Regelmäßige Beilagen: Schwecter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung. Unser Blatt u Unterhaltungs- u. Romanbeilage. ump Spiel, Sport und Curnen. n Lebensbild. Kunst u. Wissen. u Gartenratschläge. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Velkszeitung Schwerter Velksblatt Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung belzwickeder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generglanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jektung“ erscheint werktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Drusk und Verlag: Carl Braus. Telegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richterz— —. in Schwerte. Nr. 288 Zum Die zwei Urrechte, die Fichte von seinem Zukunftsstaat fordert: das Recht auf Arbeit und das Recht auf Existenz für jeden: sie sind für den sozialen Staat noch heute Forderungen geblieben. Freilich aber sind diese beiden Rechte untrennbar an zwei Pflichten gebunden: an die Pflicht zu arbeiten und an die Pflicht, nicht für sich selbst, sondern für die Gemeinschaft zu leben. W. Wundt(Die Nationen und ihre Philosophie, 1915). A Neueste politische Nachrichten. Reichskanzler Cuno hat die Einladungen zur Zusammenkunft der Ministerpräsidenten für nächsten Mittwoch ergehen lassen. Das Reichskabinett hat seine Beratungen über die Stellungnahme zu der schroffen Note der Botschafterkonferenz fortgesetzt. * Das hessische Gesamtministerium hat sich der in diesen Tagen vom Gesetzgebungsausschuß des Landtages gefaßten Entschließung gegen die imperialistische Drohung der französischen Regierung gegenüber den Rheinlanden durchaus angeschlossen. * Der Wiederherstellungsausschuß hat beschlossen, daß von Deutschland vorläufig bis zur seler Konferenz nur die normalen Kohlenmengen abgeliefert werden sollen. * Der amerikanische Botschafter in Berlin begab sich nach Paris zu einer Aussprache mit seinen Pariser Kollegen und mit anderen Politikern in Frankreich über die aktuellsten Fragen der mitteleuropäischen Lage. * In Aachen kam es im Anschluß an kommunistische Betriebsräteversammlungen zu großen Kundgebungen, bei denen die Polizei eingreifen mußte und eine Anzahl junger Burt8.Sch Die ungewisse Zukunft Europas. Alles menschliche Tun rechnet mit der Zukunft, ohne Sicherheit für diese bleibt jedes Beginnen ein Wagnis, das der Spekulation gleicht und daher mit Verlusten rechnen muß. Dieser Zustand ist unerfreulich, schon deshalb, weil die eigentlichen produktiven Stände darunter am meisten leiden. Der Lohn der Arbeit, der ihnen gebührt, verwandelt sich zum großen Teil in Schiebergewinn, wie wir es jetzt sehen, und allgemeine Schädigungen sind unausbleiblich. Seit 1871 waren die Jahre, die tatsächlich eine Konsolidierung der Verhältnisse in Europa darstellten, knapp bemessen. Es war besonders die Zeit von 1881 bis zum Ende des Jahrzehntes,— es kam dann die Wirtschaftskrisis,— und von 1892 bis 1898. Dann traten auswärtige Streitereien in den Vordergrund, die auch Deutschland nicht unbehelligt ließen. Trotzdem war unser wirtschaftlicher Aufschwung bis 1914 großartig, ein Zeichen, daß doch die deutsche Industrie wenigstens auf solidem Grunde gebaut hatte. Ohne diese Grundlage der gediegenen Arbeit hätten wir auch die bösen Jahre von 1919 bis heute nicht aushalten können. Nach dem Weltkriege ist es nun in der Politik, wie im Wirtschaftsleben ganz anders gekommen, als man gedacht hat. Wirklichen Nutzen hat bisher nur Amerika von dem großen Blutvergießen gehabt, und auch hier haben die Geldleute den Hauptverdienst eingesteckt. Anderswo spricht man von Arbeitslosigkeit, Absatzstockung und schweren Shulden. Statt sich zu einigen, will man die ganze Last der Schuldentilgung auf den deutschen Michel werfen. Es ist wohl die Frage, ob das heutige Frankreich imstande ist, die ehrgeizigen Pläne seiner Dienstag, S. Dezember 1922 55. Jahrgang Wortführer zu verwirklichen. Napoleon war der erste Feldherr seiner Zeit ein ganzes Bündel Kleinstaaten war mit Frankreich verknüpft, Hamburg, Amsterdam, Rom waren französische Städte. Und doch brach die Tyrannei seines Willens schließlich unter der Opposition der gedemütigten Völker zusammen. Der jetzigen Regierung in Paris wird es schwerlich gelingen, ihre Vorherrschaft in Europa auch nur für eine kurze Frist so zu begründen, wie dies Napoleon gelang, dazu fehlt ihr eine imposante Persönlichkeit, aber sie kann den Menschen das Leben sauer machen. Wir müssen für die nächste Zukunft mit neuen Drohungen aus Paris und mit nicht befriedigenden Aeußerungen aus London rechnen, die mehr den Franzosen als der Vernunft zuliebe geschrieben sind. Es muß aber abgewartet werden, ob sich die europäischen Verhältnisse von Poincare meistern lassen. In keinem Falle wird damit die Ruhe für die Zukunft Europas garantiert. Wenn Poincare das Ruhrgebiet niedertreten will, kann er auch in die Scherben fallen. Tote Feinde schaden nicht! Gunaris, der fruhere griechische Ministergrasident. unn Fünisfergurd in Alten. Es ist eine bedauerliche Tatsache, daß die Ehre auch in dem Offizierskorps der einzelnen Staaten schlecht gehütet war. Der serbische Königsmord, die Vertreibung des Fürsten Alerander von Bulgarien, die revolutionären Zwischenfälle in Griechenland fallen den militärischen Kreisen zur Last, die jetzt auch das Blutgericht gegen die Minister in Athen herbeigeführt haben. Das Renomee der Tapferkeit, welches die Balkanvölker lange besessen haben, hat sich im Laufe der Jahre sehr verflüchtigt, nur bei den Türken und Bulgaren hat es sich im allgemeinen bewährt. Die Griehen zeigten schon im ersten Kriege mit den Türken schwere Beispiele von Kopflosigkeit selbst bei den Generalen, und von ausgesprochener Feigheit bei den Offizieren. Es ist ihnen nicht gelungen, ihre moralischen Qualitäten zu erhöhen und diesem Mangel, der sich auch in häufigen Durchstechereien äußerte, verdanken sie auch ihre Niederlage gegen die Türken in Kleinasien. Auch wenn man der langen Kriegsdauer viel zugute rechnet, die griechische Armee war haltlos in ihrer Moral und Disziplin schon seit langen Jahren. Die Verurteilung der Minister in Athen stellt selbst für den skurpellosen Orient den Gipfel politischer Unverfrorenheit dar. Durch Richterspruch sind Sündenböcke für den verlorenen Krieg amtlich festgestellt und bestraft worden, ferner sind, worauf es den heutigen Machthabern besonders ankam, die toten Gegner verhindert worden, die Wahrheit über den verlorenen Feldzug und über die Minderwertigkeit des griechischen Offizirskorps und ihrer Mitläufer ans Licht zu bringen„Ein toter Feind muß schweigen!" Nach diesem Rezept ist auch hier gehandelt worden. Nach den griechischen Ministern soll jetzt Prinz Andreas, der Bruder des Königs Georg, an die Reihe kommen. Er wird angeklagt, den Befehlen des Generals Papulos keinen Gehorsam geleistet zu haben, wodurch den griechischen Interessen schwerer Schaden geschehen sei. Ordnung, Kommunist und Geld. Sitzung des Deutschen Reichstages am 4. Dez. Der Reichstag ist nach kurzer Erholungspause wieder versammelt. Die Interpellationen des Zentrums und der Deutschnationalen, die sich gegen die Beeinträchtigungen der religiösen Freiheit in Sachsen, Thüringen und Braunschweig richten, sollen in der vorgeschriebenen Frist beantwortet werden. Der 6. Nachtrag zum Reichshaushalt, der eine Erhöhung der Beamtenbezüge bringt, wurde ohne Aussprache angenommen. Die Gesetze über die Erhaltung der Kriegergräber aus dem Weltkriege und die Aenderung des Lichtspielgesetzes wurden an die zuständigen Ausschüsse verwiesen. Der Reichstag beschäftigte sich dann wiederum mit der Reform seiner Geschäftsordnung, u. a. auch mit der Redeordnung. Nach den neuen Bestimmungen soll jede Rede nur ¾ Stunde dauern. Ausnahmen werden aber für besondere Fälle zugestanden. Die Kommunisten erhoben gegen diese Kontingentierung der Redezeit lebhaften Einspruch und behaupteten, daß die ramponierte Würde des Reichstages durch solche Mittel nicht gebessert werden könne. Der Kommunist Höllein drohte, daß sich seine Parteisreunde durch keinen Maulkorb und Hausknechtsparagraphen und durch keine Knüppelgarde in ihrer Tätigkeit behindern lassen, man kann von dieser Seite also noch mancherlei erwarten. Wegen der schlechten Besetzung des Hauses wurde die Abstimmung ausgesetzt und man erörterte die Ordnungsbestimmungen. Danach kann einem Redner das Wort entzogen werden, wenn er dreimal in derselben Rede zur Sache oder zur Ordnung gerufen worden ist. Im Falle gröblicher Verletzung der Ordnung kann ein Abg. von der Sitzung ausgeschlossen werden. Verläßt er den Saal nicht, so wird die Sitzung unterbrochen oder aufgeoben, und der schuldige Abgeordnete erhält ohne weiteres den Ausschluß von 8 ferneren Sitzungstagen zudiktiert. Leistet er den Anordnungen des Präsidenten dauernd Widerstand, so tritt ein Ausschluß von 20 Sitzungstagen ein. Der Kommunist Eichhorn behauptete, daß der Reichstag sich mit diesen Bestimmungen selbst entmanne. Er bekämpfte auch die Einführung der Bannmeile,die es unmöglich mache, daß Demonstrationen bis zum Reichshause vordringen können. Der volkspart. Abg. Dr. Kahl warnte vor jeder Abschwächung der Ordnungsbestimmungen. Er verwies auf die Parlamente des Auslandes, wo gegenüber rabiaten Abgeordneten noch ganz andere Machtmittel in Bewegung gesetzt werden. Der Kommunist Höllein behauptete im Gegenteil, daß es z. B. in Belgien freier zugehe und daß dort im Brüsseler Parlament sich oft Szenen ereigneten, gegen die die Vorgänge im deutschen Reichstag nur wie das Säuseln eines Zephirs erscheinen. Herr Höllein war besonders empört über die Absicht, den von der Sitzung ausgeschlossenen Abg. auch die Diäten zu entziehen. Hier wurde sein kapitalistisches Herz gebrochen. Mit gleicher Wut zog er gegen den früheren preußischen Minister Dominicus zu Felde, der Monatsdiäten von 77000 d für Reichstagsabgeordnete zu hoch gefunden hatte. Da das Haus sich noch immer nicht füllte, mußten die Abstimmungen vertagt und mit der Sitzung ausgesetzt werden. In der später folgenden weiteren Aussprache wird beschlossen, die Redezeit auf eine Stunde festzusetzen. Die Bestimmungen über den Ausschluß von Abgeordneten werden in der Ausschußfassung angenommen. Ein deutschnationaler Antrag auf Errichtung einer Parlamentswache im Reichstag wird abgelehnt, Damit ist die erste Lesung der Geschäftsordnung erledigt. Eine zweite Lesung wird später stattfinden. Das Haus vertagt sich auf Dienstag 2 Uhr: Anfragen. 