Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt. nUnterhaltungs- u. Romanbellage. u Spiel, Sport und Curnen. u Lebensbild. Kunst u. Wissen. u Gartenratschläge. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Schwerter Dolksblatt Amtliches Kreisblatt Erstes und ältestes Tagesorgan des Desthofener Zeitung Opierbecker Zeitung — Langscheder Zeitung für den Kreis Börde, hoizwickeder Zeitung — Geueratanzeiger für den Kreis Hörde. je„Schwerter Jeitung“ erscheint werktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Telegr. Adr.: Brars, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck Dortmund 2852 Verantwortliche Scheiftleitung: Karl Richte:; Stadt und ProomzS.iedr. Kraas; sämtlich in Schweite. Nr. 115 Mittwoch, 17. Mai 1922. 55. Jahrgang = Zum Wer mit allem Tun und Sinnen Immer in die Zukunft starrt, Wird die Zukunft nie gewinnen, Und verliert die Gegenwart. Julius Wolff. Für eilige Leser. Neuigkeiten aus Nah und Fern. Lloyd George kehrt Ende der Woche nach London zurück und wird dann vor dem Unterhause Bericht über Genua ablegen. Die Schlußsitzung der Konferenz soll am Donnerstag stattfinden; nach einer anderen Meldung erst in acht Tagen. In der russischen Frage kam eine Einigung dahin zustande, daß die Sachverständigenkommission im Juni im Haag zusammentritt. Die Vereinigten Staaten werden zur Teilnahme eingeladen. Tschitscherin legte Protest gegen die Behandlung Rußlands ein. * Der deutsch=polnische Vertrag zur Regelung der Uebergangsverhältnisse in Oberschlesien ist gestern nachmittag in Genf unterzeichnet worden. Die Verhandlungen haben damit ihren Abschluß gefunden. Reichsfinanzminister Dr. Hermes hat in Paris die erste offizielle Besprechung mit dem Präsidenten des* Wiederherstellungsausschusses, Dubois, über den deutschen Etat und das Gesetz über die Zwangsanleihe gehabt. Ministerpräsident Poincaree hat den Vorsitzenden des Wiederherstellungsausschusses, Dubois, empfangen. Havas gibt an, daß Dubois im Laufe der Unterredung mit dem Ministerpräsidenten diesem Mitteilungen über seine Besprechungen mit dem deutschen Finanzminister Dr. Hermes gemacht hat. Während der Fahrt auf der Strecke Halle=Berlin bog sich ein Schaffner am Bahnhof Papestraße zu weit aus dem Güterwagen heraus, verlor das Gleichgewicht und stürzte 8 Meter hoch auf das Straßenpflaster auf. Bald danach starb er. Ein Amerikaner kaufte das Café Dietze in Braunlage für 1½ Millionen Mark. Da gehörten freilich nicht viele Dollars dazu. Trotz aller Warnungen des Gemeinderates wurde die Pacht für den Gasthof in Frankleben im Geiseltale von bisher 3600 Mark auf 56 500 Mark jährlich getrieben! Der neue Pächter muß ein großer Optimist sein! * Die drahtlose Station in Nauen die größte der Welt, verarbeitet heute täglich bis zu 8000 Worte im innerdeutschen Verkehr und 19.000 Worte im außerdeutschen Funkdienst. Am stärksten ist der Funkverkehr nach den Vereinigten Staaten. Zugunsten der Hungerleidenden in Rußland hat der Internationale Gewerkschaftsbund, Sitz Amsterdam, dis Mitte Januar 1313000 holländische Gulden aufgebracht. * Der Reichsrat hat gestern den Entwurf des Reichsknappschaftsgesetzes angenommen. * Im Reichsschatzministerium begannen, wie die Blätter melden, Verhandlungen über Erhöhung der Löhne der Staatsangestellten und Arbeiter. Sollten die Verhandlungen zu einem schnellen Abschluß gebracht werden, so besteht die Möglichkeit, die neuen Löhne bereits zum Junibeginn auszuzahlen. Während des vergangenen Rechnungsjahres haben die italienischen Eisenbahnen ein Defizit von 704 Millionen Lire gehabt. Um den haag. Die Einladung an die Vereinigten Staaten. Genua, 16. Mai. Gestern hat der Präsideat der Konferenz, de Facta, die Vereinigten Staaten zu den Verhandlungen im Haag mit den Russen eingeladen. Man hofft, daß die Antwort der Vereinigten Staaten heute in Genua eint essen wird. Die Ablehnung. London, 16. Mai. Nach einer hier eingegangenen Reutermeldung aus Washington hat das Staatsdepartement die Einladung zur Teilnahme an der Haager Konferrn= abgelehnt. Die„Morningpost“ meldet daß die„Washington Post“, die bereits mehrfach das Preßorgan des Präsidenten Harding war, jeden Gedanken an eine Annahme der Einladung durch die Vereinigten Staaten abgewiesen und nachdrücklich erklärt hätte, daß die amerikanische Regierung mit Sowjetrußland nichts zu tun haben könne, bevor nicht die Sowjetregierung die Gesetze der Zivilisation annehme. Auch Frankreich? Paris, 16. Mai. In hiesigen politischen Krei sen wird versichert, daß Frantreich sich dem amerikanischen Vorgehen gegenüber der Konferenz im Haag anschließen werde. Da Amerika dieser Konferenz fernbleibe, ist anzunehmen, daß sie auch von Frankreich nicht beschickt werden wird. Deutschland. London, 17. Mai. Nach einer Reutermeldung aus Genua sagte Lloyd George auf eine Frage, Deutschland sei von der Haager kommission ausgeschlossen, da es sein besonderes Abkommen mit Rußland geschlossen habe. Die Russen. Genna, 17. Mai. In der gestrigen Sitzung der politischen Unterkommission, an der auch die Russen teilnahmen, wurden diesen die Beschlüsse der Mächte vorgelegt. Die Russen erbaten sich eine 24stündige Bedenkzeit. Erste Sitzung der Genueser Orientkonferenz. TU. Genua, 16. Mai. Die Konferenz der orientalischen Völker hat in Genua gestern ihre Arbeiten begonnen. Nach einem amtlichen Kommuniqué hat die Konferenz das Redaktionskomitee zur Abfassung eines Memorandums gewählt. Wann ist die Schlußsitzung? Paris, 17. Mai. Nach Ansicht der Sonderberichterstatter der Pariser. Presse dürfte die Schlußsitzung, durch die die Konferenz von Genua beendet werden soll, erst Ende der Woche stattfinden, Freitag oder Sonnabend. Dem widerspricht der Reichspostminister, weil das Publikum am Sonntag seine Zeitungen haben will. Er kündigt an, daß die Eisenbahn die blaue Farbe einführen wolle und daß die Post werde folgen müssen. Der schöne gelbe Postwagen scheint also auf dem Aussterbeetat zu stehen. Der deutschnationale Abgeordnete Bruhn kritisiert besonders die Personalpolitik der Post. Er hält es für sachlich unmöglich, daß bei den Postämtern von 1 500 Hilfskräften 300 wegen Krankheit beurlaubt worden sind. Es herrscht überall ein Beamtenüberfluß. Die Leistungen der Post seien dauernd gesunken. Vom Postministerium antworteten die Staatssekretäre Teuke und Bredow, wobei der letztere besonders die technische Leistung der Post rühmend betonte und feststellte, daß wir uns mit dem Ausninde wohl messen können, ausgenommen mit I Amerika. Die Diebstähle am Telegraphendraht seien so beträchtlich, daß für die Linien ein besonderer Schutz eingerichtet werden mußte. Die verspätete Bestellung der Telegramme erkläre sich aus der ungenügenden Adressierung der Adressen. Die verschiedenen Parteiredner nahmen sich noch einzelner Beamtengruppen und ihrer Forderungen an. Schließlich wurde der Postetat erledigt, eeno der der Reschsdruckerei. Der Antrag der bürgerlichen Parteien auf Berücksichtigung der Bedürfnisse des platten Landes wurde angenommen. Eine unabhängige sozialistische Entschließung, Bilder und Büsten des ehemaligen Kaisers aus den Diensträumen zu entfernen und auf den Vordrucken das Wort„kaiserlich" zu streichen, wurde angenommen. Am Mittwoch gelangt der Haushaltsplan des Rleichsarbeitsministeriums zur Beratung. Die blaue Farbe macht's! Deutscher Reichstag. Berlin, 17. Mai. Sitzung vom 16. Mai. Der Reichstag ist jetzt immer emsiger bemüht, den Haushaltsplan des laufenden Jahres fertigzustellen. Dazu verwendet er im wunderschönen Monat Mai täglich 8 Stunden, in denen in der Vollsitzung dieselben Reden noch einmal gehalten werden, die schon im Hauptausschuß gehört wurden. Seit drei Tagen ist man nun mit der Feststellung des Posthaushaltes beschäftigt. Auch gestern ging die Aussprache weiter. Nachdem man das Vereinszollgesetz geändert hat, in dem die bisherigen Lagergeldhöchstsätze für staatliche Niederlagen beseitigt sind, wird die Aussprache durch eine Rede des bayerischen Volksparteilers Leicht eingeleitet, der mit Stolz hervorhebt, daß in Bayern die Postfinanzen wesentlich abgeschnitten, als im Reich.. Er warnt davor, bayerische Eigentümlichkeiten, die sich bewährt haben mit rauher Hand zu beseitigen. Die Portoerhöhungen hält er für außerordentlich bedenklich. Er empfiehlt die Sonntagsruhe bei der Post, die sich in Bayern bewährt, auch auf das Reich auszudehnen. 14 Preußischer Landtag. Berlin, 17. Mai. Sitzungsbericht vom 16. Mai. Gestern wurde die ruhige und sachliche Behandlung über den Berghaushalt durch die Beratungen eines kommunistisschen Antrages unterbrochen, der vom Hause die scharfe Mißbilligung verlangt über die Auslieferung des Italieners Boltrini, der der Teilnahme an dem großen Bombenattentat in Mailand beschuldigt, bekanntlich in Haspe festgenommen wurde und seit Wochen in Hagen in Polizeigewahrsam saß. Die Kommunisten schickten gestern ihren Hauptwortführer, den Abg. Dr. Meyer=Ostpreußen vor, um ihren Antrag zu begründen. Er sprach ziemlich ruhig in dem nur mäßig besetzten Hause. Erst als für die Deutschnationalen der Abg. Dr. Regendorn den Standpunkt der Reichsregierung billigt, wurde es lebhafter in dem kommunistischen Lager. Das hielt an. als für die Mehrheitssozialisten der Abg. Heilmann eine Erklärung seine Fraktion vortrug, die auf Abänderung der Auslieferungsverträge abzielt und auch angenommen wurde. Die übrige Linke war damit nicht einverstanden. Als der Minister Severing sich gegen die zahlreichen Angriffe verteidigen mußte, wurde er mit den Zurufen:„Der Angeklagte hat das Wort“ begrüßt. In längeren Ausführungen äußert sich der Minister über die Rechtslage und bedauerte, daß die Reichsregierung das ihr überlassene Material nicht zurückgegeben habe. Der Minister trat dann noch kommunistischen Vorwürfen entgegen, die behauptet hatten, die Polizeibeamten ließen sich durch Annahme von Prämien zu besonders scharfen Vorgehen gegen auszuliefernde Ausländer verleiten. Er erklärt ferner, daß er den Polizeibeamten verboten habe, in der Angelegenheit der Datomörder Prämien anzunehmen. Das Ministerium habe sowohl gegen ungarische Monarchisten wie auch ungarischen Kommunisten gegenüber in der gleichen Weise gehandelt. Nachdem zum Schluß Herr Scholem sich vergeblich bemüht hat, der Aussprache durch eine erneute Hetze zu einem lebhaften Ende zu verhelfen, wurde schließlich, wie nicht anders zu erwarten war, der kommunistische Antrag gegen Antragsteller und Unabhängige abgelehnt. Das Haus setzte dann seine Beratungen über den Berghaushalt fort. Abg. Seidel(D. V.) wünschte, daß das Ministerium an die Umgestaltung der Bergwerke herangehe. An die Spitze von großen Organisationen gehörten nur Männer, die auch Verständnis fur ihre Aufgaben haben. Abg. Otter(U.): Stinnes Geschäfte müssen ihm von der Regierung abgenommen werden Abg. Fischbeck(D.): Die Bergleute müssen Ueberschichten leisten. Die hohen Löhne helfen nicht, wenn die Industrie konkurrenzunfähig wird und Feierschichten eingelegt werden den Arbeiten zur Umgestaltung wollen wir gern mithelfen. Mittwoch Weiterberatung, Volkswohlfahrtsministerium. ische Fälschungen. (Vergl. unsere Berichte: Aus dem Reiche). Der Fall des Meisterfälschers Erich Ansnach und Genossen steht, soweit sich bisher überblicken läßt, in der Geschichte völlig vereinzelt Die Versehlungen dieser Burschen, die unbestreitbar über ein hohes Maß von Intelligenz verfügen, sind in ihren Folgen für Deutschland derart schwerwiegend gewesen und lassen so herostratische Naturen erkennen, daß man eigentlich vor einem psychologischen Rätsel steht. Denn das ein Deutcher aus purem Machtkitzel, aus dem größenwahnsinnigen Dünkel heraus, er sei der eigentliche Lender deutschen Außenpolitik, seinem Vaterland bedenkenlos die allerschwersten Schädigungen zuügt, das gehört eigentlich schon in das Kapitel der Psychopathologie. Dennoch wäre es aber verfehlt, den Schuldigen mit dem Hinweis darauf auch nur im geringsten entlasten zu wollen. Der Veroricher Anspach ist mit einer solchen Raffiniertheit, Ueberlegenheit und Geschicklichkeit bei einem verhungnisvollen Treiben zu Werke gegangen, daß von einer geistigen Minderwertigkeit auch icht im geringsten die Rede sein kann. Unbegreifh bleibt nur, wie sein bösartiges Treiben so uee der Oeffentlichkeit verborgen bleiben konnEs steht fest, daß bereits vor dreiviertel Jahren zum erstenmal die Behörden von den