Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oelkszeitung Schwerter Velksblatt Amtliches Kreisblatt Erstes und ättestes Tagesorgan des Kreises. Westhofener Zeitung Bteriechen Teltung Langscheder Zeitung den Kreis Börde. Holzwickeder Zeitung für den Kreis Hörde. Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter n Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt nUnterhaltungs- u. Romanbeilage. n Spiel, Sport und Curnen. u Lebensbild. Kunst u. Wissen.n Gartenratschläge. Die„Schwerter Jeitung" erscheint werktäglich. a Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Nichter; i Schwerte. — sss Nr. 290 Montag, 11. Dezember 1922 55. Johrgang Zum Geleit. „Hätten die Menschen, die jetzt an der Spitze der preußischen Verwaltung stehen, mit Mut und Geist größere Ansichten gefaßt, so würden sie der Verfassung solche Einrichtungen gegeben haben wodurch der Nation Gemeingeist und Kraftgefühl erregt und unterhalten werden, statt daß jetzt die aufgeregten Kräfte sich in Ausbrüchen von Unwillen oder in einem trüben Hinbrüten aufzehren. Frhr. vom Stein, 1809. Neueste politische Nachrichten. Der Aeltestenausschuß des Reichstages verlängerte mit einigen Abgrenzungen und Abänderungen die Geltungsdauer des Gesetzes gegen die Kapitalflucht bis 31. Dezember 1924. * Die Erörterungen über die Reparationsfrage und die interalliierten Schulden werden am Donnerstag nächster Woche stattfinden. * Poincaree und de Lasteyrie sind in Begleitung des Direktors im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, zur Londoner Konferenz abgereist. * Der frühere türkische Sultan hat eine Einladung des Königs Hussein, in Mekka Aufenthalt zu nehmen, angenommen. * Der irische Abgeordnete Seac Hales wurde auf dem Wege zur Sitzung des irischen Parlaments von einer Bande Männer erschossen. ** In Malta sind schwere Streikunruhen ausgebrochen, die zu Zusammenstößen mit Truppen und berittener Polizei führten. * Nach einer Agenturmeldung übernimt China nach Verständigung mit Japan die ehemalige deutsche Kolonie Kiautschou. vermischte Neuigkeiten. Gerhardt Hauptmann traf in Amsterdam ein. Er beginnt eine Reihe Vorträge zu halten * Reuter meldet aus New Port(England), bei einem Zusammenstoß zweier Flügzeuge fanden zwei Offiziere und vier Soldaten den Tod. Der Protest der Kheinlander. Kundgebung im Reichstag. Im Sitzungssaale des Reichstages hatten sich am Donerstag abend die in Berlin lebenden Rheinländer auf Einladung des Reichsverbandes der Rheinländer zu einer Protestkundgebung gegen die französischen Gewaltdrohungen versammelt Der Saal und die Tribünen waren dicht besetzt Die Führer der großen Parteien saßen am Regierungstisch. Der Vorsitzende, Präsident Dr. Kauffmann, eröffnete die Versammlung:„Die Rheinländer sind deutsch bis auf die Knochen! Keine äußere Gewalt, auch nicht französische Bajonette, werden ihre deutsche Gesinnung unterdrücken!" Im Namen der Industrie protestierte der Vorsitzende des Reichsverbandes der deutschen Industrie, Dr.=Ing. Sorge: Die deutsche Industrie würde an dem angedrohten Gewaltakt zugrunde gehen. Hier heiße es: Rheinland in Gefahr— Vaterland in Gefahr— Lebensgefahr für Deutschland! Darum Einheitsfront des deutschen Volkes! Als Vertreter der freien Gewerkschaften wies der Abgeordnete Wissell die Lockungen mit der Frankenlöhnung zurück. Die deutschen Arbeiter wollen keine„Hilfe“ vom französischen Imperialismus. Wieder drohe Millionen deutscher Arbeiter der Verlust des Segens der deutschen sozialen Gesetzgebung. In der entscheidenden Frage der Meerengen steht das englische Interesse dem aller andern seefahrenden und handeltreibenden Nationen, das mit dem der Türkei identisch ist, schroff gegenüber. Die Rollen sind eben seit der Vorkriegszeit völlig vertauscht worden. Solange Rußland Anspruch auf die Dardanellen erhob und stark genug war, diesen Anspruch nötigenfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen, war England der natürliche Verteidiger der Freiheit der Meerengen und konnte als solcher auf die Bundesgenossenschaft aller Nationen zählen, die nicht gerade im Fahrwasser der russischen Politik segelten. Heute glaubt England die Herrschaft über die Dardanellen, wenn auch zunächst und dem Vorgeben nach im Namen des Völkerbundes, für sich in Anspruch nehmen zu können. Rußland, dagegen tritt für die Freiheit der Meerengen ein und darf dabei mit den Sympathien aller nichtenglischen Völker rechnen, deren natürliche Interessen in der gleichen Richtung liegen. England, das die die Türken in Lausanne isolieren wollte, steht bei einer solchen politischen Konstellation ständig der Gefahr gegenüber, selbst vereinsamt zu bleiben. Es hat sich hiergegen durch eine vorherige Verständigung mit Frankreich und Italien schützen wollen. Wie aber der bisherige Verlauf der Lausanner Konferenz gezeigt hat, ist ihm das insoweit nicht gelungen, als die Bundesgenossen zu einem schärferen, aktiven Vorgehen gegen den türkisch=russischen Standpunkt der Meerengenfreiheit nicht zu bewegen gewesen sind. Mit großem Geschick haben es die türkischen Staatsmänner verstanden, nicht nur die Lücke in der Front der Entente auszuspähen, sondern auch Der Generalsekretär des Reichsverbandes des deutschen Handwerks, Hermann, betonte den unzerreißbaren kulturellen Zusammenhang, Ebensowenig wie die Arbeiter werden die Angehörigen des rheinischen Handwerks und Mittelstandes sich durch das Versprechen eines Judaslohnes vom Reiche trennen lassen. Als Vertreter der Christlichen Gewerkschaften protestierte der Abgeordnete Wieber gegen die französischen Drohungen, die im schreiendsten Gegensatz ständen zu dem in Versailles verkündeten Selbstbestimmungsrecht der Völker. Dr. Crone brandmarkte als Vertreter der deutschen Bauernvereine den Mißbrauch deutschen Ackers, auf dem Franzosen exerzieren, während Deutschland hungert. Der Vizepräsident des Reichstages Dr. Rießer, gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß sich in der Abwehr der französischen Drohungen gegen die Reichseinheit endlich einmal die Deutschen aller Parteien und Berufe einig zusammengefunden hätten. Mit einem stürmischen Hoch auf das deutsche Rheinland und das deutsche Vaterland schloß die Protestversammlung, die der ganzen Welt gezeigt hat:„Es gibt keine Rheinlandfrage!" Der den Widerspruch der jetzigen zu der früheren Haltung Englands in der Dardanellenfrage taktisch auszunützen. Sie haben sich hartnäckig geweigert ihrerseits bestimmt formulierte Forderungen oder Vorschläge vorzubringen und sich einfach auf den Standpunkt gestellt, daß sie die natürlichen Inhaber der Meerengen seien, ein Grundsatz, der von England selbst früher oft genug verfochten worden ist. Wäre es Lord Curzon gelungen, die Türken und Russen zur Aufstellung positiven Vorschläge zu verleiten, so hätten sich in deren Ablehnung die drei Ententemächte zusammenfinden können. Da deren Einigkeit aber nicht ausreicht, um selbst ein Programm aufzustellen, ist die Konferenz auf einen toten Punkt gelangt. Entmilitarisierung der Meerengen. TU. Lausanne, 9. Dez. Die britische, die französische und die italienische Delegation haben der Kommission für Territorial= und militärische Angelegenheiten Dokumente übergeben, die sich auf die Entmilitarisierung der Meerengen beziehen und u. a. folgende Vorschläge enthalten: Es werden entmilitarisiert die beiden Ufer der Dardanellen und des Bosporus in genau umgrenzter Ausdehnung, alle Inseln im Marmarameer und im Aegäischen Meer die Inseln Lamothraken, Lemnos, Imbros und Tenedos. In der entmilitarisierten