gundlglost. a Jan;!“. — Si Prich Regelmäßige Bellagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt nUnterhaltungs- u. Romanbeilage.n Spiel, Sport und Curnen. u Lebensbild. Kunst u. Wissen. u Gartenratschläge. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Velkszeitung Schwerter Volksblatt Welthofener Aplerdecker Langscheder Zeitung Zeitung Zeitung Amtliches Nreisblau für den Kreis Börde. Bolzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generglanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint werktäglich. a Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlog: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richter:= — ii Schwerte. Nr. 300 Freitag, 22. Dezember 1922 55. Jahrgang Zum Geleit. Weihnachtsglocken! Wieder, wieder sänftigt und bestürmt ihr mich. Kommt, o kommt ihr hohen Lieder, Nehmt mich, überwältigt mich! (Richard Dehmel.) Neueste politische Im Reichspostministerium sind in letzter Zeit die notwendigen Vorkehrungen getroffen worden, um die Betriebs= und Personaleinschränkung energisch und schnell in absehbarer Zeit durchzuführen. * Karlsruhe ist der frühere Zentrumsabgeordnete Oberlandesgerichtspräsident Johanr Zehnter im 72. Lebensjahre gestorben. * Nach sast vierwöchiger Dauer sind gestern die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Buchdruckertarifs zwischen den beteiligten Organisationen zum Abschluß gekommen. * Die Verhandlungen zwischen den Krankenkassen und den Aerzten führten zu einer vorläufigen Einigung über die Honorarfrage; über die freie Aerztewahl wurde noch keine Einigung erzielt. * Auf der Lausanner Konferenz herrscht starke Spannung, da die russischen und türkischen Gegenvorschläge über die Meerengenfrage abgelehnt wurden. Während man an ein Nachgeben der Türken glaubt, nimmt man an, daß ein Teil der Russen abreisen werde. Reichenberg in Nordböhmen hat sich eine tschechische„Faszistenorganisation“ gel Militär und Gendamerie überwacht. bildet, die Neuigkeiten. Der Kardinal Dr. v. Faulhaber sprach in einer Versammlung in der Münchener Universität in erschütternder Weise über die Not des deutschen Kindes. Er erklärte, der stillste Dulder unseres leidenden Volkes sei das deutsche Kind. Ein Volk ohne lachende und spielende Kinderwelt habe seinen Frühling verloren. Es geben keinen Jehrloseren Kampf als den gegen wehrlose und unschuldige Kinder. Das bevorstehende Fest des Friedens sollte wenigstens dem Krieg gegen die deutschen Kinder ein Ende machen. Der Auslandes einen Appell. auf die große Not des Kardinal richtete an die Mütter und Kinder des deutschen Kindes zu schauen. * Im Klante=Prozeß wurde von der Verteidigung beantragt, Klante aus der Haft zu entlassen, da er nicht verhandlungsfähig sei. * Eine weitere Erhöhung der Schreibmaschinenpreise hat der Verband deutscher Schreibmaschinenfabrikanten mit Wirkung ab 20. Dezember vorgenommen, so daß nunmehr der Preis für eine normale deutsche Schreibmaschine 336000 Mark beträgt. Im Bayerischen Wald, im Allgäu und in Oberfranken sind ungeheure Schneeverwehungen vorgekommen. * In der Konstanz mußte ein Schweizer, der einen Füllfederhalter schmuggeln wollte. 500000 Mark Geldstrafe zahlen. * Bei einem von Staatsministerium veranstalteten parlamentarischen Abend betonte Ebert, daß er in den Einrichtungen des Konsumvereins ein Stück vorbildlicher sozialer Selbsthilfe, ein schönes Zeugnis für den positiv schaffenden Sinn der Arbeiterschaft kennen gelernt habe. vom Reichsminister für Ernährung und Landwietschaft. Es ist der Oeffentlichkeit bereits bekannt geworden oder wird gleichzeitig mit dem Erscheinen dieses Aussatzes bekannt, daß die Reichsregierung den Preis für den Roggen, den die Landwirtschaft auf Grund des Umlagegetreidegesetzes zu liefern verpflichtet ist, auf 165000 Mark je Tonne festgesetzt hat. Gegenüber dem bisherigen Preise von 28 600 Mark ist dies eine sehr erhebliche Erhöhung. Die Erhöhung erreicht indessen in keiner Weise den freien Marktpreis, der sich am 1. Dezember, dem mittleren Tag der Ablieferungsperiode, nach Berliner Notierung auf 263000 Mark stellte und heute annähernd die gleiche Höhe hat. Der Erhöhung des Getreidepreises muß eine Erhöhung des Brotgetreides folgen, da das Reich außerstande ist, den Unterschied auf sich zu nehmen. Die Brorpreiserhöhung wird indessen nicht annähernd der Getreidepreiserhöhung entsprechen; sondern der Mehrpreis des Umlagegetreides wird von sich aus unmittelbar nur eine Steigerung auf etwa das Einzweidrittelfache des bisherigen Brotpreises hervorrufen. Denn da der Brotpreis sehr erheblich vom Preis des bereits beschafften Auslandsgetreides bestimmt wird, so hat die schlimme Valutgentwicklung der letzten Monate bei der Gestaltung des Brotpreises durchaus die Führung; dazu kommen andere Ursachen, wie Frachtensteigerung usw. Die schwere Belastung der verbrauchenden Bevölkerung durch die Brotpreiserhöhung bleibt jedenfalls bestehen. Die Regierung hat tunlichst Vorsorge getroffen, damit das Einkommen der werktätigen Bevölkerung, der Beamten, Sozialrentner usw. auf die für den 15. Januar zu erwartende Brotpreiserhöhung nach den dann geltenden Verhältnissen die erforderliche Rücksicht nimmt. Als früherer Oberbürgermeister der großen stadt Essen fühle ich das Bedürfnis, die Getreidepreiserhöhung ganz persönlich vor der Oeffentlichkeit zu begründen und zu rechtfertigen. So mancher hat vielleicht nicht nur im Scherz gemeint, wenn ein Bürgermeister an die Spitze des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft trele, dann werde es mit den Preissteigerungen ein Ende nehmen. Solche Meinung würde aber lolange wir unter der Wirkung der Geldentwertung stehen, auf einer völligen Verkennung der volkswirtschaftlichen Gesetze beruhen, die uns alle, Städter und Landwirte, beherrschen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß viele Einzelne aus dem Zusammenbruch unserer Mark einen persönlichen Nutzen gezogen haben, der sie als Schädlinge unseres Volkslebens erscheinen läßt. Gegen diese Schar der Schieber und Wucherer muß und soll mit aller Schärfe des Gesetzes vorgegangen werden. Aber die Grundlinie der ganzen unglücklichen Entwicklung der letzten Monate ist, daß die auf dem Zusammenbruch der deutschen Währung beruhende Geldentwertung sich auf jedem Lebensgebiet auswirkt. Diese Entwicklung kann auch vor dem Brotgetreide nicht halt machen. Nun war gewiß die Absicht des Gesetzes, durch das den Landwirten die Verpflichtung zur Ablieferung einer Umlage an Brotgetreide auferlegt ist. die, für die große Masse der Bevölkerung ein Brot zu erträglichem Preise zu sichern. Ob der Weg des Umlagegesetzes dazu der richtige war, steht nicht mehr zur Erörterung. Auch die Sahlage. die sich gus einer etwaigen Dauerbesserung unserer Mark ergeben würde, kann jetzt nicht gevrüft werden. Heute muß das Umlagegesetz sachgemäß Zurchgeführt werden. Zu seiner sachgemäßen Durchführung aber gehört auch, daß den abliefernden Landwirten ein Preis bezahlt wird, der ein einigermaßen vertragbares Verhältnis zum Werte des Paviergeldes hat, mit dem bezahlt wird, und der dadurch die Aufrechterhaltung der Brotgetreideerzeugung gewährleistet. Die Zahlung eines zu geringen Preises ruft schwere volkswirtschaftliche Gefahren hervor, die es zu bannen gikt. Für jeden, der irgend eine Ware zu verkaufen hat, ist durch die rasende Geldentwertung die böse sachlage entstanden, daß er, wenn bei der Preisbemessung auf die Wiederbeschaffung nicht hinreichend Rücksicht genommen werden durfte, aus dem Erlös der Ware seinen Warenbestand nicht wieder auffüllen konnte. Dieser Sachverhalt ist vom Standpunkt des Voliswohls aus vertretbar, soweit es sich um Waren handelt, die für das tägliche Leben nicht erforderlich sind, und auf deren Bezug die deutsche Menschheit unter dem Druck unseres harten Schicksals verzichten muß. Soweit aber lebenswichtigere Waren in Betracht kommen, muß ein Ausweg gefunden werden, um die Wiederheranschaffung der Ware zu ermöglichen. Niemand wird bestreiten, daß die Landwirtschaft seit Beendigung des Krieges im allgemeinen recht gut verdient hat, jedenfalls überall, wo sie sich die großen landwirtschaftlich=wissenschaftlichen Fortschritte zu Nutze gemacht und nicht unter besonderem Mißgeschick gelitten hat. Auch im laufenden Jahre haben trotz der sehr schlechten Getreideernte und trotz der Witterungsschwierigkeiten, die der Hereinbringung der Ernte überhaupt in vielen Gegenden im Wege gestanden haben, sicher zahlreiche Landwirte noch die Möglichleit zu gutem Verdienst gefunden. Ebenso richtig ist, daß in Ein4 Das Reichskabinett beschäftigte sich am Dienstag mit der Vorlage des Reichsernährungsministers über die Preisfestsetzung für das dritte Sechstel der Getreideumlage. Die Regierung schließt sich der Auffassung des Ernährungsministers an und stimmte der sechsfachen Erhöhung des bisherigen Preises für das Umlagegetreide zu. Diese Erhöhung erfordert in Zukunft, wahrscheinlich ab 15. Januar, einen Brotpreis von annähernd 600 Mark. Die Lmwort auf die Krurf 5571 abte. Akzleiftung des sachüchet Berichts. Paris, 22. Dez. Nach einer Meldung der Agence Havas hat die Botschafterkonferenz dem deutschen Botschafter Dr. Mayer als Antwort auf die letzte deutsche Mitteilung über die Zwischenfalle in Passau und Ingolstadt einen Brief überreicht, in dem die Konferenz feststellt, daß die deutschen Ausführungen den Berichten der interalliierten Kontrollkommission widersprechen.