Bei unvorhergesehenen Betriebsstörungen, hervorgerufen durch höhere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Zeitung und kann auch keinerlei Schadenersatz bean.*„ sprucht werden.-.. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Schwerter Volksblatt Wefthofener Zeitung Apierbecker Zeitung. Langscheder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jeitung“ erscheint werktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus. Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck: Dortmund 2852 Hannover 21874. Verantwortlich für Schriftleitung und Anzeigen: Hans Linner in Schwerte. Cel. 62. Nr. 247 Samstag, 20. Oktober 1923 56. Jahrgang s Einzelnummer 25000000mk. „„* Der Bezugspreis für die 4. Woche im Oklober beträgt 400 Alluionen Pupteraart. Für Abholer 390 Millionen Mark. Verlag der Schwerter Zeitung. An unsere Postbezieher! Das Reichspostministerium hat sich angesichts der wirtschaftlichen Notwendigkeit, den Zeitungen in türzeren Zwischenräumen eine Anpassung ihrer Bezugspreise an die Martentwertung zu emöglichen, zu Nacherhebungen von Bezugsgeldern innerhalb des Bezugsmonats entschlossen. Die „Schwerter Zeitung“ wird demgemäß heute als Resterhebung für den lausenden Monat einen Betrag von für die 3. und 4. Woche im Ottover durch Nacherhebungstarte von ihren bei der Post abonnierten Lesern einziehen. Mit Rücksicht darauf, daß nur eine einmalige Vorzeigung dieser Nachnahme stattfinden kann, bitten wir, den geforderten Betrag bereit zu halten, da im Falle der Nichteinlösung die Lieferung der Zeitung unterbleibt. Ein großer Teil unserer Postbezieher hat es außer Acht gelassen, den auf der beigelegten Zahltarte geforderten wirklich minimalen Betrag von 80 Millionen Mark einzusenden. Wir sind daher zu obiger Maßnahme gezwungen und werden bei Nichteinlösung sofort die Zusendung einstellen! Verlag der„Schwerter Zeitung“. Nach neuesten Meldungen lehnt Paris wie Brüssel jede Verständigung ab. Der Tag der Abrech= nung naht mit Riesenschritten. Kabinettssitzung. Zum Geleit. Dantbarkeit, die liebliche Pflanze, wächst im Tale der Demut und erfreut durch ihren lieblichen Duft Gott und Menschen.— Danke für jede Gabe, so wird dir jede zum Segen. (Lavater.) Neuigkeiten. Die Koalitonsparteien des Reichstages treten am Mittwoch zu einer Besprechung über das Arbeitszeitgesetz zusammen, um eine Verständigung über die Einzelheiten des Entwurfes herbeizuführen. * Der preußische Staatsrat trat am Mittwoch abend nach längerer Pause wieder zu einer Vollsitzung zusammen. Zur Beratung standen nur einige kleine Vorlagen, die in wenigen Minuten erledigt wurden. * An täglich zu entrichtenden Kontributionen müssen zahlen: Gelsenkirchen 10.000, Reckling= hausen 6000, Hernc 1000, Hörde 2000, Bochum 8000 und Witten 2000 Franken. * Die Schlüsselzahl im Buchhandel beträgt ab 19. Ottober 1600000. * Die von den Militärbefehlshabern in Königsberg und Breslau erlassenen Ausfuhrverbote für Kartoffeln aus Ostpreußen und Schlesien nach anderen Teilen des Reichsgebietes sind aufgehoben worden. Die Aufhebung des Verbots ist sehr zu begrüßen. Besser wäre es gewesen, die Ausfuhrverbote wären gar nicht ergangen. * An verschiedenen ausländischen Börsen ist die Mart gestrichen. Berlin, 19. Okt. Das Reichskabinett tritt heute zu einer Sitzung zusammen, die sich in der Hauptsache mit der außenpolitischen Situation, insbesondere mit den Folgen der Einstellung der Sachleistungen an Frankreich und Belgien befassen wird. Ueber diese Frage wird der Reichskanzler Dr. Stresemann demnächst auch noch in der Oeffentlichkeit eine Rede halten. Die Arbeitszeit.- Arbeiter und Beamte Berlin, 19. Okt. Der Sachverständigenausschuß, der von den Koalitionsfraktionen des Reichstages zur Vorberatung des Arbeitszeitgesetzes eingesetzt worden ist, hat Mittwoch seine Beratungen, zu denen auch Regierungsvertreter hinzugezogen waren, ausgenommen. Die Besprechungen gingen aus von dem Entwurf des Arbeitszeitgesetzes, dessen Inhalt wir kürzlich mitgeteilt haben. Der Entwurf beruht in seinen Grundgedanken betanntlich auf der Formel, die in den Krisentagen von den Koalitionsparteien vereinbart worden war. Man hofft, die Besprechungen in wenigen Tagen soweit fördern zu können, daß die erste Lesung des Gesetzes im Reichstagsplenum in der ersten Hälfte der nächsten Woche stattfinden kann. * Am Donnerstag fanden im Reichsfinanzministerium Besprechungen mit den Spitzenorganisationen der Beamtenschaft über den Plan der Einführung einer 51=stündigen Arbeitswoche für die Beamten statt. Ein Vertreter des Reichsarbeitsministeriums wies darauf hin, daß das Arbeitszeitgesetz von Arbeitern und Angestellten verschiedener Wirtschaftstreise eine Verlängerung ihrer Arbeitszeit fordern werde, und daß dementsprechend die Beamtenschaft nicht zurückstehen dürfe, wenn es gelie, die Arbeit produttiver zu gestalten. Die Gewerkschaftsvertreter gaben die Erklärung ab, daß sie endgültig über die Frage erst verhandeln könnten, wenn die Regierung über den Entwurf des Beamtenabbaugesetzes schlüssig geworden sei. Zum Beamtenabbau. Berlin, 19. Okt. Wie groß die deutsche Not ist. wird man am besten ans einer Notverordnung erkennen können. die gestern das Kabinett beschäftigt hat und die unmittelbar vor der Veröffentlichung steht, durch die Ersparnismaßnahmen in einer Art und Weise getroffen werden, wie man sie bisher wohl noch niemals erlebt hat. Durch diese Verordnung wird rücksichtslos der Beamtenapparat des Reiches, der Staaten und der Gemeinden abgebaut. Es wird selbst in wohlerworbene Rechte eingegriffen und die Zahl der Beamten auf ein Mindestmaß herabgesetzt werden. Als Beispiel kann dienen, daß das Personal des Reichskanzlers im Verhältnis von 25: 11 herabgemindert wird. Gleiche Einschränkungsmaßnahmen werden im Verkehrswesen durchgeführt. Es wird nur das in Betrieb gehalten, was sich rentiert, was vollswitschaftlich unbedingt notwendig ist. Berlin, 19. Ott. Heute nachmittag fanden im Reichsministerium des Innern Besprechungen der Vertreter der Reichsregierung mit den Beamtenspinenorganisationen über eine Neuregelung der Arbeitszeit statt, wobei Ministerialdirektor Dr. Falck Gelegenheit nahm. den unter den Beamten umlausenden Gerüchten über den Inhalt der Beamtenabbauverordnung entgegenzutreten. Er wies darauf hin, daß diese Verordnung im Reichsfinanzministerium ausgearbeitet sei und am kommenden Mittwoch mir den Beamtenorganisationen besprochen werden solle. Wenn der Inhalt des Entwurfes zurzeit auch noch geheim sei, so halte er sich doch für verpflichtet, den Behauptungen entgegenzutreten, daß 50 Prozent der Beamten abgebaut werden. Eine Verringerung des Beamtenkörpers auf die Hälfte habe in keinem Absatz der Verordnung zur Frage gestanden. Der Abbau könne nicht entfernt diese Höhe erreichen. Auch sei das Gerücht, daß die zum Abbau gelang ten planmäßig angestellten Beamten ohne Wartegelder und ohne Ruhegehätrer entkassen würden, unzutressend. Auch ein solcher Gedanke sei zu keiner Zeit erwogen worden. Die Verhandlungen über die Neuregelung der Arbeitszeit wurden auf kommenden Mittwoch verragt, da die Beamten organisationen entschieden darauf Gewicht legen, daß ihnen der am kommenden Dienstag vom Reichsrat zu verabschiedende Enrwurf eines Arbeiszeitgesevzes für die gewerblichen Arbeiter und Angestellten vorgelegt werde. Der Abbau der Ruhrgelder. Berlin, 19. Okt. Amtlich wird mitgeteilt: An gesichts der überaus schwierigen Lage der Reichssen hal die Reimsregierung sich genötigt gesehen, auch in Hinsicht auf die Abgeltung von Sachschäden Einschräntungen eintreten zu lassen. Als erste der nach dieser Richtung