Capplet und Schwerter belksbistt Deithetener Zeitung Spierbecher Zeitung Amtliches Weisbiatt für den Kreis Börte. bolzwichetm Zeitung Erstes und ältestes Cagesorgon des Kreiles.— Generolamzeiger für den Kreis Hörde. De„Sdwerder Zeitungk erschetet verktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Oruck und Verlog: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel. 62. PDostscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Perl Pestat Patecee Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter. u Lustiges Kinderzeitung: Unser Blatt n Unterhaltungs- u. Romandeilage.n Sport und Curnen. n Lodensb#d. Kunst u. Wissen. n Gartenratschläge. Nr. 278 Montag, 27. November 1922 55. Jahrgang Zum Geleit. Der Tag ging regenschwer und sturmbewegt, ich war an manch vergeß'nem Grab gewesen, verwittert Stein und Kreuz, die Kränze alt, Die Namen überwachsen, kaum zu lesen. Der Tag ging sturmbewegt und regenschwer, Auf allen Gräbern fror das Wort: gewesen. Wie sturmestot die Särge schlummerten,— Auf allen Gräbern taute still: Genesen. Detlev von Liliencron F 1909. Die Vertrauenvertiarung mit größer Mehrheit angenommen! Neueste politische Nachrichten. Wie aus Genf gemeldet wird, wird der Vatikan einen Vertreter zur Lausanner Konferenz entsenden, der das Interesse der katholischen Minderheiten unter türkischer Herrschaft vertreten soll. Der amerikanische Gewerkschaftsbund hat eine Einladung zum internationalen Gewerkschaftskongreß mit der Begründung abgelehnt, daß Amerika nicht an einem internationalen Generalstreik gegen einen Krieg teilnehmen könne. * In Rotterdam wurde ein Wohltätigkeitsbazar eröffnet zugunsten der meistbedürftigen Leute in Deutschland, wie der Intellektuellen, der Kleinrentner usw. * Der frühere italienische Ministerpräsident und Außenminister Sonnino erlitt einen totbringenden Schlaganfall. In Camburg a. d. Saale, wo infolge eines Wahlprotestes die Wahlen zum Stadtrat wiederholt werden mußten, errangen diesmal die Bürgerlichen einen Sieg. Sie erhalten sechs Mandate, die Vereinigten Sozialisten zwei und die Kommunisten drei. Vermischte Kunde. Aus dem hygienischen Institut der Universität Tübingen haben Einbrecher Mikroskope und andere Untersuchungsapparate im Werte von über 4 Millionen Mark entwendet. Einer brasilianischen Familie wurde in einem. D=Zuge in der Nähe von Jena eine Handtasche, die u. a. für fünf Millionen Mark Juwelen barg, gestohlen. * In einem Gasthof in Meran hat der 34jährige Alois Waldner sich und seine Frau, eine Ungarin, und seine beiden Kinder im Alter von 6 und 10 Jahren aus Not vergiftet. * Zum Führer der polnischen Delegation auf der Moskauer Abrüstungskonferenz ist. Fürst Janusz Radziwill, ernannt worden. * Prinz Waldemar, der Onkel des Königs von Dänemark, hat infolge Zusammenbruchs der Landmannsbank sein ganzes Vermögen eingebüßt. Seine Familie ist in alle Winde zerstreut, er selbst dürfte beim Herzog von Cumberland in Oesterreich Aufenthalt nehmen. * Der russische Kritiker und Kunst=Sachverständige G. Lükowski veröffentlicht jetzt in der russischen Presse die Eindrücke seines Besuches der Münchener Gewerbeschau. U. a. sagt er:„Zweifellos stehen die Kunstschöpfungen Deutschlands viel höher als die der Franzosen. Nach dem Besuch der französischen Kunstsalons wirkten die Münchener Ausstellungen wie eine Offenbarung. Hier war alles über jedes Lob erhaben. Ueberall Geschmack, Takt, Einfachheit. Sevres? Geschmacklosigkeit der Dekadenz! Seit 1914 ist das Niveau des Kunstgewerbes in Deutschland noch bedeutend gestiegen! Man verbeugt sich buchstäblich vor dem Talent und der Arbeitsfreudigkeit dieses Volkes, das nicht unterzukriegen ist!" Noch am Freitag abend nahm bei der der Besprechung der Kanzlerrede zunächst der Sozialdemokdat Dr. Breitscheid das Wort, um Die Stellung der Sozituldemokratie zum Kabinett Cuno darzulegen. Er gibt einen Rückblick über die letzte Regierungskrise und meint, daß allein die alte Koalition eine geeignete Grundlage für die Regierung sei. Der wiedererstarkte Kapitalismus versucht jetzt, seinen Einfluß zu stärken und den Einfluß der Sozialdemokraten zurückzudrängen. Der Brief Dr. Cunos an den Reichspräsidenten, in dem er sich über die Parteien beschwerte, habe etwas italienisch geklungen, wenn auch Herr Cuno gerade kein Mussolini sei. Diese Bewertung ruft bei den Demokraten ein Oho hervor, worauf der Redner unter stürmischer Heiterkeit des Hauses den Demokraten zuruft: „Daß Sie keine Mussolinis sind, wissen wir alle!“ Zum Schlusse seiner Ausführungen kündigt der Redner namens seiner Fraktion der Regierung allerschwersten Kampf an. Abg. Marx(Z.) erklärt unter lebhaftem Beifall der Mehrheit, daß endlich einmal mit dem Parteigezänk, wie es jetzt wieder der Abg. Breitscheid vorgetragen habe, Schluß gemacht werden müsse. Die Sozialdemokratie habe am allerwenigsten Anlaß, in dieser Weise aufzutreten. Abg. Dr. Hergt(D. N.) erklärt, daß die Erfüllungspolitik des Kabinetts Wirth unter keinen Umständen fortgeführt werden dürfe. Er begrüßt es, daß Dr. Cuno auch nach Ablehnung der Sozialdemokratie die Kabinettsbildung durchgesetzt habe. Die Deutschnationale Volkspartei werde alles vermeiden, wodurch dem Kabinett Schwierigkeiten entständen. Der Beginn der Samstagssitzung des Reichstages, der auf 10 Uhr vormittags angesetzt war, verzögerte sich fast um eine halbe Stunde. Grund war eine Kammersitzung, die damit endigte, daß Ernährungsminister Dr. Müller=Bonn sein Portefeuille dem Kanzler wieder zur Verfügung stellte. Dies Ergebnis war natürlich Gesprächsstoff in den Wandelgängen des Reichstages und im Sitzungssaal, wo als erster Redner der radikale Sozialist Ledebour gegen das Kabinett Sturm lief. Abg. Ledebour(bei keiner Fraktion) bemängelt die Abwesenheit des Kanzlers. Er verlangt Auskunft über das Ergebnis der Untersuchung gegen den Ernährungsminister Dr. Müller. Er richtet an den Vertreter des Kanzlers die Frage, ob Dr. Müller noch Minister ist, oder ob er zurückgetreten sei. Es muß festgestellt werden, wie es möglich sei, daß jemand auf nur einige Stunden Minister sein könne. Die Sozialdemokratie habe diesen Unglückswurm beseitigt. Der Redner bespricht dann die Regierungsbildung und sagt dem Kabinett Cuno ein baldiges Ende voraus. Dann erhob sich der Reichskanzler Cuno und gab einen Brief des Ernäbrungsministers Müller an den Reichspräsidenten bekannt. In diesem Schreiben teilt Dr. Müller mit, daß der Kanzler die Vorwürfe gegen Dr. Müller geprüft und festgestellt habe, daß an seiner vaterländischen Gesiinnung nicht zu zweifeln sei. Trotzdem lege er sein Amt zu dem er sich nicht gedrängt habe, nieder, weil bei dem Bestehen solcher Gegensätze die erforderliche Konzentration seiner Kräfte auf sein hochbedeutsames AAmt nicht möglich sei. Der Reichskanzler fügte hinzu, daß der Justizminister die Vorwürfe gegen Dr. Müller untersucht habe, und daß dabei auch der sozialdemokratische Abg. Sollmann=Köln erklärt hat, er könne selbst nicht behaupten, daß Müller zu irgendeiner Zeit die Loslösung der Rheinlande erstrebt