Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter. u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung Unser Blatt. n UnterHaltungs- u. Romanbeilage n Spin, Sport und Curnen. n Ledenebild. Kunst u. Wissen. u Gartentatschläge. Oerbungen mit: Schwerter Cageblatt und Anzeige Schwerter Oolkszeitung Schwerter Velksblatt Welthotener Zeitung Apierbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwicheder Zeitung Amtliches Kreisblaut für den Kreis Börde. Erstes und altestes Cagesorgan des Rir###s.— Geueralanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jeitung“ erschein verktäglich.n Hauptgeschäftsstelle. Druck und Verlog: Carl Brau#. Celegr. Adr. Braus, Schwerterudr. Cei.62 Postschrck Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Kar Nichter: Stadt ind Provm# F. iedr. Kroas; sämtlich in Schwert#. Nr. 133 Freitag, 9. Juni 1922 55. Jahrgang Zum Geleit. Jedenfalls kommt es darauf an, den deutschen Menschen nicht nur nach seinem Geldwerte, sondern auch nach seinem sittlichen, geistigen, gesellschaftlichen, geschichtlichen, geographischen Werte einzuschätzen. Gleichheit ist Tod, Gliederung ist Leben. Eine auch noch so großen Anzahl unter sich ganz gleichberechtigter Individuen ist niemals ein Volk; sie ist nicht einmal ein Heer, sondern eine Herde. Die politische Gleichwertigkeit aller heutigen Deutschen steht nur auf dem Papier; jeder praktische Politiker weiß dies. „Rembrandt als Erzieher.“ Neueste politische Nachrichten Die„Times“ glaubt, daß in der Frage der deutschen Schuldenverminderung wahrscheinlich eine Verständigung gefunden wird, und zwar auf der Grundlage, daß die deutsche Kapitalschuld nicht vermindert wird, dagegen aber die jährlichen Verbindlichleiten Deutschlands für die nichsten Jahre herabgesetzt werden. * Der Finanzausschuß des Völler bundes ist zusammengetreten, um sich mit einem Teil der wirtschaftlichen Fragen zu befassen, die dem Völkerburd durch die Konferenz von Genua übergeben wurden. Der Vertrag zwischen Deutschland und Dänemark betr. die Regelung der durch den Uevergang der Staatshoheit an Nord=Schleczig in Dinemark entstandenen Fragen ist gestern in Berlin ratiriziert worden. In der gestrigen Sitzung der interalliierten Kommission mil Bevollmächtigten Deutsch= lands und Polens wurde der Teil der Uebergabebedingungen, über den ein Einverständnis erzielt war, endgültig festgesetzt. Dic Gewalttätigleiten der Polen in Oberschlesien haben wieder erheblich zugenommen. Der Reichstag wird vor dem 13. Juni nicht zusammentreten, da die Anleiheverhandlungen bis dahin nicht abgeschlossen sein dürften; die Aussichten für die Anleihe werden in amtlichen Kreisen als günstig Angesehen. Die deutsche Regierung bereitet eine Mitteilung an die Botschafterkonferenz auf deren Eisenbahnzerstörungsnote vor. „* Vermischte Kunde. Die gestrige Berliner Börse reagierte auf eine Nachricht, daß bei den Veryundlungen in ris Frautrei.h in der Frage der Vereinbarung der deutschen Schutösumme überstimmt sei. Der Reparationskommission lag bekanntlich die Frage des Morgankomitees vor:„Ist Teutschland“ an die Zahlungstermine gebunden, die an: Mai 1921 festgesetzt wurden?" Die Arbeitgeberverbände im rheinisch=weitfälischen Holzgewerbe verhängten die allgemeine Aussperrung der Arbeiter. * Eine vom„Bund der Künste im Rhein.=Westf. Industriegebiet" vorbereitete Jugendkunstwoche findet in Dortmund, Bochum, Hagen und Witten in der Zeit vom 14.—25. Juni statt. * In Dortmund traten die Angestellten der Rechtsanwälte und Notare in den Streik. * Tschitscherin ist in Berlin eingetroffen, wo er mehrere Wohen zu bleiben gedenkt, um seinen angegriffenen Gesundheitszustand wieder zu festigen. * Der Prinz von Wales kehrt am 21. Juni von seiner Ostasienreise zurück. In Rüsselsheim bestehen die bekannten Opelwerle, die eine große Zahl Arbeiter beschäftigen. Für den Bau von Wohnungen für diese stiftete Dr. Ludwig Opel Millionen von Mark. So sind ganze Straßenzüge entstanden. Eine der Straßen wollte die Verwaltung der Opelwerke, der auch die Stiftung untersteht, nach dem Stifter „Ludwig=Opelstraße“ nennen, aber die sozialdemotratische Mehrheit im Stadtparlament lehnte das ab und beschloß aus Dankbarteit, alle Straßen nach sozialdemotratischen Führern zu benennen! Daraushin beschloß die Verwaltung der Opelwerte, den Bau von 18 weiteren Häu; serneinzustellen. * In Gardelegen trafen jüngst zwei sonderbare Extrazüge ein. Die Passagiere waren nicht weniger als rund 40000 Brieftaubben aus der Provinz Hannover, der Rheinprovinz. Großberlin usw. Die Tierchen wurden an zwei Sonntagen in Zahl von jedesmal 20000 vom Bahnhof aus steigelassen. Es war ein interessantes Schauspiel. Weil ein Viehhändler bei Weißenfels seinen Sohne 2000 i geschenit hatte, resp. diese Schen tung verschwiegen hatte, die als Kriegsavgabe eingezegen wurde, nahm ihn das Finanzamt in eine Strafe von 51000 M. Das Gericht sprach aber den Viehhändler jetzt frei, weil es nicht festgestellt werden konnte, ob die Schenkung schon 1914 oder erst 1920 erfolgt war. Der Sohn hatte die Aussege hierüber verweigert. Die schwedischen Kapitalanlagen in Deutschland haben bereits eine halbe Milliarde Börsen= und Häuserwert erreicht. Eine schwedische Rapitalisten=Gru pe unter Führung des Herrn Kanold aus Göteburg brachte ihren Einfluß schon bei einer ganzen Anzahl meist industrieller Unterrehmungen zur Geltung. Eine Rede des Konstanz, 9. Juni. Unter starker Beteiligung aus Süddeutschland, wie auch aus dem Reiche nahm am Mittwoch die Pfingstwoche katholischer Politiker ihren Anfang. Nach den üblichen Begrüßungsreden hielt Reichskanzler Dr. Wirth, den die Versammlung mit stürmischem Beifall begrüßte, eine Lingere Rede. Er betonte, der katholischen Pfingstkonzerenz liege der Gedanke fern, irgend jemand verletzen zu wollen. Nur die gemeinsame Weltanschauung führe die Erschienenen zusammen. Auf Genna zurückgreifend, erklärte der Kanzler, Europa müsse wieder Frieden haben. Der Geist, der diesen Frieden bringen solle, sei der Geist der Verständigung und der Versöhnung. Wenn das Schwert noch einmal sprechen sollte, so bedeute das den Untergang Europas. Was Deutschland aus all dem Zerstörten retten könnte, das solle gepflegt und zum Aufbau benutzt werden. Von einem auf den anderen Tag ließen sich aber die großen Probleme nicht lösen. Am Schluß seiner Ausführungen betonte der Kanzler mit starkem Nachdruck den Gedanken der Reichseinheit, wobei er besonders auf sein freundschaftliches Zusammenarbeiten mit ayern hinwies. Nach den mit stürmischem, lang anhaltendem Beifall begleiteten Ausführungen des Kanzlers erhielt der bayerische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld das Wort, der ebenfalls die Notwendigkeit einer Verständigung und Versöhnung unter den Völkern betonte. Tagung des Industriebundes. Elberfeld, 9. Juni. Zu einer außerordentlich wirksamen und eindrucksvollen Kundgebung unserer bergisch=märkischen, Industrie gestaltete sich die hier abgehaltene 7. Mitgliederversammlung des Eisen= und StahlwarenIndustriebundes unter Leitung des Vorsitzenden des Bundes, Fabrikant Oskar Funcke (Hagen). Die Referate standen auf beachtenswerter Höhe. Dr. Bücher vom Reichsverband der Deutschen Industrie gab ein fesselndes Bild der Lage Deutschlands in der Weltwirtschaft. Syndikus Dr. Boue(Hagen) sprach an Hand eines gewaltigen Materials über die Kohlenfrage. Seine Ausführungen wurden vom Reichskohlenkommissor, Geheimrat Brecht, in allen Kernpuntten bestätigt. Direktor Dr. Zell (Obligs) behandelte erschöpfend die Gold= und Sachleistungen der Reparationen. Interessante Beiträge lieferte Fabrikant Ebeling zur deutschen Eisenvahnfrage. * in 76jahrigen Gründungsfeier der nlls##g Omerika-linse Generaldwekten Geh.Raf Cuno. Ausbau des Hamburger Hafens. Hamburg, 9. Juni. Der Schiffsverkehr im Hamburger Hasen hat im Monat Mai den stärksten Friedensverkohr überschritten. Diese Tatsache macht den weiteren Ausbau des Hafens notwendig. Der Senat hat daher der Bürgerschaft eine Vorlage zugehen lassen, wonach die sofortige Bereitsteilung von etwa 138 Millionen A zu Hasenbauzwecken gefordert wird. Deutschland braucht Klarheit. Stinncs über die Reparations=Anleihe. Bei einer von der Essener Handelskammer veranstalteten Tagung. in der die großen wirtschaftlichen Fragen, deren Lösung die Voraussetzung des Wiederaufbaues bildet, erörtert wurden, nahm Hugo Stinnes das Wort zu bemerkenswerten Ausführungen über das Reparationsproblem und die Anleihefrage und führte u. a. aus: Wenn wir leben wollen, muß die deutsche Bevölkerung mehr arbeiten. Die Arbeit muß derart gesteigert werden, daß wir jährlich mindestens netto für 2 Milliarden mehr produzieren. „Glauben Sie aber, daß die deutsche Arbeiterschaft arbeiten wird, wenn ihr in Aussicht steht, ein ganzes Menschenleben hindurch Sklavendienste leisten zu müssen, und wenn man ihr die verdienten Ga#der abnimmt, um sie in das Ausland zu schicken?" Die kurzfristige Anleihe schafft für 2 bis 3 Jahre eine Atempause. Sie schafft künstlich eine Ueberwertung der Mark und schafft eine unerhörte Erschwerung der künftigen Regelung unserer Wirtschaftsverhältnisse. Es muß eine endgültige Klarheit und Regelung der Verhältnisse erfolgen. Eine geordnete Wirtschaft ist undenkbar, solange die Zwangswirtschaft anhält. Vor allen Dingen muß energisch gefordert werden, daß der unwürdige Zustand der Besetzung aufhört. Ein solcher Zustand mag im Kriege angebracht gewesen sein, im Frieden ist er ungerecht und unerträlich. Durch eine kleine Anleihe wird unser Elend nur noch vergrößert. Soll eine Anleihe gewährt werden, dann muß sie von großem Umfange sein. Wir müssen unter allen Umständen auf eine definitive Regelung der Verhältnisse und eine gründliche Abhilfe dringen, selbst auf die Gefahr hin, daß eine weitere Besetzung deutschen Gebietes erfolgen sollte. Eine solche Besetzung würde immer noch das fast kleinere Uebel sein, denn den Franzosen würde dann gezeigt werden, daß sie damit nichts erreichen, als daß sie bei erhöhten Unkosten noch weniger bekommen. Man darf also nur endgültige Lösungen treffen, und wir müssen daß die Quacksalberei mit unerträglichen Mitteln endlich einmal aufhören muß.“ Außer Stinnes sprach noch über dasselbe Thema der aus allen Teilen der nordwestdeutschen Wirtschaft stark besuchten Versammlung Geheimrat Bücher vom Reichsverband der deutschen dustrie, Abg. Finanzminister a. D. Becker und Abg. Obervürgermeister Most. Rot der Zeitungen. Unter der Ueberschrift„Zeitungsnot und Reichsregierung“ schreibt der„Vorwärts": Daß die Zeitungsnot sich nicht schon heute in einem gänzlichen Versagen des öffentlichen Nachrichtendienstes geäußert hat, ist wirklich nicht Schuld der Reichsregierung, die immer noch nicht ein Mittel der Abhilfe gefunden hat, obwohl die Notlage schon seit Jahr und Tag andauert. mer noch steht man bei den gesetzgeberischen Vorarbeiten, während die Teuerungswelle ungebrochen sortschreitet. Die Organisation der Zeitungsverleger, unter denen sich auch die sozialdemokratische Presse Deutschlands befindete, hat vom Reichstag Schritte gefordert zur Sicherstellung einer Mindestmenge von Zeitungsdruckpapier, ferner den Schutz von Monopolpreisen für Holzstoff, Zellstoff und Druapapier, die von Erzeugerverbänden diktiert werden, und schließlich Maßnahmen zur Verbilligung des Druckpapiers durch Tarifbegünstigung, Ermäßigung der Preise für Papierholz und für die zur Erzeugung des Papiers notwendigen Kohlen, schließlich durch Erfassung der Ausfuhrgewinne. Welchen Niederschlag diese Forderungen in den geplanten Gesetzesmaßnahmen gefunden haben, ist nicht bekannt Daß sie berechtigt sind, daran besteht tein Zweifel, da schon jetzt das Papier rund den 30fachen Friedenspreis kostet, was auf die Abonnementspreise auf die Dauer nicht ohne Einnluß bleiben kann. Der 80fache Bezugspreis beutet aber den Tod der selbständigen Presse, den Sieg des politischen Analphabetentums oder den Triumph der mit politischen Zielen bezahlten, innen willenlos dienstfertigen Blätter. Höchste Eile und durchgreifende Maßnahmen sind vonnöten, wenn nicht die freie Meinung in der Republik zur Phrase werden soll Stadt und Land. Schwerte, 9. Juni. Erinnerungen. 