geplanten Maßnahme ist beschlossen worden, noch nicht vorgenommene Anmeldungen von Schäden, die aus Anlaß der Besetzung des Ruhrgebiets entsranden sind und nach den bisherigen Bestimmungen im Verwalrungswege(Sonderverfahren abzugelten wären, nur dann noch zu berücksichtigen, wenn sie für die bis einschließlich 28. September 1923 eingetretenen Schäden bis zum 31. Ottober 1923, für die später eingetretenen Schäden bis zum 30. November 1923 bei den Feststellungsbehörden oder dem Reichsministerium für die besetzten Gebiete, Berlin W 9, Leipziger Platz 17, eingereicht werden. Für Schäden, die nach dem 31. Oktober 1923 entstehen, kann eine Vergütung nicht mehr geleistet werden. Die Grenze der Nachgiebigkeit TII. Berlin, 19. Okt. Die dem Reichskanzler nahestehende„Zeit“ bringt zu der ablehnen den Haltung Poincarés einen richtunggebenden Artikel„Klarheit“. Es heißt darin: Herr von Hoesch hat bei seiner Unterredung mit Poincare alle Verordnungen vorgelegt, die die Einstellung des passiven Widerstandes klar erweisen und die jeden Zweifel ausschließen, daß die deutsche Regierung alle Voraussetzungen für die Wiederaufnahme der Arbeit auf allen Gebieten der Verwaltung und der Wirtschaft geschaffen hat. Die Regierung hat mit voller Absicht, wie auch bei den vorangegangenen Verständigungsversuchen alle Möglichteiten ausgeschöpt. Weiter heißz es: Die Politik des französischen Ministerpräsidenten läuft darauf hinaus, die Regierung von allen Mitbestimmungs rechten im Rhein= und Ruhrgebiet auszu schließen, ihr aber gleichzeitig alle Lasten finanzieller und materieller Natur aufzu erlegen, gie aus der Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Tätigkeit erwachsen. Diese Zumutung ist schon politisch vollkommen unerträglich. Sie ist aber auch rein materiell gesehen ein reines Ding der Unmöglichteit. Die deutsche Regierung ist unter keinen Umständen in der Lage, die finanziellen Verpflichtungen zu übernehmen, die mit der Wiederaufnahme der Produktion im Ruhrgebiet und der der Materialleistungen verbunden sind. Wenn man der Oeffentlichkeit den gegenwärtigen Stand der Reichsfinanzen nach seiner nackten Einnahmeund Ausgabeziffern bekanntgeben würde, so würde niemand auch nur einen Augenblick daran zweifeln können, daß dieser Staat zur Zeit nichts wei ter tun kann, als seine allerdringendsten Lebensbedürfnisse zu bestreiten, um den Staat und das eigene Volk zu erhalten. Das Kabinett ist entschlossen, aus dieser Lage die unvermeidlichen Folgerungen zu ziehen und die Staatsausgaben auf dem Gebiet der Verwaltung und auf anderen Gebieten so sehr einzuschränten, daß dabei auch über wohlbegründete Rechte und Ansprüche des Einzelnen rücksichtslos hinweggegangen werden muß. Trägt die Reichsregierung aber dieser zwingenden Notwendigkeit Rechnung, so kann sie jetzt auf der anderen Seite unter keinen Umstän. den mit ihrem Verantwortungsbewußtsein vereinbaren. Ausgaben für Entschädigungslieferungen zu leisten. Die französischen Forderungen nach dieser Richtung sind geradezu unerhört. Aber die sen Zumntungen gegenüber tann die Regie rung nur ein unbeugsames Nein entgegen setzen. Zum Schluß des Artikels wird betont: Es muß dabei bleiben, daß die französische Regierung. die die deutsche Regierung planmäßig von aller Mitbestimmung bei der wirtschaftlichen Wiederauf richtung des Ruhrgebiets ausschließt, von deutscher Seite keine finanziellen Leistungen erwarten kann. Die Folgen, die daraus entstehen können, fallen ausschließlich der Verantwortung der französischen Regierung zur Last. Sie trägt die Schuld daran, wenn die Produktion im Ruhrgebiet zum Stillstand kommt und die Masse der Bevölkerung dort ohne Lohn und Brot ist. Durch den Schritt der deutschen Regierung in Paris ist erreicht worden, daß hierüber keine Untlarheit mehr herrscht. Es wird auch nicht ausbleiben können, daß zwischen Deutschland und den übrigen Verbandsmächten Klarheit geschaffen wird. Lassen die Verbandsmächte den Dingen ihren Lauf und lassen sie es zu, daß Deutschland unermeßlichen Schaden leidet, so wird der Augenblick nicht fern sein, in dem Deutschland überhaupt alle Sachlieferungen einstellen muß. Paris wünscht einen deutschen Botschafter. TUI. Paris, 18. Okt. Zu dem gestrigen deltt schen Schritt in Paris erklärt das„Echo National": Wenn Stresemann sich gegen die Entsendung eines deutschen Botschafters nach Paris sträubt, kann ihm nichts an erfolgreichen Verhandlungen mit Poincaré gelegen sein. Das Blatt bezeichnet die Anwesenheit eines Geschäftsträgers in Paris als ungenügend. Bruch mit Frankreich? TU. Berlin, 19. Okt. Von einer mit den politischen Absichten des Reichskanzlers durchaus vertrauten Seite erfährt der Berliner„Börsencourier“ folgendes: Wir stellen somit endgültig jegliche Reparationslieferung und jegliche Reparationszahlung an Frankreich ein und sind uns der Konsequenzen vollauf bewußt, daß diese uns durch äußerste Not diktierte Maßnahme wahrscheinlich den Bruch mit Frankreich bedeuten wird. Erst vor kurzem haben die Anhänger der äußersten Rechten den Bruch mit Frankreich verlangt u. Srresemann Mangel an Mut vorgeworfen, als er dies damals ablehnte. Dr. Stresemann wußte sehr wohl, aus welchem Grunde er den Zeitpunkt des offenen Bruchs mit Frantreich noch verschieben mußte. Ein Bruch vor drei Wochen hätte bedeutet, daß wir die ganze Entwicklung sein der Einstellung des passiven Widerstandes vorweg genommen und dem französischen Ministerpräsidenten die Verantwortung für den Bruch abgenommen hätten. Wenn wir auch von vornherein annehmen konnten, daß eine Verständigung mit Frankreich ausgeschlossen ist, so hätte uns das die übrige Welt angesichts der Erklärungen Poincarès damals nicht geglaubt. Jetzt haben wir Poincaré gezwungen, Farbe zu betennen. Jetzt wissen alle Welt, setzt wissen auch die übrigen Alliierten, daß Frankreich keine Verständigung, keine Repa rationen, sondern die Vernichtung des Deutschen Reiches sich zum Ziele gesetzt hat. Jetzt müssen auch die übrigen Alliierten Farbe bekennen, ob sie auch dieses Ziel Frank. reichs billigen und ob sie es unterstützen, gleichgültig, ob aktiv oder passiv. Die übrigen Alliierten werden um so mehr Gelegenheit haben, ihre wahre Einstellung gegen Deutschland und den Friedensgedanken zu zeigen, da Deutschland in Kürze gezwungen sein wird, auch die Reparationsleistungen an die Mächte einzustellen, die bisher beliefert worden sind. Stinnes in Düsseldorf. Vergebliche Verhandlungen mit den Franzosen. Wie über Paris gemeldet wird, hat der Großindustrielle Hugo Stinnes am Mittwoch erneut in Düsseldorf mit den Franzosen verhandelt. In sei ner Begleitung befanden sich die Großindustriellen Klöckner und Vögeler. Die Verhandlungen wurden mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der französischen Fabrik= und Hüttenkommission, Nevesans, geführt. Einen ausführlichen Bericht darüber bringt„Petit Parisien", dem man die Verantwortung für die Richtigkeit seiner Angaben natürlich überlassen muß. Das Blatt sagt darüber u. a. folgendes: Gleich zu Eingang der Unterredung spielte der deutsche Industrielle auf die Erklärung Dr. Stresemanns an, wonach die Reichsregierung sich außerstande sähe, die Ruhrindustriellen für ihre Materialleistungen an Frankreich zu entschädigen. Herr Stinnes erklärte auf Fragen des Herrn Nevejans:„Solange die Reichsregierung uns nicht für die Zurückerstattung Gewähr bietet, können wir nicht an die Wiederaufnahme der Lieferungen irgendwie denken.