Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatdlätter u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung Unser Blatt uUnterhaltungs- u. Romanbeilage. u Spiel, Sport und Curnen. u Jilmkritik. Kunst u. Wissen.n Gartenratschläge. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Oolksblatt Desthofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Zeitung" erscheint werktäglich.n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richter in Schwerte. Ce. 62. Nr. 119 Donnerstag, 24. Mai 1923 56. Jahrgang Zum Geleit. Den Rhein entlang und die Ruhr entlang Heere in Flimmer und Schimmer. Den Rhein entlang und die Ruhr entlang Glocken wie Sterbegewinner. Was geistert da grau? He. Bettelbub, halt! Ein Wald nur der Teutoburger Wald. Der Wald, dem die Väter entstammen... —— Und ein Volk rückt schweigend zusammen Rud. Herzog. Neueste politische Nachrichten. Der durch den Rücktritt Bonar Laws herbeigeführte Wechsel in der Leitung des englischen Kabinetts wird wohl eine, kurze Verzögerung in der Ausgabe der deutschen Ant wortnote nötig machen, da man vorher die Richtung kennen lernen möchte, mit der sich gewisse neue Strömungen nach der Ernennung des Nachfolgers bewegen könnten Für den als Opfer seiner Pflichterfüllung gestorbenen Polizeimachtmeister Traub fand in Mannheim gestern eine ergreifende Trauerfeier statt. In Sprockhövel sind 350, in Schee 50 Mann des 5 marokkan. Schützenregiments eingetroffen. * In Hengstey nahmen zwei französische Soldaten 2 Zivilisten, anscheinend Spione, in Empfang, um sie sicher nach Düsseldorf zu begleiten Dieser Vorgang hat sich bereits öfters abgespielt. * Hengstey. Die Hengsteyer= und Dorfstraße sind aufgerissen worden, um die Durchführung der Verordnung über das Mitführen französischer Elaubnisscheine für Kraftwagen aller Art, auch für Lebensmitteltransporte zu er zwingen. * In den badischen Anilin= und Sodafabriken zu Ludwigshafen sind die von den Franzosen eingestellten Arbeiter ununterbrohen von 4 Uhr morgens bis 7 Uhr abends in verschiedenen Schichten damit beschäftigt, die beschlagnahmten Farbstoffe abzufahren. * Der polnische Seim nahm einstimmig einen Antrag der Rechtsparteien an, in dem die Regierung aufgefordert wird, alle rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Mittel anzuwenden, um die Polen in Danzig zustehenden Rechte zu verDir tägliche kot. wirklichen. Die Frostschäden haben in den Weinbergen des unteren Rheingaus teilweise bis drei Viertel der Ernte vernichtet. Weitere schwere Schäden hat das Hagelwetter am 8. Mai angerichtet. * Bei Balderschwang im Allgäu ist ein Fels sturz aus 50 Meter Höhe mit Donnerkrachen niedergegangen. Der Verkehr auf der Landstraße wurde in 150 Meter Länge unterbrochen. * In Mittelgründan gab, nach einer Eigenmeldung aus Gelsenkirchen, der etwa 46jährige Lehrer Knies auf seinen Kollegen Uhl mehrere Schüsse ab, die diesen tödlich verletzten. Dann tötete er sich selbst. Die Ursache ist in Familien= zwistigkeiten zu erblicken. * Wolkau bei Nossen ist der dem König Al bert von Sachsen errichtete Gedenkstein um gestürzt und ras darauf angebrachte Bronze= und Messinzkrenz abgesägt und gestohlen worden. * Auf der Rebenstrecke Feucht=Altdorf bei. Nürnberg wurde ei Automovil von einem Personenzug überfahren und vollständig zertrümmert. Personen wurden hierbei teils schwer, teils leicht verletzt. Hohe Steuern sind schlimm, noch schlimmer ist die Teuerung der Lebenshaltung. Tausende sind jetzt so weit, daß sie den Bestand ihres bescheidenen Vermögens angreifen und dies also von Woche zu Woche verringern müssen. Wovon sie schließlich leben sollen, an die Beantwortung dieser Frage denken sie mit banger Sorge. Die Versuche, die Lebensmittelpreise, wie sie wirklich sein sollten, der Valuta anzupassen, sind nicht geglückt, denn es ist kein Zweifel, daß eine ganze Anzahl Waren höher im Preise stehen, als sie nach dem Dollar sich einstellen müßten, mit dessen Kurs sie direkt nichts zu tun haben. Die Entwertung der Mark ist auch nicht so groß, wie es nach dem Dollar scheint. Das ist ein Trugspiel, weil dessen Kurs im Ausland und nicht bei uns bestimmt wird. Die Not in Deutschland wird also wieder einmal künstlich hervorgerufen. Die Notwendigkeit, Abhilfe zu bringen, ist so groß, daß sie zu den allerersten Aufgaben unserer inneren Wirtschaft gehört. Wir verlieren nicht nur körperliche Kräfte, die Verarmung unserer Bevölkerung nimmt auch tagtäglich zu. Es geht nicht an, daß wir den geringen Besitz, den wir noch unser eigen nennen, in alle vier Winde zerflattern lassen. Die Markentwertung macht tatsächliche und starke Fortschritte dadurch, daß unser Besitz in Ausgaben für des Leibes Nahrung und Notdurft angelegt werden muß, denn darauf läuft schließlich alles hinaus. Es bleibt doch nicht dabei, daß das in Papiergeld angelegte Vermögen verausgabt wird, sondern die Reihe„versilbert" zu werden, wird auch an die Sachwerte herankommen. Einen Ersatz für das zersplitterte Vermögen bildet der Neudruck von Banknoten selbstverständlich nicht, denn damit werden keine wirklichen neuen Werte geschaffen. Die beträchtliche Erhöhung der Gehälter und Löhne gestattet wohl, jeder Preis zu bezahlen, aber es ist schon mehr als zweifelhaft, ob sie größere Ersparnisse, oder überhausi Ersparnisse gestattet. Von einer Schonung des Besitzes kann kaum die Rede sein, und so wird eine Milliarde nach der anderen auf Verlustkonto geschrieben werden müssen. Wenn es zunächst auch die mittleren und kleineren Vermögen sind, die in dieser Weise in Mitleidenschaft gezogen und in sich selbst aufgelöst werden, so ist doch vorauszusehen, daß die Wirkung auf den größeren Besitz nicht ausbleiben kann. Der geringe Wert vom Eigentum stellt die vielen kleinen Quellen dar, die sich in den großen Strom des Milliarden=Vermögens ergießen, und wenn die ersteren versiegen, so ist auch eine Sentung des Wasserspiegels des Flusses zu verzeichnen. Daß die Verringerung der Vermögens=Substanz die steuerliche Leistungsfähigkeit sehr beeinträchtigen wird, ist selbstverständlich, und der Steuerdruck wird dadurch umso härter. Schon vor Monaten ist über diese Frage im deutschen Reichstage sehr eingehend verhandelt und darauf hingeDie Streiklage in Dortmund wiesen worden, wie verhängnisvoll dieser Punkt auf das Wirtschaftsleben in Deutschland zurückwirken kann. Es ist nicht angebracht, sich allerlei schönen Hoffnungen hinzugeben, wir müssen das Geld, das wir brauchen, auch tatsächlich haben und dürfen nicht darauf bauen, daß ein günstiger Zufall es uns in den Schoß weht. Die deutsche Vermögens=Substanz zu vermehren, mag sehr schwer erscheinen, die Pflicht dazu ist indessen unabweisbar. Wer in seiner Wirtschaft sich verbessern will, der muß einen Ueberschuß zu erzielen, das heißt, zu sparen, die unnötigen Ausgaben einzuschränken suchen. Auch hier darf es nicht heißen, auf ein paar tausend Mark kommt es nicht an, denn der offenkundige Wille, das Geld zusammen zu halten, ergänzt schon von selbst, was an dem tatsächlichen Geldbestande mangelt. Die Verteuerung der Lebenshaltung würde durch den hohen Dollarstand nicht in dem Maße beeinflußt worden sein, in dem es geschehen ist, wenn im deutschen Volke der Wille, nicht jeden Preis zu zahlen, stärker gewesen wäre. Brothreises! Vierfacher Abgabepreis für Getreide. Das Reichskabinett hat beschlossen, den Abgabepreis der Reichsgetreidestelle ab 4. Juni von 200 000 auf 800000 zu erhöhen. Da die beschlossene Erhöhung nur einen Teil des Brotgetreides etwa drei Fünftel— beeinflußt, wird sie nicht etwa in einer Vervierfachung des Brotpreises. sondern je nach den örtlichen Verhältnissen