Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Volksblatt Westheiener Zeitung Avlerbecker Zeitung Langschoder Zeitung Belzwicheder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Börde. Erstes und ältestes Cogesorgan des Kreises.— Genorglanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jeitung“ erscheint werktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr. Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck Dortmund 2822 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richter: in Schwerte. Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatdlätter u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung. Unser Blatt u Unterhaltungs= u. Nomanbeilage. n Spiel, Sport und Curnen. m Lebensbild. u. Wissen. u Gartenratschläge. Nr. 294 Freitag, 15. Dezember 1922 55. Jahrgang Zum Brich nicht, mein Herz! Noch sollst du Freude haben; Sie spielen Sieger, ziehen den Rhein entlang; Sie meinen Deutschland zu begraben. Wir haben Kinder noch, wir haben Knaben, Und auch wir selber leben, Gott sei Dank! Storm 1851. Knans Neueste politische Nachrichten Im Reichstage fanden Besprechungen zwischen Abgeordneten und Vertretern der Kommunalverbände über die Notlage der Gemeinden statt. * * Die neuen deutshen Reparationsvorschläge werden im Reichstage nicht vor Weihnachten zur Sprache kommen, wohl aber im Auswärtigen Ausschuß. Abg. Dr. Hertz(Soz.) berichtet über die Ausschußverhandlungen und erklärt sich gegen die Ausschußbeschlüsse. Abg. Dr. Helfferich(Deutschnatl.) verterdigt die Ausschußbeschlüsse und weist die einseitige agitatorische Darstellung des Verichterstatters zurück. Die Linke versüche imner den Eindruck zu erwecken, als ob die handarb#itende Bevölkerung die Eintommenstcuer fast allein aufbringe. Der Eingreifen Amerikas. dem die Trauben zu sauer waren. Bisher war fortsch. 1.1 de KapitalzerDer Reichsverband der deutschen dustrie erklärte durch Dr. Sorge dem Reichskanzler seine Vereitschaft zur positiven Mitarbeiterschaft bei der endgültigen Lösung der Reparationsfrage. * * Die Antwort des englischen Ministerpräsidenten auf den Brief des Reichskanzlers ist in Berlin eingetroffen. * Staatssekretär Bergmann wird heute von London in Berlin zurückerwartet. Auf Sonnabend vormittas sind alle Parteiführer vom s anzler zu einer Besprechung eingeladen worden. * Der neue Ernöhrungsminister Dr. Luther hat in den letzten Tagen nicht nur die Parteinern auh Vertreter der Landwirtschaft und anderer Kreise empfangen und am Dienstag abend Vertreter der Gewerkschaften zu einer Besprechung über den Standpunkt der Gewerkschaften als Verbraucherorganisationen. * In einem dem Reichstage zugegangenen Gesetzentwurf über die Aenderung der Zwangsanleihe wird die allgemeine Freigrenze von 100000 auf 200000 Mark erhöht; ebenso werden die besonderen Freigrenzen für Kapitalvermögen verdoppelt. Vermischte Neuigkeiten. Sudan brach ein Aufstand aus; die Aufständischen wurden zurückgeschlagen. * Japan wurde bei einem Erdbeben eine größere Anzahl Personen getötet. Es herrscht Panik. Die neuen Steuern. Sitzung des Deutschen Reichstages am 14. Dez. Am Regierungstische: Reichsjustizminister Redner bedauert trümmerung. 3: selbständegen Eristenzen werden immer werrer zerressen Den freien Berufen und selbständigen Gewerbetreibenden, sollen Erleihterungen gewährt werden, aber jeder ungerechtfertigten Begünstigung von Schiebern und Wucherern müsse ein Riegel vorgeschoben werden. Es sei ein Skandal, daß es Leute gäbe, die willkürlich die Steuerzahlung hinausschieben, um von dem nationalen Unglück der Geldentwertung profitieren. Abg. Kahmann(Soz.) erklärt, die gesamte Preissteigerung im Lande betrage etwa das 800= fache des Friedenspreises, während die Lohnerhöhungen nur das 300= oder 500fache seien. Abg. Hähner(Z.) gibt zu, daß diejenigen im Vorteil sind, die nicht unter die Lohnsteuer fallen, aber sie haben auch wieder Vorauszahlungen zu leisten. Dazu kommt, daß die Gewerbetreibenden noch die Gewerbesteuer entrichten und die Landwirte die Grundsteuer. Reichsfinanzminister Dr. Hermes stellt als Ziel des Gesetzes die Berücksichtigung der außerordentlichen Geldentwertung dar. Abg. Höllein(Komm), wendet sich in scharfer Weise gegen den Kapitalismus und behauptet, daß die Arbeiter allein alle Steuern bezahlen. Inzwischen ist ein Kompromißantrag Langer (Bayer. Vpt.), Herold(Z.), Dr. Scholz(D. Vpt.) und Dr. Fischer=Köln(Dem.) eingegangen. Danah soll der Tarif von 1922 in der Weise geändert werden, daß für die ersten 400000 cl 10 Proz Steuern erhoben werden sollen, für die weiteren 200000 c 15 Proz. usw. bis zu 60 Proz. Abg. Dr. Fischer=Köln(Dem.) erklärt, die Haltung der demokratischen Partei liege durchaus im Interesse des Volkes. Sie verlange scharse, aber tragbare Steuersätze, aber Zahlung der Steuern nicht von der Substanz, sondern vom Heinze, Reichsfinanzminister Dr. Hermes. Die deutschnationale Interpellation über die Verhältnisse in den Flüchtlingsheimkehrlagern soll später beantwortet werden. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes zur Aenderung des Einkommensteuergesetzes. Durch die Vorlage soll der Tarif der Geldentwertung angepaßt werden. Für das Jahr 1923 ist eine neue Staffel aufgestellt worden. Danach beträgt die Einkommensteuer für die erste 1 Mill. Mark 10 Prozent und steigt bis auf 60 Prozent. Die Ermäßigung für den Steuerpflichtigen und seine Ehefrau beträgtj 2400 Mark, wenn das Einkommen 1 Million Mk. nicht übersteigt. Für jedes minderjährige Kind können 12000 Mark abgezogen werden bei einem Einkommen von nicht mehr als 2 Mill. Mk. Der Steuerabzug für alte und erwerbsunfähige Personen beträgt 20000 Mark bei einem Einkommen von nicht mehr als 600000 Mark. Ertrage. Die Linke treibe nur eine unsagliche Propaganda.(Lärm links.) Abg. Dr. Hertz(Soz.),(mit Unruhe empfangen), stellt fest, daß die Sozialdemokraten bei ihrer Gegnerschaft gegen die Ermäßigung der Steuersätze sich in der Gesellschaft der Reichsregierung, sowie der Vertreter der Länder und aller verantwortlichen Personen befinden, die den Zusammenbruch der Länder und Gemeinden verhindern wollen. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Abg. Dr. Helfferich(D. N.) bittet in persönlicher Bemerkung das Haus um Entschuldigung, daß er durch seine Ausführngen zwei Reden des Abgeordn. Hertz heraufbeschworen habe, durch die dieser bewiesen habe, daß er als Abgeordneter noch agitatorischer sprechen könne, wie als Berichterstatter.(Heiterkeit).Die Sozialdemokraten hätten als Regierungspartei für 40 Prozent Kohlensteuer gestimmt, jetzt, da sie aus der Regierung heraus sind, entwickeln sie einen Rieseneifer für die Herabsetzung dieser selbst bestimmten Steuer.(Hört! hört! und Heiterkeit). Darauf wird die Steuerstaffel des Ausschusses für 1923 gegen die Linke angenommen. Für 1922 wird der Kompromißantrag Lange=Hegerma in angenommen. Angenommen wird eine Entschließung, die die Länder au, rdert, Vorschüsse an die Religionsgesellschaften zu leisten. Der Gesetzentwurf, der das Kapitalfluchtgesetz noch dahin erweitert, daß für die Ausfuhr von Kapital eine behördliche Genehmigung vorgeschrieben wird, wird angenommen. Eilige Haushaltspläne werden erledigt. Darauf vertagt sich das Haus auf Freitag 12 Uhr. Kleine Vorlagen, Haushaltspläne des Finanzministeriums und des Auswärtigen Amtes. — Schluß 7½ Uhr. 70 1 Warren Harding Präsident der Veramgt Stoaten, empfiehlr dem Nongred ene rüllenung der Lornneenagebeschshsen London, 15. Dez. Die„Times“ meldet aus Washington vom 13. Dezember: Das Weiße Haus ließ gestern mitteilen, daß die amerikanische Regierung alles mögliche tue, um eine befriedigende Lösung der Schwierigkeiten in Europa zustandezubringen. Präsident Harding wünsche darauf hinzuweisen, daß seine Regierung sich nicht untätig verhalte. Er habe weiter mitgeteilt, daß er vor dem 2. Januar 1923 die nötigen Schritte getan haben würde, um die englische und die französische, sowie die anderen beteiligten Regierungen über die Haltung Amerikas zu verständigen. Der gezähmte Tig r. Neuyork, 15. Dez. Clemenceau hat sich gestern auf dem Dampfer„Paris" nach Europa eingeschifft. Kurz bevor der Dampfer Neuyork verließ, erfolgte noch ein Telegrammwechsel zwischen Clemenceau und dem früheren Präsidenten Wilson. Clemenceau gab der Hoffnung Ausdruck, daß Frankreich und England sich über eine vernünftige Summe einigen, die Deutschland zahlen könne. Es wäre für Frankreich das Ungünstigste, was es gäbe, noch weiteres deutsches Gebiet zu annektieren und auf diese Weise innerhalb seiner Grenze aufständische Volksteile zu haben. Clemenceau äußerte auch Furcht vor dem Ruhrgebiet und er sei nicht so verrückt, eine Wiederholung der Ereignisse von Elsaß=Lothringen herbeizuführen. Er äußerte wörtlich: Ich bin egen die Besetzung des Ruhrgebietes. Hardings Plan einer Grotzmächtekonferenz. London, 15. Dez.