Fälschunn des Anspach Kenntnis erhielten. Damals deckte das Staatskommissariat für öffentliche Ordnung ine Fulschungen aus und übergab sie der zustänn Staatsanwaltschaftsbehörde. Unseres Wis3 ist denn auch vor längerere Zeit Anspach schon einmnal in Haft gesetzt worden. Es bleibt unerindlich, aus welchem Grunde er wieder die Freiheit erhalten hat und sein äußerst schädliches reiben bis jetzt fortsetzen konnte. Man wird nicht umhin können, der Polizei gegenüber den Vorwurf zu erheben, daß sie in Kenntnis der Dine schon längst wieder hätte sest zupacken und den Fälscher hinter Schloß und Riegel bringen nüssen. AAber auch sonst ist die Affäre Anspach voll von psychologischen Unverständlichkeiten. Wäe sie nicht in ihren Wirkungen für Deutschland von tragischen Folgeerscheinungen begleitet geween, so müßte man sagen, hier sei ein Komödiengegeben, wie ihn der beste Satyriker nicht beser und lustiger hätte erfinden können, denn man elle sich einmal vor, was es heißt, daß das ganze glünzend organisierte System der Ententekontrolle 7 land in der blamabelsten Weise diesem riälscher aussitzt und alles gläubig hinimm, was ihm von dieser Seite zugetragen vird. Ohne Uebertreibung kann man sagen, daß die Blamage der Ententekommissionen, die auf jeSchriftstück des Herrn Anspach hereingefallen sind, eine so vollkommene ist, daß sie mit Fug und hleunigst von der Stätte ihres so„erfolgeichen“ Wirtens abberufen werden müßten. Wie weit sich französische und sonstige Staatsmänner Politiker und Parlamentarier der Gegenseite das gefälschte Dokumentenmaterial zu eigen gemacht und zu Ungunsten Deutschlands praktisch ausgenutzt haben, das unterliegt gegenwärtig noch der Prüfung des Auswärtigen Amtes. Man darf in der Tat gespannt darauf sein, ob es sich bestäti gen wird, daß z. B. Herr Lefevre, der Hauptschreier gegen das„in Waffen starrende, revanchelüsterne Deutschland“, seine Anklagen in der Kammer auf Anspachs Material aufgebaut hat. Jedenfalls stcht das eine jetzt schon fest, daß das von der Entente betriebene und in Deutschland großge züchtete Spitzel= und Denunziantentum durch die Aufdeckung der Anspach=Affäre einen tödlichen Stoß erhalten hat, von dem es sich sobald nicht wieder erholen wird. Denn auch von diesem Falle gilt das Wort, daß Lächerlichkeit tötet. Noch mehr Otterngezüchte Eisner, Anspach und noch einer. Berlin, 17. Mai. Hier ist nach Anspach wieder ein neuer Do Inmentenfälscher festgenommen worden. Nach Meldungen der Montagspost handen es sie um einen gerade 20jährigen früheren Boten Vertold, der trotz seiner Jugend schon allerlei auf de Kerbholz hat und dessen Fälschungen in der Hauptsache auf innerpolitischem Gebiet beruhen. Die Berliner Polizei teilt mit, daß Bertold, obwohl er am Kriege nicht teilgenommen hat, sich den Orden Pour le Merite, das Eiserne Kreuz und deutsche, österreichische und türkische Fliegerabzei chen, zunächst eine Unteroffiziers= und später eine Offiziersuniform und endlich sogar einen Freiherentitel zugelegt hat. Er hat sich große Verdienste dadurch verschafft, daß er Protokolle über geheime Sitzungen der Kommunisten herstellt und sie an politisch rechtsstehende Kreise verkaufte. Auch Bertold bediente sich wie Anspach gefälschter Formulare, die mit allen möglichen geheim nisvollen Ueberschriften versehen waren, wie Präsident der Weba, was Westeuropäischer Bewaff nungsausschuß der kommunistischen Internationale heißen soll. Von diesen Dokumenten stellte Bertold eine ganze Reihe von Abschriften her und wurde sic reißend los. Entdeckt wurde er, weil ihm das Unglück passierte, daß er bei einer Unterschrift statt Tschitscherin„Tschichterin" schrieb. Aus Stadt und Schwerte, 17. Mai. Erinnerungen. 1727 Kaiserin Katharina I. von Rußland gest. 1886 König Alfons XIII. von Spanien geb. ** Unsere neuen Romane. In der heutigen Nr. beginnen wir mit dem Abdruck eines neuen hochinteressanten Romans„Patrizierblut“ von Reinhold Ortmann. Dieser überaus fesselnd geschriebene Roman führt uns in das Milien eines standesstolzen Hamburger Patrizierhauses, dessen Mitglieder uns in glücklich und konsequent durch. geführter Charakteristik vor Augen geführt wer den. Konfliktstoff wird in diese Familie dadurch gebracht, daß die Tochter des Hauses einen leichtlebigen Müncherer Künstler heiratet, dessen Lebensauffassung aber mit der ihrigen nicht harmonierte, deshalb zu viel Unfreundlichkeiten An laß gibt. Sein unerwartet eintretender Tod gibt endlich der Patrizierfamilie die Nuhe und das wieder. Der spannend geschriebene Roman wird jedenfalls den größten Beifall unserer Leser schaft finden.— Zu gleicher Leit beginnt in der Unterhaltungsbeilage ein neuer Roman:„Me lita“ von Rudolf Elcho. Auch dieses großan gelegte Werk dürfte den allseitigen Beifall unserer Leserschaft finden. ** Auch die rosa=weiße Apfelblüte, die schönste unter den Obstbluten, hat jetzt begonnen. Da die kalten Nächte vorüber sind, läuft sie wohl keine Gefahr mehr, zu erfrieren. In den letzten Tagen hat es übrigens noch stellenweise vereinzelt Schneeslocken auch im Fiachlande gegeben, und es war so tühl, daß man sich morgens und abends nach dem. warmen Ofen sehnen konnte. Die Bestellung der Aecker und Gärten ist noch immer etwas zurück. aber da es an Arbeitberser nicht fehlt, wird der Nest wohl bald geschafft werden. Die letzten Niederschläge waren sehr willkommen. ** Das Finanzamt weist unter Bezugnahme auf die in unserem Blatte am 11. Mai bekannt gegebene öffentliche Aufforderung darauf hin, daß am 15. Mai 1922 auf die Einkommensteuerschuld für das Kalenderjahr 1922 eine Vorauszahlung in Höhe von ¼ der zuletzt festgestellten Steuerschuld, d. h. der im Steuerbescheid auf das Rechnungsjahr 1920 festgesetzten Jahressteuer bei den üblichen Steuerhebestellen(Kämmereikasse, Stadttasse oder Amtskasse) zu entrichten war. Die Vorauszahlung ist von sämtlichen Steuerpflichtigen, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn un terliegen, also insbesondere von Gewerbetreibenden, Kaufleuten, Landwirten, Angehörigen freier Berufe und Rentnern, und zwar ohne bekondere Aufforderung zu entrichten. Die dem Steuerabzug vom Lohn unterliegenden Steuerpflichtigen haben die Vorauszahlung nur dann zu leisten, wenn sie nach ihrem Steuerbescheid für 1920 vorläufige Einkommensteuer zu entrichten hatten, was nur in wenigen Fällen zutrifft.. ** Westfälisches Sängerbundesfest. Die Vorarbeiten für das dritte Westfälische Bundessingen in Bochum schreiten rüstig fort. Die einzelnen Vereine haben die Noten für die Massenchöre erhalten und sind fleißig bei der Uebungsarbeit. Welch großes Interesse für die Veranstaltung herrscht, beweist die Tatsache, daß allein aus dem kleinen Schalksmühle 100 Sänger gemeldet sind. In den nächsten Wochen beginnt auch die Arbeit der Bundeschormeister R. Hoffmann=Bochum und Weisbach=Hagen, die in den Unterverbänden der einzelnen westfälischen Städte vorbereitende Massenproben abhalten müssen. Das Fest findet bestimmt in den Tagen vom 1. bis 3. Juli statt. ** Ortskrankenkasse. Am Freitag, 19. ds. Mts., abends 8 Uhr, findet im Gasthof Pferdekämper eine Ausschuß=Sitzung der hiestgen Ortskrankenkasse statt. Zur Bevatung steht eine Aenderung der Satzungen und der Krankenordnung, Geschäftsbericht, Abnahme der Jahresrechnung sv. ** Der Verband der kathol. Vereine beruft für morgen(Donnerstag) abend 8 Uhr eine Verbands=Vorstand esitzung in das Lokal des Herrn kordeck=Kampstraße ein. In der Hauptsache sollen die letzten Vorbereitungen für den am Samstag und Sonntag stattfindenden Wohltätigkeits=Bazar getroffen werden. *" S i e g r e i c h e T u r n e r. A u f e i n e m T u r n e r w e t t streit in Hörde errang der hiesige Turn= und Sport=Alub den zweiten Preis im ReigenAufmarsch und der Turner Carl Fördes den vierten Preis am Barren.— Vom Turnverein „Gut Heil"=Wandhofen wurde der Turner Carl Klahold mit dem Ehrenpreis am Barren ausgezeichnet.— Beiden erfolgreichen Turnern sowie den Vereinen ein kräftiges Gut Heil! ** Konzert=Abend. Auf den morgen Donnerstag 8¼ Uhr im Saale des evangel. Gemeindehauses stattfindenden Konzertalen: von Frl. Hild Sieberg(Kavier) sei auch an dieser Stelle nochmals empfehlend aufmerksam gemacht. Frl. Sieberg, eine Tochter unserer Stadt, hat bekanntlich vor kurzem ihre Abschlußprüfung als Klavier lehrerin bestanden und gedenkt jetzt in ihrer Vater stadt ihre Kunst auszuüben. Zur Mitwirkung für den morgigen Avend hat die Konzertgeberin, die aruch in unserer Stadt bestens bekannte Konzert sängerin Frau Mally Ihlefeld aus Westhofen Sepran gewonnen, während die Begleitung der Lieder am Klavier Herr Schneider=Hagen übernommen hat. Der Abend dürfte sich infolgedessen recht interessant gestalten. ** Sitzung des Jugendpflegeansschusses. Unter dem Vorsitz des Herrn Stadtrats Melchheier fand gestern im Stadtverordnetensitzungssaale eine Sitzung des städtischen Ausschusses zur Förderung der Jugendpflege statt. Der Unterausschuß für Pflege der Leivesübungen beatragte auch in unserer Stadt, Jugendwettkämpfe zu veranstalten und dafür aus den Mitteln der Jugend pflege tausend Mark zu bewilligen. Diese fried lichen Wettkämpfe, an denen sich die gesamte Jugend sämtlicher Schulen und Vereine vom 10. Lebensjahre an, auch die der benachbarten Gemein den Holzen, Westhofen, Ergste beteiligen kann. werden voraussichtlich am 30. Juli auf dem städ. tischen Spielplatz am Schützenhof zum Austrag gelangen. Der Unterausschuß erhielt das Recht, n zwene. Vorbereitung dieser Angelegenheit durch die Turnlehrer der Schulen und andere geeignete Persönlichkeiten zu ergänzen. Der Antrag auf Erhöhung der Entschädigung für Reinigung der Turnhalle des Realgymnasiums wurde vertagt. Zwei der Jugendpflege angeschlossene Vereine wurde auf Antrag eine einmalige Beihilie gewährt und fünf Vereine antragsgemäß ausgenommen. Sodann erfolgte die Rechnungslegung für das vergangene Jahr; dem Kassenführer Herrn Stadtrentmeister Hoppmann wurde Entlastung erteilt. Ein Antrag der Türnvereine, die Vermehrung der Turngeräte in der Turnhalle des Realgumnasiums betreffend, soll befürwortend den städtischen Vertretungen unterbreitet werden. In der nächsten Sitzung soll die Neu= und Umwahl der einzelnen Unterausschüsse erfolgen. Die Prämien der Ktissenlotterte. In der Sonnabendziehung fielen 2#minne zu 5000.A und Prämien zu 750000 Mark auf 214697, 2 Gewirne zu 490 0 und Prämien zu 350000 Mark auf Nr. 177342. auf das Ruhrtal, als die letzten Gruppen den Heimweg antraten, voll befriedigt von den Eindrücken des Tages und neugestärkt für die Kleinarbeit am Wohle des gesamten deutschen Volkes. den Provinzen. ** Syburg, 16. Mai. Jugendtag. Auf der sagenumwobenen Wittekindshöhe waren am ###ndgruppen dor dar Sonntag die Jugenogruppen der beutschen Volkspartei des 20. Wahlkreises in überaus stattlicher Anzahl versammelt, um an der Fahnenweihe der Jugendgruppe Wellinghofen teilzunehmen. Am Kaiser Wilhelm=Denkmal nahm der erste Vorsitzende des Wahlkreis=Jugendausschusses, Klingsvor=Siegen, die feierliche Weihe des neuen Banners vor. In seiner Ansprache ermahnte er die Jugend, in nimmermüder Arbeit am Wieder aufbau des Vaterlandes mitzuwirken. Nicht endenwollender Beifall durchbrauste die Luft und aus begeistertem Herzen hallte es durch das Ruhrtal„Deutschland, Deutschland über alles!" Der große Saal der Burgwirtschaft vermochte all die vielen Menschen gar nicht zu fassen, als man sich nach dieser erhebenden, kleinen Feier wieder dort zusammenfand. In abwechslungsreicher Reibenfolge wickelte sich nun das übrige Programm und die einzelnen, oft von weither herbeigeeilten Jugendlichen kamen sich näher und so hat auch dieser Tag sein Teil mit dazu beigetragen, die Gemeinschaftsbande innerhalb unseres Volkes enger zu knüpfen. Pfr. Gracbse aus Neuen geseke fand später noch die riötigen Worte. die Jugend an ihre großen Pflichten und Aufgaben zu gemahnen. Dohle=Dortmund verstand es meisterlich, das heiße Wollen der Jugend für die deutsche Sache zum Ausdruck zu bringen und Hammerstein=Dortmund zog sodann noch einige Vergleiche mit der schwersten Zeir Preußens vor 120 Jahren und der unfrigen und knüpfte daran die Hoffnung, daß das kleine Preußzen der damaligen Zeit dem großen Deutschland der Gegenwart im Kampfe um Sein oder Nivtsein als leuchtendes Vorbild voranschweben möge. Die Schatten der Dämmerung senkten sich bereits Hagen, 16. Mai. Aus dem 5. Stockwerk. Auf