7. Nachtragsetat(Reichspräsident, Reichsjustizministerium.) Schluß ¾6 Uhr. Wir und die Franzosen. Sollte Frankreich gewillt sein, gegen den Rat Englands und Amerikas, am Rhein Abenteurerpolitik zu treiben und durch einen Ueberfall den Vertrag von Versailles zu brechen, so kann deutschland militärische Machtmittel nicht entgegenstellen. Der Ueberfall im Frieden würde aber einen casus belli schaffen und die diplomatischen Beziehungen unterbrechen. Der Vertrag von Versailles würde damit für Deutschland nicht mehr bestehen. Deutschland hat versucht, treulich seine Verpflichtungen zu erfüllen, es steht am Ende seiner Kraft. Will Frankreich noch retten, so muß es eine Verständigung mit uns suchen. Ein neuer Raub deutschen Landes wird Frankreich nicht vor der Katastrophe retten, dafür aber den Keim zu neuen Kriegen legen. Noch hofft die Reichsregierung, daß England und Amerika jede Abenteurerpolitik Frankreichs verhindern werden. als Pazisist. „Wir sind keine Bismarcks“ beweihräuchert sich Poincare, soll heißen, wir gehören nicht zu den Politikern von„Blut und Eisen".„Bismarck als Pazifist“, so charakterisiert Dr. Lepsius, der Armenienforscher, in den neuesten„Süddeutschen Monatsheften“, den Altreichskanzler. Werturteil gegen Werturteil. Entscheiden können also nur die historischen Tatsachen, nur Analysen der politischen Systeme der beiden Antipoden, Bismarck und Poincare! Und ein solcher Aktenbeweis zu Bismarcks Gunsten ist jetzt Dr. Lepsius gelungen. Er nennt den Fürsten einen Pazifisten im Sinne eines Friedensstifters, der gegen die beiden beherrschenden Ideen einer Zeit, Nationalismus und Universalismus aufgetreten ist und einen ragenden Bau von friedlichen Bündnissen aufgeführt hat. Nicht Napoleon dem Eroberer, gleicht Bismarck; denn er besaß weder militärischen Ehrgeiz, noch imperialistischen Größenwahn. Er war für Deutschland, was Egbert von Wesser für England, Cavour für Italien und Lincoln für die Vereinigten Staaten war, nicht Eroberer, sondern Einiger." Das war Bismarcks Titanenarbeit in der ersten Periode In der zweiten meisterte er noch weit mehr: die Erhaltung des europäischen Friedens, die Pazifizierung Europas. Wie ungeheuer schwer diese Aufgabe war, Friedensstifter und Friedenshüter in diesem„kriegslüsternen europäischen Staatensystem der 86er Jahre" zu sein. weist Dr. Lepsius in lebendiger tiefgründiger Abhandlung nach! Nicht in der Luft hat Bismarcks Friedensidee geschwebt, sie war kein„pazifistischer Traum vom Friedensreich auch Erden“ schlechthin Sie beschränkte sich auf das Erreichbare. Aber sie war verankert in seiner Persönlichkeit, beruhte auf den Leitgedanken seiner konservativen Politik— Bismarcks Friedenspolitik, auf Jahrzehnte hinaus angelegt, ist gescheitert, weshalb vor allem, kann Poincare, der ja„kein Bismarck“ sein will. verraten. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß Deutschlands erster Reichskanzler 20 Jahre lang an der Pazifizierung Europas mit Erfolg gearbeitet hat, entgegen aller Verleumdung im Lager der Friedensgegner. Die Schwierigkeiten der Brotbersorgung. Wie die jetzt bekannt werdenden Ziffern ergeben, sind die Befürchtungen der amtlichen Stellen hinsichtlich der Brotgetreideversorgung im laufenden Jahr vollberechtigt. Bis zum Ablauf des letzten Termins für die Ablieferung des ersten Umlage=Drittels sind im ganzen 603000 Tonnen Brotgetreide eingegangen. Das sind 72 Prozent des Ablieferungssolls, also noch nicht einmal drei V##ertel. Debei in allerdings bei eswa zehn prozentige Nachlaß für einzelne Landesgegenden nicht berücksichtigt; er verschiebt aber das Gesamt bild nicht wesentlich. Hervorzuheben ist, daß Preußen mit 83 Prozent erheblich über dem Durchschnitt der Einlieferung steht. Restlos ist die Umlagemenge nur von Oldenburg und Anhalt erfüllt worden. Obwohl sich nach diesen Zahlen die Brotgetreideabgabe in den letzten Tagen etwas gebessert zu haben scheint, gibt der Umstand, daß fast ein Viertel des Ablieferungssolls schon beim ersten Drittel der Umlage im Rückstand geblieben ist, zu schweren Besorgnissen Anlaß. In allernächster Zeit wird bekanntlich der Beschluß gefaßt werden, das Martenbrotmehl mit Kartoffelmehl zu strecken. Ueber den Prozentsatz der Streckung steht Genaues bieher noch nicht fest, doch denkt man an eine Menge von 10 Prozent Kartoffelmehl, die dem Brotmehl zugesetzt werden soll. Die Bäckereiverbände haben sich bereits gegen eine solche Absicht gewandt und erklärt, die Qualität des diesjährigen Mehles sei so außerordent lich gering, daß jeder Zusatz wasserhaltiger Strektungsmittel wie z. B. des Kartoffelmehls Wirkungen hervorrufen müsse, die im Interesse der Volksgesundheit nicht zu verantworten wären Es ist nun richtig, daß die Qualität des Mehls und des Markenbrotes durch Streckung verschlechtert wird. Aber gerade deshalb sollte man es für not wendig halten, wenn schon ein Zusatz von Strekkungsmitteln sich in diesem Jahre nicht umgehen lasse, möglichst bald solche Maßnahmen anzuord nen, um die prozentuale Höhe der Streckungsmit tel möglichst niedrig zu halten. Der Reichslandbund hat an den Reichsernährungsminister eine Reihe von Forderungen gerichtet. So verlangt der Bund die sofortige Einberufung des ZwanzigerAusschusses, um für das dritte Sechstel Getreideumlage einen Preis zu bestimmen, der den tatsächlichen Verhältnissen entspreche. Schwerte, 5. Dezember. Erinnerungen. 1757 Schlachtbei Leuthen, Sieg Friedriche des Großen über die Oesterreicher. 1791 Wolfgang Amadens Mozart gestorben. 1885 Der Dichter Aug. Graf von Platen gest. * Verjähruug von Forderungen. Beim Herannaben des Jahresschlusses, empfiehlt es sich für jedermann, insbesondere aber für den Handel= und Gewerbetreibenden, seine Außenstände einer Prüfung dahin zu unterziehen, ob nicht mit dem Jahresschluß die Verjährung eintritt. Die Verjährung berechtigt den Schuldner, die Bezahlung der Forderung zu verweigern. Die Unterbrechung der Forderung kann durch die Erhebung der Klage oder durch Zustellung eines Zahrungsbefehles bewirkt werden. Unterbrochen wird die Verjährung auch durch Anerkennung der Schuld durch den Schuldner. Diese Anerkennung kann durch Abschlagszahlung, Zinszahlung oder Sicherheitsleistung usw. unterbrochen werden. Eine Unterbrechung der Verjährung wird durch die bloße— mündliche oder schriftliche— Mahnung nicht herbeigeführt. Forderungen über die eine schriftliche Anerkennung vorliegt, verjähren erst in 30 Jahren, desgleichen alle ausgeklagten Forderungen und solche Schulden, über die eine Urkunde vorliegt. Die meisten aus dem Geschäftsverkehr des täglichen Levens entsprungenen Forderungen verjähren bereits innerhalb zwei bezw. vier Jahren. In zwei Jahren verjähren z. B. die Ansprüche der Kaufleute, Fabrikanten, Handwerker und derjenigen, welche ein Kunstgewerbe betreiben, für Lieferung von Waren, Ausführung von Arbeiten und Bezeogung temer Geschäfte, also ein goßer Teit der gewöhnlichen zorderungen. Wir empfehlen unseren Lesern noch im Laufe des Dezembers ihre Außenstände auf die Möglichseit der Verjährung hin zu prüfen und dann die Vertährung durch Zustellung eines Zahlungsbefehls unterbrechen zu lassen. * * Die Weihnachtsserien an den Volks= und höheren Schulen sollen nach einem Erlaß des Ministers Voelitz um 5 Tage verlängert werden. Sie beginnen am 15. Dezember und enden mit dem 8. Januar 1923. Kinder, ihr habts gut! * Richtlinien für Volksschullehrpläne der Oberstufe sind vom preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung den Provinzialschulkollegien übermittelt worden. Es wird darin ausgeführt, daß die oberen Jahrgänge der Volksschule die abschließende Schule für die Kinder bilden, die nach Vollendung der Schulpflicht in das werktätige Leben eintreten und ihre weitere Schulung vornehmlich in den Berufsschulen empfangen werden. Daher müßten ihre Lehrpläne mehr als die der Grundschule die Bedürfnisse des Lebens berücksichtigen. Die Handbetätigung der Kinder sei in möglichst weitem Umsange nutzbar zu machen. Die zunächst im Dienste der leiblichen Erziehung stehenden Schulwanderungen sollten durch Beobachtung des Pflanzen= und Tierlebens der Boden= und Witterungsverhältnisse usw. auch zur Erweiterung der geistigen Bildung dienen. Die Lehrfächer sind Religion(gegebenenfalls Lebenskunde), Deutsch, Geschichte und Staatsbürgerkunde, Erdkunde, Naturkunde, Rechnen, Raumlehre, Zeichnen, Gesang, Turnen und für die Mädchen Nadelarbeit außerdem, wo die äußeren Vornussetzungen dazu geschaffen sind, für die Mädchen Hauswirtschaft, für die Knaben Werkunterricht. Einzelheiten bringen wir noch. Rückerstattung von Fahrgeld. Während birher Anträge auf Rückerstattung von Fahrgeld nur durch die Verkehrsämter entgegengenommen wurden, was Zeit und Schreibereien erforderte, sind jetzt die Fahrkarten=Ausgaben ermächtigt, derartige Anträge sofort zu erledigen und die Reisenden zu befriedigen, Voraussetzung ist, daß der Antrag bei der Fahrkartenausgabe einer Station gestellt wird, wo die Reise begonnen, beendet oder abgebrochen worden ist. Auf der Fahrkarte muß ordnungsmäßig und einwandfrei bescheinigt sein, wie weit sie nicht ausgenutzt worden ist. Der Sauerländische Gebirgsverein hatte am letzten Samstag und Sonntag seine geschäftlichen Tagungen in Iserlohn. Vertreten waren viele Zweigvereine. Hervorzuheben ist ein besonders dazu von ihm veranstalteter Jugendgottesdienst in der reformierten Kirche, zu dem auch sämtliche anderen Jugendvereine Iserlohns geladen und erschienen waren. Das eigenartige der Jugendgottesdienste in Iserlohn ist die Mitwirkung der Laien, auch durch Ansprachen von der Kanzel. ** Keine militärischen Titel im Zivildienst. Die Führung alter militärischer Dienstbezeichnungen durch Beamte ist vom Reichskabinett für die gesamte Reichsverwaltung verboten worden. Reichsbeamte führen z. T. im dienstlichen Verkehr neben der Amtsbezeichnung die Dienstgradbezeichnungen, die von ihnen als Soldaten in der Wehrmacht erworben worden sind. Es werden auch die militärischen Charakterbezeichnungen geführt, die nach dem Ausscheiden aus dem Heeresdienst beigelegt wurden. Eine solche Beifügung militärischer Dienstgrade ist im amtlichen Verkehr nicht zulässig. Sie sei auch außenpolitisch unerwünscht, weil verschiedene Noten der Entente zeigten, daß daraus Vermutungen auf eine militärische Einrichtung zahlreichen Zivildienststellen hergeleitet werden. Die Verordnung des Reichspräsidenten gestattet lediglich die Weiterführung der früheren Duel und Ams#bezeichmingen dev Deamten. gehe llar aus den ausgeführten Beispielen. Geheimer Regierungsrat, Geheimer Rechnungsrat usw. hervor. Dies gelte aber nicht für Bezeichnungen, die dem Beamtenverhältnis fremd sind. Die Beamten dürfen auch im dienstlichen Verkehr nicht mit militärischen Dienstgraden angeredet werden oder sich so anreden lassen. Die Schornsteinreinigungsgebühr ist in der Sitzung des Kreisausschusses am 27. v. Mts. mit Wirkung vom 1. 