„Daily Mail“ meldet aus Washington, daß Präsident Harding die Absicht habe, eine Konferenz nach dem Muster der Washingtoner Abrüstungskonferenz einzuberufen, die sich mit der Lösung der Reparationsfrage beschäftigen soll Der Präsident wolle ein Konsortium der 6 Großmächte bilden. Keine Ruhrbesetzung? Poincare bei Millerand. Poincare hat dem Präsidenten der Republik über den Verlauf der Londoner Verhandlungen Bericht erstattet. Ueber die Unterhaltung zwischen Millerand und Poincare verlautet, daß die beiden Staatsmänner sich wider Erwarten einigen konnten und den Verzicht auf die Besetzung des Ruhrgebietes beschlossen haben. Wir sind aber fest entschlossen, sagte Polncare, selbst isoliert und selbst wenn vor dem 13. Januar die Reparationskommission sich für ein neues Moratorium für Deutschland aussprechen würde, vorzugehen. Auf alle Fälle können keine Maßnahmen vor dem 15. Januar ergriffen werden. Wenn wir die Debatte auf den 2. Januar verlegt haben, so bedeutet dies keinen Zeitverlust. Diese Erklärung, die allgemeine Verblüffung erregte, erinnert doch etwas zu sehr an die Geschichte von einem gewissen Fuchs, noch von keiner Seite bestritten, worden, daß Frankreich in London die Besetzung des Ruhrgebiets beantragt hatte. Nun soll das alles auf einmal nicht wahr sein. Wirtschaftliche Stabilisierung. In allen Erörterungen über die deutsche Finanzlage steht obenan die Forderung, daß die Reichsmark stabilisiert, das heißt, ihr Wert festgelegt werden müsse, um die großen Schwankungen zu vermeiden, die sich heute im Geldverkehr zeigen. Es wird gesagt, daß eine internationale Anleihe erst dann möglich sei, wenn die Gewißheit für die Stabilisierung vorliege. Jedenfalls sind die beiden Maßnahmen nicht voneinander zu trennen. Die Ancelegenheit leot die Frage nahe, ob die Stabilisierung sich auch nicht in wirtschaftlicher Beziehung äußere und ob es nicht direkt möglich sein werde, im Anschluß an die Stabilisierung der Mark lebenswichtigen Bedarfsgegenständen einen festen Wert zu verleihen. Hat die Mark durch die beabsichtigten Maßnahmen einen höheren Wert erlangt, so ist es eigentlich selbstverständlich, daß ihre Kaufkraft wächst, die damit gekauften Waren also im Preise sinken und billiger werden. Träte diese Folge nicht ein, so hätte die höhere Bewertung der Mark eigentlich keinen Zweck. Wie sehr die Preise sinken werden, läßt sich allerdings nicht voraussagen, denn hierfür spielen Angebot und Nachfrage eine große Rolle. Knappheit der Ware bedeutet Verteuerung, erhebliche Vorräte bringen Verbilligung mit sich. Es wird nun, wie gesagt, die Frage aufgeworfen, ob nicht bestimmte Waren sowie Rohmaterialien ebenso wie die Mark in ihrem Werte festgelegt werden können, um die ungeheuren Preisschwankungen auszuschalten. Diese Schwankungen sind bei den Lebensmitteln sehr beträchtlich, aber immer noch an bestimmte, freilich nicht stets kontroll= lierbare Vorgänge bei der Geschäftsentwicklung gebunden. Weit größer sind die Preisdifferenzen bei den Baumaterialien. Die Unkosten auf dem Baumarkte steigen mit fabelhafter Schnelligkeit, ohne daß ein entsprechender Verbrauch des Materials stattfindet, denn die Bautätigkeit ist im Vergleich mit normalen Verhältnissen ungemein gesunken. Wenn dieser Kostensteigerung ein Riegel vorgeschoben werden könnte, würde der Bau von Wohnhäusern wieder wachsen und die Knappheit der Unterkunftsräume abnehmen. Es ist nur natürlich, daß mit Maßnahmen, die die Baulust heben sollen, auch solche verbunden werden müssen, welche die Rentabilität des Baues gewährleisten. Auf allen Gebieten des Arbeitslebens wird bei der Forderung nach Steigerung der Produktion betont, daß Voraussetzung ein entsprechender Gewinn sei. Besonders nachdrücklich ist dieser Umstand bei der Notwendigkeit der Vermehjrung des Getreidebaues hervorgehoben worden. Brot und Wohnung stehen hinsichtlich des dringenden Bedürfnisses unmittelbar nebeneinander, es wird also kein Unterschied in den Bedingungen für die Beschaffung zu machen sein. Nur ein Unterschied ist hervorzuheben: Bei dem Getreidebau garantiert die gewissenhafte Aussaat noch keine entsprechende Ernte, deren Umfang ist von der Gunst der Witterung abhängig. Beim Bauen garantieren dagegen die vorhandenen Materialien den Neubau, und diese Tatsache würde die Stabilisierung erleichtern, wenn eben für die Baulust der entsprechende Gewinn einzubringen ist. Alle Erschwernisse sollten hier ebenso beseitigt werden wie sie für die Landwirtschaft ausgeschaltet werden. In allen diesen wichtigen Aufgaben stehen sich Theorie und Praxis einander gegenüber. Schon vielerlei ist hei uns seit dem Schlusse des Krieges versucht worden, aber das Ergebnis entsprach nur zum geringen Teil den Erwartungen. Das lag nicht daran, weil nur mit den Verhältnissen der Gegenwart gerechnet wurde, aber der Ausblick auf die Zukunft ur erblieb. Zu allen Zeiten hat aber das Dichterwort gegolten:„Hand wird nur von Hand gewaschen, wenn du nihmen willst, so gib.“ Das macht satt und hil zum Dach über dem Kopf. 1— Aus Stadt und Land. Schweile, 15. Dezember 1922. Erinnerungen. 15. Dez. 1745: Schlacht bei Kesselsdorf. Siea der Preußen über die Sachsen und Oesterreicher. 1922: Alerandre Gustave Eiffel. der Erbauer des nach ihm benannten Eisenturmes in Paris. wird heute 90 Jahre alt. Die neuen Postgebühren. Ab 15. Dezember gelten folgende neuen Postgebühren: Für Postkarlen im Ortsverkehr 5 Mk., im Fernverkehr 15 Mk. Für Briese im Ortsverkehr bis 20 Gr. 10 Mk., bis 100 Gr. 15 Mk., bis 250 Gr. 25 Mk.; im Fernverkehr bis 20 Gr. 25 Mk., bis 100 Gr. 35 Mk., bis 250 Gr. 45 Mk. Für Drucksachen bis 25 Gr. 5 Mk., bis 50 Gr. 10 Mk,, bis 100 Gr 15 Mk., bis 250 Gr. 25 Mk., bis 500 Gr. 35 Mk, bis 1000 Gr. 45 Mk., bis 2000 Gr. 90 Mk. Für Ansichtskarten 5 Mk. Für Geschäftspapiere und Mischsendungen dis 225 Gr 25 Mk, bis 500 Gr. 35 Mk., 1 Ka 45 Mk. Für Warenproben bis 250 Gr. 25 Mk., 500 Gr. 35 Mk. Für Päckchen 50 Mk. Für Pakele in der Nahzone nieorigste Stuse bis 5 Kg. 125 Mk, höchsle Stufe 19—20 Kg., 850 Mk, Fernzone 250 bezw. 1700 Mlb... G„ Für Zeilungspakete bis 5 ng. Nayzone 60 Mk, Feinzone 125 Mk Für Versicherungsgebühr für Wertsendungen für je 3000 Mk. 20 Mk. Für Postanweisungen bis 100 Mk. 12 Mk, bis 200 Gr 20 Mk., bis 500 Mk. 30 Mk., bis 1000 Mk. 40 Mk, bis 2000 Mk. 50 Mk, bis 5000 Mk. 60 Mk., bis 20000 Mk. 80 Mk. Für Zahlkarlen bis 100 Mk. einschließlich 6 Dk, bis 200 Mk. 10 Mk, bis 500 Mk. 15 Mk., bis 1000 Mk 20 Mk., bis 2000 Mk. 25 Mk., bis 5000 Mk 30 Mk., bis 20 000 Mk 40 Mk., für jede weitere 10000 Mk. 20 Mk. mehr, Für bargeldlos beglichene Schecks selben Gebühren, höchstens jedoch 100 Ad. für eine Zahlkarte. Für Kassenschecks, die bargeldlos beglichen werden, eins v Tausend des Scheckbelrages, für Barzahlungen bei Postschecks 5 vom Tausend des Scheckbetrages. Für Einschreibegebühr 20 Mk Vorzeigegebühr für Nachnahmen und Postaufträge 12 Mk. Gebühren für Eilbestellungen: Briessendungen nach dem Ortsbestellbezirk 30 Mk., Landbestellbezirk 90 Mk., für ein Pakei Ortsbestellbezirk 60 bezw. Landbestellbezirk Telegrammverkehr: Fernverkehr: Grundgebühr 40 Mk., jedes Wort 20 Mk., Ortsverkehr: Grundgebühr 20 Mk., jedes Wort Auslandsverkehr: Postkarlen 50 Mk., nach Ungarn und Tschecho=Slowakei 40 Mk; Briese bis 20 Gr. 80 Mk, nach Ungarn und Tschechei 60 bezw 40 Mk.. Drucksachen je 50 Gr. 15 Mk., Geschäftspapiere je 50 Gr. 15 Mk, mindestens 80 Mk. ** Ersatz für Weihnachtsbäume. In manchen Gärten gibt es in immergrünen Sträuchern, die 2doch wenigstens jetzt noch ihr grünes Gewand behalten haben, einen Ersatz für den Weihnachtsbaum Man braucht sie nur aus der Erde heben und in einen Topf zu setzen, mit Gold- und Silbersäden zu überstreuen, und der freudig beglüßte Gast aus dem Weihnachtsland ist fertig. Ein gar zu kleiner Weihnachtsbaum wird in selnem Eindruck gehoben, wenn man ihn auf eine mit Serviette oder Tischtuch überdeckte Kiste stellt. Mit etwas Illusion kann man sich auch jetzt die teuren großen Weihnachtsbäume druch Ersatz verbillige ** An Stelle der Weihnachtsstollen, Butterund Napftuchen, deren Produktionskosten zu diesen