Nr. 84 Mittwoch, 11. April 1923 56. Jahrgang Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Velkszeitung Zeitumg Apierbecher Zeitumng Langscheder Zeitung Belzwicheder Zeitung Schwerter Velksbiatt Amtliches Keisblatt tür den Kreis börts. Erstes und ättestes Tagesorgan des Kreises.— Generalamzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter werktäglich.u Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Verl Tichteg:: in Schwerte. Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter. u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt. nUnterhaltungs- u. Romanbeilage. u Spiel, Sport und Curnen. u Ledensbild. Kunst u. Wissen. u Gartenratschläge. Zum Geleit. Wer guter Meinung kommt herein, Der soll mir lieb und willkommen sein; Wer aber anders kommt herfür, Den hab' ich lieber vor der Tür. K Neueste politische Nachrichten. Die sozialdemokratischen Funktionäre aus den Kreisen Köln, Aachen, Koblenz und Trier und dem Saargebiet nahmen eine Entschließung an, in der sie erklären, daß sie an dem passiven Widerstand gegen die militärische imperialistische Gewaltpolitik festhalten, bis Frankreich zum Verständigungsfrieden bereit ist, der Deutschland nur im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit verpflichtet. * Des in Essen erscheinende kommunistische Ruhrecho hat einen Aufruf der gesamten kommunistischen Partei des Ruhrgebietes veröffentlicht, in dem der Proletariermord in Essen als das Werk des französischen Imperialismus gebrandmarkt wird. Das definitive Zeichnungsergebnis der Dollarschatzanweisungen dürfte 12,6 Millionen Dollars nicht überschreiten. * Der Oberbürgermeister Jarres ist aus der französischen Haft in Aachen entlassen und ausgewiesen worden. * Unter Führung ihrer Bischöfe richteten 69 Pfarrer der evangelisch=lutherischen Kirchenvereinigung in Finnland an das christliche deutsche Volk eine Kundgebung, in der sie ihrem Mitgefühl für Deutschland Ausdruck geben. * Die amerikanischen Ansprüche gegen Deutschland wurden vorläufig auf den Gesamtbetrag von 1 187 736;687 Dollar festgesetzt. Die Verhandlung gegen Tillessen ist auf unbestimmte Zeit verschoben, weil noch weitere Erhebungen notwendig sind. Die„Rote Fahne“ ist auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik für zwei Wochen verboten. * Eine Reuternote, welche anläßlich des Besuches Loucheurs in London ausgegeben wurde, erklärt, daß England unter allen Umständen gegen die Errichtung eines Rheinlandbundes staates sein werde. Neuigkeiten. In Indien wütet die Pest; in einer einzigen Woche kamen 9000 Pestfälle vor, von denen 8000 tödlich verliefen. Der Leiter der bekannten Neinstedter Anstalten Pastor Steinwachs, der Verfasser zahlreicher Schriften über Krüppelversorgung und ähnliche charitatioe Bestrebungen ist in Quedlinburg. plötzlich an Herzschlag verstorben. Der an der Handelshochschule Berlin neu geschaffene erste Lehrauftrag für Zei tungskunde ist dem Min.=Rat im preuß. Finanzministerium Dr. Jöhlinger übertragen worden. Ein französischer General über den Wahnsinndes Ruhrabenteuers Kopenhagen. Die Zeitung„Politiken" veröffentlicht den Inhalt einer Unterredung, die ein Mitarbeiter des Blattes in Paris mit dem französischen General Sarrail, dem früheren Oberkommandierenden der alliierten Truppen im Orient, über die Ruhrpolitik Poincares gehabt hat. Sarail erklärte u. a.: sch habe den Eindruck, daß die Politik im Ruhrgebiet und am Rhein uns für immer des Rufes des Edelmutes berauben wird, den unsere Traditionen seit der großen Revolution und unsere Haltung im Kriege uns in den neutralen Ländern verschafft haben. Ich würde mich freuen, wenn ich die öffentliche Meinung in Dänemark darüber aufklären könnte, daß es in Frankreich neben Poincares Anhängern und Verteidigern auch Männer gibt, die seiner Politik nicht folgen und den Weg der gesunden Vernunft, d. h. den Weg der internationalen Versöhnung beschreiten wollen. Das beweist die Tatsache, welche Mißerfolge die Besetzung darstellt, die Poincares ehrgeiziger Traum war. Höchstwahrscheinlich werden durch die Ruhrexpedition Reparationen nicht gesichert. Das einzig Sichere, was uns dies Unternehmen einbringt, sind Kosten. Selbst für den Fall eines Nachgebens Deutschlands würden wir doch keine Zahlungen erhalten. Deutschland hat bereits nachgegeben, als es am 11. November 1918 kapitulierte. Es hat auch danach mehrmals nachgegeben. Wir haben es in hohem Maße gedemütigt. Die Reparationsfrage ist nicht nur eine deutschfranzösische, sie ist vielmehr in rechtlicher Bedeutung eine interalliierte und in wirtschaftlicher Beziehung eine internationale Frage. Es handelt sich nicht mehr um das stählerne Spielzeug in Zylinderform, das Tod und Gloire(so nennt mans ja) um sich verbreitet, in die Ferne zu senden. Es handelt sich jetzt vielmehr darum, die Weltwirtschaft wieder herzustellen.“ Sarrail bedauert, daß Brantings Vorschlag, die Ruhrfrage dem Völkerbunde zu unterbreiten, abgewiesen worden ist, da dieser die einzig mögliche Zuflucht bilde. Sarrail fuhr fort:„Daß man Deutschland immer noch nicht in den Völkerbund aufnimmt, ist eine Absurdität. Die Geschichte lehrt uns, daß alle Völker ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind. Mag der französische Staat in erster Reihe sein Gewissen fragen. Frankreich schuldet den Alliierten, bezahlt aber weder Zinsen, noch mag es bezahlen. Warum wenden wir uns nicht an den Völterbund? Dieser Schritt kann doch unmöglich schlechtere Ergebnisse haben, die sich aus dem Ruhrunternehmen ergeben werden. Wir wollten die Nationalisten und den Appetit Poincares befriedigen, insbesondere wollten wir den nationalistischen Block befriedigen. Unsere Soldaten stehen und zwar in Essen, Dortmund u. Bochum, wir haben aber dabei ganz Europa gegen uns. Die Tausende und aber Tausende Tonnen Kohlen, die Poincare uns versprach, sind ausgeblieben, die Arbeiter im Ruhrgebiet streiken und weigern sich, unter unserer Leitung die Arbeit aufzunehmen. Das sind die Resultate unseres Versuches, einen Druck durch Macht auszuüben. Wir haben den Fehler begangen, in das Ruhrgiebiet einzudringen mit der Gefahr, von England verlassen, von ganz Europa gehaßt und von Deutschland für immer verabscheut zu werden. Diese Gefahr ist jetzt zur Tatsache geworden. Dann wagt Poincare noch von Gefahren zu sprechen, wenn es sich um den Völkerbund handelt? Gegen eine solche Auffassung müssen wir dirckt Front machen.“ ebungelischer Reichbrlirenlag in Bräunischweig. Aus Zürich schreibt uns ein Leser: Bei Kriens hat ein Kuhgespann bewiesen, daß es verständig genug ist, um ein Unglück zu verhüten. Als ein Bauer vom Felde kam, blieb das Kuhgespann plötzlich stehen und war nicht zu bewegen, weiterzugehen. Es stellte sich schließlich heraus, daß vor den Füßen der Tiere auf der Straße ein 2jähriges Kind lag, das sich dort zum Schlafen hingelegt hatte. Nachdem das Kind entfernt war, gingen die Kühe weiter. Wer denkt da nicht an Bileams Esel. Der Kampf um das Reichsschulgesetz. Der nach einjährigem Bestehen bereits über 2 Millionen Mitglieder zählende Evangelische Reichselternbund hielt in Brannschweig seine angesichts der schulpolitischen Lage mit besonderer Spannung erwartete 1. Gesamttagung ab. Zahlreiche Elternbundführer, Lehrer, Parlamentarier aus allen Teilen des Reiches, auch aus dem besetzten Gebiet und dem evangelischen Ausland waren anwesend. Der preußische Evangelische Oberkirchenrat und andere Kirchenbehörden hatten Vertreter entsandt. Ein Begrüßungsabend vereinigte die auswärtigen Gäste mit der braunschweigischen Bevölkerung, die in ihrem schweren Abwehrkampf gegen eine religionsseindliche Schulpolitik dankbar ist für die Solidarität, mit der sich die evangelische Elternschaft des Reiches hinter sie stellt. Die von Oberpräsident a. D. Dr. v. Hegel geleiteten Verhandlungen wurden eröffnet durch eine eingehende Führerbesprechung. In ihrem Mittelpunkt stand das Reichsschulgesetz, dessen Beratung im Reichstag abermals an einem tritischen Punkt angelangt ist, der ihr Scheitern nicht unmöglich erscheinen läßt. In diesem Fall würde die Einleitung eines Volksbegehrens in den Bereich der Möglichkeit treten. Denn die Elternschaft ist gerade um der gefahrvollen außenpolitischen Lage willen entschlossen, die schweren Störungen des Schulfriedens, wie sir die Folge des jetzigen ungeklärten Zustandes sind, mit allen zu Gebote stebenden Mitteln zu beseitigen. Ein Festgottesdienst im dichtgesüllten Dom mit Predigt von Oberkonsistorialrat Lie. Dr. Dibelius=Berlin und eine Massenkundgebung der Elternschaft am Abend bildeten den Abschluß des 1. Tages. Tage zusammentrat, wurde einstimmig eine Erklärung zur schulpolitischen Lage beschlossen, worin der Reichselternbund von neuem die Forderung nach beschleunigter Verabschiedung des Reichsschulgesetzes erhebt. Er erklärt, daß für die evangelische Elternschaft nur ein Reichsschulgesetz annehmbar ist, das der evangelischen Schule völlige Sicherheit und Entfaltungsfreiheit gewährt. Die evangelische Elternschaft wird mit allen gesetzlichen und verfassungsmäßigen Mitteln weiterkämpfen, bis der Volkswille zur christlichen Erziehung sein Ziel erreicht hat. Das Ergebnis der Verhandlungen über die Lehrerbildung ist, daß der Reichselternbund die Bestrebungen der Lehrerschaft nach einer zeitgemäßen Ausgestaltung der Lehrerbildung begrüßt und unterstützt, in der Erwartung. daß dabei die besonderen Belange der evangelischen Erziehungsarbeit die gebührende Berücksichtigung finden. Mit der Vorführung von Schönherrs „Glaube und Heimat“ im Wandellichtbild und einem öffentlichen Erziehungsabend mit Vorträgen von Oberstudienrat Direktor