Keets Ganchhein Beinuthefer und Cussen. 9 Kunst u. Wissen. u Gertonratichlüge. — 1 Nr. 273 Montag, 20. November 1922 55. Jahrgang Zum Geleit. Freund, so du etwas bist, So bleib doch ja nicht stehn: Man muß aus einem Licht Fort in das andre gehn. Silesius. Neueste politische Nachrichten. Nach den Blättern wird die Berufung des Generaldirektors Cuno zum Reichskanzler in Finanz=, Wirtschafts= und diplomatischen Kreisen sehr günstig ausgenommen. * In der Sitzung der Nationalversammlung in Budapest wurde u. a. ein Gesetzentwurf eingebracht, daß jeder männliche ungarische Staatsbürger vom 20.—30. Lebensjahr eine Militärsteuer zu zahlen hat. Poincaree empfing den schweizerischen Bankier Dubois, der dem von der deutschen Regierung nach Berlin berufenen Ausschuß von Finanzsachverständigen angehörte. * In diplomatischen Kreisen Washingtons hat die Nachricht großes Aufsehen erregt, nach welcher Bonar Law im Falle seines Wahlsieges den Washingtoner Botschafterposten Lloyd George anzubieten gedenkt. ** Am 22. November wird im Einverständnis mit den Alliierten die Besetzung Gallipolis und Adrianopels durch die Türken vor sich gehen. * Der Regierungsrat Froitzheim vom Poliseipräsidium in Berlin ist zum Oberregierungsrat ernannt und dem Polizeipräsidium in Köln überwiesen worden. ** Redakteur Süßkind von der Berliner„Roten Fahne“ ist nunmehr endgültig ausgewiesen worden. * Die in Leipzig erscheinende Zeitschrift„Hammer“ ist auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik bis zum 1. Januar 1923 verboten worden. * Der sächsische Ministerpräsident Buck hat dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. v. Knilling einen privaten Besuch abgestattet. Kunde. Der von dem französischen Major Dupic durch fünf Revolverschüsse schwerverletzte Mar Cohn ist im Krankenhaus zu Wiesbaden gestorben. * Die Wiener Lohnkommission stellte fest, daß vom 15. Oktober bis zum 14. November die Kosten der Lebenshaltung sich um 6 Prozent verringert haben. * In Norwegen wird eine Sammlung veranstaltet, das Landgut Aulestad, auf dem Björnstjerne Björnson den größten Teil seines Lebens wohnte, als Nationaleigentum zu erwerben. * In Moskau läuft der deutsche Film: „Lady Hamilton". Dazu bemerkt die„Prawda“, daß die deutsche, Filmtechnik bedeutend höher stünde als die der Siegerstaaten. * Auch in der Tinte leben vielerlei Mikrokocken, Bazillen und Pilze. Aus roter Anilintinte hat man eine Bazillenart gezüchtet, welche Mäuse binnen vier Tagen tötete. * Es gibt in Deutschland mehr als 200 eßbare Pilzarten; 50 davon sind gute, 50 mittelgute, 100 minderwertige Speisepilze. Eigentlich giftig sind nur 7 Arten. Cunos erste Arbeit war vergeblich. Der Triumph der Parteien. Berlin, 18. Nov. Um ½3 Uhr wurde im Reichstag bekannt, daß Geheimrat Cuno seinen Auftrag zur Bildung des Kabinetts in die Hände des Reichspräsidenten zurückgelegt habe, weil die Sozialdemokraten 5 Ministerposten forderten und sich auch sonst parteipolitische Schwierigkeiten gezeigt haben, die wir schon mehrfach angeführt haben. * Hiernach ist Cuno tatsächlich, wie wir befürchtet haben, an der selbstsüchtigen Personalpolitik der Parteien gescheitert. Neuer Auftrag zur Kabinettsbildung. Berlin, 18. Nov. Cuno begab sich um ½5 Uhr nochmals zu Ebert, um über die Möglichkeit einer neuen Kabinettsbildung ohne Mitwirkung der Parteien zu beraten, um dann mit diesem Kabinett vor den Reichstag zu treten. Ebert hat daraufhin Cuno den Auftrag zu einer solchen neuen Kabinettsbildung erteilt. Ob Cuno dieser Aufforderung Folge leisten kann, steht zur Zeit noch nicht fest. Es wird aber schon wieder davon gesprochen, daß im Fall einer Ablehnung der Demokrat Hamm Kanzlerkandidat würde. Hamm war bekanntlich bis vor kurzem bayerischer Handelsminister und zählte zu den führendsten Köpfen der Demokratie. Er zeigte auch während der Rathenaukrise einen ganz bemerkenswerten Widerstand, indem er als einziger Demokrat die Schutzgesetze ablehnte. Die Vorgänge hinter den Kulissen während der Kabinettsbildung Cunos sind ein geradezu niederschmetterndes Armutszeugnis nicht nur für das jetzige System, sondern ganz besonders für den jetzigen Reichstag. Aehnlich wie im Reichstag 1806, der sich mit dem Geschick des Euthiner Gemeindewesens beschäftigte, während Napoleon an den Toren Deutschlands stand und das alte Reich vernichtete, muß man es in diesen kritischen Augenblicken erleben, daß der Parteiegoismus wahre Orgien feiert, wo es sich darum handelt, dem deutschen Volke überhaupt wieder neue Lebensmöglichkeiten und Aufstiegmöglichkeiten zu beschaffen. Das Zentrumsorgan, die„Germania“ sagt, man könne das Zentrum nicht zwingen, über seinen eigenen Schatten zu springen. Wenn das Zustandekommen eines Kabinetts der Köpfe unmöglich sei, so müsse man sagen, daß der Sturz des Kabinetts Wirth als leichtfertig erscheine. TU. Berlin, 18. Nov. In politischen Kreisen nimmt man an, daß, falls es Cuno nicht gelingen wird, ein Kabinett zusammenzubringen, der Reichspräsident wohl oder übel den Reichstag auflösen muß, was allerdings nur die Schwierigkeiten vertagen, sie aber nicht aufheben könnte. Neue Schwierigkeiten, keine Klärung. TU. Berlin, 20. Nov. Die Bemühungen Geheimrats Cunos, ohne Verhandlungen mit den Fraktionen ein Kabinett zusammenzubringen, scheinen durch die Haltung der Sozialdemokratie vor so großen Schwierigkeiten zu stehen, daß die Aussichten für ein Gelingen des Versuches gering geworden sind. Ein Kabinett der bürgerlichen Parteien? TU. Berlin, 20. Nov. Noch im Laufe des gestrigen Tages haben sich die Führer der bürgerlichen Parteien miteinander in Verbindung gesetzt. Nach dem Ergebnis, das diese Besprechungen gehabt haben, ist anzunehmen, daß zwischen der Deutschen Volkspartei, der bayerischen Volkspartei, dem Zentrum und den Demokraten ein Einverständnis darüber erzielt wurde, ein bürgerliches Kabinett zu bilden. Ob es sich um ein überparteiliches oder politisches Kabinett handeln wird, kann im Augenblick noch nicht gesagt werden. Es steht jedoch mit Bestimmtheit fest, daß Geheimrat Cuno der Zustimmung dieser Parteien sicher sein wird. In parlamentarischen Kreisen wird behauptet, daß auch der Reichspräsident mit der Bildung eines solchen Kabinetts einverstanden sein würde. Innerhalb der bürgerlichen Parteien äußerte man sich gestern abend außerordentlich optimistisch. Man hofft, daß das neue Kabinett bis Montag abend fertig sein wird. Zur Beamtenpolitik des Reiches. Die in der letzten Zeit wiederholt vorgenommene