F4 A.=G. Münster tteilung: und Pressebericht. Zeitzeichen. Börsenberichte. erricht(außer Freibesonderer Bekanntht und landw. Mel1 ten der Hausfrau. ranstaltung.— Anitag, 13. Juli. izert des Rundfunkerfunk". liest Tiergeschichten. ung in die spanische Heinermann=Münster) s Einmachen von Gein für Frauenfragen mer, Münster). itscher Abend.(Fritz 1. Landois: Baron De Denkmols=Fier. der Klüngelkamp met rümer: Wu Marieken lährde. 5. Grimme: Nitedäimes. r des Liedes: RubinHedwig Rode=OsnaKapellmeister Nebe. r Tau, b). Neue Liebe. Der Gärtner. Volksder, b) Der Bote, c) iglein, ische Tänze, 1. Abend. Leitung des Kapell): 8. Walzer. 2. BeekBerlioz: Syiphentanz 4. Reger: Deutsche che Tänze. 6. Mosz= Rubinstein: LichterOper„Feramors". im Mittagessen): den größeren Teil kleineren. Jetzt uard, deine Liebe , Schatz, du kochst In Schounem Zechue nichn uichrnuich iche nd. Bezugspreis haldmonatlich 1.20 Mork, Einzelnummer 13 Pfg. Druck u. Verlag von C. Braus, Schwerte(Rude), Postscheckkonten: Dortmun) 2832 und Hannover 21 874. Große 2.rhtstr. 3—8 Verantwortlich „für die Schrifbeitung H. Limer, Schwerte. Jernruf 62. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Dolksblatt Wefthofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Anzeigen-Preise, Züe de adigespaltons 2nlmetrnete 10 Pfg., Auswärtige 12 Ptg., Jamillen=Anzeigen&6 Pfo. Iinomz=Anzeigen 12 Pfg., Reklamezeilse 50 Pfg Bei iunvordergesehenen Betriedsstörungen, hervorgerufen durch döbere Gwalten, übernednen wir beinerlei Gewäde für pinklche Erscheinen der Jeitung und kann auch keinerlei Anspruch au Schadenersatz oder Nachlieferung erdoden werden. 24:. 24 risheitung H. Limer, Schwerte. Jernruf er. Schwerter Dolksblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde„ Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. e Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Nr. 162(Erstes Blatt) Schwerte(Kuhr), Dienstag, den 14. Juli 1925 93. Jahegang Neues in Kürze. Ministerbesprechung über die Briand=Note. wtb. Berlin, 13. Juli.(Tel.) Wie wir erfahren, ist eine Ministerbesprechung zu einer ersten Beratung der Antwort auf die Briandnote am Mittwoch vorgesehen. Polen will verhandeln. KV. Berlin, 13. Juli. Wie die Tägliche Rundschau(Nr. 296) erfährt, ist man in Kreisen der polnischen Handelsdelegation gewillt, mit Deutschland zu einer Verständigung zu kommen. Es werden deshalb auch die Verhandlungen nicht abgebrochen werden. Die polnische Handelsdelegation ist noch mit der Prüfung der Fragen beschäftigt und wird bereits in kurzer Zeit neue Gegenvorschläge unterbreiten. Maßnahmen gegen den Handel mit Wohnungen. wtb. Berlin, 13. Juli. Der Minister für Volkswohlfahrt hat auf Grund des Wohnungsmangelgesetzes vom 26. Juli 1923 die Gemeindebehörden, welche den Verfügungsberechtigten ein Verfügungsrecht über freiwerdende Wohnungen eingeräumt haben, angewiesen, solche Wohnungen zu beschlagnahmen und einem Wohnungssuchenden zuzuweisen, wenn der Verfügungsberechtigte für deren Ueberlassung neben der gesetzlichen Miete irgendwelche anderen Vermögensvorteile für sich oder andere fordert oder annimmt. Der deutsche Begleiter Amundsens in Berlin. wtb. Berlin, 13. Juli.(Tel.) Der Mechaniker Karl Feucht, der einzige Deutsche, der den Polflug Amundsens mitgemacht hat, ist auf der Durchreise in Berlin eingetroffen und im Reichsverkehrsministerium empfangen worden. Der Leiter der Luftabteilung, Ministerialdirektor Brandenburg, sprach dem Polflieger seine Anerkennung für die unter schwiertigen Verhältnissen geleistete Tätigkeit im Flugzeug aus. Der Handel mit Herbstgetreide. wtb. Berlin, 13. Juli. Der Beginn des Handels in Herbstgetreide und die amtlichen Notierungen hierfür an der Berliner Produktenbörse ist für die nächsten Tage in Aussicht genommen. Berufung im Trianonprozeß. wtb. Berlin, 13. Juli. In dem Trianon=Wohnstättengesellschaftsprozeß hat die Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende Urteil Berufung eingelegt. Katholikenkundgebung. wtb. Danzig, 13. Juli.(Tel.) Gestern wurde im großen Saal des Friedrich Wilhelm=Schützenhauses eine Massenkundgebung deutscher Katholiken gegen die Ausdehnung des polnischen Konkordates über Danzig abgehalten. Festgehaltener Zug. wtb. Wien, 13. Juli.(Tel.) Wie der Abend meldet, wurde am Samstag ein Sonderzug des sozialdemokratischen Vereins Naturfreunde mit 650 Teilnehmern auf der Fahrt nach Innichen in Sillian angehalten, da die Italiener erklärten, geschlossene Züge nicht durchlassen zu können. Selbst 200 Reisende, die Einreisesichtsvermerke besaßen, wurden nicht durchgelassen. Kommunisten im niederländisch=indischen Heer. wtb. Amsterdam, 13. Juli.(Tel.) Nach einer Agenturmeldung aus Pontianak(Holl. Indien) sind dort je zwei eingeborene Sergeanten, Korporale und Soldaten des niderländisch=indischen Heeres aus der Truppe entfernt worden, weil sie Anhänger des Kommunismus wurden. Sieben weiteren Militär= versonen wurden aus dem gleichen Grunde schwere Disziplinarstrafen auferlegt. Wahlunruhen in Konstantinopel. wtb. Paris, 13. Juli. Nach einer Havasmeldung aus Athen haben sich bei der Wahl des ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel gestern schwere, durch türkische Elemente provozierte Zwischenfälle ereignet. Drei Metrovoliten sollen tätlich angegriffen worden sein. Die Wahl sei verschoben worden. Eine offizielle Bestätigung dieser Nachrichten fehlt noch. Zusammenstöße in Glasgow. wtb. London, 13. Juli.(Tel.) Bei der Feier des „nordirischen historischen Festes“ kam es am Samstag in Glasgow zu Zusammenstößen zwischen protestanischen und katholischen Iren. Etwa hundert Personen wurden verletzt und 21 verhaftet. Die Krebskrankheit. wtb. London, 13. Juli.(Tel.) Es verlautet, daß das Institut für medizinische Untersuchungen im Begriff stehe, eine wichtige Veröffentlichung über die Erreger der Krebskrankheit zu machen. Amerika für China. wtb. Washington, 13. Juli.(Funkspruch). Der Vorsitzende der amerikanischen Arbeitervereinigung, Green, sandte an Coolidge ein Schreiben, in dem er den Präsidenten auffordert, sobald wie möglich eine internationale Konferenz einzuberufen, um über die Abschaffung der exterritorialen Rechte der fremden Nationen in China einen Beschluß zu fassen. Gegen den Volschewismus. wtb. Peking, 13. Juli.(Tel.) General Fenghjufiang erteilte seinen Truppen Befehl, sich den bolschewistischen Einflüssen zu widersetzen. Die Pekinger Regierung richtete an die Provinzen ein Rundschreiben, in welchem sie zur Mäßigung bei den gegenwärtigen Unruhen aufgefordert werden. Komplott gegen das kaiserliche Haus. wtb Tokio, 13. Juli.(Tel.) Die Polizei erklärt zu den Meldungen über ein Komplott gegen das kaiserliche Haus: Es handelt sich um eine Verschwörung vom Oktober 1923. Die Verschwörer sind kürzlich verhaftet worden. Der Prozeß gegen sie wird demnächst statthinden. Das volnische Einsahrverdot. wtb. Warschau, 13. Juli.(Tel.) Das heute mittag erschienene Gesetzblatt der polnischen Republik„Sziennik Ustaw“ veröffentlicht eine Verordnung des polnischen Ministerrates, laut der die Einfuhr folgender deutscher Waren in Polen verboten wird: Reis, Hopfen, Fett, Schmalz, Fische, Fischkonserven, geräucherte Fische, Heringe, Gelatine, Tischlerleim mit Ausnahme von Fischleim Stearin, Margarine, Kochbutter, lebende Fische, Töpferfayence, Glaswaren, Spiegel, Spiegelscheiben, Koks, Kohlenbriketts, Gummifabrikate, Gummi. Harzfabrikate, Gummiwaren, Balsam, Schellack. Alaun, Glaubersalz. Salz und Essigsäure, Holzspiritus. Arsenobenzol, Salvarsan. gereinigtes Glyzerin, Ultramarin, Berliner und Pariser Blau sowie Wachsblau, Tinte, Schuh= und Metallputzmittel, Klebstoff jeder Art mit Ausnahme von Glaserkitt, Hausgeräte und Gebrauchsgegenstände aus Eisen, Stahl, Kupfer, Nickel, Aluminium, andere Metalle und Metalllegierungen mit Ausnahme von Kirchenglocken, Grubenlampen, Türund Fensterbeschläge, Nieten, Schrauben, Schraubenmuttern, Nadeln, Waffen, Lokomotiven und Tender. Uhren, Musikinstrumente mit Ausnahme von Darmsaiten, Knöpfe. Schreib= und Malutensilien. Die Verordnung sieht weiter vor, daß der polnische Handelsminister Kontingente deutscher Waren zur Einfuhr freigeben kann, in Abhängigkeit von der Zulassung polnischer Waren nach Deutschland. Die Verordnung tritt vier Tage nach Verlautbarung, also am 17. Juli, in Kraft. Eine Erhöhung der Biersteuer. wtb. Berlin, 13. Juli. Der Steuerausschuß des Reichstages setzte am Montag die Beratung über den Finanzausgleich fort. Die Debatte knüpfte zunächst an die vom Reichsrat beantragte Fassung des§ 59:„Das Reich darf den Ländern oder Gemeinden(Gemeinde=Verbänden) neue Aufgaben nur zuweisen oder ihre steuerliche Einnahmequellen durch Aenderungen von Reichssteuergesetzen schmählern, wenn es gleichzeitig auf andere Weise, insbesondere durch Bereitstellung der erforderlichen Mittel oder durch Aenderung der Lastenverteilung für einen finanziellen Ausgleich Sorge trägt" an. Staatssekretär Dr. Popitz wendet sich gegen diese Vorschrift und bittet um ihre Ablehnung. Seinem Wortlaut nach fordert dieser Satz eine Beschränkung des Reichstages in Steuerfragen, also eine Aenderung der Verfassung. Nach längerer Erörterung wird die Vorlage des Reichsrats abgelehnt und der Rest der Vorlage angenommen. Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfes über die Erhöhung der Bier= und Tabaksteuer. Bei Eintritt in die allgemeine Aussprache gibt Abgeordneter Dr. Fischer=Köln(Dem.) namens seiner Partei folgende Erklärung zur Bier= und Tabaksteuer ab: Wir werden nach wie vor gegen eine Erhöhung der gegenwärtigen Tabak= und Biersteuer uns wenden. Wir werden uns aber an der Beratung beteiligen, um auf alle Fälle den jetzigen Antrag der Regierungsparteien wirtschaftlich erträglicher zu gestalten und insbesondere um zu prüfen, ob die Form der Erhöhung der Steuer nicht zweckmäßiger gestaltet werden könnte. Bei der Beratung der Biersteuer tritt Abg. Neubauer(Komm.) für einen kommunistischen Antrag auf Ablehnung dieser neuen Belastung der Massen ein. Wenn dieser Antrag angenommen würde, würde sich natürlich auch eine Debatte erübrigen.„.., gms 1, i.4#tn Smn Auf eine Anfrage teilt Ministerialdirektor Ernst mit, daß er das Mehrauskommen aus dem neuen Kompromiß über die Biersteuer auf 40 bis 45 Prozent der bisherigen Steuer schätze. Der Redner erläutert die Tragweite des Kompromißantrages. Nach kurzer Aussprache wird unter Ablehnung aller anderen Anträge der Kompromißantrag der Regierungsparteien genehmigt. Die Steuersätze sind wie folgt zu ändern: von den ersten 1000 hl. 6 Reichsmark, von den folgenden 1000 hl. 6,50 M., von folgenden 8000 hl. 7,20 M., von den folgenden 10000 hl. 7,50 M., von den folgenden 20 000 hl. 7,75 M., von den folgenden 30 000 hl. 8,20 M., von den folgenden 60 000 hl. 8,60 M., von dem Rest 9 M. Desgleichen werden die Vorschriften genehmigt, die durch Begriffbestimmungen über Starkbier die unlautere Konkurrenz fernhalten sol. P1 1 m Im weiteren Verlause der Sitzung wurde in Verfolg des sozialdemokratischen Antrages, der für die im Brauereigewerbe und in den mitbeschäftigten Gewerben durch die Erhöhung der Biersteuer etwa arbeitslos werdende Angestellten und Arbeiter Entschädigungen aus der Reichskasse beansprucht beschlossen, für die zweite Lesung eine diesem Gedankengang entsprechende Formulierung von der Regierung zu verlangen. Nach Erledigung der Biersteuer wandte sich der Ausschuß der allgemeinen Aussprache über die Erhöhung der Tabaksteuer zu. Gegen die Erhöhung sprachen in längeren Ausführungen die Abgg. Meier=Baden(Soz.) und Büll(Dem.). Die Weiterberatung wird auf Morgen vertagt. General Smuts Ansicht über den wtb. London, 13. Juli.