(Wer hat nun Recht?) dwi infolge der schlechten Witterung ein Teil des cotgetreide bestimmten Bodens unbestellt srlie Alle Menschen ser Volk auf die kann, wenn wir Auslandseinfuhr olge der belastenden Unstände diesonders der großen Geldentwertung rten die Möglichkeit des Düngerzu abgeschnitten ist. Das ist für unihrung äußerst gefährlich, da die elfach nicht gut steht und überdies für ist. künstlicher Dünger ist auch nicht etwa nur für Brotgetreide erforderlich, sondern er bedingt die dringend notwendige Erzeugungssteigerung ebenso für die Kartoffeln, die Futterfrüchte und auch die Wiesen. sind sich darüber einig, daß unDauer sein Leben nur erhalten für unsere Ernährung von der unabhängig werden. Das aber ist nur möglich, wenn die inländische Erzeugung mit allen Kräften gesteigert wird. Nun gehen die Meinungen über die Mittel zur Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung auseinander. Aber das wird niemand in Abrede stellen, daß der Arbeitsmut des Landwirts bei der Herstellung von Brotgetreide und dadurch allgemein schwer beeinträchtigt wird, wenn der Preis, den die für das gesamte Volkswohl verantwortliche Regierung ihm zahlt, weit unter den Kosten, die er zur Fortsetzung der Erzeugung braucht, zurückbleibt. Macht man sich dieses klar, so wird auch jeder Verbraucher einsehen, daß der jetzt festgesetzte Preis, der nur reichlich drei Fünftel des freien Marktpreises beträgt, von einer für die Zukunft des Volkes verantwortlichen Regierung bewilligt werden mußte. So hart eine solche Ansich: viele Verbraucherklassen ankommen mag, jo muß es doch dabei bleiben, daß das obreste Bestreien auch gerade der stät tischen Verbraucher vah'n gehen muß, in Zukunft nicht zu verhungern. Gerade ein alter Bürgermeister, der seine Städter nicht verhungern lassen will, muß von diesem Gesichtspunkte ausgehen. Solche Schlußfolgerung wird auch dadurch nicht unrichtig, daß der Landwirt selbst der Verhungerungsgefahr nicht ausgesetzt ist. Wohl aber muß diese ungünstige Lage der Stadt im Vergleich zum Lande den Landwirt zu äußerster Kraftentspannung anspornen, damit seine städtischen Volksgenossen, denen es schon jetzt vielfach so unsagbar schlecht geht, nicht noch tiefer ins Elend sinken. Die Jckuatkonserenz. Vorbesprechuegen is Paris und London. Paris, 22. Dez. Nach einem Exchange=Telegramm sind eingehende Verhandlungen zwischen Paris und London im Gange, die sich auf die bevorstehende Pariser Konferenz beziehen. Der ranzösische Botschafter in London, Graf St. Aulaire, der nach Paris berufen worden war, ist, wie bereits gemeldet, nach London zurückgekehrt. Die angösische Regierung habe in London mitteilen assen, daß sie keinerlei Aktion beabsichtige, ohne dat vorher eine Besprechung mit den Alliierten rattgefunden habe. London, 22. Dez. Bonar Law präsidierte einem Ministerrat, dem auch Lord Derby nach seiner Rückkehr aus Paris beiwohnte. Es scheint, daß der englische Kriegsminister über seine Pariser Besprechungen berichtete. Falls vor der Pariser Konferenz noch eine Fühlungnahme zwischen Frankreich und England sich als notwendig erweisen sollte, würde es durch die Vermittlung des anzösischen Bolschafters in London. Graf St. Aulaire, geschehen. „Naw York Herald" erklärt ferner, daß die französische Regierung eine wirtschaftliche Uebersicht über die Ausbeutung des Ruhrpfandes vorbereite, und daß man hoffe, Bonar Law am 2. Januar zu überzeugen, daß die französischen Pläne die einzige Lösung des Reparationsproblems darstellten. Vor der Januar=Konferenz erwarte man keine neue Mitteilung Amerikas. Amerika betone, daß nunmehr Europa und besonders Frankreich das Wort habe. Gottfried Karusseit, der Rotgardist. Ein Todesurteil bor dem Essener Schwurgericht. Vor dem Schwurgericht hatte sich in viertägiger Verhandlung der Maschinist Gottfried Karusseit aus Gelsenkirchen unter der Anklage des Mordes zu verantworten. In einem Stimmungsbild vom ersten Schwürgerichtstage, war zu lesen, daß der Angeklagte. einer der gewalttätigsten Führer der Roten Armee, in der Nacht zum 29. März 1920 in Dorsten eine sogenannten Revolutionstribunal zusammenberufen hatte, das unter seinem Vorsitz zwei unschuldige Gefangene, einen Reichswehrsodaten und einen anderen jungen Mann, wegen angeblicher Spionage zum Tode verurteilte. Der Angeklagte ließ das Urteil an dem Reichswehrsoldaten, der von den Rotgardisten nach der Urteilsverkündung bis auf Unterhose und Hemd ausgeraubt worden war, noch in derselben Nacht vollstrecken, während der andere Verurteilte, als er * schon auf dem Richtplatz stand, im letzten Augenblick gerettet wurde. Sckwurgericht verurteilte den Angeklagten= wegen Anstiftung zum Morde zur Todesstrafe und zum dauernden Verust der bürgerlichen Ehrenrechte. 6. Erhöhung der Entschädigung für die Fürsorgeschwester. 7. Bewilligung eines Betrages für 1 Fürsorgeanstalten(Arbeiter= und Arbeiterinnenkolonien). Neuwahl die mit Ablauf des Jahres srssee Aus Staot und Schwerte, 22. Dezember. Erinnerungen. 1870: Rom wird Hauptstadt Italiens. 1902: Der Psychiater Richard Freiherr von Krafft=Ebing gest. 1915: General Emmich, der Held von Lüttich, gest. Frühe des 1. 1922 ausscheidenden Mitglieder des Wohlfahrtsamtes. 9. Erhöhung der Unsallversicherung für Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr beim AllDeutschen Versicherungsverein a. G. in die ** Weihnachtsmette. In d Weihnachtstages um 7 Uhr findet in der großen Kirche eine Christmette statt. Es ist schon oft der Wunsch nach einer Feierstunde in der heiligen Nacht ausgesprochen worden. Alle, die im Dämmerdunkel unserer alten Kirche unter dem Schein des Lichterbaumes an der Krippe des Christkind= leins Weihnachtsandacht halten wollen und die alten lieben Weihnantslieder singen möchten, werden dieser Christmette wohl nicht versäumen. ** Der goldene Sonntag steht vor der Tür. Das Weihnachtsgeschäft war in der letzten Woche den Verhältnissen angemessen, während aus Großstädten, besonders aus Berlin, über Absatzstockung geklagt wird. Der Dollarsturz läßt manchen Käufer auf eine Preisermäßigung warten. Bei uns waren die zum Verkauf gestellten Waren nach Möglichkeit der Kaufkraft des Publikums entsprechend ausgewählt. Uebergroße Hoffnungen hat die Geschäftswelt wohl so wie so nicht auf den Weihnachtsumsatz gesetzt, denn die Versorgung mit Lebensmitteln hat ja übergroße Aufwendungen verlangt, was aber erwartet wurde, dürfte schließlich auch erfüllt worden sein. Wenige Tage trennen uns nur von den Feiertagen. Mag es in ihnen gelingen, das bisher Vorbereitete gut zu vollenden zur rechten Freude. ** Was wäre Weihnachten heut' ohne den Lichterbaum im Kreise der Familic, ohne die Gaben der Liebe, ohne die herrlichen, lieblichen Lieder! Sehr hat man früher dagegen geeifert, daß getlich Weihnacht seiern mit tanzen und springen, andere mit stechen, andere mit Danreis in die Stuben legen, andere, daß sie einander Gaben schicken, Lebkuchen und Wein"— so wetterte Herr Geiler von Kaisersberg 1508 im Münster zu Straßburg, derselben Stadt, von der aus zwei Jahrhunderte später der lichterglänzende, reichbehangene Weihnachtsbaum seinen Siegeszug durch Deutschland hielt. Noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts predigte Dr. Dannhauser über„die Lappalien, damit man die liebe Weihnachtszeit begehet", und„die größte Lappalie“ ist ihm der Tannenbaum, den man zu Hause aufrichtet,„daran man Rosen hänget aus vielfarbigem Papier geschnitten, Aeppel, Oblaten, Zischgold, Zucker.“ Eine Lappalie ist unser Weihnachtsbaum sicher nicht mehr! Alle Völker der Erde beneiden uns jetzt darum. ** Stadtverordnetensitzung. Sobald die Weihnachtsfeierlage vorüber sein werden, gedenken die Stadtväter sich um den grünen Tisch des Rathaussaales zu sammeln und zu arbeiten. Es ist gemeinen Stuttgart. 10. Erhöhung der Versicherungssummen bezgl. der Feuerversicherung der städtischen Gebäude. 11. Rückerstattung der gewährten Beihilfen aus dem Nachlaß eines Kleinlapitalrentners. 12. Stillegung der Hörder Kreisbahnen. 13. Mitteilungen. ** Armenpflege zur Weihnachtszeit. Nur eine kurze Zeit trennt uns von den Stunden, in denen Miltionen Menschen wieder unter dem Lichterbaum stehen und das Fest der Liebe feiern. Bei keinem anderen Feste sonst regt sich menschliches Gefühl und christliche Betätigung in gleicher Weise, es ist kein Ende des Gebens und Nehmens, überall strahlt Freude und Friede, und wo dennoch Leid und Anmut herrscht, suchen barmherzige und warmnherzige Menschen zu helfen. Die weihnachtliche Feststimmung ist zu rein, als daß man Unglückliche und Darbende neben sich wissen möchte. ** Löst zu Weihnachten rechtzeitig die Fahrlarten! Da wegen der drei Weihnachtsfeiertage am Sonnabend, 23. ds. Mts. ein starker Andrang zu den Fahrkartenschaltern zu erwarten ist, wird es sich empfehlen, die Fahrkarten möglichst frühzeitig vor der Abreise zu lösen, damit ein Andrang an den Schaltern verhindert wird. Die Fahrkarten gelten allgemein 4 Tage. Die Fahrt kann an einem beliebigen Tage innerhalb der Geltungsdauer angetreten werden, muß aber spätestens um Mitternacht des letzten Geltungstages beendet sein. Dieses trifft auch für die Fahrkaren zu, die als zur Rückfahrt gültig gekennzeichnet sind. Als erSchädigung des Geldbeutels, denn von vielem, was uns Verdienst, Vorteil oder aber Schaden bringen kann, würden wir nichts wissen. Ein für allemal: „Unsere Zeitung wird stets weiter abonniert!" Weihnachtsleckerei. Eine Tasse Haserslokken, 1 Tasse Gries, 1 Tasse Zucker, 1 Eßlöffel Katao, ½ Pfund Butter schäumig gerührt, mit etwas Mandelöl zusammen geknetet und Kugeln daraus geformt, die in Zucker und Katao gewälzt werden vorzüglich. ** Das Weihnachtskonzert des M.=G.