“ Obgleich das eigentliche Gesprächsthema dem„Petit Parisien" zufolge damit bereits erschöpft war, blieben Stinnes und seine Begleiter noch zwei Stunden und setzten die Unterhaltung fort. Der stellvertretende französische Direktor verwies— immer nach dem Bericht des„Petit Parisien“— während seiner ausführlichen Darlegungen des Standpunktes der Verbündeten vor allem darauf, daß die Ruhrmagnaten ihre Kohlen zu 150 Franken per Tonne in Düsseldorf abzusetzen vermöchten und damit den gegenwärtigen Verkaufspreis der englischen Kohle in derselben Stadt erzielen. Tatsächlich käme sie aber eine Tonne Kohle nur 75 Franken, das heißt also die Hälfte des Preises zu stehen. Es würde sie folglich keine Opfer kosten, den zehnten Teil davon für Reparationszwecke herzugeben. Stinnes bekämpfte in seiner Erwiderung energisch diese Auffassung und meinte, daß die Frage von einem zu einseitigen Standpunkt aus behandelt werde. Der Preis von 148 Franken pro Tonne könnte nur für den Einzelverbraucher, der Heizkohle einkauft, und sie wegen der Transportkosten teuer bezahlt, in Frage kommen, für die Industriellen selbst könnten nur die Gesichtspunkte der Metallindustrie allein ausschlaggebend sein. Der Verkaufspreis der englischen Kohle, der sich zurzeit auf 24 Schilling gleich 96 Franken belaufe, könne auf 14 Schilling oder 53 Franken herabgesetzt werden. Da die Verbündeten jedoch ausdrücklich betonten, daß die Tonne Kohle die Ruhrindustriellen 75 Franken koste, gebe es keinen Zweifel, daß die deutsche Industrie gehemmt und nicht lebensfähig sei. Die Industriellen müßten es daher ablehnen. Kohle zu einem solchen Preise zu fördern. Die Pariser Blätter finden die Starrköpfigteit von Hugo Stinnes unbegreiflich, umsomehr, als bereits mit 25 Prozent der Grubenbesitzer im Ruhrgebiet Vereinbarungen getrofsen seien. Die Micum sei, so teilen sie mit, von ihrem Standpunkt nicht abgewichen, und die Unterredung zwischen die Unterredung zwischen Franzosen und den deutschen Großindustriellen habe kein Ergebnis gezeitigt. Der neue Schritt von Stinnes sei jedensalls als ein sehr wertvoller Zingerzeig für das Einvernehmen zwischen ihm und dem Kanzler aufzufassen. TU. Newyork, 19, Okt. Bei einer Riesenversammlung in Chikago legte Lloyd George den englischen Standpunkt in der Reparationsfrage dar. Er verurteilte die französische Ruhrpolitik und unterstützte Hughes Weihnachtsvorschlag einer internationalen Wirtschaftskonferenz. Nachdem er Deutschlands Ausraubung und die bisher geleisteten Zahlungen beschrieben hatte, wobei er sich gegen den Vorwurf der Deutschfreundlichkeit verwahrte, sagte Lloyd George: Wenn die gegenwärtige französische Politik fortgesetzt wird, so sage ich im voraus, daß es keine weiteren Reparationszahlungen gibt, sondern an ihrer Stelle eine Revolution von 60 Millionen Deutschen. Zum äußersten getrieben, werden sie jeden sich bietenden Ausweg einschlagen. Ich sehe einen Orkan tommen, und wenn der Steuermann nicht den gegenwärtigen gefährlichen Kurs ändert, ist ein Schiffbruch unvermeidlich. Lloyd Georges Warnungsruf erregte großes Aufsehen und fand allgemeine Zustimmung in der Chikagoer Presse.(Die Franzosen sollen sich dies merken, denn dieser Sturm wird sie kaum verschonen. Die Schriftltg.) Die Schweizer Antwort in der Zonenfrage. Basel, 19. Okt. Die schweizerische Note in der Zonenfrage, die höflich, aber frisch und energisch im Tone gehalten ist, gibt zuerst eine Darlegung der diplomatischen Verhandlungen seit der Verwerfung des Zonenabkommens durch die Volksabstimmung im Februar 1923 und erklärt dann, daß der Beschluß der französischen Regierung ohne hinreichende Gründe die im Gange befindlichen diplomatischen Besprechungen jäh unterbrochen habe. Die Regierung der französischen Republik gebe damit die Absicht kund, heißt es in der Note, durch einseitige Willensatte gerade den Kern der Streitfrage zu entscheiden. Der Bundesrat könne die Verhandlungen nicht unter Bedingungen fortsetzen, die eine rechtliche Ungleichheit in sich schlössen. Die französische Regierung sei nicht befugt, zu ihren Gunsten und aus eigener Machtvollkommenheit die grundlegende Vorfrage zu entscheiden, von der alle Ausführungsbestimmungen der Vereinbarung abhingen. Wenn die Verständigung sich als unmöglich herausstelle, so bleibe nur eine einzige gütliche Lösung übrig: der Schiedsspruch unparteiischer Richter und zwar des Internationalen Gerichtshofes im Haag. Der Bundesrat, heißt es weiter, sehe sich gezwungen, gegen den Beschluß der französischen Regierung Verwahrung einzulegen. Für den Augenblick erachte er die Möglichkeit unmittelbarer Verhandlungen als ausgeschlossen. Der Bundesrat spricht die Hoffnung aus, daß die Regierung der Republik das schweizerische Verlangen auf Anrufung eines Schiedsgerichtes nicht ablehnen werde.(Da irrt sich der Bundesrat gewaltig! Frankreich ist ja Beschützer der„kleinen Staaten“ und da gilt genau die gleiche Parole wie gegenüber Deutschland „Macht geht vor Recht!" D. Schriftltg.) Das Forsthaus im Teufelsgrund. Detektiv=Roman von F. Eduard Pflüger. 66(Nachdruck verboten.) „Der Stich ist doch blos durch die Lunge gegangen, Herr Oberstabsarzt.“ „Blos durch die Lunge, sie haben recht, er hat keine großen Schlagadern verletzt, sonst wäre das holde Geschöpf ja schon unserer Hilfe und unserer Sorge entrückt. Es ist ja möglich sie zu retten... Sie haben doch nach Eis geschickt?“ „Unsere Boten sind nach vier Richtungen weg.“ „Nun, dann ist's gut, denn wenn wir nicht nach Ablauf einer Stunde Eis haben, um das Fieber sofort beim Eintreten zu bekämpfen, das aufsteigende Blut niederzuhalten, dann erlebt sie den Morgen nicht mehr.“ Rechenbach konnte sich nicht fassen vor Schmerz, aber er hielt ihn wie ein Mann nieder. Als jedoch der Arzt mit unbarmherziger Hand die Wundsonde anlegte, um die Tiefe des Stoßes zu prüfen und die Kranke aus der Ohnmacht erwachte und verzweiflungsvoll aufstöhnte, da war es um seinen Halt getan, er geberdete sich wie ein Unsinniger und mußte aus dem Krankenzimmer gebracht werden. In einem fort jammerte er, warum der Mörder nicht ihn getroffen hätte, warum das zarte Geschöpf hätte verwundet werden müssen. „Weil sie getroffen werden sollte,“ antwortete ihm ruhig und kalt Breitschwert,„weil man es auf sie erst in zweiter Linie abgesehen hatte. Aber sie sind heute nicht fähig, über irgend etwas Vernünftiges zu reden, darum tun sie am besten, sie gehen den Boten entgegen und sorgen dafür, daß wir schnell und reichlich Eis bekommen.“„. g 4.e Jch. faßst—e 8. Breitschwert überließ den Unglücklichen sih selbst und kehrte auf seinen Posten an das Krankenlager Herthas zurück, das, wie er fürchtete, bald ein Sterbelager sein würde. Im stillen schalt er sich, daß er zu lange gezögert hatte, daß er den Verbrecher Arm an Arm neben sich gefühlt, daß er den Revolver schon in der Hand gehabt und den Lauf nicht auf die schöne Stirn gerichtet, unter der die prächtigen Augen hervorblitzten. Es waren unverkennbar Herthas Angen und sie waren zum Verrater beworden. An ihnen hatte er den Listzier rannt, aber, um ganz sicher zu gehen, ließ er den Hornisten as Signal blasen und als er bemerkte, daß das Pferd vollmmen ruhig blieb, daß es kein Offizierspferd sei, wußte er, nter welcher Maske die Verbrecher den Schlag führen würden. Und jetzt war er am Krankenbett zurückgehalten, jetzt konnte keinen der vier festnehmen, mußte sich ganz auf Kluges charssinn und die Mitwirkung der Frankfurter Polizei verlassen. ber jetzt kannte er ihn und nun wollte er diese schönen Augen erfolgen bis ans Ende der Welt. Nur erst hier Hilfe schaffen, icht dem Staatsanwalt, dem er das Leben gerettet, das Glück ernichten. Jetzt erst glaubte er ganz an Herthas Treue, jetzt, so sie mit ihrem Blut für den geliebten Mann eingetreten war. „Ach, wie schwach und elend ist doch der Mensch im Kampfe ait dem Verbrechen. Daß ich nicht eine Sekunde früher zugriff, ch mache mir fast Vorwürfe, das Leben dieses herrlichen Gechöpfes geopsert zu haben. Und vielleicht um nichts, vielleicht nitgehen mir diese Gesellen. Nun, wenigstens weiß ich, was ich ür den nächsten Tag zu arbeiten habe...