der Karlstraße wurde ein 50jähriger Techniker mit zerschmetterten Gliedern als Leiche gefunden. Der Mann war aus dem fünften Stockweri gestürzt. Ob. er verunglückt ist oder ab er selbst den Tod gesucht hat, ist noch nicht aufgeklärt. Paderborn, 16. Mai. Mädchenjäger. Vorgestern nachmittag versuchten die Insassen eines großen, schönen Automobils auf dem Livoritwege ein junges Mädchen in das Auto zu locken, wahrscheinlich, um es zu entführen. Das Mädchen lief aber fort und meldete es einem Polizisten. Das Auto wurde angehalten und zum Polizelbureau gefahren, wo eine Untersuchung stattfand. Der Vorfall rief eine große Menschenmenge zusammen. Vielefeld, 16. Mai. Tragödie. Hier hat eine Frau ihren neunjährigen Sohn und dann sich selbst erhängt. Wie es heißt, hat die Frau an Schwermut gelitten. Herne, 16. Mai. Ein großer Schwindel. Kürzlich wurde berichtet, daß bei einem Einbruchsdiebstahl in einem Tuch= und Maßgeschäft in der Neustraße für rund 100000 Mark Herrenstoffe und Tuche gestohlen waren. Die polizeiliche Untersuchung hat jetzt festgestellt, daß der Einbruch von dem Geschäftsführer der betreffenden Firma vorgetäuscht worden ist, er wollte sich an den angeblch gestohlenen Stoffen bereichern. Der Schwindler hatte seine Firma noch obendrein veranlaßt, auf die Ermittelung der Täter und die Wiederherbeischaffung der Stoffe eine hohe Belohnung auszusetzen. Er wurde festgenommen. Bottrop, 16. Mai. St. Bürokratius lebt. Ein junger Mann, der vor einigen Wochen von Sterkrade hierher verzogen war, erhielt jetzt vomdortigen Finanzamt einen Steuerzettel über eine Restsumme von vier Mark. Das Finanzamt hatte für Porto allein 5,50 A ausgegeben, also noch 1,50 d mehr als die Steuerjumme ausmachte. Mülheim,(Ruhr), 16. Mai. Schweres Bootsunglück. Gestern abend gegen 7 Uhr, ils die Ruhrfähre bei Haus Kron 18 Personen übersetzte, verursachten drei junge Burschen durch Schauleln eine Panik. Da dadurch das Wasser in de. Kahn drang, sprangen die erschreckten Fahrgäste auf die andere Seite des Bootes. Durch den Ruck riß die Rette und das Boot schlug um. Von den Insassen konnten die Frau des Oberstadtsekretärs Kreysing und deren sechsjähriges Töchterchen sowie eine Frau Havermann(Ruhrort) nicht gerettet werden. Die Leichen sind bisher nicht gesunden worden. Die Täter erreichten schwimmend des Ufer, man ist ihnen auf der Spur. Düssckldorf, 16. Mai. Ein eigentümlicher Hausverkauf. Hier verlaufte auf Grund gefälschter Vollmachten ein angeblicher Fabrikant Richard Linden ohne Wissen des in Solingen wohnerden Eigentümers ein Haus für 2 Millionen Mark. Er erhob darauf 1,7 Millionen Mark und flüchtete mit diesem Betrag. Köln, 16. Mai. Raubüberfall. In Odenthal bei Berg.=Gladbach wurde am hellen Nachmittage auf eine allein im Hause befindliche Frau von vier Männern im Alter von 20-25 Jahren ein Raubüberfall ausgeführt. Die Banditen tnehelten die Frau, banden ihr die Füße zusammen und bedrohten sie mit dem Revolver, wenn sie schreien würde. Sie ließ sich jedoch nicht einschüchtern, sondern rief um Hilfe. Ta die Hilferufe gehört wurden. flüchteten die Räuver ir den nahen Wald. 1 Galktziereiat. Roman von Reinhold Ortmann. (Nachdruck verboten.) Au 1. Kapitel. Langsam, mit leicht geblähtem Segel, glitt das schlanke Boot auf der kaum bewegten, tiefolauen Fläche de lßenalster dahin. Die Sonne des wolkenlosen Sommertages stand im Mittag und streute ungezählte blendende Lichtpünkichen über den Wasserspiegel aus. Die Villenbauten an den weit PPrüchggeiußter pgzg ütern boben iie, asg haten ihre Erbauer tlaren Luft, weiß und schimmernd, a.2 h#t#### ihre Erbauer eben erst die letzte Hand an sie gelegt. Die spitzen Kirchtürme hinter dem mächtigen Bogen der Lombardsbrü aber verschwammen in dem leichten, bläulichen GroßstadtEin von zwei krästigen Jünglingsarmen geruderter Skuller schoß jetzt in kleinem Abstande an dem Segelbogt vgrüher. Hier wie dort saß eine junge Dame am Steuer, und im Vorbeifahren tauschten sie einen stummen Gruß. Ein paar Sekunden später erwiderte die dunkelhaarige Schöne im Kuderboot auf eine Frage ihres sonnenverbrannten Begleiters: „Konsul Frederiksens„Ellida“ war es. Ich wundere mich über deine Kurzsichtigkeit. Hast du denn Helga nicht wiedererkannt? Sie war doch dein Schwarm, bevor nach England gingst. Und ich finde nicht, daß sie sich in diesen anderthalb Jahren sonderlich verändert hätte. Der Ruderer warf einen zweiten, langen Blick zu dem Segler hinüber; dann stimmte er kopfnickend zu: „Nein, abgesehen davon, daß sie noch schöner geworden ist. Ich glaube, ein Haar von solcher Farbe gibt's uberhaupt nicht zum zweiten Male in der Welt.“ Na, na! Dämpfen Sie Ihren Enthusiasmus beizeiten, mein Herr Bruder! Es wäre verlorene Liebesmüh'.“ So! Ist sie noch immer die Eisjung'rau von damals? „Im Gegenteil! Hast du denn den Herrn nicht gesehen, mit dem sie fuhr?“ Hagelegeten Marichen mit den Lostsennager Schultern? Der ist doch nicht etwa—“ Fräulein Helga Frederiksens Verlobter, jawohl! Sollte ich dir von dieser merkwürdigen Verlobung gar nichts gepe oeven d gülbe. Wie, in allr Welt, kommt sie denn zu Schuhplattler=Namen Hubert Almröder. Ich muß immer an einen Schnadahüpfl singenden Holzknecht denken, wenn ich „Ich falle aus den Wolken. Eine Reisebekanntschaft also? Vermutlich ein Offizier oder so was?“ Die junge Dame lachte hell auf. Offizier?" Ich möchte wetten, seine Bildung hat nicht würden die Frederiksens nicht einmal in ihr Haus lassen, um wieviel weniger in ihre Familie. Ja, mein Lieber, so dachten wir alle. Aber man erlebt mitunter sonderbare Ueberraschungen. Wenn's dich interessiert, kann ich dir zu Haus die Verlobungsanzeige vorweisen.“ „Unglaublich!— Ist er denn wenigstens reich und aus oberbayrischen Begrien— ohne Fragen Zoter Sommerfrische gewohnt. Der Vater ist Bürgermeister von vieh geschätzt, die Schweine und das Geflügel gar nicht zu Fräulein Harriet licherte in heller Freude an dem eigenen Humor, der Bruder aber, der in seinem grenzenlosen Erstaunen die Riemen hatte ruhen lassen, schüttelte wieder und wieder den kurzgeschorenen Kopf mit dem korrekten, nichtsgund dauu soltzen der Lonsal und die Vogn enater De Zustimmung gegeben haben?— Nein, Harriet, das glaube, „Sie werden wohl eben nicht um ihre Zusimmung befragt worden sein, du holde Unschuld! Fräulein Helga ist volljährig und besitzt ein eigenes Vermögen, wenn auch nur ein ganz kleines, wie der Papa sagt. Da das junge Ehepaar seine Zelte natürlich in München ausschlagen wird, inmitten der Schwabinger Bohème, wo man auf reine Wäsche ebensowenig Gewicht legt als auf philiströse Moral, hielten die Frederiksens es wohl für das beste und vornehmste, auf enn paar Wochen gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Daß sie auch nach der Hochzeit noch irgendwelchen Verkehr mit den Herrschaften unterhalten werden, möchte ich allerdings besowas passieren kann!— In der Famile eines Senators! Ich bin einfach starr.— Helga Frederiksen inmitten einer Künstler=Bohéme! Gerade sie, der niemand gut genug war, und die sich schon mit siebzehn Jahren als die Unnahbare aufspielte, wie eine Prinzessin! Wie mag's dieser Bauernbursche denn nur angefangen haben, sie zu betören? „Oh, als Gesellschafter ist er gar nicht so übel— alles, was recht ist. Harald Sieveking hat ihn in München entdeckt und ihn nach Hamburg kommen lassen, weil er für den Speisesaal in seinem neuen Hause ganz was Aparte Wandbildern haben wollte. Sie sollen ja geradezu ein S### dar sein, diese Bilder. Und Sieveking hat sich mit dem Argengggz##ar vollständig überworfen, weil Almröder sich einige Aenderungen an den Bildern vorzunehmen, di Familie Sieveking im Interesse der guten Sitte von verlangte. Es heißt, der Maler häte ihm im Laufe der Unterhaltung den vorausgezahlten Teil des Honorars vor die Füße geworfen und ihn einen Banausen oder so was genannt. Aber ehe das passierte, war Almröder aus Liebenswürdigkeit gegen seinen Mäzen in die verschiedensten guten Häuser zugelassen worden. Und während wir anderen uns über seine drollige Urwüchsigkeit amüsierten, wie über einen Naturburschen auf dem Theater, brachte es Helga Frederitsen fertig, sich allen Ernstes in ihn zu verlieben.“ „Und nun segelt sie vor den Augen aller Welt mit ihm auf der Alster derun!— Unglaublich!“(Fortsetzung folgt.) Köln, 16. Mat. Die Rattenplage ist in den Straßen am Rhein geradezu fürchterlich geworden. Am hellen Tage sieht man die häßlichen Tiere herummarschieren. Die Stadt hat sich nun entschlossen, den Hausbesitzern Gift für deren Bekämpfung in den verseuchten Gegenden zu überlassen. Mechern, 15. Mai. Bei einer Bootsfahrt auf der hochgehenden Saar stürzte der 10jährige Schüler Meyer über Bord und wurde von der Strömung fortgerissen. Sein 14jähriger Bruder sprang ihm nach, wurde aber auch von den Fluten fortgetragen und fand gemeinsam mit den. Bruder den Tod. Aus dem Reich. Rückkehr der deutschen Delegation. Da die Beratungsgegenstände der Konferenz mit der Ueberweisung der russischen Frage an eine Sonderkommission ihr Ende erreicht haben, wird die deutsche Delegation Ende dieser Woche nach Berlin zurückkehren. Die Zwangsanleihe. TU. Berlin, 17. Mai. Bisher sollten Vermögen bis zur Höhe von 250.000 Mark von der Zwangsanleihe verschont dleiben, nach bem neuen Entwurf sollen bereits 100000 Mark erfaßt werden. Während nach dem alten Entwurs die Grenze für die Höchstbelastung erst bei 20 Mil lionen Mark erreicht wurde, soll sie nach dem neuen Entwurf bei einer Million liegen. Da das steuerpflichtige Kapital in Deutschland auf 10 Mil liarden Goldmark geschätzt wird würde die Zwangsanleihe bei einer Durchschnittsbelastung von 7 Prozent 70 Milliarden Papiermark oder Milliarde Goldmark ergeben. Die in dem Entwurf angenommene zehnfache Entwertung der Mark dürfte aber zu niedrig gegriffen sein. Bei einer zwanzigfachen Entwertung der Mark. die den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen dürfte, würden sich die Einnahmen aus der Zwangsanlei he auf zwei Goldmilliarden erhöhen und hiermit der Steuerzahler nicht mit 7 Prozent, sondern mit etwa 15 Prozent belastet werden. Lehle Brühimeitungen. Eigener Deveschendienst. Ueberflüssiger Gesandter. Berlin, 16. Mai. Wie der„Bayer. Kurier" erfährt, trat der französische außerordentliche Gesandte in München Dard einen längeren Urlaub an. von dem er auf seinen Posten nicht wieder zurückkehrt. Sein Nachfolger soll ein bisher in Prag tätiger französischer Diplomat sein. Wüste Szenen. München, 16. Mai. Während eines Vortrages des Theosophen Rudolf Steiner kam es unter den Zuhörern zu Tumulten und schweren Rausereien. Das Rednerpult wurde gestürmt und Feuerwerk körper und Stinkbomben geworfen. Die Polizei mußte schließlich den Saal räumen. Die Wiener Sänger auf der Deutschlandfahrt. Wien, 16. Mai. Heute vormittag trat der Wiener Männergesangverein mit etwa 250 Mitgliedern unter Führung seines Vorstandes Kreckel die Sängerfahrt nach Deutschland an. Reichstagsabgeordneter Jand F. München, 16. Mai. Der Reichstagsabg. Jaud, Vertreter der bayer. Volkspartei für den Wahlkreis Oberbayern=Schwaben, ist gestorben. Er gehörte seit 1919 dem Reichstage an. Nach dem Ergebnis der Reichstagswahl von 1920 geht sein Mandat an den Verbandssekretär Weizler über. Die Zahlung von 50 Millionen Goldmark geleistet. Paris, 16. Mai. Wie die Reparationskommission mitteilt, leistete die deutsche Regierung gesteim bei der vom Garantieausschuß bestimmten Bank eine Zahlung in Höhe von ungefähr 50 Mil lionen Goldmark. Handel und Börse olkswirtschaft Allumnnnmmmmmm ubmguhibuiummunnim Schwerter Wochenmarkt. Allmählig beginnt auf dem hiesigen Wochenmar!: doch etwas frisches Gemüse zu erscheinen: Spinat, Salat, Rhabarber, Zwiebeln, letztere kosten das Bündchen 5 d, während Rhabarter 3. und Spinat 12 c4 das Pfd. kosteten. Für Eier wurden 3.80 bis 4 cl verlangt. Im übrigen beherrschen nach wie vor Seefische den Markt, die bei den hohen Fleischpreisen viel gekauft werden, sie kosteten je nach Qualität 6 bis 8 J das Pfd., Salzhe ringe bis zu 2,.50( das Stück. Berliner Börsenkurse vom 16. Mai 1922 mitgeteill vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein......... 257½ Deutsche Bank 60 Diskonko 436 Dresdner Bank 322 Hamb.=Amer.=Pak. 403 Allgem. Elektr.=Ges. 664¼ Baroper Walzwerk 1175 Bachumer Guß 1109 Bösperde Walzwerk 850 Daimler Motoren 453 Deutsch=Luxemburg 962 Deutsche Kaltwerke 1710 Dynamit 679 Elbecs Farbw. 