F Schweriea Hausfron und Mutar. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter u Lustiges Allertei. Kinderzeitung. Unser Blatt n Unterhaltungs- u. Romanbeilage. n Spiel, Sport und Curnen. u Filmkritik. Kunst u. Wissen. n Gartenratschläge. Oerdunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Schwerter Oolksbiatt MS Delthofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Zeitung" erscheint verktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Postscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Kar Richter in Schwerte. Cel. 62. Nr. 153 Dienstag, 3. Juli 1923 56. Jahrgang Zum Geleit. Sei auf der Hul! Wer sicher ruht, Ist leicht stets zu besiegen. Neueste politische Nachrichten. Der II Boot=Kommandant Rose ist wieder in Freiheit gesetzt worden. * Der französische Senat übte an dem Papstbrief scharfe Kritik. * Der Reichspräsident hat den neuernannten polnischen Gesandten Kasimir Olzowsti zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens empfangen. Bei dem Empfang war der Reichsminister des Acußern von Rosenberg zugegen. * Der Schweriner Landtag wählte den Apotheker Hennecke aus Waren mit 31 Stimmen der Linken zum Finanzminister. * Dem Reichstag ist ein zweites Weißbuch der Sammlung eidlicher Aussagen über Gewaltakte der französisch=belgischen Truppen im Ruhrgebiet zugegangen. „„* Vermischte Neuigkeiten. Die englische Vereinigung zur Förderung der Arbeiter=Wohlfahrt ist an die englische Gesellschaft, welche Funtsprüche und Konzerte drahtlos an jedermann aussendet, herangetreten, um diese zu ersuchen, Mittagskonzerte zu veranstalten, damit diese während der Mittagspause Fabritarbeitern, die sich zu dieser Zeit meist in den Kantinen aufhallten, übermittelt werden können. Zahlreiche Fabriken haben sich zu einem Anschluß bereit ertlärt. Die Musik ist bis auf eine Entfernung von 250 Metern vom Schalltrichter noch vorzüglich vernehmbar. Fthung ron Westhesen! hat fol9bide Anordnung erlassen, die in Dortmund ausgehingt ist: In Anbetracht der in letzter Zeit gegen die Wache; und Patrouillen verübten Attentate wird eine Lone von 200 Metern rechts und links der Schielenwege und der bewachten Kanäle für den Verkehr zwischen 8 Uhr abends und 5½ Uhr morf gens vollständig gesperrt. Die Wachen und Patroni#en werden auf jede Person schießzen, selt, auf solche, die in Häusern innerhalb der verttenen Zone liegen, wohnen, wenn sie nicht aul den ersten Anruf stehen bleiben und die Hände erügen. Das Verbot tritt am 30. Juni abends in Als abgesperrt gilt, soweit es sich um die Sfadt Dortmund handelt, das Gelände Achts und links der Eisenbahn in Huckarde zwihen der Franziusstraße und der Straße von bernette und Niedernette. Die Eisenbahnübergänge der Franziusstraße und der Straße Oberund Niedernette= können auch nachts passiert werden. Ferner gilt als abgesperrt das Gelände an der Eisenbahn in Dorstfeld, von der Drahtseilbahn an der Zeche„Dorstfeld" vis zu der Martener 1 Brücke. Die Martener Brücke selbst ist frei, während die Hallereystraße von der Drahtseilbahn bis zur Martener Brücke ebenfalls nachts gesperrt bleibt. Die nördliche Seite der HeydenRynschstraße bildet die Grenze der abgesperrten Vone, so daß der Straßenverkehr auf dieser auch nach 8 Uhr abends erfolgen kann. Dagegen haben die Anwohner der Eisenbahn zu ihren Gärten und Ländereien, die an den Schienenwegen liegen, nach 8 Uhr keinen Zutritt. Schwerte, 3. Juli. Gestern nachmittag wurden sämtliche in Westhofen verhaftete Geiseln von den Franzosen wieder freigegeben. Fabrikant Brausen, der wegen eines schon Wochen zurückliegenden Vorkommnisses verhaftet wurde und nach Witten überführt ist, blieb dort in Haft. Die Post, welche besetzt war, ist wieder für den Verkehr offen, ebenso ist der Bewohnerschaft keinerlei Hemmnis in den Weg gelegt. Von heute. Dienstag an, werden auch Passierscheine ausgegeben, sodaß der Verkehr nach außerhalb offen steht. Die Eisenbahnzüge halten bisher nicht auf Bahnhof Westhofen, der durchgehende Verkehr ist aber sowohl über Hagen, wie über Kabel ungehemmt. Im großen Saal bei Gastwirt Fritzenkötter, sowie bei Landwirt Sieberg sind Massenquartiere für die Mannschaften eingerichtet. Die Posten stehen an dem Krenzweg bein Ausgang des Ortes vor der großen Bahnbrücke, in der Nähe des Hauses von Oberlandjäger Lacour, sodaß Auswärtige nicht nach Westhofen kommen können. Auch nach Garenfeld zu ist abgesperrt, ebenso der Weg nach Holzen. Sämtliche Waffen mußten abgeliefert werden, was auch geschah.— Gestern abend hatten sich eine große Menge Neugieriger auf der Landstraße nach Westhofen zwischen Rettelmühle und lange Brücke zusammengesunden. Zu sehen war aber nichts. Uebertriebene Berichterstattung. Die Hagener Zeitungen berichten in zwei Artikeln: Westhofen und Schwerte besetzt. TII. Hagen, 2. Juli. Westhofen ist gegen 1 Uhr besetzt worden. 60 französische Radfahrer sind auf dem Anmarsche nach Schwerte und dürften bereits dört eingetroffen sein. Die Besetzung von Westhofen. Westhofen, 2. Juli. Heute morgen 3 Uhr sind die Franzosen hier eingerückt. Sie nahmen sofort den Amtmann Arndt, den Oberlandjäger Lacour, den Oberwachtmeister Zier, den Beigeordneten Mar Lohmann, sowie sämtliche Stadtverordneten, einschließlich der sozialistischen, fest. Der Postinspektor Böttcher wurde verhaftet, ebenso der Bahnhofsvorsteher=Stellvertreter Schneemann, Fabrikant Brausen von den Wittekind=Werken, bei dem auch Haussuchung abgehalten wurde, der Fabrikant Adolf Vorggräfe, der Apotheker Jehn und verschiedene andere Bürger. Das Amtshaus ist besetzt, ebenso das Postamt, wo alle Fernsprechleitungen durchschnitten wurden. Alle Wege von und nach Westhofen, sowie die Ruhrbrücke sind durch Posten von 4—10 Mann besetzt. Die Straßen Westhofens sind durch„spanische Reiter“ gesperrt. Die Fabriken von Stahlwerk Brüninghaus und Co., sowie die Schloßfabrik Kogelheide sind besetzt. Die übrigen Fabriken haben den Betrieb geschlossen. Stillegung der Dortmunder Anion? Di:„Rhein.=Westf. Ztg.“ berichtet von einer bevorstehenden Stillegung der Union. Sämtliche Hochöfen seien gedämpft worden; die Stillegung des ganzen Betriebes sei eine Frage von nur noch wenigen Tagen Wie weit die Meldung den- Tatsachen entspricht, konnten wir nicht mehr nachprifen.= Für unser Wirtschaftsleben und für die Arbeiterschaft insbesondere würde eine Stillegung eines solchen Werkes aber trostlose Ausblicke geben. auf der Hochfelder Eisenbahnbrucke. Schwere Strafmaßnahmen gegen Unschuldige Duisburg, 1. Juli. Die schwere Explosion erfolgte, als ein Eisenbahnzug die Brücke eben passierte. Die Darstellungen über den Verlauf gehen noch auseinander. Die eine will wissen, daß sie in einem Abteil eines Wagens stattfand, nach einer anderen Darstellung soll ein Sprengkörper auf den Schienen der Brücke gelegen haben, der durch den Zug zur Entladung kam. Gegen die letztere Annahme spricht jedoch der Umstand, daß die Fahrbahn der Brücke unbeschädigt blieb, auch daß nicht schon die Lokomotive die Sprengung hervorrief. Die Erplosion war von schweren Folgen begleitet. Mehrere Wagen wurden völlig zertrümmert, auch ein Teil des Brückengeländers weggerissen. 8—9 Tote und 43 Verwundete, darunter 2 Zivilpersonen, sind festgestellt, die im Hochfelder Marienhospital Aufnahme fanden. Ueber Duisburg wurden schwere Strafmaßnahmen verhängt. 