Verdunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Volksblatt Weltyolener Zeitung Apierdecker Zeitung Langscheder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Belzwicheder Zeitung und ättestes Cogesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jeitung“ erscheint werktäglich. a Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlog: Corl Braus. Celie2 Poscheck Hortmond 2453 Verantwortliche Schriftl.itung. Richter: Stadt nt samtlich in Schwerte. Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfran und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatdlätter. n Lustiges Allertei. Kinderzeitung: Unser Blatt. n Unterbeitungs- u. Nomanbeilage.n Spiel, Sport und Curnen. u Ledensbild. Kunst u. Wislen.n Gartenratschläge. Nr. 161 Mittwoch, 12. Juli 1922 55. Jahrgang Zum Geleit. Zuan Besuch das Reisers von Annem, Khoi Dinh in Pacis.— Regierung müssen alle Mitglieder in einer Zeit, die unser Volk schwer bedroht, aufs festeste zusammienhalten für den Bestand des Vaterlandes. Nächste Sitzung Mittwoch 2 Uhr: Weiterberatung. Feiser Khai Dind isg:s am Greb des unbekannfen Soldafen einen silben nen krenz nieder. fieben iim Secrauf, der Minister für Kolonien Je bedürfnisloser wir sind, desto überlegener leben wir. Bedürfnislosigkeit ist Macht; jeder sollte durch diese Schule gegangen sein, um zu wissen, mit wie wenig man bestehen kann. Johannes Müller. K Neueste politische Nachrichten. In Kiel wurden von der Kontrollkommission Waffen und Munition gefunden. * Nach Meldung aus französischer Quelle soll Deutschland die Herabsetzung seiner Kohlenlieferungen um 30 Prozent beantragt haben. Die Räumung Oberschlesiens ist nunmehr vollzogen; Lerond ist abgereist. * Kunde. Auf dem Dortmunder Schlachtviehmarkt kam es zu einem Käuferstreik der Metz ger. Die Organisationen der Viehhändler und Metzger sollen in Beratungen darüber eintreten, wie eine Preissenkung herbeigeführt werden kann. Preisnotierungen erfolgten auf dem gestrigen Markte nicht. In vielen Orten des Ruhrreviers nahm der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter in großen und wirkungsvollen Versammlungen Stellung gegen den vom Alten Verband eingeleiteten Streik. Der Reichsarbeitsminister kommt zwecks Verhandlungen mit den Bergarbeitern nach Essen; zu dem Resultat wird am Freitag eine Revierkonferenz in Dortmund Stellung nehmen. Eine„Ostasiatische Gesellschaft der deutsch=russischen Annäherung“ ist in Wladiwostok gegründet worden. Es gehören ihr Vertreter aller Großsirmen sowie einflußreiche politische Führer an. * In jedem Haus in Stadt und Land ein Telefon, das ist das ausgesprochene Ziel des englischen Postministers. Zur Ausdehnung des Tebefonnetzes verlangte er jetzt im Unterhaus einen Kredit von 15 Millionen Pfund Sterling. Ausgerechnet gerade gegenüber dem Niederwald=Dentmal haben die Franzosen in Vingen unmittelbar am Rhein eine große Kaserne gebaut und dadurch das ganze schöne Ufer verschandelt. * In den bayrischen Mitteischulen soll jetzt die englische Sprache als Pflichtfach eingeführt werden und die französische Sprache nur noch als Wahlfach bestehen bleiben. In der Begründung dieser Aonderung wird gesagt, daß„die französische Kultur ihren Höhepunkt überschritten habe.“ Sehr richtig! * Verschiedene Brauereien versuchen jetzt die Vierbereitung mit Hilfe von Reis und Mais. Besonders Mais in Form von entöltem Maisgries wird von den Fachleuten als wertvoller Braustoff der Zukunft betrachtet. * Die Befreiung der vom Ausland eingeführten Kohlen von der Kohlensteuer, die zunächst nur für die Zeit bis zum 1. September angeordnet war, wird wahrscheinlich bis März nächsten Jahres verlängert werden. Nach Entscheidung des Schlichtungsausschusses werden gezahlt an Arbeiter, Stallleute und Wächter pro Woche 1368 Mk., an Rollkutscher 1398 Mk., an Autoführer 1418 Mk., an Hilfsarbeiter pro Tag 228 Mk. usw. Annam ist ein an der Ostküste von Hinterindien gelegenes Königreich, das als Schutzstaat zu der französischen Kolonie Indochina gehört und mehrere Residenten zu ernähren hat. Früher war Annam dem Chinesischen Reich unterworsen, das nach langen Kämpfen 1885 im Friedensvertrag von Tien Asin seine Rechte aufgeben mußte. Während des Krieges teilte Annam das Schick sal aller franz. Kolonien und„Schutz"=staaten: Schutz der Republik. Deutscher Reichstag. Berlin, 12. Juli. (Sitzung vom 11. Juli.) Die allgemeine Ausspoache über das Gesetz zum Schupe der Republik wird fortgesetzt. Abg. Wissel(Soz.) erklärt, seine Partei sei mit der Fassung der Vorlage sehr unzufrieden. Besonders bedauerlich sei die ablehnende Haltung der hayerischen Regierung. Abg. Gräf=Thüringen(Dutl.) lehnt die Vorlage ab, weil sie ein Ausnahmegesetz gegen rechts sei. Gegen die überhetzte Gesetzesmacherei müssen wir auf das schärfste protestieren. Wenn das so weiter geht, soi das das Ende der demokratischen Freiheit.(Lärm links.) Die Linke habe immer revolutionäre Mordtaten verherrlicht.(Zuruf des Abg. Hoffmann(UI.): Ihr habt 400 Morde auf dem Gewissen. Große allgemeine Unruhe.) Der Redner nennt den Namen Friedrich Adler.(Großer Lärm links. Kommunisten drahen nach der Rednertribüne, Gegenrufe von rechts. Anhaltend große Unruhe.) Der Redner verweist auf zahlreiche Mordtaten gegen rechtsstehende Persönlichkeiten. Der Reichskanzler habe geradezu zum Kampf gegen rechts aufgefordert. Die Folgen zeigen sich überall. In Thüringen sind Mordtaten und Plünderungen erfolgt. In Zwickau hat der Aufruhr 15 Menschenleben gekostet. Zuruf links: Lügner. Großer Lärm. Der Präsident ruft den Abg. Albrecht(U.) zur Ordnung und fordert den Redner auf, sich zu mäßigen. Anhaltender großer Lärm.) Dieses Gesetz sei nur ein Produkt der schlotternden Angst. Vor einer Reichstagsauflösung hätten die Deutschnationa= ien keine Angst.(Beifall rechts. Lärm links. Reichsjustizminister Dr. Radbruch nennt die Rede Gräfs ungeheuerlich provozierend. Die Deutschnationalen hätten keinen Trennungsstrich gegen die Deutschvölkischen gezogen, solange noch die Avgg. Wulle, Laverenz und Gräf in ihren Reihen sitzen.(Zustimmung links.) Abg. Dr. Levy(U.) wirft der Rechten Heuchelei und Verlogenheit vor. Der Redner fordert strenge Maßnahmen, damit die Hobenzollern niemals wieder zurückkehren. Abg. Dr. Bell(Z.): Die Ausführungen des deutschnationalen Redners waren wirklich nicht geeignet, der Sicherheit und Ruhe in unserem Lande zu dienen. Solche Provokationen können zu den ungeheuerlichsten Katastrophen führen Was die zersetzende Kritik an dem Gesamtinhalt anbelangt, so muß ich fragen:„Sollen wir wirklich so lange mit durchgreifenden Maßnahmen warten, bis auch der letzte Minister der deutschen Seine Einwohner mußten Ströme von Blut vergießan, seine überreichen Hilfsquellen(Gold, Silder, Kupfer, Eisen, Reis, Zucker) wurden rücksichtslos ausgenützt, um die Republik zu schützen. Dafür darf jetzt der„Kaiser“ von Annam, der im übrigen nichts zu sagen hat, im Auto durch Paris fahren und einen Kranz am Grabe des unbekannten„Reklame=) Soldaten niederlegen. Welche Ehre! Ruputlil hingemordet ist?" Wir geben der Erwartung Ausdruck, daß die Vorlage verabschiedet wird. Abg. Dr. Kahl(D. V.) äußert seine Vereitwilligkeit, mitzuarbeiten, die verfussungsmäßige republikanische Staatsform schützen zu helfen. Die außerordentliche Eile sei aber für die Forlage verheingnisvoll. Es geh“ nicht an, politische Parteien als Mörderparteien zu bezeichnen. Man ruse setzt nach scharfen Waffen gegen die Antirepublikaner. Aber die Herren von sinks sollten nicht so selbstgerecht sein und sich an den eigenen Busen klopfen, soweit er vorhanden wäre.(Heiterkeit. Der Redner wirft der Linken vor, daß sie das deutsche Volkstum in seinen Erinnerungen belcidigt habe und daß sie die schwarz=weiß=roten Farben geschmäht habe, daß man die Angehörigen früherer landesherrlicher Familien in den Schmutz gezogen habe. Dieser Druck habe natürlich Gegendruck erzeugt.(Lärm links. Die Abgeordneten der Linken drängen sich erregt gegen das Rednerpult und suchen den Redner mit Zwischenrufen zu überschreien. Anhaltender Lärmi und Zurufe von allen Seiten.) Abg. Schücking(Dem.): Es ist traurig, daß die deutsche Republik ein solches Gesetz haben muß. Es sollen heute 500 Mordzentralen in Deutschland bestehen. Redner fordert Reinigung der Atmosphäre, die zu der Mordtat geführt habe. Abg. Emminger(Bay. Volksp.) rechtfertigt den bayerischen Standpunkt. Bayuern halte fest am Reiche, verlange aber Schonung der Rethzte der einzelnen Länder. Wenn in Bauern heute abgestimmt würde, würden sich 30 Prozent der Levölkerung für die Monarchie aussprechen. Der Redner lehnt den Gesetzentwurf ab. Reichskanzler Dr. Wirth: betont die Notwendigkeit einer schnellen Verabschiedung des Gesetzentwurfes, zum Schutze der Republik. Der Kanzler verliest einen Brief eines Mitgliedes des Bundes der Kaisertreuen. Dieses Schreiben aus dem November 1918 beweise die volle Kapitulation des alten Systems. Weite Schichten des Volkes glauben, daß es der Regierung nicht ernst sei, mit allen Mitteln gegen die Mörder vorzugehen. Jetzt muß die gesetzliche Grundlage geschaffen werden. Beifall links.) Das Gesetz muß möglichst innere Haltung erhalten. Der Staatsgerichtshof sei lein Revolutionstritunal. Der Ton der bayerischen Presse sei ganz unerträgtich. Es werde wieder eine Verhetzung zum Kampfe gegen Berlin proklamiert. Auch andere Länder haben Opfer bringen müssen. Deutschland will nicht von den arbeitenden Klassen gerettet werden, sondern durch die Zusammenarbeit aller Schichten des Volkes. Wenn jetzt ein Volk in Not ist, so ist es das deutsche. Darum rasche Arbeit.