Westhofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung den Kreis Hörde. Holzwickeder Zeitung Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung= Schwerter Volksblatt Amtliches Kreisblatt und älteltes Tagesorgan des KreiscsDie„Schwerter Jeitung“ erscheint werktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck. Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richter; M:. m Schwerte. Regelmäßige Beilagen: Schwerter Housfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter. u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung. Unser Blatt. u Unterhaltungs- u. Romanbeilage. u Spiel, Sport und Curnen. u Lebensbild. u. Wissen. u Gartenratschläge: Nr. 239 Mittwoch, 11. Oktober 1922 K Zum Geleit. Deutscher, sei stark! Laß in der Nacht dir nicht grauen, Hoffe mit stolzem Vertrauen, Deutsch bis ins Mark! Friedrich W. Fuchs. Neueste politische Nachrichten. Reichskanzler Dr. Wirth wird so frühzeitig aus dem Urlaub zurückkehren, daß er am 14. Oktober an der Sitzung des Reichsausschusses der deutschen Zentrumspratei teilnehmen kann. „ Die Rheinlandkommission hat entschieden, daß die gegen den Landesverräter Smeets ausgesprochenen Urteile nicht vollstreckt werden dürfen. Poincaree hiet am Sonntag in Vaucauleurs im Maasgebiet eine seiner bekannten Reden; er sprach über die Schuld= und Orientfrage. Die Stellung Lloyd Georges erscheint infolge der Vorgänge im Orient und der dadurch zwischen England und Frankreich entstandenen Konflikte stark gefährdet. * Die Verhandlungen in Mudania wurden wieder unterbrochen. Die Kemalisten rückten weiter vor in der neutralen Zone. Der griechische Ministerrat nahm die Entscheidung über Thrazien an. * In der von Staatssekretär Schröder verfaßten Reparationsdenkschrift wird nachgewiesen, daß Deutschlands bisherige Leistungen und Abtretungen einer Summe von annähernd 41 Millarden Goldmark gleichkämen. Kunde. Einen neuen Flugzeug=Geschwindigkeitss=Rekord erzielte der Franzose Lasne, der 300 Kilometer mit einer Stunden=Geschwindigkeit von 289,7 Kilometer zurücklegte. Der Fußballkampf zwischen Italien und Spanien in Barneclona endete überraschender Weise mit einem großen Sieg der Spanier von 5 zu 0. Auch die Spielvereinigung Fürth unterlag den Spaniern mit 8. S Das„Giornale d'Italia“ in Rom veröffentlicht eine Unterredung mit Poincaree, der zunächst die Bemühungen Frankreichs und Italiens zur Erhaltung des Friedens feststellt. Nach Ausfällen gegen Deutschland fährt Poincaree fort: Frankreichs Losung sei, sich für die Kriegsschäden bezahlen zu lassen und im übrigen mit allen Frieden zu halten. Eben jetzt bekunde Frankreich im Orient seinen Friedenswillen. Zur Reparationsfrage erklärte Poincaree, Frantreich gedenke auf die deutschen Reparationen nicht zu verzichten. Dafür verschlechtere Deutschland systematisch die Mark durch immer maßlosere Emissionen, die 10 Milliarden im Monat zu erreichen. Der Plan der Deutschen sei klar. Da sie im Gegensatz zu Frankreich und Italien keine Auslandsschulden hätten, trachten sie, die Reparationen auf ein Minimum herabzusetzen, um ihre wirtschaftliche Vorkriegsaktivität wiederzugewinnen. Diese Politik der Entwertung des eigenen Geldes und des Kreditruins(1) bezwecke zweierlei, einmal das Fallissement, 2. die internationale Anleihe. Der Marsch auf dem Bankerottwege solle die Alliierten zur Gewährung der Anleihe zwingen. einführung der augemeinen Wehstpflicht in Ruptand. A. v Nimsky=Norsakow F., der greise Führer der russischen Monarchisten. Aus Helsingfors wird gemeldet: Das Allrussische Zentrale Exekutivkomitee und der Sowet der Volkskommissare haben soeben ein hochbedeutsales Dekret erlassen, das die Wehrpflicht in Rußland auf neuer Grundlage regelt. Der aktive Militärdienst in der Roten Armee und in der Roten Flotte beträgt: in der Infanterie und Artillerie 1½ Jahre, in der Kavallerie, der reitende Artillerie und in den technischen Truppen 2½ Ithre und in der Luftflotte 3½ Ihare und in der Marine 4½ Jahre. In den Militärlehranstalten und den Marinelehranstalten dauert der Kursus entsprechend den Spezialbestimmungen dieser Anstalten. Zur Armeereserve gehören die Dienstpflichtigen bis zu ihrem 40 Lebensjahre und können in Zukunft nur im Falle dringender Notwendigkeit durch besondere Verordnung des Allrussischen Zentral=Exekutivkomitces einberufen werden. Im Kriegsfalle werden alle im aktiven Dienst befindlichen Leute bis zur Demobilmachung in der Armee und Flotte zurückbehalten. Neben den zum aktiven Militärdienst verpflichteten Bürgern können auch Freiwillige auf Grund von Spezialbestimmungen des revolutionären Kriegs=Sowets der Republik in die Armee und Flotte ausgenommen werden. Auch Ausländer können als Freiwillige eingestellt werden, wenn sie den Wunsch äußern, an der „Verteidigung der Eroberungen der russischen Revolution" teilzunehmen. Die Entziehung von der Militärpflicht wird auf Grund der entsprechenden Gesetze des Strafgesetzbuches bestraft. Krieg und Kriegsgeschrei. Kemal in Mudanig. London, 11. Okt.(T. U.) Ueber die Wiederaufnahme der Verhandlungen in Mu dania liegt bisher noch keine verläßliche Nachricht vor. Nach Berichten von dort traf Mustapha Kemal in Mudania zur Konferenz ein. Die alliierten Generale haven den türkischen Vertretern starke Vorhaltungen über die Bewegung türkischer Truppen über die neutralen Linien bei Jsmid hinaus machen müssen. Die Türken haben versprochen, daß diese Bewegungen aufhören sollen. Da jedoch Kemal eine ähnliche Verpflichtung am 8. Ottoher eingegangen ist, sind natürlich Ver#ichtsmaßregeln getroffen worden, was den Türken deutlich gemacht wurde. Kemals Autwort an den Papst. London, 11. Okt. Die„Catholic Times" schreibt in einem Artikel: Mustapha Kemal Pascha habe auf das Telegramm des Papstes vom 24. 9., in dem dieser ihn bat, im Interesse der Menschlichkeit seinem Heere strenge Befehle zu geben, um alles überflüssige Blutvergießen zu vermeiden, erwidert, weder er noch sein Heer seien verantwortlich für die Gewalttaten in Smyrna. Lord Curzons Instruktionen. Paris, 11. Oktober.(T. U.) Lord Curzon teilte den französischen Blättern mit, daß die dem General Harrington gegebene Anweisung ihm allen Spielraum lasse, den er brauche, um mit seinen französischen und italienischen Kollegen zu einer Einigung in der Frage der Gendarmerie in Thrazien und der neutralen Zone zu kommen. Das britische Kabinett beglückwünschte Lord Curzon zu dem glücklichen Ergebnis seiner Verhandlungen in Paris. Das Staudrecht über ganz Griechenland. (T. U.) Paris, 11. Oktober. Nach gestern abend eingegangenen Telegrammen aus Athen ist über ganz Griechenland das Standrecht verhängt worden, da sich in der Bevölkerung große Unruhe wegen des Verlustes Ostthraziens ausbreitet. Beginn der Räumung Thraziens. (T. U.) London, 11. Oktober. Aus Athen meldet die„Daily Mail“: Ein Komitee von thrazischen Deputierten verließ Athen, um die Räumung Ostthraziens durch die griechische Zivilbevölkerung und deren Verteilung auf die verschiedenen Distrikte von Griechenland zu überwachen. Es handelt sich um 230= bis 280000 Bewohner, sowie 150000 Flüchtlinge, die kürzlich aus Kleinasien eintrafen. Die Mark als wertmesser. Die Erfahrungen der jüngsten Wochen belehren uns, daß umfangreiche und energische Bestrebungen darauf hinarbeiten, die Papiermark als Wertmaßstab zu entthronen. Im deutschen Inlandsverkehr wird Auslandsvaluta oder Goldmark als Berechnungsgrundlage der Verkaufspreise und als Zahlungsmittel in weitem Umsang verwendet. Das geschieht sogar bis in den Kleinhandel hinein, nicht nur zwischen Ein= und Ausfuhrhändlern und inländischen Fabrikanten oder zwischen diesen und ihren unmittelbaren Abnehmern. Hierbei ist es praktisch gleichgültig, ob man wirkliche Zahlung in Auslandswährung, sei es in Dollar, Franken usw. beim Abschluß eines Geschäfts vereinbart, oder ob man den Kauspreis auf die Grundlage einer bestimmten Goldmarksumme oder in Papiermark unter Bezugnahme auf einen bestimmten Devisenkurs, etwa des Dollarstandes beim Lieferungstermin berechnet. Wir wollen gewiß keineswegs die kritische Lage unserer Industrien verkennen, die überwiegend ausländische Rohstoffe verarbeiten, daher von ausländischen Währungen abhängen und versuchen, ihre Preise für den Rohstoffanteil des Fertigsabrikats der sinkenden Valuta anzupassen. Aber andererseits müssen wir das Bedenkliche der neuen Wertmaßstäbe, die da heißen Goldmark. Dollar usw., darlegen und vor einem Ueberhandnehmen der Valutasakturierung im Inland, besonders wenn tatsächlich fremde Geldsorten statt Papiermark gefordert werden, warnen. Die Mark muß im Inlandsverkehr als Zahlungsmittel erhatten bleiben. Haben die dem entgegengesetzten Bestrebungen großen Erfolg, so büßt unsere Markvaluta den letzten Rest von Vertrauen ein, den sie noch besitzt. Denn die Bewertung der Valuta ist zum überwiegenden Teil bei uns heute eine Vertrauensfrage. Wenn wir aber im Inland selbst durch jene Flucht vor der Mark unser schärfstes Mißtrauen gegenüber der Mark bekunden, wie können wir dann vom Ausland erwarten, daß es überhaupt noch durch eine, wenn auch noch so geringe Bewertung der Papiermark einen Rest von Vertrauen zeigt? Der Währungszerfall wäre vollständig da. Weiter ist zu beachten, daß die Nachfrage nach fremden Zahlungsmitteln, etwa nach englischen Pfundnoten oder amerikanischen Dollarnoten, durch deren effektive Verwendung im Inland gewaltig wächst; daher muß durch diese Jagd nach fremden Devisen deren Kurs steigen, die Mark entsprechend sinken. 55. Ferner darf man nicht die Spanne zwischen Binnenwert und Außenwert unseres Geldes übersehen. Wie unsere Lage augenblicklich ist, darf sie nicht gewaltsam beseitigt werden. Das geschieht aber, wenn sich Goldmari= und Dollarofferten in Industrie und Handel und im Kleinverkehr in weitem Umfange durchsetzen. Die weitere Folge wären Goldmarl= oder Dollarlöhne und=Gehälter. Heute bleiben die Löhne und Gehälter, Eisenbahn= und Posttarife u. a. weit hinter den Friedensbettägen in Goldmark zurück. Wenn aber die Warenbesitzer ausländische Zahlungsmittel als Entgelt verlangen oder soviel Papiermark als der tägliche Dollarstand angibt, so müßten auch Löhne, Gehälter usw. sich täglich der Goldmark oder dem Dollar anpassen. Die Reichsbank könnte nicht genug Noten drucken. Die Kreditnot und der Geldmangel würden noch verschärft. Jede Kursschwankung, herbeigeführt von einer wilden, ungezügelten Spekulation, sände ihren Ausdruck in den Preisen und Löhnen und Gehältern. Die Papiermark muß der allgemeine Wertmesser bleiben. Das wird tatsächlich der Fall sein, wenn die Valuta nicht mehr stark sinkt und eine Markfestigung herbeigeführt wird. Dafür ist aber eine ausgeglichene Zahlungsbilanz erste Voraussetzung. Diese aber erhalten wir nicht durch mechanische Abwehrmaßnahmen selbstsüchtiger Machtgruppen; sie kann sich nur bessern, wenn die Entente eine vernünftige Reparationspolitik betreibt, das Ausland uns Kredit gewährt und vor allem und in erster Linie dadurch, daß wir unsere Produktion in Industrie und Landwirtschaft steigern, unsere Lebenshaltung der deutschen Notlage anpassen, also arbeiten, Waren und Werte erzeugen und auf nicht zum Leben notwendigen Konsum verzichten, also sparen. die Verheidnischung deutschlands. Das ist ein Ziel, das vor allem mit Hilfe der religionslosen, sogenannten weltlichen, richtiger heidnischen Schule erstrebt wird. Der Name Gottes soll mit Gewalt aus der Seele des deutschen Volkes herausgerissen werden, und mit der Entgottung der Jugend, des werdenden Volkes der Zukunst. beginnt man