Aoh * 4 Bei unvorbergesehenen. Betriebsstörungen, hervorgerufen durch höhere Gewalten, übernehmen wir keinerlei Gewähr für pünktliches Erscheinen der Zeitung und kann auch keinerlei Schadenersatz bean*.*- sprucht werden.-*.= Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Schwerter Dolksblaft Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jeitung" erscheint werktäglich.n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck: Dortmund 2852 Hannover 21874. Verantwortlich für Schriftleitung und Anzeigen: Hans Linner in Schwerte. Cel. 62. Nr. 206 Montag, J. September 1923 56. Jahrgang Zum Geleit. Solange noch eine Krone gegossen wird, solange noch ein Mensch einen anderen töret, ist keine Religion auf der Welt; solange moch ein Geistlicher einen Mensschen sschwören läßt auf Kommando seinen Bruder zu töten, ist alles Kirchtum eitel Lüge. Berthold Auerbach. Neuigkeiten. 1 Industrie und Handel verlangen in einer Eingabe die schnellste Einführung einer neuen Reichswährung. * Die Franzosen morden, rauben und schikanieren im besetzten Gebiet in erhöhtem Maße weiter. Abermals wurde ein Deutscher erschossen. * Die Lebensmittalversorgung des besetzten Gebietes soll sichergestellt wenden. * Die Berliner Funktionäre des graphischen(e werbes nahmen gestern eine Entschließuug zu dem Konflikt zwischen dem Reichsbankdirektorium und dem Betriebsratsvorsitzenden Grotmann an, indem zur Beilegung des Konflikts die Organisationen des graphischen Gewerbes nochmals einen letzten Interventionsversuch unternehmen sollen. * Im alten Bergarbeiterverband scheint eine Bestrebung einzusetzen, die auf eine Vereinigung mit der Union der Hand= und Kopfarbeiter mit dem alten Bergarbeiterverband hinzielt. In einer im Bochumer Bezirk stattgefundenen Mitgliederversammlung des alten Bergarbeiterverbandes wunde eine Entschließung angenommen, in der die Union der Hand= und Kopfarbeiter ersucht wird, sich mit dem alten Bergarbeiterverband zu verschmelzen. * Die vorgestrigen Lohnverhandlungen im Kohlenbergbau endeten mit einem Schiedsspruch, der für das Ruhrrevier einen Schichtlohn von rund 9 Millionen Mark und für das mitteldeutsche Braunkohlenrevier einen solchen von 6.45 Millionen A vorsicht. * Der Spitzenlohn der städtischen Arbeiter(der Stadt Frankfurt wurde für die laufende Woche auf 920000 gegenüber 600000 A in der Vorwoche festgesetzt. * Der Gesamtverband deutscher Angestelltenverereine und=Gewerkschaften hat in einer Versammlung seiner Vertrauensleute aus Handel und Industrie aus dem Wirtschaftsgebiet Köln eine Entschließung gefaßt, in der u. u. verlangt wird, daß bei jeder Gehaltsregulierung zunächst der Fehlbetvag errechnet und ausgezahlt wird, der sich inzwischen dem Verdienstmonat und der Geldentwertung des Verbrauchsmonats ergibt. Sodann erfolgt die vorläufige neue Gohaltsregelung, die dann auch später wieder einer Nachprüftung unterworfen werden muß. Die Versammlung stellte weiterhin fest, daß die für Juli erfolgte Nachzahlung viel zu niedrig gewesen sei. Ferner sei dieselbe viel zu spät erolgt. * Im Warenhaus Alsberg in Bochum fanden seit langerer Zeit Diebstähle aller Art, besonders von Wäschestücken usw. statt. Als die Schuldigen wurden drei Angestellte ddes Warenhauses mit zwölf Hehlern ermittelt. Ein Teil der Diebesbeute konnte wieder herbeigeschafft werden. Die Diebstähle begannen bereits kurz nach der Eröffnung des Warenhaufes. Die Schuldigen führten aus dem Erlös derselben ein Leven auf großem Fuß. Ein Teil derselben hatte sich hohe Konton bei. Banken einrichten lassen. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß die Untensuchung noch weite Kreise zieht. Eine„friedliche Maßnahme“ unter dem Schutze der Kanonen. Rom, 1. Sept. Die Insel Korfu ist von den Italienern besetzt worden. Nach einer Meldung des Oberbefehlshabers der Flotte in Korfu hat sich die Landung ohne Schwierigkeiten vollzogen. Die italienische Flagge wurde auf der alten Festung gehißt, während alle Schiffe unter Hochrufen auf Italien einen Salut von 21 Schüssen abfeuerten. Die Besetzung der Stadt und der Insel ging dann ordnungsmäßig von statten. Nach der Besetzung der Insel Korfn richtete der Oberbefchlshaber der Flotte, Admiral Solari, an die Bewohner eine Proklamation, in der er feststellt, daß die Besetzung infolge der Ermordung der italienischen Militärdelegierten auf griechischem Boden und der Weigerung der griechischen Regierung, die Forderung Italiens zu erfüllen, erfolgt sei. Die Besetzung sei keine friegerische Handlung, sondern solle ladiglich die feste Entschließung Italiens bekunden, die ihm geschuldeten Reparationen zu erlangen. Die Besetzung habe einen vorübergehenden und friedlichen Charatter und werde diesen Charatter behalten, solange die Haltung der Bewohner der Jnsel die staltenischen Kommandob#hörden nicht zwinge, Maßnahmen zum Schutze der italienischen Truppen zu ergreifen. Paris, 1. Sept. Ueber die Besetzung Korfus wird aus Athen berichtet: Nachmietags gegen 3 Uhr ging der Kapitän eines italienischen Kriegsschiffes in Korsu an Land und erklärte dem Präfekten, daß eine Division der italienischen Flotte die Insel blockiert habe und daß sie um 4 Uhr die Stadt friedlich besetzen würde. Bald darauf fuhr eine italienische Flotte in den Hafen ein. Der Befehlshaber forderte die Uebergabe der Stadt u. das Hissen der weißen Flagge, die er später durch die italienische ersetzen wende. Der Präfekt bat um die Erlaubnis, sich mit seiner Regierung in Verbindung zu setzen, um Anweisungen einzuholen. mobei er hinzufügte, daß er sonst gezwungen wäre, Winerstand zu leisten. Aber noch bevor diese Instruttionen eingegangen waren, begann die Landung der italienischen Truppen. Die Ausladung wurde durch die italienische Flotte unterstützt, die über die Stadt hiwegfeuerte und das Gebäude der Polizei beschoß, das in Brand geriet. Flugzeuge überflogen die Stadt und feuerten. Die Italiener verlangten, daß sich die Garnison und die Gendarmerie ergebe. Sie, sollen entwaffnet werden. Die Kasernen und das gesamte Kriegsmaterial soll den Italienern abgeliefert werden. Athen, 1. Sept. Nach Meldungen aus Korfu sind die in der dortigen Polizeischule, die zur Unterbringung von Flüchtlingen dient, mehrere Personen durch italienische Geschosse getötet worden. Das Gebäude wurde eingeäschert. Einzelheiten zur Besetzung von Korfu. TUI. Paris, 1. Sept. Nach einer Havas=Meldung aus Italien vollzyg sich die Landung der italienischen Tmuppen in Korsu unter dem Schutz der it lienischen Flotte, die gegen dis Lokal der Polizei schule schoß, welche Feuer fing. Flugzeuge überflogen die Stadt und gaben ebenfalls Schüsse ab. Die Italiener verlangten die Uebergabe dder Kaserne und der Gendarmerie, die entwaffnet werden scülte, sowie die Auslieferung der Kaserne snd ddes Kriegsmaterials. Wird Samos auch besetzt? Rom, 1. Sept. Außer der Insel Korfu sall auch die Insel Samos besetzt werden. Die Begründung des italienischen Vargetene. Rom, 1. Sept. Ministerpräsident Mussolini hai an die italienischen ausländischen Vertretungen folgendes Telegramm gerichtet: Auf ddie gerechten Forderungen Italiens infolge der barbarischen Ermordung der italienischen Militärdelegation auf griechischem Gebiet hat die griechische Regierung mit Worten geantwortet, die tatsächlich einer vollständigen Zurückweisung der iralienischen Forderungen gleichkommen. Diese ungerechtfeitigte Haltung versetzt Italien in die Notwendigkeit, in der griechischen Regierung das Gefühl ihrer Verantwortlichkeit wachzurufen. Infolgedessen wurde der Befehl erteilt, eine Abteilung iralienischer Truppen auf Korsu zu kanden. Durch dise Maßnahme, die nur friedlichen Charak= ter hat, beabsichtigt Italien nicht, eine kriegerische Handlung auszuführen, sondern nur sein Ansehen zu wahren und seinen