“ In der Der Landtag in Sommerferien. Wiederbeginn der Sitzungen Ende September. Berlin, 11. Juli. Der preußische Landtag ging Dienstag in die Gommerferien und wird irst Ende September seine Vollsitzungen wieder aufnehmen. Erledigung des Schutzpolizeiglessetzes in dritter Lesung trat das Haus in die dritte Lesung der Vorlage zum Schutz der Republk ein. Die Darlegungen des deutschnationalen Redners von der Osten,3 der die Gesetze ablehnte, riefen sim Hause noch einmal Erregung hervor: Immer wieder mußte sich der Redner Unterbrechungen gefallen lassen. Minister des Inneren, Severing, nahm das Wort, um gegen die Deutschnationalen zu polemisieren Er erklärte, unnachsichtig gegen Beamte, die sich monarchistisch betätigen, vorgehen zu wollen Es sprachen noch die Redner der sozialistischen Parteien. Darauf kam man zur Abstimmung. Sie war namentlich Das Ergebnis war die Annahme der Ausschußbeschlusse zum Amnestiegesetz mit 285 gegen 59 Stimmen. Nur die Deutsch=Nationalen hatten ihre Abneigung gegen das Gesetz in der Abstimmung gleichfalls zum Ausdruck gebracht. Lauter Beifall besonders bei den Regierungsparteien begrüßte das Ergebnis.# Man kam dann zu den beiden Disziplinargesetzen, die die Bestimmungenzffür Beamte und„Richter im Sinne des Schutzes der Republik ausbauen und monarchistische Betätigung streng, im Rückfalle mir Entlassung aus dem Amte ahnden. Auch bei diesem Gesetz wies die Abstimmung eine überwältigende Mehrheit auf. Auch hier machten nur die Deutschnationalen nicht mit., Zum(Schluß erledigte das Haus noch die Aniräge auf Regelung der Selbständigk eitsrechte der Pcovinz Oberschlestien, auf Unterstützung der Sozial= und Kleinrentner, auf Neulegelung der Besoldung der Kassenangestellten. „ Das Haus erhöhre sich dann noch die Dijäten und ging. Die sozialdemokratische Presse gegen den Bergarbeiterstreik. Daß man auch in sozialistischen Arbeiterkreisen des Ruhrgebiets mit dem Vorgehen der Altverhändler durchaus nicht einverstanden ist, zeigt folgende Auslassung der namentlich in Bergarbeitertreisen des Essener Reviers viel gelesenen „Essener Arbeiter=Zeitung"(Nr. 156 v. 8. Juli): „Scit einigen Tagen wird berichtet, daß sich im Ruhrgeviet eine Strömung bemerkbar macht, die darauf hinausgeht, die Bergarbeiter zum Streif aufzureizen. Kommt es unter den gegenwärtigen Verhältnissen zu einem Vergarbeiterstreik, so würden wir unserer Volkswirtschaft einen Schaden zufügen, der sich in seiner ganzen Härte vor allen Dingen gegen die Arbeiter selbst richten würde. Nie ist die Kohlenversorgung so schlecht gewesen wie gegenwärtig, wo wir eigentlich einen Vorrat für den Winter ansammeln müßten. Wir stehen also nach dem Dargelegten vor einer sehr ernsten wirtschaftlichen Erschütterung, die zu beheben die Arbeiterschaft ein großes Interesse hat. Wer die Republik schützen will, muß sie in ihrer wirtschaftlichen Entwichlung vor ernsten Störungen bewahren und mehr denn je muß die Arlieiterschaft darauf bedacht sein, ihre Ansprüche durch die Organisation in geordnetem Verfahren zur Durchführung zu ringen, nicht aber in unüberlegten Handlungen und in führerlosen Streiks zur Vermehrung der Unordnung und Schädigung unseres Wirtschaftslebens beitragen.“ Es kann hiernach wohl keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Urheber des Streikgesankeno i den linlsradikalen Kreisen des Alten Bergarbeiter=Verbandes zu suchen sind. Kathenaus Mörder entdeckt. Berlin, 11. Juli. Deu beiden flüchtigen Mör dern Rattenaus, Ingenieur Hermann Fischer und Oberleutnant z. S. a. D. Erwin Kern, ist die Verliner politische Polizei auf der Spur. Die Er mittlungen ergaben, daß die beiden flüchtigen Tä ter vom 4. bis 6. Juli in Wismar Mealenburg am 7. Juli in Neukalies und am 8. Juli in Lenzen an der Elbe sich aufhielten. Als sie in dem letztgenannten Orte von der Polizei erkannt wur den, flüchteten sie über die Elbe auf hannov# sches Geviet in den Kreis Lüchow. Ein startes Aufgevat Berliner Beamten der Abteilung la mit Kraftwagen und Polizeihunden, die auf die Spur der Täter gesetzt wurden, stellten fest, das die Täter nach dem Süden, nämlich nach dem Gartomforsthaus=Wirn=Arendsee=Packelbusch allgemeine Richtung Gardelegen flüchteten. kratische Reichstagsfraktion kommt daher die Mitarbeit an einer nach rechts erweiterten RAegierung nicht in Frage. Die Quelle allen Anglücks. London, 11. Juli.„Daily Ervreß" verlangt, daß in Stele des Ver#atll. Vertrages ein neuer Vertrag geschlossen werde. Die Männer von 1919 hätten im Dunteln gearbeitet, sie hätten nicht wissen tönnen, wie das Nachtriegseuropa ausseh n würde. Hente aber würden sie es sehen. Das Blatt hofft, daß Harding nach den Novemverwahlen die Signatarmächte des Versailler Vertrages zu einer Konferenz nach Washington einlade, um einen neuen Vertrag abzuschließen. Aus Stadt und Land. Schwerte, 12. Juli. und Stahlsiegel versuchsweise zugelassen. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten. * Jubelseier des Männergesangvereins„Lie dertasel“, Schwerterheide. Sein 35jähriges Besieben kann am tommenden Sonntag der unter Leitung des Herrn Lehrer Roß stehende Männergesangverein„Liedertafel" zu Schwerterheide feiern. 17 Brudervereine haben an diesemn Ehren lage dem Verein ihr Erscheinen zugesagt, sodaß am Nachmitta; im„Freischütz" um 1 Uhr wohl gegen 550 Stinger vereint sein könnten, um dem Jubelverein und seinen Freunden, die das seltene Fest besuchen werden, im edten: Männergesangwettstreit ganz besonderes zu bieten. Der feiernde Verein wird das große Chorwerk:„Frühlings Emnlehr“ darbieten. Ein Gartentonzert der Kapelle Mohr, unter persönlicher Leitung des Dirigenten soll bei günftigem Wetter im Freien die Gäste erfreuen. Ein Festball wird folgen. Da ein Eintittsgeld von nur 5 Mlim Vorvertauf erhoben Mitarbeit auf allen Gebieten zu erfreuen. Es wird alles beachtet und irgendwie verarbeitet. * G t e r ü c h t e ü b e r e i n e E r m o r d u n g H i n d e n burgs wollen kein Ende nehmen. Sie sind erlogen und ihre Tendenz ist leicht zu erraten. Es gibt leider Kreise, die zu solchen Mittelchen der össentlichen Irreführung greisen, um sie zur Unrubestiftung auszunüten. Man sei überhaupt in diesen erregten Tagen vor allen Gerüchten auf der Hut und stelle möglichst die Verbreiter derselben fest. Schlechte Aussichten für die Honigernte. Infolge der vielen Ost- und Nordwinde haben die Bienen in diesem Jahre wenig Honig finden können, dagegen viel Brut erzengt. Die Imter haben also viel Schwarmvienen, bisher aber noch keinen Honig gewonnen. Lungenfürsorge. Im Monat Juli fallen die Sprechstunden der Lungenfürsorge in den Geminden Schwerte, Barop, Westhofen, Holzwickede Eine Entschließung der deutschen volkspartei. Am Sonntag tagte in Berlin der Reich ausschuß der Deutschen Volkspartei. der nach einem Referat Stresemanns einstimmig eine Entschließung annahm, in der gegen die Ver giftung unseres öfrentlichen Lebens durch Mordprganisationen Protest erhoben und die Ueberzeugung ausgesprochen wird, daß der Wiederaufbau Deutschlands nur auf dem Boden der republikanischen Verfassung möglich sei. Die Entschließung erklärt sich mit dem Gesetz zum Schutze der Republik einverstanden, wenn ihm der Charakter eines einseitigen Ausnahmegesetzes genommen wird. Weiter wird die##ied##tanichtung der Staatsautorität gegen die Herrschaft der Straße gesordert und gegen die Ausschreitungen bei den Demoustranten ewie gegen jede Schmähung der Vergangenheit Einspruch erhoben. Die Reichsflagge sei gegen Verächtlichmachung und Beschimpfung zu sAutzen, enso aber die schwarz=weiß=roten Farben als Symbol der nach harten geschichtlichen Kämpfen errungenen deutschen Einheit. Zum Schluß wendet sich die Erklärung ungeachtet der von der Partei unterhaltenen guten Beziehungen zu den Deutschnationalen auch gegen jede Verhetzung durch rechtsradikale Elemente. Eine Kundgebung der sozieldemokratischen Reichstagsfraktion. Die sozialdemokratische Reichstagsfrattion beschäftigte sich am Montag nachmittag eingehend mit der gegenwärtigen politischen Lage. Nach einem Referat des Genossen Hermann Müller und einer kürzeren Debatte wurde folgender Beschluß angenommen: „Die sozialdemotratische Reichstagsfrattion erklitt, daß die zum Sehnne der Republik zu beschließenden Gesetze nur von einer entschieddn republikanischen Regierung durchgeführt werden können. Die Deutsche Voltspartei hat bis in die letzte Zeit in ihrer Betämpfung einer Reibe wichtiger Regierungsvorlagen die notwendige Rücksicht auf die Interessen des Staates und die Bedürfnisse der breiten Volksmassen vermissen lassen. Sie hat noch nach der Ermordung Nathenaus die Vorlage über die Getreideumlage abgelehnt. Unter diesen Umständen wird die Einbeziehung der Deutschen Volksvartei in die Regierungsloalition bei den breite sten republitanischen Massen das Vertrauen in die Absichten der Regierung, die Gesetze zum Stutze der Republif energisch durchzuführen, aufs tiefste erschüttern. Für die sozialdemoErinnerungen. 1536 Der Humanist Erasmus von Rotterdam gest. 1789 Beginn der franz. Revolution. 