. Okt.(Tel.) In der Celluloid= warenfabrik von Julius Schuster in Kirchrode bei Hannover brach heute nachmittag gegen 5 Uhr ein Großfeuer aus, daß die Fabrik bis auf die Umfassungsmauern einäscherte. Die Feuerwehr von Kirchrode und acht Wehren aus Hannover bekämpften den Brand. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. Raubüberfall. wtb. Altona, 10. Okt. In einem Hause der Stiftstraße verübte heute nachmittag ein stellungsloser, verheirateter Kaufmann aus Hamburg einen Raubüberfall auf einen Geldbriefträger, indem er ihm hinterrücks mit einem Hammer auf den Kopf schlug. Der Täter flüchtete, konnte aber später festgenommen werden. Der schwerverletzte Geldbriefträger wurde ins Krankenhaus gebracht. Todesurteil. pw. Berlin, 10. Okt. Gegen die Gebrüder Appelt, die den Breslauer Polizeibeamten Jagust in dem Breslauer Vorort Nundsfeld erschlagen hatten, wurde gestern von dem Schwurgericht in Breslau das Urteil gefällt. Der eine der Täter wurde zum Tode, der andere zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Zusammenstoß zwischen Auto und Zug. wtb. Kotzenau, 10. Okt. Kurz vor dem Bahnhof Dorotheenhütte bei Primkenau fuhr ein Zug ein der Henriettenhütte gehörendes Lastauto üver den Haufen. Der Zug durchschnitt das Lastauto und schleppte es noch ungefähr 100 Meter fort. Der Chauffeur und sein Mitfahrer wurden getötet. Ermordet und im Backofen verbrannt. wtb. Brieg, 10. Okt. In Sitzmannsdorf(Kreis Ohlau) hat der Wirtschafter Martin Winkler die Witwe des Stellenbesitzers Sperlick in der Nacht zum Mittwoch ermordet und die Leiche in einem Backofen verbrannt. Winkler wurde gestern verhaftet. Er legte ein Geständnis ab. Der Grund der Tat dürfte darin zu suchen sein, daß Winkler, der ein Neffe der Sperlick ist, sich in den Besitz der Wirtschaft zu setzen suchte. Eisenbahnunfall in Luxemburg. wtb. Luxemburg, 11. Okt.(Tel.) Laut Luxembg. Ztg. fuhr ein aus 54 schwerbeladenen Wagen bestehender, von Luxemburger Personal geführter Güterzug von Groß=Hettingen nach Suftgen. Unterwegs rißz die Kuppelung eines Wagens und 7 Wagen blieben auf offener Strecke stehen, ohne daß das Zugpersonal es bemerkte. Erst in Suftgen gewahrte man das Fehlen der Wagen. Beim Heranholen der zurückgebliebenen Wagen prallten diese bei ihrer Einfahrt auf die dort befindlichen 47 Wagen mit solcher Wucht auf, daß das Personal von den Sitzen geschleudert wurde. Mehrere Personen wurden dabei leicht verletzt. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Eisenbahnunglücksfälle in Italien. wtb. Rom, 10. Okt. Infolge eines heftigen Orkanes, der in der Gegend am Jonischen Meer wütete, würde die über den Fluß Ponza führende 14 Meter lange Eisenbahnbrücke weggerissen. Eine kurze Zeit darauf, auf der Strecke Catanzaro—Reggio di Calabria, kommender Zug. bestehend aus einer Lokomotive und einem Eisenbahnwagen, stürzte infolgedessen in den Fluß. Vermißt werden fünfzehn Personen, darunter drei Eisenbahner. Zehn Personen sind verletzt. Kurz darauf stürzte eine etwa 500 Meter von der ersten Unglücksstelle entfernte Brücke über einem Bach zusammen. Eine dritte Eisenbahnbrücke wurde schließlich auf derselben Strecke zwischen den Stationen St. Caterine und Guardavalle fortgerissen. Eine Lokomotive stürzte hinab. Personen sind hierbei nicht zu Schaden gekommen. Der Untersekretär für Verkehrswesen und Vertreter der Behörden begaben sich an die Unglücksstelle, um die Wiederherstellungsarbeiten zu leiten. Der Verkehr auf der Strecke soll in einigen Tagen wieder ausgenommen werden. Trauertag in Litauer.. wtb. Memel, 10. Okt. Der gestrige Tag wurde in ganz Litauen in Erinnerung an die von fünf Jahren erfolgte Besetzung der Hauptstadt des Landes, Wilna, durch Truppen des polnischen Generals Zeligowski als Trauertag begangen. Die Zeitungen erschienen mit Trauerrändern. Nr. 239(Zweites Blatt) swerter Zeitung“ ee Von Anunster nach Locarno.“] Mein“ ugum tene Leil Den ische was age, aßte gen, leich das lebursbei ätskehr. ktro= bekertnenteilRückdie ibertiger t erchiffSüdande kursaussowie eher seiter Von Stiftloser, kaubihm chlug. mmen vurde ppelt, dem wurde das Tode, ahnhof g ein er den 0 und Der (Kreis er die ht zum Backchaftet. er Tat der ein rtschaft xembg. estehenüterzug egs risz blieben ersonal an das zurückinfahrt Wucht leudert. cht verzen Orwütete, Meter rze Zeit zi Calar Lokoinfolgehn PerLersonen 500 Meicke über hubrücke hen den gerissen. nd hierrsekretär eden beWieder= auf der nommen g wurde von fünf des LanGenerals eitungen Der diplomatische Verkehr der Staaten untereinander hat nach dem Kriege eine gewisse Aenderung erfahren. An die Stelle der Verhandlungen der Außenministerien mit den diplomatischen Vertretern der anderen Länder in dem betreffenden Staate und des Notenwechsels der Regierungen tritt in immer größerem Umfange die mündliche Verhandlung, das zwanglose Gespräch, durch die man die Umgangsweise der Staaten menschlicher und intimer zu gestalten wünst. Die Entstehung dieser „Diplomatie durch Konferenzen", ihre Bedeutung und ihre Gefahren für die Gegenwart behandelt Eduard Rosenbaum in einem Aufsatz der„Kölner Vierteljahrshefte für Soziologie". Zum erstenmal geschah es bei den Verhandlungen zu Münster und Osnabrück nach dem Dreißigjährigen Kriege, daß die beteiligten Staaten Vertreter zu einer Besprechung, einem „Kongreß", entsandten. Aber die Verhandlungen wurden in Münster nur schriftlich ohne gemeinsame Sitzungen geführt; es handelte sich also nur um einen Notenaustausch an Ort und Stelle, und ein zwangloserer Verkehr war durch das überaus strenge Zeremoniell unmöglich, das den einzelnen Diplomaten auf das genaueste ihre Haltung gegenüber den anderen vorschrieb. Auch auf weiteren Konferenzen, wie in Oliva, ja sogar noch zu Rastatt am Ende des 18. Jahrhunderts, überwog die schriftliche Form der Unterhandlungen, und erst im 19. Jahrhundert begann die„rein menschliche Annäherung“ der Diplomaten durch geselligen Verkehr, die im Wiener Kongreß einen gewissen Höhepunkt erreichte. Bei dem Kongreß von Chatillon im Februar 1814, nach Napoleons Niederlage bei Leipzig, wird als etwas Besonderes hervorgehoben, daß die Delegierten nicht nur vormittags Sitzungen hielten, sondern nachmittags zusammen mit den französischen Bevollmächtigten„in der Wohnung des einen oder anderen von ihnen in steundschaftlicher Weise zusammen speisten". Der Wiener Kongreß erhob dann die Formel der„Diplomatie durch Konferenzen“ zum herrschenden Brauch, und dies wurde durch die Tatsache nahegelegt, daß Staatenbünde nur dann rasch arbeiten können, wenn sich die leitenden Staatsmänner unter Umgehung des kanzleimäßigen Geschäftsganges zu Besprechungen vereinigen, wie sich das ja auch heute wieder erweist. Der Gedanke erhielt aber seine besondere Förderung durch die Leidenschaft des Zaren Alexander für dieses Verfahren und durch die besondere Vorliebe des englischen Außenministers Lord Castlereag für Konserenzen. Castlereagh setzte sich dafür ein, daß durch Zusammenkünfte, die regelmäßig in gewissen Abständen zwischen den Souveränen oder ihren Bevollmächtigten stattfinden sollten, Europa eine Art Verfassung gegeben würde. Ueber die Vorzüge dieser Methode schreibt er einmal:„Seit 1813 haben Alexander, Metternich, Hardenberg, Humboldt und eine Anzahl weniger bedeutsamer Männer monatelang am Lagerfeuer und am Verhandlungstisch ein gemeinsames Leben geführt, und zweifellos bildete sich zwischen ihnen ein Gemeinschaftsgefühl heraus, ein Geist des Zusammenhanges und der gegenseitigen Verpflichtung, wie er etwa Männer verbindet, die im gleichen Boote zusammen rudern oder auf derselben Schule erzogen sind.“ Tatsächlich fand der Konferenzgedanke auf dem Wiener Kongreß nur einen verhältnismäßig schwachen Ausdruck. Es kam zu einer verwirrenden Fülle von sich durchkreuzenden, widersprechenden und vor einander geheim gehaltenen Verhandlungen, bei denen die alten Methoden der Diplomatie durch die beherrschende Figur Talleyrands vertreten wurden. Die„Diplomatie durch Konferenzen“ erwies sich nicht als eine neue Form des freieren diplomatischen Verkehrs, sondern als ein wirksames Mittel, das die verbündeten Staaten gegenüber dem besiegten Staat anwandten, ganz so, wie es auch jetzt wieder nach 100 Jahren der Fall ist. Als man 1818 dem französischen Bevollmächtigten Richelien Gleichberechtigung bei den Sitzungen einräumte, da ging auch das System der Konferenzen zu Ende, das nur noch in einigen Zusammenkünften der Verbündeten zu Tropau, Laibach und Verona fortdauerte. In der Folgezeit sind dann verhältnismäßig wenige Konferenzen als Mittel diplomatischen Verkehrs abgehalten worden, so zu Paris 1856 und Berlin 1878, um die näheren Bestimmungen für die Ausführung von Friedensschlussen festzusetzen, oder um eine Minderheit zur Annahme gewisser Forderu# gen mächtiger Staatengruppen zu zwingen Auch heute sind ja die Konferenzen bisher nur als Druckmittel der Verbündeten gegen Deutschland verwendet worden, und es ist zu hoffen, daß mit der Gleichberechtigung der deutschen Vertreter nun jener„menschliche Ton“ hervortritt, den man den Konferenzen immer nachrühmt. Der Verkehr der Staaten demokratischen Charakters ist ja nicht herzlicher und intimer, sondern tälter und unbarmherziger geworden, als der zwischen den Diplomaten der alten Schule, die durch eine gewisse Gemeinschaft der Aristokratie gegenüber dem „Volk" verbunden waren. Ein Zeichen dafür ist die Verwendung von Dolmetschern bei den Verhandlungen, durch die die Intimität natürlich sehr gestört wird, während früher die Staatsmänner ganz selbstverständlich in einer Sprache, dem Französischen, verhandelten. Auch bringt die Hinzuziehung zahlreicher Sachverständiger und Spezialisten ein störendes Element in die Gespräche, und um die Anwesenheit Unberufener zu verhindern, mußten die großen „Vier", Alexander, Metternich, Hardenberg, Humboldt, zu dem Mittel greifen, einen so kleinen Verhandlungsraum zu wählen, daß sich nur gerade 4 oder 6 Personen darin aufhalten konnten. Auch die Rücksichtnahme auf die öffentliche Meinung stört den ungezwungenen Verkehr der Dipolmaten, und so stehen einem intimeren Verkehr und der menschlicheren Gestaltung der Beziehungen große Hindernisse entgegen. Zum 100. Geburtslug am 11. Oktober. Von Studienrat G. Wernecke=Dortmund. Vor hundert Jahren wurde in Zürich zum Licht geboren einer der größten deutschen Novellisten, ein großer Lyriker, ein Mensch von einprägsamer Eigenart und Bedeutung: Conrad Ferdin. Meyer. Wuchtig, massiv Rumpf und Haupt, überspielt von Lichtern feinster Geistigkeit, etwa einem jovialen ländlichen Kreisphysikus vergleichbar, so zeigt ihn das bekannteste Konterfei. Aus schweren Jugendzeiten, schweizerisch holzgehauen in aller Eckigkeit, allerhand Anlage und Erlebnis nicht immer sieghaft überwindend, tritt er in reisem Mannesalter auf den geistigen Kampfplatz, erst im deutschen Siegerjahr 1870 ganz deutschen Wesens und deutscher Bestimmung bewußt geworden. Stofflich und psychologisch umfängt und umwittert ihn die Luft der Renaissance, als müßte Lust und Inbrunst des Schaffens sich in genügender Ort= und Zeitdistanz entladen. Eine stolze Reihe festgebauter Novellen; denn zu dieser Gattung erweitert sich die kleinste, verengt sich die größte Anlage:„Jürg Jenatsch".„Der Heilige". Hochzeit des Mönches".„Die Versuchung des Pescara".