*• Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Dolksblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde Seiltung“ arschetn vöchentich siche nel. Bezugspreis haldmonatlich 1.30 Mark. Einzeinummer 5 Pfg. Druck und Verlag von Corl Braus, Schwerte (Rubr), Ceieson Nr 62, Posischeckonten: Dortmund Nr. 2852 und Hannover Nr. 21 874. Hauptgeschästsstelle: Welthotener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Anzeigen-Preise: Für die ochtgespaltene Millimeterzette 19 Pig., Auswärtigze 12 Plg., Lomilen-Aigzeioen&#mp Pse. Hinam-Anzeigen 12 Pfg., Reklamezeile 50 Dig volbergesehenen Betriebsstbrungen, hervorgerufen durch bödere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr für pünkthied## Erscheinen der Zeitung und kann auch keinerlei Anspruch auf Schodenersatz oder Nachlieferung erdoden werden. 24 2# 2 Nr. 227(Erstes Blatt) Erstes und ältestes Cagesorgau des Kreises. Generalanzeiger für den Kreis Hörde. 57. Jahrgang Freitag, den 26. September 1924 K Neues in Kürze. 362 Ausweisungen zurückgenommen. wtb. Paris, 25. Sepi.(Tel.) Nach einer Havasmeldung aus Koblenz hat die Rheinlandkommission in ihrer Sitzung vom 23. September die Zurückziehung der im Laufe des passiven Widerstandes gegen 362 Personen erlassenen Ausweisungsbefehle ausgesprochen. Die Zahl der Vertriebenen, die sich während des passiven Widerstandes auf 31 475 belief, sei jetzt für die französische Zone auf 74 zurückgeführt worden. Die Zahl solle noch weiter verringert werden. Verkehr mit Kohle und Koks im Ruhrgebiet. wtb. Düsseldorf, 25. Sept.(Tel.) Eine Verfügung des Generals Degoutte bestimmt, daß nach Aufhebung der Kohlensteuer und der Gebühren für Nebenprodukte der Verkehr mit Kohlen und Koks im besetzten Nuhrgebiet von jetzt an vollkommen frei wird. Gleichzeitig wird der Erlaß aufgehoben, der den Verkauf von Nebenprodukten solcher Werke sperrte, deren Gruben die französische Kohlensteuer nicht entrichtet haben. Die Geldbewegung bei der Reichshauptkasse. wtb Berlin, 25. Sept.(Tel.) Nach der Uebersicht über die Geldbewegung bei der Reichshauptkasse in der Zeit vom 11. bis 20. September betrug in diesem Zeitraum die Summe der Einzahlungen rund 230,4 Millionen Goldmark, die der Auszahlungen rund 160,5 Millionen, mithin der Dekaden=Ueberschuß rund 69,8 Millionen Goldmark. der Gesamtüberschuß seit dem 1. April rund 158,7 Millionen. Der Stand der Rentenmarkschuld weist in diesem Zeitraum eine Zunahme von 3,5 Millionen auf. Das Gesamtaufkommen an Steuern und Zöllen für den August betrug rund 592 Millionen, während die in den drei AugustUebersichten nachgewiesenen Ablieferungen nur rund 482,8 Millionen ausmachten. Der Unterschied von rund 109,2 Millionen stellt den von den Oberfinanzund Finanzkassen zu unmittelbaren Zahlungen zurückgehaltenen Betrag dar. Die Rettungsmedaille.„ wtb Berlin, 25. Sept.(Tel.) Das preußische Staatsministerium beschäftigte sich gestern wie der amtliche preußische Pressedienst mitteilt, mit der Frage der Herstellung des Diploms, das an Stelle der Rettungsmedaille für Personen bestimmt sei, die einen Mitmenschen aus Lebensgefahr gerettet haben, und beschloß, vorerst die Frage der Verleihung des Diploms zurückzustellen und sich zunächst mit der Reichsregierung in Verbindung zu setzen, um den Versuch zu machen, gemeinsam mit ihr die Möglichkeit der Wiederverleihung der Rettungsmedaille zu finden. Strafunterbrechung für Hitler. wtb München. 25. Sept.(Tel.) Das Landgericht München 1 bewilligte dem Schriftsteller Adolf Hitler und Oberstleutnant a. D. Hermann Kriebel ab 1. Oktober Strafunterbrechung bei einer Bewährungsfrist von vier Jahren. Die Entscheidung darüber, ob auch Tierarzt Dr. Weber eine Bewährungsfrist zu bewilligen ist, wird bis zur Beendigung des gegen Oswald und Genossen wegen Vergehens gegen das Renublikschutzgesetz eingeleiteten Verfahrens ausgesetzt. Protest gegen polnische Steuerwirtschaft. wtb. Kattowitz, 25. Sept.(Tel.) Gestern fand hier eine zahlreich besuchte Protestversammlung von Vertretern aller Berufe und Stände gegen die unerträglichen Zustände im Steuersystem statt. Gestern abend ist eine Abordnung der Handelskammer nach Warschau gefahren, die heute vormittag vom Ministerrat empfangen wurde. Eine Revolte in Petersburg? wtb. Paris, 25. Sept.(Tel.) Eine Nachrichten= agentur verbreitet ein Telegramm aus Bukarest, nach Nachrichten aus Rußland sei eine Revolte unter den Arbeitern in Petersburg ausgebrochen. Die Trupven hätten sich geweigert, auf die Aufständischen zu schießen. Zahlreiche Verhaftungen seien vorgenommen und schon mehrere Todesurteile gefällt worden. Eine russische Militärbefreiungsafsäre. wtb. Paris, 25. Sept.(Tel.) Havas verbreitet eine Blättermeldung aus Moskau, nach der in der Verwaltung der Roten Armee ein Skandal ausgebrochen sei. 400 Personen seien verhaftet worden, weil sie sich durch falsche Atteste vom Militärdienst befreit hätten. 17 Aerzte, die solche Atteste ausstellten, seien ebenfalls verhaftet worden. Der verschenkte Apfelwein. wtb. Paris, 25. Sept.(Tel.) Havas meldet aus Washington: John Hill, Mitglied des Kongresses, wird durch das Bundesgericht angeklagt, an etwa tausend seiner Nachbarn Apfelwein mit 2¾ Prozent Alkohol gratis verteilt zu haben. Hill behauptet, daß eine solche Mischung nicht unter die durch das Prohibitionsgesetz ins Auge gefaßten Kategorien fällt. Man nimmt an, daß es die Absicht des Bundesgerichts ist, ein Exempel zu statuieren. Hungersnot auf den Philippinen. wtb. Paris, 25. Sept.(Tel.) Nach einem Telegramm des Newyork Herald aus Newyork hat sich auf den Philippinen infolge der Ueberschwemmungen und der Viehseuchen ein Mangel an Nahrungsmitteln eingestellt, der einen Zustand geschaffen hat, den man fast als Hungersnot bezeichnen könnte. Von dieser Notlage sind 40000 Menschen betroffen. Diplomatenabbau in Chile. wtb. Santiago, 25. Sept.(Funkspruch.) Die chilenische Regierung hat aus Ersparnisgründen von 51 bei den Auslandsmissionen tätigen Militär= attachees 40 abberufen. Ferner beabsichtigt die Regierung, alle nicht unbedingt als nötig zu betrachtendeu diplomatischen Posten aufzuheben. Die Frage der Regierungsambarung. wtb. Berlin, 25. Sept.(Tel.) Der Vorstand der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei saßte, wie die Nationalliberale Korrespondenz meldet, einstimmig eine Entschließung, in der es heißt: Die Außenpolitik des Reiches ist durch die Annahme des Londoner Paktes und die Erklärung der Neichsregierung zur Kriegsschuldfrage vom 30. August sowie den Beschluß des Kabinetts über den Eintritt in den Völkerbund vom 23. September festgesetzt: Uebernahme der Reparationslasten nur gegen Sicherung. von Freiheit, Ehre und Existenzmöglichkeit, Eintritt in den Völkerbund nur nach Garantierung formeller und materieller Gleichberechtigung mit den Hauptmächten sind die Richtlinien. Nunmehr handelt es sich um die innere Konsolidierung. Nachdem der Reichstag am 29. 8. den Londoner Abmachungen zugestimmt hat, wobei die deutschnationale Fraktion die Annahme mit ermöglichte, ist die Durchführung der dadurch erforderlichen Maßnahmen Sache aller Parteien und des ganzen Volkes. Wir glauben, daß die deutschnationale Partei auch ihrerseits nunmehr die Durchführung der entstandenen Aufgaben mitsichern wird. Dadurch wird die Bahn frei für die Erweiterung des Reichskabinetts durch Hinzuziehung deutschnationaler Männer, entsprechend der Bedeutung und Stärke der Partei. Unser Ziel ist nicht die Schaffung eines Bürgerblocks. Leitende Idee unserer Innenpolitik war die Herbeiführung der Volksgemeinschaft. Deshalb hatten wir uns auch im Reiche bereit gefunden, mit der sozialdemokratischen Partei zusammen zu arbeiten. Dieses Zusammenarbeiten ist durch die Schuld der Sozialdemokratie gescheitert. Für die Volksgemeinschaft haben wir nicht ohne sichtbare Erfolge gearbeitet. Diese Erfolge dürfen nicht infolge einer Reichstagsauflösung gestört werden. Die Lösung ist nach unserer festen Ueberzeugung nur durch die Einbeziehung von sechs Millionen deutschnationaler Wähler in die Volksgemeinschaft und die Sicherung ihrer Mitarbeit möglich. wtb. Berlin, 25. Sept.(Tel.) Im Auftrage des Vorstandes der Reichstagssraktion der Deutschen Volkspartei haben heute mittag die Reichstagsabgeordneten Dr. Zapf und Dr. Curtius dem Reichskanzler Kenntnis von der Entschließung des Vorstandes über die Erweiterung des Reichskabinetts durch Einbeziehung der Deutschnationalen Volkspartei in die Regierung gegeben. Der Reichskanzler nahm die Mitteilungen der Herren entgegen und erklärte ihnen, daß es nach den bekannten Vereinbarungen mit der Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei vom 29. August ohnedies seine Absicht gewesen wäre, noch vor dem Wiederzusammentritt des Reichstages von sich aus Verhandlungen über die etwaige Regierungsumbildung aufzunehmen und daß er bei dieser Absicht bleibe. Für die bedürftigen Kriegsanleihezeichner. wtb. Berlin, 25. Sept.