1871 Der Dichter Fritz Reuter gest. 1901 Erster Aufstieg. Santo Dumonts mit seinem lentbaren Luftschiff. Die Erhöhung der Postgebuhren vom 1. Juli ab eriorbert die Herstellung weiterer neuer Postwertzeichen und Barfreimachungsstempel. Die Postverwaltung hat die hauptsächlich benötigten neuen Markenwerte verstellen lassen. Es wird aber nicht möglich sein, alle Postanstalten in der turzen verfügbaren Zeit damit zu beliefern, so daß z. T. noch die vorhandenen Postwertzeichen abgegeben werden müssen. ** Als Erholungsheim für minderbemittelte Lehrerinnen in den Sommer= und Herbstferien wird in diesem Jahre wieder die Quarantäneanstalt bei Emden benutzt. Im Falle einer etwa not wendig werdenden Belegung der Anstalt mit Kranten müssen allerdings die Lehrerinnen ihren Aufenthalt ohne Anspruch auf Entschädigung unverzüg lich abbrechen. Sie bleiven auch für selbstverschuldete Beschädigungen an den Einrichtungsgegenständen der Anstalt haftbar. Bettlaten, Deckund Kopfkissenbezüge sind mitzubringen. Irgendwelche Verpflegung wird nicht gewährt. Mittagessen liefert das nahe Seemannsheim für 20—27 Mark. Morgen= und Abendbrot halten die Lehrerinnen sich am besten selbst. ** Abzüge der Einkommensteuer. Im vorläu sigen Reichswirtschaftsrat wurde ein Antrag des Finanzpolitischen Ausschusses auf Aenderung des Cinkommensteuergesetzes einstimmig angenommen. wunach entsprechend dem gesuntenen Geldwert der abzugsfähige Betrag von 3000 auf 6000 Mark erhöht wird. Spareinlagen und die unter Sperrung der Rückzahlung aus den Todes= und Erlebensfällen eingezahlten Beträge, soweit sie 6000Mk. jährlich nicht übersteigen bleiben steuerfrei. ** Die Ruhrbrücke bei Langschede ist im Jahre i91 von den Kreisen Iserlohn und Hamm angetauft und der Provinz übereignet worden. Diese hat an Stelle der alten eine neue Brücke erbauen lassen. Den beiden Kreisen ist das Recht der Erhebung des Brückengeldes auf 15 Jahre nach Inbetriebnahme der neuen Brücke verblieben. Der Brückengeldtarif ist ernent vom Kreisausschuß sestgesetzt und liegt dem Regierungspräsidenten zur Genehmigung vor. Nach Genehmigung hat der Pächter 10000 Mt. an Pacht zu entrichten. Die Hälfte dieser Summe ist an den Kreis Iserlohn abzuführen und erscheint in lfd. Nr. 1 des Etats in der Ausgabe. Metallsiegelverschluß bei Postpateten. Als Verschlußmittel für Wertpatete von mehr als 500 2000 Mark werden seit 1. Juli neven den bisber vorgeschriebenen Lacksiegeln auch Bleisi wird, so wird der„Freischütz" wohl am Sonntag einen Massenbesuch sehen, wie selten. Das dürfte die Jubiläumsfrende si.verlich erhöhen, besonders da auch Herr Bürgermeister Rohrmann die estliche Ansprache dem feiernden Verein zugesagt hat. Für die Chrenmitglieder und die aktiven und unterstützenden Mitglieder findet bereits am Sonnabend abend, 15. Juli, im Vereinslokal bei lto Sprave, Hörderstraße, ein Ehren= und FestKommers statt. Sonntag nachm. 3 Uhr vom gleichen Lokale aus ein Festzug zum„Freischütz". Der Männergesangverein„Liedertafel“ ist einer der ältesten hiesigen Männergesangvereine. 40 altive Sänger, 110 passive Mitglieder und bereits 10 Ehrenmitglieder gehören ihm an. Ueber 30 Jahre lang hatte Herr Vorrmann die Leitung des Vereins inne, bis ihn sein hohes=Alter zwang, diese aufzugeben und ein würdiger Ersatz in dem begabten jetzigen Leiter gesunden war, der ja schon beste Proben seines Könnens ablegen konnte. Der Verein hat seine Kräfte gern und willig auch des österen schon in den Dienst der allgemeinen Wohltätigkeit zu stellen vermocht, besonders auch während der schweren Kriegs= und Nachkriegsjahre. Das sei dankbar anerkannt. So möchten wir der Sängerschar„Liedertafel" zu ihrem Jubiläumskonzirt besten Erfolg wünschen, guten Besuch und lraftvolle Stärkung zum freudigen Weiterwirten. ** Der Intendant des Dortmunder Stadttheater: Dr. Anurall wurde in 9; uberg zum Leiter des dortigen Stadttheaters gewählt. Die Frage seines Wegganges von Deetmunt is damit ent schieden. ** Ein erfreuliches Zeichen dafür, wie genau unsere Zeitung gelesen und ihr Inhalt besprochen und beachtet wird, sind die in letzter Zeit sich häufenden Zuschriften aus dem Leserkreis und die sich deutlich bemerkbarmachende Freudigkeit zur Mitarbeit seitens der Leser. Im ner wieder werden uns zum Teil recht wertvolle Artikel übersandt, die sogar über den Rahmen des„lokalen" Teils hinausgleifen in die öffentliche Politik hinein. Auch Zeitungsausschnitte werden uns übersandt, in denen Wertvolles angestrichen ist. Wir sind allen Einsendern herzlich dantbar für diese Dienste. Leider können wir aber manche Artitel nicht verwerten, weil der freundliche Einsender oder die Einsenderin Namen und Anschrift nicht genannt haben. Obn. Quellenangaben dürfen u. wollen wir auch nichts zum Abdruck bringen. Wir danken also allen denen, die uns so gern mithelfen, allseitig auf dem Laufenden zu sein, bitten aber siets um Namonsnennung des Einsenders und um genaue Postanschrift,##was beides natürlich Re dattionsgeheimnis bleibt) und bei Zeitungsausschnitten außerdem um genaue Quellenangabe mit Nummer oder Datum der betreffenden Zei tung. Wenn wir auch nicht alles und manches nicht sofort verwenden tönnen, so bitten wir doch, I1 nicht müde zu werden und uns durch weitere rege aus. Die Dienstagnachmittagssprechstunde im reishaus zu Hölde wird auch im Juli fortgeführt. Personen aus den genannten Gemeinden können sich daher in dieser Sprechstunde einfinden. ** Zum Raubmord Fleck. Wie wir erfahren, ist der in der Raubmordangelegenheit Fleck verhaftete Kompagnon Albrecht, da er als Mittäter bezw. Mitwisser an dem schweren Verbrechen nicht in Frage kommen soll, wieder aus der Haft entlassen worden. Er konnte sein Alibi an dem Mordabend— von seiner Verabschiedung von Fleck bis zu seiner Festnahme— ziemlich lückenlos nachweisen. den Provinzen. I#serlohn, 11. Juli. Ihre Aussteuer zusammenzustehlen hatte die Dienstmagd L. Sch. aus Bochum geplant. Zu diesem Zweck vermietete sie sich am 15. Mai v. J. bei einem verwitweten Bahnangestellten als Haushälterin. Am 28. September bereits machte sie sich davon und nahm in einer Pappschachtel verpackt zwei Bettücher, ein Tischtuch, eine Serviette und ein Paar Damenstrümpfe etc. mit. Die Angetlagte, die schon wegen Betruges und zweimal wegen Diebstahls vorbestraft ist, wurde wegen Rückfalldiebstahls zu vier Monaten Gesängnis verurteilt. Bönen, 11. Juli. Treue um Treue. Am 17. Juni waren zehn Jahre verflossen, seit Elisabeth Kroll bei dem Landwirt Heinrich Bkandt in Weetfeld in Dienst trat. Aus diesem Anlaß veranstaltete dieser eine Familienfeier, zu der auch die Angebörigen der Gefeierten geladen waren. Als Anerkennung wurde ihr die von der Frauenhilfe gestiftete Treubrosche für zehnjährige Dienstzeit überreicht mit Gesang und Ansprache, sind unzertrennlich. Was nütst ein' Rad, wenn die Bercilung nichts taugt?— Beste Qualität und ständig verbesserte Vierstellungsart schufen dem Galkizierviall. Roman von Reinhold Ortmann. (Nachdruck verboten.) „Nichts hat er mir bewiesen, denn in Ihrem Briefe ist zon nichts anderem die Rede als von dem Porträt, dessen Vollendung Sie auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben wissen vollen. Was aber liegt mir an dem Porträt? Die Verwirrung und Aufregung, in die Sie mich durch Ihren Entschluß gestürzt haben, ist für Sie offenbar ohne alle Bedeutung. „Aber ich verstehe Sie nicht, verehrter Freund! Sie haben mich doch hoffentlich nicht mißverstanden, indem Sie fürchten, daß ich Sie bei Ihrem heutigen Feste im Stiche lassen könnte? Danon ist selbstverständlich nicht die Rede, denn ich weiß wohl, daß es Ihnen schwerfallen würde, jetzt, im allerletzten Augenblick, einen Ersatz für mich zu finden. Ich werde Ihre Kleopatra sein, wie ich es versprochen habe. Bis zum Abgange des Nord=Süd=Expreß bleibt mir ja noch Zeit genug, mich umzukleiden und meine letzten Reisevorbereitungen zu treffen.“ „Es gefällt Ihnen, sich über mich lustig zu machen. Und ich muß es wohl hinnehmen. Denn am Ende habe ich ja kein Recht, Rücksichten zu verlangen. Aber wissen Sie auch, daß ich große Lust hätte, unter diesen Umnständen meinerseits die Beteiligung an dem Feste abzusagen? Ein Trauerfall in der Familie meiner Frau würde mir ausreichenden Vorwand dazu geben. Und ein anderer Antonius wird jedenfalls leichter zu finden sein als eine andere Kleopatra.“ Die Gräsin gab sich den Anschein, seine Worte als ernsthaft gemeint zu nehmen, und setzte eine allerliebste Schmollmiene auf. „Das ist eine Ungezogenheit, die ich Ihnen wahrhaftig nicht zugetraut hätte. Sie können sich doch denken, daß ich mich keinesfalls dazu hergeben werde, die Partnerin irgend. eines wildfremden Menschen zu machen. Und ich hatte mich auf den heutigen Abend ehrlich gefreut.“ Er zuckte die Achseln und trat, ihr den Rücken kehrend, an eines der Fenster. Eine kleine Weile onied es nin, dann war sie plötzlich neben ihm und legte schmeichelnd die Hand auf seinen Arm. „Sie werden mir das nicht antun— nicht wahr? An diesem Morgen erst habe ich für eine leichtsinnig hohe Summe die wundervolle Nachahmung eines alten ägyptischen Schmuckes gelauft, für den ich am heutigen Abend auf ein Kompliment von Ihnen hoffte. Wollen Sie, daß ich ihn Ihnen zeige?“ Auch wenn sein Vorsatz ein aufrichtiger gewesen wäre, würde er wahrscheinlich nicht die Kraft gehabt haben, der betörenden Süßigkeit ihrer Stimme zu widerstehen. Zwar vermied er noch immer, sie anzusehen, aber nach einem kleinen Zögern sagte er doch mit gepreßter Stimme: „Ich bitte darum, Frau Gräfin!" „So entschuldigen Sie mich für eine kleine Weile. Wenn Sie die Wirkung des Schmuckes recht beurteilen sollen, müssen Sie ihn doch wohl in angemessener Aufmachung sehen.