11. ab aus das 28fache der in der Einheitsmetergebühr vorgesehenen Gebührensätze erhöht. Die Zahl der Reinigungen ist für das Sommerhalbjahr auf 2 und für das Winterhalbjahr auf 3 festgesetzt. ** Der sanfte Druck. Die Beamten der Reichsbahn und Reichspost gehen, wie wir berichtet hatten, nicht gern zur Steuerverwaltung. Die drei beteiligten Reichsminister Groener, Giesberts ind Dr. Hermes haben die Präsidenten ihrer Bereiche ersucht, in gemeinsamen Beratungen alle Maßnahmen zu erörtern und Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Sie werden persönlich verantwortlich dafür gemacht, daß keine geeigneten Mittel unerschöpft bleiben. Vor allem sollen die Beamten darauf hingewiesen werden, daß es sich bei der Reichsabgabenverwaltung um eine aufbauende Verwaltung handelt, die voraussichtlich ein günstigeres Fortkommen bietet als die alten wegen des Abbaues der Stellen. Jedenfalls hätten sie Nachteile wegen ihrer Herkunft aus einer anderen Verwaltung nicht zu befürchten. Aber auch die Beförderungsmöglichkeiten der alten Steuerbeamten würden durch die Uebernahme der Verkehrsbeamten nicht verschlechtert. ** Kommunales Notgeld Dortmund=Hörde, Westfalenlied". Zur Behebung des Mangels an Zahlungsmitteln über 25 und 50 c haben die Stadt= und Landkreise Dortmund und Hörde auch noch Notgeldscheine über diese Beträge herstellen lassen. Mit der Ausgabe wird heute begonnen. Die Scheine(in Serien von je 4 Stück) tragen auf der Vorderseite— neben bildlichen. Darstellungen aus der Reinoldussage— das Datum vom 10. Oktober 1922 und die Unterschriften Eichhoff und Dr. Fischer sowie das Dortmunder Stadtsiegel. Die Rückseiten enthalten je einen Vers des bekannten Westfalenliedes von Rittershaus mit erläuterndem Bilderschmuck. ** Konzert der Cäcilia. Unter Meister Haanemanns fachkundiger und anfeuernder Leitung ersang sich die„Cäcilia“ in dem gestrigen, trotz des schlechten Wetters gut besuchten Konzert im „Freischütz"=Saal neue Erfolge. Der stattliche Chor überraschte auch gestern wieder durch Tonschönheit, dynamische Schattierung, Ausgeglichenheit der einzelnen Stimmen und feinsinnigen Vortrag. Mit dem„Sanktus“ von Schubert in ganz ausgezeichneter Weise eingeleitet, bot das Programm an Männerchören u. a. die große Neumann'sche ganz realistisch gesetzte Ballade„Der Feuerreiter", eine Glanznummer des Konzerts, sowie kleinere Sachen von Härtel, Schulte, Kahl, Schnaf, Kresinsky, Zöllner, Drezent und anderen Tonmeistern, von denen uns Kresinskys„Unter Rosen“ am besten gefallen hat. Zwei Mitglieder des Vereins, die Herren Kathol(Bariton) und Baader(Tenor) bewährten sich bestens als tüchtige Solisten und fanden beide für ihre Liederspenden den wohlverdienten Beifall ihrer dankbaren Hörer. Beide Herren, die an Herrn Hanemann einen sicheren Begleiter gefunden, haben sehr gutes Material in ihrer Kehle und auch ihre gesangliche Ausbildung steht bereits auf einer ziemlich hohen Stufe. Während Herr Kathol Lieder von Altmeister Löwe, Schubert, Schumann u. a. beisteuerte, hatte Herr Baader auch einige Bruchteile aus Ozean(„Hugenotten",„Carmen") auf sein Programm gesetzt und das hätte er doch vermeiden sollen; derartige Tonstücke, aus dem Ganzen hei###dgerissen wirlen nun einmel nicht im Konzerlsaal.„Das Meer“ von Schubert ist dagegen doch bedeutend danknarer. Wir würden uns sehr freuen, beide Herren demnächst wieder in unseren Konzertsälen zu hören. Der kathol. kaufm. Verein„Hansa“ hat am Mittwoch, 6. Dezember, abends 8 Uhr, im katholischen Vereinshaus.(Rasinosaal) einen Vortrag seines geistlichen Beirats. Herrn Kaplan Schleep, anschließend hieran seine Hauptjahres=General= versammlung. Die Mitglieder sind pünktlich und zahlreich eingeladen und können Freunde der Bewegung mitbringen. ** Gründung einer Theatergemeinschaft Hagen des Bühnenvolksbundes. Durch Vermittelung der Westfälischen Landesbühne werden in Hagen noch im Laufe dieses Monats verschiedene Gastspiele der Vereinigten Stadttheater Herne=Recklinghausen gehalten. Die Bildung einer Theatergemeinschaft des Bühnenvolksbundes(Theaterpflege im christlich=deutschen Volksgeist) ist dazu ein unbedingtes Erfordernis. Dies zu erfüllen, ist am vergangenen Samstag ein vorbereitender Ausschuß zusammengekommen, dessen vorläufige Leitung Dr. Mally Behler übernommen hat. Noch Ende dieser Woche werden Aufrufe zum Beitritt in den Bühnen=Volksbund an die dafür interessierten Kreise bezw. Vereine und Organisationen ergehen und es wird dringend gebeten, die ser hochwichtigen kulturellen Angelegenheit das nötige Interesse entgegenzubringen. ** Alle hiesigen Vereine seien wiederholt daran erinnert, daß Wünsche um etwaige Hinweise auf die Veranstaltungen und um Berichte nach den betreffenden Festlichkeiten unserer Redaktion rechtzeitigmitgeteilt werden müssen unter Vorlage von Programmen und Einladungskarten. Auch ist es dabei wohl ganz selbstverständlich, daß der Anzeigenteil in keinem Fall übergangen werden darf.— Ebenso sei erinnert, daß Vereinsdrucksachen in unserer Buchdruckerei geschmackvoll und preiswert hergestellt werden. ** Eine Benzolgewinnungsanlage foll in Schwerte durch die Stadt in der Gasanstalt errichtet werden. Etwaige Einsprüche dagegen müssen rechtzeitig erhoben werden laut amtlicher Bekanntmachung im Anzeigenteil. ** Frankiert die Briefe richtig. Jeder Brief, der in den Postkasten geworfen wird, muß vorher nochmals genau angesehen werden, ob die Frankatur und die Adresse stimmen. Man bedenke, daß das Strafporto für einen aus Versehen unfrankiert gebliebenen Brief heute 24 M ausmacht, das natürlich kein Empfänger bezahlen wird, das aber der Absender tragen muß, wenn der Brief an ihn zurückkommt. Das Publikum glaubt nicht, welche Mengen von Postkarten und Briefen heute noch unfrankiert oder nicht genügend frankiert aus Versehen der Post übergeben werden. Sehr oft wird auch ein Brief, für den im Postamt die Briefmarken gelauft werden sollten, unachtsamerweise in den Postkasten geworfen. Also man denke daran: Das Strafporto macht 24 A für den Brief, 12 c für eine Postkarte! ** Schwere Diebesschäden. Von jugendlichen Personen wurden von Neubauten der Siedlungsgebäude Walzblei im Werte won über 250000 entwendet und teilweis schon an Althändler verkauft. Bei der Entwendung ist dem betreffenden Dachdecker durch Beschädigung der fertig gestellten Dächer ein Schaden von ca. 30000 A entstanden. Einige Täter sind ermittelt. Gegen die betr. Käufer wird mit allen zu Gebote stehenden Mitteln eingeschritten werden. * Westhofen. Nun ist auch hier eine Preisprüfungsstelle eingerichtet worden; im Regierungsbezirk Arnsberg nicht weniger als 20 neue Stellen. 96 Art latzt nicht von Art. Roman von H. Hill. (Nachdruck verboten.) Der andere brummte etwas Unverständliches und wandte sich zum Gehen. In diesem Augenblick setzte Odemar den Fuß zwischen die Tür, um damit zu verhindern, daß ihm diese vor der Nase zugeschlagen werden könnte, und saßte den Menschen ins Auge, der ihn mit mehr erstaunter als erschrockener Miene ansah. Sein Personengedächtnis war gut genug, um ihn das unangenehme Gesicht sogleich als das des Kammerdieners von Schloß Donnersberg erkennen zu lassen, und so glaubte er sich alle einleitenden Erklärungen sparen zu dürfen. „Ich muß den Grafen sprechen,“ sagte er.„Auf der Stelle muß ich ihn sprechen. Versuchen Sie nicht, seine Anwesenheit in diesem Hause zu leugnen. Es wäre nutzloses Bemühen; denn ich bin ihm von der Stadt her gefolgt und habe ihn hier eintreten sehen. Wenn Weigelt durch das unerwartete Erscheinen des Schriftstellers in Bestürzung versetzt worden war, so verstand er es jedenfalls meisterhaft, diese Bestürzung zu verbergen. Seine Miene war so höflich und so tadellos korrekt, wie es einem wohlerzogenen Diener zukam, und nicht die geringste Erregung offenbarte sich im Kang seiner Stimme, da er erwiderte: „Ich habe keinerlei Auftrag von dem Herrn Grasen, seine Anwesenheit in Abrede zu stellen. Wenn Sie die nte haben wollen, einzutreten und einstweilen Platz zu nehmen, so werde ich Sie melden und werde den Herrn Grafen fragen, ob er in der Lage ist, Sie zu empfangen. Er ist namlich im Augenblick durch eine wichtige Angelegenheit in Anspruch genommen.“ „Gut! Aber sagen Ste ihm gefälligst, daß meine Angelegenhei: jedenfalls die wichtigere ist, und daß ich nicht geonnen bin, mich mit irgendwelchen Rebensarten abspeisen zu lassen.“ Er war eingetreten und hatte sich in das Wartezimmer begeben, dessen Tür Weigelt mit respektvoller Höflichkeit vor ihm geöffnet hatte. Als der Diener Miene machte, sich zurückzuziehen, hielt er ihn noch einmal fest. „Noch einen Augenblick! Befindet sich auch die Komtesse Edith Donnersberg hier im Hause?“ Diesmal erschien ein Ausdruck höchster Ueberraschung auf dem Gesicht des Dieners. „Die Komtesse Donnersberg?“ wiederholte er, als sei er nicht sicher, recht gehört zu haben.„Nein, gewiß nicht. Dies wäre wahrhaftig kein geeigneter Aufenthaltsort für eine so vornehme junge Dame.“ „Können Sie mir sagen, ob sich Ihr Herr heute in der Gesellschaft der Komtesse befunden hat?" „Ich bedauere außerordentlich, mein Herr, Ihnen darüber keine Auskunst geben zu können. Aber ich halte es für äußerst unwahrscheinlich. Der Herr Graf ist allerdings erst vor kurzem hier erschienen, doch glaube ich gehört zu haben, daß er auch erst im Laufe des heutigen Tages von Schloß Donnersberg eingetrossen ist. Ob er etwa in der Zwischenzeit eine Begegnung mit der gnädigsten Komtesse gehabt hat, ist mir nicht bekannt.“ „Gut— so gehen Sie, und richten Sie dem Grafen wörtlich aus, was ich Ihnen gesagt habe. Ich bin nicht gesonnen, lange auf eine Antwort zu warten.