(Tel.) Wie durch die Presse bereits kurz bekanntgegeben, legte der Reichsfinanzminister dem Unterausschuß, der sich mit der Aufwertungsfrage beschäftigt, einen Plan vor, der den Bedürftigen unter den Kriegsanleihezeichnern Hilfe bringen will. Die Hilfe, die der Finanzminister anbietet, kann sich nur im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel halten. Darum wird keine algemeine Aufwertung, sondern eine Rentengewährung an bedürftige Anleihezeichner in Aussicht genommen. Berücksichtigt werden können nur solche Personen, die sich noch im Besitz der Kriegsanleihe befinden. Dazu gehören die im Reichsschuldbuch Eingetragenen. Als bedürftig soll der angesehen werden, der weder aus eigenem Vermögen, noch aus eigener Arbeit seinen Unterhalt bestreiten kann. Die Rente soll dem Berechtigten und nach seinem Tode seinem Ehegatten auf Lebenszeit gewährt werden. Entscheidend soll sein, daß der Berechtigte bei Begründung des Anspruchs auf die Rente bedürftig gewesen ist. Die Höhe der Rente soll sich nach dem Betrage bemessen, den der Berechtigte dem Reiche in selbstgezeichneter Kriegsanleihe überträgt, wird jedoch bei den einzelnen Berechtigten mit Rücksicht auf die zur Verfügung stehenden Mittel den Betrag von 1000 Neichsmark für das Jahr nicht überschreiten können. Das Recht auf die Rente soll mit der Person des Berechtigten verknüpft sein. Die Uebertragbarkeit der Reute wird also auszuschließen sein. Um dem Bedürftigen die Aufnahme in eine häusliche Gemeinschaft zu erleichtern, soll er aber die Rente innerhalb eines bestimmten Kreises verleben können. Sie soll nach seinem Tode aus einen Zeitraum von zehn Jahren beschränkt werden und auf solche Personen übergehen können, die ihn oder seinen Ehegatten in ihre häusliche Gemeinschaft ausgenommen hatten. Die Rente soll ferner vererblich sein auf Kinder, Kindeskinder oder Eltern, sofern diese Erben bedürftig sind. Auch die für diesen Fall vorgesehene zeitliche Beschränkung auf zehn Jahre würde der Reichsminister der Finanzen, wenn besondere Gründe vorliegen, kraft der ihm zu erteilenden Befugnis verlängern können. Was die Höhe der Leistungen betrifft, so ist daran gedacht, die Rente auf zwei Reichsmark je Jahr auf je 100 Papiermark nom. Kriegsanleihe zu bemessen. Es soll auch über die bedürftigen physischen Personen hinaus solchen Verbänden eine in ihrer Höhe noch festzustellende Rente zufließen, die ihrerseits zur Unterstützung von Bedürftigen berufen sind. Hierunter fallen kirchliche und sonstige caritative Einrichtungen, die zur Unterstützung Armer und Kranker Gelder angesammelt und diese Gelder als Selbstzeichner in Kriegsanleihe angelegt haben. wtb. Berlin, 25. Sept.(Tel.) Der Unterausschuß des Aufwertungsausschusses veröffentlicht folgenden Bericht: Der Unterausschuß des Aufwertungsausschusses des Reichstages setzte heute die Beratung über die Möglichkeit der Verzinsung der öffentlichen Anleihen fort. Die Erörterung über die Reichsanleihen wurde schuß wandte sich dann den Anleihen der Länder und Kommunen zu. Die Beschlußfassung über die vorliegenden Anträge wurde bis zum Abschluß der Beratung über sämtliche Fragen, die vom Aufwertungsausschuß selbst gestellt sind, zurückgestellt. Ruhrräumung wtb Berlin, 25. Sept.(Tel.) Das Memorandum über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, das den beteiligten Regierungen durch die deutschen Vertreter überreicht werden soll, wurde in der heutigen Sitzung des Ministerrats genehmigt und wird nunmehr umgehend den in Frage kommenden deutschen Auslandsvertretungen zugestellt werden. wtb. Paris, 25. Sept.(Tel.) Der Berliner Berichterstatter einer Pariser Nachrichtenagentur will aus guter Quelle erfahren haben, Dr. Nansen hätte Reichskanzler Marr folgendes Argument vorgeschlagen, um Frankreich zu bestimmen, das Ruhrgebiet vor dem in London festgesetzten Termin zu räumen: In dem Augenblick, in dem Deutschland in den Völkerbund eingetreten sei, werde jede Verlängerung einer grundsätzlich angezweifelten Besetzung wie die englischen Juristen es anerkannt hätten, unzulässig. Dieser Zustand verletze das Statut des Völkerbundes, das die absolute Gleichheit aller Mitglieder in sich schließe. wth Rom, 25. Sept.(Tel.) Monde schreibt, daß der deutschen offiziellen Note über den Beitritt zum Völkerbund eine hohe politische Bedeutung zukomme. Man glaube aber nicht, daß Deutschland noch in dieser Völkerbundssitzung zugelassen werde, weil es durch seine Eintrittsbedingungen den Franzosen einen willkommenen Vorwand zur Verzögerung gegeben habe.„ Tans(Tel) 9.#. wib London, 26. Sept.(Tri.] Der Genfer Sonderberichterstatter des Manchester Guardian meldet: Die Atmosphäre ist für das deutsche Gesuch durchaus ungünstig. Polen ist offen feindlich, der Kleine Verband ebenso in vorsichtigerer Form. die Franzosen sind diplomatisch abweisend. Für alle diese feindlich gesinnten mente ist die britische Beharrlichkeit äußerst lästig. Alle ihre Anstrengungen sind darauf gerichtet, Zeit zu gewinnen. Der Berichterstatter bemerkt dazu: Dies sei das Bestreben, den Völkerbund als interalliierte Organisation aufrecht zu erhalten und Deutschland weiter als Paria zu behandeln. Der Grund dafür liege in der Tatsache, daß 11 Millionen Deutsche als Minderheiten in den nach dem Kriege nengebildeten Staaten leben, besonders in Polen. Die Frage sei also nur die. ob der Völkerbund eine fast ausschließlich alliierte Maschine bleibe, oder universal werde und ob Großbritannien sich mit dieser Auffassung abfinden werde. Tanbtag. 336. Sitzung. V93. Berlin, 25. Sept.(Tel.) Vizepräsident Garnich eröffnet die Sitzung um 12¼ Uhr. Das Haus nimmt zunächst die nochmalige namentliche Abstimmung vor über die Entschließung des Beamtenausschusses, wonach bis zum Eingang des durch das Justizministerium zu erstattenden Gutachtens jeder weitere Abbau von Wahlbeamten zu bleiben hat. Am Mittwoch war bei dieser Abstimmung Beschlußunfähigkeit eingetreten. Auch heute wurden nur 201 gültige Stimmen abgegeben. Das Haus ist wieder beschlußunfähig. Vizepräsident Garnich setzt sofort eine neue Sitzung an, auf deren Tagesordnung die Beamtenentschließung nicht mehr steht. Es wird die Haushaltsberatung bei der landwirtschaftlichen Verwaltung fortgesetzt. Abg. Heilmann(Soz.) wendet sich gegen die Schutzzollvorlage der Reichsregierung. Die Begründungen des Grafen Kanitz sind durch die letzten drei Monate Bewertung der Grundstücke eine objektive Bewertung. Redner wendet sich gegen den Zinsendienst der Banken, der jetzt gewissermaßen überholt werde durch hohe Steuerverzugszinsen. Er spricht der Staatsregierung die schärfste Mißbilligung seiner Fraktion aus, weil sie dem Wunsche des Hauptausschusses wegen Einführung von Schutzzöllen nicht mehr näher gePreuß. Landwirtschaftsminister Wendorff weist auf die schweren Witterungsschäden hin, zu denen noch ein spätes Frühjahr hinzukommt. Das Staatsministerium ist einmutig der Ansicht, daß alles mit größtmöglichster Beschleunigung geschehen muß, um der Landwirtschaft zu helfen und für die Aufrechterhaltung ihrer Betriebe zu sorgen. Bisher sind bereits 10 Millionen Mark hergegeben. Im ganzen werden die erforderlichen Mittel die Summe von 100 Millionen weit überschreiten. Auch für die durch Hochwasser geschädigte Landwirtschaft wird die gleiche Hilfe geleistet werden. Der Minister bezeichnet die Schaffung eines Realkreditinstituts für erforderlich, kompletter Unsinn geworden. Die Reform der Umsatzsteuer ist viel bedeutsamer als die ganze Zoll97„ 29s#r) mess berauf hin daf: diAbg. Herold(Itr.) weint barauf hin, oaß die Witterungsverhältnisse die Ernteaussichten schwer geschädigt haben; dennoch habe die Landwirtschaft mit diesen Widerlichkeiten den Kampf nicht aufgegeben. Die Staatsregierung müsse ihr wieder zu Hilfe kommen. Der Redner weist dann die scharfen Angriffe des Abg. Heilmann gegen die Zollpolitik des Reiches zurück. Angesichts des Fortbestehens der Industriezölle sei die Forderung nach Agrarzöllen durchaus berechtigt.„.„ mist auf 5i. arnste Mat. Abg. Schulz=Stade(Dn.) wein auf die ernste Notlage der Landwirtschaft hin. Pfändungen rückständiger Steuern seien auf dem Lande an der Tagesordnung. Umso eigentümlicher müssen die Ausführungen des Abg. Heilmann berühren. Der Redner geht dann auf die der Landwirtschaft gegenüber betriebene Steuerpolitik und ihre verderblichen Folgen ein und fordert an Stelle der bisherigen subjektiven wodurch die landwirtschaftlichen Interessen gewahrt und geschützt werden. Redner begrüßt es, daß die Zollvorlage von allen Mitgliedern nicht als Parteifrage behandelt worden sei. Auch der Deutsche Industrie= und Handelstag habe in erfreulicher Weise die Notwendigkeit der Wiedereinführung eines Schutzzolles für die Landwirtschaft erkannt, der für lange Jahre hinaus im Interesse nicht nur der Landwirtschaft, sondern der gesamten deutschen Wirtschaft liegt. Bei der entscheidenden Abstimmung im Staatsministerium für die Einführung von Zöllen habe es sich um keine Zufallsmehrheit gehandelt, sondern das gesamte Staatsministerium habe abgestimmt. Richtig sei, daß im letzten Monat die Getreidepreise über den Friedenspreis gestiegen sind, daß die Erzeugungsmittel aber noch nicht auf den Friedenspreis gesunken sind. Die landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen müssen unter allen Umständen aufrechterhalten werden. Der Minister schloß mit der Aufforderung, daß die Behandlung der landwirtschaftlichen Fragen nicht in das Gehege der Parteipolitik gezogen werde und wahrhaft aufrichtige Arbeit zum Besten des Vaterlandes geleistet werde.