“ Hubert verstand nicht, wie das gemeint sein konnte; aber sie ließ ihm nicht Zeit, eine Frage an sie zu richten. Er hörte das Seidenrauschen ihres Gewandes und das Zufallen einer Tür. Als er sich umwandte, war er allein. Die Stirn an die kalte Scheibe pressend, wartete er pochenden Herzens ihrer Wiederkehr. In dem Innern Huberts regte sich's wie ein Kampf mit seinem besseren Selbst. Er dachte daran, daß er noch am heutigen Morgen fest entschlossen gewesen war, diesem gefährlichen Roman einen kurzen und endgültigen Abschluß zu geben; er erinnerte sich des furchtbaren Schreckens, der ihn durchzuckt hatte, als er sich bei der Heimkehr von seinem Weibe verlassen geglaubt, und des Unwillens, den er in jenen Augenblicken gegen sich selbst empfunden. Wo waren nun alle die guten Gedanken und Vorsätze dieser bösen Minuten geblieven? Befand er sich denn wirklich schon so ganz im Bann der verführerischen Frau, daß die Vorstellung, s#: zu verlieren, hingereicht hatte, einen Sturm leidenschaftlichsten Schmerzes in seiner Seele aufzuwühlen? Und daß er jetzt, in ihrer berückenden Nähe, nur durch den trotzigen Unmut über ihr herzloses Spiel abgehalten worden war, sie wild und ungestüm in seine Arme zu reißen?. 4 Wohl glaubte Hubert sich durch diesen Unmn gepanzert; aber er war dessen schon nicht mehr annz gewesen, als er eben die dleichte Berührung ihrer heien### tenden Gestalt verspürt, als er dem süßen Sirenentlang# schmeichelnden Stimme gelauscht hatte. Und es war, i## ob ein unsichtbarer Warner iym zuflüsterte, nicht auf guRückkehr des schönen Weibes zu warten, sondern ihrer##e###rdrohenden Gegenwart zu entsliehen, ehe es zu spät geworden war. Aber er hätte ein anderer sein müssen als der eisenküpfige Bauernsohn, um diesem Warner Gehör zu schenken. Und es war zudem kein glückliches Ungefähr gewesen, das den Konsul Cäsar Frederiksen gerade heute wieder in seinen Weg geführt hatte. Er hatte diesen Mann gewiß niemals geliebt, aber er hatte doch noch nie eine so tiefe, an wirklichen Haß grenzende Abneigung gegen ihn empfunden wie heute. Mit nagendem Ingrimm nur konnte er daran denken, daß dieser undurchdringliche Hamburger, hinter dessen Stirn man niemals etwas von seinen Gedanken lesen konnte, jetzt bei seinem Weibe saß, um vielleicht traute Jugenderinnerungen mit ihr auszutauschen. Er sagte sich nicht, daß Helga einem Alleinsein mit ihrem Vetter sichtbar geflissentlich hatte vorbeugen wollen, daß er selber es gewesen war, der ihnen durch sein Fortstürzen dies Alleinsein aufgezwungen hatte. Er vergegenwärtigte sich nur noch die Situation so, wie es ihm eben gefiel, sie sich vorzustellen. Und wenn es auch ganz gewiß nicht Eifersucht im gewöhnlichen Sinne des Wortes war, was er dabei empfand, so war die Vorstellung doch hinreichend, ihm den Gedanken einer feigen Flucht aus dem Hause der Gräfin im Lichte einer ungeheuren Lächerlichkeit erscheinen zu lassen. Was seiner Frau erlaubt war, würde doch wohl auch er sich gestatten dürfen. Und am Ende hatte er für ihre Standhaftigkeit keine besseren Garantien, als er sie für sein eigenes Verhalten während der nächsten Viertelstunde in sich fühlte. Sollte er nur darum seit seinen Jünglingsjahren aller Spießbürgerei den Krieg bis aufs Messer erklärt haben, um sich in der ersten bedenklichen Situation selbst wie ein sämmerlich seiger Spießbürger zu benehmen? (Fortsetzung folnt.) Uto der Dienstherr fügte noch ein Sparbuch mit einer namhaften Einlage bei. Spest, 11. Juli. Salat für 20 Pfennige. Auf dem Wochenmartkte wurde frisches Gemüse in reichlichen Mengen angeboten. Salat war so stark vertreten, daß der Kopf zum Schluß, nachdem erst für denselben 60 Pfg. gefordert waren, für 20 Pfennige verkauft wurde. Auch große Bohnen die gut geraten sind, waren in größeren Mengen käuflich, das Pfund kostete 6 bis 7 MA. Für ein Pid. Erbsen wurden 10 A bezahlt, Wurzeln 6 MA. Fri sche Kartoffeln kosteten 8 M. Kirschen 12 M. Him beeren 16 20 M und Johannisveeren 12 4N. Padervorn, 11. Juli. Zigeunerweider im Krieg. Zu wüsten Auftritten tam es auf dem Konvittsplatze, wo eine Zigenner=Schausteller truppe ihren Wagenpar) aufgestellt hatte. Zwischen den heißblütigen schwarzen Weibern der Pußta war ein heftiger Streit entbrannt, der sich anscheinend um ein Kind drehte und nach erregten Auseinandersetzungen schließlich in Tätlichteiten ausartete. Eine schallende Backpfeise, die ein Weib seiner Rivalin verapfolgte, war das Signal zum allgemeinen Angriff. Wie die Hyänen fielen sie übereinander her, rissen sich die Haare vom Kopfe oder krallten sich darin trampfhaft fest, tratzten sich das Gesicht blutig und zersetzten einander die Kleider. Die Männer hatten sich bis dahin im Hintergrund Gehalten, griffen aber tat kräftig ein, als der Streit einen immer bedro licher werdenden Charakter annahm. Mit Gewalt mußten sie die Weiber voneinander trennen. Die widerlichen Szenen setzten sich durch die Meinwerk straße bis in die Heiersstraße fort. Bochum, 11. Juli. Umfangreiche Stück gutdiebstähle auf dem hiesigen Hauptbahn hof. Bei mehreren Güterbodenarbeitern und Fuhrleuten wurden bei den Durchsuchungen große Mengen Zigarren, Zigaretten, Kaffec, Zucker, Stoffe und dergleichen gefunden; zum Abtransport mußte ein Auto genommen werden. In einer anderen Wohnung wurde eine vollständige Schlaf zimmer Einrichtung, die im vorigen Jahr vom Bahnhof verschwunden war, gesunden. Die Dieb stähle sind seit vorigem Jahre bis in die letzte Zeit verübt worden. Der Wert der gestohlenen Gegen stände beziffert sich auf viele 100000 Mark. Mehrere Personen wurden verhaftet, weitere Verhaf tungen stehen bevor. Einer der verhafteten Bahn arbeiter ist Leiter des Betriebsrats. (essen, 11. Juli. Ein Todesurteil. Das Shwurgericht hat nach mehrtägiger Verhandlung den des Lustmordes angellagten Kraftwagenführer Burthard zum Tode verurteilt. (essen, 11. Juli. Ein Förster überraschle auf dem Gelände zwischen Norbert= und Lühr mannstraße den Schneider Dahmen und dessen 22= jährigen Sohn beim Wildern. Sie ergriffen zunächst die Flucht, wurden aber eingeholt und ver Lebensmüde. Täglich nehm' ich meine Zeitung zur Hand und täglich les' ich die turze Notiz unter dieser Ueber schrift. Levensmüde. Welke Bläter, die der Herbstwind vom Baume reißt! Und sie mehren sich, diese Notizen. Immer mehr werden es, die freiwillig aus dem Leben scheiden. Die Zeit ist wahrlich danach, einen Rechtschaff nen müde zu machen. Lebensüberdrüssige sind es. Solche, die da meinen, nicht mehr leben zu können. Wir wollen nicht den Stab über diese zu sammengebrochenen Wanderer, denen die Kräfte ausgingen, brechen. Opfer der Nachtriegszeit sind es vielfach. Bald ist es ein Familienvater, der seine Kinder nicht dem Elende preisgeben will. Bald ist es ein Beamter, der keine Aussicht mehr auf Anerlennung seiner Leistung hat. Bald ein ehemaliger Offizier, der sich in die neuen Verhältnisse nicht hineinfinden kann. Bald ein Rentner, dem die Zinsen nicht mehr ausreichen, das Leben zu fristen. Bald auch ein Kriegskrüppel, der sein elendes Dasein satt hat. Bald ein gramgebrochenes Mutterherz, das zu seinen gefallenen Söhnen sich sehnt. Bald ein ehrlicher Handwerker, den die Schieber ruiniert haben. Genug, der Opfer sind viele. Eine Müdigkeit ist hereingebrochen, es gilt stark bleiben. Mehr als je gilt es, für das Vaterland zu leben! Auf, ihr müden Wanderer an der Heerstraße des Levens! Die Hände einander reichen, dann wird's schon gehen Der wunden Füße nicht geachtet! Diesen letzten Berg noch, dann sind wir zu Hause. suchten dem Förster sein Gewehr zu entreißen. Auch gab der jüngere Täter einen Schuß auf den Körster ab, der aber fehl ging, worauf er von ei nem Schuß des Försters im Gesicht verletzt wurde. Der ältere Täter ergriff die Flucht, wurde aber bald festgenommen. Recklinghausen, 8. Juli. Ranvüberfall. Drei Burschen, die sich ihre Gesichter geschwärzt hatten, drangen spätabends in die Wirtschaft von Johann Schmies ein, die einsam an der Landstraße Marl=Dorsten liegt, bedrohten die alten Wirtsleute und das Diensmädchen mit Tdtschlagen, sperrten sie in den Keller ein und raubten dann alle möglichen Gegenstände, Schuhe, Klei dungsstücke, Levensmittel und bares Geld. Die Räuver sind unerlannt entkomien. Die drei Per sonen mußten die ganze Nacht im Keller zu Pringen. Solingen, s. Juli. Ein netter Zahn arzt. Wegen Betrugs hatte sich der Zahnar#t Dr. Müller von hier zu verantworten. Nachdem Müller, in der Zahnklinit der Ortstrankentasse be schäftigt, wegen Unredlichteiten entlassen worden war, machte er sich selbständig, nahm zahlreiche Aufträge gegen Vorausbezahlung entgegen, führt über die Arbeiten nicht aus. Schon wegen Betrugs vorbestraft, wurde er jetzt zu einem Jahre und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Oberhausen, 11. Juli. Grausige Stra zenbahnszene. Auf der Straßenbahn verunglückte die Straßenbahnschaffnerin Frau Esch. die es doch eigentlich wissen mußte, wie gefährlich das Aufspringen ist. Gegen halb 7 Uhr abends rangierte in der Weiche vor der Post ein aus einem Motor= und Anhängewagen bestehender Straßenbahnzug um, während dem die Schaffnerin die ihre letzte Tour hatte, mit ihrem Manne, der sir abholen wollte, auf einer Bank saß. Sie sprang erst auf den Wagen, als dieser bereits in Bewegung war, kam unglücklicherweise zu Fall, blieb mit den Kleidern am Trittbrett hängen, wurde heruntergerissen, kam vor die Räder des Anhängewagens, wurde überfahren und tödlich verletzt. Der Wagen mußte gehoben werden, um die Unglückliche hervorziehen zu können. Der eigene Ehemann zog seine Frau hervor, die zu nächst besinnungslos war, kurz danach aber starb. Oberhausen. 