„Angela Borgia“. Klar und absolut, gepreßt und rund sind Menschen und Verhältnisse hingestellt, ohne romantisches oder aufdringlich aktenhaftes Drumherum. Ihr Stil tötet jene verrufene Romanart, die nicht Geschichte noch Dichtung sein konnte. Das ist ein Hauptverdienst C. F. Meyers wenn man ihm eine formale Aufgabe und Leistung zuschieben will, daß es in der deutschen Literatur seit seinem Schaffen nicht mehr möglich sein wird, mehr oder weniger schönes Geschreibsel mit Aufputz von historischen Zahlen und Namen in irgendweichen Kostümen und Archaismen für geschichtliche Dichtung auszugeben. Unser Poet ist einer der Schöpfer des sogen. poctischen Realismus, er hat neben seinem großen Landsmann Gottfried Keller, nach Fr Th. Vischers Wort,„das Ideale in den Granitgrund der unerbittlichen Lebenswahrheit“ gesenkt. Die granitne Schwere der Irdischkeit und der Glanzhauch des Himmlischen darüberhin, das Firnelicht, das große, stille Leuchten über dem Leben—, wie heiß errungen und streng bewahrt solch volarisches Dichterwesen ist, das lehrt besser als die selbstsicher ruhende Evik die noch flutende, ebbende Gesamtstimmung der Lyrik. Da bebt noch das blühende Fleisch edel=erotischer ewiger Jugend eines wahren Dichters unter kühler Marmorglätte der Form, da glüht noch das flüssige Erz unter den kunstvoll gehärteten Zieraten aus bewußter Schöpferband. 97 Wenn auch bei großen Menschen Klassenbildung und Vergleich leicht herabsetzend wirkt, so liegt in der beliebten, frei nach Goethe—Schiller, Hebbel — Ludwig, Mozart— Beethoven gebildeten Assoziation Keller— Meyer doch mancher fruchtbare Gewinn. Freilich muß jeder selber den Vergleich ziehen, und was auch das Ergebnis sei: Natur und Kunst, Nähe und Weite, naives und sentimentales Verhalten, Intuition und Diskursivität, unbekümmerte Derbheit und mimosenhafte Feinheit, Wagen und Wägen— im tiefsten Sinne bezeichnen alle diese Worte unsaßbare, weil vom Gesamtwesen untrennbare Züge. fins Stadt und Umgebung. Schwerte, den 12. Oktober. Die Markgoldstücke gesetzliches Zahlungsmittel. In letzterer Zeit wurde vielfach die Annahme unserer früheren Goldstücke an öffentlichen Kassen verweigert. Die Reichsbahn bringt jetzt ihren Schalterstellen in Erinnerung, daß die alten Zehn= und Zwanzig=Markstücke als gesetzliches Buhlungsmittel gelten und deren Annahme nicht verweigert werden darf. Montag, 12. Oktober 1925. Versorgungsanwärter bei der Versorgung. Das Verzeichnis der Stellen, die den Versorgungsanwärtern vorbehalten sind, liegt jetzt aus den Geschäftsbereich des Reichsarbeitsministeriums vor, dem auch das Versorgungswesen unterstellt ist. Beim Reichsarbeitsministerium werden die Stellen von Pförtnern, Ministerialamtsgehilfen, Ministerialassistenten und Maschinisten mit Beamten besetzt, die sich schon bei einer nachgeordneten Behörde bewährt haben. Das Reichsversicherungsamt, das Reichsversorgungsgericht und die Reichsarbeitsverwaltung brauchen auch Kanzlei=, Registratur= und Verwaltungsassistenten sowie Oberregierungssekr:= täre, die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, Amtsgehilfen und Oberverwaltungssekretäre. Die Hauptversorgungsämter, Versorgungsämter, die Reichsarbeitslasse, Versorgungskrankenhäuser, Versorgungskuranstalten und Orthopädischen Versorgungsstellen stellen auch Maschinisten und Verwaltungsassistenten ein. Ausländische Arbeiter in der Landwirtschaft. Die für landwirtschaftliche Betriebe im Jahre 1925 erteilten Genehmigungen zur Beschäftigung ausländischer Arbeiter sind nach dem 15. Dezember 1925 ungültig.„Die landwirtschaftlichen Arbeitsgeber werden daher hiermit aufgefordert, die Anträge auf Zulussung bezw. auf Weiterbeschäftigung ausländischer Landarbeiter für das Jahr 1926 sofort, spätestens zum 1. November 1925, bei dem öffentlichen Arbeitsnachweis in Hörde, Kreishaus(nicht beim Landesarbeitsamt) auf dem dort unentgeltlich zu erhaltenden Antragsformular einzureichen. Verspätet eintreffende Anträge werden wahrscheinlich unberücksichtigt bleiben müssen. Immer noch Doppelversicherung. Die dovvelte Pflichtversicherung als Angestellter und in der Invalidenversicherung ist beseitigt. Daß sie aber trotzdem noch möglich ist, zeigt eine grundsätzliche Entscheidung des Reichs=Versicherungsamtes. Es ist dies der Fall, wenn ein Arbeitnehmer gleichzeitig in zwei Beschäftigungsverhältnissen bei verschiedenen Arbeitgebern steht, von denen das eine zur Angestelltenversicherung, das andere zur Invalidenversicherung gehört. Der Konsumverwalter eines Konsumvereins war als solcher angestelltenversicherungspflichtig. Gleichzeitig war er auch Zigarrenmacher und invalidenversicherungspflichtig. Es kommt auch nicht darauf an, daß die Doppelversicherung einem praktischen Bedürfnis entspricht. Das Gesetz bietet keine Handhabe, eine gesetzliche Versicherung durch die der Rechtsprechung aus Zweckmäßigkeitsgründen auszuschließen. Ein bemerkenswerter Lieferungsvertrag. Einen bemerkenswerten Vertrag über die Lieferung von elektrischen Glühlampen hat der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung mit einer Firma Meyer in Berlin geschlossen. Die Behörden und Anstalten erhalten auf die üblichen Verkaufslistenpreise einschließlich Leuchtmittelsteuer einen Rabatt von nicht weniger als 42 Proz. Die Dienststellen sind aber verpflichtet, ihren gesamten Bedarf nur bei der Firma zu bestellen. Die Rechnungen sind in 14 Tagen zu bezahlen. Bestellungen unter 50 Stück sollen zusammengefaßt werden. Die Markenhefte kommen wieder. Vom 12. Oktober ab werden wieder Freimarktenheftchen mit 20 Marken zu 5 Pfennig und 10 Marken zu 10 Pfennig zum Preise von 2 Reichsmark bei allen Postämtern zu haben sein. Die Heftchen bestehen aus zwei orangefarbigen Deckblättern und drei Blättern mit je 10 Freimarken, denen je ein weißes Die Burg des Glücks. Roman von F. Arnefeld. Copyrigth by Greiner& Comp., Berlin W. 30. 23. Fortsetzung.(Nachdruck verboten.) Dr. Markhof streifte Fräulein Berner mit einem mitleidigen Blick. Das ist sehr liebenswürdig von deiner Gouvernante“, sagte er dann ruhig,„ich aber werde dir erst dann einen Titel zugestehen, wenn du ihn dir durch hervorragende Eigenschaften verdient hast. Ein bloßes Wort verleiht noch keinen Vorrang in meinen Augen.“ Gräfin Wilderich, die in der Nähe im Gespräch mit ihrem ältesten Sohn, dem sechzeynjährigen Erbgrafen Balduin stand und wohl etwas von Markhofs Zurechtweisung gehört hatte, kam wie eine ängstliche Gluckhenne herbeigehimpelt. Lothar war ihr Liebling. Sie begriff nicht, was dieser Dr. Markhof, der ihr erst kürzlich auf Dreisenstein von der Prinzessin vorgestellt worden war, mit ihrem Goldjungen haben könne. „Lothar, Herzchen, was ist dir? Du siehst ja ganz erhitzt aus? Worüber hast du dich denn aufgeregt?“ Der gekränkte Knabe erzählte es. Verlegen streichelte die Gräfin seine blonden Locken, die bis auf die Schultern fielen. Obwohl sie es im stillen unerhört fand, mochte sie Achims Hofmeister in Gegenwart der ringsumstehenden und neugierig aufhorchenden Kinder doch nicht durch einen Tadel blamieren. Sie sagte also nur:„Herr Dr. Markhof ist ja nicht dein Hofmeister, Herzchen, du weißt, mein Liebling, daß du dich nicht aufregen sollst, weil es dir schadet. Bitte, Fräulein,“ wandte sie sich an die Gouvernante,„behalten Sie Lothar an Ihrer Seite und sorgen Sie dafür, daß er sich nicht erregt!“ Damit trippelte sie wieder zu ihrem älteren Sohn zurück. ier datche Gane aiste ie bunschere. cheln. Aber gleich darauf brach ein Strahl ehrlicher Freude aus seinen sonnigen Augen. Achim hatte seine Hand ergriffen und ihn mit sich fortgezogen. „Wir beide wollen auch beisammen bleiben, Herr Doktor.“ sagte der Knabe,„ich mag mit gar niemand beisammen sein, als mit Ihnen! Mit dem hochnäsigen Lothar schon gar nicht!“ Markhof erwiderte warm den Druck der kleinen Hand. „Ich danke dir. Achim. Es beweist mir, daß du fühlst, wie gut ich es mit dir meine.“ Dir soll die übliche„Prinzenerziehung“ nicht zuteil werden! gelobte er sich im stillen. Deine warme, offenherzige Seele soll allem Guten und Edlen geöffnet werden, dafür will ich meine ganze Kraft einsetzen. Ueber die Freitreppe herab kamen die übrigen Gäste unter Führung der Gräfin Ebereichen. Dr. Markhof begrüßte Amaranth und Diana. Agnes war nicht mit, sie hatte es mit vielen Bitten bei der Großmutter durchgesetzt, daheim bleiben und diese pflegen zu dürfen. Tinti schritt wie eine kleine Königin zwischen Prosper und Graf Dolling, mit denen sie abwechselnd kokettierte. Sie trug ein sehr duftige, chik gearbeitetes Kleid aus weißen Spitzeneinsätzen und rosa Chiffon. Ein schwarzer Hut mit Lafrancero= sen bildete einen wirkungsrollen Rahmen zu ihrem Haar, das durch sorgfältige Behandlung mit geheimnisvollen Haarwässern vom Weißblond in schimmerndes Goldblond überzugehen begann. Prosper bemerkte das heute zum ersten Mal. Er bemerkte auch, daß Tintis Kleid so eng war, daß sie nur kleine Schrittchen machen konnte, daß sie an verschiedenen Stellen wie eine schmiegsame Haut am Körper lag und die jungen Formen nur allzu deutlich verriet. Obgleich nur halsfrei gemacht, schimmerte doch infolge des Mangels einer dezenten Untertaille viel mehr vom Hals, Armen uad düste danch dite ich uch eschger Gelisch schickte. „Die modernste Mode bis auf die Spitze getrieben,“ hatte jemand hinter ihnen geflüstert, als die junge Reichsgräfin Titz=Obronsky ihren Staubmantel ablegte und dem Diener übergab, der die Ueberkleider der Damen zu tragen bekam. „Wie Konnte Tante Klemy sie nur so gehen lassen!" dachte Prosper, den Tintis Extravaganz doppelt peinlich berührte, als er sah, wie gierig bewundernd Kurt von Dolling sie förmlich mit den Blicken verschlang und die jungen Herren sie heute förmlich umschwärmten. Er sah sich nach Amaranth um. Diese trug dasselbe Kleid, aber es war viel dezenter und wirkte durchaus anständig, weil sie ein weiße, bis an den Hals reichendes Unterkleid dazu trug. Prosper ahnte nicht, daß auch Tinti dieses zu der Toilette gehörige Unterkleid getragen halte, als sie sich mit Amaranth und Diana zur Musterling an das Bett der Gräfin begab. Erst später, während die undern beiden schon zum Wagen gingen, war sie rasch noch einmal in ihr Zimmer geschlüpft und hatte es heimlich abgelegt. Während der ganzen Fahrt hatte es zwischen den Schwestern dann Streit gegeben, denn Amaranth erklärte, Tinti sähe aus wie eine„Theaterprinzessin“ und sie schäme sich halbtot für sie. Tinti aber zuckte mit überlegenem Lächeln die Schultern und erwiderte, daran läge ihr nichts. Gerade von den„Theaterprinzessinen“ könne man lernen, wie man den Männern gefalle. Sie nahm auch Prospers staunende Blicke für stumme Bewunderung und war zufrieden mit ihrer Erscheinung. Seit sie vier Kilo zugenommen hatte, war ihre Figur wirklich tadellos. Wahrscheinlich ärgerten sich die Damen— besonders die älteren — und das leise stirnrunzeln der Gräfin Ebereichen bei der Begrüßung vorhin war Tinti durchaus nicht entgangen. Riet den elteg Lungaer nur uer Bechecte ut de jungen Neid, weil keine von ihnen bisher gewagt hatte, die neue Mode so extrem in ihren Kreis einzuführen. Aber schließlich zog man sich doch nicht für die Damen an. Und die Herren— oh, die würdigten so etwas schon, die bewunderten nicht nur ihren Mut, sondern sie selbst! Noch nie waren sie so eifrig bestrebt gewesen, in ihre Nähe zu kommen— selbst der halbreife Junge, der Balder Wilderich. Ach, und es war so schön, bewundert zu werden! Bisher hatte sic dieses Vergnügen eigentlich noch nie genossen. Es war ganz gut, daß Prosper sich noch Zeit ließ mit der Entscheidung. Ehe sie sich für immer an ihn band, wollte sie doch noch einen vollen Zug aus dem Becher des Vergnügens tun! Während diese Gedanken durch Tintis Kopf wirbelten, spielten ihre schlanken Finger mit den Rosen, die Prosper ihr gebracht und die sie mit kokettem Lächeln sofort an ihrem Gürtel befestigt hatte. Es waren seltene und schöne Exemplare, SpeFialitäten dder Dreisensteiner Rosenzucht„Der Herzog selbst hatte sie im letzten Augenblick an das Auto gebracht und Prosper in die Hand gedrückt. „Die mußt du Tinti bringen. Es sind die ersten dieser Art und heute über Nacht aufgeblüht. Natürlich darfst du ja nicht etwa sagen, ich schicke sie ihr. Gerade, daß du sie ihr gibst, wird ihr Freude machen.