Erhöhung der Bezüge der Beamten hat es dahin gebracht, daß die Beamteneinkommen heute die im gewerblichen Leben gezahlten Einkommen der Privatangestellten ähnlicher Kategorien übersteigen, wobei noch zu bedenken ist, daß die Vorauszahlung der Einkommen und die Pensionsberechtigung weitere ganz erhebliche Vorzüge einschließen. Dennoch erscheint die Frage nicht ganz unberechtigt, ob man den Beamten durch dauernde Besoldungserhöhungen tatsächlich hilft und ob man ihnen nicht ein Geschenk von sehr zweifelhaftem Werte darbringt, weil die ständige Heraufsetzung der Einkommen der Staatsbeamten und =Arbeiter die Zunahme der Papiergeldvermehrung außerordentlich beschleunigt und damit zu einer ganz erheblichen Verteuerung aller Lebensbedürfnisse führt. Die Gehaltsaufbesserungen dienen der Beamtenschaft also nicht in Wirklichkeit, sondern nur dem Schein nach. Vor allem wird durch sie die angeblich gesicherte Stellung der Beamten aufs Schärfste bedroht, da bei Fortsetzung des jetzigen Verfahrens der Staatsbankrott immer drohender heranrückt. Die produktiven Stände, die bisher durch ihre Arbeit die Ausgaben des Staates zum größten Teil aufgebracht haben, sind dazu auf die Dauer einfach nicht mehr im Stande, da die staatlichen Ausgaben zu den Einnahmen der produktiven Stände in ein immer größeres Mißverhältnis geraten. Die Verbilligung des Beamtenapparates ist aber weniger durch eine Herabsetzung der Bezüge der Beannzenschaft herbeiguführen, als vielmehr durch eine Steigerung der Intensität ihrer Arbeit. Aus einer Zusammenstellung vom Januar 1921 ergibt sich, daß damals bei den Reichsverwaltungen ohne Post und Eisenbahn fast 100000 Beamte und Hilfskräfte mehr als 1913 vorhanden gewesen sind. Nach Berechnungen von Sachverständigen ist gestützt auf amtliche Unterlagen ermittelt worden, daß einschließlich des Post= und Eisenbahnbetriebes bis zum Oktober dieses Jahres 300000 Angestellte und Hilfskräfte hätten entlassen werden können, wenn erstens eine volle Ausnutzung des 8stündigen Arbeitstages durchgesetzt worden wäre, wenn man zweitens die für möglich erkannten Verwaltungs= und Betriebsreformen mit aller Entschiedenheit durchgeführt hätte und wenn drittens den im Staatsdienst verbliebenen Beamten volle Bezahlung und gerechte Behandlung zuteil geworden wäre. Geschehen ist in dieser Beziehung aber fast garnichts. Die Verhältnisse haben sich vielmehr so verschlechtert, daß z. B. die Krankheitsziffer in den Staatsbetrieben mindestens 4—5 mal höher ist als bei den in den Privatbetrieben Beschäftigten. Diese Tatsache kann nur auf Gleichgültigkeit zurückgeführt werden, da in den Privatbetrieben mindestens dasselbe Maß von Anstrengung verlangt wird, wie in den Staatsbetrieben die höheren Krankheitsziffern in den letzteren durch stärkere Beanspruchung also nicht zu erklären ist. Durchgreifenden Reformen in den vom Staat unterhaltenen Betrieben werden andauernd durch Hinweis auf soziale Gründe Schwierigkeiten gemacht. Dieser Einwand erscheint nicht stichhaltig. Denn die rechtzeitig zur Entlassung Gekommenen wäten nicht der Arebeitetesiglett worden, sondern sie hätten leicht in anderen Berufen ein Unterkommen finden können. Allein in der Landwirtschaft haben von April bis Herbst 1921 nicht weniger als 800000 Arbeitskräfte gefehlt, auch in diesem Jahre waren es noch 600000. Wenn man berücksichtigt, wie notwendig gerade auf landwirtschaftlichem Gebiete die Produktionssteigerung ist,— in diesem Jahre fehlt uns die Hälfte des Getreidebedarss— dann muß man zugeben, daß von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet die Entlassung überflüssiger Arbeitskräfte aus den Staatsbetrieben sogar unbedingt notwendig gewesen wäre. Wenn diese früher vorgenommen worden wäre, dann hätte man sozial gehandelt, da es bis jetzt im großen und ganzen noch möglich gewesen wäre, sofort andere Arbeitsgelegenheit zu erhalten. Wenn man dagegen wartet, bie Eingriffe der Entente oder rückgehende Konjunktur später zu einer derartigen Maßnahme zwingen, dann geht man unsozial vor insofern, als später die Möglichkeit einer anderweitigen Beschäftigung höchstwahrscheinlich nicht mehr vorhanden sein wird. * Nachschrift der Redaktion: Wir entnehmen diesen wohl etwas einseitig gefaßten Artikel dem „Rhein.=Westf. Wirtschaftsdienst" und bitten um evtl. Rückäußerungen aus den Kreisen unserer hies. Beamtenleserschaft. Dr. b. Knilling und die Kriegsschuldluge. Auf eine abfällige Bemerkung des sozialdemokratischen Abgeordneten Blumtritt über das „Schlagwort“ von der Kriegsschuldlüge, mit dem jetzt in übler Weise operiert werde, gab der Ministerprästdent von Knilling im bayerischen Landtag folgende Erklärung ab: Wir haben aus dem Munde des Abgeordneten Blumentritt Worte zur Kriegsschuldfrage vernommen, von denen ich den Eindruck hatte, daß sie jedem, der Deutscher nicht nur dem Namen nach ist, die Scham= und Zornesröte ins Gesicht treiben müssen. Im Namen der bayerischen Regierung fühle ich mich verpflichtet, dem tiefsten Bedauern darüber Ausdruck zu verleihen, daß solche Anschauungen von der Rednertribüne eines deutschen Parlaments aus in die Welt gehen könnten.— Die Erklärungen des Ministerpräsidenten wurden von der Mehrheit mit stürmischem Beifall begrüßt und mit lebhaften Zurufen gegen den Abg. Blumentritt aufgenommen. 844 ist immer gut! Reichstags=Sitzung vom 18. November. Die Regierungstische sind leer. Ein von allen Parteien eingebrachter Gesetzentwurf, wonach bei Messen Beiträge für die im Interesse der Beteiligten geleistete Werbe= und Verwaltungstätigkeit gefordert werden können. Das Gesetz tritt rückwirkend vom 1. Januar 1922 in Kraft. Ein Gesetzentwurf, der ebenfalls von allen Parteien vorgelegt wird, und der die Mittel erhöhen will, die aus den Erträgnissen des Branntweinmonopols für wissenschaftliche und Wohlfahrtszwecke bereitgestellt sind, wird einem Ausschuß überwiesen. Die Geschäftsordnung des Reichstages. Die zweite Lesung wird fortgesetzt und zwar bei dem Abschnitt, der die Vorlagen und ihre Behandlung betrifft. Gesetzentwürfe, Haushaltsvorlagen und Staatsverträge sollen nach wie vor in drei Beratungen, alle anderen Vorlagen von nun ab aber nur noch in einer Beratung erledigt werden. Nach dem Schluß der ersten Beratung kann die Vorlage einem Ausschuß überwiesen werden. Abg. Koenen(Komm.) verlangt Oeffentlichkeit auch für die Ausschußverhandlungen. Abg. Ledebour(keine Fraktion) fordert, daß der Auswärtige Ausschuß wie jeder andere behandelt wird, d. h., daß auch