1972 Zar Peter der Große von Rußland geb. 1870 Der englische Romandichter Charles Dickens gestorben. * Ausflugszüge ins Sauerland. Wie uns der Versehrsverband„Industriebezirk“ mitteilt, vert#hrt der erste schnellfahrende Sonderzug zum Seuerland am 10. ds. Mts.(Samstag=Nachmittag) und zwar von Duisburg über Essen Hbf. nach Reheim=Hüsten-Arnsberg. Dieser Zug eignet sich. da seine Rückkehr für den 11. Juni vorgesehen ist, für 1 Sägige Tagesausflüge durch das Sauerland. Als ersten Sonntagszug verkehrt am 11. In i ein Sonderzug von Duisburg über Altenessen nach Altena, der am gleichen Tage abends 10,33 Uhr wieder in Duisburg eintrifft. Es wird daruf bingewiesen, daß die Fahrkarten für die schnellfahrenden billigen Sonderzüge nur bei den örtlichen Verkehrsvereinen und nicht bei den Reichsbahn=Fahrkartenausgaben zu erhalten sind. ** Zur Ausführung des Reichsmietengesetzes hat die Vereinigung deutscher Wohnungsämter auf ihrer Jahresversammlung in Mühlhausen am 2. Juni folgenden Beschluß gefaßt: Dem Vernehmen nach werden die preußischen Ausführungsbestimmungen zum Reichsmietengesetz erst demnächst fentlicht werden Zum 1. Juli 1922 tritt das Reichsmietengesetz in Kraft. Mindestens zwei Wochen vor dem Inkrafttreten des Gesetzes sind die Beschlüsse über die Festsetzung der Hundertsätze gemäß§ 11 der Ausführungsbestimmungen der kommunalen Aufsichtsbehörde einzureichen. Für die gesamte Vorarbeit, die Auswahl der Haustypen und die Berechnung der Hundertsätze verbleiben mithin nur acht Tage. Die Vereinigung deutscher Wohnungsämter hält hiemnach die gesetzmäuee ßige Durchführung des Reichsmietengesetzes in Preußen zum 1. Juli 1922 für unmöglich. ** Das lichte Matengrün in jetzt vorbei, das Laub het die dunklere Färbung angenommen, die auf den nahen Sommer hindeutet. Auch das Fliedervutett beginnt auf dem Tische seltener zu werden, dafür leuchtet ein Strauß von Goldregen, Rotdorn und Schneeball in künstlerischem Reiz. Beim Geldregen sei daran erinnert, daß die goldgelben Trauben giftig sind und also nicht in den Mund genommen werden sollen. Beim Abschnei den von Rotdornzweigen ist Vorsicht empfohlen, denn im Rotdornbaum bauen mancherlei Vögel gern ihre Rester, da die mit Dornen bewehrten Zweige sie vor Katzen schützen Und es ist nicht hübsch, die Kinderstube unserer gefiederten Frühlingsgäste zu stören, da diese Wochen die Tatsache ergeven haben, daß an nützlichen Vögeln über haupt kein Reverfluß mehr vorhanden ist. ** Ehret das Alter! Wie schon mitgeteilt, findet am Sonntag vormittag auf dem Postplatz ein Promenadenkonzert des Allg. Arbeitergesangvereins und der Kapelle des Herrn Heine zum Besten der Altershilfe statt. Mit diesem Konzert ist ein Verkauf von Blumen für den gleichen edlen Zweck verbunden. Sowohl der Gesangverein wie auch die Kapelle, die sich ohne jedes Entgelt in den Dienst der guten Sache gestellt haben, warten mit einer reichhaltigen, gut ausgewählten Vortragsfolge auf, sodaß das Unternehmen die allseitige Unterstützung der gesamten Bürgerschaft verdient. Hoffentlich werden auch die Verkäuferinnen der Blumen willige Abnehmer und recht offene Börsen finden, damit die Veranstaltung nicht nur einen künstlerischen, sondern auch einen recht befriedigenden finanziellen Erfolg zu verzeichnen hat. Das Konzert beginnt nach Beendigung der Gottesdienste. ** Erstattung von Fahrgeld. In letzter Zeit haben sich bei der Reichsbahn die Anträgee auf Erstattung von Fahrgeld für solche Fälle, in denen der Reisende aus persönlichen Gründen eine Fahrkarte nicht oder nicht voll ausnutzt, in einem Umjange vermehrt, daß dadurch bei den einzelnen Steilen der Reichsbahnverwaltung erhebliche Unlosten entstanden sind. Bei der finanziellen Lage der Reichsbahn kann es weiterhin nicht als angängig erachtet werden, daß die Eisenbahnverwaltung zum größten Teil die Kosten eines Verfahrens trägt, das ausschließlich zugunsten der Reisenden aus Billigkeitsgründen geübt wird. Es werden daher von den eingehenden Anträgen auf Erstattung von Fahrgeldern bis auf weiteres zur Deckung der durch die Bearbeitung entstehenden Verwaltungskosten 10 Prozent des Erstattungsbetrages, mindestens jedoch 5 A einbehalten, wenn den Anträgen aus Billigkeitsrücksichten entsprochen wird. Beträgt der zu erstattende Betrag weniger als 5 Mark, so wird von einer Erstattung abgesehen. In den Fällen, in denen Fahrpreisermäßigungen nach Tarifbestimmungen erst nachträglich gewührt werden können, werden Verwaltungskosten nicht abgezogen. ** Ein Familienausflug der Stadtmission nach dem benachbarten Bilmerich ist für Sonntag. 11. Juni geplant. Die Teilnehmer fahren mit der Bahn 1,15 Uhr nach Holzwickede, von dort aus erfolgt ein Spaziergang oder Leiterwagenfahrt, je nach Wunsch, zum Walde, wo unter Mitwirkung Schönes HaarSchönste Zier! Und dabei so leicht zu erwerben: Durch regelmäßige Pssege mit Jahnl. Dao Aichmeegaarwasser Javol macht dan Haar seidenweich, voll. duftig und locker, frei von Kuuen in'd Sehinnen. Javolin beren erhältlich. des gemischten Chores der Stadtmission und mehrerer Redner ein christliches Waldfest stattfinden soll. Der Posaunenchor wird die Veranstaltung durch musitalische Vorträge verschönern heifen. Vorher ist Gelegenheit zum Kafseetrinken und zum röhlichen Spiel im Walde. Mitglieder und Gäste sind bestens zur Beteiligung eingeladen. * Ringlämpfe in dei Reichstrone. Die Kämpgestalten sich von Tag zu Tag interessanter, das zeigt der gute Besuch. Der erste gestrige Kampf: Jackion(Australien) und Erlenkamp, Weltmeir. blieb unentschieden. Jackson, ein äußerst roher Ringer, mußte wegen unfairen Ringens dau ernd vom Schiedsrichter verwarnt werden und mußte 200 □ Geldstrafe für seine rohe Kampfweise einstecken. Steinke=Bach blieb nach einer Gesamtzeit von 46 Min. Sieger über Wilde. Hans Steinte und Gebhardt rangen unentschieden. Geb. hardt vermochte dem bärenstarken Steinke nichts anzuhaben und hütete sich, bei seinem diesmaligen Gegner verbotene Griffe anzuwenden. Die heutigen Kämpfe siebe Anzeige. Falsche Reichsbanknoten. Von der Ausgabe vom 23. v.i 1920 der Reichsbenknoten zu 50. sind Fälschungen im Umlauf, deren wesentliche 75 Kennzeichen folgende sind: Das Papier ist glattei und schwächer als das echte. Die Wasserzeichen und Faserstreifen fehlen. Seitlich sind die Fet schungen ein Drittel Zentimeter kleiner. Die Vorderseite zeigt ein in allen Teilen verschwommenes Druckbild. Die braunen Stempel und Numiern fehlen. Auch die Rückseile gibt das Originalo#ld nur ungleichmäßig und verschwommen wieder. Das Fehlen der braunen Nummern ist auch hier bemerkvar. Unter dem Worte Reichsbanknote zeigt sich in der gleichen grünen Färbung der Kennbuchstabe W. Der rote Schutzdruck ist zu klein, paßt nicht in den breiten Rahmen und ist in körniger Fläche eingedruckt. Vor der Annahme der Nachahmungen sei gewarnt. Sanitätskolonnentag. Am Pfingstsonntag fand in Herne der 1. Sanitätskolonnen=Verbandstag des Ruhr=Emscherverbandes statt, auf dem auch die hiesige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz vertreten war. Nach Erledigung des Geschäftsund Kassenberichts über das erste Verbandsjahr hielt Herr Eger(Berlin) einen Vortrag über Bedeutung, Aufgaben und Ziele der Freiwilligen Sanitätskolonnen in heutiger Zeit. Es werden eine Reihe interessanter Mitteilungen gemacht. So hat im Anschluß an das große Grubenunglück auf Mont Cenis seinerzeit in Herne eine Besprechung unter Leitung des Regierungsrats Stöcker vom Allgemeinen Knappschaftsverein in Bochum stattgefunden, in der eine Arbeitsgemeinschaft der Sanitätskolonnen Rheinland=Westfalens mit dem Allgemeinen Knappschaftsverein gegründet wurde. Diese Arbeitsgemeinschaft will ein großzügiges Alarmierungssystem für größere Unglücksfälle einrichten. Das Oberbergamt Dortmund hat für seinen Bezirk jetzt die Organisationsarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft beendet; jeder Kolonne ist ein bestimmtes Betätigungsfeld zugewiesen. Ferner steht ein Erlaß des preußischen Ministers des Innern bevor, wonach in Kürze ein allgemeiner amtlicher Sanitätsdienst überall eingerichtet werden soll. Für erkrankte Mitglieder der Sanitätskolonnen hat das deutsche Rote Kreuz ein Erholungsheim eingerichtet. Sämtliche Mitglieder des RuhrEmscher=Verbandes sind nunmehr in die Haftpflicht= und Unfallversicherung des Landesverbandes aufgenommen. ** Syburg, 8. Juni. Kirchlicher Unterricht. Am Dienstag, 13. ds. Mts., nachmittags ½3 Uhr, wird der Katechumenen= und Konfirman= denunterricht wieder ausgenommen. ** Aplerbeck, 8. Juni. Für die Alters hilfe sind hier insgesamt 20 803.30 A eingegangen, außerdem Wäschestücke und Lebensmittelgutscheine. Damit jeder Spender erfährt, wäs für die alten Leute in hiestger Gemeinde bereits getan si, sei mitgeteilt, daß in der Zeit vom 1. Oktober 1921 bis 31. Oktover 1922 ein Betrag von 110 928 A zur Auszahlung gelangte, bis zum 31. Juni ds. Is. wird diese Summe die Höhe von 250000 M wohl erreicht haben. Aus den Provinzen. Hagen, 8. Juni. Ein teurer Ochse. Ein hiesiger Metzgermeister kaufte auf dem Viehmarkt in Dortmund einen Schlachtochsen im Gewicht von 17 Zentner. Der Kapitalochse kostete die Kleinigkeit von 63000 M. Gevelsberg, 8. Juni. Ist das möglich? Montag abend wurde ein 7jähriges betruntenes Kind(1) zur Polizeiwache gebracht. Der Zustand ließ es als ratsam erscheinen, das Kind sofort in ärztliche Behandlung zu geben. Lüdenscheid, 8. Juni. Mörder verhaftet. In der gestrigen Nacht ist der aus dem Gerichtsgefängnis ausgebrochene Sträfling Ernst Mannesmann, der seinerzeit den Anschlag auf den Polizeimachtmeister Krefting in Altena verübte und noch etwa 6 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hat, in einem Schlupfwinkel im Walde durch die Altenaer Polizei festgenommen worden. Mannesmann, der dringend verdächtig war, vor einigen Wochen die Witwe Lück von hier in einer nahen Waldung ermordet zu haben, hat bei der gestrigen Vernehmung eingestanden, daß er die Witwe Lück erschossen hat. Spest, 8. Juni Ein Riesenhecht. In den letzten Tagen wurde im Stausee der Möhnetalsperre ein 27pfündiger Hecht, der die respektable Länge von 1,20 Meter aufwies, gefangen. Es ist der schwerste Fisch, der bislang im Sperrsec gesangen werden konnte. Ahaus, 8. Juni. Die Schußwaffe in Kindeshand. Ein Unglücksfall ereignete sich im benachbarten Wehr. Ein zu Besuch weilender 11jähriger Junge naltm ein geladenes Jagdgewehr von der Wand, wobei sich die Waffe entlud und eine 64 Jahre alte Frau tödlich getroffen wurde. Der Schuß drang der Frau in den Kopf. sodaß eine Rettung gänzlich ausgeschlossen war. Lüdinghausen, 8. Juni. Ein vernünftiger Junge. Das schwere Gewitter, das am Samstag über unsere Gegend hinwegzog hat eine Anzahl Blitzschäden im Gefolge gehabt. In der Landgemeinde fuhr der Blitz an mehreren Stellen in starke Eichen und zerschmetterte sie. Ein Junge wollte eine Ziege von der Weide holen. Als er merkte, daß das Gewitter immer drohender wurde, ließ er die Kette, an der er die Ziege führte, los. Kaum war dies geschehen, als ein Blitzstrahl die Ziege traf und sie auf der Stelle tötete. Schwagsdorf bei Fürstenau, 8. Juni. Verhängnisvoller Schuß. Beim Schützenfest traf eine verirrte Kugel in dem 2½ Kilometer entsernten Kl.