Welthofener Zeitung Apierbecker Zeitung Langscheder Zeitung holzwickeder Zeitung Verbungen mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Die Schwerter Jeitung" erscheint Druck und Verlog: Car Braue. Celegr Adr.=Braus, Schwerteruhr. Cel.62 Postscheck Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Nichter; Stadt und Provinz= Ftiedr Kraas; sämtlich in Schwerte. Regelmößige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter. u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt. u Unterhaltungs- u. Romanbeilage. Spier, Sport und Curnen. m Lebensbild. Kunst u. Wissen. u Gartenratschläge. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Nr. 104 Donnerstag, 4. Mai 1922. 55. Jahrgang Zum Geleit. Der Mensch ist im Grunde ein wildes, entliches Tier Wir kennen es bloß im Zustande Bändigung und Zähmung, welche Zivilisation sißt; daher erschrecken uns die gelegentlichen kisbrüche seiner Natur. Aber wo und wann mal Schloß und Kette der gesetzlichen Ordnung fallen und Anarchie eintritt, da zeigt sich, was ist. Schopenhauer („Pärerga und Paralipomnea“). Für eilige Leser. Neuigkeiten aus Nah und Fern. Ein Brief Tschitscherins an Barthon hat in buferenzkreisen außerordentlichen Eindruck gebcht. Auf den Brief Tschitscherins hat Barthou höfgeantwortet, mit dem Bemerken, daß er von In Brief Kenntnis genommen und ihn gleich an incaree weitergeleitet habe. Am 27. April wurde in Paris zwischen dem sutschen Botschafter und dem polnischen Gesanddie Ratifikationsurkunde über den freien #irchgangsverkehr zwischen Ostpreußen und dem tigen Deutschland ausgetauscht. * Der Reichspräsident drückte dem Könige van bweden anläßlich des auf der Fahet von Rtzza h Genf erlittenen Autounfalles seine Anteilhme und Wünsche für baldige Wiederherstellung Das ägpptische Scheinltonigreich. Notterdam, 2. Mai. Wie es mit der versprochenen Unabhängigkeit Aegyptens aussieht, zeigt eine Meldung aus Kairo, in welcher mitgeteilt wird, daß die öffentliche Sicherheit in Aegypten künftighin unter die Kontrolle von zwei Generaldirektoren gestellt werden soll, von denen der eine ein Ergländer ist, der andere ein Aegypter. Demn ersteren unterstehen alle Angelegenheiten, bei denen es sich um Ausländer handelt, während der andere alle ägyptischen Angelegenheiten behandelt. Die beiden Ernennungen sind schon erfolgt. Bisher sind alle Versammlungen der Nationalisten einfach verboten worden. Am Sonntag setzten sie es jedoch durch, daß ihnen gestattet wurde, in Gizeh, 75 kilometer westlich von Kairo, eine Versammlung abzuhalten, die ruhig verlief. Es wurde beschlossen, eine Abordnung an den König schicken und diesen zu bitten, zugunsten Zaghuls einzuschreiten, damit er nach Aegypten zurückgebracht werde. Wie von amtlicher Seite verlautet, ist der westlische Provinziallandtag auf den 21. Mai einufen. In Cincinnati wird ein„Ballpark“ errichtet. mit fünf hohen Stahltürmen ausgerüstet wer# wird zur Aufnahme künstlicher, tagheller elekscher Sonnen. Man will dadurch die nationalen allspiele bis in die tiefe Nacht hinein ermögben. Die Arbeitslosigkeit ist in allen Staaten zuge des Krieges und des Versailler Vertrages Inz ungeheuer groß, sie beträgt etwa 23 Prozent 10 Prozent. Die juristische Unterkommission des Wiedermachungsausschusses hat Einspruch gegen den frtrag von Rapallo erhoben, weil er gegen den ertrag von Versailles verstoße. Daraus ergibt b, daß über den deutsch=russischen Vertrag die len noch keineswegs geschlossen sind. Die Zimmerleute der Vulkan=Werft in Stettin nd in den Streik getreten. Infolge dieses Streifs rzögerte sich auch der Stapellauf eines 15.000 bunen=Dampfers. der von dem Norddeutschen