Feiertagen einen märchenhaften Wert darstellen, wenn sie mit den üblichen Zutaten von Rosinen, Mandeln usw. ausgestattet sind, wendet sich die Hausfrau jetzt der Herstellung der kleinen Honig-, Leb= oder Pfefferkuchen zu, die zwar auch ihre komplizierten Rezepte voraussetzen, aber doch auch in einfacherer Weise hergestellt werden können und bei denen vor allen Dingen nicht so große Mengen„Rohmaterialien“ ins Gewicht fallen. Im Mittelalter war die Freie Reichsstadt Nürnberg in deren großen Waldungen es viele Vienenvölker gab, durch ihren Honigkuchen ebenso bekannt wie durch ihr Spielzeug(Nürnberger Tand). Nachher sind noch eine ganze Reihe anderer Städte als Produktionsorte von Lebkuchen hinzugekommen. Braunschweig stand in einer Reihe mit Nürnberg. Durch sein Marzipan ist Lübeck sehr belannt. Aber die Kinder hängen nun einmal an den braunen und weißen Honigluchen. In der Form und Art der Herstellung hat jeder deutsche Bezirk seine eigene Spezialität, und die Frauen, die deren Kenntnis durch Großmütter und Mütter überliesert erhalten haben, lassen es sich daher auch nicht nehmen, sie den ihrigen auf den Tisch zu legen, wenn es irgend angeht. Die Brotverteuerung ist schon da; ganz plötzlich kommt sie und ist im Anzeigenteil zu lesen. So geht die Schraube immer höher und höher— bis sie bricht. Ein unterjochtes Volk wird am Brote gestraft. Aber der Hunger ist eine surchtbare Geißel. Und der hungernde Leu das gefährlichste Tier. ** Die neuen Postgebühren treten heute in Kraft. Wer Strafporto vermeiden will, möge dies beachten. Sonderabzüge des neuen Tarifs sind zu 10 4 in der Buchhandlung Braus zu haben. ** Das neue Einwohnerbuch 1922/23 der Stadt Schwerte und des Amtes Westhofen, sowie der Gemeinden Ergste und Hennen, mit dem Verzeichnis der Fernsprechteilnehmer und mit dem IndustrieAdreßbuch ist soeben erschienen. Die endgültige Fertigstellung hat sich leider verzögert, weil wir das nejueste amtliche Mat'erial noch auf nehmen wollten. ** Lic. Mumm wurde zum Pfarrer von Hohensyburg bestimmt und predigt am Sonntag um 10 Uhr dort zum ersten Male. ** Wie verwendet man benutzte Briefumschläge wieder? Einc zweckmässige Wiederverwendung benutzter Briefumschläge lehrt das Reichsarbeitsministerium in einer Verfügung an die Versorgungsbehörden. Die eingehenden Briefe werden an der rechten Seite des Umschlags geöffnet. Von der Rückseite des Umschlages wird gleichslaufend mit dem Oöffnungsschnitt ein etwa 2 Zentimeter breites Stück abgeschnitten. Der überragende Teil der Vorderseite wird zugeschlagen und als Verschlußkappe verwendet. Die erste Ausschrift muß durch Durchstreichen unleserlich gemacht und die zweite deutlich und so eingerichtet werden, daß die Stempelabbrücke und die postdienstlichen Vermerke sowie das Aufkleben der Freimarken nicht beeinträchtigt werden. Die vorhandenen Stempelabdrücke und alten Marken sind mit Tinte zu idurchstreichen. Die neuen Marken sollen neben den alten angebracht werden. Dagegen hat die Benutzung der Rückseite von Briefuntschlägen zu einer neuen Briesaufschrift im Dienstbetrieb der Post zu erheblichen Anständen geführt. Sie ist deshalb ** Die Metall=Diebstähle nehmen in erschrekkender Weise zu und zwar scheinen die Diebe es setzt hauptsächlich auf hochwertige Drähte abgesehen zu haben So wurden in der vorletzten Nacht aus einer unterirdischen Leitung im„Grüntal“ etwa 700 Meter Kupferdraht herausgeschnitten und gestohlen. Von den Spitzbuben fehlt noch jede Spur. ** Folgenschweker Sturz. Gestern morgen kam die Beckestraße wohnende Ww. Reuter, eine alte von etwa 70 Jahren, auf der Kellertrepppe in ihrer Wohnung so unglücklich zu Fall, daß sie an ßer leichteren Verletzungen am Kopfe einen Bruch des linken Unterschenkels erlitt. ** Die Conditorei=Cafés in Schwerte haben in ihrer letzten Sitzung beschlossen, von jetzt ab im Interesse des Publikums einen guten Mischkaffec zum Preise von 50 A pro Tasse zu verabreichen.— Echter Bohnenkaffee wird nur auf besonderes Verlangen abgegeben ** Der Theaterverband Schwerte veranstaltet am kommenden Sonntag, 17. Dez., nachm. 4 Uhr einen bunten Abend im Theatersaal Milberg, Bahnhofstraße. Insonderheit zeigt das Programm: heitere Couplets und Duette in großer Fülle, dann aber auch die Possen:„Die Perlen der Wach= und Schließgesellschaft" und:„Der verliebte Hausknecht", im ganzen sechzehn Nummern des Humors. Somit finden die Freunde komischer Szenen stundenlangen Genuß, an den sich noch ein Ball anschließen soll Näheres besagt die Anzeige in der morgenden Nummer der„Schwerter Zeitung“ ** Hoteldiebstahl in Schwerte. Der Kunstmaler Paul Groß aus Dortmund und der Schlosser Willy Iske aus Witten nahmen gestern nachmittag in einem hiesigen Hotel ein Zimmer, daß sie nach kurzer Zeit wieder verließen. Während ihrer Anwesenheit hatten sie beide vollständige Betten, die Bettwäsche und Handtücher in 2 mitgebrachten großen Kossern verpackt, die sie im Hausflur bereitstellten. Nach Abgabe des Schlüssels, mit dem Vorgeben nach der Stadt zu gehen, verschwanden sie aus Schwerte. Der Diebstahl wurde bald darauf bemerkt und ein Oberlandjäger benutzte schnell die Straßenbahn nach Hörde. Die beiden Diebe stiegen unterm Stadtwald in diese Straßenbahn, wobei sie festgenommen wurden. Ein gleicher Diebstahl wird den Beiden, die die falschen Namen Brand und Haußmann ins Fremdenbuch hier eingetragen hatten, in Aplerbeck zur Last gelegt. ** Die Erhaltung und Vermehrung unserer einheimischen Vogelwelt ist für das Gedeihen unserer Forst= und Gartenkulturen von besonderer Bedeutung. Infolge des niedrigen Valutastandes ist unser Land mehr noch als in früheren Zeiten auf äußerste Steigerung der eigenen Erzeugung angewiesen. Zur Erreichung dieses Zieles ist eine Belämpfung der Pflanzenschädlinge aller Art dringendes Erfordernis und neben den Abwehrmaßnahmen durch Menschenhand leistet die einheimische Vogelwelt hierbei unschätzbare Dienste, deren Bedeutung infolge der Unmöglichkeit einer zahlenmäßigen Feststellung ihres Umfanges nicht immer genügend gewürdigt wird. ** Kartoffeln und Kaffee bilden heute Tag für Tag den Speisezettel für viele bedrängte milien, bei dem nicht selten aber vom Kaffee alles fehlt außer dem Namen. Es ist merkwürdig, wie schwer es den Deutschen geworden ist, die Kartoffeln als Nahrungsmittel bei sich aufzunehmen, während sie sich an den Genuß von Kaffee verhältnismäßig schnell gewöhnt haben. 150 Jahre, nachdem die Kartoffeln in England eingeführt waren, mußte noch bei Strafe der Kartoffelbau in Deutschland geboten weredn, während es nur 60 Jahre dauerte, bis es deutsche Kaffeehäuser gab, nachdem der Kaffee in den europäischen Küstenländern eingeführt worden war. Allerdings vergingen noch lange Jahre, bis in den Familien die morgendliche Mehlsuppe durch Kaffee oder Surrogate ersetzt worden war. Durch den Weltkrieg der Genuß von echtem Kaffee dann wieder start den Hintergrund gedrängt worden, und es auch so. Syburg. Neuer Pfarrer. Die hiesige v### tante Pfarrstelle wird in Kürze wieder besetzt wer den. Zum Nachfolger des vor einem Viertelial# verstorbenen Pfarrers Beucker ist vom Evang. Kon sistorium in Münster Pastor Lic. D. Mummn### Berlin bestimmt. Derselbe wird am kommendet Sonntag um 10 Uhr in der Kirche zu Syburg eine Gastpredigt halten und anschließend eine Natech sation mit den Konfirmanden. Aus den Dortmund. Beschlagnahmtes Pferd fleisch. In den Morgenstunden wurde e Fleischergeselle auf der Mallinckrodtstraße m einem Fuhrwerk betroffen, auf wel hem er ein al geschlachtetes Pferd transportierte. Da de Fleisch noch nicht tierärztlich untersucht war, wur de es vorläufig beschlagnahmt. Bönen. In kochendem Wasser ve brüht. Während die Frau eines Bergin hierselbst für kurze Zeit das Wohnzimmer ver kletterte ihr dreijähriges Kind auf einen Stuhl, u durch das Fenster nach der Mutter zu sehen. D bei fiel es in das kochende Wasser eines groß Herdfessels und wurde vollständig verbrüht. D Tod trat bald darauf ein. Brügge. Den Bock zum Gärtner gemahatte die Eisenbahn, als sie den Oberschaffner## von hier mit der Aussicht im Packwagen betraut B. entwendete während, der Fahrt Anzugstoffen Gardinenstoffe. Als man ihn des Diebstahls übführte, gestand er seine Verfehlungen reumüt ein, später versuchte er sein Geständnis zu wide rufen. Die Hagener Strafkammer verurteilte# ungetreuen Beamten zu 1 Jahr 6 Monaten# fängnis. Lüdenscheid. Ein Bürokratenstückche macht die Runde durch die Presse. Der eines größeren Gartens in der Nachbargemein