20 Geiseln wurden festgenommen, darunter aus der Kommunalverwaltung die Beigeordneten Dr. Weitz und Cremers, ferner der Leiter der staatlichen Polizei, Regierungsrat Enles. Major Lennartz und Hauptmann Arnold der Schupo, von der Justiz die Oberstaatsanwälte Bach und Dr. Fudilar sowie Landgerichtspräsident Dr. Brand, der Führer der Zentrumsfraktion des Stadtverordnetenkollegiums, Justizrat Dr. Feldbaus und der Chefredakteur der Rhein= und Ruhrzeitung Lucko. Es ist verfügt worden: Personenverkehr vor 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens gesperrt, alle Kaffeehäuser, Theater, Kinos und öffentlichen Lokale sind geschlossen, der Straßenbahnverkehr ist untersagt. Verkehr von Automobilen und Notorrädern ebenfalls und bis auf weiteres werden keinerlei Passierscheine für Wagen oder Personen ausgegegeben. Paris, 3. Juli. Bei dem Eisenbahnunglück in Duisburg=Hochfeld stellen Brüsseler Depeschen fest, daß es sich tatsächlich um belgische Urlauber handelt. Zehn wurden getötet, 29 verwundet. In einem Klosert des Zuges wäre ein Explosionsgeschoß niedergelegt worden. Natürlich wird behauptet, daß dies von Deutschen geschehen sei. Nicht gesagt wird aber, wie das möglich gemacht werden konnte, da die Eisenbahn ausschließlich von Belgiern und Franzosen benutzt wird. Der Kommandant der belgischen Besatzungsarmee erhielt den Auftrag. Strafmaßnahmen zu ergreifen. Die deutsche Allgem. Ztg. schreibt: Die erfolgte Besetzung von Westhofen, der nächsten deutschen Station ostwärts nach Hengstey in Richtung Schwerte und der Vormarsch auf Schwerte deuten darauf hin, daß die Franzosen die Bahnlinie Köln Hamm fester in ihre Hand bekommen wollen als bisher.(?) Recklinghausen, 3. Juli. Die Verhaftungen von Eisenbahnern begannen am Freitag um 7 Uhr vormittags und dauerten bis über die Mittagsstunden hinaus. Das Nordviertel der Stadt, in dem ein großer Teil der Recklinghäuser Eisenbahner wohnt, war für die Razzia ausersehen. Die Verhaftung erstreckt sich größtenteils auf Lokomotivführer, Reservelokomotivführer, Heizer und Zugführer. Ein Beamter, der gerade von der Kommunionfeier zurückkam, wurde im Gehrock und Zylinder von der Straße weg mitgenommen. Die Zahl der am Freitag verhafteten wird auf 30 bis 40 geDer Dollar am 2. 7.= 159600 M. (amtich K ss schatzt. Drei ältere Beamte wurden nach einigen Stunden wieder entlassen. Samstag früh begann die Verhaftung der Eisenbahner im Stadtteil Süd. Bis zum frühen Nachmittag waren 4 Lastkraftwagen mit verhafteten Beamten eingeliefert worden. Am Donnerstag und Freitag ist bereits eine Menge Eisenbahner mit Lastkraftwagen über die Lippe gebracht worden. So wurde beobachtet, daß am Freitag nach 1 Uhr nachmittags 4 Lastkraftwagen mit Zivilpersonen in Richtung Haltern fuhren. Die Zahl der in Recklinghausen Inhaftierten beträgt zurzeit über 200. Ausweisungsbefehle für die Familien der Eisenbahner sind bis zur Stunde nicht bekannt geworden. Der Stadtoberinspektor, der seinerzeit zur Verbüßung einer zweimonatigen Haftstrafe festgenommen worden war, ist aus der Haft entlassen worden. Die Festnahme stand in Verbindung mit dem angeblichen Attentat am 24. April auf einen Soldaten in der Nähe einer Blockstelle in Recklinghausen=Süd. * Essen. Gestern nachmittag 4 Uhr wurde vom Nordbahnhof das Stellwerkshaus zwischen Alienessener= und Stoppenbergerstraße von den Franzosen besetzt. Die Anschlußgleise zwischen Zeche Friedrich Ernestine und dem Lokomotivschuppen Essen=Nord wurden aufgerissen. Der Personenverkehr nach Vorbeck wurde infolge dessen eingestellt. Das Stellwerkshaus wurde heute wieder geräumt. * Dortmund. Bei der Besetzung des Bahnhofs Dortmund sind den Franzosen 15000 Kilo Roggen, 10000 Kilo Kartoffeln, 10.000 Kilo Roggenmehl, 15000 Kilo Hafer und 500 Kilo Stroh in die Hände gefallen. Die Lebensmittelversorgung der. Stadt Dortmund hat sich in den letzten Tagen so ungünstig gestältet, daß die Kartoffeln rationiert werden mußten und an jede Person nur zehn Pfd. abgegeben werden. Die Bahnhöfe Hörde und H.=Hacheney, welche seit dem 15. Juni von den Franzosen besetzt waren, sind am 25. Juni, nachmittags 4,20 Uhr wieder freigegeben und im Laufe des Abends vollständig geräumt worden. Der Personenzugverkehr aus der Richtung Unna und zurück wird bis Hörde durchgeführt. Von den aus Richtung Schwerte kommenden Personenzügen werden einige über HördeHacheney bis Dortmund=Süd weitergeleitet. Den Notfahrplan haben wir schon bekannt gegeben. * Wieder ein Deutscher erschossen. Paris, 2. Juli. Die Agentur Havas berichtet aus Düsseldorf, gegen Mitternacht sei in Herten bei Recklinghausen durch eine Schildwache vor der Wohnung des Kommandierenden eine Zivilperson durch einen Schuß geötet worden, weil sie sich angeblich weigerte, weiter zu gehen. Die Unterbringung der Ausgewiesenen. Am 18. Juni wurde eine große Zahl ausgewiesener Eisenbahnbediensteter im D=Zug Köln=München nach Kabel befördert, um von dort in vorbereitete Privatquartiere in Eiserfeld und Hilchenbach gebracht zu werden. Sowohl im Zuge wie in den beiden genannten Ortschaften nahm sich die Bevölkerung der Ausgewiesenen mit so lebhafter Teilnahme an, daß diese nachahmenswerten Beweise der Opferwilligkeit allgemein bekannt zu werden verdienen. Im Zuge verteilte ein Engländer 500.000 fl. eine Dame 300 000 M und zwei Herren je 40.000 an die Ausgewiesenen; ein Herr kaufte im Speisewagen eine große Tüte mit Eiern, die ebenfalls e an die Ausgewiesenen zur Verteilung kamen. Eine Dame, die zur Erholung in die Schweiz fuhr, erklärte sich bereit, ein Kind einer ausgewiesenen Familie kostenlos mit in die Sommerfrische zu nehmen. In Eiserfeld wurde den Ausgewiesenen ein sehr freundlicher Empfang bereitet: Der evangelische und der tatholische Geistliche, Vertreter der Gemeinde, der Frauenverein Eiserfeld und der Bahnhofsvorstand Eisenbahninspektor Gendrung begrüßten die Ausgewiesenen und hießen sie herzlich willkommen. In einem mit Bänken versehenen Lastauto der Walzenmühle, das kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, wurden die Familien in ihre Quartiere gebracht. Herr Vergassessor Dreser von der Zeche„Zug" und„Concordia“ stellte in der Siedelung der Zeche wohnlich eingerichtete Räume mit insgesamt 60 Betten bereit; er selbst nahm in seiner Wohnung ebenfalls Ausgewiesene auf; die übrigen Familien kamen in den Wohnungen der Witwe Daub und der Herren Peter Daniel, Karl Heinrich, Marburger und Güttnig unter. Unterkunft und Verpflegung wurden allen Ausgewiesenen lostenlos gewährt. In Hilchenbach kamen die Ausgewiesenen in den Hotels Engelbert Ranke, Müller und Menn unter, in denen ihnen trotz des bevorstehenden Zu zugs von Sommergästen zu sehr mäßigen Preisen Quartier und Verpflegung geboten wird. Möge die vorbildliche Vaterlands= und Nächstenliebe, die von den Siegerländern an den Tag gelegt wurde, alle zur Nacheiferung anfenern, denen sich Gelegenheit bietet. — Aufsehen erregende Verhaftung wegen des Monstranzdiebstahls in Münster. Der zweite Domküster verhaftet. Unter den. dringenden Verdacht, an dem Diebstahl der Galenschen Sonnenmonstranz aus dem Domschatz zu Münster beteiligt zu sein— sei es als Täter oder als Mittäter— ist Donnerslag mittag der zweite Domtüster Ludwig Gräffter von der Kriminalpolihei verhaftet worden. Die Verhaftung geschah, weil l. es nach den neuesten Feststellungen unwahrscheinlich erscheint, daß die Monstranz bei Gelegenheit der Besichtigung durch die auswärtigen Pressevertreter am 11. Juni abhanden gekommen ist, 2. nur noch angenommen werden kann, daß die Monstranz aus dem Tresor gestohlen gestohlen ist und dieser mit allen modernen Einrichtungen gesicherte Tresor nicht mit fremden Schlüsseln und von Unberufenen, die die Geheimstellung nicht kennen, geöffnet werden kann, und Gräffker sich inzwischen in eine Reihe Widersprüche verwickelt hat. Die bisherige Behauptung Gräffkers, daß er die Monstranz am Donnerstag, den 21. Juni, einem„höheren Geistlichen“, einem anderen Herrn und einer Dame, ohne Erlaubnis dazu zu haben, gezeigt