habe. Er gab bekannt, daß Dr. Müller seinen Posten verlassen werde, weil jeder unfruchtbare Parteikampf vermieden werden müsse, und er hoffe, durch eine geeignete Persönlichkeit das Kabinett bald ergänzen zu können. Er appellierte zum Schluß erneut an die verständnisvolle Mitarbeit des Reichstages. Der Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Stresemann warnte die Sozialdemokratie davor, den politischen Kampf zu vergiften. Er betonte besonders die Notwendigkeit, im Rheinland alle Kräfte zur Abwehr fremden Einflusses zusammenzufassen und schilderte dann die Gefahren, die durch die Einwirkung des Auslandes drohen. Er forderte freie Wirtschaft und Wiederherstellung der normalen Produktion. Die wirtschaftlichen Interessen ganz Europas seien m Spiel. Unser Währungsverfall sei begründet durch die gewaltigen Reparationsleistungen. Aktive Politik sei auch Frankreich gegenüber notwendig. Der Rednet billigte das Regierungsvrogramm Abg. Zeiht V V. P, fülre die große deutsche Nai vor Anzen nöhrend der deutsch=völkische Abg. v. Graefe hervorhob, daß sich eine völkische Bewegung vorbereite, die auf die spätere Zusammensetzung des Reichstages von ausschlaggebender Bedeutung sein könne. Der Sozialist Müller=Franken; wehrte die Angriffe aus dem bürgerlichen Lager ab. Ein Schlußantrag machte der Erörterung ein Ende und man schritt zur Abstimmung. Das kommunistische Mißtrauensvotum wurde gegen die Kommunisten und die Gruppe Ledebour abgelehnt. Es lautete: „Die Erklärung der Reichsregierung entspricht nicht den Anschauungen des Reichstags, insbesondere mißbilligt der Reichstag die auf Grund der Note vom 13. November 1922 angekündigte Durchbrechung des Achtstundentages und die in Aussicht gestellte Massenentlassung behördlicher Angestellter und Arbeiter, die Beseitigung der Getreideumlage und die danach angekündigte neue Brotpreissteigerung; die erklärt, daß die Regierung durch Sicherung der kapitalistischen Substanz, des Wiederbeschaffungspreises als Grundlage für die Preisbildung die unbeschränkte Wucherfreiheit herzustellen, entschlossen ist.“ Allgemeine Heiterkeit erregte es, als der kommunistische Antrag auf namentliche Abstimmung über das Vertrauensvotum nur noch von den Deutschvölkischen unterstützt wurde, sodaß die nötige Anzahl von Stimmen nicht erreicht wurde. In einfacher Abstimmung wurde darauf das Vertrauensvotum unter großem Beifall der Mehrheit und großem Lärm der Kommunisten gegen etwa 16 kommunistische und deutschvölkische Stimmen angenommen. Es war von den Demokraten endgültig in folgender Form eingebracht worden: Der Reichotag hat die Erklärung der Reichsrezierung zur Kenntnis genommen und billigt, daß sie die Note vom 13. November zur Grundlage ihrer Politik machen will. Darauf vertagte sich der Reichstag bis zum 4. Dezember.— Schluß nach 3 Uhr. Arbeiterfragen und Fürsorge. Sitzungdes Preuß. Landtages am 25. November Im Preußischen Landtag wurde die Aussprache über die Terrorakte gegen deutschnational gesinnte Arbeiter, die der deutschnationalen Volkspartei Anlaß zu einer Interpellation gegeben hatte, sowie über die große Anfrage der Kommunisten über drohende Rechtsputsche fortgesetzt. Abg. Dallmer D. N.) erklärte, es werde immer mit zweierlei Maß gemessen. Verginge man sich gegen die Sozialdemokraten, dann sei das Hallo groß, Wenn aber deutschnationale Arbeiter terrorisiert würden, dann solle nichts geschehen sein. Der Redner kam dann auf das Wort des Führers der Deutschnationalen Hergt zu sprechen. Die Partei werde ins Volk gehen und erklärte es als gutes Recht aller Parteien., Volksaufklärungsarbeit zu leisten über die Mißstände des Parlamentarismus. Seine Ausführungen zur Bildung einer nationalen Einheitsfront fanden natürlich bei den folgenden Rednern der früheren Unabhängigen und jetzigen Sozialdemokraten Jürgensen wenig Gegenliebe. Insbesondere befaßte sich dieser mit der gestrigen Rede des Redners der D. V. P., des Vertreters der gelben Gewerkschaften, üdemann. Seine Behauptung, unsere Wirtschaftspolitik baue sich nur auf dem Elend der Arbeiter auf, rief erklärlicherweise lebhaften Protest hervor. Zum Schluß wandte er sich auch gegen die Kommunisten, deren Versuchen die Arbeiter immer mehr Mißtrauen entgegenbrächten. Der Kommunist Rogg sollte noch sprechen, war aber nicht zur Stelle. So konnte man schon vorzeitig diese Aussprache abschließen und zu einer Besprechung über die Abwehrmaßnahmen im Sinne der Arbeitslosenfürsorge, Lebensmittelbeschaffung sowie Fürsorge für Sozial= und Kleinrentner übergehen, Die Aussprache hatte im besonderen zum Gegenstand die Not der Kleinrentner sowie die Maßnahmen angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit. Man unterhielt sich auch über den Milchpreis und die steigende Knappheit an Brotgetreide. Hier empfahl der Landwirtschaftsminister die Herstellung von Kartoffelmehl. Er ging im einzelnen auf das genaueste auf zahlreiche Anregungen ein, und teilte ferner mit, daß er Anweisungen an die Regierungspräsidenten erlassen habe, um die Preisbildung für Milch günstig zu beeinflussen. Es sprachen für die Deutschnationalen Dallmer, für die Demokraten Riedel, für die Sozialdemokraten Jürgensen, für das Zentrum Hagemann, für die D. V. P. Graf=Stolberg. Nach dem Landwirtschaftsminister äußerten sich noch Abg. Gehmann(K.), Frau Dr. Spohr(D. N.) und Abg. Bergmann(Z.). Zu den Anträgen und Beschlüssen des Hauptausschusses. Das Haus wies eine bedenkliche Leere auf, als man gegen 5 Uhr die Aussprache abbrach. Montag wird man mit ihr zu Ende kommen.— Schluß 5 Uhr. Ein Sturm von Protesten. London, 27. Nov. Wie aus Washington gemeldet wird, rief die Erklärung Clemenceaus, daß Deutschland einen neuen Krieg vorbereite, einen Proteststurm seitens amerikanischer politischer Führer hervor. Clemenceau wurde von zahlreichen Senatoren und ebenso von Mitgliedern des Repräsentantenhauses ohne Unterschied der Partei heftig angegriffen. Sie erklärten, daß, wenn Deutschland einen neuen Krieg vorbeerite, Frankreich die Verantwortung dafür trage. Clemenceaus Reise nach den Vereinigten Staaten sei ein Versuch, die Vereinigten Staaten mit hineinzuziehen. Senator Borah erklärte, kein lebender Mann sei mehr verantwortlich für das augenblickliche Elend in Europa als Clemen= ceau, denn er trage mehr als jeder andere die Verantwortung für die zerstörenden Bedingungen des Vesailler Vertrages. Am bedauernswertesten sei die Beschuldigung der Ehrlosigkeit ge genüber Amerika. Diese Beschuldigung sei ebenso unbegründet wie undenkbar. Frankreichs Haltung auf der Abrüstungskonserenz sei A verurreiten. Borah weist auf die Angerechtigkeit des Versatl ler Vertrages hin und fügt hinzu, Frankreich und Großbritannien seien jetzt ebenso dabeund Mesopotamien auszuberuten. Syrten iterielt Plötzlich haben die englischen Arbeiter die ihnen bisher noch fehlende Kraft gewonnen, ein energisches Wort zur Verständigung zwischen der Entente und Deutschland zu sprechen, nicht aus Sympathie für uns, denn davon ist bei ihnen kaum viel zu finden, wohl aber im