(Lebhafter Beifall.) Abg. Westermann(Dem.) spricht als praktischer Landwirt über die unheilvollen Wirkungen der schlechten Witterung. Mancher Landwirt habe nicht Hilfeleistung für die Landwirtschaft. wtb Berlin, 25. Sept.(Tel.) In der gestrigen Sitzung des preußischen Staatsministeriums über die Möglichkeiten der Hilfeleistung für die durch Ernteschäden besonders stark betroffenen landwirtschaftlichen Bezirke teilte der preußische Finaz= minister dem amtlichen preuß. Pressedienst zufolge mit, daß sogleich nach Eingang der ungünstigen Nachrichten über die Ernteschäden den durch die großen Regengüsse geschädigten Bezirken 15 Millionen Mark zugeführt wurden und daß über die Ueberweisung weiterer 25 Millionen Mark bereits Verhandlungen mit den in Frage kommenden Stellen schwebten. Das Staatsministerium beschloß. den Finanzminister zu ermächtigen, zunächst die zur Fortführung der landwirtschaftlichen Betriebe und zur Versorgung der Schädenbezirke mit Brotgetreide und mit Saatgut sofort benötigten Summen im Wege des Kredits zur Verfügung zu stellen. Amtliche Berliner Devisenkurse. Holand 10 Guld. Buenos=Aires Belgien 100 Fr. Norwegen 100 Kr Dänemark 100 Kr. Schweden 100 Kr. Finnland 100 M. Italien 100 Lire England New York 1 D. Paris 100 Jrk. Schweiz 100 Frk. Spanien 100 Pes. Japan Rio de Janeiro Wien 100000 Kr. Prag 100 Kr. Budapest 100000 Sosia Jugoslawien. Alle Zuteilungen 100 Protent einmal das Rötigste zu seinem eigenen Bedarf aus seinen Ernteerträgnissen zu erhoffen. Die Ambildung der Wirtschaftskredite in langfristige müsse herbeigeführt werden, da sonst viele Existenzen vernichtet werden. Hierauf wird die Weiterberatung abgebrochen und auf Freitag 12 Uhr vertagt. Vorher Anträge zur dritten Steuernotverordnung. Politische Umschau Deutsches Die Rückgabe der Forsten. wtb Koblenz, 25. Sept.(Tel.) Amtlich. Die Verhandlungen über die Forstunternehmen, die am 10. September in Koblenz begonnen haben, sind noch im Gange. Bereits seit dem 21. September erfolgt die Bewirtschaftung der Forsten nach deutschen Vorschriften. Die endgültige Rückgabe der Forstunternehmen an die deutschen Behörden erfolgt am 1. Oktober. Schon während der Uebergangszeit finden weitere Holzfällungen nicht mehr statt. Die Verhandlungen über die schwierige Frage der Fortgeltung der laufenden Verträge sind noch nicht abgeschlossen. Das Emser Ein= und Ausfuhramt. wtb Koblenz, 25. Sept.(Tel.) Wie wir erfahren, wird das Ein= und Ausfuhramt in Bad Ems seine Tätigkeit 14 Tage nach der in dem Londoner Abkommen vorgesehenen zweiten Feststellung der Reparationskommission, also am 21. Oktober, einstellen. Die von diesem Amt in der Zeit vom 21. September bis 20. Oktober einschließlich ausgestellten Bewilligungen haben einmonatliche Geltungsdauer vom Tage ihrer Ausstellung an gerechnet. Das Ein= und Ausfuhramt Bad Ems wird während dieser Zeit für die schon gegeben gewesenen Ein= und Ausfuhrbewilligungen ebenso die Anweisungen in Anwendung bringen. die den zuständigen deutschen Behörden in bezug auf die Behandlung gewisser Grenzkontingente gegeben war.— Eine oder mehrere Verbindungspersonen können dem Ein= und Ausfuhramt Bad Ems beigegeben werden. Hingegen hat sich die deutsche Regierung verpflichtet, die Gültigkeit der unter den obenstehenden Bedingungen vom Ein= und Ausfuhramt Bad Ems ausgestellten Bewilligungen anzuerkennen. Handelspolitische Verhandlungen im Reichswirtschaftsrat. bb Berlin, 24. Sept. Der wirtschaftspolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung auf Ersuchen der Reichsregierung mit der Frage des neuen deutschen Zolltarifs. Nach eingehender allgemeiner Aussprache wurde ein aus 18 Mitgliedern bestehender Arbeitsausschuß gebildet, der die einzelnen Zolltarifpositionen unter Hinzuziehung von Sachverständigen bearheiten und der Reichsregierung mit tunlichster Beschleunigung Richtlinien für die beginnenden, Handelspertragsgerhandlungen geben soll.,(Gleichzeitig wurde die folgende von dem Mitglied Dr. Bücher vorgeschlagene Entschließung zur sofortigen Weitergabe an die Reichsregierung angevonmen:., e Te.846s1 u8 1.14 „Die internationale Handelspolitik ist seit Beendigung des Krieges in vielen Ländern zum System des Hochschutzolles übergegangen. Dieses System widerspricht den Notwendigkeiten eines internationalen Warenaustausches. Es hat die Konsumkraft des Weltmarktes verringert und die Arbeitslosigkeit in allen Ländern gefördert. Die Gesundung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen erfordert, daß dieses Hochschutzollsystem wieder verlassen wird zugaunsten einer Handelspolitik, die im Sinne der einstimmig gefaßten Beschlüsse der Konferenz von Genua den internationalen Warenaustausch erleichtert. Dementsprechend fordert der Reichswirtschaftsrat, daß die Reichsregierung bei den kommenden Handelsvertragsverhandlungen nach wie vor von einem mäßigen Zollschutzsystem ausgeht. Der Reichswirtschaftsrat ist ferner der Auffassung, daß die Frage der freien Kontingente bei Verhandlungen grundsätzlich auszuscheiden ist. Die Grundlage der Handelsverträge, muss wie vor dem Kriege die allgemeine, unbedingte Meistbegünstigung werden. Die Regierung wird aufgefordert, mit größter Beschleunigung einen als Grundlage für die Handelsvertragsverhandlungen, geeigneten neuen sorgfältig abgeglichenen Zolltarif auf Grund des neuen Zolltarifschemas und unter Mitwirkung des Reichswirtschaftsrates auszuarbeiten. Die Reichsregierung wird, solange es nicht möglich ist. diese neue gesetzliche Grundlage zu schaffen, zu prüfen haben, ob die für die deutsche Volkswirtschaft notwendigen Maßnahmen vorläufig auf Grund des§ 10 des Zolltarifgesetzes oder des§ 7 der Reichsabgabenordnung getroffen werden können und ob es sich nicht empfiehlt, in diesem Falle sich für die nächste Zeit mit kurzfristigen Abkommen zu begnügen.“ Der wirtschaftsvolitische Ausschuß hat in der gleichen Sitzung einen Arbeitsausschuß für die Zolltariffragen gebildet, der schon heute zusammentritt und aus folgenden Mitgliedern besteht: Abteilung 1: Dr. Kayser, Dr. Frank, Artur Cohn. Hansen, Georg Müller, Grünfeld: Abteilung 2: Schweitzer, Löhrke, Bruhns, Kreil, Lins, Czieslik: Abteilung 3: Dr. Feiler, Vögele=Mannheim, Bastlein, Bernhard, Dr. Berthold, Max Cohen. Kommunisten=Prozeß vor dem Staatsgerichtshof. wtb. Leipzig, 25. Sept.(Tel.) Vor dem Staatsgerichtshof begann heute das Revisionsverfahren gegen den kommunistischen Schriftleiter Karl Schneck aus Stuttgart und elf Genossen, von denen zwei, nämlich der als Reichstagsabgeordneter immune Stetter und der flüchtige Parteiangestellte Lenius. nicht erschienen sind. Schneck ist Fraktionsvorsitzender der württembergischen kommunistischen Landtagsfraktion. Ihm und seinen Genossen wird vorgeworfen, nach dem Verbot der Partei im November 1923 dieselbe weitergeführt und in diesem Zusammenhang auch Versammlungen abgehalten zu haben. Die einzelnen Angeklagten waren von dem Stuttgarte: Schöffengericht bereits zu Gefängnisstrafen von vier bis acht Monaten verurteilt worden. Das eingeleitete Revisionsverfahren wurde dann vom Landgericht Stuttgart wegen Unzuständigkeit dem Staatsgerichtshof überwiesen. Der Prozeß wird voraussichtlich) mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Grußpflicht zwischen Offizieren. * München, 25. Sept. Ob eine Grußpflicht zwischen Offizieren der Reichswehr und des alten Heeres besteht, war Gegenstand einer Verhandlung vor dem Münchener Amtsgericht. Ein Hauptmann des alten Heeres hatte am 27. Januar d. Is. auf der Straß: den Gruß eines Reichswehroffiziers mehrmals ostentativ nicht erwidert und das mit den Worten motiviert:„Reichswehrsoldaten danke ich für den Gruß. raf iziere grüße ich richt wenn ich sie nicht ###e der damgige Kommandart der bayrischen Division, General v. Lossow, Strafantrag wegen Beleidigung der Reichswehroffiziere gestellt. Das Urteil lautete wegen Beleidigung auf 150 Mark Geldstrafe. In der Begründung heißt es, wenn der Beklagte in den Wochen nach dem Hitlerputsch, in denen in Offizierskreisen vielfach große Erregung über die Reichswehr bestand, sich nicht zum Gruß entschließen konnte, so hätte er nicht Uniform tragen dürfen. Die Revision des Verurteilten wurde vom Oberlandesgericht verworfen. Ausland. Die Sorge der englischen Textilindustrie. wtb London, 25. Sept.