habe, ändert Gräffter jetzt in die Erklärung um, daß er an dem genannten Tage einer im Dom weilenden Dame aus Berlin(eine gebürtige Münsteranerin, die sich zurzeit in Ger leve aufhält), angeboten hat, den Domschatz zu zeigen. Als die Dame sich zur Besichtigung bereit erklärte, schloß Gräffker sich, wie es auch sonst immer bei der Besichtigung geschieht, mit der Besucherin in der Sakristei ein. Als er ihr den größten Teil der Schätze gezeigt hatte, frug er sie, ob sie auch die berühmte Monstranz sehen wolle. Als er nun das Etui zur Hand nahm und öffnete, stellte er ohne irgendwelche Zeichen von Erregung fest, daß die Monstranz nicht in dem Etui war. Die Kriminalpolizei steht jetzt auf dem Standpunkt, daß Gräffker entweder die Tat allein ausgeführt und die Monstranz jetzt versteckt hält, um sich später der Früchte seines Diebstahls zu erfreuen, zumal er sich mit dem Gedanken getragen hatte, wegen der geringen Besoldung dem Dom dienst zu entsagen, oder aber, daß Gräffter durch einen dritten oder dritte bestochen und verleitet worden ist, mit ihnen gemeinsam die Tat auszuführen. Was will der Papst? Der Papst weist zunächst auf seine wiederhol ten, seit Beginn seines Pontifikates für die Ruhe Europas und das Heil der Nationen unternomme. nen Versuche hin, einen wahren Frieden und ein dauerndes Einvernehmen unter den Staaten her beizuführen. Die internationalen Beziehungen hätten sich jedoch nicht nur nicht gebessert, sondern kerart verschlechtert, daß sie für die Zukunft zu neuen und ernsten Besorgnissen Anlaß geben. Der Papst hebt dann hervor, daß er gegenüber dieser Lage nicht gleichgültig bleiben könne. Er müsse von jeder Gelegenheit Gebrauch machen, die sich ihm biete, um bei der Herstellung des Friedens mitzuwirken. Deshalb halte er es für seine Pflicht, während zwischen den an dem Konflikt am meisten beteiligten Mächten neue Vorschläge und neue diplomatische Verhandlungen vorbereitet würden, um eine freundschaftliche Lösung der Mitteleuropa und infolgedessen unvermeidlich alle Nationen bewegenden Fragen zu finden, seine selbstlose und unparteiische, sowie für alle wohlwollende Stimme zu erheven. In dem Schreiben heißt es weiter, der Papst richte im Bewußtsein der schwerrn Verantwortlichkeit, die ihm und allen denen zufalle, die in ihren Händen die Geschicke der Völler haben, an sie die inständige Bitte, die verschiedenen Fragen, so die Frage der Reparationen, im Geiste des Christentums noch einmal zu prüfen, der die Forderungen derGerechtigkeit nicht von denen der Barmherzigkeit scheide, auf der das Leben der Völker beruhe. Wenn in der Absicht, die sehr schweren Schäden, die der Bevölkerung oder ehedem blühenden Ländern zugefügt worden seien, wiederherzustellen, der Schuldner einen Beweis des guten Willens, zu einer billigen und endgültigen Verständigung zu gelangen, gebe, indem er ein unpartei isches Urteil über die Grenzen seiner Zahlungsabigkeit anrufe, und den Schiedsrichtern alle Mit tel einer ernsten und genauen Kontrolle zusichere, verlange es die Gerechtigkeit und Nächstenliebe gleichwie das Interesse der Gläubiger selbst und aller der Zwistigkeiten müden und sich nach Ruhe sehnenden Völker, daß von dem Schuldner nicht verlangt werde, was er nicht leisten könnte, ohne seine Quellen und sein Produktionsvermögen bis zu seiner völligen Vernichtung und bis zur Vernichtung seiner Gläubiger selbst zu erschöpfen, nicht zu reden von der Gefahr sozialen Umsturzes, der der größte Ruin ganz Europas wäre und eine ständige Gejahr neuer und noch verderblicherer Verwickelungen wäre. Es sei gerecht, daß die Gläubieer ihren Forderungen entsprechende Bürgschaften erlangt.n. Ihnen sei es überlassen, zu prüfen, ob es in der Tat notwendig sei, unter allen Umständen die Besetzung von Gebieten aufrecht zu erhalten, die für das besetzte Land und für die besetzenden Völker mit großen Opfern verbunden sei. oder ob es nicht besser wäre, die Besetzung durch schrittweise einzuführende Bürgschaften zu ersetzen, die nicht weniger wirksam und sicherlich weniger schmerzlich wären. Wenn die beiden Parteien sich auf dieser Grundlage einigten, würde die Besetzung von Gebieten alsbald gemindert und nach und nach gänzlich aufgehoben werden. Dann könnte endlich der wirkliche Friede zwischen den Völkern hergestellt werden, der gleicheitig die Vorbedingung für eine wirtschaftliche Wiederherstellung sei, die von allen Seiten so dringend gewünscht werde. Die Herstellung des Friedens und die wirtschaftliche Wiederaufrichtung seien für alle Nationen, siegreiche und besiegte, gleich große Güter, so daß, um sie zu erlangen, kein notwendiges Opfer zu schwer sein sollte. Stinnes im Barmer Bankberein. TU. Barmen, 3. Juli. Der Barmer Bantverein Hinsberg, Fischer und Co. in Barmen wird seine auf den 26. Juli d. J. eineberufenen ordentlichen Generalversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 150 Prozent und eine Erhöhung des Aktienkapitals um 250 Millionen Mark unter Ausschluß des Bezugrechtes der Aktionäre vorschlagen. Von den neuen Aktien übernimmt die Firma Hugo Stinnes, mit der der Barmer Bankverein sich über ein freundschaftliches Zusammengehen verständigt hat, bis zu 200 Millionen Mark. Die weiteren 50 Millionen Mark Aktien bleiben wie die schon früher geschaffenen 250 Millionen Mark selbstverwalteter Aktien zur Verfügung der Gesellschaft, die somit auch nach der neuen Kapitalserhöhung ein Viertel des Aktienkapitals beherrscht. Unter den Herren, deren Zuwahl zum Aufsichtsrat beantragt wird, befinden sich 2 Vertreter des Mülheimer Stammhauses der Firma Stinnes. Der Barmer Bankverein erhält durch seine Verbindung mit der Firma Stinnes einen wertvollen Zuwachs seiner geschäftlichen Beziehungen. Der Freundschaftsverkehr des Barmer Bankvereins zu der Allgemeinen Deutschen Kreditan= anstalt Leipzig und der Baverischen Hypotheken und Wechselbank in München sowie seine freund schaftlichen Beziehungen zur Diskontogesellschaft erfahren durch das Zusammengehen mit der Firma Stinnes keine Veränderung. dem im Zenit stehenden Cepheus. Capella im Fuhrmann kommt jetzt wieder höher, nachden sie unterhalb des Poles gestanden hat. Die Sicht barkeit der großen Planeten ist nicht günstig. Merkur und Mars sind unsichtbar, Venus ist noch auf kurze Zeit Morgenstern und nähert sich start der Sonne. Jupiter rechtläufig in der Wage geht anfanglich gegen 1 Uhr, zum Schluß gegen 11 Uhr unter und Saturn rechtläufig in der Jungfran verschwindet zunächst gegen Mitternacht, zuletzt gegen 10 Uhr. beide Planeten kommen dann in den Tag. Die Sonne hat ihren höchsten Stand hinter sich, sie sinkt um 5 Grad nach Süden, und verkürzt dadurch unsere Tage von 16 Stunden 19 Mi nuten auf 15 Stunden 15 Min. An den Tagen 5., 18., 22., 27.—31. treten schwache Meteorschwärme auf, der Monat ist also daran arm. Aus Stadt und Land. Schwerte, 3. Juli. Erinnerungen. 1778 Beginn des spanischen Erbfolgekrieges. 1866 Schlacht bei Königgrätz. 1898 Vernichtung der spanischen Flotte bei Santiago de Kuba. 1990 Aufhebung der Verbannung nach Sibirien in Rußland. Trennung von Staat und Kirche in Frank. 