Nr. 286. Bierteljährlich in der Geschäftsstelle u. an allen Postanstalten 1,20 M., bei täglicher Zustellung in Bielefeld 1,40 M., durch Briefträger 1,62 M. Postzeitungsliste Nr. 5381. Vieleseio Freitag, 6 Dezember 1907. Erscheint sechsmal wöchentlich. Geschäftsstelle Ritterstr. 43. Fernsprecher Nr. 15. Historischer Kalender. 6. Dezember: Kolumbus entdeckt die Insel Haiti. 1492.— Malesherbes, französischer Minister, geb. 1721.— Thronrevolution in Petersburg, Elisabeth wird Kaiserin, 1741.— Ad. v. Lützow, Freischarenführer, gest. 1834.— Werner Siemens, Physiker und Ingenieur, gest. 1899. Autwort des Kriegsministers v. Einem an den Abgeordneten Paasche. (Reichstags=Sitzung am 4. Dezember 1907.) Preuß. Kriegsminister v. Einem: Ich sehe mich veranlaßt, auf die gestrigen Ausführungen des Abg. Paasche zu antworten. Am 2. d. Mie. nach Schluß der Sitzung habe ich hier mit dem Abg. Paasch eine, wie ich meine, vertraulich geführte Unterredung gehabt. Herr Paasche hat mir in dieser Unterredung mitgeteilt, daß er mit einigen Punkten meiner Ausführungen nicht einverstanden sei. Er hat gestern behauptet, mir Mitteilung gemacht zu haben, daß er in der nächsten Sitzung auf diesen Punkt zurückkommen wollte. Wenn der Vizepräsident des deutschen Reichstages behauptet, wir das gesagt zu haben, so glaube ich ihm: aber ich muß auf das bestimmieste erwarten, daß er auch mir glaubt, wenn ich soge, daß ich diese Mitteilung nicht gehört habe.(Stürmisches Hört! hört! rechts.) Wenn der Abg. Paasche sagt, daß ich nicht da war, obgleich er glaubte, es mir gesagt zu haben, so hätte ich wohl annehmen dürfen, daß er einem meiner Herren einen Wink gegeben hätte, mich zu rusen.(Stürwische Zustimmung rechts.) Der Abg. Paasche mußte wissen und mußte sich sazen, daß auf das, was er vorbringen würde, der größte Wert zu legen sei, daß ich zur Stelle war und gleich autworten konnte.(Sehr richtig! richts.) Wenn jemand die Absicht hat, diese Dinge, um die es sich hier handelt, kräftig mit zu bekämpfen, dann darf er unter keinen Umständen auch nur indirekt dahin wirken, daß derjenige, der an verantwortlicher Stelle steht, vielleicht als Drückeberger in der öffentlichen Meinung erscheint.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Ich habe in meiner ersten Rede indirekt zugegeben, daß ein Fehler in der Behandlung dieser Angelegenheit vorliegt. Der Herr Abg. Paasche hat gestern nach dem, was mir zur Verfügung stand, gesagt, es hätten bei dem Grafen Lynar die Verfehlungen gegen seine Untergebenen offen klargelegen. Das ist absolut nicht richtig! Es hat nur klargelegen der eine Fall mit seinem Burschen, den ich hier ausdrücklich und vollständig erzählt habe. Was run den Grasen Hohenau anbetrifft, so muß ich bemerken, daß die preußische Armee kommandiert wird von Se. Majestät dem König von Preußen, Se. Majtstät der König hatte sich in den Bestimmungen aus: drücklich vorbehalten, selbst zu befinden, ob und wann ein Ehrengericht in diesem Verfahren gegen einen General stattfinden solle, vorzüglich aber gegen einen General à la suite, der allein Sr. Majestät unterstellt ist. Wenn Se. Mojestät in dieser Frage befohlen hat, das ehrengerichtliche Verfahren gegen den Grafen Hohenau auszusetzen, so habe ich nicht die Macht und kein Mensch in der Welt hat die Macht, dagegen etwas zu machen. Man muß sich damit beruhigen. (Hört! hört! links, lebhafte Zustimmung rechts.) Ich teile hier dem Hohen Hause mit, daß beide Angeklagte sich gestellt haben. (Lebhaftes Hört! hört!) Beide Angeklagten sind vor dem Gericht erschienen, sie sind also habhaft, der Prozeß wird seinen geordneten Lauf nehmen. Der Abg. Paasche hat erwähnt, ich hätte nur von Buben aus Zivilkreisen und von dem Buben Bollhardt gesprochen, das sei nicht gleiches Recht für alle, ich hätte für die Grafen Hohenau und Lynar nur Worte der Enschuldigung gehabt. Meine Herren, ich labe gesprochen von den Baben ganz allgemein, die unsere Soldaten verführen.(Sehr richtig! rechts.)[Mit erhobener Stimme:] Obes Offiziere sind, ob es Grafen sind, obes Prinzen sind, sie mögen dieses Wort auf sich beziehen.(Stürmischer Beifall rechts) Ich lehne es ab, daß ich bloß Entschaldigungen für die beiden Angeklagten gehabt hätte. Ich habe ausdrücklich gesazt, daß sie sich stellen werden, und daß sie büßen— der Kriegsminister ruft es mit lauthallender Stimme — was sie uns Böses angetan haben(lebhaster Beifall rechts), und was sie sich selber zuzuschreiben haben. Sind das Entschuldigungen? Ich glaube nicht.(Sehr richtig!) Am Freitag, den 29., als ich gesprochen habe, sind mir die kriegsgerichtlichen Verhandlungen vom 28. noch nicht bekannt gewesen.(Hört! hört!) Der Abg. Paasche hat Briese vorgezeigt, die der Graf Hohenau an den Bollhardt geschrieben hat. Ich frage nicht, wo der Abg Paasche die Briefe herbekommen hat.(Hört! hört! rechts.) Ich will auch nicht annehmen, daß es etwa die jenigen Briefe sind, die in der Vernehmung vom 28. v. Mis., die mir also am 29. noch nicht bekannt waren, die Herr Harden dem Gericht in Abschrift vorgelegt hat. Herr Harden hat auch ein Bild des Geafen Hohenau gezeigt.(Hört! hört! rechts.) Die Briefe sind vom 2. Aug. 1906, 10. Aug. 1906 und vom 25. Mai 1907. Es handelt sich dabei um Geld und anscheinend um Befürwortung eines Gnadengesuches. Auch ist die Abschrift eines nichtssagenden Brieses des Grafen zu Lynar vom 12. Juni 1901 überreicht worden. Meine Herren, ichkenne die Briefe. Ich könnte Ihnen eine ganze Menge Briese zeigen, die ich an Untergebene geschrieben und in denen ich diesen Untergebenen auch Geld gesandt habe. Ich habe das auch als Minister getan. Der General Wox ist mein Zeuge. Es sind auch eine ganze Reihe von Untergebenen, die Bilder von mir besitzen, in der prunkendsten Uniform, in ParadeUnisorm, weil es die Leute so gern haben. Ich glaube, daß das doch nicht beweist, daß man homoseruell veranlagt ist. (Greße Heiterkeit.) Wenn der Abg. Paasche etwa andere Briefe hat als diejenigen, die ich hier genannt habe, dann möchte ich an ihn die dringende Bitte richten, sie schleunigst dem Gericht der großen Gardedivision einzureichen.(Sehr richtig! rechts), dort können sie von großem Wert sein. Ich glaube, daß sie für den Reichstag weniger Wert haben. (Stürmische Zustimmung rechts.) Im„Berliner Tageblatt“ steht, der Abg. Paasche hätte gesagt— ich stelle das alles in Frage, ich habe den stenographischen Bericht nicht— daß der Major von Hülsen hätte zugeben müssen, über die Verfehlungen des Grafen Hohenau und des Grafen Lynar orientiert gewesen zu sein, daß er auch von den Verfehlungen des Grafen Moltke gewußt hätte. Der Mejor von Hülsen ist heute morgen einigermaßen erregt bei mir gewesen, nachdem er den Bericht im„Berliner Tageblatt“ gelesen hat, in dem steht: er hätte zugeben müssen, die Armee hälte davon Kenntnis gehabt. Er hat mir ausdrücklich gesagt: Ich habe nie zuvor über den Grafen Hohenau, niemals über den Grafen Lynar sprechen hören.(Lebhaftes Hört! hört! rechts.) Die Gerüchte— das hat mir Herr von Hülsen gesagt— über den Grafen Moltke sind einmal an mich herangetreten, ehe das Eingreifen Seiner Majestät erfolgte. Ich habe auf das bestimmteste zurückgewiesen. Nachdem nun das Eingreifen erfolgt war, sind natürlich auch Gerüchte über den Grasen Moltke zu mir gedrungen.