ody gebaut war und am Sonnabend früh vom tapel laufen sollte. * In Mainz kam es während des Maiumzuges einem ernsten Zwischenfall, bei dem ein amerinischer Geheimpolizist schwer verletzt wurde. Der regelmäßige Luftverkehr, Berlin—Moskau l schon in allernächster Zeit ausgenommen wern und zwar dreimal wöchentlich. Die Flugriching ist Smolensk—Kowno—Königsberg. An diet Linie werden mehrere Haltestellen eingerichtet. * In Riga betrat ein junger Mann eine Wohuing in der Ritterstraße und fragte harmlos nach nem Beil zum Holzzerkleinern. Als er es er##lten hatte, erschlug er den Mann, Frau und nen 2 Monaten alten Knaben. Beim Verlassen r Wohnung traf er auf der Treppe den Hausfrrn, den er ebenfalls erschlug. Der Mörder ubte 30000 Rubel und entkam unerkannt. * Nach einer Meldung aus Washington arbeite Senator Lodge eine Resolution aus, wodurch das Wiederaufleben der Copyrightverträge mit Deutschland und Oesterreich vorgesehen ist. * Drei der ersten Bankiers Europas, alle drei Mitglieder der Finanzkommission, erklärten übereinstimmend auf die Frage, was in der Finanzfrage bisher in Genua zustandegekommen sei: „Nichts!" * Der frühere Schriftleiter der in Jena gedruckten und auch in Erfurt täglich erscheinenden kommunistischen Zeitung„Rotes Echo“, mit Namen Zierfuß, ist spurlos verschwunden. Wie man hört, hat der„Erfurtmüde“ ein ansehnliches„Reisegeld", und zwar gegen 100000 Mark Parteigelder mitgenommen. * Um die freigewordene Stelle des ersten Bürgermeisters von Fürstenwalde an der Spree hat sich auch Philipp Scheidemann, der jetzige Oberbürgermeister von Kassel beworben. Scheidemann begründet diese Bewerbung damit, daß er sich von Fürstenwalde aus besser dem Parteileben und der parlamentarischen Tätigkeit widmen könne. Seine Wahl ist nach Fürstenwalde ziemlich sicher. K Genua. Vertagung der Genua=Konferenz um 5 Monate. Es wird berichtet: Genna, 3. Mai. Der tschechoslowakische Ministerpräsident Benesch hat einen Antrag gestellt, die Konferenz angesichts ihrer ungenügenden wirtschaftlichen Vorbereitung um fünf Monate zu vertagen. In dieser Zeit soll jeder Staat zu den in Genua aufgeworfenen Fragen, Stellung nehmen. Es wird behauptet, daß in ikalienischen Kreisen der Vorschlag Benesch eine nicht ungünstige Aufnahme gefunden habe, da man so eine Möglichkeit sehe, aus einer schwierigen Lage herauszukommen, in die man, zumal Amerika unbeteiligt geblieben ist, nur ungern hineingeraten sei, die man aber mit Rücksicht auf die inneren italienischen Angelegenheiten und die Sympathien des ikalienischen Proletariats mit Rußland nicht selber abbrechen möchte. Der geheimnisvolle Llond George. Genna, 3. Mai. Nach der Abreise Barthous erfährt man, daß auch Lloyd George Genua für 48 Stunden verlassen wird. Das Ziel seiner Reise ist nicht bekannt. In italienischen Kreisen erinnert man daran, daß LloydGeorge schon längst beabsichtigte, mit Frau und Tochter Florenz zu besuchen. Auffallend ist die strenge Beobachtung der Verschwiegenheit durch die italienischen Behörden. Die Beratungen in Paris. Paris, 4. Mai. Havas zufolge wird Barthou heute vormittag 11 Uhr in Paris eintreffen. Um 2 Uhr soll in seiner Anwesenheit der Kabinettsrat zusammentreten. Paris, 4. Mai. Die nationalistische Libertee erhält von ihrem Sonderberichterstatter in Genua ein Telegramm, demzufolge Barthou nach Paris Vorschläge Lloyd Georges mitbringt. Wenn Frankreich ihm nicht in seiner russischen Politik folgen werde, werde Lloyd George ohne frankreich mit Sowjetrußland verhandeln. Wenn Frankreich es ablehnt, nach San Remo zu kommen, wird er das als eine Art Bruch betrachten. Diese Haltung habe gestern zu dem bedauerlichen Ergebnis