11. Juli. Infolge der mas senhaften Abtehr der Bergleute von den Zechenbetrieben entsteht eine bedeutende Ver minderung der Förderung. Hier fördert eine Kse zeche infolge der verminderten Belegschaft 700 Wagen Kohlen weniger. Oberhausen, 10. Juli. Mutter mit Kind gemeinsam in den Tod. Am Rhein=Hern kanal stürzte sich abends eine etwa 30 Jahre alte Frau mit einem kleinen, etwa einem Fahre alten Mädchen in den Kanal. Die Frau konnte zwar noch lebend gevorgen und ins Josefstrantenbaus gebracht werden, ist aber bald danach gestorven. Anscheinend hatte sie vorher Gift genommen. Das kleine Mädchen konnte nur als Leiche gevorgen werden. Die Persönlichteiten sind nicht bekannt. Die Frau trug einen mit den Zeichen W. J. 12. 20. versehenen Trauring. Biebrich, 11. Juli. Brudermord. I.n Verlauf einer Erbauseinandersetzung wurde vier der Küster Heinrich Kohl von seinem Bruder, einem minderwertigen, übelbeleumundeten Men schen, mit einem Schlächtermesser erstochen. Der Täter, der sich nach der Tat mit zunischer Roheit benahm, wäre von der erregten Menge gelyncht worden, wenn er nicht von der Polizei geschützt worden wäre. gibt wenige gute Lustspielsilme. Hier ist noch ein Gebiet, für Dichter und Darsteller der Vervolltemmnung wert. Vielleicht bekommen wir in Schwerte auch da einmal etwas Ersttlassiges zu sehen. Gesundes Lachen macht die Brust frei. Das Publikum folgte gestern mit ernster Spannung den guten Darbietungen, Flegeleien blieben aus. Manche besonders ernste Stellen(WahnsinnsausMahnse wurden von oberflächlichen Zuschauern törichterweise mit Lachen quittiert. Das konnte wegfallen, kann aver nicht als Flegelei, sondern nur als Mangel an Selbstbeherrschung bezeichnet werden. Daß der Fußboden nach Schluß an manchen Plätzen mit Kirschternen übersät war, ist nicht ge##rade ein Zeugnis von feinen Manieren, sondern gefahrbringender Untug, der auch bei starkem Besuch vermieden werden tönnte, wie er dem gestrigen Programm entsprechend zu verzeichnen war. Es wird auch heute wieder voll sein. Schwerter Filmtrill. NV KINDERAENT 35 enthält belte Alpenrmilch Unsere Kritik kann turz sein, denn die Direttion der Reichskrone hatte im allgemeinen Glück bei der Zusammenstellung des Spielplans bis Donnerstag. Der Dr. Mabuse=Film zeigt in seinem zweiten Teil, der jetzt in 6 Akten vorgeführt wird, der Entwirrung der Szenen des ersten Teils span nend und lebhaft. Einige Vorgänge wirken zwar Urutal Selbstmord Graf Toldts, Erstürmung des Hauses etc.), das Ende des Films nicht voll zu friedenstellend(Dr. Mavuse bricht, irre geworden, völlig zusammen.) Aber die große Vortragsszene Sander Weltmann mit der Darstellung hypnotischer Kräfte ist eine erstklassige Filmleistung. Ebenso der Autosturz in den Steinbruch. Die sum natbische Figur des Staatsanwalts Went zeigt ausgezeichnete Mimit. Technisch und photogra pbhisch ist auch Gutes geleistet.(z. B. Nachtauf. nahmen) Ebenso ist der Film: Galaor, der Held aus dem Volke ein guter„Film, wenn auch das Romanhafte starl in den Vordergrund tritt und mancherlei Unwahrscheinlichteiten nicht aus bleiben. Ein Justizmord ist der Mittelpuntt der Hand lung dieses ersten Teiles, umzogen mit Liedes spiel. Schicksalstücke und Bosheit der Intelligen Die Szenen am Wasser wirken landschaftlich schön, die Darstellungskunft be der Hinrichtungsszene schauspielerisch gut. Der Film ist zu empfehlen. Die sogenannte Lustspiel=Einlage, eine un glaubhafte Erbschaftsgeschichte, ist nur mäßig. Es Lehle Brühimeituup! Spreugmunition im Reisekoffer. TU. Halle, 12. Juli. Auf dem Bahnhof Stendal wurde ein Reisekosser beschlagnahmt, der unter Moos und Tannenzweigen zwei Zentner Sprengmunition enthielt. Es gelang, den Besitzer des Koffers, einen Maler aus München, festzunehmen. Auf der Station Nolzen wurde dann noch ein weiterer Korb mit 2½ Zentner Sprengmunition beschlagnahmt. Schwerer Einbruch in ein Antiquariat. TU. Dresden, 12. Juli. In der letzten Nacht drangen noh nicht ermitttelte Diebe in den am Karolinenplatz befindlichen Antiquitäten= sälen von Karl Bachstitz ein. Der Besitzer besindet sich vorübergehend in Holland, Die Diebe stahlen seltene Antiquitäten, mittelalterliche Goldschmuckarbeiten, Augsburger Krüge und wertvolle Oelgemälde im Werte von fünf Millionen Vor.„ Ein Minendepot in die Taftate logen. Hamburg, 11. Juli. Heute nachmittag 3 Uhr ereignete sich ini Minendepot Groden bei Kurhaven eine gewaltige Erplosion. Bei der ersten Erplosion flogen mehrere Schuppen und Derots in die Luft. In Kurhaven selbst wurde eine Anzahl Fensterscheiben durch die Gewalt der Tctonation eingedrückt. Technische Nothilfe, Feuer wehren und Fuhrwerte wurden sofort zur Hilfeleistung aufgeboten, da der Bahndamm bei Groden gleichfalls beschädigt wurde und auch der Zugvertehr ins Stocken geraten war. Der ersten Explosion im Minendepot folgte eine Reihe schwerer Octonationen. Die Zahl der Toten ist gering, die der Verwundeten wird auf 100 geschätzt. Zur Zeit des Unglücks waren ungefähr 200 Arpeiter im Depot anwesend. Sekt und Likör. Ich trat in einen Buchladen. Die im Schaufenster ausgelegten Bücher von Keller, Storm. Goethe und einige andere unsrer Besten hatten mich angelockt, wie die Rosen und #ulpen die Biene heranrufen, ihren Honig zu saugen. „Ja, ich führe nur gute Sachen", erklärte mir der Buchhändler, mir wohlfeile, für die Reise geeignete Schriftwerke vorlegend,„Schundware wird nicht geführt!" Ein schwaches Bändlein, lauterstes Gold enthaltend, lockte mich und rief: Nimm mich mit! Storms Gedichte. „Aber das Geschäft geht nicht mehr", fuhr er fort, mehr zu sich selbst sprechend. „Niemand hat mehr Geld für ein gutes Buch! Die, welche danach Verlangen tragen, die Geist lichen, Beamten, Lehrer, Schüler, müssen sich den Genuß guter Lektüre versagen. Sie alle müssen mit jedem Pfennige rechnen, den des Leides Not durft erheischt!" Ich zahlte, der Buchhändler begleitete mich vor die Tür seines Ladens. „Sehen Sie da drüben die große Fabrikanlage „Ja! Die große Sett= und Champagner Kellerei?“ „Ganz recht! Und dahinter die andere, die weltberühmte Likörfabrik! „Was ist damit?" „Solche Ware wird in Unsummen umgesetzt! Die drüben haben noch nie solche fabelhafte Geschäfte wie jetzt gemacht! Die Attiengesellschaften erzielen täglich Milli onengewinne. Unglaaubliche Gewinnanteile, oft über 10 Prozent, erhalten die glücklichen Besiver solcher Aktien Es ist geradezu erschrecklich, welche Meere von Weinen und Likören von den neuen Reichen, den Empörkömmlingen, den Kriegs= und Revolutions gewinnlern getrunken werden. Wissen Sie, wie hoch der Ertrag der Sekt= und Weinsteuer ist? Ich schwieg.— Drüben dampften die Stlote. „Leute wie unsereiner stehen vor dem Bank rott!“ Ja, ja, der Proletarier werden immer mehr. Die trinfen, wir darben. Wie lange noch? Mir wurde schwül zumute mit meinen Storm schen Gedichten machte ich, daß ich aus dem Weich bilde der Stadt hinaustam. Am Waldrande sank ich ins Gras und ließ mir von Theodor Strom den grauen Herbsttag ver golden, ja vergolden! enthält etwa 80 solcher politischer Kurz=Skizzen aus nasren Tagen nach dem Motto: „Ich nahm den Stab. zu wandern; Durch Deutschland ging die Fahrt!" Ludwig Uhland. Die obigen Kostproben sagen mehr, als eine Z'ücherbesprechung, wie Buschmann's„Wanderer" wert ist, getauft und gelesen zu werden Heimatiand. Ein Sauerländer Wanderbuch von Franz Predef Mit zwanzig Federzeichnungen von Josef Schwermer. Schön gebunden 50. Mt., zuzüglich 10 Jruerungszuschlag. Verlag von J. Stahl, Arns berg i. W. Ein Wanderbuch! Mit Künstlerangen die alle Schönheit trinten, und mit Herzen, die alle Regungen der Natur aufs innigste mitfühlen, haben Verfasser und Illustrator dieses Buches von Arnsberg aus das obere Ruhrtal dur hwandert. Was sie innerlich erlebt, findet in der feinen Sprache Predeeks und in den stimmungsvollen Zederzeichnungen Schwermers einen Ausdruck, der jedes heimatfrohe Herz ergreifen und über den All tag heben wird. Mutter Pinne. was es Neues gabe, und, was er sonst noch alles wisse. Mutter Pine stand allein in dem großen Betriebe, der jedoch von der energischen und umsichtigen Frau musterhaft geführt wurde.„Die fegte üverall herum" erzählt Kochs alter Kutscher aus Vigge, der häufig Fuhren für Mutter Pine machen mußte. Sechzig bis hundert Gedecke zu Mittag waren keine Seltenheit. Außeer dem Wirtschaftsletriebe hatte Mutter Pine früher, auch noch die Post und einen großen, zwölspferdigen Fuhrpark leiten. Von hier aus ging die Post nach Boedefeld. Ungezählte Touristen wurden nach gutem Mahle mit dem Kutschwagen zum Nachmittagseusflug zu den Bruchhauser Steinen, nach Wassersall oder zum Astenbergturm befördert. Es müssen remantisch schöne Zeiten gewesen sein! Heute hat die Bahn Postkutsche und Fuhrwerk meist überall verdrängt, auch im Sauerlande; und damit ist auch das poetische, beschauliche Kutschergewerbe von damels zum Aussterben verurteilt. Sehr zum Leidwesen meines alten Gewährmannes, der beim Glase Bier gern gesprächig wird. So verrät er mir euch, daß die Vigger Herren abends geene zur Mutter Pine nach Nuttlar herübergewandert seien und daß die tnge und vorausschauende Mutter Pine dann zu vorgerückter Stunde wegen der unlelheit und der Enge der Straße und vor allem wegen des weiten Weges von Nuttlar nach Vigge ihnen gern ihr Fuhrwerk zur Verfügung gestellt habe. Obige zwei Stücke sind entnommen dem neuen politischen Stizzenblock „Der Wanderer“ von Friv Buschmann. Preis 24.— Mt. aus dem Verlag Greiner& Pfeiffer in Stuttgart.