“ Als Tinti jetzt mit den Blumen spielte, brich eine der schönsten dicht am Kelch ab und die blutrote Rose fiel auf den Moosboden des Waldes. Sofort stürzten sich ein paar Herren— Dolling allen voran— darauf und balgten sich förmlich um die Rose. Ein junger Graf Heider war der glückliche Erbeuter. „Darf ich sie behalten?“ fragte er mit einem feurigen Blick auf Tinti. Diese, die insgeheim alle Wonnen dieser beredten Huldigung genoß, zögerte.(Forts. folgt.) für das Saargebiet angeregt, um Deutschland entgegen zu kommen. Es scheine jetzt auch die Rede davon zu sein, dem Reiche ein oder zwei Kolonial= mandate zu gewähren. Ofsenbar sei auch Chamber= lain hierüber schon befragt. Heute, am Sonntag, würden Skrzynski und Benesch mit Briand verhandeln. Am Montag werde Stresemann mit Skrzynski sprechen. Das Schiedsgerichtsverfahren werde sich auf politische und juristische Konflikte erstrecken. Im ersteren Falle sei der Internationale Schiedsgerichtshof im Haag zuständig. Sein Spruch würde„coerzitiven“ Charakter haben. Im zweiten Falle sei der Völkerbund zuständig. Aber dieser hätte nur seine Ansichten kundzugeben, also keinen obligatorischen Spruch zu fällen. Eine Erklärung von Chamberlain. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Havas berichtet aus Locarno, daß Chamberlain den englischen Journalisten heute abend eine Erklärung abgegeben habe, in der er u. a. sagte, daß der Ausflug auf dem Lago Maggiore es den Delegierten ermöglicht habe, sich besser kennen zu lernen und die verschiedenen Standpunkte einander näher zu bringen. Er glaube, daß man einer Verständigung näher gekommen sei. Es bleibe jedoch noch viel zu tun übrig, bis die Konferenz beendigt werden könne. das Gefühl der Einigkeit und der Zusammengkeit Platz greifen, und die Zerrissenheit Glückwunsch des Reichspräsidenten an Staatssekretär a. D. Dr. Kraetke. wtb. Berlin, 10. Okt.(Tel.) Der Herr Reichsprüsident hat an den früheren Staatssekretär im Reichspostamt Dr. Kraetke, der heute seinen 80. Geburtstag begeht, folgendes Telegramm gerichtet: „Euerer Exzellenz sende ich zu Ihrem 80. Geburtslage meine aufrichtigsten Glückwünsche. Dankbar gedenke ich der großen Verdienste, die Sie sich als langjähriger Leiter der Deutschen Reichspostverwaltung im Frieden wie in der Kriegszeit erworben haben. Nicht vergessen werden soll auch Ihre warmherzige Förderung unserer früheren Kolonien. Möge Ihnen noch manches Jahr in voller körperlicher und geistiger Frische beschieden sein. gez. von Hindenburg, Reichspräsident.“ Vorstandssitzung des deutschen Städtetages. wotb. Flensburg, 10. Okt. Gestern tagte in Flensburg der Vorstand des deutschen Städtetages unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Boß(Berlin). Die Versammlung beschäftigte sich zunächst mit Fragen der städtischen Finanzverwaltung, besonders mit der Frage der Aufnahme von Anleihen durch die Städte. Dabei wurde die Notwendigkeit betont, daß auch den Gemeinden die Aufnahme von Anleihen für ihre unabweisbaren rein wirtschaftlichen Bedürfnisse unter allen Umständen weiter ermöglicht werden müsse, da die Gemeinden als Träger öffentlicher Wirtschaftsbetriebe einen integrierenden Bestandteil der öffentlichen Wirtschaft darstellten. Der Vorstand des deutschen Städtetages wandte sich ferner gegen die ungerechtfertigte Anschuldigung seitens der öffentlichen Meinung, daß die Städte und Gemeinden in ihrer Verwaltung Verschwendung trieben. Den wichtigsten Beratungspunkt bildete der Reserentenentwurf des Reichsschulgesetzes, zu dem eine Entschließung angenommen wurde, die besagt: Der deutsche Städtetag hält es für seine Pflicht, vom schultechnischen und finanziellen Standpunkte aus zu beanstanden, daß in dem Entwurf die Regelung der Rechte derjenigen Elternkreise fehlt, die die Simultanschule wünschen. Die in dem Entwurf vorgesehene Errichtung von Schulen auf Antrag von nur 40 Eltern würde besonders in größeren Städten den Schulorganismus aufs schwerste schädigen können und die Bildung von Zwergschulen hervorrufen. Das Antragsrecht muß so geregelt werden, daß die Gruppierung von neu einzurichtenden Schulen nicht wesentlich hinter dem ortlich bestehenden Normaltypus zurückbleiben darf. Die Mehrkosten. die durch die Neugründung von Schulen und durch die Vermehrung der Klassenzahl oder die Einstellung von Lehrern entstehen, müssen vom Reich und von den Ländern übernommen werden. Schließlich werden Sonderbestimmungen für Förder=, Hilfs= und Begabtenklassen vermißt. Stundung der Saatgutkredite. wtb. Berlin, 10. Okt. Die von der preußischen Staatsbank(Seehandlung) gegebenen Saatgutkredite in Gesamthöhe von 40 Millionen Mark waren bis zum 15. November d. Is. zurückzuzahlen. Die Staatsbank ließ sich aber in Würdigung der Lage der Landwirte bereit finden, eine Drittelung der Rückzahlungen in der Weise eintreten zu lassen, daß ein Drittel der Kredite pünktlich bis zum 15. November zurückgezahlt, das zweite Drittel bis zum 10. Dezember und das letzte Drittel spätestens bis zum 31. Dezember erstattet wird. Der Finanzminister hat die Ermäßigung der Zinsen auf 6 Prozent für den Landwirt auch für diese Zeit übernommen. Greßdeutscher Abend in Königsberg. wtb. Königsberg, 11. Okt.(Tel.) Die Deutsche Demokratische Partei veranstaltete heute abend im Nahmen des ostpreußischen Parteitages im Tiergarten einen Großdeutschen Abend wobei Vizepolizeipräsident von Berlin, Friedensburg, und der demokratische Abgeordnete Freiherr von Richthofen in Ansprachen für den Anschlußgedanken eintraten. Friedensburg wies darauf hin, daß der Weg jetzt frei sei, um alle deutschen Stämme zu einem Volt und Staat zusammenzufassen. Die Verwirklichung dieses Zieles sei aber nur möglich auf der Grundlage der Volkspolitik. Die demokratische Politik der Weimarer Verfassung gab die Grundlage für eine ernheitliche nationale Entwicklung. ten die Pflicht, dem großen deutschen Ziele, die Vereinigung mit unseren österreichischen Brüdern, zuzustreben. Für dieses große Ziel müsse vor allen Dingen praktische Arbeit geleistet werden: Zusammenfassung aller Deutschen diesseits und jenseits der Grenze. In unseren Herzen gebe es nur das große Vaterland, dem alle Deutschen angehören, alle die deutsche sprechen, deutsch denken und deutsch sühlen. Abgeordneter von Richthofen knüpfte an an das von Wilson begründete Selbstbestimmungsrecht der Völker an. Darin liege auch unser Verlangen begründet, daß diejenigen Deutschen die wider ihren Willen von uns getrennt und von schweres wirtschaftliches. politisches und moralisches Unrecht zugefügt worden, ohne dessen Wiedergutmachung kein dauernder Frieden in Europa möglich sei. Um die nationalen Ziele zu verwirklichen, bedürse es im Innern der Ruhe und der Ordnung. Das Werk der Weimarer Verfassung müsse ausgestaltet und vertieft werden. Richthofen gedachte hier des verstorbenen Reichsministers Preuß, zu dessen Gedenken sich die„Versammlung von den Plätzen erhob. In viel großerem maße als bisher, gehörigkeit Platz greifen, und die 31 musse überwunden werden. Jeder einzelne Deutsche müsse aber auch von einem starken freiheitlichen Gefühl durchdrungen sein und von inniger Liebe zum Vaterlande. Wenn wir für das Vaterland arbeiten, arbeiten wir für die Menschheit, zu deren wertvollsten Gliedern das deutsche Volk immer gehören wird. Den Ausführungen beider Redner folgte lebhafter Beifall. Polnischer Terror gegen Deutsche in Oberschlesien. pw. Beuthen, 10. Okt. Die Ostdeutsche Morgenpost berichtet aus Laurahütte: Die Verwaltung der Vereinigten Laura= und Königshütte kündigte sämtlichen in den Gruben des Rybniker Reviers beschäftigten deutschen Beamten. Den Beamten wurde aber freigestellt, als Arbeiter weiter tätig zu sein. In einem weiteren Telegramm aus Laurahütte berichtet das Blatt von neuerlichem polnischen Terror gegen deutsche Optanten. Verschiedene Bürger, die die Option für Deutschland ausgeübt hätten, hätten Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, Polnisch=Oberschlesien binnen 48 Stunden zu verlassen. Falls sie der Aufforderung nicht folgten, würden sie von der Bildfläche verschwinden. Der Friedhof der Märzgefallenen. wtb. Berlin, 11. Okt.(Tel.) Das neue Portal auf dem Friedhof der Märzgefallenen im Friedrichshain wurde heute unter zahlreicher Teilnahme der Bevölkerung eingeweiht. Bürgermeister Mielitz vom Bezirksamt Friedrichshain hielt die Weiherede. Unter Trommelwirbel wurde dann das Portal enthüllt. Die von Ludwig Hoffmann geschaffene Umrahmung des. Friedhofs zeigt auf beiden Pfeilern zwei sitzende Gestalten, die trauernd die Fackel senken. Danach richtete der Gauvorsitzende des Reichsbanners Schwarz= Rot=Gold herzlichen Dank an Bürgermeister Mielitz und an alle, die die Ausführung des Werkes unterstützten. Im Anschluß an die Feier fand heute nachmittag im Plenarsitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses eine Reichskonferenz des Reichsbanners statt. Ueberfall auf Frontbannerleute. wtb. Berlin, 10. Okt. In Kaulsdorf bei Berlin sind gestern abend 5 Uhr Angehörige des Frontbanns. die von einer Sitzung auf Heimwege zum Bahnhof waren, von etwa 20—25 Personen überfallen worden. Bei dem Zusammenstoß fielen mehrere Schüsse. Die Angreifer stürzten sich mit Schlagringen und Stöcken auf fünf Frontbannleute und verletzten einen der Frontbannangehörigen so schwer, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Täter entkamen. Ohm Krügers 109. Geburtstag. wtb. Amsterdam, 10. Okt. Die Blätter erschienen heute größtenteils als Paul=Krüger=Gedenkausgaben zur Erinnerung an den 100jährigen Geburtstag des ersten südafrikanischen Präsidenten ebenfalls eine Geverschiedenen holländischen Städten und von zahlreichen Verbänden wird der heutige Tag festlich begangen werden. wtb. Amsterdam, 10. Okt. Wie dem Telegraaf aus Pretoria(Südafrika) gemeldet wird, sind dort fast alle holländischen Südafrikaner zur Feier des 100jährigen Geburtstages Paul Krügers zusammengekommen. Ihre Anzahl sei so groß, daß sie genötigt seien, auf den Sportplätzen zu kampieren. Die Festlichkeiten sollen sich nicht nur einseitig auf die Holländer beschränken, sondern auch zahlreiche Engländer, an ihrer Spitze der Generalgouverneur, werden daran teilnehmen. Die englische Presse widmet dem ersten südafrikanischen Präsiendten ebenfalls eine Gedenkausgabe. Die Festlichkeiten werden heute mit einer feierlichen Kranzniederlegung auf dem Grabe Krügers bei der alten Kirche beginnen. Den Mittelpunkt der Feierlichkeiten bildete die Enthüllung des Krügerdenkmals in Pretoria. Die englische Presse feiert Krügers staatsmannische Fähigkeiten. Der Gedenktag wurde durch kein Anzeichen alter Bitterkeit gestört. Internationaler Feuerbestattungskongreß 1926. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Für kommendes Frühjahr ist in Mailand aus Anlaß der 50. Wiederkehr des Tages. an dem dort das erste Krematorium errichtet wurde, ein internationaler Feuerbestattungskongreß geplant, dessen Vorbereitung dieser Tage aus Anlaß des in Paris abgehaltenen internationalen Städtetages, auf dem 40 Staaten vertreten waren, stattgefunden hat. Es wurde beschlossen, auch Deutschland zu dieser Konferenz einzuladen. Im Namen des Weltvereins der Feuerbestattungsvereine hat Stadtsyndikus G. Schlyter aus Helsingborg in Schweden einen Bericht über den Stand des Feuerbestattungswesens erstattet und darin besonders die Bedeutung des deutschen Feuerbestattungswesens hervorgehoben. Die Bestrebungen gehen darauf hinaus, im kommenden Jahr in Mailand dafür zu sorgen, daß der Völkerbund eine ständige offizielle Feuerbestattungskommission einrichtet, der die schon bestehenden Komitees angegliedert werden sollen. Der Maroktokrieg. wtb. Paris, 11. Okt. Havas veröffentlicht ene Depesche offiziösen Ursprungs aus Fez. in der es heißt, die Lage Abd el Krims scheine jetzt sehr schwierig zu werden. Trotz seiner starken Propaganda nehme sein Prestige weiter ab. Die Bevölkerung sei durch die fortwährenden Luftbombardements durch die Flugzeuge und aus Mangel an Lebensmitteln geneigt, sich ganz von ihm zurückzuziehen. Im übrigen wird über die Lage an der Front berichtet: Im Westen entwickelt der Feind im Raume von Aidor, Ulew, Gessare und Bibane einige Tätigkeit, im mittleren Frontabschnitt behalten die französischen Abteilungen weiterhin die Oberhand über Senhabscha. Eine französische Kavallerieabteilung unternahm einen Streifzug zum Wed Nual. Eine andere Gruppe hat mit Unterstützung von Artillerie einen Gebirgszug zwischen Kulat und Kudda Sedrada in der Gegend von Bab Tasa durchstreift und Radscher Haled Cheta erreicht. Rifabteilungen, die in der Gegend von Kubda gemeldet worden sind, ziehen sich zum Dschebel Brinkel. Im Frontabschnitt des 19. Korps sollen sich jetzt die letzten Abteilungen der Tsul unterworfen haben. Auch bei den Branes und Metalsa sind weitere Unterwerfungen zu verzeichnen. Die feindlichen Ansammlungen am Wed Gis sind gestern von den Flugzeugen kräftig beschossen worden. Nach Blättermeldungen aus Fez sollen die Spanier die Stellungen bei Aschdir und namentlich im Tale des Weg Gis erweitert haben. Die spanischen Patrouillen seien bis zu den Beni Sef, 10 Kilometer südlich von Aschdir und unweit von Hamman, dem Zufluchtsort Abd el Krims, nach der Einnahme von Aschdir vorgedrungen. Amtliche Berliner Arbeiterentlassungen. wtb. Köln, 10. Okt. Wolffs Provinzialdienst meldet aus Datteln: Die Zeche Emscher Lippe hat am 1. Oktober wegen starken Absatzmangels 442 Arbeiter entlassen. Zum 15. Oktober wurde außerdem 105 Bergarbeitern gekündigt. Die Ruhrkohlenförderung. wtb. Essen, 11. Okt.(Tel.) Nach vorläufigen Berechnungen wurden in der Zeit vom 27. September bis 3. Oktober im Ruhrgebiet in sechs Arbeitstagen 1 946 351 To. Kohle gefördert gegen 1945 728 To. in der vorhergehenden Woche bei ebenfalls sechs Arbeitstagen. Die Kokserzeugung stellte sich in den sieben Tagen der Berichtswoche (in den Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet) vdz. Berlin, 10. Okt. Die Samstagssitzung des Barmatausschusses des preußischen Landtages begann mit einem Nachruf für den verstorbenen Abgeordneten Dr. Preuß. Vorsitzender Abg. Dr. Leidig führte u. a. aus: Der Höhepunkt seines politischen Wirkens war seine Tätigkeit um die Weimarer Verfassung. Das Werk steht im Streite der Parteien, aber sein reines Wollen, Deutschland aus den Tagen der Revolution auf den Boden des Rechts wieder zurückzuführen, erkennen auch wir, seine politischen Gegner, an. 4, 866 Der Vorsitzende teilt dann mit, ouß der Unterausschuß mit seinen Anträgen zu dem Bericht des Abgeordneten Dr. von Waldthausen fertig sei, dagegen noch nicht mit seinen Feststellungen zur Angelegenheit Kußmann=Caspari. Abg. Bartels(Komm.) legt drei neue Beweisanträge vor. Der Abgeordnete Heilmann soll darüber vernommen werden, ob die Gebrüder Barmat oder von diesen beauftragte Personen auf einem oder mehreren Konten Heilmanns in Hollands oder anderen Ländern außerhalb Deutschlands Geld deponiert haben. Schließlich soll das Justizministerium Auskunft darüber geben, ob es stimmt, daß die Strafverfahren gegen die Gebrüder Barmat eingestellt sind. Die Beweisaufnahme ist damit wieder eröffnet. Abg. Heilmann(Soz.) wird darauf als Zeuge vernommen. Er erklärt: Ich kann nur aussagen, daß mir darüber nichts bekannt ist. Zweckmäßig wäre, die Gebrüder Barmat darüber zu vernehmen. Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Der Vertreter des Justizministeriums gibt dann die Erklärung ab, daß das Verfahren gegen Barmat nicht eingestellt sei. In persönlicher Erklärung wirft Abg. Bartels (Komm.) dem Zeugen Heilmann vor, er habe die Möglichkeit offen gelassen, daß auf seinen oder den Namen seiner Frau Konten im Auslande bestehen. Der Ausschuß vertagt sich dann auf Montag vormittag 9 Uhr. Die arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 27. September bis 3. Oktober im Ruhrgebiet 324 392 To. gegen 324288 To. in der Woche vorher und 379840 To. im Durchschnitt des ganzen Jahres 1913, die tägliche Kokserzeugung stellte sich auf 57724 To.(gegen 56.676 To. bezw. 68377 To.), die arbeitstägliche Preßkohlenherstellung auf 11 285 To.(10 889 To. bezw. 16 439 To.). Glasarbeiterstreik in Niederschlesien. wtb. Penzig, 10. Okt. Als Gegenmaßnahme gegen den Streik der Glasarbeiter im Bezirk Senftenberg (Gruppe 1) erhielten im Bezirk 3(Penzig, Rauscha, Kohlfurt usw.) wie auch im Bezirk 2(Weißwasser, Rietschen) sämtliche Glasarbeiter die Kündigung. Falls es nicht noch heute zu einer Einigung kommt, tritt am Montag die Generalaussperrung in Kraft. Dadurch würden die zu diesen Bezirken gehörenden Glasfabriken an diesem Tage stillgelegt. Von dieser Maßnahme würden in allen 3 Bezirken zusammen etwa 15000 Arbeiter betrofsen. Verkehrsstreik in Paris. wtb. Paris, 11. Okt.(Tel.) Ueber die Lage im Verkehrsstreik wird berichtet: Um etwaigen Zwischenfällen vorzubeugen, waren gestern in Paris Militärund Polizeiaufgebote an den Haltestellen und Endstationen der Autobusse und Straßenbahnen postiert. Es ist jedoch kein ernster Zwischenfall zu verzeichnen. Zwölf Personen, die etwa 6000 Nummern der Humanite auf der Straße verteilten, wurden festgenommen, bald darauf jedoch wieder freigelassen. Von den insgesamt 33000 Angestellten und Arbeitern der Verkehrsgesellschaften sollen nur etwa 4000 gestreikt haben. Der Seemannsstreik in Südafrika beigelegt. wtb. Kapstadt, 11. Okt.(Tel.) Der Schiffahrtsstreik kann als beigelegt betrachtet werden. Die von den Reedern angenommenen Vereinbarungen enthalten u. a. die Bestimmung, daß die Reeder alle gerichtlichen Verfolgungen gegen die Streikenden einstellen, daß keiner der Streikenden geopfert werde und daß auch nach Ankunft der Schiffe in England keine neuen gerichtlichen Verfahren eingeleitet werden. Aus Nah u. Fern. Schüsse auf einen Personenzug. wp. Duisburg, 10. Okt. Von unbekannten Tätern wurde auf einen von Düsseldorf kommenden Personenzug unweit des Grunewaldes geschossen. Von drei Schüssen verfehlten zwei das Ziel. Eine Kugel durchschlug das Fenster eines Abteils. Von den Insassen wurde niemand verletzt. Die Täter sind noch nicht festgestellt worden. Abbau beim Barmer Bankverein. wp. Koblenz, 10. Okt. Der hiesige Barmer Bankverein hat sein an der Schloßstraße gelegenes großes Gebäude der Stadt zum Kauf für 300000 Mark angeboten. Die Stadt hat ein Gebäude zur Unterbringung der Gas= und Wasserwerke, die jetzt vom Verkehr weit abliegen, nötig. Es ist aber fraglich, ob die Stadtverordneten bei der Höhe der Forderung ihre Zustimmung zu dem Ankauf geben. Aus dem Gefängnis ausgebrochen. wp. Altenkirchen, 10. Okt. In der Nacht zum Donnerstag sind aus dem hiesigen Gefängnis drei Gefangene ausgebrochen. Sie hatten sich an einem der letzten Tage. wo der Gefangenenaufseher abwesend war, ein Loch durch die Wand gebrochen und waren auf diesem Wege in die Freiheit gelangt. Sie sind bisher noch nicht wieder festgenommen worden. 40 000 Mark unterschlagen. wp. Hersseld, 11. Okt. Oberrentmeister Reddmann hat eingestanden, bei der hiesigen Kreis= und Forstkasse 40 000 Mark unterschlagen zu haben. Großfeuer. wtb. Hannover, 10. Okt.(Tel.) In der Celluloid= warenfabrik von Julius Schuster in Kirchrode bei Hannover brach heute nachmittag gegen 5 Uhr ein Großfeuer aus, daß die Fabrik bis auf die Umfassungsmauern einäscherte. Die Feuerwehr von Kirchrode und acht Wehren aus Hannover bekämpften den Brand. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. Börsenstimmungsbild. wtb Berlin, 10. Okt. Die gestern eingetretene Befestigung der Börse hielt auch heute an. Zum Teil traten noch weitere Kursbesserungen ein. Den wesentlichen Anstoß hierzu sollen größere ausländische Käufe gegeben haben. Dies und die teilweise etwas hoffnungsvollere Beurteilung der Wirtschaftslage, wie sie bereits gestern vorherrschend war, veranlaßte die Spekulation zur Vornahme weiterer Deckungen, namentlich auf dem Montanmarkte. Im Vergleich zu den bisherigen stillen Samstagsbörsen war das Geschäft heute auf den Hauptmärkten als etwas lebhafter zu bezeichnen. Zumeist hielten sich die Kursbesserungen im Rahmen eines Prozents, erreichten bei den Montanwerten, später auch bei den Elektrizitätsaktien, auch 2 Prozent und teilweise etwas mehr. Für letztere hat die Gründung der türkischen EelektroRadio=Gesellschaft stärkere Anregung, so daß von beteiligten Firmen Siemens u. Halske= und SchuckertAktien stärker beachtet wurden. Auch die Maschinenfabrik=, Metall= und Petroleum=Aktien erzielten teilweise Kurserhöhungen bis zu 2 Prozent. Ein Rückschlag der Rheinstahlaktien, der vorübergehend die Festigkeit zu beeinträchtigen schien, war bald überwunden, so daß sich die Grundstimmung trotz einiger Schwankungen und stärker nachlassendem Geschäft erhalten konnte. Ganz vernachlässigt waren Schifffahrtsaktien, für welche nur für Hamburg=Südamerika ein um 1 Prozent höherer Kurs zustande kam. Heimische Renten lagen bei belanglosen Kursveränderungen unverändert still. Für die ausländischen hielt sich für Türken und Bosnier sowie auch für Russen das Interesse, wogegen Ungarn eher etwas schwächer lagen. Der Geldmarkt zeigte weiter erleichtertes Aussehen bei unveränderten Sätzen. Von Devisen lagen Oslo und Kopenhagen schwächer. Raubüberfall. wtb. Altona, 10. Okt. In einem Hause der Stiftstraße verübte heute nachmittag ein stellungsloser, verheirateter Kaufmann aus Hamburg einen Raubüberfall auf einen Geldbriefträger, indem er ihm hinterrücks mit einem Hammer auf den Kopf schlug. Der Täter flüchtete, konnte aber später festgenommen werden. Der schwerverletzte Geldbrieftrager wurde ins Krankenhaus gebracht. Todesurteil. pw. Berlin, 10. Okt. Gegen die Gebrüder Appelt, die den Breslauer Polizeibeamten Jagust in dem Breslauer Vorort Nundsfeld erschlagen hatten, wurde gestern von dem Schwurgericht in Breslau das Urteil gefällt. Der eine der Täter wurde zum Tode, der andere zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Zusammenstoß zwischen Auto und Zug. wtb. Kotzenau, 10. Okt. Kurz vor dem Bahnhof Dorotheenhutte bei Primkenau fuhr ein Zug ein der Henriettenhütte gehörendes Lastauto üver den Haufen. Der Zug durchschnitt das Lastauto und schleppte es noch ungefähr 100 Meter fort. Der Chauffeur und sein Mitfahrer wurden getötet. Ermordet und im Backofen verbrannt. wtb. Brieg, 10. Okt. In Sitzmannsdorf(Kreis Ohlau) hat der Wirtschafter Martin Winkler die Witwe des Stellenbesitzers Sperlick in der Nacht zum Mittwoch ermordet und die Leiche in einem Backofen verbrannt. Winkler wurde gestern verhaftet. Er legte ein Geständnis ab. Der Grund der Tat dürfte darin zu suchen sein, daß Winkler, der ein Neffe der Sperlick ist, sich in den Besitz der Wirtschaft zu setzen suchte. Eisenbahnunfall in Luxemburg. wtb. Luxemburg, 11. Okt.