geführt, daß Barthou Belgten allein gegen das für die Russen bestimmte Memorandum protestieren ließ. Wenn wir nicht unsere letzten Freunde unterstützen, fügt der Berichterstatter hinzu, laufen wir Gefahr, morgen völlig allein dazustehen. Wenn wir nicht reagieren, wird Lloyd George uns zwingen, uns einem Plan zu fügen, der die Abrüstung und den Verzicht auf alle Reparationen bedeutet! Die Erklörungen Poincarces. Paris, 4. Mai. In hiesigen politischen Kreisen wird der Reise Barthous entscheidende Bedeutung beigemessen. Der Staatsausschuß und der Kammerausschuß für äußere Angelegenheiten werden am Donnerstag einberufen. Ministerpräsident Poincaree hat sich bei dem gestrigen Presseempfang am Quai d’Orsey geäußert. Zur Hauptfrage, dem europäischen Pakte, betonte er, die französische Regierung sei zur Unterzeichnung des in Genua vorgesehenen Paktes bereit, doch werde man prüfen müssen, ob dieser mit der Völkerbundsakte im Einklang steht, und das Recht der verbündeten Regierungen auf die Verhängung von Sanktionen im Falle einer Verletzung des Versailler Vertrages durch Deutschland., nicht antaste. In der Frage des Obersten Rates vertrat Poincaree seine alte Auffassung, daß es nach Frankreichs Ansicht vorzuziehen wäre, wenn die Verbündeten ihre Meinung auf dem normalen diplomatischen Wege austauschten, so daß eine Tagung des Obersten Rates vor dem 31. Mai unnötig erscheine. Der Kampf der beiden Füchse. Der Vertreter eines neutralen Staates in Genua hatte, als Lloyd George zunächst langsam die Verwandlung der Szenerie vornahm, angenommen, allein diplomatisches Ränkespiel treibe den alten Waliser, Barthon zu Unvorsichtigkeiten zu zwingen.„Komödienspiel Lloyd Georges“. Es war etwas mehr. Es war der Kampf eines der Väter des Versailler Vertrages um die Schachmattsetzung derer, die diesen verderblichen Unfriedensvertrag noch heute angeblich im Namen der heiligen Revanche Frankreichs und der Weltgerechtigkeit anbeten, die aber dabei gegenüber Europa die Rolle der docteure diaboliques spielen und den Frieden vergiften. Schrittweise hat der britische Premier die intransigente Haltung des Poincarismus zu unterhöhlen versucht. Er hat zunächst die Verhandlungen mit Rußland als wirtschaftlicher Art, die mit Deutschland als wirtschaftlicher Natur, gefesselt durch die Versailler Politik, bingestellt, und ist so, nach der Poincareerede in Bar le Duc mit ihrem unverhüllten Ultimatum an Deutschland, dazu gekommen, als Sprecher des reif gewordenen Weltgewissens den Hauptschlag gegen die französische Politik zu führen. In seinen Blättern(Daily Telegraph, durch Gardiner, durch die Sunday Times) propagandiert er den Kampf gegen den Versailler Friedenstag mit sehr starken Worten. Das ursprüngliche Ziel der Konferenz, Aussprache über wirtschaftliche Vernunft, wird so über die Hemmungen Frankreichs hinweg zu einer Aussprache über die Revisionsfähigkeit des Versailler Friedensvertrages, also das, was Poincaree und sein Phonograph Barthou mit allen Drohmitteln vermeiden wollten. Die russisch=ententistischen Schriftwechsel sind angesichts dieser Tatsache bedeutungslos. Lloyd George kämpft seinen letzten Kampf. Im Unterhause hat er Chamberlain erklären lassen, England werde niemals zu Sanktionen militärischer Art seine Zustimmung geben. Und damit ist die Krise auf dem Gipfel in dem Augenblick, da in Genua eine Verhandlungspause einsetzte. Poincaree hat mit allen Mitteln der Presse, der Suada, der Drohungen, versucht, Lloyd George abermals zur Nachgiebigkeit gegenüber Frankreich zu veranlassen. Er konnte nicht erwarten, daß seine Rede gegen Deutschland Lloyd George zu einer so schroffen Stellung