— Es ist also gerade das Gegenteil richtig von dem, was in der Presse jetzt steht, daß der Majer von Hülsen zugegeben hätte, die Ermee hätte 1 Hr diese Dinge Kenntnis gehabt.(Lebhaftes Hört! hört! rechts.) Der Abg. Paasche hat gesazt, hohe Offiziere hätten davon gewußt. Ich möchte den Herrn Abg. Plasche sehr dringend bitten, Namen dieser hohen Offiziere dem Gericht zuzustellen. Denn, meine Herren, wir wollen doch aus dem Schmutz heraus.(Stürmischer Beifall rechts.) Wir wollen doch diese Angelegenheit aus der niederen Atmosphäre des Klatsches erheben.(Stürmischer Beifall rechts.) Wir wollen doch endlich Schicht mit der ganzen Geschichte machen.(Stürm. Beifall.) Der Abg. Paasche hat auch den G. asen Moltke mithineingezogen. Ich muß daran festhalten rach meiner Kenntnis der Persönlichkeit, daß diese schmählichen Dinge dem Grafen Moltke nicht bekannt waren. Es ist verschiedentlich gesagt worden, es sei bedauerlich, daß der Kriegsmivister von diesen Dingen keine Mitteilung gehabt habe. Kein Mensch in der Welt kann es mehr bedauern als ich, daß ich nichts davon gewußt habe. Der Kriegsminister schlägt erregt auf den Tisch und ruft, seine Stimme noch mehr erhebend: Denn das versichere ich Sie, hätte ich davon gewußt, dann wären diese Sachen nicht passiert, oder ich stände nicht vor Ihnen!(Stürmischer Beifall.) Wir leben in einer Zeit des Klatsches(allseitige Zustimmung), der von Mund zu Mund getragen, leise weiter schleicht, sich um die Ehre seines Nächsten nicht viel kümmert. (Sehr richtig!) Ich möchte doch an jedermann die Mahnung richten, mit zuhelfen, daß wir aus dieser ekelhaften und schmählichen Affäre herauskommen. Herr Paasche tun Sie es weiter! Tun Sie es nicht bloß mit Worten hier im Reichstag! Tun Sie es durch direkte Anzeige. Ich würde Ihnen dankdar sein, die Armee würde Ihren dankbar sein.(Stürmischer Beifall rechts.) Ich kann nur wiederholen: wir müssen dafür sorgen, daß dieser Tratsch ein Ende nimmt, daß mit allen Mitteln Gesundheit geschaffen wird, daß, wo ein kranker Teil sich an einem sonst gesunden Körper befindet, er entfernt wird. Meine Herren, helfen Sie mit!(Stürmischer Beifall rechts, große Bewegung.) Der Sturm im Block hatte seine Ursache offenbar in einer starken Mißstimmung innerhalb der nationalliberalen Partei, die als„Kern des Blocks“, wofür sie sich hält, sich zu betätigen suchte. Die Art und Weise dieser Betätigung aber hatte eine Spannung zwischen ihr und der Regierung bewirkt, die durch das Auftreten des Abg. Paasche noch wesentlich verschärft wurde. Wie ein nationalliberales Blatt mitteilt, glaubte man in dieser Partei an Bestrebungen, die Rechte und das Zintrum aus's neue zu einen, und wurde angenommen, daß der preußische Finanzminister v. Rheinbaben diese Bestrebungen rege unterstütze. Außerdem sei man durch den„recht hoheitsvollen“ Ton verstimmt worden, mit dem Herr v. Rheinhaben an die Adresse der Nationalliberalen eine Lektion über Steuerfragen ergehen ließ. Das nationalliberale Selbstgefühl sei dadurch verwundet worden, sie hätten als Entgelt für die Bewilligung neuer Steuern sich nicht wollen„als Schulbuben" behandeln lassen. Gegen den Kriegsminister v. Einem dagegen bestehe bei ihnen keinerlei Abneigung. Anderwärts lautet das Urteil über das Verhalten der Nationalliberalen etwas anders. Die„Kreuzzeitung“ z B. meint, diese hätten nunmehr wahrnehmen müssen, „daß das forsche, allzuforsche Auftreten nicht dazu angetan ist, moralische und materi#lle Eroberungen zu machen.“ Der weitere Verlauf der Sache ist bekannt. Fürst Bülow stellte ein Ultimatum und verlangte die Entscheidung bis zum Donnerstag. Deshalb mußte am Mittwoch die Reichstagssitzung in ungewöhnlicher Art abgebrochen werden. Der Reichskanzer erklärte den Führern der Blockparteien, daß ihm die Uneinigkeit innerhalb des Blockes das Regieren unmöglich mache. Er deutete in klaren Worten an, daß er genötigt sein könnte, dem Kaiser sein Entlassungsgesuch zu übersenden; nur dann wenn die Blockparteien ihm unzweidentig ihr Vertrauen ausbrückten, könnte er bleiben. Nachdem der Reichskanzler eine Ansprache an die Parteiführer gehalten hatte, verließ er den Reichstag. Die Blockfraktionen beschlessen nun nach langen Beratungen, die Forderung des Reichskanzlers zu erfüllen. Die konservative Fraktion aber hat keinen Anlaß gefunden, dem Block und dem Reichskanzler gegenüber ihre Stellung zu ändern, da sie an dem Ausbruch der Krise keine Schuld trägt. Die Parteiführer des Blocks gaben dann em Donnerstag im sehr stark besuchten Reichstag befriedigende Erklärungen ab, die im heutigen Parlamentsbericht mitgeteilt sind. Man wolle sie dort nachlesen. Geradezu unqualifizierbar war dabei das Verhalten des Antiblocks(des Zentrums und der Sozialdemokraten). Die Erklärung des nationalliberalen Führers Bassermann begleiteten sie mit Gelächter, diejenige des freifinnigen Führers Wiemer aber mit Geschrei und Brüllen, das sich auch bei den weiteren Verhandlungen fortpflanzte und alles übertönte. Die Sitzung wurde nach einer halben Stunbe geschlossen. Schließlich sei noch bemerkt, daß die umgehenden Gerüchte, es bestehe eine schaife Spannung zwischen dem Reichskanzler und Herrn v. Rheinbaben, die Stellung des Kriegsministers v. Einem sei erschüttert, der Kaiser sei nahe daran gewesen, einen ganz ungewöhnlichen Schritt zu tun, usw. nicht mehr als Gebilde einer blühenden Phantaste sino.. Nachrichten. Aus dem deutschen Reiche. Berlin, 5. Dezember. In Leuthen fand heute, am 150. Jahrestage der Schlacht bei Leuthen, im Beisein des Kronprinzen als Vertreter des Kaisers die Enthüllung des vom Kaiser auf dem sogenanten Altarplatze des Schlachtfeldes gestifteten Denkmals statt. An der Feier nahmen u. a. Oberpräsident Geaf v. Zedlitz Trützschler, der Regierungspräsident von Breslau, die Vertreter der Behörden des Kreises Neumarkt, Oberbürgermeister Bender und eine Deputation des Stadtrats teil. Das Denkmal besteht aus einem Obelisken von 14 Metern Höhe, der von einem Kreuz gekrönt ist, und ist nach einem Entwurf des Geh. Oberhofbaurats Ihne ausgeführt. Die Vorderseite trägt ein Medaillon Bronzerelief Friedrichs des Großen, darüber die Worte„Nun danket alle Gott", die Rückseite die WBidmung: 1757 den Siegern von Leuthen, Kaiser Wilhelm II. 1907. Wie die„Nordd. Allz. Zig.