Reichstagsabgeerdnete, die nicht Mitglieder de Auswärtigen Ausschusses sind, diesen Verhandlungen beiwohnen können. Abg. Eichhorn(Komm.) tritt für volle Oeffentlichkeit aller Ausschußverhandlungen ein. Abg. Dr. Kahl(D. V. P.) hält es für bedenklich, zu den Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses auch Reichstagsabgeordnete zuzulassen, Es handele sich hier doch um schwerwiegende Ent scheidungen. Durch Indiskretion könne schwerer Schaden angerichtet werden. Aber auch bei den Regierungsvertretern müsse eine sorgfältige Auswahl getroffen werden. Es empfiehlt sich vielleicht, für die ständigen Mitglieder des Ausschusses Stellvertreter zu ernennen. Der kommunistische Antrag, wonach die Sitzungen der Ausschüsse öffentlich sein sollen, wird abgelehnt. Darauf wird die Beratung unterbrochen, um die Entscheidung darüber herbeizuführen, ob der Reichstag am Montag und Dienstag Plenarsitzungen abhalten soll. Die Abgeordneten Müller=Franken(So, Dr. Rieser(D. V. P.) und Koch(Dem.) halten es für notwendig, daß der Reichstag beisammen bleibt. Abg. Dr. Bell(Z.) schlägt Vertagung bis zum nächsten Donnerstag vor. Es entspreche nicht der Würde des Hauses, daß man sich künstlich eine Tagesordnung zusammensuche. Auch Abg. Schmitz(D. N.) hält es für unmöglich, daß der Reichstag wie ein Mauerblümchen auf den Freier warten müsse. Abg. Koenen(Komm.) behauptet, der Reichstag wolle nicht zu sachlicher Arbeit zusammen, bleiben, sondern zu Schiebungen. Vor der Abstimmung über den Antrag MüllerFranken(S.) auf Abhaltung von Pleuarsitzungen am Montag und Dienstag bezweifelt Abg. Schultz (D. N.) die Beschlußfähigkeit des Hauses. Die Auszählung ergibt, daß 122 Abgeordnete für den Antrag und 73 dagegen gestimmt haben. Das Haus ist also beschlußunfähig. Präsident Löbe beraumt die nächste Sitzung, da sich eine große Mehrheit des beschlußunfähigen Hauses sich für eine Sitzung am Montag ausge sprochen habe,(Heiterkeit) auf Montag nachmittag 5 Uhr an. Die Festsetzung der Tagesordnung behält er sich vor. Schluß 1½ Uhr. Industrie und Presse. Der württembergische Handelskammertag hat sich in einer in Stuttgart abgehaltenen Vertretertagung mit der wirtschaftlichen Notlage der Presse beschäftigt. Er hat sich dabei auf den Standpunkt gestellt, daß die wirtschaftlichen Kreise, Industrie und Handel, ein unmittelbares In teresse an der Erhaltung einer gediegenen Fachpresse wie einer den produktiven Kräften von Industrie und Handel, Handwerk und Landwirtschaft dienenden öffentlichen Presse haben. Die vom Reichstag und der Reichsregierung unlernommenen Schritte wie die bisherigen unabläßlichen Selbhilfemaßnahmen seien unzulänglich. Eine nachhaltige Kräftigung und Stütze könnte der Presse dadurch gesichert werden, daß Industrie und Handel sie gerade in den derzeitigen schwierigen Verhältnissen durch Aufträge mittelbar stützen. Die württembergischen Handelskammern erachten es deshalb für ihre Pflicht, Industrie und Handel ihrer Bezirke nahezulegen, der Notlage der am wirtschaftlichen Nachrichten dienst beteiligten Presse durch Bezug der Zeitungen wie durch erweiterte Erteilung von Anzeigen auch ihrerseits nach Möglichkeit mitsteuern zu helfen. Aus Stadt und Schwerte, 20. November. Erinnerungen. 1197 Vasco da Gama umschifft das Cap der guten Hoffnung. Friede; die der Schweiz wird beschlossen. 1891 Der Klaviervirtnos und Komponist Ant. Rubinstein gest. 1916 Craiova wird besetzt. 1916 Kaiser Franz Joseph gest. Der Amtliche Pressedienst teilt mit: „In einem Rundschreiben an die Oberpräsidenten über Maßnahmen zur Verbesserung der Milchversorgung weist der Preußische Staatskommissar für Volksernährung darauf hin, daß zur Sicherung des Notbedarfs der Bevölkerung an Milch eine strenge Anwendung der Verordnung üver den Verkehr mit Milch vom 30. April 1921 notwendig sei. Danach sind die Obeppräsidenten zur Sicherung des Notbedarfs mit Milch in gewissem Umfange ermächtigt, die Lieferung von Milch als Frischmilch an bestimmte Stellen vorzuschreiben und damit ihre Verarbeitung zu verhindern. Gleichzeitig wird angeregt, zu prüfen, ob und inwieweit eine Beschränkung der der Milchtrocknungs= und Kondenzmilchwerken frei zugebenden Milchmengen für die Wintermonate erforderlich wird und eine Ueberwachung des Geschäftsverkehrs dieser Industrien für notwendig ellärt. Eine Festsetzung von Hochstpreisen Milch zu dem Zweck, eine Niedrighaltung des Milchpreises über das Maß hinaus zu erreichen. das nach Lage der Gestehungskosten und der all gemeinen Marktverhältnisse als angemessen angesehen werden muß, wird zurzeit als nicht im In teresse der Verbraucherschaft liegend betrachtet. Ein grundsätzliches Butterherstellungsverbot ist aus dem gleichen Grunde nicht in Aussicht genom men. Die Herstellung von überfettem Käse und der meisten vollfetten Weichkäse wird verboten. Um alle zweifelhaften Elemente vom Handel mit Butter, Käse und Milch ausschließen zu können, wird die Frage geprüft, ob der Handel mit Butter, Käse. Milch von Etteilung einer Erlaubnis abhängig gemacht werden soll. Es wird empfohlen, dort, wo über Milchpreise eine Einigung zwischen Erzeugern und Verbrauchern nicht erzielt werden kann, auf dem Wege der freien Vereinbarung unter den Beteiligten Milchausschüsse aus Vertretern der Er zeuger und der Städte zu bilden und in Fällen, in denen eine Einigung nicht zustande kommt, ein Schiedsgericht anzurufen, dessen Obmann gegebenenfalls der Oberpräsident oder der Regierungspräsident bestellt. Die Frage der Milchversorgung soll während der tommenden Wintermonate seitens der Behör den die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Zur Behebung des Notstandes der minderbemittelten Schichten der Bevölkerung wird aber ein Zurückgreifen unerläßlich sein. Durch Einwirkung auf die hierfür geeignet erscheinenden Kreise muß erreicht werden, daß durch wohlfahrtspflegerische örtliche Maßnahmen, vor allen Dingen während des Winters, den Bedürftigsten und insbesondere den Kindern geholfen wird. Durch Aufklärung soll dahin gewirkt werden, daß notwendige Erhöhungen der Milchpreise, die durch die allgemeine Wirtschaftslage bedingt sind, auch in der Verbraucherschaft Verständnis finden, anderseits sollen auch die Erzeuger, die Molkereien und der Milchhandel auf die besorgniserregende Ernährungslage gerade der Kinder und Kranken hingewiesen werden, damit alles geschieht, was die Lage der städtischen Bevölkerung zu erleichtern geeignet ist.