zwang, da die Briten bis jetzt den Reden der Franzosen wenig Gewicht beigelegt hatten. Der Advokat Poincaree hatte sich hier in seislem Gegner verrechnet. Lloyd George antwortete mit dem Europapakt, kennzeichnete Frankreich als Störenfried und drängte so Poincaree in die Verteidigung. Diese Verteidigung ist ziemlich schwächlich ausgefallen. Noch heute kämpft Poincaree einmal darum, daß der Europapakt ausdrücklich die Sanktionen gegen Deutschland einhalten solle, dann, daß die Reparationskommission Frankreich gewissermaßen das Mandat aufhalsen muß. Aber anscheinend hat selbst die Reparationskommission der feindlichen Mächte nichts vertragswidriges im Verhalten Deutschlands finden können. Poincaree rechnet selbst mit der Möglichkeit, daß erst in Monaten, nach dem verhängnisvollen 31. Mai, die Reparationskommission Zwangsmaßnahmen gestattet. In diesem Augenblick erscheint Barthon in Paris. Man ist wieder„sehr einig", aber marschiert Poincaree am 31. Mai nicht, wird er hinweggefegt. Die Engländer rechnen damit. Gardiner, einer der besten Publizisten Englands, prophezeit am Sonntag die Katastrophe— Poincarees. Vor dieser Katastrophe kann sich Poincaree nur durch ein Mittel retten, durch den Gewaltakt. Dann wäre die Entente endgültig zerbrochen und die französische Politik wäre am Ziel, das über dem Abgrund hängt. Aus Stadt und Land. Schwerte, 4. Mai 1922. Erinnerungen. 1521 Luther wird auf die Wartburg gebracht. 1848 Verkündigung der 2. Republik in Paris. 1892 Der Dichter Hans Herrig gest. *“ Bitte an die Ausflügler. Beim Wiedererwachen der Natur werden viele ins Freie eilen, um sich an bunten Frühlingsblumen, am frischen Waldesgrün und an blühenden Obstbäumen zu erfreuen. Dieser Frcude wird nun Ausdruck gegeben durch ein Sträußel am Hute oder durch Mitnahme nach Hause als Zierde auf dem Tisch. Niemand wird dagegen etwas einwenden. Wenn man aber am Abend eines sonnigen Frühlingstages die heimkehrenden Wanderer und die Fülle der zum Teil großen Sträuße sieht, die mitgebracht werden, und dabei bedenkt, daß viele Blugnenisträuße vorzeitig weggeworfen oder achtlos liegen gelassen werden, dann wird man zugeben müssen und auch verstehen, daß die Pflanzenwelt besonders in der Umgegend der Städte immer mehr verödet. Seltene, durch große Blüten ausgezeichnete Pflanzen werden allmählich ganz verschwinden. Will man also etwas von der Blüttenpracht draußen mitnehmen, um damit sein Heim zu schmücken, so beherzige man folgende Dichterworte: Brichst du Blumen, sei bescheiden, Nimm nicht gar so viele fort!... Nimm ein paar und laß die andern In dem Grase, an dem Strauch. Andre, die vorüber wandern, Freun sich an den Blumen auch. ** Die diesjährige Frühjahrs=Kirmes hätten wir ja auch wieder glücklich überstanden und auf den gestrigen ausgelassenen Jubel und Trubel, auf das Gequitsche und Gejohle und sonstige wunder schöne Musik mancherlei Art, ist wieder Ruhe und friedliche Stille gefolgt und die Anwohner des Marktes und der benachbarten Straßenteile wer den sicherlich froh sein, daß sie heute Nacht wieder ungestört schlasen können. Wenn auch der Aufbau der Budenstadt nicht so umfangreich war, wie in den letzten Jahren, so herrschte doch dank des günstigen Wetters ein großer Betrieb auf dem Jesplatz und Gelegenheit zum Loswerden der kumpigen Papierscheine war übergenug vorhanden. Und von dieser Gelegenheit wurde reichlich Gebrauch gemacht, sicherlich nicht zum Leidwesen der Aussteller, Buden= und Karussellbesitzer, die den Geldsegen kaum bewältigen konnten. Und wie auf dem Markt des Lebens so war es auch in den Gaststätten ind Vergnügungslotalen, wo unsere Vucgerschaft nach altem Brauch bei