Historischer Kalender. 18. Oktober: Prinz Eugen, geb. 1663. — Schlacht bei Leipzig, entscheidender Tag, 1813— Em. Geibel, Dichter, geb 1815. — Friedrich III, deutscher Kaiser und König von Praußen, geb. 1881.— Professor der Theologie D. Hermann Cremer=Greifswald, in Unua geb. 1884.— Lord Palmerston, englischer Premierminister, gest. 1865.— Herzog Wilhelm von Braunschweig, gest. 1884. — Euthüllung des Kaiser Friedrich=Denkmals und Eröffgung des Kaiser Friedrich= Museums in Berlin, 1904. Der Zug zur Stadt. Immer lauter wird die Klage über mangelnde Arbeitskräfte auf dem platten Lande. Der landwirtschaftliche Betrieb kann seinen Bedarf nur mit Mühe decken, und wenn er nicht für den Sommer und Herbst zu fremden, meist polnischen Arbeitern seine Zuflucht nehmen könnte, dann wäre der Notstand bereits gekommen, der für die Zukunft befürchtet wird. Diese Erscheinung erklärt sich zum großen Teil daraus, daß in neuerer Zeit alles vom Lande nach der Stadt drängt und dort ein Unterkommrn sucht. Weshalb die Stadt eine so grotze Anziehungskraft auf die Leute ausübt, ist leicht zu begreifen. Dem Landbewohner in poniert das städtische Wesen Ungemein, das ihm in Haltung und Kleidung, Sprach= und Manieren entgegentritt, und das er ohne weiteres als das Zeichen einer größeren Intelligenz und Bildung ansieht. liegt für ihn kein geringer Reiz in dem Gedanken, auch ein Glied dieser bevorzugten Gesellschaft zu sein. Zudem lockt ihn der bessere Verdienst in der Stadt, der in Wirklichkeit nur ein scheinbarer ist, weil dort ausschließlich mit klingender Münze bezahlt wird, während auf dem Lande die so häusig urterschötzten Naturalbezüge einen Teil des Lohres ausmachen. Auch die größere Ab wechslung, die man vom Stattleben sich verspricht, lockt die jungen Leute, wie sie auch das Beispiel zur Nachahmung reizt. Ganz besonders ist es die Großstadt, die eine magnetische Kraft auf die jungen Gemüter ausübt; dort vermntet man vor allem goldene Berge und läßt sich nichts träumen von dem vielen Elend, das die Großstadt in sich biret. Es ist festgestellt, daß es in Berlin weit über 100000 Schlafste lleninhaber gibt, die überhaupt keine Wohnung haben, sondern nur eine Schlafstelle, die ihnen bei einer fremden Familie gegen Entschädigung gewährt wird. Man muß aber diese Schlafstellen kennen: enge, licht und luftlose, dumpfize, oft im Keller gelegene Räume sind es, die dazn eingerichtet werden; und daß sie möglichst zahlreich belegt werden, das liegt zu sehr im Vorteil derer, die sich mit diesem nicht eben angenehmen Erwerbszweige befassen, als daß es nicht der Fall sein sollte. Große Ansprüche können auch nicht erhoben werden, da für eine Schlafstelle mit Einschluß des Bettes nur 6 bis 8 Mark bezahlt werden. Das dieses Schlafen in unzureichenden Räumen, namentlich wenn es noch an der nötigen Reinlichkeit fehlt, der Gesundheit schädlich ist, ja, daß diese Schlafstellen nicht selten die Herde ansteckender Krankheiten sind, liegt auf der Hand. Noch größer aber ist die sittliche Gefahr. Denn wie bringen die jungen Leute, die kein eigenes Heim haben, in dem sie in den Arbeitspausen eimal ruhen und rasten können, die Feierstunden zu, die der Tag besonders der Sonn= und Feiertag, ihnen bietet? Der Mangel eines Obdachs zwingt sie, die Zeit auf der Straße oder in den Wirtshäusern zuzubringen, wo sie mit ihren Leidensgenossen zufammentriffen und nur zu leicht in leichtfinniges Leben hineingeraten. Denn das ist das Schlimme, diß die jangen Leute in der Fremde meist niemanden zur Seite haben, der sie zur rechten Zeit warnen kann, daß sie unberaten den Versuchungen der, namentlich der Großstadt, ausgesetzt sind. Es kann daher nicht ernstlich genug vor dem Drängen in die großen Städte gewarnt werden; die wenigsten finden dort, was sie zu finden hefften, und ihrer viele leiden äußerlich und innerlich Schiffbruch, wie die vielen verkommenen Exstizen in den Großstädten beweifen. Von der Haager FriedensKonferenz. In der Plenarsitzung am 16. September hielt der deutsche Bevollmächtigte Freiherr v. Marschall eine bemerkenswerte Rede. Er wolle eine ihm von seinen Gefühlen auf erlegte Pflicht erfüllen, die nämlich, vor der gesamten Konferenz Herrn Bourgeois, dem ersten Delegierten Frankreichs, seinen ausgezeichneten Herzens= und Geisteseigenschaften, seinem edlen Eiser für eine große Sache und seiner hohen Kompetenz und vollendeten Unparteilichkeit und Loyalität seine Huldigung darzubringen. Wenn sich die Vertreter der ganzen Welt vereinigen, um die größten Fragen der Menschheit und Zivilisation zu erörtern, so schließt die Gemeinsamkeit der Ideen über das zu erreichende Ziel nicht eine Verschiedenheit der Meinungen über Mittel und Wege aus. Das ist unvermeidlich, sogar nützlich, vorausgesetzt, daß die trennenden Momente in zweiter Linie bleiben. Ja dieser Hinsicht war die erste Kommission vor jeder Gefahr gesichert, dark ihrem Präsidenten, der selbst inmitten lebhaftester Verhandlungen die Geister zu großen und alle einigenden Ideen zurückzuführen wußte. Herr Bourgeois hat kürzlich, um sich Lobeserhebungen zu entziehen, gesagt: „Der Präsident ist soviel wert, wie die von ihm präsidierte Versammlung, das will sagen, daß der Geist der Versammlung den Präsi denten und dessen Handlungen beeinflussen.“ In dieser Beziehung, fuhr Fehr. v. Marschall fort, muß ich eine Reserve erheben. (Heiterkeit.) In der ersten Kommission war es der Präsident, welcher seinen Geist auf die Versammlung übertrug und zeigte, wie unermeßlich da die Macht des Präsidenten ist, wenn sie sich in Händen wie die seinigen befindet. Ich teile vollstäntig die jüngst von Herrn Bourgeois geäußerte Anschauung, daß wir die Konferenz mit dem Bewußtsein verlassen werden, zu Natz und Frommen der Menschheit gearbeitet und die Sache des obligatorischen Schiedsgerichts einen beträcht lichen Schritt vorwärts gebracht zu haben, und deshalb ist es mir ein Herzensbedürfnis, dem ersten Delegierten der französischen Republik meine tiefe Dankbarkeit und meine aufrichtigsten Sympathien auszudrücken.(Stürm., langanhaltender Beifall.) Die Unterzeichnung der Schlußakte soll am Freitag oder Sonnabend erfolgen. Die Wahlen zur dritten Duma. Die bisher erfolgten Vorwahlen zur dritten Duma ergaben bis zum 8. Oktaber 885 Wahlmänner, die der linken Gruppe, von den Sozialrevolutionären bis zu den Kadetten, 1844, die der rechten angehören, wobei wir allerdings voraussetzen, daß der öffiziöse Telegraph diesmal gewissenhafter berichtet, als zur Zeit der Wahlen für die zweite Duma. Ist das der Fall, so ist es wohl möglich, daß sich die neue Versammlung als arbeitsfähig erweist. Auch scheinen nach einer Ecklärung Miljukows die Kadetten von den offenkundigen Revolutionären abschwenken zu wollen. Professor Schiemann will es ihnen mit Recht erst dann glauben, wenn sie sich in der Duma bereit fieden, den politischen Mord rückhaltlos zu verurteilen, was sie zweimal zu tun sich weigerten. Höchst bedenklich, schreibt Prof. Schiemann weiter, wäre auch ein Ueberwiegen der äußersten Rechten. Sie ist unduldsam, gewaltsam, unverständig. Aber wir glauben, daß die besonnenen Elemente, die Fortschritt ohne Umsturz vertreten, mehr und nachdrücklicher zu Worte kommen werden, als es in den beiden ersten Dumas geschah. Sollte auch dieser dritte Versuch des Zaren, die Verheißungen vom 17./30. Oktober zu verwirklichen, an Radikalismus und Unvernunst scheitern, so könnte damit leicht der Gedanke der Wahlvertretung auf der Basiis des allgemeinen Wahlrechts zu