TAETTUL Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatdlätter. u Lustiges Alleriel. Kinderzeitung: Unser Blatt. nUnterhaltungs- u. Nomandeilage. u Spin, Spoit und Curnen. m Lebeneb##ld. Kunst u. Wissen.n Gartenratschläge. Delthotener Zeitung Apierdecker Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolksblatt Amtliches Kreisblaut für den Kreis Hörde, bolzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreies.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter verktäglich. n Hauptgeschäßtzstelt, Druck und Verlag: Carl Celegr. Adr. Braus, Schwerzegag. Cel.62. Postscheck: Dorrmuno 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richter; Stadt und Provi#z Friedr. Kraas; sämtlich in Schwerte. Nr. 127 Donnerstag, 1. Juni 1922. 55. Jahrgang Zum Geleit. Stetes Lov der nie gewann, Der aller Welt den Willen tut. Mehr um Ehre soll ein Mann Sorgen als um andres Gut. Reinmar von Hagenau, um 1200. Landwirt Karl Schröter in Grieben wurde wegen grundloser Beleidigung des Reichspräsidenten zu 3000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Fälscher Fälschung von fängnis. Anspach erhielt Pfandscheinen in Berlin wegen 10 Monate GeFür eilige Leser. Neuigkeiten aus Nah und Feen. Dem Reichstag ist das von der deutschen Regierung ausgearbeitete Weißbuch über Genua zugegangen. * Nach einem Beschluß der Großdeutschen Volkspartei Oesterreichs ist die Arbeitsgemeinschaft mit den bürgetlichen Parteien gesichert. In der Peterskirche in Rom fand gestern unter gewaltiger Beteiligung der Gläubigen der Schlußalt des internationalen eucharistischen kongresses statt. Die Reparationskommission hielt, um Mißverständnisse zu vermeiden, eine Rückfrage wegen einiger Stellen der deutschen Note für angebracht. * Eine lange Liste„herrenloser Klavie# In den zerstörten Gebieten gefunden wurden, verössentlicht jetzt ein amtliches französisches Bulletin. Bisher behauptete man, die vermißten Klaviere seien alle von den Deutschen nach Deurschland entführt worden! einem einzigen Monat, vom 15. März bis 15. Aprsl. sind die Kosten der Lebenshaltung in Wien um wieder 25 Prozent gestiegen, und sie steigen immer noch mehr. * Die Schulden der Stadt Berlin sind innerhalb eines Jahres wiederum um 4000 Millionen Mark auf nunmehr 4528 Millionen gestiegen. Die Gesamtausgaben der Stadt belaufen sich in diesem Jahr auf rund 11 Milliarden gegen 6 Milliarden im Vorjahre. Dennoch ist durch entsprechend erhöhte Einnahmen das Gleichgewicht des Haushaltes hergestellt. Die Deutsche Gesellschaft für KaufmannsErholungsheime, Hauptgeschäftsstelle in 1 Wiesbaden, hat wiederum zwei größere Häuser als Ferienheime für Handel und Industrie erworben, den„Klosterhof" in Georgenthal in Thüringen und die Wasserheilanstalt Bad Kleinen in Mecklenburg. Letztere, direkt am Sec gelegen, bietet gute Möglichkeiten zu Wassersport aller Art. Die Zahl der Heime der Gesellschaft beträgt nunmehr Vor der Reichsdisziplinarkammer begann der Prozeß gegen Vizepräsident Beckmann(Reichsversichetungsanstalt) wegen pflichtwidriger Behandlung von Beschwerden aus der Lungenheilanstalt Lippspringe. Im bayerischen Landtuge gab Graf Lerchenfeld die Erklärung ab, bei der Reichsregierung für eine geeignete Verwendung der Feststellungen des Fechenbachprozesses einzutreten. „Humanitee“ veröffentlicht einen sensationellen Brief Poincarees an den Zaren vom 20. 3. 1913 zwecks Beschleunigung des Baues weiterer Militärschienenwege an Rußlands Westgrenze. * Das Reichsernährungsministerium hat eine 1 Verordnung erlassen, nach der der Handel mit Kartoffeln im kommenden Wirtschaftsjahr unter scharfe Kontrolle gestellt wird. Wegen unerträglicher Nahrungssorgen hat sich in Quedlinburg eine greise Kleinrentnerin mit Gas vergiftet. Vor dem Kriege reichten ihre Renten zu einem glänzenden sorgenfreien Leben! * Der Wiener Männergesangverein ist am Sonntag abend wieder in Wien eingetroffen. Auf dem weiten Platze vor dem Westbahnhof hatte sich mit der gesamten Wiener Sängerschaft ein tausendlöniges Publikum zum Empfang eingefunden. Auch der deutsche Gesandte sowie Vertreter des Bundes der Reichsdeutschen und anderer deutscher Vereinigungen waren erschienen. * Wie die„Telunion" erfährt, wird der Deutsche Reihstag infolge neuer Dispositionen in der Zeit vom 31. Mai bis 2. Juni nicht nach München kommen, sondern die Reise erst Ende Juni antreten. * Die Verpachtung der großen Jagd der Stadt Hofheim i. T. wurde im letzten Augenblick von den französischen Behörden mit der Begründung verboten, daß die französischen Garnisonen der Nahbarstädte die Jagd für sich selbst in Anspruch nähmen. Der dritte germanische Bauern= und Landvolkskongreß für Nord= und Mitteleuropa findet in Nürnberg anläßlich der Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in der Zeit vom 21. bis 27. Juni d. J. statt. Becker=Hessen, beantragte, die Besprechung der Antwort der deutschen Regierung auf die letzte Rep.=Note auf die Tagesordnung zu setzen. Nach erregtem hir und her wurde der Aeltestenausschuß beauftragt, die Frage sofort zur Klärung zu bringen. Die Parteiführer verließen darauf mit dem Reichstagspräsidenten und dem Reichskanzler den Saal. Dr. Tusar. dertschech. slowak. besandtein Ger lin der Vermittlier in der Reparationsfrage bei den neuen Verhandlungen in Feris. Inzwischen erledigte man die neuen Vorlagen zur Erhöhung der Zulagen in der Unfallversicherung und behandelte sozialpolitische Gesetzentwürfe. Angenommen wurde eine Aenderung der Ange stelltenversicherung dahin, daß die Grenze für die Versicherungspflicht von 30.000 c auf 100000 M erhöhl wird. Der Präsident machte dann Mitteilung über die itzung im Aeltestenausschuß, der zu keiner Einigung gekommen war. Es ging aber ein Antrag Crispien ein, dex dafür eintrat, den Eintritt in eine neue Sitzung über die Rep.= Frage nur dann folgen zu lassen, wenn der Reichskanzler weitere Mitteilungen über die Ausführung der Note machen könne. Da dieser das nicht konnte, ist der Fall erledigt. Der Abstimmung über das deutschnationale Mißtrauensvotum gingen Erklärungen der Deutschnationalen, der Deutschen Volksparteiler und der unabhängigen Sozialdemokratie vorauf. Die Deutschnationalen ließen durch den Abg. Dr. Hergt betonen, daß sie die Politik der Regierung für verhängnisvoll hielten und daß sie sich bemüht hätten, durch ihre Entschließungen sie auf andere Bahnen zu bringen. die Deutsche Volkspartei bedauerte durch Der Oesterreichische Außenhandel stieg im Jahre 1921 in der Einfuhr von 61 auf 81 Millionen Zentner, in der Ausfuhr von 13.8 auf 11 Millionen. Die Durchfuhr stieg von 17 auf 2 ½5 Millionen Zentner. In Südtirol sind in den letzten Jahren zahlreiche Autostraßen neu= oder umgebaut worden, was den Verkehr bedeutend erleichtert. So 1 mußren noch im vorigen Sommer für eine dreistündige Omnibusfahrt von Waldbruck nach Seis 12 Lire bezahlt werden, heute fährt ein Auto in einer halben Stunde die Strecke ab und die Fahrt. lostet nur 8 Lire. Die Generaldirektion der schweizerischen Bundesbahnen in Bern hat sich bereit erklärt, zur bevorstehenden Leipziger Herbstmosse(27. August bis 2. September), den italienischen Meßbesuchern bei ihrer Durchreise durch die Schweiz eine Z0prozentige Ermäßigung einzuräumen. * Im Reichstagsausschuß wurde beantragt, für Drucksachen, Warenproben, Geschäftspapiere und Mischsendungen gleiche Gebühren festzusepen. — Deutscher Reichstag. Berlin, 1. Juni. Sitzung vom 31. Mai. In der Mittwochssitzung stand wieder ein Staatsvertrag, der tausende von Deutschen vom alten Vaterlande abtrennt, zur Verhandlung. Diesmal werden die scheidenden Landsleute in germanischen Kulturkreisen verbleiben. Es handelt sich um den deutsch=dänischen Vertrag, der den Uebergang der Staatshoheit von Nordschleswig an Dänemark regele. Der Vertreter der D. N. Tomsen erklärte, daß seine Freunde die neuen Landesgrenzen nicht anerkennen könnten. Die Sprecher der anderen Parteien, die Abgg. Frohme(Z.) Dr. Runke(D. V.), Dr. Breitscheid(U.) und Gotheim(D.) billigten den Antrag, verlangten allerdings Schutz der Minderheitsrechte. Darauf wurde der Gesetzentwurf in zweiter und dritter Lesung angenommen. Der Führer der deutschen Volksvartei, Dr. Becker=Hessen, daß eine Aussprache über die Note nicht möglich sei, und stellte sich damit an die Seite der Deutschnationalen. Die unabhängigen Sozialisten stimmten ge gen das Mißtrauensvortum. Das Mißtrauensvotum wurde gegen die Stimmen der Rechten und Kommunisten abgelehnt. Darauf ging der Reichstag in die Ferien. Die nächste Sitzung findet am 13. Juni statt. Valeriandische Pfiagsthofsnungen. Wieder ist Pfingsten, das liebliche Fest vor der Tür. Die Natur offenbart sich uns in voller Pracht, und die Menschheit will sich Freude und Frohsinn für diese schönste Zeit im Jahre nicht rauben lassen. Sie darf es auch nicht, denn was bliebe ihr sonst übrig für die Stetigkeit im Emvorringen zu neuem Geist, ohne den eine Wendung in der schweren Zeit nicht zu erwarten ist. Der Wille, wahren Frieden auf Erden zu schaffen, kann sich erst dann verwirklichen, wenn die Ueberzeugung sich durchgesetzt hat, daß es genug und übergenug ist mit Zwist und Hader, mit Lug und Trug, mit Neid und Haß. Wenn wir durch die bitteren Erfahrungen des Lebens verärgert und enttäuscht sind, so kommt uns selbst der Wunsch nach dem neuen und bessernden Geist, der wie ein frischer Windhauch die drückende Schwüle, die uns umgibt, zerstreuen und und Erquickung und Aufmunterung geben soll. Die Hoffnung auf einen Geist wahrer Freiheit und Versöhnung war besonders groß zur Jahrhundertwende, die in allen Kulturländern mit frohen Wünschen für die ganze Welt begrüßt wurde. Es kam anders, ein Krieg jagte den anderen. Fast möchte man sagen, es wird um so ärger. Die Konferenz von Genua war mit den bunten Ballons neuer Hoffnungen bekränzt, aber diese sind einer nach dem anderen zerplatzt, die Spuren von neuem und friedfertigem Geist, die sich zeigten, haben sich nicht endgültig zu einer gebietenden Macht erheben können. Notwendiger als das Hoffen ist heute die Geduld. Und boch, wir wollen nicht ungerecht sein. Wenn wir die Verhältnisse im deutschen Vaterlande prüfen, so zeigen sich doch Anfänge tieferer Einsicht, die die Bereitwilligkeit offenbaren, mit einander in Eintracht zu leben und Nachsicht zu üben, wenn die Meinungsverschiedenheiten aufeinander platzen. Das sind die Spuren eines neuen Volks=Geistes, den wir haben müssen, wenn wir alles das überwinden sollen, was uns zugedacht ist und vielleicht noch bevorsteht. Wenn eine Gruppe des deutschen Volkes den Reichskarren aus dem Sumpfe ziehen wollte, so würde sie bald zusammenbrechen. Alle müssen helfen in dem Gedanken: Erst das Vaterland, dann die besonderen Interessen! Die Not der Tage hat diese Spuren eines jenen Geistes in Deutschland erweckt und der Druck, unter dem wir stehen, wird diese Regungen des deutschen Geisteslebens kräftiger werden lassen bis zum Siege. Was uns aus Paris zugemutet wird, ist viel, was Habsucht und Wucher uns in diesem Jahre auferlegt haben, ist wahrlich nicht gering. Niederzwingen kann das Wesen des Eigennutzes und der Gewalt nur eine machtolle Auflehnung des wahren und edlen Geistes, der allen Widerstand bricht. Nicht auf einmal kann es dabin kommen, aber dahin kommen wird es sicher, nicht aus Gewohnheit, sondern aus