Bruns=Magdeburg, und Lehrer Diesener=Berlin fand die bedeutsame Tagung ihren Abschluß. Tagd Etinnes bethaftit. Hagen, 11. April. Wie das„Westf. Tageblatt“ meldet, ist Hugo Stinnes gestern von den Franzosen auf dem Bahnhof Dortmund=Scharnhorst aus dem Zuge heraus verhaftet worden. Die Gründe sind noch nicht bekanntgegeben. * Wie die„Deutsche Allgemeine Zeitung" zu der an Stinnes verübten Freiheitsberaubung erfährt, sind Herr Stinnes und Frau anläßlich der Gepäckin einen Güterwagen eingesperrt worden. Auf den Protest von Stinnes hin sind die Verhafteten nach einiger Zeit wieder freigelassen worden und konnten die Reise in das Einbruchsgebiet fortsetzen. Unseren toten Kameraden! Von Arthur Zickler. Gestern vormittag wurden in Essen die 13 Opfer der französischen Kugeln zur letzten Ruhe geleitet. Ganz Deutschland schritt im Geiste in diesem Trauerzuge mit, und von westfälischer Erde wird ihnen folgender Nachruf, der weithin über Deutschlands Grenzen llingen möge, gewidmet: Dreizehn Tote. Gefallen durch Mörderhand Männer der Arbeit— gestorben für's Vaterland! Ade, Kameraden! So, wie Ihr standet am Letzten des März, Drückt Euch die Rote Erde ans Herz, friedlich und stark! Daß frei die Arbeit und frei der Mann, Euer Blut in westfälische Erde rann— Ade, Kameraden! In Treue verbunden, im Schicksal vereint Ganz Deutschland um Euch, seine Söhne, weint, Gestorben für's Volk! Solange der deutsche Hammer noch klingt, Er das Lied vom Sterben der Dreizehn singt, Von Euch, Kameraden! Eure tote Hand in die Zukunft weist: Mit Euern Herzen, in Eurem Geist wird Deutschland besteh'n! Weinender Stolz uns're Seelen erhebt: Ihr seid gestorben, daß Deutschland lebt— Ade, Kameraden! Die Ihr vom bittersten Kelche trankt— Von siebzig Millionen sei Euch gedankt in Ewigkeit, Brüder! Angst oder Scham? Paris, 11. April. Journee Industrielle erfährt, daß der Minister für öffentliche Arbeiten, der für heute nach dem Ruhrgebiet abreisen sollte, seine Reise aufgeschoben hat. Als Grund gibt das Blatt an, daß es der Regierung nicht angebracht erscheine, die Reise Le Trocquers mit der Beerdigung der erschossenen Arbeiter in Essen zusammenfallen zu lassen. Staatssekretäre Hamm„Giesbertsund Stegerwald Betlin, 10. April. Der von der Reichsregierung nach Essen entsandte Staatssekretär Hamm ist in Scharnhorst von den Franzosen verhaftet worden. Außerdem wurden verhaftet der frühere Reichspostminister Giesberts und der frühere preußische Ministerpräsident Stegerwald. Letztere drei wurden bald wieder freigelassen. Staatssetretär Hamm aber festgehalten. Wie die Telestrafenunion von zuständiger Stelle erfährt, sind die Nachforschungen der Reichsregierung nach dem Verbleib des verhafteten Staatssekretärs Hamm bis in die späten Abendstunden erfolglos geblieben. Wie verlautet, soll er nach Bredeney oder nach Castrop gebracht worden sein. Verhaftete Reichstagsabgeordnete. TU. Berlin, 11. April. Der kommunistische Abgeordnete Remmele hat heute mittag den Reichspräsidenten telegraphisch davon benachrichtigt, daß 3 Abgeordnete, die zur Beerdigung der Essener Arbeiter nach Essen fahren wollten, in Hamm verhaftet worden sind. Die Namen der kasse Gelbsthäse rie u. Umgegend verschied unser ed url Renzing rte. 12•0 9 April 1923. sesem Sterbefall 0 Mark Umlage e Obleute zu zahlen.—— wnmmt kurse 3. erein, Schwerte 89½ 4775 27000 14500 10000 45100 24000 40000 72700 29000 11500 62000 72000 30000 28000 65500 70000 29100 150000 62000 72000 36000 60500 35500 65000 18000 56000 23000 41000 10250 20000 33000 Berliner Börse Sorfe R: 5. 4. 72.06 9.92 4.62 1.58 3.25 17.37 9.— 10,96 55.31 # 44 am 6. 4. 1219.44 4002,46 97879,68 1416.45 8239,35 1046.87 49.— 5576,02 3852,84 628.42 9.66 21077,17 rgessen darf! deutschen ast auf Grund des v0. September 1922 *— Billionen 20 000 M. Grobe Mißhandlungen ohne jeden Grund. TU. Karlsruhe, 11. April. Wie die badische Presse mitteilt, wurde der Radfahrverein„Wan. derlust" aus Auillingen im Rheinhafengebiet von Karlsruhe auf der Rückkehr von einem Ausflug von den dort befindlichen französischen Soldaten belästigt. Die Franzosen zogen einen Arbeiter vom Rade, sodaß er stürzte Dieser machte eine Bemertung und bestieg das Rad, um weiter zu fah. ren. Darauf schossen die Franzosen auf ihn, und er stieg ab u. blieb stehen. Ohne jeden Grund wurde er daraushin in der gemeinsten Weise von den Franzosen mißhandelt. Im Beisein der Vorgesetzten, der Soldaten, wurde er an einen Baum gebunden. Man riß ihm die Kleider vom Leibe und schlug mit Reitpeitschen auf ihn ein, sodaß er schwere Verletzungen davon trug. Erst nach 2stündiger Mißhandlung ließen ihn die Franzosen wieder laufen. Im Zweibrücker Gefängnis befinden sich noch 11 deutsche Schüler von 16 bis 19 Jahren, die wegen der Zugehörigkeit zu einer Vereinigung und wegen Antlebens von Plakaten zu Gesängnisstrafen verurteilt worden sind. Einzelne von ihnen schmachten bereits seit über 15 Monaten in den Zweibrückener Gefängniszellen. Sie sind in einzelnen Zellen untergebracht. Zwei von diesen Schülern sind schwer krank. Kein Arzt kümmert sich um die Unglücklichen. Die Franzosen scheuen selbst vor Mißhandlungen nicht zurück. Wie Anwohner des Gesängnisses berichteten, hörten sie Schreie und Wimmern aus den Zellen, in denen die jugendlichen Gefangenen untergebracht sind. Man befürchtet, daß die Schüler von den Schwarzen mißhandelt worden sind. Es ist höchste Zeit, daß diese Dinge an die Oefentlichkeit gebracht werden, und daß die deut sche Regierung Schritte tut, um die menschenunwürdige Lage der Unglücklichen zu mildern. Die Erschießung des Ingenieur Dirks vor dem französischen Kriegsgericht. Montag nachmittag hat vor dem französischen Kriegsgericht in Witten die Verhandlung gegen den Polizeirat Schwartz und gegen den wegen Uebersall auf einen französishen Unteroffizier in der Nacht zum 4. März angeklagten Brockbals von Hörde stattgefunden, in welcher Nacht bekanntlich der Ingenieur Dirks erschossen wurde. Polizeirat Schwartz war angeklagt, den Vorfall erst am Montag gemeldet und damit gegen eine Verfügung des kommandierenden Generals Degoutte verstoßen zu haben. Das Urteil gegen ihn lautete auf 1 J a h r G e s ä n g n i s u n d 1 0 M i l l i o n e n M a r k G e l d strafe; Brockbals erhielt 4 Monate Gefängnis und 100 Frank Geldstrafe. der deutschen Industrie. Paris, 11. April. Der Abg. Auriol, der alVertreter der alliierten Sozialisten vor etwa 10 Tagen in Berlin mit der deutschen Sozialdemokratie über die Reparationsfrage und das Ruhrun ternehmen verhandelte, erklärte gestern einem Redakteur der„Ere Nouvelle“ den sozialistischen Plan und sagte außerdem, er könne nach sehr zuverlässigen Austünften, die er erhalten habe, bestätigen, daß die große Mehrheit der deutschen Industrie heute bereit sei, ernste Carantien zu leisten, die sehr wohl einer ernsten Prüfung wert seien. Er habe die sehr begründete Ueberzeugung gewonnen, daß die deutsche Regierung schon jetzt bereit ist, mit den alliierten Regierungen zu verhandeln, um in der Reparationsfrage zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen. Opfer der Rot. Zeitz. Einer unserer bekanntesten Aerzte, Sanitätsrat Dr. Otto, ist freiwillig aus dem Leven geschieden, er ist ein Opfer der Zeit geworden, da er fast keine Praxis mehr hatte. Aus Stadt und Land. Schwerte, 11. April. Erinnerungen. 1713 Friede zu Urrecht. Ende des spanischen Erbfolgekrieges. 1809, Ausbruch des Tiroler Aufstandes gegen die Franzosen. 1921 Kaiserin Auguste Victoria gestorben. Die Zukunft des Lhzeums. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres sind die Richtlinien für Umgestaltung des preußischen Mädchenschulwesens erschienen. Damir wird im wesentlichen eine Angleichung an die höheren Knabenschulen erreicht. Das Lugeum, das bisher siebenjährig war, wird auf sechs Jahre verkürzt und entspricht damir den Realschulen. Mit der vierjährigen Grundschule zusammen beträgt also die Bildungsdauer für die sog. mittlere Reife für Mädchen und Knaben zehn Jahre. Auf das Lyeum baut sich ein dreijähriges Oberlyzeum auf, das nicht mehr wie bisher hauptsächlich Lehrerin. neu heranbildet, sondern das volle Reifezeugnis für die Universität erteilt wie die Studienanstalten. So führi der Besuch des Lyzeums auf direktem Wege zur Reifeprüfung. Damit das Lyzeum diese verstärkten Anford. rungen erfüllen kann, wird gefordert, daß der wis senschaftliche Unterricht wie an Knabenschulen nur von atademisch gebilderen Lehrern erteilt wird, zunächst— wohl um die Umstellung zu erleichtern —„ist von Klasse 3 der Luzeen und der entsprechenden Klasse der Studienanstalten ab der gesamte wissenschaftliche Unterricht, in den voraufgehenden Klassen mindestens die Hälfte der wissenschaftlichen Stunden, akademisch gebildeten Lehrkräften zu übertragen.“ Die Studienanstalten gymnasialen und realgymnasialen Typs bleiben, ebenso die neue deutsche Oberschule, dagegen wird die Studienanstalt der Oberrealschulrichtung verschwinden können, indem das neue Oberlyzeum, zumal mit Gabelung in den Oberklassen, sic ersetzt. Die neuen Bestimmungen gelten, besonders was die sechs= bezw. neunjährige Dauer angeht, erst von Ostern 1921 an, wo die Schülerinnen nach vierjähriger Grundschule zum Lyzeum bezw. Oberlyzeum besuchen, bleibt es bei sieben und zehn Jahren. 