durchschnittlich nur in einer reichlichen Verdoppelung des Brotpreises sich auswirken. Die Hinausschiebung des Termins bis zum 4. Juni, die auch für die Vorbereitungen durch die Kommunen notwendig ist, soll die Möglichkeit geben, daß die öffentlichen Verbände und das Wirtschaftsleben sich mit den Gehältern, Löhnen, Unterstützungen usw. auf den neuen Brotpreis einrichten, damit der Brotpreis für die verbrauchende Bevölkerung tragbar ist. Zur Begründung der beschlossenen Preiserhöhung wird ausgeführt: Die letzte Preisfestsetzung auf 200000 Mark für abgegebenes Getreide stammt vom Anfang Januar. Diese Preisfestsetzung ist durch die Entwicklung längst überholt, da der Preis für Auslandsgetreide beim Roggen jetzt rund 1¾ Millionen Mark beträgt und auch der Preis für die zweite Hälfte des Umlagegetreides inzwischen auf durchschnittlich 600000 Mark festgesetzt war. Dadurch sind im Laufe der Zeit derartige Verluste bei der Reichsgetreidestelle entstanden, daß die Reichsregierung trotz ihres Bestrebens, auf die gesamte Preisgestaltung mäßigend einzuwirken, eine Fortsetzung des bisherigen Vorschußsystems bei der Reichsgetreidestelle nicht mehr für tragbar erachten kann. beit einzelner Betriebsabteilungen längere Zeit aufgehalten wird. Die Gewerkschaften haben sich gegen den Streik ausgesprochen und fordern in Flugblättern zur sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit auf. Auf der Zeche Scharnhorst war die Mittagsschicht am Sonnabend vollzählig eingefahren. Die Belegschaft beschloß, den Streik abzubrechen. Blutige Unruhen in Gelsenkirchen. Gelsenkirchen, 24. Mai. Im Laufe des heutigen Tages kam es hier zu schweren Ausschreitungen, die schließlich in blutige Kämpfe ausarteten. Man begann auf dem hiesigen Fleischmarkt eine gewaltsame Herabsetzung der Preise für Fleisch, Fett und Fisch. Der Markt war von einer außergewöhnlich starken Menge besucht. Im Anschluß daran drangen Teile dieser Demonstranten in die innere Stadt und versuchten die Herabsetzung der Preise in einer Anzahl von Lebensmittelgeschäften durchzuführen. Inzwischen hatten die meisten Geschäftslokale ihre Betriebe geschlossen. In den Geschäften, in denen man die Preise herabgesetzt hatte, wurde die Ware innerhalb einer Stunde verkauft. Inzwischen waren, da die Bewegung einen immer drohenderen Charakter annahm, sämtliche Feuerwehren der Stadt und der Industrie, sowie der Selbstschutz alarmiert worden. Gegen Mittag zeigte sich folgendes Bild: Den vereinigten Feuerwehren und dem Selbstschutz war es gelungen, die dem Polizeipräsidium anliegenden Straßen von den Demonstranten zu säubern. Kurz nach 3 Uhr sammelten sich gewaltige Menschenmassen, vom Hauptbahnhof tommend, an, die immer mehr Zustrom aus den einzelnen Stadtteilen und aus der Umgebung erhielten. Mittlerweile war bekannt geworden, daß eine von den Kommunisten im Krustallpalast einberufene Versammlung nicht stattfinden sollte, weil die Straßen dazu gesperrt waren. Plötzlich drangen mehrere Hunderrschaften der Kommunisten, die aus der Ringstraße kamen, mit Stöcken und anderen Wafsen versehen, vor und mischten sich unter die Menge am Hauptbahnhof. Als in diesem Augenblick ein Wagen der Feuerwehr vorüverfuhr, wurde er demoliert, ebenso ein Wagen der Straßenbahn. Plörlich entwickelte sich eine große Schießerei. Die Annahme, daß die Franzosen in den Kampf eingegriffen hatten, hat sich nicht bewahrheitet. Der Kampf dauerte mehrere Stunden und war abends 10 Uhr noch nicht abgeschlossen. Bisher sind vier Tote und über 20 Verwundete in den Krankenhäusern untergebracht. (Siehe auch Letzte Nachr. ist unverändert. Gestern nachmittag fanden auf dem Hansaplat Massenversammlungen der Kommunisten statt. Die Versammlung verlief ohne Zwischenfälle Gegen Abend demonstrierten im Norden der Stadt kommunistische Hundertschaften auf den Straßen. Zwei Hundertschaften belagerten die Polizeiwache in der Steinstraße. Die zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern geführten Verhandlungen haben zu keinem Ergebnis geführt, neue Verhandlungen werden in den nächsten Tagen stattfinden. Der Magistrat und einige Gewerkschafttverhände erlassen öffentliche Warnungen und ermahnen zur Ruhe. TU. Dortmund, 24. Mai. Die 5 kommunistischen Versammlungen waren außerordentlich stark besucht. Sie dauerten nur kurze Zeit. Als sie beendigt waren, zerstreuten sich die Teilnehmer ohne daß es bisher zu Zwischenfällen gekommen ist. Die Forderungen der Streikenden lauten jetzt: Sofortige Auszahlung einer einmaligen Zulage von 150 000 e für Ledige und 200 000 für Verheiratete; dazu eine 50proz. Lohnerhöhung ab 1. Mai und eine weitere 50proz. Erhöhung ab 16. Mai. Ein Hochofen geplatzt. Infolge des plötzlich ausgebrochenen Streiks auf der Dortmunder Union ist dem Werk ein ungeheurer Schaden entstanden. Es ist ein Hochofen geplatzt, da sich die Arbeiter weigerten, ihn abzustechen. Der Materialschaden gehr in die Milliarden. Durch diesen Schaden entsteht der Arbeiterschaft selbst ein großer Nachteil, da dadurch die Arder Türkei an Griechenland? TUI. Lausanne, 21. Mai. Die Lage in Lausanne hat sich einer Meldung der„Chikago Tribune" zufolge gestern sehr verschärft. Isnid Pascha soll den englischen Vertreter Sir Macdonald Rumbold gefragt haben, welche Haltung England im Falle eines Krieges zwischen der Türkei und Griechenland einnehmen würde. Die Antwort des englischen Delegierten wird in dem Blatt nicht angeführt. Weiter heißt es: In den letzten 21 Stunden hat sich die Lage in Lausanne infolge der griechischen Ablehnung, an die Türkei Reparations= zahlungen zu entrichten, so sehr zugespitzt, daß der Ausbruch des Krieges noch vor Ende der Woche erwartet wird. Die Meldung von der Zerstörung der Maritzabrücke durch die Türken, um das griechische Vorgehen zu verhindern wurde der türkischen Delegation von der Regierung in Angora mitgeteilt. Die parteipolitische Panlskirchenfeier. München, 24. Mai. Die Feier in der Paulskirche zu Frankfurt wird noch ein politisches Nachspiel haben. Die bayerische Regierung hatte die Einladung wohl erhalten, aber abgelehnt, nach Frantfurt a. M. zu gehen, weil nach Ansicht der bayerischen Regierung und der Mehrheit des bayerischen Volkes jetzt weder Zeit noch Stimmung ist, ein 75jähriges Jubiläum zu feiern. In politi schen Kreisen verlautet, daß von München aus die sozialistischen Sicherheitsabteilungen, die sog. Auergarde, nach Frankfurt a. M. veordert war, um dort den Sicherheitsschutz des Reichspräsidenten Ebert zu bilden. Militarismus und Arbeitermänger in Frairreih Die französischen Konsulate und Missionen in Polen und der Tschechoslowakei werden Arbeiter, besonders Vergleute zur Arbeit in Frankreich. Es wird ein sehr hoher Lohn und freie und gute Unterkunft versprochen. So wird in Polnisch=Oberschlesien ein Bericht des Wohnungsausschusses des Verbandes französischer Gruben veröffentlicht, in dem den fremden anzuwerbenden Grubenarbeitern geradezu das Paradies versprochen wird. Es ist erstaunlich, wie Frankreich auf einmal für die Landfremden sein soziales Herz entdeckt hat, vor dem die eigenen Arbeiterkategorien so wenig verspüren. Der Bedarf an Arbeitern und Bergleuten in Frankreich ist im Augenblick so groß, daß er kaum befriedigt werden kann. Aus Polen werden allwöchentlich größere Transporte nach Frankreich geführt. Am 11. April ging ein solcher Arbeitertransport über Danzig nach Frankreich, denen am 13., am 20. und 24. April bereits weitere folgten. Der Bedarf Frantreichs ist aber noch lange nicht befriedigt, die Werbungen in Polen wie auch der Tschechoslowakei werden von den Franzosen mit allen Mitteln und Versprechungen betrieben. Wir