“„Herr Förster, ief er den sich eben ihm nähernden alten Herrn an,„wenn reund Kluge zurückkommt, schicken sie sofort nach mir, ich muß hn unbedingt sprechen und das Telegramm an den Sanitätsrat st doch nach Frankfurt abgegangen?“ „Jawohl, Herr Doktor, es ist alles besorgt. Wird die unslückliche junge Dame mit dem Leben davonkommen?“ „Lieber Förster, das wissen wir nicht, das steht in Gottes Hand.“ XIX. Breitschwert hatte den Teufelsgrund verlassen und war mit dem einzigen Beweisstück gegen den Mörder, dem tulasilbernen Dolch, nach Frankfurt abgereist, um von dort aus die Ermittelungen uu leiten. Es war für ihn kein Zweifel mehr, daß Erich von Winkelmann sowohl der Gatte der Nadaschda Solowiew, als auch der Mörder Herthas und zugleich die Seele der anarchistischen Umtriebe des Klubs Morgenröte sei. Hatte sich doch in dem Griff des Dolches eingeprägt das Wappen der Solowiew gefunden und somit sprach der Besitz dieser Waffe das Schuldig gegen Erich von Winkelmann aus. Aber der kühne und kluge Anarchist war wie vom Erdboden weggesegt. Er hatte in seinem wunderbaren Anpassungsvermögen während der großen Truppenansahimlungen im Spessart die einzig richtige Maske gewählt. die ihn unbemerkt an sein Opfer anbringen konnte und ihm bann das Entkommen glänzend erleichterte. Die vier Offiziere, die durch den Spessart geritten waren, hatten natürlich zur Manöverzeit gar kein Aufsehen erregt, sie waren unter der Flut der Soldatenmassen einfach untergetaucht und über alle Berge, ehe ein Polizist überhaupt ihre Spur aufnehmen konnte. Kluge, der sonst so geschickte, schnell entscheidende Fahnder, mußte natürlich in dem Augenblick die Spur verlieren, als die vier Offizicre bei einem Pferdehalter, den sie sich aus den herumlungernden Soldaten ausgewählt hatten, ihre Tiere bestiegen und im gestreckten Galopp davon jagten. Es war ein vollkommen aussichtsloses Unterfangen in der Nacht unberitten zu folgen. Und wie sollte er folgen? Wahrscheinlich würden sich die vier Männer treunen, sobald sie bemerkten, daß ihnen jemand auf den Fersen war. Es war ihm also nichts zu tun übrig geblieben, als einfach nach dem Forsthause zurückzukehren und das volltommene Verschwinden der Mörderbande seinem Meister zu melden. Es lag also jetzt für Breitschwert die schwierige Ausgabe vor, Winkelmann, der längst irgendwo im Auslande sein konnte, in Rußland vielleicht, wo er durch seine verstorbene Gattin gute Beziehungen hatte, in Italien, in Frankreich, in der Schweiz, in England, oder sonst wo zu suchen. Keine Möglichkeit war, zu entscheiden, wohin er sich gewandt hatte. Und doch mußte er gefunden werden, doch mußte der Scharfsinn Breitschwerts triumphieren, wenn nicht sein ganzer Ruf mit einem Schlage vernichtet sein sollte. Er mußte den Sieg davontragen und wenn der ewige Teufel selbst diesem irdischen Teusel zu Hilfe gekommen war, um ihn zu verbergen. Man...„ Ein brutaler und verwegener P#an reifte im Geyirn des freiwilligen Polizisten und wie bei ihm Plan und Ausführung Blitz und Schlag zu sein pflegten, so setzte er sich sofort hin, entwarf eine Annonce, begab sich damit zu einem ihm befreundeten Notar, dem er folgendes erzählte: „Mein lieber Freund, ich bin durch Zufall zum Beschützer und Berater einer jungen Dame geworden, die leider durch Mörderband gesalen ist.“. gn...J im Teuselssrund „Ach, handelt es sich um den Mordansall im Telzelrgrund! „Jawohl.“ (Fortsetzung folgt.) Das Reich und Bahern. Berlin, 19. Okt. Wie die„Voss. Ztg.“ wissen will hat die Reichsregierung beschlossen, den Kommandanten des bayerischen Reichswehrtreises. Generalleutnant von Lossow, abzuberufen. Diese Maßnahme sei nicht erfolgt, weil Lossow für unzuverlässig gilt. Der sozialdemokratische Reichsminister des Innern, Sollmann, habe viel mehr erst gestern bestätigt, daß Lossow sich bisher loyal verhalten habe. Er habe es aber nicht vermocht, sich als Träger der Reichsgewalt neben dem bayerischen Zivilkommissar durchzusetzen. Wie das Blatt weiter schreibt, stand die Reichsregierung vor der Wahl, den Ausnahmezustand aufzuheben oder aber zu versuchen, ihn so, wie er ursprünglich gedacht war, im ganzen Reiche zur Geltung zu bringen. Die Entscheidung ist zugunsten der tatsächlichen Durchführung des Ausnahmezustandes gefallen. Entsprechend habe auch der Reichspräsident den sozialdemotratischen Abgeordneten Wels und Hermann Müller erklärt, daß gegenwärtig eine Beseitigung des militärischen Ausnahmezustandes nicht möglich sei. Ministerpräsident Zeigner lenkt ein. Berlin, 19. Ott. Die Teile der Reichswehr, die zur Verstärkung der sächsischen Truppen bestimmt sind, sind im Laufe des heutigen Tages in Marsch gesetzt worden. Morgen und übermorgen werden sie in den Standorten, in der Hauptsache in Chemnitz und Plauen, eintreffen. Es handelt sich dabei nicht um eine Exekutive des Reiches gegen Sachsen, sondern, wie das„B. T.“ berichtet, nur um die Wiederherstellung der Ordnung in Sachsen. Diese Ordnung war dadurch bedroht, daß eine kommunistische Betriebsrätezentrale sich als eine Art Nebenregierneg etabliert hatte, die von den sächsischen kommunistischen Ministern unterstützt wurde. Es bestand die Gefahr. daß diese Zentrale zu Ruhestörungen Anlaß geben würde und dadurch war das Eingreifen des Reiches geboten. Im übrigen wird aus Sachsen mitgeteilt, daß der Ministerpräsident Zeigner in einem Brief an den General von Müller erklärt hat, er sei zu Verhandlungen über die strittigen Punkte bereit. Auch habe bereits eine Besprechung zwischen dem Ministerpräsidenten Zeigner und dem General von Müller stattgefunden. Zeichners Vertrauensbruch. Aus den Akten des Staatsgerichtshofes. Dresden, 19. Okt. Aus den heutigen Landtagsverhandlungen ist noch hervorzuheben, daß Ministerpräsident Dr. Zeigner von dem volksparteilichen Abgeordneten Bünger gefragt wurde, woher er sein Material über die Reichswehr habe. Bünge behauptete namentlich, daß dieses Material aus den Untersuchungsakten des Staatsgerichtshofes stamme. Das Verfahren sei geheim, Dr. Zeigner müsse also durch einen unerhörten Vertrauensbruch in den Besitz dieser Akten gekommen sein. Er forderte deshalb, ebenso wie der demokratische Abgeordnete und Mitglied des Staatsgerichtshofes, Dr. Reinhold, daß der Ministerpräsident sofort eine klare Antwort darauf gebe. Diese Antwort ist Dr. Zeigner schuldig geblieben, der damit wohl zugegeben hat, daß sein Material durch Vertrauensbruch aus den Untersuchungsakten des Staatsgerichtshofes ihm übergeben worden ist. Bayern gegen Geßler. München, 19. Okt. Die bayerische Regierung hat durch ihren Berliner Gesandten nach dem „B. T.