(Tel.) Laut Luxembg. Ztg. fuhr ein aus 54 schwerbeladenen Wagen bestehender, von Luxemburger Personal geführter Güterzug von Groß=Hettingen nach Suftgen. Unterwegs rißz die Kuppelung eines Wagens und 7 Wagen blieben auf offener Strecke stehen, ohne daß das Zugpersonal es bemerkte. Erst in Suftgen gewahrte man das Fehlen der Wagen. Beim Heranholen der zurückgebliebenen Wagen prallten diese bei ihrer Einfahrt auf die dort befindlichen 47 Wagen mit solcher Wucht auf, daß das Personal von den Sitzen geschleudert. wurde. Mehrere Personen wurden dabei leicht verletzt. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Eisenbahnunglücksfälle in Italien. wtb. Rom, 10. Okt. Infolge eines heftigen Orkanes, der in der Gegend am Jonischen Meer wütete, würde die über den Fluß Ponza führende 14 Meter lange Eisenbahnbrücke weggerissen. Eine kurze Zeit darauf, auf der Strecke Catanzaro—Reggio di Calabria, kommender Zug. bestehend aus einer Lokomotive und einem Eisenbahnwagen, stürzte infolgedessen in den Fluß. Vermißt werden fünfzehn Personen, darunter drei Eisenbahner. Zehn Personen sind verletzt. Kurz darauf stürzte eine etwa 500 Meter von der ersten Unglücksstelle entfernte Brücke über einem Bach zusammen. Eine dritte Eisenbahnbrücke wurde schließlich auf derselben Strecke zwischen den Stationen St. Caterine und Guardavalle fortgerissen. Eine Lokomotive stürzte hinab. Personen sind hierbei nicht zu Schaden gekommen. Der Untersekretär für Verkehrswesen und Vertreter der Behörden begaben sich an die Unglücksstelle, um die Wiederherstellungsarbeiten zu leiten. Der Verkehr auf der Strecke soll in einigen Tagen wieder ausgenommen werden. Trauertag in Litauer. wtb. Memel, 10. Okt. Der gestrige Tag wurde in ganz Litauen in Erinnerung an die von fünf Jahren erfolgte Besetzung der Hauptstadt des Landes. Wilna, durch Truppen des polnischen Generals Zeligowski als Trauertag begangen. Die Zeitungen erschienen mit Trauerrändern. Nr. 239(Zweites Blatt) Schwarter Zeitung! Von=Tltachter nach Ebrarno. Der diplomatische Verkehr der Staaten untereinander hat nach dem Kriege eine gewisse Aenderung erfahren. An die Stelle der Verhandlungen der Außenministerien mit den diplomatischen Vertretern der anderen Länder in dem betreffenden Staate und des Notenwechsels der Regierungen tritt in immer größerem Umfange die mündliche Verhandlung, das zwanglose Gespräch, durch die man die Umgangsweise der Staaten menschlicher und intimer zu gestalten wünst. Die Entstehung dieser „Diplomatie durch Konferenzen“, ihre Bedeutung und ihre Gefahren für die Gegenwart behandelt Eduard Rosenbaum in einem Aufsatz der„Kölner Vierteljahrshefte für Soziologie". Zum erstenmal geschah es bei den Verhandlungen zu Münster und Osnabrück nach dem Dreißigjährigen Kriege, daß die beteiligten Staaten Vertreter zu einer Besprechung, einem „Kongreß", entsandten. Aber die Verhandlungen wurden in Münster nur schriftlich ohne gemeinsame Sitzungen geführt; es handelte sich also nur um einen Notenaustausch an Ort und Stelle, und ein zwangloserer Verkehr war durch das überaus strenge Zeremoniell unmöglich, das den einzelnen Diplomaten auf das genaueste ihre Haltung gegenüber den anderen vorschrieb. Auch auf weiteren Konferenzen, wie in Oliva, ja sogar noch zu Rastatt am Ende des 18. Jahrhunderts, überwog die schriftliche Form der Unterhandlungen, und erst im 19. Jahrhundert begann die„rein menschliche Annäherung“ der Diplomaten durch geselligen Verkehr, die im Wiener Kongreß einen gewissen Höhepunkt erreichte. Bei dem Kongreß von Chatillon im Februar 1814, nach Napoleons Niederlage bei Leipzig, wird als etwas Besonderes hervorgehoben, daß die Delegierten nicht nur vormittags Sitzungen hielten, sondern nachmittags zusammen mit den französischen Bevollmächtigten„in der Wohnung des einen oder anderen von ihnen in steundschaftlicher Weise zusammen speisten". Der Wiener Kongreß erhob dann die Formel der„Diplomatie durch Konferenzen“ zum herrschenden Brauch, und dies wurde durch die Tatsache nahegelegt, daß Staatenbünde nur dann rasch arbeiten können, wenn sich die leitenden Staatsmänner unter Umgehung des kanzleimäßigen Geschäftsganges zu Besprechungen vereinigen, wie sich das ja auch heute wieder erweist. Der Gedanke erhielt aber seine besondere Förderung durch die Leidenschaft des Zaren Alexander für dieses Verfahren und durch die besondere Vorliebe des englischen Außenministers Lord Castlereag für Konserenzen. Castlereagh setzte sich dafür ein, daß durch Zusammenkünfte, die regelmäßig in gewissen Abständen zwischen den Souveränen oder ihren Bevollmächtigten stattfinden sollten, Europa eine Art Verfassung gegeben würde. Ueber die Vorzüge dieser Methode schreibt er einmal:„Seit 1813 haben Alexander, Metternich, Hardenberg, Humboldt und eine Anzahl weniger bedeutsamer Männer monatelang am Lagerfeuer und am Verhandlungstisch ein gemeinsames Leben geführt, und zweifellos bildete sich zwischen ihnen ein Gemeinschaftsgefühl heraus, ein Geist des Zusammenhanges und der gegenseitigen Verpflichtung, wie er etwa Männer verbindet, die im gleichen Boote zusammen rudern oder auf derselben Schule erzogen sind.“ Tatsächlich fand der Konferenzgedanke auf dem Wiener Kongreß nur einen verhältnismäßig schwachen Ausdruck. Es kam zu einer verwirrenden Fülle von sich durchkreuzenden. widersprechenden und vor einander geheim gehaltenen Verhandlungen, bei denen die alten Methoden der Diplomatie durch die beherrschende Figur Talleyrands vertreten wurden. Die„Diplomatie durch Konferenzen“ erwies sich nicht als eine neue Form des freieren diplomatischen Verkehrs, sondern als ein wirksames Mittel, das die verbündeten Staaten gegenüber dem besiegten Staat anwandten, ganz so, wie es auch jetzt wieder nach 100 Jahren der Fall ist. Als man 1818 dem französischen Bevollmächtigten Richelien Gleichberechtigung bei den Sitzungen einräumte, da ging auch das System der Konferenzen zu Ende, das nur noch in einigen Zusammenkünften der Verbünzu Tropau, Laibach und Verona dauerte. In der Folgezeit sind dann verhältnismäßig wenige Konferenzen als Mittel diplomatischen Verkehrs abgehalten worden, so zu Paris 1856 und Berlin 1878, um die näheren Bestimmungen für die Ausführung von Friedensschlussen festzusetzen, oder um eine Minderheit zur Annahme gewisser Forderun gen mächtiger Staatengruppen zu zwingen. Auch heute sind ja die Konferenzen bisher nur als Druckmittel der Verbündeten gegen Deutschland verwendet worden, und es ist zu hoffen, daß mit der Gleichberechtigung der deutschen Vertreter nun jener„menschliche Ton“ hervortritt, den man den Konferenzen immer nachrühmt. der Verkehr der Staaten demokratischen Charakters ist ja nicht herzlicher und intimer, sondern tälter und unbarmherziger geworden, als der zwischen den Diplomaten der alten Schule, die durch eine gewisse Gemeinschaft der Aristokratie gegenüber dem „Volk" verbunden waren. Ein Zeichen dafür ist die Verwendung von Dolmetschern bei den Verhandlungen, durch die die Intimität natürlich sehr gestört wird, während früher die Staatsmänner ganz selbstverständlich in einer Sprache, dem Französischen, verhandelten. Auch bringt die Hinzuziehung zahlreicher Sachverständiger und Spezialisten ein störendes Element in die Gespräche, und um die Anwesenheit Unberufener zu verhindern, mußten die großen „Vier", Alexander, Metternich, Hardenberg, Humboldt, zu dem Mittel greifen, einen so kleinen Verhandlungsraum zu wählen, daß sich nur gerade 4 oder 6 Personen darin aufhalten konnten. Auch die Rücksichtnahme auf die öffentliche Meinung stört den ungezwungenen Verkehr der Dipolmaten, und so stehen einem intimeren Verkehr und der menschlicheren Gestaltung der Beziehungen große Hindernisse entgegen. Zum 100. Geburtstag am 11. Oktober. Von Studienrat G. Wernecke=Dortmund. Vor hundert Jahren wurde in Zürich zum Licht geboren einer der größten deutschen Novellisten, ein großer Lyriker, ein Mensch von einprägsamer Eigenart und Bedeutung: Conrad Ferdin. Meyer. Wuchtig, massiv Rumpf und Haupt, überspielt von Lichtern feinster Geistigkeit, etwa einem jovialen ländlichen Kreisphysikus vergleichbar, so zeigt ihn das bekannteste Kontersei. Aus schweren Jugendzeiten, schweizerisch holzgehauen in aller Eckigkeit, allerhand Anlage und Erlebnis nicht immer sieghaft überwindend, tritt er in reifem Mannesalter auf den geistigen Kampfplatz, erst im deutschen Siegerjahr 1870 ganz deutschen Wesens und deutscher Bestimmung bewußt geworden. Stofflich und psychologisch umfängt und umwittert ihn die Luft der Renaissance, als müßte Lust und Inbrunst des Schaffens sich in genügender Ort= und Zeitdistanz entladen. Eine stolze Reihe festgebauter Novellen; denn zu dieser Gattung erweitert sich die kleinste, verengt sich die größte Anlage:„Jürg Jenatsch".„Der Heilige", „Die Hochzeit des Mönches",„Die Versuchung des Pescara".„Angela Borgia“. Klar und absolut, gepreßt und rund sind Menschen und Verhältnisse hingestellt, ohne romantisches oder aufdringlich aktenhaftes Drumherum. Ihr Stil tötet jene verrufene Romanart, die nicht Geschichte noch Dichtung sein konnte. Das ist ein Hauptverdienst C. F. Meyers wenn man ihm eine formale Aufgabe und Leistung zuschieben will, daß es in der deutschen Literatur seit seinem Schaffen nicht mehr möglich sein wird, mehr oder weniger schönes Geschreibsel mit Aufputz von historischen Zahlen und Namen in irgendweichen Kostümen und Archaismen für geschichtliche Dichtung auszugeben. Unser Poet ist einer der Schöpfer des sogen. poctischen Realismus, er hat neben seinem großen Landsmann Gottfried Keller, nach Fr Th. Vischers Wort,„das Ideale in den Granitgrund der unerbittlichen Lebenswahrheit“ gesenkt. Die granitne Schwere der Irdischkeit und der Glanzhauch des Himmlischen darüberhin, das Firnelicht, das große, stille Leuchten über dem Leben—, wie heiß errungen und streng bewahrt solch polarisches Dichterwesen ist, das lehrt besser als die selbstsicher ruhende Evik die noch flutende, ebbende Gesamtstimmung der Lyrik. Da bebt noch das blühende Fleisch edel=erotischer ewiger Jugend eines wahren Dichters unter kühler Marmorglätte der Form, da glüht noch das flüssige Erz unter den kunstvoll gehärteten Zieraten aus bewußter Schöpferband. 4n 6 Wenn auch bei großen Menschen Klassenbildung und Vergleich leicht herabsetzend wirkt, so liegt in der beliebten, frei nach Goethe—Schiller, Hebbel — Ludwig, Mozart— Beethoven gebildeten Assoziation Keller— Meyer doch mancher fruchtbare Gewinn. Freilich muß jeder selber den Vergleich ziehen, und was auch das Ergebnis sei: Natur und Kunst, Nähe und Weite, naives und sentimentales Verhalten, Intuition und Diskursivität, unbekümmerte Derbheit und mimosenhafte Feinheit, Wagen und Wägen— im tiefsten Sinne bezeichnen alle diese Worte unsaßbare, weil vom Gesamtwesen untrennbare Züge. Roman von F. Arnefeld. Copyrigth by Greiner& Comp., Berlin W. 30. 