709 Erssener Sleinkohlen 1200 Gelsenkirch Bergin 1005 Deutz 720 Harbener Bergm 1800 Hoesch 1722 Humbold! Masch. 617½ Mannesmann 1250 Oberschles Eisend-Bed. 839½ Orenstein& Koppel...... 1050 Phönix Bergbau 1110 Peisholz Pap. 528¾ Rhein. Stahlwerke 1060 Rombache 580 Schucker! 610 Siegen=Solingen 445 Ver. Di. Nichelwerke.......... 1170 Westf. Draht-Ind. 599 Wests. Eisen, Langendreer....... 560 Auslands-Wechselkurse der Berliner Börse (Devisenkurse) Man zahlle deutsche Mark: für am 15. 5 100 belgische Franken.. 2387— 100 dänische Kronen... 6082.35 englisches Pfund. 1272,90 100 französische Franken. 26 9,20 100 holländische Gulden 11061,15 100 italienische Lire.... 1503.10 100 polnische Mark 7.07 100 schwedische Kronen.. 7330.80 100 schweizerische Franken 5493.10 100 tschechische Kronen 549.05 am 16. 5. 2365.— 5258,40 257,40 2595.75 10936,30 1498.10 7240,90 5418,20 540.80 G wissenhafte Mütter geben ihren zarten Lieblingen Nestle's Kindermehl, das große Nährkraft besitzt und von dem kleinen Magen und Darm vorzüglich vertragen und verdaut wird. Illustrierte Broschüre über die Pflege des Kindes kostenlos durch„Linda"=Gesellschaft m. b. H, Berlin W 57 Der Kampf um den Reallohn. Weite Schichten des deutschen Volkes kämpfen heute nicht mehr um das kulturelle oder soziale, nicht einmal mehr um das physiologische, sondern schon um das physische Existenzminimum Für die Aermsten der Armen, die Kriegsbeschädigten, die Kriegerwitwen, die Erwerbslosen, die Kleinrentner und die Sozialrentner hat das Hungern eingesetzt, ja sogar das Verhungern schon begonnen. Die ärztlicherseits angewandten euphemistischen Bzeichnungen der Todesursachen (Grippe, Tuberkulose, Altersschwäche usw) dürfen darüber nicht hinwegtäuschen; auch die Zahl der Fälle des freiwilligen Scheidens aus diesem Leben redet eine beredte Sprache Ein Blick in die Tageszeitungen der Großstädte überzeugt uns jeden Augenblick davon Die Konsumkraft eines großen Teild der deutschen Bevölkerung ist durch die Wirkungen der internationalen Politik seit dem verhängnisvollen Jahre 1914 andauernd und zwangsläufig gesunken. Der Vergleich mit der Lebenshaltung der Vorkriegszeit in Deutschland gidt ein erschreckendes Bild der Verelendung, noch mehr aber der Vergleich mit der Lebenshaltung des ausländischen, etwa des amerikanischen Arbeiters. Die volkswirtschaftlichen und weltwirtschaftlichen Folgen dieses Vorganges sind katastrophal, die sozialen Leiden und Schäden unheilbar. Dieser Tage sind Zahlen veröffentlicht worden, die uns zeigen, wie sehr das Einkommen des einzelnen hinter der Teuerung zurückgeblieben ist. Dabei ist nicht zu übersehen, daß die Kosten für Wohnungsmiete und zum Teil auch für die Ernährung noch künstlich niedriggehalten werden, sonst wäre das Mißverhättnis noch größer Vereinzelte Arbeitergruppen haben ihre Lohnhöhe noch einigermaßen erträglich gestalten können, für die Mehrzahl der arbeiter, für die Angestellten und die Beamten ist das Sinken der Einkommens kauskraft direkt ein Verhängnis Die Mahnung an die Betroffenen, sich entsprechend einzurichten, d h. ihren Verbrauch der gesunkenen Konsumtionskraft anzupassen und auf alle kulturellen und sozialen Errungenschaften zu verzichten, bedeutet für den einzelnen und für die Volksgesamtheit das Fortschreiten aus dem Wege der Verelendung; sie bedeutet aber, volkswirtschaftlich gesehen, das Gegenteil von dem, was notwendig ist Die Weltwirtschaft braucht nicht Herabdrückung, sondern Erhöhung des Verbrauchs, denn davon hängt die Steigerung der Produktion ab. Die Ertötung des Willens der Massen zum Verbrauch muß nicht bloß wacherhalten, sondern da, wo es rückständig ist, geweckt werden Das Recht auf ein menschenwürdiges Leben verträgt sich nicht mit dem Verurteiltsein zum bloßen Vegetieren Die internationalen Mächte, welche die Lebens haltung des deutschen Volkes in Verkennung der tatsächlichen Lage andauernd weiter herabdrücken, arbeiten direkt gegen ihr eigenes Interesse. Der sampf der deutschen Arbeitnehmer um die Erhaltung einer die Existenz ermöglichenden Lebensführung, ein Kampf, der naturgemäß immer erbittertere Formen annimmt, ist nicht bloß ein ausfluß des Willens zum Leven Hinter der Folderung nach Echöhung des Nominallohnes verongt sich das Ringen um die Erhaltung des Reeallohnes. Die Gewerkschaften, die diesen Kamp, fahren, erfüllen damtt zugleich im eminentesten Sinne eine wirtschaftliche Aufgabe. Desen müssen sich die deutschen Arbeitgeber und die deutsche Regierung, vor allem aber die über unser Schicksal zu Gericht sitzenden Mächte bewußt werden. Das Ausschalten des Deutschen Reiches aus den wirtschaftlichen Verflechtungen würde diejenigen mit in den Abgrund reißen, die den ehernen Gesetzen der Wirtschaft Einhalt gebieten zu können glauben. Will man der Weltwirtschaft aufhelfen, so ist es sogar damit noch nicht einmal getan, daß man den Reallohn auf einer die soziale und kul turelle Existenz sichernden Höhe hält. Es gehört dazu ein Reallohn, der daneben eine gewisse, Kapitalbildung aus dem Arbeitseinkommen ermöglicht. Diese Kapitalbildung, zweckmäßig zu sammengesaßt, schließt in sich die Wechselwirkung der Produktionssteigerung Das ergibt den Kreislauf: Kapitalbildung, Erzeugnissteigerung, wechselnde Verbrauchskraft, zunehmender Absatz auf: dem Weltmarkt, Einschränkung der Arbeitslosigkeit in der ganzen Welt. Der umgekehrte Weg aber, der heute beschritten wird, bedeutet von dem allen das Gegenteil Die Erkenntnis von diesen volks= und weltwirtschaftlichen Zusammenhängen ist heute in Deutschland, als einem der am meisten betroffenen Länder, größer als in einem Teil der Siegerstaaten, wo man noch zu sehr dem Revanchegedanken lebt. Aber auch zahlreiche deutsche Arbeitgeber, und besonders auch die deutsche Regierung, werden gut daran tun, in ihrem Verhalten als Arbeitgeber gegenüber ihren Arbeitnehmern diese Erkenntnis mehr, als es bisher geschehen ist, in die Praxis umzusetzen Vieles, was heute nur auf Anstoß und unter Kampf geschieht, wäte wertvoller, wenn es der eigenen Inttiative der urbeitgeber entspringen würde Was man freiwillig tut, hat einen anderen Klang, als was man sich abringen läßt. Wo der Kampf um die nackte Exsstenz einsetzt, bleibt für staatspol tische und volkswirtschaftliche Erwägungen kein Raum mehr. Diese Binsenwahrheit rechtzeitig anzuerkennen, ist besser, als durch Schaden klug zu werden * Entlohnung nach Familienstand. Die schon viel besprochene Frage wurde wieder ausgerollt durch eine Bersammlungsrede des Christlichen Gewerkschaftssekretärs und bayrischen Landtagsabgeorkneten Linus Funke. Bekanntlich stehen hier die Ansichten der christlichen und der freien Gewerkschaften im Gegensatz. Während die freien Gewerkschaten mit Rücksicht auf ihre starke Gefolgschaft unter den Jugendlichen und Ledigen die Abstufung der Entlohnung nach dem Familienstand ablehnen, stehen ihr die christlichen Gewerkschaften durchaus freundlich gegenüber Der Gewerkschaftssekretär hob hervor, daß die vielfache Einführung des Familien= oder Soziallohnes wegen der in der Nachkriegszeit eingetretenen anormalen Teuerungsverhältnisse sehr erfreulich sei, und?an auch dem Ernährer einer Familie, solange die jetzigen anormalen Ver hältnisse anhalten, ein ausreichendes Mehr gegenüber dem Ledigen gegeben werden müsse. Be kanntlich sind ja bei den Beanten des Reiches, der Länder und der Gemeinden Kinder= und Verheiratetenzulagen eingefühit worden Aber auch in der Metallindustrie hat, wie Abgeordneter W 41 Funke hervorhob, der Soziallohn weitgehend Eingang gesunden Als Beispiel einer nuster haften Durchführung führt der Redner die soziale Entlohnung in den dem Verband Beiliner M tallindustrieller angeschlossenen Firmen an. e e I (belts august Chyssen einer der bekanntesten Führer der deutschen Industrie, feiert am 17 Mai seinen 80. Geburtstag Thyssen gehört neben Stirnes und Kierdorf zu den Industriekapitänen Deutschlands. Aus der Eisenbahnerbewegung. Die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner, Bezirkssckretariat Hagen, bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: Ueber die Ziele der von Menne und Scharfschweidt geleiteten Gewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und=Anwärter und die Neugründung der Reichsgewerkschaft deutscher Handwerker und Arbeiter gibt ein Rundschreiden Aufklärung, das die kommunistische Partei an ihre Eisenbahner= aruppen anläßlich der Betriebsrätewahlen bei der Eisenbahn versandt hat In diesem Rund schreiben heißt es, daß bei den Wahlkämpfen allen Parteien und Organisationen Kampf anzusagen ist mit Ausnahme der neuen Gewerkschaft der Eisenbahnarbeiter und Handwerker, die in enger Fühlung mit der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und Anwärter steht. Angriffe auf die Reichsgewerkschaft seien zu vermeiden, da die Gedankengänge ihrer jetzigen Leitung(Menne) die Revolutionierung der Eisenbahnbeamten anstreben. Die kommunistischen Eisenbahnarbeiter sollen dagegen mit der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnarbeiter und Handwerker nach Möglichkeit bei den Wahlen Listenverbindung anstieben Die Eisenbahnarbeiter und Handwerker haben bei den kommenden Betriebsrätewahlen dieses sich zu merken. Deutsche Denkschif über die Arbeitslosigkeit. Für die Konferenz von Genna ist von dem Reichsarbeitsministerium eine ausführliche Denkschrift über die Arbeitslosigzkeit in der Welt ausgearbeitet worden. Es werden für Europa mindestens 4 Millionen, für die ganze Eide mindestens 10 Millionen Arbeitslose errechner. Die aus öffentlichen und privaten Mitteln für den Unterhalt dieser Personen aufgewandten Mittel werden für das Jahr 1921 auf 10 Millarden Goldfranken, für die Leit seit dem Wassenstillstand auf 25 Milliarden Goldfranken veranschlagt. Der Lohnausfall für 1921 wird auf 25 Milliard#n Goldtranken, für die Zeit seit Kriegrende auf 68 Milliarden Goldfranken geschätzt und der durch das Brachliegen der Arbeitskräfte herbeigeführte Produktionsausfall für 1921 auf über 37 Milliarden Goldfranken, seit dem Kriegsende auf über 100 Milliarden. Fast alle Länder mußten zu außerordentlichen Aushilfsmaßnahmen schreiten. Milliarden sind für öffentliche urbeiten und sogenannte Notstandsarbeiten ausgegeben worden, sowie für Berussschulung und Umschulung. Teuerung und Hygiene. Es wird noch viel zu wenig beobachtet, daß unter der heutigen Teuerung die Gesundheitspflege ganz bedenklich leidet. Es handelt sich nicht allein um die Unterernährung, sondern auch noch um mancherlei andeie Dinge Auch in Familien, die nicht als unbemittelt gelten können, stimmt es mit Kleidungsstücken und Schuhwerk oft nicht so, wie man es vom Frieden her gewöhnt war. Die große Wäsche bedeutet einen Ausgabeposten, der schon ins Gewicht fällt Die Hemden und sonstigen Unterkleider werden länger getragen, die Bettüberzüge tänger benutzt Das Baden wird in größeren Zwischenräumen vorgenommen, ein Gang zum Aizt oft viel zu lange hinausgeschoben. Die Wohnungsrenovierung wird auch unter dem Mietsgesetz ein leidiges Kapitel bleiben. Es greit hier eins ins andere, und die Wurzel alles Uebels bleidt der schnelle Schwund des Papiergeldes, Besonders sollte darauf geachtet werden, den Erwerb von minderwertigen Lebensmitteln aus Sparsamkeitsgründen zu vermeiden. * Was hat Deutschland schon an den Feindbund bezahlt? In der Aussprache des Reichstages über die Forderungen der Reparationskom nission am 29. März 1922 stellte außenminister Rathenau fest: Deutsches liqnidiertes Eigentum im Auslande 11.7(Milliarden Goldwert), ausgelieserte Flotte 5,7, Reichseigentum in den abgetretenen Gebieten 85, übergebenes Eisenbahn und Verkehrsmaterial 2,0, andere nicht militärische Leistungen 5.8, Verlust deutscher unsprüche an die Kriegsverbündeten 7 00, Saargruben 11,0, bisherige Kohlenlieferungen 1,3, Barleistungen 1,3, kleinere Posten zusammen 3,2, das macht allein 55,5 Milliarden Goldwert, ohne Verlust dir abgetretenen Gebiete und der Kolonien Neue Steuern. Der Feindbund verlangt vom deutschen Volke 60 Milliarden neue Steuern Regierung und Reichstag haben diese Forderung am 28—29 März abgelehnt Dazu zwei Bemerkungen aus der Rede des Reichskanzlers: Ein einfacher Besoldungssoldat kostet dreimal soviel wie ein höherer deutscher Ministerialbeamier und zwei Besatzungegenerale erfordern mihr Unterhattungskosten als die elf Reichsminister, der Reichspräsident und der Reichskanzler zusammen mit allen Aufwendungsenischädigungen. Regelmäßige Frauenbetlage Schwerter Zeitung SAnrgn E Gawerterr, 10.5 Sss Buisorsemug Worte für Frauen Der Mann denkt noch lange nach, wo die Frau schon vergessen hat. Ich habe sogenannte Frauenkenner gekannt, die sich in ihren Frauen garnicht ausgekannt haben. Wer durch Frauen irregeführt wurde, hal nicht ihr Herz. sondern die Galle gerührt. „Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort der Frauen weit geführt."