Zone darf sich keine bewaffnete Macht aufhalten mil Ausnahme der Polizei= und Gendatmeriekräfte. In den Gewässern der Zone de### keine Aktionsbasis für Unterseeboote unterhalten werden. In Konstantinopel darf eine Garnison im Bestande von höchstens 10000 Mann unterhalten werden. Rhein ist Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze. * Anläßlich des Besuches des Reichspräsidenten fand im Kurhaus Bernburg ein Essen statt, in dessen Verlauf der Reichsminister Oeser erklärte, daß Reichspräsident und Reichsregierung auch das letzte daransetzen würden, um die Rheinlande bei Deutschland zu erhalten. Berlin, 11. Dez. Bei einer Besprechung mit Vertretern rheinischer Zeitungen, machte der Reichskanzler Dr. Cuno längere Ausführungen zur Rheinlandfrage. Er betonte dabei, daß nach dem seinerzeit ausgenommenen Protokoll bis zum 9. Januar 1935 das Rheinland von der fremden Besatzung völlig geräumt sein müsse. Die einzige Bedingung, an die die Räumung geknüpft ist, nämlich die, daß die Sicherheit der Alliierten gegen einen nicht herausgeforderten Angriff Deutschlands bedroht sei, könne angesichts der Entwaffnung Deutschlands nicht geltend gemacht werden. Der Achtstundentag. In der letzten Ausschußsitzung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hielt der zweite Vorsitzende Graßmann ein Referat über die Wirtschaftslage, in dem er die Hebung der Produktivität der Arbeit als ein dringendes Gebot der Stunde bezeichnete. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß alle Kreise unseres Wirtschaftslebens über das wichtigste Ziel unserer inneren Politik einig sind, wenn auch über den einzuschlagenden Weg noch mancherlei Meinungsverschiedenheiten bestehen. Eine ruhige, nüchterne Betrachtung wird auch diese beseitigen, und wir hoffen das umso mehr, als die Gegensätze, in denen ein großer Teil der Arbeiterschaft zum Unternehmertum steht, vielfach auf Mißverständnissen beruhen. So ist es unrichtig, wenn behauptet wird, die Unternehmerschaft vereinige ihre Kräfte im Angriff auf den Achtstundentag und wünsche die Produktionssteigerung lediglich auf Kosten der Arbeiter zu erreichen. Vielmehr richtet sich der Ruf nach Mehrarbeit an alle Volkskreise, zu denen ja auch die Beamten und die Unternehmer gehören. Das Wort„Mehrarbeit“ braucht daher keineswegs nur im Sinne einer Verlängerung der Arbeitszeit aufgefaßt werden; in vielen Fällen genügt eine Steigerung der Arbeitsintensität, die natürlich auch von der Unternehmerschaft die Anspannung aller Kräfte und Fähigkeiten erfordert. Sehr oft freilich wird sich ein Ueberschreiten der bisherigen Arbeitszeit nicht vermeiden lassen, und die Gewerkschaften selbst erklären sich ja auch von neuem dazu bereit, in zwingenden Fällen den Achtstundentag zu überschreiten. Darüber, daß dieser zwingende Fall eingetreten ist, dürfte kaum mehr ein Zweifel bestehen. Oder will man warten, bis die Not des Volkes noch größer wird, und die Entente den„zwingenden“ Grund liefert, Der deutsche Reparationsvorschlag. In London haben sich nunmehr die vier Ministerpräsidenten Englands, Frankreichs, Italiens und Belgiens mit ihren politischen Adjutanten zusammengefunden, um zum so und sovielten Male das Reparationsproblem zu erörtern. Wie der Reichsfinanzminister Dr. Hermes bereits im Haushaltsausschuß des Reichstages mitteilte, wird die Londoner Konferenz Gelegenheit haben, sich auch mit einem genau formulierten Vorschlag der deutschen Regierung zu beschäftigen. Nach den bisherigen Mitteilungen beruht er auf dem Gedanken einer äußeren Anleihe— für Reparationszwecke— in Verbindung mit einer inneren Anleihe, welch letztere hauptsächlich zur Befriedtgung des Inlandbedarfes verwendet und von der Industrie garantiert werden soll. Es heißt, daß auch Stinnes für die neuen Vorschläge interessiert worden ist. Es bleibt abzuwarten, wie die Konferenz die deutschen Vorschläge aufnehmen wird. Auf ihrer Grundlage würde sich jedenfalls schon deshalb am leichtesten das schwierige Problem lösen lassen, weil man annehmen darf, daß das Kabinett Cuno nichts vorschlagen wird, was es nicht durchführen kann und will. Bisher freilich hat sich die Entente noch immer über die deutschen Vorschläge hinweggesetzt, schon deshalb, um ihre Macht zu zeigen, die selbst stärker ist als die Gesetze der Vernunft und der Wirtschaft. Aber an einem Punkt findet sie doch ihre Grenze: Mit einigem Unbehagen blickt man auf Amerika, denn so groß auch die Macht der Entente ist, größer ist die Macht des Dollars. Die amerikanische Sphinz. Der amerikanische Botschafter in Londen, Oberst Harvey, hat bereits Andeutungen gemacht, daß Amerika sich als Aufsichtsrat der Entente detrachtet. Er hat erklärt, daß Entscheidungen getroffen werden könnten, gegen die Amerika Einwendungen würde erheben müssen. Englische und französische Blätter legten diese Erklärungen dahin aus, daß Amerika nicht die Absicht habe, die Anwendung von Zwangsmaßnahmen gegen Deutsch land zu unterstützen. Möglicherweise fürchte man auch in Amerika, daß die Streichung der Schulden wieder aufs Tapet gebracht werde. Auf alle Fälle ließen die ziemlich geweimnisvollen Worte des Obersten Harvey und die Ankunft der amerikant schen Botschafter aus Deutschland und Belgien voraussehen, daß die Verhandlungen zwischen Polncare, Bonar Law, Theunis und Mussolini von den Vereinigten Staaten scharf überwacht werden. was sie nicht erleichtern werde. * Die erste Tagung der Minister. London, 11. Dez. Der erste Teil des SamslagVormittags verging mit Besuchen. Vonar Lam der verhindert war. Mussolini auf dem Bahnhof zu empfangen, stattete ihm im Hotel einen Besuch ab. Um 11 Uhr vormittags hatte er mit Poincare in demselben Hotel eine Vorbesprechung. Vorher unterhielt sich der französische Ministerpräsident mit dem Finanzminister Delasteyrie und dem-französischen Botschafter in London, Grafen Sr. Au lare. Die Vormittagssitzung begann um 11,50 Uhr. Die vier Ministerpräsidenten Vonar Law Poincare, Mussolini und Theunis nehmen daran teil. Aus Stadt und Land. Schwerte, 11. Dezember. Erinnerungen. 1783 Der Dichter Max von Schenkendorf geb. 1817 am gleichen Tage gestorben. Für die Ernährung der Bevölkerung wird im kommenden Winter bei dem verhältnismäßig schlechten Ausfall der Getreideernte und der aller Voraussicht nach sich noch steigernden Brotpreise die Versorgung mit Kartoffeln eine ganz erhebliche Rolle spielen. Um unnötige Verluste bei der Aufbewahrung, sei es in Mieten, Kellern oder Kisten, zu verhüten, müssen folgende grundlegende Tatsachen beachtet werden: 1. Die Kartoffel erfriert bei 3 Grad, wird aber schon bei Temperaturen um den Nullpunkt herum süß. 2. Die Kartoffel fault bei Temperaturen von mehr als 8 Grad leicht und keimt bei ihnen zu früh. Die beste Aufbewahrungstemperatur liegt zwischen+ 20 und+ 60. 3. Die Kartoffel fault schneller in feuchter als in trockener Luft. 4. Verletzte Kartoffeln(Verwundungen durch Hacken, Gabeln, Tritte, starkes Werfen) faulen leichter als unverletzte. Für die Lagerung beachte man folgende Regeln: 1.Es eignen sich nur trockene, luftige, nicht zu warme Keller. Solche in der Nähe von Zentralheizungen sind unbrauchbar. 2. Man schütte die Kartoffeln wenn möglich auf Lattenroste, die durch Hochkantbreiter eingerahmt sind. Müssen die Kartöffeln unmittelbar auf den Boden geschüttet werden, so stelle man schräg an die Wände Bretter oder bringe Querverbände von Latten an und schasse so Lüstungskanäle an diesen sonst besonders gefährlichen toten Winkeln. 