1905 reich. Der Juli ist der erste der Sommermonate, mit den längsten Tagen, so daß es erst gegen 10 Uhr wirklich finster wird, wo alsdann die Sterne erscheinen. Dann finden wir im Westen hoch am Himmel den grozen Bären, und darunter den großen Löwen, daneben nach Süden hin in der absteigenden Eklip. tik die Jungfrau und die Wage, sowie im Südwesten den Raben. Der Süden wird zu beiden Seiten des Meridians durch die Sternbilder der Sommergruppe ausgefüllt, Bootes und Krone sind schon westlich davon. Herkules, Schlangenträger und Skorpion stehen gerade im Süden, während Leyer, Schwan und Adler in der Milchstraße noch ostlich davon stehen und erst gegen Mitternacht den Meridian überschreiten. Dann sind im Osten noch andere Sternbilder wieder erschienen, Schütz, Steinbock, Wassermann und Pegasus, dann die Gruppe aus Andromeda, Perseus, Cassiopeja und ** Der Monat Juli trug bei den Römern, deren offizielles Kalenderjahr am 1. März, dem Amtsantritt der beiden regierenden Konsuln, begann, den Namen„Quintilis“, der dem großen Cäsar zu Ehren, der aus der Familie der Julier stammte, in den Namen„Julius" umgewandelt wurde. Der Juli ist, er soll es wenigstens sein, der heißeste Monat des Jahres, in dem die Hundstage ihren Anfang nehmen. Daß die Ausnahmen von diesem heißen Monat nicht gering sind, ist bekannt, erst 1922 ist fast der ganze Juli verregnet gewesen. Mitte des Monats soll die Brotkornernte beginnen. Zu Mitte des Monats ist auch der Gregoriustag, an dem in Thüringen, Sachsen und Hessen zahlreiche Schulfestlichkeiten stattfinden, die auf alten Stiftungen beruhen. Bekannt sind namentlich die Gregorienfeiern in Leipzig und Koburg. In vielen Orten wird auf den Juli als Reisemonat gerechnet, der Gäste und Verdienst bringen soll. Daß die Landwirte warmes und trockenes Wetter wünschen, ist selbstverständlich. Namentlich Gewitter sind überflüssig, die in einem normalen Juli häufig sind. Zu Ende des Monats macht sich die Abnahme der Tage bemerkbar. Der Sommer steigt abwärts. Ein Teuerungsretord. Das besonders starke Anziehen der Großhandelspreise in der vorletzten Woche(plus 39 Prozent) hat sich in der abgelaufenen Woche erheblich an dem Kleinhandelspreisniveau ausgewirkt, so daß der wöchentliche Verteuerungsgrad der allgemeinen Lebenshaltung eine Retordhöhe aufweist. Nach den Berechnungen der„Industrie= und Handelszeitung“ stieg die Meßziffer der Lebenshaltungskosten in der abgelaufenen Woche von der 8512fachen auf das 11274fache, was eine neue Verteuerung von 32,1 Prozent bedeutet. Die Ernährungskosten, deren Meßziffer sich von 12541 auf 17 476 erhöhte, verteuerten sich um 39.4 Proz. Der Gesamtinder liegt im Durchschnitt der vier Berichtswochen des Juni mit 8113 bereits um 103 Proz. über dem Monatsdurchschnitt des Mai, der 41003 betragen hat, so daß der Juni=Durchschnitt eine dem ungefähr entspre chende Teuerung bringen dürfte ** Für die Kartoffelversorgung bestehen zur Zeit große Schwierigkeiten. Nennenswerte Vorräte an alten Kartoffeln sind nicht mehr vorhan den. Mit der Lieferung aus der neuen inländischen Ernte kann erst in 2—3 Wochen gerechnet werden. Es muß daher jedem Kartoffel händler zur Pflicht gemacht werden, die vorhandenen und in den nächsten Tagen noch wartenden geringen Mengen an alten Kartoffeln zu rationieren und nur in Mengen von etwa 10 Pfund an Verbraucher abzugeben, damit sie nicht nur den kaufkräftigeren Kreisen, sondern der Allgemeinheit zugeführt werden. Die Kar toffelhändler werden noch besonders daralif hinge. wiesen, daß sie, falls sie in dieser Zeit der starto felknappheit größere Mengen abgeben, ** Die„Königin der Nacht“. Seeroman von H. Hill. 8 HNachdruck verboten) 13. Kapitel. Das Kloster Santa Lucia. Als ich wieder zum Bewußtsein erwachte, lag ich auf dem Rücken auf einem schmutzigen steinernen Bett in einer Zelle, die etwa zwölf Fuß Länge auf sechs Fuß Breite hatte, und meine zurückkehrenden Sinne nahmen langsam ihre Tätigkeit wieder auf, indem sie die Stäbe an einem eisernen Gitterfenster zählten, das sich in der entgegengesetzten Wand befand. Wie lange ich da gelegen haben mochte, davon hatte ich keine Ahnung. Ein matter Sonnenschein, der durch die staubigen Scheiben des Fensters flackerte, verriet mir, daß es Tag sein mußte; das war aber auch alles. Als die Erinnerung stärker wurde, und ich wieder in Vollbesitz meiner Geisteskräfte gelangt war, bewegte ich die Glieder, um zu sehen, ob ich gebunden war, und freute mich gewissermaßen, als ich fand, daß ich in dem engen Raum meines Gefängnisses wenigstens frei war. Aber damit war meine Freude auch zu Ende. Als ich an die Szene auf dem Konsulat dachte und an die Art, wie man mich gefangen genommen hatte, knirschte ich in ohnmächtiger Wut mit den Zähnen, als ich erkannte, wie leicht Zavertal und Vizard, über deren Zusammenwirken ich mich nicht mehr dem geringsten Zweifel hingab, mich in die Falle gelockt hatten. Welche Absicht sie auch verfolgten, sie hatten augenscheinlich gesehen, daß ich ihnen feindlich gesinnt war und Verdacht auf sie hatte, und darum hatten sie mich durch List von dem Kommando fortgelockt. Das Merkwürdige dabei war, daß der Konsul sich unbewußt zum Komplizen ihrer Schurkerei gemacht. Um diese Zeit hatte die„Königin der Nacht“ wahrscheinlich schon ihre Reise unter dem Befehle eines anderen Kapitäns fortgesetzt, und die Wut packte mich bei dem Gedanken, daß Aline, ohne zu wissen, was mir zugestoßen war, sich an Bord befand, während die beiden gewissenlosen Schurken jetzt freie Hand hatten, den teuflischen Plan auszuführen, mit dem sie schon seit langer Zeit umgingen. Diese Betrachtungen erhöhten noch den Aerger, den ich über die mir zu Teil gewordene Behandlung empfand, doch nach einer Weile fragte ich mich, welchen annehmbaren Vorwand meine Feinde dem Konsul geliefert haben mußten, daß er ihre Handlungsweise gewissermaßen sanktionierte. Natürlich hegte ich nicht den geringsten Zweifel, daß er selbst düpiert worden war, aber man mußte ihm doch ein ganz außergewöhnliches Märchen erzählt haben, daß er innerhalb der vier Wände des Konsulats gegen einen britischen Untertan Gewalt anwenden ließ. Welches Verbrechens hatte man mich beschuldigt? Aber wie verrucht dieses Verbrechen auch sein mochte, nichts rechtfertigte die außergewöhnliche Methode der Verhaftung. Ich hatte ja vorher keine Erfahrungen mit der italienischen Justiz gemacht, konnte mir aber unmöglich denken daß es bei ihr Gebrauch war, die Angeklagten zu chloroformieren, um sie„zur Ruhe zu bringen“. Als ich soweit in meinen Betrachtungen gekommen war, veranlaßte mich der Selbsterhaltungstrieb, mich zu überführen, ob ich mich denn wirklich in einem Gefängnis befand oder nicht. Der Aufenthaltsort allerdings ließ keine andere Vermutung zu. Die Wände und die Dielen waren von Stein, die Tür massiv und mit Nägeln beschlagen und das Fenster so hoch angelegt, daß seine Schutzwand von eisernen Gitterstäben nur den Zweck haben konnte, eine Flucht zu verhindern;— zufällig hatte man sie gewiß nicht angebracht. Da mir lein Mittel, die Stäbe zu durchfeilen, zu Gebote stand, so war eine Flucht auf diesem Wege ausgeschlossen; da aber fiel mir ein, daß ich, wenn ich das Bett hochklappte und hinaussprang, gerade das Fenstersims erreichen konnte; an dieses mußte ich mich dann anklammern, um mir einen Ueberblick über die Umgebung zu verschaffen. Bei dem zweiten Versuch, den ich machte, gelang mir das. Meine Finger klammerten sich an das steinerne Sims, und inde#### ich alle Kräfte anspannte, war es mir möglich, den Kopf soweit hoch zu bekommen, daß ich etwas sehen konnte. Ich sah nur einen alten, ungepflegten, von hohen Steinmauern umgebenen Garten, doch mein Blick fiel auf nichts Menschenähnliches, als hier und da auf eine Statue, die weißlich aus dem Dickicht hervorschimmerte. Die Alleen und Wege, wie auch die Terrassen, waren mit Moos bewachsen, und wie gesagt, vollständig ungepflegt. Jenseits der ziemlich fernen Grenzmauer hob sich der Erdboden etwas, und ich erkannte, daß sich dahinter weites Land erstreckte, dessen Eiutönigkeit nur dier und dg= ganz spärlich— in weiten Zwischenräumen von Häusern unterbroche wurde. Ich hatte festgesteut, daß mein Fenster sich ungefähr zwanzie Fuß über dem Erdboden erhob, doch