(Goethe) „Willst du genau erfahren, was sich ziemt. so frage nur bei edlen Frauen an.“(Goelhe) „Deutschlands Völker glauben, daß elwas Heiliges und Prophesisches den Frauen inne wohne; darum mißachlet man nicht deren Ratschläge und überhört nicht ihre Weisungen.“ (Goethe) „Was hat die Welt zu geben wohl desseres als ein Weid.“(Walter von der Vogelweide) Mutter und Kind Die Kunst des Essens# ist auch so ein Ding, dem nur wenige Ellern bei der Erziehung huldigen. Essen tun sie ja alle, die Kinder, natürlich, aber wie! Richliges, vernünitiges Essen will eben verstanden sein. Es ist das gar keine so einfache Sache, ganz abgesehen von der Kunst des Essens in ästhetischer Beziehung. Ach, wie viele, auch manche Eilern selost und sogar„gebildete", hätten in dieser Beziehung noch zu lernen, wie man in den Restaurants, auf Reisen usw. beobachten kann! Aber bleiben wir bei dem rein„Stofflichen". Es gibt Kinder, die fortwährend essen können— und zu essen bekommen. Das ist natürlich'grundsalsch. Die Ursache liegt darin, daß die Kinder keine richtigen und geregelten Wahlzeiten erhalien. Andererseits gibt es Kinder(und auch viele Müller), die da sagen:„Ach, ich kann nichts essen, mir schmeckt nichts“ Hier ist das Uebel meist darin zu suchen, daß sie fortwährend päppeln, nippen, naschen, kosten und knacken und dann natürlich nie rechten Hunger haben. wenn es miltags oder abends zur Mahlzeit geht. Wieder andere Kinder überladen sich den Magen bei jeder Mahlzeit es gibt auch solche, die viel zu wenig essen, besonders des Morgens, und endlich gibt's Kinder, die höchst unregelmäßlg essen. Man überlege doch, zu welchem Zweck der Mensch überhaupt ißt! Doch nur, um seine körperlichen und geistigen Kräfte, die er verdraucht hat, zu erneuern. Bei Kindern kommt allerdings hinzu, daß sie noch wachsen, jedoch ist der Mehrbeoars hierfür nicht allzu groß. Jeden salls leuchlet ein, daß das Esser nicht planlos, nicht unüberlegt geschehen darf Sagt ein Kind, trotzdem es genügend gesättigt, es habe noch„Hunger“— und dies ist sehr oft der Fall— so ist dies kein eigentlicher Hunger. sondern nur ein Gesühl von Hunger zufolge qualitativ unrichtig gewählter Speisen oder schnellen Hinunterschlingens oder aber eine Unwahrheit! Es will nur noch mehr haben, weil's ihm gut schmeckt. Die Kunnt des Essens besteht aber hauptsächlich darin, daß man die Nahrungsaufnahmen den Bedürfnissen genau anpaßt, daß man dabei mehr auf Qualilät denn auf Quantität sieht, daß die Mahlzeiten stets zu fellbestimmler Zeit eingenommen werden, und daß man wirklich hungrig zu Tisch gehl! Kommt der Hunger zu zeitig, so genügt den Kindern eine Fruchl, ein Glas Milch vollkommen. Mäßigkeit ist der beste Arzt, das muß man schon den Kindern begreiflich machen. Tätigkeit der Frau zu fördern. Koch- und Haushaltungsschulen— übrigens nach deutschem Vorbild— sind jetzt in allen Londoner Volksschulen zur Einführung gelangt Nun hat der Couniy Concil auch ein eigenes Lehrduch der Kochkunst herausgegeben, das alle Schülerinnen geschenkt erhalten. Nach diesem Kochbuch wird auch der Kochunterricht erteilt. In New=Jersey ist ein Frauen=Heim eingeweiht worden, welches vollständig von weiblichen T'aumeistern, Maurern, Zimmerleuten, Tischlern. Parketlegern, Schlossern. Malern, Glasern usw errichtet wurde. Nicht ein einziger Mann war an dem Haus und seiner Einrichtung tätig. Ein Dr. H. Arnold in Amerika sandte dem Verein für Volkswohl in Halle für dessen Ferienkolonien einen Scheck über 100000 Mk. aus Dankbarkeit dafür, daß er in seiner Kindheit selbst den Segnungen dieser Kolonie teilhaftig geworden ist. Schwerter Frauenleben St. Elisabelh=Verein. Des Himmelfahrtsfestes wegen findet die nächste Arbeitsstunde erst am Freilag, 26. Mai stalt.— Im Herbst d. Is. will der Verein zu gunsten seiner Wohlfahrlsbestrebungen eine große Verlosung veranstalten Modenberichte Erziehungsfragen, Humor Haus und Küche kann, ist höchst überflüssig und sollte lieber abgeschafft werden. Dafür sollte man eine geräumige und gemütliche Wohnstube einrichten. Hier liegen wichlige Pflichten der Frau des Hauses. Sie sorge für meinlichkeit und Ordnung. Früher sperrte man die Fenster zu und hatte Angst vor frischer Luft. Heute weiß man: nichts ist besser und gesünder und angenehmer als sie, für Erwachsene und für Kinder, schon für kleine Kinder. Sogar für Kranke ist frische Luft sehr empfehlenswert. Eine saubere Hausfrau wird auch einen sauderen Mann und saubere Kinder haben. Nicht jeder ist imstande, seinen Kindern immer neue Sachen zu kaufen und viel Geld für Anzüge und Wäsche auszugeben. Aber nicht danach darf man Kinder einschätzen, sondern ob sie sauber gehalten sind. Flicken sind für kein Kind eine Schande. Aber ungestopfte Löcher sind ein wenig schönes Zeichen für die Hauskrau. Kinder werden sich immer wieder schmutzig machen, das ist nun einmal so. Aber Mütter müssen sie immer wieder waschen, Hände, Füße, Kopf nicht zu vergessen. Schmutz und Krankheit hängen eng zusammen. Reinlichkeit und Gesundheit sind ebenso eng verkettet. Reinliche Kinder sind nett und bleiben auch gesund. (Aus der sehr empfehlenswerten Schrift „Ellernspiegel“ von Lic. Dr. Werdermann. Westdeutscher Lutherverlag, Witten(Ruhr). Zu haben in C. Braus Buchhandlung.) Die Frau in der Geffentlichkelt Für Küche und Haus Miß Anna Morgan, die Tochler des bekannten Milliardärs, will im Hafen von Brooklyn unter Beistand noch anderer Damen der höchsten Kreise ein großes Restaurant eröffnen, in dem 7000 Matrosen auf einmal für enorm niedrige Preise ihre Mahlzeiten einnehmen können. Die Stadt London ist unter die KochbuchVerleger gegangen. Der County Concil in London sucht auf jede Weise die häusliche Reinlichkeit. Dafür hat die Mutter zu sorgen, daß es dem Vater duheim gesällt Sie kann ihm das Leben angenehm oder schrecklich machen. Will sie das erste, dann muß sie vor allem für Reinlichkeit sorgen. In einer schmutzigen Stube, einer schmutzigen: Küche fühlt sich kein Mensch wohl. In schmutzigen, unordentlichen Sachen evenfalls nicht. Die Gemütlichkeit kommt auch nicht durch einen sogenannten „Salon". Solche„gute Stube“ oder„kalte Pracht", die niemand ohne Angst betreten Praktische Winke. Die Zitrone gibt viel Saft mehr ab als sonst, wenn man sie vor dem Auspressen gründlich erwärmt und dann mit den Händen auf dem Tisch, fest aufdrückend, hin und ber rollt. Wollwäsche wird bekanntlich beim Waschen mit Seife leicht filzig und verliert dann sehr an Weichheit Um sie wieder weich und wollig zu machen, weicht man die Wäsche ein bis zwei Tage in kallem, abgekocht Wasser ein und wäscht sie dann in nicht me zu heißem, schaumigen Seisenwasser Mit Seife selbst darf Wollwäsche nicht gereinigt werden. Donnerstag, I8.Mai l 922, abende 8“ Uhr im evangelischen Gemeindehause, Schwerte Konzert-Abend Hilde Sieberg Mitwirkende: Haussammlung für das notleidende Alter in der Woche vom 15.-21. Mai Unsere alten Leute hungern und darben! Es ist die heilige Pflicht aller, ihnen zu heifen. Die harte Not der letzten Jahre hat unser ganzes Volk zu einer unzertrennlichen Schicksalsgemeinschaft zusammengeschmiedet. Echter Gemeinsinn aber sollte freiwillig die Ungerechtigkeiten unserer regellosen Zrit zum Ausglrich bringen. Unsere Dankesschuld gegen die Generation unserer Eltern ist gross. Ihre hingebende Liebe und Fürsorge schützien unsere Jugend. Ihr ganzes Leben und Arbeiten galt uns Wir bauen weiter an dem Werk ihrer Hände und ihres Geistes Wir rufen den Kindern und der Jugend zu Ehret und schützt das Alter! Wir rufen den Frauen, den Hüterinnen der Familiengemeinsrhaft und den Trägerinnen heltender mütterliche Liebe zu: Sorgt für unsere alten Leute. Erhaltet ihnen ein Plätzchen am heimatlichen Herd Duldet richt, dass sie undankbar herausgestossen werden aus der Familie. Ihr Gesunden und Arbeitsfähigen, Ihr Reichen und Ihr Besitzenden: Gedenket alle Eurer Pflicht gegen die bedürftigen alten Glieder unserer Volksgemelnschaft. Schafft insbesondere für die alleinstehenden hilflosen alten Leute eine Zufluchtsstätte in den wirtschaftlich so schwer bedrängten Altersheimen. Ililfreiche Tat sei der Ausdruck unserer Gesinnung! Spende und heife ein jeder nach seinen Kräften! Frau Mally Ihlefeld-Westhofen,(Sopran) Herr Berndt Schneider-Hagen (Begleitung am Klavier) Eintrittskarten im Vorverkauf zu 10 Mk. in den Buchhandlungen Braus, Saatmann, Neumann, Fisseler und Schneider(Westhofen) An der Abendkasse 12 Nk. Konzertlügel von Roth&ap unius, Hagen West. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Liderhändlers Franz Lastowitz in Schwerte wird auf Antrag des Konkunzverwalters Rechtsanwalt Thobolte in Schwerte eine Gläubigerversammlung auf den 31. Mai 1922, vormittoge 11 Uhr bei dem Amtsgericht in Schwerte, Zimmer Nr“, einberufen. Tagesordnung: Wahl eines Gläubigerausschusses Schwerte, den 11. Mai 1922. 221 Das Amtsgericht. nach zu vorteilhatten Preisen, fernee echten G A. Hanswecker-Kaufabak Maschwitz& Ostermann Hogeter Stretze 1. Höchsipreise für Zwieback. 1“ auf Grund des§ 34 Abs. 2a des Gesetzes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide vom 21 6 1921(R G. Bl. S. 737) wird die Anordnung des Kreisausschusses des Landkreises Hörde vom 11 Mai 1922 wie folgt geändert: * l. In Absatz 1 Zisser d muß es heißen: 5 # für 400 Gramm 7,60 Mk. für 200 Gramm 3,80 Mt II. Diese Aenderung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft Hörde, den 15. Mai 1922. der Kreisausschuß des Landkreises Hörde. N eCa Nur moderne Neuheiten Jarden Oele Lacke in Ia Qualität sof. Rolling Schwerte Markt 3. Suchen für unsere seine Herren-u Damenschneideret zwei junge 2199 Mädchelt velche im Nähen erfadren sind, als Handardeiterinnen. Buse Ausbildung zugesicher erkr. in d. Geichl“ Junges, schwarzes. Hahn=ruugen Wer gidt begen bobe Mielwerden Sie sicher los durch Hühner 1 gr. Raum, od 2 kI. augen Leb=wohl Hornhaut an d. part oner Tieppe hodk Fußsohle beseitigt Lebewohl=Besen=gelegen, od? Auch wir' Scheiben Kein Verrutschen, kein Festkleben am Strumpf In Drogerien und Avotheken. Blechdose 4— und 6.— Mk. Drogerie Cail Trog. ein hl. Kleiderschrand zu kaufen#esocht. Ancebote unser E 2215 an die Geschästsstelle d Sig Freiwillige Versteigerung.! Dex Gengnam Wihealm Sisbrackte zu amens Hündchen Im Auftrage des Herrn Wilh Gerling, Villigst Nr. 13, kommen an Oct und Steue folgende Gegenstände am Sonnabend, dem 20. Wai nachm. 4½ Uhr zur Versteigerung: 2 3 eich. Küchenschränke, 1 Herd, 1 ZNickel-Ofenblech, 1 Backtrog, 2 Tische ##l eich), 6 Brett-, 2 Poister- und 2 Rohrstühle, 2 eich. Koffer, 5 Topfbänke mit Töpfen. 1 Fleischfass, 1 Sthiebkarre. B1 Spieluhr, 3 Lampen, 3 Leitern, 14 #Biider, 2 Spiegel, 1 Trauerhut und Esonstige Haus- und Küchengeräte. K Die Sachen sind gebraucht und können 1 Stunde vorher besichtigt werden Karl Bekanntmachung. Der Wahltermin für die ordentlichen Neuwahler der Elternbeiräte an den Volks= und mittlerer Schulen ist von der Schulautsichtsbehörde auf Sonntog, den 18. Juni d. Is. estgesetzt Die Listen der Wahlberechtigten liegen im neuer Rathaus, Zimmer 18, vom 21. d. Mts. ab 2 Wochen lang zur öffentlichen Einsicht aus. Schwerte, den 15. Mai 1922. Der Bürgenmeister. Der Gergmann Withelm Elebracht zu Annen: Rüdinghausen(Schnee) hat die Genehmigung zur Ansiedlung auf dem außerhalb der im Zusammenhang gehauten Ortschaft in der politischen Gemeinde Innen=Rüdenghausen belegenen Grundstück Flur 2 Parzelle 1081/51 der Katastergemeinde Annen=Rüoinghausen zur Errichtung von 1 Wohnhaus mit 1 Wohnung beantragt. Gemäß§ 16 des Gesetzes vom 25. August 1876/10. August 1904 bringe diesen Antrag mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß dagegen von den Eigentümern, Nutzungs- und Gebrauchoberechtigten und Pächtern der benachbarten Grundstücke innerhalb einer Ausschlußfrist von 2! Tagen bei dem von dem Verbandsausschuß des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk beaustragten. Amtmann zu onnen Einspruck erhoben werden kann. Annen, den 13. Mai 1922. 