Interesse der britischen Wirtschaft und zur Beseitigung der beitslosigkeit in ihtem Vaterlande. Denn durch die Neuwahlen zum Londoner Parlament ist die englische Arbeiterpartei regierungsmöglich geworden. Im alten Unterhause zählte sie 60 Abgeordnete; im neuen ist sie mit rund 145„Mitgliedern vertreten.. Das ist nicht die Mehrheit Hauses, diese hat das Ministerium Bonar Law errungen, aber es ist(zusammen mit den Liberalen)zeine so hohe. Zahl, daß die Regierung ihre Anschauungen in wichtigen Lebensfragen für den Staat nicht ignorieren kann. Die englische Ar beiterpartei ist also eine Macht geworden, mit der Vonar Law, sowie sein Kollege Poincaree rechnen müssen, wenn sie es anders versteht, mit der Faust kräftig auf den Tisch zu schlagen und sich vor dem englischen Volke Gehör zu verschaffen. Der Engländer ist der geborene Praktiker und Kaufmann, und auch der Arbeiter weiß die Chancen in der Hochkonjunktur zu erkennen und auszunützen. Die antikapitalistischen Theorien finden bei ihm keine Gegenliebe, denn er sieht, daß Englands Handel auf seiner Bedeutung als reichstes Land in Europa beruht. Er sieht deshalb mit geringschätzigem Achselzucken auf den mageren Kontinent herab und denkt nicht daran, die Weltstellung seiner Heimat durch Phantasien zu zerstören. Weder durch sozialistische Prinzipien noch durch politische Verbrüderungen, und deshalb stehen ihm die französischen Arbeiter nicht näher, als die deutschen. Die englischen Arbeiter haben Deutschlands Niederlage im Kriege für notwendig gehalten, weil ihnen eingeredet worden war, wir wollten ihr Land und seine Industrie aus ihrer historischen Stellung verdrängen. Dafür mußten wir „unsere Strafe“ haben, wobei ihnen die Lage der deutschen Arbeiter wohl nicht viel galt. Deshalb sind auch die Aufforderungen, ihren deutschen Kameraden beizustehen, ohne starken Widerhall geblieben, wobei allerdings beachtet werden muß, daß, wie weiter vorn gesagt, die englische Arbeiterpartei im Parlament bisher nur 60 Sitze zählte. Jetzt, nach ihrem unbestreitbaren Wahlerfolge, wollen sie nun eigene hohe Politik betreiben, und sie haben dies schon in ihrem Wahlprogramm aus gesprochen, in dem sie betonten, daß die Beilegung der Reparationsstreitigkeiten eine Notwendigkeit sei, daß die Acra der politischen Abenteuer aufhören muß. Diese Sätze sind vor den Wahlen nicht viel, in Frankreich gar nicht beachtet worden, weil man in London und erst recht in Paris die hohe litik nicht als Domäne der Arbeiter ansehen wollte. Nun hat die Wahl große Ueberraschungen gebracht; von dem vor kurzem hochgefeierten Lloyd George spricht man heute in London kaum noch, und die Arbeiter stehen so da, daß ihre Stimme bei den Reparationsangelegenheiten nicht ausgeschaltet werden kann. Jedenfalls kann sich die englische Regierung nicht so ungestüm in Poinca. rees Arme stürzen, wie man in Paris vielleicht denkt. Aus Stadt und Land. Schwerte, 27. November. Ertaneruugen. 8 v. Chr. Der röm. Dichter Horaz gest. 1701 Der Physiker Celsius geb. 1914 Der Komponist Kremer gest. 1895 Der franz. Dichter Alexander Dumas Sohn getorten. (1914 Hindenburg wird General=Feimarscha * Hemmatsinn in Wesiuten Das Erfreulichste in der sonst so traurigen Gegenwart ist die starke Liebe zur Heimat, die augenblicklich durch unser Volk hindurchgeht. Auch in Westfalen ist der Heimatsinn heute lebendig geworden, wie nie zuvor. Für die einzelnen Gebiete sind besondere Heimatbücher entstanden, die zumeist aus Lehrerkreisen hervorgegangen und für die Schulen bestimmt sind. So hat Hattingen, Hagen und Hamm in letzter Zeit je ein Heimatbuch dieser Art bekommen. Aber es ist nicht so, als ob dieses etwas Neues wäre. Vor hundert Jahren nach den Freiheitskriegen ging eine ähnliche Bewegung über die Rote Erde. Ist die Heimat wohl da, wo die Luft und die Scholle den Menschen tief umfängt, oder da, wo er tief in die Geschichte sich einlebt, die über das Land dahingezogen? Eine rechte Heimat ist wohl beides. Westfalen war bis 1813 ein ganz unbestimmter Begriff Meist verstand man darunter alles Land zwischen Weser und Maas. Im ausgehenden 18. Jahrhundert rechnete man das niedrrheinische biet völlig zu Westsalen, und es erschien z. B. in Cleve ein„Westfälischer Beobachter". Das wird nun anders seit 1813; das Rheinland löst sich selbständiger heraus, und Westfalen wird ein be stimmteres Gebiet, etwa das heutige. Daran hängen die Bewohner mit niedersächsischer Treue, und wenn es in ihrer Tiefe vielleicht auch die Natur ist, die sie am stärksten verbindet, der hellblaue Himmel, die wallenden Nebel, die heckenbelebte Ebene oder die waldgetrönten Bergkuppen, so ist doch wenig davon die Rede. Aber die Geschichte fesselt den Westfalen start an seine Scholle. Von je ist dem Westfalen eine historische Neigung eigen gewesen. Treu gedenkt man des Erbes der Vergangenheit: An Wittekinds Zeit gemahnen nicht bloß Bergnamen, sondern im Bauernmunde lebt auch zur Biedermeierzeit das Gedächtnis an den Sachsenherzog; eine Schar Bauern trägt seinen angeblichen Sarg aus Herford nach dem heimatlichen Engern. Eifrig sammelt man Märchen,— hier in Westfalen wohl nicht bloß unter dem Einfluß der Romantik—, und dichtet auch Märchen nach. Man achtet auf die alten Lieder. Treuherzige Volkstracht und Bauerntänze leben in vielen Kreisen. Alte Haussprüche zieren neuerbaute Häuser. Die Münzen und Geräte der Vorzeit sammelt man. Man hat auch Sinn für das Leben und Treiben benachbarter Städte Oft finden sich in den Zeitschriften Stadtveschreibungen. Auch unsere„Schwerter Zeitung“ bleibt nicht zurück, sondern bringt als Sonderbeilage, regelmäßige Artikel:„Aus Schwerte's Vergangenheit.“ weilten, und so wurde die Vergangenheit vorübergehend zur Gegenwart. Gewaltig ist die Nahnung des Totensonntages=an jeden Lehen##### duch beine Trade sonatls=Docin Lebe, wie du, wenn du stirbst Wünschen wirst, gelebt zu haben! Einezbesondere Noté aber erhielt der gestrige Tag wieder durch die seit Jahren in unserer Stadt übliche! Gedenkfeier der militärischen Vereine des Kirchspiels Schwerte. Trotz der gerade zur Stunde der Feier in verdoppelter Stärke niedergehenden Regenmengen waren die Vereine„in stattlicher Zahl angetreten vom ergrauten Veteranen aus den Jahren 1870=71 bis zu den jüngsten Kämpfern aus dem Weltkriege. Der erste Teil der Feier, zu welcher die Kapelle Heine die Musik stellte, fand in Anwesenheit von Mitgliedern der städtischen Vertretungen am Kriegerdenkmal statt. Nachdem der Männergesangverein„Sängerbund“ der in freundlicher Weise sich für diese Feier zur Verfügung gestellt hatte, unter Herrn Lehrer Hefendehl's Leitung durch einen stimmungsvollen Chor die Gedenkfeier eingeleitet hatte, hielt der Vors. des Kriegerver., Herr Lehrer Althoff. eine kernige Ansprache zu Ehren der gefallenen Kameraden, und dann wurden als Zeichen treuer Kameradschaftlichkeit drei Kränze niedergelegt. Noch ein treffliches Licd aus Sängermunde, und dann gings zum Friedhofe, wo es galt, die Helden des Weltkrieges zu ehren. Nach gemeinsamem Gesang der ersten Strophe