als ich in die Zelle zurück sprang, wußte ich nichts weiler, als daß mein Aufenthaltsort kein Gefänguis war. Die vernachlässigte Lage des Gesängnisses schloß den Gedanken, der Ort könne ein Regierungsgebäude irgend welcher Art sein, vollständig aus, und der Verfolg meines Abenteuers bewies mir auch, daß ich mich in keinem Kerker befand. Aus der ländlichen Gegend hinter den Wällen schloß ich, daß ich mich irgendwo auf den kleinen Hügeln der Umgegend der Stadt befand, während das Gesängnis, wie' ich ganz genau wußte, in dem geräumigen Gebäude der Via Garibaldi gelegen war. Meine weiteren Betrachtungen wurden unterbrochen, denn ich hörte, wie sich Schritte der Schwelle näherten, denen das Klirren von Schlössern und Riegeln folgte. Einen Augenblick später öffnete sich die Tür, und es erschienen drei gebrännte Italiener, deren Aeußeres der Annahme, ich könne mich in einem Staatsgesänguis befinden, sofort ein Ende machte. Wäre ich von Briganten in einer Bergsestung gefangen gehalten worden, ich hätte keine schlimmeren Wächter haben können, als die finsteren, zerlumpten, nach Knoblauch duftenden Schurken, die jetzt in die enge Zelle traten. Sie trugen alle dicke Eichenknüppel, die sie, nach dem wilden Blick, den sie mir zuwarfen, zu urteiehrgugen bei der geringsten Heraussorderung von meiner Seite gerraum.. würden. Einzeln ware ich woyl mit jedem von geworden, doch da sie zu dreien auftraten, so ließ ich den Gedanken, sie anzugreifen, sofort fallen, um so mehr, da ich ja nicht wußte, wieviel desselben Kalibers zwischen Tür und Angel Einer der Burschen trug einen Topf mit Fleisch, während ein anderer einen mit Landwein halb gefüllten Krug in den Händen hielt. Sie setzten das alles an die Erde, und einer d. ihnen sagte mit einer Geste in englischer Sprache: „Essen, Signor, essen.“ (Fortsetzung folgt.) 95 1 ständen mit der Einleitung eines Verfahrens zwecks Entziehung der Handelserlaubnis zu rechnen haben. ** Vier Sonderzüge, zwei am Donnerstag, den 12. Juli(ab Schwerte 5,28 und 7,35 abends mit 882, resz. 903 Teilnehmern) und zwei am Freitag, den 13. Juli zu gleichen Abfahrtszeiten mit resz. 680 Teilnehmern bringen die Turner der deutschen Turnerschaft aus unserer Gegend zum deutschen Turnfest nach München. Tentonia=Westhofen fährt am Donnerstag mit 46 Teilnehmern im ersten Zug, Ergste mit 12 Teilnehmern im zweiten Zug. Ueber Teilnehmer aus Schwerte selbst konnten wir nichts erfahren. ** Nach einer neuen Anordnung des franz. Oberkommandierenden müssen alle aus der Richtung von Elverfeld kommenden und nach Köln fahrenden Reisenden die Züge vor Vohwin tel verlassen. Die Leerzüge können dann die Station Vohwinkel durchfahren. ### 1000 Mark— 3—4 Goldpfennige. Unter dieser Ueberschrift bringt die Berliner„Illustrierte zeitung“ folgendes traurige Kapitel in fünf Bildern: Für 1500 Mk. bekam man früher drei Stück Rindvieh— jetzt kostet ein Liter Milch soviel. 180000 Mk. kostete früher eine elegant eingerichtete Villa— heute der Preis für ein Paar gute Schuhe. — Für den heutigen Preis eines Brotes bekam man früher schon ein kleines Auto. Für ein Huseisen muß man heute ebensoviel bezahlen, wie früher für ein Renupferd. Für 12 500 Mart bekam man früher 100 Nähmaschinen— jetzt kostet eine Rolle Garn soviel. ** Wucherbekämpfung. Von zuständiger Seite werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß mit Rücksicht auf die ungeheure Steigerung der Lebensmittel die Bestimmungen über Preissteigerungen, Zurückhaltung von Waren, Preisschilder und dergl. mit aller Schärfe durchgeführt werden. ** Der Julipreis für die„Schwerter Zeitung“ ist unter allen Zeitungspreisen der Umgebung am niedrigsten ausgefallen, wie sich heute aus den neuen Preisen der Blätter von Dortmund, Hagen, Hördé, Hamm usw. erkennen läßt. ** Ruhe. Leider muß gesagt werden, daß die Nervosität und Unruhe, die die Bevölterung ergriffen hat, eine große ist. Die Auffassung geht im allgemeinen dahin, daß durch die Zuspitzung der Ereignisse die Entscheidung. die für die nächsten Wochen erwartet wird, nur noch beschleunigt werden kann. Nach wie vor ist aben die Entrüstung und der Abschen gegenüber den französischen und belgischen drakonischen Maßnahmen eine ungeheure. Das ist nicht gut! Man zähme Zunge und Herz. Landwirtschaftliches. Unser bedemendstes Fachblatt Warmblut=Pferdczucht, St. Georg, schreibt in seiner Nr. 6 einen langen Artikel über Bewässerung der Wiesen und Weiden, den wir auszugsweise wiedergeben, weil er für manchen unserer Leser von großem Interesse sein dürfte: Bei dem Bestreben eine Verstärkung unserer Warmblutpserde. d. h. in der Hauptsache Verstärkung des Knochengerüstes und bei der Vorbilligung der Aufzucht sind gute Weiden und WieEin Jugenowort zur Jugenofeier. von Jugendsekretär Predöhl. Wo viele junge Herzen schlagen, da wirds auch den Alten einmal wieder jugendlich zumute. Wir fragen uns: dürfen wir heute Feste feiern? Feste in Stunden höchster Gefahr für unser Volk und Vaterland? Wir dürfen es, wenn wir sie ansehen als Ruhepunkte in unserem Hasten und Jagen, im aufreibendem Kampf, inmitten unserer um= und aufgewühlten Zeit. Wenn wir uns fül len lassen mit neuer Kraft um am Werktag staatsund volkserhaltend zu wirken, dann ist unser Festheute wenn nicht Pflicht, doch aber ganz gewiß berechtigt. Wem gilt diese Feier? Unserer Jugend, unserer werbenden Kraft und unserer Zukunft. Unsere„Alten“ schütteln oft verständnislos den Kopf, wenn sie uns hinausziehen sehen in Wald und Flur, um mit der Natur da draußen in eine innige Lebensgemeinschaft zu gelangen. Das Wandern soll uns wieder nahe bringen aller Einfachheit und Natürlichkeit und Anspruchslosigkeit. Wir wollen hinwegwerfen den ganzen Ballast unreiner Freude von Kino und Tingeltangel. Wir wissen, daß wir erst mit neuen Menschen ein neues, besseres Deutschland erhoffen können. Durch unsere Wanderungen wollen wir uns näher tennen lerneu, und etwas von der Volkseinheit schaffen, die vor Jahrhunderten der kostbare Besitz der deutschen Lande war. Freudelos ist unsere Zeit geworden, ganz besonders von unseren Brüdern jagen viele einem verkehrten und verzerrten Idcalbild nach. Sie kennen nichts mehr von der siegenden Kraft des Christentums. Ihneneist das uns heilige Gottesgebot:„Ehre Vater und Mutter, daß es dir wohlergehe solange du lebst auf Erden“ etwas unbekanntes geworden. Die letzten innerpolitischen Ereignisse haben uns recht gezeigt, daß ein Teil unserer Jugend nicht fern bleibt an Zerstörungs und Radanakten. Diese Jugend zerschlägt ihre eigene Zukunft. Ist das die Jugend auf die Deutschland hoffen soll? Wir wissen, daß unsere Jungen anders denken und nichts mit jenen gemein haben wollen. Das aber genügt nicht. Wir müssen energisch Front gogen sie machen. Und seien ro unsere liebsten sen geradezu ausschlaggebend. Es ist unmöglich, ohne gepflegte Weiden und ohne gute Wiesen ein wirklich starkes Pferd zu bekommen, das auch genügend Draht und Nerv hat und sich leicht fortbewegen kann. Ohne ergiebige Wiesen und Weiden werden die Pferdezucht zu teuer und die Herstellungskosten des einzelnen Pferdes zu hoch. Zur Hervorbringung eines befriedigenden Ertrages bedarf das Grünland einer gewissen Wasser menge und deswegen hat man von jeher auf den Talwiesen die Bewässerung als ertragssteigernde Maßnahmen angewandt. Ist der Grasboden soweir mit Berieselungswasser gesättigt, daß er nichts mehr aufnehmen kann, so muß die Rieselung unterbrochen werden, bis er wieder aufnahmefähig ist. Für die Rieselzwecke eignet sich am besten die Stauung von Gevirgsbächen; denn sie führen naturgemäß die meisten Dungstoffe mit sich und das Flößwasser derselben, langsam durch die Grasnarbe