(Zu haben bei Carl Braus, Schwerte). Dieses Buch Aus„Predeeks Heimatland“, ein Sauerländer Wanderbuch, Verlag J. Stahl in Arnsberg). Für den Heimatfreund und Wanderer, den Sommerfrischler und Reisenden, der je durch Rut lar kam, ist mit dem Namen des Ortes unauslösch lich auch der Name einer Frau verbunden. die man im Volksmunde nur turzweg„Mutter Pine“ nannte. Ihr gastlich Haus stand südlich des Bahn überganges auf der Landstraße nach Vigge. Ein steundliches, sauberes Häuschen, mit blitzblanfen heiben und Stuben, schiefergedeckt und schiefer bekleidet. Eine kleine, niedrige Terrasse lag vor dem Hause, mit Blumen und Stauden geschmückt Dies war das kleine, aber weit und breit gerühmte Königreich der Mutter Pine. Sie war eine stattliche Frau, mit freundlichen wohlwollenden Zügen, so wie eine richtige Wirt frau eben sein muß. Trat der durstige u. hungerige Wanderer ein, so konnte er eines herzlichen Em pfanges, eines guten Tropfens und eines guten Bissens gewiß sein. Mutter Pine begrüßte jeden Einkehrenden gleich freundlich, fragte der Gewohn heit nach einen jeden nach dem Woher und Wohin, Mutter Pine war als Sauerländer Original as ebenso bekannt in der wandernden und reisen den Welt, wie etwa Aenncyen von Godesberg, die alte Studentenliebe vom Rhein. Zu ihren Lebzeiten ist einst von lustigen Brüdern die Wette gemacht worden, daß eine Postlarte nur mit der Ausschrift:„Mutter Pine, Saherland“ ankommen hürde. Die Karte ist richtig übergekommen. Von einer löstlichen Schlagfertigseit überaus anspruchsvollen Reisenden gegenüver zeugt folgender Dialog zwischen Mutter Pine und dem Gast: Reisender:„Na. Mutter Pine, haben Sie Austern?“ Mutter Pinc:„Na, Herr, Austern nicht, aber Pingsten. Die gute Mutter Pine ist nun schon acht Jahre tot. Siepzigjährig, stard sie im Jahre 1913. Im Mai des Jahres 1920 brannte nachts der Gasthof auerland ab. Bei der Kunde von diesem Brande wird sich mancher Sauerlandsfahrer der Mutter Pine gern erinnert haben. Die, Teuerung im Zeitungswesen (Vergleich Juli 14und Juli 22) Papier 100 fach Aeslchchenen 50 fach farbe 60 fach Blei 66 fach Walzenmasse### 9lsach W AS M Verkaus. effreut ddts Ler. 0.60 M. 30.— M. 1 kg 0.40 M. 1 kg 24.— M. 1 kg 0.50 M. 1 kg 33.— M. 1 kg 3.— M. 1 kg 185.— M. 0.20 M. 20.— M. Die Steigerung der Abonnementspreise bleibt hinter der allgemeinen Verteuerung im täglichen Leben in jeder Weise zurück. In gar keinem Verhältnis steht sie zu dem sprunghaften Emporschnelen der Preise für die zur Herstellung der Zeitung benötigten Rohstoffe, von denen das Papier mi hundertfacher Verteuerung den Vogel abschießt. Unserere Bezieher erhalten monatlich etwa Popier gelisen, das wir selbst mit 30 Mark bezahlen müssn. Samslag, 15. Julid. J. Abends 6 Uhr werde ich für Herrn Heiur. Westhof] zu Rheinen ca. 15. Morgen guten Graswuch's in d. Wiese a. Hose, öffeutlich meistdietend, nummerweise geg. Barzahlung verkaufen. Jusammenk. a. Orl u. Stelle. lallhos. C. Briuckmann. Ordentliches * 1,5 Kg. Bekanntmachung. Wegen Prütung des Bücherdestandes ist die städtische Böckere ab 1. August ds. Ir. geschlossen. Die ausgellehenen Bücher sind dis zu diesem Tage zurückzugegen. Schwerte, den 8. Juli 1922. 3 27 Der Magistrat. im An die Herrn Oberbücgermeister, I. Bürgei meister und Landräte Verbandsgebiete des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk. Durch Erlaß des Herrn Ministers für Volkswohlfahrt vom 23. 3. 22. bleiben alle auf dem Gediete des Wohnungsmangels und des Mieterschutzes erlassenen Anordnungen und Maßnahmen dis zum 30. Juni ds. Irs. in Kraft Nach Zeilungsmeldungen sind die erwähnlen Verordnungen bis zum 30. September ds. Irs verlängert worden. Demzufolge verlängere ich hiermit die erteillen Ermächtigungen auf den erwähnten Gebielen bis zu diesem Termin mit der Maßgabe, daß diese Ermächtigung als nich! verlängert gellen. wenn die Ihnen zu Grunde liegenden Verordnungen tatsächlich nicht verlängerl sind. Essen, den 27. Juni 1922. 3018 Der Verbandspräsident des Siedlungsverdandes Ruhrkohlenbezirh. Fahrpreise ab 13. Juli 1922 Gras=Verkauf. [Freilag, den 14. ds. Mts., nachm. 3 Uhr wird der vorzügliche Graswuchs(Flößgras) von ungefähr 30 Morgen bei Theile's Fabrik, Chaussee Schweite—Ergste nummerweise, gegen sofortige Barzahlung zum Verkauf ausgesetzt Gräfl. von Fürstenberg'sche Renteiverwaltung. Dahlhausen. 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Forderungen an uns alsbald in unserer Geschältsstelle, Hüsingstr. 4, geliend zu machen. Spiegelglasscheiben-Verein eingetragene, Genossenschaft m. b. H. Schwerte(Ruhr) in Liquioalion. Logen Lippmann. Schwerte, den 6. Juli 922. Dietrich Büscher. ** welches mitl der Handel und Börse Dolkswirtschaft M Auf dem Schwerter Wochen=Markt war I Theute viel Betrieb und viel Lärm und KaufU RH]lust. Es gad auch allerlei frisches Grün So Salat für Mk. 0.50 und 1.— pro Kopf; ch fuhr vertraut istlund sich elwas im Versand, Zozedeln Bund Mi. 2.—; Möhren Mk. und Verkauf mit beschästigen möchle, 5.—, 6.— und 7.—; Große Bohnen Mk. u m 15. Juli gesucht. 7,.— und 8.—, Gurten Mb. 16, g.gu),.1 Sp; n 18. S Zumentcht Kof Mi. 20.-; Erden A4. Ansangsgehalt Mk. 1200,— monallich, 10.—; Kirschen Mk. 10.—, 16.— und 18.—; Osserlen unl. Nr. 30165 an d. Geschäftstd. 319. Slachelbeeren Mä. 10.—; Kartosseln Pfd. Mk. 10.—. Dazu Heringe zu Mk. 3,— das Stück und leuren Schellfisch für Mk. 15,— und 18,— pro Pfd. Wer tauschl eine 3—4 Zimmerwohnung„ Berliner Börsenkurse in Schwerte gegen eine solche in Unna?] vom 11. Juli 1922 Gesl. Offert. u. H. H. an d. Geschfilst. d. Ilg. milgeleill vom Barmer Bank=Verein, Schwerle Papier-und Papierwaren- Barmer Pank-Berein...223 Praßhanctng Deutsche Bank.............. 504 Tohnungtrauf ** 5 S 5 S 58 S9: 9 * E 1 2 3 4 5 6 5 9 56 Me. 4.— 5.— 6,— 7.— 8.— 8.— 9.— 25 * J55 * 58 8 5 Alle übrigen Bestiumungen bleiben bestehen. Hörde, den 11 Juli 1922. Hörder Kreisbahnen. „euunie erster Firmen Verkauf nur an Wied rverkäufer zu Fabri preisen 900000 600000000 P P : Tuchlager Westfäl. Verleidungs-Industrie: : f. Maßanfertigung f. herren- u. Damengarderoben: 6 6 82 —2 — 820 8 25 20 Grobnandlung Kernbruch& Co., G. m. b. H., Schwerte(Ruhr) Markts Sämtliche Papiere und Papienvaren für alle Geschäftszweige. 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Ein Gedanke, der ihm blitzartig burch den Kopf schoß, veranlaßte ihn, sich still zu verhalten und bis an die Wand zurückzutreten. Wenige Augenblicke darauf wurde die Tür behutsam geöffnet— der Conte Ernesto Migliacci schob sich durch den Spalt und hatte mit einem raschen, sicheren Griff Fräulein Mariannes Handtasche ersaßt. Gleich darauf freilich hielt ihn selbst eine feste Hand am Kragen, und eine sehr energische Stimme suchen Sie denn da, Verehrtester?“ Ernesto Migliacci hatte vor Schrecken die Tasche fallen lassen. Und in seiner Verwirrung stammelte er: „Pardon— ich— ich wußten nicht, daß Sie zu Haus sein. Es haben zu Tisch geläutet.“ Eine Viertelstunde darauf war der Graf seiner Titel und Würden entkleidet, und Fräulein Marianne hatte ihre Handtasche wieder. Sie kam jedoch am nächsten Tage noch nicht dazu, sie in Benutzung zu nehmen. Denn Doktor Herbert Burkhardt, ihr Verlobter, wollte sie nicht eher reisen lassen, als bis er seine Studien beendet hatte und sie persönlich in ihre ueue Heimat geleiten konnte. Und es tat der Freude an ihrem weiteren Aufenthalt keinen Abbruch, daß Miß Evelyn Miller schon am nächsten Tage ihre Sachen packte, um, wie sie sagte,„ein bißchen nach Japan zu fahren“. alt ziehen aus, um die ohne viele Rühe gewonnenen Zentifolien zu pflücken. Die Rosenköpfe werden vorerst in Körbe geworsen und diese zum Teil von den Arbeitern selbst getragen, zum größeren Teil paarweise den kleinen Eseln über den Rücken gehängt, und meist daheim im Dorfe und zu Hause, zuweilen auch schon im Garten, beginnt erst Auslese und eine noch immer sehr primitive Oelgewinnung durch Destillieren in Retorten und Pressen. Der Pope zeigt sich unter der fröhlichen Menge, und die Mädchen und Weiber haben sich zu Ehren der Blumenkönigin herausgeputzt. Mehr als 3000, zuweilen 4000 Rosen sind nötig, um ein Gramm Rosenöl zu erzielen, und das Verlangen der Welt nach diesem kostbaren Artikel wird befriedigt— durch mannigfache Fälschungen mit Geranium- und Idrisöl. Kasanlik ist der Hauptort des Handels, auch der Markt Travna hat ein gut Teil daran, und sie werden dadureh— belebt. Rosenernte in Bulgarien. Bulgarien ist bekanntlich die Heimat der Rosenzucht. Vom südlichen Abhang des Balkans und von der davorliegenden Ebene kommt der größte Teil des berühmten orientalischen Rosenöls, ohne das die moderne Parfümerieindustrie kaum noch auszukommen vermag. Die Rosenernte beschäftigt fast volle zwei Monate die ländliche Bevölkerung. Schon bei dem Torfe Schipka beginnt die Rosenkultur; ungeheure Rosenfelder erstrecken sich an den Abhängen des Berglandes hin und hüllen die Landschaft in eine Farbensinsonie der mannigfaltigsten Schattierungen und in einem sinnbetäubenden Tuft. Weiter hinab nach Kasanlik und tiefer kann das Auge nicht mehr das ausgedehnte Gebiet der Rosenäcker überblicken. In dem erquickenden Grün der Haine, Gärten, Büsche und den bald zarter, bald intensiver leuchtenden Rosenmassen zeigen sich auch die hellen Ortschaften, und gerade die Rosenkultur hat diese zahlreicher, anziehender und reicher gemacht, als andere ferner hinaus im Lande liegende. Der Eindruck auf den Reisenden, welcher derlei zum ersten Male sieht und empfindet, ist ein außerordentlicher, tiespoetischer. Die Fruchtbarkeit der