“ Nachdem sich die Tür binter dem Diener geschlossen hatte, sing er an, mit ungeduldigen Schritten in dem kleinen Raume auf= und niederzugehen, und er bedauerte tief, daß ihm bei der Unterredung, auf die er sich gefaßt machte, keine anderen Wasfen zur Verfügung standen als seine beiden, allerdings sehr kraftvollen und eisenfesten Fäuste. 31. Kapitel. Als Weigelt die von außen versperrte Tür des Krankenzimmers wieder geöffnet und die Schwelle überschritten hatte, sah er, daß die Situation sich während seiner kurzen Abwesenheit nicht merklich geändert hatte. Der Graf saß noch immer auf dem Bettrand, nur mit dem Unterschied, daß er in zwischen die Verbände und Pflaster von seinem Gesicht entsermt hatte, Fräulein Johannsen hatte sich aus einen Stuhl in der Nähe der Tür niedergelassen, und die Komtesse srand regungslos und bleich wie eine schöne Marmorstatue auf dem nämlichen Fleck wie vorhin. „Sie sind verteufelt lange ausgeblieben,“ rief ihm der Graf entgegen.„War denn da unten irgend was nicht in Ordnung?:„„„ Statt der untwort machte ihm Weigelr ein Zeichen, ihm auf den Flur hinaus zu folgen, und nachdem er ihn dort um einige Schritte beiseite gezogen hatte, flüsterte er: „Rege dich nicht auf über das, was ich dir jetzt zu sagen habe, mein Bester! Unten im Wartezimmer sitzt der Doktor Odemar. Er hat dich von der Stadt her verfolgt und hier eintreten sehen. Als ich mit dem anderen sprach, nahm er die Gelegenheit wahr, sich den Eintritt zu erzwingen. Ich hätte ihn nicht daran hindern können, ohne einen großen Skandal zu erregen; denn er hatte wie ein unverschämter Bettler seinen Fuß zwischen die Tür und den Pfosten gestellt.“ Der Graf war bei der Nennung von Odemars Namen wohl erschrocken zusammengefahren, aber er gewann seine dreiste Zuversicht bald zurück.„..,.. 8. „So weiß er auch, daß das Maochen hiel im Hause ist? fragte er rosch.fallg: Lumn „Nein. Aber er vermutet es jevensaus, denn er fragte mich danach. Daß ich es entschieden in Abrede gestellt habe, kannst du dir wohl denken.“ Es gab eine kleine, bedeutsame Stille. Dann, während sein Gesicht einen erschreckend brutalen Ausdruck annahm, sagte der Graf mit vorsichtig gedämpfter Stimme: „Wohl, wenn er es nicht anders haben will! Wir dürfen selbstverständlich nicht zugeben, daß er dies Haus wieder verläßt— so wenig, wie wir es dem Mädchen gestatten dürfen, das gütlich nicht mit sich reden läßt.“ „Hm— es wül de allerdings einigermaßen gefährlich für uns sein.„„„„ „Gefährlich?— Es ware unser totsicheres Verdeiden. Was das Mädchen betrifft, so liegt die Notwendigkeit, sie für immer zum Schweigen zu bringen, auf der flachen Hand. (Fortsetzung folgt.) Das Sparprogramm postverwaltung. Am Dienstag fand eine Sitzung des Verkehrsbeirates er Reichspost statt. Sie war ausgefüllt von einer einzehenden Aussprache über die Sparmaßnahmen, die die keichspostverwaltung zur Sanierung ihres Betriebes in der nächsten Zeit zur Durchführung bringen soll. Der Ausprache lag eine Denkschrift des Geheimrats Held von der Bayerischen Volkspartei zu Grunde, die bemerkenswerte Vorschlüge über die Sanierungsmöglichkeit der Reichspost enthält. Wie die„Tel.=Un.“ mitteilt, sind in dieser Denkschrift solgende Forderungen und Anträge enthalten: 1. Feststellung der Mehrung bei allen Aemtern und Verwaltungsstellen und Zurückführung des Gesamtstandes des Personals auf den Stand des Jahres 1913. Einsetzung einer selbständigen Kommission bei jeder Oberpostdirektion mit diesem Aufgabenbereich. 2. Maßnahmen zur Wiederherstellung der Diensteinteilungen und des Beschäftigungsgrades des Personals, wie sie im Frieden bestanden haben. 3. Ueberzähliges Personal ist in geringwertigeren Diensten zu verwenden, Neuaufnahmen sind zu unterlassen. 4. Ersatz des schematischen Achtstundentages durch den Achtstundenarbeitstag und Uebernahme der Dienstdaueroorschriften der Reichsbahn auf die Reichspost. 5. Uebergang von der Entlohnung nach Zeit zur Vergütung nach Leistung. Einführung von Akkord und Prämien. Beförderung nach Tüchtigkeit. Auslese besonders tüchtiger Beamten für wichtige Posten. 6. Eine Aenderung der Organisationsform durch Ausscheidung von Kompetenzen aus dem Reichspostministerium und deren Ueberweisung an die Oberpostdirektion. 7. Die Minderung der Reserate im Ministerium und eine Einschränkung der hohen Beamtenstellen. 8. Vereinfachung der Kontrollen und Revisionen und Minderung des hierzu verwendeten Personals. 9. Die Bildung und Erweiterung der Fonds zur Ausnutzung von Konjunktur bei Beschaffungen für die Reichspost. 10. Die Berechtigungsverteilung an die Verwaltung, Ausgaben für Sachaufwände im Rahmen der bisherigen Aufwendungen vor der formellen Bewilligung der Mittel „vorläufig“ zu betätigen. 11. Die Einführung der Uebertragbarkeit und Ueberschreitbarkeit der einzelnen Haushaltsposten. 12. Die Einführung der Pauschalabstriche im Personalaufwand. 13. Bildung von Interessengemeinschaften mit den Lieferungsfirmen der Reichspost und Uebergang zu einer die Preise der Privatproduktion kontrollierenden Eigenproduktion. 14. Neuaufbau des Haushalts im Sinne der Ausscheidung der Personalausgaben für das zur Aufrechterhaltung des Postbetriebes notwendige Personal und des überzähligen Personals, ferner eine Ausscheidung im Sinne der nicht zu dem eigentlichen Postbetrieb gehörenden Reichsaufgaben. 15. Größere Selbständigmachung der Reichspostverwaltung gegenüber dem Reichsfinanzministerium, Herstellung der Ausschließlichkeit von Verantwortung und Entscheidung durch den Reichspostminister in allen Angelegenheiten der Reichspostverwaltung. Ein Vertreter der Reichspostverwaltung machte hierzu ausführliche Mitteilungen über das Sparprogramm der Reichspostverwaltung, wobei er besonders auf die Forderungen von Geheimrat Held einging. Seine Ausführungen über die bereits durchgeführten oder in der Durchführung begriffenen Maßnahmen entnehmen wir folgendes: Die Aenderungen der jetzigen Organisation der Verwaltung werde in der Weise erfolgen, daß stark dezentralisiert und eine Reihe von Kompetenzen von dem Ministerium an die Oberpostdirektionen und von diesen an die Postämter abgegeben werde. Entsprechend einer Entschließung des Verkehrsbeirats seien beim Reichspostministerium fünf Reserentenstellen und fünf Aushilfsreferentenstellen gestrichen worden. Eine Reihe von Postämtern könne aufgehoben oder in Agenturen umgewandelt werden, andere könnten ohne Schaden mit geringer besoldeten Kräften besetzt werden. Was den Postverkehr anlange, so müsse hier von der bisherigen Schahlone abgewichen werden und eine Anpassung des Vertehrs an die jeweiligen Verkehrsverhältnisse der verschiedenen Orte erfolgen. Es müsse dringend erwogen werden, ob der Schalterschluß, abgesehen vom Telegrammverkehr, nicht früher, etwa um 6 Uhr abends, erfolgen müsse. Die Massenauflieferungen von Postsachen müssen eine Stunde vor dem öffentlichen Schalterschluß erfolgen. Gewisse Bestellbezirke müßten vergrößert, die Landbestellung aber abgebaut werden, und zwar in der Weise, daß nur eine zwei= bis dreimalige Bestellung in der Woche in bestimmten Landstrichen erfolgen solle. Im inneren Betrieb seien Maßnahmen zur Vereinfachung des Kassen= und Rechnungswesens eingeleitet; im Zeitungswesen wäre das Kanteiverfahren eingeführt. Das Prüfungs= und Revisionswesen werde eingeschränkt werden. Eine Reihe von technischen Sparmaßnahmen sei bereits durchgeführt. Der Kraftwagenbetrieb werde immer mehr ausgedehnt. Das Bauprogramm werde gestreckt, in dem Fernsprechverkehr werde in den größeren Städten allmählich allgemein das Automatensystem eingeführt. Ihre besondere Sorgfalt wende die Reichspostverwaltung dem Abbau des überflüssigen Personals zu. Gegenüber 410000 Köpfen nach dem Stande des Dezembers 1921 seien am 1. April 1922 nur noch 336000 ständige Betriebsposten vorhanden gewesen. 2000 Beamte seien in letzter Zeit an die übrige Reichsverwaltung abgegeben worden; hier würden die nächste Zeit noch mehr Beamte der Reichspost untergebracht werden können, da die übrigen Reichsbehörden 14000 Fehlstellen gemeldet hätten. Zur Hebung der Leistungsfähigkeit würden künftig mit den Angestellten nur Tarifverträge abgeschlossen werden, in denen statt des schematischen Achtstundentages die 48stündige Arbeitszeit zugrunde gelegt werde. In manchen technischen Betrieben seien Akkordarbeit und Prämien bereits eingeführt. An die Ausführungen des Vertreters der Reichspostverwaltung schloß sich eine rege Aussprache an, an der sich u. a. Gehejurgt Held und auch Reichspostminister Stingl befeiligten. Nachdem der Minister; den Verkehrsbeirak begrüßt hatte, führte er etwa folgendes aus: Er stehe jetzt 37 Jahre im praktischen Postdienst, dessen Dienstzweige er sämtlich durchgemacht habe. Es sei ihm nichts erspart geblieben und deshafb wisse er es auch gut, welche Anforderungen der Tienst an das Personal der Reichspost stelle. Bei der Sauierung der Postverwalrung, die von allen Seiten gefordert werde und für die viele brauchbare Votschläge gemacht würden, kollidierten vielfach die Interessen des Publikums mit den Ansprüchen des Reiches. So unsympathisch ihm Gebührenerhöhungen auch seien, so müßten:'; doch von Zeit zu Zeit erfolgen, um den Erfordernissen des Reiches Rechnung zu tragen, und um die Selbstkosten der Reichspost zu decken. Gegenüber den vielen Klagen über die schlechte Wirtschaftlichkeit der Post, deren teilweise Berechtigung er nicht anzweifelt, müsse er doch darauf aufmerksam machen, daß sehr viel Personal aus den abgetretenen Gebieten hätte übernommen werden müssen, und daß die Post oft zu vielen Leistungen für andere Verwaltungen und für soziale und kulturelle Zwecke herangezogen werden müsse, ohne dafür eine Entschädigung zu erhalten. Die Zuschüsse, die die Post immer benötigen werde, müsse sie sich selbst geben durch eine allmähliche Ansammlung von Reserven. Minister Stingl nahm das Personal in Schutz gegen die Vorwürfe, die unberechtigterweise erhoben würden. Treue und Arbeitswille seien bei der Post noch nicht ausgestorben. Wo die frühere Ordnung und Unterordnung gelockert sein sollte, werde er nötigenfalls mit harter Hand zufassen. Zu bedauern sei es, daß so wenig bayerische und württembergische höhere Beamte im Reichspostministerium vertreten seien. Seinem Vorgänger Giesberts widmete der Minister