Aüt Ihrer Churfürstl. Gnaden zu Cölln gnädigstem Privilegio Freytag den 20. December. I. Vermischte Nachrichten. Der Brand=Societäts-AAuarius läßt diejenige; welche bey ihm diesfalls Angelegenheiten haben, ersuchen, der bevorsteheuden Landtags=Seßionen halber, an statt auf dahiesigem Hofsaal; sich in dem der Frau Hofräthinn Schilgen Wohnhof gegen über liegenden Marmets Hause auf Ludgeri Straße einzufinden. Mit Kuhrfürstlichem gnädigsten Privilegio wird bey Anton Wilhelm Aschendorf Buchdruckern und Buchhändlern dahier auf Pränumeration neu gedruckt und aufgelegt werden: R. P. Nicolai Schaten Soc. Jefu, Historia Weftphalig Spc. Sejusdem Annatium Paderbornienfium pars I.& II. amp; c. Mit dem Druck desselben soll, sobald als moguch; der Anfang gemacht, und sodank ununterbrochen fortgefahren werden; so daß man alle halbe Jahr, oder, wenn es möglich, noch ehender; einen Theil wird liefern können. Der Verleger wird sorgen, daß diese Edition der vorigen an Druck und Papier weit übertreffe. Die Herren Liebhaber, welche an der Pränumeration Theil nehmen werden, zahlen das ganze aus dreyen Theilen in Folio bestehende Werk, welches sonsten in BücherAuctionen über 40 Rthlr. verkaufet worden mit 5 Rthlr., nach der Zeit wird kein Exemplar unter 7 und einen halben Rtthle. belassen werden. Bis auf den rsten März 1772 wird Pränumeration angenommen; die Herren Liebhaber werden ersucher, sich zeitig zu mel den, damit man wegen der Jahl deren zu druckenden Exemplarien sich richten könne.(Es suchet jemand ein im Kirspel Überwasser indem nur wenige mehr, als sich Prann=, belegenes Haus zur Miete. Das Intell meranten finden, zum Verkauf gedruckt Comt. giebt weitere Nachricht. werden sollen. Vermischte Neuigkeiten Petersburg vom 22. Novemb. Mit dem als Courier von der ersten Kaiserl. Armeehier angelangten Generalmajor Stupischin hat man unter andern vernommen, daß die sämtliche Bagage des Türkischen Korps unter dem Bassa Mussun Uglu, welcheunseren leichten Truppen in die Hände gefallen ist, ungefehr aus tausend Fuhren bestanden hat; worunter die Bagage des Mussun Uglu selbst war. Kurz nachdem der Fürst Kantemir die Vestung Giurgewo besetzt, hat der Feind sich wieder etwas gefaßt und einen Angriff auf dieselbe versucht; als er aber einen viel zu starken Widerstand angetrossen sohat er sich Mühe gegeben, nur seine auf der Insul nahe bey Giurgewo, nachgebliebeiie Kanonen mit sich fortzubringen. Allein, auch dieses ist ihm so wenig, als iines geglückt. Der Fürst Kantenir hatte weder Infanteristen, nochArtilleristen bey sich; es mußten also Kosacken und Husaren bey den eroberten Kanonen die Dienste statt jener verrichten. Das jenseitige Ufer der Donau ist, von ihrer Mündung an bis über die Stadt Girsow hinaus, von den Feinden gereiniget alwoste, nach Einbuß ihrer Artillerie und Verstörung der Vesiungen und Magazine, sich zirgends mehrhalten können. Die Kaiserinn hat den Generalmajor Stupischin, seiner bey der Armee geleisteten wichtigen Dienzre halber zum Generallieutenant erklärt. Türkische Gränze, vom 12. Nov. Wie die neuesten Nachrichten aus Constantinopel geben so ist daselbst eine Menge Schiffemit Lebensmitteln angekommen, worüber das Voik eine große Freude bezeugt, und dem Großsultan viele Lobeserhebungen wegen seiner väterlichen Sorgfalt für seine Unterthanen macht. Der Großsultan sollsich jetzt, wider die Gewohnheit der Morgenlänvon verschiedenen Orten. dischen Monarchen seinen Unterthanen öfkers zeigen, um sich dadurch ihre Liebe und ihr Zutrauen desio mehr zu erwerben. In allen seinen Gesprächen soll er ein heftiges Verlangen; den Krieg fortzusetzen, zu erkennen geben, und da die Jahrszeit für diesen Feldzug schon verstrichen ist, zum künftigen desio größere Anstalten machen. Er verläßt sich dabey auf seine Schatzkammer, welche noch unzähliche Summen enthält woran seinze Vorfahren seit Jahrhunderten gesammlet haben. Hierdurch sucht er frische Armeen und frischen Kriegsvorrath aufzubringen, und glaubt seinen Feinden, wo