führen die Tätigkeit der französischen Mission in einer einzigen Stadt, in Myslowitz, deshalb besonders an, um an diesem Beispiel zu zeigen, wie groß der Arbeitermangel in Frankreid sein muß. Wir fügen dazu den Bedicht aus einer Versammlung der„Federation des Industriels et des Commercants Francais“, die vor kurzem in Paris zur Lösung dieser Frage des Arbeitermangels tagte. Nach diesem Bericht tritt der Mangel an Arbeitskräften am stärksten in Erscheinung in der Schuh= und Lederindustrie, der Textilindustrie, der Landwirtschaft und in den französischen Gruben. Wir greifen die Textilindustrie heraus. Sie ist im Bezirk Lille=Roubaix=Tourcoing, also im ehemaligen Kriegsgebiet, gegenwärtig zu 90 Prozent ihres Vorkriegsstandes wieder betriebsfähig. Sie kann aber in den Spinnereien nur 50 bis 70 Prozent der Vorkriegsleistung, in den Webercien nur bis zu 60 Prozent aufbringen, einfach, weil die erforderlichen Arbeirer nicht vorhanden sind In dieser Sitzung erklärte der Vorsitzende der Ver einigung französischer Landwirte, die Zulassung ausländischer Arbeiter sei unvermeidlich, um nur einigermaßen die gegenwärtige Krisis zu überwinden. Auch über die Gründe dieses in fast allen Wirtschaftszweigen bestehenden Mangels an Arbeitskräften wurde diskutiert. Man gab den Kriegsverlusten an Menschen die Schuld, der rückläufigen Bewegung der Geburten und der Erweiterung der französischen Industrien. Aber man hütete sick wohlweislich, an die Hauptursache zu rühren, an den französischen Militarismus. Frankreich hält dauernd 800000 Mann der leistungsfähigsten Altersklassen unter den Fahnen, und das bei einer Gesamtbevölkerung von nur etwas über 40 Millionen. Würde es nur die Hälfte dieser 800 000 Mann produktiver Arbeit zuführen, es wäre kein Arbeitermangel in Frantreich. Die französische Industrie brauchte nicht in Polen, der Tschechoslowakei, in Jugoslavien und Italien monatlich tau. sende von fremden Arbeitern anzuwerben. Sie brauchte nicht Millionen für den Van-von ganzen Häuserreihen für diese Einwanderer aufzubringen. Und wozu braucht Frankreich dieses 800 000 Mann=Heer? Es sabotiert den Frieden und den Wiederaufban Europas, es legt im Ruhr= und Rheingebiet die deutsche Wirtschaft lahm, führt eine Politit der Zerstörung. Und die Kosten dieser Zerstörungspolitik muß— Deutschland tragen. Mehr als ein Viertel der französischen Armee steht heute auf deutschem Boden. Mehr als 5 Milliarden Goldmark hat der Besatzungswahnsinn am Rhein schon getostet. Das Heer schma rotzt, faulenzt und für die Arbeit in Frankreich müssen fremde Arbeiter importiert werden. Wie lange soll dieser Irrsinn noch währen: auf der einen Seite 800000 Mann unter den Waffen, auf der anderen Seite Arbeitermangel. Aus Stadt und Land. Schwerte, 24. Mai. Erinnerungen. 1543 Der Astronom Kopernikus gest. 1784 Der 27jährige Freiherr vom Stein tritt seinen Dienst als Direktor der westfälischen Bergwerke an. Ihm ist der Aufschwung des Kohlenbergvaues im Ruhrrevier zu danken 1848 Geburtstag des Wilhelm Karl Otto Lilien= tahl. Er stammt aus einer aus Schweden eingewanderten Familie, wurde Ingenieuund begann nach zwanzigjähriger Beobachtung des Vogelfluges mit einer Reihe von über tausend Schwebeflügen. Am 9. August 1896 stürzte er bei einem Flugversuch tödlich ab. 1848 Die Dichterin Anette Freiin von DrosteHülshoff gestorben. 1872 Der Maler Jul. Schnorr von Carolsfeld gestorben. 1915 Italien bricht den Dreibundvertrag. * Haus und Nun sind schon sechs Wochen vorbei, seit das neue Schuljahr seinen Anfang genommen. Von neuem begann die gemeinsame Arbeit der Eltern und der Lehrer zum Wohle der Kinder. Es wird viel darüber geklagt, daß man noch zu wenig Gewicht auf die Gemeinsamkeit legt. Zahlreiche Eltern nehmen sich nicht die Mühe, gelegentlich mit den Lehrern über ihre Sprößlinge Rücksprache zu halten. Sie schicken ihr Kind einfach in die Schule und freuen sich, wenn es etwas„lernt“. Allein das Lernen macht nicht den Wert der Schule, das Lehren nicht den Wert des Lehrers aus, und das„Gelernte“ gewährleistet noch lange nicht, daß der Schüler dermaleinst ein tüchtiger selbständiger Mensch wird, wie ihn Zeit und Leben erfordern. Die Schule soll ebenso„erziehen“ wie das Elternhaus. Da aber nun jedes Kind anders geartet ist und obendrein viele Kinder sich in der Schule anders geben, als zu Hause, so ist es eben notwendig, daß Eltern und Lehrer sich aussprechen, sich kennen lernen und gegenseitig ergänzen, nicht nur in ihren Erfahrungen, sondern auch in der Methode der Behandlung, in der Bewertung des Charakters, der Befähigung und der Fehler des Schülers. Andererseits müßte freilich auch der Lehrer noch ein größeres Interesse haben an dem häuslichen„Milen“ seiner Schüler, um ein besseres Urteil zu gewinnen über die Frage, inwieweit ein Kind selbst Schuld trägt an mangelndem Ordnungssinn, an Nervosität, Nachlässigkeit, Trägheit usw. Man könnte wirklich wünschen, daß die Lehrer zu Elternbesuchen verpflichtet werden. Diese„Arbeit“ wäre für den Lehrer nicht um ständlicher, als wenn eine Menge Eltern ihm selbst in die Wohnung kommen. Wie sollen Haus und Schule zusammengehen, wenn Eltern und Lehrer nicht oder fast nicht zusammenkommen? In dieser Beziehung müßte wahrlich noch viel mehr getan werden, als jetzt geschieht. * ** Ferien an den Schulen in Westfalen. Die in der Woche vor Pfingsten mitgeteilte Ferienordnung gilt nicht für Rheinland und Westfalen. Für Westfalen gilt die schon vor Östern bekannt gegebene Ferienordnung, die, um allen Irrtümern vorzubeugen, hier moch einmal wiederholt sei: Schluß des Unterrichts: Wiederbeginn d. Unt.: Pfingstferien: Freitag, 18. 5. Dienstag, 29. 5. Sommerferien: Mittwoch, 1. 8. Donnerstag, 6. 9. Herbstferien: Dienstag, 30. 10. Mittwoch, 7. 11; Weihnachtsferien: Freitag, 21, 12. Dienstag,§. 1. Schluß des Schuljahres: Freitag, 4. April 1924. Diese Ferien gelten für alle Schulgattungen (Volks=, Mittel= und höhere Schulen) in Orten mit höheren Schulen oder Lehrer=(Lehrerinnen=) Seminaren. Die Volks= und mittleren Schulen in anderen Orten Westfalens haben die gleichen Pfingst= und Weihnachtsferien, wie oben angegeben. Die Sommer= und Herbstferien liegen dort aber anders und werden jedesmal für die einzelnen Landkreise gesondert festgesetzt und bekannt gegeben. ** Der neue Werkunterricht in der Volksschule. Der Werkunterricht in den vier oberen Jahrgängen der Volksschule soll nach den dafür aufgestellten Richtlinien nicht nur der Ausbildung der Schüler, sondern auch den Bedürfnissen der Schule dienen. Wo die Werkarbeit in größerem Umfange durchgeführt werden kann, beginnt sie zweckmäßig mit dem Unterricht in leichter Holzarbeit, setzt sich mit dem Unterricht in Papparbeit fort und erstreckt sich danach auf den Unterricht in Buchbinden, Holzbankarbeit oder Metallarbeit. Im einzelnen soll der Schüler befähigt werden, aus gehobeltem Holz, allenfalls aus Zigarrenkistenholz oder aus Holz von dünnen gehobelten Kisten, einfaches Spielzeug und kleine Gebrauchsgegenstände herzustellen. An der Hobelbank soll er einfache Gebrauchsgegenstände für Haus= und Schulzwecke mit Säge und Hobel aus dem rohen Brett zu arbeiten lernen, dann einfache Draht= und Blecharbeiten herstellen, die in jedem Hause gelegentlich vorkommen oder dem Unterricht dienen tönnen. Das Buchbinden soll sich auf einfache Einbände beschränken. U. U. können dafür bodenständige Heimarbeiten, wie Weiden= und Rohrflechten, Handweben, Besenbinden, Gartenarbeit usw. ausgeführt werden. ** Elektrische Beleuchtung von Volksschulen. Elektrische Beleuchtung durfte nach einer Anordnung vom Jahre 1914 in Unterrichtsräumen und