(Tel.) Macdonald empfing eine Deputation von Vertretern der Baumwollinteressenten von Lancashire. Der Sprecher der Deputation hob die ernste Wirkung für den britischen Exporthandel in Baumwollwaren hervor, welche sich daraus ergeben würde, wenn Deutschland bei dem Abschluß des deutsch=französischen Handelsvertrages den Textilprodukten Elsaß=Lothringens besondere Zollerleichterungen gewähren würde. Die Baumwollfabrikanten ersuchten Macdonald und die Regierung, kein Mittel unversucht zu lassen, um zu erreichen, daß in jedem neuen Vertrage Deutschland Großbritannien eine ebenso günstige Behandlung zuteil werden lasse wie irgendeinem anderen Lande. Macdonald sicherte der Deputation die aktive Unterstützung der Regierung zu und versprach, daß die Industrie von Lancashire auf dem Laufenden gehalten und auch um Rat gefragt werden soll. Noch immer die Lusitania. K3 Washington, 25. Sept. Der Ausschuß zur Erledigung der gemischten Ansprüche hat entsprechend der kürzlich von den Sachverständigen gefällten Entscheidung den Anspruch der Geschwister von Charles Frohmann zurückgewiesen, weil sie von ihm nicht ihren Lebensunterhalt empfingen. Dagegen wurden den Erben von vier andern beim Untergang der Lusitania Amgekommenen insgesamt 171 000 Dollar zugebilligt, wovon allein 140 000 Dollar an die Familie von Richard Billickens in Los Angeles kommen. Dieser Betrag stellt die höchste Summe dar, die bisher für den Tod eines einzelnen Menschen zugebilligt worden ist. Weiterhin hat der Ausschuß einen Gesamtbetrag von 90 000 Dollar zugebilligt für eine Reihe von Ansprüchen, die aus deutschen Beschlagnahmungen in Belgien und Frankreich hergeleitet wurden. Zeppelin auf der großen Fahrt. wtb Friedrichshafen, 25. Sept.(Tel.) Der Zeppe(in=Kreuzer 3. R. III ist kurz nach 9 Uhr zur großen Fahrt aufgestiegen. Bei der Abfahrt des Kreuzers war eine große Menschenmenge zugegen. wtb Friedrichshafen, 25. Sept.(Tel.) Heute morgen herrschte starker Wind. Infolgedessen wurde das Luftschiff erst gegen 9 Uhr aus der Halle gebracht. Um 9 Uhr stieg es zu der Fahrt nach Norddeutschland auf. Zunächst kreuzte es einige Zeit über dem Bodensee, um funkentelegraphische Versuche vorzunehmen. Die Fahrt führt voraussichtlich zunächst nordwestlich über Tübingen nach Heidelberg, dann nördlich nach Frankfurt a. M., Gießen, Marburg, Göttingen und Hannover. Je nach den meteorologischen und den Windverhältnissen wird es sich entscheiden, ob die Fahrt nach Hamburg und Bremen ausgedehnt wird. Im ,ührigen ist die Innehaltung einer bestimmten Fahrtstrecke, wie wiederholt, dargelegt wurde, unmöglich, da die Richtung der Fahrt mehr oder weniger von den Windverhältnissen mit bestimmt wird. wtb Stuttgart, 25. Sept.(Tel.) Das Luftschiff 3. R. III hat um 10.30 Sigmaringen, um 10.55 Uhr Tübingen, um 11.20 Uhr Pforzheim und um 11,.32 Uhr Bruchsal in sehr rascher Fahrt passiert. wtb Kassel, 25. Sept.(Tel.)„Nachdem 3. R. III um 1.20 Uhr Marburg, um 1,35 Uhr Treysa, um 1.45 Uhr Wabern passiert hatte, kam er gegen 2 Uhr in Kassel in Sicht, passierte, von zwei Flugzeugen der Dietrich=Gobiet=Flugzeugwerke flankiert, die ihm entgegenflogen. in geringer Höhe die Stadt und setzte die Fahrt in Richtung Göttingen fort. wtb. Bremen, 25. Sept.(Tel.) 3. R. 3 traf um 3.55 Uhr an der äußeren Peripherie der Stadt Bremen ein, überflog diese und setzte um 4.03 Uhr seine Reise über Buchholz nach Hamburg fort. wotb Hamburg, 25. Sept.(Tel.) Das Zeppelintuftschiff kam 4.50 Uhr über den Harburger Bergen in Sicht und überflog punkt 5 Uhr den Hamburger Rathausmarkt, begleitet von acht Flugzeugen, die dem Luftschiff entgegengefahren waren. wtb Flensburg, 25. Sept.(Tel.) Das Luftschiff 3. R. III kam um 6.05 Uhr aus südlicher Richtung hier in Sicht und überflog um 6.15 Uhr das Zentrum der Stadt. Nach einer Schleifenfahrt über dem Geburtshaus Dr. Eckeners verließ das Luftschiff um 6.30 Uhr in südöstlicher Richtung Flensburg, nachdem es drei Briefposten abgeworfen hatte. wth Kiel, 25. Sept.(Tel.) Der 3. R. III passierte um 7 Uhr, von Norden kommend, die Stadt und flog in südlicher Richtung weiter. Um 7.15 Uhr wurde er über Ploen gesichtet. wtb Lübeck, 25. Sept.(Tel.) Der Zeppelin passierte um 7.45 Uhr Lübeck und setzte die Fahrt in ordöstlicher Richtung nach der mecklenburgischen Ostseelüste fort. Gruß des Reichspräsidenten und der Reichsregierung. wtb. Berlin, 25. Sept.(Tel.) Dem Luftschiff, das morgen früh über der Hauptstadt kreuzen wird, werden vom Reichspräsidenten und der Reichsregierung Grüße und Glückwünsche auf drahtlosem Wege übermittelt werden. Das Funktelegramm lautet: Wilikommen in der Reichshauptstadt! Glückaus zu der Fahrt in die Ferne hinaus über das Meer als sichtbarer Beweis neuerwachten Wagemutes und für uns als ermutigendes Zeichen deutschen Könnens. Trage hinaus in die Welt unsere Hoffnung auf Deutschlands Zukunft. Reichspräsident. Reichsregierung. Tagungen. * Braunschweig, 23. Sept. Aus allen evangelischen Landesteilen hatten sich diejenigen in Braunschweig eingefunden, die dem Gustav=Adolf=Verein und seinen Bestrebungen ihre Anteilnahme bekunden wollen. Der vorgestrige Tag brachte Jugendversammlungen und eine Begrüßungsfeier, und gestern vormittag fand ein Festgottesdienst im Dom statt. Der Bischof der evangelischen Landeskirche Siebenbürgens, Dr. Teutsch.Hermannstadt, stellte seine Betrachtung über den Geist des Gustav=Adolf=Vereins als den Geist der Reformation unter das Bibelwort:„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Neben“. Nachmittags hielt der Vorsitzende des Zentralvorstands Prof. Dr. Rendtorf, Leipzig, die Eröffnungsansprache. Der Redner wies darauf hin, daß die vergangenen Jahre der Not die Tätigkeit des Vereins schwer behindert haben, daß nunmehr indessen die Tage der Prüfung überstanden seien. Der Verein wird seine Arbeit wieder aufnehmen, ein neues Programm soll jedoch nicht aufgestellt werden. Es gilt, die alte Fahne wieder zu entrollen, im alten Geiste für den Protestantismus, aber ohne Unduldsamkeit gegenüber Andersgläubigen zu arbeiten. Da der Saal des alten Rathauses die große Zahl der Teilnehmer nicht fassen konnte, begab sich die Versammlung in die benachbarte Martinikirche. Dort erstattete der Generalsekretär Dr. Geißler den Jahresbericht des Zentralvorstandes und gab eine kurze Darstellung der organisierten Liebestätigkeit des Gustav=Adolf=Vereins. Darauf hielt Bischof Malmgren=Petersburg einen Vortrag über die Lage der evangelischen Kirche in Sowjetrußland. Abends fand eine volkstümliche Versammlung mit musikalischen Darbietungen und Ansprachen von Rednern aus der Diaspora statt. Deutscher Pfarrertag. * Gießen, 24. Sept. Gestern wurde hier in Anwesenheit von fast 300 Pfarrern der Deutsche Pfarrertag eröffnet. Den Vorsitz führte der Präses der westfälischen Provinzialsynode und Mitglied des Deutschen evangelischen Kirchenausschusses, Dr. Kockelke. Der Deutsche Pfarrertag ist die Standesvertretung der gesamten deutschen evangelischen Pfarrerschaft, die in 39 über das ganze Reich verbreiteten Vereinen zusammengeschlossen ist. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Hauptvortrag von Dr. Zoellner über den Subjektivismus, seine Gefahren und seine Schranken. Weiter beschäftigte die Versammlung die Wohlfahrtspflege und die praktische Vorbildung der Geistlichen. Deutscher Städtetag. pw. Berlin, 25. Sept. Der Deutsche Städtetag wurde gestern in Hannover mit einer Sitzung des Vorstandes begonnen. Nach einer Meldung des Vorwärts gaben die sozialdemokratischen Mitglieder des Vorstandes vor Eintritt in die Tagesordnung die Erklärung ab, daß sie angesichts des Verhaltens des hannoverschen Magistrats gegen den Oberbürgermeister Leinert nicht in der Lage seien, der Einladung der Stadt Hannover Folge zu leisten. Die sozialdemokratische Fraktion des Städtetages beschloß ebenfalls, der Einladung der Stadt Hannover nicht Folge zu leisten und diesen Beschluß bei Eröffnung der Tagung durch eine Erklärung zu begründen. Mieterforderungen. * Trier, 24. Sept. Hier fand ein Vertretertag des Rheinischen Mieterschutzverbandes statt, der sich in nicht öffentlicher Sitzung mit den wichtigsten Fragen des Wohn= und Mietwesens befaßte. In Verbindung damit war eine öffentliche Versammlung, in der eine Entschließung angenommen wurde, die erhöhten Mieterschutz verlangt. Arbeitsfragen. Betriebsstillegung. pw. Lobberich(Niederrhein), 25. Sept. Das hiesige Eisen= und Stahlwerk wird in allernächster Zeit wegen Unrentabilität den Betrieb stillegen. Entlassung von Ruhrbergleuten. wtb. Bochum, 26. Sept.