Fall kommen. Zu einem Abschluß ist die russische Revoulution noch keineswegs gekommen; Morde, Raubanfälle, Brandstiftungen, Bombenattertate dauern fort. Auch die revolutionären Organisationen bestehen noch und ihre Proklamationen predigen nach wie vor von dem völligen Umsturz. Nichts wäre gefährlicher, als wenn die jetzt noch ziemlich straff angezogenen Zügel plötzlich nachgelassen würden. Alle Erscheinungen der schlimmsten Revolutionstage würden sich wiederholen. Politische Nachrichten. Aus dem deutschen Reiche. Berlin, 17. Oktober. Die kaiserliche Familie siedelte nachmittags nach dem Königlichen Schloß in Berlin über. Prinz Osker verblieb im Schloß Bellevue. Der Prinz ist an Windpocken leicht erkrankt. Seine Herstellung wird in wenigen Tagen erwartet. Der Kaiser traf heute vormittag, von Hubertus. Zock kommend, im Automobil auf Schloß Bellevue ein, wo die Prüfung des Prinzen Joachim anläßlich seiner für morgen bevorstehenden Einsegnung stattfand. Die Broschüre Liebknechts ist dem Kaiser schon vor längerer Zeit vorgelegt worden. Dem Hochverratsprozeß gegen Liebknecht brachte der Kaiser großes Jateresse entgegen. Während der Verhandlung wurde ihm wiederholt telegraphische Mitteilungen gegeben und jetzt wurde ihm ein ausführlicher schriftlicher Bericht übermittelt. Für die Einführung des Kronprinzen in den Verwallungsdienst wurde, wie verlautet, im Ministerium des Innern ein besonderes Dezernat eingerichtet, das dem Geh. Oberregierungsrat v Falkenhayn untersteht. Die„Kreuzztg.“ meldet: Dem Vernehmen nach wies der evangelische Oberkirchenrat die Konsistorien an, in den Kirchen ihres Aufsichtsbezirkes eine kirchliche Fürbitte im nächsten Hauptgottesdienst für die glückliche Ertbindung der Kronprinzessin abhalten zu lassen. Prinz Heinrich von Preußen ist am Dienstag in Innsbruck eingetroffin und hat sich am Mittwoch mit dem Schloßbesitzer Nißl auf die Gemsjagd im Solsteingebiete begeben. Zu der Frage des Steuerprivilegs der Staatsbeamten, die angeblich so geregelt werden soll, daß den Gemeinden die infolge des Privilegs ihnen entgehende Steuersumme aus Staatsmitteln ersetzt wird, melden jetzt verschiedene Blätter, das bisher nur vertrauliche Beratungen über die gelegenheit stalt gefunden haben. Zu der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs sei es noch nicht gekommen. Dem Bundesrat ist nunmehr, wie dem „.=.“ gemeldet wird, auch der Entwurf über die anderweite Regelung der Haftung des Tierhalters für den von seinen Tieren angerichteten Schaden, und zwar in unveränderter Fassung, wieder zugegangen. Wie der deutsche Konsul in Vlissingen mitteilt, wird das deutsche Kaiserpaar am 8. November von Brunsbüttel aus nach England abreisen. Wenn aber das Wetter stürmisch sein sollte, wird die„Hohenzollern“ nach Blissingen kommen. Von dort wird sich dann das deutsche Kaiserpaar am 10. Nevember nach Port Vittoria einschiffen. Das deutsche Kaiserpaar wied, wenn es von England in Vlissingen eintrifft, dort von der Königin und dem Prinzen Heinrich der Niederlande begrüßt werden. In dem königlichen Sonderzug werden sich dann die Fürstlichkeiten nach dem Haag begeben. Der„Vorwärts“ übernimmt die Meldung des Chicagoer„Daily Sccialist“ wonach der Abgeordnete Bebel die ihm in Stuttgart mündlich unterbreitete Einladung der amerikanischen Sozialdemokraten angenommen hat, nach den Vereinigten Staaten zu kommen. Bebel wird sich in der Tat im Frühjahr nächsten Jahres dorthin begeben und etwa —7 Versammlungen abhalten, voraus gesetzt, daß ihn nicht wichtige Unstände an der Reise hindern. Dresden, 17. Oktbr. Der sächsische Landtag wurde mit einer Thronrede des Königs eröffnet.— Der Deesdener Hof hat die Forderungen der Frau Toselli rund abgelehnt und die Zivilklage auf Herausgabe der kleinen Prinzessin durch den deutschen Konsul in Florenz eingeleitet. Aus dem Auslande. Wien, 16. Okt. Im Abgeordnetenhaus erklärte bei Einbringung der Ausgleichsvorlagen der Ministerpräsident Freiherr v. Beck, die Regierung hoffe, die wertvollen Bausteine der früheren Vereinbarung zu einem dauerhaften Werk zusammengefügt zu haben. Der Ausgleich halte die volle Freiheit des wirtschaftlichen Verkehrs und das System des engen zoll und handelspolitischen Zusammenschlusses wie bisher aufrecht. Ein für beide Staaten analoger Zolltarif bildete die Grundlage für die gemeinsame Führung der Handelsvertrags Verhandlungen mit dem Auslande. Bezüzlich der Eisenbahnpolitik habe sich Oesterreich die volle Aktionsfreiheit vorbehalten. Von der Einrchtung eines Schiedsgerichtes sei eine gedeihliche Entwicklung der ökonomischen und politischen Beziehungen beider Länder zu erwarten. Erfreulicher Weise sei in der Frage des ungarischen Staatsschuldenblockes ein völliges Einvervehmen erzielt worden. Den schlimmsten Punkt des Ausgleiches bildete die Bankfrage. Die Gemeinsamkeit der Notenbark sei in erster Linie im ungarischen Interesse. Endgiltig konnte die Barkfrage nicht gelöst werden, doch waren beide Regierungen darin einig, daß es mit Rücksicht auf die Finanz= lage im Interesse beider Staaten liege, mit der Osterreichisch Ungarischen Bank wegen Verlängerung ihres Privilegiums in Verhandlungen zu treten. Im Falle der Verlängerung würde auch der Münzwährungsvertrag aufrecht zu erhalten sein. Falls beide Parlamente nicht zu einem Uebereinkommensbeschluß bezüglich der Quotenfrage gelangen sollten, würden die Regierungen eine gesetzliche Neuregelung so anstreben, daß eine zweiprozentige Erhöhung der ungarischen Quote vorgeschlagen werde. So eröffne sich eine Aussicht auf die richtige Abmessung der Quotenverhältnisse. Der vorliegende Ausgleich entspreche nicht vollkommen den Wünschen Oesterreichs, er sei durch die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse gegeben und bezüglich der Opfer und Vorteile für beide Staaten gleich und recht. Wien, 17. Oktbr. Das tägliche Fieber des Kaisers steigt bis auf 38 Grad. Die Entzündung ist noch auf die Bronchien und Lungenspitzen beschränkt, doch flört heftiger Hustenreiz die Nachtruhe des Kaisers, dessen subjektives Befinden durch Fieber und schlaflose Nächte sehr beeinträchtigt wird. Personen seiner Umgebung versichern, der Kaiser sehe angegriffen aus und klage über Müdigkeit und Abspannung. Der heutige Tag verlief wieder ungünstiger, der Husten trat wieder stärker auf, vermutlich, weil der Kaiser bei dem gestrigen Besuche der Erzherzogin Marie Valerie mit Sprechen sich sehr anstrengte. Budapest, 16. Okt. Die Ausgleichsrede Wekerles fand im Abgeordnetenhause nur eine kühle Aufnahme. Aus der Unabhängigkeitspartei wurde bei der Ankündigung der Quoten=Erhöhung sogar offener Widerspruch laut. Paris, 17. Okt. Alle Blätter verzeichnen mit Befriedigung die Weigerung des Berliner Auswärtigen Amtes, Muley Hasids Sendlinge zu empfangen. Sie sehen darin einen Beweis freundlicher Gesinnung Deutschlands. Marokto. Der Korrespondent der Köln. Ztg.