3. Man schütte die Kartoffeln nur 1—1,30 Meter hoch(pro Quadratmeter 13—14 Ztr.) Liegen sie unmittelbar auf dem Boden, so stelle man aus Latten genagelte prismatische Gestelle als Lüftungskauäle in sie hinein. Man lasse etwas Platz, um die Kartoffeln nötigenfalls umlegen zu können und sorge für einige Laufbretter damit die Kartoffeln nicht durch Tritte beschädigt werden. 4. Man lüfte den Keller Tag und Nacht, wenn möglich unter Erzeugung von Zug, bis die Temperatur in ihm auf etwa 50 gesunken ist. Geringe Nachtfröste schaden nicht. Nur bei starkem Frost schließe man die Fenster und schütze die Kartoffeln eotl. durch aufgelegte Säcke. Nötigenfalls sichere man die Fenster durch Bretter und Zwischenlage von Stroh und Säcken. 5. Man kontrolliere besonders gegen das Frühjahr die Bestände von Zeit zu Zeit, lese alle faulen Kartoffeln heraus und entferne sie sofort aus dem Keller. 6. Im Garten bewahrt man kleine Kartoffelmengen am besten in Löchern auf, die natürlich nicht in die Grundwasserzone reichen dürsen. Man lasse sie dachförmig aus dem Boden tagen und decke dick mit Stroh und Erde. 7. Ini Keller und auf Böden werden kleinere Mengen am besten in Lattenkisten oder in Kisten mit Böden aus Latten aufbewahrt, die auf Mauersteine gestellt werden. Schüttungen über 1—1,50 Meter Höhe sind auch hier zu vermeiden. * ** Ein unerwünschter Umschwung ist seit gestern abend wieder in der Witterung zu verzeichnen. Der schöne Schneefall und die kalte Trockenheit hat sich in Regenniederschläge und da mit auf den Straßen in Matsch aufgelöst. Das ist besonders den Kindern, die sich auf's Schlittenfahren und Schlittschuhlaufen freuten, sehr wenig angenehm. Und den Erwachsenen vielleicht auch nicht. Das Wetter ist diesmal tatsächlich ebenso launisch, wie es das ganze Jahr 1922 war. Es fehlt die Stabilität! ** Mehr Rücksicht auf die Fußgänger! Man sicht oft innerhalb der Stadt Automobile in raschem Tempo dahinfahren, rechts und links im weiten Begen Schmutz aufwerfend Selbst auf den Bürgersteigen ist der Fußgänger nicht sicher, auf diese Weise von den vorbeifahrenden Kraftfahrzeugen mit Schmutz bespritzt zu werden. Die großen Schaufensterscheiben der Innenstadt starren bekanntlich von Schmutz, da die Ladeninhaber ständig einen Fensterreiniger beschäftigen müßten, wenn sie die Scheiben sauber halten wollten. Insbesondere bei dem nassen Wetter, wo die Straßen aufgeweicht sind, wäre es seitens der Kraftwagenführer angebracht, die Fahrt in verkehrsreichen Straßen zu verlangsamen. Gegen zu schnell fahrende Autos kann auch bekanntlich polizeilich vorgegangen werden. Ueberdies wäre es sehr empfehlenswert, wenn einmal das Straßenpflaster der Innenstadt einer gründlichen Revision unterzogen würde. ** Vom Freude machen. Möchten wir es nicht alle gerne in diesen Tagen? Unser schweres, ernstes Leben ist arm geworden an Freuden und nun steht Weihnachten vor unserer Türe und wir wollen nicht mit leeren Händen vor die treten, die wir lieb haben, beabsichtigen ihnen eine Freude zu bereiten— o wie gerne! Die Schaufenster locken— wundervolle Strick= und Häkelarbeiten gibt es da, Jacken und Jumpers, Mützen und warme, weiche Schals, gestickte Decken und Kissen, zarte Spitzenarbeiten und Filetkragen Aber kaufen können all diese Herrlichkeiten leider nur wenige, denn überall schrecken die vieroder gar fünfstelligen Zahlen. Ja wenn man so etwas selber machen könnte; allerhand Woll= und Seidenreste ließen sich zu Hause wohl noch finden und zu einem Knäuel Garn würde es auch noch reichen.— Aber wie soll man es selbst machen? Heute lernen die jungen Mädchen in den Schulen die reizendsten Handarbeiten künstlerisch auszuführen, aber selbst hat man sich nur mit dem langweiligen Strickstrumpf, dem Sticktuch und Hemd gequält.— Und doch ist es eine Klei nigkeit, den mangelnden Kenntnissen nachzuhelsen, sich in all die feinen Techniken der künstlerischen Handarbeit einzuleben, wenn ein gutes Buch durch klare und ans hauliche Anleitung zum Führer wird. Nicht nur, daß es uns hilft, unsere Lieben mit einem schönen Geschenk zu erfreuen, uns selbst bereitet es manche frohe Stünde, wenn es gelingt, geschmackvolle Handarbeiten herzustellen, aus ein paar Woll= oder Garnfäden eine slotte Stickerei, ein zierliches Spitzenmotiv entstehen zu sehen. Hierzu helfen uns Beyers Handarbeits=Bücher und=Vorlagen, die eine Fülle von Anregungen auf jedem Gebiete der weiblichen Handarbeit gaben. Sie bieten eine unerschöpfliche Auswahl in allen Arbeitsweisen und sind in Carl Braus Buchhandlung in reicher Auswahl zu haben. ** Grundpreis und Schlüsselzahl. Grundpreis und Schlüsselzahl wird jetzt zum erstenmal in einer amtlichen Mitteilung des Reichsamts für Landesaufnahme angewandt. Sie sind seit einiger Zeit vom Buchhandel eingeführt worden. Grundpreis mir Schlüsselzahl vervielfältigt ergibt den Verkaufspreis in Papiermark. Die Schlüsselzahl beträgt für November 160. Neu ausgegeben hat das Reichsamt u. a. auf Grund eingehender Berichtigung die Meßtischblätter 1: 25.000 in Schwarzdruck, die größeren Gawässer blau, von Lübeck, Stettin, Teltow, Königswusterhausen. Spreehagen, Hamm, Merseburg, Jena, Altengrabow usw. Der Grundpreis beträgt 75 J. Kreiskarten sind von Beckum und Warendorf, 1: 100000, gefalzt in Taschenformat, zu 90§ erschienen. Von der Karte des Deutschen Reichs, 1: 100000 gibt es neu Wehlau zu 1,20 c und 30 I. Deutsch=Eylau und Neidenburg=Janowo zu 1,20 c. Endlich ist eine Karte der Unterkunft des Reichsheeres 1: 1000000 für 2 A erschienen. ** Die Arbeit der Wuchergerichte. Wuchervergehen kamen bei den preußischen Amtsgerichten im Jahre 1921 im ganzen 404 zur Anklage, darunter 83 aus dem Vorjahr. Durch Urteil erledigt wurden 257 Fälle, auf andere Art 103. Vor den Wuchergerichten bei den Landgerichten waren wegen Verbrechen 250 Hauptverfahren in erster Instanz anhängig, wegen Vergehen 7646. Von den Sachen wegen Verbrechen wurden 174 durch Urteil erledigt, von den wegen Vergehen 5563. ** Für Höflichkeit und richtige Auskunft auf der Reichseisenbahn. Mangelhafte oder falsche Auskunft im Reiseverkehr hat der Reichsverkehrsminister persönlich wahrgenommen. Er hat deshalb die Reichsbahndirektionen von neuem ersucht, darauf hinzuweisen, daß für richtige und höfliche Unterrichtung der Reisenden von allen Stellen mit besonderem Nachdruck gesorgt wird. Im Verkehr mit den Reisenden sollen nur solche Beamte verwendet werden, die mit dem Fahrplan der näheren Umgebung ihres Dienstortes und des engeren Verkehrsbereichs durchaus vertraut sind. Sie müssen auch in der Lage sein, bei weitergehenden Anfragen an der Hand geeigneter Hilfsmittel die gewünschte Auskunft richtig zu erteilen. Wenn die Auskunft nicht möglich ist, soll der Reisende an die Stelle verwiesen werden, wo sie einzuholen ist. Alle Beamten haben sich im Verkehr mit den Reisenden eines höflichen Tones zu bedienen, der den allgemein üblichen Umgangsformen entspricht. Vor allem soll jede Barschheit und Ge reistheit vermieden werden: gleichtviel von wem die Beamten gefragt werden oder aus welchem Grunde sie mit den Reisenden zu sprechen haben. Ein verbindlicher Ton vermeidet im mündlichen Verkehr überhaupt erregte Auseinandersetzungen. ** Der Jugendnachmittag in der Bilderschau Schwerte führte am Samstag in die Schneeberge Mitteldeutschlands. Stifahren, Schlitten= und Rodelwettspiele wurden gezeigt und prächtige Naturwinterbilder. Dann folgte das schöne Jugend. lebensbild Claus Störtebecker, der Hamburger Fischerknabe und endlich der Humor. Dazu können wir nur eins sagen: Es wurde wirklich herzlichst gelacht. Eltern und Kinder hatten mehr als zwei lehrreiche und schöne Stunden als Weihnachtsvorfreude erlebt. Insonderheit haben sich wohl die ernsten Bilder der wogenden See bleibend eingeprägt. Der Störtebeckerfilm enthält eben wirkliche Lebenswerte in mehrfacher Form, die emporheben über das Alltägliche und als Beispiele des Guten wirken. Die Leistungen der Musik entsprachen leider nicht den schönen Darstellungen des Lichtbildes. ** Weihnachtskonzert des M.