Rinderwürsten und sonstigen leivlichen und geistigen Genüssea, bei Konzert et:. Kirmes feierte. Und dus man dieser Gelegenkeit gestern etwas länger als sonst am Stammtisch hleble das gehört nun einmal zu einer echten Schwerter Kirmes. ** Zur Bauarbeiter Aussperrung. Die Regierung greift in die Aussperrung der Bauarbei ter ein. Der Reichsarbeitsminister hat die Vertreter der Arbeitgeber im Baugewerbe und der ausgesperrten Bauarbeiter nach Berlin geladen zur Einleitung von Einigungsverhandlungen zur Aufhebung der Sperre u. Regelung der Lohnverhältnisse. Ausgesperrt sind bisher über 25.000 Bauarbeiter im Westen. ** Ruhrtaler=Konzert. Wie schon kurz mitgeteilt, gibt der Ruhrtaler Sängerverein am kommenden Sonntag sein diesjähriges Frühjahrs Konzert am Freischütz. Ein auserlesenes Programm schöner Natur=, Volks= und Kunstlieder ist aufgestellt, um den Freunden edlen Männergesanges einen hohen Genuß zu bieten. Als Neuheit singt der Verein den Kunstchor„Die Ablösung“ von Herm. Hutter, dem modernen Schweizer Kom ponisten, der in äußerst realistischen Farben den Tod eines erfrierenden Postens malt.— Neben den gesanglichen Darbietungen steht den Kunstfreunden noch ein besonderer Genuß bevor. Zur Mitwirkung sind Herr und Frau Schmidt=Reinecke(Harfe und Geige) gewonnen worden. Die Namen dieser auch hier geschätzten Dortmunder Künstler bürgen für einen hohen Kunstgenuß. Frau Aenne Schmidt=Reinecke spielt Soli auf der Harfe, jenem Instrument, das man so selten im Konzertsaal erklingen hört. Besonderen Beifall wird sicher das wunderbare Zusammenwirken von Harfe und Geige finden.— Von großem Interesse wird auch das Auftreten des Opernsängers Otto Nerz aus Münster sein, der hier kein Unbekannter mehr ist. Sein Vortrag und sein frischer Tenor, den eine weiche, innige Tongebung auszeichnet, werden sicher starken Beifall finden. Ausgezeichnete Kritiken über Konzerte in Dortmund und Mülheim geben Zeugnis von seiner reisen Kunst.— So wird das Konzert am Sonntag Genüsse mancherlei Art bieten, sodaß der Besuch desselben sehr zu empfehlen ist. ** Westhofen, 3. Mai. Stadtvertretung. der letzten Sitzung der Stadtvertretung wurde zunächst über einen Antrag des Fuhrunternehmers Henze auf Erhöhung seiner Gebühren verhandelt. Es wurde anerkannt, daß das Fuhrwerk heute so billig nicht mehr gestellt werden kann; weil aber die Vertretung nicht gern die Gebühren für Müllabfuhr, die jetzt pro Zimmer 2 Mark betragen, erhöhen möchte, soll versucht werden, sämtliche Gemeindefuhren, mit Einschluß des Leichenwagens, Martin Salander. Roman von Gottfried Keller. 71(Nachdruck verboten.) „Der Unterbeamte, der bei Ihnen war,“ fuhr er Weidelich gegenüber fort,„ist auch zu mir auf das Bureau gekommen. Es scheint aber ein voreiliger und zu diensteifriger Mensch zu sein; mir fiel auf, daß er nicht genaueren Aufschluß geben konnte und überhaupt am Sonntag in solchen Geschäften herumlief. Auch bei mir wollte er ver nehmen, was ich allenfalls für den Schwiegersohn zu tun gesonnen wäre, damit eine Strafklage un terbleiben könne. Das ist eine gute Meinung, die jedoch zu einem Bescheid vorderhand nicht hinreichte. Ich machte mich auf den Weg, um geeig neten Orts Bestimmteres zu vernehmen. Es ist keine Rede von Fahrlässigkeiten und dergleichen Dingen, deren Folgen niedergeschlagen werden könnten. Isidor hat unter Mißßbrauch des Amtes so unglaublich kühne Dinge unternommen, daß die Entdeckung immer an einem Haare hing und endlich in vergangener Woche eintrat. Drei Tage dauerte die Untersuchung der Bücher auf seiner Kanzlei. Gestern waren die Hundertundfünfzigtausend überschritten, und noch soll kein Ende abzusehen sein. Darum wurde das Verfahren in Unterlaub abgebrochen und nach Münsterburg verlegt.