=V. Süngerbund im Freischütz findet, wie alljährlich, um 2. Feiertag statt. Ein vorzügliches Programm ist zusammengestellt, das unter Herrn Lehrer Hesendehts umsichtiger Leitung wohl viel Genuß bringen wird. Wir möchten nicht verfehlen, auf dieses Konzert nochmals hinzuweisen und bitten, die Anzeige entsprechend zu beachten. * Der Theaterverein„Humor“ bringt am 2. Weihnachtsfeiertage im Milbergschen Saale das dreiaktige Volksstück mit Gesang und Tanz:„Am Brunnen vor dem Tore“ zur Aufführung. Der Beginn ist auf 4 Uhr festgesetzt. Ein Ball soll sich anschließen. Alles nähere wird noch im Anzeigenteil bekanntgegeben. Freunde des Theaterspietens werden der Einladung des Vereins wohl gerne folgen. ** Krankheitsstatistik. In der 48. Jahreswoche vom 26. Nov. bis 2. Dez. sind im Kreise Hörde (Stadt und Land) folgende Fälle von übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: Erkrankungen an Scharlach 2(je 1 Hörde, Barop); Todesfälle durch Tubertulose 4(je 2 Hörde, Schwerte). Villigst. Wilderer. Vor einigen Tagen gelang es dem Sohne Heinrich des Försters Krämer hier, bei einer Streife durch den Ohl in einer Schonung drei Wilderer aufzustöbern, diese hatten ein sog. Frettchen bei sich, welches sie in die Kaninchenlöcher laufen ließen. dieser Löcher hatten sie ein Netz gespannt, um die Kaninchen aufzufangen. Zwei Tiere hatten die ster Tag der Getungsdauer gilt der Taz, mit des. Vilderer schon in ihren Rucksäcken. Als Kr. auf bereits für Mittwoch, den Dezember, nachmittags 5 Uhr eine Stadtverordnetensitzung vorgesehen, die folgende 13 Punkte ausweist: 1. Erhöhung der Gebühren für den städtischen Schlachthof. 2. Aufnahme eines Darlehns für Wohlfahrtszwecke usw. 3. Aufnahme eines Darlehns für die städtische Gasanstalt. 4. Bescherung der Kriegerzvgisen. 5. Zuwendungen an Wohlfahrtsvereine. sen Ziffer die Fahrkarte abgestempelt worden ist. (Lösungstag.) ** Die heiteren Märchenspiele im gestrigen Bilderschau=Nachmittag:„Der kleine Muck“ und „Familie Haase“ mit„Bübchens Torheiten“ waren durch den ernsten Lehrfilm: Ein Gang durch das heutige Jerusalem" angenehm unterbrochen. Die muntere Schar der jugendlichen Besucher aus den vielen Schwerter Familien war sichtlich dankbar und erfreut über alles Schöne, auch über die unerwartete lehrreiche Zugabe. So hat denn die Schwerter Bilderschau wieder einen seltenen vorweihnachtliche Freude allen geboten, die gekommen waren und Jugendpflege im besten Sinne des Wortes getrieben.— Die eigentliche Weihnachtsdarbietung wird aber noch zwischen den Weihnachtstagen und Neujahr geboten. Die Vorbereitungen dazu sind bereits im Gange und wird gebeten, auf die entsprechende Bekanntgabe in nächster Woche freundlichst zu achten. Echt Weihnachtliches ist ausersehen, wird aber noch nicht verraten. Unser heimatliches Lokalblatt müssen wir haben! Diesen Ausspruch kann man immer wieder hören. Wenn wegen der allgemeinen Teuerung ein Blatt abbestellt werden muß, so kann es ein fremdes sein; unsere Zeitung, die jahraus, jahrein zu uns gekommen ist, die müssen wir nach wie vor haben. Wenn die fehlte, wäre es nicht etwa bloß so, als ob morgens oder nachmittags der Kaffec auf dem Tisch fehlte, mehr noch, als ob nach außen hin die Welt mit Brettern vernagelt wäre, und man nichts mehr von der Nachbarschaft oder der Mitwelt erfahren könnte. Das wäre nicht für die„Neugierigen" unerträglich, mehr noch, es die Wilderer zugehen wollte, machte einer dieser wäre für jeden noch eine Nervenplage und eine Wildschützen Anstand, und zog sein Gewehr in Bereitschaft. Daraufhin eilte Kr. nach Hause, um Hilfe zu holen, als diese zurückkam, waren die Wilddiebe in Richtung Rheinen—Hennen davongegangen. Villigst. Forst=Diebstählg, Daß jetzt viele Leute in den Waldungen Brennmaterial. Baumwurzeln usw. zusammensuchen, ist begreiflich und begrüßenswert, so weit es sich um Abfall Holz handelt. Daß aber dicke Eichenstämme und Tannenbäume gefällt und mitgenommen werden, ist Forstfrevel, der in den letzten Wochen stark um sich greift, sodaß sich der zuständige Förster gezwungen sieht, mit seinen Hilfsförstern Streifpatteuillen in den Waldungen abzuhalten. Mehrere Familien von Schwerte sind zur Anzeige gelangt Hagen. Ein Polizeibeamter angeschossen. Gestern abend gegen 6½ Uhr wurden an der Harkortstraße von einem berittenen Schutzpolizeibeamten zwei männliche Personen gestellt, die Christbäume gestohlen hatten. Einer der beiden zog sofort seinen Revolver und schoß den Beamten vom Pferde, worauf die beiden querfeldein flüchteten. Das davonstürmende Pferd riß noch eine Frau um, die dabei einen Beinbruch erlitt. Hamm. Für 600000 4 Margarine wurde in der Nacht zum Dienstag gestohlen. Es handelt sich um vier Kisten Marke„Merkur" und um 14 Kisten Marke„Meierei", jede Kiste zu 30 Pfund. Barmen. 1800 Dollar geschenkt. Zwei Deutsch=Amerikaner haben unserer Stadt zur Versorgung der dürftigen Barmer Kinder mit Kleidung und Schuhwerk 1300 Dollar überwiesen. Das sind nach dem heutigen Kursstand rund 9 Millionen Mark. Barmen. Ein Ueberfall wurde abends auf den Uhrmacher Backs verübt. Trotz mehrerer schwerer Wunden schleppte sich der Uhrmacher in seine im selben Hause befindliche Wohnung und nannte den Namen eines Mannes, der als mutmaßlicher Täter noch in derselben Nacht verhaftet wurde. Oberhausen. Der Intendant des Stadttheaters Oberhausen, Winkelmann, wurde von der Stadtverwaltung fristlos entlassen, weil er mit dem städtischen Personal, ohne der Stadt Mitteilung zu machen, in Boihum Vorstellungen gegeben hatte. Für seine Stelle wurde der Geschäftsführer der städtischen Kammerspiele Rheydt. Roland Müller=Stein, bestimmt. Brilon Guter Fang. Auf dem hiesigen Bahnhofe wurden 13 Schafe und drei Kälber beschlagnahmt, die ein wilder Händler verladen wollte. Die Tiere wurden össentlich verkauft und der beträchtliche Erlös zu wohltätigen Zwecken verwendet. Herford. 18 Millionen A Brandschaden. Hier wurde die Scheune der Burschenanstalt Homberg mit den gesamten Getreidevorräten durch ein großes Schadenfeuer vollständig eingeäschert. Der gesamte Schaden beziffert sich auf 18 Millionen Mark. Köln. Aus einer hiesigen Volksschulewird dem Stadtanz. ein hübsches Stückchen erzählt. Der Rektor wollte den Jungens 80 eiserne Groschenstücke, die sich in einer Kasse angesammelt hatten, zum Einwechseln in Papiergeld mit nach Hause geben; da riet ihm einer der Bengels, der offensichtlich den Alteisenmarkt ziemlich Vor dem Ausgange genau kennt, die Groschenstücke an einem Alteisenhändler verlaufen zu lassen. Gesagt, getan und siehe da, dem Rektor wurden 120 cl als Erlös ausgehändigt. Köln. Belohnung für die Räumung. Wer im Stadtbezirk eine selbständige Wohnung mit Küche durch Vereinigung seines Haushaltes mit einem anderen zur Verfügung des Wohnungsamtes stellt, kann aus städtischen Mitteln einen Beitrag zu den Umzugskosten erhalten, dessen Höchstbetrag neuerdings auf 15000 ql je Raum erhoht worden ist. Voraussetzung für die Bewilligung des Beitrages ist, daß der die Wohnung Aufgebende auf die Zuweisung einer neuen Wohnung auf die Dauer von fünf Jahren bedingungslos Verzicht leistet und daß die Vereinigung mit dem anderen Haushalt keinen erhöhten Raumbedarf in dessen bisheriger Wohnung zur Folge hat. Der Beitrag zu den Umzugskosten kann auch nach auswärts Verziehenden gewährt werden, es sei denn, daß zwingende Gründe für den Wegzug bestehen und dadurch die Wohnung so wie so dem Wohnungsmarkt zugeführt würde. Anträge auf Bewilligung eines Beitrages sind mit den erforderlichen Unterlagen spätestens zwei Wochen vor dem Umzuge schriftlich an das Wohnungsamt zu richten. Köln. Ein Raubüberfall wurde gestern morgen auf 2 Vorortsschaffner verübt, als diese die Abrechnungsgelder von der Bemler Zweigstelle zur Sparkasse trugen. Die Räuber warfen den Schaffnern Hände voll gemahlenen Pfeffer in die Augen Alsdann versuchten sie die Geldtaschen an sich zu bringen. Ein Schaffner erhielt einen Schlag auf den Kopf. und es gelang den Räubern, ihm die Geldtasche mit ½ Million## zu entreißen. Der andere Schaffner konnte sich zur Wehr setzen, sodaß die Tasche mit dem größten Teil des Geldes, etwa 1 Million K. nicht verloren ging. Die Räuber ergriffen die Flucht. Lielelötte. * Roman von Fritz Gantzer. (Nachdruck verboten.) „Lentnants dürfen nle Veilchen tragen. Du bist noch ziemlich unkultiviert, und man mertt es gleich, daß dein Patent noch nicht so recht warm bei dir geworden ist. Uebrigens stehen überall noch so viele Veilchen. Bück' dich nur noch einmal, wenn du dich schmücken willst.“ Sie sagte das alles, ohne Heinz anzusehen. Während sie sprach, ordnete sie die Veilchen in ihrer Hand und lächelte leise. „Daß du immer etwas zu entgegnen weißt,“ entfuhr es ihm mit einem leisen Auflug von Aerger im Ton.„Erstlich will ich die Veilchen nicht ins Knopfloch stecken, sondern in mein Taschenbuch legen, und zweitens sollen sie gerade von dir sein.“ „Letzteres ist sehr schmeichelhaft für mich,“ entgegnete sie, während sie ein paar welke Blätter und Grashalme von ihrem Kleide entfernte,„aber zum„Pressen“ ist mir mein Geschenk zu schade. Wenn du's daheim noch wenigstens„in ein Wasserglas“ stellen wolltest! Weshalb willst du überhaupt gerade von mir die Veilchen haben?“ Sie sah ihn mit großen Augen fragend an und ließ ein schelmisches Lächeln um ihren Mund spielen. „Du bist ein Querkopf, Lieselotte.“ „Danse, sehr liebenswürdig.“ „Und verstellen tust du dich, du weißt es nämlich sehr gut, weshalb ich dich um die Veilchen bitte.“ „Aber tatsächlich, nein, Heinz! Du bist zu komisch! Denken kann ich's mir nicht einmal, weshalb du mich darum bettelst. Roggenfelder sind wir gegangen, um Kornblumen, Mohn und Raden zu bekommen. Hast du mich nach allen diesen Untaten jemals um eine einzige Blüte gebettelt? Nie! Und nun müssen es mit einem Male Veilchen sein, die meine Hand gepflückt hat?