“ hört, ist zum Nachsoger des am 1. Januar k. J. in den Ruhestand tretenden Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts Peters der Präsident der Hauplverwaltung der Staatsschulden, Wirkl. Geh. Rat Dr. v. Bitter, zum Präsidenten der Hauptverwaltung der Staatsschulden der Unterstaats sekretär im Ministerium des Janern, Wirkl. Geh. Rat v Bischoffshausen und zu dessen Nachfolger der Regierungspräsidint Holtz in Oppeln ernannt worden. Der Regierungspräsident v. Schwerin in Arnsberg wird in gleicher Eigenschaft nach Oppeln versetzt. Im Anschluß an die heutige Reichstagssitzung hatte Abg. Dr. Paasche eine Konferenz mit dem Kriegsminister, in welcher er Herrn v. Einem vermutlich weiteres Material übergeben hat. Zwischen der preußischen Regierung und den Parteien des Abgeorbnetenhauses sind Verhandlungen angeknüpft worden, um Unterlagen für eine Verständigung in Sachen der Polenvorlage zu schaffen. Man nimmt an, daß eine solche Berständigung erfolgen wird. Allerdings dürfte die Regierung von ihrem Standpunkte etwas abkommen und namentlich den Konservativen einige Zigeständnisse machen. Ueber die Form derselben wird beraten. Ja Franksurt a. M. begann heute die diesjährige Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Der Präsident, Herzog Johann Albrecht von Meckleuburg, eröffnete sie mit einer Ansprache. Im Laufe der Verhandlung wurde der neue Satzungsentwurf mit geringen Aenderungen einstimmig angenommen. Die sächsische zweite Kammer übergab heute die sächsische lage einer Kommission. In Prozeß gegen Harden wird Oberstaatsanwalt Isenbiel selbst auf Anweisung des Justizministers die Anklage vertreten. Zi dem Waffenfund in der Pankstraße stellt eine amtliche Mitteilung unter Abdruck der betreffenden Briese fest, daß ert,egen der Behauptung des„Vorwärts“, weder er selber noch der Parteivorstand stehe in irgend welcher Beziehung zu dem Fund, der Buchhalter Günsel das beschlagnahmte Hanspapier ausdrücklich für die Verlagsbuchhandlung„Vorwärts“ bestellt hat. Nebenbei bemerkt, hat er sich dabei auch eine Provision von 10 Pfg. für das Kilo ausbedungen. Demgegenüber behauptet nun wieder die Buchhandlung und die Druckerei des„Vorwärts“, daß sie mit der ganzen Bestillung nichts zu tun gehabt hätten. In seiner Stellung als Buchhalter in der Buchhandlung„Vorwärts“ sei Günsel gar nicht in der Lage gewesen, derartige Bestellungen zu machen. Es müsse sich um ein Privatgeschäft von ihm gehaadelt haben.— Die Sache wird aber trotz aller Dementis immer fauler für die Genossen. Die Petitionskommission des Reichstages beschäftigte sich in ihrer jüngsten Sitzung mit dem§ 175 des Strafgesetzbuchs, der sich auf die widernatürliche Unzucht bezieht, ging über eine Petition des„Wissenschaftlich humanitären“ Komitees, jenen Paragraphen zu beseitigen, einstimmig zur Tagesordnung über und deschloß eine Resolution, die dies bezügliche Gesetzgibung zu verschärfen.— Die Resulution, welche von einem Zintrumsabgeordneten eingebracht war und einstimmig angenommen wurde, fordert das Plenum des Reichstages auf, die Verbündeten Regierungen zu ersuchen: 1. die Zivil= und Militärbehörden anzuweisen, den bestehenden Gesetzesvorschtiften ohne Ansehen der Person unnachsichtlich Seltung zu virschaffen; 2. dem Reichstage alebald eine Vorlage zugehen zu lassen, durch welche die Ausnützung des Abhängigkeitsverhältnisses durch Vorgestzte, Arbeitgeber usw. zu unsittlichen Zwecken nach§ 175 des Strafgesetzbuchs unter erhöhte Strafen gestellt wird; 3. das Schutzalter auf 18 Jahre zu erhöhen. In der Mittwochsitzung der Polenkommission wurde nach langer Debatte die Vorlage in erster Lesung abgelehnt. Die Mitglieder der konservativen Fraktion stimmten mit gegen die Vorlage. Die Punkte, in denen sie ein Entgegenkommen der Königlichen Staatsregierung für notwendig erachteten, waren besonders die anderweite Oeganisation der Anfiedelungskommission, insbesondere die Verstärkung des Gewichts des Laienelements in der Kommission, die Verhütung der Ueberflutung der benachbarten Provinzen durch die in der Ostmark enteigneten Polen und die ausdrückliche Bezeichnung der Vorlage als Ausnahmegesetz. Wenngleich die kgl. Staatsregierung in bezug auf die Organisation der Ansiedelungs= kommission ein Entgegenkommen beweisen zu wollen schien, so hat sie doch bedauerlicherweise den anderen Anträgen der Konseroativen auf Verstärkung des Laienelements, dem eine entscheldende Stimme eingeräumt werden muß, und insbesondere auch der Forderung, auf dem Wege der Reichsgesetzgebung den Verwaltungsbehörden ein Einspruchsrecht gegen die Beräußerung deutschen Besitzes an Polen in den benachbarten Bezirken einzuräumen, nicht das gleiche Entgegenkommen bewiesen. Ohne diese Handhaben aber erschien es den konservativen Mitgliedern der Kommission bedenklich, ob die Erreichung der von der Regierung angestrebten Zwecke des Gesetzes durch den vorliegenden Entwurf genügend gewährleistet würden, so daß sie gegen die Vorlage ebenfalls stimmten. Aus dem Auslaude. Wien, 4. Dez. Wie verlautet, will der Polenklub in der am 20. d. Mts. beginnenden Delegationen=Tagung an den Baron Aehrenthal die Anfrage richten, ob er Bürgschaften habe, daß Oesterreich= Ungarn von Deutschland im Ernstfalle nicht im Stiche gelassen werde, und ob der Minister Vorsorge getroffen habe, andere Allianzen sohtteßen zu können, falls jene mit Deutschland nicht verläßlich genug erscheine.— Heute begann hier ein Streik der Arbeiter der großen Kohlenfirmen. Man befürchtet eine Störung in der Versorgung der Wiener Haushaltungen mit Kohlen und eine abermalige Steigerung der Kohlenpreise. London, 3. Dez. Lord Tweedmouth, der erste Zivillord der Admiralität, erklärte in bezug auf die neue Flottenstation Rosyth, die Regierung beabsichtige, dort Dockanlagen zur Aufnahme der größten Schiffe, ein größeres Hasenbassin sowie Kainanlagen für 22 Schiffe zu schaffen. Die Anlage der Kais ist in der Weise vorgeschlagen, daß sie später für die doppelte Zihl von Schiffen hergest.lt werden können. Petersburg, 5. Dez. In der Duma versuchte der Sozialdemokrat Kossoratow den heute zur Verhandlung stehenden Prozeß gegen die sozial demokratischen Abgeordneten der zweiten Duma zu erörtern, andauernder Lärm verhinderte ihn jedoch zu reden, worauf die Sozialdemokraten den Saal verließen. Nach Beendigung der Debatte über die Erklärung des Ministerpräsidenten werden die Anträge auf Uebergang zur Tagesordnung verworfen.— Der amerikanische Kriegs=Sekretär Taft ist heute abgereist. Marokko. Wie aus Melilla gemeldet wird, hat ein neuer Kampf der Sultanstruppen mit den Rebellen in der Umgegend von Mec Ehiet stattgefunden. Acht Rebellen sind verwundet. Diese Erklärung habe ich gleichzeitig abzugeben im Namen der Reichspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung.(Beifall.) Abg. Bassermann(natl): Im Auftrage meiner politischen Freunde habe ich folgende Erklärung abzugeben: Wir erkennen in dem Zusammenwirken der Konservativen und Liberalen nach wie vor eine politische Notwendigkeit, und wir vertrauen, daß der Reichskanzler diese durch die Reichstagsauflösung vom 13. Dezember 1906 eingeleitete und bei den Neuwahlen vom Volke gutgeheißene Politik(Großer Lärm beim block) nach wie vor unterstützen wird.(Lebhafter Beifall beim Block) Ich habe dieser Erklätung noch folgendes hinzuzufügen: Auf die Sröttelung, die der Abg. Paasche mit dem Kriegsminister hatte, komme ich nicht. Der Abg. Paasche wird das in seinen Händen befindliche Material zur Verfügung des Kriegsministers stellen. Wie er schon ausgeführt hat, hat er nicht beabsichtigt, dem Kriegsminister persönlich nahe zu treten.(Gelächter beim Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Ich entledige mich diesen Auftrages unter Hinzufügung, daß wir unbeschadet einzelner Differenzen volles Vertrauen zu der Person des Kriegsministers und seiner Verwaltung haben. (Lebhafter Beifall beim Block, Gelächter beim Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Wiemer(frs. Bp.): Im Namen der Freisinnigen Volkspartei, der Freisinnigen Vereinigung und der Deutschen Volkspartei habe ich zu erklären, daß wir einmütig gswillt sind, getreu unserer bisherigen aus sachlichen Gründen beobachteten Haltung die Blockpolitik weiter zu unterstützen(Lebhafter Beifall beim Block), und zwar, um unter Wahrung unserer politischen Grundsätze(Stürmisches Gelächter beim Antiblock) durch unsere Einwirkung Fortschritte in der Richtung unserer Anschauungen zu erreichen, zum Besten des Vaterlandes.