nicht an guten Sotdaten und an Kriegeszucht, doch an Menge der ersten und statt dieser an Gelde überlegen zu sehn, ob ihn gleich die Erfahrung bereits gelehret haben sollte, daß es im Kriege nicht auf die Stärke des Kriegsheeres, sondern auf die Tavferkeit der Soldaten und auf die Klugheit ihrer Feldherren ankömmt. Zudem ist bekannt, daß die besten Türkischen Truppen bereits in den vorigen Feldzügen geblieben sind, und daß drey unglückliche Jahre den Muth der Nation ganz niedergeschlagen haMayland, vom 25. Nov. Se. Königl. Hoheit, der Erzherzog Ferdinand, unser General=Gouverneur, haben durch Dero Thätigkeit, Wachsamkeit und Begierde; sich in allem zu unterrichten, was zu Dero Gouvernement gehört, die Liebe Ihrer Unterthanen erworben. Besonders macht die Guade, mit der Sie jedermann, der Ihnen Bittschriften überreichet anhören, wozu alle Woche ein Tag nemlich der Mitwoch, angesetztist. Ihnen alle Herzen eigen. Florenz vom 28. Nov. Den agsten, Abends um 9 Uhr; trafen Se. Königl. Hoheil, der Herzog von Gloueester, von Pisa in hiesiger Hauptstadt ein, wo Sie die merkwürvigsten Seltenheiten zu besehen gesonnen sind; worauf Sie nach Pisa und sodann nach Livorne zurück kehren wollen, wo bey dem Englischen Conful, Herrn Dick, ein großer Batt, und auf dem Schiffe des Englischen Admirals, Hru. Dennis, ein großes Tractement seyn wird, bey welchem auch des Großherzogs und der Großherzoginn Königl. Hoheiten, zugegen seyn wollen. Danzig, vom 7. Decemb. Die Kaiserinn von Rußland hat Befehl gegeben, 8000o Mann Recruten in ihren Staaten anzuwerben. Diese sollen, dem Vernehmen nach, unter die Garnison=Regimenter, welche an den Gränzen von Asien stehen, gesteckt, und aus selbigen eine gleiche Anzahl alter Soldaten gezogen, und zu den beyden Armeen gegen die Türken geschickt werden. Man versichert auch, daß die Rußischen Truppen in Pohlen durch eine Recrutirung bis auf 40000 Mann vermehret werden dürften, und wenn der Friede diesen Winter nicht zu Stande komme, so werde eine dritte Armee von 4otausend Mann die Belagerung von Oczakow vornehmen. Donaustrom, vom 6. Decemb. Seitdem Se. Majestät, der Kaiser von der Böhmischen Reise Sich wiederin Wien befinden, sind Siefast täglich von frühe des Morgens bis an den Abend mit Arbeiten in Dero Zimmer beschäftiger. Allerhöchstdieselbe werden, dem Vernehmen nach bald wieder eine Reise, und zwar nach Kärnthen und Steyermark, antreten, um auch in diesen Landschaften und deren Hauptsiädten Grätz und Klagenfurth die Regierungs=Verwaltung zu untersuchen. London, vom 6. Decemb. Der König hat ein höchsteigenhändiges Glückwünschungsschreiben an den König von Pohlen über Seine Rettung aus den Händen Seiner Mörder erlassen. Die Heirath des Herzogs von Cumberland wird noch nicht auf der schönen Seite betrachtet. Der König hat nach Windsor; wo der Herzog seinen Wohnsitz mir seiner Gemahlin bestimmet hat, einen Kammerherrn gefertigt um Sr. Königl. Heheit zu bedeuten, daß Sie Sich entuorigen mochten bey Hofe zu erschei. nen; auch ist allen Minisieren und übrigen Kronbedienten angesagt worden, daß diejenie gen unter ihnen; welche den Herzog und seine Gemahlinn besuchen wollten sich vom Hofe wegbegeben sollten. Am zten dieses„Abends, sollen, dem sicheren Vernehmen nach, an des Königs Botschafter zu Petersburg, Lord Catchart, wichtige Briefe gefertigt worden seyn. Man sagt, belobter Minister werde dar in bevollmächtigt, an dem im Werke stehenden Handlungs=Lractate die letzte Hand zu legen. Was sonsi von Vorträgen gesprochen wirv, die einem gewissen Hofe gethan worden seyn sollen auf seine Allianz mit Rußland zu verziehen, ist gar zu unbestimmt, sich an der Sacheaufzuhalten. Briefe aus Jamaica melden, daß die Spanier Ports Ricco und Cuba auf das stärteste bevestigen, und viele Truppen aus Spamen dahin ziehen. Auch von Sevilla hat man die Nachriche, daß daselost viel Fuhrwerk zu Abführung von Geschütz, Spanischen Reutern und Sturmleitern in Bereitschaft gesetztauch viele Mörser Kanonen Bomben und