“ 17. Jeden Tag enthielten die Zeitungen nun Nachrichten über den Fortgang der Untersuchungen, deren Ergebnisse sich nicht so glichen, wie einst die Brüder Weidelich. Dadurch gewann jeder dem andern gegenüber eine gewisse Originalität, was man nie für möglich gehalten hätte. an einen Unternehmer zu vergeben. Zum zweiten Vorsteher-Stellvertreter wählte die Versammlung den Stadtvertreter Krämer. Den Leyrern an der fortbildungsschule wurde die seither gezahlte Vergütung erhöht, desgleichen der Gemeindeschwester und dem Ziegenzuchtverein Sypurg ein Zuschuß von 500 Mart bewilligt. Für die notleidenden Kleinrentner wurde das übliche Drittel, zu dem der Staat die übrigen 2 Drittel trägt, bewilligt. Da in letzter Zeit oft Diebstähle in der Nacht vorgekommen sind, soll der Nachtwächter nur noch Nachtdienst machen und die übrigen Arbeiten am Tage von anderen Angestellten verrichtet werden. Für einen neu eingerichteten Unfall=Meldedienst in Schwerte wird die anteilmäßige Garantiesum me bewilligt. Die Stahlwerke Brüninghaus haben einen auf Gummirädern laufenden Krankenwagen angeschafft, den sie der Gemeinde für eine mäßige Gebühr von 3 Mark für jede Benutzung zur Verügung stellen. Das Angebot wurde angenommen. Als Gemeinde=Hundesteuer, die bisher für Westhofen 6 Mark und für den Ortsteil Buchholz 1,50 Mark für jeden Hund betrug, soll jetzt die doppelte Steuer gelten und für jeden dritten und jeden weiteren Hund das zehnfache. Aus den Provinzen. Hörde, 3. Mai. Wohnungsluxussteuer. Die Stadtverordneten haben den Erlaß einer Wohnungsluxussteuer beschlossen. Jedes Zimmer, das überflüssig ist, soll mit 100 Prozent des ortsüblichen Mietswertes dieser Räume besteuert werden. Rüdinghausen, 3. Mai. Tot aufgefunden. In dem sog. Kalten Born wurde der seit Dezember 1921 vermißte Friedrich Striewe aus Stokkum in total verwestem Zustande aufgefunden. Striewe hat im Alter von 65 Jahren durch Erhängen Selbstmord verübt. Er ist der Leichenhalle auf dem Schnee überführt worden. Dortmund, 3. Mai. Abenteuernde Lehrkinge. Zwei 17jährige Schlosserlehrlinge aus Mengede entliefen der Zucht ihres Lehrmeisters, stahlen einem Onkel in Sodingen 25000 Mark und wandten sich nach Hamburg, wo sie versuchten, für 20000 Mark ein Schiff zu einer Nordseefahrt zu chartern. Sie biederten sich dabei mit zwei„Schiffsmaklern“ an, die sich hernach als Kriminalbeamte entpuppten. Wie sich bei der Vernehmung der unternehmungslustigen Burschen herausstellte, hatten diese, verleitet durch das Lesen von Schundbüchern, den abenteuerlichen Plan gefaßt, eine Seeräuberbande zu bilden. Soest, 3. Mai. Tödlicher Unglücksfall. Bei dem Abbruch einer Scheune auf dem Hofe des Gutsbesitzers Schulte=Krick in Völlringhausen ist der Knecht Kirchhoff von einem abstürzenden Balken erschlagen worden. Paderborn, 3. Mai. Preistreibereien mit Milch. Der Verwalter der Genossenschaft Erwitte, die jährlich etwa 2½ Millionen Liter Milch umsetzt, hatte während der Zwangsbewirtschaftung Milch nur gegen Ueberpreise abgegeben und dadurch einen Mehrgewinn von rund einer Million Mark hereingebracht, außerdem hatte er persönlich Bestechungsgelder von mindestens 163000 Mark angenommen. Das Gericht ver urteilte den Verwalter—Theodor Röhe ist sein Name— zu neun Monaten Gefängnis und Einziehung der empfangenen Bestechungsgelder. Der mitangeklagte Milchhändler Pütz wurde wegen Bestechung in eine Geldstrafe von 25000 Mark genommen. Die Vorstandsmitglieder der Genossenschaft erhielten wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht Geldstrafen von 10000 bis 1000 Mark zudiktiert. Die