=Bokern den 11½jährigen Sohn des Hofbesitzers August Nordemann tödlich. Zwei Stunden später verschied der Knabe. Guakenbrück, 8. Juni. Einen eigenartigen Unfall erlitt hier ein junges Mädchen, das im schönsten Pfingststaat von Rheine kommend nach Oldenburg weiter fahren wollte. Beim Ueberschreiten des Oldenburger Bahnsteiges verschwand es lt.„Osn. Vztg.“ plötzlich vom Erdboden. Er war auf einen Schacht getreten, den vor ihm wohl schon tausend betreten. Dieser Schacht war beim Bau des Bahnhofs angelegt und mit Brettern überdeckt, worauf eine Sandschicht gebracht wurde. Das Holz war nunmehr morsch geworden und deshalb brach es durch. Das Mädchen konnte sich an einer im Schacht angebachten Stange festhalten, sonst wäre es wohl verloren gewesen. Das Gepäck sank in die Tiefe und ist verloren. Die Abgestürzte konnte durch rasch herbeigeholte Hilfe wieder hervorgezogen werden. Doch ihre neue Pfingsttoilette hatte einen erheblichen Schaden erlitten. Von dem Scheitel bis zur Sohle mußte sie neu eingetleidet werden. Horst, 8. Juni. Fischvergiftung. Der 16 Jahre alte Sohn einer Witwe aus Horst=Süd kaufte sich auf dem Lunapart einen Bückling. Kaum hatte er den Fisch gegessen, als er starke Magenbeschwerden erhielt. Er eilte nach Hause und starb unter heftigen Schmerzen. Die Leiche wird obduziert; man nimmt mit aller Bestimmtheit an, daß eine Fischvergiftung vorliegt. Essen(Ruhr), 8. Juni. Der 5000. Güterwagen bei Krupp. Ende Mai konnte von der Abteilung Wagenbau der Firma Friedr. Krupp A. G. der 5000. Güterwagen dem freien Verkehr übergeben werden, nachdem am 1. Juli v. Is. der 3000. Wagen herausgegangen war. Essen, 8. Juni. Schreckenstat aus Nahrungssorgen. Als der Kruppsche Arbeiter Andreas Schroiß in seine Wohnung in Altenessen zurückkehrte, fand er seine Frau und die vier Kinder bewußtlos in den Betten liegen. Die Frau hatte in der Nacht alle Gashähne geöffnet. Den Bemühungen des sofort herbeigerufenen Arßtes gelang es, die Frau und zwei Kinder wieder ins Leben zurückzurufen. Man hofft, sie auch am Leben zu erhalten. Zwei Kinder waren schon tot. Nahrungssorgen sollen die Ursache zu der Tat gewesen sein. Kettwig, 8. Juni. Die Not der Zeitungen. Die Kettwiger Zeitung teilt mit, daß sie unter dem Druck der fortgesetzten Verteuerungen gezwungen sei, die Erscheinungsweise der Zeitung auf viermal wöchentlich zu beschränken. Elbersold, 8. Juni. Schließung der Lichtspieltheater. Die Lichtspieltheater von Elverfeld und Barmen haben gemeinsam beschlossen, vom 16. Juni ab die Theater infolge der unerträglichen Lustbarkeitssteuer in Höhe von 50 bis 60 Prozent zu schließen. Den Angestellten ist bereits für den genannten Termin getündigt worden. Opfer der Fluten. Haltern, 8. Juni. Beim Baden in der Lippe ertranken an verschiedenen Stellen drei Personen. Die Leiche eines Arbeiters von hier sowie eines anderen Mannes aus Köln wurden bereits geborgen. Ein drittes Opfer der Lippe konnte noch nicht gelandet werden. Köln, 8. Juni. Am Pfingstsonntag sind bei der Insel Grafenwerth bei Honnef drei junge Leute, die auf dem toten Rheinarm eine Kahnfahrt unternahmen, ertrunken. dem Die dritte Tagung des deutschen Schutzbundes fand in diesen Tagen in Allenstein statt. Deutsche aus 22 europäischen Staaten sind erschienen. Die„Insel“ Ostpreußen spürt es, daß sie nicht nur zu dem deutschen Reiche gehört, sondern, daß auch außerhalb derselben Millionen deutscher Brüder und Schwestern wohnen, die mit ihnen dieselbe Volksnot teilen. Der Gegenstand der sechstägigen Verhandlungen ist hauptsächlich das internationale Minderheitenrecht und der nationale Minderheitenschutz. All die Nöte, die zur Zeit das Deutschtum innerhalb und außerhalb des Reiches zu bestehen hat, kamen dabei zur Sprache. Die Stadt Allenstein hatte zur Ehrung ihrer Gäste ein sestliches Gewand angelegt. Der Abschluß der Tagung bildete ein großes Volksfest in der Stadt Allenstein. Die Teilnehmer an der Schutzbundtagung sammelten sich dann noch am 3. Pfingstfeiertage, am 6. Juni, zur Einweihung des Volksabstimmungsdenkmales auf der Marienburg. Bei den ernsten Beratungen und Feiern trat das Gefühl der treuen deutschen Volksgemeinschaft vielfach erschütternd zu Tage. 0 54 744 Kror! Roman von Reinhold 171 Ortmann. (Nachdruck verboten.) Die fröhliche Ungebundenheit, die dieser münchnerischen Geselligkeit ihren charalteristischen Stempel aufprägte, schien für sie nicht zu existieren. Nur zwei= oder dreimal, wenn der Charakter des betreffenden Festes eine Ausnahme nicht gestattet hatte, war sie gleich den anderen Damen in einem von der herkömmlichen Balltoillette abweichenden Kostüm erschienen, und so gewiß sie in jedem dieser Fälle die schönste der anwesenden jungen Frauen gewesen war, so gewiß war sie auch die stillste und zurückhaltendste gewesen. Die Vorwitzigen, die diese Zurückhaltung anfänglich für Schüchternheit genommen und sich bemüht hatten, sie durch allerlei harmlose Keckheiten zu besiegen, waren sehr schnell über den Irrtum belehrt worden, in dem sie sich befunden. So un zweideutig und so selbstbewußt hoheitsvoll waren die weisungen gewesen, die sie erfahren, daß ihnen alsbald alle Unternehmungslust vergangen war und daß man sich daran gewöhnt hatte, überall, wo Frau Helga erschien, ihre Schönheit aus respektvoller Entfernung zu bewundern. Nun, wo der Fasching mit seiner Hochflut rauschender Vergnügungen wieder begonnen hatte, war schon seit Wochen in der Münchener Gesellschaft von keiner anderen Veranstaltung so viel und voll so lebhaften Interesses die Rede als von dem großen Kostümfest, das in den prächtigen Räumen des Künstlerhauses abgehalten werden sollte.„Eine Nacht der Kleopatra“ lautete die von Hubert Almröder erfundene Benennung dieses Festes, und es war selbstverständlich strengste Vorschrift, daß alle Teilnehmer in einem diesem Losungswort angemessenen Kostüm zu erscheinen hätten. Die Einleitung des Adends sollte nach Münchener Sitte ein feierlicher Aufzug bilden, der die Begrüßung des Antonius durch die von ihrem sanzen üppigen Hofstaat umgebene Kleopatra darstellte und essen Ausgestaltung der Phantasie der mit dem Arrangement betrauten Künstler den weitesten Spielraum gewährte. Daß die Dame, der man bei diesem rein pantomimisch beabsichtigten Festspiel die Rolle der Kleopatra anvertraute, im eigentlichsten Sinne die Königin des Festes sein würde, unterlag natürlich keinem Man war in den beteiligten Kreisen um so mehr darauf gespannt, wem diese von gar vielen schönen Frauen im stillen heißersehnte und begehrte Ehre zufallen würde, als offenbar bis zu dem heutigen Tage, den kaum noch eine volle Woche von dem Festabend trennte, innerhalb des veranstaltenden Künstlerkomitees noch keine Einigung über die Wahl der Hauptakteure hatte erzielt werden können.—— Das matte und kalte Licht der von feuchten Dünsten halb verhüllten Januarsonne erfüllte Frau Helgas Zimmer, als die junge Frau von ihrem gewohnten Morgenspaziergang in den verschneiten Isaranlagen heimkehrte. Sie war in diesem ersten Jahr ihrer Ehe noch schöner geworden, als sie es in der Blüte ihrer Jungfräulichkeit gewesen war, reifer und königlicher in Gestalt und Haltung; aber in ihrem feinen, regelmäßigen Antlitz war ein Zug von Müdigkeit, der ihm früher nicht eigen gewesen. Sie setzte sich an den Schreibtisch, der gleich allen anderen Möbeln des mit raffiniertem Geschmack eingerichteten Boudoirs ein Meisterwerk zierlicher Rokokokunst war, und legte sich einen Briefbogen zurecht. Aber sie kam vorerst nicht über die Anrede:„Mein lieber Henry!“ hinaus. Es fiel ihr offenbar schwer, die rechten Worte zu finden für das, was sie dem Bruder zu schreiben gedachte, denn sie stützte den Kopf in die Hand und schaute in ernstem Sinnen vor sich hin. Da wurde draußen auf dem Gange der Klang eines raschen Schrittes vernehmlich, und die Tür des Gemaches öffnete sich vor Hubert Almröders reckenhafter Gestalt. Auch seine äußere Erscheinung hatte sich seit den Tagen des Hamburger Aufenthalts noch zu ihrem Vorteil verändert. Sein damals in den frischen Farben robuster Gesundheit prangendes hübsches Gesicht war vielleicht um ein geringes schmaler und bleicher geworden, aber es schien charaktervoller und durchgeistigter. Und in seinen dunklen Augen war ein Glänzen, das auf schmachtende Frauen unwiderstehlicher wirkt als jede andere männliche Schönheit. Das etwas phontastiche Samtjeckett, das er immer bei seiner Arbeit zu tragen pflegte, hobauf das wirksamste das kraftvolle Ebenmaß seines Wuchses hervor, und man mußte bei seinem Anblick ohne weiteres die suggestive Macht begreifen, die seine Persönlichkeit noch immer über alle ausgeübt, die in seine Nähe gekommen waren. Er war ersichtlich in der allerbesten Laune, und mit siegesfrohem Lächeln legte er das Blatt, das er in der Hand getragen, vor Helga auf die Platte des Schreibtisches. „Sieh her, Schatz!“ sagte er, nachdem er sich zärtlich über seine Frau herabgeneigt hatte, um sie zu küssen.„Weißt du, was das ist?“ Ihr Blick ruhte sekundenlang auf der flott hingeworjenen kolorierten Zeichnung einer verführerisch kostümierten Frauengestalt. Dann schüttelte sie verneinend den Kopf. Hubert aber legte den Arm um ihren Nacken und sah ihr mit leuchtendem Blick in das schöne, ernste Gesicht. „Es ist die Kleopatra unseres Festes— so wie sie sich den staunenden und entzückten Blicken der Menge darstellen wird. Glaubst du nicht, daß alle Welt ihren Antonius um sein Glück beneiden wird?“ „Vielleicht— sofern es euch gelingt, eine Dame zu finden, die Mut genug hat, in solchem Aufzuge vor der Oeffentlichkeit zu erscheinen.“ Hubert Almröder lachte sein helles, tlingendes, unwiderstehliches Lachen. „Sie ist schon gefunden, Liebling!— Wir hatten in dieser Nacht eine elwas stürmische Komiteesitzung; aber ich habe natürlich meinen Willen durchgesetzt und habe meiner blonden Königin den Platz auf dem Throne gesichert, der keiner anderen zukommt als ihr.“ Fast erschrocken sah Helga auf, während ein seines Rot sich über ihre Wangen breitete. „Du denkst doch nicht daran, Hubert, daß ich—“ „Daß du unsere Kleopatra sein wirst. Selbstverständlich habe ich von vornherein an nichts anderes gedacht als daran. Und ich hoff:, du würdest deinen Antonius auch keiner anderen gegönnt haben.