“ Sie lachte so laut und belustigt, daß Heinz seine Bitte nicht wiederholt, sie auch nicht begründete, sondern ganz kurz und kühl sagte:„Dann laß es bleiben, Lieselette. Und nun lomm und zeige mir deine Weltwunder von Külen. Aber ich muß bald heim, ulso, bitte, schnell.“ „O, wenn du keine Zeit haft, bemühe dich nicht. Adien, Herr Leutnant.“ Sie nickte ihm kurz zu und wandte sich zum Gehen. „Kratzbürste,“ murmelte er und ging sacht hinterdrein. dort ist auch die Buche, von der ou einmal ein Krähennef herunterholen wolltest und nachher silbst nicht wieder herablamst Da erschien Wiegandt auch auf der Bildfläche und nannte diel den„Lindeneckschen Strauchräuber“. Weißt du noch, wie ich ihn Nach ein paar Schritten sah sie sich um und lachte. Dann streckte sie ihm ihre Hand hin und meinte:„Komm, Heinz, wir wollen nun endlich vernünftig sein.“ „Sage wenigstens, du willst es sein, ich war es.“ „Angenommen, meinetwegen! Du warst von jeher der Unschuldsengel, wenn wir eine Dummheit gemeinsam in Szene gesetzt hatten. Warum solltest du auch nicht heute deine Hände in Unschuld waschen wollen? Wenn du es nicht tätest, wärest du ja mkonsequent, und das darf man nicht sein. Nun wird dir der Sündenbock aber vor den Küken, den„Weltwundeln“, noch etwas anderes zeigen. Komm, wir gehen den Buchengang hinab.“ Während sie unter den leise sprossenden Bäumen dahinEtwa zur Erinnerung an diese„setige“ Stunde des gemeinsamen Pflückens im Frühlingssonnenschein und Leuzeshauch, in der wir uns gegenseitig so offen die Wahrheit gesagt haben? Heinz, wäre ja doch zum Totlachen! Denke nur, an müßten ja se das schon ein ganzes Herbarium zusammenhaben, wenn ich dir jedesmal nach gemeinsamem Blumenpflücken ein Blümlein verehrt hätte! Weißt du noch, wie oft wir als Kinder Maiblumen suchten? Hundertmal reicht nicht. Und dann haben wir in jedem Jahre sämtlicbe Lupinenselder Driebuschs, Linoenecks und Umgegend unächer gemacht, und die Wiesen haben wir eingedrascht, und in die schritten, planderte Lieselotte und versenkte sich in die Schatzkammer frischer, noch nicht verblaßter Erinnerungen aus gemeinsam verlebter Kinderzeit. „Sieh, dort steht noch ein Rest unserer Indianerhütte,“ sagte sie eben.„O, es war immer wunderhübsch, wenn du, vom Kriegspfade kommend, in den Wigwam heimkehrtest und nachher vor demselben saßest und Inspektor Wiegandts heimlich entwendete„Halblange; als Friedenspfeise rauchtest.“ „Und wie er mich dann einmal dabei ertappte und mir die Ohren rieb,; fügte Heinz hinzu und lachte. „Wiegandt war von jeher nicht unser Freund,“ fuhr Lieselotte fort.„Er hat uns durch sein Dazwischenkommen manchen Spaß verdorben. Das machte aber nur, weil er eure Mamsell in Lindeneck haßt. Warst du nun in Driebusch, so übertrug er gewissermaßen„allen. Haß und alle Feindschaft auf dich.— Und da vor Wut beinahe ins Gesicht gesprungen wäre?" „Ich weiß alles noch, Lieselotte,“ antwortete Heinz,„das ist ja noch gar nicht so lange her.“ „Nun, das Rencoulle mit Wiegandt gelegentlich des Krähennestausnehmens unn doch schon so an die acht Jahre.“ Sie betrachtete nachdenklich die goldnen, hellen Sonnenlichter, die durch die Buchenzweige schlüpften und das grüne, schwellende Moos lüßten, über das beide dahingingen, und seuszte. „Wie die Zeit vergeht, Heinz, schon wieder acht Jahre Aus dem„Lindeneckschen Stranchräuber“ ist ein schmucker Leutnant geworden und aus der kleinen, wilden Lieselotte eine Sechzehnjährige, der es gar nicht so recht in den Sinn will, daf sie keine Dummenjungenstreiche mehr machen soll. Schade!“ „Daß du nicht mehr tolle Streiche verüben darfst?" fragtz Heinz. „Das auch, Heinz. Ach, du weißt gar nicht, wie heiß ich manchmal unsere schöne Kinderzeit zurücksehne, nur um in Gemeinschaft mit dir einmal wieder eine recht verwickelle, tolle Geschichte von Stapel zu lassen. Und dann überhaupt: Warum hat alles im Leben einmal ein End., selsist das Schönste?" Sie sah sehnsüchtig fragend den Buchengang hinab, an dessen Ende man, über einen freien Rasenplatz hinweg, Schloß Driebusch, einen einfachen, altersgrauen Bau, erblickte. „Warum, Lieselotte? Wir leben in einer Welt, die von der Vergänglichkeit beherrscht wird,“ bemerkte Heinz.„Wir könnten doch auch unmöglich ewig als zwei wilde Rangen Krähennester ausnehmen und Indianer spielen.“ „Freilich nicht,“ entgegnete sie lustig lachend. Aber dann verschwand plötzlich der sonnige Glanz in den hellen, lieben Augen; ein ernster Ausdruck kam in ihre Züge, und mit einer leisen Trauer im Ton sagte sie:„Ater daß die Zeit uns in ihrem rauschenden Strom ausemanderfuhrte, darüber könnte man ihr aram sein.“ (Fortsetzung folgt.) 82 Ginge Artikel unter diese ledaktion nur die preßge Die neue Brot Ueber die neuerliche B alle Leute und besonders ßelt, daß der Kreisaussch de die bevorstehende Brot dem Tage bekannt gibt, a reits früh morgens schol Da nun die„Schwerter liges Ohr für berechtigte serm Herrn Landrat Han hörde nachstehendes unter Die erhöhten Preise usw. sind mindestens drei tungen und in den betr. zu machen. Bei dem B Beispiel der Stadt Hagen kurz und bündig: Das N. 51 kostet usw. Da ka men, daß die Verbrauch Frau am letzten Samst Brotmarke schon den er müssen, wobei das Brot frau aber sagte lächelnd: hat bekannt gegeben, daß das Brot teurer ist.“ I Zeilen dem Herrn Land hier Aenderung schoffen Villigst, 20. Dezember Berlin, 22. Dez. D sprechungen in Berlin de bestimmt, wann die Ber verband der deutschen I den. Wie wir bereits n scheinlichsten, daß die R band abgeschlossene Vor vorlegen wird. Uebrige Zeit nicht in Berlin, son ist anzunehmen, daß mar teren Beratungen abwar Nun trili auf Der Winter uns Der nun die W Und auf der Zei Des Jahres letz Dezember sich p Er ward uns z1 Die Nacht wird Und gar zu kur Das stört uns g Da man doch n Die Lampe bren Das Licht ist ja Daß jede Flami Viel Wert reprä Der Ausspruch: Ist durch die Te Jetzt völlig depl Selbst Licht 1 Und doch brauc Selbst in dem Es steigt ganz Und richtet aulo Sich nach dem 's ist bös, so hi Bald sitz ich ga Wenn nicht der Mit seinem blas Erhellt mein Di Doch stellt er sr Wir wander Jetzt durch gar Jedoch auch sie Es steht an ihr Die Wintersonn Dann wird es Jede der Eingesandt. (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung.) Die neue Brotverteuerung. Ueber die neuerliche Brotverteuerung schimpfen alle Leute und besonders wird es mit Recht gegeißelt, daß der Kreisausschuß des Landkreises Hörde die bevorstehende Brotverteuerung stets erst an dem Tage bekannt gibt, an dem die Teuerung bereits früh morgens schon in Kraft getreten ist. Da nun die„Schwerter Zeitung" immer ein williges Ohr für berechtigte Klagen hat, so sei unserm Herrn Landrat Hansmann als Chef der Behörde nachstehendes unterbreitet: Die erhöhten Preise für Brot, Milch, Zucker usw. sind mindestens drei Tage vorher in den Zeitungen und in den betr. Läden öffentlich bekannt zu machen. Bei dem Brotpreis möge man dem Beispiel der Stadt Hagen folgen, diese Stadt sagt kurz und bündig: Das Brot auf Brotmarke N. 51 kostet usw. Da kann es wohl nicht vorkommen, daß die Verbraucher(wie es z. B. meiner Frau am letzten Samstag erging) auf die alte Brotmarke schon den erhöhten Preis bezahlen müssen, wobei das Brot schon alt ist, die Bäckersfrau aber sagte lächelnd:„Ja, der Herr Landrat hat bekannt gegeben, daß von heute, Samstag, ab das Brot teurer ist.“ Ich hoffe, daß vorstehende Zeilen dem Herrn Landrat Veranlassung geben, hier Aenderung schoffen zu lassen. Villigst, 20. Dezember 1922. W. H. Lehte Drahtcheidsngen. keine Verhandlung mit der Industrie. Berlin, 22. Dez. Die Wiederherstellungsbesprechungen in Berlin dauern an. Noch nicht ist bestimmt, wann die Beratungen mit dem Reichsverband der deutschen Industrie stattfinden werden. Wie wir bereits meldeten, ist es am wahrscheinlichsten, daß die Regierung dem Reichsverband abgeschlossene Vorschläge zur Begutachtung vorlegen wird. Uebrigens ist auch Stinnes zur Zeit nicht in Berlin, sondern in Ofenpest, und es ist anzunehmen, daß man seine Rückkehr vor weiteren Beratungen abwarten wird. Keine weitere Verläugerung der Weihnachtsferien. Berlin, 22 Dez. Ein Erlaß des Kultusministeriums an die nachgeordneten Behörden beschäftigt sich mit der an verschiedenen Orten hervorgetretenen Absicht, aus Sparsamkeitsrücksichten den Weihnachtsferien noch Kohlenfekien von beträcht. licher Dauer anzufügen.- Nachdem das Ministerium durch Erlaß vom 18. November mit Rücksicht auf die Knappheit und Teuerung der Heizstoffe eine Verlängerung der Weihnachtsferien um 5 Tage angeordnet hat, kann den Anträgen auf weitere Verlängerung der Weihnachtsferien nicht entsprochen werden. In der Rotwehr erschossen. TU Mülheim, 22. Dez. Zu einer blutigen Auseinandersetzung kam es im Vorort Dümpten zwischen zwei Männern, die eine alleinstehende Frau nach Hause bringen wollten, und dem Hauswirt, da sie von ihm den Eintritt in das Haus verlangten. Der Hausbesitzer griff in der Notwehr zu seiner Pistole und schoß einen der Burschen, den Fabrikarbeiter Hans Haute, nieder. Er erhielt einen Schuß in die Lunge und starb bald darauf. Rückgaug der Arbeitslosigkeit in England. TI. London, 22. Dez. Nach den amtlichen Statistiken betrug die Zahl der Arbeitslosen am 11. Dezember 1336000, d. h. es ist ein Rückgang von 300000 gegenüber der Vorwoche zu verzeichnen und 435000 Mann weniger, als im Januar 1922. Sroßhater umgebracht. In Seifersdorf(Kreis Liegnitz) hat der 17= jährige Karl Kühn seinen 73jährigen Großvater, den Klempnermeister Rovert Langefeldt, in der Wohnung überfallen und erwürgt. Nach dem Mord raubte er die Barschaft des alten Mannes, fünf Zwanzigmarkstücke und 26000 cl. Als er am nächsten Tag verhaftet wurde, hatte er bei einem Tanzvexgnügen bereits mehr als die Hälfte seines Raubes verbraucht. Keusnlat in Düsseldorf. Der Vizekonsul Dr. Joo Krajeer ist zum Verweser des Jugoslawischen Konsulats in Düsseldorf bestellt worden. Auslands=Wechselkurse der Berliner Rärse (Devisenkurse) Man zahlte deutsche Mark: für um 20 12. am 21 12. 