“ den Rücktritt des Reichswehrministers Dr. Geßler gefordert und hat inzwischen die Be ziehungen zwischen Geßler und Bay ern abgebrochen, weil der Reichswehrminister die Abberufung des Generals von Lossow wegen Ungehorsams und Vergehens gegen die Disziplin verfügt hat. Geßlers Rücktritt erneut gefordert. TU. Dresden, 19. Okt. Die Kommunisten haben gestern im sächsischen Landtag folgenden Antrag eingebracht: Der Landtag wolle beschließen, daß die sächsische Regierung bei der Reichsregierung den Antrag stellt, daß sie den Rücktritt des Reichswehrministers Dr. Geßler veranlassen möge. TU Dresden, 19. Okt. Finanzminister Böttcher und Wirtschaftsminister Hecker sind zu MitDie Ernennung des sozialdemotratischen Reichstagsabgeordneten Meier=Zwickau zum Zivilkommissar des Wehrkreiskommandos 4— also nicht allein für den Freistaat Sachsen— ist am Mittwoch vormittag erfolgt. Die„Schlacht bei Hirschberg“. München, 19. Okt. Eine halbamtliche bayrische Darstellung tritt den Mitteilungen der thüringi schen Regierung über den Vorfall bei Hirschverg mit einer Darlegung gegenüber, die zeigt, daß die erste amtliche bayrische Bekanntgabe nicht richtig war. Es wird darin zugegeben, daß allerdings Nationalsozialisten in kleinerer Zahl und auch die Landespolizei, diese mit Maschinengewehren, an der Saale erschienen waren, da die bayrische Bevölkerung einen Einfall befürchtete. Das thüringische Ufer sei mit ungefähr 30 Mann besetzt gewesen. Der Vorfall mit der Wasserbeschautommission habe sich wirklich unabhängig davon abgespielt. Immerhin erscheint es doch auffällig, daß das Bezirksamt Hof zunächst nur über diesen nach München berichtete. Gespannte Lage in Kiel. Hamburg, 19. Okt. Gestern traten Aktionsausschüsse der Kieler Großbetriebe zu einer Bespechung der Lage zusammen. Es wurde beschlossen, mit der Direktion der Howald==Wrke und der Werke in Friedrichsort nochmals in Verhandlungen zu treten, um dort eine Wiederaufnahme der Arbeit zu ermöglichen. Falls eine Einigung nicht erzielt wird, wird der Generalstreit als unabwendbar bezeichnet.— Mehrere Ansammlungen auf den Straßen konnten zerstreut werden. Der Polizeipräsident hat einen Aufruf erlassen, in dem er vor weiteren Ausschreitungen warnt und zur Ruhe ermahnt. Aus Stadt und Land. Schwerte, den 20. Oktober 1923. Sonntagsworte. „Komm, Liebe, komm und schütte deinen Segen Noch heute über unser ganzes Haus. O. mög' sich deine Gnade drinnen regen Für alle, die hier gehen ein und aus! Nichts ist schöner, als wenn über einem ganzen Hauswesen Gottes Hände gleichsam ausgebreitet sind. In solchem Hause wohnt ein seltsamer Friede, der alle so recht wohltuend berührt, die solch eine Stätte betreten. Sie sind selten geworden, die Hütten Gottes bei den Menschen. Das brauchte nicht so zu sein. Jedenfalls liegt es in Gottes Absicht nicht, wenn ein Volk seinen Segen nicht mehr begehrt. Im Gegenteil. Gott lockt immer aufs neue, daß wir alle Herz. Gesinnung und Haus ihm öffnen und stets neu geloben: „Wir sind des Herrn, so laßt uns ihm auch leben, Sein Eigen sein mit Leib und Leben gern, Und Herz und Haus und Wandel Zeugnis geben. Es ist gewißlich so: Wir sind des Herrn!" Gartendiebe sind in einer der letzten Nächte am Dortmunderwege wieder tätig gewesen und haben geerniet, wo sie nicht gesät hatten. So wurde einem Kleingartenpächter ein größeres Quantum Kartoffeln von unberufener Seite geerntet, während ein anderer bei der Ernte seines Weißtohls unerwünschte Hilfe gehabt hat. Möchte es doch einmal gelingen, dieses lichtschene Gesindel bei der Arbeit zu überraschen. :—. I m L i c h t s p i e t t h e a t e r z u r R e i c h s t r o n e w i r d gegenwärtig unter gewaltigem Beifall des Publi kums das Film=Singspiel„Jugendglück und Liebesleid“ auf die Leinwand geworfen. Lissy Reinecke hat es in geschickter Weise verstanden, allerhand Jugenderlebnisse dreier alten Freunde—. Liebesglück und Liebesleid— zu einer ganz reizenden Handlung zu verflechten, wenn auch der dritte Akt etwas reichlich stark an Meyer=Förster erinnert. Der Studenten=Kommers, das hübsche Töchterlein der Wirtin und der inkognito reisende Prinz wirken wie die allbekannte Szene aus„Alt. Heidelberg". Köstliche Jugenderinnerungen werden im übrigen in dem Singspiel wieder lebendig, umwoben von dem Klang alter, vertrauter Lieder, die von Sängern und Sängerinnen zum Vortrag gebracht werden. Allerdings hatten die Stimmen in dem dicken Zigarren= und Zigaretten. qualm— trotz polizeilichem Rauchver bot!— sehr gelitten, auch die Temponahme bei dem reizenden Schubert'schen„Ich schnitt es gern in alle Rinden ein“ kann nicht unseren Beifall finden, man hatte das Gefühl, als ob jemand mit der Peitsche hinter der Else gewesen wäre! Ganz köstlich hat die Verfasserin des Films den pistonblasenden Kandidaten Gottlieb gezeichnet. Das Publikum hat den prächtigen Film, auf dessen ganze Aufmachung großer Wert gelegt ist, äußerir dankbar ausgenommen. Derselbe läuft bis einschließlich Montag und kann ein Besuch der „Reichskrone" nur empfohlen werden, zumal auch der Film„Frau Schlange“ mit Paul Heidemann in der Hauptrolle, eine spannende Schmugglergeschichte, sehr sehenswert ist. :** Turnen, Sport und Spiel.*: gliedern des Reichsrats ernannt. Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Dresden und München. TU. München, 19. Okt. Die Bayrische Staatszeitung" brachte gestern abend folgende Meldung unter der Ueberschrift„Bayern und Sachsen!": Auf eine Mitteilung der sächsischen Regierung über die Entlassung des sächsischen Geschäftsträgers, Legationsrates von Dschimbowski, aus den sächsischen Diensten ist der sächsischen Regierung in der Frage der Wiederbesetzung dieses Postens geantwortet worden: Die bayerische Regierung sei, solange die Kommunisten die bittersten Feinde jeder verfassungsmäßigen Staatsordnung seien, nicht in der Lage, einen sächsischen Geschäftsträger oder Gesandten zu empfangen. Gleichzeitig hat die bayerische Regierung in Verfolg dieser Stellungnahme den fayerischen Gesandten bei der sächsischen Regierung abberufen. —* In unserer Zeitungsstelle(Große Marktstraße 3) sind wieder eine Anzahl„Bilder vom Tage“ ausgestellt. —* Nach näherer Erkundigung an amtlicher Stelle handelt es sich nicht, wie gestern gemeldet, um 150 von den Franzosen in Westhofen geforderte Oefen, sondern nur um 12 Stück. * Brotpreise. Wir verweisen auf die Bekanntmachung in heutiger Nummer. —* Die Auszahlung für die Zusatzrente(2. Nachzahlung) für Kriegshinterbliebene und nicht im Erwerbsleben stehende Kriegsbeschädigte findet am Dienstag, den 23. Oktober 1923, vormittags, an der hiesigen Stadtkasse statt. —* Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene, die ihre Rente beim Postamt abheben, müssen diese bis zum 7. eines jeden Monats abgeholt haben. Nach dem 7. zahlt das Postamt nicht mehr. Eine Barzahlung durch das Versorgungsamt kann ebenfalls nicht erfolgen, weil es keine öffentliche Kasse hat und alle Einrichtungen für Barzahlungen fehlen. Die bisher vom Versorgungsamt ausnahmsweise geleisteten Zahlungen hören mit dem 1. November auf. * Aus der evangelischen Gemeinde wird uns mitgeteilt: Der Kindergarten in der Jägerstraße wird Montag, den 22. Oktober wieder eröffnet. Fräulein Kockelke, die ihre staatliche Prüfung für Kindergärtnerinnen mit bestem Erfolge bestanden hat, wird die Leitung übernehmen. So sind die Kleinen in guter Obhut und Pflege. — Die Kirchensteuer für die Gemeindeglieder im Amt Hennen(Villigst, Rheinen, Westheide, Refflingsen) werden Mittwoch, den 24. ds. Mts., nachm. 3½ bis 5½ Uhr bei Wirt Penkmann in Villigst entgegenommen. Es ist der 1000fache, resp. 500fache Betrag der bisherigen Jahressumme zu zahlen. Näheres wird durch Anschlag bekannt gegeben. —* Ein großer Theater=Abend findet am Sonntag, den 21. Oktober, nachm. 4 Uhr, im Lokale Milberg, Bahnhofstraße, statt. Derselbe wird von der O. W. und P.