Ueberzeugung. Urd wir können unserem deutschen Volke wohl nichts Größeres wünschen, als daß es ihm beschieden sein möge, auf diesem Wege voranzuschreiten und Führer zum Guten zu sein. Der Geist der Entente hat die Welt aus den Angeln gehoben. der Geist des gesunden Deutschtums soll sie zurückführen zu den Bahnen des Ideals, der Kultur und der Versöhnung durch Arbeit, die jeder achtet. Der Zuckerskandal. Deutschland galt in Friedenszeiten als das reichste Zuckerland in der Welt. Seine Zuckerproduktion überstieg erheblich seinen Eigenverbrauch und gestattete ihm darüber hinaus eine sehr beträchtliche Ausfuhr nach England, der Schweiz und anderen Ländern. Und wie steht es heute dagegen mit unserer Zuckerversorgung? Trotzdem die diesjährige Zuckerernte die Friedensproduktion wieder beinahe erreicht hat, ist der Zucker aus dem regujären Handel verschwunden. Die große Masse der Bevölferung entbehrt seit einiger Zeit des wichtigsten Nahrungsmittels, nur zu Wucherpreisen ist allensaus etwas Zucker zu erhalten. Ueber die Gründe für diese Zuckerknappheit ist schon viel geredet und geschrieben worden. Niemand will die Schuld tragen, immer schiebt einer dem anderen die schuld für den Zuckermangel und die Zuckerteuerung.Ju. Von den amtlichen Stellen wird erklärt, daß irgendeine Zurückhaltung des Zuckers seitens der Zuckerwirtschaftsstelle nicht stattgefunden hat. Auch sonst sollen, wie der amtliche Preußische Pressedienst aus dem Landwirtschaftsministerium erfährt, bei den Behörden keine Anzeichen dafür vorliegen, daß im Großhandel oder in Fabriken Zurückhaltungen in größerem Umfange stattgefunden hätten. Wenn ##dem eine erhebliche Zuckerknappheit zu verzeichnen sei, so liege dies an der allgemeinen Zunahme des Verbrauchs an Zucker, die auf die hohen Fett= und Butterpreise und auf die Zunahme des Verbrauchs an Schokalde, Konfekt und süßen Likören in allen Schichten der Bevölkerung zurückzuführen sei. Hierdurch sei der Zuckerbedarf in Deutschland gegenüber der Vorkriegszeit ganz gewaltig gestiegen, sodaß er bald das Dopvelte des Verbraichs von damals erreicht habe. Garz davon abgesehen, wen die Schuld an dem Zuckermangel treisen mng, Tatsache ist auf jeden Fall, daß der Reichsernährungsminister mit Rücksicht aus den außerordentlichen Mangel an Zucker, unter dem die Bevölterung seit einiger Zeit in zunehmendem Maße leidet, die Einfuhr von Auslandszucker bis auf weiteres freigeben mußte. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß dieser Auslandszuckes zum großen Teile verschobener guter deutscher Zucker sein wird, der. ehe er zum inländischen Verbrauche gelangt, vorher ein wenig auf Reisen gegangen ist und den wir jetzt vom Ausländ zurückkaufen müssen. Der Preis des eingeführten Zuckers dürfte ungefähr 18 bis 19 Mark betragen. Wie man hört, haben bis zum letzten Augen blick die Zuckerfabrikanten gegen die Freigabe der Einfuhr Sturm gelaufen, weil sie darin eine schwere Gefährdung der deutschen Zuckerindustrie er blickten. Die Zuckerindustrie, die den zahlungsfähigen Schokolade= und Likörfabriken jede Menge von Zucker lieferte, während die Hausfrauen stundenlang vor den Geschäften anstehen müssen, um wenig oder gar keinen Zucker zu erhalten, hatte allen Ernstes an die Regierung das Ansiunen gestellt, auf ausländischen Zucker einen Goldzoll von 1400 Mark für den Doppelzentner zu erheben. Ein Schutzzoll in dieser Höhe würde natürlich jede Einfuhr des ohnehin teueren Auslandszuckers fast unmöglich machen und ganz automatisch auch auf den Inlandszucker preissteigernd wirken. In diesen Tagen sollen mit der Regierung Besprechungen über dieses Verlangen nach einem Schutzzoll stattfinden, durch dessen Einführung die Bevölterung noch um einige hundert Millionen mehr ausgepreßt werden würde. Man darf mit Spannung der Entscheidung der Regierung ent gegensehen. Es wäre unverantwortlich, wenn die Regierung einem solchen Gebaren Vorschub leisten und den Zuckerfabriken eine weitere Steigerung ihrer bereits bis auf 40 Prozent angeschwollenen Dividenden ermöglichen würde. Es ist schon an sich ein Skandal, daß es in dem zuckerreichen Deutschland überhaupt so weit hat kommen kön nen daß die Freigabe der Einfuhr ausländischen Zackers bei so schlechtem Stande der deutschen Mark nötig war. Zur Stadt und Land. Schwerte, 1. Juni. Erinnerungen. 1694 Stiftung der Universität Halle. 1526 Dei geistliche Philantrop Johann Friedrich Oberlin gestorben. 1881 Entdeckung des magnetischen Nordpols. 1879 Prinz Louis Napoleon, einziger Sohn Napoleons III., fällt in Afrika im Kampfe gegen die Zulukaffern. 1882 Eröffnung der St. Gotthardbahn. 1899 Der plattdeutsche Dichter Klaus Groth gest. ** Beamtenvorschüsse und soziale Fürsorge für Altrentner. Die Gewährung von Vorschüssen auf die nach dem Altrentnergesetz zustehenden höheren Versorgungsgebührnisse an hilfsbedürftige Alt rentner ist grundsätzliche Aufgabe der Versorgungsbehörden; schriftliche Anträge leiten sie an diese Stellen weiter. Die Fürsorgestellen selbst greisen nur ausnahmsweise in besonders dringen den Fällen ein. Ihre Unterstützungen werden in Form von Vorschüssen gegen schriftliche Abtretungs. erklärung gezahlt. Soweit Gemeinden und Ar menverbände Unterstützungen an Altrentner zahlen, können auch diese Beträge auf die höheren Versorgungsgebührnisse angerechnet werden, wenn eine Abtretungsertlärung von Seiten der betreffenden Altrentner vorliegt. ** Haus= und Grundbesitzer=Verein. Unter dem Vorsitz des Herrn Steuerinspektors Graumann fand vorgestern im Hotel„Kaiserhof“ eine sehr gut besuchte Mitglieder=Versammtung statt. Neuaufnahme meldeten sich 16 neue Mitglieder. Herr Radema her berichtete über die Kassenprüfung und wurde hierauf dem Geschäftsführer Entlastung erteilt. Sodann wurde mitgeteilt, daß am 8. Mai d. J. die Mietssestsetzungskommission in Gemeinschaft mit Vertreiern des Mieterschutz= und des Haus= und Grundbesitzervereins beschlossen hat, daß die Mieter neben dem bestehenden 60 Prozent Mietszuschlag zur Friedensmiete rückwirkend vom 1. Aptil 1922 av die Mehrkosten anteilmäßig tragen müssen, die durch die Erhöhung des Wassergeldes, der Kanalgebühren, der Müllabfuhr entstehen. Hieran schloß sich eine rege Aussprache Die Mitglieder seien nochmals darauf aufmer. sam gemacht, daß der Geschäftsfahrer Herr Elleringmann, der Rat und Austunf. kosteilos ##cilt, Hörderstraße 6(Reichskrone) täglich zu rechenist. Anlieferung von Auslannszucker. Die seit andauernde Zuckecknap, zeit dürfte nun endlich: den nächsten Wochen gelindert werden. en##nd der Freigabe der Zusseernfuhren kaben in den letzten Tagen in Kamburg sehr erhebliche Ankäuse von Auslandszus.r durch den Großhandel und die laufmännist#n Organisationen stattgefunden. Ein nicht unerheblicher Teil der Ware in von Hamburg nach dem Hinterland abtransportiert worden und Fan kann damit rechnen, daß in etwaruchl Tager##der Verkauf des Auslandszuckers einsetzen wir?. Die Preise für amerikanischen Zucker stellten sich in Hamburg auf 15,25 bis 15,75 Mark.#### osr unter Zurechnung der Lagerspesen, der####portkosten, des Mindergewichtes und der Verdienstspanne dürfte der Auslandszuckers# anf etnr., 18 bis 19 Mark stellen. * Der Verband westfälisch=märkischer Stenographen(System Gatuelsberger) hielt in tarde seinen 12. Verbandstag ab, auf dem 30 Vereine durch 97 Delegierte vertreten waren. Die Tagung begann mit einer Vertreterversammlung unter Leitung des 1. Verbandsvorsitzenden, BuddeNeheim, in der die geschäftlichen Angelegenheiten des Verbandes Erledigung fanden. Nachmittags fand ein Wettschreiben statt, bei welchem in den Geschwindigkeitsstufen von 60 Silben an aufwärts bis 240 Silben in der Minute nur durchweg 1. Preise zur Verteilung gelangten. Die nächste Tagung findet im Oktober diesen Jahres in Mengede statt. ** Ortstrankenkasse. Auf die neuen Beitragssätze der Kasse, die im Anzeigenteil der heutigen Nummer veröffentlicht werden, sei auch an dieser Stelle noch besonders aufmerksam gemacht. ** 100 Prozent Wohnungsbauabgabe im Ruhr kehlenbezirk? In einer Beserechung von Vertretern der kommunale: Behörden des Verbandsge bietes Ruhrkohleib mit denen des Verbandspräsidenten des Ruh###onlen=Siedlungsverbandes wurde über eine einn#liche Wohnungsbauabgabe verhandelt. Die ihenehmigung der Zuschläge ist durch Erlaß des Wohlfahrtsministers für den Verbandspräsidenten und den Regierungsbräsiden. ten auf das Doppelte der staatlichen Sätze(50 Prozent) beschränkt, während bieber der dreifache Satz zugelassen war Nun soll beantragt werden, es für den Ruhr.ohleubezirk wegen der besonders schwierigen Verhätrnisse, die eine durchgreifende Förderung des Wuhnungsbaues dringend erforderlich machen, bei### bisherigen Regelung zu belassen. In diesen lle würde mit einer GesamtWohnungsbauabgabe von:0 Prozent der Friedensmiete zu rechnen sein. ** Billige Ausflugszüge. Wie uns vom Verkehrsverband„Industriebezirk“ mitgeteilt wird, ist unter tatkräftigem Zusammenwirken der Verkehrsvereine in den Großstädten des Ruhrkohlenbezirks die Organisation der Züge beendet. Der Vorteil bei Benutzung dieser Jüge besteht in der schnetlen Fahrt ohne Unterwegs=Aufenthalte und in dem villigen Preis. Die Sonderzüge führen als Toulistenzüge nur 4. Klasse. Fahrrieis 20 Pfg. km. Haltestationen sind nur die Großstädte. Die Züge fahren Samstags abwechselnd nach Arnsberg, Attendorn, Meinerzhagen und Bokve, Sountags abwechselnd nach Altena, Brügge, Iserlohn und Honnef. Das gute sauerländische Wegenetz ermöglicht von den letzten Haltestellen und Endstationen der Züge Wanderungen nach allen Richtungen. ** Die Waldbeerenernte im Sauerlande ver spricht in diesem Jahre eine recht reiche zu wer den. Im verflossenen Jahre wurde diese Hoffnung durch die während der Blütezeit einretenden Nachtfröste getäuscht. In diesem Jahre ist solches wohl weniger zu befürchten, weil die Blüte bedeutend später zum Aufbruch gekommen ist. Auch die Himbeersträucher zeigen eine Masse von Blütenknospen. ** Steuer=Erhebung im bargeldlosen Vertehr. Im Anzeigenteil der heutigen Nummer finden unsere Leser eine Bekanntmachung des Finanzamts Hörde betr. Steuerzahlung im vargeldlosen Verkehr. Wir machen auf diese bequeme Einrichtung. die jeder Steuerzahler benutzen sollte, auch an dieser Stelle noch besonders aufmerksam. * Die Postverwaltung macht auf einen Uebelstand aufmerksam, der in letzter Zeit immer mehr einzureißen droht. Ueberschlaue Leute vertrauen nämlich dem Postbriefkasten am Bahnhofsgebäude in den Abendstunden noch Massensendungen an in der irrigen Meinung, diese würden von dort aus schneller befördert. Das ist jedoch keineswegs der Fall, im Gegenteil, die Sendungen wandern sämtlich wieder zum Postamt zurück, da die Beamten der Bahnpost gar nicht in der Lage sind, während der Fahrt derartige Massensendungen zu bearbeiten. Weiter erleiden aber auch besonders dringende Einzelsendungen unliebsame Verzögerungen in der Abfertigung; zuweilen ist der Kasten derart angefüllt, daß kaum noch ein Brief oder eine Karte hineingeht. Der Kasten soll in erster Linie den Reisenden dienen, Massensendungen soll man am Postamt aufgeven. ** Im Silbertranz. Am gestrigen Tage feier. ten die Eheleute Arbeiter Wilhelm Marks und Frau, get. Flottweg, an der Hagenerstraße, das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Wir