(Tel.) Daily News bat den vormaligen Premierminister in Südafrika, General Smuts, telegraphisch um seine Ansicht über den geplanten Sicherheitspakt. Darauf antwortete General Smuts in einem Telegramm, in dem es heißt: Der geplante Pakt ist ebenso, wie sein Vorgänger, das Genfer Protokoll, geeignet, die von den Friedensverträgen getroffenen Regelungen starr und unabänderlich zu machen, und zwar in einem viel höheren Grade, als dies in den Völkerbundssatzungen geschehen ist. Er würde den unbeugsamen Anhängern einer Friedensregelung ein Beharren auf ihren Standpunkt erleichtern. Eine friedliche Abänderung unerträglicher Vereinbarungen wird tatsächlich unmöglich werden. Europa wird durch ein trügerisches Gefühl der Sicherheit und der Solidarität in seinen Untergang hineingelockt werden. Es wäre weit besser, wenn Europa seinen Weg zum Licht langsam ginge und wenn allmählich unter Führung des Völkerbundes eine neue internationale Atmosphäre geschaffen würde. Die meisten führenden Persönlichkeiten auf der Friedenskonferenz haben den vorübergehenden Charakter eines großen Teils ihrer Arbeit erkannt und haben im Völkerbund ein Instrument für die Abänderung unerträglicher Bestimmungen geschaffen und somit gegen die Satzungen des Völkerbundes eine Möglichkeit für künftige Abänderungen. Diese Tür darf nicht geschlossen werden. Diejenigen in Europa, die auf so unsicheren und gefährlichen Grundlagen gebaut haben, sollten sich dessen bewußt werden. Dies wird eine gesunde Lehre für sie sein und den Weg für neue notwendige Reformen ebnen. Nach menschlicher Voraussicht geht die gegenwärtige Entwicklung in Zentraleuropa Gefahren entgegen. Diejenigen, die sich hinter diese Vereinbarungen verschanzen, nehmen eine gefährliche Verantwortlichkeit auf sich. Auch aus anderen Erwägungen müsse der Pakt mit Sorge betrachtet werden. Auf Grund des Pakts wird vorgeschlagen, daß Großbritannien sich vom Reiche ablöse, in wichtigen außenpolitischen Angelegenheiten einen Weg für sich einzuschlagen und es den anderen Mitgliedstaaten des Reiches anheimstelle, über ihre Politik zu entscheiden. Unter diesen Umständen bin ich sicher, daß zumindest einige von ihnen Großbritannien sich nicht anschließen werden. Als ein Mann, der der Ueberzeugung ist, daß das britische Reich die größte politische Institution dieser Erde ist, kann ich einem solchen Schritt nicht zustimmen. Der Pakt kann sehr wohl ein Wendepunkt und ein verhängnisvoller Wendepunkt in der Geschichte des britischen Reiches sein. Britische Staatsmänner, die Anhänger der neuen heiligen Allianz sind, werden vielleicht noch finden, daß sie sich nicht nur von den friedlichen Kräften des neuen Europa getrennt. sondern auch, daß sie dem britischen Reich das Herz geraubt haben. Smuts fragte zum Schluß, warum Großbritannien nicht Hand in Hand mit den jungen Nationen des britischen Reiches in Zukunft gehen solle, statt mit den Gespenstern Europas. Er habe gegenüber der heiligen Allianz nicht nur als Bürger des Reiches, sondern auch als guter Europäer ein tiefeingewurzeltes Mißtrauen. wtb. London, 13. Juli.(Tel.) Daily News sagt in einem Leitartikel, in dem das bereits gemeldete Telegramm des General Smuts besprochen wird, es sei schwer, die Vernunft und Richtigkeit der Schlußfolgerungen des Generals in Zweifel zu ziehen. In einer Zeit unmittelbar nach dem Kriege sei ein hastig zurechtgestümperter Friede, wenn nicht zu rechtfertigen, so doch zu entschuldigen gewesen, aber diese Zeit sei jetzt vorbei. Es lohne sich eher, die Gefahren und Unannehmlichkeiten des jetzigen Scheinfriedens ein wenig länger zu ertragen, wenn dadurch gute Aussicht auf Sicherung des wahren Friedens geschaffen werde, als Vereinbarungen zu treffen, die tatsächlich ein Zugeständnis bedeuten, daß es niemals einen wirklichen Frieden geben solle. 6 Lohnklassen in der Angestelltenversicherung. Berlin 19 Juli.(Tol.) Da=#a####lggli= 19 Mark Machenlohn) auf 50 Pfa., für Lohnkla wib. Berlin, 13. Juli.(Tel.) Der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages nahm einen Antrag des Unterausschusses, der für die Prüfung der Erhöhung der Renten aus der Invalidenversicherung eingesetzt war, an. Danach sollen anstelle der bisherigen fünf Lohnklassen, sechs Lohnklassen treten. Für Lohnklasse 1(bis zu 6 Mark Wochenlohn) ist der Beitrag auf 25 Pfg., für Lohnklasse 2(6 bis 12 Mark Wochenlohn) auf 50 Pfg., für Lohnklasse 3(12 bis 18 M. Wochenlohn) auf 70 Pfg. für Lohnklasse 4(18 bis 24 M. Wochenlohn) auf 100 Pfg., für Lohnklasse 5(24 bis 30 M. Wochenlohn) auf 120 Pfg. und für Lohnklasse 6(über 30 M. Wochenlohn) auf 140 Pfg. festgesetzt. Die Leistungserhöhungen sollen vom 1. 8., die Beitragserhöhungen vom 28. 9. an in Kraft treten. Angerstein achtmal zum Tobe verurteitt. wtb. Limburg, 13. Juli.(Tel.) Zur Urteilsverkündigung ist der Andrang ganz besonders groß. Schon lange Zeit vor Beginn ist der Zuhörerraum vollkommen überfüllt, und die Zeugenbänke sind mit Zuhörern dicht besetzt. Viele, die keinen Einlaß mehr erhielten, warteten vor dem Gerichtsgebäude das Urteil ab. Kurz vor der Verkündigung des Urteite wird der Angeklagte in den Saal geführt. Die Bewachung ist verschärft, und es nehmen 5 Polizisten neben und hinter dem Angeklagten Platz. Der Vorsitzende entrollt dann noch einmal das Bild der Tat. wie es die Hauptverhandlung ergeben hat. Daß es sich um vorsätzlichen Mord handelt, darüber besteht kein Zweifel. Der Angeklagte hat behauptet, daß er sich nach seiner Tat im Büro mit einer Pistole erschießen wollte. Diese Behauptung hat das Gericht nach den Zeugenaussagen als unwahr angesehen. Schon bei der Schwiegermutter handelt es sich um eine Schutzmaßnahme gegen die spätere Entdeckung. Es folgte dann die Tötung des Dienstmädchens, bei der die Ueberlegung schon ans handwerksmäßige grenzte. Die Ermordung des Geis und des Ditthardt waren Meuchelmorde, wie sie hinterlistiger und niederträchtiger nicht gedacht werden können. Die Verletzungen, die der Angeklagte sich beigebracht hat, verfolgten keinesfalls die Absicht des Selbstmordes. Ueberlegung und Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten können in keiner Weise in Zweifel gezogen werden. Der Vorsitzende verkündet dann das nachstehende Urteil Der Angeklagte wird wegen Mordes in acht Fällen achtmal zum Tode verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden dem Angeklagten auf Lebenszeit aberkannt. Die Mordwerkzeuge, Hirschfänger und Beil werden eingezogen. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Angeklagten zur Last, soweit er verurteilt worden ist.. 6726 Vorher wurde als Gerichtsbeschluß verkündet, daß das Verfahren in den übrigen Fällen vorläufig eingestellt wird. 7774616 44.=825### Der Angeklagte nahm das Urteil stehend, den Blick zu Boden gesenkt, aber völlig gefaßt entgegen. Er erklärte, daß er das Urteil annehme. Seine Taten könnten nur durch sein Blut gesühnt werden. Angerstein verzichtet auf Revision. wtb. Limburg a. d. Lahn, 14. Juli.(Tel.) Der achtmal zum Tode verurteilte Angerstein hat auf das Rechtsmittel der Revision verzichtet. Das Urteil ist somit rechtskräftig. Deutscher Reichstag. 93. Sitzung. vdz. Berlin, 23. Juli. Präsident Loebe eröffnet die Sitzung um 1,20 Uhr. Die zweite Lesung des Aufwertungsgesetzes wird fortgesetzt bei den§§ 16 und 17, die den Anmeldezwang behandeln. Hat der Gläubiger die Hypothek abgetreten und die Gegenleistung nach dem 14. Juni 1922 oder unter Vorbehalt der Rechte angenommen, so werden die Hypothek und die persönliche Forderung nach§ 17 auf der Grundlage des für ihn maßgebenden Goldbetrages unbeschadet der Aufwertung zu Gunsten des Erwerbers auch zu seinen Gunsten aufgewertet, sofern nicht in den früheren Paragraphen festgelegte Ausnahmen vorliegen. Abg. Dr. Best(Völkisch) will dem§ 17 eine neue Fassung geben, die die Rechte der Gläubiger erweitert. 16 4.6 § 25 der Kompromißvorlage bestimmt, daß die Rückzahlung des Aufwertungsbetrages durch die Gläubiger nicht vor dem 1. Januar 1932 verlangt werden kann. Spätestens soll bei besonders gelagerten Wirtschaftsverhältnissen, die§ 26 bestimmt, die Rückzahlung zum 1. Januar 1938 erfolgt sein. Das Gesetz sieht im besonderen besondere Bestimmungen im§ 27 vor, daß frühestens vom 1. Januar 1926 ab in besonderen Fällen Vorauszahlungen in Höhe von jährlich höchstens 10 Prozent des gesamten Anspruches erfolgen können. 24 Abg. Ströbel(Soz.) begründet zu vorstehenden Gesetzesteilen einen Abänderungsantrag, in dem gewünscht wird, daß der Gläubiger je ein Viertel seiner Gesamtforderung am 1. Januar 1927, am 1. Januar 1929, am 1. Januar 1931 und am 1. Januar 1933 verlangen kann. Grundsätzlich sollen außerdem Eigentümer und Schuldner berechtigt sein, schon vor dem gesetzlich fälligen Zeitpunkt nach dreimonatiger Kündigung ganz oder zum Teil Aufwertungsbeträge zu zahlen. Die§§ 26 und 27, deren Inhalt oben angedeutet wurde, will ein weiterer sozialdemokratischer Antrag streichen. § 28 bestimmt: Der Aufwertungsbetrag ist bis zum 1. Januar 1925 unverzinslich. Rückständige Zinsen werden erlassen. Vom 1. Januar 1925 ab beträgt der Zinssatz 1.2 Prozent, vom 1. Juli 1925 2½ Prozent, vom 1. Januar 1926 ab 3 Prozent. und vom 1. Januar 1928 5 Prozent. Wenn dem Schuldner nach 1932 weitere Stundungen bewilligt werden. so soll die Regierung ermächtigt sein, den dann in Frage kommenden höheren Zinssatz zu bestimmen. § 29 bestimmt, daß die Verpflichtung zur Leistung von Tilgungsbetägen bis 1. Januar 1926 ruht. Die Aufwertungsstellen können auf Antrag des Gläubigers den Tilgungssatz erhöhen, wenn die wirtschaftliche Lage des Schuldners es gestattet. Abg. Ströbel(Soz.) setzt sich für einen sozialdemokratischen Antrag ein, der den Zinssatz des§ 28 schon vom 1. Januar 1925 ab auf 5 Prozent heraufsetzen will. Das Reichsfinanzministerium solle außerdem ermächtigt werden, mit Zustimmung den tungsausschusses due Reichstages den Zinssiatz verändern. Der Redner wendet sich dann nochmals energisch gegen die Behandlung der ganzen Aufwertungsfrage durch die Kompromißparteien. Weder im Ausschuß noch im Plenum hätten sich die Kompromißparteien sich zu einer ernsthaften Diskussion dieser für das ganze Volk wichtigen Frage herbeigelassen. Die§§ 33 bis 46 beschaftigen sich mit der Aufwertung von Industrieobligationen und verwandten Schuldrerschreibungen sowie dem Genußrecht.§ 33 bestimmt, daß der Aufwertungssatz hierfür 15 Prozent betragen soll.§ 34 enthält eine Härteklausel, die dem Schuldner bei wirtschaftlich schwieriger Lage gestattet, eine Herabsetzung der Aufwertung zu verlangen.