hindurchgerieselt, lagert die wertvollen Dungstoffen ab, die den Graswuchs zu einem üppigen gestalten. Gute Weiden gestatten, die heranwachsenden jungen Jahrgänge unserer Pferde vom Frühling bis zum Herbst ohne jedes Beisutter zu ernähren, während ergiebige Wiesen auf berieseltem Boden ein Rauchfutter lie fern, das an Wirkung dem Hafer nicht nachsteht. ** In den letzten Tagen sind hier einige Typhusfälle vorgekommen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Erkrankungen auf den Genuß von Wasser zurückzuführen sind. Es ist zu empfehlen, Wasser nur in gekochtem Zustande zu genießen. In einem Falle scheint auch der Genuß von Fleisch oder Wurst Erkrankung zur Folge gehabt zu haben. Es wird empfohlen, auch in dieser Hinsicht Vorsicht walten zu lassen. Aus den Probinzen. Düsseldorf. Ein geschäftstüchtiger Junge. Ein kleiner Junge, der von seiner Mutter allein zu Hause gelassen war warf, als er einen Lumpensammler antommen sah. Tischdecken, Bettwäsche, Hemden, Kleidungsstücke usw. durch das Fenster, um es zu Geld zu machen. Hausbewohner und andere Straßenpassanten bemerkten den kindlichen Streich und brachten die auf der Straße liegenden Sachen in Sicherheit. Hameln. Schülertod. Im Eisenbahnzuge wischen Hameln und Hessisch=Oldendorf auf der Rückfahrt von der Schule zum Elternhaus gerieten zwei Schüler des Hameler Gymnasiums wegen eines Buches in Streit. Dabei erhielt der 15jährige Tertianer Reimerdes aus Hessisch=Oldendorf einen so unglücklichen Schlag, daß er wenige Stunden später starb. Düren. Bilderdiebstahl in einer Kirche. In der alten Pfarrkirche imStommeln wurde ein Einbruchsdiebstahl verübt, wobei Millionenwerte gestohlen worden sind. Es wurden drei Oelgemälde, aus alter Zeit stammend, die selige Christiania von Stommeln. die Geburt Christi, sowie das letzte Abendmahl darstellend, mirgenommen. Die Vilder sind aus den Rahmen ent Arbeitskameraden. Wir kennen unsere Pflicht und dürfen weder wanken noch weichen. Um werben zu können braucht man Apostelmut, Apostelkraft und Apostelgeist. Dieses Dreigestirn christl. Werbung muß jeder besitzen, der es ernst mit unserer Bewegung meint. Er muß wenigstens den Willen haben, es gut machen zuswollen. Damit allein ist's aber noch nicht getan. Wer Apostelgeist in sich fühlt, schreitet entschlossen zur Tat. Er muß andere mitreißen durch sein Beispiel. Was er von andern verlangt, darf ihm, in seiner präktischen Auswirkung, nicht unbekannt sein. Das ist das Bild eines echten Werbers. Dieses Ziel mut auch der junge Gewerkschaftler zu erreichen versuchen. Solch eine Persönlichkeit wird Wankenden auf der Arbeitsstätte zum Führer. Unsere Jugend auf her. Fabrik hat diese Führer so bitter Not. Besonders unter glaubens= und sittenlosen Menschen. Ist diesen Leuten an der Seele des jungen Mannes ettras gelegen? O nein! Sie zertreten was jahrelange Erziehungsarbeit aufgebaut hat. Da ergeht an alle Eltern, die auf dem Boden des Christentums stehen, der Ruf, ihre Jungen in den starken Hort der christlichen Gewerkschaftsbewegung zu stellen. Es handelt sich dabei um unsere heiligsten Güter. Diese wollen wir schützen, auch auf der Arbeitsstätte. unsere werbende Kraft liegt in der Persönlichteit und in ihrer weiteren Tiefe ist sie die Verkörperung des Christentums. Wir haben eben auch die Feinde im Innern. Leute, die die Volksgemeinschaft nicht lennen, die sich„gesund“ machen auf Kosten der Volksgesundheit. Ein Pfui solchen Leuten, die noch dazu in Stunden höchster vaterländischer Not es tun. Auch der Unglaube ist unser Feind. Er rüttelt an den Grundfesten der Familie und des Staates. Wie aber stehen wir als christliche Metallarbeiter 1. zur Familie, 2. zu.n Staat? Die Familie ist uns der Wurzelstock der Menschheit; sie stellt die Grundform dar, die sich schon im Uranfang der Geschichte findet worüber die neuere Völterkunde— entgegen den sogenannten Forschungen auf materialistischer Grundlage— ein immer eingehenderes Licht verbreitet und ist mit allen anderen Menschheitsformen unmittelbar verbunden. Die Gedanken der Gerechtigkeit, der Liebe sernt worden. Von den Dieben fehlt bis jetzt jede Spur. Köln. Abgesaßter Devisenschieber. Wegen verbotenen Devisenhandels wurde ein Devisenschieber am Hauptbahnhof, wo er neu eintrefsenden Reisenden Devisen zum Kaufe anbot, festgenommen. Köln. Im Waschkübel verbrüht. In einem Hause an der Karthäuser Straße siel ein dreijähriger Knabe in einen Kübel Waschlange und erlitt schwere Verletzungen. Nach der Einlieferung im Krankenhause starb er. Einbrecher im Sterbezimmer Kaiser Wilhelms I. In der Nacht zum Freitag haben Einbrecher das Sterbezimmer Kaiser Withelms I. heimgesucht. Eine Streife der Schutzpolizei hörte beim Passieren des Palais Unter den Linden das Klirren von Fensterscheiben. Da von der Straße her nichts Auffälliges bemerkt werden konnte, weckte die Streife den Hauspförtner, der nun seststellte, daß Einbrecher durch ein mit Efen bewachsenes Fenster in das Sterbezimmer Kaiser Wilhelms I. eingedrungen waren. Da die Einvrecher bei ihrer Arbeit gestört wurden, ist ihnen nur ein mit Perlen beserzter Griff in die Hände gefallen. Das Gebäude wurde sofort abgesucht, doch konnten die Täter noch nicht ermittelt werden. Dehn Trührmitbangen. TU. Buer, 3. Juli. Für den Bereich der gesamten belgisch besetzten Zone ist von Montag mittag bis Dienstag mittag 12 Uhr der gesamte Verkehr bei Tag und Nacht verboten worden. Das Verbot erstreckt sich auf den Verkehr der Trambahnen, Automobile, Fahrzeuge aller Art usw. Alle Wirtschaften müssen geschlossen bleiben. Es dürsen keine Kundgebungen stattfinden. In der Ankündigung dieser Verordnung wird gesagt, daß die Verfügung mit aller Schärfe durchgeführt werden wird. Frankreich und die Papst-Botschaft. TI. Rom, 3. Juli. In diplomakischen Kreisen macht man aus der Spannung, die infolge der Kundgebung ,des Papstes zwischen dem Vatikan und der französischen Regierung hervorgerufen wurde, kein Hehl. Man weist darauf hin, daß die Botschaft des Papstes durchaus keinen französischfeindlichen Charakter trage und ohne jeden fremden Einfluß entstanden sei. Man hofft in Rom, daß in Frankreich und Belgien bald eine sachliche und besondere Bewerbung der päpstlichen Note Plitz greifen werde. Paris in Unruhe. TU. Paris, 3. Juli. Die von der„Dailn Mail“ heute bestätigte Absicht der englischen Rezierung, mit Frankreich, zu brechen, wenn Poin caré im Verlauf dieser Woche nicht noch einen erbetätigen sich zuerst in der Familie danach im Umkreis familienähnlicher Dorf= und Stadtmeinschaften, weiter im organisch gewachsenen Volk und endlich im Ganzen der Menschheit, sofern man sie als innere organische Einheit auffaßt. Niemals würde eine nur auf Uebereinkommen, auf Kompromisse zwischen Mann und Weib geschaffene Verbindung eine solche elementare innere Kraft entfaltet haben. Die Familie ist eben kein Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse und Formungen. ihre Wurzeln liegen im Herzen Gottes, aus dessen Kraft heraus die fast göttlich anmutende Stärke des Familienbandes herausströmt. Eine Nation ist ja nur eine erweiterte Familie, durchzogen von den Blutadern gleicher Familien= charakterzüge, Familientradition und niemals gane versagendem Familienstolz. Daher ist auch ein Volk, das zu einer Nation zusammengewach sen ist, etwas ganz anderes als was der Sozialismus daraus machen möchte, nämlich eine aus Klassenschichtungen, Klassenkämpfen und Wirtschaftscruptionen konstruierte Summe von Einzelindividnen. Der Sozialismus möchte die Adern und gemeinsamen Blutströme, die durch ein Volk sich tausendfach hindurchziehen, abbinden, möchte unfruchtbare Teile schaffen, wo ein fruchtbares Ganzes waltet; möchte