gratulieren noch nachträglich. ** Ringkämpfe in der Reichstroue. Auf die heute in der„Reichskrone" beginnenden internationalen Ringkämpfe sei auch an dieser Stelle nochmals besonders aufmerksam gemacht und ein Besuch der ineressanten sportlichen Beranstaltung bestens empfohlen. Auch an den heißesten. Tagen wird der Aufenthalt in dem Lokal ein durchaus angenehmer sein, da die rührige Leitung der „Reichskrone" durch den Einbau mehrerer neuer Luftschächte für andauernde Zuführung frischer Luft gesorgt hat. Im übrigen verweisen wir auf die Anzeige in heutiger Nummer. ** Angejahren wurde gestern abend bei der Holzwickeder Unterführung an der Hörderstraße eine ältere Frau von einem Radfahrer, der in sehr scharfer Fahrt die abschüssige Straße passierte. Die Frau wurde zu Boden geworfen und erlitt durch den Anprall eine heftig blutende Verletzung am Hinterkopf. den Provinzen. ** Halden, 31. Mai. Vermißt wird seit dem 15. Mai der fünfzehnjährige Julius Neumann von hier. Der Junge wurde an fraglichem Tage von seinen Eltern nach Hagen geschickt, um einzukaufen und ist bis heute nicht zurückgekehrt. Er war bekleidet mit braunem Rock, gestreifter Hose und brauner Mütze. Da anzunehmen ist, daß dem Vermißten irgend etwas zugestoßen ist, wolle man zweckdienliche Nachrichten den Eitern oder der nächsten Polizeibehörde machen. Hemer, 81. Mai. Rückorat gebrochen. Bei dem hier stattgesundenen 15. Bezirkswetturnen kam bei einer liedung an Ren der 7 J.ihre alte Turner Zeumann aus Menden so unglücklich zu Fall, daß er das Rückgrat brach. Schwer verletzt wurde er zum Krankenhause gebracht. Schwelm, 31. Mai. Eigenartiges Unglück. Als vorgestern nachmittag sich der das Schwelmer Gymnasium besuchende 12jährige Quartaner Otto Niepmann aus Langerfeld mit anderen Schulkameraden auf dem Heimwege befand, sahen die Jungen auf der Landstraße an einer Straßenbahnweiche zur Kuppel eines dort stehenden gußeisernen Straßenbahnmastes, in der sich ein Vogelnest befand, hinauf. In diesem Augenblick fiel plötzlich die 25 Pfund schwere gußeiserne Kuppel von dem hohen Mast herunter und traf Otto Niepmann auf den Kopf. Der Unglücksliche erlitt einen schweren Schädelbruch, an dem er kurze Zeit darauf im Krankenhause gestorben ist. Stockum, 31. Mai. Lebendig begraben. Ein bedauerlicher Unfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich am vergangenen Freitag in einer Mergelgrube des Landwirts Schulze=Lünern. Als die Leute des Landwirts Heinrich Büscher damit beschäftigt waren, losgehackten Mergel auf einen bereitgestellten Wagen zu laden, löste sich plötzlich eine Steinwand und begrub 4 Personen unter sich. Während 3 männliche Personen teils schwer, teils leicht verletzt wurden, konnte die 19 Jahre alte Emma Berkemeyer nur als Leiche unter den Gesteinsmassen hervorgezogen werden. Meschede, 31. Mai. Vom Blitz erschlagen. Bei dem schweren, hier niedergegangenen Gewitter wurde der bei dem Gutsbesitzer Schreiber in Diensten stehende 17jährige Knecht Bockskopf aus Medebach von einem Blitz getroffen und auf der Stelle getötet. Zwei Kinder des Gutsbesitzers die sich in der Nähe befanden, wurden betäubt. In Dreislar wurden dem Landovirt Kappen vom Blitz zwei Kühe im Stall erschlaoen. Lüdinghausen, 31. Mai. Furchtbarer Tod. Ein in der Nachbargemeinde Berenbrock wohnender Zimmerer und Kötter, der mit dem Löschen von Kalk beschäftigt war, fiel, anscheinend infolge eines Schwindelanfalles, in die Kalkgrube und starb kurz danach unter qualvollen Leiden. Als die Frau des Verunglückten von dem tragischen Geschick ihres Mannes benachrichtigt wurde, erlitt sie einen Schlaganfall. Bielefeld, 31. Mai. Beim Wildern er schossen. In der Waldung des Besitzers Meyer zu Selhausen in Lämmershagen wurde der 25jährige Schlosser Erich Stabelger von einem Förster, der ihn beim Wildern ertappte und auf den er einen Schrotschuß abgegeven hatte, in der Notwehr erschossen. Buer, 31. Mai. Explosion eines Spirituskochers. Als hier eine junge Frau mit einem Spirituskocher Tee bereiten wollte, schlug die Flamme des Brenners in die zum Nachfüllen herbeigeholte Flasche. Durch die Explosion wurden die Kleider der Frau in Brand gesetzt. Die Urglückliche erlitt so schwere Brandwunden an ganzen Körper, daß an ihrem Aufkommen gezi eifelt wird. Essen, 31. Mai. Gruben=Unglück. Auf Schacht Amalie der Gewerkschaft Helene und Amalie in Essen ereignete sich heute abend gegen:½ Uhr ein größeres Unglück, das vermutlich auf eine Explosion zurückzuführen ist. Man ist augenblicklich mit den Bergungsarbeiten beschäftigt. Bis jetzt sind drei Tote geborgen. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Hatrizielbiul. Roman von Reinhold Ortmann. (Nachdruck verboten.) „Nein!— Denn von einer Bedingung, die du nach Belieben annehmen oder verwerfen könntest, ist da nicht die Rede, Henry. Du hast es für anständig gehalten, hinter dem Rücken ihrer Angehörigen unpassende Beziehungen zu meiner Schwester anzuknüpfen und sie zu einem heimlichen Briefwechsel zu verleiten. Als Haupt der Familie verbiete ich dir hiermit jede Fortsetzung eines Verkehrs mit Margarete. Eine Begründung wirst du mir hoffentlich erlassen.“ Schwer atmend stützte sich Henry auf die Lehne seines Stuhles. „Ich habe durch meine Heimlichkeit gefehlt, das gestehe ich zu. Und ich bin mir auch darüber klar, daß dies nicht der rechte Augenblick ist, um bei dir die Hand deiner Schwester zu erbitten. Aber ich liebe sie, Cäsär, und meine Empfindungen werden von Margarete erwidert. Willst du die Verantwortung auf dich nehmen, sie und mich für alle Zukunft unglücklich zu machen?“ „Ich übernehme ohne weiteres die Verantwortung für alle Folgen meines Verbots.— Denn du wirst schon gestatten müssen, daß ich diese Liebelei etwas weniger romantisch ansehe. Margarete ist trotz ihrer zwanzig Jahre nichts als ein unerfahrenes Kind, und sie wird diese Episode überstehen wie eine harmlose Kinderkrankheit.“ „Du bürftest dich täuschen, Cäsar!— Wohl habt ihr sied bis jetzt wie ein Kind gehalten und jede freiere Regung ihrer Seele unter einer Last von albernen Schicklichkeitsbegriffen zu ersticken versucht. Aber ihr habt ihre natürliche Entwicklung dadurch nicht hindern konnen. Sie ist innerlich viel reifer, als eure Kurzsichtigkeit wähnen mag. Ich weiß, daß sie mich liebt, und ich weiß auch, daß sie nicht von mir lassen wird, allen Verboten zum Trotz.“ „Darauf wollen wir es getrost ankommen lassen. Und wir wollen das Thema damit als abgetan ansehen. Solange ich noch Herr in meinem Hause bin, wirst du ihr unter seinem Dache nicht mehr begegnen. Und jeder Versuch, den Verkehr mit ihr auf andere Weise fortzusetzen, würde uns veranlassen, sofort alle Beziehungen zu dir abzubrechen. Du hast wohl die Güte, dich danach zu richten.“ „Ich werde handeln, wie ich es vor meinem Gewissen verantworten kann— in diesem wie in allem anderen.— Was du mir über die Bedingungen sagtest, an die deine Hilfsbereitschaft geknüpft sei— ich habe es als dein letztes Wort anzusehen?“ „Ich bin nicht in der Lage, dir andere Vorschläge zu machen oder mich auf eine Erörterung anderer Vorschläge einzulassen.— Aber ich zwinge dich nicht, dich auf der Stelle zu entscheiden. Ja, ich möchte dir sogar empfehlen, dich mit Helga zu besprechen und auf ihren Rat zu hören, statt dich etwa von der Gereiztheit des Augenblicks zu einem vielleicht übereilten Entschluß drängen zu lassen. Ich habe jetzt eine wichtige Konferenz, aber ich werde nach Verlauf von längstens anderthalb Stunden draußen in der Villa sein. Dann erst wünsche ich deine Antwort zu hören.“ Unschlüssig, mit zusammengepreßten Lippen, stand Henry noch ein paar Sekunden lang. Dann raffte er sich auf. „Darf ich dich um die Rückgabe meiner Aufstellungen ersuchen, Cäsar?“ Der Konsul reichte ihm die auf der Schreibtischplatte liegenden Blätter. „Bitte!— Es wäre mir erwünscht gewesen, wenn ich sie zu nochmaliger Durchsicht hätte dabehalten können. Aber du hast selbstverständlich darüber zu verfügen.“ „Es könnte sein, daß ich ihrer an anderer Stelle bedarf,“ erwiderte Henry kühl, indem er die Skripturen wieder in seiner Brusttasche barg.„Adien, Cäsär!— Und, für den Fall, daß ich dich vor meiner Abreise doch nicht mehr sehen sollte, Dank für den guten Willen!" „Ich erhebe keinen Anspruch auf Dank.— Du wirst dich mit Helga besprechen?“ Ich habe zugesagt, sie von dem Ergehnis unserer Unterredung in Kenntnis zu setzen. Und mein Versprechen muß ich wohl halten.“ „Gewiß!— Auf Wiedersehen also am Nachmittag!“ Henry Frederiksen antwortete nur mit einem Achselzucken, und ohne Händedruck gingen sie auseinander. 5. Kapitel, Als der Konsal anderthalb Stunden später die Treppe zum ersten Stockwerk der Villa Frederiksen emporstieg, hurte er oben dus Oeffnen einer Tür und das Geräusch eines über die Stiege herabkommenden leichten Schrittes. Der Klang dieses Schrittes mußte ihm bekannt sein; denn er blieb wartend stehen. Und es war nichts Hartes und Strenges mehr in seinen Zügen, als er nun in das schöne, ruhige Gesicht seiner Cousine Helga blickte. „Vergib, daß ich dich gleichsam hier auf der Treppe abfange,“ sagte sie, nachdem sie ihm freundlich die Hand zum Grußegereicht.„Aber ich wollte dich bitten, mir ein paar Minuten zu schenken, noch ehe du mit der Großtante gesprochen „Ich bin selbstverständlich zu deiner Verfügung.— Ist dir's genehm, mich in mein Arbeitszimmer zu begleiten?“ Sie neigte zustimmend den Kopf. Und er öffnete vor ihr die Tür des hohen, luftigen Gemaches, um sie zuerst über die Schwelle treten zu lassen. „Eine Frage zuvor, liebe Helga: dein Pruder— er ist doch noch hier?“ „Nicht mehr hier im Hause. Aber er hat Hamburg noch nicht verlassen. „Und warum hat er meine Ankunft nicht abgewartet? „Weil er der Meinung war, daß eine nochmalige persönliche Begegnung für dich wie für ihn gleichermaßen peinlich sein würde. Und weil ich ihn zugeredet habe, ihr aus dem Wege zu gehen.“ „Er hat dir also gesagt——?“ „Ich denke wohl, daß er mir alles gesagt hat, was zwischen dir und ihm gesprochen worden ist.“ „Und du billigst die Vorschläge nicht, die ich ihm nach sehr reiflicher Ueberlegung in der besten Absicht gemacht habe?“ „Da er selbst sie für unnnnehmber hält, ist es wohl ohne Bedeutung, wie ich darüber denke. „Es überrascht mich, dich so sprechen zu hören, Helgal— Aber willst du dich nicht setzen?“ (Fortsetzung folgt.) (Gadbeck, 30. 2 erhängt: Hier Selpstmord begange nutg mit einer K lassung der Tat sch Wulfen, 30. M ohne Brautbe passierte gelegentlic an der weit über das junge Paar si mußte es die Entde Bettzeug nebst an Gegenständen gestol fangs an einen d Gelb fehlte, mußte rechnen. ∆ Lchiror Der neue Ober Für den Posten provinz wird von Bruger in Vorschle rungspräsident in ministerium des I für die besetzten( ständnis der ander teien zu diesem Vo nicht vorhanden. I sen der Deutschen Schiedssprur Berlin, 31. Me Buch= und Zeitung nen Schiedsspruch beigelegt worden. 1 selegramm-Adress# Zeitung, SchwertReichsjugendwe Wir veröfsentlic und bitten alle T sowie die Lehrer gegend, die Bekann einmal erscheint. Uebun 1. Altersklasse V 100 MeterL 1/ Sek. weniger= Weitsprung timeter mehr= 1 Schlagball! 1 Meter mehr— Freiübung übungen. 2. Alterstlas 100 Meter13 3/ Sek.