von„Jesus, meine Zuversicht" ermahnte Herr Pastor Florin in seiner Ansprache, nie des Opfermutes derer zu vergessen, die ihr Herzblut für das Vaterland dahingegeben und in ihrer Treue die Pflicht zu sehen, für das Vaterland mit allen Kräften zu sorgen. Eine Liederspende„Ueber den Sternen vom Sängerbund und der gemeinsame Gesang von„Ich hatt einen Kameraden“ schloß die Feier, die an dem vor Jahresfrist eingeweihten Ehrenmal stattfand. Die Einweilung des städtischen Heldenfriedhofes im Schwerter Walde, in dessen Miete der ling“ aus der Vorzeit Platz gefunden hat, wird, wie wir hören, erst im nächsten Jähre stattfinden können, da die gärtnerische Anlage des Platzes nicht eher fertiggestellt werden kann. ** Liturgische Totenfestfeier. Nachdem sich an dem gestrigen regenschweren Totensonntag die Abendschatten langsam niedersenkten und damit dem Verweilen auf dem Friedhof ein Ziel setzten, füllte sich die große Kirche am Markte bis auf den allerletzten Platz, um einer liturgischen Totenfestfeier beizuwohnen, die von dem unter Leitung des Herrn Lehrers Klähn stehenden Kirchenchor bestritten wurde. Nach einleitendem Gemeindegesang und Schriftverlesung durch Herrn Pastor Ohlig brachte der Chor, nachdem er einleitend durch den von Schmerz und Wehmut durchzitterten Grabgesang„Wie sie so sanft ruhn“ die Herzen in die richtigen Schwingungen versetzt hatte, die für Chor, Soli und Orgel bearbeitete größere ** Totensonntag. Der gestrige Totensonntag erhielt durch die unaufhörlich niedergehenden Regenmengen zu seinem ernsten Charakter ein trübes Gewand. Zu den vielen frischen Grabhügeln des nunmehr beendeten Kirchenjahres und den mehr alten früherer Jahre sah man den ganzen Tag über viele Menschen wandern, die um ein liebes Familienglied trauern. Dankbare Liebe legte gestern wiederum einen Kranz nieder, noch einmal lehrten die Gedanken zurück in die Zeiten, wo die Heimgegangenen noch unter uns sterschaft erledigten. Etwas umfangreicher hatte der Komponist Schwalm die beiden Soli für Sopran und utt, erstere von Frau Fleitmann, letzkere von Fräulein Reuter dargeboten, bedacht. Beide Sängerinnen, welche ihre reife Kunst schon wiederholt in den Dienst menschenfreundlicher Zwecke gestellt haben, wurden ihrer Aufgabe mit ihren sympatischen Stimmitteln gut gerecht. Allen Mitwirkenden sei darum auch an, dieser Stelle herzlicher Dank für die gestrige Weihestunde gesagt, der beste Dank allerdings würde darin bestehen, daß der Verein Zuwachs erhielt von sangesfrohen Kräften, welche der musika sacra ihr Interesse zuwenden möchten. ** Zu den Gemeindewahlen. Der„WestfälischLippische Handwerkerbund“ weist seine Mitglieder auf die Bedeutung der bevorstehenden Gemeindewahlen hin und sordert sie auf, das Bestreben des Handwerterbundes, den Einfluß des Handwerks auf die Verwaltung der Gemeinden zu stärken, durch rege Mitarbeit in den Parteien und durch Einflußnahme auf die Aufstellung der Kandidatenlisten, sowie durch rege Wahlbeteiligung zu unterstützen. Der Bund fordert die bürgerlichen Parteien auf, bei den nächsten Gemeindewahlen in allen Städten und Gemeinden Arbeitsgemeinschaften zu bilden zum Zwecke der Aufstellung einer gemeinsamen Kandidatenliste und bei der Aufstellung das Handwerk in weitestgehendem Maße zu berücksichtigen. * Generbesteuer. Der„Westfälisch=Lippische Handwerkerbund“ sordert die baldigste Durchführung einer Reform der Gewerbesteuergesetzgebung im Sinne der VVorschläge des„Reichsverbandes des deutschen Handwerks". Dingen die Freilassung eines Betrages, Jahreseinkommen eines Handwerksgesellen gleichkommt. Er fordert ferner, daß den Gemeinden ausreichende Einnahmequellen zur Verfügung gestellt werden, die es möglich machen, daß die Gesamtheit der Bürger zur Deckung der Fehlbeträge der Gemeinden herangezögen wird, da das Handwerk sowie der gesamte gewerbliche Mittelstand nicht mehr in der Lage sind, die von den Gemeinden geforderten Gewerbesteuersätze fernerhin zu tragen. ** Besuch aus dem Auslande stiftete Geld für die Bedürftigen des Kreises Hörde. Durch Vermittlung des Kaufmann R#ewurde dem Kreistinderheim von dieser Schenkung 5000 A zur Anschaffung nützlicher Weihnachtsgeschenke für die Kinder überwiesen. ** Der Volksvorein für das tathol. Deutschland, bekanntlich eine Gründung des verstorbenen Zentrumsführers Windthorst, hatte gestern nachmittag seine zahlreichen Mitglieder und Freunde zu einer Versammlung in den Saal des Vereinshauses entboten, die sich trotz des wenig einladenden Wetters eines guten Besuches zu erfreuen hatte. Herr KaplanWinter, der GeschäftsfühVor allen der dem Cantate„Der Jüngling zu Nain“ in tun, Art laßt nicht von Art. Roman von H. Hill. 89e(Nachdruck verboten.) „Und nun, mein lieber Herr Baron— wenn ich Ihnen dieser Sache nutzen soll, gibt es sehr viel für mich zu so daß Sie wohl entschuldigen müssen, daß ich mich Ihnen nicht länger zur Verfügung stellen kann. Verlassen Sie sich darauf, daß ich alles aufbieten werde, was in meinen Kräften steht. Denn diese Sache ist auch für uns von außergewöhnlicher Wichtigkeit.“ Die beiden Männer schüttelten sich die Hände, und der Freiherr entfernte sich, sehr zufrieden damit, daß er nichts von Doktor Odemars Anwesenheit draußen vor dem Gebäude verraten hatte. Diesmal machte sein sonst so empfindliches Gewissen ihm nicht den leisesten Vorwurf. Dem Polizisten mochte ja die Mordsache die wichtigere sein, für ihn aber handelte sich's jetzt ausschließlich um die gefährdete Person seiner Cousine. Wenn sie befreit war, und wenn der Herr Graf hinter Schloß und Riegel saß, mochte man in Gottes Namen auch auf diesen so hartnäckig verschwiegenen Schriftsteller einen gelinden Druck ausüben; jetzt aber war es jedenfalls besser, wenn er als ein entschlossener Helfer zur Verfügung blieb. Während er durch die hallenden Korridore schritt und die Steintreppen des Gebäudes hinabstieg, besann sich der Freiherr erst darauf, daß er seit einem sehr einfachen Frühstück während des ganzen Tages noch nichts zu sich genommen hatte, und daß der Senator Vanderzee sich vermutlich in derselben Lage befand. Es war also jedenfalls an der Zeit, ihn von seinem Wächterposten abzulösen, und er beschloß darum, sich zunächst mit dem Doktor in seine Wohnung zurückzubegeben und den Senator abzuholen. Wie man mit dem Major verfahren würde, mußte in erster Linie von dem Zustand abhängen, in dem er sich befand. Er trat auf die Straße hinaus und begab sich zu der Stelle, wo die Autodroschke und ihr Insasse ihn erwarten sollten. Aver er wußre nlcht, ob er... a Mate 6en olle, als er das Gefährt nicht mehr an seinem Plütze sand und es trotz alles Suchens auch weder in der näheren noch in der weiteren Umgebung ausfindig machen konnte. Kein Zweifel, es war verschwunden—, und er hatte nicht den geringsten Anhalt dafür, in welcher Himmelsgegend er weiter nach ihm suchen sollte. 