Einziehung der erzielten Ueberpreise Isidors Wirkungskreis umfaßte eine Anzahl bäuerlicher Gemeinden, die um diese Zeit just in der Verbesserung ihrer Kreditverhältnisse begrifsen waren. Sie bildeten Genossenschaften für gegenseitiges Gewährleisten der hypothekarischen Sicherheit und dergleichen, kündeten dann insgesamt die beschwerlichsten wie die schlechteren Pfandbriefe und boten den Gläubigern neue Titel zu billigerem Zinsfuße an. Da gleichzeitig viele Kapitalisten ihr in Aktienunternehmungen angelegtes Geld nicht mehr sicher sahen, griffen sie gern wieder nach dem Grundbesitz. Der Notar aber war der Mittelsmann und Führer der gan zen Bewegung. Er schrieb ein Anleihen nach dem amnderen aus, nahm die Einzahlungen in Empfang, löste die gekündeten Briefe ab, indem er die alten Gläubiger auszahlte und den neuen die neuen Pfandbriefe ausstellte und protokollierte, was das Zeug hielt: weil das alles sich in die Millionen belief, so verfuhr er vielleicht bescheiden, wenn er von den vielen Geldern, die ihm zwischen die Hände gerieten, nur einige Hunderttausend veraberwandelte, um damit sein Glück im Lörsenspiel zu versuchen. Da er, wie recht und billig, als hohler Kopf, der ohne alles Urteil dareinfuhr, nur verlor, so sah er sich bald genötigt, einen veruntreuten Posten durch einen anderen zu ersetzen und darin immer eifriger fortzufahren, indem er rüstig die Schuldbriefe ausstellte und zuerst mit einiger Auswahl, dann ohne Wahl das dafür erhaltene Kapital zurückbehielt. Es handelte sich ohnehin um eine weitläufige und langwierige Besorgung, und so vermochte er längere Zeit die Leute mit allerlei trockenen Redensarten hinzuhalten, auch im dringenden Fall durch einen neuen Eingriff vorzubengen, immer in der Hoffnung, das Glück werde endlich großartig einbleibt dem Verfahren gegen die Genossenschaft vorbehalten. Gelsenkirchen, 3. Mai. 8 Monate Gefängnis wegen Milchpantscherei. Von dem hiesigen Schöffengericht wurde die Frau des Milchhändlers Falk von hier wegen Milchverfälschung— die Milch hatte 10 Prozent Wasserzusatz zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Von der Strafkammer in Essen ist die Frau gestern zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Bochum, 3. Mai. Liste für Wohnungssuchende geschlossen. Nach einer Bekanntmachung des Magistrats ist die Liste für Wohnungssuchende bis zum 1. Oktober geschlossen. Die Zahl der unerledigten Wohnungsgesuche betrug am 1. April 10924. Darunter befinden sich 454 ganz dringliche Gesuche, sowie 4300 wohnungslose Familien. Durchschnittlich laufen täglich 24 Neumeldungen ein, aber nur vier Wohnungen können im Durchschnitt täglich vergeben werden. Duisburg, 3. Mai. Hochofen durchbruch. Auf dem Hochfelder Hüttenwerk erfolgte ein Hochofendurchbruch. Es erfolgten sieben Explosionen, die mit großer Rauchentwicklung und Steintrümmerschlag verbunden waren. Die Arbeiter konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Rheindahlen, 3. Mai. Ein Opfer ihres Leichtsinns. Eine junge Frau wollte hier auf einen fahrenden Straßenbahnwagen springen; sie kam dabei zu Fall und wurde von dem Anhängerwagen überfahren und getötet. Lehle Brahtmeldungen. Die zweite Vollsitzung. Genna, 4. Mai. Die heute vormittag 10 Uhr eröffnete zweite Vollsitzung der internationalen Wirtschaftskonferenz von Genua bot äußerlich dasselbe Bild wie die erste. Sämtliche Zugänge sind durch Militär abgesperrt. Nur eine beschränkte Zahl von Zulassungskarten ist gegeben worden. Das Memorandum an Rußland. wurde spät abends den Russen übersandt unter dem Vorbehalt der nachträglichen Genehmigung der französischen und belgischen Regierung. Hermes geht