“ Scheu streifte der Blick der jungen Frau noch einmal über die Zeichnung hin; dann schob sie sie mit einer Bewegung der Abwehr weit von sich hinweg. (Fortsetzung folgt.) Aus Westfalen nahmen Pfarrer Rückeley(Gelsenkirchen) und Professor Sellmann (Hagen) an den Verhandlungen teil. Wackere rheinische Buchdrucker. Köln. Zu der Arbeitsverweigerung des technischen Personals der Bonner Buchdruckerei Josef Bach Witwe in Bonn, das entschlossen ist, das Smeetssche Verräterblatt die„Rheinische Republik“ nicht mehr herzustellen, teilt die Kölner christliche Gewertschaft mit: Die sich in diesem Blatte in letzter, Zeit häufenden Schmähartikel gegen Deutschland mit den hochverräterischen Aufforderungen waren für die gesamten Angestellten und Arbeiter des Betriebes die Veranlassung, in einer allgemeinen Betriebsversammlung sich mit dder Frage zu befassen, ob in der heutigen Stunde die allgemeinen Vertragsverpflichtungen gegenüber Verlag und Auftraggeber im alten Sinne noch bestehen. Die Versammelten kamen zu einem verneinenden Beschluß. Sie sind willens, alle aus dieser Weigerung entstehenden Folgerungen zu tragen und erhoffen die Unterstützung der gewerkschaftlichen Oranisationen des besetzten Gebietes. Erschreckender Selbstmord. Kalbe, 8. Juni. Ein Einwohner, der vor dem Kriege nach Amerika ausgewandert war, und seitdem nichts wieder von sich hören ließ, sandte seiner in Kalbe lebenden Ehefrau ein eingerahmtes Bild. Erbost darüber, daß der Brief weiter nichts enthielt, hielt, warf die Frau das Bild ins Feuer. Als aber tags darauf ein Brief des„schlechten" Gatten eintraf, mit der Mitteilung, daß im Bilde sechs Hunderdoklarnoten(160000 M) eingeschlossen seien, erhängte sich die Frau. Ein Blick auf die Ernte. Wenn keine unvorhergesehenen Zwischenfälle eintreten, kann in sechs Wochen mit der Getreideernte begonnen werden! Wie viele, die zu Pfingsten durch die Auen zogen, haben wohl daran gedacht? Aber es ist erklärlich, daß der Städter erst dann mit dem täglichen Brot rechnet, wenn es sich um den Einkauf handelt, bei ihm, heißt es, ist der Sorge zu Hause schon genug an jedem Tage. Wir wissen, daß der Brotpreis in diesen Zeiten der allgemeinen Teuerung noch höher steigen kann. Die Landwirtschaft würde auch heute noch das Getreide und ihre sonstigen Produkte zu ähnlichen Preisen, wie vor dem, Kriege verkaufen können, wenn nicht die gesamte wirtschaftliche Lage auf den Kopf gestellt worden wäre. Es muß daran erinnert werden, daß erst im letzten Drittel des Krieges der große Preisaufschlag eintrat, der seitdem immer weiter um sich gegriffen hat. Was war der erste Anlaß? Die hohen Einnahmen der Kriegsindustrie hain nicht nur bei uns, sondern überall das Streden nach Gewinn geweckt. Umsonst ist bei uns gemahnt, diese Gewinne rechtzeitig abzubanen, es blieb dabei. Diese Gewinne gestatteten das Hamstern von Lebensmitteln, das sonst in diesem Umsange gar nicht möglich gewesen wäre. Die Verteuerung aller industriellen Fabrikate, die Folge der Tätigkeit der Kriegsindustrie, legte dem Landwirt bisher unbekannte Lasten auf, die Hamsterer vergrößerten die durch den Arbeitermangel hervorgerufene Levensmitteltnappheit. Das war der Anfang der heutigen kostspieligen Lebenshaltung, und dann ging es infolge der allgemeinen Unkostensteigerung weiter und weiter. Die heutige Preislage ist bekanntlich direkt dadurch eingeleitet, daß die Entente die Beseitigung der Reichssubvention für den Mehleinkauf aus Amerita forderte. Es soll hier nicht untersucht werden, ob nicht die Entente zu einer Aenderung ihres Verlangens zu bewegen gewesen wäre, wenn sie energisch auf die Folgen hingewiesen worden wäre. Jedenfalls hätten die Reichskasse und das ganze Wirtschaftsleben großen Vorteil davon gehabt, wenn durch die Aufrechterhaltung der Brotsubvention der herannahenden Teuerung die Spitze abgebrochen worden wäre. War keine neue Teuerung da, so brauchten auch keine oder doch nicht so hohe Teuerungsbeihilfen gewährt zu werden. Wie die Dinge heute liegen, so ist es wohl taum möglich, daß, wie es sich früher hätte machen lassen, der Preisabbau an einer Ecke des Wirtschaftslebens begonnen werden könnte. Dazu ist weder die Industrie, noch die Landwirtschaft allein imstande. So viel sie auch verdient haben, so erhobliche Mittel, um dies Experiment zu beginnen und dauernd aufrecht zu halten, besitzen sie nicht. Nur eine allgemeine Aenderung tann von Erfolg begleitet sein. Diese Aenderung kann eintreten durch internationale Entwertung, durch Versagen der Kauftraft, durch Steigen der Mark, durch starke Erhöhung der Produktion oder durch Ueberproduktion, Arbeitslosigkeit. Alle diese Möglichkeiten können immer noch leichter eintreten, als ein Reichsbankerott, der unnatürlich ist. Was kommen wird, ist nicht vorauszusagen, gewissermaßen über Nacht kann es eintreten, wenn irgendwo die für den Welthandel drohende Lawine ins Rollen kommt. Naturgemäß werden die nötigsten Waren, die Lebensmittel, solange nicht eine Preisänderung erfahren können, als nicht ein internationaler Preissturz eintritt, der zugleich die Unkosten verbilligt. Die Landwirte haben bisher ihre Pflicht getan, indem sie die Produktion nach Kräften zu eigern suchten. Was weiter kommt, das steht außerhalb ihrer Macht. Das ganze Volk aber hat in Interesse daran, die Lasten, die auf jedem Zentner Getreide und jedem Sack Kartofseln rusen. nicht im Gailopptempo zu steigern oder durch Gefährdung der Ernte eine Preisrevolution herbeizuführen, die noch über das hinausgeht, was wir bisher erlebt haben. Echie Brühimeirungen. Rathenau nach dem Reichskanzler Dr. Wirth und Rathenau in Stuttgart. Berlin, 9. Juni. Wie das„Verl. Tagebl.“ erfährt, hat sich Reichsminister Dr. Stutgart begeben, wo er mit zusammentreffen wird. Beide werden dann den Staatspräsidenten von Württemberg und Baden ihre Besuche abstatten. Gegen Hindenburg. Berlin, 9. Juni. Das Wehrkreiskommando in Königsberg gibt betannt, daß nach Erlaß Reichswehrministeriums alle Veranstaltungen Ehren Hindenburgs in Königsberg als politisch erklärt worden sind. Sämtlichen Mitgliedern der Reichswehr wird die Teilnahme an diesen Veranstaltungen verboten. Ehemalige Angehörige der bewaffneten Macht dürfen nicht in Uniform erscheinen. Scheidemanns Angreifer verhaftet? Kassel, 9. Juni. Die Schutzpolizei nahm einen jungen Mann fest, auf welchem die Beschreibung des Attentäters von Scheidemann paßt. Er hatle sich, wie die Leipz. N. N. berichten, durch allerle: Redensarten verdächtig gemacht. Der Festgenomwurde dem Untersuchungsrichter zugeführt . des zu Allgem. Elektr.=Ges. 6 Baroper Walzwerk Bochumer Guß............... 8 Bösperde Walzwerk Daimler Motoren Deutsch=Luxemburg........... 880 Deutsche Kaliwerke 20 Dynamit 605 Elbers. Farbw. 64 Essener Steinkohlen....... 1020 Gelsenkirch. Bergw 915 Gasmol. Deutz 620 Harpener Bergw. 1795 Hoesch... Humbold! Masch. 528 Mannesmann 1164 Oberschies. Eisenb.=Bed. 735 Orenstein& Koppel............ 955 Phönix Bergbau. Peisbolz Pap. Rhein. Stahlwerke............ 1043 Rombacher 515 Schuckert Siegen=Solingen... Ver. Dt. Nickelwerke........... 1160 Westf. Drahl=Ind. 500 Westf. Eisen, Langendreer......... 450 Auslands=Wechselkurse der Berliner Börse (Devisenkurse) Man zahlle deutsche Mark für mene dort bestritt er die Täterschaft. Angeblich handel es sich um einen Angehörigen der U. S. P. der auch wegen anderer Straftaten gesucht wird. Morgan droht. TII. Paris, 9. Juni. Es verlautet, daß Morgan auf Beseitigung des französischen Widerstandes drängt. Er soll gedroht haben, daß Amerika Mittel in der Hand habe, von Frankreich die Rückerstattung der während des Krieges ausgenommenen Anleihen zu verlangen. Berliner Börsenkurse vom 8 Juni 1922 mitgeleilt vom Barmer Bank=Verein, Schwerse 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77 Barmer Bank=Verein Deutsche Bank 550 Dresdner Bank 314½ Kamn=ümer.=Tat. 100 belgische Franken 100 dänische Kronen 1 englisches Pfund.. 100 französische Franken 100 holländische Gulden 100 italienische Lire... 100 polnische Mark.. 100 schwedische Kronen. 100 schweizerische Franken 5513,10 100 tschechische Kronen. 553,30 am 7 6 am 8. 6. 2421,95 2347,05 6372,— 6122,30 1295.85 1248,40 2626,70 2541,80 11285,85 10836.40 1500,60 1455,65 7.27„ 6.90 7530,55 7191.— 5328.30 535.30 Regelmäßige Frauenbeilage zu: Schwerter ubfrau uns=Ktädler Kodenderichte Erziehungsfragen, Haus und Küche Worte für Frauen Wunsch. Wir wollen unser Leben singend zwingen In einen Inbegriff der Meisterschaft, Wir wollen uns're Liebe kühn vollbringen einem Künstlerwerk der Daseinskraft. Wir wollen keine Schmerzensnacht verkürzen, — Das ist nicht Schwäche, was im Dunkeln ringt, Wir wollen jede kleine Freude würzen, Die uns das Spiel der Stunden schüchtern bringt Wir wollen unser Dasein wachsend steigern, Und Früchte pflücken, die noch nie gereift, —— Und kein Geschick kanns uns das Glück verweigern,“ seine eigene Hoheit still begreift. Margot Bogier., Mutter und Kind ledle, freudige, stärkende Lebensgedanken in die Seele ihres kleinen Lieblings zu senken ksucht, sie ist eine Kulturträgerin ersten Ranges. auch wenn ihr Name in keiner Zeitung und keinem Geschichtswerke jemals genannt wird. So mancher berühmt und groß gewordene Mann, der auch seinem" deutschen Volke ein Förderer, und Führer swar, hat sdankbar bekannt. daß ihm sein einfaches bescheidenes Mütterchen ein bleibend Bestes auf den Lebensweg mitgad. Das Ewig=Weibliche ist soft gepriesen wordeu, es ist im tieften Grundes das Ewig=Mütterliche. Daß gerade auch in deutschen Landen eine innige Marienverehrung Platz greisen konnte, ist wohl begreiflich Und als deutscher Protestant, von dem man seine vom mittelalterlichen Dogma wett abweichenden Anschauungen hat, kann man's doch über alle konfessionellen Zäune hinweg igern sanerkennen, daß hier das wundersam heilige Mysterium„Mutter und Kind“ zu uns reden will. Eine Multer, die an ihrer heiligsten Sendung gedankenlos, leichtsinnig, pflichtwidrig vorübertändelt, vielleicht um lieber sdie umflirtete und glänzende Salondame zu spielen, beraubt sich selbst ihres wertvollsten Lebensinhalts und ist keine wirkliche deutsche Mit Recht haben einsichtige Verselbstverständlich, Segenskraft. in weiblich= mütterlicher Schwerter Frauenleben Auf Wunsch vieler dänischer Pflegeeltern sollen auch in diesem Jahre zahlreiche deutsche Kinder zu einem dreimonatigen Ferien=Aufenthalt nach Dänemark gesandt worden. Das Ewig=Mütterliche. *( A u c h e i n G e g e n w a r t s p r o b l e m.) Ja— wir dürfen es über all dem Irrsal und all densogenannten großen Fragen unserer Zeit„nimmer aus den Augen verlieren, das ganz gewaltig großes Problem des„Ewig Mutlerlichen!“ Wir sbrauchen lebensstarke, rückgratfeste#Männer— wer#Mutter. Mit Recht haben einsichtige V wüßle und wer wünschte das nicht, wenn ihm Brelerinnen einer gesunden Frauenbewegung eine bessere deutsche Zukunft am Herzen voor dem töricht gleichmacherischen Satze lieg!? Aber wir müssen vor allem auchstgewarnt:„Die Frau kann alles, was der richtige und tüchtige deutsche Mülter haben! Das heranwachsende Geschlecht, auf das einst so unendlich viel ankommen wird, ist von lausend Stimmungen und[Einflüsterungen umschwirrt, die oft weder einen deutschen noch einen irgendwie ethischen Schwung und Lebenston haben. Was nehmen diese Kinder von zu Hause mit ins spätere eigenständige Leben? Oder hatten ihrer viele am Ende überhaupt kein zu Hause, weil ihnen das feinfühlig verstehende, das in Güte führende, das in unermüdlicher Liebe beteuernde des Deutsch=Mütterlichen sehlte? Nun, dann sehll ein allerschönstes Lebensgut und eine seelische Kraftquelle, und diese Lücke kann nachträglich eigentlich durch nichts, und wäre es an sich noch so bedeutungsvoll, völlig ausgeglichen werden. Eine deutsche Mutter, die es in schlichter Treue gut mit ihrem Kinde meint, die sich auch durch die Not und den Aerger des läglichen Kleinkrams nie so verbillern und verstören täßt, daß sie nich immer wieder Ein allgemeiner ev. Frauentag findet vom 12.—14. Juni in Bonn statt. Die ed. Frauenverbände haben sich mit ihren 16 Verbänden, die über 1½ Millionen ev. Frauen umfassen, zu einem großen einheitlichen Bunde zusammengeschlossen. Diese große öffentliche Veranstaltung ist mit Absicht nach Bonn a. Rh. ins besetzte Gebiet berusen. Alle ev. Frauen sind herzlichst eingeladen. Programme verschickt das er tugendamt. Bonn, Rathausgasse 2. Gesundheitspfloge. Die Frau in der Oeffentichteit Mann kann!