= 20 P Hochsprung ter= 20 P. Schlagball Meter= 20 P. Freiübung übungen. Ge Reck: Höhe de dem Seitstand vo schwung links vor umschwung rüchwi in den Sturzhe schwung und sof Unterschwung. Barren: Hi Aus dem Außengt Stütz mit Vorsch schwung in den Hand, Zwischensch Händen, Vorschw Ueberspreizen reck benspreizen links rechts durch die sitz vor der recht in den Querlie und Wende link Pferd:(fü ist mit Pauschen 115 Zentimeter. brettes. Aus## auf den Pausche Drehung rechts Pauschen(Zwise links. Schwimm Pferdübung) 50 3. Alterstl. 100 Mete 12// Sek.—20 Weitspen Meter= 20 P Kugelsto 9.00 Meter= Frekübu übungen. (Gadtock, 30. Mai. Mit der Krawatte erhängt: Hier hat ein 21jähriger junger Mann Selpstmord begangen, indem er sich in seiner Wohnutt mit einer Krawatte erhängte. Die Veran. lassung der Tat scheint unglückliche Liebe zu sein. Wulfen, 30. Mai. Ein Hochzeitspaar ohne Brautbett. Eine tragische Geschichte passierte gelegentlich einer großen Bauernhochzeit, an der weit über 100 Gäste teilnahmen. Als das junge Paar sich in später Stunde zurückzog, mußte es die Entdeckung machen, daß das gesamte Bettzeug nebst anderen im Zimmer befindlichen Gegenständen gestohlen waren. Man glaubte anfangs an einen derben Streich. Aber als auch Gelb fehlte, mußte man mit einem Diebstahl rechnen. Eehie Brähtmewdungen. Der neue Oberpräsident des Rheinlandes. Für den Posten des Oberpräsidenten der Rheinprovinz wird von Zentrumsseite Staatssekretär Bruger in Vorschlag gebracht, der früher Regierungspräsident in Köln war und jetzt im Reichsministerium des Innern das Staatssekretariat für die besetzten Gebiete verwaltet. Ein Einverständnis der anderen preußischen Koalitionspar= teien zu diesem Vorschlag des Zentrums ist bisher nicht vorhanden. Insbesondere sollen in den Kreisen der Deutschen Volkspartei Bedenken bestehen. Schiedsspruch im Buchdruckgewerbe. Berlin, 31. Mai. Die Lohndifferenzen im Buch= und Zeitungsgewerbe sind gestern durch einen Schiedsspruch im Reichsarbeitsministerium beigelegt worden. Durch den Schiedsspruch erhalten die Buchdruckergehilfen und Hilssarbeiter dieselven Zulagen wie im Monat Mai. Wie mitgeteilt wird, ist der Schiedsspruch von beiden Parteien angenommen worden. Die Druckpreise erhalten durch diese neue Lohnerhöhung eine weitere Steigerung von 25 Prozent. Aufruhr in früheren Deutsch=Süd=West=Afrita. London, 31. Mai. Ueber Unruhebswegung unter den Hottentotten im früheren deutschen Südwest=Afrika gegen die Regierung der Union wird aus Rapstadt gemeldet. Die Regierung stellt den Polizeitruppen Flieger zur Verfügung, die die Negerdörfer mit Bomben belegen. Die südafrikanischen Zeitungen warnen nunmehr die Regierung ernst, die Unterdrückung des Aufstandes in dieser Weise fortzusetzen. Die„Times“ schreibt: Die Ursache des Aufstandes ist lediglich in der Behandlung zu suchen, welche die Regierung der südafrikanischen Union den Negern zukommen“ ließ. Die einzige richtige Behandlung hätten die Deutschen vor dem Kriege angewandt.(Un) diese sind in Versailles bekanntlich als unfähig zur Kolonisation bezeichnet! Schriftl.) Freitag, 2. Juni 7—10½ Uhr:„Romeo und Julig“ Trauerspiel in 5 Akten von William Shakespeare. Sonnabend, 3. Juni 7½—10½ Uhr:„Mignon". Oper mit Tänzen in drei Akten von Ambroise Thomas. Pfingst=Sonntag, 1. Juni 7½—10½ Uhr:„Die Zauverflöte". Oper in drei Aufzügen von W. A. Mozart. Pfingst-Montag, 5. Juni 7—10½ Uhr:„Die Fledermaus“. Operette in drei Akten von Johann Strauß. Miselesbetemetteien mmnnck undr Beimahunbüntune Handel und Börse! olkswirtschaft Iltuuummmummmnmeenumiiie ue Berliner Börsenkurse vom 31. Mai 1922 mitgeleill vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein 235 Deutsche Bank 550 Diskono 418 Dresdner Bank 310 Hamd.=Amer.=Pak. 370 Allgem. Elektr.=Ges. 615 Baroper Walzwerk 940 Bochumer Guß..... 924½ Bösperde Walzwerk 805 Daimler Motoren 382 Deutsch=Luxemburg..... 867 Deutsche Kaliwerke.......... 1740 Dynamit 575 Essener Steinkohlen........... 1025 Gelsenkirch. Bergw 900 Gasmot. Deutz 620 Harpener Bergw. 1713 [Hoesch................ 1051 Humboldt Masch 513 (Mannesmann 1170 Oberschles. Eisenb-Bed. 725 Orenstein& Koppel............. 910 Phönix Bergbau...... 1039 Peisholz Pap. 450 Sstschn. Stichtmette. 3459 Rombacher Schucker! 565 Siegen=Soliugen 355 Ver. Di. Nickelwerke 987 West, Draht-Ind. 490 Auslands-Wechselkurse der Berliner Börse (Deoisenkurse) Man zahlle deutsche Mark: für am 30. 5. am 31, 5 100 belgische Franken.. 2307,10 2337,05 100 dänische Kronen... 5972,50 6122,30 Ei englisches Pfund... 1203,45#1235.95 100 französische Franken. 2484,55 12524,30 100 holländische Gulden 10511,80 10711,55 100 italienische Lire.... 1428,20 21443,15 100 polnische Mark.... 6,90— 100gschwedische Kronen.. 7001,2017191.— 100 schweizerische Franken 5193,50 5278,80 100 tschechische Kronen.. 525,3024 533.30 lehische Pinngken durch eine Verlobungs-Anzeige in der Hsingst=Nummer der„Schwerter Zeitung" bereitei man ailen Freunden und Bekannten. * * * Wir bitten, die Anzeigen schon jetzt aufzugeben. 3 ssse „„„ Aio Curien selegramm-Ndresse: Zeitung, Schwerte I Beilage zur Schwerter Zeitung Reichsjugendwettkämpfe am 9. Juli 1922 in Schwerte. Wir veröfsentlichen hiermit die festgesetzten Uebungen und bitten alle Turn= und Sportvereine sowie die Lehrerschaft in Schwerte und Untgegend, die Bekanntgabe aufzubewahren, da sie nur einmal erscheint. Uebungen für Knaben: 1. Altersklasse Jahrgang 1909 und 1908. Vierkampf: 100 Meter Lauf: 19 Sek.=0 Punkte, je 1/ Sek. weniger= 1 Punkt, 15 Sek.= 20 Punkte. Weitsprung: 2,80 Meter= O P., je 5 Zentimeter mehr= 1 P., 3,80 Meter= 20 P. Schlagballwurf.: 25 Meter= 0 P., je 1 Meter mehr= 1 P., 45 Meter= 20 P. Freiübung: aus den allgemeinen Freiübungen. 2. Alterstlasse Jahrgang 1907 und 1906. Siebenkamrf: 100 Meter==Lauf: 17 7/8 Sek.= 0 P., 13 3/ Sek.= 20 P. Hochsprung: 0,85 Meter= 0 P., 1,35 Meter= 20 P. Schlagballwurf: 30 Meter= 0 P., 60 Meter= 20 P. Freiübung: aus den allgemeinen Freiübungen. Gerätcübungen: Reck: Höhe der Reckstange 170 Zentimeter. Aus dem Seitstand vorlings mit Ristgriff, Knieaufschwung links vorw. neben der linken Hand, Knieumschwung rückwärts, Zurückspreizen, Vorsenken in den Sturzhang, Zwischensprung, Felgaufschwung und sofort Felgumschwung rückwärts, Unterschwung. Barren: Höhe des Barrens 120 Zentimeter. Aus dem Außenquerstande vorlings Sprung in den Stütz mit Vorschwung, Rückschwung und Vorschwung in den Außenschrägsitz vor der linken Hand, Zwischenschwung in den Grätschsitz vor den Händen, Vorschwung, Kreuzen der Beine und Ueberspreizen rechts vor der linken Hand, Schraubenspreizen links vorw. mit einer halben Drehung rechts durch die Holmengasse in den Außenquersitz vor der rechten Hand, Ein= und Rückschwung in den Querliegestütz vorlings, Zwischenschwung und Wende links. Pferd:(für Nichtschwimmer.) Das Pferd ist mit Pauschen versehen; Höhe des Pferderückens 115 Zentimeter. Ohne Benutzung des Sprungbrettes. Aus dem Seitstand vorlings mit Griff auf den Pauschen, Wende links mit einer viertel Drehung rechts in den Hockstand mit Griff auf den Pauschen(Zwischensprung) und sofort Flanie links. Schwimmen:(Für Schwimmer anstelle der Pferdübung) 50 Meter. 3. Altersflasse Jahrgang 1905 und 1904. Siebenkampf: 100 Meter=Lauf: 16 3/8 Sek.=0 P., 12%/ Sek.—#20 P. Weitsprung: 3.50, Meter— 0 P., 5.50, Meter= 20 P. Kugelstoßen: 5 Kg.: 5,60 Meter= O P, 9,00 Meter= 20 Pl. Frekübung: aus den allgemeinen Freiübungen. Geräteübungen: Reck: Höhe der Reckstange 160 Zentimeter. Aus dem Seitstande vorlings mit Ristgriff Laufippe, Felgumschwung vorlings rückwärts, Rückfallen in den Sturzhang, Unterspreizen links, Knieaufschwung links vorwärts, Knieumschwung rückwärts, Zurückspreizen links, Stütztippe, Ueberspreizen rechts, Rückfallen in den Knieliegehang, Knieausschwung rechts vorwärts, Zurückspreizen rechts und Unterschwung. Barren: Höhe des Barrens 155 Zentimeter. Kleineren Turnern ist die Benutzung des Sprungbrettes gestattet. Aus dem Außenquerstande vorlings Sprung in den Streckstütz mit Vorschwung, Rückschw. und Vorschw. in den=Reitsitz vor der linken Hand, Zwischenschwung in den Reitsitz vor der rechten Hand, Zwischenschw. mit Stützwippen, beim Verschw. in den Grätschsitz vor den Händen, Vorgreifen und Vorsenken in den Oberarmliegehang, Einschw. in der Oberarmhang, Oberarmkippe und Rückschwung in den Liegestütz vorl., Stützeln vorw. bis an das Ende des Barrens, Zwischenschw. und Ueberschlag mit gebeugten Armen. Pferd:(Für Nichtschwimmer) Höhe des Pferderückens 125 Zentimeter. Aus dem Seitstände vorl. mit Griff auf den Pauschen Durchhokken in den Stütz rückl., Flankenschwung l. rückw. in den Stütz vorl., Zwischensprung und Wender. Schwimmen.(Für Schwimmer anstelle der Pferdeübung) 50 Meter. Uebungen für Mädchen: 1. Altersklasse Jahrgang 1909 und 1908. Vierkampf: 75 Meter=Lauf: 16 3/8 Sek.= 0 Punkt, 123 Sek.= 20 P. Weitsprung: 2,50 Meter= 0 P., 3.50 Meter= 20 P. Schlagballwurf: 20 Meter= 0 Punkt, 40 Meter= 20 P. Freiübung: aus den allgemeinen Freiübungen. 2. Altersklasse Jahrgang 1907 und 1906. Fünfkampf: 75 Meter=Lauf: 16 Sek.= 0 P, 12 Sek. 20 Punkte. Schlagballwurf: 24 Meter= 0 P., 54 Meter= 20 P. Freiübung: aus den allgemeinen Freiübungen. Geräteübungen: Reck: Höhe der Reckstange 160 Zentimeter. Aus dem Seitstande vorl. mit Ristgriff, Knieaufschwung links vorw. neben der l. Hand, Knieumschwung l. rückw., Zurückspreizen I., Felgabschwung vorw. in den Stand, Anspringen und Unterschwung. Barren; Höhe des Barrens 110 Zentimeter. Aus dem Querstand in der Barrenmitte, Sprung in den Stütz mit Vorschw. in den Liegestütz rückl, Ein= und Rückschw. in den Liegestütz vorl., Einund Vorschw. in den Außenschrägsitz vor der l. Hand, Kehrscht. r. in den Außenschrägsitz vor der r. Hand, Ein= und Rückschw. in den Innenquersitz hinter der l. Hand, ½ Drehung r. in den Querstütz mit Vor= und Rückschw. zur Wende l. 3. Altersklasse Jahrgang 1905 und 1904. Fünfkampf: 75 Reter=Lauf: 15 Sek.=0 P., 11 Sel. 20 Punkte. Kugelstoßen 5 Kg.: 3 Meter— 0 P., 7 Meter= 20 Punkte. Freiübung: aus den allgemeinen Freiübungen. Geräteübungen: Reck: Höye der Reckstange 160 Zentimeter. Aus dem Seitstande vorl. mit Ristgriff, Felgaufschwung, Vorsenken in den Hocksturzhang, Durchhocken l. in den Nesthang am r. Fuß, Knieaufschw. l. vorw., mit Umgreisen ½ Drehung r. rückw. Kammgriff r. Spreizabsitzen l. mit ½ Drehung r. in die Hockstellung und sofort Unterschwung. Barren: Höhe des Barrens 150 Zentimeter. Schwingen im Oberarmhang in der Barrenmitte, Oberarmkippe in den Außenquersitz vor der linken Hand, Zwischenschwung in den Außenquersitz vor der r. Hand, ¼ Drehung l. in den Seitliegestütz vorl. und sofort Spreizen r. in die Holmengasse und Ueberspreizen r. vorw. über den vorderen Holm in den Grätschseitsitz, Griffwechsel r. Spreizabsitzen I. vorw. mit ¼ Drehung r. Allgemeine Freiübungen: 1. Uebung: 1. Zeit: Vortritt l. und Vorhochschwingen der Arme, 2. Zeit: ¼ Drehung r., Senken der Arme in die Seithalte, 3. Zeit: wie:. Zeit, 4. Zeit: Grundstellung, 5.—8. Zeit: Wie vor. jedoch mit Vortritt r. und ¼ Drehung l. 2. Uebung: 1. Zeit: Seittritt l. und Seilheben der Arme, 2. Zeit: ¼ Drehung l., Lorschu dar Armo duerch di, Softhall, zur Marhafes 9 der Arnie burch die Seithalle zür Vorhalle, 3. keit. wie 1. Zeit, 4. Zeit: Grundstellung, 5—8. Zeit: Wie vor, jedoch mit Seittritt r. und ¼ Dredung r. 3. Uebung: 1. Zeit: Vortritt l. Armbeuge. zum Stoßen durch die Seithalte(Hände zur Faust, 2. Feit: Kniebeuge l., Schrägvorhochstoßen der Arme(Hände offen), 3. Zeit: wie 1. Zeit, l. Zeit: Grundstellung, 5.