9: diese Richtlinien nun aber auch überall durchaeführt werden, int eine andere Frage. Den Städten ist nämlich gestattet, die jetzige Art der Luzcen beizubehalten. falls sie nicht in der Lage sind, akademisch gebildete Lehrkräfte anzustellen. Bei der traurigen Finanzlage vieler Städte dürfte dies aber ziemlich häufig zutreffen. * Die Frühlingsmärkte und Kirmesfeiern haben jept nach Östern wieder ihren Anfang genommen. Ihre Zahl hat sich gegen früher vermindert, denn man kauft in den ortsansässigen Geschäften schließlich ebenso billig, wenn nicht noch wohlseiler, wie in den Marktbuden, aber es hat sich doch eine Reihe von solchen kleineren Messen und Märkten erhalten, die bei den wandernden Händlern und beim Publilum sich ihren Ruf bewahrt haben und viel Zulauf finden. Zu den Händlern konnmen noch die fahrenden Leute mit ihren Schaubu. den, Karussels usw., die viele Besucher anlocken, so daß eine Menge Geld umgesetzt wird! Das sog.„Vergnügen“, spielt eine große Rolle, und günstige Witterung schafft ein Volksfest daraus. Auch die Schwerter Kirmes naht. ** Wie wird das Wetter im Sommer werden? Die Frage taucht in jedem Frühjahr auf und kann dahin beantwortet werden, daß dieses Jahr die Aussichten gut sind. Zwei Umstände geben Anlaß zu Hoffnungen. Wir nähern uns wieder einer sonnenfleckenarmen Zeit, in der die Sonnenwärme am größten zu sein pflegt. Ferner folgte erfahrungsgemäß nach regnerischen in der Regel ein trockenes Jahr. Zwar pflegen die Niederschläge kurz vor den geringsten Sonnenflecken am stärksten zu sein. Aber diese Niederschläge haben sich bereits 1922 entladen, sodaß wir mit mittleren Niederschlägen rechnen können. Im besonderen ist also im kommenden Sommer mit etwas übernormaler Bewölkung und mittleren Niederschlägen jedoch verhältnismäßig warmem Wetter zu rechnen. ** Straßenverbindung nach Hagen. Bei den infolge der widerrechtlichen Besetzung des Ruhrgebiets vielfachen Störungen und Verspärungen der Reichsbahn wird darauf hingewiesen, daß zwischen dem Wuppertal und Hagen eine bequeme Straßenbahnverbindung besteht. Die stets 35 Minuten nach der vollen Stunde ab Barmen(Fi schertal fahrenden Züge der Barmer Straßenbahn haben in Mitspe sofortigen Anschluß an die Gevelsberger Straßenbahn. Diese hat in Gevelsberg wiederum sofortigen Anschluß an die Hage ner Straßenbahn. Umgekehrt ist ebenfalls Anschluß ohne Aufenthali zwischen den genannten Straßenbahnen hergestellt. Die Fahrzeit beträgt auf diese Weise von Barmen nach Hagen zirka 1¾ Stunde. ** Erhöhung der Versicherungsflichtgrenze in der Angestelltenversicherung Die Versicherungspflichtgrenze in der Angestelltenversicherung ist durch Verordnung des Reichsarbeitsministers mit Wirkung vom 1. 3. 1923 von 4.2 Millionen Mark auf 7,2 Millionen Mark erhöht worden. Eine Aenderung der bisherigen Beitragsklassen ist nicht erfolgt. Es sind mithin bei einem monatlichen Verdienst von 60000 bis 600000 Mark Beiträge in Klasse 13 mit monatlich 4840 Mark zu zahlen. Wer die Versicherungsflicht überschreitet, scheidet erst mit dem ersten Tage des vierten Monats nach Ueberschreiten der Versicherungsgrenze aus der Versicherungsflicht aus. Die bisherige Einschränkung, daß diese Bestimmung nur gilt, wenn der Angestellte seinen Arbeitgeber und seine Stellung nicht wechselte, ist weggesallen. ** Der Gaspreis im März. Um Gerechtigkeit zu schaffen, teilen wir die Gaspreise folgender 20 Städte aus der Nähe mit: pro ehm 1200 Mark 1020„ 1000„ 1000„ 950„ 950„ 900„ 900„ 860„ 850„ 850„ 830„ 800„ 300„ 800„ 800„ 700" 700„ 690„ 574„ Hohenlimburg Hemer Menden Soeft Lüdenscheid Arnsberg Lünen Schwerte Kamen Iserlohn Altena Barop Hagen=Eckesey Hagen=Stadt Werl Unna Mengede Dortmund Der Elektrizitätspreis wurde in Schwerte bereits laut gestriger Bekanntmachung herabgesetzt. Die Stadt Berlin hat angesichts der inzwischen eingetretenen Kohlenpreis=Ermäßigung den Gas= und Elektrizitätspreis wesentlich herabgesetzt und zwar mit Wirkung von der AprilBestandsaufnahme ab die Werktarise folgendermaßen festgesetzt: Gas, 1 Kubikmeter 650 Mark, elektrischer Stiom, 1 Kilowattstunde 1050 Mark, Wasser, 1 Kubikmeter 360 Mark. Bei der Berliner Ermäßigung kommt noch in Betracht, daß die Berliner Werke zum erheblichen Teil auf ausländische Kohlen angewiesen find. ** Aulerlei vom Volksschulwesen. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages führte heute Kultusminister Dr. Boelitz auf die Frage der Umgestaltung der Volksschule aus, das Ministerium werde nach wie vor die konfessionelle Schule schützen. Die Berichte über die verheirateten Lehrerinnen lauten ungünstig, da sie weniger leisten als die unverheirateten. Man müsse versuchen, diese Stellen zu streichen. Die Berichte der Regierung über kollegiale Schulleitungen seien noch ablehnend. Es seien unhaltbare Zustände, daß den Lehrern ohne weiteres das Recht zum Besuch der Klasse zustehe, während die Direktoren dazu erst der Genehmigung der Konferenz bedürfen Auch über die Lehrerräte wird ungünstig geurteilt. Die Unterstützung der Junglehrer ist im neuen Jahr auf 112 Millionen Mark erhöht. ** Schon wieder würete ein Waldbrand, dies mal in den Waldungen unweit des Schelt, durch welchen über 20 Morgen wertvollen Tannende. standes zerstört wurden. Erst nach stundenlanger Löscharbeit gelang es, das Feuer, welches jedenfalls durch Unachtsamkeit von Ausflüglern ent standen ist, einzudämmer. ** Lessing in Esperanto. Zu der vom 2. 3. August in Nürnberg stattfindenden Weltesperantotagung haben sich bis jetzt über 2500 Teilnehmer aus 35 verschiedenen Ländern angemeldet. Wührend des Kongresses werden Lessings„Nathan der Weise“ und ein Singspiel von Mozart in Esperantöübertragung von Berufsschauspielern aufgeführt werden. Westhofen. Geflügeldiebe statteten den Bergarbeitern Schneider und Wilmes in der Wanne einen Besuch ab und stahlen 28 Hühner, 4 Enten und eine Gans, die sämtlich an Ort und Stelle abgeschlachtet wurden. Aus den Essen. Einc grausige Eifersuchtstragödie. Eine surchtbare Bluttat hat unter der Bevölkerung in Schonnebeck lebhafte Aufregung hervorgerufen. Am Freitag mittag wurde der Bergmann Heinrich Schier in seiner Wohnung an der Querstraße furchtbar verstümmelt als Leiche aufgefunden. Der Mann ist von seiner Haushälterin rücklings überfallen und mit einem scharsen Beil getötet worden. Allem Anschein nach in das blutige Verbrechen als eine Eifersuchtstat u kennzeichnen. Die Täterin ist durch die Essener Kriminalpolizei verhaftet worden. In einem Augenblick, als er ihr den Rücken zudrehte und sich etwas nach vorn bückte, versetzte sie ihm hinter rücks einen furchtbaren Schlag mil dem Beil über den Kopf, so daß der Mann lautlos zu Boden stürzte. Nun stürzte sich die wütende Person auf den regungslos am Boden liegenden Mann, hieb in blinder Wut auf ihn ein und zerhackte den Kopf bis zur völligen Unlenntlichkeit. Als sie ihr blutiger Werk verrichtet hatte, ließ sie die Leiche liegen und will den Entschluß gefaßt haben, Selbstmord zu verüben. Nach ihren Angaben habe sie sich Kleesalz in den Kaffer geschüttet=und den Kaffee getrunken. Infolge des üblen Geschmackes habe sie aber den Kaffee wieder ausgespien. Dann hat sich die Täterin längere Zeit in der Wohnung Regene, Koman a. d. Harzer Bergen von Heinz E'Monts. 41 Nachdruck verboten.) Um die Hütte herum kam auf klappernden Hölzschuhen der Eigentümer des bescheidenen Häuschens. Kinn und Wangen dieses Mannes waren umsänmt von eisgrauen Bartstoppeln. Auf dem kantigen Schädel saß ein Etwas, das vor Jahren einmal Anspruch haben mochte auf die Bezeichnung Filzhut. „Guten Tag, Köhlersepp,“ rief Trautmann dem Alten zu und sprang über den Graben, der das kleine Anwesen auf zwei Seiten umfloß;„ich denke, der Winterschlaf ist bald zu Ende, und Ihr macht„Euch allmählich bereit. Eure Meiler anzuzünden.“ Der Köhlersepp wandte sich mißtrauisch nach dem Rufer hin. Als er in ihm den Inspektor des Thingstettenschen Gutes erkannte, glitt ein Strahl des Verständnisses über seine Züge. Er setzte den braunglasierten Topf mit der frischgemolkenen Ziegenmilch auf den als Hauklotz dienenden Baumstumpf und öffnete die Tür der Hütte. „Gon Dag, Herr Enspekter. Kommen Se rin.“ Dann standen die beiden Männer sich auf dem Hauptaufenthaltsraum, der Diele, einander gegenüber. Und auf seiten des Inspektors war ungezügelte Leidenschaft, auf der des Köhlers ruhiges, nüchternes Erwägen. Der Schein eines offenen Herdfeuers huschte über sein Antlitz, in das ein jahrelanges, ungebundenes Leben in Wald und Bergen seine Wettermale gegraben hatte. Die großen, wasserhellen Augen blickten ernst unter der hohen, gefurchten Stirn, hatten einen eigenartigen, träumerischen Ausdruck. Er griff nach Trautmanns Hand; ein Zucken bewegte seinen welken Mund. „Herr Enspekter,“ sagte er,„ich bin ein alter Kerl. Mir werden die Tannen und Kiefernbusche draußen die Mailichter nicht allzuoft mehr aufstecken. Schließlich wissen Sie ganz genau, daß ich für einen Trautmann durchs Feuer gehe. Ich zabe Ihnen ja oft genug erzählt, wie Ihr Herr Großvater selig meinen Vater mit einer Handvoll Taler vor Not und Schande gerettet hat. Ich war damals ein zwölfjähriger Bengel, Herr Enspekter, ein zwölfjähriger Bengel. Aber ich habe das nie vergessen. Und wie ich Ihnen an der Waldecke drunten zum ersten Hirsch verholfen habe, weil das Jägerblut Ihnen nun einmal in den Knochen steckt und Sie doch nimmer zur Ruhe kommen läßt— da hab' ich so genacht: ein Taler ist runter, die anderen folgen nach. Und sie sind gefolgt, alle bis auf die letzten fünf. Und ich habe ausgepaßt wie ein Luchs, daß Sie Ihre Taler haben in Ruhe verzehren gekonnt.