=G.=V.„Sängerbund“ Schwerte. Für den 2. Weihnachtsfeiertag steht den Freunden edlen Männergesanges der Genuß eines Konzertes des M.=G.=V.„Sängerbund“=Schwerte bevor, der unter der Leitung seines Dirigenten Lehrer Hefendehl eine Reihe vom Dirigenten selbst komponierter Chöre neben vielen anderen zum Gehör bringen wird. Sonnets „Weihnachtsflocken“ sollen eröffnen und dann zeigt das Programm Mendelssohns Sonntagslied und Hirtenlied, Schuberts:„Blumen", Astenhofers der gute Kamerad und vor allem Sturms Nordmännerlied, einen besonders schwierigen großen Chor.— Die solistischen Kräfte sind Frl. Liesel Breuel(Sopran) und Heinr. Rieß(Tenor), über deren Mitwirkung man sich nur freuen kann. Ohne Zweifel wird das Sängerbundkonzert am Freischütz vielen Hörern die Weihnachtsfreude mehren helfen. Näheres besagen noch weitere Anzeigen im Reklameteil der nächsten Tage. ** Interessante Gespräche. Das Gespräch ging munter hin und her. Man redete— von der Not der Zeit. Jeder hat einen Rat, wie man die Verhältnisse bessern könne; der eine empfahl voraussehendes Einkaufen, um für den Fall weiteren wirtschaftlichen Niederganges gedeckt zu sein (Parole: Schnell gekauft ist billig gekauft); der andere pries den schroffen Gegensatz, den Verbraucherstreik, um die Preise zu mindern. Der Meinungen waren so viele wie der Ichs, deren jedes im Zentrum der Welt zu stehen vermeinte. „Das nächste, was ich tue, ist, daß ich meine Zeitung abschaffe“, sagte Frau E. erregt.„Die Ausgabe kann man ohne Schmerz einsparen.“ „Nanu, gnädige Frau", meinte launig ihr Nachbar, der Schriftleiter der„Zeitung" und mit Es gut befreundet,„seit wann haben Sie solche freundschaftlichen Gefühle für mich, daß Sie mir nicht einmal mehr das Brot gönnen?“ „Was hat das mit Ihnen zu tun, wenn ich die Zeitung abschaffe?“ „Nun ja, wenn alle Leute so dächten, gäbe es bald keine Zeitungen mehr, und meine Kollegen und ich könnten uns einen Schacht aussuchen, um Kohlen zu hacken, die so viel wertvoller sind als das nutzlose Geistesschaffen einer Zeitung. So meinen Sie doch, nicht wahr?" „Ach. Sie Spötter, immer drehen Sie einem das Wort im Munde herum. Sie wissen ja immer alles besser. „Weiß ich auch, wie alle Redakteure, aber da wir nun mal gerade beim Preisthema sind, so wollen wir nicht sogleich abbrechen. Wollen einmal eine Rechnung aufstellen. Ein Pfund Margarine kostet 1130 M. einé Zeitung von erstem Range 1200 K, unsere sogar nur 600 c im Monat. Nur ein Halbes Pfund Margarine brauchten Sie monatlich einzusparen, dann hätten Sie die „teure" Zeitung schon heraus. Eine andere Rechnung. Für unsere Zeitung hätten Sie täglich etwa 20 M aufzubringen. Für 20 c bekommen Sie eine— nicht einmal gute— Zigarette oder ein holbes Brödchen. Eine=Zigarette als Opfer für die Zeitung, ist wohl nicht zu viel. Und die Makulatur rechnen Sie wohl auch für nichts? Die bleibt Ihnen doch!“ „Wenn Sie so sagen, klingt's ganz einleuchtend. Aber was kann es nützen! Irgendwo muß man sparen. Fängt man eben mit der Zeitung Art latzt nicht von Akt. Roman von H. Hill. 1011*(Nachdruck verboten.) 33. Kapitel. Kurt von Reckenburgs erste Eingebung nach der Feststellung von Doktor Odemars spurlosem Verschwinden war der Gedanke gewesen, noch einmal den Polizeirat aufzusuchen und ihm Mitteilung davon zu machen, daß sein„Gefangener“ ihm entwischt sei. Aber er besann sich denn doch bald eines anderen. Erstens hätte er damit sich selber Lügen strafen müssen, nachdem er dem Beamten vorhin versichert hatte, daß der junge Schriftsteller sich noch in seinem Gewahrsam befände, und dann stand, wie er sich schon wiederholt gesagt, die Ermordung des alten Grafen und ihre Aufklärung für ihn jetzt nicht in erster Linie. Selbst wenn sein Vertrauen in Odemars Schuldlosigkeit ein ungerechtfertigtes gewesen wäre, und wenn sein Verschwinden eine Flucht war, bedeutete das nicht allzuviel neben der schweren Sorge um Ediths Verbleib und um ihr Geschick. Das allein sollte und durfte jetzt das Interesse des Polizeirats in Anspruch nehmen. Von der Reckenburg hätte es für einen unverzeihlichen Fehler gehalten, ihn irgendwie mit der Mordaffäre zu beschäftigen, die dem Beamten möglicherweise als die wichtigere erschienen wäre und ihn von der Verfolgung des Grafen und der Aufspürung der Komtesse abgezogen hätte. Darum zog er es vor, an seiner ursprünglichen Absicht festzuhalten und sich zunächst in seine Wohnung zurück zubegeben. Er fand den Senator und den Masor genau so, wie er sie verlassen hatte, nur mit dem Unterschied, daß der letztere seine Schwäche überwunden zu haben schien und nur noch ein wenig ermüdet aussah. Das galt übrigens auch von dem Senator, der während des ganzen Tages noch keine ordentliche Mahlzeit zu sich genommen hatte, und dem es deshalb kaum zu verübeln war, wenn er mit wachsender Ungeduld auf die Rückkehr des Freiherrn gewartet hatte. Natürlich versangte er einen Bericht über die Erfolge der von dem Reoierungsassessor unternommenen Schritte. Aber Kurt von Reckenburg beschränkte sich für den Augenblick auf die Mit teilung, daß es ihm leider nicht gelungen sei, die Spur de Grafen zu finden, oder den Aufenthalt seiner Cousine zu el mitteln, und er bat ihn, sich mit weiteren Erzählungen z gedulden, bis sie in irgendeinem naheliegenden Restauran ihren notleidenden Lebensgeistern ein wenig aufgeholfer hätten. Der praktische Amerikaner hatte nichts dagegen ein zuwenden, und der Major war augenscheinlich sehr dankba dafür, daß man ihn aufforderte, sich anzuschließen. Bald saßen sie in einer der bescheideneren Restaurationen für die sich der Freiherr mit Rücksicht auf die nicht sehr ehren volle Gesellschaft des Majors entschieden hatte, und nach den ersten Gange erstattete er einen ausführlichen Bericht übe seine leider so wenig ergebnisreiche Expedition. Ueber da rätselhafte Verschwinden des Schriftstellers ging er ziemlich leicht hinweg; den Major aber, der den bescheiden schwe genden Zuhörer gemacht hatte, schien gerade dieser Teil de Erzählung ganz besonders zu interessieren. Hatte er sich bidahin ganz so benommen wie jemand, der recht wohl weiß daß er nur geduldet ist— vielleicht sogar widerwillig ge duldet—, so konnte er sich jetzt nicht enthalten, mit einer allerdings recht zaghaft vorgebrachten Bemerkung in das Ge spräch einzugreifen. „Wenn Doktor Odemar fortgegangen ist, ohne sich vor Ihnen zu verabschieden, so muß er die triftigsten Gründ dafür gehabt haben. Denn er würde niemals etwas Un ehrenhaftes tun— niemals. Oder sollte es nicht doch vielleich möglich sein, daß Sie ihn nur verfehlt haben, weil er Sie vielleicht an einer anderen Stelle erwartete?“ „Ich meine, wir können den Doktor vorderhand ruhig aus dem Spiel lassen,“ erwiderte der Freiherr ohne Unfreund lichkeit. Auch ich glaube nicht, daß er sich aus dem Staub gemacht hat, weil er etwa fürchtete, verhaftet zu werden Und es scheint mir recht wohl denkbar, daß er irgendeine plötzlichen Inspiration nachgegeben hat, in der Meinung, der Sache, die uns alle beschaftigt, auf seine eigene Hano dienen zu können.