65.4291 Der Gemeindevorsteher: Schlischo. billig zu verkaufen. Bahnhof Ntr. 321.### Möbl. Zimmer mit oder ohne Pension zu mieten gesucht. 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Sobald die für England bestimmte Ladung gelöscht und die neuen Frachtgüter verstaut waren, riefen zrille Dampssignale die Ausflügler von der Hasenstadt zurück. Die Barkasse und ein Motorboot hatten schon so viele Personen zum Dampfer hingeführt, daß der Kapitän annahm, die Zahl seiner Gäste sei vollständig, allein, bevor er die 1 Matrosen zur Ankerspille hinrief, bemerkte er noch ein schmales Ruderboot, das eilig dem „Conquistador" zufuhr. Sobald dies sein Ziel erreichte, sprang ein schlanker junger Mann, der sich am kräftigsten in die Riemen gelegt hatte, aus dem kleinen Fahrzeug heraus und kletterte übers Fallreep. Aufs Verdeck gelangt, rief er den Gefährten im Boot noch englische Dankes= und Abschiedsworte zu und erhob grüßend seinen pitän drohte dem Nachzügler it dem Finger, der aber wischte ßperlen von der Stirn und entmit der Bemerkung:„Auf Wight ein, ohne Osbornehouse und besucht zu haben, das wäre ja schlimme Unterlassungssünde, als mbesucher am Kapitol und Vatitän bestieg die Kommandobrücke, Mann schritt zum Hinterdeck, al die Nordküste jener Insel zu man mit Recht als den Garten zeichnet. Bei der zum Speisesaal Treppe stieß er auf zwei mit dem Steward zu streiten sich gezwungen, vor der alten. sagen, Ihnen nochmals,“ hörte der geris daue man mit des„ dann „daß ich an asthmatischen n leide und während der Nacht dieser abgrundtiesen Koje, deren Fenster öffnen läßt, ersticken werde. a uns einen Schlafraum verschaffen, luftiger ist.“ „Und ich muß Ihnen zu meinem großen auern nochmals versichern, daß wir über n anderen nicht mehr verfügen.“ Dem Steward schien der Geduldsfaden ssen zu sein, denn mit seinem großen Beern stand der ärgerliche Ton im Widerspruch. auf der Schiffsagentur versicherte uns, daß Ihr Dampfer erstklassige, luftige bemerkte die junge Dame n hat uns also gröblich getäuscht.“ s nicht, mein Fräulein, die schönen vorhanden, aber alle besetzt.“ er Erklärung tauchte der Sieward zer Behendigkeit in den Bauch en er sich P1 Damen sahen sich hilflos an, ie ältere tief aufseufzend:„Wos. ir werden uns sügen müssen?" 1a, die qualvolle Nacht soll dir Ich gehe sofort zum Kapitän iß er uns in seiner Barkasse ückbringen läßt.“ die Tochter das letzte Wort ef die Mutter:„Zu spät!“ hen der Flut belehrte sie, daß in Bewegung setzte. Mädchen stampfte mit dem Fuße urch einen leisen Ausschrei gegen 00 bel in dieses Vorgangs tief. se mit wachsendem Interesse die cherin betrachtet. Jetzt trat er mit Fries, Vertreter u— zwar ein großes Fenster, ber nur ein Belt, und es frage sich, ob Mutter and Tochter die Nacht getrennt verbringen Die Tochter, welche den herzutretenden Unbekannten zuerst mit einer hochmütigen Ersung des Kopfes befremdet angesehen hatte, Ung jeht freudig auf den grotzmütigen Vorschlag An. Eie halte kein Bedenken gegen die machtTrennung und meinte, daß sie in der seisten Höhle wie ein Murmeltier schlafe. Der Mutter widerstrebte es, ein Opfer anAnehmen, der junge Mann aber schaute sie warm an und enkgegnete:„Wie können Sie von einem Opfer sprechen, gnädige Frau, es vare mir eine Freude, wäre ein glücklicher koschluß meiner langen Fahrt— ja, mehr noch ein gutes Omen für die Rückkehr in die Freie und Hansastadt Hamburg, wollten Sie mein Anerbieten annehmen. Damen einen kleinen Dienst erweisen zu können, das—— beglückt jeden Mann.“ Nun lächelte die Leidende.„Gut, die Damen bedanken sich,“ versetzte sie.„Wo aber wird unser ritterlicher Reisegefährte die Nacht verbringen?“ „Da, wo ich schon manche späte Abendstunde verträumt habe, auf dem Verdeck in meinem Schiffsstuhl, der so weich und nachgiebig wie eine Hängematte ist.“ „Aber die Nacht kann kühl werden, trotzdem der Herbst noch nicht begonnen hat.“ „Gegen die Nachtkühle schützen mich mein Plaid und meine Reisemütze. Sie sehen, gnädige Frau, daß das, was Sie ein Opfer nennen, gar keines ist.“ „Ich sehe nur, daß Sie sehr gütig sind, Herr Fries. Die Frau, die Sie zu großem Dank verpflichten, heißt Wismar, und dies ist meine Tochter Melita.“ Die Sprecherin reichte dem jungen Mann die Hand, der aber fragte überrascht:„Ist Konsul Wismar in Hamburg—?“ „Mein Mann?— Ja, kennen Sie ihn?“ „Nicht persönlich, aber ich weiß, daß er mit dem Chef unserer Firma Joachim Oldenpurg in Geschäftsverbindung steht.“ „So?“— Durch dieses Wörtchen und einen verschleierten Blick ihrer dunklen Augen verriet die Frau des Konsuls, daß ihr von dessen Unternehmungen wenig oder nichts bekannt war. Wolfgang Fries ließ einen forschenden Blick über sie gleiten, der sie zu verwirren schien. Sobald ihm dies zur Beioußtsein kam, beeilte er sich, die Damen zu seiner Kajüte hinzuführen und die Stewardeß zu ihrer Bedienung herbeizurufen. Die Einquartierung vollzog sich rasch, und während sich Frau Wismar umkleidete, trat ihre Tochter mit Fries zum Reling des rasch die Fluten durchschneidenden Dampfers hin, um noch einmal die entschwindende Inselküste zu betrachten.* „Sie haben wohl auch Cowes besucht?“ fragte das junge Mädchen. „In der Tat, und ich hätte mich dort nahezu verspätet, denn in Osbornehouse, das— wie Ihnen wohl bekannt sein wird— einst der Lieblingssitz der Königin Viktoria war, und jetzt ein Naval=College und ein Genesungsheim für erkrankte Offiziere enthält, wurde mir eine recht erfreuliche Wiederbegegnung zuteil. In Shanghai, wo ich mehrere Jahre als Kaufmann tätig war, konnte ich bei einem Besuch der eigentlichen Chinesenstadt einem englischen Offizier einen Dienst leisten, der von Fremdenhassern oder Raubgesindel überfallen und schwer verletzt worden war. Im Hospital, wohin ich ihn gebracht hatte, wurden wir Freunde. Als er nach England zurückgekehrt war, schrieb er mir, daß er Aufnahme im Rekonvaleszentenheim von Osborne gefunden habe. Beim Besuch dieses Schlosses fand ich ihn eben im schönen Park völlig genesen wieder. Dank der modernen Verkehrsmittel rücken wir Kulturmenschen einander immer näher. Der junge Offizier begrüßte mich mit rührender Freude, führte mich zu den reichen Kunstschätzen des Schlosses, ermöglichte es mir, Freshwater=Gate und das Landheus Tennysons, Farringford zu besuchen, in dessen lauschigem Park der Dichter des„Enoch Arden“ sich gar ost mit seiner Königin plaudernd erging. Oh. dieser Ausflug war köstlich! Ich finde, daß die Insel Wight nicht nur vom warmen Golfstrom, sondern auch von poetischem Glanz umflossen ist.“ Das junge Mädchen hatte den Reisegefährten, solange er sprach, starr angesehen, nun sagte sie mit einem bezaubernden Lächeln: Nir scheint, Sie befolgen in Ost und West das Gebot:„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ „Sie beschämen mich, gnädiges Fräulein.“ „Nein, im Ernst, Sie haben eine schwere Sorge von mir genommen, und ich weiß kaum, wie ich Ihnen danken soll.“ Sie reichte ihm die Hand. Ihr gefühlswarmer Ton und Blick berührten den jungen Mann so wohlig, daß er die Hand küßte. Als er den Kopf wieder erhob, hatten seine blangrauen Augen einen feuchten Schimmer, und er sagte mit leise bebender Stimme:„Welch' ein schöner— wonniger Tag ist da„Ja— und sehen Sie, die Abendsonne taucht Insel und Meer noch einmal in goldiges Licht. „Warc. Sie längere Zeit auf Wight, gnädiges Fräulein?" „Vierzehn Monate. Mein Vater wünschte, daß ich nicht nur die englische Sprache erlerne, sondern auch in der Seeluft und auf den Spielplätzen meinen Körper kräftige. Er brachte mich selbst nach dem Seebad Ryde, wo ich in einer guten Erziehungsanstalt Aufnahme fand.“ „Wie mir scheint, wurde Ihres Vaters Absicht vollkommen erreicht.“— Fries ließ bei dieser Bemerkung einen bewundernden Blick über ihr leicht gebräuntes, von glänzendem dunklen Haar umrahmtes Gesicht und ihre anmutige Gestalt gleiten. Errötend schaute sie auf die blinkenden Kielwellen und bemerkte dann leise:„Diese Insel ist ein herrlicher Tummelplatz für Ddie Jugend.“ „Mir erschien sie beim ersten Anblick düster," sagte Fries.„Wir hatten in der Nacht einen Weststurm, und als am Morgen die Needles in Sicht kamen, war der Himmel von Regenwolken bedeckt. Die Wogen stürmten gegen jene nackten Felsen, die gleich Vorposten aus der Flut emporragen, und umhüllten sie zeitweise mit ihrem Gischt; sie umbrandeten auch donnernd die Downz, während über deren tiefgrüne Kuppe ein Schäfer mit seiner Herde zog. Diese einsamen Lebewesen schien die Melancholie zu umschweben; ich meinte, sie müßten im Kampf der Elemente untergehen.“ „Es ist die Beleuchtung, die der Landschaft die Stimmung gibt,“ bemerkte das Mädchen. „Ich bin oft allein über diese Vergkuppe gewandert, und wenn phantastische Wolkengebilde über die Himmelsdecke zogen und die See schäumte, war für mich die grüne Insel zuweilen vom Hauch der Romantik umwittert. Ich gedachte dann jenes Königs, der die Burg Carisbrooke nur verließ, um dem Schafott entgegenzuschreiten. Bei der Erinnerung an tragische Menschenschicksale duckte sich dann mein Seelchen vor den Naturgewalten, wie ein Vögelchen vor dein niederstoßenden Weih; sobald ich aber einen Postdampfer mit Wind und Wogen kämpfen sah, erhob mich wieder der Gedanke an das todesmutige Ringen der Kulturmenschheit mit den entfesselten Elementen und ich sagte mir:„Die Welt ist doch schön, in der so viele brave Herzen schlagen.“ Der junge Mann lauschte ihrer weichklingenden Stimme mit wachsender Anteilnahme, und als ihr edel geformtes Gesicht von innerlicher Freudigkeit durchleuchtet war, dachte er: „Auf was für ein lebensprühendes, hoffnungsfrohes Menschenkind bist du da gestoßen.“ Laut sagte er:„Ja, die Welt wird besser mit jedem Tag.“— Er war sich bei diesem Ausspruch wohl bewußt, daß ihn nur die Bekanntschaft mit dem liebreizenden Geschöpf zur optimistischen Weltanschauung hindränge. „Es ist übrigens erstaunlich," fuhr di Tochter des Konsuls fort,„wie viele ganz verschiedene Städte= und Landschaftsbilder die Insel Wight aufzuweisen hat.“— Sie verglich nun die gleich trotzigen Wällen aufsteigenden Downz mit den farbenprächtigen, blühenden Gärter Rydes, Ventnor und Shankling, den alten Hafenort Cowes mit den modernen Badeorten, die von Raben und Möven umkreiste Burg Carisbrooke und alte Abteiruine mit der wil den Felsschlucht Shanklin=Chine und den vor. glucksenden Wellen umspülten Höhlen bei Freshwater=Gate.„Diese Insel ist ein herrlicher Fleck Erde,“ schloß sie, setzte aber nach kurzem Besinnen hinzu:„Freilich, das Land, wo ich geboren bin, soll noch schöner sein— so behauptet wenigstens meine Mutter. Ich kann leider keinen Vergleich anstellen, denn ich verließ Costa Rica als vierjähriges Kind.“ Bei diesen letzten Worten blitzten die Augen ihres Reisegefährten hell auf und er sagte dann lächelnd:„Falls Ihre Wiege am Golfo Dulce stand, ist die Behauptung Ihrer Mutter wohl berechtigt. Das Terrassenland vor der Bai von Nicoya bietet Ausblicke von entzückender Schönheit, und die Vegetation der ganzen Westküste ist erstaunlich üppig und prächtig. „Wie, Sie kennen Costa Rica?“ rief sie überrascht und sah ihn groß an. „Ich besuchte es bei der Rückreise von Shanghai.“ „Ei, das ist ja wunderbar! Mama wird staunen. Ah, da kommt sie eben.“ Frau Wismar nahm die Mitteilung der ihr entgegeneilenden Tochter in freudiger Ueberraschung entgegen und fragte, was ihren Reisegefährten nach Costa Rica geführt habe. Er erklärte, sein Chef habe ihn aus Shanghai, wo er eine Filiale der Firma Oldenpurg leitete, mit der Anweisung zurückberufen, er möge seinen Weg über Punta=Arenas nehmen und sich die Besitzungen der Plantagengesellschaft Hammonia ansehen. Diesem Auftrage entsprechend, habe er vierzehn Tage auf die Besichtigung der Plantagen verwandt und so einen Teil von Costa Rica kennen gelernt. „Die Ländereien, welche jetzt die Plantagengesellschaft bewirtschaften läßt, gehörten zum großen Teil meinen Eltern. Mein Vater, der ein Deutscher war, hatte sie erworben, mein Mann verkaufte sie später der Hammonia. Sie haben also meine Heimat gesehen.