(Tel.) Die Generaldirek= tion der deutsch=luxemburgischen Bergwerks= und Hütten=Gesellschaft hat die vom gesamten Betriebsrat verbreitete Mitteilung über die beabsichtigte Entlassung von 4200 Bergarbeitern der Gesellschaft, die sich auf 5 Zechenanlagen verteilen, bestätigt. Der Grund ist in den Absatzschwierigkeiten im Ruhrbergbau zu suchen. Zu dem sich schon heute auf 200000 Tonnen belaufenden Kohlen=, Koks= und Brikettlagerbestand müssen täglich bis zu 4000 Tonnen auf Lager genommen werden. Dies stellt eine unerträgliche finanzielle Belastung der Gesellschaft dar. Daher ist die Entlassung leider nicht zu umgehen. Neue Lohnbewegung der Eisenbahner. bb Berlin, 24. Sept. Wie einer Berliner Korrespondenz von bestunterrichteter Seite mitgeteilt wird. haben die Eisenbahnerorganisationen beschlossen, die Lohnvereinbarungen mit dem Reichsverkehrsministerium zu kündigen. Begründet wird diese Forderung mit der starken Erregung der Arbeiter, hervergerufen durch das Mißverhältnis zwischen Preisen und Löhnen. Die Bewegung erhält eine besondere Bedeutung dadurch, daß auch die Beamten in großer Beunruhigung sind, da entgegen gegebenen Zusicherungen die Ansprüche auf Grund der Staatsverträge bis jetzt nicht erfüllt worden sind. Insbesondere die unteren Beamten sind infolge dieser Verzögerung in starker Erregung, da sie fürchten, daß gerade ihre Belange nicht entsprechend berücksichtigt werden. Von anderer Seite erfährt die Korrespondenz, daß heute die Eisenbahner=Großorganisationen nach sehr langen Beratungen den oben bereits wiedergegebenen Beschluß gefaßt haben. Uebereinstimmend wurde in dieser Konferenz die Lage als durchaus ernst bezeichnet, da besonders im Reiche die Erregung unter den Eisenbahnern stellenweise ernsten Charakter angenommen habe. Es wurde beschlossen, daß sich am Donnerstagvormittag eine Abordnung ins Reichsverkehrsministerium begeben soll. Die Mißstimmuna unter den Eisenbahnern ist zum guten Teil auch auf die Tatsache zurückzuführen, daß es dem Personal nicht gelungen ist, eine Vertretung seiner Interessen im Verwaltungsrat zu finden. Im übrigen wird sich, wie verlautet, das Reichskahinett am Donnerstagnachmittag mit den aus dem Staatsvertrag herrührenden Ansprüchen der Eisenbahner beschäftigen. Vertagung der Lohnbewegung der Eisenbahner. bb Berlin, 25. Sept. Beauftragte Vertreter der Eisenbahnerverbände sprachen heute im Reichsverkehrsministerium vor, um eine Erörterung der Lohnund Gehaltsfragen einzuleiten. Die Abordnung wurde von Ministerialdirektor Hitzler empfangen. Aus den Ausführungen der Vertreter der Verbände ergab sich, daß sie für den Augenblick nicht die Absicht haben, den Lohnvertrag offiziell zu kündigen. Sie erklärten sich bereit, den Verlauf des von der Reichsregierung eingeleiteten Preisabbaus abzuwarten und dementsprechend ihre weiteken Forderungen zu stellen. Erdbebenkatastrophe in Italien. wtb. Locarno, 25. Sept.(Tel.) Am Mittwoch abend wurde der Ort Someo im Magaiatale durch einen Erdstoß erschüttert und zum Teil zerstört. Mehrere Bewohner, die sich zu retten versuchten, kamen in dem Augenblick an eine Brücke über die Maggia, als diese von den reißenden Fluten fortgerissen wurde. Eine Frau mit ihrem Sohn werden vermißt. Der Gemeindevorstand des Dorfes hat an den Staatsrat folgende Drahtung gerichtet: Dorf teilweise zerstört. Es sind Tote und Verwundete zu beklagen. Sendet augenblicklich Hilfe. Nach den letzten Informationen wurden 12 Häuser zerstört. Die Zahl der Opfer beläuft sich bis jetzt auf drei. Die Valle=Maggiabahn hat den Betrieb eingestellt. Nach weiteren Meldungen ist die Zahl der Menschenopfer auf 15 gestiegen. Rund 20 Häuser sind zerstört, viele haben sehr gelitten. Am Donnerstag morgen wurde im See Eisenbahnmaterial gefunden. Ein in Begleitung der Erderschütterung niedergehendes Gewitter war von unerhörter Heftigkeit. Infolge des Bruches der Wasserleitungen ist die Stadt Locarno überschwemmt. Die Brücke über die Maggia bei Ascona droht einzustürzen. Auch aus den höher gelegenen Tälern treffen Meldungen über schwere Wasserschäden ein. Aus Nah u. Fern. Familientragödie. * Duisburg, 24. Sept. Der 43 Jahre alte Arbeiter H. schlug am Dienstag in angetrunkenem Zustande seine Frau mit einer Axt wiederholt auf den Kopf und warf ihr. als sie floh, das gefährliche Werkzeug nach. Dann begab sich H. in die Küche und versuchte sich selbst mit einem Brotmesser den Hals zu durchschneiden. Er brachte sich eine gefährliche Schnittwunde bei und eilte blutüberströmt auf die Straße zur Polizei. Nach Anlegung eines Notverbandes brachte man ihn ins Marienhospital. Die Frau mußte sich ebenfalls in ärztliche Behandlung begeben. Jugendliche Einbrecher. pw. Mörs, 24. Sept. In der Hilfsschule zu Lintfort wurde nachts eingebrochen. Die Diebe erbrachen die Pulte von verschiedenen Klassenzimmern und entwendeten Geld und andere Gegenstände. Die Ermittlungen ergaben, daß zwei Schulkinder aus Lintfort als Einbrecher in Frage kommen. Betrügereien bei der Reichsbankstelle Dortmund. * Dortmund, 25. Sept. Zu den Betrügereien bei der hiesigen Reichsbankstelle, die von einer ganzen Reihe von Hilfsangestellten, welche sich die unzulänglichen Verhältnisse nach Schließung des Reichsbankgebäudes und Ausweisung der Direktoren im vorigen Jahre zu Nutzen machten, in großem Amfange verübt worden sind, wird noch berichtet, daß bis jetzt gegen 14 Personen die Untersuchung eingeleitet worden ist. Voraussichtlich ist damit der Kreis der Betrüger noch nicht geschlossen. Die Höhe des durch betrügerische Manipulationen der Reichsbank zugefügten Schadens wird auf mindestens 300 000 Goldmark beziffert. Unterschlagungen beim Herner Arbeitsamt. pw. Herne, 25. Sept. Wegen Unterschlagungen im hiesigen Arbeitsamt wurden drei Stadtsekretäre und vier Hilfsarbeiter verhaftet. Die Veruntreuungen, deren Höhe sich bis jetzt noch nicht übersehen läßt. gehen bis zum Februar dieses Jahres zurück und werden auf ein unglückliches Jusammenarbeiten von Kasse und Arbeitsamt zurückgeführt. Eine hartnäckige Lügnerin. * Dorsten, 24. Sert. Die 47 Jahre alte Ehefrau Fronzak aus Hervest=Dorsten stand vor dem erweiterten Schöffengericht in Buer wegen Urkundenfälshung und Verleitung zum Meineid. Diese hatte 1922 an den Bergmann Muth in Westerholt ein Wohnhaus für 32.000 Mark verkauft. Jetzt steilte Frau Fr. die Behauptung auf, die Eheleute MN. hätten in Gegenwart einer Frau Schulte erflärt, sie könne solange in ihrem Hause wohnen bleiben, wie es ihr beliebe. Ferner behauptete sie, der Kaufpreis habe nicht 32.000, sondern 85.000 Mark betragen. Auch hat sie eines Tages dadurch eine Urkundenfälschung begangen, daß sie in dem Mietvertrag einen wichtigen Zusatz hinzufügte. Die Frau Schulte versuchte sie durch Anbieten von Eiern zum Meineid zu verleiten. Nach siebenstündiger Verhandlung und nach langer Beratung wurde die Angeklagte zu einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus verurteilt und sofort in Haft genommen. Wegen Aufruhrs verurteilt. pw Hamborn, 24. Sept. Wegen Landfriedensbruches erhielt ein Bergmann, der sich in aufrührerischer Weise an den Lohberger Anruhen beteiligt hatte, zwei Jahre Gefängnis. Bei den Unruhen waren etwa 300 Personen zur Zeche Lohberg gegangen, hatten die Tore gewaltsam geöffnet und Kohlen entwendet. Die Werkspolizei wurde mit Steinen und Stöcken empfangen. Mehrere Beamte waren an den Folgen der erlittenen Verletzungen gestorben. Gattenmord. wtb Magdeburg, 25. Sept.(Tel.) Der Arbeiter Friedrich Ebert erstach heute früh gegen 7 Uhr nach heftigem„Wortwechsel seine Frau mit einem Küchenmesser. Das Motiv soll in ehelichen Zwistigkeiten zu suchen sein. Schwerer Sturmschaden. pw. Kreuznach, 24. Sept. Auf dem Ausstellungs= gelände der landwirtschaftlichen Ausstellung wurd## durch einen starken Sturm die Zeltplanen einiger Hallen abgedeckt und andere starke Verwüstungen angerichtet. Eine Starkstromleitung wurde losgerissen und fiel zur Erde. Der Sohn eines hiesigen Einwohners kam mit dem Drahte in Berührung und wurde sofort getötet. Bei dem Wiederauflegen der Zeltplane stürzte ein 19jähriger junger Mann von der Halle ab. Er wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Schwere Unwetter in Frankreich. wtb Paris, 25. Sept(Tel.) Gestern und vorgestern haben heftige Unwetter in der Prevence schweren Schaden angerichtet. Aus Marseille wird berichtet, daß im Departement Vauxluse die Eisenbahnlinien derart beschädigt wurden, daß viele Verbindungen gestört sind. Die gleiche Meldung kommt aus der Gegend von Avignon, wo Signalzeichen weggerissen und Ueberschwemmungen festgestellt wurden. durch die der Zugverkehr, namentlich zwischen Lyon und Nimes, Unterbrechungen erleiden mußte. Aus anderen Gegenden werden große Schäden auf den Feldern berichtet. Nach dem Matin soll die Eisenbahnlinie Lyon—Marseille an einer Stelle unterbrochen sein. Auch Feuerschäden sollen zu verzeichnen sein, und aus verschiedenen Gegenden, namentlich von der Rhone, meldet man Hochwasser. Der Minister für öffentliche Arbeiten hat sich in das Schadensgebiet begeben. Man hofft, die Verkehrsstörungen in wenigen Tagen beheben zu können. 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Trauerfeier im Sterbehause zu Lünern, am Sonntag, 28 Sept., mittags 12¼ Uhr.— Die Beerdigung findet am gleichen Tage in Schwerte, von der Ostenstr. 