“ Richtig und zeitgemäß ist der Gedanke, daß die Frau, wenn ihr nicht das Familien=Mutterglück beschieden sein kann, sdoch einen Wirkungskreis haben möchte, in dem sie sich gerade als weibliches und ihren Weiblum unersetzliches Wesen belätigen könne. Das ist ein modernes Ideal, mitten hineingestellt in die Praxis des Lebens, auch des vielgestaltigen und vielbewegten Erwerbslebens. Mit anderen Worten, auch die unverheiratete Frau kann und soll ihr EwigWeibliches sorglich hüten und mag sie sich auch im Beruflichen redlich auf dieser besonderen Lebenslinie durchzusetzen versuchen. Und wer wüßte nicht von solchen Unvermähllen und Kinderlosen, die dennoch eine gewisse glückhafte Mütterlichkeit ausstrahlen! Sie verfallen nicht dem Spolisluche des Altjungferlichen. Sie bewahren sich auch außerhald des„äußerlichen“ eine innere Jugend, die immer dereit ist zum Schaffen und zum freien, güngen Dienen, nun za, wie gan Der fünfte internationale hatholische Frauenkongreß in Rom. Vom 16. bis 23. Mai fand in Rom der fünfte internalionale Kongreß der katholischen Frauen stalt. Von Deutschland haben achtDelegierie daran teilgenommen. Der Kongreßt halte die Aufgabe, die katholischen Frauen! In der Gesinnung christlicher Liebe zu gemei samer Beratung und gemeinsamem Schaffeng zzum ersten Male nach dem Wellkriege zuf vereinigen. Deshalb lag auch die Bedeutung des Kongresses in der gegenseitigen Fühlungnahme. Aus den Worten des Papstes, der den Kongreß empfing, klang der Wunsch, daß die Frauenarbeit in der Familie und in der Oessentlichkeit von christlichem Geiste erfüllt sein möge. In den Kommissionssitzungen wurden folgende Fragen behandelt: Erhaltung und Förderung des Glaubens, Kino, Theater, Mode und Tanz, Hebung der Ritterlichkeil, die Vorbereitung der Frauen auf die Ausübung der bürgerlichen Rechte Die christliche Frau soll ihren Einfluß stärker geltend machen in der Beeinflussung aller Kulturwerte, die das Familienlebe ormen; sie soll der einheitlichen christlichen Moral für Mann und Frau im öffentlichen Leben Gellung verschaffen; sie soll sich in jeder Weise auf die schaffende Arbeit im öffentlichen Leden, in den Parlamenten oder in der Verwallung, fbrgfungg vo berelten. Schwitzen und Hitzschlag. Der Schweiß wird von den meisten Menschen als eine sehr lästige Begleiterscheinung der warmen Sommertage betrachtet. In Wirklichkeit ist er eine jener wunderbaren Schutzmaßregeln. durch die sich der Körper gegen nachteilige Einflüsse schützt. Unsere Haut, welche durchschnittlich die Blutwärme von 37 Grad C. hat, also die Außenluft an Temperatur überragt, gibt stels Wärme an diese ab, natürlich um so mehr, je größer der Unterschied ist. Wird die Abgabe ader zu gering, so kann es geschehen, daß die Wärme sich im Körper staut und dann den gefürchteten Hitzschlag zur Folge hat. Durch die Entstehung des Schweißes, der durch sein Verdunsten der Haut eine beträchtliche Wärmemenge entzieht, wird diese Gefahr aber eben abgewendet, vorausgesetzt, daß der Schweiß am Verdunsten durch zu warme oder zu enge Kleidung, durch zu festes Schnüren, durch hohe Kragen usw. nicht gehindert wird. Besonders vorsichtig müssen schwächliche und kranke Personen sein, auch darf man an sehr heißen Tagen durch schnelles Laufen oder viel Bier krinken die innere Hitze nicht noch vermehren. Hitzschlag zeigt sich an durch große Abgespanntheit, schleppender Gang und großen Durst. Bald rötet sich das Gesicht, der Schweißausbruch wird erhöht, es stellen sich Kopsschmerzen, Ohrensausen. Augenflimmern ein, der Gana wird stolpernd, die Gesichtsfarbe ändert sich ins Bläuliche, die Augen treten stier hervor, zuletzt stellen sich Krämpfe ein. Allmählich wird der Kranke ruhiger, der Puls langsamer und der Tod tritt ein. Hilfe erfolgt dadurch, daß man den Kranken schnell an einen schattigen, kühlen Ort bringt, den Kopf hochlagert, alle Kleider öffnet, Kopf und Brust mil Wasser besprengt und viel Wasser krinken läßt, bis das Bewußtsein wiederkehrt. Große-Versteigerung. freiwilligenk Auftrag werde ich am Sonnabend, dem 10. Juni 1922 vorm. 10 Uhr in Schwerte auf dem Hofe meines Versteigerungslokals Hörder Straße 6 solgende Gegenstände öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern: 2 Pferde, 2 Kohlenwogen, 1 Gick, Autschgeschirr, 3 Blattgeschirre veschiedene Räder mit und ohne Achse. 1 Stunde vor dem Termin Besichtigung H. Elleringmann, Schwerte(Ruhr) Rechtsbeistand und Auttionator Hörderstraße 6 Fernruf 241 Sonntag, den 11. Juni, vormittags ½11 Uhr: Preienurtn Konhert des Rlg. Krb.=Gesangvereins unter Mitwirkung der Kapelle heine verbunden mit Blumentag zum Besten der Altershilse. Stadtmission Schwerte. Zum Waldfest in Billmerich am Sonntag, dem 11. Inni laden wir an dieser Stelle nochmals ein. Jahrgelegenheit mittels Erntewagen ist vo handen Es wird um sofortige Anmeldung gebeten ERS uossun Lichtspiele Zur Reichshrone Schwerte. Heute, Freitag, den 9. Juni 1922: Robuhcne-Numpt Oveedick theinland gegen „Steinke-Bach Pomnern Noriz: Overdiek forderte von St. inke-Bach inen Revanchekamp mit der B-gründung. caß er dureh des Zurn'en des Publikums irritier, wo den sei urd Stirke.Bach ihn dadusch durch eine Ueberraschung besiegen k- nnte. Entscheldungskampf: Ritzie: gegen Tom Jackson Weltmeister der austral. Ringerriese Herausforderunge- Boxkampf Erienkamp Weltmei ter gegen Gebhardt Der Löwe von, Berlin Hafer, Gerste, Mais, mehl rein gemahlen. Maismehl grob u. sein. Rückenfutter, schweselsauren Ammoniar, Kainit sein gemahlen empfiehlt L. Weinberg. uusesone Feecsnie AinTbacher und des Sommerfahrplans ab 1. Juni und Reiseführer Bachhauslung Curt Braus! „Die Kliegen sind ein freches Pack, Ich halt es aus nicht länger, Drum lauf' ich schnell zum Postplatz hin Und kauf mir Kliegenfänger!“ in der Drogerie Mar Mehlhose. Freng a. gateKupktalunlage. Ein in gutem Lustande befindl. massives. Lstöckiges Wohnhaus mit Stallung und Garlen in Schwerte Nähe Ackelwerke) preiswert zu verkaufen. Wohrung könnte durch Tausch bezogen weiden, Garten ist frei! Durc Neudau kleiner Werkstalt sehr geeignet zur selbständi en Existenz tür Schreiner, Schuh macher, Klempner oder ähnliche Beruse, der Garten als Bau= und eventl. 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Juni 1922 10 Fortsetzung Der kleine nervöse Leiter der Anstalt empfing sie mit sorgenvoller Miene, beklagte den Sturz ihres Vaters und wiederholte ihr das, was er ihr bereits brieflich dargelegt hatte, daß die Einführung einer ungeprüften Lehrkraft in seine hochstehende und den besten Ruf genießende Anstalt ein großes Wagnis sei, und daß er ihr erst dann Gehalt zahlen könne, wenn es sich nach einer Probezeit herausstelle, daß sie das ihr geschenkte Vetrrauen rechtfertige und sich nützlich erweise.„6., Frau Stanford empfing melita mit vornehmer Herablassung, sprach von dem großen Opfer, das ihr Gatte bringe, und wies ihr ein kahles Stübchen im Schulhause zur Wohnung an. In der Nacht, die diesem Empfang folgte, vergoß die Verwaiste eine Flut von Tränen. Ihre Entrüstung über das schamlose Verhalten des Heuchlerpaares wallte heiß auf, und doch mußte sie schweigen. Ihr Stolz bäumte sich gegen die erlittenen Demütigungen auf, und sie fragte sich, ob es nicht besser sei, zu sterben, als hier in Knechtschaft zu versinken. Nachdem aber die Ausbrüche des Zornes und der Verzweiflung sich erschöpft hatten, kehrte die Ueberlegung wieder, und sie sagte sich: Es wird ein dorniger Weg werden, der zu deiner Erwerbsfähigkeit führt, aber du mußt ihn beschreiten. Hier wird dir wenigstens Gelegenheit geboten, deine geistigen Fähigkeiten weiter auszubilden — nütze sie. Harre aus, bis Julians Erlösungswort„Komm!“ eintrifft. Lange bevor der nächste Tag graute, wurde Melita dem Schlaf entrissen, und die Vorsteherin des Schulhauses machte sie bei Lampenlicht mit dem Schulplan und ihren Aufgaben bekannt. Die alte Dame war ihr vordem stets höflich begegnet, jetzt schlug sie einen strengen, herrischen Ton an und kehrte fortan ihr von kecken Schülerinnen oft verspottetes sauertöpfisches Wesen auch gegen die neue Hilfslehrerin heraus. Es zeigte sich bald, daß Dr. Stanford auf Melitas unerprobte Lehrkraft doch mehr Vertrauen setzte, als er beim Empfang angegeben hatte, denn er wies ihr ebensoviele Unterrichtsstunden zu, wie den bezahlten Lehrerinnen. Voll Eifer begann sie ihre Tätigkeit, diese wurde ihr aber durch die Nörgeleien der Vorsteherin und das patzige Verhalten einiger ihrer ehemaligen Mitschülerinnen erschwert, von denen sie früher um ihrer Vorzugsstellung willen beneidet worden war. Es kostete sie viel Geduld und Selbstbeherrschung, um Konflikte zu vermeiden, aber sie überwand sich selbst, und damit auch ihre Gegnerinnen. Nach mehreren Wochen fand sie die Unterstützung Dr. Stanfords, denn der kenntnisreiche und erfahrene Pädagog sah, daß, er an ihr, trotz ihrer Jugend, eine ganz vorzügliche, vielversprechende Lehrkraft für sein Institut gewonnen hatte. Zwar ließ er es von Zeit zu Zeit an gelindem Tadel nicht fehlen, um sie fühlen zu lassen, daß sie noch lange nicht berechtigt sei, Gehaltsansprüche zu stellen, aber er spornte auch ihren Eifer durch Anerkennung an und gab ihr schätzenswerte Anleitung zum Lehrverfahren. Melita erfuhr jetzt, daß emsige Arbeit nicht nur die Zeit kürzt, sondern auch die Seelenkräfte wunderbar belebt. Trotz aller Verdrießlichkeiten und Entbehrungen ging das Probejahr wie im Fluge dahin. Nun erst entschloß sich Dr. Stanford, ihr ein Gehalt zu bewilligen, das knapp ausreichte um ihre Kleidung zu beschaffen. In diesen Tagen waren ihre einzig. Freude— Julians Briefe. Er schrieb zwar nur selten, aber dann so liebewarm und hoffnungsfreudig, zuweilen auch in so frohlaunigen, anmutigen Versen, daß sie sich erbaut, getröstet und ergötzt fühlte. Eine große Weihnachtsfreude bereitete er ihr vor Ablauf des Probejahrs durch die Mitteilung, daß er ein Lustspiel vollendet habe, das jetzt an die Bühnen versandt und von Kennern günstig beurteilt werde. Nun endlich sah sie die Zukunft in rosigem Licht. Während der Sommerferien beschränkte Dr. Stanford die Arbeitsleistung Melitas auf zwei Unterrichtsstunden, die sie seinem Sohn Edward, einem elfjährigen Knaben, zu erteilen hatte. Mrs. Stanford aber legte ihr die weitere Verpflichtung auf, Jung=Edward auf seinen Spaziergängen zu überwachen und— wie sie sagte— durch lehrreiche und erbauliche Gespräche seiner jungen Seele eine ideale Richtung zu geben. Für den Idealismus aber war der praktische Sohn Albions nicht zu haben, und als ihm Melita eines Tages unmutig zurief: „Du wirst deinen Vater schwer enttäuschen und niemals ein Gelehrter werden, denn du besitzest keinen Ehrgeiz,“ erwiderte er frech auflachend: Ich keinen Ehrgeiz? Solch ein Nonsens! Ich brenne vor Ehrgeiz! Und weil ich ehrgeizig bin, pfeife ich auf alle Gelehrsamkeit und strebe darnach, reich zu werden, wie James Proctor.“ „Ein wunderlicher, nicht sehr hochstrebender Ehrgeiz!“ spottete Melita. „Meinen Sie? Ja, wer hat denn die schönste Besitzung auf der Insel?— Der reiche Proctor. Vor wem katzbuckeln meine Eltern? — Vor dem reichen Proctor.— Wen beneidet Mama um ihre Kleider und Juwelen?