Dienstwohnungen für die Zwecke der Volksschulen nur dann eingerichtet werden, wenn die Schulverbände mehr als sieben Schulstellen hatten. Inzwischen ist auch das platte Land immer mehr mit Strom versorgt worden. Es ist jetzt genehmigt worden, daß bei der Bemessung der Baubeihilfen auch Lichtanlagen insoweit berücksichtigt werden dürfen, als sie mit den Gebäuden fest verbunden werden. Derartige Anlagen sollen aber unbedingt im engsten Rahmen gehalten werden. Die Beschafjung der eigentlichen Beleuchtungskörper soll den Nutzungsberechtigten allein überlassen bleiben. Eine Beteiligung des Staates an den Kosten ist nicht zulässig. Für Beleuchtungsanlagen darf auch kein Patronatsbeitrag gewährt werden. Die Verpflichtung des Patrons beschränkt sich auf die bauliche Unterhaltung des Gebäudes. ** Was soll der Konrektor? Das Amt des Konrektors ist durch das Volksschullehrerdiensteinkommensgesetz geschaffen und als Beförderungsstelle gekennzeichnet. Nach einer neuen Verfügung ist der Konrettor. bei mehreren Konrettoren der älteste Konreltor, der Vertreten des Rettors. Er soll einen Teil der Dienstobliegenheiten des Rektors nach Anhörung der Lehrerkonserenz durch den Kreisschutrart übernehmen. In der Hand des Rektors bleiben müssen Verkehr zwischen Schulbehörde und Lehrkörper, die Lehrerkonferenzen, die Vertretungen, Urlaub usw. Zur selbständigen Bearbeitung können dem Konrektor insbesondere übertragen werden: Leitung der Berufsberatung, der Hilfseinrichtungen wie Speisungen, Gesundheitspflege, Leibesübungen, Jugendpflege, Aufsicht über Reinigung, Heizung und Lüftung der Schulräume, Sparkasse usw. Die Erfindung der Sommerzeit, die jetzt wieder in allen Staaten eingeführt wurde— nur Deutschland hat's nicht nötig gehabt!— ist in ihrer Idec jetzt fast genau 150 Jahre alt! Die erste Anregung hierzu gab nämlich im Jahre 1774 Benjamin Franklin, der auch den Blitzableiter erfunden hat, und der damals amerikanischer Gesandtschafter in Frankreich war. Die Idee hat jedoch bis zum Jahre 1909 niemals praktische Bedeutung erlangt. Erst 1909 wollte sie England wirklich einführen und machte große Propaganda dafür, weshalb die Engländer fälschlicherweise als Erfinder der Sommerzeit betrachtet werden. Der Plan aber scheiterte auch in England immer wieder am Widerspruch des Oberhauses. Die Kriegszeit hat der Idee jedoch endlich Geltung verschafft. ** Der Jahresbedarf an Kleidung. Bei der Berechnung der Reichsinderziffer für die Kosten der Lebenshaltung werden die der Bekleidung nach 15 typischen Gegenständen berechnet. Als Jahresverbrauch der fünfköpfigen Familie wird angenommen: 1 Herren= und 1 Knabenanzug, 1 Mädchenkleid, 2 Frauenröcke und Blusen, 6 Männer= und Frauenhemden, 6 Paar Männersocken, 6 Paar Frauenstrümpfe, 1 Paar Männer= und Frauenstiefel, 2 Paar Kinderstiefel und achtmaliges Besohlen mit Avsätzen von. Männerstiefeln. Der Aufwand hierfür soll auch die Kosten für die sonst noch notwendigen Bekleidungsgegenstände mit umfassen. ** Das Reichsversicherungsamt entschied anläßlich eines Rechtsfalles, daß den Ortskrankenkassen wohl das Recht der Beschwerde zusteht, nach § 530 Abs. 4 der Reichsversicherungsordnung, wenn das Versicherungsamt einen Antrag der Ortskrantenkassen auf Bestrafung von Arbeitgebern, die rechtzeitige An= oder Abmeldung ihres Personals versäumen, nach Prüfung der Sachlage zurückweist. Ist aber dem Antrag auf Bestrafung entsprochen, so sind die Ortskrankenkassen nicht weiter beschwerdeberechtigt, vor allem dazu nicht, eine höhere Bestrafung herbeizuführen. Es können den Ortskrankenkassen Befugnisse, wie sie auf dem Gebiete des Strafrechts hinsichtlich der Rechtsmitteleinlegung der Staatsanwaltschaft zustehen, beim Mangel entsprechender Gesetzesvorschriften nicht eingeräumt werden. ** Vollständige neue Fahrpläne auch im besetzten Gebiet. Der Sommerfahrplan sollte in den Bezirken der Reichsbahndirektionen des besetzten Gebietes ursprünglich nicht vollständig neu gedruckt werden. Man wollte nur Notfahrpläne herausbringen, die blos die Züge enthalten, die voraussichtlich gefahren werden können. Nach neuerer Bestimmung werden aber auch dort vollständige Fahrpläne, wie sie für alle Fälle genehmigt und vorbereitet sind, neu gedruckt. Bei Strecken, die zurzeit der eigenen Betriebsführung entzogen sind, wird vermerkt:„Zurzeit nicht benutzbar wegen der französisch=belgischen Besetzung". Soweit für andere Strecken infolge der Störung des Betriebes Regenbogenlaub. Roman a. d. Harzer Bergen von Heinz E'Monts. 65](Nachdruck verboten.) Lautlos ließ Frau Trautmann sich neben der Tochter nieder. Sie umschlang die wie von Krämpfen Geschüttelte mit weichen Armen, sie küßte ihre rosigen Ohren, sie streichelte ihre tränenüberströmten Wangen. Ein an Schmerzen nicht gerade armes Leben lag hinter ihr. Aber sie hatte daraus gelernt, selbst dem Bittersten den Stachel zu nehmen. Sie war eine gener Frauen, die nur schwach und hilflos sind, solange eine ungewisse Furcht sie quält, und die zu Heldinnen werden, sobald sie sich einer greifbaren Tatsache gegenübersehen. „Rede, mein Kind," begann sie weich,„wie hängt das alles zusammen, was du soeben deinem Bruder entgegengeschleudert hast? Die eine Seite deines Schmerzes habe ich ja schon erraten. Schon damals, an dem Abend, als der alte Bach ermordet wurde, kamst du mir so verändert vor, du liebst den Doktor, nicht wahr?“ Noely hatte die Fassung wiedergewonnen. Sie zwang die Tränen nieder, und der namenlose Schmerz war noch in ihren Zügen, als sie die schimmernden Augen langsam zu der Mutter aufschlug. „Laß das, Mutter! Das ist es nicht; das war ja nur ein schöner Traum. Aber was wird aus August? Mein stolzer Bruder ein Mörder— dein Sohn, der Sohn unseres lieben, guten Vaters, der Wildschütz, von dessen Taten das ganze Gebirge voll ist!“ Sie brach aufs neue in Schluchzen aus. „Ich sterbe daran, ich sterbe daran. Und du und er, ihr beide geht mit zugrunde, wir alle, alle.“ Frau Trautmanns Blick glitt durch das Zimmer, als müßte von irgendwo ein Trost, ein Rat kommen in dieser entsetzlichen Marter ihres Herzens. Er irrte über die blanken Möbel, die blitzende Hängelampe, die zwei zierlichen Vasen aus Meißzner Porzellan, die ihr der Gatte bei der ersten Wiederkehr ihres Hochzeitstages schenkte, und blieb schließlich an der Gestalt ihres Sohnes haften. Das war also das Ende ihres stolzen Mutterglücks, dessen sie sich noch vor einer Viertelstunde so strahlend rühmte. Alle die hoffnungsvollen Blüten am Baume dieses Menschenlebens zerschlagen und zerstört in wenigen Minuten. Der Inspektor lehnte noch immer an dem Tisch. Seine mächtige Gestalt war zusammengesunken. Unverwandt hingen seine Augen an dem Bild des Vaters. Hart und finster erschienen ihm heute dessen Züge, ihm war, als spiele um den festgeschlossenen Mund ein Lächeln unsäglicher Verachtung. „Gustel, mein Gustel!“ Wie ein milder Saitenton traf dieses Wort aus zerrissener Mutterbrust das Ohr des unseligen Mannes. Wer hatte ihn gerufen, wem gehörte diese schmerzdurchzitterte Stimme, in welcher Vorwurf und aufopfernde Liebe sich paarten? Ach ja, es war die Mutter gewesen, die mit diesem halbvergessenen Kosewort mit einem Schlage die Erinnerung heraufbeschwor an die versunkenen Tage der Kindheit und an schöne, sonnige Stunden voll ungetrübten Glücks. Er streckte wehrend die Hände, als befürchte er, diese Bilder zu beschmutzen, die, zu Fleisch und Blut geworden, vor seiner Seele standen. Doch eine fremde, unerklärliche Macht trat neben ihn; eine andere als jene, die ihm draußen im Walde die Büchse an die Wange drückte— eine andere, die weich und milde war, und doch nicht minder zwingend wie die vom Morgen. Sanft geleitete sie ihn vorwärts; Zoll um Zoll und Schritt um Schritt, und plötzlich sank er mit einem gequälten Laut vor Frau Trautmann in die Knie. „Mutter, meine arme, gute Mutter!