“ in Rabat berichtet über die Stimmung im marokkanischen Volke, daß alles von Zorn und Unwillen erfüllt sei gegen die Minister, die nur aus schnödem Eigennutz gehandelt, den Sultan über die wahre Lage getäuscht und nur an sich und ihre Taschen gedacht haben. Der Sultan sei sehr betrübt über die gegenwärtigen Zustände, und scheine selbst seinem Bruder und seinem Volke eine gewisse Berechtigung zu der Unzufriedenheit zuzugestehen. Die einzig zweckdienliche Lösung sei eine Verständigung mit Muley Hafid, die letzterer gegen vernünftige Garantien annehmen dürfte. In solchem Falle würde die Mehrzahl der jitzigen Minister abzudanken haben, Mulcy Hafid würde im Süden als Vertreter des Sultans bleiben, jedoch mit erweiterter Machtbefugnis und als erster anerkannter Ratgeber des Sultans. Das sei der Plan, den hochangesehene Mauren zur Verwirklichung empfehlen. Marrakesch, 17. Oktober. Aus dem Tafilelt und anderen Oasen des Südens kommen hier Tausende von Kriegern an, um unter Muley Hasid in den heiligen Krieg zu ziehen. New York, 17. Okt. Die„Sun“ veröffentlicht eine drei Spalten lange Depesche aus Washinzton, welche das Thema behandelt, ob Roosevelt Vorbereitungen zu einem Kriege mit Japan treffe. Das Blatt behauptet, die ganze Kriegsflotte gehe nach den Philippinen, wohin bereits schwere Geschütze und Seeminen geschickt würden. Die Marinen Amerikas und Japans entwickeln eine sieberhafte Tätigkeit. Die„Sun“ sagt: Präsident Roosevelt treffe gewissermaßen dieselben Maßregeln, wie er sie vor dem spanischen Kriege MeKinley anriet. Indessen steht die „Sun“ vereinzelt mit ihren Behauptungen. Lokales und Bieleseld, 18. Oktober. *(Die Stadtverordneten wahl) ist für die dritte Abteilung auf den 12. und 13. November von 10—1½ und 4 bis 7 Uhr festgesetzt; für die zweite Abteilung auf den 14. November von 10—1 und—7 Uhr; für die erste Abteilung auf den 15. November von 11—1 Uhr vormittags. *(Dem Verein für Heimatschutz und Denkmalpflege) in Minden=Ravensberg ist die Stadt Bielefeld mit einem Jahresbeitrag von 300 Mk. beigetreten. *(Eine Polizeiwachtstube) wird im Hause Gütersloherstraße 29 eingerichtet. *(Städtische Rechnungsergebnisse 1906.) Die Rechnung der Kasse der Kaiserin Auguste Viktoria=Schule für 1906 ist vom Magistrat geprüft worden und schließt mit einem Ueberschuß von Mk. 9981,71 ab, die Rechnung der Oberrealschule ergibt einen Ueberschuß von Von der Reise mitgebracht. Erzählung von Fr. Carl. 20][Nachdruck verboten.) Annie setzte sich und saß wohl eine Viertelstunde in tiefes Nachdenken versunken da. Auf einmal sprang sie auf.„So muß es gehen,“ sagte sie hastig,„es heißt dann eben biegen oder brechen.“ Dr. Reinhardt wollte gerade noch vor dem Essen einen Spaziergang machen, als der Kellner erschien und ihm meldete:„Eine Dame wünscht Sie zu sprechen.“ Eilig folgte er ihm und sah sich im Garten zu seinem großen Erstaunen Annie v. Arnstedt gegenüber. Etwas verlegen fragte er: „Haben gnädiges Fräulein einen Wunsch, einen Befehl für mich, oder kommen Sie gar in Fräulein v. Warnows Namen?“ Da Annie fürchtete, daß ihre Unterhaltung belauscht werden könnte, sprach sie französisch. Sie machte ohne viele Umschweife dem ganz hoffgungslos dreinschauenden Doktor Mit teilung von dem drohenden Unheil.„Nun kommt alles auf Sie an, mein Herr“, sagte sie mit großer Bestimmtheit und sah ihn fest an. „Ja, wieso?“ feagte er aufgeregt,„ach Mark 12828,84. Die Schulneubaurechnung schließt mit einem Vorschuß von Mk. 34344,44 ab, die Straßenneubaurech nung mit einem Vorschuß von Mk. 652128,—; die Rechnung der städtischen Rieselfelder ergibt einen Vorschuß von Mi. 6 275,35. (Besitzwechsel.) Die, Frau Witwe F. Niemann gehörige Besitzung, Geschäfts= und Wohnhaus mit Garten, Brackwede, Bielefelderstraß: Nr. 99, ist durch Vermittlung des Bieleselder Immobilien und HypothekenBureaus Knchaas u. Schmelzer an Herrn Metzgermeister Wilhelm Brandt verkauft worden. (Eine Volkssternwarte ist für Bielefeld geplant.) Dieselbe soll auf dem Kahlenberge errichtet werden. An den Magistrat ist dereits Anfangs August ein Gesuch dieserhalb abgegangen. Zahlreiche Bürger der Stadt haben sich schon jetzt bereit erklärt, die Ausführung des Projekts durch Beiträge zu unterstützen. (Die Landtagsersatzwahl) findet Montag, den 21. Oktober, vormittags 11 Uhr, im Saale des Wirtes August Brink hoff in Bielefeld, Gütersloherstraße 53 statt. Die konservativen und christlich=sozialen Wahlmänner versammeln sich um 10 Uhr im Richterschen Gartenlokal(früher Rademacher), das ganz in der Nähe des Wohllokals gelegen ist, zur einer Vorbesprechung. Kein konservativer Wahlmann darf bei der Wahlhand. lung fehlen. Von einer Stimme kann die Entscheidung abhängen. Die Wahllegitimation ist mitzubringen. X(Unsere Jugend.) Das Wort „Jsgend“ gewinnt in unsern Tagen immer mehr an Bedeutung, tritt doch gerade mit diesem Wort mehr denn je ein Kampf vor unsere Seele, der nicht nur mit ganzem Ecnst, sondern von einer Seite auch mit einer Erbitterung geführt wird, die uns die Größe des Kampspreises wohl erkennen lehrt. In der Tat handelt es sich hier um einen hohen Preis, den Wert der Zukunft, sie im Blick auf Familie und Vaterland zu sichern, ist jedes„Deutschen" Bürgers Aufgabe. Zwei gewaltige Strömungen sind es, die sich der Jugend unseres Volkes bemächtigen möchten. Auf der einen Seite ist es der krasse Unglaube, der mit seiner nörgelnden Unzufriedenheit seine trügerischen Schalmeien der Jugend vorspielt und ihr ein Leben zügellosester Freiheit vorgaukelt, auf der andern Seite hinwiederum bemüht man sich ihr die Dinge im rechten Lichte der Wirklichkeit zu zeigen, zu zeigen, daß auf dem Boden des Unglaubens nur Lug und Trug gedeihen kann. Das beweisen uns die gewaltigen Zahlen, der vielen traurigen Opfer eines zügellosen Lebens, die in dem letzten Decennium in erschreckender Weise sich vermehrt haben. Nach den Statistischen Mitteilungen der neuesten Kriminalstatistik besteht der zehnte Teil der gesamten Verdrecherwelt aus jugendlichen Personen im Alter von 12—18 Jahren! Nimmt man nun zu dem allem noch die ungezählten Vergehen, welche dem Strafrichter entgehen, sei es wegen noch nicht erreichter Straffähigkeit, sei es, weil sie unentdeckt und unangezeigt bleiben, sei es auch aus noch anderen Gründen, Vergehen, über die es keine Statistik gibt, dann wird es auch dem blindesten Arge klar werden, daß wir es hier mit dem allertraurigsten Kapitel in der Geschichte des Elends zu tun haben und das Rettungsarbeit an der Jugend zu dem allernotwendigsten Dienst in unseren Tagen gehört gnäbiges Fräulen, wenn Sie doch einen Rat wüßten und helfen konnten!“ „Das will ich gern. Also: lieben Sie Ilse auch von ganzem Herzen?“ Fast vorwurfsvoll klang die Antwort: „So können Sie noch fragen? Ich könnte alles für sie opfern und habe nur einen Wunsch, sie zu gewinnen und glücklich zu machen.“ „Haben Sie Mut genug, sich noch heute mit ihr zu verloben, und dann den Eltern mit diesem fait accompli vor die Augen zu treten?“ Er atmete tief auf, es war ihm, als wollte ein Schwindel ihn überkommen. Aber dann sagte er mit entschlossenem Tone: „Ja, ja, ich habe den Mut dazu, wenn ich nur wüßte, wie ich Ilse sehen könnte?“ „Dafür lassen Sie mich sorgen. Seien Sie, bitte, heute nachmittag um vier Uhr auf dem Wege unter der Wolfsburg. Dort wird sich das Weitere finden. Gott helfe Ihnen und meiner lieben Ilse!“ Sie reichte ihm die Hand, er neigte sich darüber und sagte bewegt:„Wie soll ich Ihnen danken, gnädiges Fräulein, für diesen Dienst?"— Da war sie schon an der Gartentür, noch ein kurzes:„Also heute nachmittag um vier Uhr“, und sie schritt die — ein Dienst, der der Unterstützung aller von der Pestilenz einer modernen von Gott losgelösten Weltanschauung noch nicht angesteckten Kreise der menschlichen Gesellschaft wert und bedürftig ist. Wenn von nichts anderem, dann wird schon diesem schwarzen Nachtbilde des Elends die eiserne Notwendigkeit einer christlichen Jugendpflege diktiert, und es sollte jedem angesichts dieses großen Jammers sich die herzzerreißende Klage ins Gewissen mit flammenden Lettern schreiben: „Ih kann nicht sehen das Knaben sterben!