(Lebhafter Beifall beim Block, Geheul beim Antiblock.) Abg. Eröber(Ztr.): Die ganze Situation ist die:„Und der Hans küßt die Grete, und es ist alles wieder gut!“(Stürmische Heiterkeit.) Wir wollen diese Unterhaltung nicht stören, ich verzichte daber aufs Wort(Große Heiterkeit.) Abg. Dr. Müller=Meiningen: Im Hinblick auf die jetzige Situation verzichte ich aufs Wort. (Beifall) Unter großer Unruhe des Hauses wurden darauf die üblichen Etatsteile der Budgetkommission überwiesen. Die Gegner des Block stimmten dagegen; das Zentrum, wit Ausnahme des Abg. Spahn und weniger anderer. Darauf erfolgte noch die erste Beratung des Handelsprovisoriums mit England.(Verlängerung des bestehenden Provisoriums.) Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg erklärte hierbei, er könne im gegenwärtigen Augenblicke (Die Erregung beim Zentrum und den Sozial demokraten ist so groß, daß seine Worte ungehört verhallen) nichts anderes tun, als die Vorlage zur Annahme zu empfehlen. Nach kurzen zustimmenden Erklärungen der Abgeordneten v. Heyl(nl.), Dr. Wiemer(frs. Vp.), v. Dircksen(konf), Graf Schwerin Löwitz(kons) und Singer (Soz.) erfolgte darauf die Annahme der Vorlage gleich in erster und zweiter Lesung. Freitag 1 Uhr: Antrag Hompesch, betr. die Forderung des Handwerks und des kaufmännischen Mittelstandes. Schluß ½2 Uhr. steuer“, erneuerte. Der Antrag ging an diHandels= und Gewerbekommission. Die nächste Sitzurg findet erst am 11. Dezör. statt. Gericht und Bielefeld, 4. Dezember.(Strafkammer.) 1. Der Handelsmann Fritz Hill von hier war beschuldigt, trotz des Verbotes des hiesigen Magistrats den neuen Wochenmarktplatz am Kaiser Wilhelmspletz zu wiederholten Malen betreten und sich dadurch dis Hausfriedensbruchs schuldig gemacht zu haben. In dieser Sache war schon das hiesige Schöffengericht angerufen worden und hatte dieses den Angeklagten von der Anklage des Hausfriedensbruchs freigesprochen, indem es sich auf den Standpunkt stellte, daß es sich hier um einen öffintlichen Marktplatz handele. Gegen dieses Urteil war von Seiten der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Der Gerichtshof erkannte auf Verwerfung der Berufung. Es handele sich um einen öffentlichen Marktplatz. Dem Angeklagten war der Aufenthalt auf demselben untersagt worden, aber er weigerte sich. Es handelt sich darum, ob der Magistrat berechtigt gewesen, den Platz zu verbieten und ob sich der Angeklagte des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht habe. Der Angeklogte habe darauf hingewiesen, daß es ein öffentlicher Markt sei; es wird auch niemand noch einem Gewerbeschein gefragt usw. Es war zu prüfen, ob dem Angeklagten das Bewußtsein, rechtswidrig zu handeln, innegewohnt habe. Dieses sei zu verneinen gewesen. Anzeklagter habe die Bestimmungen der Gewerbeordnung gekanst. Er ist der Ansicht gewesen, daß es sich hier um einen öffintlichen Marktverkehr gehandelt habe. Es habe ihm also jedes Bewußtsein, rechtswidtiz zu handeln, gefehlt.— 2. Der Mauter H. E. von Gellershagen, welcher vom hiesigen Schöffengericht wegen Körpervirletzung zu einer geringen Geldstrafe verurteilt worden war, wurde heute in der Berufungsinstanz unter Aufhebung des ersten Urteils kostenlos freigesprochen.— 3. Der Metallarbeiter J. S. von Güterslos war vom Schöffengericht zu Gütersloh wegen Widerstandes gegen die Staats gewalt in Idealkonkurrenz mit Körperverletzung zu 3 Monaten Gesäggnis verurteilt worden. Seine gegen dieses Urteil eingelegte Berufung wurde verworfen.— 4. Die Berufung des Maurers G. T. zu Theesen, welcher beschuldigt war, sich in der Wohnung der Eheleute Z hle zu Theesen des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht und auch verurteilt worden war, wurde als unbegründet verworsen.— 5. Der Arbeiter H. W. von hier hat jetzt noch eine Strafe von 1 Jahr und 6 Morate Gesängnis abzusitzen. Heute erhielt er wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle und zwar einschließlich der noch zu verbüßinden Strafe 1 Jahr und 10 Monate Gefängnis. Abgeordneteuhaus. 4. Sitzung vom 5. Dezember. Aus den Deutscher Reichstag. 66. Sitzung vom 5. Dezember 1907, 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. Stengel, v. Rheinbaben, v. Bethmann=Hollweg, Kraetke, v. Einem(vor Beginn der Sitzung mit Paasche in Unterhaltung). Die Generaldebatte über den Etat wird fortgesetzt. Abg. v. Normann(kons.): Mit Bezug auf die Mitteilungen in den gestrigen Abendblättern habe ich zu erklären, und zwar namens meiner Fraktion: Wir haben in der Debatte durch unsere Freunde erklären lassen, daß wir entschlossen sind, die Blockpolitik, soweit es mit unseren Grundsätzen vereindar ist, aufrichtig und ehrlich zu unterstützen. Wir sind auch ferner gewillt, in diesem Sinne zu arbeiten. Ich erkläre danach, daß wir unsere vertrauenk volle Stellungnahme zur Politik des Reichskanzlers beibehalten und demgemäß auch in unserer Stellung zum Block verharten werden. Das Abgeordnetenhaus nahm am Donnerstag zunächst Stellung zum Entwurfs eines Quellenschutzgesetzes. Nachdem Handelsminister Dr. Delbrück die Vorlage kurz begründet hatte, wurde sie nach kurzen zustimmenden Bemerkungen der Abgg. v. Treskon,(kons.), Dr. Gerschel (freis. Bp.), Stull(Ztr.) und v. Pappenheim (kons.), die vorwiegend bemängelten, daß die Beschlüsse der Kommission der vorigen Session im Entwurf nicht berücksichtigt seien, einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Es folgten Initivanträge. Ein nationalliberaler Antrag forderte die im Artikel 98 der Verfassung versprochene einheitliche gesetzliche Regelung der Verhältnisse der nicht zum Richterstand gehörenden Staatsbeamten und gelangte ohne grundsätzlichen Widerspruch zur Annahme. Ein Antrag des Abg. Hammer(kons.) verlangte die Besteuerung der Warenhäuser nach dem Jahresumsatz und unter Berücksichtigung der Höhe des Anlage und Betriebskapitals. Nach Begründung des Antrags durch den Antragsteller äußerten sich die Abgg. Eckert(freikons), Marx(Zr.) und Lusensky (nl.) zustimmend, während Abg. Dr. Gerschel (freis Bp) die Klagen über die„Erdrosselungs. Lokales und Bieleseld, 6 Dezember (Adressierung von Eingaben an die städtischen Behörden.) Für den Magistrat, die Polizei=Verwaltung, Armen Verwaltung oder sor st ge Dienstzweige der städtischen Verwaltung bestimmte Engaben werden in vielen Fällen an den Oderbürgermeister, Bürgerme ster, Beigeordneten persönlich gerichtet. Da derart abressierte Eingaben seitens der Postverwaltung meist in die Privatwohnung zugestellt werden, oder, falls sie bei der Stadtverwaltung eingehen, von dem mit der O ffnung der Postsachen betrauten Beamten nicht geöffnet, sondern dem Adressaten ungetffiet vorgelegt werden, erleidet nan tlich im Falle längerer Abweserheit des Adressaten von Bieleseld die Erledigung dieser Eingaben eine oft recht erhebliche Verzögerung. Auch ist infolge persönlicher Adressierung eine Terminsversäumnis in Rechtlangelegenheiten nicht ausgeschlossen, welche empfindliche Schäden für den Betriffenden zur Folge haben kann. Es kann nicht driagend genug empfohlen werden, Eingaben stets an die Behörde(Magistrat, Polizei=Verwaltung, Armen Verwaltung usp.) zu richten. -e-(Der frühere Kompagnieches) der 8 Kompagnie des hiesigen Bataillons, Major v. Redern, z Zt. beim Generalstade in Berlin, ist gestern am Schlaganfall gestorben. Das Liedesmahl des hiefigen Der letzte Traum. Erzählung aus dem polnischen Aufstande im Jahre 1848. Von L. Ideler. 