“ Frau Trautmann war, als zerspringe etwas in ihrem Herzen. Schemenhaft flog ihr die Erkenntnis durch den schmerzenden Kopf, daß sie dieses Wort aus dem Munde ihres großen Jungen auf lange Jahre hinaus zum letzten Male gehört habe, wenn nicht vielleicht für immer. Zitternd faßte sie den Kopf des Sohnes in beide Hände, versuchte mit den Augen der Mutterliebe hinabzusehen in die tiefsten Gründe seines Innern. Stöhnend barg August Trautmann das Gesicht in den Falten ihres Gewandes. „Vergib, Mutter,“ stammelte er,„vergib! Wie ich dazu gekommen bin, weiß ich eigentlich nicht. Es muß das Jägerblut sein, das von Großvater her in meinen Adern geht. Nach der Geschichte mit dem Weißen Hans schien es ruhig geworden zu sein in mir. Aber dann, vor einigen Wochen — da trat ein neuer Moment in mein Leben. Ich wußte von vornherein, daß ich meinem Schicksal verfallen war; ich wußte es und konnte doch nicht zurück.“ Er hielt inne. Seine Augen, die während der tonlos und blechern vorgebrachten Worte sich flehend erhoben hatten zu der zitternden Frau, suchten aufs neue den Boden. Nein, nein! Es war genug, wenn er fiel. Wozu noch andere mit hineinziehen in seinen Sturz? Am allerwenigsten die Försterin. Sie war ein Weib; ein Weib zwar von dämonischem Wesen, das ihn um jeden Halt gebracht hatte — aber immerhin ein Weib, das Anspruch besaß auf Schonung und rücksichtsvolles Schweigen. Frau Trautmann fühlte einen Alp auf ihrer Brust. Sie glaubte umsinken zu müssen, ihre Knie zitterten unter der Wucht des so jäh über sie hereingebrochenen Unglücks. Dennoch bemühte sie sich, mit ihren schwachen Kräften den vor ihr hingesunkenen Mann wieder emporzurichten, und redete auf ihn ein in liebevollen, tröstenden Worten. „Sei ein Mann, August, sei ein Mann! Wer gefehlt hat, muß auch den Mut besitzen, zu sühnen.“ Taumelnd und schwerfällig erhob sich der Inspektor vom Boden. Sein scheuer Blick fiel auf Noely, und ein neues Grauen ließ ihn schier zusammenbrechen. Wie sie da in der Sofaecke kauerte— ineinandergekrümmt gleich einem Wurm und das Gesicht tief vergraben in den Polstern! Auch sie hatte er auf dem Gewissen, seine abgöttisch geliebte, von ihm so sehr verehrte Schwester. „Noely!“ In stummem Jammer faßte er die schlaff über die Sofalehne herabhängende Rechte des Mädchens.„Noely, kannst du mir rerzeihen? Er liegt im Hause des Köhlersepp. Die Verwundung ist nicht gefährlich, und er wird genesen. Der Sanitätsrat ist bereits auf dem Wege zu ihm; ich habe ihn selbst benachrichtigt.“ Langsam wandte Noely den Kopf und sah den Bruder an mit großen, fassungslosen Augen. (Fortsetzung folat.) besondere Fahrpläne eingeführt werden, werden diese soweit alsmöglich durch besondere Bekanntmachungen veröffentlicht. Die neuen Fahrpläne werden ebenfalls ausgehängt und an den betref senden Stellen darin ein Hinweis auf die Störung angebracht. ** Größere Frachtbriefe. Die Frachtbriefe erhalten ein neues Format. De Abmessungen der Vordrucke werden nach einer Verordnung des Reichsverkehrsministers von 380 X 300 Millimtr auf 420 X 297 Millimtr. abgeändert, also etwas größer. Die alten Frachtbriefe dürfen noch bis zum 31. Dezember verwendet werden. ** Die Leistungen der deutschen Post. Ueber die Einrichtungen und Leistungen der deutschen Post finden sich jetzt in der Statistik des Weltpostvereins bemerkenswerte Angaben aus dem Jahre 1921. Postämter gibt es 42 458. Auf 13,4 Quadrat kilometer und auf 1666 Bewohner kommt ein Postamt. Briefkästen stehen dem Publikum 144392 zur Verfügung. Der Einwohner verschickt 80,1 Postsendungen im Jahre, im ganzen im Innern# 2283,5 Millionen Briefe, 923 Millionen Postkarten, 1129,5 Millionen Drucksachen, 39 Millionen Geschäftspapiere, 33 Millionen Warenproben. Nicht weniger als 99 Millionen Postsendungen wurden frei befördert. Zusammen machen diese Briefsen dungen 4,5 Milliarden, genauer 4507,5 Millionen aus. Eingeschrieben wurden fast 89 Millionen. Gewöhnliche Postpakete wurden 223,5 Millionen befördert. Wertbriefe 6 Millionen, Wertpatete 12,75 Millionen, Nachnahmebriefsendungen 40 Millionen, Pakete 22 Millionen, Postaufträge Millionen, Zeitungsnummern 2713 Millionen St verteilt auf 86 Millionen Abonnements. Postwertzeichen wurden 7344,5 Millionen Stück abgesetzt. Die Zahl der Reisenden betrug 6347 486 Postwagen gibt es 19•380. ** Eine tierfreundliche Anordnung der Post. Eine Vorschrift zum Schutze der Tiere hat die Reichspostverwaltung erlassen. Bei den Personenposten dürsen Reisende Hunde nicht neben dem Wagen herlaufen lassen. ** Schwierigkeiten vor Gericht. Die Verkehrsschwierigkeiten in den besetzten rheinischen Gebieten und im Einbruchsgebiet stören auch den Geschäftsgang der Gerichte. Der Justizminister hat deshalb jetzt von neuem sein Bereich darauf hingewiesen, daß geboten ist, bei der Festsetzung von Fristen und Anberaumung von Terminen sowie bei Entscheidungen, die im Falle der Nichtinnehaltung von Fristen oder der Nichtwahrnehmung von Terminen ergehen, auf die bestehenden Schwierigkeiten Rücksicht zu nehmen. ** Das unbeliebte Hartgeld. Im Laufe der Woche sollen nunmehr auch die neuen 500=Mark= stücke ausgegeben werden. Es bleibt abzuwarten ob sich diese Münzen leichter einbürgern werden, als die 200=Markstücke, die man bisher noch wenig im Verkehr sieht, obwohl allein die Reichsbank hauptkasse täglich 60—80 Millionen Mark ausgibt Auch das Reichsfinanzministerium hat alle Behör. den angewiesen, bei Bezahlung voon Gehältern u s. w. sich der neuen Münzsorten zu bedienen. Die 200=Markstücke wurden anfangs in Beuteln zu 400 000 und 200000 Mark ausgegeben. Die Beträge waren aber zu hoch, die Beutel fanden nicht den gewünschten Absatz. Man versuchte es dann mit Rollen zu 10000 Mark; aber auch diese werden nicht überall gern genommen. Jetzt hat man mit der Münze eine Vereinbarung getroffen, die Stücke trotz der hohen Kosten in Papiertüten zu 20000 Mark zu liefern. Solche Beträge werden ohne Zweisel bei Lohnzahlungen sehr leicht Verwendung finden. ** Wozu die 500=Mark=Stücke gut sind. Ein bequemes Kleingewicht werden die neuen Fünfhundertmarkstücke abgeben. Nach dem Beschlusse des Reichsrates sollen sie ein Gewicht von 1 3/8 Gramm erhalten. Drei Stück werden also 5 Gramm, sechs Stück 10 Gramm wiegen. Mit Küchenbenunung. Die wachsende Knapp= heit der Wohnungen hat dazu geführt, daß sich die Zuweisung von Zwangswohnungen mit Küchenbenützung ausdehnt. Die Folge davon ist natürlich, daß zwei Hausfrauen in einer Küche gemeinsam wirtschaften müssen, und das ist ein Punkt, in dem auch zwei sanfte und mild geartete Frauen leicht die Geduld vertieren. Schon wegen der Topfguckerei und dann wegen des rechtzeitigen Anfanges und Beendigens der von jeder Hausfrau ausgeübten Küchenwirtschaft. Und dann die Kritik der beiderseitigen Erzeugnisse! Das ist vielleicht die allerheikelste Stelle, denn keine Frau läßt die eigenen Leistungen auf dem Kochherde' gering abschätzen. Es muß gehofft werden, daß mit der wohnungslosen auch die küchenarme Zeit ein mal ein Ende nimmt, und daß damit auch der Zankapfel verschwinden wird, der heute die Gemüter erregt. ** Welcher Beruf liefert die besten Ehemänner? In einer Gesellschaft, die sich über das Problem unterhielt, welche Eigenschaften diejenigen haben müßten, die man zu Ehemännern wählen solle, wurde auch die Frage aufgeworfen, ob der Beruf des Gatten von Einfluß auf das eheliche Glück sei. Die Mehrzahl der Anwesenden sprach