“ * An den Vorabenden des Bußtages und des dem Andenken der Verstorbenen gewidmeten Jah restages, sowie an diesen Tagen selbst dürfen weder öffentliche noch private Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten veranstaltet werden. Außerdem dürfen an diesen Tagen theatralische Vorstellungen, sowie Lichtspielvorführungen, Schaustellungen und öffentliche Lustbarkeiten nicht stattfinden. Von diesem Verbot werden ausgenommen: 1. Darbietungen geistlicher Musik., 2. Theatralische Vorstellungen von Stücken ernsten Inhalts, die von der Polizeibehörde als der Bedeutung des Tages angemessen genehmigt werden. 3. An dem dem Andenten der Verstorbenen gewidmeten Jahrestage auch Lichtspielvorführungen, die im Zusammenhang mit einem belehrenden oder wissenschaftlichen Vortrag stattfinden, oder sonst einen ernsten Inhalt haben, der von der Filmzensur als für den Jahrestag, geeignet bezeichnet ist, oder von der Polizeibehörde als der Bedeutung des Tages angemessen cnerkannt wird. Doch dürfen sie nicht vor 6 Uhr abbends beginnen und keine andere Musikbegleitung als eine solche durch Harmonium haben. In den für die Aufführungen(1., 2. und 3.) benutzten Räumen darf ein Schankbetrieb nicht stattfinden. ** Steuer von der Geldentwertung. Ein Vermögenszuwachs nach dem Geldwert unterliegt der liriegsabgabe, wenn auch wirtschaftlich das Vermögen sich im Veranlagungszeitraum nicht vermehrt hat. Dieses bemerkenswerte Urteil hat der Reichsfinanzhof neuerdings gefällt. Ein Steu. erpflichtiger hatte im Veranlagungszeitraum seinen Grundbesitz gegen einen anderen gleichwertigen gewechselt. Trotzdem lassen nach der Ansicht des Finanzhofes die einschlägigen Vorschrif ten keine andere Möglichkeit zu, als die Veränderung des Vermögensstandes nach dem Geldwert an den beiden Stichtagen zu beurteilen. Der so errechnete Zuwachs unterliegt der Kriegsabgabe, obgleich keine Vermehrung des Vermögens stattgefunden hat. Ein derartiger Zuwachs war lediglich eine Folge der Geldentwertung. Das Gesetz enthalte eben Vorschriften, die keine andere Möglichkeit zulassen. Die Vorschriften stellen unzweidentig den jeweiligen Geldwert als Maßstab hin und schließen die Berücksichtigung einer rein wirtschaftlichen Wertveränderung aus. * Mittel gegen die Kohlennot. Die deutsche Kohlengewinnung ist durch den Verlust des Saar gebiets und Oberschlesiens sehr verschlechtert worden. Es fehlen z. Z. 39 Millionen Tonnen, während 1913 ein Kohlenausfuhrüberschuß von 34 Millionen Tonnen bestand. Dies bedeutet eine Verschlechterung von 73 Millionen Tonnen und eine Verschlechterung der deutschen Zahlungsbilanz um 440 Milliarden R. Auch nach Wegfall der Reparationskohlen werden der deutschen Wirt schaft noch 20 Millionen Tonnen Kohlen fehlen. Es ist ganz unmöglich, sie dauernd aus dem Ausland zu beziehen. Durch die Abtretungen sind auch die Kohlenbeförderungswege z. T. sehr verlängert wworden. Die Frachten müssen deshalb ermäßigt werden, durch Zusammenfassung der Massengüter in möglichst wenig Einheiten, Wageneinheiten wie Zugeinheiten, zu einem schnellen Betricb. ** Mit dem Aufbau der Weihnachtsausstellungen und phantastischen Weihnachtsmärchen ist in den Geschäften bereits begonnen worden, damit sich das Publikum, das oft sehr weite Wege zurücklegen muß, danach einrichten kann. Bei dem heutigen Konkurrenzkampf sind oft viele Anstrengungen gemacht worden, um das Publikum anzulenken, aber es fehlt oft, das war schon stets so. die Ruhe. Da ist es in der Mittel= und Kleinstadt, in denen diese weihnachtlichen Reize etwas später vorgeführt werden, behaglicher und stimmungsvoller, die Beschaulichkeit und Freude am Gebotenen wird einst von dem wogenden Gedränge nicht beeinträchtigt. Vor allem kommen die Kinder mehr zu ihrem Recht, vor ihren Augen sehen sie wirklich die Weihnachtswelt sich nach und nach entfalten, und alle Tage entdecken sie etwas neues, was der Weihnachtsmann gebracht hat. Ja, der Weihnachtsmann! Denn aus dem Herzen der Kleinsten ist sein Bild doch noch nicht herausgerissen, und die Größeren, die es besser wissen, empfinden doch den süßen Schauer des Weihnachtstraums der Jugend. ** In den Dienst der Volkswohlfahrt und des Jugendglückos stellt sich am Bußtag, dem 22. Nov., Mittwoch vorm. 11 Uhr pünktlich, im Kinosaal der Reichskrone, der öffentliche Männer= und Jugendvortrag des Herrn Dr. med. Dickehage Schwerte und Schriftleiter Richter, hierselbst. Beide Herren werden voller Offenheit und mit hingebendem Ernst der hiesigen Männerwelt, besonders der männl. Jugend ihre Gedanken in Klarheit zur Bewahrung und Behütung vortragen. Jedwelche Politik und konfessionelle Eigenart bleibt bei diesem Vortrag unbeachtet, es wird nur vom Arzt zum Menschen, von Herz zum Herzen gesprochen. Kein Tag scheint da geeigneter für diese wertvolle Arbeit in unserer Stadt, als gerade der Buß= und Bettag, wo sich die Gedanken des Voltsglückes, die Belehrung der werdenden Männer, die Sorge um das persönliche Wohl des einzelnen jungen Mannes so nahe bringen lassen. Kinder unter 13 Jahren müssen von dem Vortrag' natürlich ferngehalten werden, alle andern aber sollen kommen, da die Redner so sprechen werden, daß das gehörte Wort der Warnung und Lebensführung keinem Jugendlichen schaden, sondern allen nur nützen wird. Es gibt ja so viele besorgte Eltern in unserer Stadt, die um das Wohl ihrer Kinder und des kommenden Geschlechts bangen. Und Vater oder Mutter finden oft die rechten Worte einfach nicht, den heranwachsenden Sohn rechtzeitig zu warnen, zu schützen. Darum geraten unzählige unserer Söhne in die unheilvollen Gefahren der Gegenwart und sind dann oft entnervt für immer. Da will der Vortrag des prakt. Arztes nun helfen und sowohl den Vätern, als auch den Söhnen mit dem Wort der zarten Wahrheit dienen. Keiner braucht einem Quacksalber in die Hände zu fallen, um Hilfe zu finden, wenn er den Vortrag am Bußtag gehört hat, manche Sorge wird von den Eltern genommen sein, die ihren 14 bis 20jährigen Sohn zum Vortrag in die Reichskrone senden. In heiliger Stunde, aus ernstem Munde des Beraters soll das Wort der Wahrheit und Klarheit, der Hilfe entboten werden. Eine Tat soll geschehen persönlichster Art für das innerlichste, persönliche Leben des einzelnen Zuhörers. Möchten alle Eltern ihre Söhne aufmerksam machen auf diese Gabe des Bußtages. Nach vielseitiger Erfahrung ist die Jugend auf's herzlichste dankbar, wenn ihr in der rechten Weise der Weg zum Aufstieg, zur sittlichen Reinheit klar gezeigt wird. Väter können gern dem Vortrag beiwohnen, allerdings muß zur Deckung aller Unkosten ein Beitrag von 20 K pro Hörer erhoben werden. ** Zeitungspreise für den Monat Dezember. Die Hamburgischen Zeitungen haben für den Monat Dezember folgende Bezugspreise angemeldet: „Hamburgischer Correspondent“, 1050 K.