Gegend ist ganz vorzüglich, sie zeigt sich in üppigen Obstgärten, in sastigen Wiesen, worauf zahlreiche Herden weiden, getränkt von vielen frisch rieselnden Quellen. Die Rosa sempervirens, die thrazitische Rose, wird in Reihen gepflanzt und gepflegt nach Art des Weinstocks und wird auch wie dieser nach Süden gerichtet. Die Pflanzungsarbeit wird im Frühling und Herbst betrieben, Juni und Juli sind Erntemonate. Daß eine Rosenernte nur fröhlich betrieben werden kann, ist selbstverständlich, und jung und von Lana Uincent. Haarbänder, die verloren werden, bilden ständig eine unangenehme Belastung in dem Budget der töchterreichen Mutter. Um das Herausrutschen der Zopfbänder zu verhindern, flechte man die Zöpfe bis ganz zu Ende, dann wickle man das Band 10 Zentimeter von der Spitze einmal um den Zopf, schiebe dann das eine Bandende über der Umwicklung durch die Flechte, schlinge es dann noch einmal herum und binde dann die Schleise. Jetzt kann man die Enden auskämmen. Auf diese Weise eingeflochtene Bänder können nicht herausrutschen. Zum Wasserdichtmachen von Stoffen haben die Chinesen ein einfaches Mittel, und zwar eignet sich dies nicht nur für dicke Wollstofse, sondern auch für seinen Mull und Batist. Sie lösen 30 Gramm weißes Wachs in ½ Liter Terpentin auf und tauchen die Stoffe in diese Mischung. Wenn das Gewebe vollständig davon durchdrungen ist, wird es im Freien zum Trocknen ausgehängt. Es ist dann vollkommen wasserdicht, Schwarze Kleidungsstücke, auch Bänder und Spitzen, lassen sich mit einem Tabakausguß gut auffrischen. Man stellt diesen her, indem man über geschnittenen Pfeisentabak kochendes Wasser gießt wie zur Teebereitung und dies eine Zeitlang ziehen läßt. Nun bürstet oder reibt man die vorher von allem Staub befreiten Sachen mit dieser Flüssigkeit und läßt sie an der Luft trocknen. Auf einen Teelöffel Tabak rechnet man ¼4 Liter kochendes Wasser. Flecken an den Fingern, die durch Rübenschaben, Obstschälen u. dgl. verursacht sind, können dadurch beseitigt werden, daß man die Finger ein paar Minuten in sehr starken Tee taucht und sie dann in reinem, warmem Wasser wäscht. 15 Humyr. Die seine Schule.„Wie gefällt es Ihrer Tochter auf der seinen Schule, auf die Sie sie schicken?“ „Oh, sehr gut, aber sie klagt, daß sie keine Zeit zum Lernen hätte.“ „B. SEes S S— 2 SOE 58 0 #### S 8 8 8 2 S,S S 5 G5SST MS 8 69 5 Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hörde. Haupt=Annoncenblatt. Ganaana. — Roman von A. von Crrstedt. (5. Fortsetzung.) lara ertannte recht wohl, was in dem Knaben vorging, und ehrliche Freude über seinen Eifer, sich aus den Banden unerträglicher Fehler zu befreien, erfüllte sie. Sie war ängstlich bemüht, seine Unarten vor dem Vater zu verbergen; denn sie fürchtete mit Recht, daß Eicke dadurch, daß er den Knaben im ersten Zorn hart und unerbittlich strafte, mehr verderben als bessern könne. Seit jener Züchtigung, die Erwin im Garten erhalten, wußte er, daß der Vater nicht fackelte, besonders, wenn es sich um eine Ungezogenheit gegen die Mama handelte, und er richtete sich danach. Dadurch aber, daß er sich zusammennahm, sich zweiten zur z1 schlanke Hand liebkosend zärtlich wallte es dann Herzen auf. In solchen Mama durchs Feuer geMühe gab, wurde ihm ein bescheidenes Wesen Gewohnheit. Oft strich Klaras weiße, über Erwins Scheitel, und in dem ungestümen kleinen Momenten wäre er für die gangen. Aber er war ja noch ein Kind, unfähig, klar zu denken und zu handeln. Und es kam nicht selten vor, daß seine unausstehlichen Fehler überhandnahmen, ein Schrecken seiner Umgebung wurden. Der Junge war überaus reizbar, und ein kleiner Anlaß konnte seinen guten Willen vollständig unterjochen, sein böses Blut in gefährliche Waltung bringen. Die kleine Vera dagegen versprach, das geistige Ebenbild ihrer herzigen, liebenswerten Stiefmutter zu werden. Für sie waren dies beneidenswert glückliche Kindertage. Wie ein Schmeichelkätzchen war sie um die Mama herum, ihre Bewegungen, ihre Worte nachahmend, doch auf die Wünsche ihres Bruders gleichzeitig achtend. Einen Zug von Hochmut und Willkür hatte auch sie in ihrem Wesen, das war noch die Nachwirkung von Eugenies Launen und Taktlosigkeiten. Aber mit herzinniger Freude beobachtete Klara die reizende Entwicklung des kleinen, bezaubernden Geschöpfes. Vera versprach, dermaleinst eine außerordentliche Schönheit zu werden. Die prachtvollen, dunklen Augen und der samtweiche, rosige Teint bildeten im Verein mit dem rosigen Mund, dem dunkten, eigenwillig gelockten Haar einen Gesamteindruck, der schon jetzt bestrickend wirkte. Heute sollten Nüsse vergoldet werden. Auf dem großen, runden Eichentisch im Wohnzimmer lag alles (Nachdruck verboten.) dazu bereit. Die Kinder durften helfen. Erwin hatte gebeten, seinen Freund Adolf, den Sohn des Kutschers. einladen zu dürfen, und Klara hatte es gern erlaubt, denn Adolf war ein bescheidener, wohlerzogener Junge von acht Jahren, der eine gute Schule besuchte. Wie ein Lichtstrahl glitt Klaras weißes Kleid durch die hellerleuchteten, von Blumenduft durchwehten Räume. Auf ihrem zarten Gesicht lag der Sonnenglanz reinsten Herzensglückes. Aus der Seidenschleife, die über dem Taillenschluß das faltige Gewand lose zusammenhielt, lugte eine dunkelglühende Rose hervor, das Haar trug sie zu Locken aufgesteckt, von denen einzelne ihr über die Schultern fielen, als hätten sie sich eigenwillig aus dem mit kleinen Brillanten geschmückten Schildpattkamm Ja, wie eine Göttin seelischer Schönheit und Harmonie mußte sie jedem erscheinen, und doch war es, als schreite neben ihr ein dunkler Schatten, sie auf Schritt und Tritt verfolgend. Eicke wenigstens hatte dieses Gefühl, sooft er in ihrer vollendeten Anmut und stauenhaften Schönheit Auch jetzt— er war soehen nach Hause gekommen — stand er hinter dem Vorhang im Erker und verfolgte, ohne sich bemerkbar zu machen, die reizende Gestalt seiner jungen Gattin mit freundlichen Blicken. 2 nn Klara ihn so gesehen hätte, wie erschrocken wäre sie wohl gewosen ,. 6 g., Gaherrichen: 6., faltlDoch Eicke wußte sich zu beherrschen; sie sollte nichts, nicht das geringste von seiner geheimen Angst und Not erfahren. Aber war denn wirklich nicht all seine Sorge übertrieben? Wie hatte der Arzt gesagt? Er müsse ausdrücklich anordnen, daß die junge Frau sich die denkbar größte Schonung auserlege, moglichst wenig Gesellschaften und Theater besuche und sich allem, was Aufregung verursache, fernhalte., 44t u79 I2 tarat nicht. Das hatte Eicke eingeleuchtet, und er ronnte nichts Besonderes dabei finden. Aver da war es dann noch zögernd, widerstrebend von den Lippen des Arztes gekommen: „Am liebsten schickte ich die arme, gnädige Frau sogleich nach Kairo, obgleich—“ Ganz verdutzt und ohne zu verstehen hatte Eicke dreingeschaut. Schließlich war er geneigt gewesen an einen taktlosen Scherz des Doktors zu glauben; denn eine junge Frau in dem Zustande geht doch nicht auf GT U C520. 9 09 S * S 5 S S— 8 5 er 8 9 2 S 6 S 2— G □ — Reisen, sie gehört ins Haus, in die Obhut ihres In diesem Sinne äußerte er sich auch. Doch der Doktor wiegte das schon ergraute Haupt. Was das heißen solle, wollte Eicke dann wissen. Der Arzt schlich mit seinen Worten so vorsichtig um eine gerade Antwort herum, wie die Katze um den Doch da kam er bei dem Bankier nicht gut an. Der wünschte eine klare, bündige Erklärung, was die Andentungen besagen solten.„ agen könne“ Ob er die Wahrheit wie ein Mann lagen tennt, hatte der Doktor ernst und bedächtig gefragt. . D a w a r e s z u m e r s t e n M a l e, a l s k r ö c h e e s d e m Bankier eisig über den Rücken, er fühlle, wie seine og Exr bzand trogdem darauf, daß man ihm die Eie har keine fünf Jahre mehr zu seben, erklärte der Arzt;„sie leidet an einem schleichenden, unheilbaren Brustübel.“ Kairo könne die Katastrophe noch um ein paar Jahre hinausscthieben, aber zu retten sei da nichts. Wayrcheinlich handle es sich u. Verzartes Geschopf, hätte gar nicht heiraten sollen. In swesen. Wie ein„Padge sinniger hatte er des Unheillünder angestärrtz,ohgn# fassen, glauben zu können, daß er die Gene# seines Herzens und seiner S###ele, die ihn das Leben e wieder schätzen und lieben gelehrt, die so ganz seinem Wesen ausging, mieder verlieren sollte. Nein, das konnte, durfte nicht sein! Klara war sein besseres Seibst, sie verstand ihn in seinen geAmsten Regungen und immer war sie eins mit ihm. e: gab sie nicht her. Er wollte sie dem Himmel er fühlte, wie das Haar ihm feucht an der Stirn klebte, als er heiser hervorlließ: Es wird und muß ein Mittel geben, um einen Menichen, welcher in der Vollkraft seiner Jahre sich bewahren. Deniken Sie nach, Doior, was geschehen kann, mir ist keine Summe zu hoch, um das Leben Der ergraute Gelehrte wa kein Prahler und kein Scharlatan, er machte eine völlig mntlose Bewegung. „Ein solches Mittel gibt es nicht, mein armer Freuno. Keine Arznei, keine noch so raffinierte Methode könnte dem Feinde beikommen, der unablässig sein Zerstörungswar Eicke wülend auszefahren, hatte die Wissenschaft geschmäht und den erprobten Gelehrte Aber der nahm die Fäntenden Worte nicht, wußte er doch, wie lieb der Bankier seine sunge hatte, und daß sie den Sonnenschein in dieses onnkle, verödete Haus getragen. Es war ja auch ein grause das hier waitete. Aber eben ließ sich nichts daran ändern. in Gottes Hand.