§ 35 bestimmt, daß die Aufwertung auch dann stattfindet, wenn der Gläubiger schon eine Leistung angenommen und sich seine Rechte vorbehalten hat. § 36 bestimmt, daß die Rückzahlungen, Verzinsungen und Tilgungen wie bei den Hypotheken vorzunehmen ist, soweit nicht die Reichsregierung etwas anderes bestimmt. Abg. Keil(Soz.) begründet zu diesem Kapitel sozialdemokratische Abänderungsanträge, in denen unter anderem verlangt werden, Erhöhung des Aufwertungssatzes von 15 auf 40 Prozent oder in einem Eventualantrag Erhöhung auf 25 Prozent. Die gesetzlichen Bestimmungen über das Genußrecht will der sozialdemokratische Antrag streichen. Ueber das Genußrecht bestimmen die§§ 37 und 48 unter anderem, daß vor dem 1. Juli 1320 erworbene Schuldverschreibungen mit dem 1. Juli 1925 Anspruch auf die Beteiligung am Reingewinn des Schuldners am Liquidationserlös haben, wobei 10 Prozent des Goldmark= betrages der Schuldverschreibungen als Nennwert zugrunde gelegt werden soll. Der Schuldner soll berechtigt sein(§ 43), die Genußrechte durch Zahlung des Nennbetrages abzulösen. Inzwischen haben sich bis 5 Uhr von 493 Reichstagsabgeordneten etwa 50 im Saale eingefunden. Ueber einen Eventualantrag Keil(Soz.) auf Erhöhung des Aufwertungssatzes für Industrieobligationen von 15 auf 25 Prozent(wie bei den Hypotheken) wird namentlich abgestimmt. Die namentliche Abstimmung ergibt die Ablehnung des Eventual= antrages Keil(Soz). mit 225 geger 175 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Es bleibt also bei dem Satze der Kompromißparteien von 15 Pozent für Industrieobligationen und verwandte Schuldverschreibungen. Alle übrigen Abänderungsanträge der Kommunisten, Völkischen. Sozialdemokraten und des Abgeordneten Dr. Best, die im Bericht schon erwähnt sind, werden von der Mehrheit der die Regierung stützenden Parteien abgelehnt und die Kompromißvorlage aufrecht erhalten. Dann wird die Einzelaussprache beim Kapitel Aufwertung von Pfandbriefen und verwandten Schuldverschreibungen fortgesetzt. Die Kompromißvorlage bestimmt, daß solche Ansprüche so abgelöst werden sollen, daß die Teilungsmasse gleichmäßig unter die Gläubiger im Verhältnis der Goldmarkbeiträge ihrer Ansprüche verteilt wird. Die Deckungsmasse wird besonders definiert. Abstimmungen sollen erst wieder am Dienstag vorgenommen werden. Der Reichstag erledigt noch eine große Reihe von Paragraphen, die sämtlich unter Ablehnung verschiedener Abänderungsanträge nach dem Kompromißvorschlag in zweiter Lesung angenommen werden. In einer Geschäftsordnungsdebatte kam zum Ausdruck, daß es nicht gelingen würde, das Gesetz bis zum 15. Juli in Kraft treten zu lassen. Da aber die dritte Steuernotverordnung bereits am 15. Juli ihre Gültigkeit verliert, wird der Reichstag am Dienstag in allen drei Lesungen einen Gesetzentwurf verabschieden, der die dritte Steuernotverordnung um einige Tage bis zum Inkrafttreten der neuen Aufwertungsgesetze verlängert. Die nächste Sitzung findet am Dienstagnachm. 1 Uhr statt. Aleschau Die Zollvorlage vor dem Ausschuß. wtb. Berlin, 13. Juli(Tel.) Der handelspolitische Ausschuß beschäftigte sich am Montag mit den Tarifpositionen der Zollvorlage für die eisenschaffende Industrie. Es fand eine Generalaussprache über alle diese Zollpositionen statt. Für die sozialdemokratische Fraktion beantragte Abg. Dittmann unter Betonung der Notwendigkeit einer Berücksichtigung der sozialen Interessen der Arbeitnehmerschaft die volle Streichung der Zölle für die erwähnten Tarifpositionen. Abg. Lemmer(Dem.) beantragte, die Zollposition für Stabeisen von M. 2,50 auf M. 1,50 herabzusetzen und den Zollsatz für kaltgewalztes Bandeisen von M. 8.— und 12,— auf M. 4,50 und 5.50 zu vermindern. Abg. Reichert(Dutl.) begründet die Notwendigkeit der Erhaltung der vorgesehenen Tarispositionen dahin, daß die eisenschaffende Industrie, die sich gegenwärtig in überaus schwieriger Lage befinde, vor der gefährlichen ausländischen Konkurrenz geschützt werden müsse. Abg. von Raumer (DVP.) schloß sich dem im wesentlichen an, brachte aber doch einige Bedenken zum Ausdruck und beantragte demgemäß, eine besondere Klausel einzufügen, die im Eventualfalle zur Milderung der Zollsätze herangezogen werden könne. Abg. Lammers (Zentr.) unterstützte die Ausführungen des Abg. von Raumer. Zu einer Entscheidung über die Anträge ist ies noch nicht gekommen. Noch keine Einigung über die Zollvorlage. bb. Berlin, 13. Juli. Wie die Vossische Zeitung hört, dürfte der Wunsch des Reichskanzlers, die Regierungsparteien sollten bis Dienstagabend eine Einigung über die Zollvorlagen herbeiführen, kaum in Erfüllung gehen. Die Fraktionen, namentlich das Zentrum, seien sich untereinander keineswegs einig, sodaß es zu wirklich interfraktionellen Besprechungen noch nicht gekommen sei. Eine Aussprache der Zentrumsfraktion habe, wie das Blatt erfährt, bereits eine Klärung in der Richtung gebracht, daß die Mindestzölle für Getreide vom Zentrum abgelehnt werden. Der Personalbestand in den Reichsministerien. wtb. Berlin, 13. Juli.(Tel.) Dem Reichstag ist eine Uebersicht über den Personalbestand in den Reichsministerien und bei der Reichspost und der Reichsdruckerei zrgegangen. Darnach wiesen die Reichsministerien, die sogenannten Hoheitsverwaltungen, am 1. April 1925 75069 Beamte, 21 163 Augestellte und 11653 Arbetter auf. Bei der Reichspost chließlich der Reichsdruckerei 252585 Beamte, 3244 Angesellte und 38 447 Arbeiter beschäftigt. Bei den Hoheitsverwaltungen ist gegenüber dem 1. Oktober 1924 eine Personalverminderung von 106 Beamten 2957 Angestellten und 604 Arbeitern eingetreten. Bei der Reichspost einschließlich der Reichsdruckerei zeigt sich eine Personalvermehrung um 2428 Beamte und eine Personal=Verminderung voi 535 Angestellte und 11 988 Arbeiter. Bei den Hoheitsverwaltungen gab es 461 weibliche Beamte darunter 9 verheiratete und 6512 weibliche Angestellte, darenter 99 verheiratete. Bei der Pest einschließlich Reichsdruckerei waren 71147 weibliche Beamte, darunter 110 verheiratete, und 1735 weibliche Angestellte darunter 2 verheiratete beschäftigt. Von den Hoheitsverwaltungen beschäftigte das Reichsfinanzministerium in zahlreichen Landesfinanzämtern das eigene Personal. Reichstanziet N. Tather in Bresben. wtb. Dresden, 13. Juli.(Tel.) Der Reichskanz= ler traf Sonntagnachmittag mit dem fahrplanmäßigen Zuge 4,25 Uhr in Dresden=Neustadt ein. In seiner Begleitung befanden sich Oberregierungsrat Gracoell und Reichspressechef Ministerial= direktor Kiep. Der Reichskanzler wurde von Ministerialrat Wilich empfangen. Am Montag, dem offiziellen Besuchstage, wurde der Reichskanzler zum Hauptministerialgebäude geleitet. Hier hatten sich im Hauptsitzungssaale mit dem Ministerpräsidenten die zurzeit anwesenden Minister und Ministerialdirektoren eingefunden. Ministerpräsident Held entbot dem Reichskanzler bei seinem ersten Besuch in dem Freistaate Sachsen ein herzliches Willkommen. Er stellte hierauf die anwesenden Herren vor, der Reichskanzler erwiderte mit kurzen freundlichen Worten. Vom Hauptministerial= gebäude begab sich der Reichskanzler zum Landtag, wo er im Präsidialzimmer von Landtagspräsident Winkler begrüßt wurde. Im Anschluß an den Empfang im Landtage fand im Konferenzzimmer der ehemaligen Ersten Kammer eine Begrüßung durch die Dresdener Presse und durch die hiesigen Vertreter der auswärtigen Zeitungen statt. Mittags 1 Uhr fand im Hotel Bellevue im engeren Kreis ein Frühstück statt, wozu außer den Ministern Vertreter des Landtages, der städtischen Körverschaften, der obersten geistlichen Behörden und der in Dresden ansässigen Reichsbehörden erschienen. Bei dem Frühstück im Hotel Bellevue erklärte Ministerpräsident Held in einer Begrüßungsansprache an den Reichskanzler u. a.: Die Entwicklung unserer Wirtschaft von der Inflationszeit zur Stabilisierung und damit der Beginn der langsamen Gesundung zeigt den Stempel Ihrer Persönlichkeit auch in den großen Aufgaben, die in der letzten Zeit von der Reichsregierung zu bewältigen waren, insbesondere die Lösung des Auswertungsproblems, der Steuergesetzgebung und der Zollvorlage werden stets mit Ihrem Namen verbunden sein. Wenn Sie inmitten dieser Hauptlast noch uns mit Ihrem Besuche erfreuen, so erblicken wir als Regierung des drittgrößten deutschen Landes darin mit Gennatuung den Ausdruck Ihres Willens, herzliche verfknliche Beziehungen mit den Vertretern der Län#er zu unterhalten und damit, die unentbehrliche Einheit in der Regierungstätigkeit zwischen dem Reich und den Ländern zu schaffen. Lassen Sie mich, Herr Reichskanzler, bei dieser Gelegenheit versichern, daß die sächsische Regierung sich stets dessen bewußt ist, daß das oberste Gesetz für die Zusammenarbeit mit dem Reiche der Wunsch sein muß. dem deutschen Volke in seiner Gesamtheit zu dienen und ihm nach den schweren Jahren der Prüfung zu einer besseren segensreichen Zukunst zu verhelfen. Nur dann wird das Reich das einheitliche und feste Gefüge besitzen, das für unsere außenpolitische Stellung notwendig ist. Hierauf erwiderte der Reichskanzler mit folgenden Worten: Für den freundlichen Willkommengruß, den Sie namens der sächsischen Regierung an mich zu richten die Güte hatten, sage ich herzlichen Dank. Sie haben an die große Not der Nachkriegszeit erinnert, wie sie hier das dichtbevölkerte Sachsen ja besonders hart betroffen hat. Aber es wird noch harter Arbeit und vieler Opfer bedürfen, ehe wir unser nationales, wirtschaftliches und kulturelles Leben wieder auf jene Höhe gebracht haben, die wir für unser Volk und Vaterland mit heißem Herzen ersehnen. Um zu diesem Ziele zu gelangen, ist engste Zusammenarbeit zwischen dem Reich und den Ländern unentbehrlich, und ich darf meiner besonderen Genugtuung darüber Ausdruck geben, bei Ihnen, Herr Ministerpräsident, vollständiges Verständnis für eine solche vertrauensvolle Zusammenarbeit zu finden. Seien Sie versichert, daß es immer meine angelegentlichste Sorge sein wird, die Beziehungen zwischen dem Reich, den Ländern und den Gemeinden so zu regeln, daß berechtigten Wünschen der Länder und Gemeinden, soweit als nur möglich, entsprochen wird. Ich kann nicht glauben, daß es zwischen dem Reich und den Ländern unüberbrückbare Interessengegensätze geben sollte. Es ist doch gemeinsames und letztes Ziel aller, der Gesamtheit zu dienen und die Grundlage für eine glücklichere Zukunft Deutschlands zu schaffen. Gestatten Sie mir. Herr Ministerpräsident, auf diese glückliche Zukunft des Landes Sachsen im Rahmen eines einigen und starken Deutschen Reiches mein Glas zu leeren. Am Nachmittag begab sich der Reichskanzler in Begleitung einer Mehrzahl der zum Frühstück geladenen Gäste zur Jahresschau deutscher Arbeit, um einen Rundgang durch die Ausstellung zu unternehmen. Die Abreise des Reichskanzlers. wtb. Dresden, 13. Juli.(Tel.) Der Reichskanzler verließ um 7 Uhr das Rathaus und begab sich auf Einladung der Sächsischen Luftverkehrs=A.=G. nach dem Flugplatz, von wo aus er mit den Herren seiner Begleitung um 7,15 Uhr im Flugzeug nach Berlin zurückkehrte. Vom maroktanischen Kriegsschauplatz. wtö. Madrid, 13. Juli.