“ Diese Angabe der Frau Wismar leitete ein lebhaftes Gespräch über die Naturschönheiten jener breiten Abstufungen der Kordilleren ein, die sich zu den Palmenwäldern der Meeresufer hinabsenken. Von den Jugenderinnerungen ganz ergriffen, vollzog sich in der äußeren Erscheinung der Frau des Konsuls, deren Formen etwas auseinandergeflossen waren, und deren blasses Gesicht starks ergrautes Haar umgab, eine auffallende Veränderung. Ihre gewöhnlich schläfrig und traurig blickenden Augen leuchteten jetzt auf, eine zarte Röte übergoß ihr blasses Gesicht und sie erhob den Kopf, den sie in der Regel gesenkt trug. Nun erkannte der junge Fries Spuren einstiger Schönheit und er fragte sich: „Was für Stürme mögen diese Frau gerüttelt und gebeugt haben, die in ihrer Jugend vermutlich ebenso blühend und frohgemut war, wie jetzt ihre Tochter.“ Als der Gong zur Abendmahlzeit rief, war die Insel aus dem Gesichtskreis der Reisenden geschwunden, dafür aber tauchte der sinkende Sonnenball die Wolken am westlichen Horizont in Glutfarben, während im Zenith leicht durchtränkte Silberwölkchen sich von des Himmels Blau abhoben. Das junge Menschenpaar bewunderte das schöne Himmelsbild, Frau Wismar aber senkte wieder den Kopf und blickte traurig über die uferlose Wasserfläche. Das Flackerfeuer ihres Temperaments war wieder erloschen. Fries, der beim Steward stets ein freundliches Entgegenkommen gefunden hatte, wurde es leicht, für sich und seine Begleiterinnen einen Tisch zu erhalten, der abseits von der KONachdruck verboten. großen Tafel in eine lauschige Ecke gerückt murde. Wie ein guter Hausvater sorgte er hier für das Behagen seiner Schutzlinge, und diese fühlten sich von seiner Fürsorge wohlig berührt. Melita, die bisher sein Gesicht nur flüchtig betrachtet und in ihrem Innern das Urteil gefällt hatte: Globetrotter mit gefälligen Manieren und großmütigen Wallungen fand jetzt, daß seine Zuge einen eigentümlichen Reiz erhielten, sobald ein Lächeln seinen feingeschnittenen Mund umspielte. Sein Gesicht war glatt rasiert; nur ein kurzes Backenbärtchen, das als Fortsetzung seines dunkelblonden, welligen Haares gelten konnte, zog sich vor dem Ohr hin. In seinem ovalen Gesicht trat die Nase allzustark hervor, aber seine Brauen waren schön geschwungen und seine lebhaften Augen und sein kühnes Profil ließen auf eine tatkräftige Natur schließen. Fremden gegenüber schien er eine fast scheue Zurückhaltung zu bewahren, bei Tische aber wurde er recht gesprächig, und Frau Wismar lauschte seiner sonoren, etwas gedämpften Stimme mit Behagen, sie hatte für ihr Ohr einen beruhigenden Klang. Es schien ihr, als entschleiere der junge Mann allmählich seine Seele, und als sie die warmen Blicke bemerkte, mit denen er ihre Tochter ansah, wurde es ihr klar, was seine Frohnatur hervorlocke. Sie verabschiedete sich früh von dem freundlichen Beschützer. Melita folgte ihr in die Kajüte und half ihr beim Auskleiden. „Unser Helfer in der Not ist so übel nicht,“ bemerkte sie;„er scheint zu jenen Menschen zu gehören, die man bei näherer Betrachtung liebgewinnen kann.“ Frau Wismar dachte dies auch, erwiderte aber laut:„Glücklicherweise ist die Zeit zur näheren Betrachtung recht kurz bemessen.“ „Glücklicherweise? Aber Mama, warum glücklicherweise? Wir befinden uns doch ganz wohl in seiner Gesellschaft.“ „Du bist noch sehr jung, mein Kind und ich wünsche nicht, daß du—— nun, daß du dein Herz so bald an einen Mann verlierst.“ — Die Mutter schaute die Tochter besorgt und bittend an und strich ihr zärtlich über Haar und Wange. „Mama, Mama,“ rief das Mädchen lachend, „du scheinst die vierzehn Monate meines Aufenthaltes in Ryde zu überschlagen. Seit vier Tagen zähle ich 18 Jahre— beherzige das wohl; das ist gewissermaßen für unser Geschlecht das heiratspflichtige Alter.“ Mit einer Schelmenmiene küßte sie die Mutter und fuhr dann fort:„Aber beruhige dich. Noch wohnt in meinem Herzen kein anderer Mann als Pepe g „Ach, ich möchte dich noch lange— lange bei mir— oder wenigstens in meiner Nähe behalten, Melita!“ „O du mein gutes Mutterl, wie bist du liebehungrig! Und du hast doch einen Mann, der dich mit Gaben überschüttet! Das genügt dir aber nicht: Du mußt auch dein Kind nach Hamburg zurückholen, obgleich Papa mich zwei Jahre in England lassen wollte und wohl erhoffte, ich würde mir daselbst einen steinreichen Lord oder Marquis erobern. Trotzdem mir nun die jungen Herren, mit denen ich Lawn=Tennis spielte, segelte und ruderte, viele Aufmerksamkeiten erwiesen, hat keiner Eroberungsgelüste in mir geweckt, und ich kehre als freie, ungefreite Tochter der freien Hansastadt ins Vaterland zurück. Ob sich da der Rechte für mich findet, mögen die Götter wissen.“ Lachend und die Mutter umarmend fuhr sie in singendem Tone fort: „Also, lieb' Mütterlein, schlaf ruhig ein, Es wird dein lustiges Töchterlein Vermutlich als Altjüngferlein Dir lange noch Stütze und Tröstung sein.“ Vor Vergnügen darüber, daß ihr das Reimen gelungen war, wurde sie kirschrot und lief aufs Verdeck. Hier wäre sie nahezu mit Fries zusammengeprallt, der auf dem Hinterdeck promenierend, bald zum gestirnten Himmel auf=, bald zum mattleuchtenden Fahrwasser hinabblickte. Er fragte sie, ob sie in ihre Koje hinunterzusteigen gedenke. Sie betrachtete nun auch den Nachthimmel, schüttelte den Kopf und meinte, die Nacht sei zu schön, um ganz verschlafen zu werden. Einige Sternschnuppen fielen aus den Himmelstiefen, und sie stieß Laute der Bewunderung aus. Wolfgang Fries schilderte ihr Himmelserscheinungen in den Tropenländern. Dort habe er Sonnenuntergänge von unbeschreiblicher Pracht gesehen. Da tauche der feurige Ball nicht nur die Wolken in purpurne Gluten, sondern auch das Meer. Falls dies bewegt sei, schiene es, als brächen Flammen und Funkenschauer aus den Wellen. Wer aber des Nachts den stillen Ozean befahre, den mahne die leuchtende Sternensaat, die Unermeßlichkeit des Himmels und des einsamen Meeres an die Ewigkeit und er fühle ein Erschauern. Er sagte das ohne eine Spur von Pathos, gleichwohl mutete es seine Begleiterin feierlich an. Sie fragte ihn nach einer Weile, ob er, der so lange in der Fremde gelebt habe, sich nicht unbändig freue, seine Familie wiederzusehen, und er gab zur Antwort, daß ihn nur eine wunderliche aber kreuzbrave Tante erwarte. „Sie waren wohl früh verwaist?" „Ich verlor meine Eltern Fast gleichzeitig, als ich acht Jahre zählte, und Tante Lütkens, eine Schwester meiner Mutter, nahm sich meiner an. Sie ließ mir eine nahezu spartanische Erziehung zuteil werden und ich bekam ihren Stock und ihre derbe Hand gar ost zu fühlen.“ 8 ** Höchstleistungen der Körperktäft. Es ist erstaumich, welche Krifte der menschliche Körper zu entwickeln vermag, und dock, sind ihm manche Tiere im Verhältnis noch überlegen. Darauf weist Hermann Raderock in einem Aussatz in„Ueber Land und Meer“ hin, in dem er sich mit den Steigerungsgrenzen der Körperkraft beschäftigt. Nach neueren Berechnungen bringen alle Menschen der Erde eine Arbeitskraft auf, die an einem Tage 42½ Billionen Kilogramm 1 Meter heben würde, d. h. ungefähr dieselbe Kraft, die sämtliche Zugtiere, oder der achte Teil der Kraft, die alle Maschinen der Erde besitzen. Und doch ist der Mensch nur ein„elender Stümper“. gegen die Ameise, die das 23fache, oder gegen den Käfer, der das 14=—42sache seines eigenen Gewichtes fortbewegen . G Die Arbeit, die das menscliche Herg leister, A#auft sich bei jedem Schlag auf 0,234, in 24 Stunden auf 31 000 Kilogrammeter, d. h. etwa ein Zehntel der achtstündigen Leistung eines Schwerarbeiters. Während diese Leistung sich nicht steigern läßt, lann die Arbeit der Lunge vermehrt werden. So setzt ein 70 Kilogramm schwerer Mensch während der ersten Stunde einer schweren Arbeit durchschnittlich in einer Minute 350 Kubikzentimeter eingeatmeten Sauerstoffes in Wärme und Kraft um. Das bedeutet bei einer Pulszahl von 140 den 167. Teil einer in 1½ Minuten bei 220 Schlägen 0,37, in 5 39 Schlügen 1,35 PS verzeichnet. Für Kurz= und Dauerleistungen sind beim Bewegungssport folgende Zahlen festgestellt: die Höchstleistung im Fußlauf war im Jahre 1886 bei den ersten 91,4 Meter eine Stundengeschwindigkeit von 34,27 Kilometern, bei der ersten englischen Meile gleich 1609 Meter eine solche von 22,85 Kilometern. Beide sind bis jetzt nicht übertroffen. Bei der langen Strecke von 161 Kilometern sinkt die Laufgeschwindigkeit auf durchschnittlich 12 Kilometer in der Stunde. Beim Gehen wurden in der ersten Stunde 14,48, bei einem Weg von 161 Kilometer durchschnittlich 3,895 Kilometer zurückgelegt. Diese Höchstleistungen der menschlichen Körperkraft werden sich nicht wesentlich überschreiten lassen. Interessant ist es aber, inwieweit der einzelne Mensch durch Uebung seine Leistungen erhöhen kann. Nach den Beobachtungen an der Berliner Hochschule für Leibesübungen streckt ein mittelkräftiger, ungeübter Mann die Hälfte bis drei Viertel seines eigenen Körpergewichtes mit den Armen über den Kopf; nach mehrmonatiger Uebung und allmählicher Steigerung kann aber ein 70 Kilogramm schwerer Mann.schlief h das Doppelte hochheben, und der Rekord wurde mit einmaligem Hochstoßen von 172,5 Kilogramm erreicht. Ein ungeübter Läufer, der für die ersten 100 Meter 14 Sekunden braucht, kann diese durch Training auf 10,4 vermindern. Während ein Ungeübter 30 Kilometer in 4 Stunden nur mit großer Mühe marschiert, legen Geüibte 100 Kilometer in 11,5—12 Stunden zurück. Ja, ein Deutscher ging sogar 202 Kilometer mit 20 Minuten vorgeschriebener Pause in 26 Stunden, 58 Minuten. Beim freien Hochsprung gelang es, die erreichte Höhe von 1,35 Meter auf 2,04 Meter zu steigern. Die kulturlosen Vötker kommen bis zu Höchstleistungen, die denen der Zivilisierten nichts nachgeben. Die Indianer von Pern marschieren bis 200 Kilometer an einem Tage, und die in den Bergwerken von Chile tätigen Indianer tragen täglich zwölfmal je eine Last von 91 Kilogramm 1 Meter hoch zutage, während die Tahitier mit 45 Kilogramm auf jeder Schulter den ganzen Tag durch marschieren. Im Laufen scheinen die Seri=Indianer von Kalifornien jeden Rekord zu halten; schon die Kinder holen Hasen im Laufe ein, und ähnlich fangen die Männer Hirsche und wilde Pferde. Im Kochsprung leisten die riesengroßen Watussineger Beoeutendes. Sprünge von 2,8 Meter find öfters bei ihnen gemessen worden. In der Druckkraft Hände zeichnen sich die Neusceländer aus, bei denen ste 48 Kilogramm beträgt, während es die Australier nur geif 49, die Jaduner auf 44 Kilogramm bringen. der Hub- und Lendenkraft erreichte von 1600 nondanertkanischen Negern ein 1,62 Meter großer 25jähriger din Leistung von 203 Kilogramm, von 704 Mulatten ein 174 Meter großter 26jähriger 315 Kilogramm und von d0s Indianern ein 1,72 Meter großer 33jähriger 338 Kilezuamm. Sie alle wurden durch einen 1,82 Meter großen weißen Amerikaner übertroffen, der 381 Kilogramm hob. Rund um Berlin. Ein geriebener Fälscher wurde von der Berliner Kriminalpolizei in der Person eines Menschen verhaftet, der sich„Dr. Anspach“ nannte. Es handelt sich um den 24 Jahre alten Kaufmann Erich Anspach, der nach einer wechselvollen Jugend in den letzten Jahren politische Hochstapeleien großten Stils, verbunden mit Landesverrat, Betrug, Urkundenfälschungen und anderen Verbrechen getrieben hat. Die Polizei ist eifrig bemüht, über die höchst verworrenen und merkwürdigen Vorgänge Klarheit zu schaffen. Die bisherige Untersuchung hat ergeben, daß Erich Anspach der jüngste Sohn eines westfälischen Pfarrers ist, der vor zehn Jahren wegen Trunksucht und sittlicher Verfehlungen des Amtes enthoben und wegen Mißhandlung seiner Kinder von seiner Frau geschieden wurde. Nach dem moralischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch des Vaters rückte Erich mit seinem älteren Bruder als Schiffsjunge nach Brasilien aus. Ein Deutscher traf dort den Anspach in völlig verwahrlostem Zustande und sorgte für seinen B#ctransport nach Deutschland. Anspachs Mutter schiek##, ven Jungen wieder auf das Gymnasium, im Kriege aberverließ dieser die Schule mit dem Einjährigenzeugnis, di er eingezogen wurde, lam er ins Feld, wurde verwundet und blieb bis kurz vor Kriegsende in Militärlazaretten in Hannover. Diese Mußezeit nutzte Anspach aus, um eine schriftstellerische Begabung, die er bei sich entdeckt haben wollte, weiter auszubilden. In Wirtlichkeit begann er hier seine Fälscherlaufbahn, nachdem er inzwischen, in kommunistisches Fahrwasser geraten, zeitweise als Redakteur der„Freiheit“ tätig war. Mit kleineren Fälschungen begann er, er fälschte Schulzeugnisse usw. Dann aber begab er sich auf das politische Gebiet. Seit zwei Jahren hat Anspach der Entente alles geliefert, was sie brauchte, um an das Deutsche Reich fortgesetztnene Noten und Forderungen zu richten. Das authentische Material, die amtlichen Geheimberichte, Die vielen Noten und Fokberungen, die an Uhterlage dienten, waren nichts anderes als ungemein geschickte Fälschungen des„Dr.