unerschütterlichen Willen zu bekunden. die Wiedergutmachung zu erhalten, die Griechentand ihm nach Herkommen und Völkerrecht schuldet. Die italienische Regierung wünscht, daß Griechenland keine Handlung begehe, die die friedliche Natur dieser Maßnahme ändern könnte. Was soeben ausgeführt wurde, schließt nicht Sanktionen aus, die die Botschafterkonferenz ergreifen wird auf Grund der Tatsache, daß ermordete italienische Delegationsmitglieder einen Teil der Grenzabschätzungskommission billden und daß ihr Vorgesetzter General Tellini Beauftragter der Botschafterkonferenz ist. Die Entrüstung in Italien. Rom, 1. Sept. Der Tribung zufolge sind drei Berichterstatter griechischer Zeitungen aufgefordert worden, Italien zu verlassen. Mailand, 1. Sept. In der verflossenen Nacht hielten vor dem hiesigen griechischen Konsulat zwei Antos mit jungen Leuten, die das griechische Wappenschild herunterrissen, zum Zeichen des Protestes gegen die Ermordung der italienischen Offiziere. Später wurde noch eine Bombe vor das Gebäude geworfen, die jedoch keinen Schaden verursachte. Rom, 1. Sept. Alle Schiffsverbindungen zwischen Italien und Griechenland sind auf Befehl der italienischen Regierung unterbrochen worden. Die italienischen Schiffe, die in See gegangen sind. huben Weisung erhalten, die griechischen Häsen nicht anzulaufen. In Brindisi liegt ein griechischer Postdampfer, für den Weisungen vom Ministerium in Rom epartet werden, ob ihm die Ausfahrt gestattet werden soll oder nicht. Belagerungszustand in Griechenland. Paris, 1. Sept.„Petit Parisien“ meldet aus Athen, daß über Griechenland der Belagerungszustand verhängt worden sei. Der Völkerbund als Schiedsrichter? Genf, 1. Sept. In einem Telegramm an den Völkerrund fordert die griechische Regierung den Völkerbund auf, in dem griechisch=italienischen Konflikt als Schiedsrichter aufzureten. Ferner hat die griechische Regierung gegen die griechenfeindlichen Kundgebungen in den italienischen Städten Protest erhoben und Genugtnung ver langt. Genf, 1. Sept. Der Välkerbundsrat hat soeben beschlossen, heute nachmittarg 4 Uhr zu den von der griechischen Regierung überreichten Dokumenten über den griechisch=italienischen Zwischenall Stellung zu mehmen. Besorgnis in London. London, 1. Sept. Reuter erfährt, daß die Haltung Italiens in gutunterrichteten Kreisen in London zu Besorgnissen Anlaß diere. Die Ansicht in verantwortlichen Kreisen gehe dahin, daß der Streit durch schiedsrichterliche Entscheidung entschieden werden müsse. London, 1. Sept. Ueber die Haltung der englischen Regierung im iralienisch=griechischen, Konflikt sind widersprechende Gerüchte im Umlauf. Während in englischen Kreisen erklärt wird, das Foreign offiee habe die Parole ausgegeben, keine Initiative zu ergreisen, um die Situation nicht zu verschlechtern, wollen die Korrespondenten der Pariser Zeitungen erfahren haben, England sei zu einem Eingreifen vereit, schon deshalb. weil England als Mittelmeermacht sich durch das Vorgehen Italiens bedroht fühle. London, 1. Sept. In hiesigen maßgebenden Kreisen wird die Entsendung eines Geschwaders nach Korfn dahin erklärt, daß, wenn nicht Mussolini sich vor der Autorität des Völlerbundes beuge, England entschlossen sei. selbst im östlichen Mittelmeer die Ordnung und den Frieden aufrecht zu erhalten. Til. London, 1. Sept. Die gestern abend hier bekannt gewoldene Nachricht von der Besetzung Korfus hat in London große Bestürzung hervorgerufen. Nach Informationen des römischen Berichterstatters der„Chikao Tribune“ durch ein hervorragendes Mitglied des italienischen Kabinetts will Italien keinen Krieg erklären und auch keine Kriegserllärung annehmen. Der betreffende Minister erklärte, die italienische Regierung habe strikte Beweise für die Verantwortlichkeit der griechischen Regierung an der Bluttat. Italien könne unmöglich ein Kompromiß annehmen. Das itekienische Kabinett sei darher gezuiungen, zu Zuairgsmaßnahmen seine Zuflucht zu nehmen, deren Anwendung auch Lurch internationale Gebräuche verbrieft sei. Die Zwangsmethoden gegen Griechenland beständen lediglich in der Besetzung einiger Inseln und Küstenstädte und in der Beschlagnahme mehrerer Schiffe, um so ein Pfand in der Hand zu haben, bis Griechenland die geforderte Summe aufgebracht habe. Wird England Italien in den Arm fallen? TU London, 1. Sept. Offiziöse Informationen in der Presse lassen keinen Zweifel darüber, daß die englische Regierung nicht gewillt ist, Italien zu gestatten, mutwillig die Satzungen des Völkerbundes zu brechen oder sich grichische Gebietsteile unter dem Vorwand, Sühnemaßnahmen zu erzwingen, anzueignen. Die Entsendung eines englischen Geschwaders nach Korsu wurde gestern in später Abendstunde in maßgebenden Kreisen kommentiert, daß, wenn Mussolini nicht sofor vor der Autorität des Völkerbundes weiche, England entschlossen sei, selbst im östlichen Mittelmeer die Rolle des starken Mannes zu übernehmen und die Ordnung und den Frieden aufrecht zu erhalten. Italienische Rundnote. TII. Rom, 1. Sept. Nach der Chitago Tribune hat die italienische Regierung heute an alle Verbündete eine Zirkularnote gerichtet, in der erklärt wird, daß es sich nicht um kriegerische Maßnahmen handle, sondern nur um eine notwendige Maßnahme des Selbstschutzes. Der italienische Schritt behindere durchaus nicht die Maßnahmen, die der Botschafterrat zu ergreifen beabsichtige. Die Albanier fühlen sich unschuldig. Paris, 1. Sept. Die albanische Gesandtschaft in Rom veröffentlicht ein aus Albanien eingetroffenes Telegramm, welches besagt, es sei eine insame Verleumdung, zu behaupten, daß Albanier das Verbrechen von Janina begangen hätten. Rumänien bleibt neutral. Rom, 1. Sept. Meldungen aus Bukarest zufolge soll die rumänische Regierung ertlärt haben, angesichts der„offenkundigen Sympathie der Bevölkerung für Italien nicht in der Lage zu sein. für Griechenland einzutreten. Das Kabinett habe bereits seine Nentralität erklärt. Der spanische König fährt nach Rom. Paris, 31. Aug. Das spanisch: Kebinett trat gestern zusammen. Der Außenminister gab Ertlärungen über den bevorstehenden Besuch König Alfons in Rom ab. Er sagte, daß dwei sehr wichtige Angelegenheiten, erörtert werden würden. Mau erfährt, daß es sich bei dem Besuch des spanischen Königs um den Abschluß eines gegenseitigen Desensivahkommens handle, welches sich hauptsächlich, wie eine offizielle Meldung besagt, gegen die übertriebenen Ansprüche einer anderen lateinischen Macht im Mittelmeer wenden solf. Diese undere kateinische Macht ist selbstverstandlich Frantreich, und wenn Italien und Spanien tatsächlich in der marottanischen Frage zu einem Einverständnis gelangen sollten, wünde dies auf ddie Entwicklung der Weltpolitit schwerwiegenden Einfluß ausüben. Italien scheint jedenfalls entschlossen zu sein, sich von der Lösung der Tanger frage nicht ausschließen zu lassen. Bereits jetzt sandte Italien nach Tanger zwölf Carabinieri, welche die Interessen wahrnehmen sollen. In Paris wird allerdings erklärt, daß das Eintreffen dieser 12 Carabinieri, sowie des italienischen Torpedobootes„Audae“ keine Beden tung habe. Das Torpedoboot werde ehestons wieder abdampfen. An der Bemachung von Tanger habe Italien keinerlei Anteil, da hierfür spanische und itarienische Polizei sorge. In Spanien wird am eine Zusammenarbeit mit Itatlien stärl. stens gerechnet. Das Madrider Blatt„Vor" erklärt, daß die italienische Intervention in der Tangerfrage den Interessen Spaniens nicht wider spreche, und meint, wenn diese Intervention auch England gleichgültig lasse, müsse sie Frankreich jedensalls unangenehm sein. Es scheint also jedenfallts in der Mittelmeerfrage zu einem spanisch=italienischen Abtommen kommen zu sollen. Rücktrittsabsichten des spanischen Rabinetts. Paris, 1. Sept. Nach einer Meldung aus Madrid hat das spanische Kabinett beschlossen, auf Grund der Meinungsverschiedenheiten wegen der Vorgänge in Marokko dem König sein Rücktrittsgesuch zu unterbreiten. chenden Belgier und Franzosen an der Ruhr ver ursacht haben, selbst zu zahlen und hat ovendrein die Verpilichtung, diese Summen vor allen anderen Leistungen zu entrichten. Ein„ausgetretener“ Preuße. Der rheinische„Separatist" undd Leiter des französischen Pressedienstes in Düsseldorf, Josef Maihes, hatte vom Polizeipräsidium Frantfurt a. Main eine Straiverfügung erhalten, weil sein Sohn im Mai dieses Jahres, als Mathes noch in Frantfur wohnte. Schlagvall auf der Straße gespielthatte. Mathes hai nun an das Polizeipräsidium ein Schreiben folgenden Inhalts gerichtet: „Düsseldorf, 18. August 23. Zurück. Mein Sohn und ich unterstehen nicht mehr der preußischen Gewalt und Rechtspflege. Ihre Vollzugsorgane sollen sich hüten, uns zu belästigen. Mathes.