“ Und diese Klage sollte sich in den Tatruf wandeln:„Ich muß herbei zur Rettung!“ Wer die Arbeit der christlichen Jugendpflege, wie sie auch in unserer Stadt nun schon seit Jahren von dem Christlichen Verein junger Männer und den Evang. Männerund Jünglingsvereinen getrieben wird, unterstützt, der tut eine Tat— eine Gottestat— für die Zukunft unseres Volkes! Es sei darauf hingewiesen, daß am Sonntag, den 20. d. Mis., nachmittags 3½ Uhr im Christl. Verein junger Männer, Papenmarkt Nr. 2 ein Jugendsest stattfindet, zu dem Herr Bundessekretär Dröner aus Elberfeld die Festansprache übernommen hat. Jedermann ist herzlich eingeladen. m(Betrug.) Bei der Ehefrau E., hier, Teichstraße 6, erschien am Donnerstag, den 10. d. M. eine Mannsperson, die sich als Gerichtsschreiber Wilhelm Themeck: bezeichnete und für den in Strafhaft in Herford befindlichen Kommis Z. die Sachen abholen wollte, die die K. noch als Pfand für 85 Mark rückständiges Kostgeld einbehalten halten. Er gab ihr einen Wechsel über 100 Mark als Sicherheit für ihre Forderung an Z. und nahm verschiedene Anzüge, mehrere Westen, Wäsche pp. im Gesamtwerte von 300—400 Mark mit und versetzte sie größtenteils. m.(Betrug.) Bei der Ww.., Bürgerweg 45, mietete sich am 11. d. Mts. ein angeblicher Packmeister Richstein ein, der dort bis 16. d. Mis. wohnte und von der K 20 Mk. lieh. Er hat sich mit dem Gelde heimlich entfernt. Die von ihm gemachten Angaben, er sei hier als Packmeister bei der Königl. Eisenbahn beschäftigt, stellten sich als falsch heraus. Anscheinend trägt R. die Packmeisterunisorm unbefugter Weise. (Gefunden.) 1 Herrenuhr mit mit Nickelkette, 1 Kneifer, 1 Bund Schlüssel, 2 Teile Häkelgarn. m.(Zugelausen.) Ein gelbbrauner Pinscher. (Bei Fly und Slade.) Einen ganz merkwürdigen Wechsel der Stimmung hatten alle diejenigen durchzumachen, die am gestrigen Abend sich zu der Soiree des Künstlerpaares Fly und Slade im Saale der Eintracht eingefunden hatten. Eben noch hatte man, wie alle Tage, unsere alten, vertrauten Straßen passiert, und alltägliche Gedanken und Vorstellungen waren einem durch den Kopf gegangen,— und plötzlich befand man sich alsdann in einer Welt, zu der einem scheinbar alle Beziehungen fehlten. Eine Reise in das„Gebiet des Ueberfinnlichen", in die „vierte Dimension“ hinein hatte man angetreten, ein Gebiet, das immer wieder die Gelehrten mit brennendem Eifer und unzählige Laien mit einer an Fanatismus grenzenden Leidenschaften zu erforschen bestrebt sind. Auch bei uns in Bielefeld hatte die gestrige Soiree des Künstlerpaars ein zahlreiches Publikum herberbeigezogen. Vielleicht tat außer dem hochinteressanten Gegenstand auch der Name des Künstlerpaares Fly und Slade das seinige, denn dieselben haben vor Jahren hier schon mit ihren unerklärbaren Leistungen Aufsehen erregt Herr und Frau Slade treten nicht im Namen der Wissenschaft auf und versuchen nicht zu erklären, was vielleicht doch nicht völlig zu erklären ist— sie wollen uns vielmehr einen rein unterhaltenden Einblick in die Welt des„Uebersinnlichen und Geheimnisvollen“ gewähren. Sie werfen uns die rätsel Straße hinunter.— Träge schlichen die Stunden dahin. Ilse v. Warnow saß stumm, mit blassem Gesicht in ihrem Zimmer. Sie hoffte jeden Augenblick, den raschen Schritt der Freundin zu hören, aber sie mußte lange darauf warten. Ihre Mutter war im Zimmer nebenan. Sie schrieb an Graf Merbach und meldete sich zum Abend des nächsten Tages mit Mann und Tochter an. Allerdings konnte sich Frau v. Warnow dabei sorgender Gebanken nicht erwehren. Was würde Ilse für Augen machen, wenn sie hörte, daß Harzburg— die Villa des Grafen das Ziel der Reise sein sollte? Würde sie sich nicht womöglich weigern, mitzureisen— oder doch in einer Stimmung dort eintressen, daß dem Grasen alle Hoffnung vergehen müßte? „Warum mußte auch dieser fatale Meusch, dieser Dr. Reinhardt unseren Weg krenzen?“ fragte sie sich immer wieder. Sie war nicht blind und sagte es sich ganz klar, daß er sicher einen tiefen Eindruck auf Ilses Herz gemacht hatte. Das war eine neue Schwie rigkeit für ihre Zukunftsträume. Sie war so böse auf ihre Tochter— aber sie sagte sich auch, daß sie mit allzugroßer Härte die Sache nicht besser, sondern nur noch schlechter mache. So war sie denn nicht unfreundlich sur uur Ke. glauben würde, wenn man sii nicht miterlebte. und ge überlassen es den Besucheen ihrer Soireen, sich je nach Veranlagung entweder die Köpfe darüber zu zerbrechea, wie dieses macht wird und wie jenes, oder die Segel von vornherein zu streichen und die Produktionen als Offenbarungen einer andern geheimnisvollen Welt hinzunehmen. Von irgend welcher Taschenspielerei oder oberflächlichen Täuschung des Publikums ist keine Rede in den Darbietungen des Künstler, paares; das Publikum selbst übt die schärffte Kontrolle. Die Verblüffung, die jeder einzelnen Nummer auf den Fuß folgte, wich schließlich, geheimnisvoller die Leistungen wurden, einer geradezu elektrisch gespannten Stimmung, und man kam endlich so in einen Zustand des Außergewöhnlichen hinein, daß man sich nicht gewundert hätte, wenn die Geister den Schauplatz ihrer Tätigkeit von der Bühne weg und mitten unter die Reihen der wie gebannt dasitzenden Zuschauer verlegt hätten. Leider sind die Reisedispositionen von Heern Fly und Frau Slade so fest vorgezeichnet, daß dieselben nur 2 Vorstellungen in unserer Stadt geben können. (Stadttheater.)„Das Erbe“, Schauspiel von Felix Philippi ging Mittwoch erstmalig in Szene. Das Stück spielt in der Gegenwart auf den Larunschin Werken. Diese sind unter der umsichtigen und energischen Leitung des herrvorragend tüchtigen Geh. Kommerzienrates Heinrich Sartorius, des Prokuristen der Firma E. M. Larun, ins Riesenhafte gewachsen. Eine englische Firma gelangt durch Verrat in den Besitz der Konstruktion eines Gewehrs der deutschen Firma und will eine Gewehrlieferung billiger übernehmen als diese. Als Verräter entlarvte schließlich Sartorius den Abteilungschef van der Matthiesen, den Günstling und künftigen Schwiegervater des Barons Karl von Larun. Sartorius, der schon dem Vater des jetzigen Besitzers treu diente, aber durch die Intriguen Matthiesens jetzt in Ungnade gefallen und entlassen worden ist, schlägt glänzende Anerbietungen von anderer Seite aus, weil er an dem Werke, das hauptsächlich durch seine 35 jährige rastlose Tätigkeit entstanden ist, und das er auch als sein Erbe betrachtet, nicht zum Verräter werden will. Er soll nun Mitinhaber des Ecbes wirden, lehnt aber mit den besten Wünschen für das fernere Gedeihen desselben und für seinen jungen Herrn ab.—— Von allen Personen erregt der ehrenhafte, geniale und schaffensfreudige, aber auch starrköpfige Sartorius das höchste Interesse. Herr Karl Noack het die Aufgabe, ihn auszustatten, sehr geschickt, mit Feuer und daher mit vollen Erfolge gelöst. Die Rolle der Ehefrau des Sartorius, Henriette, war bei Fräulein Rosa Woytasch in guten Händen. Außerdem seien noch hervorgehoben die Herren Hans Lützenkirchen(van der Matthiesen), Leopold Rosen(v. Küstner), Max Andreas(Baron Karl von Larun) und Kurt Felden(Lorinser.) (Aus dem Theaterbureau) wird uns geschrieben: Sonnabend gelangt Heinrich Bautes seit langem nicht mehr gegebene historische Schauspiel „Graf Essex" zur nur einmaligen Aufführung. Die Vorstellung findet zu kleinen Preisen statt. Am Sonntag wird Shakespeares anerkannt bestes Lustspiel„Was ihr wollt" oder„Der Dreikönigsabend“ mit der gesamten Musik zu„Rosamunde“ von Franz Schubert, ausgeführt von dem bedeutend verstärkten städtischen Orchester, zum zweiten Male wiederholt, um auch einem größeren Publikum und den auswärtigen Theaterfreunden und Musikliebhabern Gelegenheit zu geben, dieses Meisterwerk und die reizende Musik Schuberts kennen zu lernen. (Wochenspielplan des Stadttheaters.) Sonnabend, 19. Okt.: Kleine Preise. Nur einmalige Aufführung.