— Die reichen Proctors. Wer gibt die feinsten Diners? — Die reichen Proctors. Sie sehen also, Miß Wismar, daß der reichste Mensch auch der geehrteste und glücklichste ist. Melitas Versuche, die moralphilosophischen Ueberzeugungen Jung=Edwards zu erschüttern, scheiterten vollkommen, und als sie von der Uferhöhe aus das von schattigen Parkanlagen umgebene Marmorschloß des reichen James Proctor betrachtete, gestand sie sich, daß die Aib Ortgell Roman von Rudols Elcho. bestehenden sozialen Verhältnisse den nüchternen Knaben zur hohen Wertschätzung des Reichtums verleiten mußten. Sie erinnerte sich jetzt, daß während ihres ersten Aufenthalts in Ryde Edwards Eltern wiederholt von den Proctors verächtlich gesprochen, deren Einladungen aber stets freudig angenommen hatten. Frau Stanford erzählte ihr damals: James Proctor sei der Sohn eines Fleischers. Er habe als Goldgräber in Australien ein Vermögen erworben und dann einen Handel mit Schlachtvieh in seiner Vaterstadt Southampton begonnen. Seit etwa fünfundzwanzig Jahren importierte er Hammelfleisch und habe Millionen verdient. Er besitze eine Flotte von Transportdampfern, große Lager= und Gefrierhäuser in London und mehren Hafenstädten, dazu ein Schloß in Southampton und den herrlichen zwischen Ryde und Cowes belegenen Landsitz Hillcastle. Von der Gattin dieses gesegneten Viehhändlers behauptete Mrs. Stanford, sie halte es für ihre Lebensaufgabe, der Welt die modernsten Kleider, Hüte und Schmucksachen zu zeigen und unterscheide sich wenig von den Puppen in den Schaufenstern der Warenhäuser. Jung=Edwards Weltanschauung bestätigte Melita die Richtigkeit des Sprichworts: Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen. Eines Tages, als Melita, aller Pflichten ledig, das Haus der Stanfords verließ, begegnete sie einem jungen Manne von stattlicher Gestalt und militärischer Haltung, dessen hübsches, intelligentes Gesicht durch eine Stirn und Wange spaltende Narbe verunstaltet wurde. Der verlangsamte bei ihrem Anblick seinen Gang, und als er in ihre Nähe kam, zog er respektvoll den Hut und fragte, ob er die Ehre habe, Miß Wismar zu sprechen. Als diese die Frage bejahte, stellte er sich ihr als Lord Archibald Leigh vor, erklärte ihr mit frohem Lächeln, er habe es gewagt, sie anzusprechen, weil ihm von befreundeter Seite ihr Aussehen genau geschildert worden sei und fügte dann hinzu, er sei beauftragt, ihr einen Antrag zu machen. „Einen Antrag, von welcher Art?“ fragte Melita überrascht. Sie trat in eine zum Strand hinabführende Allee ein und lud ihn durch eine Kopfbewegung ein, sie zu begleiten. Lord Leigh eröffnete ihr nun, daß er der Schwiegersohn Proctors sei. Dieser suche für seine jüngste Tochter Edith eine Erzieherin, welche befähigt wäre, einen Backsisch in der deutschen und französischen Sprache, im Klavierspiel und jenen Umgangsformen zu unterrichten, die zum Eintritt in die gute Gesellschaft unentbehrlich seien. Ediths Eltern hätten ihn beauftragt, sich nach einer für die Stellung geeigneten Persönlichkeit umzutun. Er habe dies bei seiner Rückkehr nach London ausführen wollen, vor einigen Tagen aber hätten Schülerinnen des Stanfordschen Instituts von ihrer Lehrerin, Fräulein Wismar, mit so viel Anerkennung gesprochen, daß er beschlossen habe, das Gute in der Nähe zu suchen. Nach einer Besprechung mit seinem Schwiegervater sei er in der Lage, ihr einen bereits unterzeichneten Vertrag vorzulegen. Er bitte sie, sich das Dokument näher anzusehen und zu entscheiden, ob sie ihm durch ihre Unterschrift Rechtsgültigkeit verleihen wolle. Melita nahm, tief errötend vor freudiger Ueberraschung, das Blatt entgegen und überflog seinen Inhalt. James Proctor sicherte ihr für Dienste als Lehrerin und Gesellschafterin seiner Tochter ein Jahresgehalt von 150 Pfund Sterling und vollen Unterhalt zu. Melitas Herz pochte heftig. Mehr als dreitausend Mark für voraussichtlich leicht zu erfüllende Pflichten, dazu der Aufenthalt in einem reichen Hause, das bedeutete für sie eine unwiderstehliche Verlockung und einen glücklichen Umschlag ihres Geschickes. Völlig überwältigt und aus der Fassung gebracht, starrte sie den Lord an, und ihre Augen wurden feucht. Nach einer Weile erst stotterte sie: „Ist—— ist das ernst gemeint?“ Der Lord konnte ein Auflachen kaum unterdrücken. „Verzeihen Sie, Miß Wismar, daß ich Ihre Frage komisch finde. Wer James Proctor kennt, der weiß, daß er in geschäftlichen Dingen keinen Spaß versteht. Mir ist in dieser Angelegenheit die Rolle des ehrlichen Maklers zugefallen, und nach den Erkundigungen zu urteilen, die ich eingezogen habe, muß ich annehmen, daß sich meine Schwiegereltern Ihrer Einwilligung freuen könnten.“ „Aber die Höhe des Jahresgehalts läßt mich fürchten, daß ich ihren Ansprüchen kaum genügen kann.“ „Unbesorgt! Das Jahresgehalt ist in Proctors Augen eine Bagatelle. Was Ihre Stellung betrifft, so darf ich Ihnen allerdings nicht verhehlen, daß meine kleine Schwägerin das verzogene Kind einer schwachen Mutter ist und daß Ihnen Kämpfe im Hause der Proctors schwerlich erspart bleiben. Ich bin noch nicht lange genug verheiratet, um die Eltern meiner Frau gerecht beurteilen zu können, aber ich hörte, daß Sie auch bei den Stanfords nicht auf Rosen gebettet sind. Unser Leben ist ja auf Kampf gestellt, und es bleibt uns schließlich der in Macbeth enthaltene Trost: „Komme, was kommen mag, die Stunde rinnt auch durch den rauhesten Tag.“— Ich kann Ihnen nur raten, mutig zuzugreifen. Sollten Sie jemals in eine bedrängte Lage geraten, so bin ich gern bereit, Ihnen zu raten und wenn es möglich ist— auch zu helfen.“ Melita hatte viel von ihrer Arglong#en### eingebüßt, darum erweckte das freundliche Anerbieten des Fremden ihr Mißtrauen. „Ich weiß kaum, Mylord, welchem Umstande ich Ihr überaus liebenswürdiges Entgegenkommen zu danken habe? Es überrascht mich Melitas Frage verwirrte den Lord, und ein flüchtiges Erröten ging über sein bräunliches Gesicht. Nach kurzem Besinnen aber erwiderte er mit einem treuherzigen Aufblick seiner grauen Augen: „Nun, es sei offen eingestanden, daß mich die selbstsüchtige Absicht bei dem Wunsche leitet, Sie möchten die Sympathie, die Ihre Persönlichkeit in mir erweckt hat, ein wenig erwidern. Mir ist nämlich daran gelegen, daß die kleine Edith nicht nur eine tüchtige Erzieherin erhält, sondern daß auch zwischen mir und meinen Schwiegereltern eine Dame steht, auf die ich bei kleinen Konflikten, die ja selbst in den besten Familien schwer zu vermeiden sind, wie auf eine Freundin zählen kann.“ „Ihr Vertrauen soll nicht getäuscht werden.“ — Sie reichte ihm in dankbarer Erregung die Hand. Gleich darauf aber trat ein sorgenvoller Zug in ihr glückstrahlendes Gesicht. „O weh! Mir scheint, wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht, Dr. Stanford!— Wie komme ich los von ihm?“ „Das lassen Sie meine Sorge sein. Er hat bei der Begründung seiner Anstalt wiederholt die Unterstützung meines Schwiegervaters in Anspruch genommen und wird sich leicht bereit finden lassen, seinem Protektor gefällig zu sein. So darf ich Sie gleich als neue Hausgenossin begrüßen. Zu Ihrer Orientierung will ich bemerken, daß ich seit zwei Monaten mit der älteren der beiden Töchter von James Proctor verheiratet und Marineoffizier bin. Nach fünf Wochen gehe ich mit Alice, meiner jungen Frau, nach London, wo ich in die Marineverwaltung eintrete. Meine Schwiegereltern verbringen den Winter in Southampton. Im nächsten Sommer aber finden sich die Proctors und Leighs wieder in Hillcastle zusammen, das Ihnen ja wohl bekannt sein wird?“ „So welt ein Blick über die Mauer reicht,“ bemerkte sie mit sonnigem Lächeln. „Es ist ein stiller, behaglicher Landsitz, und ich hoffe, daß Sie sich bald darin heimisch sinden werden. Auf Wiedersehen! Ich gehe jetzt zu den Stanfords.“ Was Lord Leigh vorher gesagt, erfüllte sich zu Melitas großer Freude schon eine Stunde später. Dr. Stanford ließ sie in die Cottage rufen und eröffnete ihr mit einer Freundlichkeit, die zur Verdeckung seines Aergers nicht gatz ausreichte, daß er der Bitte Lord Leighs nachgeben und sie ihrer weiteren Verpflichtungen entbinden wolle. Es erfülle ihn mit stolzer Genugtuung, daß sie sich das Rüstzeug zu ihrem erzieherischen Beruf in seiner Anstakt erworben habe und erwartete, daß sie im Hause Proctors, und wohin ihr Beruf sie immer führe, der Segnungen gedenke, die von seinem stillen, aber menschenfreundlichen Wirken ausgebe. Melita war zu sehr vom Glücksgefühl beherrscht, als daß sie der salbungsvollen Rede die gebührende Beachtung hätte schenken können. Mit konventioneller Höflichkeit verabschiedete sie sich von dem Ehepaar, das ihr eine Zufluchtsstätte nur in gewinnsüchtiger Absicht gewährt hatte. Nach ihrer Uebersiedlung fühlte sie sich in eine ihrem Vaterhause ähnliche Umgebung versetzt. Freilich war das Schlößchen von einem echt englischen Park umgeben mit saftig grünem Rasen, verdämmernden Alleen, kleinen, mit Gaisblatt, Efeu oder Kletterrosen ganz umsponnenen Häusern. Von der Schloßterrasse aus genoß Melita einen entzückenden Ausblick über langgestreckte Senkungen von Feldern und Wiesen, die von Hecken umsäumt, zum blauen Meer hinreichten. Hier reihten sich Villen, Dörfer, Kirchen und Schlösser bunt und malerisch aneinander, und weit im Norden zeigte sich in verschwommenen Linien jene Südküste Englands, an der Southampton liegt. Das Erdgeschoß des Castles war mit grünem Blattwerk und leuchtenden Blumen ganz überdeckt, seine Marmorflächen aber hatten Wind und Wetter mit einem weichen, zarten Grau überhaucht. In der durch Wandskulpturen geschmückten und durch gedämpftes Oberlicht erhellten Vorhalle herrschte geheimnisvolle Stille, die durch leises Plätschern eines Springbrunnens nicht durchbrochen, sondern nur fühlbarer gemacht wurde. Hier empfing sie der Hausmeister mit der Herablassung und Gönnermiene eines verantwortlichen Ministers und geleitete sie zu ihrem „Apartement“, einem hübsch ausgestatteten und geräumigen Zimmer; er sprach zu ihr im Flüsterton, und die beiden Melitas Gepäck tragenden Diener bewegten sich auf den mit dicken Teppichen belegten Gängen geräuschlos. Die junge Erzieherin konnte sich der Vorstellung nicht erwehren, als dringe sie in ein Dornröschen=Schloß ein. Der erste, der die mysteriöse Stimmung verscheuchte, war Lord Archibald Leigh. Er begrüßte sie laut und führte sie den Proctors zu. Sie fand die Familie in einem lauschigen, im Stil Louis' XVI. gehaltenen Salon. Als sie die prüfenden Blicke von vier sie kühl begrüßenden Personen auf sich gerichtet sah, befiel sie, trotz der sovialen Einführung seitens des gütigen Lords, eine starke Verlegenheit. Sie empfand es als eine Erleichterung, daß sie den, Fächer aufheben konnte, der gleich nathz der Nachdruck verboten. Vorstellung den mit kostbaren Ringen besetzten Händen der Hausfrau entfallen war. Sie erinnerte sich, daß sie Frau Proctor mit ihren Töchtern wiederholt in Ryde begegnet war, aber niemals hatte sie den Hausherrn erblickt. Durch die Angaben über dessen Herkunft und Beruf hatte sie sich zu der Annahme verleiten lassen, sie werde einem vierschrötigen Manne mit groben Zügen und dem dünkelhaften Gebaren eines Emporkömmlingsbegegnen, statt dessen fand sie den Typ eines englischen Gentlemans. James Proctor war von hoher, hagerer Gestalt. Sein stark gelichtetes Blondhaar ließ eine mächtige Stirn frei, die sich wie eine Gedankenburg über buschigen Brauen und einem melancholisch blickenden Augenpaarwölbte. Sein von zwei langen Bartkoteletten flankiertes Gesicht wurde zuweilen durch ein vervöses Zucken verzerrt. Einen frappierenden Gegensatz zu ihrem einfach gekleideten Gatten bildete Frau Proctor, die sich gern ihrer Abstammung aus einer aristokratischen Familie rühmte. Für die Erhaltung ihrer derben Jugendschönheit führte sie mit allen ihr zu Gebote stehenden kosmetischen Mitteln einen erbitterten Kampf, der aber von Jahr zu Jahr aussichtsloser wurde. Ihre überquellende Leibesfülle engte sie durch ein französisches Korsett derart ein, daß ihr das Atmen schwer wurde. Ueber ihr breites, rotes Gesicht türmte sie einen Lockenbau, der im Verein mit einer prunkenden, aber geschmacklosen Robe ihrer Erscheinung einen grotesken Zug gab. Ihre ältere Tochter, Lady Alice Leigy, glich durch die schlanke Gestaltund feine Gesichtsbildung ein wenig dem Vater; ihr munteres, liebenswürdiges Wesen ließ die junge Frau erkennen, die sich im Besitze eines geliebten Mannes vollkommen glücklich fühlt. Edith, ihre jüngere Schwester, besaß eine fatale Aehnlichkeit mit der plumpen Mutter. Zwischen ihren dicken Backen war die kleine Nase völlig eingeklemmt. Ihre mittelgroße Gestalt war rundlich, aber ihr Gesicht trug nicht die Farbe der Gesundheit. Melita erkannte an Merkmalen, auf die sie durch den Arzt der Stanfordschen Anstalt wiederholt aufmerksam gemacht worden war, daß ihr Zögling bleichsüchtig sei. Als daher Frau Proctor sie fragte, welche Methode sie bei Edith anzuwenden gedenke, die oft an Kopfschmerzen leide und großer Schonung bedürfe, erwiderte sie bescheiden, aber bestimmt, sie werde vorläufig von einem Lehrplan absehen. Sie sehe vollkommen ein, wie berechtigt die mütterliche Besorgnis sei, und hege die Ueberzeugung, daß mehr Wert auf die Körperpflege, als auf den wissenschaftlichen Unterricht zu legen sei. Nur in einem gesunden Körper lasse sich einekräftige Entwicklung geistiger Fähigkeiten erzielen, sie schlage daher zur Bekämpfung der Bleichsucht kräftige Bewegung in guter Luft und Sonne, turnerische Uebungen bei leichter, die Blutbildung fördernder Kost, bequeme Kleidung und Lungengymnastik durch Gesangsübung vor. Was die geistige Nahrung betreffe, so werden sie sich bemühen, der Schülerin durch Gelegenheitsunterricht Anregung und Belehrung zu bieten. Spöttisch lachend bemerkte Lady Alice: „Ihre guten Absichten werden an der Trägheit meines Schwesterchens scheitern.