trennen, was urnatürlich zusammengehört. Und dann wagt er es, die Idee der Menschheit als Einheit zu proklamieren und auf Kongressen von der einen Menschheit zu sprechen. Wie aber soll die Menschheit als Einheit bewahrt werden können, wenn die Grundlage der Menschheit, die Volksgemeinschaft, bekämpft wird? Der Sinn einer Arbeitsgemeinschaft, einer Voltsgemeinschaft ist etwas spezisisch Christliches. Als die Sozialistischen Gewerkschaften und das Unternehmertum im November 1918 sich zu einer wirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft mitbekannten, zeigte es sich, daß die Durchsetzung eines solchen Gedankenganges gar nicht möglich gewesen wäre ohne den Geist der christlichen Gewerkschaftsbewegung, die dort— wie die„Soziale Praris“ schon s917 schrieb— wieder einmal den Sauerteig im deutschen Volkskörper abgegeben hat. Wie fühlen wir heute alle die Worte unseres deutschen Dichters E. M. Arndt von Vaterland u. Freiheit. Er sagt: schöpfenden schriftlichen Bericht auf die Fragen des Foreign Office abgibt, beherrscht die öffentliche Meinung. Die englische Presse ist nervös, schreibt der„Intransigeant". Im allgemeinen behandeln die Pariser Blätter das peinliche Thema mit sichtlicher Zurückhaltung und am Quai d'Orsan hüllt man sich in Schweigen. Man erklärt, es liegen noch keine amtliche Mitteilungen vor. St. Aulaire herben heute Vormittag mit Lord Curzon verhandelt und den Erfolg müsse man erst abwarten. Schießerei in Quisburg. TII. Aus dem Ruhrgevier, 3. Juli. Nach Verhängung des verschärften Belagerungszustandes kam es in der Nacht zum Sonntag in einzelnene Stadtteilen von Duisburg zu Schießereien. Dabei wurde im Stadtteil Beet ein 16jähriger Junge durch Schüsse verletzt. Er soll inzwischen im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen sein. Verbot für Branntweinbrennerei. TI. Berlin, 3. Juli. Der Verwertungsverband zur Kartoffelfabrikation hat sich mit dem dringenden Ersuchen an seine sämtlichen Mitglieder gewandt, ihre verfügbaren Vorräte an Kartoffeln, die noch irgendwie zur menschlichen Ernährung verfügbar sind, zur Ablieferung zu bringen und die Verarbeitung von Kartoffeln in den Brauereien sofern es noch nicht geschehen ist, sofort einzustellen, da es Ehrenpflicht der Brauereibesitzer sei, die unter der Not der Zeit schwer leidenden Volksgenossen in der Stadt und in den Industriebezirken mit dem unentbehrlichen Nahrungsmittel, den Speisetartoffeln, zu versuchen, so weit es von dieser Seite aus möglich ist. Die Lage in der Metallindustrie. T##. Berlin, 3. Juli. Die Verhandlungen im Reichparbeitsministerium zwischen den Vertretern des Verbandes Berliner Metall=Industrieller und des Deutschen Metallarbeiter=Verbandes hatten, wie die„Telegr. Union“ erfährt, auch bis in die späten Abendstunden noch zu keinem Ergebnis geführt. Soweit festgestellt werden konnte, ist man auch auf Arbeitnehmerseite geneigt, bezgl. der Lohnregelung für die letzte Juni=Woche Zugeständnisse zu machen und an den bisher geforderten Stundenlöhnen in Höhe von 10000 M pro Stunde nicht mehr unter, allen Umständen festzuhalten. Unter diesen Umständen sind die Aussichten für eine Beilegung des Konflittes etwas günstiger geworden. Ermordung des Vizepräsidenten von Venezuela. Berlin, 2. Juli. Nach Blättermeldungen aus Caracas ist der Vizepräsident von Venezulea Inan Gomez vorgestern Abend im Bett ermordet worden. Die Gründe sind unbekannt. Der Ermordete war der Bruder des Präsidenten Gomez und übte in dessen Namen die Regierung aus. „Wo dir Gottes Sonne zuerst schien, wo dir die Sterne des Himmels zuerst leuchteten, wo seine Blive dir zuerst seine Allmacht kündeten und seine Sturntinde dir mit hl. Schrecken durch die Seele branseten: da ist deine Liebe, dein Vaterland. Wo das erste Menschenang sich lievend über deine Wiege neigte, wo deine Mutter dich zuerst mit Freuden auf dem Schoße trug und dein Vater dir die Lehren der Wahrheit und des Christentums ins Herz grub: da ist deine Liebe, dein Vaterland. Und seien es kahle Felsen und öde Inseln und wohne Armut und Mühe dort mit dir. du mußt das Land ewig lieb haben, denn du bist ein Mensch und sollst nicht vergessen, sondern behalten in deinem Herzen. Auch ist die Freiheit kein leerer Wahn und kein wüster Traum, denn in ihr lebt Lein Mut, dein Stolz und die Gewißheit, daß du vom Himnel stammst. Da ist Freiheit, wo du in den Sitten und Weisen und Gesetzen deiner Väter leben darfst, wo keine fremden Henker über dich gebieten und leine fremden Treiber dich treiben, wie man das Vieh mit dem Stecken treibt. Dies Vaterland und diese Freiheit sind dein Schatz, der eine unendliche Liebe und Treue in sich verschließt: das edelste Gut, was ein guter Mensch auf Erden besitzt und zu besitzen begehrt. Diesen Schatz wollen wir bewahren mit der ganzen Glut unseres Herzens. Wir wollen glauben an unsere Nation, glauben an unser Volk, glauben an Gott und an uns selbst. Vor allen Dingen müssen wir diese starke Hoffnung haben. Ihr Grund ruht auf uns selbst, auf unserem Arbeitswillen, auf unserer sittlichen Spannkraft. Die Weltgeschichte beweist, daß noch nie ein sittlich startes Volk untergegangen ist. Nur das Glas wird vom Hammer zerschmettert. Eisen aber wird durch seinen Schlag gehärtet. Schwächlinge werden vom Unglück zu Boden geschmettert, starke Menschen aber werden geläutert, gehoben. So kann auch die Not der Zeit dem deutschen Volke u. der deutschen Jugend zum Segen werden. * „Einigkeit und Recht und Freiheit!" Diese drei Worte sind in unserer Verfassung festgelegt. Sie mögen uns fernerhin den Weg weisen zu einer goldenen Zukunft. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! * gn die Auge A wit uns zr: bewegung stellen? Nach Ausführungen vom ehemaligen deutschen Reichskanzler Dr. Georg Mi chaelis in seinem Buche„Staat und Volk“(Berlin, Furche=Verlag, Seite 193 bis 197) Es war in Schlesien die Zeit einer weitgreifenden Erweckungsbewegung. Mein jüngster Bruder, der Pastor von Bieleseld, hatte bereits in Westfalen leise Versuche gemacht, uns darauf hinzuweisen, daß dort die Anfänge eines religiös erneuerten und vertieften Lebens zu spüren seien und hatte uns nahelegen wollen, Verbindung mit diesom Leben zu suchen. Wir haben ihn damals nicht verstanden. Die ablehnende Haltung der Kirche und der Mehrzahl ihrer Diener gegen die„neue mystische, aus dem Ausland kommende Richtung" hielt uns und viele ab, der Frage auf den Grund zu gehen, ob hier das suchende Herz Frieden finden könne. In Liegnitz kamen wir mit dem dortigen Gemeinschaftskreis in Verbindung, und im Anschluß an eine von ihm veranstaltete Evangelisa tion, kamen wir zu klarer Erkenntnis des göttlichen Willens und zur freudigen Bejahung des für richtig Erkannten und zur festen Stellungnahme in unserem Leben. Man war und ist in weiten, auch kirchlich und christlich gesinnten Kreisen über das Wesen und den Wert der Gemeinschaftsbewegung im unklaren. Vielfache Abweichungen, Uebertriebenheiten und Verkehrtheiten, die zwar mit der Erweckungs= und Gemeinschaftsbewegung sicherlich irgendwie ursächlich uns zeitlich in Verbindung stehen, aber mit ihrem gesunden und befreienden, erlösenden Gedanken nichts mehr zu tun haben, haben weiter dazu beigetragen, die Ansichten und Vorstellungen zu verwirren. Lichtspiele„Zür Reichskrone Dienstag, Mittwoch, Donnerstag — Ab heute— beginnen wir mit dem großen Romanfilm 1. Tell Drama in 6 Akten mit Biskot Meier, dem bekannten Schauspieler aus Boulevardblut, Kind der freien Liebe, in der Hauptrolle. 1I. Der Weir entstotsen!. Drama in 4 ergreifenden Akten. III. 2236 Lastsziei=Einlage K Bezugsquelle in allen Sorten Futterstoffen u. Anzugstoffen nur la Qualitäten. Prompte Bedienung. Futterstoffabgabe nur an Wiederverkäufer. Tuchlager von Frau Meier Telefon 196. Eingang Hagenerstr. 