“ „Sie werden also nicht sagen wollen, daß ich ein schlechter Schuldner bin. Aber“— er preßte die Hand des Inspektors wie in einem Schraubstolt, und seine Worte bebten von verhaltener Angst—„fordern Sie heute Ihre fünf Taler nicht, Herr Enspekter, nur heute nicht Denten Sie an Ihre Frau Mutter. denken Sie an Ihr Fräulein Schwester. Ich bitt' Sie, lassen Sie's heute sein. Der Förster vom Wildpark droben und der alte Bach zusammen, das ist zuviel. Die werden Himmel und Hölle dransetzen, den Weißen Hans wieder zu erwischen. Mir ahnt Unheil, Blut und Unheil! Hilf, Himmel, das wäre ja nicht zum Ausdenken——“ Der Inspektor hatte die immer eindringlicher werdenden Worte des Alten gehört mit zusammengezogenen Brauen und gerunzelter Stirn. „Sepp, Ihr seid ein guter Kerl,“ lachte er heiser, als der andere geendet hatte.„Ihr seid mir so wenig was schuldig, als ich je was von Euch zu fordern hatte. Und nun lebt wohl und macht Euch keine Sorgen. Viele Hunde sind nur des Hasen Tod, und je mehr Feinde, desto größer der Triumph.“ Er griff nach der Türklinke und wollte gehen. Doch der Köhler hielt ihn mit übermenschlicher Anstrengung zurück. „Herr Enspekter, Sie wollen doch nicht—“ Trautmann wandte sich noch einmal um. „—— den Weitzen Hans allein schießen, meint Ihr? Natürlich will ich das. Ein solches Glück begegnet dem Menschen nur einmal im Leben.“ Der Köhler ließ den Arm des Inspektogs los. Er hatte sich hoch aufgerichtet; sein Atem ging schwer und die Worte stolperten ihm über die Lippen. „Herr Enspekter— ich geh', im übrigen alles wie gewöhnlich— drei Eulenrufe, wenn Gefahr droht— Ihr sollt nicht sagen, der alte Neidel hätte einen Trantmann allein gelassen, wie der den gefährlichsten Gang machte in seinem Leben.“ 2. Kapitel. Doktor Hans Joachim Framland stand an einem der Fenster seines auf halber Bergeshöhe gelegenen Junggesellenheinis und ließ den Blick der blanken, tiefblauen Augen hin schweifen über das zu seinen Füßen sich ausbreitende Häusergewirr. Alles weiß in Weiß; frischgefallener Schnee in den Straßen, auf Dächern, auf Zännen, auf Sträuchern, auf Bäumen, frischgefallener Schnee überall. Dazwischen schimmerte und blankte es in mattem, trauten Schein, wie Kerzenglanz wom Weihnachtsbaum— die seit Stunden schon erwachten Lichter der Stadt. Blaue, frostige Töne hingen in der Lust; vom indigofarbenen Nachthimmel lächelten die Sterne mit hartem Glanz. Wie schön war es doch, wie heimatlich wunderschön dieses in Schnee und Nacht und Sternengestimmer getauchte Städtebild! Hans Joachim Framland hatte in den letzten Wochen seines zweijährigen Aufenthaltes in tropischen Ländern= eine wahrhaft brennende Sehnsucht empfunden nach dem deutschen Winter. Der fette, blaue Himmel der südlichen Breiten, die jeden Morgen so intensiv gelb aus der bronzegrünen See aufsteigende Sonne, der tolle, sinnberückende Farbenrausch, welcher Abend für Abend die Brücke schlug zwischen gleißendem Licht und samtweicher, tiefer Dunkelheit, all das Blitzen, Strahlen und Funkeln, das tagaus tagein sich in Sinn und Augen bohrte wie spitze Klingen— er hatte es zuletzt nicht mehr zu ertragen vermocht. (Fortsetzung folgt.) aufgehalten und sich am Abend in aller Ruhe zu Bett begeben. Von dem grausigen Vorgang haben die Nuchbarsleute nicht das Geringste wahrgenommen. Als sie am folgenden Morgen erwachte, kleisic sich an und begab sich zu Verwandten, desie von dem blutigen Verbrechen Kenntnis Diese fanden in der Wohnung den Schier und erstatteten schleunigst Anzeige bei der Krimigalpolizei. Die Mordtommission der Essener Krininalpolizei erschien alsbald in der Wohnung, den Tatbestand auf und sorgte für die Wegschaffung der Leiche. Solingen. Infolge der Ermäßigung der Kohlenpreise hat die Stadtverwaltung die Gas= und Wasserpreise mit Wirjung ab 1. April und die Strompreise mit tung ab 1. Mai herabgesetzt.(In Vonn gilt die Ermäßigung all dieser Preise bereits ab 1. April.) Andernach. Deutscher Opfermut. Laut der„Andernacher Volksztg.“ ereignete sich dieser Tage am Rheinufer folgendes: Ein schwer mit Säcken beladener Marotkaner von den Schiffsbesatzungen will zurück auf sein Schiff. Veim Herausklettern aus dem Nachen weicht dieser aus und der Soldat stürzt kopfüner in den Rhein. Ein vom Schiff herbeieilender zweiter Marotkaner stürzt ebenfalls ins Wasser. Schnell entschlossen springt der am User vorübergehende katholische Religionslehrer Studienrat Junglas vom hiesigen Lnzeum in den Nachen, und unter seiner tatkräftigen Mithilfe gelingt es, die beiden dem nassen Element zu entreißen. Die Löhne der jugendlichen Arbeiter. Die Entwicklung der Lohnverhälrnisse in Deutschland hat seit der Revolution dabin geführt, daß insbesondere die Löhne der jugend lichen Arbeiter in unverhältnismäßig hohem Grade gestiegen sind, so daß dadurch die Lage der älreien verheirateten Arbeiter, die mit ihrem Lohn Polen, vielfach eine ganze Familie zu ernähren haben schwer benachteiligt worden ist. Aber in der Praris haben sie keine Bedeutung erlangt und Emporschnellen der Löhne der Jugendlichen nicht verhindern können. Die jugendlichen Arbeiter im Alter von 16 Jahren bezogen in der Metallindustric 46 Prozent, im Bergbau 56 Prozent, in der Industrie der Steine und Erden 59 Prozent. in der Holzindustrie 72 Prozent und in der chemischen Industrie 77 Prozent der Löhne der erwachsenen Arbeiter. In vielen Industrien ist bei Gelegenheit des ungeheuren Marksturzes der Prozentanteil der Löhne der Jugendlichen im Vergleich zu denjenigen der Erwachsenen Arbeiter zu vergrößern. Diesem Bestreben leisten die Gewerkschaften leider vielfach Widerstand, weil sie befürchten, daß eine zu niedrige Bemessung der Löhne der jugendlichen Arbeiter einen besonderen Anreiz zu deren Beschäftigung und Bevorzugung bilden würde. Aber auch die Gewerkschaftsführer können an der Aatsache nicht achtlos vorübergehen, daß viele Jugendliche von ihrem zu hohen Lohn nicht den richtigen Gebrauch machen und den Lebensgenuß der Fortbildung, die Vergendung dem Sparen vorziehen. Da alle Gesetze des Staates und der Gesellschaft diesen Mißständen gegenüber bisher versagt haben, so kann wirksame Ab hilfe nur durch eine vernünftige Lohnpolitil erreicht werden, zu deren Durchführung sich Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften zusammen tun sollten. Was den Jugendlichen an ihrem zu hohen Lohn gekürzt wird, das sollte den älteren Arbeitern mit zahlreichen unerwachsenen Kindern zugelegt werden. Der Rückgang der Teuerung. Die Teuerung geht zurück in Europa, mit Ausnahme etwa von Deutschland und Frankreich. Die Minderbewertung des französischen Franken im Januar brachte Preissteigerungen für Brot, Mehl, Kalbsleisch, Butter, Schmalz, Käse, Kartoffeln und Zucker. Die Ernährungsausgaben stiegen um 1,3 Prozent in Paris. In der Schweiz blieb die Inderziffer unverändert: Preiserhöhungen bei Milch, Kohle u. Holz gleichen sich durch billigeres Fleisch, Eier und Gas aus. In Schweden ermäsigten Vutter und Eier die ganzen Kosten der Lebenshaltung. Auch in Dänemart sind die Ausgaben für Ernährung in einem Jahr um 8,6 Prozent, die der Lebenshaltung um 6,6 Prozent zurückgegangen. Wenn der Aufwand für die Ernährung sich in Deutschösterreich im Januar um 1 Prozent, im Februar um 2 Prozemt erhöhten, so bedeutet dies im Vergleich mit deutscher Verhältnissen der Stillstand. Aehnliche Gründe wie in Frantreich bewirkten in Polen, daß die Kosten der Lebenshaltung dort im Januar um 52,7 Prozent aus das 3527fache des Friedens stiegen. Aber selbst Velgien erfreute sich ebenso wie Italien iner Verbitzguug. Buntes Allerlei. An der Nordsecrüste ist ein Riesenadter heruntergeholt worden. Die Flügelspannweite soll ganz außerordentlich groß sein. Es ist ein seltener Fall, daß ein Gebirgsadler sich in die nördlichen(egenden verirrt. a. Oport 0 „Westdeutsche 1 10 1) In Paris wurde ein großes Atetier entbeatt und geschlossen, in welchem eine ganze Anzahl von Gemärden alter und neuer Meister nachgemacht wur den. Der Handel mir diesen geiclschten Bildern war außerordentlich umfangreich und blühre besonders nach Nord= und Südamerika sowie nach uiseusermher Zur der Rruppschen Arbeiter. Essen, 11. April, Am gestrigen Tage der Beisetzung der Opfer vom Karsamstag sind im Innern der Stadt keine Franzosen sichtbar geworden, sogar die Wachen an der Post, am Hauptbahnhof und am Eisenbahndirektionsgebäude waren eingezogen. Köln, 11. April. Als Trauerkundgebung anläßlich der Beisetzungsfeierlichkeit in Essen ruhte in allen städtischen und Privatbüros und in den Geschäften der Betrieb vormittags von 9—10 Uhr. Der Verkehr der Straßenbahn stand still die Fuhrwerke verkehrten ebenfalls nicht. Bei Beginn und zum Schlusse der Stunde läuteten sämtliche Glocken. Der Vatikan uns die Rohraktion. Frankfurt, 11. April. Wie der römische Korlescondent der Frankfurter Zeitung meldet, unterrichtet sich der Vatikan zur Ergänzung der Ruhrberichte des Migr. Testa auch über die außenpolitische Seite des Problems. indem der Staatssekretär Gasparri den Kardinal Bertram über den heutschen und den Metzer Vischof Peltz über den franzesischen Standpunkt hörte. Trotz dieser Besprechungen steht jedoch keine Vermittlung des Valikans bevor, da eine solche bei der Haltung Frankreichs als aussichtslos gilt. Weitere 100 Eisenbahner-Familien vertrieben. Trier, 11. April. Gestern sind auch die Bewohner der Eisenbahner=Kolonie in Trier-St. Pauli von den Franzosen mit Waffengewalt von ihren Wohnstätten vertrieben worden. Weitere enerusmeie osereme Fußball. Die Zwischenrunde um die Meisterschaft!“ Arminia=Bieleseld— Jahn=Siegen 2 nach Verlängerung! Turn=Düsseldorf— Spielv.