“ Der Major murmelte etwas wie eine Entschuldigung, daf er sich erlaubt habe, ungefragt eine Ansicht zu äußern, aber ei rückte unruhig auf seinem Stuble bin und her. Und da du beiden anderen schwiegen, nahm er nach einer kleinen Weile noch einmal das Wort: „Ich weiß wohl, daß ich mich den Herrschaften gegenüber in einer sehr prekären Lage befinde. Ich kann nicht erwarten, daß Sie mir nach allem, was Sie wissen, Ihr Vertrauen schenken. Aber Sie dürfen mir glauben, daß Ihre Sorge mir ebensosehr am Herzen liegt, wie Ihnen selbst. Und wenn Sie mir erlauben wollten, Ihnen nach meinen schwachen Kräften behilflich zu sein, würde ich Ihnen dafür großen Dank wissen.“ Der Freiherr sah ihn aufmerksam an. „Wie es scheint, haben Sie irgendeine bestimmte Vermutung, oder Sie wünschen einen Vorschlag zu machen, von dem Sie sich etwas versprechen. Wenn es so ist, dann nur heraus mit der Sprache! Jemand, der die Antezedenzien dieses Grafen und seines Kammerdieners besser kennt als wir, wird uns vielleicht am ehesten wertvolle Fingerzeige geben können.“ „Von dem Kammerdiener weiß ich flichts,“ erklärte der Major mit so großer Entschiedenheit, als ob er sich durch die bloße Vermutung ein wenig gekränkt gefühlt habe.„Er gehört jedenfalls einer ganz anderen Gesellschaftsschicht an als der, in der ich zu verkehren gewöhnt war. Mein Neffe ist freilich in seinem Umgang von jeher weniger wählerisch gewesen. Obwohl ich ihn oft genug gewarnt hatte, wußte ich doch, daß er Beziehungen zu gemeinen Verbrechern unterhielt, und ich habe Grund, zu vermuten, daß dieser Weigelt jenen Kreisen entstammt.“ „Nun wohl, wir glauben Ihnen, daß Sie nichts von ihm wissen. Was aber hatten Sie uns zu sagen?“ „Wenn sich mein Neffe mit der Absicht trägt, die Komtesse ganz in seine Gewalt zu bringen, so wird er wahrscheinlich den Versuch machen, sie durch die Komödie einer Scheintrauung zu täuschen. Und er wird sich dazu, wie ich vermute, der Hilfe eines Mannes bedienen wollen, den ich kenne, und den ich vielleicht ausfindig machen könnte.“ Der Freiherr schob ohne weiteres seinen Teller zurück, winkte den in der Nähe stehenden Kellner heran und händigte ihm zwei Goldstücke ein mit dem hastigen Bemerken, daß er den nach Begleichung der Rechnung verbleibenden Reit für sich behalten wöge(Fortietzung Eine Weile schließlich von Ne „Überhaupt, nichts als Aerger der einmal ausg Sonntag, an dem so gern etwas Ne „Verlobungsan hübsche Geschichte stand, nicht wahr „Spotten Sie gen Sie auch rec ich völlig heraus nendsten Stelle m meinem Mann, konnte ich nicht ei mitteilen. Der Wenn ich meine “ ven ganzen Tag „Der Tag war R. lächelte über die Zeitung sei sie zuerst entbehre „Ach Sie. 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Im nachfolg aus einem Flus forscher Prof. Not der Zeit h blatt ist vom zu beziehen un 40 Mark, Prei Eine furchtl über die Welt gers. Sie bege land, schreitet hat schon Oest auch uns in in gegen zu tun? Gedankenarbei wägungen des der Währungs und gewiß ist hier den richt kann der Einz Frage zu eine lösen. Die Grun ausgehen, lau natürlich und ser Körper. und diese best flüssigt und i Eine Weile war Pause. Frau E. begann schließlich von Neuem: „Überhaupt, mit den Zeitungen hat man nichts als Aerger. Vergangene Woche ist sie wieder einmal ausgeblieben. Und gerade an dem Sonntag, an dem mein Mann verreist war, u. ich so gern etwas Neues gelesen hätte.“ „Verlobungsanzeigen, den Roman, eine hübsche Geschichte, vielleicht auch den Devisenstand, nicht wahr?" warf der Redakteur ein. „Spotten Sie schon wieder? Meinetwegen mö. gen Sie auch recht haben. Aus dem Roman bin ich völlig herausgekommen; gerade bei der spannendsten Stelle mußte das Blatt ausbleiben. Und meinem Mann, als er abends nach Hause kam, konnte ich nicht einmal das Neueste aus der Stadt mitteilen. Der ganze Tag war mir verdorben. Wenn ich meine Zeitung nicht habe, bin ich für ven ganzen Tag verärgert.“ „Der Tag war Ihnen verdorben, sagten Sie?“ R. lächelte überlegen.„Und da behaupten Sie die Zeitung sei Ihnen nichts wert? Sie könnten sie zuerst entbehren?“ „Ach Sie.“ Pause. „Also. werden Sie abbestellen?" „Aber das nächste Mal, wo sie wieder teurer wird, ganz gewiß. „Und dann ärgern Sie sich wieder und.. „Schluß— mit Ihnen kann man ja überhaupt nicht reden. ** Bellachinis Zauberkünste hatten gestern abend den großen Saal„Im Reiche des Wassers“ wohl mit annähernd 1000 Menschen gefüllt, die sich alle für„schwarze Kunst“ sehr interessierten und einen gemütlichen Abend haben wollten. Nun letzteren haben sie bekommen. Ein ziemlich verspäteter Anfang hatte zwar mancherlei Ungeduldlärm erzeugt, aber dann begann ein harmloses Amüsement von etwa 3 Stunden: Taschenspielerei aller Art. Es war Bekanntes darunter, aber auch viel Drolliges und manches Neue. Auch Bauchrednerkunst blieb nicht aus und mit lustiger Schnellmalerei endete der Abend. Zu spiritistischen Vorführungen kam es nicht, wie wohl manche vermutet hatten. Bellachini behandelt aber dieses Gebiet mit sachlichem Ernst in kurzem Vortrag. Der Zauberkünstler gedenkt noch im Laufe dieser Woche eine zweite Vorstellung, wahrscheinlich in einem anderen Saal zu geben. Näheres wird im Anzeigenteil dann noch bekanntgegeben. Wir empfehlen dazu die Darbictung von Musik, die gestern fehlte und doch die unterhaltenden Vorführungen noch mehr beleben würde. Man sinne auch auf Mittel, den unerzogenen Jugendlichen, die sich bei solchen Vorstellungen, wie gestern, mit Flegelhaftigkeiten mißliebig machen aus ihrer unschönen Sucht, sich als Herren des Abends aufzuspielen, zu befreien. Bei 100 c Eintrittsgeld will jedermann ungestört seinen Unterhaltungsabend genießen dürfen. Auch der Vorführende wurde wesentlich durch diese Vorkommnisse behindert, glatt zu arbeiten. ** Monopolschnaps. Monopoltrinkbranntwein kostet jetzt mit einem Weingeistgehalt von 35 Prozent 1050 M, 40 Proz. 1160 M, 45 Proz. 1270 M die Flasche mit 3/4 Liter Inhalt einschließlich Fla sche. Sie wird leer für 45 A zurückgenommen. ** Was Anzeigen in den Großstadtblättern kosten. Nach dem neuen Tarif des„Berliner Tageblattes“ berechnet das Blatt die 32 Millimeter breite Zeile mit 223 Mark. Für eine ganze Seite, die 2220 Zeilen enthält, hat der Inserent danach 500 625 Mark zu zahlen. * Westhofen. Kirchenkonzert. Das gestrige Kirchenkonzert, welches der vor reichlich Jahresfrist gegründete Kirchenchor veranstaltete erfreute sich eines derartigen Besuches, daß das Gotteshaus, welches durch seine Renovierung und seine zweckentsprechende Beleuchtung einen wirkungsvollen Resonanzboden für edle Kunst bietet, bis auf den letzten Platz dicht gedrängt besetzt war. Der rege Besuch, zu dem auch die Nachbargemeinden beigetragen hatten, darf als ein Beweis dafür angesprochen werden, daß weitesten Volkskreisen geistliche Musik, die erhebend und erbauend wirkt, geradezu Bedürfnis ist, zumal in der Gegenwact mit ihren Sorgen und Kümmernissen einerseits und mit ihrem Herz und Gemüt unbefriedigtes lassenden materialistischen Ideen andererseits. Der Chor mit seinem rührigen Dirigenten Herrn Lehrer Hillefeld darf also das Verdienst in Anspruch nehmen, den vielen Besuchern alle: Volkskreise eine Weihestunde geboten zu haben. Um gleich bei dem Chor zu bleiben, der trotz seines jungen Bestehens mutvoll und erfolgreich größere Kompositionen, wie den 46. Psalm und das musikalisch wertvolle„Vater unser" zu meistern wußte so sei festgestellt, daß er, von kleinen Unebenheiten in der Stimmbildung und gelegentlichem Hervortreten von Einzelstimmen(z. B. Alt) abgesehen auf dem besten Wege ist, Großes zu