zu diesem Zweck. Wie man dabei zu Werke geht, dafür bietet das Vorgehen des Volksbildungsministeriums in dem roten Freistaat Thüringen ein geradezu klassisches Schulbeispiel. Wir lesen da: Geächtete Kinderlieder. Ein Ausschuß thüringischer Lehrer hatte den Auftrag übernommen, ein neues Liederbuch für die Volksschulen Thüringens zusammenzustellen. Man einigte sich auf 170 Lieder, die auf sieben Schuljahre verteilt wurden. Das thüringische Ministerzum für Voltsbildung, dem der Entwurf zur Begulachtung vorgelegt wurde, hat nun, wie die Dorfzeitung mitteilt, nicht weniger als.27 Lieder dieser Auswahlsammlung gestrichen. Aus der uns vorliegenden Liste der Lieder, die der Bannstrahl des Ministers getroffen hat, läßt sich erkennen, in welcher Richtung sich der reinigende Eifer des Volksblidners bestätig: hat. Zunächst hat er alle die Weihnachtslieder entsernt, in denen das Christkind erwähnt oder die biblische Geschichte von der Geburt des Heilandes irgendwie berühet wird(Ihr Kinderlein kommet— Alle Jahre wieder— Du lieber heil'ger. frommer Christ— Kommet ihr Hirten— Stille Nacht— Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen")! Auch wo andere christlich religiöse rstellungen„Gott, Himmel, Engel“ im Text auftauchen, erregte sich die hohe Behörde und schied das ganze Lied aus. So fielen dem Rotstift zum Opfer:„Aus dem Himmel ferne— Es geht durch alle Lande ein Engel— Hört ihr Ne Englein singen— Lobt froh den Herrn— Weißt du, wieviel Sterne stehen— Vöglein im hohen Baum— Wenn die Kinder schlafen gehn— Bald ist es wieder Nacht— Wer hat die Blumen nur erdacht— Des Sonntags, wenn die Sonn' anbricht", das bekannte schöne Wanderlied„Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ ging dabei in die Binsen, ebenso die alten Morallieder„Was A frag ich viel nach Geld und Gut" und„Ueb immer Treu und Redlichkeit"— Weiter nahm der Minister Anstoß an den Vaterlandsgesängen „Stimmt an mit hellem, hohem Klang— Ich hab mich ergeben— Deutsches Herz, verzage nicht Der alte Barbarossa— Deutschland, Deutschland über alles“— und an den Soldatenliedern„Ich hatt' einen Kameraden— Schier dreißig Jahre Hinaus in die Ferne“— und so strich er sie allesamt, einschließlich der neuen deutschen National Wvos.. g S thüringer Ministerium für Volisbildung leistet sich da eine unerhörte Kulturtat. Was sagt Herr Ebert dazu, daß man das„republikanische" Nationallied der Deutschen in Thüringer Schulen verbietet? Das Ministerium für Volksbildung streicht aus einem Liederbuch für Kinder das Lied:„Ueb immer Treu und Redlichkeit". Was wird das Ende vom Liede sein! Begierig sind wir zu erfahren, ob und wie der Herr Reichspräsident seinem Erlaß Rechtsgültigkeit und seiner Stellung Autorität verschaffen wird, und stellen hiermit die kleine Anfrage:„Was gedenkt das Reichsministerium zu tun, um usw.?“ Wie sagt doch Heinrich Heine am Schluß einer dichterischen Meerbetrachtung:„Ein Narr aber wartet auf Antwort!" Autorität hin Autorität her! Nationale Gesinnung ist in Deutschland staatsgefährlich, und darum: hinweg damit! Wozu haben wir schließlich auch ein besonderes„Nationalgesetz" erhalten? Laut diesem Gesetz hat ja ein sozialistischer Polizeipräsident einer deutschen Großstadt sogar das Heinesche Lied„Ich hatte einst ein schönes Vaterland— es war ein Traum“ einem Gesangverein zum öffentlichen Vortrag verboten! Haben wir es nicht wirklich herrlich weit gebracht? Daß in dem besetzten Westgebiet jedes deutsche Vaterlandslied öffentlich zu singen durch die feindlichen Besatzungsbe1531 1898 1904 hörden als gefährlich für die Sicherheit der Besatzungstruppen verboten wurde, dafür kann man als deutscher Mann ja noch Verständnis haben. Daß aber in Deutschland selbst durch deutsche Staatsbeamte deutsche Lieder als „staatsgefährlich" verboten werden, ldafür fehlt einem deutschen Gewissen jedes Verständnis. Gewissen? De utsches Gewissen?! Wozu braucht die Jugend auch noch solch ein altmodisch Ding wie ein„Gewissen" und noch dazu ein deutsches, womöglich gar ein christliches Gewissen? Ein Gewissen, ein deutsches Gewissen, ein christliches Gewissen ist im neuen Deutschland offenbar überflüssiger Ballast. damit! Wir brauchen„leichte" Leute für die Gegenwart und Zukunft, die nicht durch unnötigen Gewissensballast noch beschwert sind.— Ganze Bände beißendster Satire könnte man angesichts solcher und ähnlicher Vorgänge schreibei. Der denkende deutsche Mensch— und solcher Gattung gibt es Gott sei Dank doch noch genug— macht sich seine ergen Gedanken. Ds wäre ja schließlich auch alles nur zum Lachen, wenn es nicht so todtraurig wäre. Mit einem Geschlecht, das innerlich so verödet wird, dessen Gemüt und Geist, dessen Seele und Gewissen so totgeschlagen wird, will man eine neue deutsche Zukunft bauen? Daß ein solcher Bau in sich selbst zusammenbrechen muß, wie ein Kartenhaus, ist jedem Kenner der Weltgeschichte von vornherein klar. Will man denn nichts, aber auch garnichts aus der Geschichte lernen? Nun gut, wer nicht lernen will, wird dann eben eines Tages fühlen müssen— nur daß der Preis, der für dieses Fühlenmüssen gezahlt werden mußte, ein so unsagbar teurer und kostspieliger war, nämlich— eine Seele— die Geele eines Volkes; denn mehr als eine hat kein Mensch und kein Volk zu verlieren. Aus Stadt und Land. Schwerte, 11. Oktober. Erinnerungen. Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli sällt in der Schlacht bei Kappel. Kaiser Wilhelm reist nach Jerusalem. Großer Sieg der Japaner über die Russen bei Jantai. ** Ende der Regenzeit? Ein volles Vierteljahr hat die Perivde veränderlichen und regnerischen Wetters gedauert, die uns den diesjährigen Sommer von Grund aus verdorben hat. Wenn in der Zwischenzeit auch mehrfach kurze Perioden warmen Hochdruckwetters zur Ausbildung gekommen waren, so dauerten diese doch stets nur kurze Zeit, manchmal nicht länger als einen einzigen Tag. Seit einigen Tagen bereitet sich nun eine Stabilisierung der Wetterlage vor, die der dreimonatigen Perivde der Veränderlichkeit ein Ende zu machen scheint. Zwischen die ununterbrochene Reihe at lantischer Minima, die Nordeuropa durchwandern, hat sich ein Hochdruckgebiet geschoben, das aus der über Skandinavien schon seit einiger Zeit herrschenden Kälte erhebliche Widerstandsfähigkeit gewonnen hat; denn im Innern Schwedens sind schon Temperaturen bis zu acht Grad unter Null vorgekommen. Dieses Maximum, dessen Kern über der nördlichen Nordsee lagert, hat sich nicht nur über ganz Nordenropa, sondern inzwischen auch über das nördliche Mitteleuropa ausgebreitet. so daß jetzt die Witterung ganz unter seinem Einfluß steht. Bei ziemlich frischen nordöstlichen Winden dürfte das kühle, vielfach heitere Hochdruckwetter vorläufig fortdauern. ** Windvögel und Drachen steigen zu lassen ist ein besonderes Vergnügen im Herbst. Aber es kann teuer werden. Die oberirdischen Reichstelegraphen= und Fernsprechleitungen werden sehr häufig durch die Bindsäden von Papierdrachen oder durch Drahtstücke, die mutwillig auf die Leitungen geschleudert sind, untereinander verbunden. Der Telegraphen= und Fernsprechbetrieb wird dadurch gestört. Der Verkehr stockt auch schon dadurch, daß Porzellanglocken mit Steinen zertrümmert werden, es entstehen Störungen in den Leitungen. Als Täter sind sast immer Schulkinder ermittelt worden. Die Eltern haben natürlich die Kosten für die Beseitigung der Störungen sters tragen müssen. Besonders aber ist zu beachten, daß das Strafgesetzbuch Personen, die vorsätzlich oder auch nur fahrlässig den Bettieh der zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenansagen, worunter auch Fernsprechanlagen zu verstehen sind, verbinden oder gefährden, mit Gefängnis oder Geldstrafe bis zu 9000 c bedenkt. Immer müssen deshalb wieder Schulvorstände, Lehrer und Eltern die Kinder auf die Nachteile, die dem öifentlichen Verkehr durch Gefährdung der öffentlichen Telegraphenanlagen erwachsen können, un iden Strafen warnend hinweisen. * Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichebank und Post erfolgt in der Woche vom 9. zum 15. Oktober zum Preise von 6500 4 für ein Zwanzigmartstück, 3250 A, für ein Zehnmarkstück. Für ausländische Goldmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. Der Ankauf von Reichssilbermünzen durch die Reichsbank und Post erfolgt vom 9. Oktober ab bis auf weiteres für das 150fache des Nennwertes. ** Die Kolonial=Ausstellung in der Kronen burg zu Dortmund erfreut sich eines regens Interesses. Der Weg dorthin lohnt sich, denn jeder Besucher wird angesichts des reichhaltig ausgestellten Materials, das an unsere Kolonien erinnert, auf seine Kosten kommen. Für unsere Schulen ist diese Ausstellung von besonderem Interesse. ** Sauerländischer Gebirgsverein, Abteilung Schwerte: Nach dem Bericht im letzten Gebirgsboten vom September hat die Not der Zeit auch den Sauerländischen Gebirgsverein finanziell recht schwer getroffen. Der Hauptvorstand sah sich darum gezwungen, um den Verein ein weiteres gedeihliches Bestehen zu ermöglichen, den stets sehr niedrigen Beitrag zeitgemäß heraufzusetzen. Die Abteilung Schwerte hat dementsprechend in der letzten Hauptversammlung am Freitag den Jahresbeitrag für 1923 auf 100 A er köhen müssen, wovon satzungsgemäß die Hälfte an den Hauptverein Iserlohn abgeführt wird.— Jetzt heißt es: Treue bewahren. Der Verein wird bei günstigem Wetter auch den Winter hindurch die Wanderungen fortsetzen, ebenfalls die beliebten Liederaben de. Mitte November veranstaltete die Abteilung Schwerte im Hotel Kaiserhof einen Unterhal tungs=Abend, worüber Nähres noch bekannt gegeben wird. Für ausgeschiedene Vorstandsmitglieder wurden in den Vorstand neu gewählt als 2. Schriftführer Herr Kassenrendant Josef Rothenburg, als Beisitzer Herr Wilhelm Scherff. ** Eltern und Jugendliche. Alles Klagen über die ssogenannte verdorbene Jugend hat nicht viel Zweck. Jugend muß sich austoben können. Aber es kommt darauf an, die überschüssige Kraft unserer jungen Freunde in die richtigen Bahnen zu lenken. Wie das geschehen kann, sollen die öffentl. Jugendvorträge darlegen und der Elternabend aufzeigen, von denen der Anzeigenteil näheres besagt. Es gilt, auf diese Vorträge hinzuweisen, damit niemand sie versäume. ** Jugend heraus! Für jugendliche Mitglieder unter 18 Jahren besteht seit kurzem auch in Schwerte eine besondere Jugend=Abteilung Des Sauerl.=Geb.=Vereins. Leiter dieser Jugend=Abteilung ist Herr Carl Sohlen kamp, Nordstraße 2, welcher Anmeldungen für die JugendAbteilung annimmt und Auskunft erteilt. auf die drohenven Strafen wurkend hineren Kinder, geht auf's freie Stoppelfeld mit Euren Windvögeln. ** Der Bahnbau im Sauer= und Siegerland. Der preußische Landtag hat dem Reichsrat einen Antrag zugehen lassen, der eine beschleunigte Fortführung der Bahnbauten im Sauernd Siegerland vorsieht und zu einer Verminderung der für diesen Winter zu erwartenden Arbeitslosigkeit beitragen soll. Es handelt sich um den Ausbau einer Reihe von Bahnlinien, so um die Strecken Siegen— Kreuztal, Kreuztal Olpe und Olpe— Meinerzhagen. Beantragt ist weiter der Ausbau der seit fünf Jahren begonnenen Strecke Dortmund— Münster sowie der Beginn des seit Jahren für notwendig erkannten Baues der Nord=Südlinie Hamm— Neheim— Hüsten— Allendorf— Finnentrop sowie der Anschluß der Hönnetalbahn an die Ruhr=Siegbahn. " Ruhrtaler=Sängerverein. Am 15. Oktober veranstaltet der Ruhrtaler Sängerverein im „Freischütz“ sein Herbstkonzert. Trotz der reichlich starken Betätigung in diesem Jaher ist es dem Verein wieder gelungen, ein gutes Programm aufzustellen, in dem Namen wie Attenhofer, Schumann, Wagner und Koschat vertreten sind. Von den Liederperlen wird besonders Koschat's„Ein Sonntag auf der Alm“ den Beifall der Zuhörer finden. Neben dem„Wörther Seen“ ist es wohl das bekannteste Werk dieses volkstümlichen Komponisten.