erhielt von der in Frage kommenden Behörded brieflichen Bescheid, an Jagdpachtzins den Veir von 20 Pfg. erheben zu wollen. Der Bricfw mit 12 Mark Porto versehen, außerdem hatted Zustellungsformular einen derzeitigen Wert v etwa 12 Mark. In Anbetracht dieser Leistu hielt es der Gartenbesitzer für tunlichst, sost seine 20 Pfennig an Guthaben zu erheben; öffnete sich ihm doch die Aussicht, bei Nichterhebu von dieser ordnungsliebenden Behörde mit ein mit Mahngebühren belasteten Erinnerungsschr ben, das sicher das Hundertfache seines Gut bens bei der Jagdamiskasse kosten würde, v##zu werden Essen. Riesendiebstahl im Kau haus Althoff. Von einem Riesendiebsta, Warenhaus Althoff hat die große Oeffentlicht durch die Bekanntgabe einer hohen Belohm etwas erfahren. Nach den bisherigen Feststell gen wurden Waren im Werte von rund Millionen Mark gestohlen. Die Verk räume liegen etagenweise übereinander und#### nach den Aufgängen zu stark verschlossen; Dieben ist es trotzdem gelungen, in alle Rärhe hineinzukommen, wahrscheinlich durch den stuhlschacht. Olpe. Die industriellen Werke unrer Stadt haben der Stadtverwaltung 500000fl für die Kinderspeisung und 700 000 A zur fschaffung von Winterbedarf für Notleiden#### Verfügung gestellt. Die Arbeiterschaft hat sich reit erklärt, eine Ueberschicht für den glei Zweck zu leisten. Wattenscheid. Räuber verhaftet. ist dem Kriminalkommissar Bleker von der E 4#ch tahl Art laßt nicht von Art. Roman von H. Hill. 105 (Nachdruck verboten.) Und obwohl sie fest daran glaubte, das Opfer einer Sinnestäuschung zu sein, hätte sie sich doch jetzt durch den Augenschein überzeugen müssen, selbst wenn es nur um den Preis der höchsten Lebensgefahr hätte geschehen können. Sie glitt auch noch die letzten Treppenstufen hinab und kniete neben dem hingestreckten Körper auf den feuchten Boden. Mit beiden Händen hob sie den Kopf des Toten oder Bewußtlosen empor, von dessen Schläfe sich ein schmaler, dunkler Blutstreifen über die Wange herabzog, und mit gellendem Aufschrei warf sie sich in der nächsten Sekunde über ihn hin. Sie hatte in dem marmorblassen Antlitz die geliebten Züge des Mannes erkannt, für dessen Rettung sie sich hatte zum Opfer bringen wollen. Und ihre gemarterten Nerven hatten nicht mehr Widerstandskraft genug, die Furchtbarkeit dieser Entdeckung zu ertragen. Der Wille zum Leben, der sie so lange wie durch ein Wunder aufrecht erhalten, brach zusammen, und wieder verließen sie die Sinne. Als sie erwachte, fiel ihr erster Blick auf das silberweiße Haupt ihres über sie herabgeneigten Großvaters, der sie mit banger Sorge und inniger Zärtlichkeit betrachtete. „Wo bin ich?“ fragte sie mit schwacher Stimme.„War das alles denn nur ein Traum?“ „Du magst es in Gottes Namen dafür ansehen, mein geliebtes Kind," lautete die Antwort.„Dem Himmel sei Dank, daß du endlich aus ihm erwacht bist.“ Edith versuchte sich aufzurichten, und als es ihr nach einiger Anstrengung gelungen war, überzeugte sie sich, daß sie sich an einem ihr völlig fremden Orte befand, und daß sie — mit Ausnahme ihres Großvaters und ihres Vetters von Reckenburg— von völlig fremden Menschen umgeben war. Sie sah neben ihrem Lager einen freundlich blickenden, älteren Mann in weißem Kittel, wie ihn die Aerzte der Krankenhäuser und der Sanitätswachen bei Ausübung ihres Berufes zu tragen pflegen, und sie sah auch zwei weibliche Gestalten in der Kleidung von Krankenschwestern. Da wurde es ihr mit einem Male klar, daß alle die grauenhaften Dinge, deren Bilder sich in ihrem schmerzenden Kopfe jagten, nicht bloß ein beklemmender Traum, sondern schreckliche Wirklichkeit gewesen waren. Aber nur ein einziges dieser Bilder war es, das ihre ganze Seele erfüllte und ihr Herz in einem Gefühl unsäglicher Angst erzittern ließ. „Rudolf— Doktor Odemar——.“ stammelte sie,„wo ist er? Ist er tot?“ „Nein— Gott sei Dank, er lebt, und der Arzt ist überzeugt, daß er sich sehr bald erholt haben wird.“ „Großvater— ist das— ist das wirklich wahr?“ „Ich gebe dir mein Wort darauf, Kind," erwiderte der alte Mann, seine Rührung tapfer niederzwingend, und mit einem Versuch zu scherzen, fügte er hinzu:1 „Du wirst doch hoffentlich wissen, was es bebeulel, wenn ein amerikanischer Senator etwas mit seinem Wort bekräftigt.“ „Aber wie— wie kam er in jenes schreckliche Haus? Und was ist ihm dort geschehen?“ „Das alles wirst du morgen erfahren, wenn du dich hinlänglich erholt hast, und wenn wir selber genauer darüber unterrichtet sein werden als in diesem Augenblick. Das eine nur kann ich dir sagen, daß ihr eure Rettung wohl einzig dem Aufschrei zu/danken habt, den die Feuerwehrleute vernahmen, als sie die Tür des brennenden Hauses einschlugen. Wer weiß, ob sie sonst auf den Gedanken gekommen wären, im Keller nach gefährdeten Menschen zu suchen. Ein Lächeln des Glückes huschte über Ediths bleiches Gesicht. Dann aber schien sich eine um so dunklere Wolke über ihre Züge zu breiten. „Und der— der andere,“ fragte sie leise,„hat man auch ihn gesunden?" Der Senator nickte mit tiefernster Miene. „Ja.— Und ich glaube, er hat seine Schuld bezahlt. Doch nun darfst du nichts weiter fragen, mein Liebling!— Morgen, wenn du wieder bei Kräften sein wirst, werden wir über alle diese Dinge sprechen.“ Und Edith schien in der Tat zu müde, um noch weitere Fragen zu stellen. Sie drehte das Köpfchen zur Seite, und schon eine Minute später hatte ihr ein sanfter, fester Schlummer die Augen geschlossen. 35. Kapitel. Es war vierzehn Tage später, als die Komtesse Edith Donnersberg auf einer Bank im Rosengarten des Schloßparks saß, um einen heißersehnten Besucher zu erwarten. Jetzt wußte sie alles; denn die Tätigkeit der Behörden und die Geständnisse der Mitschuldigen hatten auch die letzten Schleier gelüftet, die die Vorgänge auf Schloß Donnersberg so lange zu einem scheinbar undurchdringlichen Geheimnis gemacht hatten. Und es gab keine Geheimnisse mehr, über deren Lösung sich der Freiherr von Reckenburg, der jetzige Majoratsherr auf Schloß Donnersberg, hätte den Kopf zerbrechen müssen. Weigelt und die Johannsen waren in demselben Augenblick verhaftet worden, als sie sich auf einem nach Australien bestimmten Dampfer hatten einschiffen wollen, und der PseudoKammerdiener hatte nicht gezögert, die ganze Wahrheit zu offenbaren, sobald er eingesehen hatte, daß es für ihn nur noch eine einzige Hoffnung gab, die Hoffnung nämlich, sich durch ein reumütiges und rückhaltloses Bekenntnis der Milde seiner Richter zu empfehlen. Seine Aussagen lieferten den Beweis, daß sich der Graf von Anfang an mit der Absicht getragen hatte, seinen Vater zu ermorden, weil er nicht an diese Vaterschaft glaubte, und weil er fürchtete, daß der vermeintliche Betrug eines Tages aufgedeckt werden würde. Er hatte seinen schrecklichen Plan von langer Hand vorbereitet und hatte ursprünglich beabsichtigt, sofort die Flucht zu ergreifen, nachdem es ihm gelungen sein würde, sich in den Besitz einer großen Barsumme aus der ihm zugefallenen Erbschaft zu bringen. Erst die wachsende Leidenschaft für die Komtesse hatte ihn bestimmt, seine Dispositionen zu ändern. Vielleicht war er wirklich tollkühn und verblendet genug gewesen, auf das unermeßliche Vermögen des Senators zu spekulieren, das ihm, wie er hoffte, als dem Gatten seiner Enkelin zufallen würde. Und er hatte sich eingeredet, daß die Familie auch nach der Entdeckung der verübten Verbrechen alles aufbieten werde, um zur Verhütung eines öffentlichen Skandals die Sache niederWceses. Werüichumne elet? den Weltkrieg n wieder start i# en, und es Die hiesige v# vieder besetzt wer inem Vierteljal vom Evang. Ko# ic. D. Mumn d am kommende se zu Syburg ein zend eine Natecht inzen. mtes Pferd4 nden wurde## nerodtstraße ud wel hem er ein an rtierte. Da### itersucht war, wut Wasser ver eines Berging ohnzimmer verliauf einen Stuhl, u itter zu sehen. 