“ Der Rücktritt des schsbankpräsidenten Haben TU. Berlin, 1. Sept. Wie wir erfahren, dürfte der Rücktritt des Reichsbantpräsidenten Havensrein als sicher angenommen werden. Der Reichsbank= präsident hat in einer gestern stattgesundenen Besprechung den Mitgliedern des Reichskabinetts seine Vereitwilligkeit zum Rücktritt ertlärt. Er sowohl wie der Vigepräsident Glasemapp dürften in künzester Zeit auf Urlaub gehen und auf ihren Posten nicht mohr zurücktehren. Eine neue Niederträchtigkeit der Reparationskommission. Es lohnt sich heute nicht mehr, alle Entscheidungen der Reparationskommission zu buchen: die Grundtendenz ist doch immer wieder dieselbe und läßt sich am besten in die wenigen, inhaltscheveren Worte zusammenfassen: Deutschland vezahlt alles. Eine ganze Weile hat auch die Reparationskommission die Oeffentlichkeit wenig mit ihren Entscheidungen belästigt und sich in der Zwischenzeit offenbar mit„besonderen Maßnahmen" zu ernenten, dauer#den Niedendrückung Deutschlands beschäftigt. Das Ergebnis der letzten Sitzung der Reparationskommission bringt uns folgende Mer dung: Der neueste Entscheid der Reparationskommission. cens, 1. Sept. Das„Echo de Paris“ meldet, die Reparationskommission habe in ihrer Sitzung am Dienstag die Prioriät der Besatzungskosten an der Ruhr vor den allgemeinen Revarationsleistungen ausgesprochen, und zwar gegen die Stimme des englischen Vertreters. Die Reparationstommission habe damit ldie Rückerstattungspflicht der Kosren der Ruhrbesetzung durch Deutschland festgelegt. Das heißt also nicht mehr oder weniger als: Deutschland hat den Schaden, den ihm die einbresnn Blutiger Straßenkampf in Herne. In Herne ist es zu blutigen Kämpfen gekommen. Der Betriebsinspektor der Zeche„Früedrich der Große“ war von Arbeitern, die er zur Arbeit aufgefordert hatte, mit einer Eisenstange schwer mißhandelt worden. Die Beamten traten deshalb in einen Proreststreik. Als die Direktion die Entslassung der Arbeiter anordnete, die den Betriebsinspettor mißhandelt hatten, legte die Belegschaft zum Teil den Betrieb still und löschte die Feuer. Sämtliche Anlagen wurden von den streikenden Arbeitern besetzt. Arbeitswillige wurden durch kommunistische Elemente zurückgehalten. Als Polizei anrückte, wehrten sich die Streikenden. Es erfolgten Zusammenstöße mit proletarischen Hundertschaften, die, in Schützenlinie ausgeschwärmt, zum Angriff auf die Polizei vorgingen. Getötet wurde ein Mann. vier Personen erhielten schwere Verletzungen. der Ausweisungsbefehl um 12 Uchr zugestellt wurde. mußten schon um 1 Uhr am Bahnhof erscheinen von wo sie ins undeletzte Gwiet abtransporniert wurden. Die Inmirien der Ausgewiesenen sollen in vier Tagen folgen. Die Krise im Zeitungsgewerbe. Die Bertiner Zeitungen erheben, den Verhältnissen entsprechend. als Abonnementspreis bereits zwei Millionen Mark in der Woche. Die Wuppertaler Blätter(Elverfelder Generalanzeiger. Berg. Märk. Ztg. usw.) erheven als erste Septemberrate 2,5 Mill. Mark. Mät dem 1. September stellen wegen der Ungunst der Verhältnisse ihr Erscheinen ein: die in Duun erscheinende Eifeler Landeszeirung und die Eifelzeitung sowie die in Kullburg erscheinende Kyllburger Zeitung. Wie die Mannheimer Volkssrimme mitteilt, ist in dortigen Druckereien dem Personal am Frei tag getündigt worden, weil die Löhne von den Druckereien nicht mehr aufgebrucht werden könnten. Rette Aussichten! Paris, 3. Sept. Am Sonntag, 9. September wird Poincare, wie heute schon gemeldet wird, bei zwei Denkmalsenthüllungen im Maasdepartement sprechen. Für Sonntag, den 16. September, wird eine weitere Denkmalsrede Poincares, die gleichsalls im Magsdepartement gehalten wird, angelündigt. Schiffskatastrophe in der Nordsee. TUI. Amsterdam, 1. Sept. Der deutsche 6.000 Tonnendampfer„Klöpfel“ von der Reederei Krupp in Rotterdam ist Donnerstag abend während eines heftigen Sturmes auf dem Wege von Hull nach Bremerhaven untergegangen. Das Schiff hatte Steinkohlen gelarden. Nach schwerer Havarie ließ der Kapitän zwei Bovte aussetzen und blieb allein an Bord des Schiffes zurück. Beide Boote schlugen um, und vor den Angen des Kapitäns ertdank die gesamte Besatzung von 41 Mann. Als der Dampier zu sinken begann, band sich der Kapitän an einem Holzp##lock fest. Er wurde sechs Stunden später von dem Dampfer„Java“ gerettet und in schwerverlertem Zustande in den Hafen von Dir muiden gebracht. Die Rache der Belgier. Die Kundgebung der München=Gla#dbacher Bevölterung gegen die Umtriebe der Sonderbündter hal die Belgier in helle Wut vensetzt. Infolge der Vorgänge am letzten Sonntag wurden folgende Herren ausgewiesen: Overbürgermeister Gielen, Beigeordneter Wins, der leitende Polizei#uspektor Lennars, Polizeikommissar Frehn, Dr. Müller und der Gewertschaftssetretär Trawinski von den christlichen Gewerkschaften. Die Genarnnten, denen Ueber die Stärte des Regiepersonals liegen bis heute folgende Meldungen vor: Es werden im Ruhrbezirk bei der Regie enwa 4000 Angestellte beschäftigt, darunter 1000 Belgier; die Zahl der Deutschen ist sehr gering und dürfte nicht über 20 hinausgehen(etwa 10 Eisenbahner u. 10 Nichteisenbahner). Außerdem sind schätzungsweise etwa 3000 Mann mit dem Aufladen von Kohlen und Koks beschäftigt, darunter etwar 1000 Franzosen und Balgier, 1000 Polen und Italiener und andere Ausländer und etwa 1000 Deutsche Nicht eisenbahner) Im Eisenbahndirektionsbezirk Elverfeld sind es enwa 2 bis 3000 französische Eisenbahner, die von 100 deutschen Nichteisenbahnern unterstützt werden. Nach Angabe französischer Eisenbahner sollen bis heute dort nur fünf ddeutsche Eisenbahner übergetreten sein, doch liegen darüver keine genaueren Nachrichten vor. Im Eisenbahndirettionsbezirk Frantfurt a. M. sind bei der Regie beschäftigt: 285 Franzosen, 12 Ztaliener und 75 Deutsche, darunter drei Berufseisonbahner. Im Eisenbahndirektionsvezirk Ludwigshafen etwa 250 französische Bedienstete und 300 Deutsche. Von diesen sind leider 59 Berufseisenbahner. Heute vormittag zogen kommunistische Hundert. schaften zur Zeche„Gustav" in Essen=Altstadt und versuchten die Belegschaft zur Arbeitsniederlegung zu zwingen. Als zwei Wagen mit Levensmitteln die Straße passierten, wurden die Wagen angehal. ten. Ein größeres Polizeiausgebot verfuchte Ordnung zu schaffen, wurde aber von den Aufrührern angegriffen. Die Polizei ging mit der blanken Waffe vor. Als die Menge nicht weichen wollte, gauen die Polizeibeamten einige Schüsse ab, worauf sie die Straße räumen konnten. Die Arbeits losen belagern gleichzeitig in unüversehbarer Menge das Essener Rathaus, um die öffentliche Gewalt zu stürzen und die Diktatur des Proletariats aufzurichten. Ueber die Stadt Essen sind zwei neue Strufen verhängt worden. Es sind zwei Befehle vom General Degontte eingelaufen, deren erster für einen in Essen=West verübten Sabotageakt die Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 37 950 Franes vor sieht, während der zweite Befehl für eine angebliche Beschädigung des Rheinlandlavels eine Bezahlung von 8000 Franes fordert. Im ersten Fall ist eine Zahlungsfrist von 20 Tagen, im zweiten eine solche von 30 Tagen gewährt. Bei Nichrbe Snn-erebrren ahlung sollen vier Beigeordnete der Stadt Esser verhaftet und die Beitreivung zwangsweite voll streckt werden. Richtlinien für den Lohn. Grundlohn und Multiplikator. Aus Belin wird gemeldet: Die Vertreter der deutschen Arbeitgeber und=nehmer beschäftigten sich eingebend mit dem Lohnproblem. Es wurden folgende Richtlinien ausgestellt: 1. Um sich ein einwandfreies Bild über die Regelung der Lühnung und über die richtige Lohn höhe zu bilden, ist es nötig, die jeweiligen Lohn beträge in Grundlohn und Muttiplitator zu legen. Der jemlige„Tariflohn ist also gleich Grundzahl mal Mutriplikator. Es ist dabei richtig, die Angestellten detaden= und die Arleiter wochenweise zu entlöhnen. 