28)(Nachdruck verboten. Herr von Stanicz trat in die Mitte des Kreisek.„Der preußische Offizier und sein Bursche ruhen diese Nacht in sicherem Schlaf in meinem Hause; sie vertrauen meiner Gastfteundschaft. Und mit meinem eigenen Leben werde ich ihre Sicherheit schützen, bis sie mir in ehrlichem Kampfe gegenüberstehen. Den Mörder aber, der mit blutiger Faust über meine Schwelle schleichen will, um mein Haus mit ewiger Schmach zu bedecken, den Mörder werde ich selber töten, und wenn er hundertmal ein Pole ist!“ Ein wüster Lärm erhob sich nach dieser entschlossenen Antwort unter der versammelten fanatisierten Menge. „Verrat!“ kreischte Konstantin.„Herr von Stanicz ist ein Verräter, und alle seine Leute sind nicht mehr zuverlässig. Greist den Verräter! Bindet ihn! Bringt ihn nach Warschau, das Komitee wird ihn richten!“ „Der ist des Todes, der sich an meinem Freunde vergreift!" rief Graf Morinski und st. Ute sich neben den bedrohten Edelmann. Aber die Herren hatten keine Wffen, und Konstantin holte mit blitzndem Säbel zum tödlichen Schlage aus. In diesem Augenblicke legte sich schwer eine Hand auf die Schulter des Aufrührers. „Im Namen des Königs verhafte ich Sie, Kaplan Konstantin!“ sagte eine ernste, feste Stimme neben dem todenden Manne. Konstantin fuhr herum; er sah neben sich den preußischen Ossizier mit gezogenem Säbel stehen und blickte erschrocken in sein bleiches, aber entschlossenes Gesicht. Aus allen Büschen tauchten die Husaren auf, überall blitzten Säbel. Unter den Polen en'stand eine wilde Panik; sie waren waffenlos und suchten ihr Heil in der Flucht. „Die Preußen,“ riefen die Männer in tödlichem Erschrecken,„die Husaren! Rette sich wer kann!“ Konstantin suchte sich vergeblich von dem eisernen Griffe des O.fiziers zu befreien. Er sah, daß die Polen die Fackeln fortwarfen und in der Dunkelheit in den dichten Gebüschen zu entkommen versuchten, ohne ihm beizustehen; er sah, daß er verloren war, wenn er nicht zum letzten, zum äußersten Mittel geiff. Ee riß ein Pistol aus seinem Gürtel. „So fahre zur Hölle!" rief er wutschnaubend und drückte aus nächster Nähe, auf das Gesicht Arnaus zielend ab. Der Schuß krachte, der Ofizier taumelte zurück und sank in die Arme seines erschrocken herbeistürzenden Burschen. Konstantin stieß mit gewaltiger Kraft einen ihm den Weg vertretenden Husaren nieder, daß der Mann der Länge nach zu Boden stürzte; dann verschwand auch er in der Dunkelheit. Die Soldaten verfolgten ihn und suchten den ganzen Park nach ihm ab, aber es war zu dunkel, und der Empörer entkam. Karl beugte sich besorgt über seinen verwundeten Herrn, aber Arnau richte'e sich nach wenigen Minuten von selbst wieder auf.„Es ist nichts,“ sagte er,„nur eine kleine Schramme im Gesicht, ein Streifschuß, die Wange blutet. Ich war lediglich betäubt; aber ich bin sehr niedergeschlagen; nun ist uns der Rädelsführer entkommen. Mit Ketten ar Händen und Füßen hätte dieser Tusel in Menschengestalt in dem sichersten, festesten G.fängnis unschädlich gemacht werden müssen.“ „Deu keiegen wir schon ein andermal, Herr Leutnant," tröstete Karl seinen Vorgesetzten.„Der Kerl entgeht dem Galgen, an den er gehängt werden muß, nimmermehr. Gott sei Dank, daß Sie nicht ernstlich verletzt sind!“ In der Tat hatte die Pistolenkugel die Wange des Offiziers nur gestreift und einen stark blutenden Riß hinterlassen; allein die volle Pulverladung. in sein Antlitz gefeuert, warf den jungen Mann im ersten Auzenblick zu Boden. Arnau freute sich über die Anhänglichkeit seines treuen Burschen, dann aber kommandierte er:„Sofort nach dem Schlosse zurück! Ih erkannte den Gutsherrn unter den Verschworenen. Es werden Wachen ausgestellt, vor dem Hause und im Hause. Jeder Mann bleibt bewaffaet auf. Ich werde so fort Bericht an den Regimentskommandeur senden und mehr Mannschaft erbitten. Das Schloßpersonal muß streug über wacht werden. Eine Ocdonnanz wird unverzüglich mit dem Bericht abreiten. Wir brauchen Verstärlung, denn nun ist der Keieg zwischen uns und den Bewohnern von Stanic kowo ausgebrochen. Ofizierkorps, welches „Drei Krouen“ statlsi halb verschoben worde -e-(Brandratsitzu Sitzung des Feuerwehraus die alte Turnhalle an der wehrdepot einzurichten. Brandwache, sowie die und der Turner=Feuerwe Der Arteag auf Anstellur leute mit 8 monatliche Pensionsberechtigung wu Antrag des Brandmeiste erhöhung wurde einstimn (Bilder aus felder Kriegerverein ubend Herr Rektor halten:„Bilder aus wie der vorhergehen China" das lebhaft wird. Die Versamm 8½ Uhr im Vereins X(Theaterzug einiger Herren in Gen.=Anz“ gelungen, de. 7. d. Mis. ab, während der Spielze zug zwischen Werther Zur Hinfahrt kann Tage jeder beliebige die Rückfahrt erfolgt Uhr nachts ab Biel nehmen haben sich zeiligt, ein Z'ichen, Ort an Kunstsinn wird die Einrichtung (Stadttheater.) Ludw. v. Beethov ging vor ziemlich bese war ein Hochgenuß, einige Stunden zu ver a's durchweg gut zu k Woytasch fand sich: von Parma ganz gut koff(Egmont) gefiel zwischen ihm und Al zwischen dem Sanguin und klug abwägenden Herr Karl Noak ti gezeichnet verkörperte Berstl den blutigen war aber die Sprache grimmigen, verschlage daß sie üverall verst Anerkennung gebührt als Klärchen, wenngle disponiert war. He (Schreiber Bansen)e Posten waren Herr 2 Ferdinano, Albas S Schmelz als Bracken Herr Emil Steger und Herr Oskar ditigent. m(Betrug.) 6 Uhr erschlen be junger Mann, der Er kauste einen S Kredit. Nachträgli gaben als falsch h m(Versucht 3. 12 1907 aben ein elsjähriger Bur E. auf der Herma mit Gewalt zu e hinzukamen, entwi Aus den (Fortsetzung folgt.) # Herford, sonalien.) Dei Neesen ist zum Ha setzt sind zum Meyer von Ver Maßmann von hausen(nicht Hell angestellt sind zu Kammerratsheid dorf, Lange zu Minderheide, Hi von Aschen zu L Recksieck zu Br. hausen und die tech zu Bielefeld(III). ist Lehrer Effe Mind n(Mittelsa Einstweilig b nach Lübbecke(65 einstweiligen Lehrerstelle bewerber Billa schieden ist: Bären zum 1. Stellen, eva Knetterhausen, Lo kamp, Vehlage, beide, Ilvese, Obermehnen, Bal hausen, Oetingba dorf, Gehlenbeck, B Schlüsselburg, Eik ch Herford, kasse) der Konfe Geschäfte. Auf Geilker stattfindet und die 9½ U versammlung sei D Hersord, Herford.) Ei auf Donnerstag, rag ging an die on eist am 11. Strafkammer.) iII von hier war otes des hiesigen zarktplatz am Kaiser Malen betreten und ensbruchs schuldig r Sache war schon gerufen worden und on der Anklage des hen, indem es sich daß es sich hier um handele. Gegen r Staatsanwaltschaft chtshof erkannte auf Es handele sich um Dem Angeklagten zemselben untersagt s. Es handelt sich echtigt gewesen, den der Angeklagte des zemacht habe. Der wiesen, daß es ein auch niemand nach usw. Es war zu ; d a s B e w u ß t s e i n, wohnt habe. Dieses ngeklagter habe die dnung gekanst. Er sich hier um einen handelt habe. Es sein, rechtswidtiz zu Mauter H. E. von sigen Schöffengericht iner geringen Geldwurde heute in der hebung des ersten 1.