5 hasser eines gros idig verbrüht. Gärtner geman Oberschaffner Packwagen betiaut ihrt Anzugstoffen des Diebstahls üb fehlungen reumit beständnis zu widc nmer verurteilte# ihr 6 Monaten## kratenstückte sresse. Der der Nachbargemeind menden Behörde## pachtzins den Ber#h en. Der Bricfm außerdem hatteh serzeitigen Wert### racht dieser Leisu für tunlichst, soc ben zu erheben; cht, bei Nichterhebu# n Behörde mit ein n Erinnerungsscr etfache seines Gu## kosten würde, beia fahl im Kal em Riesendiebstahl große Oeffentlichtt r hohen Belohm## bisherigen Feststell rte von rund ihlen. Die Verkau bereinander und#### irk verschlossen;## ingen, in alle Rän lich durch den Fe illen Werke uverwaltung 500.000f d 700 000 M zur für Notleiden#### heiterschaft hat sich cht für den glei r verhaftet. Bleker von der Esse fester Schlumtesse Edith Schloßparks Jetzt wußte ie Geständer gelüftet, lange zu acht hatten. en Lösung ajoratsherr sen müssen. den AugenAustralien der Pseudozahrheit zu ür ihn nur jämlich, sich der Milde ten den BeAbsicht gecht an diese vermeintEr hatte bereitet und u ergreifen, Besitz einer aft zu brinmtesse hatte jelleicht war sen, auf das n, das ihm, allen würde. sch nach der n werde, um Kriminalpolizei gelungen, den Täter, der an dem Ueberfall auf den Fabrikanten Arnold von Vochum am Sonntag im Zuge bei Wattenscheid beteiligt war, festzunehmen. Der Verhaftete ist der 23jährige Maurer Fritz Kemsies. Bei seiner Vernehmung gab er an, daß er mit Nagel, dem zweiten Räuber, nach Ostpreußen in die Heimat hätten fahren wollen. Um sich das Geld für die Fahrt zu verschaffen, haben die beiden den Ueberfall verübt. Sein Helfershelfer war gleichfalls erst 23 Jahre alt und von Beruf Maurer. Er wurde bekanntlich vom Zuge zermalmt. Münster. Zum Tode verurteilt wurde vom hiesigen Schwurgericht die Ehefrau Maria Schaepmann geb. Wersel. Die Angeklagte hat in: Juli d. J. ihren Schwiegervater, den in Münster und im Münsterlande bekannten Pferdehändler Schaepmann mit Arsenik, das sie sich von einem befreundeten Pferdehändler unter falschen Erklärungen verschafft hatte, vergiftet. Münster. Auf der Kreuzschanze hat sich ein junger kaufmännischer Angestellter durch einen Stich ins Herz selbst getötet. Er stammt aus litz. Da der erste Stich wahrscheinlich nicht sofort Mainz. Ein fauherer Stadtverord neter. Ein vertommener Mensch ist der neugewählte Stadtverordnete Karl Stichelberger der hiesigen kommunistischen Partei, der nach Unterschlagung von 200000 M flüchtig geworden ist. Stichelberger hat auch die Frau eines Genossen mit sich genommen, der vor Jahresfrist gleichzeitig mit ihm wegen eines gemeinschaftlich verübten EinDruchsdiebstahls verurteilt worden war und nach seiner Rückkehr aus dem Gesängnis Butzbach jetzt seine beiden kleinen Kinder ohne die Mutter vorfand. Ssssunes Stadttheater Dortmund. Sonntag, 17. Dez. 11 1½ Uhr. Das neugierige Sternlein.— 7 bis 9½ Uhr. Preise 1. Hänsel und Gretel. Hierauf: Die Puppenfec. Hardenprozeß. Berlin, 15. Dez. Der Wahrspruch der litz. Da der erste Stich wahrscheinlich nicht soft.:, Geschworenen für beide Angeklagle lautete tötlich wirkte, hatte er sich noch fünf leichte Stiche 1 auf Beihilfe zur Körperverletzung. Dem Anin die Herzgezend beigebratht. geklagten Weichardt wurden mildernde UmBekanntmachung. stände zugebilligt, dem Angeklagten Grenz dagegen nicht. Der Staatsanwalt beantragte darauf für Weichardt 2 Jahre 11 Monate Gefängnis und für Grenz 4 Jahre 1! Monate Gefängnis. Amerikanische Weihnachtsspende für Deutschland. TU. München, 15. Dez Der Inhaber der Firma Vorgfeldt u. Co. in New=Vork, Konsul Semler, hat, wie die„Münchener Neuesten Nachrichten“ melden, 70 Millionen Mark für Bedürftige aller Stände in Deutschland gestiftet. Eröffnung der Voruutersuchung gegen Ehrhardt. TUI. Leipzig, 15. Dez. Wie gedrahtet wird, ist die Voruntersuchung gegen den Korvettenkapitän a. D. Ehrhardt wegen Mittäterschaft beim KapuPutsca heute eröffnet worden. Untersuchungsrichter ist Reichsgerichtsrat Dr. Metz. Die Verteidigung hat Rechtsanwalt Dr. Lütgebrünne aus tingen übernommen. Ein verhindertes Konzert. Til. München, 15. Dez. Henry Marteau wollte am Mittwoch in München einen Violinabend geben. Vorsorglich hatte die Kongertagentur durck eine Pressenotiz betannt gemacht, daß Mar vayerischer Staatsangehöriger wäre. Gleicht wurde das Auftreten des berühmten Geigers Nachfolgers Joachims an seinem Berliner Leht verhindert. Vor Beginn des Konzerts trat Besucher auf das Podium und erklärte, Marz sei französischer Offizier gewesen und zu Ben des Weltfrieges im Verdacht gewesen, stanzöst Spion zu sein. Etwa drei Fünftel des Publit nahmen entsprechende Stellung, sodaß der zertgeber auf sein Auftreten verzichtete. In Charlottenburg hat die Polizei in der A in den Bahnhöfen Charlottenburg und Zool scher Garten mehrere hundert Verhaftungen Personen vorgenommen, die unlautere Nach schäfte berreiben. In der Hardenbergstraße### ein lediglich von Ansländern besuchtes Nacht ausgehoben, in dem die Hälfte der Anweset in völlig nacktem Zustande war und in der Tanzvorführungen Selt zu wucherischen Pre feilgeboten wurde. Jollarkurs am 14.12.=7665,009 Höchstpreise für Brot und Mehl Auf Grund des§ 35 Abs. a des Gesetzes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide aus der Ernte 1922 vom 4 Juli 1922(R G Bl S. 537) und der Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten zu Arnsberg vom 13 Dezember 1922 1 15 Nr 420 wird unter Aufhebung der Anordnung des Kreisausschusses des La# dkreises Hörde vom 30. November 1922 betreffend Höchstpreise für Brot und Mehl folgendes angeordnet: Die Höchstpreise betragen für: a) Graubrot: mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pfd 440,— M mit einem Verkaufsgewicht von 3 Pid 221,—„ im Anschnitt für 500 Gramm(1 Pfd.) 76,—„ im Anschnitt für 250 Gramm(½/8 Psd.) 38,—„ b) Kasselerbrot oder Stuten: mit einem Verkaufsgewicht von 6 P d. 444,— M mit einem Verkaufsgewicht von 3 Pfd. 223,—„ im Anschnitt für 500 Gramm(1 Pid.) 76,—„ im Anschnitt für 50 Gramm(½8 Pid.) 38,—„ c) Schwarzbrot: mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pfd. 417,— M mit einem Verkaussgewicht von 3 Pfd 209,—„ im Anschuitt für 500 Gramm(1 Pfd.) 76,—„ im Anschnitt für 50 Gramm(½ Pfd.) 38,—„ d) Weizenmehl: für 500 Gramm(1 Pfund) 95,— M 1I. Vorstehende Preise sind Höchstpreise im Sinne des Gesetzes über Höchstpreise. Diese Höchstpreise treten mit dem 16. Dezember 1922 in Kraft. Hörde, den 14. Dezember 1922. 5607 Der Kreisausschuß des Landkreises Hösde. Die rückständigen Steuern, Gebühren und Abgaben für das 3. Vieleljahr des Sieuerjahres 1922 sind bis zum 18 ds. Mis. entrichten. Vom 19. ds. Mis. ab werden die Rückstände zwangsweise beigetrieben und sind von diesem Tage ab die Mahngebühren bezw. Beitreibungskosten fällig. Eine Mahnug durch Mahnzettel erfolgt nicht mehr. Es wird empfohlen, bei der Einzahlung das diesseilige Postscheckkonto Nr. 15379 Dortmund und das Scheckkonto Nr. 9 der Sparkasse zu Schwerte, sowie das Konto beim Barmer=Bank=Verein Schwerte zu benuten. Westhofen, den 12. Dez. 1922. 5789 Die Vollstrechungsbehörde: Weistenhöfer, Amtsrenlmeister. Witte=Vereinigung Dienstag, den 19. Dezember 1922: * Jr almg an der Protest=Versammlung Temslltznir der Westfälischen Wirte im Ufa=Palast in Dortmund. Abfahrt 759 vormittags ab Bahnhof schwerte. Rege Beteiligung erwartet. 5785 Der Vorstand. Re e e erche a5 belile 5 500, Mt. möderne Muster, preiswert Io mitbacken 120,=„ — Redonkuchenteich machen usw. 500,„ Rodonkuchen oder Fermen mitbucken 120,-„ Stutenteich machen usw. 120,=„ Stuien mitbaken, as, 660. Spekulatiusteig machen usw. 1 P/d. 290,-„ Spekulatius 1 Platie mitbacken 120,—„ N.B. Diese Preise sind das 400 fache der Friedenspreise Kohlen sind bekanntlich um das 2000 fache gestiegen. Freie Bäcker-Innung der Stadt Schwerte und des Amtes Westhofen. VAEZS der Ciadr Schwrise und des Fernsprechverzeichnis, Gewerbeverzeig und Industrie=Röreßbuch# und Indasirie=Korepouch ist soeben erschienen. Preis 1500 Der Verlag Carl Bral S Wirklich vorteilhafte Angebote in Semsptoli, Vietern und Fllzagen. Trotz der täglich steigenden Rohstoffprci#e und Arbei slöhne mache ich heuts außerordentlich hillige Ankebore Schlüpfern, Ulstern und Anzügen. 