2. Für einen Zeitraum von 4 bis 8 Wochen sollen die Tarifverträge und die mit dem Multiplitator zu errechnende Grundzahl(Ausgangs= lohn unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage forrigiert werden. Der Ausgangslohn bleibt dann für die betreffende Wirtschaftsperiode kon stant. 3. Als Multiplikator soll dann am besten die siar#frische Berechnung der Lebenshaltungskosten Kleinhandelspreise) Verwendung finden, die die im Kleinhandel zu zahlenden Preise für Lebensmittel und Bedarisartikel besrimmt, wonach der Zahlungsmitteltarif für die Ausgavezeit errachnet werden kann. Der Dollarkurs und die Großhandelsmeßzahl sind für diese Berechnung ungeeigneter. Die Wahl bleibt den Tarifparteien vorvehalten. Bei Reintsrarisen wie bei Tarifen für größere Gebiete wird man am heiten den In der nach dem statistischen Reichsamt verwenden, wobei die örtlich, sowie bezirkliche Verschiedenheit berücksichtigt wird. 4. Bei der Festsetzung der jeweiligen Löhne n Gehälterhöhe ist zu unterscheiden: 1. die Lohnwoche, d. h. die Woche, für die die Löhne verdient werden, 2. a) Festsetzung der Meßzahl, die mög lichst mit dem b). Festsetzungstag der Löhne zu sammengelegt werden muß,e) der Auszahlungs= tag, d) die Verbrauchswoche. 5. Gleschzeitig müssen für die Festsetzung der Löhne für die Arbeitswoche die Verhältnisse der Verbmuchswoche berücksichtigt werden. Man wird jedoch bei einer geringen Schwankung den Fest setzungstag der Meßzahl für die Lohnhühe maßgebend sein lassen können. Bei größerer Geldent wertung muß jedoch dieser Fehler eine nicht un bedeutende Abschächung des Reallahnes zur Folge haben, so daß man gezwungen ist, bei der Feirsetzung außer der Meßzahl des Festsetzungs. tages auch noch die voraussichtliche Erhöhung der Meßzahl der Verbrauchswoche im voraus zu schät gen. Ob diese Schätzung richtig ist, wind man erst beurteilen können, wenn die Meßzahl für die Verbrerucerwoche vorliegt. Ergilt sich dann, daaß ein mehr oder zuviell an Lohn ader Gehalt gezahlt worden ist, so hait eine Richtigstellung in der Weise zu erfolgen, daß die Differenz bei der nächsten Lohn= bezw. Gehaltszahlung hinzugefügt oder algezogen wird. Zur Vereinfachung der Lohn= und Gehaltsrechnung wird diese Differenz mit dem neu ermittelten Lohn= und Gehaltsansgangslohn zu ei nem Betrage vereinigt. Berlin, 1. Sept. In Zusammenhang mit den Verhandlungen in einer Kommission zur Fest jetzung gemeinsamer Richtlinien der Lohnverhand lungen zwischen Arbeitnehmern und=gevern wur. de beschlossen, zur Erörterung des gesamten Lohnproblems einen Lohnpolitischen Ausschuß in engster Zusammenarheit mit dem Reichswirtscharitsrat zu schaffen, dem Vertreter beider Verbände angehören sollen. 25 Das Forsthaus im Teufelsgrund. „Detektiv=Roman von F. Eduard Pflüger. *(Nachdruck verboten.) Breitschwert stand zum Sprunge bereit, der Fürst zitterte und Graf Boroff war bleich, wie das weiße Kleid der schönen Madonna. die padour Allen stockte der Atem, denn in diesem Augenblick faßte rechte Hand Naduschdas olitzschnell nach dem offenen Pompad und wie ein brennender Strahl zuckte die Hand, mit einem kleinen venetianischen Doich bewassnet, in die Höhe. Breitschwert sah noch das Blitzen der Klinge, dann fuhr seine Hand zwischen der Kaiserin und Nadaschda durch und hatte mit eisernem Griff das zarte Gelenk der Mörderhand umspannt. Ein leiser Schrei und der Dolch siel klirrend auf die Steinsliesen der Kapelle, Nadaschda Solowiew aber sank ohnmächtig in die Arme des Grafen Voroff. Niemand hatte etwas bemerkt. Eine Dame war ohnmächtig geworden und von cinigen Kavalieren aus der Kapelle getragen worden. Weiter sand auch nichts in den Zeitungen. Als der Fürst nach Schluß der Zeremonie Breitschwert hoch erhobenen Hauptes als letzteo die Karel= verlassen sah, ging er auf ihn zu und umarwete ihn stürmisch. Thnen der tiefsten Erschütterung annen ihn= aus den Angen. Er konnte nicht sprechen un leise hauchte er: „Gelott le der große Gou!“ VIII. on zu Ende. Die Nihilisten in Verbindung mit den Ararteien hatten un diesen einen Schlag vorbereitet und eg er vereitell wai, konnte lein neuer mehr in Szene gesetzt werein. Tel Jat beunb sacd. nachdem der leute Kanonen= schuß im Manöverfelde gefallen war, nach Darmstadt, um einige Tage noch Gast des Großherzogs, seines Schwagers, zu sein. Die Zarin hatte glücklicherweise die Situation in der griechischen Kapelle gar nicht so eindringlich ersaßt, um die wirtlich große Gefahr, in der sie geschwebt hatte, zu begreisen. Sie empsand vielmehr das wohltnende Gefühl, daß sie von getreuen Untertanen anßerordentlich gut bewacht sei und dadurch gewann sie ein Gefühl der Sicherheit, das auf ihre Nerven außerordentlich wohlJetzt, wo die Aufregung der letzten Tage, die ungeheure Nervenspannung, die ständige, jägerartige Wachsamkeit vorüber waren, konnte der Toltor auch ein wenig an seine eigenen Angelegenheiten denken. Er erinnerte sich unwilltürlich wieder jenes Brieses, den er in Berlin empfangen hatte und der ihn, wie er sich mit einer gewissen Selbstgefälligkeit gestand, nicht unrichtig als die Königin im Schachspiel bezeichnete. Er klang ihm noch in den Ohren, der schneidende Warnungsruf jenes Briefes: Schach der Königin! Und es war durchaus nicht unmöglich, daß nunmehr ein Schlag gegen ihn vorbereitet werden würde. Selbstverständlich wußten die Gegner ganz genau, daß der Urheber der Gefangennahme Nadaschdas lein anderer war, als der geniale Breitschwert, denn lein Mensch wäre darauf gekommen, eine Durchsuchung der Wohnungen der zum Handkuß zugelassenen Damen vorzunehmen, zumal die Empfehlungen, die Nadaschda hatte, von einer russischen Fürstlichkeit herrührten, deren Einverständnis mit den Nihilisten noch nicht polizeilich kundig war. Es hatte sie auch die erschreckende Kunde getroffen, daß diese Fürstlichkeit in Petersburg bereits verhaftet und somit das Haupt der ganzen nihilistischen Verschwörung abgeschlagen war. Nun wußte Breitschwert, daß die deutschen Anarchisten, die den Kampf gegen Rechenbach und ihn führten, keineswegs unter allen Umständen mit den russischen Nihilisten sympatisierten, jedoch in Bezug auf den Standpunkt des propagandistischen Mordes ganz einer Meinung seien und daß eine Verbrüderung aller dieser Elemente, ob sie sich nun Nibilisten oder irische revalutionäre Brüderschaft oder Anarchisten nannten, durchaus nicht im Bereich der Unmöglichseit lag. Eine Anarchitenrache also für die Vernichtung eines Nihilisten tonnte unter Umständen Nährend Breitschwert noch bebaglich mit seiner schuitzen Zigarre das elegante Zimmer, das er im großberzoglichen Schloß bewohnte, mit dichtem Qualm erstllte, wurde ihm ein Brief gebracht, der über Franlfurt und Berlin sein Ziel erreicht hatte. Er öffnete ihn und las: Lieber Breitschwert! „Sie haben gewünscht, daß wir Ihnen über alles, was sich in unserem einsamen Erdenwinkel ereignet, genau berichten sollen. Wenn Sie zunächst gestatten, daß ich von mir selbst rede, so kann ich versichern, ich fühle mich hier überaus wohl. Hat man sich erst an die düstere Einsamleit des Teuselsgrundes gewöhnt, so gewinnt das Ange allmählich auch Sinn für die großen gewaltigen Naturschönheiten und die tiefe Ruhe, die Abwesenheit aller Menschen legt sich wie ein süßes Schlafmittel auf die Nerven von uns geistig arbeitenden Großstadtmenschen. Gleich im Anfang meines Schreibens muß ich mich Ihnen gegenüber einer Sünde schuldig sprechen. Sie hatten mir verboten, allein in den Wald zu gehen und ich habe in den ersten Tagen auch dies Verbot getreulich wahrgenommen. Der brave Förster begleitete mich stets, wenn ich einen Waldhasen schießen wollte, oder auf. und Haselhühner buschierte. Mit der Zeit aber, besonders da ny bemerkte, daß uns auf unseren langen Jagdausslugen kein Mensch begegnete, nicht einmal ein Weib, das die zahlreichen Preißelbeeren abpflückte, und da der Förster gelegentlich durch Arbeiten aus Haus gefesselt ist, so ging ich schließlich allein. Sie fragen, warum der treue Kluge mich nicht begleitet und ich habe darauf die einzige Antwort, der treue Kluge ist krank. Eine ganz eigentümliche Krankheit, die sich in einer tiefen Erschlaffung äußert, einem Mißmut an allem Bestehenven und einer große Schwäche, so daß ihm die Glieder schon nach wenigen Minuten den Dienst versagen. Ich bin vollständig ratlos. Auch unser biederer Landdoktor zuckt die Achseln, experimentiert die Rezeptkala herunter und herauf, ohne dem Kranken irgend welche Linderung verschaffen zu können. Ich muß ihn deshalb der treuen Pflege eines sehr hübschen Mädchens überlassen, das sich seiner mit rührender Sorgsalt annimmt. Schließlich aber wird es auch diesem netten Dinge zu viel, denn wie mir scheint, hat sie sich neuerdings einen Schatz zugelegt, der irgendwo in einem benachbarten Dorfe wohnen muß und Sie wissen ja, daß es keine prüßere Anziehungskraft für ein junges Malchen gibt, als einen innen Mann...“(Fortsetzung folgt.) Die Lügen des Herrn Troque. Zu welchen Mitteln man in Frankreich greisen muß, um ben löglich demtlicher in die Erscheinung tretenden Migerfnig de. Ruhrabenteners zu verder gen, zeigen die geradezu grotesken Zissern, die der Minister der öffentlichen Arbeiten, Le Troqué, im „Malin“ veröffentlichen läßt. Der Minister behaup tet, daß das Ruhraebiet vor der Besetzung nur etwa 300000 bis 350000 Tonnen Kohlen monatlich an Frankreich geliefert habe, während seit der Besetzung das monatliche Turchschnitteanantum 225000 TonWas zunün Kohlenliefer Fälschung d die Gesan: 11. 1. bis holten Kehlen mit 105 602 Tonnen monatlich C. ennen an Stelle der von de Troguc behaupteten 225000 Tonnen. Nach den Ziffern des Comité des Forges, die dieser Tage durch die französische und durch einen großen Teil der deutschen Presse gegangen sind, hat in der Woche vom 1. bis 6. Juli die tägliche Ankunft wenig mehr als die Hälfte der von dem Minister der öffentlichen Arbeiten genannten Ziffern betragen. Auch das„Echo national“ tritt diesen offensichtlich wider besseres Wissen gemachten Angaben Le Troqués sehr scharf entgegen und führt zum Beweis weiterhin die Ziffern der französischen und belgischen Zollstatistik an, die sich ungefähr mit den von Poincaré angegebenen Mengen decken. Fast noch grotesker wirken für den Kenner der Verhultnisse die Angaben des Ministers über den Koks. Allerdings ist Le Troqué vorsichtig genug, sich über dessen Herkunft auszuschweigen. In Wirtlichkeit kommt nämlich der größte Teil des von ihm erwähnten Kokses gar nicht aus dem Ruhrgebiet, son dern aus Belgien, England und Amerika. Ueberdies findet dieser Koks gegenwärtig in Frankreich kaum mehr Abnehmer. Die Verladung durch ungelernte Arbeiter und die Schwierigkeiten des Transportes lessen den Koks, der außerordentlich leicht zersplittert, in einem pulverisierten Zustand in Frankreich ankommen, der ihn für die Hochöfen unverwendbar macht. Es ist ein echt französischer Theatercoup, den aus Belgien, England und Amerika eingeführten Koks im Ruhrgebiet pomphaft zu verladen und ihn dann in völlig unbranchbarem Zustand noch nach Frankreich hinein zu transportieren. Aber was bleibt freilich den Franzosen an der Ruhr nach ihrem eklatanten Mißerfolg anderes übrig, als mit Theatercoups zu arbeiten? Ein italienischer Zufluß des Rheins. Wer vom Niederwald aus den Blick über den Rhein schweifen läßt und ihm mit dem geistigen Auge stromaufwärts über Mainz und Worms nach Mannheim folgt, der weiß, daß der Strom aus der Schweiz kommt und wohl auch, daß ihm Nebenflüsse aus österreichischem Gebiet zufließen. Den wenigsten aber dürfte bekannt sein, daß der Rhein auch Wasser mitführt, das aus dem Königreich Italien kommt. Und doch ist es so. In den Hinterrhein mündet einige Stunden oberhalb der viel besuchten Via Mala ein wildes Gebirgswasser, der Averserbach. Dessen bedeutendster Zufluß ist ein Bach, der das Val di Lei, ein etwa 18 Kilometer langes Gebirgstal durchströmt und bei dem Oertchen Canicul von Süden her in den Averserbach einmündet. Dieses Val di Lei gehört aber politisch nicht mehr zur Schweiz, sondern zu Italien, ohwohl es von diesem Lande durch hohe schnee= und gletscherbedeckte Berge geschieden ist, über die nur dürftige Saumpfade einen Verkehr nach Campodoleino und Chiavenna vermitteln. Im strengen Winter sind die paar Dutzend Bewohner des rauhen Tales fast ganz von ihren italienischen Landsleuten abgeschlossen. Humor der Unterdrückten. Der Franzos tut sich was zugute auf „Esprit“, seinen ätzenden Witz, seine beißende Satyre. Aber Humor— den besitzt er nicht. Humor kann auch unter Tränen lächeln; Humor setzt Gemüt voraus für das Wort hat der Franzose keine Uebersetzung, denn er hat kein Gemüt. Man muß sich in die Zeiten Albas Zzzisggrsen, des grausamen Werkzeugs des finsteren Phin#,. Spanien; in die Zeiten auch, wo die Vlamen Flanderns in der„güldenen Sporenschlacht“ Tyrannen zu Boven schingen, um sich das Maß der Leiden vorzustellen, das die Bewohner der Ruhr, des Rheins und der Saar mitten im Frieden zu v. 13jähriger Schüler wird erschossen, weil er versehentlich die Sperrzone überschritten hat, brave Männer werden ermordet, weil sie um die Stunde der Sperrzeit noch nicht im Hause waren, obschon nicht feststeht, daß die Minute schon überschritten war. Frauen, die vor der Niederkunft stehen, werden mit den Eisenbahnern nachts aus dem Bette geholt und vertrieben, nur das allerdringlichste Handgepäck darf von der Habe mitgenommen werden. Kinder werden vom Mittagstisch, ehe die Mahlzeit beendet ist, aus dem Hause gerissen und fortgeschickt auf Lastantos. Noch immer finden in einzelnen Gefängnissen grausame Mißhandlungen statt. Hunderttausend Großstadtbewohner müssen zur schönen Sommerzeit 8—9 Uhr abends zuhause sein! Millionen Menschen sind buchstäblich Gefangene im eigenen Lande. Und der Hunger pocht vornehmlich an der Pforte der Industriegemeinden. Wahrlich, das Leid und die Drangsale der unglücklichen Bewohner des nittten im Frieden von gewaltiger Heeresmacht#erzogenen Landes schreit zum Himmel. Das Land, wo die Menschen schaffen Tag und Nacht, nur des Feindes Verlangen nach Menschenmöglichkeit zu erfüllen, ist zur Hölle geworden! Die Zeitungen sind verboten oder an die Kette gelegt, sie dürsen nichts sagen. Nicht einmal indirekt zum Ausharren im passiven Widerstand anhalten— sonst werden sie unterdrückt„wegen der Tendenz“! Auf den Straßen, in den össentlichen Lokalen, in den Straßenbahnmugen, in den Zügen, überall Spione, Lumpengesindel franzäsischer, polnischer und leider auch deutscher Rostammung. Ein großes Schweigen