warme Worte der Anerkennung. Wenn dieser auch keine fachmännische Erfahrungen gehabt hätte und vielleicht deshalb in seiner Gebührenpolitik die Interessen des Publikums allzusehr geschont habe, so sei er doch eine tüchtige Kraft gewesen, der man zu großem Tank verpflichtet sei. Darin, daß Herr Giesberts ein tüchtiger Mensch ist, kann man dem neuen Postminister unbedenklich zustimmen, weniger darin, daß er die Interessen des Publikums übermäßig geschont habe. Das Publikum hat davon jedenfalls nichts gespürt. Rund um Berlin. + Keine Bannmeile um das Berliner Rathaus. Der Verfassungsausschuß des Preußischen Landtages beriet über den Antrag der Deutschen Volkspartei, bei der Reichsregierung auf schleunige Vorlegung eines Gesetzes vorstellig zu werden, das die Befriedung des Berliner Rathauses und gegebenenfalls der Rathäuser sonstiger Großstädte.nach Maßgabe des Gesetzes über die Befriedung der Gebäude des Reichstages und der Landtage ermöglicht. Abg. Eynern(D. Vp.) legte ein Aktionsprogramm der Kommunistischen Partei vor, wonach diese planmäßig durch Entsendung von Mitgliedern auf die Tribüne und Ansammlungen vor den Rathäusern Störungsdemonstrationen organisiert. Der Kommunist Katz bekannte sich zu diesem Programm. Trotzdem wurde der Antrag gegen die Stimmen der Deutschen Voltspartei und der Deutschnationalen abgelehnt. + Beilegung des Berliner Hochbahnstreiks. Die Mittwoch nachmittag abgehaltene Vollversammlung hat eine vor dem Demobilmachungskommissar getroffene Vereinbarung der Organisationen angenommen. Der Betrieb der Hochbahn wurde daher Donnerstag vormittag wieder aufgenommen. Die Einigung erfolgte auf der Grundlage, daß für die Zeit vom 1. bis 15. Dezember folgende Stundenlöhne gezahlt werden: für Handwerker 202 K, für angelernte Arbeiter 194 J, für ungelernte Arbeiter 190 96, für Fahrkartenausgeberinnen 70 Prozent der Sätze für angelernte Arbeiter; Frauen= und Kinderzulagen wurden auf 6 und 9 i je Stunde festgesetzt. Außerdem werden die dem Personal, wie in früheren Jahren, auch diesmal wieder angesichts der gesteigerten Ausgaben zu Weihnachten ausnahmsweise gewährten Vergütungen an Verheiratete auf 4000 M, an Unverheiratete auf 3000 K erhöht. Bezüglich der Novemberlöhne ist an der durch Schiedsspruch erfolgten Regelung festgehalten. Erhöhte Brotpreise. Der Berliner Magistrat beriet über die durch die gewaltige Mehlpreissteigerung geschaffene Lage. Er beschloß auf Grund der ihm von der Ernährungsdeputation vorgelegten genauen Berechnungen über die gegenwärtigen Material= und Personalkosten den Preis für das 1900=Gramm=Markenbrot vom 4. Dezember ab auf 286 J6 festzusetzen. Die Markenschrippe wird vom gleichen Tage an 10„ und das Pfund Weizenküchenmehl 95 Je kosteg, Verdoppelung des Wasser=, Gas= und Elektrizitätspreises. Der mit der Festsetzung der städtischen Werktarise betraute Ausschuß der Werksdeputation hat, entsprechend den stark erhöhten Kohlenpreisen, beschlossen, von der Dezemberstandaufnahme an den Preis für ein Kubilmeter Wasser von 30 auf 60„, für ein Kubikmeter Gas von 41 auf 90 und für eine Kilowattstunde Elektrizität von 80 auf 160 M zu erhöhen. dem Reiche. Verbotene Zeitschriften. Der Oberpräsident Noske in Hannover hat die„Niederstichsische Arbeiterzeitung“ in Hannover wegen Beleidigung der Regierung Cund und wegen Beleidigung der Braun##hweiger Regierung erneut auf drei Wochen verboten. + Verhütetes Eisenbahnunglück. Auf der Blankenburger Bahn zwischen Quedlinburg und Ippenbort hutten vier Leute einen Baumstamm auf die Schienen gewälzt, um den Güterzug zum Entgleisen zu bringen. Der Lokomotivführer konnte noch rechtzeitig den Zug zum Halten bringen, ehe sich ein Unglück ereignete. Nun versuchten die vier Männer mit Gewalt auf die Maschine zu springen, was aber nur einem gelang, der eine Strecke mitfuhr. Die Namen wurden festgestellt. Die Leute sehen schverer Bestrafung entgegen. Das angebliche Attentat auf Dr. Wirth. Wie bekannt, wurde vor einiger Zeit die Nachricht verbreitet, daß gegen den früheren Reichstanzler Dr. Wirth ein Attentat vorbereitet gewesen sei, das im Reichstag zur Ausführung gelangen sollte. Als angeblich geständiger Täter wurde, seinerzeit ein Kaufmann Schulze in Leipzig verhaftet. Wie der Oberreichsanwalt nunmehr dem„Berl. Lok.= Anz.“ zufolge mitteilt, haben seine in Berlin vorgenommenen Ermittlungen ergeben, daß die seinerzeit verbreiteten Angaben über den Attentatsversuch und seine Vorbereitungen nicht der Wahrheit entsprechen. Der verhaftet gewesene Kaufmann Schulze mußte wieder aus der Haft entlassen werden. + Weitere Ausdehnung der Streikbewegung in Ludwigshafen. Die Aussperrung in der Badischen Auilin= und Sodafabrik in Ludwigshafen, die sich auf 21 400 Arbeiter erstreckt, hat dazu geführt, daß auch die Arbeiter der ganzen übrigen Industrie von Ludwigshafen in den Sympathiestreik eingetreten sind. Auf Anordnung der ArI iter wurde der größte Teil der Läden geschlossen. Die Versuche der Kommunisten, den Generalstreik auch auf Mannheim zu übertragen, sind bis jetzt erfolglos gebliehen Verkandlungen finden zurzeit nicht statt. Neue fürchterliche Verteuerung des Verkehrs. Nach halbamtlicher Mitteilung wird vom 1. Januar 1923 auf der Eisenbahn der Fahrpreis im Personenverkehr nach folgenden Einheitssätzen berechnet: Für das Kilometer 4. Klasse 4 b#(im Dezember 1,80 M), für das Kilometer 3. Klasse 6 J6(im Dezember 2,70 4), für das Kilometer 2. Klasse 12 J6(im Dezember 4,50.), für das Kilometer 1. Klasse 24 e(im Dezember 8,10 M). Dabei sollen die Fahrpreise bis 100„ auf volle 2 K, über 100 Jb bis 500 Jb auf 10„é, über 500—1000 K auf 20„, über 1000—2000 Jé auf 50„ und über 2000 M auf 100 A abgerundet werden.— Dazu treten noch folgende Schnellzugszuschläge: In Zone I(1—75 Kilometer) 100, 200 und 400 K in 3., 2. und 1. Klasse; in Zoue II(76—150 Kilometer) 200, 400, 800 J in 3., 2. und 1. Klasse; in Zone III(über 150 Kilometer) 300, 600 und 1200#5. Die Gepäckfracht wird von demselben Tage ab auf 1 Ne (bisher 40 Pfg.) für je 10 Kilogramm und 1 Kilomrten erhöht. Die Mindestfracht wird auf 100 J(bisher 40.6) festgesetzt. Der Expreßguttarif entspricht dem jeweils um 60 v. H. erhöhten Eilguttarif.— Natürlich kann auch die Post, wenn es sich um Tariferhöhungen handelt, nicht fehlen. Sie wird, wenn es sich irgend ermöglichen läßt, ihre eben erst erhöhten Tarife schon vom 15. Dezember ab um weitere 100 Prozent erhöhen. Neue Kohlenpreiserhöhungen. Die Lohn= und Materialpreiserhöhungen zwangen die Organe der Kohlenwirtschaft, am Mittwoch zu weiteren Kohlenpreiserhöhungen, die am 1. Dezember Platz greifen, zu schreiten. Die beschlossenen Erhöhungen betragen je Tonne für Rheinland=Westfalen(Fettförderkohle) 5737 K, für Sachsen (durchschnittlich) 8149 A, Niederschlesien 7318 J. AachenEschweiler 6478 J6, Aachen Nordstern 7395 J, Niedersachsen=Barsinghausen 7377 I, desgleichen Ibbenbüren 6708 J, Rhein=Braunkohle(Rohkohle) 919,30 J und Briketts 3264.L. Mitteldeutsche Braunkohle(Rohkohle) 1275,30 und Briketts 3558„. Einbegriffen in diese Zuschläge ist eine Erhöhung der sozialen Beiträge um 46 Je (indem sich die Zuschläge für Bergmannsheimstätten um 48 N auf 120 J je Tonne steigern, während die Lebensmittelzuschläge von 2 i künftig wegfallen). Das Ausmaß der Preiserhöhung wurde nach den beigebrachten Unterlagen wesentlich mehr durch die Steigerung der Holzund Materialpreise als der Löhne beeinflußt. Nach sehr eingehender Erörterung, in der von allen Seiten die ernste Sorge über die Wirkung dieser neuen starken Kohlenpreiserhöhung Ausdruck fand, erfolgte die Zustimmung schließlich einmütig gegen die Stimme eines Arbeitnehmers der Kohlenverbraucher. T--dücher. Aus aller Schwere Zugunfälle in Polen. Bei Glinnike stießen zwei aus Lodz und Warschau kommende Züge zusammen und gerieten in Brand. Fünf Personen wurden getötet, neun sehr schwer verletzt, 26 Waggons zerstört.— Ferner fuhr am Krenzungspunkt Targowka der Transit=Güterzug Warschau—Bialystok auf einen Kleinbahnzug auf. Hier weirden zwei Personen getötet, 13 schwer und 20 leiche verletzt. + Lawinenstürze bei Innsbruck. In Innsbruck herrschte seit einigen Tagen ein großes Schneetreiben. In der Stadt liegt der Schnee ein halbes Meter hoch. Die Straßenbahn kann nur teilweise verkehren. In der Umgebung der Stadt sind mehrere Lawinen niedergegangen, welche den Verkehr auf der Mittenwaldbahn unter#r#####n haben. Aus dem Gerichtssaal. Her Fran;=Prozeß. Unter Ausschluß der Oeffentlichseit wurde vor dem Schwurgericht des Berliner Landgerichts 1 seit 13 Tagen gegen das Ehepaar Ingenieur Franz und Frau verhandelt. Franz wurde bekanntlich vor längerer Zeit beschuldigt, sich gegen junge Mädchen, nachdem er sie irgendwie sich gefügig gemacht hatte, vergangen zu haben. Seine Frau soll ihm Beistand geleistet haben. Die Verhandlung endete damit, daß die Geschworenen die 42 ihnen vorgelegten Schuldfragen verneinten. Beid. Angeklagte wurden darauf freigesprochen, + Ehrenobermeister Rahardt vor Gericht. In dem Prozeß gegen Karl Rahardt und Genossen wurde die Verhandlung am Mittwochmorgen wieder ausgenommen. Nach Eröffnung der Sitzung wurde der Gefängnisarzt Dr. Hirsch vernommen. Rahardt habe eine schwere Schlagiderverhärtung. Er glaube, daß es möglich sein werde, das Verfahren weiter zu führen. Der Sachverständige empfahl aber, den ersten Teif der Verhandlung nochmals zu wiederholen. Das Gericht beschloß demgemäß. Es handelte sich hierbei um den Vorwur# der Anklage, daß Rahardt zugunsten der Handwerkskammer eine doppelte Mietszahlung für Räume des Handwerkskammer= gebäudes in Empfang genommen habe, und zwar zum Schaden der Militärverwaltung, obwohl der Pächter bereits die Miete für ein Vierteljahr bezahlt hatte. + Die Darmstädter Ausschreitungen vor Gericht. Vor der Strafkammer Darmstadt kamen 15 Klagen der wegen der Ausschreitung vom 27. Juni Angeklagten zur Aburteilung. Sie sind hauptsächlich beschuldigt, an der Verwüstung der beiden rechtsstehenden Zeitungen Darmstädts teilgenommen zu haben. Die Angeklagten waren im allgemeinen geständig. Es wurden verurteilt: der 22 Jahre alte Gustav von Flaig zu zehn Monaten Gefängnis, der.17 Jahre alte Arbeiter Friedrich Schmidt zu sechs“ Monaten Gefängnis, der 16 Jahre alte Fabrikarbeiter Johann Wagner=Charlottenburg zu einem: Monat Gefäugnis, der 18jährige Hausbursche