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Heute nutzt man ihre Klugheit, Arbeitskraft und Ausdauer im Handel und Wandel aus. In zahllosen industriellen und technischen Betrieben ist der Elefant ein zuverlässiger, tüchtiger Mitarbeiter, der gewissenhaft und fleißig sein Brot verdient, sich aber nicht überanstrengen läßt. Verlangt man von ihm täglich mehr als acht Stunden Arbeit, so streikt er. Er schläft acht Stunden, begnügt sich aber auch allenfalls mit 5—6 Stunden. Seine freie Zeit benutzt er zu Ausflügen in die Wälder, von denen er morgens von selbst zur Arbeit zurückkehrt. Hauptsächlich wird der Elefant zum Tragen von Hölzern benutzt. In Indien, wo die Ausfuhr von Teakholzstämmen eine so große Rolle spielt, sind die Elesanten fast unentbehrlich. Mit Hilfe des Rüssels und der Stoßzähne tragen sie die viele Zentner schweren Stämme an den Fluß, von wo aus sie weiter an den Hafenplatz geflößt werden. Sind die Hölzer besonders schwer, so nimmt man zwei Elefanten, die jeder mit dem Rüssel an einem Ende den Holzblock anfassen und ihn davontragen. Zum Schleppen der schweren Lasten bedient man sich gewöhnlich der stärleren männlichen Tiere, während die weiblichen Elefanten meistens zum Ziehen oder zum Rollen von eisernen Röhren beuntzt werden. Ein männlicher Elefant im besten Alter heei ungefähr 500 Kilo und zieht oder schiebt einen Gegenstand von 3000 Kilo. Erst im Alter von 25 Jahren wird ein Elefant arbeitstüchtig. Mit 40 Jahren steht er in seiner vollen Kraft, die dann langsam, bis zum 80. bis 100. abnimmt. Es gibt Dampssägereien in Rangun, die über 1°0 Arbeitselefanten beschäftigen. Bei Anlagen von Eisenbahnen, Wasserleitungen und Straßen spielt der Elesant gleichfalls eine wichtige Rolle als Last= und Transporttier. Ueber die Fortschritte der Insektentötung wird berichtet: Der Fortschritt der Orangenbaumindustrie in Kalifornien ist nur dadurch ermöglicht worden, daß man aus Australien einen natürlichen Feind der weißen Schildlaus einführte, denn dieses Insekt zerstörte schnell die Limonen= und Orangengärten, und die Bevölkerung von Kalisonien spart jetzt jährlich viele Millionen. Die Wechselwirtschaft von Mais mit Weizen und anderen Feldfrüchten schützt die Maisernte vor den Angriffen einer Raupe, so daß in der Hauptmaisgegend, im Mississippital, jährlich vielleicht 400000000 Goldmark gespart werden. Die Farmer von Texas sparen viele Miltionen, seit sie auf den Rüsselkäfer auspasse. 5 nur dadurch wächst die Kultur der Baumwollenstande stenig. Gestern und Heute. Merkwürdige alte Zeitmesser. Einige der ältesten und primitivsten Einrichtungen für die Zeitmessung haben sich merkwürdigerweise noch bis in unsere Zeit erhalten. In vie: Kirchen, Mönchs= und Nonnenklöstern werden noch heut. die abgeteilten Lichter“ gebraucht, um die Dauer der Gebele zu messen; ebenso verwenden noch viele Köche und Köchinnen des 20. Jahrhunderts Sanduhren zum Eierkochen. Von allen Erfindungen zur Zeitbestimmung ist wohl die Sonnenuhr die älteste. Sie war schon den Bewohnern Babylons bekannt. Alte Sanduhren, von denen einige aus dem frühen Mittelalter stammen, sind von dem SmithsonianInstitut in Washington gesammelt worden; bei einer Prüfung dieser Sandgläser haben die Gelehrten des Instituts gesunden, daß sie sehr ungenau sind, da einige eine Differenz bis zu sieben oder acht Minuten in der Stunde aufwiesen. Das läßt sich nur so erklären, daß sie nach einer Kerze geregelt wurden, da Uhren noch nicht erfunden waren, und man keinen besseren Maßstab hatte. Da nun aber Kerzen anfangs langHumor. Ach so!„Hulda besitzt eine außerordentlich reiche, blühende Phantasie!“ „Wirklich? Das ist mir eigentlich nie eingefallen!“ „Doch, sie bildet sich nämlich tatsächlich ein, sie sei hübsch.“ S samer brennen als später, ist dieser Mangel an Zweckmäßigkeit) erklärlich. Kerzen dieser Art wurden durch einen Schirm von Horn geschützt vor dem Winde; noch heute kann man sie in Europa kaufen. Die Wilden des Stillen Ozeans bedienen sich zu demselben Zweck einer sehr ähnlichen Erfindung. Sie besteht nämlich aus einer Anzahl öliger Nüsse vom Gummilackbaum, die dicht auf der Mittelrippe eines Palmblattes aufgereiht werden; dann werden sie aufgehängt, und nun wird die oberste Frucht angesteckt, die langsam nach unten brennt. Da alle fast gleich groß sind und jede etwa 10 Minuten brennt, wobei eine sich an der anderen entzündet, werden gerade etwa sechs in einer Stunde aufgezehrt. Wahrscheinlich ist diese primitive Methode der Zeitbestimmung ebenso genau wie die abgestufte Kerze oder die mi telalterliche Sanduhr. Die Zeitbestimmung ziemlich genau regeln zu können, muß eines der ersten Bedürfnisse der Menschen gewesen sein. Daraus erklärt es sich, daß so viele primitive Erfinder ihren Scharfsinn für diesen Zweck aufgeboten haben. Die Nutzbarmachung des Schattens— eine Idee, die ihre endgültige Entwicklung in der Sonnenuhr fand,— war wahrscheinlich die erste. Die erste Sonnenuhr mag ein Baum gewesen sein; stand er am Anfang des Weges, den die Entwicklung von Appparaten zur Zeitbestimmung nahm, so bezeichnet der moderne Chronometer das andere Ende, die bisher vollkommenste Form solcher Erfindungen. Einst und Jetzt. Die ältesten Kupferbarren. Seit längerer Zeit befanden sich im Museum zu Cagliari auf Sardinien einige eizentämlich gestaltete Kupferbarren, 72x32 Zentimeter groß im Durchschnitt und 27 bis 33 Kilogramm wiegend. Auf allen befanden sich lincare Diese Barren reinem Kupfer; ihr Fundort war die Serra Jlixi auf Sardinien— daß sie dort aber ihren Ursprung nicht haben konnten und sehr alt waren, war von vornherein klar. L. Pigorini in Rom hat, wie wir dem Globus entnehmen, in einer Broschüre den Ursprung nachgewiesen und damit zugleich einen Beitrag zum ältesten Kupferhandel geliefert. Da die Barren eine ganz eigentümliche Form haben, so mußte es auffallen, daß 1896 ein ganz gleiches Stück von 37 Kilogramm Gewicht zu Enkomi aufgefunden wurde, das den Buchstaben si des cyprischen Alphabets trug. Dann kamen wieder auf Kreta bei Hagia Triada vor einigen Jahren solche Barren zum Vorschein, alle den sardischen gleich. Dazu gesellte sich ein identischer Fund aus dem Meere bei Euböa, welcher sich im Museum zu Athen befindet. Diese alle von den Ufern des Aegäischen Meeres stammenden Barren enthüllen uns also den Ursprung der sardischen Exemplare, und die Charaktere, welche sie tragen, finden sich wieder am Palaste von Phästos und auf den Inschriften von Hagia Triada(Kreta), die durch die italienische Expedition unter Paribeni bekannt geworden sind. Die Barren gehören dem zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung an, und ähnliche sind auch dargestellt unter den Tributgaben für Thutmes III. in dem Grabe des Rethmara zu Theben. Zeichen, die mit dem Meißel eingehauen waren. n oder Kuchen waren gegossen und bestanden aus A und ältestes Cagesorgan des Kreises. General-Anzeiger für den Kreis Hörde. Haupt-Annoncenblatt. (Nachdruck verboten.) und sich ruhig Roman von A. Seifert. 11. Fortsetzung.) Ist das ein schlechter Scherz?— Aber nein, versprochen hatte, vernünftig zu sein Ihr verstörtes Aussehen sagt ja genug!“ schlafen zu legen, jedes einzelne seiner Worte rief sie sich Franz schütt lie den Kopf.„Wie mag ins Gedächtnis zurück, wieder und wieder. Ach, er selbst denn das so schnell gekommen sein?" hatte sicher nicht geahnt, daß er heute starr und tot da Frau von Herbst zunte mit den Achseln. liegen würde, „Steh auf, Almida, ich habe mit Dir zu sprechen,“ sagte Franz, nachdem er das junge Mädchen minutenlang mit harten Blicken betrachtet hatte,„folge mir in meines Oheims Arbeitszimmer. Dort sind wir ungestört!“ Almida hob ein wenig das verweinte Gesicht. O, Franz, wie konnte dieses Unglück nur so ganz plötzlich über uns hereinbrechen! Ist es nicht furchtbar, daß mein lieber, lieber Papa von uns gehen mußte in seinen aller2.·9„Das wird wohl für alle Zeit ein CeSe)) heimnis bleiben. Der Tod muß den alten Herrn vollständig überrascht haben!" „Friede seiner Asche,“ sagte Franz ernst,„ich heuchle keine Trauer, denn ich habe nicht viel Gutes von meinem Oheim erfahren. Aber viele andere haben Ursache, seinen Tod zu beklagen.“ „Er war ein wahrhaft guter Mensch!“ „Mag sein! Ich war selten einer Meinung mit ihm.. Ich bitte zunächst um eine Tasse Kassee, dann werde ich zu ihm geben.“ Als Frau von Herbst seine Tasse gesüllt, sah sie forschend in sein etwas blasses, ernstes Gesicht und begegnete seinem lauernd auf sie gerichteten Blick. Sie zuckte zusammen.„Er wußte es also; arme Almida, armes, beklagenswertes Kind!" als Franz wieder aufstand, dehnte er seine Gestalt, sie schien gewachsen. Stumm schritt er hinaus. Als er sich unbeobachtet wußte, stand er atemschöpfend still. Dann teilte ein Lächeln seine Lippen und ließ die großen weißen, raubtierartigen Jähne frei. Die unheilvollen Schauer und Schatten der Nacht waren vor dem sonnenleuchtenden Sommertag zerstoben und verflogen. Franz war ganz und gar Herr der Situation. Sein allererster Genuß sollte sein, daß er dem jahrelang gegen Almida gehegten und gezwungenermaßen unterdrückten Groll rachsüchtig freien Lauf ließ. Es hatte ihn Mühe gekostet, Frau von Herbst gegenüber ruhig zu bleiben, ihr nicht die Worte:„Jetzt bin ich der Herr im Haus!