— Um den Freunden der„Ruhrtaler“ etwas ganz Besonderes zu bieten, hat der Verein unter großen Kosten den bedeutenden Heldentenor des Dortmunder Stadttheaters, Herrn Walter Günther=Braun, zur Mitwirkung gewonnen. Vor Jahren wurde er als „Tannhäuser“ und„Lohengrin" zu den berühmten Bayreuther Festspielen berufen.— Ihn auch in unserem Freischützsaal zu hören, dürfte sicher alle Kunstfreunde interessieren. Wir können den Besuch dieses Konzertes wohl empfehlen. * Im Brieflasten der Redaktion einer benachbarten Zeitung lesen wir: Sie sind auch so einer, der da meint, daß die Zeitung ganz und allein nach Ihrem Sinn berichten müßte, ohne Rücksicht auf alle anderen und ohne: Rücksicht auf die Zeitung selbst. Denn Sie haben. ja Ihr Geld bezahlt, nicht wahr! Und wenn man. seinen Aerger über die widersinnigen Zeitverhältnisse auslassen möchte, dann ist wenigstens noch die Zeitung da, die an allen die Schuld trägt un für jedes Biertisch=Schimpfwort vogelfrei ist. Wenn man Sie aber auffordert, selbst in der Zeitung zu sagen, was Sie vermissen oder zu beantworten, was Ihnen nicht zusagt, dann lassen Sie uns im Stich und schweigen. Was dem einen sein Uhl ist, ist dem andern seine Nachtigall Sitzen Sie nur mal in der Redaktion und sehrm Sie, was alles einläuft, was man einer Zeitung, die große Lesermassen aller Kreise umfaßt, kreuz und quer zumutet und wie man auch Ihnen den Kopf waschen möchte, jawohl auch Ihnen, und stellen Sie sich dann vor, wie lange wir uns auf dem Schiffe Ihres Steuers über Wasser halten würden! Goldene Hochzeit. Die Eheleute Invalide Heinrich Sander(Emilie geb. Krämer) konnten das schöne und seltene Fest der goldenen Hochzeit feiern. Das Jubelpaar erfreut sich noch großer körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische. Wir gratulieren nachträglich. ** Eine fleißige Rätsellöserin der Rätsel: unserer wöchentlichen Humorbeilage ist Frau W. H., Hagener Straße 33 a.— Durch die richtige Lösung der Preisrätsel in letzter Nummer ist wieder ein Freiinserat gewonnen. Wir bitten Einsendung des Textes dafür. Gegen eine entsprechende Nachzahlung können Sie auch ein größeres Inserat beanspruchen.— Es ist jedenfalls sehr erfreulich, daß alle Teile unserer Zei tung rechte Beachtung finden. So schwer es ist, Allen alles recht zu machen, so ist doch auch das richtig: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen! ** Endlich ein Hühnerdieb abgefaßt. Dem Landwirt Ebey auf der Schwerterheide gelang es in einer der letzten Nächte, einen Hühnerdieb in seinen Gebäulichkeiten abzufassen. Einer großen Anzahl Hühner(etwa 30 Stück) hatte der Spitzbube schon den Kopf abgeschlagen; mit dieser Menge war er aber nicht zu frieden und stieg noch mal auf die Leiter, um weitere Hühner aus dem Stall zu holen. Bei dieser Gelegenheit erwischte ihn der Landwirt und band ihn mit der Pferdeleine fest, bis er Hilfe herbeigeholt hatte. Die Schmiere stehenden„Helfer" entkamen, doch sollen ihre Personalien bereits festgestellt sein. ** Einst und jetzt. Es mag ein unnützes Geschäft sein, jetzt Vergleiche zwischen einst und jetzt anzustellen. Manchmal lohnt es aber doch. Eine leere Zigarrenkiste kostet augenblicklich genau so viel, wie wir 1914 für eine Kiste mit 100 guten Zigarren bezahlt haben.— Für den heutigen Preis von einem Paar guten Schnürriemen bekam man 1914 ein Paar gute Stiefel, und für den heutigen Preis einer Pferdehaut konnte man vor dem Kriege einen stattlichen Gaul kaufen, oft auch noch das Zaumzeug dazu. ** Die Körpergröße bei Knaben und Mädchen. Körpermessungen an deutschen Schulkindern haben nach Mitteilung des Reichsgesundheitsamtes ergeben, daß in den jüngeren Lebe sjahren die Mädchen durchweg kleiner ung leichter sind als die Knaben. Vom zehnten Lebensjahre an aber übertrefsen die Mädchen die Knaben an Gewicht etwa ein halbes Jahr später auch an Länge. Dann ändert sich die Sache jedoch von neuem und die Knaben holen den Vorsprung des schwacheren Geschlechts wieder ein. Es handelt sich nitütlich immer um Durchschnittsergebnisse. 5 Art laßt nicht von Art. Roman von H. Hill. (Nachdruck verboten.) „Oh, es ist nicht deshalb, Mama,“ protestierte Edith, die sich beinahe schämte, daß mian ihr einen solchen Wunsch zutrauen konnte.„Ich will nichts vergessen, und ich habe nicht die Absicht, mich lange dort aufzuhalten. Nur wenn keinerlei Besuch und keine Festlichkeiten bei den Steinkirchs sind, werde ich sie bitten, mich für eine Nacht dazubehalten. Länger aber werde ich mich in keinem Fall zurückhalten lassen.“.hen Ru Niemand schöpfte irgenowelchen Verbacht, und am nächsten Morgen fuhr sie zur Station, um in einem Abteil des Frühzuges Platz zu nehmen. Sie war der ausdrücklich gestellten Bedingung nachgekommen, ganz allein zu fahren, obwohl ihre Jungfer deutlich genug zu erkennen gegeben hatte, wie lebhaft ihr Wunsch war, die junge Gebieterin begleiten zu dörfen. Mademoiselle Leblanche war durchaus keine Freundin von der Eintönigkeit des Landlebens, und sie hatte die Aussicht, ihr wenigstens auf vierundzwanzig Stunden zu entrianen, mit der lebhaftesten Freude begrüßt. Ihre Enttäufdung, als die Bitte, sie mitzunehmen, rundweg abgeschlagen wurde, war desto schmerzlicher. ndemoiselle Leblanche zog unter wiederholtem Kopf####eln ein sehr verdrießliches Gesicht und nahm sich in der Sulle ihres herzens vor, sich durch einen kleinen Flirt mit dam Machtmeister Roth schadlos zu halten, da er in Ab# des noch immer bevorzugten Kammerdieners Weigelt 2 doch der einzige Mensch war, der als AblentungsDr ihren Aerger in Betracht kommen konnte. Fahrt, so kurz sie auch an und für sich war, wurde ends brennende Ungeduld zu einer schier unerträglichen Parter. Sie sehnte sich nach dem Augenblick, wo sie ihrem Stiestonder seine sogenannten Beweise lachend vor die Füße denn daß dies das Ende der Unterredung sein mülss, schlen ihr ja noch immer gewiß. Daran daß ihr broßen dachte die keinen Augenblick. Wie hätte sie auch etwas von dem Manne fürchten sollen, der— er mochte im übrigen sein, was er wollte doch immerhin ihres Vaters Sohn war. Sein Verlangen war ihr wohl im ersten Augenblick befremdlich erschienen, aber sie hatte darin doch schließlich nichts anderes sehen können als einen Beweis seiner Ueberhebung und seiner unüberwindlichen Neigung, andere zu brutalisieren. Damit, daß er sie zwang, in die Stadt zu kommen, hatte er ihr wohl zeigen wollen, daß auch sie sich seinen herrischen Launen zu fügen, Hokzg, Daß er etwas Schlimmeres gegen sie im Schilbs führr.. könnte, kam der Komtesse bei allem tief eingewurzelten Mißtrauen, das sie sonst gegen ihn hegte, nicht einen Moment Hezug auf andere freilich traute Edith ihrem Stiefbruder alles zu und hielt ihn jedes Verdrechens fähig. Daß er sich ihr vor zwei Tagen als der nächtliche Einbrecher zu erkennen gegeben hatte, war für sie— fast zu ihrem eigenen Erstaunen— in der Tat kaum eine übergroße Ueberraschung Es hatte doch wenigstens an der Meinung, die sie schon vorher von seinem Charakter und von seinen lasterhaften Neigungen gehegt, nicht mehr das geringste geändert. Die einzige Empfindung, deren sie sich dabei mit voller Klarheit bewußt geworden war, war ein Gefühl tiefen Mitleids mit ihrem unglücklichen Vater gewesen, als sie sich vorgestellt hatte, eine wie furchtbare Beschämung es für ihn gewesen sein mußte, in dem gemeinen Verbrecher seinen verlorenen Sohn wiederzufinden. Wie stark mußte dieses seltenen Mannes Gerechtigkeitsgefühl gewesen sein, daß er es trotzdem über sich gewonnen hatte, diesen Sohn in sein Haus aufzunehmen und ihn in die ihm gebührenden Rechte einzusetzen, orwohl such sicherlich noch ein anderer, bequemerer und angenehmerer Ausweg hätte finden lassen. Die Kenntnis seines Vorlebens, im Verein mit den Eindrücken, die er im täglichen Zusammenleben mit dem Erben seines Namens empfing, mußten die letzten Lebensmonate des Grafen in der Tat zu einer Hölle gemacht haben. Und zum ersten Male kam dem jungen Mädchen die Empfindung, daß sich der Tod dem unglücklichen Manne vielleicht als ein willkommener Erlöser genaht hatte. In bezug auf ihren Stiefbruder aber drängte sich ihr aufs neue der Gedanke auf, den sie noch niemals ganz hatte aus ihrem Geiste verbannen können. „Wenn er ein Einbrecher war, soll man ihn dann nicht auch für einen Mörder halten dürfen?“ fragte sie sich aufs neue. Aber sie mußte wohl auch diesmal wieder zu dem Schluß gelangen, daß er wenigstens von diesem Verdacht freizusprechen sei. Ihr Großvater war ja sicherlich gut unterrichtet gewesen, als er ihr gesagt hatte, daß die Untersuchungsbehörde nach sorgfältiger Untersuchung jede auf eine etwaige Täterschaft des präsumtiven Erben gerichtete Vermutung als hinfällig erklärt habe, nachdem auf das überzeugendste festgestellt worden war, daß die Ermordung des kräftigen Mannes unmöglich von den entnervten Händen eines bis zur Sinnlosigkeit Berauschten vollbracht worden sein konnte. Als der Zug in die Bahnhofshalle einfuhr, fehlten noch zehn Minuten an der für das Zusammentreffen mit ihrem Stiefvereinbarten Zeit. sein sollte, die Gastfreundschaft der Steinkirchschen Familie in Anspruch zu nehmen. Jedenfalls wollte sie sich zu ihrer Freundin degeben, sobald das widerwärtige Geschäft mit dem Grafen erledigt worden war, und sie sah voraus, daß man alles daransetzen würde, sie wenigstens für eine Nacht dazuDie leichte Tasche in der Hand tragend, ging sie wartend aus dem Bahnsteig auf und nieder. Ein Schnellzug war soebe im Begriff, die Halle zu verlassen, und der Stand des Bi.#händlers war bis zum letzten Augenblick von Käufern sehen wollten. Edith wartete, bis das Abfahrtszeichen diese Leute zum Einsteigen genötigt hatte. Dann näherte sie sich langsam dem Verkaufsstand, aufmerksam nach dem Erwarteten Aber sie vermochte ihn nirgend zu erdlicken. Ohne war er um vieles weniger punktlicg als sie. (Fortsetzung folgt.) ** Noch nie dagewesen. Folgende amüsante Geschichte berichtet ein tschechisches Blatt: Von Preßburg nach Prag fuhren einige Senatoren, und da für sie kein freier Platz vorhanden war, wurde am Ende des Schnellzuges ein zweiachsiger Wagen angekoppelt, in dem die Mitglieder des Senats untergebracht wurden. Der Wagen warf sich jedoch heftig, was ungünstig auf die Nerven der Herren Senatoren einwirkte. Sie gingen also zum Eisenbahnministerium, um sich gegen diesen Uebelstand zu beschweren, und der Minister hat infolgedessen eine Verordnung herausgegeben, daß an Schnellzügen ein letzter Wagen nicht angekoppelt werden darf, was die zuständigen Eisenbahnämter zur Kenntnis nehmen mögen. werden also somit in der Tschechoslowakei die Schnellzüge von nun ab ohne letzten Wagen verkehren. Das bringt man bei uns doch nicht fertig. Aus den Provinzen Iserlohn, 25 Jahre ununterbrochen Dirigent desselben Gesangvereins zu sein, dürfte wohl zu den Seltenheiten gehören. Herr Musikdirektor Franz Hanemann d. A. begeht dieses Jubiläum am 10. Oktober bei der Gesang=Abteilung des hiesigen Landwehrvereins und wird letztere diesen Tag vereint mit ihrem verdienstvollen Dirigenten durch eine passende Feier würdig begehen. In allen Sängerkreisen und auch weiter darüber hinaus dürfte es bekannt sein, daß gerade der Jubilar es gewesen ist, der hier den Grundstein zum besseren deutschen Männergesang gelegt hat. Eine