Johann Kaerchner zu sieben Monaten, der 20jährige Hilfsarbeiter Friedrich Fayh zu einem Jahre Gefängnis, abzüglich vier Monate Untersuchungshaft, der 16jährige Friedrich Höpfner zu fünf Monaten Gefängnis, der 15jährige Hilfsarbeiter Manin Fischer aus Eberstadt zu einem Monat Gefängnis. APArIMTTSRIL LEU BENNTGER ist der beste Kindernährzwieback, dem Kleinsten in die Flasche zu geben. oder und Vartetung Gi, Schugche und Flugekusg. Wilhelmstraße 24- Feraruf 478 Lager und Vertetung für Schwerte und Umgebung: Dampfbäckerei-Conditorei-Café# 1 Aus den Provinzen. Hörde. Ein blutiger Zusammenstoß. zwischen Phönixfeuerwehrleuten, die auch mit der Beaussichtigung der Werksanlagen beauftragt sind und einer Anzahl Arbeiter hrachte dem jugendlichen Fabrikarbeiter Tacke einen Schuß in den Bauch, an dessen Folgen er gestern verschieden ist. Hörde. Gestern morgen um 10 Uhr und nachmittags gegen 6 Uhr erschütterten außergewöhnliche starke explosionsähnliche Knalle die Luft, sodaß in vielen Straßen die Häuser bebten. Angeblich handelt es sich um die absichtlich herbeigeführte Entzündung überflüssiger Gase. Iserlohn. Großfeuer. Die der Witwe Frz. Richard gehörende Ihmerter Mühle brannte mit anschließenden Gebäulichkeiten bis auf die Umfassungsmauern nieder. Die schon über 100 Jahre alte Besitzung war unvorsichtigerweise nicht versichert, so daß der Besitzerin ein riesiger Schaden entstanden ist. Wetter. Bom Zuge erfaßt. Auf der Eisenbahnbrücke wurden die Gebrüder Hasse von einem Eilzuge erfaßt und zur Seite geschleudert. Beide erlitten schwere innere und äußere Verletzungen. Bochum. Ermordet. Im Lettentale wurde der 22jährige Sohn des Wirts Wengler, unweit der elterlichen Besitzung mit einer Schußverletzung hinter dem rechten Ohr als Leiche aufgefunden. Der Bergmann Sonntag aus Querenburg, mit dem Wengler einen Wortwechsel gehabt hatte, wurde unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet. Buex. Großer, Bauholzdiebstahl. In Westerholt wurde ein großer Bauholzdiebstahl auf gedeckt, an dem sieben Einwohner beteiligt sind. Wanne. Ein 19jähriger Bursche von der Dorstener Straße in Eickel zertrümmerte in der Nacht zum Sonntag an dem Geschäftslokal von Bresser am Markt eine Spiegelscheibe und eignete sich allerlei Sachen im Werte von etwa 80 000 4 an. Mit diesen Sachen fuhr er nach Essen und verkaufte die gestohlenen Gegenstände für 2500 A. In der darauffolgenden Nacht verübte er dieselbe Freveltat bei der Firma Ketteler auf der Kaiserstraße. Diesmal wollte er sich einen Revolver und Patronen aneignen, wurde jedoch daran gehindert. Die Kriminalpolizei verhaftete den Burschen. Essen. Ein Opfer des Solts. Der Industrielle R. von hier veranstaltete gelegentlich einer Autotour nach Steele ein Wein= und Sektgelage mit einigen Freunden. Unter der Angabe, mit der Bahn nach Hause fahren zu wollen, schickte er das Auto zurück und brach stark bezecht in vorgerückter Stunde auf. Er geriet auf bisher nicht geklärte Weise in die Ruhrweiden, eine sumpfige Gegend, und stürzte in ein tiefes Sammelbecken des Gelsenkirchener Wasserwerkes. Trotzdem R. ein guter Schwimmer war, ertrank er, da die glatten Betonwände ihm ein Herauskommen aus dem Wasser unmöglich machten. Ein Bahnwärter hörte in der betreffenden Nacht mehrere Hilferufe, konnte aber trotz sofort angestellter Nachforschungen nicht feststellen, woher sie kamen. Echir Brühimeidungen. Bei Cuno. TU. Berlin 5. Dezbr. Reichskanzler Cuno wird heute abend die Führer der Reichslagsfraktion und andere bedeutende politische Persönlichkeisen zu einem parlamentarischen Abend bei sich sehen. Streik der Berliner Schauspieler. TU. Berlin, 5. Dezbr. In einer Sitzung des Bühnenvereins faßten die Berliner Direktoren den Beschluß, zunächst in unverbindliche Verhandlungen mit den Bühnenangestelllen einzutreten. Den Vorsitz soll der frühere Kuliusminister Hänisch führen. Die streikenden Berliner Schauspieler haben unter großem Zuspruch von Seiten des Publikums und unter Milwirkung ausgezeichneter Kräfte eigene Vorstellungen in einer Reihe größerer Säle Berlins begonnen. Beginn des T. U. Leipzig, 5. Dez. Gestern begann vor dem Slaatsgerichtshof zum Schutze der Republik die Verhandlung gegen die Scheidemann=Attentäter, die versuchten Mordes und unbefugten Waffenbesitzes angeklagt sind. Die beiden Angeklagten, der 29jährige Kaufmann Huster aus Elderfeld und der 23jährige Landwirt Oelschläger aus Allhammer werden aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Ihre Verleidigung liegt in den Händen der Rechlsanwälle Juslizrat Heußner aus Cassel, Dr. Luelgebrunne aus Göttingen und Block aus Berlin. Oberbürgermeister Scheidemann ist als Nebenkläger zugelassen. Ihm stehen 3 Rechlsanwälte zur Seite. Den Vorsitz führt an Stelle des erkrankten Präsidenten Dr. Hagen, Senatspräsident Dr. Schmidt. Es sind 14 Zeugen geladen. Bei der Vernehmung des Angeklagten Huster dringt der Vorsitzende in den Angeklagten, um zu erfahren, woher die Spritze, die Flüssigkeit, die 25000 Mark stammen, von denen der Angeklagte nichts wissen will. Die Frage nach der Zugehörigkeit Oelschlägers zur Organisation C verneint Huster. Das Recht zur Tat leitete Huster aus seiner Auffassung her, daß die Revolution Hochverrat sei. Der Beisitzer Fehrenbach, die Verteidiger Scheidemanns, und der Oberreichsanwalt richteten an den Angeklagten noch verschiedene Fragen, worauf seine Vernehmung beendet ist. Hierauf wird der Angeklagte Oelschläger vernommen. Er bestätigt im allgemeinen die Aussagen Husters und erzählt den Hergang. der Tat selber. Oelschläger habe etwa 15 Schritt entfernt gestanden und sich dann in die Menge gemischt. Weitere Aussagen verweigert er. Wm Handel und Börse Sil uenumzensumieinmmmrateiinimmmmin tig Berliner 2. Dezember 1922. mitgekeilt vom Barmer Bank=Verein, Schwerk5% Deutsche Reichsanleihe.......— Barmer Bank=Verein 1325 Deulsche Bank 5750 Diskonto 3200 Dresdner Bank 3200 Hamb.=Amer.=Pas 6500 Allgem. Elektr.=Ges. 6600 Baroper Walzwers 12000 Bochumer Guß 24500 Bösperde Walzwers— Daimler Motoren............ 3600 Deutsche Kaltwerke......... 14000 Deutsch=Luxemburg.... 20000 Pynamit Elbers. Fardw. 12 Essener Steinkohlen.......... 23000 Gelsenkirch. Bergw 26000 Harpener Bergw 60000 Hasper Eisen...— Hoesch 26000 Humboldt Masch 6200 Mannesmann 18000 Oberschles. Eisenb.-Bed 15000 Phönix Bergbau......... 22000 Reisholz Pap....... 4857 Stahlwerke......... 21000 Rombacher 8700 Schuckert 15000 Siegen=Solingen— Ver. Di. Nickelwerke 9200 Westf. Draht=Ind. 5100 Westf. Eisen, Langendreer....... 6000 Arslands-Wechselkurse der Berliner Börse (Devisenkurse) Man zahlte deutsche Mark: für am 2. 12. am 4, 12. 1 belgische Franken. 538,65 540,14 1dänische Kronen.. 1538,65 1501,23 1 englisches Pfund..36907,42 37057,10 1 französische Franken 581,04 583,53 1 holländische Gulden 3231,90 3316,68 1 italienische Lire... 399,— i 406,98 1 polnische Mark.—+ 48,45 1 schwedische Kronen: 2164,57 2189,50 1 schweizerische Franken 1546,12 61571,06 1 tschechische Kronen, 230,84 262,34 — Ein Dollar 8229,37 8370,00 Stadttheater Dortmund. Mittwoch, 6. Dez. 3½—6 Uhr. Weihnachts=Kindervorstellung.„Das neugierige Sternlein". — 7½—10½ Uhr.„Und Pippa tanzt!“ Donnerstag, 7. Dez. 7½ bis nach 10 Uhr.„Caval= leria rusticana". Hierauf:„Der Bajazzo“. Freitag, 8. Dez. 7—10¼ Uhr.„Das Käthchen von Heilbronn". Bekanntmachung. Die Stadt Schwerte beabsichtigt auf ihrem Grundstücke, im Gebäude der Gasanstalt, der Steuergemeinde Schwerte, eine Benzolgewinnungsanlage zu errichten. Auf Grund der§§ 17 und 18 der Reichsgewerbeordnung in der Fassung vom 30. Juni 1900 und der Nr. 19 und 20 der ministeriellen Ausführungsanweisung vom 1. Mai 1904 wird dieses Vorhaben mit der Aufforderung bekannt gemacht, Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen bei dem Kreisausschusse zu Hörde, Zimmer Nr. 16 schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen, Beschreibungen und Zeichnungen liegen auf dem genannten Zimmer zur Einsicht aus. Die Einspruchsfrist nimmt ihren Anfang mit dem Ablauf des Tages, an welchem das diese Bekannimachung enthaltene Kreisblatt ausgegeben worden ist. Nach Ablauf der Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden. Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird gemäß Ziffer 19e der vorbezeichneten Anweisung Termin auf Donnerstag, den 28. Dezember 1922, vormittags 10 Uhr auf dem Kreishause zu Hörde, Zimmer 16 anberaumt und wird besonders darauf hingewiesen, daß im Falle des Ausbleibens der Unternehmerin oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen wird eingegangen werden. Als Komissar des Kreisausschusses ist der Herr Kreis=Bau=Obersekrär Knigge tätig. Hörde, den 30 November 1922. Namens des Kreisausschusses. Der Vorsitzende, gez.: Hansmann. Danksagung. Für die uns in so reichem Maße erwiesene Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sprechen wir allen Freunden, Verwandten, Bekannten und Vereinen, insbesondern dem Herrn Pastor Schulze=Noelle für seine trostreichen Worte am Grabe aui diesem Wege unsern herzlichsten Daink aus. Frau Wilhelmine Tillmann “ g e b. B o r g m a n n u n d K i n d e r Steinberg, den 4. Dezember 1922 Lichtspiele „Zur Reichstrote“ Sc Empfehle bei: 5561 Dienstag Mittwoch Donnerstag Der zweite Teil des großen amerikanischen Sensationsfilm 8 Eimozk der Furchtlose K 12.Teil: Grippe und Influenza Medic. Cees oder Pastillen Medic.=Drogerie Wilh. Heppe Ostensr. 3. Oslensr. Billigste Bezugsquelle in allen Sorten Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Sohnes und Bruders sprechen wir allen unsern innigsten Dank aus. Familie Friedr. Reckermann. S 2obod un. Velrhaung erhält derjenige, der mir die Täter nachweist, die in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag auf dem— Hofe des Katholischen Gesellenhauses(Inh. Specht)shia#ttophopatung an meinem Auto die Decken zerschnitten, sowie dasAtaticrorrutung Handwerkszeug und die Hupe gestohlen haben. Strengste Discretion zugesichert. Zweckdienliche Angaben wolle man an die Polizeiverwaltung Schwerte oder an mich selbst richten. 5659 WreTeil! DF Fluchts durch die Flammen! 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Jede kleinste Gabe ist willkommen, besonders Kleidungsstücke aller Art, Schuhe, Spiele, Bilder, Bücher oder Geld, um das zu kaufen, was groß und klein erfreut. Je eher die Gaben in unsere Hände kommen, desto lieber ist es uns! Die Sammlung ist durch den Preuß. Herrn Staatskommissar für die Regelung der Wohlfahrtspflege genehmigt durch den Erlaß vom 25. Juli 1922— K. W. Nr. 1464.