sich entschieden für die Bejahung der Frage aus, ja eine Dame ging soweit, eine Stufenleiter der Berufe nach der Eignung ihrer Angehörigen zum Ehemann aufzustellen. Sie räumte dabei die ersten Stellen den Seeleuten, Aerzten(mit guter Praris) und Handlungsreisenden ein, während sie auf die allerletzten Stufen die Universitätsprofessoren, Schauspieler, Geistlichen und Männer ohne Beruf verwies. Da der Gatte der etwas bissigen Dame ein Mann war, dem seine Mittel große Unabhängigkeit geben, und der einen beträchtlichen Teil seiner Zeit zu Hause zubringt, so lag der Gedanke nahe, daß die Rednerin die längere oder kürzere Abwesenheit einer Person von Hause als Kriterium für deren Eignung zum Ehemann ansah. Einer der Anwesenden, der die seltene Gelegenheit hat, in das eheliche Leben einer Anzahl von Leuchtturmwächtern hineinzusehen, beteuerte denn auch, daß diese, die meist Wochen in der Einsam keit und dann erst wieder einige Tage bei ihrer Familie zubringen, in der Regel außerordentlich glücklich verheiratet seien, und daß die Tage ihrer Anwesenheit zu Hause, immer wiederkehrenden Honigmonaten gleichen. Von anderer Seite wurde dagegen geltend gemacht, daß auf dem Lande, wo die Gatten doch ständig beisammen seien, die Zahl er unglücklichen Ehen selten sei. ** Festgenommen wurden drei Arbeiter A. und Sch. aus Schwerte, sowie E. aus Ergste. Dieselben hatten in der Nacht vom 18. zum 19. Mai in der Gemeinde Ergste ein Rind abgeschlachtet und das Fleisch verkauft. ** Wegen Diebstahls wurde ferner der Arb. K. festgenommen. nen würde, der Pedigt mit offenen Augen und Ohren zu folgen. Jedoch nicht alle Gemeindeglie der gaben sich damit zufrieden. Sie richteten ein Beschwerdeschreiben an die Kreissynode. Diese veranlaßte den Ortspfarrer zu einem Berichte. Irrtümlich hatte nun die Kreissynode aus dem Berichte des Pfarrers die Ueberzeugung gewonnen, daß der betreffende Repräsentant nicht in der Kirchenbank schlafend der Predigt folge. Dieser Ueberzeugung gab das Antwortschreiben der Kreissynode an den Petenten Ausdruck. Das erboste einen biederen Schlosser derart, daß er den Pfarrer einen Lügner nannte. Somit hatte sich das Vochumer Landgericht mit der wichtigen Sache zu befassen. Die Verhandlung, die des heiteren Beigeschmackes nicht entbehrte, brachte die erwünschte Klärung. Das Gericht billigte dem Schlosser den Schutz des§ 193 des Str.=G.=B. zu, erkannte aber an, daß er in der Formwahl doch zu weit gegangen sei. 600 Mark hat der Schlosser als gerichtliche Sühne zu entrichten. Recklinghausen. Festnahme eines Ein brecherhäuptlings. Einen guten Fang hat die hiesige Kriminalpolizei mit der Festnahme des 1893 hier geborenen Arheiters Panl Mehrlein ge macht, der bereits am 22. März in Dortmund von der dortigen Polizei festgenommen, am 12. April von dort aber wieder feigelassen worden war. Mehrlein hat teils allein, teils mit anderen eine ganze Reihe von Diebstahlsversuchen und Einbruchsdiebstählen versucht, wobei zum Teil Millionenwerte erbeutet wurden: Zehn Einbrüche konnten ihm bereits nachgewiesen werden. Mehrlein ist Fürsogezögling, er wurde ins hiesige Gerichtsgefängnis eingeliefert. Gelsenkirchen. Selbstmordverssuch in der Badeanstalt. Der im Hause Johannisstraße 13 wohnende Franz Schienbein nahm in der städtischen Badeanstalt ein Wannenbad. Nach der abgelaufenen Zeit öffnete der Bademeister, als er auf wiederholtes Klopfen keine Antwort erhielt, vorschriftsmäßig die Tür und fand Schienbein blutend im Zellensessel. Er hatte sich mit einer Rasierapparatklinge eine schwere Verletzung an der linken Pulsader beigebracht. Man schaffte den Selbstmordkandidaten sofort ins Krankenhaus, wo er bedenklich darniederliegt. Rietberg. Daß„Hamster" sehr aufdringlich sind oder sich nach ihrer mehr oder weniger höflichen Verabschiedung als Diebe entpuppen, ist keine Seltenheit. Hier aber zeigte sich einer neue Art von Hamstern, die versuchten allerhand Schriften antireligiösen und staatsfeindlichen Charakters an den Mann zu bringen. Eine davon, die sich bezeichnenderweise„Die Gottespest“ nennt, ergeht sich in nicht wiederzugebenden Gotteslästerungen allergemeinster Art; die andere fordert auf zur Anarchie. Man weise solche Schriften zurück und lasse die gewissenlosen Schurken nach Möglichkeit durch die Polizei festnehmen. handen gekommen, die in ruhigen Zeiten sicher ihren Weg gingen. Das enge Aneinanderwohnen, das durch die Wohnungsnot bedingt ist, das Zusammenkochen in einer Küche hat unzählige Beleidigungsklagen, Klatschereien, auch Diebstähle zur Folge, und die Gerichte haben vollauf zu tun, damir fertig zu werden. Die beträchtliche Erhöhung der Gebührensätze ist zu begrüßen, denn es wird sich nun manch einer die Sache ruhig überlegen, ehe er mit jeder geringfügigen Beleidigung aufs Gericht läuft Die Entschädigung der Schöffen— wir empfingen 560 Ml. für eine Sitzung von 9Uhr— ist m. E. nicht ausreichend. : 4* Turnen, Sport und Spiel.**: Der Staffeltag 1923. Neben der großen Rheinstaffel werden in Westdeutschland noch eine ganze Reihe anderer Straßen=Staffeln gelaufen. In Südwestfalen sind davon vier, für Schwerte kommt in Frage die Hohensyburg- Staffel für Erwachsene, 8,6 Kilometer(15 Läufer). Start: nachm. 3 Uhr Hohensybug; Ziel: Rathaus Schwerte. Für Jugendliche 4,1 Kilometer(11 Läuser): Start: Amtshaus Westhofen; Ziel: Rathaus Schwerte. Offen für die Bezirke Hagen und Iserlohn. Am Zielpunkt in Schwerte sportliche Kundgebung und Ansprachen. Vorm. 11 Uhr Kampfrichtersitzung bei Wilkes, Schwerte, Bahnhofstraße. Union Schwerte hat die Durchführung in Händen und hat für den 1. Sieger in beiden Klassen einen Goldkranz zur Verfügung gestellt. Am Schluß des Laufes findet ein Spiel zwischen V. f. K. Menden und Union Schwerte statt. Eine sehr schöne Uebersichtskarte der Hohensyburgstaffel hängt am Zigarrenhaus Künkler aus. Lehls brühime 7.. Ein Münchener Polizeiprasident berurteilt. Aus den Probinzen. Waltrop. Das Nickerchen des Pres byters. In einem Teile der evangelischen Kirchengemeinde zu Waltrop hatte die Gewohnheit eines Mitgliedes der Repräsentanten, im sonntäglichen Gottesdienst ein kleines Nickerchen zu machen, lebhafte Unzufriedenheit hervorgerufen, die sich zu einer Beschwerde bei dem Ortspfarrer ver dichtete, in welcher die Entsetzung des Repräsentanten verlangt wurde. Der Pastor sah die Sache nicht so tragisch an und suchte zu beschwichtigen durch die Zusicherung, allsonntäglich dem müden Repräsentanten einen Hintermann zu geben, der jedesmal, wenn diesem ein Nickerchen wieder einfallen sollte, durch einen sanften Rippenstoß mahAus den Gerichtssälen. Erste Eindrücke einer Schöffin. Eine Mitarbeiterin von auswärts schreibt: Ich habe durch die Arbeit dieses einen Tages, der allerdings mit Verhandlungen über 12 verschiedene Fälle— Hehlerei, Diebstahl, Körperver letzungen und viele Beleidigungsklagen— reichlich ausgesüllt war, einen tiefen Einblick bekommen in vielgestaltige, traurige Menschengeschicke. Ich hatte mir die Verantwortung vorher nicht so groß und schwer gedacht. Keine Frau sollte dies Amt auf die leichte Achsel nehmen, mit jedem Urteil greift der Richter tief und einschneidend in ein Menschenleben ein.— Die ganze traurige Wirrnis unserer Zeit tritt in den Verhandlungen zu Tage. Das Gefühl für Recht und Unrecht ist Leuten abMünchen, 24. Mai. Der seinerzeitige räterepublikanische Münchener Polizeipräsident Dosch ist wegen Hehlerei und Diebstahls zu 6½ Jahren Zuchthaus und wegen Zuhälterei zu 2½ Jahren Gefängnis, Ehrverlust und Stellung unter Polizeianssicht verurteilt worden. Neue Opfer in Gelsenkirchen. 