=Quisburg 2: 0(1: 00 Neunmalweise, die wissen wollten. Arminia brauche nur zu kommen, um zu siegen, wurden durch das gute Spiel der südwestfälischen Vertreter ad absurdum geführt. Zähigleit stand gegen Zähigkeit und auch im technischen Können gab die Jahn=Elf den Arminen kaum etwas nach. Lediglich größere Kampserfahrung— wie wir vermuteten— und vielleicht auch enwas Glück hat schließlich nach Spielverlängerung um 2 mal Min. den Ausschlag gegeben. Jahn ist sehr ehrenvoll unterlegen. Bei Vielefeld geficlen am besten die Läufer Otto und der Rechtsaußen Wagner. In der Siegener Elf glänzten der Mittelstürmer Hohmann, den sich der Verbands=Fußball=Ausschuß mal ansehen sollte und der Verteidiger Richtsteln Der Verlauf des Treffens sand vor 15000 Zuschauern aus dem Alemannia=Platz in Dortmund statt. Das Spiel in M.=Gladbach hatte gar 20 000 Zuschauer angelockt. Turn erzielte dank besserer Technik in jeder Spielhälfte ein Tor. Lücke hatte einen Endspiel werden sich nun Arminia=Vielefeld Turn-Düsseldorf gegenübertreten. Eine interessante Paraltele zu einem vor 10 Jahren stattgesundenen Endspiel um die A=Meisterschaft des Verbandes. wobei Tudamals noch einfach„Union“ geheißen manp mit 1:0 über Arminia siegte! Schwerte 06— Vfht. Arnsderg 1: 2(0: 2). Arnsberg hat Wahl und nimmt den sturmartigen Wind zum Heifer. Schwerte zieht unverstandlicherweise seine ganze Mannschaft vors eigene Tor zurück, sodaß sich Arnsberg in der 1. Halbzeit fast dauernd vor dem Tor der Hiesigen festsetzen kann. Vielbeinige Verteidigung verhütet vorerst Erfolge. Schließlich erreicht ein Schuß aus dem Hinterhalt über den Schwerter Tormann hinweg sein Ziel. Später kann Arnsberg infolge eines Fehlers des Schwerter rechten Verteidigers 1 noch ein weiteres Tor aus dem Gedränge heraus anreihen. Bis zur Halbzeit keine Veränderung; der hiesige gute Hüter ist auf dem Posten! Wer eiwg geglaubt hatte. Schwerte würde nun mit dem Winde das Heft in die Hand nehmen, irrte sich gewaltig. Arnsberg paßte seine Taktik durchaus den Windverhältnissen an, schickte seine Stürmer weit vor und läßt auch Läuferreihe und Vertei gung aufrücken, sodatz es, da die Schwerter Mannschaft dem Gegner nicht die Polittt des Handelns vorzuschreiben weif;(wie beispielsweise durch Uebergehen der Arnsberger Läuferreihe! trotz der jetzt innehabenden schlechteren Seite das„Spiel durchaus offen halten kann. Erst durch einen Handelser lommt Schwerte zu einem Erfolge, zu weiteren langt es einfach nicht. Arnsberg feierte dant besserer Taktil einen verdienten Schwerte 03, dem man nach seiner guten Haltung am Ostermontag gegen Köln 07, mehr zutrauen mußte, war glatt unterlegen. Schiedsrichter Neublum vom Platzverein, auf den man sich für den ausgekliebenen angesetzten Schiedsrichter ManzEppenhausen einigte, leitete unparteiisch, wofür er sich nach dem Spiel einige Liebenswürdigteiten von das Schiedsrichteramt vertennenden„Vereinslameraden“ gefalten lassen mußte. Die übrigen Ligatreisen endeten der Voraussage gemäß. Jahn=Hagen schlug PiK.=Menden überlegen mit 3: 0, Sportverein Iserlohn knapp Union=Haspe mit 2: 1. Auf dem„Schützenhof" tämpften UnionSchwerte und PfR.=Sölde in zwei Spielen miteinander. Ergebisse: Union 1.— Sölde 1. 1: Union 2.— Sölde 2. 6: 0(l). Im Treifen der Mannschaften warSölde körperlich überlegen, die 2. Elf von Union gewann vermöge größerer Energie und besser Technit glatt. Jugendspiele: SV. 06 la— Union=Schwerte la 2: 1; Arminia=Vieleseld la— Jahn=Siegen a 2 2.„„„ Weitere Ergebnisse: Barmen.2 Fe. Düren : 1 011; Sounborn Rheuania=Köln 4: 0; SpL. Plettenberz Vorhalle 1:2; Spu Sp. Barmen—. Jahn=Werdohl 4: 1; Hagen 1869— Pf Ren scheid 2: 2; Nadel— Meschede 3: 0..9 Ein Länderkampf Holland— Frantreich ergab mir§: 1 eine tlägliche Niederlage der Franzosen. Demnächst soll ein Länderkampf Dentschland— Holland stattfinden. Die deutsche Mannschaft ist bereits nufgestelle; es gehören ihr 7 westdeutsche, 3 norddeutsche und 1 süddeutscher Spieler an. WackerMünchen folgt im Mai einer Einladung nach Rumänien. nien. Vanern München desgleichen nach S Waldtau neinerschaft wurde in Preslau ausgetragen. Der Hamburger Husen siegte in 33 Min. 16 Set.(für 10 Klm.!) über den vorjährigen Meister Kirvert=Bersin. Am 27. Mai finden die großen Straßenstaffelläufe in Deutschland statt. Für Ende Mai bezw. Anfang Juni hat der sausschuß einen deutschen Spiel plat=Werbetag(ähnlich wie vor 3 Jahren vorgesohen. Turnen. Eine machtvolle Kundgebung für den Gedander Leibesübungen und für die Einheit und Einigleit aller deutschen Stämme soll das deutsche Furnfest im Juli ds. J. in den Angehörigen der deutschen die Beteiligung frei gestellt. ichen werden. Auch Sportbehörde ist 100 Jan ilien sind damit obdachlos geworden. Der Wille der Eisenbahner zur Abwehr der französischen Vergewaltigung steigert sich aber zu immer seiterer Entschlossenheit. Berlin, 11. Arril. Der Reichsverkehrsminister Gröner überwies dem Präsidenten der Eisenbahndircttion Trier in Gießen zur Linderung der Not der aus ihren Wohnungen vertriebenen Eisenbahner 30 Millionen Mark. Briefkasten H. D. In der Regel tann eine Frau nur bis lu ihrem 15. Levensjahre Kinder bekommen, doch ist darauf lein Verlaß. Es hängt von der Konstitution ab. Karl. G. Sie sind richtig belehrt worden. Im Kriege 1870.71 kannte man weder Schützengräben im heutigen Sinne noch Drahthindernisse. Beides wandten zuerst die Japaner im Kriege 1905 an. Regenbogenlaub. Roman a. d. Harzer Bergen von Heinz&a Monts. 51„(Nachdruck verboten.) Es boten sich Framland nach seinem Ausscheiden aus dem Dienste des globetrottenden Barons sehr günstige Chancen, aber er schlug alles ab aus Sehnsucht nach seinem geliebten Norden. Und nun saß er seit zehn Tagen als Redalteur des Tageblatts in dieser so idyllisch am Abhang des Harzes gelegenen Stadt, deren historische Vergangenheit ihn nicht minder angezogen hatte, wie ihre romantische Umgebung. Lächelnd lehnte er die tiefgebrännte, hohe Stirn an die glitzernde Fensterscheibe.„# Hier auf urgermanischem Boven, wo Sage, und Geschichte unzählige, blühende Kränze woben, hier am Busen einer allgewaltigen und abgeklärten Natur, hier war sein Platz. Die die verglasten Aeste der breitkronigen Linden ins Weite, als wollten sie den ganzen Raum erfüllen, wie feurige Lilien wüchsen die Straßenlaternen empor aus dem bläulich schimmernden Schnee. Gewöhnlich folgte Framland der am Bergabhang sanft absteigenden Straße. Die Kälte war durchaus nicht unangenehm; im Gegenteil— sie wirkte auf den Doktor wie ein erfrischendes Bad. Er riß den Spessarthut vom Kopf und schleuderte ihn durch eine der überzuckerten Baumkronen, daß sich ein stäubendes Fallen von funkelnden Kristallen auf ihn niederseute.: Heimat die die d Ja, das war die Heimar, die echte, deutsche Heimat! Wohl ein Wild, dachte er, und bohrte seine blanken Augen in das ernste Schweigen des Waldes, um das Tier womöglich zu erspähen. Für ihn, den warmen Naturfreund, war ein Hirsch, ein Rehbock, ein zottiger, bewehrter Eber stets ein herzerfreuender Anblick. Indessen nichts zeigte sich. Er überschritt die von hohen Schneewehen umsämmte Straße, um seinen Weg nach der Klostermühle fortzusetzen. Die letzten Ausläufer des Walde die schneeverbrämten Tannen gaben ihm das Geleit. Ueber dem Teich lag es in dünnen, glitzernden Schmaden. Da— abermals ein Laut. Diesmal von einer anderen Zt; das war oie Heinia, die echie, deutsche Beimot!„ächtu,, her und anscheinend aus einer menschlichen Kehle. Ran machte die Straße eine scharfe Biegung und verlor Richrung., uugr es wieder— ein unterdrücktes Schluchzen, sich nach wenigen Minuten als gut gepflegter Prad im Freien. Der Mono war voll und rund hinter dem Vogelberg hervorgekammen. Gleich einer Luftspiegelung und phantastisch vergrößert, dämmerten die Türme der Stadt eben noch herüber zu dem einsamen Wanderer, welcher gerade verschwand Erz= zwischen den hohen, schweigenden Stämm stollen, die geheimnisvollen Klüfte und Höhen, sie alle hüteten waldes. das, was in der Ebene längst schon starb, und erhietten es in lebendiger, farbenreicher Frische. Hier wollte er Herz und Seele stählen zu fruchtbringendem, reichem Schafsen, hier wollte er sein Drama schreiben, dessen Gestalten in den zwei Jahren der Fremde sich ihm langsam erschlossen hatten, das Drama der alten, germanischen Wanderlust, die Geschlechter und Völker mit unwiderstehlicher Gewalt hinaustrieb in die Ferne. Ueber einer der bewaldeten, nun tiefverschneiten Kuppen, weiche die Stadt in engem Halbkreis umlagern, hatte der Limmel während der letzten Rinuten eine lichtgrüne, zarte Roch Farbung angenommen. Iyr Widerschein lief kosend entlang Gevirge noch heute an den steil abschießenden Hängen und weckte in der schwei= sind verschollen, ihre genden Schneedecke ein geisterhaftes Lohen, ein farbensprühendes Funkeln und Leuchten. Der Mond mußte zur Reise gerüstet hinter jenem Kegel stehen und jeden Augenblick hinaussegeln in die sekten klare Februarnacht. Der Doktor nahm Hut und Pelz und trat ins Freie. Die koketten, meist von Pensionären bewohnten Villen standen schweigend in ihren verschlafenen Gärten. Gespenstisch grissen bes. Wa4m Bei der allen Göttereiche, die am Nachmittag den Inspektor so lebhaft beschäftigte, erreichte der zuletzt steil abfallende Piad die Landstraße. Sinnend sah Framland in das kolossale Gewirr von Aesten und Zweigen, die in einem Durchmesser von wohl fünfzehn Metern sich wölbten zu einer gewaltigen Kuppel. War es nicht, als spräche eine starke, unbeugsame Persönlichkeit aus diesem Baume, als stiege die Urzeit grau und verwittert wieder heraus aus dem Nebelschleier der Versongenben:( santen haben gerade i Noch hunderte soicher Giganten anden gerabe in diesem zeute ihre Andachtsstätten. Ihre Urnamen uind Verschonen, ihre einstige Bedeutung ist vergessen. Aber wie die Mächtigen und Großen der Erde unsterblich sind in Dichtung und Sage, so leben diese einstigen Opferbäume weiter im Herzen des Volles, leben und schauen trotzig in die Zukunft, als seien auch sie noch immer jung. Ein Brechen und Stampfen in dem an dieser Stelle besonders dichten Unterholz ließ den Doktor aufhorchend den Schrilt verhalten. Und da— oa war es wieder— ein unterdrücktes Schluchzen, ein Stöhnen wie von mühsam niedergekämpftem, unsagbarem Schmerz. Framland hatte sich nicht getäuscht, es war wirklich ein Mensch. Keine zehn Schritte von iym entfernt kauerte eine zusammengesunkene, weibliche Gestalt mitten im Schnee auf einem Baumstumpf. Was war das? Ein weibliches Wesen um diese Zeit allein im winterlichen Wald angesichts des in Schwarz und Silber dräuenden Wassers! Ein kalter Schauer schnitt durch die Seele des starken Mannes, ein Schauer und zugleich das tiese Mitgefühl für die leidende Kreatur, dem selbst die verhärtetste Brust sich niemals ganz verschließen kann. Eine Unglückliche wohl, die, am Leben verzweifelnd, im Begriffe stand zum Fluge in die Ewigkeit. Framland trat näher. A Die Unbekannte war aufgesprungen. Die Angst, vielleicht auch die Scham, in dieser Situation überrascht worden zu sein, schien sie zu lähmen. Zitternd am ganzen Körper starrte sie den Doktor an mit weitaufgerissenen, entsetzten Augen. (Fortsetzung folgt.) Konservatorium der Musik: Hagen i. W. s Tel. 624. Direktor: Ono Longs. Wonstr. 