28. Kapitel. Nachdem sie ihre erste Bestürzung über die Absperrung der Haustür und das Fehlen des Schlüssels überwunden hatte, kehrten Ediths Gedanken wieder zu dem verunglückten Kinde zurück, dem sie hatte beistehen wollen. Und in ihrer Erregung wußte sie sich nicht anders zu raten als damit, daß sie laut um Hilfe rief. Sie brauchte nicht lange auf Antwort zu warten, denn noch vor Ablauf einer Minute stand die Hausdame vor ihr, mit finster zusammengezogenen Brauen und mit einem Ausdruck harter Entschlossenheit auf dem Gesicht. Was soll dieser Lärm?“ fragte sie so kurz und scharf, daß die Komtesse davon aufs neue erschreckt worden wäre, wenn sie nicht in diesem Augenblick sich und ihr Schicksal vollständig vergessen hätte. „Oeffnen Sie die Haustür,“ erwiderte sie.„Draußen auf der Straße ist ein Kind zu Schaden gekommen. Ich habe es vom Fenster aus beobachtet. Es muß sofort hereingeholt werden, damit ihm die erste Hilfe zuteil werde.“ Sie hatte es dringend genug gesprochen, aber die Angeredete rührte sich nicht von der Stelle. „Es tut mir leid“, sagte sie,„aber dies ist kein öffentliches Krankenhaus, und wir befassen uns nicht mit Fällen von dieser Art“.. 6. Samteße Etwas in dem Blick, mit dem die Konilesse sie ansuh, mußte sie wohl zu der Erkenntnis bringen, daß diese in brüskem Ton gegebene Antwort nicht die rechte war; denn, plötzlich ihr Benehmen ändernd, eilte sie in das Wartezimmer, dessen Tür Edith hinter sich offen gelassen hatte und trat an das Fenster.„ „Da, überzeugen Sie sich, bitte, selbst, vaß Sie sich ganz unnötig aufgeregt haben, und daß es hier gar keiner arztin tadelloser Ausführung zur Darbietung Der Schmerz im ersten und die Freude im zweiten Teile erklangen in allen Stimmen fein herausgearbeitet, Beweis für den Verein und seinen rührigen Dirigenten, die Konzerte durch verinnerlichte Auffassung lebensvoll zu gestalten. So wurde die gestrige Cantate wiederum zu einer Meisterstunde, zumal das Gotteshaus mit seiner Ruhe und Stille, die jeden äußeren Beifall verbietet, der beste Konzertsaal für geistliche Musik ist. Die Komposition selbst wies mehrere hübsche Stellen auf, wie die Orgeleinleitung, durch Herrn Lehrer Breuker, der sämtliche Orgelmusik darbot, bestens vorgetragen, und das Terzett:„Herr, unser Gott, um Trost ist uns sehr bange". Den geschätzten Solisten des Vereins, der Herrn Schäfer und Dahlbüdding waren in der Cantate nur kleine zenen zugefallen, welche sie mit bekannter MeiKs Aver er wußre nicht, ob er seinen Augen trauen rer des hiesigen Ortsvereins, konnte in seiner Begrüßungsworten die erfreuliche Mitteilung einflechten, daß der hiesige Verein, trotz der Ungunst der Zeit nicht nur keine Mitglieder verloren, sondern an solchen noch gewonnen habe. Ueber die großen Aufgaben und Ziele des Vereins, der in Deutschland 5375 Ortsgruppen zählt, sprach dann in einem glänzenden, über 1½ stündigem Vortrage der neue Landessekretär Rektor Kämpfert aus Hagen Nicht Belehrung seiner Mitglieder bezwecke der Volksverein, sondern Schulung seiner Mitglieder zur praktischen Mitarbeit zum Wohle aller Volksgenossen. Die Mitglieder müßten zu sozial denkenden Menschen erzogen worden, die ihre Aufgabe an ihrem Platze auch ganz erfüllten. Bessere Zeiten könnten erst dann anbrechen, wenn die Menschen wieder besser würden. Die Arbeit an staatsbürgerlicher und sozialer Gesinnung sei unbedingt notwendig für lichen Hilfe bedarf. Das Kind, wegen dessen Sie das ganze Haus alarmieren, ist schon wieder wohlauf.“ Die Komtesse hatte sich an ihre Seite gestellt, und sie sah, daß die Worte der Person den Tatsachen entsprachen. ältere der beiden Kinder hatte das aus dem Wagen gefallene Baby schon wieder aufgelesen, und das herzhafte Gebrüll des letzteren konnte wohl als Beweis dafür gelten, daß es durch den Fall mehr erschreckt, als ernstlich verletzt worden war. Von den Vorübergehenden nahm überhaupt niemand Notiz von der kleinen Szene. Das primitive Gefährt setzte sich wieder in Bewegung und war schon eine Minute später um die nächste Straßenecke verschwunden. Edith atmete tief auf und wandte sich dann wieder der Hausdame zu, die mit einem etwas maliziösen Lächeln neben „Nun wohk,“ sagte sie,„nachdem diese Angelegenheit abgetan ist— möchten Sie mir nicht jetzt erklären, was es zu bedeuten hat, daß die Tür verschlossen ist, und daß sich der Schlüssel nicht im Schloß besndet“ unverschämte Miene Die Gefragte, die wieder ihre vorige unverschum.. nnne aufgesetzt hatte, lachte kurz auf. „Sie wären vielleicht besser auf Ihrem Schlosse geblieben, mein gnädiges Fräulein, wo Sie die Leute nach Ihrem Belieben kommandieren und zur Rede stellen konnten. Hier kann ich mir zu meinem Bedauern ein Dreinreden in die Hausordnung von niemandem gefallen lassen.“ Die Komtesse blieb unbeweglich stehen. „Ich wiederhole meine Frage,“ sagte sie kalt,„und ich warte auf Antwort.“ „Ich gestehe, daß ich nicht übel Lust hätte, Sie darauf warten zu lassen, solange es Ihnen beliebt. Aber da sehe, daß Sie etwas nervös sind, will ich nicht unhöflich sein und Ihnen mitteilen, daß sich augenblicklich ein Geistesfranker im Hause befindet, der wegen seiner Gemeingefähriichten un Fluchtversuchen gehindert werden muß. Edith glaubte nicht ein Wort davon. Der Gesichtsausdruck des Mädchens strafte ihre Rede gar zu augenfällig Sügen.„#u A lt (Vortsegung, Wvigk.) Vortrag fand einer kurzen den Wiederaufbau einer besseren Zeit. Sharf verurteilte Redner den Pessimismus gewisser Kreise, die er als Verräter am Vaterlande hinstellte. Ein Volk, welches so viel geistige Kräfte in sich berge, wie das deutsche könne nicht untergehen. Redner zog dann noch die Schulfrage, das Familienproblem und andere brennende Zeitsragen in den Kreis seiner tiefgründigen Betrach tungen und schloß mit einem warmen Appell an alle Zuhörer, dem Volksverein auch für die Zu kunft die Treue zu halten. Der äußerst lebhaften Beifall. Nach Pause wurden die Anwesenden in einem Licht bildervortrag in die Arbeitsstätte der Voltsvereins=Zentrale in M.=Gladbach eingeführt und auch die führenden Männer dieser Bewegung auf die Leinwand geworfen. Gemeinschaftliche Gesänge sowie einige Liederspenden der Gesangabteilung der Jünglings=Sodalität schufen den äußeren Rahmen für das gesprochene Wort und machten die ganze Veranstaltung zu einer wohlgelungenen. In die aufgelegten Listen trugen sich eine ganze Anzahl neuer Mitglieder ein. ** Volkshochschule. Heute, Montag, fällt der Lehrgang: Geologie der Heimat, wegen Erkrankung des Dozenten aus. ** Wieder eine! Wie so viele andere Zeitungen ist auch der hiesige„Kirchliche Anzeiger für die kathol. Gemeinde“ ein Opfer der Teuerung geworden. Mit der letzten am Samstag herausgegebenen Nummer stellt das im 12. Jahrgang erscheinende Blall vorläufig sein Erscheinen ein; die Kosten waren nicht mehr aufzubringen. Wir werden nunmehr die kirchlichen und Vereinsnachrichten der katholischen Gemeinde, soweit jsie uns pünktlich übermittelt werden, regelmäßig in der„Schwerter Zeitung" veröffentlichen, da ja ein sehr großer Teil unserer katholischen Mitbürzer zu unserer treuesten Leserschaft gehört. ** Feuerlärm durcheilte gestern vorm. 11 Uhr die Stadt und bald waren die„Wehrleute beisammen, um nach der