61 Verwundete. TU. Gelsenkirchen, 24. Mai. Als Opfer der Krawalle sind über Nacht 61 Verwundete festgestellt, von denen 5 ihren Verletzungen erlegen sind. Mehr als die Hälfte der Verwundeten sind nicht aus Gelsenkirchen selbst, sondern aus der Umgegend hinzugezogen. Ausschreitungen in Lütgendortmund. TU. Dortmund, 24. Mai. In Lütgendortmund ist es zu Ausschreitungen gekommen. Die etwa 20 Köpfe starke Polizei wurde von einer Menschenmenge, die etwa 5000 Personen zählte, angegriffen und umzingelt. Durch den Zusammenstoß gab es mehrere Tote und Verwundete. Gegen 7 Uhr abends sind Landjäger zur Verstärtung der eingeschlossenen Polizeimannschaften eingetroffen. Im übrigen ist es im Landkreise Dortmund, soweit er besetzt ist, im allgemeinen noch ruhig. 66 Kegen.„ Roman a. d. Harzer Bergen von Heinz& Monis. (Nachdruck verboten.) „Die Schuld liegt an mir, August. Warum fand ich nicht den Mut, offen mit dir zu sprechen, warum habe ich die Mutter nicht eingeweiht? Jetzt ist's zu spät, zu spät. Ueber uns allen schlägt die Flut zusammen, über uns allen. Es wurde still in dem Zimmer, totenstill. Der Inspektor hatte die heiße Stirn auf die wohlgeformte Hand der Schwester gepreßt. Keines sprach ein Wort. Auf den Wangen der beiden Frauen brannten rote Flecken, aus den tränenfeuchten Augen sprach eine Qual, die ohne Trost und Hoffnung war. Knarrend holte die alte Schwarzwälderuhr aus zum Schlag; in seiner Luke erschien der Kuckuck und nannte sechsmal hintereinander seinen Namen. Plötzlich stieß Frau Trautmann einen Schrei aus, die Haube, welche die Zugleine der Sonnengardine gefaßt hatten, um sie vorzuziehen, sanken kraftlos herab. Weit aufgerissen die guten, milden Augen, stierte sie hinab auf den Marktplatz. Sie hatte den Polizeikommissar erblickt, der in Begleitung des Tannenröder Försters und zweier Schutzleute direkt auf das „August,; ächzte sie,„um Himmels willen, verstecke dichl: In verzehrender Angst eilte sie auf den Inspektor zu und packte ihn am Arm.„Um Himmelswillen, fliehe— man August Trautmann sprang auf und ließ sich wieder nieder. Er beugte sich zu der regungslos verharrenden Schwester und hauchte einen langen Kuß auf deren weiße Stirn. Dann trat er zu Frau Trautmann, kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn, seine Stimme bebte in ungeheurer, künstlich niederge„Leb' wohl, liebe Mutter, leb' wohl! Ich hatte die Absicht, zu gehen und war nur hergekommen, um zum letzten Male in deine und Noelys gute, liebe Augen zu sehen. Es sollte kein Makel auf unsern Namen fallen, Framland hätte gewiß“— er stockte leicht— Thalte gewiß dem Toien verBrief an den Dottor ist vergebens geschrieben. Möge ich einen Treppe das Klirren eines heißer Kuß brannte auch auf Frau Trautmanns Stirl Mit rascher Bewegung ergriff der Inspektor seinen Hut. Im Rahmen der offenen Korridortür standen der Kommissar und der Tannenröder Förster. Schweigend trat der Inspektor Sie suchen mich, meine Herren, ich bin bereit“ : Frau Trautmann hatte sich abgewandt. Sie hielt Fensterknopf umklammert, um nicht umzusinken. Tränenschweren Auges blickte Frau Trautmann hinav auf den Marktplatz, wie es Noely an jenem verhängnisvollen Februarabend getan, an welchem die Tragödie der heutigen Nacht ihren Anfang nahm. Von der Treppe her drangen die polternden Schritte der sich entfernenden Männer und hallten dumpf durch das Haus, als fielen schwere Eroschollen nieder auf den Deckel eines Sarges. Jetzt ging das Unauffällig schritten die drei über das weißgraue des weiten Platzes. Wie zufällig gingen die beiden Schutzleute in einiger Entfernung hinterher. Die Sonne spiegelte sich in dem blanken Metall der Helmbeschläge und Knöpfe, ind ließ rundum die Scheiben der Fenster auflodern in unkelndem Gleißen, als gäbe es auf der Welt nichts weiter wie eitel Lust und Wonne. 8.s Eine Bergeslast wich von Frau Trautmanns Brust. Gottlob, man war so rücksichtsvoll, ihm ein Spießrutenlaufen durch gaffende Menschenmengen zu ersparen. Das war aber auch das letzte, das letzte. Eine fürchterliche Zeit brach an, voll von scheuem Geflüster, von höhnischen oder wohl auch mitleidigen Blicken, eine Zeit des Köpfezusammensteckens, der schlaflosen Nächte und der Schande. Man würde Rechenschaft von ihr fordern, daß sie Leidenschaft des geliebten Sohnes nicht fürsorglich in ruhig Bahnen zu lenken verstanden hatte, man würde mit Fingern auf sie zeigen, wo immer sie sich noch sehen ließ. Oh,# war eine schlechte Mutter gewesen, deren Namen man nur noch mil Abscheu neinen würde; eine ganz schlechte Mutter! Mit der Helle des Blitzes fiel dieser Gedanke in sie hinein. Ihre matten Augen sahen nichts anderes mehr, als eine grauenhafte Lohe, die aus der Tiefe stieg, um alles zu verschlingen und alles zu vernichten. Lautlos sank sie nieder in ihren am Fenster stehenden. Schlammersitz;, die Wangen marmorbleich, die katten Hande schlah,, im Schoß. obüchzchmale Geschichen trug den Ausdruck größter Erschöpfung. Sie huschelte sich neben der Mutter nieder und umschlang sie in leidenschaftlicher Heftigkeit. „Nun müssen wir stark sein, Mutti.“ Sie suchte mit ihren Lippen die verhärmten Wangen der in einer Stunde um Jahre en Frau.„Du mußt noch heute nach Braunschweig einem tüchtigen Anwalt. Den Onkel Oberförster dürfen wir nicht belästigen Wir müssen unsere Schmach allein tragen, ganz allein. Und ich— ich muß fort, ich muß hinaus zu ihm. Die Baronesse wird ja wohl nichts dagegen haben daß— ich an ihm gutzumachen versuche, was mein Bruder — was mein Bruder— an ihm gesündigt hat. Ihr Kopf lag, vom gelösten Haar umringelt, im Schoß der Mutter. Ein neuer Tränenstrom schüttelte den schlanken dann,“ fuhr sie mit erstickter Stimme fort,„wenn dann alles geregelt ist, dann müssen wir weg von hier, weit weg. Wir müssen uns mit der Schmach des Namens Trautmann irgendwo verkriechen, und es wird uns nichts in der Erinnerung bleiben, als das wehmütige Gedenken an dieses Bergland und an einen Sohn und Bruder, der einer der Besten gewesen wäre ohne diese unselige Leidenschaft.“ on Zindchen, wir zwei müssen jetze zusammenhalten, wir werden tun, wie du gesagt hast. Nur zu dem Doktor darfst dulden mußte. Aber mehr—“ sie schüttelte den Kopf— „mehr dürfen wir nicht tun.“ (Fortsetzung folgt.) vom Finden. Man hört heutzutage sehr viele Klagen über verlorene Dinge, aber nicht immer erfährt man, ob das Verlorene wiedergefunden oder zurückbetom. men worden ist. Von der moralischen Seite dieser Frage soll hier nicht gesprochen werden, sondern lediglich von der rechtlichen. Wenn jemand eine verlorene Sache findet und an sich nimmt, so erwirbt er damit gewisse Rechte, hat aber auch gewisse Pflichten zu erfüllen. Streng juristisch gesehen sind hierbei zwei Voraussetzungen erforderlich: erstens muß die Sache verloren sein, sie muß der tatsächlichen Gewalt des ehemaligen Besitzers ohne dessen Willen entraten sein und sich in keines anderen Gewalt befinden und zweitens muß der Finder die Sache an sich genommen haben. Eine Verpflichtung hierzu besteht nicht, wer aber eine gefundene Sache verheimlicht, um sie sich rechtswidrig zuzueignen, macht sich einer Unterschlagung nach§ 246 Str.=G.=B. schuldig. Was die Pflichten anbelangt, so muß der Finder von seinem Fund, dem Verlierer oder dem Eigentümer, oder einem sonstigen Empfangsberechtigten unverzüglich Anzeige machen. In den meisten Fällen wird man allerdings diese Anzeige am zweckmäßignten bei der Polizeibehörde machen, wo der Fund in Verwahrung genommen wird, weil man anderenfalls für die Aufbewahrung selbst haftet. Anders liegt der Fall, wenn der Fund in den Räumen einer öffentlichen Behörde, etwa der Post oder der Eisenbahn oder Straßenbahn gemacht wird. Hier hai der Finder nur die Pflicht, die gefundene Sache unverzüglich an die Behörde abzuliefern. Als Rechte des Finders sind anzusehen erstens der Finderlohn(§ 971 B. G.