“ Anspach. Seine Stempel stellen ebenso wie die Vordrucke eine kleine Sammlung dar: von der Hohenzollernschule, vom Göttinger Gymnasium und von Rektor und Senat der Friedrich=Wilhelm=Universität. Andere sind Stempel von Reichs=, Staats= und Provinzbehörden, so u. a. von der Reichskanzlei, vom Auswärtigen Amt und seiner Presseabteilung, vom Reichsarbeitsministerinm, vom Reichswehrministerium, vom Bayerischen und Hessischen Szaatsministerium, vom Preußzischen Ministerium des Innern, vom Kommando der Schutzpolizei von Groß=Berlin, von der Abteilung Polizeiwesen des Hessischen Staatsministeriums, von der Schutzpolizei des Freistaates Sachsen und ihrer Zentrale, vom Kommando der württem bergischen Schuppolizei, vom Polizeipräsidenten von Hannover, von der berittenen Abteilung der Berliner Schutzpolizei u. a. m. Auch Stempel und Vordrucke vom Berliner Magistrat, vom Freilorps Oberland, von den Vereinigten Verbänden heimattreuer Oberschlesier und ihrer Berliner Geschäftsstelle, ja auch vom Internationalen Bund der Kriegsopfer und von der Zentralfürsorgestelle für Flüchtlinge in Groß=Berlin hat der Schwindler sich anfertigen lassen. Er machte seine Fälschungen noch glaubhafter durch andere Stempel, wie sie in behördlichem schäftsbetriebe üblich sind, und auch durch Fälschung von Namensunterscheiften. Wieder höhere Müllkutscherlöhne. Zwischen der Wirtschaftsgenossenschaft und den Müllarbeitern haben neue Verhandlungen über Lohnsorderungen usw. stattgefunden mit dem Ergebnis, daß die Wirtschaftsgenossenschaft den Arbeitern einen Mindestlohn von 900 K pro Woche zugebilligt hat. Gefordert war ein Mindestwochenlohn von 950 M. Großfeuer. In der Hopfentrockenanlage der Aktiengesellschaft für Brauereiunternehmungen, am Friedrichshain in Berlin, brach in der Nacht zu Mittwoch ein Brand aus, der rasch eine große Ausdehnung gewann. Die Trockenanlage ist fast gänzlich, von den Flammen zerstört worden. Der Schaden ist beträchtlich, da die bedeutenden Vorräte und ein Teil der maschinellen Anlagen ein Raub der Klammen geworden sin. Aus dem Reiche. + Entlassung aus dem Reichsdienst. Zu einer Meldung, wonach der Beauftragte des Reichskommissars für Aufbauarbeiten von der Dienststelle Zweibrücken, Haus Toense, wegen umsangreicher Schiebungen in Wiederaufbauholz von der deutschen Regierung verhaftet worden wäre, wird von zuständiger Seite mitgeteilt: Schie bungen mit Wiederaufbauholz sind nach den bisherigen Ermittelungen durch Herrn Toense nicht erfolgt und bei der scharfen Kontrolle auch schwer möglich. Die Entlassung des Herrn Toeuse aus dem Dienste des Reichskommissariats ist erfolgt, weil gegen Toense von der Staatsanwaltschaft Zweibrücken ein Ermittlungsverfahren wegen Schinuggels mit Gebrauchsartikeln in geringeren Mengen, der mit Wieveraufbaulieferungen nichts zu tun hat, eingeleitet worden ist. Landwirtschaftliche Aussteklung. Ein Ereignis allerersten Ranges verspricht die in Gotha vom 21.—28. Mai stattfindende Landwirtschaftliche Ausstellung für Thüringen zu werden. Sie wird alles umfassen, was nur in irgendiner Beziehung zur Landwirtschaft steht. Alls Gebiet für den Bereich der Alusstellung gilt ganz Thüringen. Die Ausstellung umfaßt als Gelände den gesamnten Park, ferner die weitläufigen Anlagen in der Umgebung des Schlosses und die gesamts Orangerie und dürfte auf Jahre hinaus das größte kendwirtschaftliche Ereignis ganz Thüringens# toohdre. + Hauptprobe und erste Aufführung in Oberammergau. In Oberammergau fand am Dienslag eine Hauptprobe und zugleich die erste Aufführung des Passiensspiels statt. Die 4000 Plätze des Theaters waren ags und Teilnehmer an der Tagung verbandes der Deutschen Presse dorthin brachten. Aluch Pvessevertreter aus Schtreden, Duunuark, Eugland und erisa waren antuesend. Die Leutenot der Landwirtschaft kommt drastisch in einer Anzeige zum Ausdruck, die ein Landwirt in Herwigsdorf bei Zittau in den„Zittauer Nachrichten“ veröffentlicht. Der Landwirt gibt nämlich darin bekannt, daß er wegen Leutemangels seine Saatkartoffeln verkaufen müsse. + Höhere Gehilter im Ruhrbergbau. Die Verhandlungen zwischen dem Zechenverband in Essen und den kaufmännischen und technischen Angestelltenverbänden des Ruhrbergbaues führten am Mittwoch zu dem Ergebnis, daß vom 20. April 1922 ab die Gehälter auf der ganzen Linie um 31 Prozent erhöht werden. Außerdem wird das Kinder= und das Hausstandsgeld auf je 300 K, die Stellenzulage auf 400 A erhöht. Die Nachzahlung für April beträgt 11/30 des neuen Monatsgehalts. + Auf 6 Wochen geschlossen. Infolge kommunistischer Gewaltmaßnahmen hat, nach einer Meldung aus Stuttgart, die Daimler=Motoren=Gesellschaft ihren Betrieb auf sechs Wochen geschlossen. Der Schriftsteller Eduard Stilgebauer, der sich während des Krieges in der Schweiz aushielt und von dert aus deutschfeindliche Propaganda betrieb, stellt jetzt den Antrag, nach Deutschland zurückkehren zu dürfen. Er will in Baden=Baden Wohnsitz nehmen.— Hoffentlich versagt man diesem unangenehmen Herrn die Erlaubnis zum Aufenthalt in Deutschland. Disziplinarverfahren gegen Menne und Genossen. Am Donnerstag, dan 11. d. M., begann vor der ReichoDisziplinarkammer zu Erfurt die Disziplinarverhandlung gegen den Eisenbahninspektor Menne, den Lokomotivführer Thieme und den Eisenbahnsekretär Diblik. Diese drei Beamten werden beschuldigt, die ihnen als Reichsbeamteu obliegenden Pflichten dadurch verletzt zu haben, daß sie zin Ausbruch und zur Fortsetzung des Eisenbahn=Beamtenstreiks, hervorragend mitgewirkt haben. Raubmord. In Oederan drangen mehrere Räuber in das Schlafzimmer des Pferdehändlers und Gutsbesitzers Israel ein und erschossen diesen, als er sich zur Wehr setzte. Auch Frau Israel wurde durch Streifschüsse verletzt. Die Räuber nahmen einen Kasten mit, in welchem sie Geld vermuteten. Das Geld befand sich Zn uuer unbuuch##IE. US Düichu bürben zwischen von der Gendarmerie im Gasthaus zu Pockendorf bei Chemnnitz verhaftet. Es handelt sich um den 29jährigen Fabrikbesitzerssohn Czech aus Oederan und den 21jährigen Bergarbeiter Mar Otto Voigt aus Gersdorf. Eine Fabrik durch Feuer zerstört. Im Kesselhause der Fabrik für Vervielfältigungsapparate in Goslar brach, dem„Berk. Lok.=Anz.“ zusoige, Großfeuer aus, das das Kesselhaus, die Fabrikräume und eines der Lagergebäude vernichtete. Neben den Gebäuden sind sämtliche Holbearbeitungsmaschinen und große Vorräte verbrannt. Der Schaden geht in die Millionen, und es wird lange dauern, ehe der Betrieb voll ausgenommen werden kann. + Festgenommene Eisenbahnräuber. Die#uber, die in der Nacht zum Dienstag den Raubüberfall im D=Zug München—Berlin verübten und aus den Fenstern des fahrenden Zuges sprangen, sind in Marktredwitz fesegenommen worden. Es handelt sich um zwei junge Burschen im Alter von 22—24 Jahren. Volkswirtschaftliches. + Billigere Saisontarife? Seit langem wird in Wirtschaftskreisen und in der Presse angeregt, die Reichsbahn möge für bestimmte Güter in den verkehrsschwachen Sommermonaten billigere Tarise, sog. Saisontarife einführen. Die Reichsbahn würde bei den Betriebs= und Verkehrsschwierigkeiten, die sich infolge der Verkehrssteigerung im Herbst und Winter regelmäßig einstellen, zu einer derartigen Maßznahme gern übergehen, wenn dadurch eine Verstärkung des Verkehrs in den Sommermonaten und eine Entlastung im Herbst und Winter zu erzielen wäre. Das Reichsverkehrsministerium hat in den letzten Tagen die wichtige Frage mit Vertretern einer Anzahl von Wirtschaftskreisen eingehend erörtert. Dabei kam man allseitig zu der Aufsassung, daß derartige Tarifermäßigungen in den Sommermonaten zurzeit für die meisten dafür überhaupt in Frage kommenden Güter ohne Bedeutung seien, weil es an Vorräten zur Verstärkung des Versandes im Augenblick fehle. Nur für Kali liegen die Verhältnisse in dieser Beziehung günstig. Hier hat zudem das Kalisyndikat einen Abschlag von den Verkaufspreisen für die Sommerbestellungen zugesichert. Es soll deshalb sogleich ein Sommertarif für Kalisalze für das Gebiet der Reichsbahn eingeführt werden. Die neu Tarifregelung besteht darin, daß anstelle der bisher gleichmäßigen Ermäßigung von 20 Prozent in Zukunft gewährt werden: in den Monaten Mai, Juni und Juli 30 Prozent, August 20 Prozent, September, Oktober, November 15 Prozent, Dezember 20 Prozent, Januar Frbruar 15 Prozent, März=April 20 Prozent. Die stärkere Tarisermäfzigung in den Sommermonaten wird also durch Verringerung der Ermäßigungen in den Wintermonaten eusgeglichen. Aus aller Welt. Die Kunstsammlung Li=Hung=Tschangs in Schweden „Kya Daglight Allehmda“ bringt eine Meldung, nach der die bedeutende chinesische Kunstsammlung Li=HungTschangs, die für eine große Summe nach Schweden angekauft wurde, zum grofen Teile aus unechten Gegenständen besteht. Der Ankauf geschah durch eine Kommission, welcher der schwedische Kronprinz angehört. Das Konsortium hatte dem schwedischen Nationalmuseum das Recht eingeräumt, ein Zehntel der Sammlung auszuwählen. Die Gegenstände, welche die Konunission gewählt hat, sind echt, während die anderen neun Zehmtel der Sammlung, die das Konsortium erhalten soll, zum großen Teile aus wertlosen Nachahmungen bestehen. Der Kauf wurde durch den schwedischen Professor Mistrot besorgt, der eine außerordentliche Provision in der Höhe von 200000 Kronen erhalten hat. Das Konfortium wird den Professor unter Anklage stellen, da die Blätter mitteilen, daß Mistrot die echten Gegenstände unterschlagen und durch Fälschungen ersetzt hat. Die Aergelegenheit erregt großes Aussehen in Schoeden. Das Blück des„Schneil=Lebeus“. Richt das schnelle Leben verbraucht den Körper frühzeitig, sondern das ungsame Hinkriechen. Das ist die große Neuigkeit, die em Unfrage der amerikanischen„Medical Review of Reviens“ zulage gefördert haben will. Auf diese Weise begegnen die Yankeis, indem sie den Spieß umdrehen, dem Vorwurf, das fieberhaft rasche Leben und Arbeiten in den Vereinigten Staaten führe zu frühem nervösem Zusammenbruch und zu baldiger Erschöpfung. Die Zeitschrift hat sich an die führenden„Hustlers“ des Landes gewandt und um Mitteilung ihrer Erfahrungen gebeten. Ein„Hustler“ bezeichnet nach dem ameritanischen Sprachgebrauch einen Menschen, der so schnell wie nur möglich arbeitet und so intensiv wie nur möglich lebt. Es sind also große Industrielapitäne, Finanzleute, Ingenieure, Gelehrte, kurz, die erfolgreichsten Männer des Landes, die bei der Umfrage in Betracht kamen, und sie alle erklärten einstimmig, daß angespannte und beständige Tätigkeit ihnen ein längeres Leben, eine bessere Gesundheit und mehr Glück verleihe, als ein Dasein, das in einem langsameren gemütlichen Tempo geführt werde. Besonders wird die Erfahrung hervorgehoben, daß die Versuche sehr tätiger Männer, sich in ein Leben der Ruhe und Beschaulichkeit zurückzuziehen, fast stets gescheitert seien, und daß der„Hustler", der von der süßen Gewohnheit des Schnellarbeitens und Sschnellebens läßt, seine ganze Elastizität verliert und zusammenbricht. Einzelne berichten, daß die Anforderungen, die die Kriegszeit an sie stellte, zu einer noch größeren Steigerung ihrer Leistungen zang. An sie aber nach Beendigung dis Krieges nau wbisder zu begnauerei Formen des Lebei zunckehre wollten, da hiaten sie ungbicklich gefühlt und zu der sich kreuzfrüheren Schnellebigkeit zurückkehren müssen. Die„Hustlers“ sprechen mit der größten Berachtung von dem„Shirker“, dem Mann des „geruhigen“. Lebens, der mit seiner Stellung und seinenEinkommen zufrieden ist und deshalb keine weiteren Austrengungen macht, oder der sich sobald als möglich von seiner Tätigkeit zurückzieht. Interessant an diesem medizinisch gewiß höchst anfechtbaren Ergebnis der Umfrage ist die entschiedene Ablehnung jenes„Rentnerideals“, wie es ja besonders in Frankreich verbreitet ist. Der Amerikaner ist der Ansicht, daß der behagliche Genießer seine Pflicht gegen die Allgemeinheit verletzt und keine Berechtigung im Leben hat, und daß das Glück des Lebens im„schuellen“ Leben besteht. 8 Aommeen uum