—8. Zeit: Wie vor, jedoch Vortritt r. und Kniebenge r. 4. Uebung: 1. Zeit: Auslage l. seitw. Heben dei Ame durch die Seithalte zur Nackenhalte, 2. Zeil: ¼ Drehung l. Wechselbengen der Knie, Seitstrecken der Arme und Kumfsenken, 3. Zeit: wi1. Zeit, 4. Zeit: Grundstellung, 5.—8. Zeit: Wie vor, jedoch Auslage r. und ¼ Drehung r. Allgemeines: Die Wettübungen werden bis 20 Punkte gewertet, wovon ¾ zur Erlangung eines Sieges erreicht werden müssen. Die bei den volkstümlichen Uebungen(Laufen, Springen, Werfen) hinausgehenden Leistungen werden voll angerechnet. Abbildungen und Vorschriften über die Geräteübungen sind aus dem Buche: Kunath„Bezeichnung der Geräteübungen“. Verlag von P. Eberhardt. Leipzig. zu ersehen. Turnerwettstreit in Westhosen. Letzten Sonntag. den 28. Mai fand in Westhofen im Asbeck'schen Lokale ein * Turnerwellstreit veranssaltet vom Turnverein„Eintrach!“ in Westhofenlstatt. Die Mitglieder der Turnvereine der Umgebung hatten sich in großen Mengen zur Beteiligung eingefunden, ebenso viele Zuschauer. Um 2 Uhr bewegle sich ein staltlicher Festzug durch den Ork. Dann begannen die Wellkämpfe in voihstümlichen und in Geräteübungen. Während derselben fernsprech=fnschluß Schwerte Nr. 62 sand Konzert der Witzel'schen Kapelle aus Sölde statt. Erst nach 9 Uhr fand die Preisverteilung statt. Die Preise bestanden in Eichenkränzen. Die Preisträger sind: 1. Im volkstümlichen Turnen:: Vierkampf der Klasse A(über 18 Jahre): 1. Mark. Westfalia=Villigst, 2. Vieler, Grüne Eiche=Bürenbruch, 3. Müller, Westfalia=Villigst, 4. Werth, Westfalia=Villigst, 5. Tiemann, Jahn=Schwerkerheide, 6. Breucker, GermaniaErgste, 7. Lueg II, Grüne Eiche=Bürenbruch, 8. Rohde, Gut Heil=Wandhofen, 9. Wiedenbruch, Grüne Eiche=Bürenbruch, 10 Kappstein. Germania=Ergste. Vierkampf der Klasse B (über 15 Jahre all): 1. Wiemhoff, Eintrachs= Westhofen, 2. Althoff, Grüne Eiche-Bürenbruch, 3.Salzmann. Jahn=Schwerterheide, 4. Peddinghaus, Gut Heil=Wandhofen, 5. Brieke, JahnSchwerterheide, 6. Bräucker l, Jahn=Schwerter= heide, 7. Meister, Jahn=Schwerlerheide, 8. Wiedenbruch II, Grüne Eiche=Bürenbruch, 9. Napiralla, Jahn=Schwerterheide, 10 Hosang, Jahn=Schwerkerheide. Vierkampf der Klasse C (bis zu 15 Jahren): 1. Tillmann I, Grüne Eiche=Bürenbruch, 2. Sloni, Jahn=Schwerter= heide, 3. Westerhoff l, Eintracht=Westhofen, 4. Westerhoff II, Eintracht=Westhofen, 5 Brandt, Jahn=Schwerterheide, 6. Knolle, EintrachtWesthofen, 7. Koch, Eintracht=Westhofen, 8. Kötter, Eintracht=Westhofen, 9. Möller, Grüne Eiche=Bürenbruch, 10. Weber, 5GermaniaErgste. Ims Stemmen: 1. Schulte I, EintrachtWesthofen, 2. Schumacher, Germania=Ergste, 3. Thomas, Gul Heil=Wandhosen, 4. Oberste, Eintracht=Westhofen. Im Ringen: 1. Lueg!, Grüne Eiche-Bürenbruch. 2. Hirsch, Gut HeilWandhofen, 3. Vieler, Grüne Eiche-Bürenbruch, 4. Schulte II, Eintracht=Westhofen Im 100 m Lauf: 1. Homann, Grüne EicheBürenbruch, 2. Danschewitz, Westfalia=Villigst, 3. Wöste, Westfalia=Villigst, 4. Schmidt, Germania=Ergste. Im Stabhochsprung: 1. Sievert II, Eintracht-Westhofen, 2. Daniel, Eintracht=Westhofen, 3. Brinkmann, Eintracht= Westhosen, 4. Sauerländer, Eintracht=Westhofen. Im Trambolinsprung: 1. Fromme, Eintracht=Westhofen, 2. Mann, GermaniaErgste, 3. Dielrichkeit, Grüne Eiche=Bürenbruch, 4. Brenne, Germania=Ergste. 2. Geräte=Turnen: Am Reck: 1. Pfeifer, Gut Heil=Wandhojen, 2 Schäser, Grüne Eiche=Bürenbruch, 3 Nagel, Westfalia=Villigst, 4. Rittinghaus, Grüne EicheBürenbruch, 5. Kramer, Eintracht=Westhosen. Am Barren: 1. Klarhold, Gut Heil=Wandhofen, 2. Höbing, Gut Heil=Wandhofen, 3. Börders, Gut Heil=Wandhosen, 4. Lips, Germania=Ergste, 5. Briete, Jahn-Schwerter= heide Musterriege am Reck, 1. Grüne EicheBürenbruch. Musterriege am Barren: I. EintrachlWesthofen, 2. Gemania=Ergste, 3. WestfaliaVilligst. Für die Stellung dor meisten Mannschaften: 1. Gul Heil=Wan dhofen, 2. ormania=Ergste. Bitte Ausschneiden! Bitte Ausschneiden!! Bekanntmachung über Steuererhebung im bargeldlosen Verkehr! Jur Verminderung des Notenumlaufs. zur Entlastung der Itnanz= und Hilfskassen, zur Vermeidung von Weiterungen und Ersparungen von Zeit und Geld werden die Steuerzahler hiermit gebeten. soweit eden möglich, die Sieuern auf dargeldlosem Wege durch Postscheck= oder Ueberweisungsverfahren zu enteichten. Seidstoerständlich steht der Adführung der Steuern durch Einzahlung unmitteldar bei den zuständigen Kassen wie bisher uichte im Wege. Bei Zahlung der Steuer auf dargeldlosem Wege ist jedoch stets die Steuerart. das Aktenzeichen det Steuerbescheides, insbesondere die Sollbuchnummer anzugeden. Die Finanzhasse und Finanzhilfskassen sind unter solgenden Nummern im Scheckverdehr angeschlossen. Finanzkasse Hörde: Postscheckamt Hortmund Nr. 7665. außerdem Scheck. vunia bet denr Spathote Shnhe Nir. 190. Finanzhilfskassen: Kämwereihasse in Hörde; Potscheckamt Dortmund Nr. 4863 Stadtasse in Sowerte, Vosscgeckamt Hortgund Nr. 286 Amisekase in Spierdech: Bolcheckomt Dorimnund Nr. 2788 Lmistasse in Barop; Pohla=chamt Dortmund Nr. 1151 Lasenverwatung für d=Temter Kirohörde n. Welingholen in Hondruch; Polscheckamt Horimund Nr. 2759 Amiskas in Wesdolen, Polischecamt Dorimnund Nr 8a9e Stenertedebele Homichede, Volichechamt Hortmund Nr. 5694 Besondere Jahlkarten für die Steuerentrichtung werden an allen Postscholtern zur Verfügung gehalten. 2413 ROSENBERG, Aplerbeck, Undenburgstr. 54.56 Hörde, den 26. Mai 1922. Das Finanzamt: Dr. Schmidt, Regierungsrat. vietffeachenpolgrliiche sinoronung Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909(R. G. Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. Zt. unter den Rindviebbeständen auf den Ruhrweiden (Wiehenkamp) in Wandhosen, Pächter Vogt und Schäser Schwerte. Als Sperrbezirke werden bestimmt: Der Wiehenkamp und alle Ruhrweiden zwischen Ruhrbrücke bei Schwerte(Iserlohnerstrecke) und Eisenbahndamm Schwerte— Ergste, soweit die Weiden im Amtsbezirk Westbofen liegen. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 7.Juni 1921 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 18. Juni 1921 Nr. 140 enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet, die Abschnitte 11—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Ziffer 1 wie folgt geändert wird. In der Gemeinde Wandhofen wird verboten. Feiner werden alle Wege und Zugänge zu der nördlichen Seite der Ruhr, soweit diese die Gemeinde Wandhofen durchfließt, für den Verkehr von Personen gesperrt, ausgeschlossen ist jedoch der Personenkreis, welcher zur Wartung und Pflege des Viehes sowie Bestellung der Feld= und Gartenarbeiten erforderlich ist. Bekanntmachung. Die§§ 18 Absatz 1 und 2 und 41 Adsatz 1 unserer Satzung werden„wie folgt geändert: Klasse Tägl. Arbei'soe dienst mit Wirkung vom 1. Juni 1922. Die Herren Arbeitgeber werden ersucht,(innerhald acht Tagen) Lohnübersichten zwecks Neueinteilung der Verwaltung, Mollkestraße 44, einzureichen. Schwerte, den 31. Mai 1922. der vorstands=Vorsthende der allgem. Ortskrankenkasse Schwerte Franz Steldrink. Hörde don 27. Mai 1922. Der Landral: gez. Hansmann Lichtspiele Zur Reichskrope Heute Donnerstag: Beglan der großen Internationalen## kingkampl- Konkurrenz der Meister und Weltmeisterklasse. Heute vingen: Ernst Erlenkamp gegen JackéWilde Weltmeister Dortmund Rußland Max Steinke-Bach gegen Gebhardt Pommern Berlin Hans Steicke gegen„Ritzle: Sieger im großen Preis Weltmeis 1# von Berlin, Stettin Vor den Kampfen: Das erstklassige Kinoprogramm Fü angenehmen kühlen Aufenthralt ist g sorr. da einige neue Luftschächte eing baut sind Vorverkauf 5 Uhr. Beginn der Kinovorstellung 8 Uhr, der Ringlämpfe punkt 9 Uhn Steimmihhion horizontal und verlikal, und Zentrifugen zu konkurrenzlos billigen Preisens ab Lager Schwerte lieferbar. Kühnholz& Co. Landmaschinen Schwerte=husingstraße 2: Fernruf 61. Der gewaftrge-Hrarung in meinenn Se SohdUr-VerKauT lst ein durchschlagender Reweis meiner Willigkeit. Nu noch 3 Tage Juni 2. Freitag Für die heisse Jahreszeit: Leichte Sommerkleidung für Damen, Herren u. Kinder in grosstädtischer Auswahl. 1I. IV V. VI. VII. VIII. IX. 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Die Ausführung der Erd=, Maurer= und Eisenarbeiten für 7 Doppelwohnhäuser der Wohnsiedlung Kreinberg in Schwerie soll in öffentlichem Verding vergeben werden Angebote sind verschlossen und postfrei mit der Aufschrift:„Angebot für die Ausführung der Erd=, Maurer= und Eisenarbeiten von 7 Doppelhäusern" bis zum Eröffnungstermin am Freitag, dem 16 Juni 1922 vorm. 11 Uhr ein zureichen. Verdingshefte sind, soweit der Vorrat reicht, zum Preise von 15 Mark für 1 Stück zu beziehen. Zeichnungen liegen im Dienstgebaude Oflenheide 2 zur Einsicht aus. Schwerte, d. 27. Mai 1922 Eisenbahn= Bauabteilung 1. Für den Monat Juli „Kohaise für Stenographie und Schreibmaschine gesucht, evtl. für halbe Tage.] hrchitekt b. d. H. Carl Schwerte-Rühr. Etnondunde zur Instandhaltung der Waldanlagen und des Kellers für sofort gesucht. Restaurant Gut erhaltenes zu kaufen gesucht. Zu rfragen in der Geschst. dr Schwerter Zeitung 14= bis 15=jähriges Klrcen zur Hilfe im Haushalt gesucht. Wo, sagt die Geschst. d. Ztg. 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Nummer 127 4* Unterhaltungs=Beilage zur„Schwerter Zeitung“ Donnerstag, 1. Juni 1922 6 Forlsetzung. waren, unter einer lauderei verstand, wurde ihrem Kaoalier vnng klar. Ohne den Fluß ihrer Rede durc Konna, Punkt oder Gedankensteich zu beein; ächtigen, erzählte sie von ihren in Danzig, Witschau und Hamburg errungenen Erfolgen. und gestattete dem andächtig Lauschenden zumeilen, ein Ah oder Oh der Bewunderung in die Luft zu hauchen. Als sie endlich erschöpft verstummte, sah sie ihn mit enem gleißenden Blick an und schien eine Hulk 1#.g zu erwarten. Fries aber erhob sich und zemekte zerstreut:„Wir haben wohl zu lange geplaudert, gnädige Frau.“ „Ach. Heirseh!“— Sie lachte höhnisch auf und bemerkte dann in spitzem Ton:„Ihre Gedanken scheinen sich mehr mit dem Kurszettel als mit mir beschäftigt zu haben, Herr Direktor. Ballbesucher sollten doch ihre Geschäftssorgen in dei Garderobe lassen.“— Mit verächtlicher Miene schritt sie stolz an ihm vorüber.— Er sah ihr betreten nach, dann aber schnippte er mit dem Finger und murmelte:„Ach was, Damen ihres Schlages können mir gestohlen werden!" Cine Hand legte sich auf seine Schulter, und Preyl sagte, mit tiefer Stimme:„Beherrscher weiter Tropenländer, ich lese Weltverachtung in Ihren Mienen. Ein Pessimist gehört nicht in diese glanzerfüllten Räume. Kommen Sie zum Büfett und lassen Sie uns Sekt trinken; seine Goldperlen zerstreuen die schwärzesten Gedanken.“ Den Ballsaal durchquerend fragte Fries, wer der junge Stutzer mit den wulstigen Lippen und frechblickenden Augen sei, der Fräulein Wismar durch seine Zudringlichkeit zu belästigen scheine. „Der Affe und Geldprotz heißt Stanislaus Lehmann und ist der Sohn des fetten Kommerzienrats da drüben, der sich eben mit dem Konsul in das Spielzimmer zurückzieht. Ich kann leider diesen Stanislaus nicht verscheuchen, denn wir sind Sonnenbrüder.“ „Was für Brüder?