„Hamburger Freindenblatt“ 900 K.„Hamburger Nachrichten“ 950 el,„Hamburger Anzeiger“ 425 esl, „Hamburger Echo“ 700 M.— Die AuslandsBezugspreise für das erste Quartal 1923 sind wie folgt festgesetzt:„Hamburgischen Corre=, spondent“ 9000 K,„Hamburger Fremdenblatt" 7500 K,„Hamburger Nachrichten“ 8100 ck.„HamArt itt nicht von Art. * Roman von H. Hill. (Nachdruck verboten.) „Daß er etwas noch Schlimmeres wurde, daß angeborene schkimme Anlagen ihn viel tiefer sinken ließen, als ich selber jemals gesunken war, es ist vielleicht nur zu einem kleinen Teil meine Schuld. In meiner Absicht wenigstens lag es nicht, daß er ein gemeiner Dieb und Einbrecher werden sollte. „Gerechter Himmel!“ rief der Freiherr, dem es bei den letzten Worten des Erzählenden wie eine Erleuchtung zu kommen schien.„Ein Einbrecher— sagen Sie? So wäre er vielleicht gar jener geheimnisvolle und nie ermittelte Spitzbube gewesen, der in einer Novembernacht den Einbruch in die Bibliothek von Schloß Donnersberg verübte?“ Der weißhaarige Kopf des Majors sank noch tiefer herab. „Ja, er war es," bestätigte er leise.„Und in jener Nacht erkannte ihn der Graf an dem charakteristischen Muttermal als seinen verlorenen Sohn. Um es kurz zu machen — denn dies ist ja weder das wichtigste noch das schrecklichste an der Geschichte, die ich Ihnen zu erzählen habe—, durch die unvorhergesehene Wendung der Dinge erfuhren meine Rachepläne eine gründliche Umwälzung. Der ehemalige Gatte meiner Schwester entwaffnete mich gewissermaßen dadurch, daß er mir auf halbem Wege entgegenkam, und daß er sich bereit zeigte, sein Unrecht in einer Weise zu sühnen, wie ich es natürlich niemals hatte für möglich halten können. Auf die Genugtuung also, von der ich all diese Jahre geträumit hatte, mußte ich wohl oder übel verzichten. Eine andere aber wollte ich mir doch nicht entgehen lassen. Hatte ich den Verräter nicht demütigen können, so wollte ich mir doch die unumschränkte Herrschaft über seinen Sohn sichern. Und ich glaubte dazu ein sehr einfaches Mittel von unfehlbarer Wirksamkeit gefunden zu haben. Ich ließ meinen Nefsen in dem Glauben, daß er in Wahrheit nicht der Sohn des Grafen, sondern der meinige sei, und daß es sich bei seiner Unterschiehung lediglich um die gewissenlose Ausbeutung eines Iretumg und um einen mit Hilfe gestzschtel Bokumente verübten, ungeheuerlichen Betrug handle, den ich als sein Urheber natürlich auch jederzeit aufzudecken vermöchte. Auf solche Art wähnte ich, ihn immer in der Hand behalten und von seinem Reichtum jeden nur immer gewünschten Nutzen für mich selber ziehen zu können. Welche entsetzlichen Folgen daraus entstehen würden, ließ ich mir ja nicht träumen. Ich habe dem Senator Vanderzee bereits gesagt, wie tief ich es bereue, und ich finde kaum die Kraft, es hier noch einmal auszusprechen..... P...“ einem zum andern Angstvoll schweifte sein Blia von einem zum andern, wie wenn er an ihr Mitleid mit seiner hilflosen Lage appellieren wollte, und besonders lange blieb er auf dem Antlitz des jungen Schriftstellers haften. Doktor Odemars Züge aber verrieten kaum etwas anderes als ungeduldige Spannung. Denn alles, was er bis jetzt gehört hatte, berührte ihn sehr Für ihn handelte es sich ja einzig und allein um Edith, und ihr Name war bis zu diesem Augenblick noch nicht genannt worden. 9 16 8 Nach einem tiefen, schmerzlchen Alemzuge nahm der Major seine Beichte wieder auf. „Ehe ich zu dem Schlimmsten komme, möchte ich Ihnen versichern, daß ich in bezug auf die Ermordung des unglücklichen Grafen Donnersberg nicht mehr oder vielleicht noch * einer non Ibnen Nach demi mas sch Ihnen „Ich habe eine Bitte um Verzeihung an Sie zu richten, Herr Doktor! Gewisse Umstände haben mich dahingeführt, nicht Sie zu verdächtigen, wohl aber zu fürchten, daß sich gewisse Verdachtsmomente gegen Sie ergeben könnten. Ich ersehe jetzt aus der Tatsache, daß ich Sie hier als Gast des Freiherrn von Reckenburg vorfinde, daß diese Momente sich inzwischen als haltlos erwiesen haben müssen, und daß ich mich in bezug auf Sie sehr ungeschickt benommen habe.“ weniger weiz als einer von Ihnen. Kuch den, was ich Ihnen bis jetzt gestanden, werden Sie ja vielleicht glauben, daß ich selbst sein Mörder sei. Aber ich bin es nicht. Für solche Arbeit wären meine alten Hände viel zu schwach gewesen, selbst wenn ich den wahnwitzigen Gedanken eines solchen Verbrechens hätte fassen können. Ich wäre ja gewiß geneigt, meinen Neffen für den Schuldigen zu halten, wenn nicht nach Lage der Dinge die Möglichkeit ausgeschlossen wäre; denn ich traue ihm sowohl die moralische Verworfenheit wie die physische Kraft zu, deren es für die Ausführung der Tat bedurft hätte. Aber er kann es nicht gewesen sein, da er ja zu der Zeit, wo der Graf umgebracht wurde, als ein sinnlos Berauschter in seinem Bette lag.“ Wieder machte er eine längere Pause, und dann, indem er abermals mit fast hündischer Demut zu Odemar aufsah, sprach er weiter: Er wollte noch mehr sagen, aber der Freiherr von Reckenburg fiel ihm voll lebhaften Interesses in die Rede: „Sie fanden die Hälfte eines Briefes, der von dem verstorbenen Grafen Donnersberg an den Doktor Odemar gerichtet gewesen war?“ „Ja. Und der Inhalt des Briefes ließ mich befürchten, daß er von der Polizei, wenn er in ihre Hände geriete, als ein Verdachtsmoment gegen den Doktor gedeutet werden könnte. An einer anderen Stelle zerstörte ich deshalb die Spuren der Adresse, wie Ihnen, Herr Baron, ja bereits bekannt ist.“ „Ja, es ist mir bekannt. Wo aber hatten Sie jene Briefhälfte gefunden?“ „Im Schlafzimmer meines Neffen, als ich mich zu ihm hinaufbegeben hatte, um mich von seinem Zustande zu überzeugen. Der Zettel muß ihm aus der Tasche gefallen sein, als er sich auf das Bett hinwarf, oder auf dasselbe gelegt wurde. Sie werden sich erinnern, daß ich zu Ihnen auf die Terrasse kam, um nach dem alten Grafen zu fragen und Sie zu veranlassen, sich nach ihm umzusehen. Es geschah aus einem sehr triftigen Grunde; denn ich wußte in jenem Augenblick bereits, was ihm geschehen war, da ich ihn tot auf dem Fußboden seines Arbeitszimmers gefunden hatte. Aber ich schrak davor zurück, der erste zu sein, der die Schreckenskunde verbreitete, weil ich dann als Zeuge im Vordergrund der ersten Untersuchung gestanden hätte, und weil ich fürchtete, daß die Polizei sich lebhafter als es mir erwünscht sein konnte, um meine Persönlichkeit und um mein Vorleben kümmern würde.