liegt über dem Lande, niederdrückend. unheimlich. Nur die Blicke reden, reden den unanslöschlichen Haß, der sich tief in die Herzen hineingefressen hat. Dies Volk ergibt sich nicht, eher stirbt es! Doch es stirbt nicht. Es ist zäh, unbengsam. Von unverwüstlicher Lebenskraft, von starkem Geist beseelt Und es hat— so sonderlich es klingen mag— noch Humor. Davon ein Pröbchen: Ein Dutzend Eisenbahner erhalten den Befehl zur Ausweisung am anderen Morgen um 5 Uhr. Nichts dürfen sie mitnehmen. Was tun sie? Sie beschließen, noch erst losen Frauenzimmern, die in einem berüchtigten Wirtschaftslokal gegenüber einer französischen Kaserne mit Franzosen harmonieren, einen Denkzettel zu geben. Sie gehen zusammen in die Wirtschaft. Richtig, da sitzen die Freundinnen“ der Poilus, die sich, sofern sie sie noch nicht haben, von den Weihsbildern die„fran zösische Krankheit" holen. Es wird getanzt von den Unisormierten und dem weiblichen Auswurf der Menschlichkeit. Plötzlich erheben sich die zwölf Eisenbahner, die Schere blitzt in ihrer Hand, und ritsch=ratsch. Die des Haurschmuckes beraubten Frauenzimmer kreischen auf und rennen davon und die Soldaten hinter ihren Freundinnen her! Ein homerisches Gelächter der Eisenbahner erdröhnt, dann gehen sie nach Hause und warten, bis das Auto sie abholt, mit dem sie außer Landes gebracht werden. Und singend fahren sie davon! Das Comité des Forges und die Kuhrbesetzung. Unter dieser Ueberschrift ist vor kurzem in Paris eine kleine Broschüre erschienen, die ausgezeichnetes Ker, einen hervorragenden wirtschaftlichen und politischen Lebens, der mit anderen mutigen Vorkämpfern der Wahrheit, wie Delessy, in eine Reihe gestellt zu werden verdient. Nach einem kurzen Ueberblick über die Bedeutung und den Umfang des Comité des Forges, das insbesondere den mehr als 7000 Firmen umfassenden„Verband der Hütten= und Bergbauindustrie“ beherrscht, kennzeichnet Ker die Lage der französischen Hüttenindustrie durch folgende Zeilen: Vor dem Kriege produzierte sie 5 Millionen Tonnen Roheisen, die durch den französischen inneren Markt konsumiert wurden, jetzt, nach der Vereinigung„mit Lothringen und dem Saargebiet(an dessen In##nstrie das französische Kapital mit 60 Prozent beteiligt ist), beträgt ihre Produktionsfähigkeit 11 Mil 6 Millionen=Tonnen müssen also ausgeführt werden, und zwar zu Konkurrenzpreisen. Die Produktion der 11 Millionen Tonnen Roheisen erfordert aber 15 Millionen Tonnen Koks, wovon die franzosischen, lothringischen und saarländischen Kokereien höchstens 6 Millionen liefern können. Die fehlenden 7 Millionen Tonnen Koks können nur aus dem Ruhrgebiet geholt werden. J. JJ Das Ruhrgebiet muß also so oder unders, wirtschaftlich oder auch politisch. von Frankreich, von dem Frankreich des„Comité des Forges“, annektiert Herden. Mit der eigentlichen Reparationspolitik hat das selbstverständlich nichts zu tun, trotzdem der kleinbürgerliche Wähler des Nationalblocks der Ruhrbesetzung Beifall klatschte im Glauben, man werde ihm von dort das„deutsche Geld“ holen. Was will nun der französische Imperialismus im Ruhrgebiet?„Ist das Ruhrgebiet als Zahlungsgarantie ein illusorisches Pfand, so hat es einen unschätzbaren Wert als politisches Pfand, dessen Besitz für lange Zeit die kontinentale Vorherrschaft Frankreichs konsolidieren würde. Daher zeigt sich der militaristische und nationalistische Imperialismus, der die natinnalen Grenzen durch Eroberung und Annexion erweitern will, nicht unnachgiebiger, als das wirtschaftliche Expansionsbestreben, das nur Rohstoffquellen und Absatzmärkte sucht. „Das Comité des Forges“ hat einen neuen Sieg über die deutsche Hüttenindustrie notwendig, deren technische Fortschritte und Ausdehnungsvermögen ihm Furcht einflößen: die Natipnalisten erklären ihrerseits, daß der Versailler Vertrag die Sicherheit des Landes nicht verbürgt, und daß wir ohne Ruhrbesetzung in kurzer Frist einen neuen Krieg mit Deutschland haben wirden: 1 „Die Türkifizierung Teutschlancs, oas ist dirs geheime, aber sichere Ziel unserer sogenannten Reparationspolitik“.... G.“ HAitgn ie „Was nun der Ausgang der Ruhrerpeonionsern mag, ob die französischen Hüttenherren den Essener Magnaten ihre Bedingungen diktieren, oder ob sie sich dazu entschließen, mit ihnen auf gleichem Fuße zu verhandeln, ein Opfer dieses Abenteuers wird es bestimmt geben: das Proletariat jenseits und diesseits am Rhein........ Laß... M. „Es ist möglich, ja wahrscheinlich, daß die Kuhrgeschichte nicht ohne Einmischung Englands und Amerikas enden wird. Wenn die Eisenbahnen, die Gruben, die Kanäle, die Zölle als Pfand für eine internationale Anleihe dienen sollen, und wenn Deutschland eines Tages die Schulden Frankreichs an das angelsächsische Kapital übernehmen soll, wird dieses gleichzeitig der Bankier und der Hauptgläubiger Deutschlands werden.“. „Letzten Endes wird es sich um die Verteilung 1 des aus den deutschen Sklaven herausgepreßten Prosits zwischen dem französisch=deutschen Trust und der angloamerikanischen Finanz handeln. Man kann den Tatbestand der gesamten Ruhraktion und die Quintessenz der französischen kaum auf eine treffendere Formel bringen, als das hier geschieht. Das Ineinandergreifen des militaristischen und wirtschaftlichen Imperialismus in Frankreich ist hier mit seltener Klarheit erkannt und aufgedeckt. Auch werden die deutschen Hoffnungen auf eine englische Intervention von Ker in sicher nicht unzutreffender Weise durch die Feststellung bekämpft, daß es sich für England bei der Ruhraktion im wesentlichen um die Frage der Beteiligung des englischen Kapitals handelt. Aus dem allen ergibt sich: Deutschland hat von keiner Seite Hilfe zu erwarten und steht einer geschlossenen Reihe unerbittlicher Feinde gegenüber. Nur die Aufrechterhaltung des Widerstandes an Ruhr und Rhein kann vielleicht noch in letzter Stunde die Verwirklichung der Ziele des französischen Imperialismus verhindern. Ein Interview mit Ludwig XIV. Ich traf Ludwig XIV. Ich sand ihn im Himmel, zu dem er als rer christianissimus Zutritt gefunden hatte. Er war noch immer derselbe roi soleil, alänzend, strahlend, immer siegesbewußt, wie ich ihn einst auf Erden gekannt hatte. Denn auch ich bin sehr alt, viel älter, als Ludwig XIV.: ich bin der Geist der deutschen Geschichte. Ich wollte den König sprechen, denn die Zustände, wie sie jetzt durch Frankreichs Siegergelüne sich im besetzten Gebiet entwickeln, scheinen mir geeignet, ihm vorgetragen zu werden; vor allem aber wollte ich seine Meinung darüber hören.„Hat dein Volk recht?“, so fragte ich bescheiden — genau so bescheiden, wie Michel immer fragt, wenn er einen Ausländer sich gegenüber hat.—„Hat dein Volk recht, wenn es mitten im Frieden friedliches Land an sich reißt, wenn es kriegsmäßig gerüstet über die wehrlos gemachten Deutschen herfällt und wenn es durch Blut und Kerter zu erreichen sucht, was ihm ein von der ganzen Welt garantierter Friedensvertrag verweigerte?" Der König warf sich in die Brust.„Mein Volk hat immer recht!“ entgegnete er majestätisch,„das sollst du doch eigentlich wissen!“ „Veris; großer König, warf ich ein,„doch nicht immer! Es ist schon wiederholt vorgekommen, daß die ganze Welt sich gegen dein Volk erhoben hat, eben deshalb, weil es nicht recht hatte!“„Das sind deutsche Redensarten!“ meinte der König und ein unzweidentiges Stirnrunzeln machte sich bemerkbar.„Wir Franzosen haben— verlaß dich darauf!— immer recht! Ganz einfach deshalb, weil wir immer und überall nur für das bedrohte oder uns verweigerte Recht einereten und, wo es sein muß, zu Felde ziehen!