„Graf Essex. Historisches Schauspiel in 5 Aufzügen von Heinrich Laube.— Sonntag, 20. Okt., 7 Uhr: Zum zweiten Male: „Was ihr wollt“ oder:„Der Dreikönigsabend". Lustspiel in 4 Akten von Shakespeare. — Montag, 21. Okt., 8 Uhr. Uraufführung. „Der Herr Graf.“ Eine lustige Komödie in 3 Akten von Gerda Hildebrandt Schneevoigt.— Dienstag, 22. Okt., 7½ Uhr:„Der Herr Graf.“— Mittwoch, 23. Okt., 7½ Uhr: Erstes Gastspiel von Auguste Prasch=Grevenberg. Nur einmalige Aufführung.„Nora.“ Schauspiel in 3 Akten von Henrik Ibsen.— Donnerstag, 24. Okt., 7½ Uhr: Zweites und letztes Gastspiel von Auguste Prasch Grevinberg. Erstes Auftreten von Direktor Norbert Berstl.„Ein Tropfen Gift“ Schauspiel in 4 Akten von Oskar Blumenthal.— Sonnabend, 26. Okt., 7½ Uhr: KlassikerVorstellung zu kleinen Preisen.„Die Braut von Messina.“ Von Friedrich von Schiller. Brackwede, 16. Oltober.(BetriebsUnfall) Gestern nacht brach laut„Bielef. Volkaztg.“ auf der Glashütte„Teutoburg“ gegen sie, und als Annie der Freundin einen Besuch machen wollte, sagte sie dem jungen Mädchen mit einem Versuche zu lächeln:„Nun, Acrie, versuche einmal, ob du Ilse nicht wieder fröhlich stimmen kannst, sie sieht ja gar zu bekümmert aus.“ Annie versicherte treuherzig:„Ich will tun, was in meinen Kräften steht", und dachte im stillen bei sich: O weh, wenn du wüßtest, womit ich sie wieder froh machen will! Iise wollte erst nichts davon wissen, am Nachmittage einen Spaziergang zu machen. Aber schließlich gab sie dem Drängen der Freundin nach, und das machte sie zur Bedingung: möglichst in die Eirsamkeit, damit ich keine Menschen zu sehen brauche. Auch Frau v. Warnow, die zu Anvies Freude ziemlich bereitwillig die Erlaubnis gab, rief den jungen Mädchen noch nach:„Aber, bitte, Kinder— nicht ins Bodetal!“ Sie fürchtete, der schreckliche Dektor könnte dort am ersten ihrem Kinde begegnen. „Der Anfang wäre ja glücklich gemacht,“ dachte Annie, als sie das Hotel verließen— „aber das Schwerste kommt erst noch.“ Pünktlich war sie mit Ilse, die kaum wußte, wohin sie gingen, an der verabredeten Stelle. Richtig— dort hinten wandelte Dr. Reinhardt schon auf und ab.„Entder Boden der Wa die Hälfte des Glase sind fast hundert Ar ohne Verdienst. ∆ Schildesche, 17 hiesigen Rektorst Ausscheiden des Her gewordene Rektorstelle Hern Zaeske aus Zaeske ist bereits am geführt worden. DisTage zwei neue Lehrer 8 Schildesche, amtliches.) In 15 Oltober 1907 Standesamte 35 G. fälle zur Anmeldun boreren waren 20 g lichen Geschlechts. wurken gestellt ur fanden statt. 8 Schildesche lausen.) Dem L mann zu Bauersch ist vor einigen Tag Biejtzt konnte der G werden. Aus den Herford, 1 laufbahn.) Da heblicher Bebarf a vorhanden ist, könne 17 und 20 Jahren, schulen freiwillige Vorlage eines Meld Eintritt auf dem wo jede Auskunste 9 Hersord, 1 Verein.) Für dieser Saison amE Uhr, ist Herr Lud gewonnen, welcher ü sprechen wird. Ansc aus dem Epos„Dic mitglieder haben Zut C Herford, 18 berger Rennv# aufmerksam gemacht um 2 Uhr beginnen beendet zu sein. A Herford, 18. kältere Jahreszeit ma kehrungen zum Schutze die Reise nach wärmer sondern in unsern Gar zurückblieben und hier sind.— Wir möchten Gärten bitten, in dens einzurichten, welche so sie nicht arschneien kör Winters zu füttern, ist es müssen nur Vorkehl die Bögel bei starkem plötzlich eintretender efrühen Morgen da! fressen, sowie es Tag Hunger zugleich, so daß die Bögel gleich be sonst nützt alle Füttere Neben dem Futter d nicht fehlen; es ist#g Wasser, wie daß er Fi längere Zeit vor der empfiehlt sich folgendwöhnlicher Blumentop mit Sand gefüllt, auf gelegt und darauf der setzer gestellt. Um di napf zu gewöhnen, ist zu streuen.— Wir he burger Tierschutz=Verrecht praktisch befunde Vogelschützern zur Beg Ö Herford, 18. der Bienen im W das Winterlager ein Unbilden geschützt, Bienen mit Vorräten des Hungers und Du dienen. Natürlich so von Ende August an Man nimmt nun an September bis Ende gramm Honig benöti überdauern, und diese einzelnen Monate etwa schuldige, bitte, e Ränkespinnerin Tasche—„ich u loren haben, das hatte." Da war biegung verschwut Sinnen noch ein einmal stieß sie aus: vor ihr sta danken galten, heißem Weh war Wenn Dr. Ri Stunde fast den die rechten Worte seiner Liebe kleit nun all diese Pl zögerte einen Au Freundin nacheile schluchzend die Ar Herr Doktor kam es über ihre Gesangene mit die man nicht in sit nicht miterlebte, s den Besucheen Veranlagung entweder rechea, wie dieses oder die Segel von die Produktionen als geheimnisvollen Welt welcher Taschenspielerei na des Publikums ist etungen des Künstler. elbst übt die schärfste g, die jeder einzelnen e, wich schließlich, je n wurden, einer geradenten Stimmung, in einen Zustand des man sich nicht geBeister den Schauplatz ühne weg und mitten ibannt dasitzenden Zuider sind die Reisev und Frau Slade so hen nur 2 Vorstellunkönnen. as Erbe“, Schau1g Mittwoch erstmalig t in der Gegenwart Diese sind unter der Leitung des herrvormerzienrates Heinrich r Firma E. M. Larun, Eine englische Firma Besitz der Konstrukschen Firma und will er übernehmen als schließlich Sartorius katthiesen, den Günstgervater des Barons der schon dem Vater inte, aber durch die in Ungnade gefallen lägt glänzende Aneraus, weil er an dem urch seine 35 jährige ist, und das er auch zum Verräter werden er des Ecbes wirden, Wünschen für das ind für seinen jungen Personen erregt der nsfreudige, aber auch ichste Interesse. Herr be, ihn auszustatten, nd daher mit vollem r Ehefrau des Sarei Fräulein Rosa en. Außerdem seien n H a n s L ü t z e n hiesen), Leopold Andreas(Baron Felden(Lorinser.) reau) wird uns geHeinrich Bautes seit historische Schauspiel naligen Aufführung. leinen Preisen statt. res anerkannt bestes er„Der Dreikönigsisik zu„Rosamunde“ rt von dem bedeutend r, zum zweiten Male ßeren Publikum und unden und Musikn, dieses Meisterwerk rts kennen zu lernen. Stadttheaters.) e Preise. Nur einEsser. Historisches Heinrich Laube.— Zum zweiten Male: der Dreikönigsen von Shakespeare. Uhr. Uraufführung. lustige Komödie in andt Schneevoigt.— Ihr:„Der Herr ., 7½ Uhr: Erstes .Grevenberg. Nur ra.“ Schauspiel in k.— Donnerstag, und letztes Gastspiel g. Erstes Auftreten „Ein Tropfen von Oskar Blumen7½ Uhr: Klassikermn.„Die Braut rich von Schiller. der.(Betriebs frach laut„Bielef. „Teutoburg“ tie der Freundin te, sagte sie dem iem Versuche zu rsuche einmal, ob ch stimmen kannst, ert aus.“ Annie h will tun, was und dachte im venn du wüßtest, machen will! savon wissen, am gang zu machen. dem Drängen der nachte sie zur BeEiosamkeit, damit n brauche. Auch Anvies Freude laubnis gab, rief ch nach:„Aber, Bodetal!“ Sie ktor könnte dort segnen. lücklich gemacht,“ #otel verließen— umt erst noch.“ die kaum wußte, der verabredeten hinten wandelte und ab.„Entder Boden der Wanne II. durch, wodurch die Hälfte des Glases ausflos. Insolgedessen sind fast hundert Arbeiter eine Woche lung ohne Verdienst. 8 Schildesche, 17. Okt.(Besetzung der biesigen Rektorstelle.) Die hier durch das Ausscheiden des Herrn Rektors Edeler freigewordene Rektorstelle ist dem Gymnasiallehrer Harn Zacske aus Schöningen übertragen. Herr Zaeske ist bereits am 15. d. M. in sein Amt eingeführt worden. Disgleichen wurden am selben Tage zwei neue Lehrer eingeführt. 