“ „Ich halte diese nur für eine Folge ihres üblen körperlichen Befindens; sie wird sich bei etwas gutem Willen überwinden lassen.“ „Sie sprachen von einfacher Kost," warf Frau Proctor ein und zog die Brauen hoch. „Ich kann Edith an unserer wohlbesetzten Tafel doch nicht fortgesetzt Entbehrungen auferlegen, das wäre ja grausam.“ „Sehr richtig, gnädige Frau. Ich schlage daher vor, daß Ihrem Töchterchen und mir die einfachen Mahlzeiten in meinem Zimmer aufgetragen werden.“ „Und welche Speisen halten Sie für zuträglicht“ Melita führte mehrere an; als sie aber geendet hatte, war ihres Zöglings Vollmondgesicht länglich und puterrot geworden. „Ich esse keine Quakeroats=Suppen,“ rief sie trotzig.„Du lieber Himmel, ich sehe gar nicht ein, warum ich auf alle guten Dinge verzichten soll; ich bin doch kein Stiefkind.“ Ohne diesem Protest seiner Tochter Beachtung izu schenken, richtete der Hausherr an Melita die Frage: „Und Sie wollen sich die Entbehrungen gleichfalls auferlegen, die Sie für Ihre Schülerin in Vorschlag bringen?“ „Gewiß. Ich ziehe einfache, schmackhafte Kost den üppigen Tafelgenüssen vor und hoffe, Fräulein Edith wird bald einsehen, daß ein kräftiger, elastischer Körper durch den Verzicht auf Leckereien nicht zu teuer erkauft ist.“ Nach einer kurzen Besprechung im Familien= kreise erklärte der Hausherr, er sei mit Melitas Erziehungsplan vollkommen einverstanden und ersuche Edith, demselben keinen Widerstand entgegenzusetzen. Frau Proctor bestimmte aber, dug ihr Liebling und Melita jeden Sonntag, an dem sich Gaste auf Hillcastle einfänden, an der gemeinsamen Tafel speisen sollten. Eine Stunde nach dieser Familienberatung begegnete Lord Leigh Melita und Edith auf einem Spaziergang. Er bat seine Schwägerin, voranzugehen, und sagte dann zu Melita:„Ihr Programm und dessen Begründungist vortrefflich. Ich bitte Sie dringend, es streng durchzuführen. Edith muß der Verweichlichung entrissen werden. Ihre Vorgängerinnen wagten esnicht, das hohe Gehalt und die gute Verköstigung aufs Spiel zu setzen, und bequemten sich ganz die Wünschen ihrer Herrin und den Launen Edithe an. Dazu (Rootsetzung folgt). Der Beginn des Erzberger=Mordbrogse. Die Anklage. Der Mittwochvormittag 9 Uhr vor dem Schwurgericht zu Offenburg beginnende Prozeß gegen den Kapitänleutnant a. D. Maufred von Killinger wegen Beihilfe zum Erzbergermord, ist in jeder Beziehung, vor allem auch in strasprozessualer, eine Merkwürdigkeit. Es wird, ohne daß die beiden der Ermordung des früheren Reichsfinanzministers verdächtigen Personen— der Kaufmann Heinrich Schulz aus Saalfeld und der Lentnant a. D. Heinrich Tillessen aus München— ergriffen sind, dennoch die ganze Tatfrage der Ermordung Erzbergers ausgerollt werden. Die sämtlichen Zeugen, alle Urkunden, die Augenscheinprotokolle usw., sind herbeigezogen und außerdem ist ein Augenscheinstermin am Tatort vorgesehen. Ein Urteil gegen die Mörder, bzw. gegen die des Mordes Beschuldigten kann aber nicht gesällt werden. Auch die Frage der Geheimorganisation Consul wird zwar behandelt werden, aber nicht zur Aburteilung kommen, denn sie ist Gegenstand einer besonderen Untersuchung und eines späteren Verfahrens, das nicht in Offenburg, sondern in München zur Verhandlung gelangen wird. Wie der Mord geschah, dürfte in allen Einzelheiten noch bekannt sein. Die außerordentlich umfangreiche Anklageschrift behandelt zunächst die Einzelheiten der Mordtat und erinnert daran, daß Matthias Erzberger am 26. August 1921 auf der Kniebisstraße, die von Bad Griesbach auf die Kniebishöhe führt, durch einen Mord sein Leben verlor. In seiner Begleitung befand sich der Zentrumsabgeordnete Diez, der auch einen Schuß erhielt, danach vorübergehend gelähmt war, aber sich wieder erholte. Kutscher und Waldarbeiter sahen am Mordtage zwei junge Männer in der Nähe des Tatortes. Sie waren Erzberger und Diez auf deren Spaziergang von Griesbach zum sogen.„Grandecker=Häusle“ am Kniebis gefolgt und hatten sie überholt. In der Nähe des„Grandecker=Häusles“ kehrten sie um. Nach etwa einer Viertelstunde fielen im Tal Schüsse. Die Anklage nimmt an, daß Erzberger und Diez von den beiden jungen Leuten überfallen wurden und ist der Aufsassung, daß Schulz und Tillessen die beiden jungen Männer waren, die sich als Bergen und Riese im Hirschen“ zu Oppenau ausgegeben hatten. Am 11. Oktober 1921 ging bei der Staatsanwaltschaft Offenburg ein Brief von Schulz und Tillessen ein. In diesem Brief erklären die beiden, daß sie sich in Sicherjegliche harmlose Deutung aus und zeigen, daß der Angeschuldigte nicht nur nach, sondern auch schon vor der Tat von dem geplanten Mord gewußt und sich in der unter Anklage gestellten Weise betätigt haben muß. Der Angeklagte Manfred von Killinger ist am 14. Juli 1886 in Lindigt geboren, war Kapitänleutnant, hat den Krieg mitgemacht und ist im Besitze des Eisernen Kreuzes und mehrerer anderer Kriegsauszeichnungen. Rund um Berlin. Die Hundertjahrfeier der Akademie für Kirchenmusik. Die Feier des 100jährigen Bestehens des Alademischen Instituts für Kirchenmusik in Charlottenburg wurde am Montagvormittag mit einer Festlichkeit in der Aula des Instituts eingeleitet. Nach der Begrüßungsansprache des Direktors, Geheimrat Dr. Kretzschmar, hielt der stellvertretende Direktor, Prof. Karl Thiel, die Festrede, in der das Entstehen und die Entwicklung des Instituts von Wilschen Schutzbundes zu einer erhebenden Kundgebung für den deutschen Einheitsgedanken. Nachdem der Marienburger Oratorienverein das Pfingstlied„Komm, heiliger Geist, kehr bei uns ein“ gesungen hatte, gedachte der Regierungspräsident des Kreises Marienwerder, Graf Baudissin, in seiner Begrüßungsrede mit Freude des Abstimmungssieges und mit tiefer Trauer des Raubes der Weichseldörfer und sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß recht bald die deutschen Volksstämme im großen deutschen Vaterland vereinigt sein werden.— Prof. Patterer feierte den Tag, an dem es für alle deutschen Stämme heißen werde: ein Volk, ein Reich, ein Vaterland. Zu diesem Tage sei aber eine innere Läuterung des ganzen Volkes nötig. Hierauf begaben sich die Teilnehmer aus dem Remter zur Enthüllung des Abstimmungs=Denkmals. Nach dem Vortrage von Beethovens:„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" durch die Marienburger Liedertafel und nach einer Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Pavelczik hielt Regierungshelm v. Humboldts ersten Anregungen bis heute vor Augen präsident Graf Baudissin die Festrede, zu deren Schluß geführt wurde. Kultusminister Dr. Boelitz führte in er alle zu dem Gelübde aufsorderte, alles für die deutsche seiner Ansprache aus, daß die Musik ferner keine abseitige.„Sache einzusetzen: Gut und Blut und, wenn es sein muß, in: Lohrylan der Schulen mehr einnehmen,##c. 9#8 Dahau Daun gah dan Ala#iomunos Stellung im Lehrplau der Schulen mehr einnehmen, sondern den übrigen Fächern der inneren Bildung und Charakterfestigung gleichberechtigt sein solle. Deshalb wird die Studienzeit von drei auf sechs Semester ausgedehnt, zwei weitere Lehrkräfte berufen und die Stundenzahl in allen Fächern vermehrt.— Wegen dieser Annäherung an die Kunsthochschulen und Universitäten soll das Institut von jetzt ab den Namen Akademie für Kirchen= und Schulmusik führen. Da sich die Neuordnung in den engen Räumen der Anstalt nicht durchführen läßt, werden der Alademie neue Unterrichts= und Uebungsräume im Schloß Charlottenburg zugewiesen. Künftig sind auch Frauen zum Studium in der Akademie zugelassen. Die Hirsch=Duuckerschen deutschen Gewerkvereine hielten letzter Tage in Berlin in ihren Räumen, Greifswalder Straße, den 21. Verbandstag ab, der von zahlreichen Vertretern aus allen Teilen des Reiches besucht war. Zunächst befaßte man sich mit internen Angelegenheiten. Am Dienstag begannen dann die offiziellen Verhandlungen in Gegenwart von Vertretern von Reichs= und Staatsbehörden. Die Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende des Zentralrates, Gleichauf(Berlin). Reichswirtschaftsminister Schmidt, Handelsminister Siering, Prof. Dr. Heyde von der Gesellschaft für soziale Resorm, Ing. Schönau(Haag) vom Allgemeinen Niederländischen Fachverband, Beckmann von der zentralen Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und Schneider vom Gewerkschaftsbund standen, unter vollem Einsatz der Person die Sp zu lenken und dabei so geschickt zu arbeiten, daß den Tätern reichlich Zeit zur Flucht blieb. Sie glaubten, sich dieser Aufgabe gewachsen gezeigt zu haben. Vor der Tat hätten sich handelte. Ihre Anweisie nicht gewußt, worum es sich hanbelt.. Ihre, Anweisungen hätten gelautet:„Bei einer politischen Tat den Tätern bedingungslose Hilfe zur Flucht zu leisten.“ Auch wiel Aufklärung wollten sie noch geben, daß die Aneisung zur Tat aus rheinischen Zentrums=d#####de und Proontte keisen an sie gelangt sei, ebenso seien von dieser Seite Lzweite Entschließung fordert von der Reichsregierung eine nen recht erhebliche Geldmittel gezahlt worden, die die Sozialpolitik, die den demokratischen Ideen der Selbstrganisierung der Tat erforderte. Der Brief ist datiert verwaltung und Selbstverantwortune Rechnung trägt, vor velen Erielen, einte Crichlefsung angenonuen, iu der die Einordnung in die Wirtschaft und ein ausreichender Anteil der Arbeitnehmer am Produktionsertrag gefordert wird. Auf dem Wege der Werkgenossenschaften, durch privaten Erwerb von Besitzanteilen sowie durch Zusammenfassung der Spar= und Kapitalkraft der Arbeitnehmer in Arbeiterbanken, soll das Ziel der Demokratisierung der Betriebe und Produktionsmittel verfolgt werden. Eine soviel Aufklärung wollten sie noch geben, daß die Anweisung zur Tat aus rheinischen Zentrumskrei ihnen Orgamseerung der Tür ersowbicg.