“ „Verreihe, großer König, antwortete ich bescheiden, „war es wirklich Recht und geschah es im Namen Rechts, als du die herrliche Pfalz verwüsten ließest, als deine Söldner am deutschen Rhein einen Ort nach dem anderen, eine Burg nach der anderen in Schutt und Trümmer legten?". Natürlich war das Recht,“ gab der König würdevoll zurück,„denn Recht ist stets r das, was Frankreich als Recht erklärt! Und wer sich diesem erklärten Recht Frankreichs widersetzt, aktiv oder passiv, wie ihr das jetzt da unten an der Ruhr macht, der ist ein Verbrecher an der Gloire de la France, und muß als solcher bestraft werden. Und selbst die schwerste Strafe ist für einen solchen Majestätsverbrecher noch immer viel zu gering! Siehst du das nicht ein?"„Nicht ganz, großer König! Wir Deutsche sind ja manchmal auch nicht gerade ganz sanftmütig, wir lärmen wohl mal ein bischen viel— aber daß wir immer Unrecht gehabt haben sollten, wenn wir mit euch in Zwist gerieten, kann ich mir wirklich nicht so recht denken!"„Du kannst dir denken, lieber Freund, was du willst“, entgegnete Se. Majestät ganz von oben herab, aber du wirst die Tatsache nicht aus der Welt und aus der Geschichte schaffen können, daß Frankreich immer und überall recht gehabt hat, wenn es mit einem Nachbar in Streit geraten ist, denn wir marschieren an der Spitze der Zivilisation, und das bedeutet schon an sich, daß wir immer recht haben!“ „Verzeihet, sprach ich wieder,„aber wenn ihr an der Spitze der Zivilisation marschiert, weshalb betätigt ihr das, wie jetzt wieder im Ruhrgebiet, und wie zu deiner Zeit am ganzen Rhein, dadurch, daß ihr ein friedliches Volk überfallt und mit Blut und Kerker, wie ich schon sagte, euch gefügig machen wollt?“ Der König neigte sein Haupt.„Das verstehst du nicht! Wir bringen jedem Volke die ganze große Liebe entgegen, deren das Herz Frankreichs fähig ist! Aber wir münschen dafür, auch wieder geliebt zu werden, und wer unseke Liebe von sich weist, den strafen wir aus lauter Liebe, wie ein Vater nur aus Liebe ein widerspenstiges Kind straft. Seht ihr denn das nicht, ihr deutschen Kinder, daß wir euch näher bringen wollen, daß es unsere Liebe ist, die euch einlädt, Angehörige der Grande Nation zu werden? Nur als solche könnt ihr blühen, wachsen und gedeihen— begreift es doch endlich!"„Aber, großer König, wenn wir doch lieber deutsch und frei bleiben wollen?" „Ach was, deutsch und frei! Freiheit gedeiht nur unter Frankreichs Fahnen!"„Meinst du wirklich, großer König?“„Allerdings mein ich das!“„Aber unsere deutschen Freiheitskriege gegen Frankreich!" warf ich ein.„Waren nur Kriege gegen die Freiheit!“ rief der König.„Und euer sogenannter Abwehrkampf an der Ruhr ist auch nur ein Kampf wider die Freiheit, die wir euch bringen wollen!"„Aber wenn wir doch eure Freiheit gar nicht haben wollen?"„Dann müssen wir euch zwingen, daß ihr Sklaven seid, und wir werden Ketten um euch schlagen, die euch die Glieder zerdrücken werden.“ Damit entließ mich der König. Ich aber sann darüber nach, was er mir gesagt: Frankreich hat immer recht, Frankreich handelt aus großer Liebe zu uns, Frankreich bringt uns die Freiheit, und wenn wir das alles nicht anerkennen und nicht annehmen wollen, müssen wir es uns gefallen lassen, daß wir in Ketten und Banden geworfen und unsere Städte und Dörfer verwüstet werden. Und nun bin ich auf dem Wege, den großen Weisen zu suchen, der mir das Rätsel löst, welches in diesen Worten und Taten Frankreichs verborgen liegt. Wenn ich ihn gefunden habe, werde ich darüber berichten. Wenn niett schon vorher die Weltgeschichte das Rätsel gelöst und ihr Amt als Weltgericht ausgeübt haben sollte. Tv. Leon Blum über den Ansinn der „Die 15 oder 16 Milliarden Francs, welche Deutschland bezahlt hat, sind vollständig verschlungen durch die Besatzungskosten. Anstatt unsere Häuser evieder herzustellen, hat man große militärische Gebäude in Mainz und anderswo gebaut. Aber damals bezahlte Deutschland unsere Besatzungsarmee am Rhein. Jetzt, wo sie sich an der Ruhr befindet, sind wir es, dies bezahlen: und alle Tage sind wir gezwungen, in Mainz 500 Millionen Papiermark zu kaufen. Vor der Ruhrbesetzung erhielten wir 1 Million Tonnen Koks im Monat für nichts(umsonst): jetzt erhalten wir nichts mehr. Wir haben Hochöfen in Lothringen, welche erlöschen, und selbst unsere Nord=Hüttenindustrie verspürt allmählich die Nachwirkung von der Krisis. Wir gezwungen, monatlich 1 Million Tonnen Koks in wie wir die Dummheit der Menschen bezahlen, welche uns regieren und weiche sich das Recht anmaßen, in unserem Namen zu sprichen. Aus Stadt und Tand. : S c h w e r t e, d e n 3. S e p t e m b e r. Erinnerungen. 1492 Sturz der maurischen Herrschaft in Spanien. 1658 Der englische Staatsmann Oliver Crommell gestorben. 1814 Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Preußen. 1849 Der Dichter Ernst Freiherr von Feuchtersleben gestorben. 1854 Der Jugendschriftsteller Christoph von Schmidt gestorben. 1883 Der russische Dichter Inan Turgenien gestorben. 1915 Fall der Festung Grodno. 1917 Riga in deutschem Besitz. * September. „Und eine Blonde müßt“ es sein, Mit Augen, sanft wie Mondenschein— Denn schlecht bekommen mir am Ende Die wild=brünetten Sonnenbrände.“ Wer so fühlt, liebt den September. Ob man durch Gluten ermattet oder durch Stürme und Regengüsse verstimmt und abgekühlt ist, immer wird man mit Sehnsucht und Hoffnung diesem stillen und reichen Monat entgegensehen. Gleich einer reifen Frau, weiß er sänstigend zu erfrischen, spendend zu beglücken. Seine Tage sind kurz, wie das Leben uns scheint, wenn es den Scheitelpunkt überschritten hat, aber sie sind klar und bieten uns Ausblicke, wie wir sie auf der Höhe des Jahres nur selten genießen. Seine Nächte sind kühl, aber sie erquicken uns, daß wir die reine Sonne des Morgens um so bereiter zu empfangen vermögen. Freilich, wie in den Haaren der gereisten Frau die ersten grauen Strähne, so können uns zwischen seinem Blattgrün die gilbenden Töne nicht mehr entgehen. Aber passen sie nicht zu ihm, da doch die sengende Sonne über die Erde hingegangen ist? Passen sie nicht zu ihm, der uns dank dieser Sonne so üppig zu beschenken weiß? Pflaumen und Birnen, Aepiel und Weintrauben gehören zu ihm, und mit reifer Süßigkeit laben sie den, dem der flüchtige Dust nicht mehr genügt. Aber gleich den Frauen, deren späte Liebe die erste ist, scheint der September am schönsten, wenn die Sommerzeit enttäuscht hat. Dann ist die Erde noch nicht so müde, das Laub noch nicht so welk Und auch die Wetterkundigen belehren uns, daß dann die Aussichten auf eine Zeit beständigen, schönen Wetters am besten seien. Eine Sitzung der Stadtverordneten findet am kommenden Freitag, 7. September, nachmittags Uhr im Rathaussaale statt. Die 25 Punkte um fassende öffentliche Sitzung hat sich u. a. mit der Erhöhung des Gaspreises, der Pflegesätze und städtischer Jahresbeiträge zu verschiedenen Vereinigungen, mit Fragen der Berufsschule, der Anstellung eines Studienrates am Realprogrumna sium und der Wahl eines Stadtbaurats zu befassen. An die öffentliche schließt sich eine geheime Sitzung. Ferienschluß. Mit dem heutigen Monlag haben die Ferien an den höheren und Volksschulen unserer Stadt ihr Ende erreicht, morgen wird der Unterricht wieder ausgenommen. Der Kindergottesdienst nimmt seine Tätigkeit am nächsten Sonntag morgens 11 Uhr wieder auf. Keine Postpafete nach der Mosel. Die Annahme von Postvaketen nach Koblenz und nach Orten der Eisenbahnstrecke Koblenz—Trier(Trier eingeschlossen ist im unbesetzten Deutschland wegen Beschlagnahmegefahr eingestellt worden. Das Ende des Martenbrotes am 15. Oktober. Auf Grund des§ 3 des Gesetzes zur Sicherung der der Brotversorgung im Wirtschaftsjahr 1923=24 vom 23. Juni d. J. hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft durch Verordnung vom 28. August d. J. mit Zustimmung desReichsrates den 15. Oktober 1923 als Endiermin der öf. feinlichen Brotversorgung bestimmt. Das Schwimmfest. welches