große Anzahl Sangesbrüder hiesiger und auswärtiger Gesangvereine verdanken ihre Ausbildung der Schulung des Herrn Hanemann, welcher auch jetzt noch in treudeutscher Art unermüdlich und zielbewußt seinem Berufe nach N N Arnsberg, 11. Ott. Einen empfind lichen Schaden erlitt der hiesige Allgemeine Konsumverein. Ein großes Faß Rüböl(über 300 Liter enthtltend) sollte durch einen Aufzug hoch gehoben werden. Aus beträchtlicher Höhe stürzte das Faß herunter, so daß es zerschmettert wurde. Das edle Naß ergoß sich in die Straßeneinne. Eifrige Hände der Nachbarschaft eilten alsbald mit Eimern und Schöpflöffeln herbei um wenigstens einen Teil des kostbaren Gutes zu retten. Manchem gelang es auch, 2, 5 und noch mehr Liter zu erobern. Ein Vorteil für die Häscher war es noch, daß kurz vorher die Straßenrinne durch niederströmenden Regen wie gespült worden war. Köln, 11. Okt. Verurteilter Wuchere er. Das Wuchergericht verurteilte den Hausierer Emil Quack aus Rheydt wegen Preistreiberei zu 20,000 M Geldstrafe. Der Angeklagte hatte Kleiderstoffe minderwertiger Beschaffenheit zu einem Wucherpreise im Hausierhandel verkauft. Köln, 11. Okt. Großspurige Jugend. Von einem jungen Burschen, etwa 17jährig, nahm ein Friseur fürs Haarschneiden, da die Kleider des jungen Mannes ärmlich aussahen, statt 50 A nur 40 MA. Aber der Bursche holte einen Zehnmarkschein hervor und reichte ihn dem Lebrling als Trinkgeld. Wanne, 11. Okt. Ein schwerer Verlust. Einem auf Geschäftsreisen befindlichen Kaufmann aus Nottuln wurde im Wartesaal 4. Klasse des hiesigen Bahnhofes ein Lederkoffer mit 480000 A Inhalt gestohlen. Der Koffer wurde am anderen Morgen, seines Inhalts beraubt, in der Emscher gefunden. Hamm, 11. Okt. Für die Waisenhäu ser. Der Männergesangverein Hamm sowie der Gesangverein„Concordia“ unternahmen am Sonntag früh einen Spaziergang zum Heessener Wald. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Sammlung zum Besten der hiesigen Waisenhäuser veranstaltet, die das schöne Ergebnis von 1000 M zeitigte. Bochum, 11. Okt. Böse Folgen einer Unart. Auf der Dorstener Straße hingen sich drei Kinder hinter einen Kraftwagen. Als der Wagenführer ein schuelleres Tempo einsetzte, fiel ein Knabe auf die Straßenbahnschienen und trug eine schwere Kopswunde davon. Einer von den anderen beiden sprang ab und wäre unter einen Gemüsewagen gekommen, wenn nicht der Fuhrmann mit aller Kraft die Pserde noch angehalten hätte. Der leichsinnige Junge lag unmittelbar vor den augeragten Bierden. Sehie Brühtmeldungen. 200 Millionen für die notleidenden Bahern. TU. München, 10 Okt. Der ständige Ausschuß des Landtages nahm heute einstimmig einen gemeinsamen Antrag; auf Bereitstellung von 200 Millionen*Mark zugunsten der Unterstützung solcher Personen, die ohne eigenes Verschulden in ihrer Lebenshaltung auf das schwerste gefährdet sind, an. Für unsere Kinder. Berlin, 11. Okt. Der Reichsverband der evangelischen Eltern= und Volksbünde hat angesichts der Tatsache, daß in Sachsen das Kultusministerium Schulgebet und= Andacht verboten hat und in Braunschweig und Thüringen ähnliche Schritte der Regierungen erfolgen, sich an den deutschen Reichstag mit einer Kundgebung gewandt, welche auf Grund des Arlikels 174 der Reichsverfassung Schutz des Schulwesens gegen Eingriffe und, unverzügliche Verabschiedung des Reichsschulgesetzes fordert. Schiedsspruch im deutschen Buchdruckgewerbe. Leipzig, 1: Okt. Nachdem am Freitag die Verhandlungen im Tarifausschuß der Deutschen Buchdrucker ergebnislos verlaufen waren, ist am Samstag im Reichsministerim ein Schiedsspruch gefällt worden. Durch diesen Schiedsspruch erhalten die Gehilfen in den Spitzenlöhnen der ersten beiden Wochen eine wöchentliche Zulage von 1000 M und für die dritte und vierte eine weitere Erhöbung von wöchentlich 100 M. Der Schiedsspruch ist, wie das„Leipziger Tageblatt" meldet, von beiden Seiten angenommen worden. Infolge dieser Lohnerhöhung in Verbindung mit en gewaltig gestiegenen Preisen für alle Materialien erhöhen sich die Druckkosten ab 8. tober um 50 v. H. Llohd George in Röten. London, 10. Okt. Der politische Berichterstatter des Daily Chronicle“ schreibt, Lloyd George beabsichtige bald die Gelegenheit zu ergreifen, um eine öffentliche Rede im Lande zu halten, in der er den Lauf der Ereignisse im nahen Osten darlegt und auf die Kritiken antworten werde, die seine Politik salsch darstellen Diese Rede werde, wie man glaubt, einen wichtigen Einfluß auf die politische Lage haben. Die Möglichkeit, dieslsich manche vor Augen halten,sseien baldige Neuwahlen Da von seiten der Feinde versucht worden sei, die Politik der Regierung als eine kriegerische darzustellen, werde die Herausforderung dieser Leute durch den Premierminister möglicherweise die Gestall von Neuwahlen annehmen. Der Londoner Berichterstatter des„Manchester Guardian“ schreibt, es könne nicht behauptet werden, daß Lloyd Georges Stellung nicht erschüttert sei, nicht wegen seiner Politik in der gegenwärtigen Krise. sondern wegen der Orientpolitik in der Vergangenheit, die zu dieser Krise geführt habe. Ssss Stadttheater Dortmund. Sonntag, 15. Okt., 7—10½ Uhr, außer Vormiete, Sonderpreise. Der Rosenkava lier. Komödie in 3 Aufzügen von Hugo von Hofmannsthal. Musik von Richard, Strauß. Vorverkauf Donnerstag. "* rbeilage zur Schwerter Zeitung ossen hat der Jäger. Und deswegen lacht der Hase, Daß er sich den Bauch muß halten, Und in Falten zieht die Nase. Jägersmann macht große Augen, Und stellt sichtlich krumm die Beine, Ihn ergreift ein gräßlich Staunen, Mensch, so geht's dir nicht alleine. Fehlgeschossen hat ein jeder Der da meint die„Schwerter Zeitung" Sei in unseren schweren Tagen, Nicht mehr so sehr von Bedeutung, Und auf's Heimatblatt verzichtet, Weil er scheut die Geldmoneten; Bis er endlich merkt mit Schrecken, Wie die Zeitung ihm vonnöten, Wenn er mit Behagen essen, Und das Neuste lesen will, Was passiert in Schwerte's Mauern, Und drum rum, bis hin zum Nil. Drum bestelle unverdrossen, Dir das Heimatblatt tagtäglich, Dann hast du nicht fehlgeschossen Und das Leben bleibt erträglich. Der Grund.„Warum hast du eigentlich nicht geheiratet?“ fragte ich einen alten Onkel Junggesellen.„Das will ich dir sagen, mein Junge. Vor vielen Jahren, ich war noch ein junger Mann, fuhr ich einmal im Omnibus. Der Wagen war ziemlich voll, und ich hatte das Pech, einer Dame auf den Fuß zu treten. Wie eine Wilde fuhr sie hoch und zischte:„Alter Tölpel, was ist das wieder für eine Flegelei?" In demselben Augenblick sant sie wieder zurück und sagte freundlich lächelnd:„Ach, Verzeihung, ich habe mich geirrt, ich dachte mein Mann wäre es gewesen.“ „Na, und wie ich mir das Erlebnis genau überlegt habe, dachte ich, nicht heiraten wäre auch ganz gut.“ Zur Kurzweil. Preis=Aufgaben: Rätselhafte Inschrift. Das erste Winter=Quartal, Bringt neue Sorge und Qual, Bringt neue Mühen und Laste Und holt das Geld aus dem Kasten. Es muß so manches jetzt sein, Man deckt für'n Winter sich ein, Macht suchend sich auf die Sohlen Nach Obst, Kartoffeln und Kohlen. Sich heut mit Vorrat versehn, Das kommt uns teuer zu stehn, Die Hausfrau'n haften und laufen, Und möchten noch preiswert kaufen, Das hält natürlich heut schwer, Die Teurung steigt immer mehr, Die wächst nicht täglich, nein stündlich, Und ist bald unüberwindlich. Man braucht warme Strümpf' und Schuh und noch manch andres dazu. Man kann auf zu dünnen Sohlen, Sehr leicht den Schnupfen sich holen. Verschnupft läuft mancher umber, Die Welt gefällt ihm nicht mehr, Und doch muß er in ihr leben, Und sich in sein Los ergeben. Ist heut der Verdienst auch groß, Man wird ihn bald wieder los, Und muß doch Vielem entsagen, In diesen traurigen Tagen, Zum Winierhalbjahr. spärlich gedeckt ist der Tisch, statt Kaffee gibt's ein Gemisch, Und die geschmacklose Brühe, Verstimmt uns schon in der Frühe. Das erste Winter=Quartal. Bringt Sorgen uns sonder zahl, Es klagen sowohl die Mieter, wie auch des Hauses Gebieter. Doch nutzlos ist alles Geschwätz, Es kam ein Mietengesetz, Das wird mit seinem Verfahren. Die Ordnung des Hauses wahren. Der Hauswirt rechnet und sinnt, Daß der Schweiß von der Stirn ihm rinnt Er muß mit Zahlen jonglieren, Und den Etat balancieren, Und stimmts nicht, packt ihn der Zorn, Und dann beginnt er von vorn. So hat ein jeder zu leiden, Und keiner ist zu beneiden. Silben=Rätsel. an, ces, glas, le, müt, ne, ne o, pel, pern, pfe, ri, ruck, sack, saire, schen, strüm, swea, ta, ter, tuch, ze, zug Aus vorstehenden 23 Silben sind 9 Wörter zu bilden, welche zur Ausrüstung dessen gehören, den die Anfangsbuchstaben der gesundenen und richtig untereinander gestellten Wörter ergeben. Problem„Der Ziegenhirt.“ HE E A GIISISNS E L SK Ketten=Rätsel. Aus folgenden 12 einsilbigen Wörtern sind 12 zweisilbige zu bilden, so daß immer die Endsilbe des einen Wortes die Ansangssilbe des einen Wortes die Anfangssilbe des folgenden bildet. Bein, Bruch, Eck, Haus, Recht, Spiel, Stein, Stück, Tisch, Wort, Zahl, Jeug. Stat=Aufgabe. B(Mittelhand) spielt auf folgende Karten Großspiel(Grand): 5 e " 328 a—— *D* 10 Auflösungen der Kätfel in voriger Nummer. Auflösung der Schach Aufgabe. Weiß. Schwarz. 1) L. G 1— H2.!) G3 n. H 2. 2) S. A 4— B 6 y. 2) K. A 8— B 8. 3) D. A 2 n. 1 2 Matt. ∆) 1) 1) G 3— G 2. 2) K F1— G1. 2) C5- C4+od ond. 3) S. A 4— B 6 Mait.(Auf 1).. 1) K. A 8— B 8, 2) L. H 2 n C 3+ 2c:); auf 1). 1) anders, 21 S. A 4— B 6+ 2c. Auflösung des Verierbildes „Wo ist der zweile Schulschwänzer?“ Bild Kopf stellen, dann rechts am Rande zwischen Jungen, Stein und Hund. Auflösung des Bilderrätsels Nr. 5. „Glücklich ist, wer vergißt, Was nicht mehr zu ändern ist“ Auslösung des Magischen Quadrats ** 0 * 10 Die Zeitung ist auch in Not, Und im Erscheinen bedroht, Und willst du sie nicht verlieren, vergiß nicht zu abonnieren, Bestell sie wieder auf's neu, Sie bleibt dir dankbar und treu, Und unterrichtet dich weiter, Drum bring dein Opfer. Ernst Heiter. # Obwohl 15 Augen im Skat liegen verliert der Spieler. Die Gegner kommen auf 62 Augen. C hat 36 Augen in seinen Karten und mehr Rot als Schellen. Wie sind die Karten verleilt? Wie ist der Gang des Spiels? Auflösung des Auslassungsrätsels. (H)Elm, Tortse), E(rhos, Miseine, Olr)der, Kan(o)ne. — Herero.— Bekanntmachung. Am 15. Oktober d. Is. tritt eine Erhöhung der Frachtsätze des Tarifs der Dortmunder Kleinbahn in Kraft. Auskunft erteilt die unterzeichnete Verwaltung. Dortmund, den 9. Oktober 1922. 4089 Die Betriebsleitung der Dorimunder Kleirbahp. Städtische Hafenberwaltung. Oeffentliche Jugendborträge Vom 14. bis 16. Oktober im Gemeindehaus Hagener Straße, kleiner Saal. Beginn abends 8¼ Uhr. Samstag, den 14. Oktober, nur für junge Männer: Die entscheidende Stunde“ sonntag, den 15. Oktober, nachm. 