“ „Wir gehören beide einem Verein zur Pflege des Humors und Veranstaltung von Karnevalsfesten an, der sich Verein der Sonnenbrüder nennt und dessen Vizepräsident zu sein ich die Ehre habe. Bei unseren Sitzungen steigen, knattern und leuchten die Witzraketen; auch wird wacker gezecht. Wollen Sie nicht auch Sonnenbruder werden? Ich führe Sie ein.“ „Danke für Obst— habe besseres zu tun.“ „Besseres?— Na, na, stolzer Tugendbold, nicht der schöpft den Tag aus, der nur arbeitet. Wer mit Jugendlust sein Gaudeamus singt, das ist der rechte Mann. Ah, da gibt's Pommery — ein Labsal für den Durstigen. Die Hitze im Saal ist schauderhaft. Stoßt an! Im Herbst, da muß man trinken!“. Er trällerte die Marsch= nersche Melodie, bis Fries ihn fragte, ob der Konsul ein Geschäftsfreund des Kommerzienrats Lehmann sei. „Nein, Lehmann ist Grundstücksspekulant, und auf ihn hat man das Wort gemünzt:„Wo Lehmann hinspuckt, da wächst kein Gras mehr.“ Nebenbei ist er Skatkünstler, und wehe seinen Mitspielern, wenn er gute Karten bekommt!“ „Spielen die alten Herren da drinnen Skat?“ „Vielleicht— aber dann jedenfalls einen seriensen. Wahrscheinlicher ist's, daß sie dem Hasard die goldenen Pforten öffnen.—— Entschuldigen Sie, ich sehe da einen Senator und Mäcen, dem ich etwas zu sagen habe.“ Als es Mitternacht geworden, verabschiedete sich Fries von Melita. Sie entließ ihn mit einem vertraulichen„Auf Wiedersehen, lieber Freund!“ Das Hochgefühl, mit dem er von ihr ging, erlitt Einbuße, als er Frau Wismar suchte, um ihr gute Nacht zu sagen. Er fand sie vor der Tür zum Spielzimmer, halb verdeckt von der Gardine. Erregt blickte sie in den hellerleuchteten Raum. Als Fries sie anredete, erschrak sie und lehnte sich gegen den Türpfosten. Er bemerkte flüchtig das starkgerötete Gesicht des Konsuls am Spieltisch. „Ich wollte Ihnen für den genußreichen Abend danken, liebe gnädige Frau und mich verabschieden." „Genußreichen—?“ Mit zuckenden Lippen und einem traurigen Blick wiederholte sie das Wort. „Kann ich dem Herrn Konsul——“ „Ich werde ihm Ihren Gruß bestellen,“ unterbrach sie ihn und zog hastig die Gardinen vor die Tür.„Leben Sie wohl und kommen Sie bald wieder!“ Als Fries ihr die Hand reichte, hielt sie diese fest, blickte ihn warm an und fuhr fort: „Ich alte Frau darf es ihnen wohl eingestehen, daß ich niemand lieber als Gast bei uns sehe, als Sie, lieber Herr Fries. Ihre Stimme, ihr ganzes Wesen wirkt seltsam beruhigend auf mich. Bitte, kommen Sie recht oft zu uns.“ Er suchte ihre Hand und verließ die Villa mit wehmütiger, zitternder Freude. Er ahnte, daß über allem Glanz und Glück des Wismarschen Hauses drohende Wolken schwebten. ** * Um die Mitte des Novembers erhielt Fries die von Dr. Brendel erbetenen Auskünfte aus Costa Rica, und er konnte nun auf fester Grundlage eine Untersuchung der Buchführung des geflohenen Kassierers vornehmen. Es war eine mühselige Arbeit, alle jene Machenschaften aufzudecken, durch welche die Fehlbeträge in der Bilanz verschleiert worden waren. Betreffs mancher Eingänge, die im Memorial gebucht waren, die Kasse aber nie berührt hatten, dann über Tratten und Schiebungen durch gefälschte Wechsel mußte er wiederholt den Konsul befragen. Dieser kam ihm stets mit BereitwilligMel Romon von keit entgegen, war aber nur selten in der Lage, betrügerische Schachzüge aufzuklären. Es war unverkennbar, daß der Konsul sich als Leiter der Gesellschaft betreffs der Kontrolle grobe Fahrlässigkeiten hatte zuschulden kommen lassen. Für jede Unterlassungssünde führte er Geschäftsüberbürdung und blindes Vertrauen in des Buchhalters Ehrlichkeit als Entschuldigungs= gründe an. Fast jeder Unterredung mit Fries gab er eine drollige Wendung. Er verwünschte es, während er sich den Kopf und Bart kraute, daß er sich„das scheußliche Ehrenamt“ habe aufbürden lassen und erklärte schließlich:„Kommen Sie, lieber Freund! Um nicht ganz in Trübsinn zu versinken, müssen wir einen guten Schluck zenießen. Wo speisen wir? In der Villa oder bei Pfordte? Jedenfalls bleiben wir zusammen.“ Mochte sich Fries noch so sehr gegen des Konsuls Einladungen sträuben, dieser ging lachend über seine„Askese“ weg und zog ihn schließlich in ein feines Restaurant, wo sich dann gewöhnlich, auf seinen telephonischen Anruf hin, Melita und Frau Laurens, zuweilen auch Julian Preyl, einfanden. Frau Wismar blieb diesen Zusammenkünften fern. Für Fries enthielten sie starke Verlockungen durch den frischen, fröhlichen Ton, den der Konsul und Preyl anzuschlagen verstanden, und durch den Verkehr mit Melita. Dieser wurde bald ein so inniger, daß seine Eifersucht schwand. Preyl erweiterte seinen Freundeskreis immer mehr, schien aber über die Vorstudien zu seinen Werken nicht hinauszukommen. Als Fries ihn eines Tages besuchte, fand er ihn um 1 Uhr mittags noch im Bett. Er war erst beim Morgengrauen von einem tollen Gelage heimgekehrt. Aus dem Schlaf gerissen, warf er einen Blick auf die Uhr und sprang erschrocken aus dem Bette. „O all ihr Götter, ihr ewigen Götter!“ rief er mit pathetischer Miene.„In diesem Augenblick erwartet mich schon das Konsistorium der Sonnenbrüder zum Frühschoppen, und ich soll die Allokution halten. Schockschwerebrett, da kann ich mich ja auf eine schwere Buße gefaßt machen. Bitte, liebster Freund, begleiten Sie mich. Ich bedarf eines ehrenfesten Mannes, der mir bezeugt, daß ich eben erst mit einem infamen Kater aus dem Schlaf gefahren bin.“ Fries weigerte sich energisch, in das Konsistorium trinkfester Leute einzudringen und gab vor, daß jeder Frühschoppen ihm Kopfschmerz bringe. So schieden die beiden mit Gefühlen voneinander, die weit entfernt waren von gegenseitiger Hochachtung.„Elender Schwachmatikus,“ murmelte Preyl, und Fries dachte sich:„Welch ein wüster Schlemmer ist dieser Sonnenbruder.“ *„ * An einem der ersten Dezembertage fand Fries im Memorial und Hauptbuch die Einnahme von 65000 Mark verzeichnet. Der Konsul hatte acht Tage nach der Flucht des Kassierers die Summe mit dem Vermerk eingetragen, daß sie in Hamburger Hypotheken=Pfandbriefen angelegt und diese auf der Bank deponiert seien. Fries suchte unter den Dokumenten der Plantagen=Gesellschaft den Depositenschein hervor. Sein Blick fiel auf die Unterschriften der beiden Bankdirektoren, und er bemerkte mit leisem Erschrecken in einem der Namen ein P, dessen zackige Form ihm bei den Niederschriften des Konsuls aufgefallen war. Er besaß einen scharfen Blick für gleichartige Schriftzeichen und prüfte die Unterschriften genauer. Sein Erschrecken steigerte sich derart, daß sein Herzschlag aussetzte, denn er gewann die Ueberzeugung, daß die Unterschriften gefälscht waren— gefälscht von des Konsuls Hand. Vom Stuhl auffahrend, tastete er nach einem Halt. Ein Schwindel überfiel ihn, und das Zimmer verdunkelte sich vor seinen Augen.— Der Konsul war ein Fälscher?— Unmöglich! Er konnte und wollte den Gedanken nicht fassen, daß er recht gesehen. War Melitas Vater ein Verbrecher, so kam dies für ihn nahezu dem Welteinsturz gleich. Wie sollte er den Mann entlarven, dessen Tochter er anbetete, dessen Frau er verehrte und in dem er bisher einen Freund und Wohltäter gesehen hatte! Kalte Schauer rannen ihm über den Rücken. Von schrecklichen Gedanken und Vorstellungen gequält, lief er wie ein gefangenes Raubtier auf und nieder, warf sich dann stöhnend über den Schreibtisch. „Nein, nein, es kann nicht sein— es ist undenkbar! Konsul Wismar— ein Fürst unter den Kaufleuten der Stadt— der eine edle Frau, eine herrliche Tochter zu schützen hatte, der sich gegen Hilfsbedürftige hochherzig und freigebig bis zur Verschwendung erwiesen hat, kann keine gemeine Handlung begangen haben, um sich zu bereichern——“ Er stutzte und erhob sich wieder. „Um sich zu bereichern?“ murmelte er und setzte nach kurzem Besinnen hinzu:„Wenn er es aber getan hätte, um sich zu retten?—— War es vielleicht wahr, was die Neider murmelten, daß er große Fehlschläge durch das Sinken von Minenaktien erlitten habe?— Sprachen nicht seine Gegner von einer bevorstehenden Pleite?“ Er wollte Gewißheit haben. Rasch zum Telephon hinlaufend, rief er einen der Bankdirektoren an und stellte bebend die Frage: „Hat Herr Konsul Wismar bei Ihnen für die Plantagen=Gesellschaft Hammonia im Juli dieses Jahres 65000 Mark in Hamburger Hypothekenpfandbriefen deponiert?“ udols Elcho. Nach einer Minute, die sich für den Fragesteller zu einer Stunde ausreckte, vernahm er ein kurzes bestimmtes Nein. „Verzeihen Sie,“ stotterte er,„ich bin durch eine Notiz im Memorial irregeführt worden.“ Er warf sich ächzend in den Sessel. Nun hatte er die furchtbare Gewißheit: Der vom Konsul der Kasse zugeführte Depotschein war gesälscht, die eingegangene Geldsumme von 65000 Mark unterschlagen worden. Mit bebenden Händen schloß er den Schein im Geldschrank ein und floh aus dem düstern Handelshause mit einer Hast, als züngelten hinter ihm her gierige Flammen. Im Landhaus zu Eimsbüttel langte er in einem Zustande an, der seine Tante heftig erschreckte. Er hatte, um allein zu sein mit seinen nagenden Gedanken, den Heimweg zu Fuß zurückgelegt. Von der See her warf ihm der Nordwind Schneeflocken ins heiße Gesicht, wo sie, in Tropfen verwandelt, zum Halse herabrieselten. Im Abenddunkel hatte er nicht auf den Weg geachtet und war in einen Graben gefallen, aus dem er sich mit beschmutzten Knieen und Händen wieder erhob. Vor innerer Pein war sein Gesicht leichenfahl geworden, und als er vor seine Pflegemutter hintrat, schlug diese entsetzt die Hände zusammen und rief: „Min Jung— um Himmelswillen— was ist dir passiert?“ Er starrte ihr eine Weile in das faltige Gesicht, dann strich er sich, als müsse er erst seine Gedanken ordnen, über die Stirn und antwortete mit heiserer Stimme: „Schreckliches, Tante— etwas, das auf mich niederfiel wie der Blitz aus heiterem Himmel. Du sollst alles wissen— du, mein liebes Mutting! Dir kann ich vertrauen— du allein kannst mir raten... Höre!“ Er ließ sich vor dem Dauerbrandofen, dessen ausstrahlende Glut allein das Zimmer erhellte, in einen Sessel sinken und enthüllte ihr das Geheimnis seiner Liebe und die Tat des Konsuls. Mit der fast schluchzend hervorgestoßenen Frage:„Was tun in dieser furchtbaren Lage?“ schloß er ab. „Deine Frage ist überflüssig, Wolf, denn du weißt genau, was ich antworten werde," versetzte Frau Lütkens kurz und bestimmt.„Du mußt das tun, was du vor deinem Gewissen verantworten kannst.— Deine Lage ist schlimm, aber vor solche Kreuzwege stellt uns zuweilen das Schicksal, um zu erproben, ob wir stark oder schwach sind. Sei stark, mein Junge, und geh' den Weg der Pflicht und der Ehre ohne Rücksicht auf die Folgen. Oldenpurg hat dir sein Vertrauen geschenkt und sich für dich verbürgt, also wärest du ein Schurke, wenn du um der Liebe willen des Konsuls Betrug verheimlichen wolltest. Damit ist für mich und hoffentlich auch für dich die Frage entschieden. So, nun komm' zu Tisch und nimm eine Stärkung zu dir, du hast sie nötig.“ Sie erhob sich und wollte zum Tisch hintreten; er aber hielt ihre Hand fest: „Du hast meine Frage falsch verstanden, Tantchen. Daß ich um Melitas willen zum Schurken werde— das hast du wahrlich nicht zu fürchten, nur über die Art der Enthüllung des Betrugs bin ich im Zweisel. Eine Familie, die mir viel Freundlichkeit erwiesen hat, kann ich doch nicht rücksichtslos ins Unglück, vielleicht ins tiefste Elend stürzen. Möglich, daß die Schuld des Konsuls doch nicht so groß ist, als sie mir im ersten Augenblick erschien. Wenn ich seinen Sturz mildern, vielleicht sogar verhüten könnte———“ Frau Lütkens Gesicht erhellte sich.