“ (Fortsetzung folgt.) burger Anzeiger“ 3300 c,„Hamburger Echo“ 6000 M. ** Das Wohltätigleitskonzert des Christl. Männerchons Schwerte hatte gestern nachm. 3 Uhr im Gemeindehause einen überaus guten Besuch aufzuweisen, ganz gefüllt waren beide Säle, bei nur Stuhlreihen. So konnte der Inneren und Aeußeren Mission sicherlich ein guter Dienst getan werden. Der Chor hat seine Aufgabe gestern gut erfüllt und Männerchöre geistlichen Inhalts geboten, die recht zu Herzen sprachen und exakt vorgetragen wurden unter Herrn Rothsteins Lei tung. Die Lieder des gemischten Chores aus Halper wirkten in gleicher Weise und die Solistin Frau Glock=Essen gab trotz etwas belegter Stimme ihr Bestes. Der Vortrag von Gebhardts„Golgatha z. B. war tief ergreifend. Der Bläserchor Schwerte diente ergänzend mit Posaunenmusik, bedarf aber noch der Verfeinerung und besseren Zusammenklanges der Instrumente. Ob es an fleißigem Ueben der Jungmannen noch etwas fehlt? Wer doch schon so weit ist, wie dieser Chor, kann auch noch weiter kommen. Nur nicht nachlassen. Worte des Grußes von Schriftleiter Richter und eine Ansprache von Pastor Florin sowie das Schlußwort des Herrn Klotz=Langendreer fügten sich in die Musik= und Gesangdarbietungen recht gut ein. Es war eine Feierstunde für Viele zu Gottes Ehre, am gestrigen Nachmittag. Möchte der christl. Männerchor seine Missionsaufgabe in unserer Stadt auch in Zukunft in noch erhöhtem Maße zu erfüllen bestrebt sein. Er ist auf dem besten Wege dazu. ** Evangel. Männerverein. Unter dem Vorsitz des Herrn Pastor Wischnath fand am gestrigen Sonntage im oberen Saale des Gemeindehauses eine Versammlung des evangelischen Männervereins statt. Nach erfolgter Beitragszahlung verbreitete sich der Vorsttzende eingehend über die Notwendigkeit anderweitiger Festsetzung der Vereinsbeiträge. An die Darlegungen schloß sich eine rege Aussprache. In einer Sonntag, 3. Dezember, abends 6 Uhr, im Gemeindehause stattfindenden außerordentlichen Generalversammlung soll über diese Frage endgiltig Beschluß gefaßt werden. ** Kirchliches. In der hiesigen evangelischen Gemeinde finden im laufenden Kirchenjahr die letzten Abendmahlsfeiern innerhalb der nächsten acht Tage statt und zwar in der großen Kirche am Bußtage und Totensonntag, in der kleinen Kirche nur an letztgenanntem Tage. Die Beichte findet jedesmal eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes statt. ** Am Buß= und Bettag, 22. Nov. und noch am Donnerstag, 23. Nov., findet in Dortmund, Thielstraße, Johanneumssaal, die Gnadauer Herbstkonferenz der landeskirchlichen Gemeinschaften statt. Das Programm ist das folgende: Mittwoch, 22. November, nachm. 3 Uhr: Eröffnung und Begrüßung. Dann Referat:„Das Wesen der Gemeinschaft nach der Schrift" durch Pastor Krawielipzli=Marburg, Aussprache. Abends 8 Uhr: Evangelisation. Evangelist Daniel Schäfer=Waldbröl in der Reinoldi=Kirche. Donnerstag, 23. Novem. ber: 9 Uhr: Morgenandacht. Pastor TegtmeyerBethel. Gebetsvereinigung. 10 Uhr: Referat: „Die Verwirklichung des Gemeinschaftsgedankens in der Gegenwart.“ Pastor Klugkist=Hesse=Elberfeld. Aussprache. 3 Uhr: Referat:„Die Aufgaben unserer Gemeinschaftskreise an ihrer Umge bung. Evangelist D. Schäfer=Waldbröl. Aussprache. 8 Uhr: Evangelisation: Evangelist Daniel Schäfer=Waldbröl in der Reinoldi=Kirche.— Abends und Mittags bekommt man im Vereins haus des Christl. Vereins junger Männer, Wilhelmstraße, ein einfaches Essen. ** Mustergültig war das Betragen der vielen Hunderte Schwerter Kinder beim Jugendnachmittag der Schwerter Bilderschau am letzten Samstag in der Reichskrone. Williges Gehorchen der Leitung gegenüber und hingebendes Miterle ben des wirklich einzigschönen Programms an der Weißen Wand. Bilder aus Holland, Bilder aus Böhmen, das war lehrreiches und ernstes Schauen; und dann— ein Sturm von Lachsalven bei den zwei lustigen Stücken, das man wirtlich sagen konnte: Kinder, Lachen ist gesund! Welche harmlose Freude dieser unserer fröhlichen Schwerter Jugend. Und endlich: Vater und Sohn, Fricdericus Rex!— Darüber können wir schweigen. Es war eine Geschichtsstunde in voller Hingabe der Gemüter!— Ich glaube, die Eltern daheim haben was erlebt, als die Kinder heimkamen: Mutter— Vater— hör nur— so— nein Mutti! Kind, nun ist's aber gut. Nun schweig mal. Ich glaub dir ja alles und freue mich mit, wenn ich dich, mein Kind glücklich sehe von all dem Schönen, was du gelernt!— Oh die Jugendnach mittage wertvoll sind? Wir glauben es. * Heute abend findet laut Inserat die letzte Zaubervorstellung im Köster's Saal statt. Ein neues Programm der Haupt=Illusionen ist vorgesehen, sodaß auch für bisherige Besucher ein nochmaliger Besuch sich lohnen wird ** Krankheite Statistik. In der 42. Jahres. woche vom 15. bis 21. Oktober sind im Kreise Hörde(Stadt ung Land) folgende Fälle von übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: Ertrankungen an Kindbettfie der 1(Hörde), Scharlach 4(3 Schüren, 1 Hörde), Ruhr 1(Höchsten); Todesfälle durch Tubertulose 4(3 Hörde, 1 Schwerte). *e 700 Diebstähle in einer Fabrik. 5057000 A betrug der Wert der entwendeten oder veruntreuten Sachen, die den Oberwachtdienst der Kruppschen Gußstahlfabrik in Essen, im Geschäfts. jahr 1921.22 betannt wurden. Sie verteilen sich auf 597 Diebstähle und Vernntreuungen von Werkseigentum. Wieder herbeigeschafft oder ersetzt wurden rumd 4217000 M.