“ entgegenzuschleudern. Doch dann hätte sie ihm womöglich die Szeue mit Almida vereitelt. Und darauf wollte er es nicht ankommen lassen. Er ging langsam. Er ließ sich Zeit... Als er dann vor der Leiche seines Oheims stand, kostete es ihn doch Ueberwindung, auf das bleiche Gesicht zu sehen, das wie ein stummer Vorwurf auf ihn wirkte. Almida kniete noch zur Seite des Lagers. Das rosa Morgenkleid von leichter, seiner Seite bauschte sich um ihre schlanke Gestalt. Sie rang mit ihrem Schmerz. Von Zeit zu Zeit schluchzte sie laut auf. Sie hatte Franz nicht kommen hören. Sie war so ganz versunken in ihr Leid, daß sie auf ihre Umgebung nicht achtete. Was sie gestern noch mit dem geliebten Vater gesprochen, wie sie ihm besten Jahn „Wir hren seln. 911 1 kir müssen alle einmal sterben, Almida! Mein hat das Leben in vollen Zügen genossen. Er war hinfiltig. Es ist ja der Lauf der Welt, daß die Alten den Jüngeren Plaz machen müssen. Aber bitte, laß mich nicht unnötig warten! Ich habe heute noch viel zu ordnen. Meine Zeit ist kostbar. „Laß mich,“ sagte Almida leise,„ich kann heute weder Dich anhören, noch ewas besprechen. Was zu ordnen ist, kannst Du mit Tante besprechen, sie hat Erfahrung in all diesen Dingen. Was Ihr beschließt, das soll mir recht sein.“ „Darauf kommt es nicht an!“ sagte Franz brüsk. „Was ich Dir zu sagen habe, duldet keinen Ausschub! Es ist in Deinem Interesse, wenn Du meine Geduld nicht länger auf die Probe stellst!“ Es kam Almida unklar zum Bewußtsein, daß Franz heute in einem anderen Ton als sonst zu ihr sprach. Aber seine fatale Art und Weise war ihr ja unendlich gleichgültig. Sie erhob sich. Noch einen langen traurigen Blick warf sie auf das teure Totenantlitz, dann deckte sie das weiße Laken, das zu diesem Zweck vereitlag, darüber. Schweigend, mit tränenüberströmtem Gesicht folgte sie Franz. „So, was hast Du mir zu sagen? Aber mach's kurz, Franz! Du siehst, der Schmerz hat mich gebrochen. Mir ist sterbenselend.“ Sie ließ sich in einen Klubsessel nieder.„Hier hat Papa gestern wohl noch behaglich gesessen,“ ging es ihr durch den Sinn,„und heute, und heute—“ Ihre Gedanken irrten schon wieder ab, sie hatte die Anwesenheit des Vetters vergessen. Er brachte sich jedoch ohne weiteres in Erinnerung. Schonungslos, ohne sie vorzubereiten, riß er sie aus ihren Illusionen in die rauhe Wirklichkeit hinein. 1 8 S0 cS. SU IK SSBEI ## Snn S2 S EEEE S 2•* * 33 #8EASIES 9 55 S# E 9 S• 8 S Ich habe Dir eine ie Tochter meines Er sagte:„Höre mich an, Almida! Eröffnung zu machen. Du bist nicht Oheims. Er war nur Dein Pflegevater. Ais Waise nahm er Dich in sein Haus. Er hat Dich auch nicht adoptiert, Du bist in Zukunft nicht mehr berechtigt, Dich Almida Harnisch zu nennen!“ Das junge Mädchen sah mit ihren schönen, großen Augen erst verständnislos, dann mit dem Ausdruck des Schreckens zu dem Vetter auf. Sie glaubte, er habe den Verstand verloren und fürchtete sich vor ihm. Sie stand auf und wollte sich mit einer Entschuldigung entfernen. Seine Hände preßten sie mit eisernem Druck auf ihren Platz zurück.„Hältst Du mich für einen Fabulanten? Ich wiederhole Dir, daß Du ein von meinem Oheim in Pfiege genommenes Kind bist. Deine Eltern sind tot. Dein Vater war ein um kärglichen Tageslohn arbeitender Zimmermann. Als mein Oheim vor etwa zwanzig Jahren bei einem Aufenthalt in Hamburg das Waisenhaus besuchte, fand er und seine Frau Gefailen an Dir. Sie nahmen Dich zu sich und gaben Dich für ihr eigenes Kind aus. Mein Oheim war ein sentimentaler Mensch. Er brachte es nicht übers Herz, Dir die Wahrheit zu sagen. Das überließ er mir. Ich habe mich nun dieser Verpfüchtung entledigt.“ Aus großen, schreckensstarren Augen blickte das junge Mädchen zu dem gefühllosen Manne auf, sie sah wie durch einen Schleier. Alles um sie schien zu wanken, alles Blut aus ihrem Körper zu entweichen. Ihr geliebter Papa, der sie mit so unendlicher Zärtlichkeit und einer vergötternden Liebe umhegt hatte, sollte nicht ihr Papa gewesen sein? „Hast Du Beweise für das, was Du behauptest?" fragte sie leise und zagend. „Nein. Doch das ist nebensächlich. Das wird sich ja bei Ordnung der Erbschaftsangelegenheit finden! Wenn ein Testament vorhanden ist und mein Oheim Dich in demselben mit einer kleinen Summe bedacht hat, so erhältst Du sie auch. Andernsalls fühle ich mich Dir gegenüber zu nichts verpflichtet. Bisher warst Du im Wohlleben, konntest im Geide wühlen, nun haben wir die Rollen getauscht. Ich bin über Nacht zum Millionär geworden und Du wurdest Bettlerin. Drei Tage gewähre ich Dir noch Obdach in der Villa. Dann mußt Du hinaus! Es gibt in Wirklichkeit keine Almida Harnisch, sondern nur eine Alma Gröper. Das ist Dein wahrer Name, den keiner Dir streitig machen wied und unter welchem Du Deinen Unterhalt verdienen mußt.“ Wie Hammerschläge waren die Worte auf Almidas dunklen Scheitel herabgesaust und hatten sie betäubt. Sie glaubte zu träumen. Sie saß wie zu Stein erstarrt. Aber dann tauchte die Frage in ihr auf, ob Franz recht haben könne. Es waren da einzelne Momente in ihrem Leben, die ihr oft zu denken gegeben hatten. Mit dem Gefühl gesättigter Rache betrachtete Franz die gebeugt vor ihm Sitzende. Er hatte erwartet, sie werde weinen und jammern. Es wäre ihm lieber gewesen. Er hätte sich so gern an ihrem Leid geweidet. Doch schon richtete Almida sich auf aus ihrer gebrochenen Haltung. Ich glaube Dir nicht. Papa hat mich wie eine Prinzessin verwöhnt, mich zu einer Dame erzogen, und zwar in dem Glauben, daß ich auch in Zukunft über reiche Geldmittel zu verfügen habe. Bei jeder sich darbietenden Gelegenheit sagte er mir, daß ich seine Universalerbin bin. Wenn ich also wirklich das Waisenkind wäre, von melchem Du sprichst, dann würde Papa für meine Zukunft ausreichend gesorgt haben. Er, dessen Fürsorge allen galt, hätte mich nie im Reichtum, in der verseinerten Genußfähigkeit der Gebildeten erzogen, mich vor der rauhen Seite des Lebens sorgsam behütet, um mich als Bettlerin zurückzulassen, in dem Bewußtsein, daß ich über kurz oder lang, beklagenswerter als die niedrigste Magd von seiner, von dieser Schwelle gewiesen werden könnte! Nein, so lieblos und gedankenlos hätte mein Vater nicht gehandelt, gegen keinen, gegen mich am alleresien Franz wechselte die Farbe mehrmals, während Almida] sprach. Dann zuckte er die Achsel.„Es wird sich ja finden, ob ein Testament vorhanden ist. Da Sie meinen Ausführungen keinen Glauben schenken, so fragen Sie doch Ihren Freund, Herrn Hubert Weugdorf, vielleicht bestätigt er, was ich Ihnen soeben mitteilte.“ Almida umklammerte krampshaft die Lehne des Sessels.„Hubert!“ Es war, als sinke sie in eine bodenlose Tiefe, aus der sie nimmer wieder emportauchen könne, unerreichbar für den Geliebten, ihm für immer verloren. Sie hatte Hubert durch ein Telegramm von dem Ableben ihres Vaters unterrichtet, ihn gebeten, auf einen Tag wenigstens zu ihr zu kommen, sie zu trösien und auf zurichten. Franz war längst hinausgeschlichen, da saß Almida noch immer reglos auf ihrem Platz, unfähig, zu denken, nicht imstande, sich zu rühren. Dann kam Frau von Herbst.„Gib Dich nicht diesem stummen Jammer hin, Liebling! Gönne Deinem lieben Papa diesen Frieden! Sieh, ohne Schmerz und Qual, ohne Siechtum ist er hinübergeschlummert. Vis zu seinem letzten Tage war es ihm vergönnt, zu schaffen, sich des Daseins zu erfreuen. Dieses Bewußtsein muß Dich stärken und erheben. Wie selten ist solch ein sanfter, schöner Tod!“ „Taute!“ schrie Almida auf,„Franz behauptet, ich sei gar nicht Papas rechtmäßige Tochter! Kannst Du das begreifen? Oder wußtest Du, daß ich nicht diegenige bin, für welche man mich ausgibt?“ „Ich wußte es bis zum heutigen Tage nicht anders, Liebling, als daß Du die einzige Tochter und Erbin dieses Hauses seist, aber auf dem Arveitstisch Deines Vaters lag ein an Dich gerichtetes unvollendetes Schreiben, bei welchem ihn der Tod überrascht haben muß. Ich glaube nicht, daß Fritz es gelesen hat. Ich nahm es an mich in dem Glauben, daß niemand um das Geheimnis Deiner Geburt wisse. Auch Du solltest es vorläufig nicht erfahren. Es ist ja zu viel auf einmal des Leides für Dich, Du armes Kind!