— Allen Freunden von Bethel sendet dankbare Weihnachtsgrüße. F. v. Bodelschwingh, Pastor. Bethel bei Bielefeld. Postscheckkonto: Nr. 1904 Hannover. Fracfachen für dereine liefert schnellstens die Bachbrauttel=Euri braus. (4 geschlossene und offene Wagen nebst Anhänger) innerhalb des Industriegebietes übernimmt zu günstigen Bedingungen. 5553 Anfragen unter E. N. 3140 an Ala Haasen= stein& Vogler, Essen. K 8 Oberschlelier überall! 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Da auf einmal erschienen wieder alle jene Gestalten, die ich damals von Erichs Burg aus gesehen. Ich fror. Mein Kopf aber brannte wie im Fieber und die alte Narbe schmerzte mich heftig. Mir war, als ob ich wahnsinnig werden müßte, wenn ich länger nach dem Eise schaute, und doch konnte ich mich nicht losreißen, ganz so, wie an jenem Abend. „Also hier sehen wir uns wieder,“ hörte ich auf einmal eine tiefe Stimme hinter mir. Es war Erich. Wir sahen uns lange stumm in die Augen. Da breitete er seine Arme aus und rief:„Lothar, Freund!“ sank an seine treue Brust. Der gemeinsame Schmerz und die Liebe hatten uns an ihrem Grabe vereinigt. Ein stiller Friede kehrte in die Burg ein. Der Scheinwerfer. Der Hai und sein Lotse. Recht erheblich ist die Anzahl der Meeresbewohner, die unseren Schiffen auf ihrer Fahrt über den Ozean folgen. Je mehr wir uns dem Aequator nähern, desto größer wird die dem Seefahrer meistens wenig willkommene Begleitung. Der meist gehaßte, leider oft nur zu ausdauernde Schiffsbegleiter ist der Hai, der Schrecken der Schiffer und Anwohner aller wärmeren Meere. An ihn knüpfen sich eine Menge Erzählungen und Fabeln, wie nur die Phantasie eines Seemannes sie sich ausdenken kann. Er soll einen besonderen Instinkt haben, genau wissen, was an Bord zugeht, und sich unter der Mannschaft sein Opfer im voraus aussuchen, das dann durch Krankheit, Unfall oder sonstiges Mißgeschick unweigerlich seiner Habgier verfällt. Denn auch die ins Meer versenkten Leichen der an Bord Gestorbenen werden nur zu oft die Beute des Hais. Der bekannteste unter den Haifischen ist der Blauhai. Er wird drei bis vier Meter lang, seine Schnauze ist spitzig, die Zähne des Oberkiefers stehen in vier schiefen Reihen, die der unteren Kinnlade sind schlank und dreieckig. Vom Schiff aus erblickt man die Haifische schon in beträchtlicher Entfernung, da sie Hochschwimmer sind und die Rückenflosse aus dem Wasser hervorragt. Für gewöhnlich bewegen sie sich gleichmäßig schnell, bei der Jagd steigern sie aber ihre Fahrtgeschwindigkeit erheblich. An Gelenkigkeit kommen sie anderen Fischen nicht gleich, z. B. sind ihre Wendungen ziemlich ungeschickt. Scheinbar sind die Sinne des Hais wohl entwickelt. Jedenfalls sieht er sehr gut und scheint auch Geruchssinn zu haben. Zweifellos sind auch die geistigen Fähigkeiten des Hais ausgebildeter, als bei allen übrigen Fischen. Nur lassen seine unglaubliche Freßgier und sein unersättlicher Heißhunger ihn oft alle Vorsicht vergessen, und deshalb gelingt es häufiger als man wohl annehmen möchte, den gefährlichen Räuber in die Falle zu locken. Ein eigenartiges, fteundschaftliches 1 Verhältnis besteht zwischen dem Hai und seinem ständigen Begleiter, dem schon den Alten bekannten Lotsenfische. Sieht man den Hai sich nahen, so bemerkt man gleichzeitig einen blauglitzernden Fleck in der Nähe seines Kopfes. Der Fleck bewegt sich aber nicht ganz gleichmäßig mit dem immer deutlicher hervortretenden Hai, sondern schwankt hin und her, einmal etwas näher, und dann wieder entfernter, bis man genau erkennt, daß der blaue Fleck ein kleiner Fisch ist, der neben dem Hai herschwimmt. Was verbindet den kleinen Lotsenfisch zu der engen Freundschaft mit dem großen Räuber, und besteht eine solche wirklich? Daß dies der Fall ist, dürfte folgender Bericht eines Hamburger Kapitäns bestätigen. Ein auf Raub ausgehender Hai war, von seinem Lotsen begleitet, dicht an unserm Schiffe vorbeigekommen. Da er bei uns nichts entdeckte, das seine Aufmerksamkeit erregte, schwamm er wieder davon und trieb sich, scheinbar spielend, in einiger Entfernung vom Schiffe umher. An Bord setzten wir eine Angel instand. An einem großen scharfen Haken wurden zwei Pfund fetter Speck angebunden, und dieser über das Heck mit einem Platsch ins Neer geworfen. Kaum hatten sich die hierdurch hervorgerufenen Wellen etwas gelegt, als auch schon einer der kleinen goldig glitzernden Lotsen zur Stelle war und den Bissen, den er in größter Erregung umkreiste, genau untersuchte. Aber ebenso schnell, wie er gekommen war, war er wieder neben dem Hai. Deutlich sahen wir nun, wie er mit dem Kopfe gegen die Nase seines großen Freundes stieß. Sofort setzten sich auch beide in der Richtung auf unser Schiff in Bewegung, der kleine Lotsenfisch voran und hinter ihm das große Ungeheuer, das ohne Ueberlegung freßgierig und heißhungrig in den Speck hineinbiß und sofort, mit aller Wucht das Wasser schlagend, in die Höhe gezogen und getötet wurde. Die beiden Lotsenfische aber umkreisten noch stundenlang, sehnsüchtig nach ihrem Gefährten ausschauend, das Schiff. Der eine von ihnen wurde dann am späten Abend noch gefangen. Hieraus und aus vielen anderen Berichten geht hervor, daß zwischen dem Hai und seinem Lotsen ein Freundschaftsverhältnis besteht. Beide gebrauchen einander, beide haben sich aneinander gewöhnt. Vom Lotsenfisch nimmt man an, daß er von den Speiseresten, vielleicht auch von dem Unrat des Haies lebt. Daneben wird er aber auch beim Hai Schutz gegen andere, ihm nachstellende Raubfische suchen. Einst und Jetzt. Der Automat— uralt! Manche Erfindungen, die man als Errungenschaften moderner Technik bezeichnet, haben durch die neuesten Forschungen Vorgänger im Altertum erhalten. Besonders überraschend aber dürfte es sein, daß auch der Warenautomat der Antike schon bekannt war. In Tempeln waren Apparate aufgestellt, in die man ein Geldstück von bestimmtem Gewicht hineinwarf, dann drückte es auf einen Hebel, der wieder ein Ventil öffnete, worauf geweihtes Wasser herausfloß. Während das Geld in den Prießerschatz kam, sprengten dann die Betenden das Wasser vor der Statue des Gottes opfernd aus. Nur wenige kannten den Mechanismus, den meisten erschien der Apparat als ein Wunder. Humor. Im Examen.„Können Sie mir erklären, wieso die Erde sich um ihre Achse dreht?“ „Weil sie irgend etwas braucht, worum sie sich drehen kann,# sonst könnte sie sich überhaupt nicht drehen.“ „ Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General-Anzeiger für den Kreis Haupt-Annoncenblatt. „ 0 G S 18— S C1 09 S• 8 5 S ** * 5 — 5 3n 6; S 8 — — 2 A55E 6 G S 16 S 2# E S 8 wollte er es ins Gesicht schreien, daß sie eine Beitlerin war, daß sie in die Gesindestube gehörte, in die Küche, an den Abwaschtisch, daß sie ihn, den Neffen des Herrn Harnisch, zu bedienen, seine Befehle zu befolgen hatte, daß er sie durch die Klingel herbeizitieren und wieder hinausweisen könne, nach seinem eigenen Belieben! Er hatte sich in einen Zustand, der an Raserei grenzte, hineinphilosophiert. Ein aus dem Garten hereintönendes Geräusch brachte ihn zur Besinnung. Es war doch besser, er überlegte, ehe er handelte. Zunächst nur schnell hinaus! Der Oheim konnte jeden Moment zurückkehren. Er sollte ihn hier nicht finden. Wenige Minuten später betrat Franz den Garten. Der Tag war heiß und drückend. Das Blut stieg ihm wieder zu Kopf. Doch er bezwang sich. Er überlegte. Noch war sein Oheim am Leben und ihm allein stand das Recht zu, mit seinem Vermögen zu schalten, wie er es für gut befand. Franz sagte sich, daß er alles verderben, das ganze ungeheure Glüick sich verscherzen könne, wenn er seinen Oheim angriff und gegen sich aufbrachte. Nein, solange sein Verwandter am Leben war, mußte er, Franz, schweigen. Und zur Adoption des fremden Mädchens durfte es gar nicht erst kommen! Aber wie konnte er das verhindern? Es mußte geschehen, das Wie würde sich finden. Noch betäubt von dem Gehörten, geblendet von der Aussicht auf den Millionenreichtum, dessen rechtmäßiger alleiniger Erbe er war, verwirrt von den auf ihn einstürmenden, sich überstürzenden Gedanken schritt er ziellos weiter. Bei einer Wegbiegung stand er unerwartet vor Almida. Hellauf loderten Neid, Haß und Rachsucht in dem wild Erregten. Er vergaß sich. Almidas liebliche bezaubernde Schönheit hatte nie Eindruck auf ihn gemacht. Immer war sie, die Verhätschelte, Bevorzugte, ihm im Wege gewesen. Danach gelechzt hatte er oft, ihr etwas Schlimmes, sie tief Verwundendes anzutun. Er hatte es nicht gewagt; denn der Oheim verstand, wo es sich um die Niedertracht seines Nessen handelte, keinen Spaß. Er durfte keinen der Dienstboten schlecht behandeln, wurde gezwungen, in den Bureaus jedem Beamten, bis zum Diener herab, mit Höflichkeit zu begegnen. Hätte er sich jedoch gegen Almida etwas zuschulden kommen lassen, so würde Harnisch ihm sein Haus verboten haben. Franz hatte sich mit heimlichem Zähneknirschen gefügt. Er hatte sich daran gewöhnt, äußerlich ein glattes, geschmeidiges Wesen zur Schau zu tragen und all die ihn beherrschenden Instinkte zu verbergen. Nun brachen sich die gewaltsam unterdrückten Leidenschaften Bahn. Auf eine Weise mußte er seiner Bosheit und Schadenfreude, seiner grenzenlosen Verbitterung Raum gönnen. Almida wich unwillkürlich vor seinen glühenden Augen zurück.„Was ist mit Dir?“ wolite sie fragen, doch kein Ton rang sich von ihren erblassenden Lippen. Es war das erstemal, daß sie einen Menschen in dieser sinnlosen Verjassung sah. Franz umfaßte mit schmerzhaftem Druck ihr Handgelenk.