„Der Gelligist danti,, ogzwallugg und Welgstherankohriung Rechnung txg von Emden und dort am 9. Oktober verg. Jahres zur allem in Fragen der Arbeitsnachweise und der SchlichtungsPost gegehen. ordnung. Der Verbandstag beschloß weiter, an der ArAm 8. November 1921 tauchten beide in Budapest heitsgemeinschaft festzuhalten und beauftragt seine Vertreter auf, wo Schulz als seinen Geburts verkehrten in den teuersten Lokalen, ließen sich neue An= einzutreten. Ein weiterer Antrag fo züge machen und waren gern gesehene Besucher eines ermäßigung während des Erholungsurlaubs für sie die Nädchen mit hohen Summen Eine Entschließung, vie sich grundsätzlich für die Beibehaltung des Achtstundentages ausspricht, aber Abweichunauch das Leben. Dann gab der Regierungspräsident das Zeichen zur Enthüllung des Deukmals, das mit lautem Beifall und Händeklatschen begrüßt wurde.— Mit einer Kranzniederlegung durch verschiedene Vereinigungen und mit dem Liede„Ich hab mich ergeben, mit Herz und mit Hand“ fand die Feier ihren Abschluß. + Erste internationale katholische Gesellentagung. Zur Teilnahme an der in Köln während der Pfingsttage abgehaltenen Ersten internationalen katholischen Gesellentagung hatten etwa 700 Gesellenvereine aus ganz Deutschland und dem Auslande, darunter auch aus Amerika, Abordnungen entsandt. Nach einem feierlichen Pontifikal= amt, das am Pfingstsonntag Kardinal=Erzbischof Dr. Schulte im Dom zelebrierte, sanden Versammlungen statt, in denen die Ziele der katholischen Gesellenvereinigungen besprochen wurden. Ein Antrag des Leipziger Vereins, die bayerische Regierung zu bitten, die Büste des Gesellenvaters Kolping in der Walhalla aufzustellen, fand lebhafte Zustimmung, ebenso die Anregung zur Schaffung eines eigenen Verbandshauses in Rom. + Drethundertjahrseier der Lübecker Stadtbibliothek. Anläßlich der Dreihendertjahrfeier der Stadtbibliothet zu Lübeck überreichte die Königliche Bibliothek in Stockholm eine feierliche Adresse, die als ein besonderes Zeichen freundnachbarlichen Geistes des stammverwandten schwedischen Volkes gewürdigt wird. Der Direktor der Lübecker Stadtbibliothek, Dr. Pieth, stattete dem schwedischen Reichsbibliothekar für das herzliche Gedenken sowie für die langjährige Förderung des deutschen und insbesondere des Lübecker Bibliothekwesens seinen Dank ab. Ein ganzes Dorf in Asche gelegt. In dem altmärkischen Dorfe Streesow, das in der Nähe der haunoverschen Grenze liegt, brach am Pfingstmontag, abends gegen 8 Uhr, aus noch unaufgeklärten Gründen ein verheerendes Feuer aus, das das ganze Dorf in Schutt und Asche legte. Sieben Bauerngehöfte mit etwa zwanzig Gebäuden, zahlreichem Viehbestand und großen Erntevorräten wurden ein Raub der Flammen. Alle Wehren der Umgegend eilten zur Hilfeleistung herbei, waren aber dem Riesenfeuer gegenüber, auch infolge Wassermangels, machtlos. Nur das Gut Streesow, der Ortsgasthof und einige Tagelöhnerhäuser blieben verschont. Bei den Rettungsarbeiten wurde der Gastwirt Riek lebensgefährlich verletzt. + Schweres Bootsunglück. Wie die„Königsberger beide in Budapest heitsgemeinschaft festzphalten und beauftragt seine.Pertreter Hartungsche Zeitung“ berichtet, ereignete sich am Pfingstetsort Jena eintrug. Sie für die Erhaltung und den Ausbau der Arbeitsgemeinschaft montag in der Gegend von Haffstrom vor der len, ließen sich neue An= einzutreten. Ein weiterer Antrag fordert eine Fahrpreis= Mündung ein schweres B gesehene Besucher eines ermäßigung während des Erholungsurlaubs für Arbeiter. g#m siehen Personen eine Vordells, in dem sie die Maochen mir hohen Summen traktierten.— Man fragt sich naturgemäß, wie es möglich war, daß Schulz und Tillessen entkamen, da man doch bereits am 29. August in Oppenau von ihrer Beteiligung an dem Morde Kenntnis hatte. Jedenfalls sind sie rechtzeitig gewarnt worden und haben daraufhin die Flucht ergriffen. Die Staatsanwaltschaft hält es nach Lage der Sache für ausgeschlossen, daß die Tat ohne fremde Hilfe vorbereitet und ebenso ohne Hilfe die Flucht durchgeführt worden wäre. Von Killinger habe zu den Angeschuldigten im engsten Arbeits= und Gesinnungsverhältnis gestanden. Bis unmittelbar vor Antritt der Reise, in deren Verlauf beide Erzberger ermordeten, seien sie mit dem Angeschuldigten zusammengewesen. Die Anklage führt dazu aus: Kapitänleutnam a. D. von Killinger war Leiter der Abteilung der Organisation C. Die Organisation C. bedeutet Organisation Consul. Der Name deutet auf den Leiter Korvettenkapitän Ehrhardt, der von seinen Leuten „Herr Consul“ genannt wird. Die Abteilung behandelte die militärischen Aufgaben, die militärischen Anknüpfungen mit gleichen Gruppen, die Versorgung der Vertrauensleute mit gleichen Nachrichten. Die Abteilung B war die umsangreichste Abteilung. Schulz war der Stellvertreter des von Killinger. Es habe ein Zusammenarbeiten der Genannten im engsten Kreise stattgefunden, das Geschäftslokal befand sich in der Trautenwolfstraße Nr. 8 in München und versteckte sich hinter dem Firmenschild„Bayerische Holzverwertungsgesellschaft m. b. H.“ Nach Begehung der Tat sei der Angeschuldigte die erste Person gewesen, die Schulz und Tillessen in München aussuchten. Von Killinger habe Schulz und Tillessen die Abstellung ihrer Koffer in München gestattet, obwohl die beiden ihre Wohnung hatten. Der Angeklagte erklärt das Abstellen der Koffer damit, daß Schulz und Tillessen ihm angegeben hätten, sie wollten noch einige Tage in die Berge. Ein derartiges Abstellen von Koffern seitens Bekannter komme bei ihm öfters vor. Am 9. September 1921, so führt die Anklage weiter aus, habe von Killinger den Schulz abgeholt und ihn mittels Auto zur Bahn gebracht. Am 12. September 1921 schrieb Schulz an seine Mutter, den Briefverkehr mit ihm unter Weglassung seines Namens auf der Anschrift unter der Deckanschrift des Angeschuldigten Killinger zu führen. Auch das läßt die Staatsunwaltschaft auf enge Beziehungen schließen. Schulz und Tülessen flohen nach dem Osten. Im Schreibtisch des Angeschuldigten befand sich ein Stempeltypenapparat und der zusammengestellte Satz eines Paßkontrollstempels. Der Angeklagte bestreitet, daß er diesen Satz zur Herstellung salscher Pässe angesertigt habe, wie sie etwa für Schulz Tillessen zweckmäßig gewesen wären. Die Anklage schließt mit dem Satz:„Lägen nur wenige einzel hieser belastenden Tatsachen vor, so könnte man der Angeschuldigten versuchten harmlosen Deutung In ihrem Insammenhalt schließen sie aber gen aus zwingenden Gründen der Vereinbarung zwischen den Arbeitnehmer= und Arbeitgeberorganisationen überlassen will, wurde einem Redaktionskomitee überwiesen und die endgültige Stellungnahme vertagt. Tarifstreitigkeiten bei der Hochbahn. In der vergangenen Woche hatte ein Schiedsgericht des Reichsarbeitsministeriums einen Schiedsspruch über Lohnforderungen der Angestellten der Hochbahn gefällt, der die neuen Gehälter regeln sollte. Den Parteien war eine Erklärungsfrist für Annihme oder Ablehnung des Schiedsspruches bis zum 8. Juni aufgegeben worden. Die Hochbahner haben nun die durch den Schiedsspruch vorgeschlagenen Löhne als ungenügend abgelehnt und beschlossen, die Tariskommission zu ersuchen, bis zum 9. Juni neue Verhandlungen mit der Leitung der Hochbahn anzubahnen. Für den Fall, ihnen ist inzwischen gestorben. daß neue Zugeständnisse abgelehnt werden, soll die Organi= Die jüngste Habeburgerin. sationsleitung die nötigen Vorbereitungen für weitere Lit ist Schrikte treffen. von Hassstcom vor der PregelMündung ein schweres Bootsunglück. Ein Ruderboot, in dem sieven Personen einen Ausflug unternommen hatten, kenterte, als einer der Insassen ins Wasser sprang, um ein Bad zu nehmen. Zwei Frauen und zwei Männer aus Ponarth sind ertrunken. + Der Berliner Lehrer=Gesangverein ist im Sonderzug in Rostock eingetroffen und vom Mecklenburgischen Sängerbund und den städtischen Behörden empfangen worden. Das Konzert im Stadttheater war ausverkauft und erzielte einen starken Erfolg. Aus aller Welt. + Tod in den Bergen. Eine aus drei Personen bestehende führerlose Touristengruppe aus Sitten verunglückte zwischen dem Täschhorn und dem Dom. Die drei Touristen gerieten ins Rutschen; einer fand sofort den Tod, die beiden anderen wurden schwer verletzt. Einer von dem Reiche. + Zu dem Attentat auf Scheidemann. Die amtliche Untersuchung der gegen Oberbürgermeister Scheidemann gespritzten Flüssigkeit hat ergeben, daß sie aus einer aufgelösten gasförmigen Blausäure bestand, deren Wirkung tödlich ist, wenn auch nur eine Spur davon eingealmet wird. Es muß sich bei dem Täter offenbar um einen Mann handeln, der gute chemische und pharmakologische Kenntnisse hat. Ueber den Ueberfall teilt Oberbürgermeister Scheidemann noch mit, der Mann sei zunächst von hinten dicht an ihn herangetreten und habe ihm einen Teil der Flüssigkeit gegen die Backe gespritzt, offenbar um ihn zu veraulassen, ihm den Kopf zuzuwenden. Der Täter habe den Moment genau abgepaßt, in dem Scheidemann ihm den Mund zuwandte, um ihm die noch in der Spritze befindliche Flüssigkeit auf die Oberlippe zu spritzen. Die starke Wirkung der Flüssigkeit gehe schon daraus hervor, daß er, obwohl er den Mund geschlossen hielt, nach Abgabe des zweiten Schusses gegen den Täter bewußtlos wurde und zusammenbrach. Nach Aussage des Arztes habe er es nur der Waldluft sowie seiner starken Lunge und seinem starken Herzen zu verdauten, daß der Anschlag ohne weitere Folgen geblieben sei. Im Laufe der letzten Tage erhielt Oberbürgermeister Scheidemann zahlreiche Glückwunschtelegramme anläßlich des Mißlingens des Anfchlags aus allen Teilen des Reiches und auch aus dem Auslande. U. a. auch vom Reichspräsidenten und vom Minister Dr. Rathenau. Weiter gingen dem Oberbürgermeister aus der Stadt Blumenspenden in großer Zahl zu. + Zur Schutzbundtagung in Marienburg. In dem prächtigen großen Remter des Marienburger Schlosses versammelten sich die Teilnehmer an der Tägung des dentDie Tochter der Erkaiserin Zira ist am Montag in Gegenwart der königlichen Familie von Spanien getauft worden. Sie erhielt den Namen Maria, Christina, Viktoria, Eugenie. + Im Konflikt zwischen Kapital und Arbeit. Havas meldet aus Washington, daß aus Anlaß eines Prozesses wegen eines Konfliktes zwischen Kapital und Arbeit der Oberste Gerichtshof erklärt hat, daß das Sherman=Gesetz gegen die Trusts es gestatte, auch die Arbeiterorganisationen zu verfolgen. Diese Organisationen seien ebenfalls verantwortlich für Eigentumsschäden und für andere durch ein Mitglied im Falle von Streiks verursachte Verluste. Wasserbedürsnis der Bienen ist so groß, daß im Anfang Mai täglich je Volk etwa ¼4 Liter Wasser verbraucht wird, später noch mehr. Die Bienen brauchen es bei der Ernährung der Brut und gehen zugrunde, wenn sie es nicht haben. Deshalb suchen sie in Scharen die Wassertonnen und Brunnen in den Nachbargärten auf, trotzdem die Imker neben ihren Ständen besondere Trünken zu unterhalten pflegen. Gegen diesen Naturdrang läßt sich nichts tun. Deshalb sollten aber die Besitzer der Wasserstellen auch den Besuch der Bienen ertragen. Er ist ja ganz ungefährlich, da Bienen, die Wasser holen, ebenso wenig wie Honigsammlerinnen stechen, wenn sie nicht berührt werden. Außterdem wird jeder Naturfreund, der die Bedeutung der Vienen für die Befruchtung der Blüten kennt, an dem Bienenbesuch seine Freude haben. Um zu verhüten, daß Bienen in den offenen Gefäßen ertrinlen, deckt man einen Deckel darüber oder einen in das Wasser hineinhängenden Sack. Zur Not genügen einige Schwimmhölzer, die den Bienen als Rettungsboote dienen. Bienen totzuschlagen ist eine törichte Grausamkeit und ein Verlust für unsere Volkswirtschaft.