“ „O mein Gott, so ist also kein Zweifel! Ich bin ärmer, als die niedrigste Person, welche zu arbeiten gelernt hat und sich ihr Brot verdienen kann!" „Vielleicht hat Herr Harnisch sein Testament bei einem Rechtsanwalt deponiert. Aber wenn das auch nicht der Fall sein sollte, Herzchen, arm und verlassen bist Du darum noch lange nicht. Ich beziehe eine lebenslängliche Pension, die mich vor allen Wechselfällen des Lebens schützt. Sodann besitze ich ein tleines Vermögen. Und Ersparnisse von meinem Gehalt, das ich hier bezog, sind auch vorhanden. Davon können wir uns eine angenehme, sorgenfreie Existenz gründen. Du bleibst bei mir als mein liebes Töchterchen. Du bist ja so bescheiden in Deinem Sinn und hast von dem Reichtum Deines Vaters absolut keinen Gebrauch gemacht. Da werden wir ohne Frage gut auskommen mit dem, was vorhanden ist.“ Sie umarmte und küßte Almida.„Du und Dein Vater, Ihr habt mir so viel Liebes erwiesen, daß ich ganz glücklich bin, meinen Dank abtragen zu können! Und ich habe Dich doch so sehr lieb, Herzchen, und ich fürchte mich so sehr vor der Vereinsamung.“ „Liebe, liebe Tante, ich weiß nicht, wie ich Dir danken soll, aber ich glaube, ich werde Dein Anerbieten nicht annehmen können. Ich muß von nun an auf eigenen Füßen stehen. Doch das besprechen wir später. Drei Tage darf ich noch in der Villa bleiben, erlaubt der jetzige Besitzer.“ „Wenn es nicht ein Sterbehaus wäre, würde ich laut auflachen über den Gauner, der sich hier Rechte anmaßt, noch ehe man Herrn Harnisch aus dem Hause trägt! Ich habe noch für ein volles Vierteljahr Wohnung, Beköstigung und Gehalt zu beanspruchen und darf in meinen beiden Zimmern Besuch empfangen und behalten, so oft und so lange ich will, das habe ich mir kontraltlich ausbedungen. Und ich denke nicht daran, mir von meinem guten Recht auch nur ein Jota durch den Hanswurst, der er in meinen Augen ist, nehmen zu lassen.“ (Fortsetzung folgt.) 65 S.51 6 c S8 8 6 8 5 E 6 5 S 85 5 6% a 8 85 5 3 *.* BSRES 5— 5 * S 6 K S#Sen Du mußt nicht lange klagen, Was alles dir wehe tut. nur srisch und fröhlich gelungen, Und alles ist wieder gut! Chamille. Die (Nachdruck verboten.) Auch der Kuß hat seine Geschichte, und zwar haben sich mit der Entstehung, Bedeutung und Entwicklung dieses scheinbar so selbstverständlichen Brauches gar viele Gelehrte beschäftigt und die dicksten Bücher darüber geschrieben.„Warum küssen sich die Menschen?" fragt Scheffels Kater Hiddigeigei, und die mannigfachsten Antworten sind darauf gegeben worden. Die einen haben gesagt, es sei ursprünglich eine Art„Beriechen“ gewesen. Plutarch meint, man habe zunächst den Kuß dazu benutzt, um bei den Frauen, denen das Weintrinken verboten war, festzustellen, ob sie etwa doch ein Gläschen genehmigt. Ein platonisches Epigramm sieht im Kuß ein Zusammenfließen der Seelen, die im leichten Hauch aus einem Körper in den andern wandern. Am ehesten dürfte man dem Engländer Steele recht geben, der das Küssen überhaupt nicht erklären wollte, sondern darin„eine dem Menschen angeborene Tätigkeit" sieht. Gegen diese Naturnotwendigkeit des Kusses aber erhebt die Völkerkunde gewichtige Bedenken. Darwin hat darauf hingewiesen, daß das Küssen durchaus nicht allerorten Brauch ist. Die Maori in Neuseeland, die Eingeborenen von Tahiti, die Papuas kannten es ebenso wenig wie die Feuerländer, die Somalis so wenig wie die Eskimos. Bei den zahlreichen primitiven Völkern, die die Lippen durch Hölzer, durch große Ringe usw. verzieren, ist ein zärtliches Berühren der Münder an und für sich ausgeschlossen. Bei vielen Stämmen aber gilt der Kuß direkt für etwas Ungehöriges. So erregte Winwood Read das Entsetzen einer Negerin, als er sie küßte, denn in ganz Westafrika war damals(1863) diese Liebkosung unbekannt, und Bayard Taylor erklärte einer Lappländerin, als er ihr erzählte, daß in England Mann und Frau sich küßten, sie würde ihren Mann schwer dafür leiden lassen, wenn er ihr einen solchen Schimpf antun wollte. Eine Art„Kußersatz“ gibt es freilich auch bei diesen Völkern. Sehr beliebt ist das Aneinanderreiben und edrücken der Nasen, so in Neuseeland und Lappland, bei den Malaien und Chinesen. Anderwärts klopft und reibt man sich Arme, Brust und Bauch; man streichelt das eigene Gesicht mit den Händen oder auch die Füße des andern; man bläst sich gegenseitig auf verschiedene Teile des Körpers usw. Ohne etwas wenigstens dem Kuß Aehnliches, wodurch Neigung und Freundschaft ausgedrückt wird, kommt nun einmal die Menschheit nicht aus, und so hat denn der Kuß in der Kulturgeschichte eine gewaltige Rolle gespielt. Im 17. Jahrhundert erschienen eine ganze Reihe dicker Jolianten, die sich mit dieser„Lippenübung“ beschäftigten; sie trugen wie Herrenschmids„Osculologia“(1830) allerlei Kuriositäten zusammen, breiteten, wie I. F. Hekelit„De Osculis“(1675) eine reiche Philologische Gelehrsamkeit aus oder betrachteten den Kuß vom juristischen Standrunkt, wie Lansius und Kornmannus. Man mühte sich in dieser Blütezeit der Kußwissenschaft um die beste Definition des Kusses. So heißt es im„Frauenzimmerlexikon“ des Amaranthes:„Kuß oder Mäulgen auch Schmätzgen und Heitzgen genannt ist eine aus Liebe herrührende und entbrannte Zusammenstoßung und Vereinigung derer Lippen, wo der Mund von zwei Personen so fest aneinander gedrücket wird, daß die Lippen bey dem Abzug einen rechten und deutlichen Nachklang zum Zeichen des Wohlgeschmackes von sich geben.“ Daneben gab es auch noch viele Unterarten und Variationen des Küssens. In neuerer Zeit hat der dänische Historiker Nyrop diesem lockenden und stets aktuellen Thema ein tiefgründiges Werk gewidmet, und der Germanist Siebs hat sich mit dem Kuß in sprachlicher und vollskundlicher st eingehend beschäftigt. Schon die Bibel lennt neben dem Kuß der Liebenden die mannigfachsten Formen des Küssens: Laban lüßt zum Gruß seinen Neffen Jakob; zum Siegel der Freundschaft lüssen sich David und Jonathan; zum Zeichen der Versöhnung küßr Esau den Jakob: König David gibt als eine Gnade seinem Untertan Barsiklay einen Kuß; die Diener küssen zum Zeichen der Untertänigkeit Hand, Fuß, Knie und Rocksaum des Herrn. Nicht anders bei den Griechen. Was man liebt und ehrt, berührt man mit den Lippen: Epaminondas küßt voll Freude den geretteten Schild, Miltiades heimkehrend den heiligen Mutterboden. Bei den Römern durfte man sich vor anderen überhaupt nicht lüssen, und Plutarch erzählt, daß einer, der seine Frau in Gegenwart seiner Tochter lüßte, bestraft worden sei. Bald aber ward der Kuß auch in Rom aus dem intimsten Kreis in die Oeffentlichkeit gezogen. Nach Herodot sollen die Perser den Kuß als zeremonielle Begrüßung eingeführt haben. In Rom spielte er in der Kaiserzeit eine große Rolle; am byzantinischen Hofe waren alle Nüancen vom Fußluß bis zum Berühren von Stirn und Wange mit den Lippen aufs feinste ausgebildet. Bei den ersten Christen erscheint der Friedenskuß beim Abendmahl und wird in die Liturgie eingeführt. Diese frommen Kußbräuche der mittelalterlichen Christenheit leben heut nur noch im Österkuß“ der griechisch=katholischen Kirche fort. Auch im deutschen Recht wird der Frieden mit einem Kuß besiegelt. Im deutschen Märchen läßt der Kuß alles Böse vergessen, gibt aber auch die verlorene Erinnerung zurück; durch einen Kuß werden die Verwunschenen und Verzauberten vom Baune erlöst. Gequälte Geister, die zur Strafe für ihre Sünden auf Erden umgehen müssen, finden durch einen Kuß die ewige Ruhe. IA In vielen Gegenden galt es als Schutz gegen Gewitter, wenn man dreimal die Erde küßte. Ja, das ist was anderes. Der junge Lehmann ist schon seit acht Tagen nicht in der Schule gewesen, ohne daß dem Lehrer eine Entschuldigung zugegangen wäre. Schließlich begibt sich dieser nach der Wohnung, um sich persönlich zu erkundigen, was der Junge macht. „Ja,“ meint Mutter Lehmann,„wat unser Willi is, der is vorigte Woche vierzehn Jahre alt jeworden, un da meent sein Vater un ick ooch, det er nu jenug jelernt hat. Deswejen is er nich mehr nach Schule jekommen.“ „Genug gelernt! Aber Frau Lehmann! Geung lernt man nie! Und mit vierzehn Jahren! Ich war dreiundzwanzig, als ich ausgelernt hatte!“ antwortete der Lehrer. „Det mag schon sind,“ erklärt Frau Lehmann,„aber sehn Se, Herr Lehrer, wat unser Willi is, der is cen sehr jescheiter Junge!“ Der Scheinwerfer. Der Elefant als Arbeitstier. Eine Hauptanziehungskraft der zoologischen Gärten sind immer die Elefanten. Sie sind die erklärten Lieblinge des Publikums, das bei ihnen gern länger verweilk als bei den meisten anderen Tieren. Man bewundert die Riesenkörper, den schweren, aber sicheren Gang, die ungewöhnliche Kraft und das kleine melancholische Auge, das verrät, daß man ein ungewöhnlich kluges Tier vor sich hat. Während die Elefanten in den Zoologischen Gärten und Menagerien nur dazu dienen, ein wißbegieriges Publikum zu erfreuen und zu belehren, sind in ihren Heimat