25, nachmittags um 4½ Uhr aus, statt. nach Fürchte dich nicht, Ich bin dein Schild. Heute morgen 5 Uhr erlöste der Herr unsern heißgeliebten, unvergeßlichen Sohn, unsern guten Bruder, Enkel,# Vetter und Neffen 3263 Franz Dorn von seinem schweren Leiden im blühenden Alter von 17 Jahren und 7 Monaten In tiefer Trauer: Eltern und Geschwister. Schwerte, den 25. September 1924. ist heut' die Losung für jede Frau! Verlangen Sie ausfühzrliche Prospekte und reffen s5 21 Sie Ohre Auswahl. Wir enpsehlen besonders: 16 Kreuzstich, 3 Bände(Autschnitt=Stickerei(Stricka Arbeiten( Klöwpein, 2 Bd. Weißsickerei, 2 Bo. I Sonnenspitzen(Kunst=Stricken, 2Bd.(Hohlsaumu. 1/# Preis je Gm. 1.50 Ausführliches über Verzeichnis## 60 verschiedene umsonsel 43 Bändel Uberall zu haben oder L.S 952,I unter Nachnahme vom Verlag Otto Beyer, Leipzig-T. 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Der technische Erfolg der Produktion, die sachliche Ergiebigkeit der Produktion hat einen glücklicherweise in diesem Umfang seltenen Fehlschlag erlitten. Wenn aber zu dieser geringen Produktivi= tät auch noch durch Unterbietungen der Preise ini folge billigeren ausländischen Angebots ein gleicher Fehlschlag für die Rentabilität hin zukommt, so dürfte das Jahr 1924 als ein allerschlimmstes und schwärzestes Jahr ein Muster beispiel dafür sein, wie die Produttivität der Land wirtschaft von ihren technischen Möglichkeiten, unter denen das Wetter eine ausschlaggebende Rolle spielt, ebenso abhängig ist, wie die Rentablität derselben von der allgemeinen Marktlage bestimmt wird. Heute liefert nun einmal gerade die Landwirtschaft durch die Ungunst ihrer Verhältnisse ein überzeugendes Beispiel. Für die volkswirtschaftliche Begriffsbildung von Produktion und Rentablität ist es einerlei, woher man die Beispiele nimmt. Bei gleichen Betrieben mit gleichen Kosten. brauchen die Ergebnisse- nicht auch gleich zu sein. Sie sind vielmehr in der Regel verschieden. Man nennt dann jenen den produktiveren, der die größere Menge von Prudukten liefert. Auch sind gleichgroße Betriebe mit gleich großen Kostten in der Rentabilität verschieden, je nach der Absatzmöglichkeit ihrer Produkte. Jene Betriebe wiederum, welche bei gleichen Kosten und gleichen Preisen die größten Erträge erzielen, sind, unter. privatwirtschaftlichem Gesichspunkt betrachtet, die produktivsten. Da die Rentabilität sich nach dem Ertragsüberschuß der Preise über die Kosten errechnet, so ist die Rentabilität, vom privatwirtschaftlichen Standpunkte au; genommen, Produkrivität. Von der privatwirtschaftlichen Rentabilität unterscheiden wir mit Recht die volkswirt schafliche Produtivität. Für die Beurteilung der volkswirtschaftlichen Produltivität ist die Antwort auf die Ferage nach dem Volkswohlspand maßgebend. Zum Vollewohlhstand gehören einmal die zahlreichen Einrichtungen, die dem Verkehr, der Gesundheit, der g##eistigen Kultur Wienen, wenn auch entscheidend ist, daß man erst dann von einem Volkswohlstand sprechen kann, wenn eine nach Millionen zählende Bevöl erungg auch individuell den höchsten Grad der Beoürstisbefriedigung erreicht hat. Wo das aber zutrifft, wird man auch unter volkswirtschaftlichem Gesichtspnnkt von der produktivsten Voltswirtschaft reden können. Sie wird aber immer nur dort möglich sein, wo sowohl das Kapital wie die Arbeit nach wirtschaftlichen Prinzipien arbeiten, so daß sic zum relativ größten Ertrag geführt werden. Daraus erhellt, daß für die Versorgung der Gesamheit mit Sachgütern die größte Rentabilität zu erstreben ist. Da aber für die Dauer einer jeden Produktion die Rentabilität Voraussetzung ist, so ist in der modernen Verkehrswirtschaft jede Produktivität an die Rentabilität gebunden. Und wiederum, das höchste Maß der wünschenswerten Produktivität ist von der Sicherung der höchsten Rentabilität abhängig. dae sind so elementare Wahrhetten, daß ii a. jedem kleinen bäuerlichen und Gemeindebetriebe, geschwreige denn an jedem großen volkswirtschaft maatsbetriebe wieder ubgeleien werden eine Unterschied lien nur in der erschiehenen Ziffern. Was immer die der Landwirtschaft, in der Industrie. im Handwerk, im Handel, im Verkehrswesen, und wo sie auch in ihrer täglichen Arbeit stehen mögen, an ihrem Werk erhält, was Ordnung und Regel, was Sirm und Zueck in all die wirtschaftlichen Unternehmungen bringt, ist nicht die technische Produktivität allein, sondern in erster und letzter Linie die Rentabilität. Weil die Rentabilität im Erwerbsleben diese entscheidende Rolle spielt, weil sie die Produktivkräfte maßgebend bestimmt, wird sie mit Recht das regelnde Prinzip der volkswirtschaftlichen Organisation der Produktion genannt. lichen un können. Größe Menschen Aus Stadt und liwgebung. Schwerte, den 26. September 1924. Wetter=Aussichten bis Samstag abend. Ziemlich trübe mit Regenfällen und kühl bei zunächst östlichen, später nach Nordwesten drehenden Winden. + Die Kartoffelernte, die Ende voriger Woche bei dem eintretenden besseren Wetter mit aller Macht einsetzte, hat durch den am Sonntag und Montag einsetzenden Regen wiederum eine Unterbrechung erfahren. Leider hat die Kartoffelernte in unserer ganzen Gegend durch das Regenwetter sehr gelitten, es gibt sehr viel kranke Knollen und es steht zu befürchten, daß die Fäulnis noh weiter um sich greift, wenn nicht bald beständige Witterung eintritt. In den Gärten und Feldern in den Ruhrweiden muß der größte Teil der Ernte als verloren bezeichnet werden; vielfach lassen die Anpächter die faulen Kartoffeln einfach in der Erde sitzen, da sich das Ausnachen nicht lohnt. Ortskrankenkasse. Imn Rathause wurde gestern abend eine Ausschuscsitzung der Allgemeinen Ortskransenkasse abgehalten. Der einzige Gegenstand der Beratungen bildeten einige Aenderungen der Satzungen hinsichtlich Leistungen der Kasse und Beiträge der Mitglieder. Die von der Verwaltung in dieser Beziehung vorgeschlagenen Aenderungen wurden einstimmig gutgeheißen. Rasch tritt der Tod den Menschen an! Der in der Moltkestraße wohnende 17jährige Arbeiter Dorn wurde gestern morgen von seinen Angehörigen tot am Tisch sitzend vorgesunden. EinHerzschlag hatte dem Leben des etwas kräntlichen Jünglings ein schnelles Ende gemacht. Betriebsunfall. Der etwa 50 Jahre alte Arbeiter Martin Siepmann von der Hagenerstraße erlitt dadurch einen schweren Unfall, daß ihm beim Transportieren von Eisenblöcken ein solcher auf den rechten Fuß fiel und denselben derart quetschte, daß S. ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Sammelbrunnen. Das Kreiswasserwerk, welches bekanntlich vor längerer Zeit mit dem Dortmunder Wasserwerk zu einer Interessengemeinschaft vereinigt ist, läßt gegenwärtig in den Ruhrweiden unweit von Haus Ruhr große Erdbewegungsarbeiten zur Anlage von neuen Sammelbrunnen ausführen, bei denen viele fleißige Hände Arbeit finden. Wie verlautet, ist auch eine Erweiterung der Wasserkraftanlage bei Westhofen in Aussicht genommen. Diebstahl. In der letzten Nacht haben Spitzbuben dem Hühnerstall des Eisenbahners Br. auf der Schwerterheide einen Besuch abgestattet und fünf wertvolle Eierlieferantinnen gestohlen. Von den frechen Dieben fehlt noch jede Spur. : Z u r b e v o r s t e h e n d e n H e i z p e r i o d e. E t w a e i n Monat trennt uns noch vom Beginn des Ofenheizens. Es wird also Zeit, die Oefen von dem Ruß reinigen zu lassen, der sich in den Röhren angesammelt hat; auch sind sie auf ihre Dichtigkeit zu untersuchen, damit kein Rauch aus den undichten Stellen ins Zimmer kommt. Ein„verstopfter“. Ofen ist keine Freude, wenn das Heizen beginnen soll. Vor dem ersten Heizen ist es zweckmäßig, etwas Papier zu verbrennen, damit sich der Schornstein erwärmt. 100 Millionen Goldmark bei den westfälischen Sparkassen. Das Ergebnis des Monats August war für die westfälischen Sparkassen noch günstiger, als man nach den ersten Nachrichten annehmen konnte. Die von der Landesbank in Münster i. W. auf Grund amtlichen Materials aufgestellte Statistik ergibt, daß die Spareinlagen in Westfalen im August um 7 Millionen und die Scheckguthaben sogar um 12 Millionen Goldmark gewachsen sind. Die Spareinlagen betragen nunmehr 44,5 und die Scheckguthhaben 52, zusammen also 96.5 Millionen Goldmark. Nach den Nachrichten über den Geschäftsgang bei den Sparlassen im September dauert der starke Zufluß in den Sparkassen an, so daß schon jetzt die gesimten Einlagen bei den westfälischen Sparkassen den Betrag von 100 Millionen Goldmark überschritten haben. Das Vereinshaus, das Heim sämtlicher lathol. Vereine, steht jetzt wieder vollständig zur Verfügung der Gemeinde. Das rechts gelegene große Gesellschaftszimmer, welches längere Zeit an die Firma Kühnholz und Co. als Büro vermietet war, ist jetzt wieder frei. Es ist hübsch renoviert, mit passenden Möbeln ausgest und bietet angenehmen Aufenthalt. Auch Toilettenverhältnisse im Hof, immer ein Steit Anstoßes bildend, sind beseitigt und neue mon Anlagen geschaffen, die allen Anforderungen# sprechen. Hoffentlich wird man auch recht bal Vergrößerung des Saales vornehmen könnn . 