(Tel.) Ein amtlicher Bericht zur Aufklärung der Offentlichkeit über die Lage in Marokko deutet an, daß es wahrscheinlich notwendig sein werde, die Strafaktion gegen Marokko fortzrsetzen und neue militärische Positionen mit den in Marokko vorhandenen Streitkräften zu errichten. Das Marokkoproblem, das sich in den letzten zwei Jahren bedeutend verändert habe, beschäftige heute das Interesse der Welt. Abd el Krim könne zum Mittelpunkt einer religiösen und sozialen Bewegung im westlichen Europa werden. Der Rebellenherd im Rif bedeute eine schwere Gefahr für die Zivilisation und den Frieden der Westmächte. wtb. Paris, 13. Juli(Tel.) Havas berichtet aus Fez: Die in den letzten Tagen am Quergha gemeldeten Truppenzusammenziehungen sind vorgenommen worden, um zu versuchen, einen Posten, der im Süden des Flusses eine der wichtigsten Straßen beherrscht, zu befreien. Der Angriff habe dem taktischen Vorgehen des Feindes entsprechend, der besonders jetzt, um den Fliegerangriffen zu entgehen, Nachtoperationen vorziehe, nachts begonnen. Der Posten habe allen Angriffen siegreichen Widerstand gereistet, indem die Besatzung den Angreifer mit Granaten zurückgeschlagen habe. Der Feind sei eilig nach Norden zurückgewichen, indem er den Angriff auf diese Zentralstellung der französischen Verteidigung am Quergha, die durch Ejara, Tafrani. Kellaa, des Sleß und Taouman gebildet wird. ausgegeben hat. Zur selben Zeit haben zwei sranzösische Abteilungen in der Gegend von Taza nördlich von Bab Murdj den jüngst zu den Dissidenten übergegangenen Stämmen eine schwere Niederlage bereitet. Es bestätigt sich auch, daß das durch den französischen Generalstab angewandte gegenwärtige Verfahren es gestatte, überall und schnell alle Versuche des Feindes zu unterbinden und ihm beträchtliche Verluste beizubringen, was auf die Dissidenten=Zone eine große Rückwirkung habe. Man müsse die glücklichen in den letzten Tagen von den verschiedenen Abteilungen erzielten lokalen Erfolge hervorheben. Abd el Krims Adjutant gefallen. wtb. Paris, 13. Juli.(Tel.) Havas meldet aus Casablunca, das Gerücht sei verbreitet, daß der 1. Adjutant Abd el Krims, den man den unverwundbaen El Phaui genannt habe, bei Tafrant durch einen Bauchschuß schwer verletzt worden und seinen Verletzungen erlegen sei. Betriebseinschränkung. wtb. Essen, 13. Juli.(Tel.) Im Laufe dieses wie des kommenden Monats sieht sich die Gelsenkirchener Bergwerks=Aktien=Gesellschaft veranlaßt, infolge der verschärften Absatzkrise im Kohlenbergbau, erhebliche Betriebseinschränkungen vorzunehmen. So wird die Schachtanlage Rhein=Elbe 1 und 2 teilweise stillgelegt, der Betrieb der Zechen Zollern 2, Bonifazius und Erin erheblich eingeschränkt. Auch die Kokereien dieser Zechen erfahren eine teilweise Stillegung. Von diesen Einschränkungsmaßnahmen der Gesellschaft werden ungefähr 5000 Arbeiter betroffen. Für verbindlich erklärt. wp. Berlin, 13. Juli. In dem Lohnstreit der Städtischen Gas= und Wasserwerke wurde vom Schlichtungsausschuß der ursprünglich gefällte Schiedsspruch, der für Juli keine Lohnerhöhungen vorsieht, für verbindlich erklärt. Die Vergleichsverhandlungen vom Sonnabend, in denen die Direktion eine Lohnzulage von zwei Pfennigen bewilligt hatte, sind bei der Verbindlichkeitserklärung unberücksichtigt geblieben. Trotzdem hat sich die Direktion der Städtischen Werke bereit erklärt, diese Zulage auszuzahlen. Die Urabstimmung der Arbeiter wird, wie bereits berichtet, frühestens morgen mittag beendet sein. Ausgesperrte Arbeiter. wtb. Magdeburg, 13. Juli.(Tel.) Die Magdeburgische Zeitung meldet: Die Tarifgemeinschaft der vier Bauarbeitgeberverbände beschloß, am Montag, den 13. Juli, abends, die Aussperrung sämtlicher im Tarifgebiet Sachsen und Anhalt befindlichen Maurer, Zementarbeiter, Bauhilfsarbeiter und Beton= und Tiefbauarbeiter vorzunehmen. Die Aussperrung trat am Montagabend in Kraft. Es wurden von ihr 30 000 bis 35000 Arbeiter betroffen. Weberstreik in Sachsen=Thüringen. wtb. Greitz(Vogtland), 13. Juli.(Tel.) Die Aussperrungsgefahr im Verbandsgebiet der sächsischthüringischen Webereien ist beseitigt. Die streikenden Stuhlmeister in Gera haben am Sonmabend in letzter Stunde den Streik abgebrochen und sind heute wieder zur Arbeit zurückgekehrt. Damit erledigen sich alle Aussperrungsmaßnahmen. Die Arbeit wird morgen, Dienstag, in allen Geraer Textilbetrieben wieder voll ausgenommen. Wieder der Streik als Waffe. wtb. London, 13. Juli.(Tel.) Wie Reuter aus Hankau erfährt, beschloß die chinesische Handelskammer dort, finanzielle Maßnahmen gegen die britischen Banken zu treffen. Ferner soll die Kammer beschlossen haben, ihre Handelsbeziehungen zu englischen Firmen abzubrechen, und die in den britischen Geschäften angestellten Chinesen zum Ausscheiden aus ihren Stellungen zu veranlassen, Nach einem Reutertelegramm aus Tschangscha traten dort die Kulis am 10. Juli in den Streik. Man befürchtet, daß am 14. Juli ein allgemeiner Streik ausbrechen werde. Aus Nah u. Elberfelder Viehmarkt vom 13. Juli. Auftrieb: 644 Stück Großvieh(darunter 24 amerikanischer und 13 schwedischer Herkunft), davon 134 Ochsen. 61 Bullen, 424 Färsen und Kühe, 22 Fresser, 2058 Schweine, 444 Kälber, 58 Schafe. 1. Rinder. A) Ochsen: a) 64—65 Psg. für 1 Psd. Lebendgewicht, b) 60—62, c) 48—52, d) 37 bis 42. B) Bullen: a) 58—60, b) 46—50, c) 36 bis 42. C) Färsen und Kühe: a) 62—64, b) 58—60, c) 44—48, d) 37—42, e) 22—32. D) Jungvieh: a) 35—45. 2. Kälber. a)—. b) 80—85, c) 66—70, d) 58 bis 62, e) 40—50. 3. Schafe. A) Stallmastschafe:—, B) Weideschafe: a) 50—55, b) 30—40. 4. Schweine. a) 84—86, b) 87—88, c) 80—90, e) 70—80, f) 70—80. Tendenz des Marktes: Großvieh anfänglich lebhaft, später langsam; Ueberstand; Schweine mittel, desgleichen Kälber. Einzelne ausgesuchte Tiere über Notiz. Aus dem Auslande wurde in der vergangenen Woche eingeführt 184 Rinderviertel, 223 Schweine und 31 Kälber. Die Solinger Typhusepidemie. wp. Solingen, 13. Juli. Die Zahl der bisher an Typhus erkrankten und ins hiesige Krankenhaus eingelieferten Personen ist auf 61 gestiegen. Vier der Erkrankten sind gestorben, andere liegen noch sehr schwer krank darnieder. Eine Besprechung im Gesundheitsamt am Samstag und eine fachmännische Besprechung am gestrigen Sonntag, an der auch Ministerialrat Dr. König=Berlin teilnahm, führten zu der ersten Ueberzeugung, daß die Urfache der Erkrankungen zum größten Teil auf den Genuß von verseuchter Milch aus einem Milchgeschäft zurückzuführen ist. Von 63 Typhusfällen des Vorjahres waren 48, die von den gleichen Geschäft die Milch bezogen hatten. Das betreffende Geschäft wurde sofort polizeilich geschlossen. Die Untersuchung ergab weiter, daß in diesem Milchgeschäft drei Personen an Typhus erkrankt waren und der Inhaber des Geschäftes seine auch an Typhus erkranktes Kind durch einen Kurpfuscher behandeln ließ, der die Erkrankung nicht anzeigte, weshalb gegen diesen ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Der 750 000. Besucher der Jahrtausendausstellung. wp. Köln, 13. Juli. Um 11,15 Uhr traf der 750000. Besucher der Jahrtausendausstellung ein. Es ist der Bandweber Emil Schneider aus Elberfeld. Beigeordneter Dr. Meerfeld stellte ihn im Ehrenhof dem anwesenden Publiken rer und überreichte ihm als Amtliche Berliner Börsenstimmungsbild. Berlin, 13. Juli.(Tel.) Die sich in letzter Zeit häufenden Meldungen von Betriebseinschräntungen, Stillegungen und Arbeiterentlassungen, welche jetzt, abgesehen von dem schon seither unter Absatznot leidenden Kohleubergbau neuerdings auch aus verschiedenen eisenerzeugenden und verarbeitenden Industriezweigen vorliegen, halten die Stimmung der Börse nach wie vor unter Druck. Zu Beginn der neuen Woche blieb die Börse daher bei äußerst eingeschränttem Geschäft recht lustlos bei uneinheitlicher, überwiegend nach unten neigender Kursbildung. Schwach lagen namentlich Montanwerte bei Rückgängen von 1 bis 2 Prozent, für Bochumer Gußstahl von 5 und für Stolberger Zinkaktien um 7½ Prozent, in denen unter Begründung einer zu befürchtenden erneuten Kapitalzusammenlegung weitere Verkäufe und Blankoabgaben erfolgten. Eine feste Haltung dagegen zeigten von vornherein Kaliaktien und Elektrizitätswerte bis zu 1 Prozent, die sich später vereinzelt noch etwas erhöhten und bei Kaliwerte Aschersleben bis 2 Prozent und bei AEG. bis 3 Prozent erreichten. Da hierzu auch einiges Geschäft die sonstige Eintönigkeit unterbrach, gab die feste Haltung der Börse später einen gewissen Rückhalt. In Maschinenfabrikatien, Metallattien und Nebenpapieren erreichten die Kursveränderungen bei ganz belanglosen Umsätzen keine wesentliche Bedeutung. Schiffahrtsaktien behaupteten ungefähr ihren Kursstand. Bankaktien bröckelten leicht ab. Braubank und Bayrische Vereinsbankaktien stellten sich um 1 Prozent niedriger. In den Vorkriegsanleihen ist der Freiverkehr infolge der Einwirkungen der Bank= und Mattervereinigungen auf ihre Mitglieder so gut wie ganz zum Erliegen gekommen. Vorkriegs=Hypothekenpfandbriefe waren auf die Annahme des Auswertungssatzes von 25 Prozent für Hypotheken im Reichstage vereinzelt 15 bis 20 höher. Am Geldmarkt war tägliches Geld reichlich vorhanden. Die Nachfrage hierfür blieb gering Monatsgeld war, wie überhaupt Geld auf längere Termine, aber kaum zu haben. Tägliches Geld 8½ bis 10 Prozent. Am Devisenmarkte sind besondere Veränderungen nicht eingetreten. Da sich die Kursbesserungen in Kali=, Elektrizitätsund chemischen Aktien schließlich weiter fortsetzten, sodaß die Kurse für einige dieser Papiere noch weiter wie 1 bis 2 Prozent stiegen, AEG. sogar zeitweise 100 streifte befestigte sich die Tendenz zum Schluß der Börse allgemein. Dies wirkte sich auch am Montanmarkte aus, sodaß auch dieser befestigt schloß. Stollberger Zink gewannen von ihrer Anfangseinbuße 6 Prozent zurück. K Angebinde eine Kiste Zigarren. Bei der Feststellung des Namens stellte sich heraus, daß der Bandweber mit einer Gruppe von Mitgliedern des Deutschen Schneiderverbandes in Elberfeld zum Besuch der Ausstellung hierher gekommen war. Brandstiftung. wp. M.=Gladbach, 13. Juli. Im Stadtteil Neuwerk entstand in einem Schuppen Feuer, das den Schuppen samt Inhalt(Heu) vernichtete und auch das daneben liegende Wohnhaus ergriff. Der freiwilligen Feuerwehr gelang es, den größten Teil des letzteren zu retten. Wegen dringenden Verdachtes der Brandstiftung wurde die Eigentümerin der Gebäude verhaftet. Frauenmord. wtb. Dortmund, 13. Juli.(Tel.) Wie die Morgenblätter melden, wurde am Samstagvormittag in einer Wohnung in der Stahlwerkstraße 68 eine noch unbekannte Frauensperson ermordet aufgefunden. Die Wohnungsinhaberin hält sich seit längerer Zeit zu Besuch in Ostpreußen auf. Die Tat muß Anfang dieses Monats verübt worden sein, da die Leiche schon stark in Verwesung übergegangen ist. Wie der Generalanzeiger dazu meldet, lag die Ermordete entkleidet im Bette und war bereits ganz schwarz angelaufen. Der Kopf war anscheinend mit einem Hammer zertrümmert worden. Der Hammer lag noch im Bette. Als mutmaßlicher Täter wurde der Kupferschmied Wilhelm Fiedler von hier verhaftet. D=Zug entgleist. wtb. Mannheim, 13. Juli.(Tel.) Der Schnellzug B 173 Basel—Holland, der in Mannheim um 1,33 Uhr nachts ankommt, entgleiste in der Nacht vom Sonntag auf Montag im Mannheimer Hauptbahnhof mit Lokomotive, Packwagen und Schlafwagen. Nach Zurücklassung der entgleisten Wagen konnte der Zug mit 59 Minuten Verspätung die Fahrt fortsetzen. Verletzt wurde niemand. Mord. wp. Berlin, 13. Juli. Am Sonntag früh wurde im Westen Berlins im bayrischen Viertel die 31= jährige Prostituierte Hertha Dupuis in ihrem Zimmer tot aufgefunden. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß es sich um einen Lustmord handelt. Nach dem Urteil des Gerichtsarztes ist der Tod durch Erwürgen eingetreten. wtb. Berlin, 13. Juli.(Tel.) Der Mörder der Prostituierten Herta Dupuis, die gestern früh in ihrem Zimmer im Berliner Westen erdrosselt aufgefunden wurde, stellte sich heute früh der Polizei. Es ist ein Hoteldiener namens Kurt Brandt, der angab, er habe die Tat in der Trunkenheit begangen und erinnere sich der Einzelheiten nicht mehr. Es wurde festgestellt, daß ein dreieckiges Stückchen Zahnschmelz, das die Mordkommission in der Bißwunde der Ermordeten gefunden hat, tatsächlich von Brandt herrührt. Massensterben von Fischen. wtb. Koburg, 13. Juli.