23. Fortsetzung.(Nachdruck verboten.) Dr. Markhof streifte Fräulein Berner mit einem mitleidigen Blick. Das ist sehr liebenswürdig von deiner Gouvernante“, sagte er dann ruhig,„ich aber werde dir erst dann einen Titel zugestehen, wenn du ihn dir durch hervorragende Eigenschaften verdient hast. Ein bloßes Wort verleiht noch keinen Vorrang in meinen Augen.“ Gräfin Wilderich, die in der Nähe im Gespräch mit ihrem ältesten Sohn, dem sechzeynjährigen Erbgrafen Balduin stand und wohl etwas von Markhofs Zurechtweisung gehört hatte, kam wie eine ängstliche Gluckhenne herbeigehimpelt. Lothar war ihr Liebling. Sie begriff nicht, was dieser Dr. Markhof, der ihr erst kürzlich auf Dreisenstein von der Prinzessin vorgestellt worden war, mit ihrem Goldjungen haben könne. „Lothar, Herzchen, was ist dir? Du siehst ja ganz erhitzt aus? Worüber hast du dich denn aufgeregt?“ Der gekränkte Knabe erzählte es. Verlegen streichelte die Gräfin seine blonden Locken, die bis auf die Schultern fielen. Obwohl sie es im stillen unerhört fand, mochte sie Achims Hofmeister in Gegenwart der ringsumstehenden und neugierig aufhorchenden Kinder doch nicht durch einen Tadel blamieren. Sie sagte also nur:„Herr Dr. Markhof ist ja nicht dein Hofmeister, Herzchen. du weißt, mein Liebling, daß du dich nicht aufregen sollst, weil es dir schadet. Bitte, Fräulein,“ wandte sie sich an die Gouvernante,„behalten Sie Lothar an Ihrer Seite und sorgen Sie dafür, daß er sich nicht erregt!“ Damit trippelte sie wieder zu ihrem älteren Sohn zurück. ns Stadt und Umgebung. Schwerte, den 12. Oktober. : Die Markgoldstücke gesetzliches Zahlungsmittel. In letzterer Zeit wurde vielfach die Annahme unserer früheren Goldstücke an öffentlichen Kassen verweigert. Die Reichsbahn bringt jetzt ihren Schalterstellen in Erinnerung, daß die alten Zehn= und Zwanzig=Markstücke als gesetzliches Bahrungsmittel gelten und deren Annahme nicht verweigert werden darf. Montag, 12. Oktober 1925. Versorgungsanwärter bei der Versorgung. Das Verzeichnis der Stellen, die den Versorgungsanwärtern vorbehalten sind, liegt jetzt aus dem Geschäftsbereich des Reichsarbeitsministeriums vor, dem auch dus Versorgungswesen unterstellt ist. Beim Reichsarbeitsministerium werden die Stellen von Pförtnern, Ministerialamtsgehilfen, Ministerialassistenten und Maschinisten mit Beamten besetzt, die sich schon bei einer nachgeordneten Behörde bewährt haben. Das Reichsversicherungsamt, das Reichsversorgungsgericht und die Reichsarbeitsverwaltung brauchen auch Kanzlei=, Registratur= und Verwaltungsassistenten sowie Oberregierungssek: täre, die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, Amtsgehilfen und Oberverwaltungssekretäre. Die Hauptversorgungsämter, Versorgungsämter, die Reichsarbeitslasse, Versorgungskrankenhäuser, Versorgungskuranstalten und Orthopädischen Versorgungsstellen stellen auch Maschinisten und Verwaltungsassistenten ein. : Ausländische Arbeiter in der Landwirtschaft. Die für landwirtschaftliche Betriebe im Jahre 1925 erteilten Genehmigungen zur Beschäftigung ausländischer Arbeiter sind nach dem 15. Dezember 1925 ungültig. Die landwirtschaftlichen Arbeitsgeber werden daher hiermit aufgefordert, die Anträge auf Zulussung bezw. auf Weiterbeschäftigung ausländischer Landarbeiter für das Jahr 1926 sofort, spätestens zum 1. November 1925, bei dem öffentlichen Arbeitsnachweis in Hörde, Kreishaus(nicht beim Landesarbeitsamt) auf dem dort unentgeltlich zu erhaltenden Antragsformular einzureichen. Verspätet eintreffende Anträge werden wahrscheinlich unberücksichtigt bleiben müssen. : I m m e r n o c h D o p p e l v e r s i c h e r u n g. D i e d o p velte Pflichtversicherung als Angestellter und in der Invalidenversicherung ist beseitigt. Daß sie aber trotzdem noch möglich ist, zeigt eine grundsätzliche Entscheidung des Reichs=Versicherungsamtes. Es ist dies der Fall, wenn ein Arbeitnehmer gleichzeitig in zwei Beschäftigungsverhältnissen bei verschiedenen Arbeitgebern steht, von denen das eine zur Angestelltenversicherung, das andere zur Invalidenversicherung gehört. Der Konsumverwalter eines Konsumvereins war als solcher angestelltenversicherungspflichtig. Gleichzeitig war er auch Zigarrenmacher und invalidenversicherungspflichtig. Es kommt auch nicht darauf an, daß die Doppelversicherung einem praktischen Bedürfnis entspricht. Das Gesetz bietet keine Handhabe, eine gesetzliche Versicherung durch die der Rechtsprechung aus Zweckmäßigkeitsgründen auszuschließen. : Ein bemerkenswerter Lieferungsvertrag. Einen bemerkenswerten Vertrag über die Lieferung von elektrischen Glühlampen hat der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung mit einer Firma Meyer in Berlin geschlossen. Die Behörden und Anstalten erhalten auf die üblichen Verkaufslistenpreise einschließlich Leuchtmittelsteuer einen Rabatt von nicht weniger als 42 Proz. Die Dienststellen sind aber verpflichtet, ihren gesamten Bedarf nur bei der Firma zu bestellen. Die Rechnungen sind in 14 Tagen zu bezahlen. Bestellungen unter 50 Stück sollen zusammengefaßt werden. Die Markenhefte kommen wieder. Vom 12. Oktober ab werden wieder Freimarktenheftchen mit 20 Marken zu 5 Pfennig und 10 Marken zu 10 Pfennig zum Preise von 2 Reichsmark bei allen Postämtern zu haben sein. Die Heftchen bestehen aus zwei orangefarbigen Deckblättern und drei Blättern mit je 10 Freimarken, denen je ein weißes Um Markhofs Lippen zuckte ein ironisches Lächeln. Aber gleich darauf brach ein Strahl ehrlicher Freude aus seinen sonnigen Augen. Achim hatte seine Hand ergriffen und ihn mit sich sortgezogen. „Wir beide wollen auch beisammen bleiben, Herr Doktor.“ sagte der Knabe,„ich mag mit gar niemand beisammen sein, als mit Ihnen! Mit dem hochnäsigen Lothar schon gar nicht!“ Markhof erwiderte warm den Druck der kleinen Hand. „Ich danke dir, Achim. Es beweist mir, daß du fühlst, wie gut ich es mit dir meine.“ Dir soll die übliche„Prinzenerziehung“ nicht zuteil werden! gelobte er sich im stillen. Deine warme, offenherzige Seele soll allem Guten und Edlen geöffnet werden, dafür will ich meine ganze Kraft einsetzen. Ueber die Freitreppe herab kumen die übrigen Gäste unter Führung der Gräfin Ebereichen. Dr. Markhof begrüßte Amaranth und Diana. Agnes war nicht mit, sie hatte es mit vielen Bitten bei der Großmutter durchgesetzt, daheim bleiben und diese pflegen zu dürfen. Tinti schritt wie eine kleine Königin zwischen Prosper und Gruf Dolling, mit denen sie abwechselnd kokettierte. Sie trug ein sehr duftige, chik gearbeitetes Kleid aus weißen Spitzeneinsätzen und rosa Chiffon. Ein schwarzer Hut mit Lafrancero= sen bildete einen wirkungsrollen Rahmen zu ihrem Haar, das durch sorgfältige Behandlung mit geheimnisvollen Haarwässern vom Weißblond in schimmerndes Goldblond überzugehen begann. Prosper bemerkte das heute zum ersten Mal. Er bemerkte auch, daß Tintis Kleid so eng war, daß sie nur kleine Schrittchen machen konnte, daß sie an verschiedenen Stellen wie eine schmiegsame Haut am Körper lag und die jungen Formen nur allzu deutlich verriet. Obgleich nur halsfrei gemacht, schimmerte doch infolge des Mangels einer dezenten Untertaille viel mehr vom Hals, Armen und Büste durch, als sich nach Prospers Gefühl schickte. „Die modernste Mode bis auf die Spitze getrieben,“ hatte jemand hinter ihnen geflüstert, als die junge Reichsgräfin Titz=Obronsky ihren Staubmantel ablegte und dem Diener übergab, der die Ueberkleider der Damen zu tragen bekam. „Wie Konnte Tante Klemy sie nur so gehen lassen!" dachte Prosper, den Tintis Extravaganz doppelt peinlich berührte, als er sah, wie gierig bewundernd Kurt von Dolling sie förmlich mit den Blicken verschlang und die jungen Herren sie heute förmlich umschwärmten. Er sah sich nach Amaranth um. Diese trug dasselbe Kleid, aber es war viel dezenter und wirkte durchaus anständig, weil sie ein weiße, bis an den Hals reichendes Unterkleid dazu trug. Prosper ahnte nicht, daß auch Tinti dieses zu der Toilette gehörige Unterkleid getragen hatte, als sie sich mit Amaranth und Diana zur Musterling an das Bett der Gräfin begab. Erst später, während die undern beiden schon zum Wagen gingen, war sie rasch noch einmal in ihr Zimmer geschlüpft und hatte es heimlich abgelegt. Während der ganzen Fahrt hatte es zwischen den Schwestern dann Streit gegeben, denn Amaranth erklärte, Tinti sähe aus wie eine„Theaterprinzessin" und sie schäme sich halbtot für sie. Tinti aber zuckte mit überlegenem Lächeln die Schultern und erwiderte, daran läge ihr nichte. Gerade von den„Theaterprinzessinen“ könne man lernen, wie man den Männern gefalle. Sie nahm auch Prospers staunende Blicke für stumme Bewunderung und war zufrieden mit ihrer Erscheinung. Seit sie vier Kilo zugenommen hatte, war ihre Figur wirklich tadellos. Wahrscheinlich ärgerten sich die Damen— besonders die älteren — und das leise stirnrunzeln der Gräfin Ebereichen bei der Begrüßung vorhin war Tinti durchaus nicht entgangen. Bei den alten Damen war es Prüderie, bei den jungen Neid, weil keine von ihnen bisher gewagt hatte, die neue Mode so extrem in ihren Kreis einzuführen. Aber schließlich zog man sich doch nicht für die Damen an. Und die Herren— oh. die würdigten so etwas schon, die bewunderten nicht nur ihren Mut, sondern sie selbst! Noch nie waren sie so eifrig bestrebt gewesen, in ihre Nähe zu kommen— selbst der halbreife Junge, der Balder Wilderich. Ach, und es war so schön, bewundert zu werden! Bisher hatte sic dieses Vergnügen eigentlich noch nie genossen. Es war ganz gut, daß Prosper sich noch Zeit ließ mit der Entscheidung. Ehe sie sich für immer an ihn band, wollte sie doch noch einen vollen Zug aus dem Becher des Vergnügens tun! Während diese Gedanken durch Tintis Kopf wirbelten, spielten ihre schlanken Finger mit den Rosen, die Prosper ihr gebracht und die sie mit kokettem Lächeln sofort an ihrem Gürtel befestigt hatte. Es waren seltene und schöne Exemplare, SpeFialitäten der Dreisensteiner Rosenzuchtt„Der Herzog selbst hatte sie im letzten Augenblick an das Auto gebracht und Prosper in die Hand gedrückt. „Die mußt du Tinti bringen. Es sind die ersten dieser Art und heute über Nacht aufgeblüht. Natürlich darfst du ja nicht etwa sagen, ich schicke sie ihr. Gerade, daß du sie ihr gibst, wird ihr Freude machen.“ Als Tinti jetzt mit den Blumen spielte, brich eine der schönsten dicht am Kelch ab und die blutrote Rose fiel auf den Moosboden des Waldes. Sofort stürzten sich ein paar Herren— Dolling allen voran— darauf und balgten sich förmlich um die Rose. Ein junger Graf Heider war der glückliche Erbeuter. „Darf ich sie behalten?“ fragte er mit einem feurigen Blick auf Tinti. Diese, die insgeheim alle Wonnen dieser beredten Huldigung genoß, zögerte.(Forts. folgt.) Schußblatt vorgelegt ist. Eine Seite jedes Schutzblattes und die Deckblätter tragen Reklamezeichen mit Ausnahme der rechten Hälfte der Seite, die die amtl. Angaben über Inhalt, Preis etc. enthält. : Protestversammlung des Westfäl. Prov.= Lehrervereins gegen das Reichsschulgesetz. Der Westf. Prov.