5 Der evangel. Männerverein beschloßn# am letzten Sonntag abgehaltenen Versamm am 19. Oktober wieder einen Familienau### und zwar nach Schwerterheide zu veranste Ferner soll in diesem Jahre eine Weihnacht# stattfinden, bei welcher auch den Kindern un Mitglieder eine Weihnachtsfreude zugedach Dieselben sind dieserhalb bis zu einem Alter 1 Jahren baldigst beim Vorstande anzume In der Aussprache über zeitgemäße Fragen viel Anregung bot, wurde auch empfehlend h wiesen auf die in nächster Woche in Hagen findende Weltanschauungswoche. Ein Mandolinenkonzert veranstaltet Sonntag, d. 28. September, nachmittags ab der Touristen=Verein„Edelweiß" im Saal#### Herrn Stramm(„Im Reiche des Wassers"). In obiger Verein uns von seinem letzten Konzert hinreichend bekannt ist, und er auch diesmal der mit einem auserwählten Programm ber ter Komponisten aufwartet, lohnt es sich sehr seltenen Genuß eines Mandolinenkonzertes 1## wohnen. + Bade=Anstalt in Schwerte=Ost. Bei Bau der großen Eisenbahnwerkstatt im„Grüfl hat die Eisenbahnverwaltung neben mod technischen Anlagen in großzügiger Weise ganz hervorragende sanitäre Einrichtungen den Bau einer großen Badeanstalt gesch Wir hatten kürzlich Gelegenheit, unter sacht im ger Führung die gesamten Einrichtungen z sichtigen und müssen gestehen, selten besseres und mustergültigeres auf### Gebiete gesehen zu haben. Neben einem bandsraum, in dem auch nichts fehlt, wa Operationssaal einer modernen Klinik vorh ist— sogar ein ganz wundervoller, verblis einfach arbeitender Apparat zur Wiederbel Scheintoter wurde uns vorgeführt— enthäl## große Gebäude eine ganze Anzahl Badezellen## Brause= und Wannenbäder in ganz vorne##### Aufmachung. Medizinische Bäder aller### Höhensonne, elektrische Lichtbäder, Dampf=### Soolbäder, kurz alles, was zum Rüstzeu# neueren ärztlichen Wissenschaft gehört, steher Belegschaft des Werkes zur Verfügung; dan Entgegenkommens der Verwaltung können## Einrichtungen auch von Kranken, die auße des Kreises der Werksangehörigen stehen, ganz mäßiges Entgelt benutzt werden. Me luftige Zimmer bieten angenehmen Aufer### nach Benutzung der Bäder. Der ganze B wird von dem Heildiener Schulte, der sich auf# Gebiete des Sanitätswesens große Kenntnisty# worben und Erfahrungen gesammelt hat musterhafter Weise geleitet. Erlebnisse deutscher Einwanderer in Persicn. Am 1. Juni verließ eine Gruppe von zehn Deutschen mit zwei Frauen und drei Kindern Berlin, um sich in Persien anzusiedeln. Die Tatsache, daß der Führer der Expedition, der von seiner Siedlungstätigkeit in Völpke her bestens bekannte Hauptmann a. D. Schmude war, ließ dem„Berl. Tagebl.“ diesen Versuch einer organisierten Auswanderung für bedeutungsvoll genug erscheinen, um ihn durch einen eigenen Berichterstatter begleiten zu lassen. Der nachfolgende Bericht des Herrn Klötzel, der die Schmude=Expedition auf ihrem dreimonatigen Wege von Berlin bis Täbris begleitet hat, dürfte einen anschaulichen Beitrag zur Auswanderungsfrage bilden und geeignet sein, vor übereiltem Hoffen und Handeln nachdrücklichst zu warnen. D. Red. Täbris, 1. September. Im Mai d. J. erschien im Pariser„Journal“ eine Berliner Meldung, nach der unter Führung des vom Kriege her gut bekannten Hauptmanns Schmude tausend Deutsche sich auf den Weg nach Persien begeben hätten, um dort„deutsche Kolonisation“ in großem Stil durchzuführen. Den Anlaß zu dieser tendenziösen Ausstreuung, deren Wirkung wir aus dem ganzen Wege bisher immer wieder feststellen, konnten, bot die in Berlin erfolgte Gründung der„Gesellschaft zur Rohstofferschließung Persiens“(Geropers), sowie die Tatsache, daß der in ganz Deutschland durch seine praktische Siedlungstätigkeit bestens bekannte ehemalige Artilleriehauptmann Detleff Schmude als Mitbegründer der Geropers durch Zeitungsinserate Teilnehmer zu einer Expedition nach Persien suchte, die in der Hauptsache aus theoretisch gut vorgebildeten und möglichst auch schon in der Praxis des Großbetriebes erprobten Landwirten bestehen sollte. Die Geropers war in das Berliner Handelsregister eingetragen worden als eine G. m. b. H., als Hauptteilhaber fungierte der persische Großgrundbesitzer Dr. Ali Chan Kutja Alarmier in Kaswin. Schmude war in Gemeinschaft mit einem Herrn Steffens zum Geschäftsführer bestellt. Das Gründungskapital betrug 6000 Rentenmark. Der Arbeitsplan der Gesellschaft war nach den zur Verteilung gelangten Prospekten etwa folgender: Schmude sollte auf den von Dr. Paja zur Versügung zu stellenden umfangreichen Ländereien die deutschen Landwirte ansiedeln, die dort einen modernen europäischen Großbetrieb errichten sollten, während gleichzeitig der kaufmännische Geschäftsführer. Herr Steffens, von Teheran aus den Versuch machen sollte, zunächst deutsche Importgeschäfte nach Persien zu vermitteln und später die Erzeugnisse des deutschen„Mustergutes“ kaufmännisch zu verwerten. So war die Einrichtung einer großen Fruchtkonservenfabrik im Anschluß an eine Obstplantage in Aussicht genommen, deren Erzeugnisse nach Eurora exportiert werden sollten. Auf den Namen Schmude hin, der in der Tat eine große Anziehungskraft ausübte, meldete sich dann eine Anzahl Reflektanten, die bereit waren, unter folgenden Bedingungen sich an der Expedition zu beteiligen: Jeder Teilnehmer zahlte in die Kasse der Gesellschaft dreitausend Rentenmark. Dieser Betrag sollte verwandt werden zur Bestreitung der Reisekosten für den Betreffenden sowie zu Anschaffungen irgendwelcher Art, welche die Geschäftsführung im Interesse ihrer Ziele-für nötig halten würde. Die Betreffenden sollten sich fünf Jahre zum Dienst bei der Gesellschaft verpflichten, die ihrerseits keinerlei andere Verpflichtung übernahm, als die Teilnehmer gegen„landesübliches Entgelt“ und„ihrer Baachonnunche Eignung entsprechend" zu beschäftigen. Später sollle„Ansiedlung" erfolgen— wie man sich das gedacht hat in einem Lande, in dem der Grunderwerb durch Ausländer vervoten ist, wurde leider nicht verraten. Meiner Ueberzeugung nach ist ein rechtsgültiger Vertrag mit keinem der Teilnehmer zustande gekommen. In Wirklichkeit ist von seiten der Teilnehmer die juristisch=taufmännische Seite ihres Verhältnisses zur Geropers als etwas völlig Nebensächliches behandelt worden; die persönlichen Garantien, die sie in der Person Schmudes zu besitzen glaubren, schienen ihnen jede vertragliche Bindung überflüssig zu machen. Schmude selbst hat zweifellos bisher sein Bestes getan, um dieses besondere Vertrauen zu rechtfertigen. Leider hat er aber verabsäumt, bei Antritt der Reise davon Kenntnis zu geben, daß er unmittelbar vorher seine Stellung als Geschäftsführer der Geropers niedergelegt hatte. Die Kenntnis dieser Tatsache hätte mindestens eine Anzahl Teilnehmer veranlaßt, noch im letzten Augenblick von dem Unternehmen zurückzutreten. Die Expedition selbst stand insosern unter einem ungünstigen Stern, als der kürzeste, billigste und bequemste Weg nach Persien— der durch Rußland über Baku nach Enseli— durch den gerade akuten Konflikt wegen der russischen Handetsdelegation gesperrt wurde. Von den übrigbleibenden Wegen wählte man aus unerfindlichen Gründen den zeitraubendsten. Die Donaufahrt von Passau nach Rustschuck wird zwar allen Teilnehmern als der weitans schönste und angnehmste Teil der Reise im Gedächtnis bleiben; aber er verursachte verspätetes Eintreffen in In Konstantinopel Schwierigkeiten, um von da an nicht mehr auf. Konstantinopel und Versäumnis des Anschluß dampfers nach Trapezunt. zuhören. Es stellte sich heraus, daß von den durch die Teilnehmer eingezahlten 30 000 Goldmark nur rund 4000 Mark als Gesamtreisekosten ausgeworfen waren, statt der mindesrens 10 000 Mart, die nötig gewesen wären, um die Expedition sachgemäß zu befördern. So mußte die Weiterreise nach Trapezunt auf einem ganz kleinen türkischen Frachtdampfer angetreten werden, aus dem es keine Verpflegung und nicht einmal für die Frauen und Kinder Kabinen gab, während das Deck von Schmutz und Ungeziefer wimmelte. In Trapesunt gab die Expeditionsfirma, bei der das große Gepäck der Reisenden als bereits unterwegs angemeldet war, die Mittel zur Weiterreise mittels Lastauto nach Erzerum her. Von dort telegraphierte man um Geld an Herrn Dr. Katja, von dem die unanfechtbare Antwort eintraf, Geropers in Verlin sei zuständig. Die„Geropers“ befand sich aber in der Person des Herrn Steffens“, des alleinigen Geschäftsführers, unerreichbar irgendwo zwischen Erzerum und Tehera:. Ais man ihn schließlich mit Hilfe des deutschen Gesandten in Teheran doch stellte, erklärte er, keine größeren Geldmittel bei sich zu führen; das Kapital der Gesellschaft— d. h. im wesentlichen das eingezahlte Geld der Answanderer— steckte in einer Warensendung, die inzwischen im fürpersischen Hafen Buschir eingetroffen sei und die man dort zu beleihen hoffe. Bis heute ist offenvar diese Beleihung nicht gelungen, auch ist nicht erfahren, welcher Art die Waron sind, mit denen die Geropers in Persien Geschäfte zu machen hofft. Von Erzerum aus war die Expedition mittellos. Die einzelnen Mitglieder hatten das mitgenommene Privatvermögen längst zusammengeschossen, und Hauptmann Schmude erwies sich als ein Leihgenie ersten Ranges, dem weder bolschewistische Generaltonsuln noch türkische Kommandanten, noch persische Chans