1 belgische Franken. 456,35 458,85 1 dänische Kronen.. 1346,62 1376,55 1 englisches Pfund 30423,75 31022,25 1 französische Franken 498,75 S 501,24 1 holländische Gulden 2648,36, 2668,31 1 italienische Lire... 339,15 341,64 1 polnische Mark 1 schwedische Kronen. 1 schweizerische Franken 1 tschechische Kronen. 1770.56 1805.47 1269,31 1271,81 201,49 199.50 Ein Dollar...... 6670,78 6733,12 Die städtische Bücherei bleibi bis 5. Januar 1923 einschl geschlossen Schwerke, den 21. Dezelber 1922. Der Magistrat. Bekannimachung. Auf Grund von Zifsern VII. Abs. 3 der Anordnung vom 23. November 17 Dezember 1918(R. G. Bl S. 1334(1436) genehmige ich, daß der Betrieb in den Bäckereien und Konditoreien an den kommenden Weihnachtstagen und am Sylvesterlage ds. Is. wie folgt geregelt wird: Anstelle des zweiten Weihnachtslages(d 26. ds. Mts.) darf der vorhergehende Sonntag (d. 24. ds. Mts.) zur Werklagsarbeit verwendet werden. Ferner darf auch am Sonntage, den 31. ds. Mis. in gleicher Weise wie an Werktagen gearbeitet werden. Die Beschäftigung des einzelnen Arbeitehmers dorf jedoch sowohl am 24. wie auch am 31. ds. Mts. nicht länger als 8 Stunden dauern, und der Betrieb dar nicht über 4 Uhr nachmiltags hinaus ausgedehnt werden. Arnsberg. den 19. 12. 1922. 5869 Der Demobillaachungs=Kommissar: gez: König. 3 * 90 Für die Weihnachts- Nummer erbitten wir Inserate bis — Freitag abend 6 Uhr.— Dringlichkeitsanzeigen werden auch noch am Samstag früh angenommen, doch muß mit Rücksicht darauf, daß die Nummer schon am Samstag Mittag zur Ausgabe gelangt, der Annahmeschluß auf 8½ Uhr festgesetzt werden. Als Weihnachts-Geschenke! in kleinen Packungen Tabare in allen Preislagen in großer Auswahl billigst Precht“ Spezialgeschüft, Bahnhofstr. 26. — Beachten Sie die Schauküsten.— ME hüpotheken u. besseren Drogerien erhältlich Gegen fußschaariß und Wundiaufen Kukuel-fulbent Medizinal=Orogerie Wilh. Herpe, Ostenstr. 3. für Garenfeld zum 1. Januar 1923 gesucht. Schwerter Zeitung. Sme Ehristmonat * Nun trili auf rauhen Wegen Der Winter uns entgegen, Der nun die Welt reaiert Und auf der Zeiten Thron hat Des Jahres letzter Monat. Dezember sich plaziert. Er ward uns zum Bedränger, Die Nacht wird immer länger Und gar zu kurz der Tag, Das stört uns ganz unstreitig, Da man doch nicht so zeitig Die Lampe brennen mag. Das Licht ist ja so leuer, Daß jede Flamme heuer Viel Wert repräsentiert Der Ausspruch:„Mensch sei Ist durch die Teuerungswelle Jetzt völlig deplaziert. Selbst Licht wird unerschwinglich Und doch braucht man es dringlich Selbst in dem kleinsten Kreis, Es steigt ganz systematisch Und richtet aulomatisch Sich nach dem Kohlenpreis 's ist bös, so hört man munkeln, Bald sitz ich ganz im Dunkeln Wenn nicht der Mondenschein Mit seinem blassen Schimmer Erhellt mein Dichterzimmer Doch stellt er spät sich ein. Wir wandern und wir schreiten Jetzt durch gar trübe Zeiten, Jedoch auch sie verwehn, Es steht an ihrem Ende Die Wintersonne wende, Dann wird es aufwärts gehn. Schon dringt vom Kranz der Sterne Ein Lichtstrahl in die Ferne Und bricht sich siegreich Bahn. Durch Dämmer und durch Dunkel Ein Märchenprachl=Gesunkel Und Friedensboten nahn. Die Weihnachtszeit kehrt wieder Schon klingen ihre Lieder Und in der Kinder Traum Spiell eine große Rolle Der glanz= und lichtervolle, Der grüne Tannenbaum Dem Kind machts keinen Kummer, Doch Vater'n störts den Schlummer, Es alteriert ihn stark. Daß er dem Weihnachtsmanne Für eine einzge Tanne Muß zahl'n halbtausend Mark. Man möchte vieles geben. Indes. das ist's ja eben, Wo nimmt das Geld man her? Man muß den Wert der Sachen Ja jetzt vertausendfachen. Dann stimmt es ungefähr! Man möchte fast verzagen. Wenn man mit früheren Tagen Die heutge Zeit verglich, Doch wird für milde Gaben Man etwas übrig haben Blickt man nur unter sich! Es ist viel Leid zu lindern Bei Großen und bei Kindern Und wer noch gut heut steht Der geb sein Scherflein weiter Als edler Trostbereiter! Ernst Heiler, der Poet. Jede der Silhouetten illustriert ein Sprichwort, wie heißen dieselben? Politischer Schüttelreim. Wer sich behandeln läßt als reine Kuh, dem lassen seine Melker keine Ruh Zum Schlusse wird er abgeschlachtet und dazu noch für schlapp geachtet. („Jugend") * Die Sammlung. „Du wolltest dir eine Käfersammlung anlegen, Fritz, wie weit bist du damil?"— „Ein Johanniskäferchen hab' ich schon und siebzehn Maikäser. („Meggendorfer Blätter“) Zur Preis=Aufgaben: Skat=Aufgabe. spielt auf folgende Karten Rätselhafte Inschrift. 1 r B.(Mittelhand) Pik=Solo: #r Es liegen zwar auch die Trümpfe aber doch bekommt herein. C. hat 40 (Auch Grand hälte die Karten verkeilt? Spiels? 7 Augen im Skat und sind gleichmäßig verkeilt, der Spieler nur 18 Augen Augen in seinen Karten B. verloren) Wie sind Wie ist der Gang des ermi PS 8.98 6 43 A Silbenstreich Rätsel. In jedem der nachstehenden 8 Wörter ist je eine Silbe zu streichen. Dieselben ergeben im Zusammenhange ein Sprichwort. Lüderitz, Augenlid, Dachhase, Rübensaft, Kurfürst, Mütze, Salbei, Neger. Geduld-Problem. 05 . S PKopfwechsel=Rätsel. Aus nachstehenden 7 Wörtern sind durch Auswechseln des Kopfes 7 neue Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben eine in letzter Zeit vielgenannte russische Provinz ergeben: Ulm, Valer, Galte, Imme, Aller, Vase, Adam. Rustösungen der Rätsel in voriger Nummer. Austösung der Schach=Aufgabe: Weiß. Schwarz. 1) E 6— E 7 1) K. E 8— F 7 2) D. B 5— D 5+ 2) K.F7 n. F6o.-E8 3) E7— E8(wird Springer) oder D 6— D 7 Malt. Auslösung des Buchstaben=Versiellräisels: Seil, Varel, Erde, Nalter, Helm, Emma, Dosen, Iller, Nase= Sven Hedin. Auflösung des Verierbildes: „Wo ist der Wallfahrer?“ Bild Kopf stellen, dann links oben am Rande zwischen den Sträuchern. P Auflösung des Bilderrälsels Nr. 3: „Geieille Freud ist doppelt Freud“. Ausiösung des Silbenaustauschrälsels: Reise, Igel, Ceder, Hirte, Adel, Rabe, Dohle, Wanne, Anna, Giller, Namur, Eber, Rasen= Richard Wagner. Nach Gottes unersorschlichem Ratschlusse entschlief gestern nachmiltag um 1 Uhr sanft und gottergeben mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Valer, Schwiegervater. Großvaler, Schwager und Onkel Gutspächter *„ Bernhard Druffel; ? Er starb nach längerer, schwerer Krankheit, versehen mit Iden hl. Sterbesakramenten, im Aller von 68 Jahren. Um ein andächtiges Gebei für den lieben Verstorbenen bitten Die trauernden Angehörigen. Geisecke b. Schwerte, den 21. Dezember 1922. Die Beerdigung findet statt am Sonnlag, dem 24 Dez., um 2½ Uhr vom Sterbehause aus. Levitenamt am Mittwoch, den 27. Dez. vormitlags 7.40 Uhr in der Pfarrkirche zu Schwerte. M. G.-V.„Sängerbund“ Schwerte; Am 2. Weihnachtstage, nachmittags 4 Uhr: 7 WINTER-KONZERT im gutgeheizten Saale des„Freischütz“ Es gelangen Chöre von Sturm, Sonnet, Hefendehl, Orth, Engelsberg und Attenhofer zur Aufführung. Solisten # Frl. Liesel Breul(Sopran), Herr Heinr. Ries(Tenor)* : Nach dem Konzert findet Ball statt.# a5 Bernhard Knierim Eise Knierim ged. Kömiger Vermählte Schwerte, den 22. Dexember 1922. werden durch Anwendung von Javol zuverlässig beseitigt, das lästige Kopfjucken verschwindet schnell. Javol macht das Haar duftig, voll, locker, seidenweich und erhält es gesund. Javol, das Kräuterhaarwasser und Javol= Kopfwaschpulver sind in Apotheken, Drogerten, Parfumetien und bei Friseuren zu haben. abebe Beniatetatte!. # Tollette Artitel= Beifen=Parfümerien i. prachtvoller Aufmachung, größt. Auswahl, all. Preislagen empfiehlt Medic.=Drogerie Wilh. Heppe Filialleiterin der Lebens mittelbranche sucht zum 1. Januar 1923 evtl. später passenden Wirkungskreis. Zeugnisse und Referenzeu stehen zur Verfügung. Zuschriften werden unter Nr. 5855 an die Geschäftsst. d. Bl. erbeten. Lichtspiele „Zur Reichskrone“ Ostenstr. 3. Ostenstr. 3. Mobl. Amnmer mit Morgenkaffee sofort zu mielen gesucht. Offerten unter L. 1500 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. Ablian Freitag, Samstag und Sonntag Nur 3 Tage! Eine Schreckensnacht in der Menagerie Sensations= und Abenteuerfilm in 5 Akten mit Carl de Vogt in der Hauptrolle Liebe kann man nicht kaufen Ergreifendes Drama in 5 Akten. Chaplie geht zum Maskenball Montag, den 1. Feiertag vollständig neues Programm Golt dem Allmächtigen hat es gesallen, Donnerslag morgen 3½ Uhr, unsern lieben Vater, Schwiegervater, Großvaler, Bruder, Schwager und Onkel, den Invaliden " Kier, Tous im 69. Lebensjahre nach kurzem Kranksein zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bilten: Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Gilbeck, Düsseldorf, Elberfeld, Hagen, Henkhausen und Dücklingen, den 21. Dezember 1922. Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. Dezember, nachmittags 3½ Uhr, vom Trauerhause Kampstraße 19 aus, statt. Marntunger 658(Hacerbräu Niederlage sämtlicher; Rossler& Ce Leipzig : Vortmänder Firtien Vier Rein aus Hopfen u. Malz empfiehlt i. Fässern, Syphone u. Flaschen Hubert Pferdekämper Tel. 104 Bier- u. Wassergroßhandlung Tel. 104 daens Stiche zum 1. Januar ein sellstständiges Klädusen welches möglichst etwas Kochen versteht und Lust hat, sich weiter auszubilden. Schwerte, Hüsingstr 32 Jung. Mädchen von 4— 6 Jah##n iü Bo en änge und l#ch Schiillarb: zu 10 esucht Selbstaeschriebene Oft unte 5863 in die Gesch dieser Zeitung IS aaus-Cuate Ss 1/, ½ Lose ¼. ½ C. Bischof, Iserlohn Vertreter für Schwerte ges. Flügel zu kausen gesucht Fritz Fürgens Hamm(Westfalen) Oststr. 41.— Tel. 1290. Imund tOstenheilmen 22#### Vorteilhafte Angebote Schapterh, Cistern u. Rinzage!. T.otz der täglich steigenden Rohstoffpreise urd Arbei slöhne mache jen heute enßerordentlich hillige A Prots derlagtitn-Steigeuden Ronstonpreise urd Arbei sionne mache ien neute auberordentlich vinnige angebore in hlüpfero, Ulstern und Anzügen. Vergleichen Sie ohne jeden Kautzwang meine je allen Fermen reichhallee Aus-ahl; prifen Si: dis hervorragend gnf- u. O. All. ut- g.und.— unllsterg ut is:. Ve#a b. Itun.- und ub rasugen Sie sicz von der Preiswürdigkeit der Waren. Winler-Schlüpler, Uister u. Palelots Flassch- und Pa: letotstotfen in mod ro men und in mustergul iger Verarbeitung 19750,— 24750.— 29750.— bis 59 760,— Elagante Anyling in modernen ein- u. zweirelhigen Furmen Liegults-Ailzuge aus er-tklassigen Cheviot- u. Kammgarn###otten, in höhrren Preislagen cuter. Massarbeit sleichwriig 19750.— 24750.— 29750.— bis 59750,— Culawau u. Wesien aus felnsten dunkelgrausn u schv erteo Galwuy u. Wooion Cheviot-A und Meltonstofen in bester Verarbeitung 29750.— 34750.— 39750.— bis 44750,— Emamau-Hoegn aus besten Cheviot und Kammgarnstoffen, cun wap Höoseh in mittel- und dunk Igrauen oder schwarzweißen Streifenmustern nden-Märigt aus wetterferten langhaarigen glatten Lod nLouen-Iüntel stoffen, in offenen und hochgescblogpenen Farmr, in grauen, grünen und oliven Farben 16 750,— 19 750.— 22750.— bis 29750.— Gummi.Mänlet nur beste Fabrikste we„Lojacco; und dommt-mantet„Continental“ in offenen u. hochgeschlossenen Formen 19750.— 22750.— 24750.— bis 29750.— aus besonders##räftigen Buxkin, Cheviot Spozier-HoSen Turtbey- u Kammgerostoften, mit starken Z. i#ten verarbettet. 2 675.— 3 475.— 4475.— bis 7975,— mit und ohne Futter, in offen n und halbDDoll geschossenen Formen, neue Faltenlassons mit Gur el, n g-ünli hen und ollven Farben 2975.— 8 975.— bis 12750,— Loden Joppen Sonntag nachmittag bleiben meine Geschäfteräume von 1 Uhr bis 6 Uhr geöffnet. 18 dem Stofsel hingehen willst, zu dem roten Schuft? Eine Frau, die Kinder hat und einen Mann.“ „Wenn der Mann sich um nichts kümmert und die Kinder wie's Vieh aufwachsen läßt!“ „Und ich sage Dir, daß ich Dich umbringe, wenn Du's tust!“ Es wurde ihm auf einmal ganz heiß, er fühlte sich verlassen, denn bei allem Leichtsinn hatte er sein Weib gern. „Du follst zum Herrn Dechanten kommen morgen mittag,“ warf sie wieder leicht hin. „Gleich geh' ich,“ sagte er und lief hinaus. Die Worte des ehrwürdigen Geistlichen sielen auf fruchtbaren Boden. Jockel nahm sich vor, anders zu werden. Seine Evi sollte wieder gut zu ihm sein, er wollte arbeiten und das Spiel lassen. „Nein,“ sagte da der Dechant,„Du mußt arbeiten und doch bei der Passion mitwirken, nur das gottlose Saufen mußt Du lassen und nicht alle Zeit vertrödeln.“ Jockel hatte sich während der Fastenzeit tapfer gehalten. Evi aber gab nicht so leicht nach. Sie behielt sich den roten Sepvel immer noch als Schreckensgespenst im Hintergrunde, vowohl sie schon im entserntesten nicht mehr daran dachte, seine Wänsche zu ersüllen. Der rote Judas freute sich i. illen. Alles schien gut zu gehen und er hatte schon mit seiner Mutter gesprochen, daß er eine junge Person ins Haus nehmen wollte, die ein bißchen nach dem Rechten sähe, weil sie doch alt sei und ihre Ruhe haben möchte. So lagen die Dinge am Gründonnerstag. Jockel war wütend, er schlang seine Eierkuchen nur so hinein und stürzte den Kafsee hinunter, um so schnell als irgend möglich aus dem Hause zu sommen.„Jetzt habe ich alles getan, und immer läßt sie noch nicht von dem roten Afsen. Ach, das Geld, das Geld hol' der Deifel!“ Bleich und grau brach der Karfreitag herein, erst gegen zwölf Uhr brach die Sonne durch, kämpfte dann aber auch siegreich den Nebel nieder, daß er sich in die dunkelsten Winkel der Täler verkroch. Das ganze Kirchspiel hatte sich versammelt, um der Passion beizuwohnen. Als Bühne diente ein Plateau am Abhang des Wildkopfes. Es war vom Wald eingeschlossen und wie geschaffen zu derartigen Aufführungen. Jockel spielte ganz ausnehmend gut, besonders in der Szene mit dem Judas erhob er sich zu einem wahrhaft göttlichen Zorn. Dann die Ehebrecherin. Immer stand ihm Evi vor. Mit ergreifender Wahrheit predigte er Buße, und als er die Vergebung der Sünden verhieß, weinten die Leute. Er fühlte so recht das Leiden des Heilands in seinem eigenen, und es kam Trost über ihn und er konnte mit tiefster Inbrunst beten: Nicht wie ich will, sondern wie Du willst... Dein Wille geschehe. Als sie ihn aber ans Kreuz gebunden hatten und er den roten Seppel bei seiner Frau stehen sah, da packte es ihn und er schrie laut:„Judas, Judas, der Herr richtet Dich!“ und dann klang seine Stimme weich und schmerzlich:„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen.“ Er n#inschte, daß die Kreuzigung kein Spiel, sondern Wirklichkeit sei, er mochte nicht mehr leben; und so hauchte er„Es ist vollbracht.“ Als das Spiel zu Ende war, eilte er nach Hause. Er blickte durch das Fenster, da stand der rote Verführer in der Stube. Jockel schlich ums Haus und holte die schwere Holzaxt. Da hörte er die Tür gehen und die Stimme seiner Frau:„Mach Dich ab, Seppel, ich mag nichts von Dir und Du hast mir nur helfen müssen, den Jockel kurieren, jetzt brauch' ich Dich nimmer. Such' Dir eine andere— wie die Stadtleut' sagen— Wirtschafterin.“ „Evi,“ jauchzte Jockel auf,„ist das Dein Ernst?“ „Warum nicht, nur brav mußt Du sein, sonst mach' ich mir auch nichts daraus und werd' schlecht.“ Nun war auch für den Jockel die Passionszeit vorbei und es brachen fröhliche Ostern an. Kunst und Wissen. Der erste Illustrator der Grimmschen Märchen. Das schönste Volksbuch unseres Schrifttums, die Grimmschen Märchen, liegen jedes Jahr in vielen Exemplaren unter dem Weihnachtsbaum, meist mit schönen Bildern geschmückt, denn die Zahl der Illustratoren dieses klassischen Werkes ist Legion. Ganz vergessen aber ist der erste Illustrator der Märchen, obwohl er mit ihren Sammlern und der Geschichte des Buches aufs engste verknüpft ist. Auf Grund des noch ungedruckten Briefwechsels von Jakob und Wilhelm Grimm mit ihrem Bruder Ludwig Emil Grimm stellt Hans Gürtler im „Hochland“, zum erstenmal die illustrierende Mitarbeit des jüngsten Brudeks an den Kinder= und Hausmärchen dar. Von dem Onkel, der ein feiner noch nicht genug gewürdigter Künstler war, sagt Hermann Grimm:„Zeichnungen zu den Märchen von Ludwigs Hand finden sich in Fülle bei ihm, nur weniges aber davon ist herausgekommen. Es gehörte gleichsam zu seiner künstlerischen Tätigkeit, immer wieder Bilder zu den Märchen zu zeichnen,“ und der Herausgeber des Grimmschen Nachlasses, R. Steig, bemerkt mit Recht:„Niemand hat die gemütvolle Heimlichkeit der Märchenwelt im Sinne der Brüder so innig aufgefaßt wie er, und niemand so mit vollen Händen den gesamten Hausrat unseres Märchens vor uns ausgebreitet.“ Bereits für die erste Auflage des ersten Bandes dachten die Brüder an einen Schmuck durch Ludwig Emil. zir dachten ansangs daran,“ schreibt ihm Wilhelm im Januar 1813,„Dich um ein Bild dafür zu bitten, indeß war die Zeit zu kurz und das Buch geschwinder gedruckt, als Du etwas fertig machen konntest. Nun schickst Du uns aber die beiden gar zu lieblichen Kinderköpfchen, die würden sich quer vornehm gebunden allerliebst ausnehmen und dem Buch eigenen Wert und gewiß viele Käufer verschaffen.“ Aber dieser Plan blieb unausgeführt, und ebenso ging der zweite Band 1815 zum erstenmal ohne Bilderbeigabe in die Welt. Doch fällt in jene Zeit Ludwigs Arbeit an einem Bilde, das die späteren Auflagen zierte und berühmt geworden ist. Es ist das Portvät der„Märchenfrau“, die den Brüdern so viele der schönsten Geschichten erzählte, der Viehmännin aus Niederzwehrn. In der zweiten Auflage enthielten die Märchen Ludwigs reizendes Bild „Brüderchen und Schwesterchen“ und ein blumenumkränztes Titelblatt.“ Die 1825 erschienene„Kleine Ausgabe“ brachte die Kupfer der englischen Ausgabe in Stahlstichen nach den Zeichnungen Ludwigs. Die dritte Auflage der kleinen Ausgabe war dann mit dem Bild der„Märchenfrau“ geziert. Auch später hat der Bruder noch eifrig an dem künstlerischen Schmuck der „Kinder= und Hausmärchen“ mitgearbeitet und so vieles zu ihrer Verbreitung beigetragen. Allerlei. Das„dicke Ende“.„Das dicke Ende kommt nach,“ sagt man, wenn man bezeichnen will, daß die schlimmen Folgen eines zunächst günstig verlaufenden Tages sich noch einstellen werden. Dieser Sinn der Redensart ist bereits etwas erweitert. Denn ursprünglich bedeutet sie nur, daß auf die gelinde Strafe noch eine härtere folgen wird, und zwar bezieht sie sich dabei im wortwörtlichen Sinne auf die Rute, mit der die Strafe verabreicht wird. Die tiefere Bedeutung des„dicken Endes“, erhellt aus den Angaben Zeidlers, der in seiner Schrift„Sieben böse Geister“ von den Schulmeistern sagt:„Sie flechten Draht in die Ruten oder kehren die Rute um und brauchen das dicke Ende.“ Wenn also der gestrenge Herr Präzeptor den unartigen Buben zunächst mit dem dünnen oberen Teil des Strafinstrumentes bearbeitete, so sagte er wohl drohend:„Das dicke Ende kommt nach,“ und dieses dicke Ende der Rute ist es. das in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist. 15118 S STn S5 F F F 5 Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hörde Haupt=Annoncenblatt. arsIbende. Roman von A. Seifert. (14. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten) 1 lmida erhob sich.„Ich will mich in Ihrem Sinne bemühen, Herr Wengdorf, mehr kann ich ja nicht versprechen.“ „Ihr guter Wille genügt mir, Fräulein—! Ich habe Ihren Namen wohl überhört." „Alma Gröper,“ sagte sie leise, mit bebender Stimme. „Also auf Wiedersehen, Fräulein Gröper. Ich verlasse mich darauf, daß Sie pünktlich am Sonntagvormittag zur Stelle sind. Almida verneigte sich zustimmend und zugleich abschiednehmend. Draußen rang sie nach Fassung. Es war zu viel des Neuen, Ungewähnlichen, was auf sie einstürmte. Sie kämpfte mit einem Schwindelgefühl. Doch da erschien der Diener und führte sie bis zum Ausgange. Sie ging. Die Hausfrau— Huberts Mutter— hatte sie nicht zu Gesicht bekommen. Sie erreichte noch zur rechten Zeit den Zug, und als sie bequem in ihrem Abteil saß, siegte die Elastizität ihrer Jugend. Sie schauderte' nicht mehr vor der Fremde, in die sie hinaus sollte, zurück. Das Leben dort draußen mit seinen überraschenden Eindrücken gewann Reiz für sie. Erst als sie sich ihrem Wohnort näherte und die Gedanken an den stillen Schläfer daheim sie umspannten, wurde sie wieder traurig, und trostlos erschien ihr die Gegenwart wie die Zukunft. Im Trauerhause hatte sich inzwischen jene unheimliche düstere Regsamkeit entfaltet, die mit der Aufbahrung eines Toten verknüpst ist. Der Sarg war gebracht worden, die Dekoration von grünen Blattpflanzen wurde hereingeschafft, der Raum mit schwarzem Flor verhangen. Als Almida zurückkam, war alles erledigt und tiefe Ruhe im Hause. Sie ging zu ihrem Toten und kniete an seinem Sarge, und wie sie stille Zwiesprache mit ihm hielt, da stand er wieder vor ihr als Lebender, gütig und verehrungswürdig wie selten einer, und sie flüsterte ihm alles zu, was ihr junges Herz bewegte, daß sie in treuer Liebe nach wie vor mit Hubert vereint sei, und daß sie ausharten, daß sie alles daransetzen wolle, um sich das Vertrauen und die Zuneigung der Schwiegereitern zu erwerben. Plaudernd saß sie mit Frau von Herbst zusammen. Dann kam ein langes Telegramm von Hubert mit tröstlichen, innigen Worten, die Liebe atmeten, den Kummer beschwichtigten und heimliche Seligleit in Alnnda auslösten. Inzwischen war Franz in Begleitung des ältesten Prokuristen, welcher das unbedingte Vertrauen des Herrn Harnisch besessen hatte, in die Villa gekommen und hatte von Frau von Herost die Schlüssel zum Arbeitszimmer des Verstorbenen, sowie zur Bibliothek gefordert. In Gegenwart jenes vertrauenswürdigen, ehrenwerten Mannes ordnete Franz sämtliche Papiere seines Oheims. Diese Arbeit nahm nur wenige Stunden in Anspruch. Es handelte sich nur um geschäftliche Korrespondenzen. Privatbriefe hatte der Verstorbene beizeiten vernichtet. In einem Geheimfache sanden sich Almidas Geburtsschein sowie der Impfschein, auf den Namen Alma Gröper lautend. Franz erklärte dem Prokuristen, daß Almida nur ein angenommenes Kind und nicht erbberechtigt sei. Der Prokurist bewegte bedauernd den Kopf. erstannt darüber, daß sein Chef kein Testament hinterlassen. Da hatte ja doch Frau von Heröst sowie das gesamte Dienstpersonal auf eine letztwillige Verfügung zu ihren Gunsten gehofft. Auch die Beamten rechneten mit einem Geldbetrag, der sie für jahrelange treue Arbeit lohnen sollte. Er sprach seine Enttäuschung und Verwunderung nicht aus, doch sie war ihm vom Gesicht zu lesen. Franz erriet seine Gedanken und zuckte die Achseln. „Mein Oheim hat sich gewiß mit der Absicht getragen, das junge Mädchen zu aboptieren. Ebenso wird es sich mit dem Testament verhalten. Er konnte zu keinem Entschluß kommen. Und nun hat der Tod ihn überrascht. Es wäre ja möglich, daß noch ein Testament vorhanden ist, aber es findet sich nicht die kleinste Notiz darüber, Sie sehen es ja.“ Auch die Bibliothek durchstöberte Franz in Gegenwart des Prokur'sten. Ohne jedes Ergebns natürlich. „Sie sind der alleinige Erbe, Herr Harnisch,“ sagte der Prokurist, als er sich empfahl.„Meinen Glücwunsch! Hoffentlich belassen Sie alle Beamten in ihren Stellungen. es sind insgesamt treue, erprobte Kräfte.“ „Solange ich keine Ursache zur Klage habe, warum nicht? Ein etwas strafferes Regiment, als mein Oheim es für gut befand, gedenke ich natürlich einzuführen. Wem das nicht paßt, der kann gehen. In den Weg lege ich keinem etwas." Kühl und sorgenvoll verabschiedete sich der Prokurist, Er wußte, daß auch seine Tage hier gezählt waren. Er wollte nicht warten, bis man ihm„den Stuhl vor die Tür setzte". Er mußte beizeiten nach einem neuen Wirkungskreis Umschau halten. Ein so ausgezeichneter Kauf7 5 95 " S Rd FFES S ##91 55759 ** S 8 3 0 275 ## 4 1 *„„*** *. S S * p•** 8 E* 8 O S„# S• S 9 E#9 ——* S•SEE *" S 5 u à 89 OUURR 65 S S E 82 mann fand wohl bald, was er suchte, doch nur mit !! schwerem Herzen trennte er sich von der Stätte seiner mehr als dreißigjährigen Tätigkeit. Franz schloß die beiden, Almida gehörenden Dokumente in ein Kuvert und sandte sie ihr durch einen Diener. Er erhob sich und dehnte seine schlanke Gestalt. Er war nun der Herrshier im Hause und, was unendlich dahingleitendem Leben gewesen. Sie hatte sich lange nicht zu trösten vermocht. Es war eine kritische Zeit für sie; daran gewesen, in Schwermut zu versinken. Kleider bereiteten ihr damals keine Freude. ie war nahe Die schönsten Sie beneidete Bureaus, er war der Besitzer von mehr bedeutete, in den Millienen. Tausendmal hatte er sich die schwindelerregende Freude vorgestellt, die ihn durchpulsen mußte, wenn ein Glücks zufall ihn zum Millionär machte. Doch diese Freude wollte sich noch nicht einstellen. Er atmete vielmehr unter einem Druck. Er fürchtete die Nacht und wagie es nicht, zu dem Toten zu gehen. Und äubte sich doch mit aller Kraft gegen die Klammern, die seine Brust umkrampften und ihn daran hinderten, im Vollgenuß des Errungenen zu schwelgen. Im Traume rernahm er die ächzende Stimme seines Oheims, der ihn anstehte um Hilfe. Im Wachen sah er das schmerzverherrte Gesicht vor sich. Wenn der Anfall überwunden worden wäre, hätte sein Verwandter noch jahrelang am Leben bleiben können. So ging es ihm unablässig durch den Sinn. Er suchte sich gewaltsam abzulenken, es gelang ihm auch kurze Zeit, doch dann treisten seine Gedanken wieder um ein und denselbe Punkt. Er tobte in ohnmächtiger Wut gegen sich selbst.„Wenn ich so ein Feigling bin, wäre es besser gewesen, ich hätte ihm geholfen und wäre der Hungerleider geblieben, der ich war!" Doch an Geschehenem ist nichts zu ändern. Der Oheim war tot und das Gewissen ließ dem Schuldigen keine Nuhe. „Sind Sie aber schick gekleidet, Fräulein!" Mit diesen Worten emosing Frau Olga Wengdorf ihre neue Gesellschafterin,„verraten Sie mir doch, bei weichem Damenschneider Sie arbeiten lassen! Ich bin auf der Suche nach einem solchen. Der meinige wird bequem und fahrlässig, und ich wollte schon lange von ihm abgehen.“ Frau Wengdorf war eine hübsche, elegante Erscheinung, mehr ist von ihr eigentlich nicht zu sagen, abgeseten von einigen Eigenschaften, die ihrem Gatten das heirateisein gelegentlich gründlich verleidet hatten. Sie war harmlos und fand ihre Befriedigung darin, gut zu essen, sich nach der neuesten Mode zu kielden und alle Mütter, welche ihre Mädelchen mit Tand behängen dursten, und geheim, ganz geheim nährte sie die Hoffnung, daß, entgegen dem Ausspruch des Arztes, ihr doch noch Mutterfreuden beschert sein könnten. In jener Zeit hatte sich eines ihrer Dienstmädchen mit einem Arbeiter verheiraiet und war in armselige Verhältnisse gekommen. Als die junge Frau dann ein Kindchen erwartete und es an allem fehlte, schenkte Olga ihr die eigene, aus seinsten, seidenweichen Stossen angesertigte Säuglingsausstattung. Sie selbst fertigte sich ganz im geheimen eine neue an. Auch für diese zierlichen, spitzenverzierten Sächelchen fand sich alsbald eine Abnehmerin. Und so kam es, daß Irau Wengdorf als Wohltäterin für Sänglinge in der ganden Stadt gepriesen wurde. Später wartete sie bis nach der Geburt der Kinder und bevorzugte immer noch die weiblich Geborenen. Die Umstände fügten es dann, daß sie den Wöchnerinnen auch Stärkungsmittel sandte. So hatte sie sich ungewollt im Laufe der Jahre einen Namen als Wohltäterin junger, bedüritiger Mütter geschaffen. Frau Wengdorf war mit ihren achtundvierzig Jahren noch eine hübsche Frau; ihr blondes Haar wies keinen Silberfaben auf, ihre Gestalt war biegsam trotz einer leichten Fülle. Sie strickte an einem Wickelband, als sie Almida empiing und reichte ihr freundlich die schneeweiße, reich mit Vrillantringen geschmückte Hand. „Ich weiß zwar noch nicht, was ich mit Ihnen, mit einer Gesellschafterin beginnen soll, Fräulein Gröper, aber da mein Mann Sie ohne mein Wissen angenommen hat, in Gesellschaften mit ihren reichen Toil und koste ilette baren Jamilienschmuck, den sie besaß, zu glänzen. Dazu gesellte sich noch eine Passion, welche den Armen zustatten kem. Frau Olga feriigte Ausstattungen für kseine Kinder an, und zwar waren es vorzugsweise kleine Mädchen, die sie damit beschenkte. Mit leidenschaftlichem Ungestüm hatte sie sich als junge Frau ein Töchterchen gewünscht. Nicht etwa aus inneren Drange heraus, wirtschaftliche Tüchtigkeit und personliche Wesensart auf ein geliebtes Kind zu überso kann ich Sie nicht gut hinausweisen, und wir müssen ¼ sehen, wie wir miteinander fertig werden!" 