(Gemeldet werden außerdem 19 Diebstahlsversuche, 78 Diebstähle von Privateigenturm und 43 sonstige strafbare Handlungen. Wegen Diebstahls und Verun treuung von Werkeigentum wurden insgesamt 171 Personen rechtskräftig verurteilt. Bei insgesamt 694 Vergehen gegen das Eigentum kommen auf den Arbeitstag somit mehr als 2. * Geisecke. In einer der letzten Nächte wurde dem Landwirt Gustav Berge ein fettes Schwein aus dem Stall gestohlen. Das edle und heute so teure Borstentier muß auf einem Handwagen fortgeschafft worden sein, denn die Spur konnte am anderen Morgen bis Rheinen verfolgt werden. Trotz der sofort ausgenommenen polizeilichen Recherchen konnte der Dieb nicht ausfindig gemacht werden. Lichtendorf. Schwer hereingelegt wurde der Landwirt Fritz Bährensmann von einem seiner Knechte. B. schickte den Knecht mit einem Fuhrwerk nach einer bei Hörde belegenen Zeche, um Kohlen zu holen. Zu diesem Zwecke gab er ihm 18000 Mark mit. Anstatt nun dieses Geld für die Kohlen zu verwenden, ließ der Rnecht das Fuhrwerk in Hörde auf der Straße stehen und flüchtete. Gegen Abend wurde Bährensmann telephonisch von Hörde aus angerufen, daß sein Gefährt herrenlos auf der Straße stehe und der Schwindel stellte sich nun heraus. Da B. den Namen des Knechtes, der erst kurze Zeit bei ihm beschäftigt war, nicht weiß, kann die Polizei eine Verfolgung des Flüchtigen nicht durchführen. Schwerter Wochennachklänge. Die vergangene Woche war, unter uns gesagt, nicht gerade eine von den besten. Benebelt war sie, naß und grau und kalt und dazu die neuen Reichstagsverhandlungen uird der Rücktritt des Kabinetts Wirth. Karichen Zwickler hatte Geburtstag und zu dessen Feier seine Klassenfreunde eingeladen. Sie beschließen, allerlei Spiele vorzunehmen. Nedenan hat sich Vater Zwickler ein wenig aufs Ohr gelegt. Nach einer Weile weckt ihn der Lärm der spielenden Knaben. Unwillig unterbricht er sie mit der Frage:„Was spielt ihr? Macht nicht solchen Rerdau!“. Ihm wird die Antwort:„Wir spielen Schule. Darauf sein Befehl:„Ihr sollt nicht Schule spielen. Nehmt etwas anderes vor!" Nach zehn Minuten verstärkt sich der Lärm. Vater Zwickler fährt zum zweiten Male auf und wettert:„Habe ich euch nicht gesagt, ihr sollt nicht solchen Lärm machen? Was ist denn nun los?“ Antwort:„Wir machen Auktion. Unwirsch erklingt der Befehl:„Auch Auktion sollt ihr nicht machen. Spiell etwas anderes.“— Nach weiteren zehn Minuten geht ein Toben an, als wenn die Hölle losgelassen wäre. Zum dritten Male fährt der Vater mit hochrotem Kopfe ins Knabenzim= mer:„Ihr Rangen, seid ihr des Teufels?" „Vater, wir spielen ja bloß Parlamentssitzung.“ Es war erklärlich, daß Herr Zwickler sofort die Auflösung des Parlaments verfügte. Bei uns in Berlin war der Lärm eben doch noch nicht groß genug, denn zur Auflösung kams noch nicht. Aber in Düsseldorf und Köln gings recht stürmisch zu, natürlich zu aller Schaden. Ja, es ist eine feine Sache, die Stille, so unter uns gesagt. Sagst du auch manchmal was, so unter uns? Wer kennt sie nicht, diese Redensurl„Unter uns gesagt“, die gewöhnlich die Einleitung zu einer Meinungsäußerung ist, die keineswegs auf Charakterstärke und Mannesmut schließen läßt. Warum kann das, was„unter uns gesagt“, der andere, gewöhnlich alwesende Teil der lieben Mitmenschen(meist sinds gute Verwandte oder Bekannte) nicht hören soll, nicht offen ausgesprochen werden? Gewiß, es gibt im menschlichen Leben Dinge, die man eben nur unter„vier Augen“ besprachen kann. Aber man sollte sich doch davor hüten, dieses„unter uns gesagt" zu einem förm. lichen Charakterzug werden zu lassen. Wenn auch Klugheit der bessere Teil der Tapferkeit ist, so sollte es doch im gegenseitigen Verkehr nicht zur Regel werden, daß Wahrheiten nur gesagt werden, wenn wir„unter uns sind“ dieses„wir sind ja unter uns“ dient vielen als Entschuldi gungsformel für Unhöflichkeiten, die sich gern zur Gewohnheit auswachsen. Schon daheim im eigenen Familienkreise sollte man nicht allzusehr das Leben nach diesem Grundsatz einrichten, hauptsächlich dort, wo Kinder beranwahsen. Fällt es wohl heute noch einem Bruder ein, der Schwester den Mantel anziehen zu helfen?„Wir sind ja unter uns“, da sieht es ja niemand! Und in der Bahn finden dann solche„unter=nns=Men ischen" gewöhnlich auch eine Ausrede, wenn sie einer älteren Dame den Sipplatz vorenthalten weil„es ja alles Unbekannte“ sind. Gewiß soll das Jamilienleben keine steifen Formen annehmen, es soll aber gerade bei der Jugend von klein auf auch auf Kleinigkeiten in den Umgangsformen gesehen werden, deren veredelnder Einfluß sich dann auch in unserem ganzen öffentlichen Leben bemerkbar machen wird. Farken Fußball. Schnerte 06 comb.— T. u. Sp. Holzen 1 2: 0. gen Eilpe 1:3(die Ueberraschung des Taßes). Auf spieluntanglichem Platz trat 06 mit einer sehr gemischten Mannschaft seinem befreundeten Gegner zum Gesellschaftsspiel gegenüber. Man sah einen„Alten Herrn", drei Jugendliche, 3 Angehörige der 2. Stammannschaft und— 4 Leute aus der Liga, also eine recht bunte Schar. Es scheint, die Vereinsleitung bekommt wegen gewisser Begleitumstände etwas zu tun, man kann ihr nur dringend raten, dabei das Wort:„Landgraf werde hart" zu beherzigen. Jedenfalls wurde der in der Vorschau gekennzeichnete Zweck des obigen Freundschaftsspiels nicht völlig erreicht. Zu dem unter Leitung des Herrn Heinr. Künkler abgewikkelten, auf 2 mal 30 Minuten abgekürzten Spiel ist zu sagen, daß die beiden Tore kurz nach dem Anstoß fielen. Holzen bemübte sich ernsthaft, zu einem Gegenerfolg zu kommen, doch 06 blieh bis zum Schluß überlegen, ohne noch Treffer zu erzielen, die der Holzener Tormann Henschel in schöner, sicherer Weise zu verhüten wußte. Die Bodenverhältnisse waren nach und nach so schlecht geworden, daß jeder Vorstoß im Schlamm stecken blieb.— Die Jugendmannschaften von 06 spielten teils mit friedlicher Einwilligung von Union auf dem„Schützenhof" 1a— VfK. Kamen la 1: 1 (06 mit 8 Mann), 1b— Vfk. Hamm lb 3: 1, 2a PfK. Hamm 2a 1“ 0. In der Gauliga fiel — Sportverein dete: Vorhalle Union Hagen Hemer(A=Klasse) trug ein Gesellschaftsspiel gegen Sportunion Hagen(Kreisliga) aus und erzielte ein unentschieden mit 0: 0.— Im Hellweg=Marla=Kreis waren viele Spiele wegen des Gau=Auswahlspiels Kreis Hellweg=Mark— Emscherkreis abgesetzt. Hellweg=Mark gewann knapp mit 3: 2, VfL. Hörde schlug Mertur=Dortmund 4: 0 und der andere Hörder Liga=Verein— Hörder Sportklub buchte ebenfalls die Meisterschaftspunkte mit 3: 4(gegen Sp. u. Sp. Lütgendortmund). * Die Jungmannen der SSV. 06 waren am gestrigen Vormittag erstmalig bei Quadbeck versammelt um einige Anregungen darüber zu empfangen, daß zu einem echten Sportler nicht nur die Pflege des Spieles, sondern auch die Erziehung seiner selbst gehört, also auch Pflege des Geistes, der Seele, überhaupt die sittliche Ertüchtigung. Herr Otto Homel bot längere Ausführungen, die durch Abdruck dauernd mertbar und beherzigenswert gemacht werden sollen. Da Obmann Twittmann und Spielleiter Köckeritz leider abwesend waren, mußte Beisitzer Richter die Versammlung leiten und gab der Jugend in fröhlich=ernster Weise mancherlei gut ausgenommene Winke.