=Lehrerverein hatte alle Lehrer und Lehrerinnen des Industriegebietes zu einer Protestversammlung auf Sonnabend, den 10. Oktober, zum„Kölnischen Hof“ in Dortmund zusammengerusen. Die Versammlung, die um 4 Uhr beginnen sollte, war so stark besucht, daß gegen ½24 Uhr schon der große Saal wegen Ueberfüllung geschlossen werden mußte. Der Vorstand sah sich gezwungen, eine Parallelversammlung im Saale des Wirtes Merkert, Ostenhellweg, abzuhalten. Der 1. Vors. des Dortmunder Lehrervereins, Herr Rektor Albrecht Brinkmann, wies in seinen einleitenden Worten auf die Bedeutung der Versammlung hin, die durch den Massenbesuch— der„Kölnische Hof“ faßte allein über 1500 Besucher— genügend gewürdigt würde. Herr Magistratsschulrat Wilh. Tittel=Dortmund, der 1. Vors. des Westfäl. Lehrervereins, führte dann in einem fast zweistündigen Vortrage in meisterhafter Weise jedem die Gefahren vor Augen, die ein Reichsschulgesetz, wie es jetzt vorgesehen ist, mit sich bringt. Der Redner riß seine Zuhörer durch seine tiefdurchdachten Ausführungen so mit, daß man während des ganzen Vortrages, der nur manchmal von brausendem Beifall unterbrochen wurde, die altbekannte„Stecknadel zu Boden fallen hören konnte“. Folgende Entschließung wurde dann von sämtlichen Teilnehmern einstimmig angenommen: „Die am 10. Oktober 1925 im„Kölnischen Hof“ zu Dortmund versammelten 1500 Lehrer und Lehrerinnen des westsälischen Industriebezirks erheben einmütig und einstimmig den schärfsten Einspruch gegen den vom Reichsministerium des Innern erarbeiteten Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung des Artikels 146 Absatz 2 der Reichsverfassung und über die Erteilung von Religionsunterricht in den Volksschulen. Sie sehen allein schon in der Tatsache, daß man ein Reichsschulgesetz in der Art des vorliegenden Entwurfs überhaupt in Erwägung gezogen hat, eine schwere Schädigung des Reichsansehens, das bei dem erschütterten Rechtsgefühl unseres Volkes wahrlich keine weitere Herabminderung verträgt, sondern aller verfassungsmaßigen und gesetzlichen Sicherungen bedarf, um die Idee des Volksstaates als eines Rechtsstaates im Volke wieder Kraft und Geltung gewinnen zu lassen. Ein Reichsschulgesetzentwurf auf der Grundlage des vorliegenden Entwurss bedeutet: 1. den glatten Bruch der Reichsverfassung, die von ihren amtlich bestellten Herrn zuerst und zu allermeist zu wahren ist; 2. die Zertrümmerung des Staatsgedankens und die Vernichtung der Idee der Volksgemeinschaft im öffentlichen Bildungs= und Erziehungswesen; 3. die Beseitigung der in der Reichsverfassung festgeleglen Grundsätze über den Aufbau und die Einrichtung der Schule, die nur durch ihren organischen Ausbau, nicht aber durch Einrichtung von Zwergschulen gesichert ist; 4. die Auslieferung der Staatsschule an Bekenntnisse und Weltanschauungen und die Unterstellung der Schule unter kirchliche Aussicht und Herrschaft; 5. die Verletzung der staatsbürgerlichen Rechte und der Freiheit des Lehrerstandes in einer den Erzieherberuf geradezu herabwürdigenden Weise. Die Versammlung erwartet, daß dieser auch das Ansehen des Deutschen Reiches als eines Kulturstaates schädigende Entwurf vom Reichsministerium des Innern zurückgezogen und weder als Ganzes, noch in seinen Einzelheiten als Grundlage weiterer Vexhandlungen gebraucht wird. Sie dankt den Vertretern der Länderregierungen für die entschiedene, aus kulturellen, pädagogischen, schultechnischen und innerpolitischen Gründen erfolgte Ablehnung dieses Reichsschulgesetzentwurfs, und erwartet diese gefestigte Haltung auch bei weiteren Verhandlungen mit dem Reichsministerium. Zu den Parteien hat sie das Zutrauen, daß sie ihre Hand nicht zur Zertrümmerung der staatlichen Schulhoheit und zur Verkirchlichung der gesamten Unterrichts= u. Erziehungsarbeit der Volksschule bieten werden. Sie selber bekundet ihren unumstößlichen Willen, mit allen durch Gesetz und Verfassung gewährleisteten Mitteln diesen Reichsschulgesetzentwurf zu bekämpfen, um nicht schuldig zu werden an der Zukückführung unseres Schulwesens in den Geist des Mittelaliers und an der Vernichtung einer wirklich nationalen deutschen Kultur. Vortragsvereinigung. Es wird erneut auf die erste Veranstaltung der hiesigen VortragsVereinigung hingewiesen, die am kommenden Freitag, den 16. d. Mts., im Saale des Evgl. Gemeindehauses stattfindet. Angesagt ist ein Kammermusikabend mit 3 Streichquartetten von Beethoven, Haydn und Schubert. Das Programm, das zum Eintritt berechtigt, kostet 2.50 Jl, für die Inhaber von Grundkarten 1.50 A. Die Mitglieder wollen ihre Grundkarte beim Kaufen des Programms zum Aostempeln vorlegen.— Ein Streichquartett wird von 4 Streichinstrumenten, und zwar von 2 Violinen, 1 Viola oder Bratsche und 1 Violin=Cello ausgeführt. Die Streichinstrumente, die zusammen mit den anderen Instrumentengattungen(Holzbläser, Blechbläser, Schlaginstrumente) die Einheit des Orchesterkörpers ausmachen, zeichnen sich vor diesen durch den Adel und die Klangschönheit ihres Tones aus. Nach dem Ausspruch eines berufenen Musikschriftstellers gelten sie„als das eigentliche Kulturvolk, als die Hellenen des Orchesters, gegenEin= Geronestr Arentener. Nacherzählt von Irma Erben=Sedlaczek. „Das war“, so berichtete Dr. Marius, der beste Erzähler unserer Tafelrunde,„noch lange vor dem Kriege. Ich war damals Anfang Zwanzig, lebenslustig, ohne Sorgen und hatte die Tasche voll Geld, das ich immer bemüht war, so schnell wie möglich an den Mann zu bringen,— wobei ich den Begriff„Mann“ durchaus bildlich aufzufassen bitte. Der Form halber studierte ich ein bißchen Nationalötonomie und wußte meinen erfreulich liberal denkenden alten Herrn bald davon zu überzeugen, daß man sich die nötigen Kenntnisse auf diesem Gebiet am besten durch praktische Anschauung— z. B. auf Reisen— erwerben könne. So war ich auf meiner ersten italienischen Reise zunächst in Verona gelandet. Warum gerade dort, weiß ich heute nicht mehr. Ob es mich reizte, das Haus der Montecchi und Capuletti zu sehen, oder den mit Visitentarten der Besucher gefüllten, offenen Sarlophag der Giuletta— ob ich in der noch so gut erhaltenen, übrigens renovierten, alten Arena von Gladiatorenkämpfen, oder sonstigen humanen, circenischen Spielen träumen wollte?— Jedenfalls ließ ich keine Sehenswürdigkeit außer acht, besichtigte auch getreulich alle Sarkophage und Reiterstandbilder der Scaligeri, der einstigen Herzöge von Verona, auch benannt della Scala, nach der Leiter, die sie im Wappen führen. Einer davon hat allzuschnell darauf emporklimmen wollen und beseitigte seinen Vorgänger durch Mord. Um nun seine unedle Gesinnung für alle Zeit der Nachwelt ins Gedächtnis zu prägen, gab ihm der Künstler auf dem Denkmal den Kopf eines Hundes. Unwilltürlich fiel mir ein, was für eine— Menagerie wohl die Denkmäler mancher großen Städte abgeben würden, wenn jeder Bildhauer so offenherzig symbolisiert hätte. Gegen Abend bummelte ich, schon ziemlich ermüdet, noch am Flußufer entlang. Grade wollte ich, da ich sehr durstig war, in eine kleine, an die Ufermauer angebaute Österia eintreten, als ich einige äußerst fragwürdige Gestalten im Eingang verschwinden sah. Mein Blick war ziemlich geschult,— ich kannte sowohl Berliner Kaschemmen als Pariser Apachenkeller— und ich wußte sofort, daß ich dort unmöglich in meinem modernen, hellen Sommeranzug und den eleganten Stiefeletten hineingehen könne, wollte ich mich nicht erheblichen Unannehmlichzeiten aussetzen.— Studieren wollte ich aber gerade dieses Milieu auch einmal auf italienischem Boden. Ich merkte mir daher die Gegend, besorgte mir am nächsten Tage bei einem rigattiere— d. h. Trödler— einen ziemlich verschabten Anzug mit Zubehör und suchte, also verwandelt, die südliche Verbrecherkneipe auf.— Ich hatte mich absichtlich nicht rasieren lassen, meine damals noch sehr üppigen, dunklen Haare in die Stirn gekämmt und kam mir verwildert genug für die„illustre“ Gesellschaft vor. Es war noch nicht sehr voll, als ich eintrat. Zunächst fiel mir nichts Besonderes auf. Die Tische waren vielleicht noch ein bißchen schmutziger, der niedrige Raum verqualmter, der Wirt schlampiger, die Gebärden der Gäste um einige Grade leidenschaftlicher als in den Osterien, die ich bisher besucht hatte. Ich setzte mich an einen freien Tisch und bestellte bei dem heranschlurfenden Wirt eine Flasche vom besten Wein. Damit hatte ich mich schon auffällig gemacht. Wer trank dort Flaschenwein! Es war übrigens ein böses Gesöff, gepantscht und gefärbt— aber ich war noch beim ersten Glase, als zwei verwegen aussehende Kerle sich mit ein paar Worten, die wohl einen Gruß bedeuten sollten, zu mir setzten und mich mit stechenden Blicken musterten. Ich machte natürlich gute Miene zum bösen Spiel, winkte dem Wirt, ließ noch zwei Gläser bringen und lud in meinem ziemlich fließenden Italienisch die beiden„cavalieres“ ein, mir Bescheid zu tun. Das gefiel ihnen augenscheinlich und da ihnen der Wein erheblich besser zu schmecken schien als mir; folgte sehr bald die zweite Flasche. Sie versuchten mit allerhand geschickten Fragen aus mir herauszuholen,„woher ich kam der Fahrt“, doch ich wich ihnen ebenso geschickt aus und so unterhielt ich mich ganz gut bei unserem Gepräch, bis eine Gesellschaft sich an den Nebentisch setzte. Diesen Lazzaroni war ich anscheinend ein Dorn im Auge. Sie schnatterten absichtlich laut„von Leuten, die sich dort eindrängten, wo sie nicht hingehörten",„von elenden Spionen“ und dergleichen. Als ich nicht darauf reagierte, gingen sie zum direkten Angriff, in Form bissiger Stichelreden über. Die Situatkon hätte bedenklich für mich werden können, besonders da sich indessen eine Straßensängerin, nachdem sie mit krähender Stimme ein paar Chansons zum Besten gegeben, neben mich gesetzt und in unzweideutiger Weise mit mir zu kokettieren begonnen hatte, was die wütende Eifersucht eines wild blickenden, jungen Burschen zu erregen schien. In meinen beiden Tischgenossen jedoch erstanden mir ein paar so leidenschaftliche Verteidiger, daß es schien, als solle in kurzem eine wüste Rauferei ausbrechen. Ich tat das Klügste, was ich tun konnte, trat zum Schanktisch, legte meine Zahlung hin und verschwand vom Schauplatz. Ich war nicht weit gekommen, als ich Schritte hinter mir hörte. Bei vorsichtigem Umblicken unterschied ich in der Dunkelheit zwei verdächtige Gestalten. Man war mir also doch nachgegangen und wohl schwerlich in guter Absicht. Einen Augenblick dachte ich an die Flucht. Aber bei der herrschenden Finsternis, in dem Gewirr von Gassen und Gäßchen, in dem ich mich doch nicht annähernd so gut auskannte, wie meine Verfolger, wäre ich wohl nicht weit gekommen. Ich stellte mich also mit schnellem Entschluß gegen die Ufermauer, um eine Rückendeckung zu haben und griff mit der Rechten in die Tasche, um meinen Browning zu entsichern. Im Augenblick waren die Beiden heran, in denen ich jetzt meine Trinkgenossen erkannte. Aber sie zeigten keinerlei Angriffslust. Mit höflichster Verbeugung begann der eine in wohlgesetzten Worten: sie hätten gleich erkannt, daß ich keiner von den ihren sei, sondern ein vornehmer Herr und ein solcher habe doch meist Neider und Feinde.„Oder Nivalen!