18. Auppelsaal der Stadthalle Freitag, den 13. April, abends 8 Uhr: Beihoven=Rbens mit dem bedeutend verstärkten städt. Orchester. Leitung: Otto Langs. Programm: 2. Sinfonie, Ouverture Coriolan, 3. Sinfonie(Ervica). * Karten: 3500, 2500 u. 1500 Mk(einschl. Steuer u. Garderobe). 1226 Vorverkauf: Kunstkabinett Kollock, Elberfelderstr. Bekanntmachung. Durch Beschluß der städtischen Vertretungen ist der Wasserpreis für das Vierteljahr Januar bis März 1923 auf durchschnittlich Mk. 430,— pro cbin festgesetzt. Die Mindestlaxe beträgt Mk. 4300,— = 10 chm pro Haus und Vierleljahr. Schwerke, den 10. April 1923. 1213 Verwaltung des städt. Gas= u. Wasserwerks. Tablingebauue in günsliger Lage sofort oder späler zu kaufen gesucht Gefl Angebole unter U. 300 an die Geschäftsstelle dieser Zeilung. 1233 * Bekanntmachung. Die Anstreicherarbeiten zu 30 Doppelwohnhäusern der Siedlung Kreinbera bei Schwerte sollen im öffentlichen Verding vergeben werden. Angebotsunterlagen sind, soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 1000— Mk. von der sunterzeichneten Stelle zu beziehen. Die Angebote ssind, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 18 April 1923, vormittags 11 Uhr porto und bestellgeldfrei einzu senden Zuschlagsfrist 3 Wochen. 1235 Deutsche Re Hochbauabteilung Schwerte Ruhr. Ein properes ehrliches Mädchen für Küche und Hausarbeit gesucht. Daselbst ein 214 zur Reichsktonel Nur noch heute und morgen. Nur 2 Tage! Der vierte Teil des großen Abenteuerfilms Der Graf von Monte Christo 4 Teil 1216 Monte Christos Rache 6 Akte nach dem gleichnamigen Roman von Alexander Dumas. Seine Exelenz der Revisor Eine zeitlose Komödie in fünf herrlichen Akten das Wunderei Lustspiel in einem Akt 890 Lehrmädchen für Lebensmittelgeschäft gesuchl. Zu ersr. in d Geschst. Trauerbriefe liefert schnellstens Buchdruckerei C. Braus Soantiches cheiche: Mäschen Origmar-Kauferungen-Groter-Keister süriC L Some, Liemuren, Prieuricn der urone eingelrollen- mäßige Preise gegen hohen Lohn per sofort gesuchs 1228 Wirtschaft zur Ruhrbrücke „ F. Grave. 10 SO Schönste Gabe für Angehörige unserer gefallenen Krieger: Heldenbuch und Kriegschronik der evangelischen Gemeinde Herausgegeben von Pastor Ohlig. Der Titel des Buches sagt, was es sein will: ein Heldenbuch, ein schlichtes, einfaches Denkmal, das die dankbare Gemeinde ihren treuen, tapferen Söhnen setzt. Es fteht nicht auf ragender Höhe oder am Markte, dafür aber kann es jeder daheim haben und in stiller Stunde zu sich sprechen lassen. Mehr als Namen sind in dies Denkmal hineingeschrieben: die Bilder unserer Helden schauen uns an und ihr Leben geht in kurzen Zügen an uns vorüber. Nicht sollen dadurch alte Wunden wieder bluten— sie sollen heilen durch die Gewißheit: unsere Toten sind nicht vergessen und werden nicht vergessen werden. Wenn an uns keiner mehr denkt: lebt ihr Bild weiter bei Kind und Kindeskind. Das Heldenbuch enthält die Bilder aller Gefallenen der evangelischen Gemeinde Schwerte, die zu erhalten waren, ferner einen kurzen Lebenslauf auch derjenigen, deren Bild nicht eingesandt wurde. Damit ist jeder trauernden Familie und Angehörigen unsrer gefallenen Söhne sowie auch Vereinen und Schulen Gelegenheit gegeben, unsern schlafenden Helden ein dauerndes Ehrenmal in ihrer Mitte zu setzen. Kinder und Kindeskinder wollen's lesen und werden gerne darnach greifen Da nur eine kleine Auflage gedruckt wurde, sichere sich jeder Schwerter dieses Heldeubuch.— Es kann jetzt täglich wieder in Empfang genommen werden. verlagsbuchhandlung Carl Braus, Schwerte(Ruhr), Große Marktstraße 3-5 R B Bekanntmachung. Die Taubenbesitzer des diesseitigen amtsbezirks werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie verpflichtet sind, ihre Tauben in der Zeit vom 20. März bis zum 15 Mai und vom 15. September bis 31 Oktober so einzusperren, daß ein Ausfliegen auf die Felder nicht möglich ist. Zuwiderhandlungen werden auf Grund der Polizei=Verordnung betr Sperrzeiten für Tauben während der Frühjahis= und Herbst=Saatzeit vom 3 November 1920 bestraft. Westhofen, den 27 März 1923. 1232 Die Polizei Verwaltung. Schördüieh. enplohien : Für Fleingaten:: : u. Gartenbesitzer * Tabelle: : Mäuse und RattenIpphusbazillen Reehalste Verttigungsmethode Garantiert durchschlag endsc Artoig. Unschüdlich für Menschen und Haustlers. Zahllo g elänze de. Gutachten. 05 1 GI.Ra „Mäusetyphusbazillen M. 2000.Ratentpphusbacilen Bl. 3000. Chemisches Lahoratorium Dr. Schwenzer, G. m. b. H. Düsseldorf 41, Oststr. 34. Vertähte □ Nchlnose Postplatz Wohnungstausch Schwerte-Hagen. [Gesucht: 3—4 Zimmer=Wohnung(abgeschl.) in Schwerte. [Geboten: 4 Zimmer=Wohnung mit Zubehör in Hagen. Angebote unter Nr. 1227 an die Geschäftsst. d. Ztg. Beyer's Junger, ruhiger Herr Mode-Führer sucht für sofort. möbl. 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Arbeiten werden fachmännisch und sauber ausgeführt. n Lcsc inmantesminnenisttim Handel und Hörse) Volkswirtschaft llummmmmmmmmmmemmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmtte Schwerter Wochenmarkt. Das anhaltend schöne Frühlingswetter hatte seine günstige Wirkung auf Beschickung und Besuch des Marktes nicht verfehlt; auf dem Platz zeigte sich ein außerordentlich reger Verkehr im Gegensatz zum vergangenen Mittwochsmarkte, der wenig besucht war und die Händler nicht befriedigte. Die Preise zeigten für manche Waren(Eier, einzelne Gemüse, Kartoffeln, teilweise Fische, Fettwaren) kleine Ermäßigungen, was die Kauflust begreiflicherweise erhöhte. Salat dagegen war hoch im Preise, pro Kopf 1000 M, Kappus weiß, 200 K. braun 400 Ml, Wirsing 300 c, Zwiebeln 100 Kl, Porre 200 Ml, Aepfel 400 K, Grüne Heringe 600 A, Kabeljau 800 und 1000 Ml. Schellfisch 800 cl, Bücklinge 900 M, Holl. Vollheringe 200 cl. ** Die Preise auf dem Schweinemarkt. Von den am 9. April auf dem Dortmunder Schlachtviehmarkt aufgetriebenen Schweinen wurden verkauft, pro Pfund Lebendgewicht: 87 Stück a 3700 Mk., 3 Stück a 3650 Mk, 247 Stück z 3600 Mk, 140 Stück a 3500 Mk., 38 Stück a 3400 Mk., 28 Stück a 3300 Mk, 4 Stück a 3200 Mark, 2 Stück a 3100 Mark, 11 Stück a 8—.2 S 62 ** •:* S** S 5 8 B 2 4 S 2 nFafnes ***• 3 SSn 878893 8 * 2 8 5 S S S—2.3 S.RS S• SS3S. 9 a sass Sno’’ 1— d#####e er und Lippen. „Immer,“ er Und 1o weiter. Man wird vielleicht einwenden, daß der Inhalt dieser modernen Noveile etwas moucton ist, aber wir können dem Leser die Versicherung geben, daß er sie außerordentlich interessant finden wird, wenn er in Betracht zieht, daß das Rädchen in jedem Kapitel dasselbe ist, der junge Mann aber jer#nal ein### Umgekehrt. Es war Zeit für Klein=Lieschen, zu Velk zu geben, aber sie wollte sich durchaus nicht dazu bewegen lassen. als gar nichts hat sich zu ihr aufs Bett und lachend zogen die beiden ab, sich in ihren Stuhl zurückeublicke der wohlverdienten Ruhe Endlich. helfen wollen, erklärte Papa, er werde legen, bis sie eingeschlasen sei. Er kleinen Nachlgewand, der gelegt. Mammi,“ sagte sie,„mach ja is Pappi eindestaft!“ endli Schöne Aussichten. Ludolf:„Wenn wir erst verheiratet sind, Liebchen, wie entzückend wird es sein, wenn wir abends in unserm Gärtchen sitzen, die untergehende Sonne bewundern, den süßen Dust der Blumen einatmen, uns an ihren Farben erfreuen und—“ Klara:„Ja, ich denke es mir auch herrlich, Liebster! Ich bringe meine Arbeit heraus und setze mich in den hübschen Korbsessel von Tante Anna. Du gießt unterdessen den Garten, walzest den Rasen, machst Holz klein und trägst mir die Kohlen aus dem Keller herauf, damit frühmorgens alles rasch geht. Ach, Ludolf, wird das nicht reizend sein!“ Ludolf:„R gum ja, liebe Kla. srannt man ein reines, tro mit einer dicken Schicht Nocht Speise ruhig weiterkochen. Versalzen kaum noch etwas Gummiringe an leicht hart und brücig. Sie kann man durch ein einen. Ueber den Topf Tuch, das man ckt. Dann lästt man die kurzer Zeit ist von dem merken. machgläsern werden den aber wieder weich, wenn 1 man sie in eine Mischung von 1 Teil Ammoniak und 2 Teilen Wasser legt. Um ihre alte Elastizität wieder zu erreichen, bedarf es manchmal nur fünf Minuten, doch mus man man Ringe bis zu einer halben Stunde in dem Ammoniakbade liegen lasten. nuten,— zwanzig,— eine halbe nderte sich, das Vater so lange chlehen gehen, da hörte sie leise äher und nüher kamen sie, bis der Tür stand im langen, weißen Finger warnend auf den Mund liß von Laura Uineent. oldene Ketten reinigt man am schnellsten, indem man sie in eine Flasche mit warmem Wasser tut, dem man geschabte Seife zusetzt. Dann schüttelt man die Flasche tüchtig, nimmt die Kette heraus und wäscht sie nochmals in reinem Wasser, worauf man sie gut trocknet. Risse in eisernen Oefen kann man mit folgendem Kitt zuschmieren. Man nimmt feingesiebte Holzasche, gießen beigibt. Rebus. (Auflösung folgt in nächster Bumor. Wo war die Katze? Frau Lehsann(sich im Bett aussetzend):„Lehmann, haste de Katze aus de Stube rausgelassen?