=Vereinigung veranstaltet und zwar in ganz uneigennütziger Weise, indem der volle Reinertrag für die Waisenkinder der Stadt Schwerte verwendet wird. Zur Aufführung gelangt das vierakrige Schauspiel„Der Bucklige“ oder„Die Macht der Arbeit“ von C. A. Paul. Wir wünschen regen Besuch! Der Kampf zwischen der Deutschen Turnerschaft und dem Deutschen Fußball-Bund. Die Entscheidung den Vereinen überlassen. Der Deutsche Fußballbund gibr bekannt: Die Einigungsverhandlungen mit der Deutschen Turnerschaft sind nicht zum Abschluß gekommen. Die Leitung der Deutschen Turnerschaft hat den von dem Verbandsvorsitzenden der Turnerschaft und den Vertretern der Sportverbande am 5. Februar 1923 vorgelegten Entwurf abgelehnt. Sie hat am 29. September außerdem Bestimmungen veröfsentlicht, nach welchen die Sportabteilungen der Turnvereine bis zum 1. November aus den Sportverbänden auszutreten haben. Die Sportverbände wollen in dieser Zeit äußerster deutscher Not keine Vereinskämpfe haben. Sie überlassen daher die Entscheidung ihren Vereinen. Es sind bei dieser Entscheidung nur in der Satzung enthaltenen B stimmungen zu beachten, die der Fußballbund noch einmal in Erinnerung bringt: 1. Jeder Sportverkehr mit den anderen Verbandsvereinen(mithin auch mit den aus unserem Bunde ausgetretenen Sportabteilungen) ist verboten. 2. Die Mitglieder ausgetretener Vereine oder Abteilangen werden bei unseren Bundesvereinen sofort spielberechtigt. Zu obiger Erklärung erfahren wir, daß man sich lietzdem in Westdeutschland verträgt. Die erneute Kriegserklärung der Deutschen Turnerschaft an die deutsche Sportbehörde wird, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, in Westdeutschland kuum irgendwelche Auswirkungen haben. Nach dem bisherigen Verhalten der Führer beider Parteien in Westdeutschland ist es ausgeschlossen, daß angesichts des guten Verhältnisses zwischen Turnen und Spört in den rheinisch=westfälischen Gebieten ohne ersichtlichen Zweck Streitigkeiten begonnen werden.(Dieses dürfte wohl im Interesse beider Parteien sein.) Eine Erklaruag der Arbeitsgemeinschaft der Eisenund Stablindastrie. TU. Essen, 20. Okt. Die Eisen= und Stahlindustrie des Ruhrgebietes, die in der Hauptsache vertreten wird von der nordischen Gruppe der rheinisch=westfälischen Eisen= und Stahlindustriellen, hat mit der zwischen ihr und den Arbeitgebern bestehenden Arbeitsgemeinschaft. Abteilung Angestellten, eine für die Oeffentlichkeit bedeutsame Erklärung erlassen. Es ist anzunehmen, daß die Unternehmer den Angestelltenvertretungen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Betriebe gegeben haben, die bewirkten, daß die einzelnen Punkte der nachstehenden Erklärung gemeinsame Auffassung wurden. Die Erklärung ist und bleibt die erste ihrer Art, die im Ruhrgebiet die Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam erlassen. Sie lautet: „Die Wirtschaftslage zwingt, soweit dem gesetzliche Bestimmungen nicht entgegenstehen, 1. Fristlose Entlassung. 2. Kündigung in gesetzlicher Frist, und 3. Verkürzung der Arbeitszeit vorzunehmen. Es ist selbstverständlich, daß fristlose Entlassungen. nur in Ausnahmefällen vorgenommen werden sollen. Die Kündigungen werden unter Voranstellung der wirtschaftlichen Bedürfnisse der Betriebe nach sozialen Gesichtspunkten erfolgen, derart, daß diejenigen zuerst davon betroffen werden, für die eine Kündigung verhältnismäßig die geringsten Härten bedeutet. Besondere Rücksicht wird dabei z. B. auf Angestellte mit Familien und solchen, die nachweislich Ernährer ihrer Angehörigen sind, genommen werden. Darüber hinaus werden Verkürzungen der Arbeitszeit unter entsprechender Verkürzung der Bezüge eintreten. Im Interesse einer möglichst reibungslosen Durchführung der Maßnahmen sollen die Angestelltenräte in den einzelnen Betrieben gehört werden. Nach wie vor bleiben die geltenden Tarifverträge die Grundlagen für künftige Kollektivvereinbarungen. Gottesdienste am Sonntag, 21. Okt. Große Kirche. 9 Uhr: Beichte. 9,30 Uhr: Pestor Florin.(Abendmahl). 11 Uhr: Kindergottesdienst. Kleine Kirche, 10 Uhr: Pastor Wischnath. 5 Uhr: Pastor Florin. Ev. Krankenhaus. 9 Uhr: Pastor Wischnath. Evangel. Stadtmission, Kuystraße 7. Sonntag früh 8 Uhr: Blaukreuzverein; nachm 4 Uhr: Bibelstunde, abends 8 Uhr: Gemischter Chor. Dienstag abends 8 Uhr: Gemischter Chor Mittwoch nachmittags 3 Uhr: Missionsverein, Mittwoch abends 8 30 Uhr: Gebetsstunde. Kathol. Pfarrkirsche. 6 Uhr: Stille heilige Messe, Pfarrer Schnurrbus, 7,30 Uhr: Frühmesse. Monatskommunion der Mütter. 8,45 Uhr: Schulmesse mit Predigt, Vikar Winter. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt, Vikar Winter. 2,30 Uhr: Rosenkranzandacht. Geisecke. 8,45 Uhr: Hochamt mit Predigt, Pfarrer Schnurrbus. Westhofen. 8 Uhr: Stille heilige Messe, Kaplan Schleep. Holzen. 9,30 Uhr: Hochamt mit Predigt, Kaplan Schlepp. Sehli Srührmitblagen. Ein wichtiger diplomatischer Schritt der Berliner Regierung. TU. Berlin, 20. Okt. Der Reichskanzler hat die deutschen Vertreter in den europäischen Ländern und in Washington für heute mit einem wichtigen diplomatischen Schritt beauftragt, der mit den letzten deutsch=französischen Verhandlungen und ihrem ergebnislosen Verlauf in engstem Zusammenhang steht. Dr. Stresemann dürfte im Laufe des heatigen Tages noch Gelegenheit nehmen, vor einem kleinen Kreis diesen Schritt und die Außenpolitik des Reiches für die kommenden Wochen zu begründen. Nicht zuletzt hat das französische Ansinnen der Erweiterung der Regie im besetzten Gebiet zu dem divlomatischen Auftrag des Reichskanzlers an die diplomatischen Vertreter im Ausland beigetragen. Die französische Regierung machte dem Reichskabinett vor wenigen Tagen über die Einrichtungen der Regie nähere Mitteilungen und forderte die Uebernahme die ser Beamten ohne jede Diskussion. Dieses Diktat hat das Reichskabinett abgelehnt. Poincaré hat daraufhin wissen lassen, daß für ihn die Verhandlungen mit Deutschland nunmehr erledigt seien. Junder und vorst. Telegraphische Auszahlung am 19. Oktober 1923. Amsterdam=Rotterdam. 4691 700 000 Buenos Aires 3 897 000 000 Brüssel u. Antwerpen.... 617540 000 Christiania1 854 625 000 Kopenhagen 439 590 000 Stockholm 2 097 230 000 Helsingfors 318 595 000 Italien 541 350 000 London 54 135 000 000 Ein Dollar 12 030 400 000 Paris 715 758 000 Schweiz 2 145 350 000 Spanien 1 616 030 000 Wien(abgestempelt) je 1 K. 168 400 357 291 000 Budapest 671 645 Wirtschaftszahlen für das Reich: Reichsbankgoldinder: eine Goldmark am 18. 10. 1 942 857000 Papiermark Goldzollaufgeld vom 17.—19. 10. 107 999999 900 Goldzollaufgeld vom 20.—23. 10. 93 599999 900 1 Goldzollmark= 1 080 000 000 Papiermark Silberankaufspreis ab 15. 10.... 400 000 000 Reichslebenshaltungsinder vom 15. 10. 691 900 000 Reichsbankdiskont ab§. 10. 90 Umrechnungskurs für die Landabgabe für je 1 Goldmark ab 17.—19.10. 1 080 000 000 Hotel= und Bäderinder 600 000 00 Buchhändlerschlüsselzahl. 1 600 000 000 Buchdruckergewerbeschlüsselzahl ab 13.10. 35 000 000 Verein deutscher ZeitungsverlegerSchlüsselzahl für den November= Postbezugspreis 3,300 Anzeigenschlusselpreis vom 20. 10... 2 000 000 Großhandelsindex ab 9 10. 1 093 000 000 (gegen die Vorwoche um das 255.4 fache gestiegen) Personen= und Gepäckverkehrsinder ab 18 Oktober 600 000 000 Güterverkehrsinder ab 18. 10.... 1 000 000 000 Lohnmeßzahl der Reichsarbeiter... 220 000 Multiplikator für das Bankgewerbe, Gehaltsinder für die laufende Woche Nahrungsmittelaufwand nach Calwer 13 559 940 000 Postkarte im Ortsverkehr 2 000 000 Brief im Ortsverkehr bis zu 20 Gramm 4000 000 Feeupostkarte 4000 000 Ferubrief bis zu 20 Gramm.... 10 000 000 für Schwerte: Indexzisser f. Schornsteinfegergebühren 691 900 000 Gaspreis pro com 1. Hälfte Oktober, 100 000 000 Wasserpreis pro chm 1. Hälfte Oktober 30 000 000 Bezugspreis der Schwerter Zeitung für die Woche vom 22.