(Tel.) Ein Massensterben hat den gesamten Fischbestand des Rocthenflusses zwischen Oeslau und Mönchröden vernichtet. Tausende von toten Fischen und zwar vorwiegend Edelfische, bedecken die Oberfläche des Flusses. Todesurteil. wth Elbing, 12. Juli. In dem Mordprozeß gegen den Landarbeiter Gorski, die Ehefrau Plötz sowie deren Sohn Erich Muth, welche am 8. Februar in Kleinsohren bei Deutsch=Eylau vorsätzlich und mit Bedacht den Nentier Plötz ermordet haben, wurde am Samstag vom Schwurgericht zu Elbing nach 14= stündiger Verhandlung das Todesurteil gegen alle drei Angeklaaten verkündet. Dienstag, 14. Juli 1925 Nr. 162(Zweites Blatt) R„B 2 schte. I. Wellmann=Konstantinovel. Von Thomas Wohl kein anderer Staat war den Lannen der Politit so sehr unterworfen als das Ottomanische Reich. Seitdem Mahmud II. zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Janitscharen truppen gewaltsam aufgelöst und abgeschafft hatte, seitdem der Halbmond gezwungen war, sich hilfesuchend an olzidentale Mächte zu den, um den Krimkrieg unternehmen zu können, seit der Zeit bedeutete der„krank nichts mehr als ein Spielzeug in den Händen derjenigen, die seinen Besitz aufzuteile ten, oder solcher, welche die Hohe Pforte benutzten, auf den einen oder anderen Gegner einen indirekten Druck, irgendeine pol Wirkung auszuüben. Von einer eigenen Politik im wahren Sinne des Wortes war in d Türkei jener Tage kaum die Rede, wenn man sich nicht herablassen will, das feige Nachgeben gewisser Sultane, das dauernde Abtreten großer Gebiete nur zu dem Zwecke, in Ruhe gelassen zu werden, mit diesem Namen zu bezeichnen. Uebrigens konzentrierte sich der Staatsgedanke in dem Sultan=Kalifen. Er stand im Mittelpunkte des Seins. L’Etat, c'est mor! galt vor allem für den Beherrscher der Gläu bigen am Bosporus. Das Staatsschiff wur einzig und allein nach seinem Gutdünken und seinem Besten gelenkt. Denn das nur unwillig ins Leben gerufene Parlament war gan, traftlos. Er aber ging seinen persönlichen Neigungen nach und war sich dessen bewußt, daß ihm aus Mittel= u. Ost=Europa Gefahr brohe. Immer weiter schritten die Loslösungen und Annektionen auf dem Balkan; immer drohender wurde die Haltung Rußlands. Dazu kam, daß der deutsche„Rückversicherungsvertrag“ von 1887 mit Petersburg ein Zusammengehen mit Deutschland ebenfalls ausschaltete. Die Hohe Pforte suchte deshalb einen Anschluß an ihren großen Verbündeten des Krimtrieges Großbritannien. England war lichen Absichten gegenne. Staat erfüllt. Gar später Glaöstone, die Innern Kleinasiens Türkei einem Kondominium zu unterwersen. Wie Frhr. v. Eckardstein in seinen„Lebens erinnerungen" erklärt, hat hernach Lord Salis bury dem deutschen Kaiser sogar eine Teilung der mohammedanischen Länder vorgeschlagen. Dessen erwachendes Interesse für den Orien sah aber ein, daß ein friedliches Vorgehen für Deutschland von weit größerem Werte sein könnte, und verstand es bald, die Zuneigung der sich gleichfalls erweckenden Osmanen zu ge winnen. Die persönlichen Beziehungen Kaiser Wilhelms II. zu dem Sultanhause gestalteten das Verhältnis dieser Länder zum Besten bei der Teile. So kam es schließlich, daß die Türkei an der Seite der Mittelmächte in den Welt krieg trat. Die Ansichten des türkischen Volkes betreffe der Teilnahme an dem Welttrieg mögen wohl baren Eierschwamm zu verwechseln ist, doch kann man ihn nur durch seinen behaarten Rand erkennen. Ein der genießbaren Spitzmorchel ähnlicher Giftpilz ist die Gift= oder Stinkmorchel, die sich im Anfangsstand in einer schmutzig gelben Hülle befindet und durch ihren widerlichen Geruch leicht erkenntlich ist. Der Saupilz oder Hexenschwamm, der dem Steinpilz ähnelt, ist daran zu erkennen, daß er beim Durschneiden blau anläuft. Der Speiteufel mit seinem roten, gelben oder auch glänzend weißen Hut ist mit einem ablösbaren schleimigen Häutchen überzogen. Ein außerordentlich giftiger Schwamm ist ferner der Knollenblätterschwamm, der an giftiger Wirkung dem Fliegenpilze gleichkommt. Derselbe ist deshalb sehr gefährlich, weil man ihn in jungem Zustande mit einem Champignon verwechseln kann. Kennzeichen für ihn ist sein hohler und unten dicker Stiel. Der Schwefelkopf, ein namentlich an Baumstämmen in Büscheln wachsender Giftpilz, ist durch seine schwefelgraue Farbe kenntlich. Endlich ist noch der Satanspilz mit seinem dicken roten Saft zu erwähnen, der namentlich in Laubwäldern und auf Bergwiesen wächst. Er fühlt sich klebrig an, sein schmutzig gelber Hut ist polsterförmig gewölbt. Ueberhaupt zeichnen sich die Giftpilze hauptsächlich durch ihre lebhaften Farben vor den eßbaren aus. Bei Vergiftungsfällen durch Pilze sind schleunigst Brechmittel anzuwenden, und alsbald ist ärztliche Hilfe herbeizuholen. Versäumnisse hierin haben oft die schwersten Folgen. die Liebe- das Loben. Roman von Dietrich von Gelchten. 11. Forlsetzung.(Nachdruck verboten.) „ Mich beneiden," wiederholte Hildegard, „mich, die ich keineMutter, keine Schwester habe? „Meine liebe Gräfin. Sie haben einen Gemahl und einen Vater, was mir beides weit besser scheint. Aber lassen Sie mich Ihnen einen Rat geben. Sie treten hinaus in die große, kalte Welt! Verbannen Sie das Gefühl! Kümmern Sie sich zuerst und überhaupt mehr um sich selbst, als um andere!“ Hildegard lächelte wehmütig vor sich hin. „Sicher ist sie nicht glücklich: dachte Gräfin Riche im Hinausgehen.„Wie traurig sie aussieht, und doch heiratet sie einen Grafen! Manche Leute sind auch nie zufrieden!" Graf Caraven schüttelte Arnold Ramson die Hand und schnitt die wohlerwogene Rede des Advokaten kurz ab. Dann wurde dieser plötzlich ins Nebenzimmer gerufen, wo seine Tochter ihm allein Lebewohl sagen wollte. Zwei weiche Arme schlan gen sich um seinen Hals, und ein trauriges, gedankenvolles Antlitz sah zu ihm auf, eine leidenschaftliche Frage in den dunklen, tiefen Augen „Papa,“ flüsterte sie, und es lag ein flehent liches Bitten in ihrer Stimme,„bist du auch sicher, daß du mich nicht getäuscht hast? Weißt du es ganz gewiß, daß ich ohne Liebe glücklich werde?“ Er lachte. „Die Gräfin Caraven hat über andere Sachen nechzudenken,, als über Bagatellen, wie Liebe!" Ihre Arme lösten sich von seinem Nacken, sie hob das süße Kinderantlitz von seiner Schulter. „Papa, ich glaube dir!“ sagte sie.„Was könnte es denn auch wohl Heiligeres für mich geben, als mein Glaube an dich Sie verließ das Zimmer. Arnold Ramson aber hätte den Tag weit glücklicher zugebracht, wäre das letzte Wort nicht gesprochen. Endlich war Hildegard allein mit ihrem Gatten. Nun mußte er ja mit ihr reden, mußte er ihr ja sprechen von seiner Liebe. Nun konnte er ja nicht länger diese Gleichgültigkeit aufrecht erhalten nun, da sie seine Frau war. Die Worte, nach deuen sie lechzte, die sie herbeisehnte, nun mußten sie gesprachen werden. Er würde sich zu ihr herabbeugen und ihr etwas sagen, etwas Liebes, und wären es auch nur die zwei Worte: Mein Weib! Er hatte sich in den Wagen zurückgelehnt, mit dem unverkennbaren Ausdruck des Mißbehagens. „Ich weiß nicht, daß mir die Zeit je so lang sam verstrichen ist, wie heute!" rüttelten seine Worte sie jäh zur rauhsten Wirtlichkeit wach.„Die Sonne scheint so warm! Wünschen Sie auch, daß das Verdeck heruntergelassen wird?“ Sie antwortete ihm nicht, die Kehle war ihr plötzlich wie zugeschnürt; er schien es nicht einmal zu bemerken. „Ich wollte," begann er nach einer Weile von neuem,„daß jemand einen Antrag auf Aufhebung dieser Hochzeitsmahle stellte.“ Eine heiße Röte überflammte ihr Gesicht. „Ein Antrag auf Aufhebung der Hochzeiten wäre jedenfalls noch vorzuziehen!“ entgegnete sie. Er war soweit davon entfernt, sie zu verstehen, daß er lachte. Den tiefen Schmerz in ihrer Stimme hörte er nicht einmal. „Ist es Ihnen recht, heute nacht auf See zu sein?“ fragte er nach einer langen Pause. „Ich bin mir eigendlich noch sehr wenig klar über mein Mögen und Nichtmögen,“ entgegnete sie.„Weshalb meinten Sie?“ „Weil das Schiff von Dover nach Calais um elf Uhr geht,“ versetzte er gleichmütig.„Ich dachte, wir könnten es benutzen.“ „Wie Sie wünschen!“ sagte sie. Ihr Gesicht war totenbleich geworden; die weißen Lippen lagen fest aufeinander gepreßt. In ihrem Herzen herrschte ein Gefühl von Verlassensein, das Worte nicht ausdrücken konnten. Er wunderte sich über ihr Schweigen, ihren Ernst, und ihr Herz hoffte nicht mehr auf ein Wort von Liebe von ihm. In Dover, wo sie am Abend anlangten, war der Höhepunkt der Saison. Die Kapelle spielte auf dem Hafendamm. Graf Caraven saß mit seiner jungen Frau im Eßzimmer des ersten Hotels. Da sah er sie leicht zusammenzucken und die Augen mit der Hand beschatten. Als sic sie wieder ließ und aufsah, blitzte eine Träne in den langen Auf dem Hafendamm spielte die Musik den „süßen Traum der Liebe". Der Traum der Liebe! Dieses war er nicht! Aber, o, warum nur hatte der Mann an ihrer Seite dann ihr Leben an das seine gekettet? Würde sie ihn nun nie kennen lernen, nach dem tiotz aller weisen Worte ihres Vaters ihr Herz so namenlos sich sehnte, den Traum, von dem alle die Tichter so rührend sangen, den füßen Traum der Liebe? Kapitel. Uehe: de. Meer breilete sich die Nacht. u:: zählige Sterne fliemerten am Firmament und spiegelten sich in der Flut. Ein leichter West wind, lau wie Lenzluft, blies über Land und See und krönte die tiefblauen Wellen mit schneeigem Schaum. Ganz still war es. Nur die Schaufeltäder des Dampfers unterbrachen die tiefe Ruhe. Lungsam verschwand die Reihe der Lichter am User: bald konnte das Auge nichts mehr erspähen, als die glänzende, schwellende Flut und darüber den weiten, hohen Himmelsbogen mit seinen leuchtenden Welten. Gräfin Coraven war auf Deck geblieben. Was hätte sie in der dumpfen Kabine sollen, während die Sterne, so trostreich uber der weiten See Kultur=Jubiläen. 14. Juli. 1850. Tod des Kirchenhistorikers Joh. August Wilh. Neander in Berlin. Er war Pictist. Bedeutend durch feinsinnige Charakteristik kirchengeschichtlicher Personen. Hauptwerk: Allgemeine Geschichte der christlichen Religion und Kirche. 1875. In Genf der Schweizer General Wilhelm Heinrich Dufour, tüchtiger Feldherr und hochverdient um die Kartographie der Schweiz, gestorben. Schwerte, den 14. Juli. Betriebsunfall. Beim Transport von Eisenteilen kam gestern vormittag der jugendliche Arbeiter Emil Holzmann von der Hörderstraße auf seiner Arbeitsstätte so unglücklich zu Fall, daß er außer Verletzungen am Kopf einen Bruch des rechten Oberarmes erlitt; er wurde ins Krankenhaus gebracht. Ein kleiner Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag auf dem hiesigen Bahnsteig. Beim Aussteigen aus dem Zuge kam Herr Sanitätsrat Dr. Pflaßkamp von Duisburg=Ruhrort so unglücklich zu Fall, daß er einen Arm brach. Sommerferien. Für alle Schulgattungen in Orten mit höheren Schulen hat der Oberpräsident die Sommerferien wie folgt festgesetzt: Schluß des Unterrichts Freitag, den 31. Juli, Beginn des Unterrichts Donnerstag, den 10. September. Betreffs der Landschulen haben die Landräte im Einvernehmen mit den Schulverbänden die Sommerferien, die meistens auch am 31. Juli beginnen und 3 bis 4 Wochen dauern, festgesetzt. : Die Auszahlung der Zusatzrente für Kriegshinterbliebene und nicht im Erwerbsleben stehende Kriegsbeschädigte für den Monat Juli findet am Mittwoch, den 15. Juli 1925, vormittags an der hiesigen Stadtkasse statt. sunkelten? In einen Schal gehüllt, saß sie da, hoffend, ihr Gatte würde sich zu ihr gesellen. Zwei oder dreimal kam er vorüber, aber er stellte nur einige gleichgültige Fragen an sie, um dann tief aufzuatmen, als habe er eine unangenehme Pflicht erfüllt. So blieb sie ihren Gedanken überlassen, und es waren eigene, seltsame Gedanken. Das war ihr Hochzeitstag. Der stolze, schöne Mann, der so ängstlich den Teil des Schiffes vermied. auf dem sie saß,— das war ihr Gatte. Sie waren Mann und Weib und hatten kaum ein Wort miteinander gewechselt. Es war so eigen und seltsam, und es kam ihr vor, als müsse alles ein Traum sein, ein böser, beängstigender Traum. War das Liebe? Der Wind küßte die Wogen und die Sterne lächelten hernieder; da fielen ihr Dichterworte wieder ein, welche sie vor kurzem gelesen hatte: „Mich packt ein Wahn; ich lieb’ dich; laß mich sterben!