8 Schildesche, 17. Olt.(Standes. amtliches.) In der Zeit vom 1. bis 15 Oltober 1907 kamen beim Standesamte 35 Geburteu und 14 Sterbefälle zur Anmeldung. Von den lebendge boreren waren 20 männlichen und 15 weiblichen Geschlechts. 15 Aufgebotsanträge wurden gestellt und 15 Eheschli ßungen fanden statt. 8) Schildesche 15. Ok'.(Zugelausen.) Dem Landwirt Wilhelm Hartmann zu Bauerschaft Schildesche No. 134 ist vor einigen Tagen ein Balle zugelaufen. Biejtzt konnte der Eigentümer nicht ermittelt werden. Aus dem Kreise Herford. C Herford, 17. Olt.(Militär= lausbahn.) Da noch immer ein sehr erheblicher Bedarf an Unteroffizier=Schülern vorhanden ist, können sich junge Leute zwischen 17 und 20 Jahren, welche bei Unteroffizier. schulen freiwillig eintreten wollen, unter Vorlage eines Meldescheiurs zum frei willigen Eintritt auf dem Bezirkskommando melden, wo jede Auskurst erteilt wird. 2 Herford, 18 Okt.(GewerbeVerein.) Für den ersten Vortrag in dieser Saison am Sonnabend, abends 8½ Uhr, ist Herr Ludwig Schröder, Iserlohn, gewonnen, welcher über„Die Soester Fehde" sprechen wird. Anschließerd daran Rezitation aus dem Epos„Dictweld Vrischemai". Nicht: mitglieder haben Zutritt und zahlen 50 Pig. C Herford, 18. Oktober.(Ravensberger Rennveein.) Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Rennen bereits um 2 Uhr beginnen, um vor Dunkelwerden beendet zu sein. A Herford, 18. Okt.(Vogelschutz.) Die kältere Jahreszeit macht es wieder nötig, Vorkehrungen zum Schutze der Vögel zu treffen, welche die Reise nach wärmern Ländern nicht mitmachten, sondern in unsern Garten, Feldern und Wäldern zurückblieben und hier der Wintersnot ausgesetzt sind.— Wir möchten namentlich die Besitzer von Gärten bitten, in denselben rechtzeitig Futterplätze einzurichten, welche so beschaffen sein müssen, daß sie nicht arschneien können. Während des ganzen Winters zu füttern, ist durchaus nicht erforderlich; es müssen nur Vorkehrungen getroffen sein, daß die Bögel bei starkem Schneefall, bei Glatteis und plötzlich eintretender heftiger Kälte sofort Futter sinden, und daß dieses Fuiter für sie schon am frühen Morgen da liegt, denn der Vogel will fressen, sowie es Tag wird. Kommen Kälte und Hunger zugleich, so ist es dringend notwendig, daß die Bögel gleich bei Tagesanbruch etwas finden, sonst nützt alle Fütterei nichts, und sie kommen um. Neben dem Futter darf aber auch das Wasser nicht fehlen; es ist gleich wichtig, daß der Vogel Wasser, wie daß er Futter findet. Um das Wasser längere Zeit vor dem Einfrieren zu bewahren, empfiehlt sich folgendes einfache Mittel: Ein gewöhnlicher Blumentopf wird zur kleinern Hälfte mit Sand gefüllt, auf denselben glühende Kohlen gelegt und darauf der mit Wasser gefüllte Untersetzer gestellt. Um die Tierchen an diesen Saufnapf zu gewöhnen, ist etwas Futter in die Nähe zu streuen.— Wir haben, so schreibt der Magdeburger Tierschutz=Verein, diese Einrichtung für recht praktisch befunden und empfehlen sie allen Vogelschützern zur Beachtung. ∆ Herford, 18. Okt. Honigverbrauch der Bienen im Winter.) Ist für die Bienen das Winterlager eingerichtet und gegen äußere Unbilden geschützt, so wird dasselbe von den Bienen mit Vorräten ausgestattet, die zur Stillung des Hungers und Durstes während des Winterdienen. Natürlich soll man dieses Winterlager von Ende August an vollständig in Ruhe lassen. Man nimmt nun an, daß ein gutes Volk von September bis Ende April etwa 10 bis 12 Kilogramm Honig benötigt, um den Winter gut zu überdauern, und dieser Verbrauch stellt sich für die einzelnen Monate etwa folgendermaßen: September schuldige, bitte, einen Augenblick,“ sagte die Ränkespinnerin und griff suchend in die Tasche—„ich muß mein Taschentuch verloren haben, das ich eben noch in der Hand hatte.“ Da war sie schon um die Wege biegung verschwunden, Isse ging in trübem Sinnen noch einige Schritte weiter,— auf einmal stieß sie einen leisen Schreckensruf aus: vor ihr stand er, dem all ihre Gedanken galten, um den ihr Herz so voll heißem Weh war. Wenn Dr. Reinhard sich in der letzten Stunde fast den Kopf zermartert halte über die rechten Worte, in die er das Geständnis seiner Liebe kleiden wollte, so erwies sich nun all diese Plagerei als unnötig. Ilse zögerte einen Augenblick, als wollte sie der Freundin nacheilen— dann schlang sie aufschluchzend die Arme um seinen Hals:„Ach, Herr Doktor..., Werner, lieber Werner,“ kam es über ihre Lppen, die der so jählings Gesangene mit stürmischen Küssen bedeckte. (Fortsetzung folgt.) ½ bis ¾ Kilogramm(an Orten, wo gute Spättracht herrscht, deckt sich noch der Honigverbrauch). Oktober ½ bis 3/4 Kilogramm November bis Januar je ½/3 Kilogramm. Februar 1 bis 1½ Kilogramm(bei guter, fruchtbarer Königin). März 2 bis 2½ Kilogramm. April 2½ bis 8 Kilogramm(hier teilweise frischer Honig aus der Obstbaumblüte). Dies ergibt insgesamt mindestens 10 Kilogramm, weshalb den Bienen beim Einwintern mindestens diese Honigmenge belassen oder entsprechend gefüttert werden muß, soll das Volk nicht während des Winters, besonders im Frühjahr, Hungers sterben. Spenge, 17. Okt.(Die Pferdemusterung) findet im hiefigen Amtsbezirk an folgenden Termigen statt: Am Dienstag, 29. Oktober nachmittags 1 Uhr bei dem Kolon Teismann in Hücker Aschen. Am Donnerstag, 31. Okt. vormittags 9,30 Uhr auf dem Griesenbruch in Spenge. Am selbigen Tage um 11 Uhr bei Gastwirt Bromkmann in Wallenbrück. Am selbigen Tage um 12 Uhr bei Gastwirt Voßhall in Bardüttingdorf. Am Freitag, 1. November vormittags 11 Uhr an der Kreuzung der Chaussee Spenge=Jöllenbeck, Enger-Werther in Lenzinghausen. Lenzinghausen, 16. Okt. Als Mitglied des Schulvorstandes) bezw. dessen Stellvertreter wurden die Kolone Winkelhage und Gehring hierselbst gewählt. Lenzinghausen, 16. Olt.(Schule.) Die durch die Versetzung des Lehrer Stockamg von Lenzinghausen freigewordene Lehrerstelle ist dem Lehrer Kollmeier aus Dünnerholz übertragen. Bardüttingdorf, 16. Okt.(Umwahl.) Da die Amtsführung des Schulvorstandsmitgliedes Kolon Niehaus, genannt Heiming, sowie dessen Stellvertreter Kolon Kappel= mann abgelaufen war, mußte eine Umwahl vorgenommen werden. Beide wurden ein stimmig wiedergewählt. Aus den Kreisen Minden und Lübheke. * Minden, 17. Oktober.(Die freie Schmiede=Innung) im Kreise Minden sieht sich genötigt, ihre bisher berechneten Preise zu erhöhen. Sie wird zu dieser Maßregel gezwungen durch die seitens der Syndikate und Ringe erhöhten Preise für Rohmaterialien, Eisen, Kohlen, ganze und halbfertige Stahl= und Eisenwaren und durch die erhöhten Arbeitslöhne. Minden, 18. Oktober.(Dem Oberlandesgerichtsbezirk Hamm) waren am 1. Januar ds. Is. 8 Landgerichte und 101 Amtsgerichte unterstellt. Auf einen Landgerichtsbezirk kamen durchschnittlich 448952, auf einen Amtsgerichtsbezirk 35561 Einwohner. Im Oberlandesgerichtsbezirk Hamm waren 527 Richter(gegen 364 im Jahre 1883 und 520 im Jahre 1905), sowie 430 Rechtsanwälte(gegen 179 im Jahre 1880 und 439 im Jahre 1905) tätig. Auf einen Richter kamen 6815 Einwohner(1883: 6749, 1905: 7793), auf einen Rechtsanwalt 8353 Einwohner(gegen 13725 im Jahre 1880 und 9231 im Jahre 1905). Minden, 18. Oktbr.(Ordensverleihung.) Dem Hauptlehrer und Kantor Schwerdseger zu Volmerdingsen und dem Lehrer Hilgemeier zu Nordhemmern wurde der Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern verliehen. Levern, 15. Oktober.