Bruchstraße zu ziehen, wo am Beizenteich in einem Bodenraum Holzvorräte in Brand geraten waren. Die Wehrfeuerwehr der Eisenindustrie hatte aber bereits den Brand gelöscht. ** Ein schwerer Einbruch wurde in letzter Nacht wieder hier verübt. Wir werden das Nähere bekannt geben, sobald der ausführliche Polizeibericht in unseren Händen ist. ** Warnt die Kinder. Am Donnerstag nachmittag gegen 3 Uhr wurde der siebenjährige Helmuth Retzlaff in Dortmund von einem Fuhrwer? des Bauunternehmers Schulte, Lübeckerstraße, überfahren und getötet. Der Junge hatte sich auf die Deichsel des Anhängewagens gesetzt. Er stürzte ab und kam unter die Räder, die ihm über den Kopf gingen. ** Wer zahlt die Umzugskosten? Eine Verpflichtung zur Uebernahme der Umzugskosten hatte eine Regierung von den Lehrern verlangt, die sich um freie Stellen bewerben. Dann könnte aber nur der begüterte Lehrer in die bevorzugten Stellen einrücken. Der Volksbildungsminister hat deshalb erklärt, daß nach wie vor die Umzugskosten von dem zu tragen sind, der die Intitiative für die Besetzung ergriffen hat. Schreibt die Regierung die Stelle aus, so trägt die Landesschulkasse die Umzugskosten. Wird die Stelle nicht ausgeschrieben, weil sich vorher ein Lehrer um sie beworben der Schulverband sein Wahlrecht ausgeübt hat, so ist die Uebertragung der Stelle von der Uebernahme der Kosten durch ihn oder den Schulverband abhängig. ** Wetterumschlag. Nach einem mit ständigen naßkalten Regenschauern überfluteten Totensonntag setzte über Nacht Frostwetter ein, die Straßen trockneten blitzblank ab und der kalte Nord saufte einem um die Ohren. So sehr die Sauberkeit in den Straßen und die klarere Luft nach Sturm und Regen Auge und Herz erfreuen mögen, so sehr bangt man um die Eingriffe, die die größere Kälte nun wieder in den Brikettvorrat des Kellers tun wird. ** Naturgeschichte und altrömische Geschichte vereint wurde am Samstag nachm. der Jugend in der Bilderschau Schwerte geboten Leider mußte diesmal seitens der Leitung hier und da ein streuges Wort zu einigen noch ungehorsamen Kindern gesagt werden.— Die Aufnahmen selbst waren hochinteressant. Der seltsame Tintenfisch wurde in geradezu hervorragender Genauigkeit mit Erklärungen vorgeführt. Dann kam ein Humorfilm:„Boxkampf Jackson“ und anschließend die in der Tat großartig angelegte über 2 Stun den währende Vorführung der Geschichte der punischen Kriege mit Einzelheiten des heidnischen Götterkultus und der damaligen Kriegsführung, Bauarten, Actna=Ausbruch u. dgl. waren sehr lehrreiche Beigaben. Alles im allem, viel Mühe uns Ankosten, um der Jugend hier in Schwerte Bestes zugänglich zu machen. Aus den Provinzen. Hamm. Verwahrloste Jugend. Mehrere Schüler haben am Bahnhofsumbau fortgesetzt Eisen und Zink entwendet und an einen Alldändler verkauft. Die Eliern sollen den Erlös zum Teil in Empfang genommen haben. Die Angelegenheit wird von der Polizei weiter verfolgl; die jugendlichen Diebe haben die Unterbringung in eine Erziehungsanstalt zu gewärtigen. Hamm. Große Kohlenschiebung. Auf einem hiesigen großen Werk wurden von der Kriminalpolizet große Kohlendiebstähle aufgedeckt. Als Täter und Hehler kommen Arbeiter und ein Meister des Werkes, sowie Leute von außerhalb in Frage. Die Kohlen wurden waggonweise verschoben und an Landwirte in der Gegend von Brake und Schötmar gegen Getreide verähußert. Ein großer Teil der Kohlen konnte von der Kriminalpolizei noch beschlagnahmt werden. Ein Teil der Täter und Hehler wurde festgenommen. Westerfilde. Eingebrochen wurde in das Geschäftsgebäude des hiesigen Konsumvereins. Die Einbrecher stiegen durch das Dach in die Geschäftsräume, zertrümmerten die NationalKasse und raubten 300—400000 Mark, die die Kassiererin absichtlich im Geschäft gelassen halte, weil sie auf dem Nachhausewege einen Ueberfall befürchtete. Die Einbrecher konnten schnell entdeckt werden Einer derselben, ein Bergmann, verlor beim Einbruch seine Zechenmarken=Nummer wodurch er überführt werden konnte. Bußtags-Konzert im Dortmunder Afa-Palast. Ernste Werke von unseren Liedermeistern Schubert, Locwe und Wolf, die D=dur=Suite von Bach und die betannten Variationen von Tschaikowsky standen auf dem Programm dieses von der Westfäl. Konzert=Direktion(L. Taube) Dortmund veranstalteten Konzerts. Eine Vortragsfolge, dem Tage angepaßt und an sich schon bußfertig stimmend, in ihrer Wirkung vertieft durch den satten Alt der gottbegnadeten Kammersängerin Frau Lula Mysz=Gmeiner=Berlin und das unter den Händen des jungen Künstkers Emma nuel Feuermann=Köln eindringlich zum Klingen gebrachte Cello. Zu diesen nicht unbekannten Solisten als dritter im Bunde Professor Eduard Behm=Berlin als wundervoll feinsinniger Begleiter am Flügel. Frau Mysz=Gmeiner sang außer ordentlich beseelt, abgeklärt und jeden Einwand unmöglich machend u. a.:„Der Tod und das Mädchen“ von Schubert, die Balladen„Herr Auf“ und„Der Erlkönig“ von Loewe,„Süßes Begräbnis“ von selben Komponisten, das„Gebet“(Herr, schicke, was###nwillst und„Dani es. d. Seele!" von Wolf. In der an den Schluß gesetzten„Beherzigung“ konnte man zu den übrigen Vorzügen der Stimme und ihres außergewöhnlichen Kultur auch ihre Wucht fentstellen. Das Cello, anfäng lich— vielleicht infolge Temperckturwechsels etwas spröde scheinend, gewann immer mehr an Wärme des Tons. Technik u. Temperament, die besonders in den„Variationen zutage traten, machten die Leistung des Künstlers vollenbet; er lohnte starken Beifall mit einer Zugabe. Wärmsten Dank fanden auch die Altistin und Herr Professor Behm, den mancher aus der zahlreichen Zu hörerschaft des Abends sicher gerne einmal als Solisten hören würde. Umlagegetreide gegen Kunstdünger. Berlin, 27. Nov. In der Samstagsitzung des Preußischen Landtages befür wortete Abg Graf Stolberg(D. V.) die Einfuhr von Chilesalpeter und forderte billigere Frachten für Kalk und Mergel. Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff antwortete darauf: Erfreulich ist die Verwendung künstlicher Düngemittel gewachsen. Die Wagengestellung für sie ist erheblich gebessert Verhandlungen über die Ermäßigung der Frachten für Düngemittel sind im Gange. Angesichts der Rekordernte wird ein Kartoffelmangel nicht eintreten. Neuerdings haben wir beim Reich bean ragt für die Bezahlung der beiden letzten Drittel des Umlagegetreides die Lieferung von Slicksloffdünger zu gestatten. Gedächuisfeier für die Toten des Weltkrieges. TU. Berlin, 27. Nov. Am Sonntag and im Plenarsitzungssaale des Reichslages eine von der Arbeitsgemeinschaft Groß=Berlin der Vereinigung ehemaliger Kriegsgefangener veranstaltele Gedächnisfeier für die Toten des Wellkrieges stalt. Nach einleitenden Worten des ersten Vorsitzenden der Arbeits gemeinschaft sprach Reichstagspräsident Loebe Er mahnte, in Zukunft dafür zu sorgen, daß nie wieder ein Krieg über die Menschheit komme, sowie den Geist der Versöhnung zu pflegen, der allein Gesundung der Völker dringen könne. Ein früherer Polizeißräsident als Schieber berurteilt. T. U München, 27 Nov. Der Münchener Polizeipräsident