leisten. Sein Schlußchor„Machet die Tore weit“ mit dem weih nachtlichen Einschlag des Wechselquartetts„Es ist der Herr Christ. unser Gott" stellte eine durchaus anerkennungswerte Listung dar. Von den Solisten sei zunächst die überaus sympathische Sopranistin Frau Ihlefeld erwähnt, deren besonders in der Mittellage ausgeglichenen Stimme die Hörer mit den umsangreichen Darbietungen„Bußlied" und „Höre, Israel“ in ihren Bann zog. Herr Kirchenmusikdirektor Knoch=Hagen, Gesanglehrer vom Oberlyzeum, meisterte die Orgel trefflich in dem einleitenden, farbenfrohen E=dur Präludium und einem ruhigen Adagio aus der F=moll=Sonate von Wolfram. Als Begleiter der Solisten war Herr Knoch von trefflicher Anpassungsfähigkeit wobei nicht verschwiegen werden darf, daß die Orgel mehrfach, in nicht richtiger Einschätzung der Raumverhältnisse der nicht übergroßen Kirche, hätte leiser sein müssen. Herr Konzertmeister Meißner bot mit seinem Cello durchaus erstklassige Leistungen, er wußte, der Eigenart des Instruments entsprechend, durch seine getragene, in edler Tonbildung dargebotenen Vorträge Herz und Gemüt unmittelbar zu fassen. In dem Baritonisten Herrn Holsiepe lernten wir bei seinem erstmaligen Auftreten eine Stimme kennen, die sehr angenehm berührt und bei zweckentsprechender weiterer Schulung zu guten Hoffnungen berechtigt. Alles in allem bedeutet das gestrige erfolgreiche Konzert für den jungen Verein einen Ansporn für weiteres Streben im Dienst der edlen musika=sacra. Allen aber, welche die Veranstaltung, auch in ihren pekunären Ergebnissen, selbstlos gefördert haben, sei auch an dieser Stelle herzlister Dank gesagt. stellt sich der Preis auf 1000 c. Die Flasche Wasser wird zu 10 c verabfolgt. Buer. Eine gemeine Tat. Auf der che„Scholven“ hatten zwei jugendliche Bergleute aus Gladbeck einen Steiger, der sie wegen Vernachlässigung ihrer Arbeit mit Ordnungsstrafen belegt hatte, einen merere Pfund schweren Stein in den Schacht nachgeworfen, auch hatten sie, wie aus Aeußerungen zu entnehmen war, die Absicht gehabt, ihm einen Wagen nachzuwerfen. Das Schöffengericht verurteilte die verrohten Burschen zu je 2 Monaten und 2 Wochen Gefängnis, außerdem zu je 15000 M Buße. Gütersloh. Ehetragödie. Der Schneider Schröder hat seine Ehefrau und dann sich selbst mit einer Mehrladepistole erschossen. Allem An schein nach hat Sch. die Tat in geistiger Umnach. tung ausgeführt. Münster. Ein kolossales Schwein im wahren Sinne des Workes hatten in der Nacht zum Mittwoch Schweinediebe, die sich ein sechs Zentner schweres Schwein des Landwirks Röttger als Objekt ausersehen hatten. Es gelang ihnen, das edle Wild unbemerkt zur Strecke zu bringen, lautlos abzuschlachten und spurlos mit der Beute zu verschwinden. Unna. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich auf der früheren Adlerbrauerei Der in einem Schacht arbeilende Elektriker Paul Kommert aus Dortmund wurd plötzlich von einem abstürzenden Balken getroffen. Er stürzte von der Leiter, auf der er stand, und blieb besinnungslos liegen, wurde ins katholische Krankenhaus gebracht, wo er starb. Gelsenkirchen. Der Dieb im Eisenbahnabteil. Einer Frau wurden auf der Fahrt von Köln nach Gelsenkirchen aus der Handlasche ein Reisepaß, 10 Dollar und 10000 Mark deutsches Geld. ein polizeiliches Führungszeugnis und ein ärztliches Attest gestohlen. Altenbochum. Einen empfindlichen Schaden erlitt hier der Gutspächter H. Eine tragende Stute im Werie von über 900000 Mark verendete in kurzer Zeit. Bochum. Bubenstück. Von dem Dach der Josephskirche in der Blücherstraße ist nachls die Bleiabdeckung gesiohlen worden. wodurch ein Schaden von 300000 Mark entstanden ist. Die polizeilichen Nachforschungen sind eingeleitet worden. Bisher konnten die Täter noch nicht ermittelt werden. schichte. Im königlichen Frankreich war die weiße Lilie die auserwählte Blume aller, die treu zu den Bourbonen standen. Denn der weiße— später goldene— Lilie in blauem Felde bildeten das Wappen der Dynastie Bourbon, von der man doch kaum behaupten könnte, daß sie durch ihren Lebenswandel und das Treiben an ihrem Hofe stets das Beispiel lilienhafter Unschuld gegeden hätte. Man soll etwa nicht immer die Dinge und ihre Zusammenhänge nach den Gesetzen der Logif beurteilen. Wenn Napoleon 1. sich in sein Kaiserwappen einen Adler hineinsetzte, der den Adlern der römischen Cäsaren nachgebildet war, so handelte er von seinem Standpunkt aus ganz folgerichtig, und es ist auch nichts dagegen einzuwenden, daß er den beischenblauen Samtmantel, der dieses Wappen umgibt, und der bei seiner Krönung von seinen Schultern herabwallte, mir goldenen Bienen besticken ließ. Bienenfleiß wird niemand dem genialen Korsen absprechen, der zwischen swei Eroberungszügen die Zeit fand, einen Gesetzcodex mit Geist von seinem Geiste zu erfüllen, oder dem Staatstheater, der Comecofe francaise, neue Statuten zu erteilen. Die Bonapartisten aber hielten sich an die Farbe seines Wappenmantels und wählren das Veilchen gum Abzeichen,— das„in sich gebückte, unbekannte“ Veilchen! Napolcon III. nahm die Tradktionen seines Oheims gern auch in Kleinigkeiten wieder auf. Er steckte seine Kammerherren in veilchen farbene Leibröcke, und das Veilchen ist bis auf den heutigen Tag den französischen Imperialisten= heilig und teuer. Die konservativen Briten schwören zur Primrose, die als ihres unvergeßlichen Führers Benjamin Disraeli, Lord Beaconsfield, bevorzugte Blume galt. Eine„Primrose=Liga" entstand zu seiner Ehre, und an einem„Primrose=Tag“ wird sein Gedächtnis alljährlich gefeiert. Wie die Legende aufkam, dem alten Kaiser Wilhelm I. sei die blaue Kornblume mehr als andere Blumen lieb, weiß wohl niemand mehr zu künden. Der Kaiser selbst hat gelezentlich sein Erstaunen über die Legende geäußert. Aber es ist eine hübsche Legende, denn die anspruchsose Kornblume veranschaulicht den allem trügerischen Glanz und Schein abholden Sinn des Monarchen. Und die Sprache, die sie spricht, ist nicht minder deutlich wie die Sprache der brennend roten Nelken, die von den Parteien der Volksherrschaft zur Schau getragen wird. D. A. v. W. Rus den Hagen. Merkwürdige Verwechslungen. Ein hiesiger Bürgersmann hatte beim Standesamt hocherfreut die Geburt eines kräftigen Stammhalters angemeldet. Nach einigen Tagen erst entdeckte man— o Schreck! daß der neue Erdenbürger kein Junge, sondern ein Mädel war. Es mußte nun natürlich die Berichtigung der Standesamtsblattes eintreten.— Ein ganzähnlicher Fall wird aus Völkersen berichtet. Dort hatte ein Einwohner die Geburt eines Töchterchens angemeldet. Nach ein paar Tagen sprach er wieder beim Standesbeamten vor. Zögernd meinte er:„Du. Hinnerk, ick wull di man seggen. et is ja nicht slimm, aber det is man wegen de Ordnung: dat is nämlich en Junge wä'n.