“ Lehmann:„Jawoll, Mutterken, det ha ick jetan.“ Frau Lehmann:„Is denn det ooch wahr?“ Lehmann:„Wennste jlooben duhst, ich habe dir anjelogen, Olle, denn steh man uff un laß ihr selber raus!“ * Er wollte nichts behaupten. Zwei alte Sachsenhäuser en in einen hitzigen Streit geraten, der kein Ende finden zu wollen schien. Plötzlich rief der eine:„No, ich will nix behaupte, awwer so viel is sicher, aaner von uns hott unrecht, un ich waaß ganz gewiß, da ich derjenig' net bin!“ Eingegangen. Frau Warmund gab eines Tages ihrem Mann die Versicherung, sie habe ihn noch nie belogen und werde es auch niemals tun. „So,“ sagte er,„ich werde jetzt jedesmal mit einem Taschenmesser einen Einschnitt in das Klavier machen, wenn vermischt sie mit Kochsalz, und verrührt beides unter Zu=1 zu mich belügst.“ gießen von Wasser zu einem Ttig, dem man eln wenig Lehm„Was?“ schrie sie ihn an,„denkst du vielleicht, ich will mein ganzes Klavier ruiniert haben?“ Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Haupt=Annoncenblatt. •* * tUT * 10 180 941• Der Nach dem Italienischen von Mi. (3 Ferisetzung.) 1 a MRit“ einem Gemisch von Schandern und Une halte Jadio dem Alten zugehört! Es berührte ihn unau genehm, daß sein Weib, das er von all wundert wähnte, einen so unversöhnlichen Feind besaß. selbst wenn derselbe nur ein armer, alter Trödler war. Allerdings, wenn der Mann durch ihre Pferde verletzt worden war(ein Vorfall, den Nina ihm gegenüber niemals ist ist's nicht, aber es h Spiegel. Kommt!“ Ueber die am B stolpernd, führte er in einen kleinen sch ein Gr ###ruck verboten.) Stübchen! Schön legel drin— nstände igen worden war(ein Poral, den Aina ihm gegenützer niemals Kotrug, Jtulg, Dihzt am Feuster king der Spitzel, von erwähut hatte), so hatte sie unrecht getan, sich micht un den. brochener tucze, neich in gu. sebenemn Süber geatteit, Nichts als ein genden E durch eine schnale Seitentüre Raum von düritiger AusStrohlager und ein zerVerunglückten zu kümmern. Aber sie mar ja noch so jung; wenn auch unbedacht, war sie doch sicher nicht herzlos. „Nun?“ fragte der Trödler, erstannt, daß der andere kein Wort des Lobes für seine Tat hatte.„Habe ich mich nicht gut gerächt? Unser Herrgott hätte es nicht besser machen können!“ „Euer Weib verdiente die Strafe," war Antwort,„aber ich kann es nicht bewundern, daß Ihr zum Mörder geworden seid.“ Der Alte schlug die Hände vor Verwunderung über dem Kopf zusammen.„Was, Mörder nennt Ihr mich? Ihr seid im Irrtum! Sie mordete mich! Mein Herz statb in dem Augenblick, wo ich sie mit einem anderen sah: Und seit jener Stunde hat sie mir keine Ruhe mehr gelassen. Sie erscheint mir jede Nacht— hört Ihr wohl? dem er gesprogken, neich in ein Sutigetuge mutiler Kuns. * Neisterwerk antiser Kunst. Sobald Jabio sich allein sah, trat er vor den Spiegel, m sich zu betrachten. Ein Stich ging ihm durchs Herz, als er sich erblickte. Ter Alte hatte recht gesehen: er we alt und sein Haar schneeweiß. Zwanzig Jahre hatten ihr ettugc,; war die ruhige nicht so verändern können, als die eme Schre Jede Nacht ich höre ihren Schrei, ich sehe ihr Blut rieseln, und dann kann ich nicht schlafen. Es ist entsetzlich!“ Er fuhr mit der Hand über die Stirn und dann, als erwache er aus einem Traume, sagte er plötzlich:„Entschuldigt, daß ich Euch ganz vergessen habe! Ihr wolltet einen Anzug, nicht wahr? Nur Geduld, wir werden schon etwas finden!“ Und eifrig in dem Kasten wühlend, zog er die Kleider eines Korallenfischers herau sagie er schmunzelnd. etel die 91 So, das wird passen!“ „Seht, die schöne rote Blouse, der Gürtei, vie Mütze,— alles in besiem Zustand. Der sie getragen hat, war von Eurer Größe. ein stattlicher Bursche! Schade, er ertränkte sich vor zwei Monaten.“ „Warum?“ „Natürlich um eines Weiles willen!" brummte der Trödler.„Er war ein Narr! Brechte dem Mädchen Kocallen und Perlen von der Reise mit. Sie hatte versprochen, ihn zu heiraten; als er aber nun wiederkam, stieß sie ihn zurück und wollte nichts mehr von ihm wissen. Ta sprang er vor ihren Angen ins Meer. Wunderliches Volk— die Meuschen!“ Fabio hatte unterdessen den Anzug betrachtet. Er gesiel ihm für seinen Zweck und ohne langes Feilschen bezahlte er den Preis. „Habt Ihr nicht einen Winkel, wo ich mich umkleiden könnte?“ fragte er dann. unter den Toten. Sein Gencht war vonig abgemagert und mit tiefen Furchen durchzogen, während die eing sunlenen Augen einen starren, unnatürlichen Ausdruck hatten. Wieder überlam ihn die Furcht, ob sein Freund ihn erkennen würden. Zum Glück konnie er genügend Beweise vorbringen, daß er wirklich Fabio Nomani war und nach dem ersten Schrecken würden die Seinen gewiß um so eifriger bemüht sein, ihn die ausgestandenen Leiden vergesen zu. marhen. zeiuen Scum Mit solchen Trostgründen semen Scmerz niederkämpfend, beeilte er sich, die Kleidung des Fischers anzulegen. Als er dann abermals einen Blick in den Spiegel warf, mußte er fast lächeln über seine Metamorphofe. Er Eindruck. Etwas von der früheren Lebenskraft Freudigkeit erfüllte sein Inneres; jetzt konnte er sich doch wenigstens wieder vor Menschen blicken lassen und in kurzer Zeit, das fühlte er, würde er sich wieder ganz erholt haben. Vielleicht erhielten sogar seine L##e ursprüngliche Farbe zurück und wenn nicht,— Vun,„ interessanter würde der Gegensan zwischen seinen jungen Gesicht und dem weißen Haare sein. 6.6 868 Als Fabio völig angekeidet war, v#ggtt Stübchen und trat wieder in den Laden. Ter eilig angelaufen kam, rin voll Bewunderung die kleinen, 5 — n S 8 5 S 2 6 S 5#. S 0 5 n s faltete Seide! Ihr könntet das gewiß auch,— es häugt nur von der Geschicklichkeit ab.“ Während der Alte so vor sich hin schwatzte, überlegte was er zunächst tun sollte. Er hielt es für geraten, nicht bei Tageslicht nach Hause zurückzukehren; er fürchtete, der unvermutete Anblick des Totgeglaubten könne seine Frau zu sehr erschrecken und dadurch schlimme Folgen nach sich zieden. Wenn er den Abend abwartete, konnte er unbemerkt bis an die Villa gelangen und dort einen der Diener oder vielleicht gar seinen Freund Guido Ferrari treffen, der es dann übernehmen sollte, Nina langsam auf seine Rückkehr sund auf sein verändertes Aussehen vorzubereiten. Die Stimme des Trödlers weckte ihn aus seinen Gedanken. „Geht Ihr nech weit?“ fragte der Mann mit der Neugier des Alters. — sehr weit!“ war die kurze Antwort. „Sagt mir noch eine!“ Und der Alte legte knöcherne Hand auf — ich werde Euch einem Weide?“ seine den Arm Fabios.„Sagt mir eins, auch nicht verraten: Geht Ihr zu „Ja!“ Ter Trödler brach ein häßliches Gelä ter aus: Ha ha!" frachzte er,„Ihr geht zu einem Weibe! Werdet nicht der Erste und nicht der Leite sein! Geht nur! Ihr seid stark und habt einen kräftigen Arm! Geht nur zu ihr bin,— überrascht sie und dann— toter sie! Ihr könnt das ja leicht iun! Geht und tölet sie!: Fabio hielt nicht länger stand, die Worte des tuckischen, boshaften Alten empörten ihn. Er beeilie sich, aus dessen Nähe zu lommen, aber mitten im Lärm der Straßen, im lanten Gewühl der Menge hörte er immer wieder und wieder den Satz:„Geh' und— 1öte siel“ 5. Kapitel. Unter den Lebenden. Der Tag erschien Fabio wie eine Ewigleit. Er wanderte planlos in den Straßen umher, ohne einen Bekannten zu treffen, denn die reicheren Benshner Neapels hatten aus Furcht vor der Cholera entweder die Stadt verlassen, oder blieben, von allem Verkehr abgeschlossen, in ihren Häusern. Noch immer wütete die Evidemie mit ungeschwächter Heftigkeit, sast zu jeder Stunde begegnete man einem Leichenzug. In jenen Tagen war es, wo König Humbert von Italien der Welt ein seltenes Beispiel von Seelengröße und Hochherzigkeit gab, indem er mit heldenmütiger Todesverachtung die Lazarette und die Behansungen der Cholerakranken anisuchte. Nur von einem kleinen Gefolge begleitet, durchschritt er die verpesteten Straßen mit einer e und Sorglofigseit, als wandele er in einem Rosengarten. Er beirat die schmutzigsten Wintel, wo Tole und Sterbende lagen: er sprach freundlich=tröstende Worte zu den Trauernden, die erstaunt und dankbar zu dem Monarchen ausschanten: Gold und Silber legte er in die Hand der Armen und jedes Bittgesuch fand sofortige Erledigung. an diesem Morgen machte der König einen Runsgang durch die Stragen. Jabio stand dicht am der ehrsurchtsvoll grüßenden Menge, als der Monarch vorüberschritt. Die hohe, kräftige Gestalt des Grafen schien seine Aufmerksamkeit zu erregen.„Wahrlich, ein Vorwurf für einen Maler, dieser Fischer!“ sagte er halblaut zu seinem Adiutanten. Dieser Fischer! Fabio erbebte; er mußte gewaltsam an sich halten, um nicht vorzutreten und seinen Namen zu nennen. Auch der König erkannte ihn nicht! Und doch war Graf Fabio Romani siets ein willkommener Gast im Quirinal gewesen und so oft er nach Rom kam. hatte König Humbert ihn in der freundlichsten und herzlichsten Weise empfangen. Mit einem bitteren Gefühle im Herzen trat Fabio weiter zurück; erst als der Fürst vorüber war, folgte er ihm in einiger Entsernung nach. In einer engen Straße blieb der König vor einem ärmlich aussehenden Hause stehen, an dessen Tür sich ein Hausen Menschen angesammelt hatte. Neben einem offenen, noch leeren Sarge standen zwei Leichenträger, die sich mit einigen Männern zankten, während mehrere Frauen bitterlich weinend daneben standen. Beim Erscheinen des Landesherrn verstummte der Lärm; ehrerbietig grüßend traten die Leute zur Seite. „Was geht hier vor?