“ ergänzte der andere mit laszivem Lächeln. Ja— und wenn Exzellenza den Wunsch hätte, daß da jemand ganz schnell und unauffällig— verschwinden solle— sie wären Spezialisten in ihrem Fach! Dabei nicht einmal teuer — 400 Lire für schnelle, saubere Arbeit! Nur wenn es außerhalb Veronas wäre, kämen die Reisekosten hinzu... Sobald ich merkte, daß mir persönlich keine Gefahr drohte, überwältigte mich der groteske Humor der Situation. Eine Renaissance=Scene in modernem Gewande!— Ich blieb natürlich völlig ernst, zog mein Notizbuch und schrieb mir die Adressen hinein. Mit diesem Erfolge waren sie offenbar zufrieden und erboten sich— wieder äußerst höflich— mich ein Stück des Weges zu begleiten,„da es doch immerhin sicherer sei“. Und so bin ich, von zwei Berufsmördern flankiert, bis an die Hauptstraße gegangen, wo mein Hotel lag, und wo sie es für gut befanden, sich eilig zu verabschieden. Es war bestimmt das originellste Geleit meines Lebens, aber— ich muß gestehen, daß es mir nicht allzu gemütlich vorkam... über den idyllischen Hirten= oder orientalischen Luxusvölkern der Holzbläser, den kriegerischen Stämmen der Trompeter, Hörner und Posaunen und den Barbarenhorden der Schlaginstrumente". Es ist daher leicht erklärlich, daß die von 4 Streichern ausgeführte Musik das Ohr mit sinnlichem Wohllaut und die Seele mit Wärme und Innigkeit, mit reinen und lauteren Inhalten erfüllt. Der Schöpfer des Streichquartetts ist Josef Haydn, der die Form dieser Kunstgattung soweit ausgebilder hat, wie sie uns heute vorliegt. Der größte Reister auf diesem Gebiete ist wieder der Hohepriester der Tonkunst, Beethoven. Die Negel beim Musizieren im Streichquartett ist die Vierstimmigkeit. Jedes Instrument singt seine eigene Summe, die vom Tondichter— mehr als in anderen Kunstgattungen— fein und kunstvoll ausgearbeitet ist; und doch fließen alle 4 Stimmen wieder zu einer schönklingenden harmonischen Einheit zusammen.— Ein Quartett besteht in der Regel aus 4 Teilen; der Musiker nennt sie Sätze. Die beiden Ecsätze sind umfangreicher als die mittleren, tragen den Charakter des Erregten und werden in einem raschen Tempo— allegro und presto— abgewandelt. Die beiden Mittelsätze sind ihrem Inhalte nach von jenen stark verschieden. Der eine ist entweder ein Scherzo mit heiterem, humorvollem Grundton, oder ein Menuett, das ist ein Tanzstück im ¾Takt. Der andere Mittelsatz— das Adagio oder Andante,„der langsame Satz“— fließt ruhig und getragen, in schöner Melodieführung und weicher, zarter Kantilene dahin und ist die Seele des ganzen Werkes. Das Schema der Vierteiligkeit ist bei dem op. 18, 2 durchaus eingehalten. Es ist ein Werk des jungen Beethoven, der sich noch den überkommenen Kunstformen willig fügt, während der reife B. alle Beschränkungen der Ferm weit hinter und unter sich gelassen hat. Die beiden Quartette von Haydn und Schubert weichen von der Regel insofern ab, als der langsame Satz durch ein Thema mit Variationen ersetzt ist. Unter dem Thema versteht man eine einfache, leicht sangliche Melodie. Die Variationen enthalten die Veränderung des Themas in rhythmischer oder harmonischer Hinsicht, die Vertauschung des Tongeschlechtes(dur und moll), seine Verzierung und Verkleidung durch Passagenwerk. Das Thema des Kaiserquartetts, von dem nur die drei letzten Sätze gespielt werden, ist unser Deutschlandlied, dessen Schöpfer also Josef daydn ist. Möge dieses Lied am nächsten Freitag abend zu einem stillen und starken Gebet für unser liebes Vaterland, in dem so viel tiefes Gemüt und Innerlichkeit daheim ist, in den Herzen aller andächtigen Hörer werden! : Der Kavalleric=Verein, der sich in sehr erfreulicher Entwicklung befindet, hatte am Samstag abend seine Mitglieder zu einer gemütlichen Familienfeier in das Kordecksche Lokal eingeladen, und in überaus stattlicher Anzahl hatten die ehemaligen Reiter mit ihren Damen dieser Einladung entsprochen, so daß alle Räume des hübschen Lokals mit fröhlichen Menschen dicht besetzt waren. Ein prachtig mundendes Pfefferpotthastessen, welches der Küche von Frau Kordeck alle Ehre machte, bildete die Einleitung des reichen Programms des Abends, welches in bunter Folge musikalische Darbietungen der Vereinskapelle, Liederspenden eines Mitgliedes, ernste und heitere Vorträge aller Art, gemeinschaftliche Lieder usw. brachte. Im Verlaufe des Abends wurde den Mitgliedern Wilh. Schäfer und Fr. Siebert die ihnen vom Landes=KriegerVerband für 25jährige Mitgliedschaft verliehene Auszeichnung vom Ehrenvorsitzenden überreicht. Es war eine äußerst wohlgelungene Veranstaltung, und erst zu recht vorgerückter Stunde wurde der Heimweg angetreten. Schluß der Buch=Woche. In einem der Vorträge unserer Buch=Woche hörten wir u. a. das Zitat:„Erfolg am Buche ist Erfolg am Geiste". Und wenn das letztere auch hier in Erscheinung treten sollte, dann hätte unsere Buch=Woche ihren Iweck voll und ganz erfüllt. Was den Besuch anlangt, so konnten wir eine taglich zunehmende Besucherzahl feststellen, die sich bis über 200 an einem Tage steigerte. Der höhere geistige Erfolg bleibt in der Auswirkung der Zukunft vorbehalten. Auch die drei Vorträge des Herrn Pollin=Leipzig, die uns den Werdegang und die Entwicklung des Buches in sinngemäßer Weise veranschaulichten, waren gut besucht und werden gewiß manchen interessiert haben. Ihren avschluß fand unsere Buch=Woche nun am Samstag mit einem Märchen= Abend für die lieben Kleinen, wozu sich die junge Welt in reicher Zahl eingefunden hatte. Herr Lehrer Lange und Herr Bondkowski hatten sich in liebenswürdiger Weise zu diesem Abend der Jugend zur Verfügung gestellt und fesselten in ca. Zstündigem Vortrag bezw. Vorführung der Lichtbilder die junge Schar. Zunächst ging das Leben Jesu, der barmherzige Samariter und der verlorene Sohn an unserm Auge vorüber. Dann leitete der Vortragende in das Reich der Märchenwelt über und zeigte uns„Brüderchen und Schwesterchen",„Aschenprödel",„Dornröschen“,„Sonnenscheins erste Reise",„Osterhase", „Der gestifelte Kater“ usw., was die junge Gesellschaft oft mit lebhaftem Beifall begleitete. Gegen 8 Uhr fand dieser Märchen=Abend sein Ende, und damit auch unsere Buch=Woche, von der wir gern hoffen, daß auch diese Veranstaltung, ihrem Motto gemäß: „Dienst am Buch ist Dienst am Volke“, für unsere Stadt und Umgebung segensreich gewirkt haben möge. Aus den Provinzen. Arbeitslosigkeit in der wemeinde und im Amte Fröndenberg. Fröndenberg, 12. Okt. Die Arbeitslosigkeit in der Gemeinde und im Amte Fröndenberg hat bisher noch zugenommen. Die Zahl der gemeldeten Erwerbslosen hat 100 überschritten. Dazu kommen in den ersten Tagen der Entlassungen der Firma Isolier= und Elektrowerke, der Firma Vereinigte Kettenwerke, weiter 47 Mann des Langscheder Walzwerkes(Vergl. den Bericht über die Stillegungsverhandlung des Langscheder Walzwerkes), sodaß die Gesamterwerbslosenzahl innerhalb 14 Tagen bis drei Wochen sich auf 160 steigern dürfte. Die von der Gemeindevertretung angegeregten und beschlossenen Notstandsarbeiten dürften etwa 50 Arbeitslosen der hiesigen Gemeinde für mindestens 10 Wochen Lohn und Brot bringen. Der Antrag ist bereits dem Landesarbeitsamt zugegangen, von aus dann die Zustimmung der Regierung Arnsberg eingeholt wird. Es handelt sich um die Einbeziehung der durch die vorgesehenen Notstandsarbeiten, ersparten Summen der Erwerbslosenfürsorge, die dem Projekt dienstbar gemacht werden sollen. Bekanntlich handelt es sich um die Planierung und Nutzbarmachung großer Flächen zu beiden Seiten der Ruhr oberhalb Fröndenbergs. Ein Abenteuer auf der Sekundärbahn. Menden, 12. Okt. Der gegen Mittemnacht von Fröndenberg hier eintreffende Zug wurde gestern von einem nicht alltäglichen Mißgeschick betroffen. Kurz hinter dem Bahnhof Bösperde löste sich vom Kolben der Maschine eine Schraube und ging verloren. Mit Laternen wurde nach dem Ausreißer gesucht, doch konnte man ihn nicht auffinden, weshalb schließlich Ersatz aus Menden geschickt werden mußte. Nach einstündigem Aufenthalt konnte das Zügle die Fahrt fortsetzen. Die Fahrgäste, die auf dem Bähnchen an allerhand gewöhnt sind, nahmen die Sache von der heiteren Sache auf und setzten ihren Weg nach hier zu Fuß fort. Sie erreichten Menden noch vor dem Zuge. Bischofliche Philosophie= theologische Akademie zu Paderborn. Paderborn, 12. Okt. Das neue Studienjahr 1925/26 wird am 15. Oktober(also nicht wie früher am 16. Oktober) um 9 Uhr mit einem feierlichen Hochamte in der Universitätskirche eröffnet. am gleichen Tage findet um 11 Uhr die Immatrikulation der neueintretenden Hörer im Hörersaal 2 statt. Wilddieb erschossen. Geilenkirchen, 12. Okt. In der Gegend von Havert traf in der Millener Jagd ein Privatförster den berüchtigten Wilddieb Schumanns aus Sittard=Ophoven. Da der Wilddieb den Haltrufen keine Folge leistete, schoß der Förster und traf den Wilddieb, der seinen Verletzungen erlegen ist. Verschönerungen. Königswinter, 12. Okt. Der Verschönerungsverein für das Siebengebirge hat in diesem Sommer den Siebengebirgsbesuchern zwei neue Anlagen geschenkt. An der Straße Margarethenhof=Löwenbrug in der Nähe des Margarethenhofes ist eine vielbenutzte Quelle neu gefaßt und mit einer geschmackfollen Voranlage versehen worden, und der überaus prächtig gelegene Bernhard=Stürz=Platz an dem von Rhöndorf zum Drachenfels führenden Wege, eine dauernde Ehrung des früheren verdienstvollen Vorsitzenden des Vereins, hat einen Gedenkstein mit einem Bild von Stürtz erhalten. Leider wird die Arbeit des Verschönerungsvereins von Rohlingen vielfach zerstört. Bänke und Wegweiser, die der Verein mit großen Kosten aufgestellt hat, werden zerschlagen, selbst die Schutzhütten. 0 r Buch=Woche folg am Buche ist is letztere auch hier ann hätte unsere l und ganz erfüllt. nten wir eine tagstellen, die sich bis ierte. Der höhere swirkung der Zurrn Pollin=Leipzig, e Entwicklung des veranschaulichten, wiß manchen interuch= Woche nun en= Abend für die junge Welt in te. Herr Lehrer ski hatten sich in Abend der Jugend #lten in ca. Zstünna der Lichtbilder u, der barmherzige Sohn an unserm Vortragende in das zeigte uns„Brühenprödel",„Dornkeise",„Osterhase", s die junge Gesellbegleitete. kärchen=Abend sein ich=Woche, von iese Veranstaltung, t am Volke", na segensreich gede und im Amte Arbeitslosigkeit in ndenberg hat bisher er gemeldeten ErDazu kommen in en der Firma Isoia Vereinigte KetLangscheder Walzr die StillegungsLalzwerkes), sodaß erhalb 14 Tagen eigern dürfte. Die gegeregten und beten dürften etwa meinde für mindebringen. 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Rathmann& Sohn, Hamburger Roman aus den Jahren 1866 bis 1906(das Deutschlaud als werdende Großmacht) Rodenkampp Söhne, Deutscher Kolonialroman aus Bremens Vergangenheit und Zukunft aus den Jahren 1884 bis 1914(Deutschland als Kolonialmacht) vorausgegangen sind, zeigt Nathangel Jünger in diesem monumentalen Roman aus genauester Kenntnis der Psyche seines Helden, aus souveräner Beherrschung der weltwirtschaftlichen und handelspolitischen Zusammenbänge, aus intimster Vertrautheit mit Hugo Stinnes' Werk den genialen Kaufmann im Deutschland des Verfalls. Mit seberischer Schärfe zeigt der Dichter, wie der Tod dieses Wirtschaftsführers von ganz ungewöhnlichen Maßen für sein Werk und für Deutschland den Verlust eines zweiten Krieges bedeutet, wenn nicht mehr. Zu haben in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerte vermindere ich die Kosten für Schuhreparaturen Nur dadurch, daß ich„Goliath=Sohlen“ verwende.(Mit gold. Medaille prämiiert). Di s. 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