“ Haßen. Die neuen Vierpreise. In der gestrigen Sitzung des Hagener Wirtevereins wur den nach einer sehr erregten Aussprache folgende Preise beschlossen, die von heute ab Gültigkeit haben: Für das Einheitsbier, je nach Art des Betriebes, 70 M. 80 M. 90 K. für fünfzwanzigstel Liter. Das Liter über die Straße soll mindestens 200 A kosten. Für das Starkbier werden sich folgende Preise ergeben: 80 J. 90 M, 100 M bezw. 250 A. Trintbranntwein kostet ein dreißigstel Glas 70 M. ein sechstigstel Glas 35 M. Ueber die Straße Eine unpolitische Betrachtung. Die Vereinigten Staaten von Amerika haven, so ist aus Washington jetzt gemeldet worden, beschlossen, die Margareten=Blume zur„NationalBlume" zu erklären. In Zukunft wird man also in einem jeden, der sein Knopfloch mit einer Margareten=Blume geschmückt hat, einen Bürger des mächtigen Reiches jenseits der Meere zu vermuten haben, über dessen Boden das Banner mit den Sternen und Streifen schwebt. Leider erfahren wir nicht, aus welchem Grund die geschäftstüchtigste aller Nationen just zu ihrem Symvol eine schlichte Feld= und Wiesenblume erkoren hat, mit der sich für uns Kinder des alten Erdteils eher romantische und sentimentale Vorstellungen verknüpfen. Ist die Margaretenblume uns doch das— durch Goethe dichterisch verklärte Orakel, das schwärmerischen jungen Mädchen untrüglich Antwort erteilt auf die bange Frage: „Er liebt mich— er liebt mich nicht?... Aber die Margretenblume ist nicht das ein zige von den„Kindern Floras“, wie die Romanschreiber und=schreiberinnen früher neckisch zu sagen liebten, das zu einem politischen Wahrzeichen erhoben worden ist, ohne daß man recht weiß, warum. Der Kampf der weißen und der roten Rose, nach denen die Häuser Plantagen und Lancaster sich von einander unterscheiden, süllt ein blutgetränktes Blatt der englischen GeLehle Brühtiaeidungen. die französischen TU. Essen, 11. Dez. Der Verein zur Wahrung der gemeinschaftlichen wirtschaftlichen Interessen Rheinlands und Westfalens hatte zu Sonntag nachmittag zu einer großen Kundgebung eingela den, zu dem Zweck einer einheitlichen Erklärung und mit der Forderung des Verbleibens des Rheinlandes beim demschen Reich und bei den Einzelstaaten. Die Ausführungen aller Redner. führender Männer des Wirtschaftslebens, des besetzten und undesetzten Gebietes, Vertreter der christlichen freien und Hirsch=Dunkerschen Gewerkschaften tlangen aus in einem starken Protest ggen die französischen Absichten:„Der Rein ist und bleibt deutsch. Darum Hände weg vom deutschen Rhein.“ Der neue XU. Warschau, 11. Dez. Am 9. Dezember, 8 Uhr abends wurde Gabriel Marutowicz zum Präsidenten der Republik Polen gewählt. In dem vorhergehenden Wahlgang hatte der Gesandte Pernsli 220 Stimmen der rechten und Maruto wicz 190 Stimmen der mittleren Parteien und der Londoner Gesandte Wojokowski 170 Stimmen erhalten, worauf sich beim letzten Wahlgang Mitte und Linke auf Marutowicz einigten. aus Im nachfolgenden geben wir einen Abschnitt aus einem Flugblatt, welches der bekannte Naturforscher Prof. Dr. Dennert im Godesberg aus der Not der Zeit heraus geschrieben hat. Das Flug blatt ist vom Westfälischen Volksdienst in Witten zu beziehen und kostet 1 Stück 5 Mark, 10 Stück 40 Mark, Preisänderungen sind vorbehalten. Eine furchtbare Not ist infolge des Weltkrieges über die Welt gekommen, das Gespenst des Hun gers. Sie begann in entsetzlichster Weise in Ruß. land, schreitet unaufhaltsam weiter nah Westen, hat schon Oesterreich ergriffen und bedroht nun auch uns in immer steigendem Maße. Was ist dagegen zu tun? Wir haben alle Achtung vor der Gedankenarbeit, welche in all den theoretischen Erwägungen des Sozialismus, der Freiwirtschaft, der Währungsfrage, der Bodenreform usw. liegt. und gewiß ist es wünschenswert, daß unser Staat hier den richtigen Weg finden möge. Was aber kann der Einzelne tun?— Nun, er kann die ganze Frage zu einem sehr großen Teil von sich aus lösen. Die Grundlage, von der wir im Folgenden ausgehen, lautet: Wir essen ganz falsch und unnatürlich und meist zu viel! Wie ernährt sih unser Körper. Es geschieht durch die Verdauung, und diese besteht darin, daß unsere Nahrung ver flüssigt und in eine Form übergeführt wird, aus der unsere Körpergewebe sich unmittelbar erneuern und ausbauen können; dies ist der Speisesaft (Thylus) und letzten Endes das Blut. Zur Verflüssigung der meist festen Nahrung ist zweierlei nötig; mechanische Zerkleinerung und chemische Einwirkung durch gewisse Körpersäfte. Von letzteren kommt in Betracht: der Speichel im Munde, der Magensaft im Magen und der Bauch soeichel und die Galle im Darmkanal. Unsere Nahrung besteht im Wesentli hen aus Kohlehndra ten(vor allem Mehlarten). Eiweiß und Fett. die verflüssigt werden müssen. Zucker und Salze sind schon an sich löslich. Der Speichel löst das Rehl auf, der Magensaft die Eiweißstoffe, die Galle das Fett. Nun können diese Körpersäfte aber nur dann wirken, wenn die Nahrung möglichst zerkleinert ist. Diese Vorarbeit kann nur im Munde durch die Zähne geleistet werden. Geschicht dies nicht, so wird dem Magen und Darm eine ihnen gar nicht zukommende Arbeit zugemutet. Die ganz selbst. verständliche Folge ist dann, daß ein sehr großer Teil der Nahrung den auflösenden Säften gar nicht zugänglich ist. Und nun frage ich: Wer kaut seine Speisen so lange und so gründlich, bis sie zum Mindesten einen sehr feinzerteilten Brei darstellen? Die allermeisten Menschen schlucken die Speisen schon als Brocken herunter und bedenken gar nicht, daß sie damst ihren armen Verdauungsorganen Utrmög liches zumuten, aber auch ihren Geldbeutel in ganz unnötiger Weise plündern. Der allergrößte Teil der Mahlzeit ist ungenützt durch den Verdauungs kanal gegangen, also verschwendet worden. Obendrein hat man davei Magen und Darm in ganz unnötiger Weise belastet und in ihrer Arbeit gehemmt. Daraus geht schon ganz klar hervor, daß wir den nicht zerkauten und daher unausgenutzten Teil der Nahrung zu viel gegessen haben. Daß wir also genau so weit in unserer Ernährung kä men, wenn wir ihn uns ersparten. Neymen wir einmal an, daß wir— ich sage nur eine Zahl 3° Prozent der Nahrung nicht genügend zertauen, so können unsere Verdauungssäfte diese auch nicht verarbeiten, sie gehen also verloren und nützen höchstens noch als Dünger.— Würden wir dag gen unsere Nahrung voll und ganz durch Kauen zerkleinern, so könnten wir auch um jene 30 zent weniger Nahrung zu uns nehmen und kämen dabei doch ebenso weit wie vorher. Wir würden also 30 Prozent des für die Nahrung aufgewendeten Geldes sparen. Aber die Sache hat noch eine andere Seite. Man nehme einmal einen Bissen trockenes Brot und zerkaue ihn so lange, als irgend geht. Ran wird staunen, wie weitgehend dies möglich ist: das trokkene„Brot wird zuletzt völlig flüssig. Durch die Arbeit der Kaumuskeln werden die Speicheldrüsen angeregt, den Speichel stärker als sonst abzusondern, er mischt sich mit dem feinzerteilten Grot und beginnt shon im Munde die Auflösungsarbeit. Un gekehrt also: wenn man nicht ordemlich kaut, wird nicht genügend Speichel abgesondert und der Bissen geht ohne die zu seiner Auflösung nötige Körperflüssigkeit in den Magen, der ihn ja mit einem Magensaft gar nicht bearbeiten kann. Wiederum also wird er mit unnötiger und unmöglicher Arbeit beschwert. Und wenn auch der Bauchspeichel im Darm nachher das Versäumte in etwa nacholt, so ist doch so viel sicher, daß mit dem Mundspeichel die Arbeit schneller, besser und gründlicher erfolgen würde. Infolge jener Versäumnis wer den wieder einige Prozent der Nahrung nicht ge nügend ausgenutzt und daher varschwendet.