26. FAMILIENANZEIGEN liefert schnell und billig „Schwerter Zeitung“ Die schönften Handarbeiten 95 Wie alle religiösen Bewegungen, die wir als im wesentlichen Laienbewegungen aus der Wrcen##eschichte kennen, trug auch die Gemeinschafksbewegung die Gefahr der Ausschreitung u. des Schwärmerischen in sich. Aber das Gesunde, das kirchliche Gemeindeleben Belebende und Fördernde hat sich in den drei Jahrzehnten ihres Bestehens klar durchgesetzt, und es ist zu hoffen und dringend zu fordern, daß beim Neuaufbau der Verfassung unserer evangelischen Landeskirche den Erfahrungen der Gemeinschaftsbewegung Rechnung getragen wird. Für den Einzelnen kommt es darauf an, zu erkennen, daß es sich für ihn bei diesen Fragen um geistiges Leben oder geistigenTod handelt. Es ist nicht wahr, daß wir uns damit begnügen müßten, daß unser Glaube an Gott ein schwacher Grund sei, der bei geringer Belastung unter dem Fuße weicht; daß unser Kampf mit der Versuchung und Sünde eine aussichtslose, eine unausgesetzt schmerzliche Folge von Versuchungsfällen, Beschämung, Reue, mehr oder weniger kurzer Bewährung und dann wieder eines ernenten Falles und so fort sei, mit dem schließlichen Stoßgeber:„Ach Gott, ich bitt' durch Christi Blut, mach's nur mit meinem Ende gut"; daß es also im Grunde auf die letzte Oelung. auf den Empfang der Sterbesakramente ankommt. Es soll jeder wissen, daß man auf einen gnädigen Gott und auf Frieden seiner Seele nicht hoffen kann, wenn man ein bewußtes und als Sünde erkanntes Unrecht in seinem Leben duldet. Aber wenn man energisch halt auf dem als falsch erkannten Wege macht und, wie einst Oberstleutnant v. Knobelsdorff, der vielen gebundenen Menschen den richtigen Weg gewiesen hat,„Front“—„Marsch“ kommandiert und den als Richtpunkt nimmt, der unser aller Befreier und Erlöser ist, und dann auch wirklich marschiert. d h. die„Wahrheit tut", begangenes Unrecht gutmacht, schädliche Verbindungen dlöst, das Leben von Gefahrenmöglichkeiten in Gesellschaft und in seinen Passionen befreit, dann kann es jeder erleben. daß ihm sein Glaube Gewißheit und der Stand seiner Gottestindschaft bewußt wird, und daß Frieden und Kraft ins Herz kommt. Dem Aufrichtigen läßt Gott es gelingen: die Wahrheit macht frei. Die Befreiung von der bewußten Knechtschaft unter der Sünde ist nicht Heiligkeit im Sinne von Sündlosigkeit. Hier liegt der gefährliche Punkt bei gewissen Strömungen der Gemeinschaftsbewegung. der zu den traurigsten Folgen führen kann. Der Mensch steht mit seinen natürlichen Kräften und Anlagen zum Guten und Bösen in der Welt und bleibt darin, auch wenn er sich ins Kloster versteckte. Der Kampf ist sein Los. Ueber nichts sind wir erhaben. Der Kampf beschmutzt und befleckt und fordert Reinigung, und so bleibt Luthers Forderung von der täglichen Rener und Buße in Geltung, solange die Menschheit lebt. Aber wer recht kämpfen will, muß an den Sieg glauben, und wenn eine Niederlage erlitten wird, muß es sein, wie es bei der deutschen Armee in ihrer besten Zeit gewesen war; wenn auch ein Schützengraben aufgegeben werden mußte, stets hieß es, den müssen wir wieder haben. Wer den Kampf ausgibt und auch nach einer Niederlage nicht an den Sieg glaubt, ist verloren. Das Geheimnis aber des Glaubens, das uns im Lebenskampfe, wenn er ehrlich geführt wird, aufgeht, ist, daß Christus den Kampf als erster bestanden hat, und daß sein Sieg unser Sieg ist. Menschen, die diesen Glaubensweg gegangen sind und diese Entscheidung herbeigeführt haben, sind keine Kopfhänger und Mucker. Zu einer wirklichen Bekehrung gehört äber mehr Mut als zu einer Pistolenmensur unter dem Zwang herkömmlicher Ehrbegriffe. Die gewonnene Freiheit gibt Sieg, über falsche Standesvorurteile und Kastengeist, über Abhängigkeit von Vorurteilen und falschen Ueberlieferungen und Heute verschied unser Mitglied heinrich Stute. Schwerte, 2233 2. Juli 1923. Zeitung sagte neulich das amerik. Fachblatt 1ron Trade Review: „Die Kw3. Esen. ist die bedeutenöste Zeitung in eheinisch=westfälschen Jndusteiegebiet. Die Zeitung wied hauptsächtlich von den geoßen werhen der Eisenindusteie und des Bergbaues gehalten. Sie verteitt die Interesen der geoßen Eisenwerke und Kohlenzechen. Die Berichte im Handelsteile dieser Zeitung gelten als die zu. KI zu diesem Sterbefall sind 100 Mark Umlage an die Obleute zu —— zahlen.—— Autirrorralung Schwerte. Altes Rathaus. Mittwoch, 4. Juli Mittwoch, 18. Juli nachmittags 2½ Uhr. Holzen. 2237 Mittwoch, 11. Juli Mittwoch, 25. Juli nachmittags 3 Uhr. verläsigsten, die in Deutschland über die so. genannte Schwerindustreieveröffentlichtweeden Mittwoch, d. 4. d. Mts nachmittags 2 Uhr si det au der Feibank Frrischoerrauf statt. 2235 Schlachthofve waltung V ies vorjäglichen Anleitungen und herrlichen Musfern von Beyer's Handarbeitsbücher Kreuzstich, 2 Bände Ausschnitt=Stickerei, 2 Bände Strick=Arbeiten, 2 Bände/ Klöppeln, 2 Bände * Deißstickerei Sonnenspitzen Kunst=Stricken Hohlsaum und Leinendurchbruch/ Das Flickbuch Hätzel-Ar#eiten, 4 Bände/ Schiffchen=Arbeiten Buntstickerei, 2 Bde. Hardanger=Stickerei Buch der Duppenkleidung O„ Soer=Vori für Garenfeld und Geisecke für sofort gesucht. Pro Zeilung Monat(für auswärls) 2112.—. Mk. „Schwerter Gras-Verkauf. Dienstag, 10. Juli, nachmittags 3 Uhr, soll der vorzügliche Graswuchs (Flößgras) von ungefähr 60 Morgen, bei Fabrik Theile, Chaussee SchwerteErgste, nummerweise gegen Barzahlung, verkauft werden. 2234 von Fürstenberg'sche Renteiverwaltung Dahlhausen. 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Wer den Kampf nicht mitgemacht und den Sieg erfahren hat, wie soll der begefstert davon reden! Wer keine Freiheit bekommen hat, wie soll er andern die Fesseln lösen! Wen kein inneres Leben zu Gleichgeführten zieht, wie soll er Gemeinschaft haben und fördern! Daher der Tod im Topf, die leeren Kirchen, das erstarrte Gemeindeleben. Und am schlimmsten liegk es bei den Totorthodoxen, die der Meinung sind, die rechte Lehre sei die genügende Voraussetzung der Gotteskindschaft. Da lob' ich mir einen freimütigen, aufrichtigen Mann, der getrost bekennt, welche Schwierigkeiten des Glaubens= und Kampfeslebens er noch habe, der aber ehrlich das Eine, das ihm„wie er fühlt, nottut, sucht. In großen Zeiten der Geschichte des Reiches Gottes reißt sich der Strom, wenn im Strombetk Hindernisse liegen und sich auftürmen, ein neues Flußbett, wie es zu Luthers Zeiten geschah. Die Kirche muß den Geist der Zeit erfassen. Ein bloßes Instandsetzen des Vorlandes, ein Verstärken der Deiche nutzt nichts. Wächst die Flut der religiösen Erweckung— und solche Witterungsberichte liegen vor—, dann soll man geeignete Eingangstore in das Ueberflutungsgebiet schaffen. Eine wahre Volkskirche tut uns not, unter tätiger Mtarbeit der Laienhilfe und reger Befruchtung des Gemeindelebens durch geistgewirkte, religiöse Fluten im Volke. billis des alltäglichen Bedarfes für Private und Behörden können eingedeckt werden, wenn dieselben sofort in Auftrag kommen, da Aberas zu haben oder vom * V e r l a g O u o B e y e r, L e i p z i o- T. 4 Bltusg.. Dosischech=Konte 32279— Muib Ja P O1 macht das Haar duftig, voll, locker, seidenweich und erhält es gesund. Javol, das Kräuterhaarwasser und Javol= Kopfwaschpulver sind in Apotheken, Drogerien, Parfümerien und bei Friseuren zu haben. bedhhnnnbnnbbonbnnnbnnrene Technikum Lemgo (Lippe) äöhere ech nische Lehranstalt Staatskommissar. die Papierpreiseständig steigen. Durch sofortige Auftragserteilung werden tausende von Mark erspart. 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