4 „Verurteilen Sie mich nicht dazu, gnädige Frau, daß ich mich so vollkommen überflüssig fühlen muß!" bat Almida,„vielleicht erlauben Sie, daß ich Ihnen vorlese. Unsere besten und treuesten Freunde stnd die Dichter, mit ihnen Zwiesprache zu halten ist die schönste Sonntagsunterhaltung.“ „Gut, lesen Sie mir vor, Fräulein. Lieder wäre es mir allerdings, wenn Sie mir bei der ich welche sie tragen, sondern weil ihr die Puppe fehlte, herauspugen, mit der sie prunken konnte. Mit dem Jungen, dem Hubert, war in dieser Hinsicht nichts anzufangen gewesen. Er hatte den derben, schlichten Sin: des Vaters geerbt, und gerade, wenn die Mutter mit iyrem hübschen wohlerzogenen Jungen hatte paradieren wollen, pflegte er alles zu verderben. Aber ein zierliches Elschen, welches den Namen Liselotte trug. welchem der Sinn für graziose Koketterie angeberen war, das in seidenen Rocchen stolzierte, den zierlichsten Knix machte und den Damen die Hand küßte, sich alle Herzen im Fluge eroberte, unbewußt den Neid der anderen Mütter förmlich herausforderle, ja. das war Irau Olgas süßester Traum, ihr einziges Gebei gewesen. Und dieser einzige heiße Wunsch war ihr nicht erfüllt worden. Eine Hoffnung war im Werden durch ihre eigene Schuld zerkört worden, der Himmel hatte ihr damals ein Töchterchen zugedacht. Mit der Vernichtung der winzigen Menschenknospe war dieses Kapitel für Frau Wengdorf erledigt. Sie bekam keine Kinder mehr. Es war der einzige Schmerz in Olgas gleichmäßig strickarbeit behilftich wären, denn iey habe für nicht weniger als drei Säuglinge zu sorgen.“ Und als Almida sie erstaunt ansah, setzte sie hinzu: „Ich stehe gern bedürstigen jungen Müttern bei, welche ein Kindchen erwarten. Fast immer fehlt es ihnen an der nötigen Süngiingswäsche. Damit die kleinen Würmer wenigstens im ersten Lebensjahre ordentlich gehalten werden können, sorge ich vor. Die Leute geben, weiß der Himmel, für die überflüssigsten Dinge ihr Geld aus, aber Kleinkinderwäsche ist selten ausreichend vorhanden.“ „Ach, liebe, gnädige Frau, erlauben Sie, daß ich Ihre gütige, fürsorgliche Hand lüsse,“ begeisterte sich Almida, „welch ein edles, weiches Herz müssen Sie haben, um so beständig der Armen zu gedenken!“ „Ach, Fräulein, solche Gefühlsausbrüche liebe ich nicht!“ verwies Frau Wengdorf, dem jungen Mädchen trotzdem die von Juwelen blitzende Hand reichend.„aber wenn Sie mir beim Stricken behilflich wären, das würde mir besser passen, als das Vorlesen.“ „Gnädige Frau, ich habe als kleines Mädchen in der Schule einen Puppenstrumpf gestrickt und seitdem nie wirder ein Strickzeug in der Hand gehabt. Aver ich werde mich nebenbei einüben, wenn Sie es wünschen.“ Frau Wengdorf nickte und zählte ihre Maschen. (Fortsetzung folgt.) E 5 99 5 6 *t S 8 8 1 5 8 5 G 0 9 * G 5 5 85 9## 5 8 9 a S 6 5 5 EEES Lehr nur die Jungen weisheitsvell, Wirst ihnen keinen Irium sparen, Was ihnen grüncklich hellen soll. Das müssen lie eben selbst erfahren. * Leibel. Skizze von Wilhelm Bretag. (Nachdruck verboten.) Die Gründonnerstag=Prozession war zu Ende. Die Monstranz war aus dem Tabernakel weggebracht und in der zur Passionszeit dunkelverhängten Kirche das heilige Grab ausgestellt. Die Gläubigen gingen still nach Hause. Die Sonne lag breit auf den Spessartbergen und lockte die Veilchen aus dem spärlichen Grun der Halden. In den Wäldern schimmerten schon grüne Spitzen, hier und da unterbrochen von dem fahlgelben Eichenlaub, das die Frühlingsstürme noch nicht abschütteln können. Bald stiegen aus den Schornsteinen der niedrigen Häuschen im Dorfe dicke, qualmende Rauchwolken äuf. Allenthalben wurden die grünen Eierluchen gebacken, die hauptsächlichste Speise der Spessartbauern am Gründonnerslag. Grün heißen die Eierkuchen, weil der Teig mit den ersten Schnittlauchspitzen vermischt wird, die der Frühling hat emporschießen lassen. Karfreitag, der Tag, an dem der Heiland gekrenzigt wurde, wird in katholischen Ländern kirchlich nur wenig gefeiert. Es ist ein Trauertag und alle Lustbarkeit schweigt. Das einzige, was in den Spessartdörfern geschieht, ist die Aufführung der Passionsgeschichte. Bei dieser Gelegenheit erweist sich so recht der schlichte Sinn der Bauern, die schon monatelang vorher ihre Rollen II einstudieren, um dann das Leiden und Sterben des Herrn 3 gewöhnlich unter freiem Himmel darzustellen. Das ist # etwas so ganz aüderes als die bekannten Passionsspiehe, 7A etwas so Urwüchsiges und Ergreifendes, daß kein Auge II trocken bleibt. Der Besenjockel von Neuhütten war ein Christusdarsteller, wie man ihn besser wohl kaum findet, aber es lostete immer einen schweren Kampf mit der Evi, seiner Frau, bis ihm die Erlaubnis zum Mittun erteilt wurde. Denn der Besenjockel war ein leichtsinniger Bruder, der seine Mitwirkung nicht als eine heilige Handlung betrachtete, sondern als ein Vergnügen am Schauspielern. Wochen vorher stellte er die Arbeit ein und probierte mit seiner Truppe das Spiel, das dann allerdings auch ganz trefflich aussiel. Aber bei den Proben im Saal der„Reichskrone“ wurde viel getrunken, und Evi mit ihren Kindern hatte zu Hause oft nichts zu essen. Diesmal hatte sie zu ihrene Mann gesagt: „Jockel, wenn Du heurig Jahr wieder mittust, so geh' ich mit den Kindern auf und davon, ich seh' nicht ein, warum ich Dir auch noch die Schnapskreuzer verdienen soll.“ „Wer soll aber den lieben Heiland machen?" fragte Jockel ernst. „Meinswegen, wer will; zuerst hast Du Brot für Deine Trabanten ins Haus zu schaffen, nachher kannst Du Deinen Spielereien nachgehen. „Spielereien? Laß so etwas ja nicht einmal den Herrn Pfarrer hören. Das Spiel ist ein gottgefälliges Werk und wird einem hoch angerechnet da droben.“ Jockel war jeder Vorstellung unzugänglich, da faßte sich Cvi ein Herz und ging zum alten Dechanten, der immer so gut gegen Pfarrer empfing das lichem Lächeln. „Na, was bringst Du Eoi?“ „Ach, mein Mann, Herr Dechant.“ „Ein leichter Kamerad, der Jockel; na wart, ich werd' ihm einmal ins Gewissen reden, daß es ihm noch am sie gewesen war. Der würdige junge hübsche Weib mit sreundjüngsten Gericht vor den Ohren summen soll. Was hat er denn wieder auspexiert; der Deifelsfang?“ „Er läßt das nicht mit dem Spielen in der Passion.“ „Nu, nu. Evi, das ist doch nichts so Schlimmes.“ „Ja, aber er trinkt immer soviel dabei.“ Und nun schüttete die junge Frau dem alten Mann ihr ganzes Herz aus. Der Geistliche wiegte bedenklich den Kopf.„Schick mir den Jockel auf den Mittag morgen einmal her. Sag' ihm, ich hütt' was von wegen dem Spiel mit ihm zu reden. Werd' ihm einmal Dampf geben.“ „Wenn er nicht davon abläßt, da geh' ich aus der Ehe fort“... 4i Pan Marteu uufet Wird schon werden, Evi, wies schon werden, mußr nicht gleich an allem verzagen. Geh' schön nach Haus, ich werd's schon wieder ins Lot rücken.“ Evi war getrost. Auf dem Heimwege gesellte sich ein Neuhütter Bursche zu ihr. Es war der rote Seppel von der Unterbachmühle, der reichste im ganzen Lohrtale, ein wilder, unwirrscher Gesell, mit mächtiger Hakennase und struppigem rölen Fart und Haar. Eri hatte sich immer vor ihm gefürchtet, schon in ihrer Mädchenzeit hatte er ihr nachgestellt, und auch jetzt noch ließ er ihr keine Ruhe. „Wo warst, Evi, und grüß Gott!“ „Beim Herrn Dechant, schön Dank, Seppel.“ Sie wllte eilig weiter, der Bursch: aber hielt sich an ihrer Seite und fragte weiter: „Was hast denn da gelau?“ „Wegen dem Jockel, weißt schon!“ „Schau, hättest mich genommen, so ging Dir's halt ein ganz Teil besser. Die Mühle klappert alleweil weiter, ob ich beim Spiel hin oder nicht.“ Besser wär's schon, dachte Evi. Aber sie hatte den Jockel so lieb gehabt, schon wegen der langen Haare und weil er so ein Heilandsgesicht hatte. Besser wär's schon. Die Not ist die grimmiglle Jeindin der Liebe. Eoi empfand das unbestimmt, so recht gern hatte sie den Jockel nicht mehr, er war aber auch zu liederlich. „Besser wär's schon,“ sagte sie jetzt leise. Der rote Seppel lachte in sich hinein:„Siehste, Du hast's ja immer nicht glauben wollen, die Lieb' fliegt zum Fenster naus und das Elend bleibt in der Stube. Aber Du könntest's alleweil noch besser haben, als Du's hast, wenn...“ Er hielt an und sah die Frau mit einem lauernden Blick an. Sie verstand ihn und wurde rot und verlegen, aber sie wich aus:„ 76 7.8 „Wann ich mich auch scheiden laß, triegen konnen zwei uns doch nimmermehr.“ „Das ist ja auch nicht nötig. Aber es war doch schon oft gewesen, daß zwei zusammengekommen sind, ohne daß ein Pfaff Ja und Amen gesagt hat.“ würd' mich schämen vorm Herrn Dechanten.“ „Braucht der denn das zu wissen? Meine Mutter ist alt, ich brauch eine rüstige Person, die mir meine Sachen in Ordnung hält und auf die Mahlburschen acht wenn ich über Land bin. Ich nehm' Dich und Deine Kinder ins Haus als, na als... wie die Stadtleut' sagen, als Wirtschafterin.“. 15 mi i der u. e. „Aber Tu spielst ja anch mut in der Passion?!“ „Bloß den Indas, das ist eine kleine Rolle, ich hab' alleweil nur dem Jockel den Kuß zu geben, und nachhen verflucht er mich... Ueberleg's Dir, Du hast ja noch Zeit. Behüt Gottl“.. 44ug gi, f,2i1 Eslpan, Er gab ihr die Hand und ging die steinigr, y#iperige Dorfstraße hinunter nach seiner Mühle hin. Seine Rede halte sellsame Gedanken in der jungen Frau erweckt. Wenn der Jockel so sehr seine Familie vernachlässigte, warum sollte sie nicht aus dem Hause gehen und Seppels Vorschlag annehmen? Schlecht brauchte sie ja darum immer noch nicht zu werden. In dieser Weise sprach sie sich auch gegen ihren Mann aus, und sie sch.ug einen schnippischen Ton an, der den leichtsinnigen Besen binder wütend machte. „Ja, hast Du denn reine Eyr im Leibe, daß Du zu gupöugu ub unn Teuna ueph