sonstigesKriegsgeräthe angeschafft würden. Alles dessen uneracht, will man dermalen von guter Hand wissen, daß zwischen unserm und dem Spanischen Hofe eine vollkommene Eintracht herrsche, und die zwischen beyden Mächten vorwaltende Irrung nicht vermögend seyn werde, den unter ihnen bestehenden Frieden zu stören. Man fügt noch hinEgmont sey, obgleich unser Hof noch keine Nachricht von seinen nach Falk land geschickten Officiers erhalten, nach Ausweisung des jüngsten Vertrags zwischen bey den Kronen, den Engländern wieder eingeraumet worden. Wien, vom 6. December. Wie verlautet, wird der neue KöniglichFranzösische Botschafter, der Durchl. hochwürdigste Herzog von Rohan, Coadjutor des Erzbißthums Straßburg, in wenig Tagen hieselbst eintreffen, wie denn bereits verschiedene Hausofficiers und Livrebedienten von dessen Suite allhier voraus angelangt. Gleich wie aber der Staar hochersagten Herrn Botschafters so zahlreich, daß in der sonst für alle Herren Botschaftere bestimmten Gräflich von Kaunitz= Questenbergischen Behausung nicht Raum genug vorhanden; so hat man die daran stossende zur weissen Rose genannte Behau sung gemietet, und auf Kosten des Herrn Botschafters einrichten lassen. Paris, vom 2. Decemb. Nachdem der Herzog von Choiseul vom Könige die Erlaubniß erhalten hat, aus seiner Verbannung zurück zu kommen, so befindet sich derselbe seit einigen Tagen wieder hier. Man fängt nun auch an, zu hoffen, daß die Prinzen vom Geblüte und die Pairs von Frankreich ebenfalls nächstens bey dem Könige wieder in Gnaden kommen werden. Amsierdam, vom ro. Decemb. Aus den letzten Londner Briefen läßt sich noch mit keiner Gewißkeit ersehen, ob künftiges Jahr Krieg', oder Friede zwischen England und Spanien seyn wird? Das itzige Englische Ministerium ist und bleibt für den Frieden, so lange derselbe sich mit Ehren erhalten läßt; und alle kriegerische Maaßregeln, die dasselbe nimmt, haben keinen andern Grund. Also kommt alles auf die Entschliessung des Spanischen Hofes an, welche, wie viele noch glauben genugthuend seyn wird. In diesem Fall ist auch nicht zu zweifeln, daß die Insel Falkland an England ausgeliefert worden. Berlin, vom 12. Decemb. Am Montage legten Ihre Majestät, die verwittwete Königinn von Schweden, bey Ihrer Königl. Hoheit; der Gemahlinn des Prinzen Ferdinand, einen Besuch ab welches auch am Dienstage; nach Mittage, von Ihrer Majestät, unserer Königinn, geschahe. Gestern, des Abends, speiseten bey Ihrer Majestät; der Königinn ven Schweden, Ihre Majestät; unsere Königinn, und das hier anwesende Königl. Haus. Kurzgefaßte Neuigkeiten. Wie man aus Pohlen vernimmt, so hat der Rußische Generalmajor Bibikow alle Chefs der hier und da stehenden Rußischen Korps nach Warschau beordert, um ihnen neue Verhaltungsbefehle zu ertheilen. Wie man über Livorno vernimmt, so fahren die Holländer nochtbeständig fort, eine große Menge Getraide aus Africa zu ziehen. Das Volk zu Algier, als es gesehen, daß so viele Lebensmittel aus der Stadt und den umliegenden Gegenden fortgeschaf fet würden; soll sich wegen einer daher zu befürchtenden Hungersnoth gegen den Dey empöret und dieser große Mühe gehabt haben, sich in Sicherheit zu setzen. Der Sieg; welchen der Graf Orlow über die Türkische Garnison auf einer Insel in Archipelago erhalten haben soll, ist dem Vernehmen nach, auf der Insel Lemnos vorgefallen, und dabey ansehnliche Magazine, wie auch viele Artillerie erbeutet worden. Es sind aber bey dieser Nachricht weder Zeit noch Umstände, so daß man erst Bestätigung erwarten muß. Ihro Königl. Hoheit, die Frau Erbprinzeßinn von Braunschweig, sind am 4ten December, früh, unter dem Namen einer Gräfinn von Eberstein, durch Lippstadt nach London paßirt. Unter den Holländischen Truppen werden, nach Briefen aus dem Haag, die Preußischen Kriegsübungen eingeführt; und wie man eben daher berichtet, so wollen Ihro Hochmögende gegen den nächstkommenden März eine Flotte von 7o diensifertigen Schiffen, und alle Feldregimenter com plet haben.