(25jähriges Dienstjubiläum.) Sein 25jähriges Dienstjabliäum feierte heute Herr Kantor Arnold Reuffer hierselbst. Er ist geboren am 3 Juni 1862 und seit dem 15. Oktober 1882 als Lehrer tätig. Bereits 18 Jahre is Herr Reuffer in Levern.(Lübb. Krebl.) Barkhausen, 16 Okt.(Diebstahl.) Am gestrigen Tage ist hier ein Fahrrad gestohlen worden. Das Rad trägt die Marke„Dürkopp“ und die Nr. 153514. Es ist kettenlos, schwarz lackiert und hat eine gerade, ziemlich breite Lenkstange.— Ein Mann von kleiner Statur mit grauer Hose und schwarzem Rock kommt als Täter in Verdacht. Ans den Kreise Halle. Tatenhausen, 16. Okt.(Spielfest.) Am Sonnabend, den 19. d. Mts., soll hier selbst das diesjährige Spielfest der Schulen des Kreises Halle abgehalten werden. Nachmittags um 1 Uhr beginnen die Vorkämpfe für den Bannerwettstreit. Es folgen um 3 Uhr volkstümliche Uebungen: Weitspringen, Weitwerfen mit dem kleinen Ball und dem Schleuderball, Wettlaufen über 100 Meter. Um 5 Uhr soll der Bannerkampf ausgesochten werden.(Krsbl.) Aus dem Rez.=Bez. Münser und Arusberg. Münster, 15. Olt.(Universität) An der hiefigen Universität fand heute in feierlicher Weise die Uebergabe des Rektorats an den Prosessor der Geschichte Dr. Erker statt. Den F stakt wohnten eine Anzahl Vertreter der staatlichen und städtischen Be hörden, darunter auch der kommandierende General v. Bissing, bei. Hamm, 15. Okt(Fischottern.) Der Fischereipächter C. Borges aus Hamm fand in einer ausgesetzten Fischbunge bei Werries an der Lippe zwei große Fischotttern, beide schöne ausgewachsene Exemplare. Seit über 20 Jahren waren hier keine Fischottern bemir't worden. Dortmund, 16. Okt.(Wegen Lustmordes) an einen 1½ Jahre alten Kind wurde in Lütgendortmund ein Kuecht namens Franz Weimann verhaftet. Das scheußliche Verbrechen erregt in der Bevölkerung die größte Entrüstung. Dortmund, 16. Okt.(Der Goldfund) in der Ritterstraße ist nunmehr durch Sachverständige gewertet worden. Die Prüfung geschah im Königl Münzamt und im Völkermuscum in Berlin und nahm sieben Tage in Anspruch. Die 429 römischen Gold= und 16 römischen Silbermünzen wurden auf 12192 Mk. und die drei Goldreifen auf 750 Ml. geschätzt. Von der Gesamtsumme von 12942 Mk. erhalten die Finder die Hälfte und zwar teilen sich in der Summe von 6471 Mk. der Unternehmer Kauffmann und die Arbeiter Geronski und Fenski; der Grundstücksbesitzer Vedder erhält ein Viertel der Gesamtsumme, also 8235 Mark. Aus den Nachbarprovinzen und Staaten. Detmold, 16. Oktober.(Auf dem gestrigen Viehmarkt) waren 569 Schweine angetrieben. Es kosteten—8 Wochen alte Ferkel—10 Mk., vierteljährige Schweine 15—22 Mk., halbjährige Schweine 40—45 Mk. und Sauen 80 bis 100 Mi. Der Handel war ziemlich rege. Rinteln, 16. Oktober.(Schwefelwasserstoffquelle.) Auf dem früheren Grundstück des Herrn Rentier Bornemann, jetzt im Besitz des Herrn Brackhagen Steinberger Chaussee, wurde beim Geaben eines Brunnens eine Quelle mit Schwefelwasserstoff=Wasser entdeckt. Eine Prüsung mit Bleihidrat und Silbersalpeterlösung ergab, daß der Gehalt ein ziemlich starker ist. Auf dem betreffenden Grundstück konnte kein Trinkwasser gefunden werden. An Geschmack gleicht das Schwefelstoffwosser dem in Eilsen und Bad Nenndorf. Ob die Quelle ergiebig, wird eine nähere Untersuchung ergeben. Die Pulverexplosion von Fontanet. Ueber die Explosion bei Fontanet werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Die Hitze der brennenden Trümmer brachten 10000 Pulverfässer in einem benachbarten Magazia zur Explosion. Ein etwa eine viertel Meile von der Pulverfabrik entfernt gelegeues Schulgebäude, in dem etwa 200 Kinder sich befanden, stürzte ein. Eine etwa zwei Reilen entfernte Schule begrub einen Lehrer und etwa 90 Kinder unter ihren Trümmern. In einem vier Meilen entfernten Zuge zersprangen alle Fenster und verletzten die Passagiere. Die erste Explosion in der Pulverfabrik und dem Magazin tötete sechs darin befindliche Angestellte. Hierauf flogen in Zeiträumen von wenigen Sekunden zwei andere Fabriken in die Luft. Die Einwohner der Stadt Fonkanet stürzten aus den Häusern und retteten sich so vor der Gefahr, unter den Trümmern begraben zu werden. 1½ Stunden nach der ersten Explosion flog ein elwa 100 Meter entfernt in einer Senkung gelegenes Pulvermagazin auf. Die brennenden Trümmer machten die Rettung vieler unter dem Schutt begrabener Personen unmöglich. 18 verstümmelte Leichen sind in der Leichenhalle aufgebahrt. Ueberall liegen Veritzte umher. Die Wände und Dächer vieler Häuser sind fortgerissen und die Einrichtungen in alle Winde verstreut. Von den 70 in der Fabrik beschäftigten Personen kamen die Hälfte um Leben, ebenso wurden viele Bewohner der Stadt getötet. Bereits wurden 40 Leichen geborgen und viele Personen müssen noch unter den Trümmern liegen, denn es werden so viele Personen vermißt, daß die Gesamtzahl der Toten wenigstens 100 betragen muß. Ja einer Anzahl Kohlengruben traten Zerstörungen ein, durch die die Ausgänge versperrt wurden. Es gelang einer Anzahl Arbeiter, durch andere Stollen aus Tageslicht zu gelangen, jedoch befürchtet man, daß eine große Anzahl Bergleute unter Tage verschüttet sind. Aus dem 20 Kilometer entfernt liegenden Orte Bracil eilten sofort Aerzte und Pflege rinnen in Automobilen und Extrazügen herbei. Die Helfer standen jedoch bei ihrem Rettungswerk infolge der noch immer brennenden Trümmer in steter Lebensgefahr und mußtin die Verletzten verbrernen sehen, ohne heisen zu können. Die Erschü terunder ersten Explosion wurde in dim 109 Kilometer entfernt liegenden Indianapolis deutlich vernommen, ebenso in Cir cinatti, wo man sie für ein Erdbeben hielt. Ueber die Ursiche der Katastrophe konnte bisher nichts Bestimmtes ermittelt werden. Vermischtes. Klein Flottbeck, 17. Okt. Eine Automobildroschke, mit der Fürst Bülow nach Hamburg fuhr, überfuhr eine alte Frau, die die Chaussee kreuzte. Der Reichskanzler ließ sofort halten und verweilte an der Unglücktstätte, bis ärztliche Hilfe eingetroffen war, die leider nur den sofort eingetretenen Tod konstatieren konnte. Kassel, 17. Ott. Aus dem Tagesschnellzug Hannover Kassel Frankfurt stür zte unweit Borken eine urbekanrte Frau in den mittleren Jahren aus dem Zuge und wurde dabei getötet. Beuthen, 17. Okt. Heute früh sind im Hofe des Landgerichts die Mörder Roßschlächter Liberka und Arbeiter Kioltika hingerichtet worden. München, 17 Okt. Wie die„M. N..“ melden, hat in der Umgebung von Schleißheim und Dachau bei München das vierzehnjährige Kindermädchen Ida Schnell fünf der von ihrer jeweiligen Dienstherrschaft anvertraute Kinder dadurch getötet, daß sie die Schädeldecken der Kinder mit einer starken Nadel, wahrscheinlich einer Häkeknadel, durchstach. Die Täterin ist geständig, und gibt an, sie habe eine unüberwindliche Scheu gegen die Wartung kleiner Kinder, deren häufiges Weinen sie zu der Tat veranlaßt habe. (Große Ueberschwemmungen) infolge von Regengüssen haben das Loiregebiet in Frankreich in einen großen See verwandelt und besonders bei Grenoble große Verwüstungen angerichtetet. Auch in Schottland haben Regen und Sturm Schaden angerichtet. In einigen Straßen Glasgows steht das Wasser 6 Fuß hoch. New=York, 16. Okt. Die Explosionen bei Fontanet töteten achtzig und verletzten fünfhundert Personen. Ein explodierendes Magazin enthielt 40000 Faß Pulver, seine Erplosion hob einen zehn Kilometer entfernten Passagierzug fast von den Schienen und zertrümmirte fast alle Fenster desselben. Fontanet ist vollständig dem Erdboden gleichgemacht. Die Ruinen brennen. (Vorsichtig.)