„Deine Rolle ist ausgespielt. Du falsche Prinzessin,“ zischte er,„Du verschmähtest meine Werbung, das wird Dir noch bitter leid tun! Ich nehme Dich nicht mehr, und wenn Du auf Knien bittend vor mir lägest! Jetzt übe ich Vergeltung für alles, was ich durch Dich erduldet! Ich werde sorgen, daß Du dahin kommst, wohin deinesgleichen gehört, in die Gesindestube, an den Plättisch, da magst Du Deinen Unterhalt verdienen! Und was Du an Zuwendungen von meinem Oheim erhalten, das ziehe ich bei Heller und Pfennig ab von Deinem Lohn! Dann dämmert es Dir vielleicht, was ich bisher gelitten unter dem Götzendienst, der mit Dir, Du armseliges Wesen getrieben wurde!" Es war der Blick einer Schlange, mit dem Franz das junge Mädchen hypnotisierte. Kein Laut kam von ihren bebenden Lippen. Sie glaubte, er sei wahnsinnig geworden und flehte in ihrer Herzenseinfalt Gott um Hilfe an. Doch Franz ließ ab von ihr. Er hatte wohl mehr gesagt, als es seine Absicht gewesen. Aber es reute ihn nicht, daß er Almida so maßlos erschreckt hatte. Er hatte ja nichts zu fürchten! Vielleicht gelang es ihm sogar, ein Schweigegeld von seinem Oheim zu erpressen. Ja, jehzt hatte er es heraus! Vorteile, viel Geld sollte ihm die Kenntnis des Erlauschten einbringen! In dem Bemühen, Almida zu schonen, würde der Oheim zahlen, welche Summen auch gefordert wurden! Franz beschloß, nicht wieder ins Bureau zu gehen, sondern sich einen vergnügten Tag zu machen, und diesem einen sollten viele andere folgen. Almida starrte in halber Betäubung dem sich langsam Entfernenden nach. Sie zitterte wie Espenlaub und fürchtete, er könne umkehren, und ihr ein Leid antun. Erst allmählich erholte sie sich von dem furchtbaren Schreck. Sie wankte nach einer Bank. Dort saß sie reglos, die peinliche Szene schwebte ihr beständig vor, es war, als hätten die bösen Worte des Vetters ein endloses Echo geweckt, dieselben tönten ihr fort und fort in den Ohren, sie konnte sich nicht davon befreien. Wie war er wohl zu diesem schmachvollen Betragen gekommen? War er schon am früben Morgen betrunken gewesen? Ja, so mußte es sein, denn eine andere Erklärung fand sie für den Ausbruch des Hasses nicht. Sie wußte, daß Franz dem Alkohol fleißig zusprach, daß es deswegen bereits zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihrem Vater und dem Vetter gekommen war. Sie hatte sich noch nicht von dem furchtbaren Eindruck erholt, als sie Hubert erblickte, welcher rasch näher kam. Er sollte es nicht sehen, daß sie litt, daß ihr etwas Häßliches begegnet war; die wenigen Stunden, die ihrem Zusammensein noch blieben, sollten durch keinen Mißton gestört werden. Hubert schloß Almida in tiefster Erschütterung in die Arme. Er fand es nur natürlich, daß sie ernst war, daß sie bebend an seiner Brust ruhte. Sie ließen sich auf einer Bank nieder und küßten und vergaßen nachgerade beide, was jeden von ihnen drückte und waren selig. Er sagte ihr wieder und wieder, daß er sie mehr liebe als sein Leben, und daß nichts sie scheiden solle als der Tod. Almida konnte es nicht oft genug hören. „Die wahre Liebe,“ sagte Hubert,„bleibt sich immer gleich, in jeder Lebenslage. Nie werde ich meinen Sinn ändern, was auch geschehen möge. Du, Almida, wirst immer mein bestes Teil sein, meine Sonne, mein leuchtender Stern, zu dem ich aufblicke, magst Du vom Glück umstrahlt sein, oder vom Leid heimgesucht werden. Ich lese in Deinem tiefsten Innern, wie in einem offenen Buch; und was ich dort sehe, ist anbetungswürdig, ist die Ergänzung meines Selbst. Wir gehören zusammen, Liebste, für Zeit und Ewigkeit, Du machst mich überglücklich und dafür danke ich Dir!" Sie ahnte nicht, daß sie seinen Worten eine bestimmte Deutung hätte geben müssen. Sie lächelte ihn unter Tränen an.„Du sollst mir nicht danken! Was ich bin und was ich habe, mein ganzes Sein gehört Dir. Aber ich möchte, daß wir bald vereint sind. Ich fürchte mich vor der Trennung von Dir. Ich will nur noch in Deiner Nähe atmen!" „Ich komme bald, sehr bald wieder, mein Lieb. Auch mir ist das Herz schwer, und ich wünschte, Du wärst erst ganz mein eigen und wir könnten immer zusammen sein!" Er unterdrückte einen schmerzlichen Seufzer.„Hoffentlich währt unsere Prüfungszeit nicht lange.“ Herr Harnisch rief nach ihnen. Sie gingen ins Haus und setzten sich an den reich gedeckten Tisch. Sie tranken köstlichen Wein und naschten von den Speisen. Eine frohe Stimmung wollte nicht aufkommen. (Fortsetzung folgt.) •2 S2 EHSG 8: 2 s # 2 5O E * * 8 5 □ 65 S*—* 9 *# S 5 * S 2 5 S 961 S 8 ES * S.5 * S„ 8„ 6 * 5 5 SETESEEE * S SHESSESESES SG5S Denkspruch. Des Leben gilt nichts, wo die Freiheit fällt, Was gilt uns die weite unendliche Welt Für des Uaterlands heiligen Boden? Frei woll'n wir das Uaterland wiederseh'n, Oder frei zu den glücklichen Vätern gehn. Jal glücklich und trei sind die Coten! Cheodor Körner.(Letzter Crost). Liebe und Freundschaft. Novelle von Jerdinand Runkel. (Schluß.)(Nachdruck verboten.) Ich möchte sie heute, wie damals, an meine Brust ziehen und ihren lieben Mund küssen, aber meine Scheu vor dem gespenstigen Eindruck ihres Erscheinens fesselte mich an die Schwelle. Nun trat sie auf mich zu, ich wich zurück und streckte zur Abwehr die Hände gegen sie aus. Da hub sie an, zu sprechen.„Aber Lothar, was ist Ihnen denn, warum fliehen Sie vor mir?" Das war auch ihre Stimme. Es konnte keine Erscheinung sein, es war sie selbst. „Hilda!“ schrie ich auf und warf mich vor ihr nieder, indem ich ihre Hände küßte. Sie hob mich empor. „Hab ich dich endlich wieder, warum bist du auch deiner Starrköpfigkeit so weit gegangen, mir alle Briefe zurückzusenden,“ sagte sie und schob ihren Arm unter den meinen. Wir schritten zusammen in dem hohen Gemach auf und ab und erzählten uns von der Vergangenheit. Wie wir uns zuerst kennengelernt, wie wir so unhöflich gegeneinander gewesen und doch so gern zusammen geplandert hatten und wie wir uns dann Treue gelobt. „Du hast sie gebrochen,“ fuhr Hilda auf einmal heftig auf.„Ein Geheimnis lastete schwer auf meiner Seele, ich mußte es dir erst enthüllen, ehe ich ganz dein Eigen werden konnte. Aber du verstandest mich nicht, und in starrem Trotze wiesest du alle meine Briefe, die dir Aufschluß über meine Weigerung gegeben hätten, ungelesen zurück. Da habe ich dem Drängen Erichs nachgegeben und bin sein Weib geworden.“ „Du Erichs Weib, entsetzlich!“ Und auf einmal ward es mir klar, daß meine Wirtin, nicht das Wesen von der Wiese, an meinem Arm hing. Eine unendliche Wehmut ersaßte mich.„Gehen Sie, gnädige Frau, eine Sprache, wie wir sie führten, ist Verräterei an Ihrem Gatten, meinem Freunde.“ „Lothar!“ „Gehen Sie!“ „Aber ich will nicht gehen, ich kann nicht gehen. Jahrelang habe ich meine Liebe unterdrückt, ich wähnte sie tot, aber nun sehe ich, daß sie lebt. Ich kann nicht von dir gehen. Willst du, daß ich sterben soll? O, wenn du noch einen Funken von Neigung zu deiner armen Hilda hast, so verstoße mich nicht.“ Sie umschlang meinen Hals und netzte meine Wangen mit ihren Tränen. Ich suchte sie zu beschwichtigen, aber es war unmöglich. Das Schlimmste schien mir zu fürchten, wenn ich ihr nicht nachgab. Und ich liebte sie ja noch. Verderblicher Taumel, der mich an dem Freunde zum Verräter werden ließ, der mich trieb, ihre Lippen zu lüssen. Meine Sinne waren nicht mächtig geuug, sich loszuwinden, ich überließ mich rückhaltlos meiner Neigung. Stunden waren vergangen, wir hatten es nicht bemerkt in dem Sturme von schönen Erinnerungen an uinsere Jugend und unserer Liebe. Da dröhnte ein schwerer Tritt auf dem Korridor. Erich kehrte zurück. Er tral ein und erblickte Hilda in meinen Armen. Er stand wie vom Donner gerührt. Finster zogen sich seine Brauen zusammen, aber er schwieg. Und schweigend trat er auf uns zu, bot seiner Gattin den Arm und führte sie hinaus. ach wenigen Minuten kehrte er zurück. In der Hand trug er zwei Säbel und zwei Fechthandschuhe, wie wir sie auf der Hochschule zu führen gewohnt gewesen waren. Schweigend reichte er mir die eine Waffe und warf den Handschuh zwischen uns, dann legte er das Obergewand ab, streifte den rechten Hemdärmel auf und zog den Handschuh, an. Ich stand immer noch starr und sah ihm zu. Als er fertig war, winkte er mir stumm mit der Klinge. „Ohne Zeugen?“ fragte ich. „Wozu bedarf es der Zeugen?“ „Und ohne Binden und Bandagen?“ fuhr ich fort zu fragen. „Ohne Binden und Bandagen,“ antwortete er, und seine Stimme klang tonlos und rauh. „Und willst du nicht erst hören?“ „Ich habe genug gesehen! Und nun vorwärts.“ Ich machte mich fertig.„„ Jetzt kreuzten sich die Klingen. unheimlich tlang das Kleren durch den stillen Raum. Nun fielen die ersten Hiebe. Erich war schon als Student ein ausgezeichneter Schläger gewesen, er hatte eine gewaltige Kraft mit beispielloser Gewandtheit vereinigt. Ich vermochte auch heute noch nicht ihn zu treffen. Er schlug blitzschnell, so daß es mir schwer wurde, alle seine Hiebe zu erwidern. Ich fühlte, wie ich ermattete, und plötzlich traf ein schwerer Schlag meinen Kopf; dann verließ mich das Bewußtsein. Als ich mein Denken wieder fand, saß neben meinem Bett ein alter, freundlicher Herr, der mir zuredete, mich ja nicht aufzuregen. Ich war gerettet. Später zeigte man mir einige zolllange Knochensplitter und erzählte mir, daß sie von meinem Schädel seien. Erich sah ich nicht, so sehr ich auch darum bat. Der alte Herr, mein Arzt, erzählte mir später, daß er in der Stadt sei, bei seinem Anwalt, um die Ehescheidung zu betreiben. „Und die gnädige Frau?“ fragte ich. „Ist bei ihren Eltern.“ „Und das Familienglück?“ „Ist zerstört!“„ 68 „Aber wir sind ja beide unschuwig Hatte ich die Geister nicht auf der Wiese gesehen, es wäre nicht so weit gekommen.“ „Geister auf der Wiese?!" Der Arzt sah mich segre an und faßte nach meinem Puls. „Ja, Geister!“ Ich erzählte ihm alles Nach einigen Wochen trat auf einmal Erich zu mir ins Zimmer. Nicht mehr so finster, aber tief ernst sagte er zu mir:„Deine Wunde ist geheilt, du kannst jetzt reisen.“ „Wo ist dein Weib?“ „Ich habe kein Weib, ich habe nur noch zwei Söhne. An einem Tage verlor ich Freund und Gattin. Ich habe dich geliebt wie meinen Bruder, Lothar, und du hast mir das getan.“.f. im S.uf „Verzeihe mir, Erich, ich haudelte im Wahnsinn.“ auf „Ich habe dir schon verziehen, als ich dein Blut dem Estrich fließen sah. Reise in Frieden, und wenn vorüber kommst, so du an der Irrenanstalt von S. besuche eine arme Wahnsinnige.“ „Hilda!“ schrie ich in tiefstem Schmerze auf. Er nickte stumm und seine Augen schimmerten feuchk. „Das zarte Saitenspiel zerbrach in meiner ungefügigen Hand. Sie schwur mir, daß sie unschuldig sei, daß sie verblendet gewesen, daß sie nur mich liebe.##er#5 stieß sie hinaus.“ „Und die Scheidung?“„„ „Ich zog sie zurück, die Unglunliche ist mein Weib.“ „Du sagtest doch, daß du kein Weib mehr habest“ „Ja, denn unheilbar verhüllt der Wahnsiun ihren Geist.“ n 3891 8 * hup