—27. Okt. 400 0010 000 General Degoutte und seine Schützlinge. Dem Diktator an Rhein und Ruhr, der selbstherrlich und brutal Frankreichs produktive Pfänder behütet, wird es in seiner Gottähnlichkeit nicht wohl, seit der letzte Separatistensonntag in Düsseldorf einen solch üblen, blutigen Ausgang nahm. War schon die Anwesenheit fremder Berichterstatter recht unangenehm, so berühren die nachfolgenden Erörterungen innerhalb der sonst so hofierten Düsseldorfer Bevölkerung den Protektor der Rheinischen Republik noch übler. Dieselben Gewerkschaften, die sich bisher mehr wie leidlich mit den französischen Besatzungsbehörden standen, wagen nun ganz offen die Feststellung, daß mindestens tausend Sonderbündler schwer bewaffnet von den französischen Regiezügen nach Düsseldorf gebracht wurden, trotzdem hier wie im ganzen besetzten Gebiete jedes Waffentragen strengstens verboten und unterdrückt wird. Mit recht unangenehmer Betonung stellt man fest, daß diese„Stoßtrupps“,„die Straßenpassanten unter den Augen französischer Offiziere, Gendarmen und im Dienst befindlicher Truppen revidierten und visitierten“, und verschweigt dabei sogar höflich, daß der politische Stab General Degonttes selbst in seiner „amtlichen“ Darstellung nicht minder deutlich von der „mit Pistolen bewaffneten Rheinlandwehr“ sprichtt Derselbe General Degoutte, der kurz vorher die ganze Erörterung der Rheinlandfrage als eine innerpolitische Angelegenheit des Deutschen Reiches hinstellte sind sogar die Separatisten blos als eine„deutsche Partei“ betrachten wollte, sieht hier das Geheimnis der französischen Rheinlandpolitik selbst vor aller Welt, und vor allem vor den Augen der sonst recht leichtgläubigen Düsseldorfer Bevölkerung enthüllt. Zugleich muß er sich in seinem eigenen Hauptquartier von seinen früheren Schützlingen sagen lassen, daß die Separatisten wehrlose, am Boden liegende deutsche Polizisten unter dem Schutz der französischen Gendarmen mißhandeln und in gemeinster Weise mit Füßen treten konnten. Er muß sich in ungeschminktester Weise sagen lassen, daß diese von der französischen Besatzung scheinbar anerkannten„Stoßtrupps“ nach Dunkelwerden an diesem blutigen Sonntag„unter den Augen der Besatzung Polizeidienste ausübten, Straßen sperrten, Pässe kontrollierten und Durchsuchungen vornahmen.“ Allen solchen Feststellungen gegenüber ist dieser mächtige General Degoutte machtlos, weil eine brutale Unterdrückung solcher Meinungsäußerungen der französisch=belgischen Politik auch den letzten Rest Ansehens noch rauben müßte, den sich das Düsseldorfer Hauptquartier bislang wahrte. Dem lokalen Mißerfolg der rheinischen„Bewegung“ würde ein furchtbarer Rückschlag auch in Frankreich selbst und vor der ganzen europäischen Welt folgen, der selbst der Diktator an Rhein und Ruhr in seiner Aufgabe der„friedlichen Durchdringung“ einige Rücksicht schuldig ist. Mit gebundenen Händen muß sich General Degoutte nunmehr von seinen eigenen Schützlingen über das selbst gesteckte Maß hinaus treiben lassen. Zur Abwehr kann er zunächst nur versuchen, an Stelle des Lumpenpacks der Sonderbündler die großen politischen Parteien des Rheinlandes selbst einzuspannen und mit ihrer Hilfe die Rheinlandpolitik der dritten französischen Republik erfolgreich zu Ende zu führen. Und in der Tat hat es gerade in den letzten Tagen nicht an Lockungen nach dieser Richtung hin gefehlt. In den Kölner Parteiorganen des Zentrums und der Demokratie schien sich wirklich eine Annäherung anzubahnen, um nicht, wie es hieß, den schmutzigen Separatisten das Feld zur Verständigung mit den militärischen Machthabern zu überlassen. Auch hier aber hat der„tote Sonntag“ überaus heilsam gewirkt. Vorsichtig werden diese zaghaften Fühler schon wieder zurückgezogen, weil sich bei der Düsseldorfer Lumvenparade denn doch gar zu arotesk die völlige Ohnmacht der„Rheinischen Republik“ und zugleich die politische Unfähigkeit und Skrupellosigkeit des französien Hauptquartiers zeigte. Vorerst steht General Degoutte mit seinen sauberen Schützlingen allein auf dem Plan: nur der Hunger und Mangel am Notwendigsten werden ihm weirere Hilfskräfte zutreiben können. Nach wie vor hängt das Schicksal das Rheins von der materiellen und nationalen Sicherung der gesamtdeutschen Zukunft ab! Parteipolitische Gefahren. Der Ruf nach dem Diktator, der jetzt gerade von der Rechten besonders häufig mit lauter Energie erhoben wird, zeigt deutlich, in welcher verzweifelten Lage wir uns befinden. Hannibal ante portas! Nur in solchen Augenblicken darf der Wunsch nach Beseitigung von Recht und Gesetz als ein Fortschritt im Sinne politischer Einsicht gewertet werden. Nur dann hat die Diktatur, d. h. der unbegrenzte Wille eines Einzelnen einen moralischen Sinn, wenn der Regierung auf gesetzlicher Grundlage die Macht fehlt, sich durchzusetzen. Unsere innerpolitischen Verhältnisse würden vermutlich nicht so sehr durch parteipolitische Streitereien belastet sein, wenn sich alle Volksgenossen über den Ernst der Lage wirklich klar wären, und wenn man in Deutschland allgemein wüßte, was Diktatur eigentlich ist. Sprechen wir nicht von jenen Schmarotzern und Schiebern, die sich an dem Niedergang der deutschen Währung mästen. Lassen wir auch die Kommunisten beiseite, für die Revolution Selbstzweck ist. Halten wir uns nur an jene, die Anspruch darauf machen, vaterländisch gesinnt zu sein, jene Kreise rechts, die sich noch immer nicht mit den neuen Verfassungsverhältnissen aussöhnen können. Wir wissen, daß sie ihr Vaterland aus heißem Herzen lieben: wir fühlen uns eins mit ihnen, wenn sie ein innerlich und äußerlich gereinigtes und befreites Deutschland ersehnen und erstreben. Nur ihre Methoden sind nach unserer Auffassung falsch. Der bayerische Ministerpräsident von Kuilling hat vor einigen Wochen eine schöne Rede gehalten, in der er den französischen Revolutionsheros Danton zitierte und die levee en masse des Jahres 1792 uns als leuchtendes Beispiel vor Augen führte. Das war jedem echten Deutschen aus der Seele gesprochen. Wirkt es nun aber nicht wie ein häßliches Satyrspiel, daß eben die Kreise, die damals Knilling am lautesten beipflichteten, jetzt in eine intransigante Abwehrstellung gegen die neuen Steuern eingerückt sind, die sie selber mit beschlossen hatten? Auch Steuerzahlen rubriziert unter Patriotismus. Und Disziplin, auch nationale Tisziplin, bringt nur dann ihren Befähigungsnachweis, wenn sie einem nicht sympathischen Führer gewährt wird.„Und der König absolnt, wenn er unsern Willen tut“, lautet ein bitteres Scherzwort aus vergangenen Tagen. Der Ruf nach der Diktatur wirkte aber nicht nur deswegen häufig so unerfreulich, weil er„gegen die andern“ gemeint ist, sondern er ist so schädlich, weil er meist nichts anderes als ein leeres Schlagwort ist, ohne Nachdenken in die Menge geschleudert, ohne Nachdenken nachgesprochen. Weil der Parlamentarismus an allem Schuld sein soll, soll die Diktatur helfen. Eigentlich meint man aber ganz etwas anderes. Man meint den Absolutismus, wie ihn Friedrich der Große „von Rechts wegen“, wie ihn Bismarck unter dem Deckmantel der konstitutionellen Monarchie ausgeübt hat. Ditratur kann in jeder Staatsform zur Geltung kommen. Lloyd George war Diktator, Clemenceau war es, beide innerhalb des Parlamentarismus, und weil die Diktatur den Parlamentarismus nicht beseitigte, konnte die Kontinnität der Versassung jedenfalls in England uneingeschrenkt aufrechterhilten werden Vergleichen wir unsere gegenwärtigen Zustände mit denen Englands und Frankreichs in den Kriegsjahren, so gleichen sie ihnen außerordentlich. Das jetzige Kabinett vollzieht auf verfassungsmäßiger Grundlage diktatorische Maßnahmen und es findet dabei auf dem wichtigsten Gebiet, dem der Währungs= und Finanz= reform, die lebendige Unterstützung von solch hervorragenden Führern wie Helfferich, und wie