“ tröstete er,## „Unser Leben steht in Gottes Hand, trös und solange der Menscy atmet, darf man nicht alle, nicht die letzte Hoffnung ausgeben. Es kommen auch Wunder vor. Die Natur selbst beginnt und vollführt zuweilen Heilprozesse, die unterer Berechnung spotten. Wir Aerzte stehen da auch vor einem Rätsel. Diese überraschenden Heilprozesse sind selten, aber sie komme vor, und besonders bei jüngeren Personerz,S Jr. peggz zum Stilliand bringen, sind nun gewarnt und gannte Eicke die Aerzte Quackund Kurpfnscher. Und doch wagte er nicht, an dem Ausspruch seines Datiors zu zweifeln. Ach, was hätte er jetzt darüm gegeben, wenn er nichts von dem Gespenst gewußt hätte, das in seinem Hause umging. Draußen leuchiete schon festlich die weihe, Schugg decke, im großen, nur leicht angeheizten gzmug. die hohe Silbertanne bereit, den bunten Schmn, der strablende Kinderaugen entzücken sollte, aufzunehmen. Und was hatte Klara an Geschenken für die Kleinen zusammengetragen. Eine soiche Bescherung, wie sie diesmal bevorstand, hatte das Haus noch nicht erlebt. „Ach, da ist Papa schon!“ rief die junge Frau in harmloser Fröhlichkeit, als die Gestalt ihres Gatten sich von dem Voryang loslöste,„nun, dann können wir ja beginnen. Du hilfst doch. Papa? Wir haben extra v„Ich habe noch zu arbeiten, wolte dir nur Guten Tag sagen, Lieb. Na, und ihr Jungen, macht eure Sache gut! Der Weihnachtsmann sieht und hört alles, Die Hungen waren schon bei begätec miggte immer setzte sich zu ihnen, um zu hehen. Vern magre mnmer sehl, fl0, zu unen, um zu heifen. Schale heraussu ichen. Sie Treiben Seufzer die schonsten Rüsse aus der verstand das schon sehr gut. Eicke sah ein paar Minuten dem trohen zu, dann wandte er sich mit einem ersticten Klara erhob sich und eilte ihm nach. Im Rebenzimmer legte sie beide Arme nn seinen Hals und sah „Wus jehlt dir, Wilhelm? Du verbirgst mir Er zog sie aus dem Lichtireis fort und bedeckte ihr Haar, ihr Gesicht mit leidenschaftlichen Küssen. „Mein Liedling, du mein Alles, wie sollte ich weiterleoen ohne dich? Wenn du gehst, sterbe ich, oder werde wahnsinnig. „Aber dullie plagst du dich n mten Rührung diese Leichenbit te ich ies Leben der, ur!“ besti daß warnm daran. mindes du nnn E. rieseite 115 och rief Kl erweh termien in von ist jo 319 J samer Kanz, mit welchen Grillen lara lachend, ohne sich einer ren zu können,„glaubst du, ie mir angenehm ist? dir gehen Und g#n.: Ich denke nicht mlich schön, daß ich es hre weiterführen will. Bist en e ton über 11 nte sich sein Gesi d seinen en. nicht Künstlich noch eine Weile halten. Das Ende hinauszög regungen, keine seelischen Ersch das konnte man— es war aber auch alies. Und seit jenem Tage glühte ein schleichendes Fieber in Eickes Adern. Wo Klara auch ging und stand, sah er den Schatten, den unheimlichen Feind mit Hippe und Stundenglas neben ihr. Rein, der Doktor hatte####wig# ihm dieses Entsetzliche nicht sagen dürfen, es machte nicht Eicke elend, verleidete ihm jeden Augenblick. Freilich, einen schwachen, kaum erwähnenswerten Trost hatte der Arzt ihm gelassen. M achen ge ihn einas ion; auf Kiara: Ege Gott unse herrliches Glück waltsam beherrschend, Leben, Klara, Besitz, daß ich zuwen Es beberrse Wie ein nmer in *„— Kal alte Tränen Tier hätte er sich dumpfen Schreien ich und bin so wunschlos glücklich in deinem ilen den Neid der Götter fürchte.“ webte ein rosiges Dämmerlicht in der Ecke, wohin Eicke seine Frau geführt hatte, so bemerkte sie sch getrockneten Tränen, den Jammer, er nicht so rasch verbergen konnte, und der seine Juge entstellte. (Fortsetzung fblgl.) Er schluchzte ein paarmal auf, der#bie, und dann legte er Schulter. e Wünsche erfüllen, uns unser erhalten,“ sagte er leise, sich geliebe dich mehr als mein Ein Telegramm rund um die Exde. wurde kürzlich ein Versuch gemacht, um einma V und Heufe. C. 6 In Amerika zual festzustellen, i1 welcher Zeit eine Nachricht um die Erde telegraphiert urden kann. Das Resultat war geradezu erstaunlich. Der Ausgangspunkt des Telegramms war die Redaktion der „New York Times“, und der Inhalt bestand in neun, den Zweck dieser Depesche genügend erklärenden Worten. Das Telegramm umkreiste die nördliche Hemisphäre vollständig, und zwar wurde es zuerst nach Honotuln geschickt, von da nach Manilla, dann nach Hongkona. Singapore und von hier aus flog die telegraphische Mitteilung nach Sucz, dann weiter nach Gibraitar, berührte die zur Gruppe der Azoren gehörige Insel Fayal, von wo aus sie dann wieder in die Redaktion der„New York Times“ zurückkehrte. Die Depesche hatte einen Weg von 52000 Kilometern zurückgelegt, sechzehn Turchgangsstationen passiert, und, obwohl absichtlich gar keine Vorkehrungen getroffen worden waren, den aht für dieses Retordtelegramm freizuhalten, so lief es doch nach sechzehn und einer halben Minute wieder an derselben Stelle ein, an der es für seine Welttour aufgegeben worden war. Somit hatte es den Weltraum in einem Turchschnittstempo von mehr als siebzehnhundert Reilen pro Minute durcheilt. Trotzdem kann diese Geschwindigkeit nicht als Rekordtempo angesehen werden; denn die lürzeste Zeit, in der ein Telegramm um die Erde befördert wurde, war die Dauer von nenn und einer halben Minute. Allerdings geschah dies bei der feierlichen Eröffnung des Pazisiksabels im Jahre 1900, und damals wurden aus diesem Anlaß alle Linien freigehalten. Der gegenwärtige Versuch aber ist insofern von weit größerem Interesse und Wert, weil das Telegramm als ganz gewöhnliche Depesche und ohne besondere Rücksichtnahme befördert worden war, und daher ist diese telegraphische Weltumspannung unstreitig als eine Rekordleistung anzusehen. nicht mehr widerstehen, sich zu überzeugen, was da von ihm gesagt sein mochte. Er begann zu lesen— und mit jedem Augenblick wurden seine Augen größer. Unter dem Datum eines um zwei Wochen zurückliegenden Tages sand er da die Eintragung: „Heute mit Doktor Burkhardt unterhalten. Die schönsten Stunden, die ich seit zwei Jahren verleben durste, So st er, wse woin, bogaz gpief nicht mehr v un zu trtiät, Sie soll ihreigleichen in ihre Netze ziehen, wie bisher— Abenteurer, die nichts zu vertieren haben. Weshalb mußte sie in einer unbegreiflichen Lanne gerade auf ihn versallen, der so wenig zu ihr paßt?“ „Vielleicht tue ich ihr doch unrecht. Ich will gewiß nicht ungerecht sein— gewiß nicht. Wenn sie ihr liebt— daß er sie liebt, sehe ich ja— so wird es vielleicht ihr Glück sein. Sie ist ja doch zu bedauern— ruhelos und glücklos, wie sie ist. Und sie ist doch so reich. 8462 fns, Wieder einige Tuge spater: „Wir sind heute wieder zusammen hinausgefahren. Es war ein herrlicher Tag— er sprach viel mit mir. sich gern mit mir— wir gemeinsam. E. war nachher Es war ein herrlicher Ich glaube, er unterhält haben so viele Interessen war häftlich zu mir. Dié Handlasche. Humoreste von Kurt Harmstorff. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) Unten tönte der Gong und erinnerte Dr. Burthardt, sich für das Abendessen fertig zu machen. Er fachte seine Tasche, um Kamm und Bürste hervorzuholen, und entdeckte sie endlich in einem Wintel des Zim Noch immer ganz von seinen unruhigen Gedanken in Anspruch genommen, drehte er den Schlüssel und griff hinein. Ein harter Gegenstand kam ihm die Hände, und er zog ihn hervor. Zerstrent betrac tete er ihn; dann aber drehte er ihn verwunder paarmal hin und her. Es war ein in rotes Leder gebundenes Buch, und er erinnerte sich nicht, es besessen zu haben. Als er es aufschlug, entdeckte er die Seiten— offenbar von einer weiblichen Hand eng beschrieben waren, und kopfschüttelud blätterte er das Bändchen durch, um vielleicht den Namen des unbelannten Vesitzers zu finden... Pchnumnt Er bemerkte dabei, daß es sich um Tageonchaufzeichnungen handeln mußte. In angeborener Diskretion vermied er es, etwas von dem Text zu lesen er plötzlich, fast am Ende des Buches, auf seinen eigenen Namen stieß. Nun konnte er allerdinge trotz seiner schwachen Gewissensbisse der Versuchung sehr böse. Sie nur humun„: mur. Wenn sie ihn nur nicht sagt, daß er sie liebt? Ich glaube, sie regt sich sehr darDann einige gleichgültige Rotizen— über deueHe; such von Muscen, über Ausgaben, über Spazu„ und allerlei Beobachtungen, die von einem reichen L müt und offenen Augen Zeugnis ablegten. Und endlich mit dem Datum des gestrigen Tages: Ich habe mich doch nicht getäuscht in ihr. Geste kam ein Italiener hier an— ein Graf, der liebsten hätte sie sofort seine Vetanntischaft gemacht. Den Doktor Burthardt findet sie plötzlich„recht lästig“. ber wenn sie nur ein Wort gesagt, nur ein wenig eingelenkt hätte, wäre ich doch geblieben, IZch.er ja laum, fortzugehen. So wie ihn hate uh noch ovo) sas Doktor Herbert Vurkhardt nicht. Eine dunkle Glut brannte in seinen Wangen, und er starrte auf das zugeschlagene Buch wie ein Träumender. war das— wie kam das in seinen Besitz?— Er konnte sich keinem Zweifel darüber hingeben, wer die Schreiberin war— und seltsam— nicht den leisesten Schmerz verspürte er über das, was ihm ihre J enthüllt hatten. Nur Scham Scham über enhilt batten...Jue Frende, die Blindheit— und eine sellsame ZKllle, die Herz laut schlagen ließ. Aber wie war er zu auf die Handtasche, gelommen?— Sein Blick fiel—, en# der er das Buch entnommen hatte— und gleichzeitig fremdem Besitz eutstammte. Wie kam sie in sein Zin mer?— Für die Daner eines Atemzuges durchzuckte ihn ein häßlicher Verdacht. Wenn die Schreiberin sie absichtlich hereingestellt hatte, damt er....6 Gedanke war zu abentenerlich, als daß er— ernsthaft hätte erwägen können. So blieb nur die Mögdaß es sich um ein Versehen des Stubenmädchens handelte; und durch das Stubenmädchen auch —