„Wenn ich sagen würde, Sie sind ein Gauner!“— Würde ich Sie verklagen!“ —„Und wenn ich es nur denken würde?"— „Dagegen könnte ich nichts machen.“—„Nun gut, so denke ich mit's nur.“ Uebersicht der Witterung. Bielefeld, 18. Oktober 1907. Mitgeteilt von F. Böckelmann Ww., Bielefeld. Niedrigster Thermometerstand i. d. Nacht+- 8½ CC. Thermometerstand um 10 Uhr vorm.+13 CC. Barometer 74,5 cm. Wind: Süd. Himmel: teilweise bedeckt. Oeffentlicher Wetterdient Dienststelle: Meteorologisches Observato rium Aachen. Voraussichtliche Witterung für die Zeit#m Abend des 18. Okt. bis zum Abend des 19. Okt. Morgen veränderlich mit Regegeufälle, wirdig, uhl. Nachrichten. Berlin, 18. Okt. Die Kaiserin ist gestern mit knapper Not einer folgenschweren Automobilkollision entgangen. Die Kaiserin fuhr kurz nach 3 Uhr nachmittags mit dem Prinzen Joachim in einer offenen Hosequipage von der Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche die Tauentzinstraße hinab, an der Nürnbergerstraße bog das kaiserliche Gefährt nach Norden um und hatte gerade den dem Zoologischen Garten zugelegenen Damm erreicht als mit rasender Geschwindigkeit die Automobildroschke 9314 von Osten kommend heransauste. Die Kaiserin erhob abwehrend die Arme, um den furcht baren Zusammenstoßz ab zuschwächen. Prinz Joachim sprang im Wagen auf und beugte sich über seine Mutter. Im letzten Augenblick gelang es dem Droschkenkutscher sein Automobil zum stehen zu bringen, so daß nur das rechte Trittbrett des kaiserlichen Wagens beschädigt wurde, so daß die Fahrt nach Schloß Bellevue fortgesetzt werden konnte. Petersburg, 18. Okt. Großes Aufsehen erregt das Gerücht daß die Moskauer Kriminalpolizei, die mit dem Ansspüren von Räuberbanden mit der politischen Polizei in regem Wettstreit stand sich an vielen Raubüberfällen in so hervorragendem Maße beteiligt habe, daß diese nicht mehr verheimlicht werden konnten. Newyork, 18. Okt. Die Explosion der Pulverfabrik in Fontanet hat, wie sich jetzt herausgestellt in einer benachbarten Glasfabrik auch eine Explosion hervorgerufen und die Maschinerie zerstört. Die kochende geschwolzene Glasmasse floß hinaus. 45 Personen kamen ums Leben und etwa 1000 erlitten tzungen. 4 05 95 □ Rirchlicher Anzeiger Bielefeld. 21. Sonnag a. Trin., 20. Okt Altstädter Kirche. Vorm. 10 Uhr P. Dcius.— Vormitt gs 11½ Uhr Kindergottes dienst.— Nachm. 4½ Uhr Junz frauenverein— Abends 6 Uhr P. Lappe.— Dien tag, abends 9 Uhr Bibelstunde im Märneru. Jüngl.Verein.— Donn 1s tag nachm. 3 Uhr AltstädterFreuenonei im Gmi.dehausNeustädter Kirche. Vormittags 10 Uhr P. sutlo.— Beichte und heil. Abendmahl Kollekte für den Kirchenbau in der Kircheng meinde Preußn.— Nchmittags 1¾ Ure Kindergottesdienst.— Nachm ttags 4 Uhr Jungfrauenvereine.— Abends 6 Uhr P. Jordan.— Abends 7 Uhr Versammturg der Ost rn Konfirmierten: Von P. Jordan im Konfirmansensoale, von P. Kuhlo in der Kapelle.— Die Knaten von P. Waubke in der 11. Bürge schule, die Mädchen nachm. 3 Uhr daselbst. Mortag abends 8½ Uhr Bibelstunde in er Vollshalle P. Kublo. Dienstag abends 8½ Uhr Bibelstunde auf der Howe P. Waubke. Mittwoch nachm. 3 Uhr Neustädter Frauenverein im Lutherstift. Abends 8½2 Uhr Kirchenchor 9 Uhr Bibel besprechstunde im ch istlichen Verein jung. Männer.— Freitag, 8½ Uhr Bibelbesprechstunde im Blaukreuzverein im alten Lutherstift.— Paulus Kirche. Kollekte für die Mission— Vorm. 10 Uhr Missiorsfest P. Grav.mann aus Stieghorst.— 1•2 Uhr Kindergottesdunst.— Nachm. ½4 Uhr Jugendakteilung des Jüngling=Verens.— Nachm 4 Uhr Jungfrauenverein.— Aben's 6 Uhr P. Meyer=Sudbrak. Abends 8½ Uhr Nachversammlung zum Mission fest im Paulus Gemeindehause.— Dienstag, abends ½9 Uhr Blautreuzversammlung. Mutwoch, abends 9 Uhr Bebel stunde im Männer= und Jüng lings verein.— Donnetstag nachm 3 Uhr Paulus Fraunoerein Donnerslag, aberds ½9 Uh Bibelstund. in dr 4. Bürge schule an der Heeperstr. P. Hock änder. Petri Gemeinde. Borm. 10 Uhr Gottesdienst P. Kortmann— Nachm. 1¾ Uhr Kindergottes dienst. 2¾ Uhr Taufen.— Nachm. 4 Uhr Jungstaun=Verein.— Abends 8 Uhr Männerurd Jünglngs=Verein. Montag, abends 8½ Uhr Kirchenchor.— Dienktag abend 8½ Uhr Missions Verein.— Mittwoch, abend: 8½ Uhr Bibelstunde im Jü gl. uno Männer Verein.— Donner##tag, nachm. 2 4 Uhr Frauenverein.— Abends 8½ Urr Bibelstun'e P. Ko tmanr.— Johannes=Kirche. Kollekte für de kiche in Peußen.i Dort mund.— Vo.mittags 10 Uhr P. Knolle.— Nachm. 2 Uhr Kindergottesdienst.— Nachm. 3½ Uhr Inger dabteilung.— Nachm 4 Uhr Knabenabl#i ung Nachm 4½ Uhr Jungf aue verein. Abends 6 Uhr P. Köhne— Abends 8 Uhr Männer= und Jünglings=Verein.— Montag abends 8 Uhr Nähvrrein in de Kinderschule in der Friedrichstr. Dienstag, abends 8½ Uhr Ge meinschafts stunde für Männer und Frauen. Mittwoch, abends 9 Uhr Bibelstunde im Mänret= und Jünglingsverein.— Donnerstag, nachmittag 3½—6 Uhr Johannes=Frauenverein im Gemeinde hause. Freitag, abends 8½ Uhr Urbungsstunde des Kiich nhors Sonnadend, alende 9 Uhr Ge betsstunde und Bibelbesprachung. Martinikirche. Vorm. 10 Uhr P. Usener. Versammlung der Kon firmierten.— Nachn ittags 2 Uhr Uhr Kindergottesd enst. Nechm 4½ Uhr Jungfrauenverein Abends 8 Uhr Männer= u. Jünzlrgsver ein—. Dienstag abends ½9 Uhr Blaukreuzverein.— Mttwoch abend ½9 Uhr Gemind bibe stu. de.— Reform. Kirche Vorm. 10 Uhr P. Vorster— Vorm. 11½ Uhr Kindergottesdienst. Stadt-Theater. Sonnabend: Anfang 7½ Uhr. Ende 10 Uhr. Nur einmalige Aufführung. —— Kleine Preise.—— Graf Elisabeth. Rosa Woytasch Essex... Ludw. Lindikoff Rutland. Elsbeth Perron Sonntag, den 20 Oktober abends 7 Uhr: Was ihr wollt Lustspiel in 4 Akten von Shakespeare. mit der gesammten Musik zu Rosamunde von Franz Schubert ausgeführt vom städt. Orchester. Blütchen, Mitesser, Pusteln, sowie alle Arten Hautunreinigkeiten und Hautausschläge verschwinden unbedingt beim täglichen Gebrauch von Steckenpferd Carbol=Teerschwefel=Seife à St. 50 Pf. bei: L. Schäfer. Fatehte. Verbands-Patentbureau Brust Flliale Bielefeld, Klosterplatz, =Telefon 610.= rims Referenzen. 4 Aoer— S 1 Carentick. Crlorfrel Kese E C. Karstadt. Bahnhofftr. 2 Ecke Kreishausstr. empfiehlt sich 2 + te * * — zur Behandlung 3 12 * * TI f T L51 „„ronn SPkttghreunlag auf der Rennbahn Bielefeld-Brackwede im Sonntag, den 20. Oktober, nachmittags 2 Uhr. (Oeffnung der Kassen und des Rennplatzes 1½ Uhr.) Sieben Rennen mit ca. Mk. 9200 Preisen und sieben wertvollen Ehrenpreisen. 3 Offiziers- resp. Herren-Reiten, 1 landwirtschaftliches Rennen. 3 Jockey-Reiten. Während des Rennens: Konzert ausgeführt vom Städtischen Orchester, Bielefeld. Es wird ein öffentlicher Totalisator aufgestellt, zu dem jede mit einer versehene Person Zutritt hat. Tribünen= oder Sattelplatzkarte * Die konservativen und christlich-sozialen Wahlmänner versammeln sich am Montag; den 21. Oktober, punkt 10 Uhr vormittags in Richters Garten-Lokale(nahe dem Wahllokal von Brinkhoff). Jeder Wahlmann ist unbedingt verpflichtet zu erscheinen, von einer einzelnen Stimme kann der Sieg abhängen. Die Vorstände der konservativen und christlich=sozialen Partei. I..: Tiemann. I..: Wallbaum. Kutscher der außer der Wartung der Pferde auch häusliche Arbeiten zuverrichten hat. Er muß unverheiratet sein, und einen durchaus zuverlässigen Charakter haben. Gedienter Kavallerist bevorzugt. Zugang möglichst sofort. Rommerzienrat Siveke Herford. Fleißige mannliche Personen können ohne Risiko hol#n Verdienst erziehlen. 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