4 Uhr für Knaben, Schüler und Jünglinge: KKann inan Golt schautne Sonntag, abends 8 Uhr, für Eltern und Söhne: Jagenondr und Jugenoglau! Montag, den 16. Oktober, abends 8¼ Uhr, nur für die männliche Jugend(unter 13 Jahren kein Zutritt): Im Kunpf um die Kenihsen. en S 2 junge Männer suchen für sofort oder späler ein Gimmer Angebote unter K. 4049 an die Seschölslt. d. J1g, Mehr als Plakate Finden Verbreitung Stets Inserale In deiner Zeitung. Geh und probiere! Mensch inseriere. KRRRRRR Damen haben nur zum Elternabend Zutritt. Die Vorträge beginnen pünktlich. Lichtspiele„Zur Reichskrone“. apier-und PapierwarenCroßhandlung Fornbruch& Co., G. m. b. H., Schwerte(Ruhr) Markt## Sämtliche Papiere und Papienwvaren für alle Geschäftszweige. Die Nur 2 Tage! Mittwoch— Donnerstag irtsetzung des großen amerikanischen Abenteuersilm Die bampgre von new gott Die Huronen 2. Ern Die Marderhöhle! Sensationsfilm in 6 Akten. Auch wer den ersten Teil nicht gesehen hat, kann den zweiten leicht verstehn, weil erst eine kurze Wiederholung des ersten Teiles stattfindet. * Im Rbgrund des hasses Kriminaldrama in sechs Akten. Lustspiel-Einlage 10 und 12 0 Iinsen für 1 Jahr zahlt bedeutende Aktiengesellschaft mit einem Aktien=Kapital von 30 Millionen Mt. für Darlehen aus Privathand von 10000 Mark an. Darlehnsgeber erhalten nähere Auskunft unter K. E. 5905 an Rudolf Mosse, Köln. J. V. Rippus, Ostenstraße 20// (ux Jele) Srani t Schoksladen und Zuckerwaren Erzeugnisse erster Firmen. Verkrauf nur an Wiederverkäufer zu Fadrikpreisen. A 4l An. einzeinumne der„Schwerter Zeitung“ vom samstag, den 7. Oktober mit dem neuen Winterfahtprat (als Beigabe) sind noch erhältlich. Der Verlag Große Marktstraße 3. sind heute sehr wertvoll und gedeihen zur Freude des Besitzers am besten, indem man dem tägl. Pressen Futterzusatz n Die Dachdecker= und Klempnerarbeiten für das Eisenlagerhaus der Hauplwerkstätte Schwerte sollen im öffentlichen Verding vergeben werden Die Ausschreibung umsaßt im wesentlichen 1200 qm doppellagiges Pappdach 359 qm teerfreies Pappdach 145 m Kastenrinne 65 m Abfallrohre Angebote sind verschlossen, postfrei und mit der Aufschritt:„Angebot auf Ausführung der Dachdecker= und Klempnerarbeiten für das Eisenlagerhaus“, bis zum Eröffnungstermin, Donnerstag, den 19 Oktober 1922, vorm 11 Uhr ein zureichen. Verdingsunterlagen liegen im Dienstgebäude, Hasencleverweg zur Einsicht auf Verdingshefte sind, soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 15.— Mk. von hier zi beziehen. Schwerte, den 5. Oktober 1922. Deutsche Bauabteilung 1. Kunkel Verrauf! Samstag. den 14. Okt., nachmittags 3 Uhrwerde ich im Gut Schwarzeführ bei Kalthoff co. 5Morgensehr gute Runkeln öffentlich meindietend nummerweise geg. Barzahlung verkaufen. Zusammenk. am Hofe. Carl Brinkmann, Rutkt zggenfette Maschinenfette Huffette Lederfette Autofette Maschinenöle Motorenöle Gentrifugenöle Fahrradöle Autoöle Fußbodenöle Lack u. Oelfarben Carbolineum liefern Engros und Detail Chemische Werke Giesherg Sch werte Ostenstraße 19. mich in Anfertigung von einfachen Garderoben u. Wäsche, auch Flicken. Emmi am Bahnhol. Id suche soforl od. 1. Nov. ein tüchtiges, im Haushalt effahrenes, edrliches Mäochen 3 Personen in der Familie) gegen zeitgemäßen Loha bis u 800,— M. Gule Verpflegung und Behandlung. Carl Post jun., Hagen i. W., Eilpe, Dähnertskamp 1 Guies. ehrliches Mäochen Leinöl a., dopp. gek.(keine Mischware) vernsteinfupoobenlau farde über Nacht glashart und dauerhaft, sowie sämtliche Lacke, Farben, Pinsel, Schablonen, Bohnerwachs usw.- Streichfertige Velfarben und Lackfarben aller frt liefert zu konkurrenzlosen Preisen in guter Qualität direkt aus dem Lager=Verkaufsraum! Kein Laden! Haueisen, Lack= und Farben=Industrie, Dortmund Fernruf 3836, Brunnenstraße 16, im Hof, Gegr. 1907 Zu erreichen durch Linie Nr. 6 U Freichen, em., Einn Nr. 6 (Haltestelle Heroldstraße). 1118 nicht über 20 Jahre, für kleinen Geschäftshaushalt per sofort gesucht. Karl Rammelkamp, Unna i. W. Sofort braves, ehrliches Kärche für den Haushalt gesucht. Feau Wilh. Heppe Ostenstraße 3. K nie sheten Hoatdahisiten nach den vorzüglichen Anleitungen und herrlichen Mustern von Beyer's Handarbeitsbücher Kreuzstich, 2 Bände Ausschnitt=Stickerei, 2 Bände Strick=Arbeiten, 2 Bände/ Klöppeln, 2 Bände * Deißstickerei/ Sonnenspitzen/ Kunst-Stricken * Hohlsaum und Leinendurchbruch Das Flickbuch Hätel=Arbeiten, 4 Bände/ Schisschen=Arbeiten Buntstickerei, 2 Bde. Hardanger=Stickerei Buch der Duppenkleidung Solider junger Mann sucht sof. od. 15. 10. ein möbl. Zimmer mit od. ohne Pension. Gesl. Zuschr. an die Geschst. d. Bl. u. O. St. 350 Ausführliches Verzeichnis umsonst! Über 60 verschiedene Bände! Für 60.- Mk. u. 6M. f. Susendung * Verlag Otio Beyer, Leipzig-T. Überall zu haben oder vom 20—30 Zentner Putzheu anch kleinere Mengen kauft Bierhoff, Baugeschäft Hagen Tel. 2846. BaustellGruntal. Dostscheck=Konto 52279. r rechte Maß? KrRA Rein, auf icnen Jall. Dracht Marke Rolfrosch- Schuhpasta Werner& Wertz A.-G. Moinz ea beigibt. Dadurch erhalten die Tiere ein marktfähiges gesundes Aussehen und bleiben vor vielen Krankheiten bewahrt. Probepaket(ca. 1¼ Pfd.) neuer Preis Mk. 35.Die Ausgebe ist gering, gegen d. erziellen großen Nutzen Alleiniger Hersteller Wilh. Heppe Ostenstr. 3 Gegr. 1890 Telefon 465. Vessand gegen Nachnahme. Großverbraucher erhahen Sonderollerte. 4—5 Kaurer gesucht. Wilhelm Scherff, Baugeschäft. Gartengrundstück oder Bauplatz zu kausen gesucht. Offerten unter No 5002 a. die Itg. Gut erhaltener Damenmanter billig zu verkoufen. Zu erstagen in d u Seze Gut erhallener schwarzer ZimmerEfen verkaufen. Zu erfragein der Reschäfteuelle. Der neue wieder zu haben. Bachhänslung eurt Braus E# vermindere ich die Kosten 0U 10fü, Schuhreparaturen“ Nur dadurch, daß ich„schwarse Schlen“ verwenden lasse. Dieselben sind zu haben bei H. Hlfsegrad, Schuhmachermeiste: — Benuingswen 26.— Spezialltät: Anfertigung von orthopädischen Schuhen für Krlegsbeschädigte. Zugelassen vom Versorgungsamt Dortmund. Pickel, Mitesser, Flechten verschwinden meist sehr schnell,wenn man den Schaum von Zucker’s PatentMedizinal-Seile abende eintrockuen läßt Schaum erst morgens abwaschen und mit Zuckcoh-Creme nachsteeich. Großartige Wirkung von Tausenden bestätigt. In allen Apotheken. Drogerten, ParUümerie= u. Friseurgeschäftes In Wenhoten,in der Drogerie Engels. Nur moderne Neuheiten Farben Gele Lacke n la. Qualität Jof. Rolllng Schwerte Markt 3. 1 Hie 4— in Wölfen Füchsen aller Art amerik. Opossum Skanks-Opossum Skunks und noch unzähligen anderen Fallarten. Volzbernies Dorimund nur Königswall 6 1 Treppe. Konsladen Gegenüber der Bahr.pest. vernichtet verblüssend beppelferd. gerradhten. e Apetheten und Orogerten Man zahlle deutsche für 100 belgische Franken 100 dänische Kronen.. 1 englisches Pfund.. 100 französische Franken 100 holländische Gulden 100 italienische Lire... 100 polnische Mark. 100 schwedische Kronen: 69013.60 100 schweizerische Franken 48639,10 100 tschechische Kronen. 9238,40 Mark: am 9. 10. 18426,90 52933,75 11460,65 19750.25 100873,7 11136,05 A Handel und Borse; Amm snnnmzn tier Schwerter Wochenmarkt. Heute gings lebhaft zu unter zahlreichen Käufern und Verkäufern. Viel wurde angeboten, viel wurde gekauft, was zur Nahrung und Notdurft des täglichen Lebens gehöret. Und die Preise? Wer hat, kann kaufen. Es kosteten: Kappus, weiß Mk. 8—, braun Mk. 10,—, Wirsing Mk. 8.—, Gurken Mk. 25,—, Aepfel Mk. 10,—, Birnen Mk. 10,— und 12,—, Zwiebeln Mk. 14,— alles per Pfd., Selerie Mk. 4,—, Heringe Stück Mk. 14,—, Schellfisch Pfd. Mk. 60,—, Eier Stück Mk. 25,—. Der neue katastrophale Sturz der Mark hält an. In New=York wird der Dollar mit fast 3000 A notiert. Berliner Börsen kurse 10. Oktober 1922. mitgeleilt vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein........ 260 Deutsche Bank Diskonto— Dresdner Bank— Hamb.=Amer.=Pas Allgem. Elektr.=Ges. 925 Baroper Walzwerk 1490 Bochumer Guß 3400 Bösperde Walzwerk 1640 Daimler Motoren 555 Deutsche Kaliwerke 3175 Deutsch=Luxemburg 3525 Dynamit 1070 Elbeif. Farbw. 1450 Essenei Steinkodlen 3000 Gelsenkirch. Bergw 3700 Gasmol. Deutz— Haipener Bergw. 5850 Hasper Eisen... 5300 Hoesch 3120 Hun dold! Masch. 810 Marnesmann 2205 Obei schles. Eisenb.-Bed. 1900 Orenstein& Koppel.... 2050 Phönig Bergdau 4400 Bestolz Pap. 652 T hein. Stahlwerke 3750 Rombecher 1235 Schuckert 1600 Siegen=Soungen 460 Ver. Di. Nichelwerke 2350 Wesif. Draht=Ind.— Westf. Eisen, Langendreer........— Auslands-Wechselkurse der Berliner Börse (Devisenkurse) am 10 10. 20873,90 60024,50 13083.60 22372.— 115056,0 12634.01 28.— 78401,80 55530,50 10187,20 Ein Dollar...... 2596,75 2966,28 O Deutsche Worte für unsere Zeit. () Will man zur Freiheit ernstlich sich bekennen, H Muß man zunächst sich klug beherrschen können. (1 Der aber ist ein zielbewußter Mann, 9 Der mit Begeist'rung sich beherrschen kann. () Denn wahrhaft frei sein heißt: vor allen Dingen 8 Mit ganzer Kraft zuerst sich selbst bezwingen. () Th. W. Elbertzhagen. Wucher und Preistreiberei. In Zeiten der Teuerung, wie wir sie augenblicklich durchleben müssen, wird naturgemäß auch die Bekämpfung der Preistreibereien und des Wuchers verlangt und man fordert allgemein freie gesetzgeherische Maßnahmen. In Wirklichkeit sind solche garnicht nötig, denn wenn man die bereits bestehenden Gesetze und Verordnungen wirklich anwendet, genügen sie durchaus, um den Wucher zu bekämpfen. Ein Mittel, die zu regeln, ist die gesetzlich festgelegte Berechtigung, Hochstpreise festzusetzen. Ferner können auch von amtswegen angemessene Preise, sogenannte Richtpreise festgestellt werden, deren Ueberschreitung dann als Wucher gilt. Endlich gibt es noch eine sogenannte Preistreibereiverordnung, nach welcher bestraft wird, wer vorsätzlich für Gegenstände des täglichen Bedarfs Preise fordert, die unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse einen übermäßigen Gewinn enthalten, wer Gegenstände des täglichen Bedarfs in der Absicht zurückhält, durch ihre Veräußerung einen übermäßigen Gewinn zu erzielen usw. Es sind also genügend Handhaben da, um einen Wucher zu verhindern, das Publikum muß nur in seinem eigensten Interesse davon Gebrauch machen. Seit dem Jahre 1919 gibt es ja auch die sogenannten Wuchergerichte, d. h. Sondergerichte gegen Schleichhandel und Preistreiberei, die besonders rasch Strafen verfügen können. Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern sind verpflichtet, Preisprüfungsstellen zu errichten, die aus ihrer Kenntnis der Marktverhältnisse den örtlichen Verhältnissen entsprechend angemessene Preise zu vermitteln haben. Außerdem sollen sie die zuständigen Stellen bei der Ueberwucherung des Handels mit Gegenständen des notwendigen Lebensbedarfs unterstützen und überhaupt dafür sorgen, daß jede Preistreiberei vermieden wird. Vor allem müßten sie das in Preußen bestehende Landespolizeiamt(das frühere Kriegswucheramt) unterstützen. Ebenso die bei den Polizeiverwaltungen größerer Städte gebildeten Wucherstellen, die schon in sehr vielen Fällen bei scharfem Zugreifen segensreich gewirkt haben. Man kann natürlich mit allen diesen Verordnungen und Behörden eine Teuerung nicht radikal beseitigen, aber man kann doch die Auswüchse der Preisbildung und die Ausbeutung der allgemeinen Notlage wohl verhindern. Die verbrauchende Benölkerung muß nur von den vorhandenen Einrichtungen auch wirklich Gebrauch machen und die zuständigen Stellen durch Anzeigen in die Lage setzen, jedem Wucher und jeder Preistrethe#ret sofort entgegenzutreten. Das Kohlenelend. Der dahingegangene Sommer des Mißvergnügens im Zeichen des Preiswahnsinnes und des schlechten Wetters hat uns weder innerlich noch äußerlich die Wärme gebracht, die wir so dringend benötigen, um die Sorgen und Mühen des kommenden Winters leichter zu ertragen. Der frühe, reichlich kühle Herbst vermag uns vielleicht noch zu„trainieren", damit wir der Unbill der uns bevorstehenden kohlenarmen, wenn nicht gar kohlenlosen Eiszeit mehr gestählt gegenübertreten können. Dennoch denkt man nur mit gewissem Grauen an den Eintritt der wirklichen Kälteperiode, und die Begriffe „Kohle" und„Heizung“ kehren jetzt in den Gesprächen des lieben Alltags fast häufiger wieder, als die zu phantastischen Höhen sich aufschwingenden Preisangaben der wichtigsten Nahrungsmittel wie Brot, Milch oder Butter.