aus der Zeil der Räleregierung, der Drogist Dorch, der zur Zeit wegen eines Fahrraddiebstahls in Unteruchungshaft sitzt. ist wegen Gold= und Silderchiebungen zu 1 Monat Gefängnis verurteilt worden Der deutsche Schlrimmermeister Heinrich geschlagen. T. U. Berlin, 27. Nov. Unter Anwesenheit von Vertrelern der Reichsbehörden und des Oberbürgermeisters Boeß ging ein Weltschwimmen des Schwimmsporiklubs 89 vor sich. In beiden Hauptentscheidungen gelang es dem deutschen Brustmeister Rademacher, den deutschen Stilmeister Heinrich über 96 und 192 Meter einwandfret zu schlagen. eingesandt. (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung.) Lbwohl wir die Debatte über den BeamtenArtikel schließen wollten, erhalten wir keute doch nocht ein so trefflich ausgeführtes Schriftstück, daß hir es unserer tyeuen Beamtenleserschaft, ja unscher Gesamtlesersyaftt nicht vorenthalten möchten. Der Artikel hat eine so reiche Fülle Mitarbeit unserer Leser wachgerufen, daß wir nur zwünschen können: Möchte es bei allen Artiteln so sein, die Widerspruch erregen, z. B. auch seitens der hiesigen Geschäftswelt. Eine Heimatzeitung muß das durchaus öfsentliche Sprachorgan aller Lesertreise sein, wenn sie ihren Zweck recht erfüllen soll. Und wir stellen unsere Spalten gern unserer Gesamtleserschaft zur Verfügung, damit jeder Leser „unssere Schwerter Zeitung“ eben als seine Schwerter Zeitung betrachten lernt; das„Für und(Wider" durchgedacht und ausgenommen werden kann und jeder Leser dann dahin kommt, aus dem Gesamtmeinungsaustausch das Beste zu behalten nach dem bekannten Wort:„Prüfet alles und das Beste behaltet!" Nun zu dem Eingesandt aus Eisenbahnerkreisen: Zur Beamtenpolitik dos Reiches. Voraus schicken möchte ich, daß es nicht Sache eines Staatsbeamten ist, sich auf jeden Zeitungsins Geschirr zu legen. Im Gegenteil, und ich möchte sagen, bei einem älteren ehemals preußischen Beamten ist es sast eingeimpft, Zurückhaltung und immer wieder Zurückhaltung. Da aber in dem Nachsatz die Ursprungsquelle angegeben ist und um Aeußerung aus der hiesigen Beamtenleserschaft gebeten wurde, sehe ich mich veranlaßt, meine persönliche Ansicht szum genannten Artikel kundzutun. Die lin letzter Zeit vorgenommenen Erhöhungen jder Beamteneinkommen sind bei weitem nicht ausreidhend, ein Uebersteigen der Einkom. men der Privatangestellten ist doch nur eine Fabel. Schön wäre es gewesen, wenn in dem Artikel eine Gegenüberstellung der einzelnen Kategorieni erfolgt wäre.„Mit dem Ausdruck ähm licher[Kategorien wird nichts gesagt. Vorausbezahlung der Bezüge findet statt, jedoch kann von einem Vorteil nicht die Rede sein, denn ein Vier teljahr ist lang und das knapp bemessene Einkommen muß vorsichtig eingeleilt werden. Zu dem muß der Beamte sein Einkommen einer Bank oder einer Sparfasse überweisen lassen. Die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, kennt nur derjenige, der damit zu tun hat. Was nun die Pensionsberechtigung angeht, so ist doch statistisch festgestellt, daß nur 14 Prozent der Beamten, Eisenbahnbeamtenschaft) in den Genuß kommt. Ich bin der festen Ueberzeugung, würde mani die Pensionsberechtigung nehmen, was übrigens. nicht mit einem Federstrich zu machen ist, so würde man für den Eisenbahn=Betriobsdienst die tüchtigen Kräfte, die ihm heute inne sind, nicht mehr bekommen. Die Lösung der Hauptausgaben liegt aber ohne zweifelsohne beim Betriebsbeamten. Am grünen Tisch läßt sich vieles bestimmen, was im Betrieb unanwendbar ist. Wie es aber im Eisenbahn=Betriebsdienst ist, so ist es nuch im Verkehesdienst und bei vielen sanderen Baanz tenständen auch. Die Folge würde sein, bedeutend höhere Bezahlung. Bis jetzt war es jedem Reisenden möglich, sich sorgenlos in den Zug zu setzen und durch das ganze Deutsche Reich zu fasren, ohne Gefahr zu nehmen. Bedauerlich wäre es, wenn durch die Machinationen der Schreier des„Rheinisch=Westf. Wirtschaftsdienstes", von dem jener Artikel stammt, die Sicherheit des Eisenbahnbetriebes beeinträchtigt würde: Hier möchte ich auf einen besonderen Fall hinweisen. der sich in letzter Zeit zugetragen hat. Bekanntlich ist im Eisenbahndienst das Arveitszeitgesetz eingeführt. Vor kurzem mußte ein Ministerial beamter,— mit Namen kann jederzeit gedient werden.— da er den planmäßigen Zug verspätet hatte, mit einer Lokomotive vom Münster land nach Berlin fahren, um rechtzeitig an einer Sitzung teilnehmen zu können. Im Sitzungssaal angekommen, erklätte er gleich, ich bin doch setzt anders informiert, die Fahrten mit der leeren Lokomotive müssen doch-zu 100 Prozent bewertet werden. Sie wurden vordem nur zu 39 Prozent bewertet. Daß jede Gehaltserhöhung lüs jetzt dem Beamten nicht als Hülfe diente; weiß jeder einsichtige Mensch, denn der alte. Helfferich=Grundsatz Durchhalten und Maul halten! latte dein Beamten ja den Mund verstopfr. Zudem wurde dem Beamten ja auch gesagt und versprochen. (ganz besonders dem Eisenbahnbeamten) zeigt Dienstfreudigkeit und Opfersinn, denn der Dank des Vaterlandes ist euch gewiß. Den versprochenen Dank haben wir jetzt: Jede Einkommensverbesserung zu spät, verspottet und verhöhnt von dem„Rhein.=Wests. Wirtschaftsdienst“. Aber un geachtet dessen allen, trägt der Eisenbahnbetriebe beamte das stolze Bewußtsein in sich, den glatten Aufmarsch unseres tapferen Hecres im August 1914 durch seine besonders straffe Haltung wesentlich begünstigt zu haben. Diees stolz# wußtsein ist manchem alten Beamten ein herzlicher Trost, auch heute noch in schwerer Stunde. Mag auch der„schwerindustrielle Rhein.=Westf. Wirtschaftsdienst" das nicht anerkennen, unsere ehemaligen Feinde haben es aber erkannt. Zu alledem hat der Beamte, dank seines festen gewerkschaftlichen Zusammenschlusses, bereits erreits erkannt, daß es dem„Rh.=Westf. Wirtschd.“ nur darum zu tun ist, den Keil, der leider bei manchem Arbeiter und Mitbürger schon angesetzt ist, recht tief zu treiben, und die bestehende Kluft möglichst zu erweitern. Sollte sich das Märchen von dem bevorstehenden Staatsbankerott aber bewahrheiten, so steht keiner teilnahmsloser da, als der Beamte, denn er kann gewiß mit Cäsar ausrufen:„Varus, Varus, gib mir meine Legionen wieder.“ Der Ausdrück produktiven Stände setzt der ganzen Sache, wie dem Artikel selbst, erst recht die Krone auf. Ist der Beamtenstand unproduktiv, dann bedauere ich recht lebhaft die ganze Regierung, ja, das ganze deutsche Volk, denn die Zeiten sind nicht dafür angetan, Bamphire am kranken Volkskörper, saugen zu lassen. Ein Volk, das solche Mißstände nicht abzustellen, in der Lage ist, hat keine Berechtigung mehr, selbständig zu existieren. Dann der Pferdefuß, die Verbilligung des Beamtenapparates ist aber weniger durch Herabsetzung der Bezüge der Beamtenschaft herbeizuführen, als vielmehr durch eine Steigerung der Intensität ihrer Arbeit. Hier erlaube ich mir die Dienstleistung der Personalgruppe in der ich selbst beschäftigt bin, öffentlich bekannt zu geben. 6,21 morg. 4,14 nachm. 