“ Waren die Zeiten vorbei? War die Jetztzeit nicht für solche Liebe geschaffen? Konnte es so völlig anders geworden sein, daß Liebe nur noch ein Vertrag war, ein kaltes Uebereinkommen zwischen Zweien? Ach, hätte sie doch alles vergessen können, was sie über Liebe gelesen hatte, auch den Aufschrei, mit dem jenes Dichterwort schloß: So sterb' ich. weil kein kühnes Wort mich rettet!“ Unwillkürlich suchte ihr Blick ihren Gatten. Er lehnte am anderen Ende des Schiffes an der Brüstung und sprach mit einem Fremden. Sollte diese Nacht, diese zauberische, funkelnde Sternennacht vorübergehen, ohne daß sie sich miteinander aussprechen würden? Wenn sie die Iniative ergriff und zu ihm trat und ihne ohne Scheu fragte, warum er sie denn geheiratet habe, wenn sie ihm so allem Anschein nach zur Last sei? (Fortsetzung folgt.) Adreßbuch 1925. An samtliche Einwohner von Schwerte. Von heute, 14. Juli, bis Donnerstag, den 16. Juli, liegt auf dem Nathause das Verzeichnis der Einwohner vom Buchstaben K bis M(KieslerMammey) zur Einsichtnahme auf. Wir bitten deshalb, um evtl. noch bestehende Fehler zu vermeiden, doch das Verzeichnis auf Zimmer Nr. 2 einzusehen und entsprechende Berichtigungen vorzunehmen. K : Motorraddiebstahl. Wie wir bereits gestern bekanntgaben, haben Einbrecher in der Nacht von Samstag auf Sonntag zwischen 1½ und 2½ Uhr aus der Werkstatt der Firma A. Tondok zwei Alba=Motorräder(3 P. S.) gestohlen. Das eine ist mit schwarzem, das andere mit grünem Tank versehen. Die Nummern sind 17728 und 18099. Herr Tondok gibt allen, die Angaben hierzu machen können, die zur Ermitllung der Täter führen, eine hohe Belohnung. Bisher ist man den Tätern noch nicht auf der Spur. : Vorläufiges Ergebnis der Volkszühlung. Bei der Volkszählung haben sich für unsere Stadt folgende Zahlen ergeben: Wohnhäuser, bewohnt 1365 Wohnhäuser, unbewohnt 12 andere bewohnte Gebäude 4 Familienhaushaltungen 3724 Einzeln lebende Personen mit eig. Haush. 150 Gasthäuser mit einlogierten Gästen 11 Andere Anstalten 8 Ortsanwesende Personen am Zähltag, männliche 8372 weibliche 8076 Gesamtresultat: 16 448 : L a n d k r e i s H ö r d e. I n d e n n ä c h s t e n W o c h e n sollen Transporte von Kindern zu einem Erholungsaufenthalt nach Polen stattfinden. Bei dieser Gelegenheit können deutschstämmige Kinder mirfahren, die von Angehörigen in Polen eingeladen worden sind. Die Fahrt ist frei, und zwar ab Oberhausen mit einem Sonderzug. Wer mitfahren kann, muß sich umgehend beim zuständigen örilichen Wohlfahrtsamt anmelden. Der Tag der Abreise ist noch nicht bestimmt; er lann später beim Wohlfahrtsamt erfahren werden. Studium ohne Reiseprüfung." Dem„Lolalanzeiger“ zufolge werden die Bestimmungen, nach denen es besonders befähigten Personen mit hervorragender wissenschaftlicher Begabung und guter Allgemeinbildung möglich ist, ohne Reifezeugnis zum Universitätsstudium und zu den betreffenden Prüfungen zugelassen zu werden, demnächst auch auf die landwirtschaftlichen, tierärztlichen und forftwirtschaftlichen Hochschulen ausgedehnt werden. : D e u t s c h= u n g a r i s c h e r G ü t e r v e r k e h r. D i e F r a c h tenberatungs= und Prüfungsstelle des Eisen= und Stahlwaren=Industriebundes in Elberfeld macht darauf aufmerksam, daß der Franlatur= und Ueberweisungszwang im deutsch=ungarischen Güterverkehr nicht mehr besteht. Die gesamten Frachten können je nach Frachtbriefvorschrift vom Versender oder Empfänger bezahlt werden. : F r e i s c h ü t z k o n z e r t. A m m o r g i g e n A b e n d f i n d e t im Freischütz eines der beliebten Konzerte statt. Nach des Tages Last und Arbeit bietet der Freischütz eine wahre Erholungsstätte für jung und alt. Auch am morgigen Abend erhält das Konzert einen besonderen Reiz durch die Mitwirkung eines Piston=Bläsers. Der Eintritt ist, wie immer des Mittwochs frei. : S c h u l f e s t d e s R e a l g y m n a s i u m s. E s w a r e i n farbenfrohes, frisches Bild, das sich einem Sams tag nachmittag im Saale des Freischütz bot. Daß bei solch einem Schulfest selbst der geräumige Saal zu klein werden sollte, hätte man wohl kaum erwartet. Und welch fröhliche erhebende Stimmung lag über den Festversammelten! Hier saß eine Gruppe Sextaner, die der konzertierten Kapelle des E. A. W. den nötigen Tribut zollte, dort tauschten ehemalige Schüler alte, liebe Erinnerungen aus den längst entschwundenen Tagen der Schulzeit aus; wieder am anderen Tisch gaben die Eltern ihr Erstaunen über das Dargebotene kund. Und wirklich, was man sah und hörte von den Schülern, war mehr als gut. Prächtig erklang der Begrüßungschor„Gott grüße dich". Die folgenden Lieder:„Herzlich tut mich erfreuen" und„Ich geh' durch einen grasgrünen Wald“ fanden gleichen Anllang. Es ist eine wahre Freude, dem Chor unter der feurigen Stabführung der Musiklehrerin Fräulein Saamann zu lauschen. Gleich ansprechend waren die Vorführungen der Turnübungen. Was hier die Schüler unter der Leitung des Oberlehrers Herrn Banse leisteten, war erstaunlich. Sowohl die Uebungen am Reck, wie die Freiübungen wurden exakt und mit vielem Schneid ausgeführt, so daß man auch mit dem Beifall nicht kargte. Im weiteren Verlaufe des Festes nahm Herr Direktor Löscher das Wort zzu einer Ansprache, in der er einen Rückblick gab in der Geschichte des Gymnasiums und besonders des 25jährigen Bestehens gedachte. Besonders erhebend war die Feier am Gedenkstein. Hier im raunenden Waldesdome ist so recht die Stätte, unserer Gefallenen zu gedenken. Fern dem Hasten und Jagen der Straße weilen hier die Gedanken bei allen denen, die einst so siegesgewiß hinauszogen und in fremder Erde ihre Ruhe fanden. Die Worte des Primaners drangen tief hinein in die Herzen derVersammelten und schlugen in manchem Herzen eine Saite an, die lange nicht mehr klang. Herr Bürgermeister Rohrmann hielt in der Pause eine Ansprache. Er betonte, daß das Fest alle Erwartungen übertroffen habe. Dann gedachte er der Mühe und Arbeit, die erforderlich gewesen seien, die Lehranstalt von der Lateinschule bis zum heutigen Reulgymnasium auszubauen und dankte allen, die am guten Gelingen mitgearbeitet haben. An die Schüler richtete er die Mahnung: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lern!! Mögen demnächst kraftvolle Männer hinübergehen ins Leben, die bescelt sind von echter Vaterlandsliebe und tatkräftige Mitarbeiter werden am Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Tosender Beifall rauschte nach den Worten des Bürgermeisters durch den Saal. Die beiden Einakter haben ihren Zweck erfüllt, man hat einmal wieder herzlich gelacht. Welchen Anklang das Schulfest gefunden hat, bewies der dichtgefüllte Saal. Der Zweck des Abends ist voll erfüllt worden: Die Eltern der Schüler untereinander und vor allen Dingen mit der Schule näher zu verbinden. So war das Fest eine würdige Feier des 25jährigen Jubiläums des Gymnasiums. #: Berichtigung. Unseren gestrigen Bericht vom Schützenfest berichtigen wir dahin, daß der Major Herr Falke den Reichsapfel durch einen sicheren Schuß dem Vogel raubte.— Herr Bürgermeister Nohrmann hielt am Sonntag nachmittag eine längere Ansprache über das Wirken und Schaffen des Vereins. Ins rechte Licht wußt er die Bedeutung des 25jährigen Jubelfestes zu setzen und übermirtelte die Grüße von der Stadtvertretung. Seine Worte, die in ein dreifaches„Hoch“ auf den Schützenbund ausklangen, fanden tosenden Beifall. Im Namen des Schützenbundes und des neuen Königspaares dankte Herr Major Falke in anerkennenswerten Worten dem Herrn Bürgermeister und der Bürgerschaft für das gute Einvernehmen, das zwischen dem Schützenbund und der gesamten Bürgerschaft besteht. 25 Jahre seien verflossen, seitdem der Verein das Zepter ergriffen habe. Ein halbesMenschenleben sei dahingegangen Mancher Mitbegründer ruhe schon in kühler Erde. Doch ihr Geist sowie ihr Andenken lebt im Verein weiter. Sein Hoch galt dem Herrn Bürgermeister, sowie der gesamten Bürgerschaft von Schwerte. : Wetteraussichten bis Mittwoch abend. Meist trocken und vielfach heiter bei schwachen nördlichen Winden und geringer Wärmeänderung. Westhofen, 13. Juli. Fünf junge Burschen aus Schwerte machten gestern abend die hiesige Unnaer Straße unsicher und benahmen sich rüpelhaft. Die Straßenpassanten wurden belästigt; ferner sangen sie die gemeinsten Lieder. Der Schlosser Sch. von hier, welcher ebenfalls von den Burschen Pelästigt wurde, verwarnte diese, wurde dann aber tätlich angegriffen. Als die Polizei erschien, ergriffen die Burschen die Flucht; zwei von ihnen wurden aber von dem Polizeihund„Roland“ gestellt. Bei der Namensfeststellung gab einer einen falschen Namen an. Ein gehöriger Denkzettel wäre bei den Taugenichtsen angebracht. I. Westhosen, 13. Juli. Der Mitbürger unseres Städtchens, der Landwirt Fritz Dahlbüdding, beging gestern seinen 80. Geburtstag, und zwar in aller Frische. Dahlbüdding ist weit über die Grenzen unseres Städtchens als humorvolle Person bekannt. Schon am Samstag abend wurden ihm von dem Steinbruchbesitzer H. Oberste im Auftrage der öftlichen Nachbarschaft, in der Dahlbüdding als Ehrenschräpper fungiert, Glückwünsche überbracht. Ferner brachte die Kapelle des Turnvereins Eintracht dem musikliebenden alten Herrn ein Ständchen. Am Sonntag abend traten dann die übrigen Vereine, denen Dahlbüdding als Ehrenmitglied usw. angehört, auf den Plan; zu Ehren Dahlbüddings wurde dann noch ein Fackelzug veranstaltet, an dem ein großer Teil der Bevölkerung teilnahm. Herr M. Lohmann hielt die Festrede, die auf den Wahlspruch des Geburtstagskindes, nämlich. „Man muß sich das Leben zu würzen wissen“, aufgebaut war. Durch diese Rede, in der Herr Lohmann die humorvolle Vergangenheit Dahlbüdding= streifte, sowie die regeAnteilnahme der Bevöllerung war der Jubilar tief gerührt. Die Teilnahme der Bevölkerung war derartig, daß auf der Hochstratze der Durchgangsverkehr stockte und eine Zeitlang durch andere Straßen geleitet werden mußte. Dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche. I. Westhofen, 13. Juli. Einen bedauerlichen Unfall erlitt der Nohrmeister Henkel von hier. H. war in einer der letzten Nächte dienstlich tätig gewesen und anschließend daran auch während des folgenden Tages. Er war mit seinem Motorrad auf dem Heimwege und lam aus Richtung Höchsten. In Holzen, in der Nähe des Gemeindehauses, ist er, wie Augenzeugen berichten, plötzlich mit