(Letztere entschwindet in weiser Resignation immer mehr aus dem Wortschatz der breiten Volksmasse, bes. des Mittelstandes!) Was ist es nun um die Kohlennot?— Eine überaus trübe, wenn auch noch so oft erzählte Geschichte, die mit dem widersinnigen Kohlendiltat unserer ehemaligen Feinde zu Versailles anhebt und in einem klassischen„circulus vitiosus“, einem sog. fehlerhaften Kreisschluß, über die wirtschaftliche Stauung der Kohlenförderung durch Arbeitsunlust und Boykott des rettungsverheißenden Ueberschichtenabkommens im Bergbau, über neue Lohnforderungen und damit unmittelbar zusammenhängende weitere Steigerung der Kohlenpreise, über Wagenmangel und fehlende Verbesserung der Betriebsmittel letzten Endes wieder zum Versailler Entmannungsvertrag zurückführt. Mit Recht schlußfolgert der„Vorwärts“(27. 9. d. Is.): „Die jetzt verspätet erhöhten Preise für Eisenbahnfahrten, die fortgesetzte Verteuerung von Kohlen, Kraft und Licht, die unglaubliche Preissteigerung von Bekleidung, alles das sind letzten Endes Folgen der Tatsache, daß wegen des Kohlen= und Rohstoffmangels die Wiederaufrichtung der deutschen Volkswirtschaft nach dem Verlust wertvoller Gebiete und fast aller Auslandsverbindungen wie auch der deutschen Handelsflotte, Jahr um Jahr verzögert worden ist.“ Dieser Satz findet sich in einem sehr bemerkenswerten Artikel, der den bezeichnenden Titel„Der Widersinn des Kohlendiktates" trägt und aufgebaut ist auf eine geradezu vernichtende Kritik des Versailler Unfriedensvertrages, die unlängst der französische Professor Francis Delaisi in der Wochenausgabe der bekannten englischen Zeitschrift„Manchester Guardian“ veröffentlichte. Der bemerkenswert ehrliche Franzose deckt dort in der Tat den weltwirtschaftlichen Unsug des Kohlendiktates in einer Weise auf, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt und schlagend den Mißerfolg der französischen Kohlenpolitik nachweist. Danach gingen die französischen Kohlenforderungen davon aus, daß Frankreich nach dem Gewinn ElsaßLothringens seinen Kohlenverbrauch von 60 auf 70 Millionen Tonnen jährlich erhöhle, aber infolge der Kriegszerstörung die eigene Förderung von 35 auf 27 Tonnen zurückgehen ließ. So verauschlagte man den Bedarf an ausländischen Kohlen auf 50 Millionen Tomnen und legte die Lieferung fast restlos Deutschland auf. Man hoffte ebenfalls in den Besitz der Rohstoffe zu kommen und bedachte nicht, daß der auf diese Weise geschwächte Gegner am gleichen Tage seine Kaufkraft veriiere, daß er also als Ahnehmer für Waren so gut wie ganz ausscheidet. Aber auch in ihrem Grundzug war die Rechnung falsch: Frankreich verbrauchte 1921 nicht, wie angegeben, 75 Mill. Tonnen, sondern nur 48,6 Millionen Tonnen. Infolgedessen war man genötigt, schon in diesem Jahre 2,3 Millionen Tonnen an das Ausland zu verkaufen. Die Lösung des Kohlenproblems, die Befreiung von der schier unerträglich werdenden Last des Kohlen=, Heizungsund Betriebsstoffmangels und der hierdurch nicht zuletzt hervorgerufenen ungebeuerlichen Preissteigerung auf allen lebenswichtigen Gebieten der Ernährung und Versorgung unseres schon an sich hart um seine Taseinsmöglichkeit ringenden Volkes ist praktisch nicht durchzusetzen, solange der Versailler „Vertrag“ noch Gültigkeit hat. Ihn unschädlich zu machen, ist daher nicht nur unsere moralische Pflicht, sondern eine Lebensfrage für uns, wenn wir und unsere Kinder nicht in Zukunft elendig verhungern oder erfrieren sollen. Wie wird die kranke Mark gesund? In diesen Zeiten, wo die Rentner von Woche zu Woche mehr verarmen und auch der in der praktischen Arbeit stehende Lohn= und Gehaltsempfänger trotz steigender Bezüge seines Geldes nicht froh wird, hört man mehr als je die bange Frage:„Wie wird die kranke Mark gesund?"— Wie bei vielen Fragen, so ist auch hier leichter, das zu nennen, was keine praktische Wirkung hat. Es ist z. B. vollkommen sinnlos, wenn man— wie unsere Gläubiger es wollen— den Druck neuen Papiergeldes einschränken wollte. Damit wird nämlich weiter nichts erreicht, als eine Verschärfung der Geldknappheit, nicht aber etwa eine Besserung des Markwertes und ein Sinken der Preise. Die Reichsdruckerei gedenkt um die Mitte des Monats die tägliche Geldproduktion auf 15 Milliarden Mark steigern zu können. Damit würde dann allmählich die Geldknappheit verschwinden, die als Folge der Teuerung in den letzten Wochen besonders fühlbar geworden ist Noch törichter wäre es, wenn man den Wert des deutscher Geldes dadurch erhöhen wollte, daß man die Preise zwangsmäßig herabsetzt. Die Höhe der Preise wird ja bestimmt durch die gesteigerten Unkosten und durch die Tatsache, daß neue Waren nur zu einem noch höheren Preise als heute beschafft bezw. hergestellt werden können. Die Heilung der kranken Mark ist überhaupt durch schnellwirkende Medizinen und Pflästerchen aller Art nicht zu erreichen; sie kann nur als Folge einer Entwicklung eintreten die von vielen Seiten her in Angriff genommen werden muß Einer der wichtigsten Grundsätze für jede Besserung des Geld wertes ist äußerste Sparsamkeit der Privaten wie auch der öffentlichen Organe. Der wichtigste Grund für den traurigen Wertverfall unseres Geldes ist jedoch der Umstand, daß der einzige Produktionszweig, der im heutigen Deutschland blüht und gegenüber der Vorkriegszeit eine ungeahnte Steigerung erfahren hat, eben der Druck neuen Geldes ist. Wenn auch aus einzelnen Wirtschaftszweigen eine leichte Besserung der Arbeitsenergie und damit der Erzeugungskraft der Werke berichtet wird, beträgt die derzeitige Erzeugung von Wirtschaftsgütern in Deutschland durchschnittlich nur etwa 60 Prozent der Vorkriegszeit. Der Zwang, Dinge im Ausland zu kaufen, die wir früher selbst in ausreichender Menge produzierten, (z. B. Kohlen) führt zu immer neuem Papiergeldexport und damit zu einer Verschlechterung des Wertverhältnisses zwischen unserer Mark und den Währungen des Auslandes. Durch Steigerung der Erzeugung im eigenen Lande kommt dieser Wertverminderungsfaktor in Fortfall. Außerdem wird das Warenangebot im Inlande erhöht und damit von selbst eine Senkung des Preisstandes und— was dasselbe ist— eine Besserung des Geldwertes erreicht. Wer unsere kranke Marl gesund machen will, muß dem im deutschen Volke verbreiteten Glauben entgegentreten, als könnten zur Zeit für die breiten Massen bessere Lebensbedingungen herbeigeführt und festgehalten werden, als sie vor dem Kriege bestanden haben. Die Mehrleistung, die unbedingt erforderlich ist, läßt sich aber nicht von heute auf morgen kommandieren. Sie muß im Bergbau, im Verkehr und in der Landwirtschaft beginnen und allmählich, aber zielbewußt organisiert werden Mutterschaft und Teuerung. Von Anna Blos, Stuttgart. Wer kennt nicht das schöne Gedicht von Chamisso:„Nur eine Mutter weiß allein, was lieben heißt und glücklich sein. Viele aber denken nicht daran, daß heute die Mutterschaft, die die heiligsten und reinsten Empfindungen auslösen sollte, unendlich vielen Müttern zur Sorge und Qual wird. Nicht nur, daß der Krieg vielen Müttern ihr Liebstes genommen hat. Seine Folgen führen dahin, daß auch das Leben der Kommenden, der Neugeborenen aufs schwerste gefährdet wird. Man denke nur an unsere Wohnungsverhältnisse. Unendlich viele Häuser stehen halb gebaut da. Sie können nicht fertiggestellt werden, weil jeder Ziegelstein, jeder Balken Holz, jedes Fenster so hoch steigt im Preis, daß das Geld zur Fertigstellung fehlt. So werden die vorhandenen Wohnungen immer knapper und naturgemäß immer teurer. Nur ein Beispiel für die Folgen: Ein Mann schreibt mir, daß seine Frau ein Kind erwartet. Er bewohnt mit ihr und drei lebenden Kindern ein Zimmer mit drei Betten. Die Kochgelegenheit teilt er mit zwei anderen Familien. Gelegenheit zum Waschen, zum Baden ist nicht vorhanden. Das Geld, um die Frau in einem Entbindungsheim unterzubringen, fehlt. Es wird beschafft. Aber man stelle sich vor was es für die Mutter bedeutet, mit ihrem Säugling in ihr sogenanntes„Heim“ zurückzukehren. Ist es ein Wunder, daß sich die arme Frau mit Selbstmordgedanken trägt, anstatt Glück zu empfinden über ihre Mutterschaft? Und man stelle sich auf der anderen Seite vor, daß die Teuerung nicht hindert, daß Prunkhäuser hergestellt werden für die Banken, Vergnügungsstätten oder Villen für Ausländer! Wie selig war früher die werdende Mutter, wenn sie die Ausstattung für ihr Kindchen vorbereitete Die Hemdchen, Jäckchen, Häubchen, mit wie wenig Mitteln ließen sie sich zierlich herstellen. Heute verschlingt die allereinfachste Säuglingsausstattung ein kleines Vermögen nach früherem Geldwert. Etwa ein Fünftel des Jahreseinkommens eines gelernten Arbeiters. Neun Zehntel unserer niederkommenden Mütter sind kanm imstande, zwei bis fünf Windeln anzuschafsen. Das tägliche Ausköchen der Windeln, eine Vorbedingung für die Reinhaltung des Säuglings, ist bei den hohen Preisen für Holz, Kohle, Gas, Waschmitteln für eine Mutter fast eine Unmöglichkeit, ebenso das Baden. Die Kinder werden wund, bekommen Krätze und werden jeder Infektion ausgesetzt. An die Kosten für die Kleider die Stiefel größerer Kinder darf man gar nicht denken. Und all diese Sorgen lasten auf den Schultern der Mutter und lassen sie nicht zur Glücksempfindung kommen, Kinder zu haben. Nur ein paar Beispiele: 1920 hatten in Berlin 25 Prozent aller Kinder keine Mäntel, 28 Prozent keine Schuhe. Im Februar 1921 hatten bei einem Grad Wärme in den Volksschulen der badischen Städte 10 Prozent der untersten Klassenkinder keine genügende Oberkleidung, 17 Prozent ungenügende Unterkleidung. Ohne Unterkleidung waren 2 Prozent, keine Strümpfe hatten 1 Prozent. 17 Prozent hatten ungenügendes Schuhwerk, andere Kinder überhaupt keines. Aehnlich lauten die Berichte aus Minden, Breslau. Dessau, Lübeck usw. Auf dem Lande ist es nicht besser. Vielfach ist die Kleidung aus Decken, Vorhängen, Fetzen zusammengeflickt. Die Mütter dieser Kinder aber sehen die kostbarsten Pelze, Kleider, Wäsche, Luxusstrümpfe und Schuhe nicht nur in dem Schausenster, auch auf der Straße getragen. Den Wert von Hunderttausenden trägt oft eine Modedame an sich. Denkt sie an die armen Mütter, deren Kinder frieren, denen Mutterschaft zum Martyrium wird? Die größte Tragik für die Mutterschaft aber bedeutet die Verteuerung der Lebensmittel. vor allem der Milch. Für Milch gibt es keinen Ersatz, umnd ohnmächtig müssen manche Mütter mit ansehen, wie das Kindchen, das gut gedieh, solange sie es noch stillen konnte, dahinsiecht, weil die verfügbare Milch zu teuer ist, oder weil ihre Menge nicht ausreicht. Und schwerer noch werden die größeren Kinder betroffen, denen sehr häufig überhaupt keine Milch mehr gegeben werden kann. Sechs Monate alte Kinder werden heute häufig tuberkulös infolge mangelhafter Ernährung. Bleiche Kinder ohne Lust zum Spielen, zum Wandern, ohne Lerntrieb, ohne Lebensfreuden— welcher Mutter zerrisse es nicht das Herz, wenn sie solche Kinder um sich sieht. Alles, was solche Kinder zur Kräftigung brauchen, ganz abgesehen von Milch, Fett, Zucker, weißes Mehl, Gemüse, Obst, ist so unerschwinglich teuer, daß viele Mütter blutenden Herzens auf den Einkauf verzichten müssen. Was empfinden wohl diese Mütter, wenn sie in den Konditoreien Torten und Kuchen sehen. die aus alldem hergestellt sind, was ihre Kinder entbehren, oder wenn sie hören, wie das Geld keine Rolle spielt bei Festmählern, in Schlemmerlokalen, in Bars und Dielen! Von allen Seiten wird der Kampf gegen Wucher und Teuerung gefordert. Wer in diesem Kampf mitkämpft, der denke daran, wie sehr die