“, fragte der König mit sreundlicher Stimme. Einen Augenblick herrschte tieses Schweigen, dann trat eine dicke, gutmütig aussehende Bürgersfrau aus dem Kreis. „Möge die Jungfrau und alle Heiligen Euer Majestät segnen!“ begann sie ein wenig verlegen.„Wir baten die Männer“— sie wies auf die mürrisch dreinschauenden Leichenträger—„noch eine Stunde zu warten, eine einzige Stunde, aber sie wollten nicht. Das Mädchen ist tot, Euer Majestät, und Giovanni, der arme Bursche will cs nicht verlassen. Er hält die Tote fest umschlungen und trotz allen Zuredens gibt er sie nicht her. Wenn wir sie ihm aber gewaltiam wegreißen wollten, verliert der Aermste den Verstand. Nur eine Stunde noch, Majestät!“ fuhr sie in bittendem Tone fort,„nur eine Stunde laßt sie noch warten, dann kommt Pater Tominik und der wird Giovanni besser zureden als wir es können!“ Ohne ein Wort zu erwidern winkte der König mit der Hano, die Leute wichen ehrerbietig zurück und er trat, gefolgt von seinen Begleitern, in die elende Stube in der sich die an der Cholera Gestorbene besand. Auf einem Stroblager ruhte der Körper eines jungen Mädchens, dem selbst der grausige Tod nichts von seiner Schönheit geraubt hatte. Neben dem Bette kniete ein junger Mann, dessen verzweifelte, gebrochene Haltung selbst den rauhen Männern des Volkes Mitleid einflößte. Seine Arme waren fest um den Körper des Mädchens geschlungen, während er das Gesicht an der Brust der Toten verbarg. Ein heller Sonnenstrahl siel wie ein goldener Pfeil in den dämmerigen Raum und beleuchtete die traurige Gruppe am Boden, die hohe Gestalt des mitleidigen Fürsten und die halb ängstlichen, halb neugierigen Gesichter der Umstehenden.= „So liegt er nun schon seit sechs Stunden“, flüsterte die Bürgersfrau,„seine Hände halten sie fest wie Eisenklammern,— nicht einen Finger kann man losbringen!“ Ter König trat näher und sanft die Schuiter des unglücklichen Mannes berührend, sagte er mit unendlich weicher Stimme: „Mein Sohn!“— Es erfolgte keine Antwort: man hörte nur das Schluchzen der von Rührung überwältigten Frauen. Abermals sprach der König: „Mein Sohn, ich bin Dein König! Hast Du keinen Gruß für mich?“ erst erhob der Bursche seinen Kopf und starrte verständnislos auf den, der ihn angeredet hatte. Seine von Schmerz durchwühlten Züge, der wirre Ansdruck der Augen zeigten deutlich, wie furchtbar er litt und wie recht die Befürchtung der Leute war, er könne den Verstand verlieren. „Gib mir die Hand!“ sagte der König in mildem, aber gebietendem Tone. Langsam, zögernd, wie unter dem Banne einer magnetischen Kraft löste sich der Arm, der die Tote so fest gehalten und streckte sich dem Fürsten entgegen. König Humbert ergriff die dargebotene Hand und sich voll Leutseligkeit zu dem Unglücklichen herabbeugend, ist sagle er und einfach: Tod!“ „Mem Freund, Liede ist etzung folgt.) Eie. r Denkspruch. Der Schmerz ist der große Lehrer der Ilenschen. Unter seinem Hauche entialten lich die Seeien. m. v. Ebner=Eschenbach. * Die Strafe folgte auf dem Fuß. Endlich nach langen Verhandlungen war es dem Instrumentenhändler gelungen, eine minderwertige Trompete um einen hohen Preis loszuwerden. „Und wohin darf ich das Instrument schicken?“ fragte er höflich. „Parkstraße 57, dritter Stock,“ war die Antwort= Das Gesicht des Ladeninhabers zog sich in die Länge. Er hatte mit seiner Familie am Tag vorher deu zweiten des Hauses Parkstraße 57 bezogen 23 sese Adertef. Die Meeresfiut im Postdienst. In den Wintermonaten ist bei der einsam gelegenen kleinen Jusek St. Kilda, die zu den schottischen Hebriden gehört, das Meer so stürmisch und gefährlich, daß die Schiffahrt unterbrochen werden muß, weil kein Fahrzeug sich der zerklüfteten Küste zu nähern wagt. Dann hört der Verkehr mit der Welt vollkommen auf. Um diese Abgeschlossenheit wenigstens zum Teil zu durchbrechen, hat, wie das„Journal“ berichtet, die schottische Postbehörde auf dem kleinen Eiland ein kurioses Mittel ersonnen. Die Briese werden in eine kleine Kiste gelegt, die dann mit wasserdichtem Stoff umkleidet und sorgsam vernäht wird. Dann werden diese Kisten an einem bestimmten Punkte der Küste ins Meer geworfen, die Strömung treibt sie fort, und gewöhnlich werden sie auch an der norwegischen Küste aus Land gespült, wo der Finder sie gegen eine entsprechende Belohnung zum nächsten Postamt trägt. Das Meer ist zwar kein musterhafter Postbote, seine Gewissenhaftigkeit läßt manches zu wünschen übrig. und übertriebene Pünktlichkeit ist nicht gerade die Tugend der so in den Postdienst gestellten Fluten. Aber die Erfahrung hat ergeben, daß von sechs in das Meer geworfenen Briefkisten durchschnittlich vier in Norwegen eintreffen. Und dieser, wenn auch nicht völlig zuverlässige Verkehr mit der Welt, ist immerhin noch besser als gar keiner. Eine merkwürdige Freundschaft zwischen einem Arbeiter uid einer Taube wird aus England gemeldet. Der Mann fährt jeden Morgen zehn englische Meilen auf dem Zweirad, um seine Arbeitsstelle zu erreichen. Während dieser ganzen Zeit sitzt die Taube auf seiner Schulter, von wo sich durch keine Gewalt vertreiben läßt. Bei der Arbeit hält sie sich stets in seiner Nähe auf, und des Abends macht sie die Heimreise wieder auf seiner Schulter. Was ein englicher Parlamentssitz koslet. Mit begreiflicher Beklommenheit mag das Gros der engtischen Volksvertreter immer einer Parlamentsauflösung entgegensehen, denn die Neuwahlen türmen nicht nur das böse Fragezeichen auf, ob man wieder den innegehabten Sitz einnehmen wird, sie bedeuten auch, bei aller Unbestimmtheit des Erfolges, einen schmerzlich tiesen Griff in den Geldbeutel. Aver die Parlamentskandidaten von heute haben es immer noch besser, als ihre Vorgänger vor hundert Jahren, denn damals waren die Summen, die ein Kandidat für seine Wahl opfern mußte, noch ungleich höher als heute. Eine englische Wochenschrift erinnert daran, daß Lord Milton und Lascelles, die beide in York kandidierten, im Jahre 1807 für ihre Wahl zusammen nicht weniger als 4 Rillionen Mark ausgeben mußten, jeder von ihnen 2 Millionen. Diese Ziffern sind freilich ein Rekord gellieben; aber in jeuer Zeit waren die Wahllokale oft fünf, bisweilen sogar sechs Wochen lang geöffnet, und die Anwärter des Parlaments mußten ihre Wähler auf ihre eigenen Kosten aus den fernsten Winkeln des Landes zum Wahllokal befördern. Dabei wurde in jener Zeit in großem Maßstabe mit Stimmenkauf und Bestechungen gearbeitet. In einem so kleinen Wahlbezirk wie Northampton haben 1768 zwei Kandidaten je 600000 K aufwenden müssen, um anständige Wahlen zu erzielen. Die gleiche Summe bezahlte ein Volksvertreter von Kent für seinen Parlamentssitz. 400 000 i war ein normaler Preis für eine Wahlkampagne. Unter den reichen Leuten war der parlamentarische Ehrgeiz so groß, daß schließlich die Väter in ihre Testamente Klauseln einsetzten, um die Söhne daran zu verhindern, einen großen Teil ihres Vermögens für die eigene Wahl auszugeben. Merkwürdig genug ist es, daß der Erfolg im Wahlkampf oft viel billiger ist, als der Mißerfolg. Bei den Wahlen im Jahre 1900 hat Louis Sinclair im ganzen nur 38 480 M geopfert, um in South Esser einen Parlamentssitz zu erringen, während der Gegner, der 3000 Stimmen weniger erhielt, nahezu 45 000 K aufwandte. Freilich können nicht alle Kandidaten solche Summen aufbringen, und manche sind auch durch ihre Geschicklichkeit, billige Wahlerfolge zu erzielen, berühmt geworden. So hat es W. Abraham im Jahre 1786 fertiggebracht, mit nur 140 is Kosten einen Parlamentssitz zu erobern. Doch diese Leistung verschwindet vor dem Erfolge des steinreichen, aber beispiellos geizigen John Elwes, der vor Jahrzehnten eine Kandidatur in Verks nur unter der Bedingung annahm, daß seine Wahl ihn nichts kosten würde. Sie kostete ihm schließlich doch etwas: nämlich 1,30 für ein Frühstück. Aber den Rekord der Billigkeit hält zweifellos Michael Tavict, der im Jahre 1893 aus dem nordöstlichen Wahlkreise von Cork ins englische Unterhaus entsandt wurde: ihn hat seine ganze Wahlkampogne rund 85 Pfennige gekostet. Gutbezahlte Schriftsteller. Sir Artur Conau Dovie, der Schöpfer des berühmten Sherlock Holmes, verdiente im ersten Jahre seiner Schriftstellerlaufbahn noch nicht einmal 400 M, aber für seinen Roman„Rodney Stone“ erhielt er 140000 M, ehe das Buch überhaupt geschrieben war. Daudet nahm für einen Roman die Summe von 800 000.K ein, Wallace, der Verfasser von Ben Hur, hat mit diesem vielgelesenen Buch über eine und eine halbe Million verdient. Victor Hugo brachten seine„Misérables“ 320900., und von Rudyard Kipling erzählt man sich, daß er kein Wort unter 2: schreibt. Sven Hedin erhielt für sein letztes Buch 200 000, ebensoviel Lord Morley für seine Biographie Gladstones. Die Witwe des amerikanischen Generals Graut bekam für die Remoiren ihres berühmten Gemahls 2 lionen Mark, Des Mädchens Treue. (Eine moderne Novelle.) I. Kapitel.„Wirst du mich auch immer lieben?" flüsterte sie und lehnte ihr Köpfchen an seine männliche Brust. „Immer," erwiderte er und küßte ihre rosigen Lippen. II. Kapitel.„Wirst du mich auch immer lieben?" flüsterte sie und lehnte ihr Köpfchen an seine männliche Brust. „Immer," erwiderte er und küßte ihre rosigen Lippen. III. Kapitel.„Wirst du mich auch immer lieben?“ slüsterte und lehnte ihr Köpfchen an seine männliche Brust. sie schicch u KO