dem Rade in den Straßengraben gefallen. Eine Handelsfrau fand ihn im Graben unter dem Motorrad liegend. H. war vollständig geistesabwesend und mußte mit einem Auto nach seiner Wohnung tronsportiert werden. Der Unfall ist nur auf die Uebermüdung des H. zurückzuführen. I. Syburg, 13. Juli. In der letzten Gemeinosratssitzung wurde folgendes verhandelt und beschlossen: Punkt 1. Ausbesserung der Dorf= und Dortmunder Straße. Bezüglich der Dorfstraße ist die Mitwirkung der Provinzialbehörde erforderlich und soll eine nochmalige Besichtigung der Doristraße stattfinden, und zwar unter Hinzuziehung des Landesbauamtes, des Amtsbaumeisters und der Wegebaukommission. Im Anschluß daran soll eine weitere Beschlußfassung erfolgen. Da die Dortmunder Straße seit Errichtung der Post=Autobuslinie von diesen Autos ständig benutzt wird, soll an die Ober=Postdirektion wegen einer Entschädigung herangetreten werden. An der gleichen Straße soll bei den Grundstücken von Braß und Brembt je eine Einfahrt durch Anbringen von Nohre geschaffen werden. Punkt 2: Der Schuldie: nerin wurde für außerordentliche Reinigung der Schule eine Entschädigung gewährt. Punkt 3: Ein vorliegender Antrag betr. Anbringung eines dranten wurde vertagt. Punkt 4: Antrag des Kriegervereins betr. Bau eines Kriegerdentmals. Zu diesem Zweck wurde eine Kommission, bestehend aus den Herren Gemeindevorsteher Grieb und Gemeindevertr. Dieckmann u. Kuhlmann gewählt. Die vorläufige Aufgabe dieser Kommission soll sein, mit dem Kriegerverein, ferner auch mit den übrigen Vereinen in Verhandlungen zu treten. Hörde, 11. Juli. Das endgüitige Volkszühlungsergebnis. Nach der endgültigen amtlichen Zusammenstellung der Volkszählung vom 16. Juni 1925 beherbergt die Stadt Hörde 34658 Personen, von denen 17356 männl. und 17•302 weiblichen Geschlechts sind. Nach Konfessionen gezühlt entfallen auf Prolestanten 17001, Katholiten 15884, auf Inden und andere Religionsgemeinschaften, Dissidenten usw. 1773 Personen. Verhanden sind in der Stadt Hörde 2199 Wohnhäuser mit 8067 Haushaltungen von 2 und mehr Perionen. Dazu kommen 356 Einzelstehende mit eigenem Haushalt.— Nach der letzten Personenstandsaufnahme, die nicht ganz genau sein kann wie die Volkszählung, hatte Hörde Ende 1924 35·579 Einwohner, so daß demnach in den ersten 6 Monaten dieses Jahres eine Abnahme um 921 eingetreten ist. Bei der Volkszählung im Jahre 1910— infolge des Krieges die zuletzt vorgenommene— hatte Hörde 32714 Enwohner(gegen 28 161 im Jahre 1905), 1620 Wohnhäuser, unbewehnte 11 und andere Wohnstätten 8. Die Zahl der Haushaltungen von 2 und mehr Personen belief sich vor 15 Jahren auf 6224.— In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Einwohner bis zum Ausbruch des Krieges und zwar 1911 auf 33025, 1912 auf 33 453, 1913 auf 34075, um 1914 auf 33324 und 1915 auf 33046 herunterzugehen. Stellungslose Angestellte. Wie bereits gemeldet, wird am 16. Juli auf Anregung des Reichstagsabgeordneten Thiel ein Erhebung über die Stellenlosigkeit unter den Angestellten vorgenommen werden. Jeder stelle: lose Angestellte muß sich zu diesem Tage in seinem eigenen Interesse mit einem bei seinem Berufsverbande oder dem öffentlichen Arbeitsnachweis erhältlichen Fragebogen versehen, und diesen genauestens ausgefüllt wieder derselben Stelle zurückreichen. Nur wenn alle stellenlosen Angestellten von der Auszählung erfaßt werden, kann die Erhebung von Wert sein. Für die in Zukunft einzuschlagenden Wege, um der Not der Stellenlosigkeit unter den Angestellten entgegenzutreten, wird die jetzige Erhebung von größter Bedeutung sein. Es versäume daher kein stellenloser Angestellter, sich an der statistischen Erhebung zu beteiligen. —00— der kandwirtschaft. Verbesserung ärmeren Weidegrunds. Aermerer Weidegrund, der nicht die genügende Anzahl guten Futterpflanzen besitzt, läßt sich verbessern wenn die schlechte Qualität des Futters nicht von stehender Nässe herrührt. Die Qualität des Futters kann dann dadurch gehoben werden, daß man in die aufgeeggte, oder noch besser kompostierte Wiese eine Kleegrasmischung einsät. Die Saat muß leicht eingetrichtert werden. Wie muß eine gute Weide beschaffen sein? Eine gute Weide soll viel Bodenfruchtbarkeit besitzen, um mit ihrem Graswuchs die aufgetriebenen Tiere gut ernähren zu können. Sie darf nicht zu trocken sein, so daß auch in den heißen Sommermonaten stets ein Pflanzenwuchs stattfinden kann. Frisches gesundes Wasser zum Tränken muß stets vorhanden sein. Gräben, Pfützen, Lachen usw., die stehendes, schlechtes Wasser führen, sind für Weidetiere unzugänglich zu machen. Gegen große Hitze, Sturm, Regen und kalte Nächte ist ein ausreichender Schutz durch Errichten von leichten Stallräumen zu schaffen, wenn nicht bereits Baumgruppen oder kleine Gehölze diese Schutz gewähren. Bei andauernd nasser und kalter Witterung sind die Tiere für die Nacht in feste Stallungen zu bringen. Ein neues Mittel gegen Schweinerotlauf. Auf landwirtschaftlichen Versuchsstationen und einigen größeren Gütern wird zur Zeit ein neues Verfahren zur Schutzimpfung der Schweine gegen Rotlauf eingeführt, das billiger und einfacher ist, als das übliche. Die bisherigen Ergebnisse haben zur Fortsetzung der Versuche Anlaß gegeben. Es handelt sich um eine Kutanimpfung mit Emphyton, d. h. einer Aufschwemmung abgeschwächter Rotlaufbazillen. Die Düwelsteene bei Heiden. Mit gewaltigen Steinen beladen kam einst der Teufel durch die Gegend von Heiden bei Borken. Er wollte über den Rhein hinaus nach Aachen, gegen dessen Bewohner er mit tiefem Haß erfüllt war Die Aachener hörten davon und schickten einen alten Mann mit mehreren Paaren abgetragenerStiefel dem Teufel entgegen. Als dieser den Warderer traf, fragte er:„Wie weit ist's noch bis Aachen?"—„O, lieber Freund,“ entgegnete der Alte,„das ist noch sehr weit, sehr weit. Auf dem Wege dahin habe ich alle die Stiefel verschlissen, die ich auf dem Rücken trage.“ Da schleuderte der Teufel alle Steine fort und sagte zornig:„So sollen die vielen Steine hier liegen bleiben, und niemand soll sie zählen können.“ Noch heute sind die Steine dort zu sehen. Keiner hat sie zählen körnen. Wird ein Stein weggeholt, trägt ihn bei Nacht und Nebel der Teufel wieder dorthin. Der Hermannslauf der Deutschen Turnerschoft am 14.-16. August 1925. Der Hermannslauf der Deutschen Turnerschaft, welcher vom 14.—16. August von den äußer Enden unseres Vaterlandes, von Norden und Süden, Osten und Westen her nach Detmold hin stattfindet und an denen sich in unserem Gebiete auch Läufer aus der hiesigen Turnerschaft beteiligen, hat eine tiese vaterländische Bedeutung. Aus der Vorgeschichte unseres Germanentums ragt reckenhaft die Gestalt Hermanns, des Befreiers deutscher Stämme von der Knechtschaft der Römer hervor. In Hermann dem Cherusker, sehen wir die erste germanisch=nationale Lebensäußerung, einer Bewegung, die wir als eine durchaus vaterländische anzusprechen haben und die im Bewußtsein völtischer Zusammengehörigkeit ihre tieiund festesten Wurzeln hat. Er hat es verstanden, die stammeszerklüfteten Deutschen zusammenzufassen und mit einem einzigen mächtigen Vorstoß in der Teutoburger Schlacht die Kraft des vordringenden Römertums zu brechen. Eine Großtat sondergleichen; daher das Erinnerungsdenkmal dieses ersten Nationalhelden der Deutschen, der sein Schwert zum Himmel reckt, welches die Inschrift trägt:„Deutschlands Einheit meine Stärke, Deutschlands Stärke meine Macht.“ Am 16. August 1925 sind 50 Jahre vergangen, daß die Hermannfigur auf der Grotenburg so mahnend strahlt. Gewechselt hat sich des öfteren das Schicksal unseres Volkes: Immer wiederkehrende Bedrückung durch landfremde Völker, kleinliche Hemmnisse täglichen Haders mit Sehnsucht und endlicher Verwirklichung nach einer wahren Führernatur. Wir haben im vergangenen Jahrhundert eine solche gehabt. Wie Hermanns, des Befreiers Name, so ist auch der Bismarcks, des Einigers des deutschen Volkes unauslöschlich mit der Geschichte derselben verknüpft.-Und wieder sind wir im Wechsel des Glückes ein unfreies Volk, wieder sind 62 Millionen Bluts= und Stammesbrüder in Sklavenketten geschlagen, Diener seiner Bedrücker. Und nun schauen wir wieder sehnsüchtig in die Zukunft und hoffen auf den Mann, dessen Name dem kommenden Abschnitt in der sich stets wiederholenden Geschichte unseres Volkes den Inbegriff einer heldenhaften Zeit gibt. Da gilt es zunächst von jedem Einzelnen von uns den Boden zu bereiten, auf dem der wachsende junge deutsche Eichbaum dereinst mit seinen knorrigen Aesten allen Stürmen die Kraft der Zerstörung nimmt und wie ein Wahrzeichen der echten Einigkeit und Stärke ein deutsches germanisches Volkstum verlörpert. Dieser Geist echter deutscher nationaler Bodenbereitung wird in der Deutschen Turnerschaft gepflegt und deshalb steht sie an der Spitze, durch den Hermannslauf den Erinnerungstag der Einweihung des Denkmals und zugleich als Bekenntnis der Treue zu den Urkräften des deutschen Volkstums zu begehen. Wenn urkundlich die Siegel dieses Bekenntnisses von den Grenzen unseres Vaterlandes durch 100 000 Hände im Lauf weiter und zur Bergkuppe des Hermannsdenkmals bei Detmold getragen werden, dann schlagen Millionen deutscher Männer=, Frauen= und Kinderherzen mit und befestigen das Band der Volkseinhei Die Durchführung der Hermannsläufe ist aber nicht nur eine glänzende Leistungsprobe der Organisation der Turnerschaft und ein Ausdruck ihrer körperlichen Gesundheits= und GewandtheitsEbestrebungen, sondern der unerschütterliche Glauhe am wesentlichen Zusammenhang von lörperlicher Ertüchtigung zur Wahrha#tigleit und Pflege ein in Heimats= und Stammesgeschichte verwurzelt. Volkstums und reinerhaltener vaserländischer Ge sinnung. Damit stellt die Turnerschaft sich in Mittelpunkt aller Feiern, die zur Erinnerung am Denkmal veranstaltet werden. Die Bretreter deutschen Sanges und Glaubenslebens haben selbstverständlich ihre Grundgedank die mit dem Tag verklingen, soll die Ernte sein, sondern jeder Deutsche, der noch einen Funken von Vaterlandsliebe in sich birgt, soll seinen Blick und seine Gedanten zum Hermannsdentmal lenten und in seinem Herzen einen Altar errichten mit dem Grundsatz: Nichts für mich, alles dem Vaterland. Damit betennt sich die Deutsche Turnerschaft zu dem höchsten patriotischen Ziele und gibt den Gemeinplatz ab, auf dem sich jeder Deutsche heimatlich fühlen kann und soll. Marktberichte. Dortmunder Schlachtviehmarkt am 13. Juli. Amtliche Notierungen der Marktkommission. Zu dem gestrigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 725 Stück Großvieh, 661 Kälber, 179 Schafe, 2202 Schweine. Bezahlt wurden heute für 100 Pfund Lebendgewicht: 1. Rinder. A. Ochsen: a) 64—65, b) 59—63, c) 52—58, d) 43—51 J. B. Bullen: a) 54—56, b) 46—53, c) 35—45 J. C. Färsen und Kühe: a) 64—65, b) 58—63, c) 47—57, d) 32—16, c) 18—31 Jfl. 2. Kälber. a)—. b)—. c) 77—79, d) 70—76, e) 55—69 M. 3. Schafe. A. Stallmastschafe: a) 40—54 K. B. Weidemastschafe: a) 30—49, b) 50—53 efl. 4. Schweine. a) 84—85, b) 84—85, c) 82—83, d) 80—81, c) 76—79, 1) 70—78 M. Haranst 2es Von A. Heinrichsbauer=Essen. Für den Ruhrbergbau besteht auf der einen Seite der Zwang, die Zechen in ihrer Leistungsfähigkeit möglichst stark auszunutzen, um durch steigende Förderung die Gestehungslosten der Kohle herabzudrücken. Auf der einen Seite ist es jedoch unmöglich, im In= und Ausland die Förderung unterzubringen. Aus diesem Zwiespalt entstehen die beiden wichtigsten schon seit längerer Zeit auf dem Bergbau lastenden Probleme: Absatz= und Finanznot. Die Absatznot kommt zum großen Teil vom Weltmarkt her. Zur Zeit ist die Gesamtsteinkohlen=Förderung der Welt, die im Jahre 1924 auf 1180 Miltionen Tonnen sich beiief, nur um und 50.