— 3. Der Metallwar vom SchöffenWiderstandes gegen kurrenz mit KörperGefäggnis verurteilt Urteil eingelegte Be1. Die Berufung des welcher beschuldigt er Eheleute Z hle zu chs schuldig gemacht war, wurde als under Arbeiter H W. Strafe von 1 Jahr abzusitzen. Heute m wiederholten Rücker noch zu verbüßin. Ronate svinzielles. ), 6 Dezember von Eingaben ehörden.) Für olizei=Verwaltung, #st ge Dienstzweige g bestimmte EnFällen an den serme ster, Beigehtet. Da derart ens der Postverivatwohnung zugesie bei der Stadton dem mit der betrauten Beamten m Adressaten ungeerleidet nan tlich im seit des Adressaten sigung dieser Einbliche Verzögerung. licher Adressierung in Rechtlangelegenu, welche empfindtriffenden zur Folge icht driagend genug iben stets an die Lolizei= Verwaltung, zu richten. Kompagniechef) hiefigen Bataillon, Zt. beim Generalrn am Schlaganfall mahl des hiefigen N eie nicht wossth e Pistolenkugel die gestreift und einen erlassen; allein die ein Antlitz gefeuert, im ersten Auzenblick ir die Anhänglichkeit nn aber kommandierte Schlosse zurück! Ih u unter den VerWachen ausgestellt, im Hause. Jeder auf. Ich werde so egimentskommandeur Rannschaft erbitten. luß streug übernacht nz wird unverzüglich ten. Wir brauchen in ist der Keieg u Bewohnern von 43. (Fortsetzung folgt.) Offizierkorps, welches gestern abend im Hotel „Drei Krouen“ statlfinden sollte, ist dieserhalb verschoben worden. (Brandratsitzung.) Bei der gestrigen Sitzung des Feuerwehrausschusses wurde beschlossen, die alte Turnhalle an der Heeperstraße als Feuerwehrdepot einzurichten. Es sollen dort die städt. Brandwache, sowie die Geräte der 1. Abteilung und der Turner=Feuerwehr untergebracht werden. Der Arteag auf Anstellung der Berufs=Feuerwehr= leute mit 8 monatlicher Kündigung und eotl. Pensionsberechtigung wurde angenommen. Der Antrag des Brandmeisters Hemrich auf Gehaltserhöhung wurde einstimmig abgelehnt. (Bilder aus China.) Im felder Kriegervrein wird am Sonnabend ubend Herr Rektor Kuhlo einen Vortrag halten:„Bilder aus China“, welcher ebenso wie der vorhergehende:„Eine Reise nach China" das lebhafteste Interesse erregen wird. Die Versammlung beginnt pünktlich 8½ Uhr im Vereinslokal. X(Theaterzug.) Den Bemühungen einiger Herren in Werther ist es laut Gen.=Anz“ gelungen, daß von Sonnabend, de. 7. d. Mis. ab, regelmäßig jeden Monat während der Spielzeit, einmal ein zug zwischen Werther und Bielefeld verkehrt. Zur Hinfahrt kann an dem bestimmten Tage jeder beliebige Zug benutzt werden; die Rückfahrt erfolgt zwischen ½12 und 12 Uhr nachts ab Bielefeld. An dem Unternehmen haben sich über 60 Prsonen bezeiligt, ein Z'ichen, daß es auch in unserem Ort an Kunstsinn nicht fehlt. Hoffentlich wird die Einrichtung von Dauer sein. (Stadttheater.) Goethes„Egmont“, von Ludw. v. Beethoven mit Musik ausgestattet, ging vor ziemlich besitztem Hause in Szene. Es war ein Hochgenuß, im Banne zweier einige Stunden zu verleben. Die Aufführung ist a's durchweg gut zu bezeichnen. Fräulein Rosa Woytasch fand sich mit der Rolle der Margarete von Parma ganz gut ab. Herr Ludwig Lindikoff(Egmont) gefiel uns am besten in der Szene zwischen ihm und Alba. Den scharfen Gegensatz zwischen dem Sanguiniker Egmont und dem kühl und klug abwägenden Schwarzseher Oranien wußte Herr Karl Noak treffend hervorzukehren. Ausgezeichnet verkörperte Herr Direktor Norbert Berstl den blutigen Tyrannen Alba. Vielleicht war aber die Sprache ein wenig zuviel dem ingrimmigen, verschlagenen Charakter angepoßt, als daß sie üverall verständlich wurde. Rückhaltlose Anerkennung gebührt Fräulein Elsbeth Perrou als Klärchen, wenngleich sie zum Singen nicht gut disponiert war. Herrn Bram Meynadier (Schreiber Bansen) ein Bravo. Ganz auf dem Posten waren Herr Martin Lindemann als Ferdinano, Albas Sohn und Herr Hermann Schmelz als Brackenburg. Vollen Erfolg hatten Herr Emil Steger als Leiter der Aufführung und Herr Oskar Hantschack als Musik. Sitigent. G.„ m(Betrug.) Vorgestern abend gegen 6 Uhr erschlen bei dem Kaufmann V. ein junger Mann, der sich Horstmann nannte. kauste einen Schirm für 8,75 Mk. auf Kredit. Nachträglich stellten sich seine Angaben als falsch heraus. m(Versuchter Diebstahl.) Am 3. 12 1907 abends gegen 6 Uhr versuchte ein elsjähriger Bursche dem 7 jährigen Knaben E. auf der Hermannstraße einen Geldbetrag mit Gewalt zu entreißen. Als Nachbarn hinzukamen, entwich der jugendliche Dieb. Aus den Kreise Herford. # Herford, 6. Dezbr.(Schulpersonalien.) Der Lehrer Fröhling zu Neesen ist zum Hauptlehrer ernannt. Versetzt sind zum 1. Januar die Lehrer Meyer von Vehlage nach Nettelstedt und Maßmann von Isingdorf nach Bergholzhausen(nicht Hellingskamp). Endgültig angestellt sind die Lehrer Pielsticker zu Kammerratsheide, Frische zu Schwennigdorf, Lange zu Dünnerholz, Röhr zu Minderheide, Hilker zu Bergkirchen II, von Aschen zu Lübbe, Meyer zu Heimsen, Recksieck zu Brake, Aumann zu Oetivg= hausen und die technische Lihrerin Schneider zu Bielefeld(III). Endgültig berufen ist Lehrer Effey von Bergkamen nach Mindn(Mittelsch) zum 1. April 1908 Einstweilig berufen ist Lehrerin Koch nach Lübbecke(höhere Stadtschule). Mit der einstweiligen Verwaltung einer Lehrerstelle beauftragt ist: Schulamtsbewerber Billau in Valdoif. Ausgeschieden ist: Lehrerin Lammers zu Bären zum 1. April 1908. Freie Stellen, evangelisch: Lehrerstelle zu Knetterhausen, Lohfeld, Isingdorf, Hillingskamp, Vehlage, Hiddenheusen, Dingerdisserbeide, Ilvese, Isselhorst, Gellershagen, Obermehnen, Badbenhausen, Hollen, Twiehausen, Oetinghausen. Spradow, Deppendorf, Gehlenbeck, W. sserstraße, Casum, Holirup, Schlüsselburg, Eikum, Hahlen, Westdarthauser. ch Herford, 6 Dez(Ortskranken= kasse) der Konfektion=, Leinen= und WäscheGeschäfte. Auf die heute abend 8 Uhr bei Geilker stattfindende Mitgliederversammlung und die 9½ Uhr anschließende Generalversammlung sei aufmerksam gemacht. # Hersord, 6. Dez.(Bankverein Herford.) Eine Generalversammlung ist auf Donnerstag, den 12. Dezember, abends 8½ Uhr, in das Evangel. Vereinshaus einberufen. Tages Ocdnung: Zustimmung der Genossen zur Führung von Prozessen. Vorlage der Bilanz und Genehmigung derselben. Neuwahl eines Aussichtsratsmitgliedes. Verschiedenes. O Herford, 6. Dezember.(Handelskammerwahl.) Bei der gestern stattgesundenen Wahl wurde Herr Kommerzienrat Böck lmann wiedergewählt. + Hersord, 6. Dezbr.(Schöffengericht.) Wegen Vergehens gegen das Schankgesetz hat der Arbeiter G. in Sch. einen Strafbefehl in Höhe von 50 Mark erhalten, sein Einspruch dagegen brachte ihm heute die Freisprechung.— Der Maurer F. von hier ist angeschuldigt, sich einen Hut erschwindelt zu haben, auch er wird freigesprochen.— Wegen Körperverletzung zahlt der Zigarrenarbeiter N. aus H. 3 Geldstrafe.— Wegen öffentlicher Beleidigung zahlt der Kleinbahn=Kontrollassistent 30 Mk. Geldstrafe. 3 weitere Sachen wurden vertagt. O Hersord, 6. Dezbr.(GewerbeVerein.) Auf den heute abend 8½ Uhr staltfindenden Lichtbildervortrag des Herrn Dr. Köppen:„Venedig und seine Kunstschätze“ sei nochmals aufmerksam gemacht. ch Herford, 6. Dez.