2,15„ 12,25 mittag 6,39 morg. 7,00 morg. 517— 2,30 nachm 4,01„ Die Dienste werden mit wenigen Ausnahmen tagtäglich geleistet, also auch Sonn= und Feiertags. Eine Hausbesitzerin won hiee, die das Kommen und Gehen eines Fahrbediensteten eine Zeitläßg beobachtet hatte, erklärte: Nein, ihr Leben gleicht einem Hundeleben. Mitten in der Nachzt herein und heraus, in Sturm und Regen, in Wind uund Schnee; Sonn= und Feiertags, das tann ja gar nicht bezahlt werden. Aber= ungeachtrt dessen allen, ist sich der Beamte,(ganz besonders der Eisenbahnbetriebsbeamte) unverdrossen seiner Pflicht bewüßt, obschon er, ganz besonders der Eisenbahnbetriebsbeamte, ständig mit einem Beine im Zuchthaus und mit dem an deren Veine im Grabe steht. Das zeitweise auch zupiel Beamte vorhänden waren, gebe ich zu, denn der unglückselige Friedensvertrag hat das schon mit sich gebracht. Hier empfehle ich dem„Rhein.=Wests. Wirtsch", das tleine Heftchen.„Der Friedensvertrag, in 101 Forderungen. Verlag des„Reichsbürgerrats Berlin. Zu alledem wäre es aber auch interessant zu erfahren in welchem Ressort zuviel. Beamte vorhanden sind. Im Eisenbahn=Betriebsdienst werden jedenfalls 8 Stdt. täglich geleistet und auch mehr, Weil die Unver'neidlichen Verspä tungen schon dafür sorgen. Sollten Krankheiken in letzter Zeit bei der Eisenbahn mehr zu ver zeichnen sein, wie in den Privatbetrieben, so kann das nur in der ungenügenden Bezahlung folglich in schlechter Ernährung zu suchen sein. Ich kann Fälle angeven, wo Bedienftete# mit einem Schnittchen trockenen Brotes einen 10stündigen Dienst verrichtet haben, und das nur, weil sie kein Geld mehr hatten. Zu alledem muß jeder krankfeiernde Bedienstete zum Vertrauensarzt der Verwaltung und das besagt genug. Der Ausdruck: Durchzreisende Reformen in een vom Staat unterhaltenen Betrieben werden andauernd durch Hinweis auf soziale Gründe Schwiérigkeiten gemacht, läßt gar zu fehr den Stinnessches## leisentahnau#eresblichken un 05 nun ein Bea#ter erfolglich in der Landwoirtschaft relwandt werden sänn, lasse sich dahingestellt sein, denn der alte Fritz, an den ich dürch ünsere Bilderschau wieder erinnem# worden bin, sagte schen: daß ein Ackerpford nicht als Kutschpjerd und ein Kütsch###erd nicht als Ackerpferd zu berwenden sei. Zum Schluz erlaube ich mir, dem Wunsche Ausdruck gebenn#####dürken, daß Ansere Schwerindustrie##und. Proßlandwirtschaft aner kennen, daß der Zuruf unseres Herrn und Heilandes, den er den Pharisäern und Zöllnern gegenüber gebraucr, atsusie ihm versuchen wollen:„Gebet dem König, was des Könins.ist und Gett was Gottes ist!“ auh heute noch gilt. Dann wird unser heiß geliebtes Deutschländ auch wieder freudestrahlend emporblicken dürfen. Gerholt=Reichsbahn=Zugführer, Vors. der Reichsgewerkschaft deutscher EisenbahnBeannten und Anwärter, Ortsgr. Schwerte. Hollarkurs om 25. 11.=7206,00 M. Mcdnnt drn 1100 underhält die Schun 15 15 Zugverspätungen in letzter Zeit. Das Eisenbahnnetz der Welt In 61721 km (513% EUROER AS1EN 119 185 cm 10% * E 37681 am V. Arbil P 38071 tm ] AUSTRALTEN S2• Gesamtlänge: 1 191322 kn 370464 km (31.1% i Scheen unden SCLGIER CaDDE GpSDPA SD SCHwEDEN 15000 LANDCR. aetce h ITAIIE 68000n EN6LAND 58000— TRANKR 9000.. Nu 3m Ta. C Ztg. n Zeit hört man im rheinischustriegebiet wieder häufig Klaiche Verspätungen sowohl im im Nahverkehr. Es bietet wenig enden, daß fast restlos alse lanmäßige Zeit um eine vierte len Stunde überschreiten. Nach der zur Gewohnheit gewordenen Vern sich vergebens. Von ein senbahnleben im engen Zusammenhang Persönlichkeit wurde, schreibt die„Rh. bebauptet, daß außer dem verstärkten hr auch eine gewisse Resistenz der Eimien die Schuld an dem heutigen Zu. Der Widerstand des Fahrpersonals olge der zu schlechten Bezahlung. Da nicht nachprüfen, kann, ob diese BeRe fragt m schroffe licht kehr vo des Zugves er frühe rissen ist. I Industriegebiet Berlin starke daß bald eine ichteinhaltung das Blatt ni hauptungen stimmen, übe direktionen des Industrie K rungen, itten. das genug be unger Bekanntmachung Die festgestellle Hebeliste der Gemeinde Wellinghofen über Handwerkskammerbeiträge für 1922 liegt vom 27. Novemder 14 Toge lang im Amtshause Zimmer?. zur Einsicht der seldstsländigen Handwerker offen. Einsprüche gegen die Umlegung der Beiträge auf die Handwerksbelriebe sind tunlichst innerhald der vorbezeichneten Frist bei dem unterzeichnele: anzubringen. Wellingbosen, den 24. November 1922. Der Gemeindevorsteher: Dresing. Statt besonderer Anzeige. Nach Gottes unerforschlichem Ratschluß entschlief heute Morgen 3½ Uhr nach langem, schweren, mit himmlischer Geduld ertragenem Leiden sauft und gottergeben meine innigstgeliebte Frau, unsere gute treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante, die Ehefrau geb. Schulte, gen. Tillmann im Alter von 62 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Osterseld und Villigst, den 25. November 1922. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 29. November, nachm. 4 Uhr vom Sterbehause, Hörderstraße 70 aus, statt. Badbeugenerz Ahorn und Buche, grosse Auswahl, soeben eingetroffen. adenkandt. EaTeraus. W NIPPUS Ohe Kuon 18 dom fhaele Fernrut 468 Semrsc Erzeugnisse erster Firmen. Verkauf nur ar Wiederverkäufer zu Fabrikpre Intelligenter Junge findet als Anfnahme bei der Schwerter Zeitung. ULLSTEIN. SCHNITTMUSTER mit dem I E Praures + K Otto Marx Nachf. erhältlich bei Mit Wirkung vom 1. Dezember 1922 ist uns der X8 Kllein=Vertrieb— der Landabsatzmengen der Zeche Gewerkschaft„Caroline“, übertragen worden Um alle eoll. Schwierigkeiten zu vermeiden, bitten wir die verehrliche Kundschaft, sich im Bedarfsfalle rechtzeitig mit uns in Verbindung zu setzen Richard Kretz& Co., G. m. b. H., Hamm(Westf.), Teleson 1468 und 745. Ab 1. Dezbr. Büro Zechenplatz, Teleson Amt Unna Nr. 60. * Plötzlich und unerwartet verschied infolge Herzschlags am Freitag, dem 24. November, abends 7 Uhr, mein lieber, unvergeßlicher Mann, unser guter Schwager, Unkel und Großonkel, der Landwirt Heinrich Schmidt im 69. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen: Ruguste Schmidt geb. Wielhaus Lichtendorf, den 24. November 1922. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 28. November, um 3¾ Uhr nachmittags auf dem Friedhofe statt. Hausandacht 2 Uhr nachm. =Homöopathische= Kranken- Behandlung Sprechstunden jeden Mittwoch von 9—1 Uhr In Schwerte im Gasthof „Zum Schwan“, Hüsingstrasse. Elly Hensel, Hellkundige, Hösde, Schulstr. 21 Schokoladen- u. ZuckerwarenGroßhandlung Hornbruch& Co., G. m.b.H., Schweid Tuhr) Markts Billigste Bezugsquelle für Wieder urkäufer. Stets reichhaltiges Lager in den Erlougnisse. der ersten deutschen Fabriken. Verkauf zu Fabrikpreisen. Feine Lederwaren! hirkenläschen., Bachertaschen, Erloscheinlaschen * richtäschen, Bamemäschen, Schuntornister ert. eart Braus, Schwrrik Wageasette Maschinensette Hufferte Led##csette Aatosette Maschinendle Mototenöle Centrisugendle Fabrradole #tböle Faßbodenöle Lack u. Celiarben Carbolinenm liefern Sggroe und Ostell Giesber: Schwerte Ostenstraße 19. 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