(u. Millionen Tonnei ger.::: als im licter Freden=jahr 1913 Dieser M1rna ist jeday nicht so groß, als daß er sich dem Rückzang des Gesamtwelthandels anpaßte, der zru Zeit auf 75—80 Prozent seiner Vorkriegshöhe veranschlagt werden kann. Für Deutschland liegen die Ver hältnisse so, daß im Jahre 1924 ein deutscher Jahresverbrauch von rund 135 Millionen Tonnen sich ergab, während dieser in den jetzigen Grenzen Deutschlands für die Vorkriegszeit auf 155 Millionen Tonnen berechnet werden kann. In der Zwischenzeit dürfte sich das Verhältnis noch mehr verschlechtert haben. Dem Rückgang der Verbrauchsmöglichkeit steht jedoch ein Steigen der Förderfähigkeit gegenüber, die auf mindestens 25 bis 30 Prozent über Friedenshöhe geschätzt werden kann. Es ergibt sich, daß zur Zeit die Aufnahmefähigkeit des Marktes nur auf 10,2—10,5 Millionen Tonnen monatlich zu schätzen ist, während die Förderhöhe auf 13 Millionen Tonnen sich beläuft und die Fördermöglichkeit sogar auf 15 bis 16 Millionen Tonnen eingeschätzt werden kann. Daraus erklärt sich, daß zurzeit auf den Zechenhalden des Ruhrreviers eine Menge von 9,5 bis 10 Millionen Tonnen Brennstoff unvermerkt liegt; diese Menge stellt beinahe eine Monatsförderung dar und representiert einen Wert von rund 150 Millionen Mark. Es ist nicht anzunehmen, daß bald eine grundsätzliche Besserung des Absatzes eintreten wird. Auch wenn man einmäl von den Fragen der allgemeinen Konjunktur ganz absieht, ergeben sich Zweifel, die auf der völligen Umstellung beruhen, die in der Art des Brennnstoffverbrauchs schon seit Jahren zu beobachten ist. In erster Linie ist der unverkennbare Fortschritt in der Wärmewirtschaft zu nennen; ferner die starke Abkehr der deutschen Eisenindustrie von der Verwendung des Minetterzes und sein Ersatz besonders durch SchwedenKühreergrader! erze, bei deren Verhütung wesentlich geringere Kohlenmengen gebraucht werden; sodann kommt in Betracht die vermehrte Ausnutzung der Wasserkräfte und die Fortschritte in der Elektrisierung der Eisenbahn und anderer großer Kohlenverbraucher; auf die Ursache wird z. B. der in Höhe von etwa 25 Prozent geschätzte Rückgang im Kohlenverbrauch der Schweiz zurückzuführen sein, die gegenüber einer deutschen Einfuhr an Brennstoffen in Höhe von rund 2½ Millionen Tonnen 1913 nur noch eine Menge von rund 320000 Tonnen im Jahre 1924(also nur noch etwa 12 Prozent) hereingenommen hat. Schließlich kommt als Abschwächunsfaktor in bezug auf den Kohlenverbrauch auch die fortschreitende Umstellung der Schiffahrt auf den Gebrauch von Oel als Heizstoff in Betracht, ein Prozeß, der sicherlich mitgewirkt hat, um z. B. die Bunkerschiffung Großbritanniens von rund 21 Millionen Tonnen im Jahre 1913 auf rund 17,7 Millionen Tonnen 1924 zurückzubringen. Aus alledem ist die Schlußfolgerung zu ziehen, daß diejenigen Betriebe, die nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können, aus dem Produktionsprozeß immer mehr ausscheiden müssen. Diese Entwicklung hat bereits vor einiger Zeit begonnen; sie ist zurzeit im vollen Gange; beachtlich ist dabei, daß auch die stärksten Gesellschaften von ihr nicht verschont bleiben. Es ist damit zu rechnen, daß im Laufe der Zeit ungefähr 50000 Bergarbeiter von der Stillegung der Zechen betroffen werden. Zur Absatznot gesellt sich die Finanzkrise. Ihre Entstehungsursache beruht darin, daß die Kohlenpreise den hohen Selbstkosten nicht entsprechen. Seit Beginn der Markstabilisierung hat der Bergbau seine Preise ständig ermäßigt. Von Mitte 1924 bis zur Jetztzeit sind sie um ungefähr 28 Prozent herabgesetzt worden, gleichzeitig sind die Löhne um 30 Prozent gestiegen, und es haben die Materialpreise— gemessen am Großhandelsindex— eine Erhöhung von 15—18 Prozent erfahren. Das Opfer, daß im Interesse eines allgemeinen Preisabbaus der Kohlenbergbau seinerzeit gebracht hat, ist also ohne Erfolg geblieben. Ducch diese Entwicklung ist das Verhältnis zwischen Selbstkosten und Verkaufspreisen immer ungünstiger geworden. Wenn man z. B. den Verkaufswert der Kohle 1913= 100 setz), so beträgt er jetzt 89; seit Anfang 1924— diese Zeit ebenfalls— 100 gesetzt— ist eine Ermäßigung der Preise auf 65 eingetreten. Es zeigt sich also, daß trotz Vermehrung der Lasten der Kohlenpreiswert am Realwert gemessen unter Friedenshöhe liegt. Die Folge ist, daß der erzielte Erlös in keinem Verhältnis zu den Selbstkosten steht. Man kann rechnen, daß bei guten Zechen zur Zeit je Tonne Färderung bei regulären Abschreibungen rund 1.30 bis 2.— M zugesetzt wird. Große Bergwerksgesellschaften erfordern allmonatlich Zuschüsse von 1 bis 1,5 Millionen Mark. Bei einer der größten Becgwerksgesellschaften hat sich aus diesem Grunde das Verhältnis der Reserven im Vergleich zur Vorkriegszeit auf 35—30 Prozent verschlechtert; bei anderen Gesellschaften ist die Verschuldung so groß, daß nicht einmal mehr zur Hälfte mit eigenem Kapital gearbeitet wird. Diese Finanzkrise kann. nur dadurch behoben werden, daß entweder die Kohlenpreise erhöht werden— daran ist natürlich nicht zu denken wegen der dadurch verursachten Vermehrung der Absatzschwierigkeiten,— oder daß die Selbstkosten eine Verminderung erfahren. Genauere Berechnungen haben ergeben, daß bei Wiedereinführung der Friedensarbeitszeit und bei besserer Anpassung der steuerlichen und sozialen Lasten an die jetzigen Verhältnisse eine Ermäßigung der Selbstkosten von rund. 1,70 bis 2,— Mark eintreten könnte. Erfolgt eine Verringerung der Selbstkosten in absehbarer Zeit nicht, so bleibt unerfindlich, wie die Weiterführung des Ruhrbergbaues finanziell sichergestellt werden soll. Ueber die bereits bestehenden Verpflichtungen hinaus noch neue aufzunehmen, erweist sich als immer schwieriger. Neben den Fragen der Absatz= und Finanznot spielen noch eine wichtige Rolle die sozialen. Probleme. Trotzdem dir Jahl der im Ruhrbergbau installierten Pferdekräfte sich im Vergleich zur Friedenszeit um über 400000 erhöht hat, ist, die Schichtleistung je Kopf der Gesamtbelegschaft immer noch nicht auf Friedenshöhe gekommen (1913 884 Kilogramm, jetzt 845 bis 850 Kilogramm); dazu drücken die steuerlichen Lasten außerordentlich. Man kann rechnen, daß bei der Ruhrkohle die steuerliche Belastung jetzt ungefähr 7 Prozent des Preises gegenüber 1,8 Prozent vor dem Kriege ausmacht. In Gemeinden mit ungünstigen Gewerbesteuerverhältnissen(im Ruhrgebiet ist das die Regel) ruhen auf der Tonne Kohle Steuerlasten von 1,50 bis 2.— Mark. Schließlich seien noch die Frachten erwähnt. Auch nach der bereits erfolglen Frachtermäßigung im Küstentarif betragen bei den für die Ruhrkohle besonders wichtigen Entfernungen die Frachten immer noch 150—180 Prozent des Friedenssatzes. Angesichts der wiederholt mit aller Bestimmtheit abgegebenen Erklärung der Reichsbahn ist nicht damit zu rechnen, daß in absehbarer Zeit ein wesentlicher Frachtenabbau stattfindet. Man sieht, daß eine zu große Menge ungünstiger Momente zur Herbeiführung der Krise im Ruhrbergbau mitgewirkt hat und mitwirken wird, als daß eine Hoffnung auf baldige Behebung der Schwierigkeiten gehegt werden könnte. Es ist im Gegenteil anzunehmen, daß im Laufe der nächsten Zeit noch eine Verschärfung sich bemerkbar machen wird. Fiugberkehr. Dortmund Knotenpunkt im Luftverkehr. Durch den in sieben Tagen aufzunehmenden regelmäßigen Flugverkehr Amsterdam—Dortmund wird das europäische Luftstreckennetz eine wertvolle Bereicherung erfahren. Die internationalen Großluftwege, die von London und Paris nach Amsterdam und von hier nunmehr auch nach Dortmund weiterführen, werden vom Deutschen AeroLloyd, von der Luftverkehrs=Aktiengesellsaft Westfalen, der holländischen Koninklijke Luchtvaact Maatschappy, der englischen Imperial Airways und der französischen Gesellschaft Farman betrieben. Die Strecke Amsterdam—Dortmund ist ein Glied folgender Luftverkehrs=Verbindungen: Amsterdam— Dortmund— Frankfurt—. Zürich, Amsterdam— Dortmund— Frankfurt—. München, Amsterdam— Dortmund Halle— Leipzig. Der Aero=Lloyd fliegt Amsterdam jetzt.von drei Richtungen an: von Kopenhagen über Hamburg— Bremen, Berlin über Hannover und von Dortmund. Dortmund ist also ein Luftverkehrsknotenpunkt ersten Ranges geworden, denn England, Holland, Dänemark, Schweiz, Süddeutschland und Oesterreich sind ebenso wie Berlin mit dem Aero=Ltoyd auf direktem Luftwege erreichbar. Westdealsche Junkstuade A.-G. Muaster Vortragsfolge am Dienstag, 14. Juli. 1,15—2,30 Uhr nachm.: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. Mitwirkender: Ferd. Pankok, Zithervirtuose, Münster. 1. Urbach: Aus Offenbachs Werken. 2. Kling: Waldteufelein. 3. Zithervorträge. 4. Lubbe: Bohémeschlager. 5. Zithervorträge. 6. Morena: Pudding. 7,10 Uhr abends: Einführung in die englische Sprache und Kultur(Prof. Hase, Münster). 8 Uhr abends: Vortrag: Der Einfluß der Kultur auf die Tierwelt"(Dr. Goffart=Münster, Zoologisches Institut). 8,30 Uhr abends: Konzert=Abend von Grete Eweler=Düsseldorf(Violine). 1. Händel: Sonate in A= Dur. 2. Corelli=Leonard: La Folia. 3. a) Gluck=Kreisler: Melodic; b) PugnaniKreisler: Präludium und Allegro. Beethoven: Romanze-F=Dur. 5. a) Francoeur=Kreisler: Sizilienne und Rigandon; b) Kreisler: Caprice viennois. 6. Brahms=Joachim: Zwei ungarische Tänze. Anschließend an Hackebeils Sportfunkdienst: Ingenieur E. Schultz=Münster spricht über„Empfangsstörungen, deren Ursachen und Beseitigung". In wisstwie Tinin zusorh wi###Unser im Bau befindliches Spezialhaus soll ausschließlich mit Neuer Ware eröffnet werden. sttt.... 4 Schlußtage 17., 18., 20. und 21. Juli. Für diese Tage gewähre ich auf alle Preise, auch auf Verlustpreise und Markenartikel IOWEATNA NADATT Dieser Rabatt kommt an der Kasse in Abzug. Mode u. Seidnnaus S. Kuster DAS HAUS DER BILLIGEN PREISE FÜR OUALITÄTSWAREN Statt besonderer Anzeige. Am Sonntag, seinem 76. Geburtstage, verschied sanft nach längerem Leiden unser lieber, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater, Bruder und Schwager Konr. Kollikortng versehen mit den Tröstungen unserer hl. Kirche. Um ein Gebet für den treuen Entschlafenen bitten im Namen der Angehörigen Familie Fr. Kraas Familie Theodor Maus Schwerte, Barmen, Hemer, Brilon, den 13. Juli 1925. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch nachmittag 3½ Uhr vom Trauerhause, Bismarckstraße 14, aus; das feierliche Seelenamt ist am Donnerstag morgen 7¾ Uhr in der Pfarrkirche Es wird höfl. gebeten, von Beileidsbesuchen Abstand zu nehmen. 3171 K Samstag mittag 12 Uhr verschied sanft und gottergeben, nach kurzer Krankheit, unsere liebe Mutter, Schwie germutter und Großmutter, die Wilde-Wranziend-Calmher geb. Morawitz im Alter von 64 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen Schwerte, Krascheow, Beckum, den 13. Juli 1925. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. Juli 1925, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Fleitmannstr. 5. aus Statt. 3168 Schlung.Wirtel Für den republikanischen Tag, der in Westhofen am 22. und 23. 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