der Schwerter Schwimmverein gestern nachmittag in seiner Vereinsbadeanstalt auf dem „Schützenhef“ abhielt, hatte eine große Zuschauer menge angelockt, welche mit großem Interesse den einzelnen Abteilungen der großen wassersportlichen Veranstaltung folgre. Trotz des gerade nicht einladenden Wetters waren zahlreiche„Wasser rautten“ von Nah und Fern erschienen und das reichhaltige Programm wurde trotz der einsetzenden Regenschauer glatt durchgeführt. Kunz nach 3 Uhr begannen nach Worten der Begrüßung durch Herrn Stegemann, den rührigen Vorsitzenden des hiesigen Vereins, der u. a. auf die große gesundheitfördernde Bedeutung des Wassersportes hinwies, die Darbietungen, die bis gegen 7 Uhr andauerten und das Putrlikum in sieter Spannung hielten. Bei den Wettkämpfen hat der hiesige Verein außerordentlich gut abgeschnitten. Während der Darbietungen der Damenabteilung des Iserlohner Schwimmvereins, die mit einem prächtigen Reigen aufwartete— wohl das Schönste der ganzen Veranstaltung— erfreute der Quartett= verein„Glocke“ unter Herrn Temmes Leitung die Zuschauer durch den Vortrag eines prächtigen Chorliedes. Nach der Preisverteilung begaven sich die Sportler mit ihren Gästen zum Hotel„Zur Post“, wo man bei Musik uund Geserng und einem kleinen Tänzchen noch einige Stunden gemütlich beisammen Mied. Jedenfalls hat die gestrige Veranstattung dem rührigen Verein und dem Wassersport überhaupt zahlreiche Freunde und Anhänger zugeführt.— Das Resultat der Wettkämpfe bringen wir in der morgigen Nummer. Dollarstand: Berlin Samstag amtl. 10 325720. in Köln gestern nachmittag 12531.250 in Newyork Schlußkurs 10000 000 in Newyork nachvörslich 9090 000 Goldpreis: ein 20 Markstück= 45 Mill. Mari Goldzollaufgeld: 1. 7. Septbr. 129019 900 Reichsinder(27. August) 1 183434(57 : Anzeigenpreise ab 29. August:: Bekanntmachung. e Für die achtmal gespaltene Millimeterzeile# Lokale 50000 M. Ausw. 75 000 m., * Reklame pro Millimeter 300000 M. Offertengebühr 50.000 M. Auskunftsgebühr 20000 M. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen sprechen wir unseren herzlichsten Dank aus. 2835 Schwerte, den 27. August 1923 Familie A. Heidrich. Mit Wirkung vom 1. September 1923 trelen folgende Höchstpreise für Vollmilch in Kraft: a) Erzeugerpreis... est 180 000 b) Molkereizuschlag... est 36 000 e) Kleinverkaufspreis. est 300000 für 1 Liler. Hörde, den 1. September 1923. 2833 Der Kreisausschuß des Laudkreises Hörde. Dehle Trührmetbangen. Berlin, 3. Sept. Reichswirtschaftsminister v. Raumer entwickelte am Samstag sein Wirtschaftsprogramm. Neues Todesopfer in Dortmund. Tll. Dortmund, 31. Aug. In Dortmund wurde in der vergangenen Nacht ein Unbekannter von Franzosen erschossen, weil er nach Aussage französischer Soldaten Kohlen hatte stehlen wollen und auf zweimaligen Anruf nicht stehen geblieben ist. Die Ausgewiesenen gegen die Aufgabe des pasiven Widerstandes. TII. Ludwigshafen, 1. Sept. Die kürzlich aufgetauchte Befürchtung, die Franzosen würden das gesamte pfälzische Eisentarhupersonal ausweisen, scheint sich zu verwirklichen. Aus allen Orten werden iystematisch sämtliche Eisenbahner ausgewiesen, darunter viele, die eine kleine Landwirtschaft betreiben. Der Franzose kennt dabei keinerlei Rücksicht, so daß auch Kranke, Greise und kleine Rinder erbarmungslos vertrieben werden. Ausweisung des gesamten pfälzischen Eisenbahnpersonals. TII. München, 1. Sept. Wie die„Münch. N. Nachr.“ melden, hat der Ausschuß der Ausgewiesenen in seiner letzten Sitzung mit größtem Be(remden Kenntnis genommen von den Mitteilunigen des Arbeitersekretärs Shau über die Ausgabe des passiven Widerstandes. Der Ausschuß erklärt hierzu, daß ohne Rücksicht auf die bisherigen Opffer die Ausgewiesenen fest davon überzeugt sind, daß die neue Reichsregierung bei ihrer am 11. August abgegebenen Erklärung verbleiben werde, nach der ein Kompromiß über die besetzten Gebiete es nicht gint und eine Aufgabe oder auch nur eine Abschwächung des passiven Widerstandes ausgeschlossen bleibe. ue Trichtspiele dur Reichskrone Heute zum letzten Male! Der große Ufafilm Einladung zur Sitzung der Stadtverordneten am Freitag, den 7. September 1923, nachm. 5 Uhr im Stadtverordneten=Sitzungssaale des neuen Rathauses hierselbst. 53 Tages=Orönung Oeffentliche Sitzung: Einführung eines Stadlverordneten Genehmigung eines Vertrages Rückzahlung von Baukostenzuschüssen Bewilligung von Zuschüssen gemäß§ K. A. G. 5. Festsetzung des Gaspreises usw 6. Beschaffung von Krediten 7. Beschasfung von Kohlen für Arme usw 8. Erlaß der Wasser= und Gasmessermiele bei Kleinrentnern 9. Erhöhung der Pflegesätze in den beiden hiesigen Krankenhäusern 10. Erhöhung des Beitrages für das„Cäcilien= slist“ zu Lippspringe 11. desgleichen für den Preußischen Städtetag 12. desgleichen für die Provinzial=Vereinigung 13. desgleichen für die Deutschen Jugendher= bergen 14. Anstellung eines Studienrals am Realgymnasium 15. Besoldung des Hausmeisters am Realgymnasium 16. Ausdehnung der„Berufsschulpflicht 17. Festsetzung der Berufsschulbeiträge für das 1. Halbjahr des Sckuljahres 1923 18. desgleichen des Schulgeldes für freiwillige Schkler 19. Erhöhung der Entschädigung für die Schulreinigung und für das alte Rathaus 20. Erhöhung der Straßenreinigungsgebühren 21. Niederschlagung einer Polizeistrafe 22. Abstandnahme von der Einziehung geringer Steuerbeiräge Aufnahme eines polnischen Staalsangehörlgen in den preußischen Staatsverband Wahl des Stadtbaurals Verschiedenes. Geheime Sitzung. Schwerle, den 31. August 1923. 2837 Der Staôtverordneten=vorsteher: gez. Jöckel. auf weiteres werden wir jeden Mittwoch unsere Kasse, wie überhaupt die Bank für den Außenverkehr geschlossen halten, um die Rückstände aufarbeiten zu können Wir bitten, uns für Mittwochs keine Aufträge zu erteilen. Der Fernsprecher wird nur zur Uebermittlung der Devisenkurse bedient Diese aus den außerordentlichen Wirtschaftsverhältnissen geborenen Maßnahmen werden wir sobald wie möglich wieder aufheben und bitten unsere verehrlichen Kunden solange um freundliches Entgegenkommen. Barmer Bankverein Hinsberg, Fischer& Co., 283 W Eine fabriksneue Orga-Schreismäichme soder gebrauchte, gut erhaltene, sowie eine alle Kopier-Presse mil Kopier=Blättern zu kausen gesucht. Ausführliche Zuschriften mit Preisangabe unter Nr. 2839 an die Geschästsstelle. werden bis zum 15. September einschl. von uns eingelöst. 2834 uns einHerr f.. Andernach&a Bleck, Präzisionszieherei Kaltwalzwerk halden a d. Lenne. I O I••* erstklassige Marken wie Eckstein ekc. liefert Knesevits, Weimar, Wielandstraße 3. Nur Barverkauf(Reichsgeld oder bestätige ten Reichsbankscheck.) 2833 Drama in 5 Akten mit den besten deutschen Filmschaufpielern, wie: Albert Steinrück, Johannes Niemann, Alfred Abel und Pola Negri in der Hauptrolle. Der große amerikanische Film Sensationelles Drama in sechs Akten. 9000 Lustspiel=Einlage. Tierhalter! Futterzusah Heppe kräftigt d. verdauung, stärkt d. Knochenbau, schützt vor Krankheiten, regt die Freßlust an. Nur echt in Med.=Orog. Wüb. heppe. „Verlangen die steid Erigmiat=pso. Purelke 23. 24 25. 8 8 2 8 5 9 E E 1— 50 □ 8 □ 3 □ — 83 □ Der neue Nolizblock ohne Papier und Bleistift nur 3 mm dick, Zeitlebens unverwüstlich, nicht zum abwaschen, sleis gebrauchsfertig. Kein Popiermangel mehr! Ein Stift, ein Streichholz ohne Kuppe genügt zum Schreiben. Der Block für die Tasche, für das Büro,: für den Schreibtisch; praktisch für Reisende, für Kaufleute, für Rechner, für den Lehrer, für die Kinder, für die Hausfrau, für den Notar, für den Arzt, für den Beamten, für den Arbeiter. Ochreibwarenhänblung kurt Braus — Schwerte.———— 5 9 2 6 S—. S 8 □• — 2 5 S= 2 Di S 2 *— 8 9 20% Hohnen=Kaffee rote Packung 30% Edel=Mischung grüne Packung 40% Hohnen=Kaffee blaue Packung