(Der Obst= und Gartenbau=Verein) hält morgen, Sonnabend abend um 8½ Uhr, im Evang. Vereinshaus eine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Vortrag: Anregung zur Balkon= und Vorgartenpflege von Herrn Stadtgärtner Dammann. Normalsortiment für den Kreis Herford. X Herford, 5. Dez.(Die gestrige Missionsversammlung) war sehr gut besucht und verlief recht anregend. Nach einer Ansprache Pastor Möllers gab Missionsinspeltor Haußleiter sehr interessante und erweckliche Einblicke in„die Mitarbeit der Eingeborenen in der Mission". Es sprachen dann noch Missionar Simon aus Sumatra und der Missionkarzt Dr. Fiebig. Das Schlußwort sprach Pastor Gottschalk Hersord. Wir werden unsern Lesern in den nächsten Tagen eingehend Bericht erstatten. Da die Redaktion zur Zeit durch die politischen Vorgänge in Berlin stark in Anspruch genommen ist, kann sich aber die Aufnahme des Berichts etwas verzögern. Heute läßt sich dies noch richt übersehen. r. Herford, 5. Dezbr.(Die Marktpreisnotierungskommission) ermittelte für den Monat November folgende Durchschnittspreise. Es kosteten je 100 kg Weizen 22,50, 22,— und 21.— Mk; Roggen 21.—, 20 50 u. 20.— Mk.; Gerste wurde nicht gehandelt, Hafer 1850, 18— und 17.50 Mk, Richtstroh 4.70 und 4.20 Mk., Krummstroh 4.50 und 4.— Mk., Heu 8.— und 7.— Mk., Eßkartoffeln 6.50 und 6,25 Mark, Rindfleisch im Großhandel 140.— und 150.— Mk., im Kleinhandel je 1 kg 1 60 und 1.40 Mk, Schweinefleisch 1.50 und 1.40 Mk., Kalbfleisch 1.80 und 1.60 Mk., Hammelfleisch 1.70 und 1.50 Mk., ger. Speck 1.60 Mk., Eßbutter 260 und 2.40 Mk., Eier 1.60 und 1.50 Mk. r. Herford, 6. Nov.(In der städtischen Badeanstalt) wurden im Monat November verabfolgt 3 Abonnements für Bäder 1, 8 für Bäder 2. Klasse; an Tageskarten 58 für Bäder 1., 290 für Bäder 2., 74 für Bäder 3. Klasse, ferner 1520 Stück Brausebäder. Die Einnahmen betrugen 418,30 Mark. Südhemmern, 4. Dezbr.(Ein betrübender Unglückssall) hal sich gestern hierselbst ereignet, indem dem 12 jihrigen Schüler Wilhelm Lohmeyer durch die Explosion einer geladenen Dynamitpatrone die linke Hand buchstäblich in Atome zerrissen wurde. Der Verlitzte wurde sofort in das Krankenhaus Minden überführt.— Die Besitzung des Landwirts Lohmeyer ist gestern niedergebrannt. Einige Stück Vieh kamen in den Flammen um. Aus den Keisen Minden und Bälleke. Minden, 6. Dez.(Zum Viehmarkt) waren am Mittwoch angetrieben: 39 Pferde, 142 Sück Rindvieh, 4597 Schweine (darunter 575 Stangenschweine und 4022 Ferkel) und 7 Ziegen. Der Handel war recht lebhaft, die Preise für Schweine gegen den Vormarkt wieder gefallen. Es kosteten 6—8 Wochen alte Ferkel das Paar 8 bis 10—12 Mk. Stangenschweine erbrachten das Stück 18—24—30—40 Mk. Die Preise für Pferde betrugen 200—400—500 Mk., für Rindvieh 180—240—300 Mf., für Ziegen 9—12—15 Mk. Minden, 6. Dez.(Auszeichnung.) Bei dem dies jährigen Preisschießen der Ofiziere der Pionier=Bataillone der Armee wurde Hauptmann Winkelmann vom hier garnisonterenden Hannov. Pionier-Bataillon Ne. 10 der beste Schütze. Als Auszeichnung wurde ihm der Kaiserpreis in Gestalt eines Ehrendegens verliehen. Minden, 6. Dez.(Ernennung“) D.m Direktor der höheren Mädchenschule und des Lehrerinnenseminars hier, Dr. Schlüter, wurde der Charakter als Königl. Schulrat verli hen. Minden, 6. Dez.(Die mündliche Entlassungsprüfung) im Jahre 1908 ist für das Seminar in Arnsberg auf den 4 Juni, Büren auf den 3. Februar, Gütersloh auf den 21. Juli, Herdecke auf den 4. Februar, Herford auf den 3. März, Hilchenbach auf den 14 Juli, Petershagen auf den 9. März, Rüthen auf den 10. Februar, Soest auf den 10. Februar, Warendorf auf den 20. Juli, Werl auf den 2. Opril und j desmal die nächsten Tage festgesetzt worden. Aus den Kreisen Wiedenbrück und Paderborn. Gütersloh, 4. Dez.(Jahresfest.) Am kommenden Sonntag feiert der evang. Jünglings= und Männerverein sein Jahresfest. Mit diesem Feste soll auch die Feier des 25 jährigen Bestehens des Vereinshauses verbunden werden. Herr Pfarrer Johann= sen aus Essen a. d. Ruhr wird die Festpredigt halten und Herr Bundessekcetär Dröner aus Barmen bei der Nachfeier im Vereinshause sprechen. Aus den Reg.=Bez. Münster und Arusberg. Münster, 4. Dezbr.(Eisenbahn unglück) Von dem aus Osnabrück gemeldeten Eisenbahnunglück bei Mecklenbeck auf der Strecke Müsster—Wanne wurde ein aus Münster ausgefahrener Viehzug betroffin. Der Viehwärter Oelshoff wurde getötet und 3 Viehwärter wurden schwer verletzt. Sieben Viehwagen wurden zertrümmert. Die Ursache des Unglücks ist nicht bekannt. Wie es heißt, soll der Zug ein Haltesignal übersehen haben. Der Güterzug fuhr aus dem Bahnhof aus, während der Viehzug von der anderen Seite kam und dem Güterzug in die Flanke fuhr. Ein Berichterstatter schreibt: Ooschon seit etwa sechs Stunden an die hundert Arbeiter mit den Aufräumungkarbeiten beschäftigt sind, bietet sich noch immer ein entsetzliches Bild, entsetzlich hauptsählich durch die Blutlachen und die mit Blut bedecklen Trümmer. Zuerst wurde die Bergung der getöteten und verletzten Tiere(Ferkel, felte Schweine und Kälber) in Angriff genommen. Wie hoch sich die Zahl der getöteten Tiere beläuft, steht zur Zeit noch nicht fest, da verschiedene Kadaver noch unter den Trümmern liegen. Die geborgenen Tiere wurden in Scheunen dir benachbarten Häuser untergebracht. Die weniger schwer verletzten Tiere wurden auf der Stelle notgeschlachtet. Im ganzen sind von dem Viehtransporte, der zum größten Teil aus Oldenburg stammte und für den Industriebezirk bestimmt war, etwa 100 Tiere der Katasrophe zum Opfer gesallen. Wieder 3 freundliche Stübchen eingetroffen. Das erste stiftete ein alter Hur aus der Schweiz, der von ernster Krankheit aufgestanden, sich freut, daß er wieder fröhlich arbeiten kann. Ein Pastor em aus Görlitz stiftet das zweite zum Gedächtnis an seine ertschlafene Frau und bittet, daß es nach derselben den Namen„Augusten=Stift“ führen soll(mit Freuden gewährt, auch jedem Nachfolger der einen ähnlichen Wunsch hat). 3 ungenannte Familien im Königreich Sachsen stifteten das dritte Stübchen als Dankopfer dafür, daß Gott ihnen rohlgeratene Kinder geschenkt habe und zwar jede Familie 100 Mk. und fügen außerdem 230 Mk. für Belhel hinzu. Solche Dankopfer machen uns sehr fröhlich. Dieser stöhlichen neuen Danksagung muß ich dieses Mal notgedrungen eine herzliche Bitte hinzufügen. Ich kann hoffen, daß bis Weihnachten, da die Stübchen so freundlich weiter vom Himmel regnen, die 30 Stübchen Gnadentals voll sein werden, und das wäre dringend zu wünschen. Denn das Gedränge Arbeitsloser und Obdachloser vor unserer Tür, die lieber arbeiten, wie betteln wollen, ist in 5 Jahren nicht so groß gewesen, als jetzt. Aber nun die Sorge: werden wir auch für 410 liebe Gäste, so viel Stübchen sind dann fertig in den 3 Heimstätten, zu essen haben? Die Arbeit derselben bringt sicherlich mehr ein, als ihr Lebensunterhalt lostet, aber unsere Bäumchen wollen zulange Kredit haben, bis sie bezahlen. Die lustige Erzählung von der Versteigerung unserer ersten Apfelernte zu Bethel, die für 2 Jahre Arbeit 234 Mark brachte, zeigte, wie sehr die Heffnungskalleute auf Hoffnung leben müssen. Noch haben wir keine Schulden, aber mit einem Male merken wir, daß unsere Kesse leer ist. Wir