=B.), zweitens Ersatz seiner notwendigen Aufwendungen zur Verwahrung oder Erhaltung der Sache oder zum Zwecke der Ermittelung eines Empfangsberechtigten (§ 970 B. D.=B.), drittens Erwerb des Eigentums an der Sache, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind(§§ 973—74 B. G.=V.). Der Finderlohn ist jedoch ausgeschlossen, wenn der Zinder seine Anzeigepflicht gegenüber den ihm bekannten Empfangsberechtigten oder der Polizeibehörde verletzt, oder wenn er den Fund auf Nachfrage verheimlicht.(§ 971 Abs. 2 B. G.=B.). Das Eigentum an der Sache oder dem Erlös (bei Fundsachen, die dem Verderben ausgesetzt sind) erwirbt der Finder, wenn seit der Anzeige bei der Polizeibehörde, seit dem Zeitpunkt des Fundes. drei Jahre verstrichen sind, ohne daß bis dahin ein Empfangsberechtigter dem Finder bekannt geworden ist, oder sein Recht bei der Polizeibehörde angemeldet hat Eine besondere Behandlung kommt dem Funde eines Schatzes zu(§ 984 B. D.=B.), d. h. einer Sache, die so lange vervorgen war, daß ihr Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist. Wird ein solcher Schatz entdeckt, so erwirbt der Entdecker das Eigentum zur Hälfte; die andere Hälfte fällt dem Eigentümer der Sache zu, wo der Schatz verborgen war. Der betrogene Dichter. In der Schloßruine Burghaus Weißenstein bei Reger im vayerischen Wald, in der der Dramatiker und Dichter Siegfried v. Vegesack mit seiner Frau, der deutsch=schweizerischen Schriftstellerin Nordström, wohnt, erschien vor einigen Wochen ein junger Mann, stellte sich als Regisseur Walter Rasael von den Holländer=Bühnen vor und erzählte dem Autor, daß er aus Berlin käme, um von Vegesack ein Bühnenstück für das Deutsche Theater und für die Calderon=Gesellschaft zu erwerben. Der Dichter nahm den Regisseur mit Freuden auf, bat ihn, sein Gast bis zur Fertigstellung des Werkes zu bleiben. Da der Spielleiter in der Eile keinerlei Kleidungsstücke, aus Berlin mitgebracht hatte, wurde er von Kopf bis Fuß vom Burgherrn eingekleidet. Vor einigen Tagen erklärte nun Rasael=Berlin der inzwischen mit dem Ehepaar nicht nur Riesenverträge mit diversen Berliner Bühnen und der Calderon=Gesellschaft, sondern auch gute Freundschaft geschlossen hatte, daß er als Entschädigung für die wochenlange liebenswürdige und großzügige Gastfreundschaft einen kostbaren Flügel unter allergünstigsten Bedingungen kaufen wollte. Vegesack, der sich immer schon ein Musikinstrument gewunscht hatte, gab dein neuen Freunde vertrauensvoll mehrere Millienen Mark zum Erwerb des Flügels mit. Als sich Regisseur Rasael nach vielen Tagen nicht hören ließ, forschte der Dichter nach und erfuhr zu seinem Schrecken, daß er einen beträchtlichen Teil seines Vermögens einem Betrüger und Hochstapler ausgeliefert hatte. Gleich dadauf erhielt er von seinem Sachwalter, dem Grafen Mellin, aus Berlin die Meldung, daß soeben ein sehr elegant gekleideter Freiherr Egon Tdütsch von Falkenstein bei ihm vorgefahren wäre und um mehrere Millionen gebeten hätte, die der Fremde angeblich dem Dichter im Bayerischen Wald geborgt hätte. Graf Mellin benachrichtigte die Kriminalpolizei, die den Hochstapler verhaftete. Es war Regisseur Rafael, in Wirklichkeit aber der auch in Berlin als Kavarettdarsteller bekannte Schauspieler Hardy Düvel, der zuletzt im Brettl „Größenwahn" am Kurfürstendamm aufgetreten war, sich seither aber von Betrügereien ernährt hatte. Der erste Raninchenzüchterpreis. Der Inseratenteil einer Zeitung ist oft intersessanter„als mancher glaubt. Alls schlagender Beweis das nachstehende, in der Zeitschrift:„Der Kaninchenzüchter“(Leipzig) von einem preisgekrönten Züchter veröffentlichte Inserat:„Dank sagung. Spreche hiermit den Herren und Kollegen(folgen Namen und Wohnort von acht Preisrichtern) öffentlich, ohne Beeinflussung ihrerseits, meinen besten Dank aus für das Entgegenkommen, welches mir auf der Kreisverbands=Ausstellung in Barmen am 17. Februar entgegengebracht wurde, indem oben aufgeführe Herren einen Krug Doppelkorn, welchen ich als beste Gesamtleistung eines Einzelzüchters mit 110 Punkten erhalten hatte, ohne jegliche Berechtigung gemeinschaftlich entleerten, aber nachher, als Ersatz, anstatt einen Krug Doppelkorn, einen Krug mit kaltem Kaffee stifteten, auf welchem das Verzeichnig der Entleerer und Stifter des Kafiees bef war. Diese dürften wohl jedt Konkurrenz im Leeren eines Kruges aushalten, und ich kann obige Herren den Züchtern auf Ausstellungen auss wärmste empfehlen.“(Folgt Unterschrift.) Wer muß da nicht beim Lesen dieser merkwürdigen „Danksagung“ trotz der Schwere der Zeit einmal herzlich lachen: nicht nur über das Pech des 1. Preisträgers, sondern noch mehr über seinen grimmigen Humor. Ein Jurist(es braucht nicht gleich ein Staatsanwalt zu sein) wird allerdings sofort im Strafgesetzbuch nachsehen, welche Mindeststrafe für die trintfesten Preisrichter in Betracht kommt. Man kann diesen„Fall“ aber auch von der rein menschlichen Seite betrachten. Gewiß, das Verhalten des Preisrichter=Kollegiums ist geeignet, das Vertrauen zu Preisrichtern im allgemeinen und zu den genannten Herren im besonderen erschüttern. Aber vielleicht verfolgten diese m dem„Entleeren des Kruges“ die gewiß edle und menschenfreundliche Absicht, den Preisträger vor einem Mordsrausch zu bewahren. Wenn übrigens der Doppelkorn gut war, so wäre das ein weiterer Entschuldigungsgrund für das an sich gewiß unqualifizierbare Verhalten der Preisrichter. Auf alle die Gründe, die für und gegen sprechen, sei hier jedoch nicht weiter eingegangen, da wahrscheinlich jeder Leser den heillen„Fall“ anders beurteilen wird. ** Für Landwirte. Eine ganz prächtige Tierseuchentafel mit kurzen, knappen Ratschlägen Schutz vor Seuchen, Auskünften und dgl., dabei ein erstklassiges, künstlerisches, koloriertes Bild(Gemälde):„Arbeit“ auf Bilderkarton zum Aufhängen in den Wohnräumen, ist bei Carl Braus, Buchhandlung, erschienen. Landwirtschaftlich Vereine sollten dieses ganz vorzügliche praktische Schmuckstück überall verbreiten. Es kann vor vielen Seuchenschäden bewahren und ziert zugleich die Wohnung. Joder Landwirt sollte das Plakat besitzen. Es würde sich lohnen nach jeder Richtung hin. Ros! Hellmuth Otto Kemper Verlobte. Bekanntmachung. Würzburg im Mai 1923. Schwerte 1755 Stalt Karten! Hermann Jung Mimi Jung geb. Vollack Vermählle. Schwerte=Hamm, den 24. Mai 1923. Heinrich Heimsoth Milly geb. Becker Vermählte. Berghofen=Rheinen, den 24. Mai 1923. Mit Wirkung vom 16. ds Mis. ab haben die Kohlenpreise sowie die Entladekosten wiederum eine Erhöhung erfahren und zwar beträgt der Preis für 10 t frei Kraftwerke jetzt Mk. 2182000.— gegenüber Mk. 1718251.— für die Zeit vom 1.—15. ds. Mts. Bei dem sich hiernach ergebenden mittleren Gesamtbrennstoffpreis für den Monat Mai ds. Is. in Höhe von Mk. 1950126.— für 10 t frei Krastwerke beträgt der Gesamipreis für eine KW.-Sid. 1430.— Mk. bei 0,40 Mk. Grundpreis 1323.—„„ 0,37„„ 1216.—„„ 0,34„ 1144.—„" 0.32„„ 1073.—„„ 0 30„ Hagen i. Westf., den 22. Mai 1923. Kommunales Elektrizitätswerk Mark Aktien=Gesellschaft. 1754 Achtung. Donnerstag, 24. Mai nachm. 8½ Uhr Beerdigung des Kameraden W. Remscheid. Zahlreiche Beteiligung erwartet 1746 Der Vo stand. Wieder eine neue Sendung von plüsch= und Moket=Sofas eingetroffen. Chaiselongues und Auflegematratzen alles noch sehr preiswert. Spezial: Polstermöbelgeschäft. Hugo Walther, Holzen 1750 Rosenweg 40. Wöhnungs knsch! 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