Mutterschaft der deutschen Frauen gefährdet wird, wenn keine besseren Verhältnisse kommen. Der Uebermacht der Feinde von außen haben wir unterliegen müssen. Nicht aber unterliegen brauchen und wollen wir in dem Kampf gegen den inneren Feind. Hier stehen Deutsche gegen Deutsche. Sieger aber werden die sein, die diesen Kampf im Namen der Mutterschaft führen. Deutschlands Mütter sollen wieder sagen dürfen:„Nur eine Mutter weiß allein, was lieben heißt und glücklich sein. Parlamentarische Glossen. Teuerungsdebatten. Wer von der Aussprache über die Teuerung und die zu ergreifenden Maßregeln im Landtag eine Klärung der Lage erwartet hatte, wird einigermaßen enttäuscht feststellen müssen, daß zwar sehr viel geredet wurde, aber wenig gehandelt. Es lief in der Hauptsache wieder darauf hinaus, daß eine Partei der andern die Schuld zuschob für die unerträglichen Zustände, unter denen jeder Verbraucher seufzt. Der Sozialdemokrat Limbertz sucht sie bei den Agrariern, der Deutschnationale Baecker bei der Reichsregierung, und schon ist man wieder in der alten unfruchtbaren Diskussion über die Anfänge der Erfüllungspolitik und ihre Folgen. Der Landwirtschaftsminister Wendorf, der warm für eine Erhöhung der Preise des Umlagegetreides eintrat, machte die betrübende Mitteilung, daß die Landwirtschaft den Getreideanbau erheblich eingeschränkt hat, und wußte im übrigen als Ausweg auch nur die intensivere Kultivierung von Oedländereien zu empfehlen. Man wurde das Gefühl nicht los, als ob alle diese Herren in einer großen Ratlosigkeit dasaßen, und ihre starken Worte nur brauchten, um die innere Hilflosigkeit zu übertönen. In der Tat kann ja auch die Hilfe kaum von der Regierung eines ein zelnen Landes ausgehen— helsen kann nur kräftige Initia tive der Reichsregierung in Gemeinschaft mit einem entschlossenen, planmäßigen Vorgehen der Konsumenten. An beidem fehlt es bisher. Der Konsument als einzelner ist trotz Wuchergesetz und Richtpreis dem Produzenten bezw. Großhändler wehrlos ausgeliefert, eine Macht würde er als geschlossene Organisation darstellen, die weniger schimpft, als daß sie die Waffen des Boykotts, der Anprangerung etc entschlossen anwendet. Ob aber unser deutsches Publikum jemals zu dieser Selbstdisziplin gelangt, erscheint nach den bisherigen Erfahrungen mehr als fraglich.— Vorläufig hamstert jeder auf eigene Faust und geht jeder Solidarität entschlossen aus dem Wege.— Auffallend war in der Debatte der scharfe Ton, den Deutschnationale und Deutsche Volksparteiler gegeneinander anschlugen. Der Angriff war von Herrn Baecker, dem Gewaltigen der„Deutschen Tageszeitung“, ausgegangen. Es spiegelte sich in einem rücksichtslosen Ton schon die Tatsache wieder, daß seine Partei erst kürzlich die Einladung auf Teilnahme an der„Arbeitsgemeinschaft", unter Preisgabe der radikalen Antisemiten, schroff abgelehnt hat. Vorläufig hält man es noch mehr mit Wulle, als mit Stresemann.— Die Kommunisten blieben ungewöhnlich matt. Sie schienen das große Fiasko schon zu ahnen, das ihre Demonstration am Sonntag in Berlin erleben sollte. Die 2—3000 Monschen, die sie auf die Beine brachten, konnten den an ganz andere Massenaufgebote gewöhnten Berlinern wirklich nich imponieren. Die Wunder des größten Fernra#res der Welt. Ein neues riesiges 100zölliges Fernrohr ist auf der Sternwarte des Monnt Wilson in Kalifornien in einer Höhe von 5700 Fuß aufgestellt worden, und der Direkt des Observatoriums, G. C. Botez,(6(11gg ist berich ektor fessor der Astronomie an der Universitür Ehüage ist, über dies Instrument und die Wunder, die es offenbart. „Das Fernrohr,“ schreibt er,„ähnelt einem großen Marinevon 100 Fuß Durchmesser befindet. Das Glas, das einen größten Spiegel verwendet wurde, ist 13 Zoll dick ind wiegt 4½ Tonnen. Die beweglichen Teile wiegen 100 Lonnen und werden durch einen mächtigen Uhrmechguis. n Bewegung gesetzt, der der Sonne und ven folgt. 35 elektrische Motore dienen dazu, das Fe n jeder beliebigen Geschwindigkeit nach jeder,#i#lalt, Himmels zu wenden, den Turm zu bewegen und en#torm zu heben oder zu senken, auf der der Beobachter teht. Die Leistungssteigerung, die figzug deut“ Mount Ozötige Instrument gegen dos frerzielen läßt, ist sehr on en voxetisch ist es 2,8 mal so stark wie das frühehe und der Praxis wird fast diese ganze deutlich. The Instrument, und in der#caxis Steigerung tatsächlich erreicht. Im Vergleich mit dem 60=3 dem 60=Zoll=Fernrohr schätzt man, rohr einige 100 Millio#ten Sterne Vergleich erreichen kann, die früher zu blaß erschienen, um mit dem kleineren Instrument photographiert zu werden. Wichtige Ergebnisse sind bereits mit diesem neuen Werkzeug der Himmelsbeobachtung erreicht worden. Die feinen Einzelheiten der Nebel, jener wolkenartigen Substanzen weit außerhalb des Sonnensystems, sind mit dem großen Instrument viel besser festzustellen. Ebenso sind feinste Einzelseiten der Oberfläche des Mondes, die vorher noch nicht hotographiert werden konnten, jetzt ausgenommen worden. Entfernungen zwischen Doppelsternen konnten trotz der ungeheuren Weite festgestellt werden. So ist der Doppelstern in der Capella=Constellation, der bisher den schärfsten Fernrohren als ein einziger Stern erschien, nun in zwei Körper zerbrochen, die sich in einer Periode von 104 Tagen in ihrer bestimmten Bahn bewegen. Die Entfernung einer der entfernten Sterne im Orion, Betelgeuse, ist mit etwa 160 Lichtjahren gemessen worden. Der Durchmesser Sterns wird auf 215 Millionen Meilen angegeben oder mehr als das Doppelte der Entfernung zwischen der Sonne und der Erde. Mit dem neuen Riesenteleskop wird es mögich sein, Sterne und Nebel weit über die Grenzen hinaus zu beobachten, die uns bisher gesteckt waren, Rund um Berlin. Die Verhandlungen bei Siemens u. Halske. Die auf Ersuchen des Deutschen Metallarbeiterverbandes zwichen diesem und dem Verbande Berliner Metallindustrielle eingeleiteten Verhandlungen haben am Nachmittag 3. Oktober ihren Anfang genommen. Mit Rücksicht au diesen Umstand hat die Direktion der Siemens und A.=G. beschlossen, die Bureaus für die Angestellten am Mittwoch, den 4. Oktober, wieder zu öffnen. Die Wiederaufnahme der Arbeiten in den Werkstätten wird von den Ergebnis der oben erwähnten Verhandlungen abhängen. Arbeitswiederaufnahme bei der A. E. arbeiter der Apparatefabrik der A.=E.=G. haben die Arbeit bedingungslos wieder ausgenommen. Die Direktion hat daraushin die entlassenen Maschinenarbeiter wieder eingestellt und sich bereit erklärt, über die Forderungen der Arbeiter im Laufe des Mittwochs zu entscheiden.— Nachtbetrieb statt der„Schlemmersteuer". Die Lokalkommission der Gastwirtsvereinigung Groß=Berlins hat an die städtischen, Staats= und Reichsbehörden eine Eingabe gerichtet, die die in Aussicht genommene Schlemmersteuer durch eine neuartige Steuererhebung in den schaften ersetzt sehen will. Der Vorschlag hat in der Tat manches für sich: er fordert die Teilung der Konzessionen in solche für Tagesbetrieb bis 1 Uhr und in Nachtkonzessionen. Betriebe mit Nachtkonzessionen sollen von den Abendstunden bis zum Morgen geöffnet sein dürfen und für ihren gesamten Umsatz eine Luxusumsatzsteuer von 15 Prozent zahlen. Der tägliche Ertrag dieser Steuer wird— wenn auch nur 100 Betriebe in Berlin die Nachtkonzession eerhalten würden— auf eine Million berechnet und wäre vom Reich der Stadt zur Massenspeisung usw. zu überweisen. Die Durchführung dieser Vorschläge, so betonen die Gastwirte, würde auch wieder den Betrieb nächtlicher Gaststätten, der für eine Großstadt unentbehrlich und jetzt auf Schleichwegen verwiesen sei, in einer der Allgemeinheit nützlichen Form ermöglichen. Mervilius und seine Frau wieder verhaftet. Großes Aufsehen erregte seinerzeit die Verhaftung des früheren Direktors der Reichstreuhandgesellschaft Mervilius, nachdem dessen Frau mit ihrer Schwester bei Ladendiebstählen abgefaßt worden waren. Nach ihrer Entlarvung wurden Herr und Frau Mervilius, das Ehepaar Röper und das Ehepaar Förster von der Kriminalpolizei verhaftet. Die Ehepaare Mervilius und Röper wurden, da kein Fluchtverdacht vorlag, auf freien Fuß gesetzt, während das Ehepaar Förster in Untersuchungshaft verblieb. Jetzt wurden nun Herr und Frau Mervilius wieder in Haft genommen. In einem Kaufhaus am Werderschen Markt war eine Frau Lipke beim Ladendiebstahl abgefaßt worden. Sie befand sich in Begleitung einer Dame, die niemand anderslals Frau war. Von den Diebstählen der Frau wollte sie natürlich keine Ahnung haben. Es besteht jedoch der dringende Verdacht, daß sie ihr altes Gewerbe wieder aufgenommen hatte und ihr Mann davon unterrichtet war. Es ist wahrscheinlich, daß sie in der Zwischenzeit nnoch weitere Diebstähle ausgeführt hat. Das Ehepaar Mervilius wurde deshalb wiederum der Staatsanwaltschaft vorgeUnsicherheit im Tiergartenviertel. In der Nacht vom Montag auf Dienstag wurde ein Fabrikant B. in der Margaretenstraße von Strolchen überfallen, niedergeschlagen und vollständig ausgeraubt. Straßenpassanten, die schließlich auf das Hilfegeschrei des arg zugerichteten Mannes herbeieilten, schafften den Halbbewußtlosen nach der nächsten Rettungswache, wo man den Verletzten verband.— Gleich darauf wurde dort ein überfallener und ausgeplünderter Franzose eingeliefert, dem man sogar die Stiefek ausgezogen hatte. Andere Ueberfälle mit glimpflicherene Ausgang wurden uns noch vom Lützow=Platz gemeldet. dem Elisabeth=Krankenhaus. Er hatte einen Kovischuß aufzuweisen.### L.us dem Reiche. Verdreifachung des Umlage=Getreidepreises. Entsprechende Verteuerung des Markenbrotes. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichsministerium hat die Beratung u die Erhöhung der Preise für das erste Trittel des Umlagegetreides fortgesetzt. Der vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft vorgelegte Gesetzentwurf, in dem etwa eine Verdreifachung des Preises für das erste Um lagedrittel vorgesehen ist, wurde angenommen. Der Gsetzentwurf wird dem Reichsrat und dem Reichswirtschaftsrat zugehen. Der Reichstag wird sofort nach seinem voraussichtlich am 17. Oktober erfolgenden Zusammentreten mit der Angelegenheit befaßt werden. Gleichzeitig mit der Genehmigung der Gesetzesvorlage Hat das Kabinett einem Antrag des Reichsernährungsministers auf Erhöhung der Abgabepreise der Reichsgetreidestelle zugestimmt. Das von dieser abgegebene Getreide setzt sich etwa zu gleichen Teilen aus Inlands- und Auslandsgetreide zusammen; das Auslandsgetreide hat nach dem sprunghaften Steigen der fremden Valuten in den letzten Monaten eine außerordentliche Preissteigerung erfahren.(Ausländischer Weizen kostete zur Zeit der Verhandlungen über das Reichsgetreidegesetz und die jetzt geltenden Abgabepreise 18= bis 20000 Mark die Tonne, heute fast 81000 M, nachdem der Preis bereits auf 93000 M und höher gestiegen war.) Infolgedessen war eine erhebliche Steigerung der Abgabepreise der Reichsgetreidestelle unter allen Umständen unvermeidlich. Entsprechend muß auch der Preis für Markenbrot erhöht werden. Diese Erhöhung wird jedoch nicht vor(Ablauf dieses Monats eintreten und voraussichtlich über eine Verdoppelung nicht wesentlich hinausgehen. Da die Erhöhung des Brotpreises eine schwere Belastung der minderbemittelten Bevölkerungskreise mit sich bringt, beabsichtigt die Regierung, noch im Laufe dieser Woche mit den Vertretern der Arbeitergemeinschaften in Besprechungen einzutreten, um gleichzeitig mit der Erhöhung des Brotpreises auch eine entsprechende Erhöhung der Löhne und Gehälter zu erwirken. Neue Tariferhöhungen bei der Eisenbahn. Der Reichsverkehrsminister hat den zuständigen Ausschuß des Reichseisenbahnrates auf Donnerstag, den 5. d. M., zu einer Sitzung nach Berlin eingeladen, um mit ihm über notwendig werdende weitere Tariserhöhungen zu beraten, Dabei sollen auch die Beschwerden der Oeffentlichkeit über die billigen Personentarife für Ausländer besprochen werden.