General= direktor Minvur, die sich an der Person Hilferdings ebensowenig stoßen wie der Wirtschaftsminister von Raumer. Würden die Deutschnationalen verfolgt haben, welch sensationelles Aufsehen ihr„Aktionsprogramm“ in der Presse des Auslands gemacht hat, so würden sie vielleicht doch stutzig werden. Als ein Baustein zur Aufrechterhaltung des passiven Widerstandes wurde es dort draußen nicht aufgefaßt. Das französische Nachrichtenblatt im besetzten Gebiet nutzt es vielmehr als Propagandamaterial mit Behagen aus. Die Stadt ohne Die Polizei, die langentbehrte, hat nun seit über einem Monat in Essen wieder Heimatsrecht und man muß sagen, daß sie sich zufriedenstellend und tapfer bewährt. Nach dem Abzug der Grünen hat man sich schnell an die Blauen gewöhnt, und es war die höchste Zeit, daß nach dem Straßendurcheinander der Juniund Juliwochen einmal Ordnung geschaffen wurde. So sind mit dem Einzug der neuen Ordnungshüter die Verkaufsbuden und Spieltische, die Krüppel und Bettler von den Straßen verschwunden. Die Polizei hat jetzt genug andere Aufgaben, tagsüber und besonders mit Eintritt der Dunkelheit. Denn in dieser Stadt der stets wechselnden Dinge ist es am Abend unheimlich still und tot geworden: Essen ist seit mehreren Wochen ohne Gas! Dieser Zustand ist in vielen Städten nach dem Kriege ja wohl eingetreten. Er dauerte dann aber höchstens ein paar Tage. Essen, die Halbmillionenstadt, erfährt ihn an sich nun schon seit über drei Wochen. Was das bedeutet, davon hat man da draußen ja keine Ahnung. Daß man sich abends durch die stockfinsteren Straßen tappen— die elektrische Notbeleuchtung reicht ja bei weitem nicht aus— und jeden Augenblick einer Karambolage gewärtig sein muß, ist nicht das Schlimmste, auch nicht, daß die, welche lediglich auf Gasbeleuchtung angewiesen sind, mit den Hühnern ins Bett müssen(Petroleum und Kerzen sind teuer und auch kaum zu haben). Aber für die Versorgung der Bevölkerung, für den Haushalt und vor allem für die charitativen und ärztlichen Institute ist die Gasnot eine kaum erträgliche Situation, die die an sich drückende Lage noch drückender macht. Doch man ist fast bedürfnislos geworden, man behilft, tröstet sich, hofft und macht einen Freudensprung, wenn — plötzlich— dem Gasherd ein Flämmchen zu entlocken ist, groß genug, sich eine Tasse heißen Kaffee zu brauen. Der Stadt ohne Bahnhof, ohne Telephon gesellt sich die Stadt ohne Gas zu. Alle modernen und angenehmen Errungenschaften haben wir nach einander aufgeben müssen— halt, nein, die Polizei ist uns wiedergeschenkt.— und die Kargheit der Tage lehrt uns erkennen, ein wie weiser Mann Diogenes in der Tonne geweser ist. Anztigenrreise ad T5. Eildder: Die Grundpreise betragen: Für die achtgespaltene Millimeterzeile oder deren Raum: Lokalc Auswärts Reklame Auskunftsgebühr Offertengebühr Die Grundpreise sind mit der Schlüsselzahl (ab 19. Oktober 2000 000) zu vervielfältigen. Genunmmacung. Brotmarken-Ausgabe. Näheres siehe Aushang im Ralhaus. Der Magistrat. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen sagen wir allen unseren herzlichsten Dank, besonders dem Turn= und Sportklub für die außerordentliche große Beihülfe und Unterstützung. 3200 Schwerte(Ruhr), den 20. Oktober 1923. Familie W. Fördes. Amtiicher Erospreis. Kn Für gebrauchen Sie ein Waschmittel, das jedes Reiben der Stolle überllüssig macht. ist für die Behandlung von Wollwäsche das gegebene Waschmittel. Es bewirkt die Säuberung selbsitätig, ohne mechanische Einwirkung, gewährt also größlmöglichste Schonung des Gewebes. Ein Verlilzen und Einschrumplen ist ausgeschlossen; die Stücke bleiben grillig und weich und behallen ihre Farben.— Man wäscht Wollsachen handwarm durch leichtes Drücken und spült in gleichlalls schwachwarmem Wasser gut nach.— Beim Trocknen dürlen sie keiner großen Hitze(auch nicht der Sonne) ausgeseizt werden. WErkrrar In unser Handelsregister Abteilung A ist am 16. Oktober 1923 unler Nr. 167 die offene Handelsgesellschaft Kremer& Köckeritz mit dem Sitz in Schwerke eingetragen worden Persönlich haftende Gesellschafter sind die Kuufleute Bernhard Kremer und Waldemar Köckeritz, beide in Schwerte. Die Gesellschaft hat am 15. September begonnen. Zur Vertretung der Gesellschaft ist jeder Gesellschafter für sich allein berechtigt..„. 1998 3206 Schwerle, den lo. Oklober 1920. Das amtsgericht. 201 Veromgung. Die Tischlerarbeiten einschließlich der zugehörigen Beschlaglieferungen für sünf Doppelhäuser der Ab 20, cr. trelen Rohnsiedlung Kreinberg,, Fahpypgisg Erkalte in den nächten zu Schwerte sollen imss#### in Kraft, welche in den Wagen ausgehängl sind Hörder Kreisbahnen. Knmmm für alle Sorten für 500 Gramm 80000000 Mark „ 250„ 40000000„ Diese Höchstpreise treten am 20. Oktober 1923 in Kraft. Hörde, den 19. Oktober 1923. 3205 Der Kreisausschuß des Landkreises Einfach möbliertes Zimmer oder Schlafstelle(mit Morgenkaffee) von anständigem Herrn zu mielen gesucht. Angebote unter Nr 8766 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung erbeten. Trinuherh trocken, lang und auf Ofenlänge geschnitten, in jeder Menge sofort waggonweise und ab Lager lieferbar. 3110 E. Homel, Schwerte. öffentlichen Verding vergeben werden. Angebotshefte sind, soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 100000000 Mk für das Stück bei der unterzeichneten Stelle zu beziehen. Die Eröffnung der rechtzeitig im ver schlossenen mit entsprechender Ausschrift versehenem Umschlag eingehenden Angebate erfolgt im Verdingstermin am Montag den 29. Oktober 1923, vormittags 11 Uhr Zuschlagsfrist 3 Wochen Deutsche Reichsbohn, Hochbauabteilung Schwerte 3204—(Ruhr). Eechnteum Lemgo (Lippe) Höhere technische Lehranstal Staatskommissar. Tagen Schlamm= 9207 komten! Adolf Schmidt, Kohlenhandlung. Ist die führende Jagdzeitschrift Süddeutschlands und amtliches Organ vieler jagd- und Hundezüchter-Vereinigungen des In- und Auslandes.— Probenummern sind gegen Selbstkostenersatz zu beziehen durch die Vertriebsabtellung Oillingen-Donau. Trauerbriefe liefert schnellstens Buchdruckerei C. Braus Zeitungbosten für Holzen u. Garenfeld gesucht. Schwerter Zeitung. Aooierles Fimmer von anständigem jungem Herrn gesucht. Gefl. Osserten unter Nr. 3186 an die Geschästsstelle dieser Zeitung erbelen. Bei unvorhe störungen, höhere Gewe keinerlei Gei Erscheinen d auch keinerle ***- pri Nr. 248 Offene A General v. Lo Der Reichst Berlin, 20. Okt. General v. Lossow seiner Funktion rier, der dem Ge Reichspräsidenten zu vormittag in Münc wir erfahren, hat Bayern und dem R vormittag durch das eine neue Wendung gen sind angebahnt daß in letzter Stun zielt wird. München, 21. O hat Generalu enthoben und tet. Mit der vorlät ist der nächstälteste Kreß von Kressenst Reichspräside Regierung aufgefor Besetzung der Ste tommandos gemäß chen. Diese Maßne von Lossow sich au ihm gegebenen Bei lehnt, aus dieser H zu ziehen. Beile München, 20. L kanntgegeben: Die Lossow, welche ber Presse veröffentlich ten der Berichtigur stellung wird von den. Im übrigen Uhr, ein Abschieds in München noch Man hat den E befriedigende Lösn sind, da scheinbar feststehende Absicht General von Lossor Alles hängt von lungen ab. Im übrigen ist den sächsischen Mit zum mindesten ha laufen lassen und sow maßregeln kar Aufruf der München, 2 regierung hat heu dem mitgeteilt wi Aufrechterhaltung nung in Bayern schen Belange bis vernehmens zwisch bayerischen Teil d händerin des den men und Gener Landestommandat terführung der hat. München, 21. nisterium und de Aufrufe erlassen, über der Reichsw ruf des Staatsm Reichswehrministe der vollziehenden tärbefehlshaber, nannt, und dadn Generalstaatskom