zu widerstehen vermochten. Trotzdem hätten wir alle manchmal buchstäblich gehungert, wäre nicht die— Reiseapotheke so gut versorgt gewesen, daß wir, auf sie gestützt, die„ärztliche Versorgung“ ganzer türkischer und kurdischer Dörfer übernehmen konnten— gegen Naturalentgelt. Daß außerdem vom Krimstecher bis zur Weckuhr alles verkauft wurde, was irgendwie enthehrlich erschien, versteht sich nach Lage der Dinge von selbst. Mit Mühe und Not hat die Expedition Täbris erreicht. Was hier aus ihr geworden wäre, läßt sich nicht absehen; die deutsche Gesandtschaft hatte bereits erklärl, daß Reichsmittel zu umfassenderer Hilfeleistung nicht zur Verfügung stehen. Da traf ein Telegramm des Ministerpräsidenten(und eigentlichen Diktators Persiens) Riza Chan bei den Täbriser Behörden ein, daß die Expedition des Hauptmanns Schmude auf Staatskosten nach Teheran transportiert werden solle. Die Hofsnungen, die bereits unter Null gesunken waren, belebten sich wieder, obwohl niemand weiß, was der mächtige Mann in Teheran mit den Deutschen vorhat. Wie die Dinge auch verlaufen mögen, es wird siets nur ein Glückszufall sein, wenn die Leute der Geropers nicht elend Schiffbruch erleiden und um einige sehr bittere Erfahrungen reicher den Rückweg nach Deutschland antreten müssen. Der Leichtsinn, vor Antritt eines solchen Unternehmens nicht die betreffende Gesandtschaft zu befragen, hat sich auch hier bitter gerächt. Wie für die Türkei, so gilt auch für Persien: vor Einwanderung kann nicht dringend genug gewarnt werben! Das Leben in Deutschland mag heute noch so schwer sein, es ist auch für den Unbemittelten immer noch tausendmal erträglicher als hier, wo er mit der beispiellosen Genügsamkeit des Eingeborenen den Wettbewerb aufnehmen muß. Hier arbeiten deutsche Arbeiter für 15 Toman im Monat(und sind froh, diese Arbeit zu haben), das ist etwa ein Viertel bessen, was man braucht, um nach bescheidensten Ansprüchen europäisch zu leben! Und Neuankömmlinge zwingt man, 600 Kilometer weit nach Teheran zu Fuß zu gehen, um dort über sie zu entscheiden. Der Kirchhof im Kirchturm. Aus Heide in Holstein wird geschrieben: Im Turm der alten Marienkirche in Neubrandenburg befindet sich eine unheimliche Totenstätte, die bisher selbst vielen Neubrandenburgern unbekannt war. Vor etzra 600 Jahren wurden verstorbene Personen der Stadt, Bürgermeister, Ratsherren Geistliche und Adelige in den großen Gewölben der Kirche beigesetzt. Hunderte Jahre sind es jetzt her, daß die Gewölbe wegen Einbruchsgefahr zugeschüttet wurden und die Treen, die seit Jahrhunderten durchweg in Prunksärgen dort lagen, wurden, anstatt auf dem Friedhof beigesetzt zu werden, in der luftigen gühe ausgestapelt. Es sind alles einbalsamierte jetzt mumisizierte Leichen, die dort oben über allen Häusern der Stadt, in schweren, eichenen, mit Zink ausgeschlageenen Särgen ruhen, auch Leichen von Kindern sind darunter, wahrscheinlich Angehörige der früheren, Patrizierfamilien. Bei Blitzschlag oder Feuersgefahr ist damit zu rechnen, daß die 60 Mumien samt den Totenschreinen einmal aus der Höhe in die Tiefe herunterfallen können und allerlei Unheil anrichten dadurch. Die Grabkammer wird nicht angerührt. Nachtvögel umstiegen die Stätte des Grausens. Roman von H. Hill. 62. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Denunziant!“ zischte er zwischen den Zähnen hervor.„Es ist billig, einen anderen zu verleumden, um sich selbst herauszustreichen. Sie machten hinter dem Tisch eine ganz ausgezeichnete Figur. mein Bester.“ Der andere zeigte sich nicht im mindesten getroffen. Er lächelte nur und sagte in seiner ruhig gleichmütigen Weise: „In der Tat? Es ist freundlich von Ihnen, dem Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Ich hielt es nicht der Mühe für wert, vorhin auch auf Sie zu achten.“ Burthard erwartete, daß sie jeden Augenblick auseinander losstürzen würden. Er begriff nicht, worin die eigentliche Ursache des Streites lag; aber er empfand bei dem Gedanken, daß sie sich gegenseitig die Hälse brechen würden, nur ein lebhaftes Vergnügen. Fermor hatte wirklich in die Tasche gegriffen und seinen Revolver herausgerissen. In demselben Augenblick jedoch schlug ihm Berthe mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit und Kraft die Waffe aus der Hand. „Sind Sie des Teufels. Mann!“ herrschte sie ihn an.„Wagen Sie es einmal, Hand an Voules zu legen!“ Da geschah jedoch etwas Ueberraschendes. Mit sanfter Gewalt schob Voules das Mädchen beiseite; und seine Stimme klang nicht anders als gewöhnlich, da er sagte: „Ich brauche einen Beistand nicht, Berthe!— Wenn dieser Herr hier mir irgend etwas zu sagen haben sollte, mag er kommen. Da— das wir! ihm einen freundlichen Empfang bereiten.“ Der lange hagere Mann, in dem man alles andere eher als eine besondere Kraft hätte vermuten können, streifte bei den letzten Worten den rechten Rockärmel zurück. Unter dem straff angezogenen Hemde kam ein Arm zum Vorschein, dessen sich ein Preisringer nicht hätte zu schämen brauchen, und der seinen Gegner wohl einschüchtern konnte. Fermor stand schwer atmend da. Aus seinem Gesicht war alle Farbe gewichen, und keuchend stieß er endlich hervor: „Was— was hat das zu bedeuten?— Sie dulden es, Verthe, daß er Sie mit„Du“ anredet?“ Die Französin zanderte mit der Antwort. Leslie Voules, von dessen Gesicht das kühle Lächeln noch immer nicht verschwunden war, sagte ruhig: „Ich werde meine Braut anreden dürfen, wie ich es für gut finde, nicht wahr?— Und vor allem haben Sie sich am wenigstens darum zu scheren. — Aber ich glaubte, daß Sie irgend etwas von mir wollten.“ Wie unter einem Peitschenhieb war Fermor bei seinen Worten zusammengezuckt. Nun wandte er sich von seinem Gegner ab und blickte Berthe wie in stummer Frage an. Die Augen des Mädchens hatten bewundernd auf dem ganz veränderten Voules geruht. Jetzt zuckte sie die Achseln und maß den Kleinen mit einem kalten Blick. „Sie werden es wohl glauben müssen, mein Lieber!" sagte sie ruhig.„Und ich rate Ihnen, jetzt Frieden zu halten. Wir sind zwei gegen einen— wer dabei den Kürzeren ziehen würde, ist nicht sonderlich schwer zu erraten. Aber wir vergessen ganz, daß wir nicht allein sind. Tragen ie ihre Streitigkeiten, bitte, zu gelegenerer Zeit aus, als es diese Stunde ist.“ Sie wandte sich wieder Burkhardt zu, als sei mit ihren Worten die Sache wirtlich al getan. Auch Voules ließ sich wieder am Tische nieder, ohne dem andern noch einen Blick zu schenken. Der kleine Amerikaner stand einen Augenblick wie gelähmt; dann griff er plötzlich nach seinem Hut und stürmte hinaus, ohne noch ein Wort zu sagen. „Er wird sich in der frischen Luft bald ersolen,“ meinte der unerschütterliche Lange.„Es war wohl für ihn ein bißchen viel auf einmal.“ „Du bist aber auch zu hart gewesen,“ sagte Verthe mit leisem Vorwurf.„Ich hätte es ihm schon noch ein anderes Mal etwas milder beibringen können.“ Burkhardt hatte dem allen zugesehen wie einem Schauspiel. Er hätte es ohne Mitleid und ne einen Finger zu rühren mit angeschen, wenn sich die beiden Schurken gegenseitig umgebracht härten— und er bedauerte beinahe, daß die Sache sich friedlich zu lösen schien. Denn für die Menschheit konnte es nur als ein Gewinn bezeich net werden, wenn Leute dieses Schlages vertilgt wurden. Er setzte sich jetzt ebenfalls wieder an den Tisch und wrar neugierig, was nun kommen würde. Und wenn überhaupt noch etwas imstande gewesen wäre, ihn zu verblüffen, so wäre es die Ruhe gewesen, mit der das„Brautpaar“ über den Vorfall oules nichts geschehen. Vbules summte von neuem die Melodie eines amerilanischen Gassenhauers vor sich hin, und Berthe wiegte nach dem Takt des Liedes ihren Stuhl hin und her. Sie saß so, daß der Schein des Feuers im Kamin voll auf ihr Gesicht fiel. Wolfgang beobachtete den Ausdruck ihrer schönen Züge, der in jedem Augenblick zu wechseln schien. Jetzt, da man ihre Augen nicht sehen konnte, hätte man alles andere als verbrecherische Gedanken hinter dieser weißen und glatten Stirn vermutet. Plötzlich wandte sich Berthe dem Deutschen zu. Alle ihre Bewegungen schienen impulsiv, alles was sie tat und sagte, vom Augenblick eingegeben zu 6v.„„ „Sie machen uns unsere Ausgabe schweter, als Sie glauben, Herr von Randow,“ sagte sie leise. „Wir sind nach Deutschland geschickt worden, um einen Mann zu richten, der etwas Schlimmeres ist als eine Bestie. Und nun finde ich in Ihnen ein Mann von Ehre— einen Mann, der ein Versprechen hält, trotzdem es ihm das Leben kostet, und der sich überhaupt, wie ein Kavalier benimmt. Ich muß den Auftrag erfüllen, der mir geworden ist— wenn ich es auch noch so sehr bedauere, ich bin gezwungen, so zu handeln. Aber können Sie es uns nicht ein wenig leichter machen?" „Ich begreife nicht recht, was Sie darunter verstehen,“ erwiderte Burkhardt, von den Worten der Französin aufs höchste überrascht.„Ich habe mich vollkommen in Ihre Hände geliefert, und Berthe unterbrach ihn durch eine ungeduldig abwehrende Handbewegung. Fortsetzung folgt. 1