— Nachdem der Ausschuß des Reichseisenbahnrates am 16. September sich gegen die zum 1. Oktober beabsichtigte starke Gütertariferhöhung ausgesprochen und eine geringe Tarifsteigerung vorgeschlagen hatte, dem sich der Reichsverkehrsminister damals auch anschloß, muß nunmehr bereits zum 15. Oktober eine erneute 60 prozentige Erhöhung der Gütertarife eintreten. Daß die zum 1. Oktober durchgeführte Tarifsteigerung nicht ausreichen konnte, stand für den Reichsverkehrsminister damals schon fest; denn es betragen die erhöhten Gütertarife im Durchschnitt das 280fache der Friedenstarife, während für September die Preissteigerung aller Gebrauchsgegenstände, wie Kohle und Eisen, weit höher waren. Die Angleichung der Eisenbahnarbeiterlöhne an die Löhne der Privatwirtschaft und die Aufbesserung der Beamtengehälter belastet die Reichsbahn vom 1. September bis zum 1. Aprik mit rund 45 Milliarden; dazu kommen die Gehalts= und Lohnerhöhungen, die sich aus den s# den Verhandlungen ergeben werden. Die neue Kohlenpreiserhöhung und die Erhöhung der Eisenpreise bedeuten eine weitere Belastung, zu deren Ausgleich eine 60prozentige Gütertariferhöhung erforderlich ist, die nicht bis 1. November verschoben werden kann. Die kürzlich eingeführten Notstandstarife für Kartoffeln und Obst sollen nicht erhöht werden. Eine 100prozentige Erhöhung der Personentarife tritt, wie bekannt, am 1. November ein. Auch ihre weitere Erhöhung zum 1. Dezember wird im Ausschuß besprochen werden. Der Reichskanzle. bei der Konstanzer Reichswehr. Der Reichskanzler bei der Konstanzer Reich In Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Wirth, des badischen Staatspräsidenten und des Ministers des Innern sowie des Reichswehrministers fand eine Besichtigung des Konstanzer Reichswehrbataillons statt. Reichskanzler Dr. Wirth dankte für die an ihn gerichteten Begrüßungsworte und führte unter anderem aus: Sein Ziel sei, für die Verständigung aller Schichten des Volkes zu wirken und die moralischen Kräfte zusammenzusassen. An der Reichswehr sei es, außerhalb des politischen Getriebes der Verfassung und der Republik mit Freuden zu dienen. Es freue ihn wahrnehmen zu können, wie die Treue zum Staat ihr nicht nur Sache des Verstandes, sondern auch Ausdruck richtiger Gesinnung sei. Der Kanzler ermahnte das Bataillon, auch fernerhin treu zum Reiche zu stehen, dessen Einigkeit zu erhalten die vornehmste und edelste Aufgabe des deutschen Volkes sei. Nur 11000 Erwerbslose? Im Reichstagsausschuß für soziale Angelegenheiten teilte das Reichsarbeitsministerium mit, daß nach der neuesten Statistit im ganzen Deutschen Reich insgesamt nur 11 000 Erwerbslose Unterstützung beziehen. Sobald sich eine ungünstigere Beschäftigungsquote zeige, werde die Reichsregierung der Auregung der Sozialdemokraten entsprechen und die Sätze erhöhen und nachträglich die Genehmigung des Reichstages einholen. Zu dem Gesetzentwurf über Aenderung des Versicherungsgesetzes für Angestellte teilte die Regierung mit, daß für das ganze Arbeitsleben grundsätzlich ein einheitlicher Versicherungsschutz für die Fälle der Invalidität, der Berufsunfähigleit und des Alters gewährt werde. Die Selbstverwaltung in der Angestelltenversicherung soll erweitert werden. Die deutschen Leistungen gemäß dem Versailler Diktat. Die Reparationstommission begann mit der Herausgabe von halbjährlich erscheinenden Heften, die Dokumente und Statistiken enthalten werden. Die hauptsächlichen Kapitel des ersten Heftes behandeln die Naturalleistungen, die Barzahlungen und die Okkupationskosten. Bis zum 30. April 1922 betragen hiernach die Ausgaben für die Okkupation 2132 Millionen Goldmark für die Alliierten und 1011 Millionen für die Vereinigten Staaten, was nach dem jetzigen Kurs auf den Monat 314 Millionen Frank oder pro Tag mehr als 10 Millionen Frank ausmacht. Diese Summe bezieht sich auf eine Zeit von 30 Monaten. Was die Naturallieferungen anbelangt, so lieferte Deutschland De. rn 1928 für 200 Aus aller Welt. Okko von Habsburgs Ansprüche auf Ungarus Thron Eine Deputation ungarischer Legetimisten erschien unte Führung des Grafen Apponyi beim Ministerpräsidenten un gab die Erklärung ab, dast der rechtmäßige Erbkönig nach dem Tode Karls trotz der Entthronung tant Gesetz Köniz Otto sei, der teils aus innerpolnischen, teils aus außen politischen Gründen sich innerhalb der durch die Ver fassung vorgeschriebenen sechs Monate nicht krönen lassen könnte. Dieser Umstand müsse am Tage des Ablauf monatigen Frist der Regierung zur Kenntnis gebracht wer den. Nach Ansicht der Legetimisten sönne diese Unter lassung keinerlei Rechtsvertürzung für den Throuerben nach sich ziehen. Diese Bemerkungen wurden vom Grafer Apponyi mündlich vorgebracht, der Restierung keinerlei Te# kument übergeben und auch keinerlei Protokoll ansgenom men. Es wurde nur der Wunset, unsgesprochen, diese# klärung an kompetenter Stelle zur Kenntnis zu bringen. Aus dem Gerichtssaal. Der Rathenau=Prozeß. Am Dienstag begann in Leipzig die Verhandlung des Staatsgerichtshofs gegen die morder und deren Helfershelser. Schon um 9 Uhr sind die Angeklagten in den Saal geführt,worden. Die Aukloagghogi, s, geziet und rechts und links vom Richtertisch augezte t# Aug##0: 1. Ernst Werner Techow, 21 Jahre alt, der Fuhrer der nnto mobils, der seine Schuld eingestelst. 2. Hans Gerd Techow 16 Jahre alt, Gymnasiast, Mitwisser und Förderer des Komplotts. 3. Willi Günther, 23 Jahre, Student, vermittelte die G##nze und half zur Flucht. 4. Christian Ilsemann, 21 Jahre, täng beim Schutz und Trutzbund in Schwerin, lieferte die Mordwasse. 5. Gustav Steinbeck, Student, 23 Jahre, Mitglied der NationtalSozialistischen Arbeiterpartei. Mitwisser und Vorbereiter. 6.— Niedrig, 22 Jahre, Detektiv, Mitwisser. 7. Friedrich Warne 24 Jahre, Kaufmann, Mithilfe. 8. Ernst v. Salomon, 20 Bankbeamter, war am Komplott beteiligt. 9 Stellte die Garage, angeblich ohne zu wissen wofür. 1# Franz Diestel, desgl. 11. Werner Voß, 20 Jahre, früher Seemann, neuerdings wegen verschiedener Vergehen gesucht 12. Helmuth Glaas, Schriftleiter, 23 Jahre, Fufe zu Flucht der Mörder. 13. Fritz Baoe, Gauleiter des Schutzund Trutzbundes in Schwerin. Mitwisser und Hilfeleister, Eintritt in die Verhandlung stellt der Verteidiger Dr. Hahn### Antrag, das Verfahren dem zuständigen Schwurgericht zu überweisen. Er begründet diesen Antrag eingehend, indem er ausführt der Staatsgerichtshof sei nach dem Gutachten zahlreicher namhafter gerichtshofes widerspreche auch dem Artikel 105 der Reichsverfassung, da sie die Angeklagten ihren gesetzlich zuständigen Richtern im Schwurgericht entziehe. Der Verteidiger# übrigen den Einwand geltend, der Staatsgerr,eri. unter dem Druck der Straße geschaffen worden.##t## anwalt Dr. Ebermaier führt sodann aus:„Der Gerachto#### ist berechtigt und verpflichtet, nachzuprufen, wie weit ein Reichsgesetz verfassungswidrig ist. Der Staatsgerichtsho hat über seine Zuständigkeit zu befinden. Das Gesetz über den Staatsgerichtshof ist mit Zweidrittelmehrheit im Reichstage angenommen worden, also nicht verfassungswiorig. bitte, den Antrag der Verteidigung abzulehnen. Nachdem der Gerichtshof zur Beratung sich zurückgezogen hatte, verkündet der Vorsitzende, daß der Gerichtshof seine Zuständigkeit bejaht habe, und daß der Antrag, das Verfahren dem Schwurgericht zu überweisen, abgelehnt wird. Rechtsanwalt Hahn begann sofort zu sprechen und erklärte, er müsse nunmehr von dem Rechtsmittel der Ablehnung des jetzigen Gerichts und seiner einzelnen Richter Gebrauch machen. Nachdem sämtliche Anträge der Verteidigung abgelehnt worder waren, wurde gegen 1212 Uhr in die Verhandlungszu.## Der Vorsitzende brachte in großen Zugen das Ergebn##### Voruntersuchung zur Sprache, wie es in der Anklageschrift niedergelegt ist. Gegen 12 Uhr trat eine kurze Pause ein. Nach der Pause begann die Vernehmung der Angeklagten, die sich zunächst auf die Feststellung der Personalien beschränkte. Um„3 Uhr wulr die persönliche Vernehmung der Angeklagten beendet, und die Sitzung wurde darauf geschlossen. Am Mittwoch werden die Verhandlungen Der Landesverrat=Prozeß gegen Fechenbach. In am Dienstag in München begonnenen Verhandlung wird in der verlesenen Anklage Fechenbach beschuldigt, daß er geheime Dokumente, in deren Besitz er als Privatsekretär Eisners gelangt war, im April 1919 abschriftlich dem Vertreter des deutschfeindlichen„Journal de Geneve“ und dem Vertreter der Pariser Zeitung„Le Journal“ zur Veröffentlichung ausgehändigt hat, obwohl er wußte, daß die geheimen Dokumente vom Feindbund gegen Deutschland verwertet würden. Ferner behauptet die Anklage, daß der Mitbeschuldigte Gargas unter dem Schein eines Korrespondenzbureaus eine Nachrichtensammlung darüber betrieb, ob in Deutschland und besonders in Bayern dem Versailler Vertrag zuwiderlaufende Bestrebungen im Gange sind. Gargas habe in ganz Deutschland eigene gutbezahlte Agenten angestellt, zu denen auch Fechenbach und Bembke gehörten. Diese bätten gewußt, daß durch die Veröffentlichungen dem Deutschen Reich, und vor allem Bayern Schaden erwachsen werde. Ihre Berichterstattung hätten Fechenbach und Lembke auch fortgesetzt, als sie sicherg Zennt; nis erlangt hätten, daß Gargas ein Spion sei. Fechenruch###rklärte bei seiner Vernehmung, daß er nichts zu leugnen habe. Was er getan habe, habe er als Politiker getan und verantworten. Fechenbach äußerte sich dann über die Kriegsschuldfrage, über die internationale Politik Eisners und über seine eigene Tätigkeit nach dessen Ermordung. Fechenbach gibt jetzt eine Besprechung mit dem Journalisten Pajot, dem Vertreter des„Journal de Geneve“ und des Pariser„Journal“ zu und erklärt: Die„ anlassung dazu, daß er Pajot die Denkschrift Erzbergers vom September 1914 gegeben habe, sei Pajots Ersuchen um Aufschlüsse über die politischen Ereignisse der damaligen Tage gewesen. E. habe es für selbstverständlich gehalten, einem anderen Journalisten eine Gefälligkeit zu erweisen und habe ihm auf Grund von Notizen die er in seiner Mappe gehabt habe, Mitteilungen gemacht. Bei solcher Gelegenheit habe er am 9. April 1919 Pajot die Denkschrift Erzbergers gegeben. An die Unterredung mit Pajot könne er sich nicht mehr genau erinnern. Er habe Pajot nicht nur die Denkschrift Erzbergers, sondern auch die Antworten gegeben, die ven dem Reichskanzler v. Bethmann=Holweg dem preußzischen Kriegsminister Falkenhayn, dem Generalstabschef Moltke und den Komrel Tirvitz im Dezember 1914 gegeben worden waren. Nach der Vernehmung trat eine Verhandlungspause ein. Vermischtes. Telephonische Fingerabdrücke. Der Apparct, französische Professor Belin für die Uebermittlung von Photographien auf drahtlosem Wege erfunden hat, soll jetzt in den Dienst der Kriminalistik gestellt Leiter der italienischen Schule für wissenschaftliche Kriminalistik, Prof. Ottolenghi, beabsichtigt, den Apparat für die Uebermittlung von Fingerabdrücken zu verwerten. Wenn also eine verdächtige Persönlichkeit in Paris verhaftet so wird es möglich sein, seine Fingerabdrücke nach London, Berlin und Rom zu telegraphieren und die Polizeibehörden dieser Städte anzufragen, ob die Fingerabdrücke sich dort mit einer bestimmten Persönlichkeit identifizieren lassen.