hatten soeben an 100000 Familien Berlins 100000 Zettelchen„Hoffnungstal, Lobetal, Gnadental“ geschickt in der Heffnung es würde uns jedes Brieschen durchschnittlich wenigstens 50 Pfennig ein tragen. Es ist bis dahin noch kaum das ausgelegte Porte eingegangen und wir fangen an zu darben. Ich bitte darum alle Empfänger unseres Gaadentalzettelchen, die sich roch nicht entschlossen ihre milde Hand aufzutun, wenn es sein könnte wenigstens 50 Pfennig in Briefmarken an unseren lieben Kassierer Dr. von Simson einzusenden. Dann sind wir aller Soigen los und können fröhlich Weihnachten seiern. Bethet bei Bielefeld, 30. Nov. 1907. F. v. Bodelschwingh. Vermischtes. Glogau, 4. Dezember. Eine Enkeltochter des Reichstagsvizepräsidenten Kaempf, die 11jährize Gabriele von Schlebrügze, sand durch eine umstürzende Petroleumlampe den Verbrennungstod. Ihr Vater ist Rittmeister und Adjutant der 9. Kavalleriebrigade in Glogau. London, 5. Dez. Die Abendblätter melden, die„Patrie“ sei auf der Farm Ballysalagh in Irland niedergegangen. Die Maschinerie riß den Boden wie ein Flug aus. Nuch der ersten Berührung stieg die„Patrie" wieder auf und trieb rach einer anderen Farm weiter, wo sie zwei Flügel verlor. Nach dieser Erleichterung ihres Gewichts stieg die„Patrie“ schnell in die Höheund flog davon. (Wie die Berliner Friedrichs des Großen Sieg bei Leuthen feierten.) Preußens Hauptstadt war im Oktober 1757 von einer österreichischen Streifschar gebrandschatzt worden; aber bald zog wieder die hellste Siegesfreude in Berlin ein, als Friedrich der Große und Seydlitz mit seinen Reiterscharen die Feinde bei Roßbach geschlagen hatten. Die Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember des gleichen Jahres, in der nach einem Kampfe von drei Stunden der König mit seiner„Berliner Wachtparade“ die siegesgewissen Gegrer, Kail von Lothringen und Daun, besiegt hatte, gab den Berlinern zu einem Freudenfeste Veranlassung. Am 7. Dezember gelangte die Siegesbotschaft nach Berlin. Dreißig geschmückte Postillone, Fanfaren blasend und drennende Fackeln schwenkend, ritten in Berlin ein, um Friedrichs Triumph zu verkündigen. Die ganze Bevölkerung, reich und arm, war auf den Beinen, und die Bürger schmückten sich mit sogtnannten Vivatbändern; dies waren ganz breite seidene Bänder, welche die Bildnisse der gefeiertsten Kriegshelden sowie mehr oder minder gute Berse zu Friedrichs Ruhm trugen. Einer von diesen Versen:„Es lebe durch des Höchsten Grade der König, der uns schützen kann, so schlägt er mit der Wachtparade noch einmal 80000 Mann!“ Singend und umarmend zog man durch die Stadt und bekränzte auf der Langen Blücke das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten. In den Kirchen wurde Gottesdienst abgehalten und am Abend flammte die Stadt im hellsten Lichterglanze auf. (Reichsbote.) (Immer Geschäftsmann.) Kaufmann (der beim Zahnarzt seine Zihne untersuchen läßt:„Machen Sie, bitte, eine Inventucaufnahme und einen Reparaturkosten Bnaischlag!“ Uebersicht der Witterung. Bielefeld, 6. Dezember 1907. Mitgeteilt von F. Böckelmann Ww., Bielefeld. Niedrigster Thermometerstand i. d. Nacht+ 2 CC. Thermometerstand um 10 Uhr vorm.+ 5 C. Barometer 74,3 cm. Wind: Süd West. Himmel: bedeckt. Neuste Nachrichten. Berlin, 6. Dez. Unter der Ueberschrift Fürst von Bülow und die innere Krise schreibt der„Lok.=Arz“: Die Hiffaung, daß die von den Blockparteien abgegebenen Erklärungen zu einer Verständigung zwischen dem Block und der Regierung führen würden, kann nach Ansicht des Kanzsers als erfüllt b teachtet werden. Es steht nicht zu erwarten, daß der Reichskanzler zu einer besovderen feierlichen E.klälung das Wort ercreifen wird, denn er hat bereits in seiner Rede vom 30. Nov über die innere Politik alles aus geführt, was er im gegenwärtigen Augenblick zu sagen hatte. In den gestrigen Ecklärungen der Bleckparteien hat man lediglich deren Zustimmung und Einverständnis in d.s Kanzlers Ausführungen zu sihen. Diese Kundgebung war not vendig, weil die in den letzten Tagen hervorgetretene Strömung unter den Mehrheitsparteien es zum mindesten zweifelhaft erschienen ließen, ob der Block noch ex'stiert. Die durch die Wahlen bestimmte Mehrheit des Reichstages wird nunmehr zu beweisen haben, daß sie die positive Arbeit leisten kann. Für positive Arbeit ist genügen) Gelegenheit vorhanden, wenn das Vereinsgesetz und auch die Sprachenfraze nicht der ausschlaggebende Punkt sein sollte; jedenfalls ist dabei zu berücksichtigen, daß über der artige Differenzen nicht die Konzessionen vergessen werden dürfen, welche die birherigen Zustände auf diesem Gebiet bessern. Auch die Börsenvorlage betrachtet der Reichs kanzler als Fortschritt. Andererseits erwartet der Reichskanzler entsprechend den bisherigen Gepflogenheiten, daß die Pirteien die Gesttzentwürfe, die vom Bundesrat roch garnicht verabschiedet sind, nicht vorher besehden. Nachdem jetzt der Block durch die entschiedene Hiltung des Kanzlers aus der verworrenen Situation dieer Taze heraus gekommen ist, kann nach seiner Ansicht mit den gegebenen Mitteln nützliche Blockpolitik verrichtet werden; dies ist allerdings nur mözlich, wenn nicht ins userlose gehende Parteiwünsche verfolgt werden. Kone Goldschmied Schillerplatz 12 empfiehlt K Brillanten, Gold- und Silberwaren Trauringe Heute, Freitag, den 6. Dezember meines Heute, Freitag, den 6. Dezem Eronka!g Neuen Ers. efte.at.g große für Papagei, Prossel und Tachtauben, auch mit Durchschierung, ein reiche Auswahl. Bauer 811831#— für Gardinen, Möbel- u. Vorhangstoffe, Tisch- u. DivanFarterr’e: Autellung Decken etc. Moderne Wohnungs-Innen-Dekorationen. für Sing- und Ziervögel, nebst allen Zubehör, zur Pflege derselben etc. empfiehlt F. W. Lütkemeyer, Welle 43. I. Etage zur Zeit: Kissen, Decken und Vorhänge nach Entwürfen von Prof. Gussmann und M. v. Branchitsch. Oriental. 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Verantwortlich für den redaktionellen Teil HermannsLange, fürlden Reklame= und Inseraten=Teil R. Trantmann, Druck Staatssekret über unser Auf der am 5. a. M. eröffgeten T Kolonialgesell sekretär Derubur Rede, in der er fol Es sei wahr, die teilt gewesen, als überseeische Ausdehn es sei ein Irrtum, karz gekommen se anderen Völkern üb hätten ausspicken mi sodann die Schwiert wickelung unseres## stellten, und betont an kolonialerfahrene heit über die für missenen Produkti erforderlichen Mach des Kolonialbesitzes keiten gerecht abschä in den zwanzig I besitzes vieles gel mancher Bezichung dings zu langsan unserer Kolonien worden, weil sie sondern dauernde O Opfer an Geld un freilich schon helder hätten andere Nat Kolonien müßten sondern auch erobe Wir hätten allerdi friedlichen Erober nämlich auf Eisen! verzichtet. Darau ziehen. Je schne bahnen bauten, d Kolonien aktiv. könnten jedoch ei waltungsapparat das heißt Polizei oder überflüssig u Truppen verminde man sie nicht. Terlvoller leich zu unserem nismus eine unter Bedürfnisse hätten einzupassen, dürfte gehen, was die N Der Staatssekr mäßig nach, daf deutschen Schutzgel fäht dann wörtli einem großen kommen, zumal anderen Kolonien wenn er sie selbst mit Südwesta Frühjahr gesch liege darin, daßs die Truppen gen bildung erhalten Ausbau nicht m mancherlei Erspar konnten. Die