„Nun, so sprich zuerst mit dem Konsul und dann erst mit Oldenpurg," riet sie und zog Wolfgang gewaltsam zum gedeckten Tisch hin. Die Unterredung fand am nächsten Morgen in des Konsuls Bureau statt. „Hallo! Was führt Sie, mein lieber Direktor, schon so früh zu mir?“ Als Fries auf diese kordiale Begrüßung des Konsuls hin mit zitternder Hand den gefälschten Depotschein hervorzog, erbleichte er und tastete nach einer Stuhllehne. Seine Knie wankten, aber der Schlag warf ihn nicht nieder. Nach kurzem Schweigen betastete er Haar und Stirn und bemerkte mit einem gequälten Lächeln:„Da haben wir's. Das Skelett in meinens####schäftshause ist nun doch vor Ihren scharfen####en aufgetaucht, bevor ich es entfernen konnte. Die Sache sieht häßlich aus— verflucht häßlich, das gestehe ich zu, aber wenn ich Ihnen meine fatale Lage erkläre, dann werden Sie mein Unrecht vielleicht verzeihlich finden. Bitte—“. Der Konsul deutete auf einen Stuhl, und beide setzten sich. „Sie wissen—," begann der Handelsherr mit leicht vibrierender Stimme und stützte sich auf den Schreibtisch,„daß jedem Kaufmann, der nur auf die eigene Kapitalskraft und Intelligenz angewiesen ist, schwere Krisen nicht erspart bleiben— auch dann nicht, wenn ihn das Glück begünstigt. In Costa Rica und während der ersten Jahre meines Hamburger Aufenthalts schlug keine einzige meiner Unternehmungen fehl. Mit dem Erfolg aber wuchs meine Kühnheit und— der Groll der von mir, an die Wand gedrückten Konkurrenten. Diese rotteten sich zusammen und legten mir Fallstricke. Als ich bereits an die Unerschütterlichkeit meiner Geldmacht glaubte, kam ein jäher Umschwung: Ein Fehlschlag folgte dem andern. Ich mochte kühn oder vorsichtig operieren— ganz gleich; der Erfolg blieb aus— das Glück hatte mich verlassen. Als nun der Kassierer Liebreich unserer Plantagen=Gesellschaft mit dem ganzen Reservefonds durch die Lappen ging, nahm er Nachdruck verboten. auch mir den Rest meiner flüssigen Geldmittel, im Betrage von rund 50000 Mark. Ich hatte die Summe zur Einlösung eines Wechsels bereitgelegt, und dieser Schuft stahl sie mir. Dadurch erwuchs mir eine brennende Verlegenheit. Konnte ich den Verlust nicht ersetzen und noch 15000 Mark dazu aufbringen, so war ich ruiniert und verfiel dem Konkurs. Ich hatte de zeit Anzahlungen auf Aktien gemacht, deren Kurs zuverlässig steigen wird, denn die Haussebewegung hat bereits eingesetzt. Wurde es nir nun möglich, den Erfolg abzuwarten, so war ich gerettet. In dieser verzweifelten Lage verwandte ich die für die Plantagen=Gesellschaft eingegangenen 65000 Mark für mich. Das war ein Unrecht, aber— der einzige Weg zu meiner Rettung. Die Verlockung, ihn zu beschreiten, wurde durch den Gedanken gesteigert: Du kannst in einigen Wochen die fehlende Summe aufbringen und den gefälschten Schein vernichten. Mit der Rückkehr Melitas, die sich ja unter Ihrer Obhut vollzog, lächelte mir wieder das Glück. Am Tage ihres Eintreffens schloß ich einen Terminhandel unter recht günstigen Bedingungen ab. Ich habe einer Imprägnieranstalt für 250000 Mark. Eisenbahnschwellen zu liefern, die mich, Dank billiger Erwerbung polnischer Holzschläge, höchstens 180000 Mark kosten werden. Ich sah in diesem Zusammentreffen ein gutes Omen, und da ich annahm, nicht nur mein Töchterchen, sondern auch Sie hätten mir Glück gebracht, gewann ich Sie lieb. Ich schlug Sie zum Direktor unserer Gesellschaft vor, weil—— nun, ich will es Ihnen offen eingestehen— weil ich in Ihnen den Mann von Herz erkannte, von dem ich erhoffte, er werde im Falle der Entdeckung meine Lage verstehen und mild beurteilen. Ja, noch mehr! Als ich die innige Zuneigung bemerkte, die mein Kind für Sie faßte, gab ich der vielleicht törichten Hoffnung Raum, Sie könnten diese Neigung erwidern und dem Manne, der Sie als Schwiegersohn freudig in die Arme schlösse, Zeit gewähren, die Schuld zu tilgen, die Gefahr für seine Ehre abzuwenden. Sie sehen, lieber Direktor, daß ich offen und ehrlich meine Verfehlung eingestehe und meine geheimsten Gedanken und Wünsche offenbare. Im Vertrauen auf Ihre Hochherzigkeit spreche ich jetzt die Bitte aus:„Geben Sie mir Zeit! Verschweigen Sie die Entdeckung. Ich verspreche Ihnen, daß vor dem Jahresabschluß die 65000 Mark eingezahlt werden und das Dokument— nicht meiner Schande, sondern meiner verzweifelten Lage— vernichtet werden kann.“ Fries, dessen erblaßtes Gesicht sich bei der Erwähnung Melitas tief gerötet hatte, war erschüttert. Des Konsuls Geständnis klang so ehrlich und seine Bitte so beweglich, daß alle Bedenken schwanden. Ihm in die feuchten Augen blickend, sagte er: „Ich verstehe Ihre Lage, Herr Konsul, und vertraue Ihrem Wort. Der Depotschein soll in meiner Kasse verschlossen bleiben, bis Sie ihn einlösen oder andere Umstände mich zwingen, unserer Gesellschaft Rechenschaft abzulegen.“ Seiner tiefen Regung des Mitleids nachgebend, streckte er dem geknickten Manne beide Hände entgegen, und dieser ergriff sie, wie ein Versinkender.—„Dank— tausend Dank. Sie befreiten mich von einer erdrückenden Last," stammelte er. Als Fries am Abend seiner Tante die Bekenntnisse des Konsuls und das ihm gegebene Versprechen wiederholte, wiegte sie bedenklich den grauen Kopf. „Du scheinst mein Verhalten zu mißbilligen, Tantchen." „Na, mein Junge,“ antwortete sie seufzend, „hoffentlich wird dein gutes Herz nicht betrogen. Kaufleute, die sich durch gefälschte Unterschriften aus dem Schlamassel ziehen, gehen in der Regel vor die Hunde.“ „Liebes Tantchen, wer Jahrzente lang in einem Kramladen seine Waren an saumselige Kunden verkauft und verborgt hat, wird mißtrauisch. Der Konsul aber, ein hochstehender, großzügiger Mensch, befand sich in einer furchtbaren Lage. Auch charaktervolle Menschen sind nicht frei von Schwächeanwandlungen. Wer kann wissen, ob wir selber bei dem entsetzlichen Gedanken: Mit dir werden deine Lieben versinken, nicht auch der Versuchung unterliegen würden.“ „Nein, mein Sohn, so mißtrauisch bin ich doch nicht, daß ich jemals annehmen könnte, du würdest ein schlechter Kerl werden. Ich gehe seelenruhig mit dem Bewußtsein zu Bett: Wir beide fälschen keine Depotscheine.“ Lachend zog sie sich in ihr Schlafzimmer zurück. Ihr Neffe aber blieb in nachdenklicher Stimmung zurück. „Erschien dir denn der Konsul während der letzten Unterredung noch als ein hochstehender, großzügiger Mensch,“ fragte er sich und schüttelte leise den Kopf. Es kam ihm zum Bewußtsein, wie sehr sich zuweilen bekannte Personen durch eine einzige Offenbarung des Gemüts oder Charakters in unserer Vorstellung und Schätzung verändern. Während seiner Lehrjahre hatte ihn die Bemerkung eines unzufriedenen Kollegen beeinflußt:„Wir arbeiten alle für Oldenpurgs feuerfesten Geldschrank; das ist der Moloch, der unser Leben frißt.“— Damals erschien ihm der alte Handelsherr wie ein schlauer, mißtrauischer Hüter des Geldschranks, wie ein Pedant, den nichts erhob, als der Patrizierstolz, der ja im Grunde nur vererbter Geldstolz ist. Nachdem der kleine Herr ihn, den Heimgekehrten, aber so warm und dankbar begrüßt hatte, stieg (Weung g Schlhsltum= Kunstgewerbe * ∆ Aus dem Leben der Kirchen. Das 400jährige Jubiläum der ersten Lutherbibel wird am 17. September des Jahres durch besondere Gottesdienste und Volksfeste gefeiert. Am 17. September werden es 400 Jahre, daß Luthers Neues Testament von Melchior Lotther in Wittenberg gedruckt und herausgegeben ist. Trotz des für die damalige Zeit hohen Preises von 1¼ Gulden war die starke Auflage doch vor Ende des Jahres vergriffen. Ohne Rücksicht auf die Kirche glaubt Staatssekretär von Möllendorf handeln zu dürfen. Die Sitzung des Schlichtungsausschussefür die Forderungen der Berliner städtischen Arbeiter setzte er nämlich für Karfreitag, den höchsten Feiertag der evangelischen Christenheit, von vormittags 9 bis abends 10 Uhr an. Herr wohl dieselbe Rücksichtslosigkeit sich erlaubt hätte, wenn es sich um Arbeit am 1. Mai gehandelt hätte? Westfälische Notopfersammlung für Innere Mission. Am Sonntag, 2. Juli d. J. soll in allen evangelischen Gottesdiensten der Provinz Westfalen eine außerordentliche Kirchensammlung für die Anstalten der Inneren Mission Westfalens gehalten werden und im Anschluß daran eine Sammlung durch alle evangelischen Häuser der Provinz. Die Anstalten der Inneren Mission sind infolge der plötzlichen Geldentwertung in die größte Not getonnten. Der 3. Liturgische Lehrgang für Pfarrer, Organisten, Lehrer und Presbyter wird vom 7.—9. Juni in Gütersloh abgehalten. Es werden Vorträge gehalten über„Die Bereicherung des gottesdienstlichen Lebens“,„über Kirchenjahr und Kirchenlied“, über die„richtige Benutzung der Orgel im Gottesdienst", über„Einübung der Lobgesänge des Neuen Testamentes“, über„liturgischen Anstand".— Praktische Uebungen im Psalmodieren und über„Erziehung der Gemeinde zur Anbetung im Gottesdienst". Beiträge zu diesem Lehrgang bieten u. a.: Pastor Nelle, Kantor Strohlmann(Obernbeck), Kantor Lohmann(Mennighüffen), Pastor Benfey(Schlüsselburg) und Lic. Brandt(Linz.) Eine Ausstellung für Kirchengeräte und Kirchenschmuck soll vom 8. Juli bis 10. August 1922 in Stuttgart stattfinden. Schon sind die ersten wichtigen Vorbereitungen beendet und eine ganze Reihe von Ausstellern angemeldet. Glasmalereien, Plastiten, Gemälde, Kirchengeräte aller Art, Glocken, Turmuhren, kirchl. Bücher und Drucksachen, Harmoniums u. a. m. sind vertreten. Neben verschiedenen bedeutenden Einzeltünstlern und Firmen wird sich auch der Reichsverband Deutscher„Juweliere, Gold= und Silberschmiede Berlin, durch eine Kollektivausstellung beteiligen.(Geschäftsstelle, Stuttgart, Königstr. 321.) Die 30. Provinzialversammlung des Westfälischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes findet am 10., 11. und 12. Juni d. J. in Gelsenkirchen=Schalke statt. Die mit Eifer und großen Opfern getroffenen Vorbereitungen versprechen einen glängenden guten Verlauf. Festgottesdienst in 10 Gotteshäusern, ein Festzug ssämtlicher wangelischer Vereine von Gelsenkirchen=Schalke und eine öffentliche Kundgebung sind vorgesehen, bei der berufene Voltsredner sprechen werden. In weiteren sieben großen Festversammlungen der Stadt werden gleichfalls Vorträge gehalten. Grziehung und Unterricht. Sieg bei den Elternrotswahlen. Am Sonntag hat in Großberlin die zweite Elternratswahl für die Gemeinde= und Mittelschulen stattgefunden. In 580 Schulen wurde gewählt, Rügem. Ortskrankenkasse Schwerte-Ruhr Einladung zur Ausschuß=Sitzung. am 8. Juni 1922, abends 8 Uhr im Lokale Kordeck, Kampstraße 20. Tagesordnung: Satzungsänderung. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bilte: Der Ausschuß=Vorsitzende: Bernhard Stern. wobei die christliche Liste einen Sieg davongetragen hat. Die weltliche Liste hat etwa 30 Prozent ihrer Anhänger verloren und die christliche in gleichem Maße Zuwachs erhalten. Die christliche Liste hat 1636, die weltliche 703 Vertreter erhalten. * Tagung des Deutschen Gewerbeschulverbandes. Vom 7. bis 11. Juni hält der Deutsche Gewerbeschulverband, der alle Lehrgruppen des gesamten gewerblichen Unterrichtswesens von Deutschland umfaßt, in Frankfurt a. M. seine 29. Wanderversammlung ab. Der Tagung voran gett eine Hochschulwoche vom 1. bis 8. Juni. Gleichzeitig veraustaltet der Gewerbeschulverband eine umsungreiche Ausstellung von Zeichnungen, Fachliteratur, Lehrmittel, Demonstrationsgegenständen über Berufsberatung und Wertstücken aus Reisterkursen. Die Verhandlungen der Hauptversammlung finden im Gesellschaftshaus des Palmengartens statt, die Gruppenverhandlungen in der Universität. Alle Auskünfte erteilt die Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Moltkeallee 23. * Wissenschaft und Hochschule. Die Volkshochschulen Westfalens ressen sich zu einer Sonnenwendfeier am 24. und 25. Juni in Lüdenscheid. Hörer und Lehrer beteiligen sich daran. Am Samstag, 24. Juni, spricht Dr. Walter loch aus Kassel über„die Geschichte in der Volkshochschule". Abends wird auf dem höchsten Punkte in der Umgebung Lüdenscheids ein Sonnenwendfeuer abgebrannt. Am Sonntag, 25. Juni. ist Gottesdienst und dann weiteres Beraten und Feiern. Die Mitglieder der Lüdenscheider Volfshochschule wollen für Freiquartiere sorgen. Das preußische Kultusministerium hat die Universitätsgebühren beträchtlich erhöht, nur die Kollegiengelder sind die alten geblieben. Das Auditoriengeld wird zu einer„Studiengebühr" ausgebaut, ist von jedem Studierenden und Hörer zu zahlen und beträgt 100 c für ein Semester. Ausländer müssen 500 c zahlen. Zum ersten Male nach dem Kriege wird dernnächst in einem ehedem feindlichen Aus land wieder deutsche Kunst vertreten sein, und zwar in einem eigenen großen Pavillon auf der Kunstausstellung in Venedig. Bezeichnenderweise ist das deutsche Haus das einzige, das bis zum Eröffnungstage in allen Teilen den Besuchern fertig vor die Augen treten wird. Der berühmte Verlag Friedr. Andr. Perthes A.=G. in Stuttgart ist mit der Deutschen Verlagsgesellschaft in Stuttgart vereinigt worden und wird seinen Sitz nach dort verlegen. such gemacht, mit Hilfe seiner modernen Musik eine führende Stellung über England zu erlangen.“ Und so geht es weiter. Leider vergißt der zerr, daß vor dem Kriege alljährlich hunderte von Ergländern und Engländerinnen völlig ungerufen nach Deutschland kamen, um hier Musik zu studieren und sich an der„verderblichen Seele der deutschen Musik“ zu begeistern! Der Berliner National=Galerie stifrete der Freiberger Kunstgelehrte Prof. Ernst Große eines der Hauptwerke Ludwig Thomas aus dem Jahre 1869„Niederung am Rhein". Das Kaiser=Friedrich=Museum erhielt schenkungsweise von dem Berliner Sammler Lion ein Werk des großen Quadrateento=Meisters Piero della Francesca. Das Max Reger=Zimmer in Weimar wird demnächst als Max Reger=Museum erweitert und in zwei Zimmern des Residenzschlosses untergebracht werden. Die Verwaltung übernimmt ein Kuratorium, dem auch Regers Witwe angehört. Für die„Urne mit Regers Asche hat die Stadt Weimar einen schönen Platz auf dem neuen Friedhof zur Verfügung gestellt. Bühnenschau. Sämtliche 18 plattdeutschen Verein Thüringens haben sich zu einem Landesverband zusammengeschlossen. An der Hundertjahrfeier der Gesellschaft Deutscher Naturförscher und Aerzte Mitte Seytember in Leipzig wird auch der schwedische Forschungsreisende Sven Hedin- teilnehmen und einen Vortrag über das Hochland von Tibet halten. Die Professoren Einstein und Schlenk wurden von der Wissenschaftssozietät in Upfala zu Ritgliedern der physikalisch=mathematischen Klasse gewählt.. Prof. Einstein ist jetzt auch von den australischen Unwersitäten Melbourne, Sydney und Adelaide eingeladen worden, Vorträge zu halten. Der Gelehrte wird dem Rufe im Anschluß an seine Japanreise Folge leisten. Die verschiedenen Hochschulen in Berlin besuchen im laufenden Semester über 20.000 Studierende. Bemerienswert ist, daß allein die Universität 1484 studierende Frauen aufweist. 1374 Studierende sind Ausländer * Kunstnachrichten. Ja, die Deutschen! Der englische Kapellmeister Dr. Coward hielt kürzlich einen Vortrag, in dem er heftig gegen„die verde bliche Seele der deutschen Mu i!“ zu Felde zog. Gegen die deutsche Musik vor 1870 hat er„nach reiflicher Ucberlegung" nichts einzuwenden, aber die deutsche Musik nach 1870 ist ihm„Verrat an der englischen Nation.“ Weiter sagt er:„Deutschland hat den schamloson(!) VerFrl. Frieda Leider von der Hamburger Oper wurde vom Gran Theater Liceo in Barcelona eingeladen, in den beiden deutschen Festvorstellungen„Tannhäuser" und„Lohengrin“ als Venus bezw. Ortrud mitzuwirken. Die Burgtheater=Krisis in Wien ist vorläufig bescitigt. Anton Wildgans wird die Geschäfte zwecks Durchführung seiner Reformpläne bis zu Ende der Spielzeit weiterführen. Tannhäuser in Rom. Seit 20 Jahren fand jetzt zum ersten Mal in Rom mit glänzendem Erfolg eine„Tannhäuser"=Aufführung statt. Fritz Reiner aus Dresden dirigierte, Anlia Reinhardt aus München sang die Elisabeth; den Tannhäuser sollte Walter Kirchhof aus Dresden übernehmen, der aber erkrankte und durch einen italienischen Tenor ersetzt werden mußte. Nach Vollarest verpflichtet zur Einstudierung moderner dramatischer Werke wurde Karl Martin, der Regisseur des Berliner Großen Schauspielhauses. U. a. wird er Hafenclevers Tragödie„Antigone“ in rumänischer Sprache zur Uraufführung bringen. Richard Strauß„Salome ist in's französische übersetzt worden und wurde zum ersten Mal in der Oper zu Nantes aufgeführt, als das erste Werk eines levenden deutschen Komponisten nach dem Kriege. Auch die französische Kritik ist voll Anerkennung über das Werk. Rudolf Schaper, der frühere Rostocker Theaterdirektor, übernimmt die Leitung des Stadtcheaters und des Withelmtheaters in Danzig und des Stadttheaters in Zoppot. Vom Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind. in der Buchhandlung Carl Braus zu haben. Vom gesunden und franken Herzen von Univ. Prof. Dr. Kerschensteiner(München), 122 Seiten, 18 Abildungen. Preis gebunden A### 29,—(einschl. aller Zuschläge) Mar Hesses Verlag, Berlin W. 15.— Nach einer kurzen Einleitung bespricht der bekannte Münchener Herzspezialist die einzelnen Formen der Herzkrankheiten, unter denen die Arterienverkaltung zu den zum Teil mit Unrecht gefürchtetsten gehört, behandelt erschöpfend die Ursachen der Herzstörungeen und widmet ein eigenes Kapitel der so häufigen Neurasthenie und ihren Folgeerscheinungen Ratschläge, als Erfahrung folgen. „Suchen und Finden!“ Zeitfragen der Jugend.) Unter dieser Ueberschrift sind im B.=K.=Verlag (Emil Müller) Barmen eine Serie Hefte erschienen, die vornehmlich die Bibelkreise an höheren Lehranstalten im Suchen und Finden einer festgegründeten, christlichen Weltanschauung und Levenshaltung führergemäß leiten wollen. Vor uns liegen davon vier Heftchen. Eltern, die um den Werdegang ihrer Sechzehn= und Achtzehnjährigen besorgt sind, können nichts besseres tun, als sich und ihren Kildern diese treuen, guten Führer zu besorgen. Da in unserer Zoit die Geldfrage eine außerordentliche Bedeutung hat, soi darauf hingewiesen, daß der Preis ein recht billiger ist: die Hefte kosten durchschnittlich 2 Mark. 1. Expressionismus von Dr. Philipp Krämer. Es ist eine kurze, mit kräftigen, klaren Strichen gezeichnete Einführung in die expressionistischen Gegenwartsströmungen. 2. Die tiefsten Känge in Goethes Lyrik von demselben Verfasser.— Dr. Krämer hat Goethe mit seinem Verständnis belauscht. Nach einer Einleitung, die den Begriff„Lyrlk“ herausschält, wird nachgewiesen, daß Goethes gesamte Lyrik ein notwendiges Aussprechen persönlicher Erlobnisse ist, darum ist sie so tief und nachhaltig, darum liest sie sich wie einegroßes, über das ganze Leven des Dichters sich hinziehendes Betenntnis. Die innere Entwickelung Goethes muß naturgemäß im Alter zu einer Lyrik der grenzenlosen Sehnsucht führen, die erschütternd ist.„Ich sehne mich nach Hause; ich habe in der Welt nichts mehr zu sinden"(an Herder).— Goethe hat das Wesen des Christentums, als es ihm durch die Bibel, durch lebendige Jesusleute(Frl. v. Kettenberg, Lavater, Jung=Stilling) mit der Forderung nach„Zerbrechung des Menschen vor Gott“ entgegentrat, auch ihn fordernd, auch ihn bedingungslos als Ganzen haben wollend, bewußt und entschieden abgelehnt. Darum ist er nie zu dem freudigen Gewißheitsbekenntnis gekommen:„Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!"— Der Jugend, die heute vor die Entscheidung gestellt wird:„Christus oder Gaethe!" erweist das Heftchen seinen großen Dienst. 3. Cheistentum und Persönlichteit von Dr. phil. Hans Hofer. Es ist kaum möglich, einen Eindruck von dem Gedankenreichtum dieses Heftes zu geben. Die Belege und Beweise werden hergeholt aus dem Kausalzusammenhang des Wissensschatzes eines allseitig orientierten Menschen.— Von Klingers Bild„Christus im Olymp“ kommt Verfasser zu dem Schluß: Erlösung und Vollendung finden wir bei Christus. In tiefen Gedankengängen setzt er sich nun mit der Froge auseinander: Wie finden wir Christus? Damit kommt er zu dem tiefsten Zeitproblem: zur Schuldfrage. Aufsteigend bewegen sich die Antworten zur Lösung bis zu der einzigen: der Wiedergeburt. Und wie von da än Christus Persönlichkeiten schafft; das ist das Wuchtige des Büchleins, das wir sehr empfehen. 4. Selbsterziehung von Dr. Karl Kaiser: Ein gläubiger Pädagoge, der sich viel mit Forster beschäftigt hat, gibder gesunden Jugend, die nach Großem sich sehnt, die Parole: Ich will...! Jedenfalls müssen wir auch echter Jugend sagen:„Strebe! Der Weg aller ehrlichen Ethik, besonders aber die Befolgung des„Ich aber sage euch“ wie es in der Bergpredigt miteigenartigemSelbstbewußtsein uns entgegentönt, führt zuletzt— unter das Kreuz von Golgatha. Die beiden vorzüglichen„RegelmäßigkeitsBtätter" besten Inhalts: 1. Neue Jugend für Aeltere, 2 2. Jugendkraft für jüngere Schüler höherer Lehranstalten empfehlen wir ebenfalls gleichzeitig. Vor uns liegen fünf Bändchen Hausschatz„Bücher aus dem Verlag von Friedrich Pustet in Regensturg;(Rom, Köln, Wien).— Auf gutem Pavier, mar und deutlich gebruckt, in handlichem Format, sest eingevunden, machen die Bändchen(z. T. über 300 Seiten start) schon durch ihre Ausstatlung den allergünstigsten Eindruck. Dazu ist der Preis von 18 M pro Band so außergewöhnlich niedrig, daß die Verbreitung der Bücher guf's stärkste gefördert werden muß und kann. Der Inhalt ist der bestmöglichste: Ich nenne: Storm, Immensee, der stille Musikant, Pole Koppenspöler. Berthold Auerbach, Barfüßele. Charles Dickens, Das Heimchen am Herd. W. Herchenbach, Der Besuch vom Mississippi, Storm, Der Himmelsreiter. Man sieht, der Verlag orfüllt mit der Herausgabe solcher Hausschatzbücher gradezu eine Kulturaufgabe an unserem Volke. Helfen wir, seine Werke verbreiten. Für das Kontor unserer Buchdruckerei mik Zeitungsverlag suchen wir einen strebsamen Knaben mit guten Schutzeugnissen zum baldigen Eintrikt. Carl Braus,„Schwerter Zeitung“. pewanhpiole Uefert schnellstenTaserertate Prucharu E. Prass H. Haueisen, Lack= und Farben=Industrie, Dortmund# Fernruf 8836, Brunnenstraße 16, im Hof, Gegr. 1907 Zu erreichen durch Linie Nr 6 (Haltestelle Heroldstraße). 1118 Taxrey. zu billigsten Preisen. Vereine Vorzugspreise. Leinöl la, dopp. gek.(keine Rischware): Bernsteinfußbodenlackfarbe: Wieder P#r.: über Nacht glashart und dauethaft, sowie sämtlichest 8866. 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