— Nachdem noch von Herrn Homel recht eindringlich der Besuch der Versammlung am Bußtag vorm. 11 Uhr(Reichskrone) allen Sportlern ernstlich empfohlen war, schloß derselbe mit packendem Wort:„Dich brauchen wir, du Jungmann, du deutsche Zukunft zu des Vaterlandes Heil!" Die Jugendversammlung war kurz und schön, ein Fortschritt für 06. ziegen aus. Die Kreisliga mel Turngemeinde Hagen 1: 0. Litdenscheid 61 h: 1. Jahn HaAber das dloß so unter uns gesagt, warum sollens denn alle Menschen wissen, daß es bloß bei uns oft so unhöflich zugeht, so klotzig, so tappich, so ungehobelt!— Nee, das machen wir„unter uns“ ab. Manchmal erlebt man nämlich anderswowärts auch so allerlei, was einem zu denten gibt. Zum Beispiel: In einem Abteil jener neuen Eisenbahnwagen„Für Reisende ohne Traglasten schnitten sie gerade ein neues Thema an. Es wurde die Frage wieder einmal gründlich erwogen, ob die Menschen in der Jetztzeit schlechter sind, als sie früher waren. Die Ansichten darüber schwankten. Der Zug wollte sich gerade in Bewegung setzen, da kletterte eben noch eine alte Tante beinahe ohne Atem, hinein, die mit ihren seinen Ohren gleich die Sachlage erfaßt und, nachdem sie sich ausgepustet hatte, eine Rede über die Verwahr losung der heutigen Jugend hielt, der keiner der Widersacher gewachsen war. Bislang hatte sich ein Alter mit einem Höcker nicht an der Debatte beteiligt, jetzt nahm er aber das Wort. Er war ein Frankfurter und aus der Art und Weise, wie er sprach, merkte man, daß er ein weitgereister, welterfahrener Männ war. Wenn nun, nachdem der Alte gesprochen, unter den Anwesenden abgestimmt worden wäre, hätte die Partei der alten Tante eine Niederlage erlitten. Es kommt sehr auf die Verteidigung einer Sache an. Der Gesprächsstoff üver dieses Thema war dann ausgebrannt; alles schwieg. Da zog ein junger Bursche von 17—18 Jahren die Aufmerk. samleit auf sich. Er hatte eine Zigarette angebrannt; die um ihn sitzenden Mädchen machten ihn darauf aufmerksam, daß im Abteil für Nicht raucher nicht gequalmt werden dürfe und daß es leicht Strafe absetzen könne. Der Bursche kehrte sich nicht daran, blies den Mädchen den Dampf ins Gesicht und renomierte frech:„Wenn der Schaffner kommt und will was, dann schlag ich ihm einfach in die Fresse! Was will der mir denn? Hat der denn jetzt noch was zu sagen?" Die Mitfahrenden sahen sich den Burschen an, ob er wohl dazu fähig sei—— mit dem knarrte die Türe; sogleich ließ aber der großzmäulige Bengel die Zigarette verschwinden und duckte sich wie ein Hund. der was verbrochen hat. Die Tür ging auf und herein trat nicht der Schaffner. sondern ein Mann mit einer dampfenden Pfeife im Munde. Alles lachte über die rasche Verwandlung des Helden im Wagen 4. Klasse. Aber das bloß so„unter uns gesagt". Es gibt ernstere Dinge, die einem das Leben schwer machen können. Ich lasse bloß an eins denken, an die Wohnungsnöte unter all' den anderer tausend Nöten. Und in unserer Stadt steht's besonders schlium für die jungen Brautpaare. Euch gilts: C, wie so wahr der Dichter spricht Wer hat— ist froh! der andere nicht Drum- wenn du eine Wohnung hast Dann freue dich und halt sie fast Doch wehe, wenn es losgelassen. Das Wohnungsamt mit hohlem Schrei! Und Braut und Bräutigam erblassen: Fahr wohl fahr woh!— Heiraterei—— Fahr wehl, du Traum der kleinsten Hütte Kein Raum ist für ein Ehepaar. Das Wohnungsamt sagt: Komm'n Se bitte Mal wieder über ein— zwei Jahr! Ta reißt der Strick, die Hoffnung schwindet Und einsam irrt der Mensch gequält Und brütet, wo er Wohnung findet, Sei es auch in der„Unterwelt". Nimmt er Lysol. den Schmerz zu enden? Stürzt er sich in des Wassers Flut? Knüpft er= den Strick mit kalten Händen? Zapft er sich ab dar Herzensblut? Doch eh' er sucht des Todes Wonne, Lenkt er zur Zeitung hin den Fuß: Und annonciert:„Wer hat'ne Tonne Osserten an Diogenus Lehie Brahinitirungen. Errichtung einer Zuckerkontrokstelle in Dortmund. TIs. Dortmund, 20. Nov. Auf Grund des§ 13 der Reichsverordnung über den Verkehr mit Zukter des Betriebsjahres 1922 23 vom 3. Oktober 1922 und der Preußischen Ausführunganweisung vom 4. Oktober 22 ist unter Aufsicht des Oberpräsidenten zu Münster für die Provinz Westfalen eine Zuckerkontrollstelle in Dortmund errich tet worden. Dieselbe befindet sich vorläufig Bal kenstraße 14, 1. und ist unter Nr. 5576 an das Bezirksfernsprechnetz angeschlossen. Zum Geschäfts sührer wurde der Kaufmann Otto Apel in Dortmund ernannt. Milderung des Alkoholberbotes in Amerika. London, 20. Nov. Aus Newyork wird gemeldet: Nach einer Mitteilung des Präsidenten Harding ist eine Milderung des Alkobolverbots zu erwarten. Sieg der Bürgerlichen bei den Gemeindewahlen in Mannheim. TU. Mannheim, 20. Nov. Die heutigen Gemeindewahlen in Mannheim ergaben eine Verchiebung nach rechts. Die sozialdemokratische Mehrheit ist gebrochen. Es entfielen auf die Liberale Volkspartei 8697 Stimmen, Zentrum 11754, die Demokraten 6009, Deutschnationalen 3252, die volkswirtschaftliche Vereinigung 3204 und auf die Mittelstandsgruppen 2000, auf die Sozialdemokraten 21890 und auf die Kommunisten 4192 Stimmen. Die bürgerliche Mehrheit dürfte zwei Sitze ausmachen. Die Wahlbeteiligung betrug 43 Proz. Stadttheater Dortmund. Dienstag, 21. Nov. 7½—10 Uhr. C. 11. Preise 1. „Josephelegende“. Hierauf:„Gianni Schiech". Mittwoch, 22. Nov. 7½—11 Uhr. Außer Vormieke. Preise 2.„Maria Stuart“ S am 18. 11.=6982, 00 M. Nur für herren, junge Alänner, Männer und Schüler. Am Bußtag, dem 22. Novbr, vormittags 11 Uhr pünktlich im Kinosaal der Reichskrone: Geffentiicher herrenvorttag. „Der moderne sunge Mann und die seruelle Frage. Beleuchtet a) Vom Standpunkt des Arztes aus. Redner: Dr. med. Dickebage, Schwerte. b) Vom Standpunkt der Jugend aus. Redner: Schriftleiter Richter, Schwerke. Schüler unter 13 Jahren haben keinen Zutritt. Eintritt 20 Mk. Väter und Söhne willkommen. Kössers Gn##. dente Montag eines Gattiptet Sch Verrän Nr. 112 der Wap#irdnung der Wersta rungsvert eleri Beit. nugdan es Sen eri a. 0 Auur(3; werden dis für die 2 Jatt ausheste le#lagel Ren un! es gentalen JauverJuslervaares. kes! #4. für samttich eh ni urig Asten 2 für S 4 1 3n seen: khr entschlief jaust und aotter ehen unsere ließ Schwägerin und Tante die## 4ls 2 1#hr abn. S. iul 2. Wtn we unl ale Ticgn sie der ges eg n#u aoaliste der 94 11 s 6940 44 boldngen an Woli. Prokunist. 8 Otto Mödl g. Fabrik##t. 4. Otto Obt a. Vrc urin. Scr 6 Verndar Stern, Kaufmann in iesemn andwirt Vilcheim Sächenann uud Fran Achgagn dr. Anöwia zustitsar bei der Berywerksgesetlscheft wig ###tt#na 7 Kan Rocve Vrotun Dolze Schwer 8 Krit Lange. Prokurist. Holzen v. Sywerre 9 Karl Aedue. Protm Schweite. 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