— Uebrigens sollte man auch Flüssigkeiten nicht ohne Weiteres herunter schlucken, sondern sich im Runde mit Speichel mischen lassen. Bei alle dem handelt es sich um unbezweifelbare, sichere Tatsachen der Ernährungs=Physiolo gie. Darauf aufbauend lautet nun unser höchst einfaches Rezept zur Lösung unserer gegenwärtigen Ernährungsnot: Man zerkaue jeden Bissen m Munde so lange, bis er flüssig geworden ist: was sich so weit nicht zerkauen läßt, entferne mon dem Rund, wie man dies ja auch mit Kirschternen und Gräten tut. Und bei Kindern fange man damit an, sie zu vernünftigen Essen zu erziehen. (Das ausführliche obengenannte Flugblatt kann durch die Buchhandlung Carl Praus bezegen werden. kabefugter Nachdruck dieser Artikol, auch im einzelnen, ist streng verboten. Es ist uns ein Anliegen, unseren Lesern nach heder Richtung hin bestens zu dienen. Wenn möglich, wollen wir jedem auch den ihm zukommenden irdischen Besitz verschaffen. Nun liegen seit mohreren Jahren(etwa seit Beginn des Krieges) in Amerika viele Gelder von dort verstorbenen eingewanderten Deutschen und ähnl., deren Erben oder Besitzer bis jetzt in Deutschland noch nicht gefunden sind. Wir haben uns bemüht, die lange, ausgiebige Liste der gesuchten Deutschen zu erlangen und wurde uns dieselbe nunmehr zur Verfügung gestellt. Darnach besitzen viele tausende unter uns, die selbst oder als Erben gesucht werden. Geld, ohne eine Ahnung davon zu haben. Die Register enthalten über 31 000 amtliche Erben=Gesuche! Wir werden die Namen dieser bisber noch unbekannvon„Reichen" allmählich zum Abdruck bringen und bitten, unsere Veröffentlichungen stets zu beachten und weiter zu empfehlen. Alle jenen, welche auf Grund, der nun folgenden Listen Ansprüche erheben können, wollen sich 600. 601. 602. 603. 604. 605. onter Beilegung von 29 54 für und Ochreibgebühren an die Geschäftsstelle unserer Zeitung wenden, werauf wir weiteres veraulassen Liste Nr. 19 9601 Dol. ca. 9601 000i für Wilh. Othmer. 10.013 Dol. a.c 10013000 4 für A. Jeusen. 660 Dol. ca. 660 000 4 für Joh. Schmidt. 123 Dol. ca. 123000 4 für Ad. Pfunder. 5 Dol. ca. 5000 44 für Herm. Wagner. 2502 Dol. ca. 2502 000(K, für Ernst H. Sommerfeld. 12 Dol. ca. 12 000 4 für Joh. Unterwald. 2400 Dol: ca. 2 400 000 4A für R. Petersen. 20001 Dol. ca. 20001 000 44 für L. Schald. 164 Dol. ca. 164 000 d4 für O. Rohenaischer. 5 Dol. ca. 5000 44 für E. T. Schneider. 1279 Dol. ca. 1279 000 4 für P. Winkler. 358 Dol. ca. 358 000 44 für K. Walsdorf. 150 Dol. ca. 150 000 dA für W. Speier. 180 Dol. ca. 180 000 44 für K. Schürmann. 102 Dol. ca. 102 000 4 für P. Reimann. 606. 607. 608. 609. 610. 611. 612. 614. 615. Offenlegung eines Planes. Der Plan für das zum Ausbau der Kläranlage Hörde zu enleiguende oder dauernd zu beschränkende, in der Gemeinde Hacheney, Kreis Hörde belegende Grundeigentum liegt nebst folgenden Anlagen: I. Mappe enthallend a) Uebersichtsplan b) Lageplan c) Höhenplan d) Bauzeichnung der Emscherbrunnen e) Erläuterungsbericht 2. a) Grunderwerbsplon Blatt 1 und ein Zur Beachtung! Diejenigen unserer Leser. welche in der vorvergangenen Woche Anfragen über das ihnen zukommende Geld bei uns eingereicht haben, können ihre Antworten in unserer Geschäftsstelle in Empfang nehmen, da dieselben von der zuständigen Stelle bereits eingetroffen sind und zumeist nicht ungünstig lauten. sodaß weiterer Erfolg gesichert erscheint, wozu wir bestens gratulieren. Verlag und Schriftleitung der„Schwerter Zeitung". Grundstücksverzeichnis A und B in doppeller Ausferligung in der Zeit vom Dienstag, den 12. bis zum 27. Dezember 1922 einschl. im Sauamt des Amtes Wellinghosen, Amtshaus, Verwaltungsstelle 2 in Wellinghofen zu jedermanns Einsicht aus. Während dieser Zeit kann jeder Beleiligte im Umsange seines Interesses Einwendungen gegen den Plen erheben. Auch der Vorstand des Gemeinde= oder Gutsbezirks hat das Recht, Einwendungen zu erheben, die sich auf die Richtung des Unternehmens oder auf Anlagen an Wegen, Ueberfahrten, Triften, Einfriedigungen, Bewässerungs und Vorflutsanlagen beziehen. Solche Einwendungen sind bei dem Amtmann in Wellinghofen schriftlich einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu erklären. Arnsberg, den 28. November 1922. Der Verbandspräsident. I. A.: gez Unterschrift, Regierungsrat. ebugnggnggn gungan angggg iimmmmmmemmmmimmmmmmmmmmmmmmmmn te Reichhaltige Sendung Radierungen u. Kunstblätter beliebter alter und neuerer Meister eingetroffen Weihnachten in Bethel. Mehr als 4000 Fallsüchtige, Gemütskranke, Kriegsbeschädigte und Heimatlose aller Art und aus allen Teilen Deutschlands, dazu die aus dem russischen Hungergebiet geflüchteten deutschen Waisenkinder wollen in Bethel Weihnachten feiern. Wir möchten ihnen gern eine kleine Freude bereiten. Dazu fehlen uns aber in dieser für unsere Anstalt überaus schweren Zeit die Mittel. Darum klopfen wir mit einer herzlichen Bitte bei den Freunden von Bethel an. Jede kleinste Gabe ist willkommen, besonders Kleidungsstücke Alle Grössen für Wona-, St chlaf- und Kinderzimmer vorrätig. Unsere Werkstätte für Einrahmungen modernsten Geschmackes bringen wir in empfehlende Erinnerung Staubdichte beste Handarbeit! Mäss ige Preise! aller Art, Schuhe, Spiele, Bilder, Bücher oder Geld, numsE um das zu kaufen, was groß und klein erfreut. Je umeher die Gaben in unsere Hände kommen, desto lieber Sestine ist es uns Sru=. Die Sammlung ist durch den Preuß. Herrn Staats5kommissar für die Regelung der Wohlfahrtspflege Esgenehmigt durch den Erlaß vom 25. Juli 1922— K. W. Nr. 1464.— Allen Freunden von Bethel sendet dankbare Weihnachtsgrüße F. v. Bodelschwingh, Pastor. Bethel bei Bielefeld. Postscheckkonto: Nr. 1904 Hannover. rate Ich hab: ich bleib' dabei. Das beste Material für jeden Schuh ob derb ob fein das ist und bleibt Erdal Mrerert Marke Rotfrosch- Schuhpasta Werner& Mertz A.-G. Moinz Ein Inserat Ist in der Tat Ein wahrer Staat, Wennes dierechte Zugkraft hat. Im Heimakblatt Das Inserat Die allermeiste Zugkraft hat. Kullsthändlung Carl Braus. he Toilette ftrtikel= Seifen=Parfümerien i. prachtvoller Aufmachung, größt. Auswahl, all. Preislagen empfiehlt Medic.=Drogerie Wilh. Heppe Ostenstr. 3. Ostenstr. Junger, anständiger Herr sucht Die Fr ss veit. Ltäter möbl. Zimmer mit Morgenkaffee. 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Humboldt Masch. Mannesmann Oberschles Eisenb.=Beo. Orenstein& Koppel.... Phönix Bergbau Reisholz Pap....... Rhein. Stahlwerke..... Rombacher Schuckerl Siegen=Solingen Ver. Dl. Nickelwerke Wests. Draht-Ind. Westf. Eisen, Langendreer Auslands-Wechselkurse der Berliner Börse (Devisenkurse) Man zahlte deutsche Mark: für am 9 12. 1 belgische Franken 516,70 1 dänische Kronen.. 1600,95 1 englisches Pfund 36209.25 1 französische Franken 558,90 1 holländische Gulden 3115,15 1 ttalienische Lire... 391.— 1 polnische Mark....— 1 schwedische Kronen: 2094,75 1 schweizerische Franken 1494.25 1 lschechische Kronen. 250,10 12500 16000 20000 4300 17000 8300 10100 3975 9200 5473 6900 am 8 12. 543,63 1735,65 38154,37 591,01 3331,65 419,44 2254,35 1581,03 262,84 liefert preiswert Sosel Kolling, Morkt a/ ein Bolar.... 788070 888912 egelmäßi Schweiter Haus Aus dem Rei Heimatblätter u Kinderzeitung. U haltungs- u. Rom Sport und Curt Kunst u. Wissen. u Nr. 291 Zu „Nicht tadeln n Untröstlich ist's Doch sah ich ma Und klopfen hört Neueste pol Der Reichskanzl zösischen Botschafter dung. Der deutsche Fi kretär a. D. Berg Die deutsche Bo beim Ministerium d führung des nach der romans hergestellten typischen Reiter" im Der Leiter der tung Stomoniakow kau abgereist. Er läufiger Abko zeichnet wurden, zu Sowjetregierung m In Heidelberg sta gen aus Helmst Nachkomme des Rit der eisernen Hand. Der deutschnatit ordnete, Oekonomier gen einer Operatior storben. Schmidt g des Bundes der Führer des sächsise Die Hambur ihren ehemaligen T nen) von der franz kauft und in Bre 0 Der frühere I stizminister I. Hirsch“ in Braunsch E Pus gechE Ein amerikani mierministerkonfe geschärft, und da ropäische Festlank für das nächste I sehr bald eine A allen Möglichkeit im Prinzip Rech kunftsmöglichkeite Schicksal eines Vi ab, sondern von darin liegt die die Reichsmark. 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