nicht mehr nach Genua. Berlin, 4. Mai. Wie verlautet, wird Reichsfinanzminister Dr. Hermes nicht mehr nach Genua zurückkehren, da die Beratungen, die seine Anwesenheit dort notwendig machten, im großen und ganzen beendet sind. Die neuen Beamtengehälter. Berlin, 4. Mai. Bei den gestrigen Verhandlungen mit den Gewerkschaften im Reichsfinanzministerium über die Erhöhung der Einkommen für Beamte und Staatsarbeiter wurde von Regierungsseite der prozentuale Teuerungszuschlag in der von den Gewerkschaften gewünschten Höhe von 30 Prozent als tragbar erklärt. Nach der Deutschen Allg. Ztg. würden die Forderungen der Gewerkschaften etwa 40 Milliarden betragen. Die bisherigen Zugeständnisse der Regierung würden eine Mehrbelastung des Haushaltes um etwa 30 bis 35 Milliarden bringen. Weitergehende Forderungen wurden dagegen abgelehnt. Tumulte in Berlin. Anläßlich der neuen Tumulte vor dem Rathause in Berlin wird in den Kreisen der Stadtverordneten angeregt, daß für das Rathaus eine sogenannte Bannweile geschaffen wird, so daß jede Demonstration in unmittelbarer Nähe der städtischen Gebäude verboten ist. schlagen und alles in Ordnung bringen. Er war sogar so kühn, viele gelöschte alte Titel, statt sie den Schuldnern zu übergeben, ohne Vermerk bei auswärtigen Bankgeschäften zu versetzen, während sie doch in den Protokollen abgeschrieben waren. Auf diese Art gewann er mehr als einmal den doppelten Betrag am nämlichen Briefe. Hierbei führte er lange eine ziemlich sorgfältige geheime Buchhaltung, bis ihm dieselbe gleich dem ganzen Schwindel selbst über den kopf wuchs und er die Uebersicht verlor. Julians Verfahren war nicht so mühselig und kühn. Er begnügte sich, von jedem Kaufschuldbrief, den er zu fertigen hatte, ein Duplikat und ein Triplikat herzustellen, letztere Stücke eigenhändig in stiller Nacht, und diese Kunstwerke in einer besonderen Schatztruhe aufzubewahren. Sobald er nun ungerechtes Geld bedurfte, suchte er ein oder mehrere Stücke hervor und schaute zunächst nur darauf, ob die Originale, nach dem Inhaber zu urteilen, in festen Händen ruhten. Ergab sich aber ein Mangel an Vorrat solcher Stücke, so verfertigte und malte er in aller Form gänzlich erfundene Pfandbriefe, die in keinem Protokolle standen, und er sorgte nur dafür, daß es Personen betraf, die in guter Sicherheit dahinlebten und sich nicht auf dem Geldmarkte umtrieben. Er belastete die Höfe wohlhabender Bauern mit Schulden zugunsten weit davon entfernter Rentner, die sich von der unsichtbaren Bereicherung nichts träunten ließen. Da namentlich diese ganz in der Luft hängenden Hypotheken sehr solid aussahen und von Bankbeamten beim Anblick der darauf figurierenden Namen als gut geschätzt und belehnt wurden, so beschränkte Julian sich zuletzt ausschließlich auf den bequemeren Zweig und behing ihn mit zahlreichen Früchten; je nach Bedürfnis pflückte er dieselben, Ueber die Vorgänge ist seitens des Polizch sidenten eine Untersuchung eingeleitet Gegenüber den Behauptungen, daß zwei Perz# getötet und 25 Personen schwer verwundet den, ist festgestellt, daß von den gestern auss Rettungsstellen behandelten 10 Verletzten led### zwei Demonstranten in das Krankenhaus bracht werden mußten. Proteststreit der Berliner städtischen Arbeite Berlin, 4. Mai. Der Oberbürgermeister Stadt Berlin wurde in Kenntnis gesetzt, das Funktionäre der städtischen Arbeiter beschle haben, am Donnerstag früh in einen 24stung Proteststreit einzutreten. Amm Handel und Berliner Börsenkurse, vom 3. Mai 1922 mitgekeilt vom Barmer Bank=Verein, Schy 5% Deutsche Reichsanleihe....... Barmer Bank=Verein...... Deutsche Bank Diskonto Dresdner Bank Hamb.=Amer.=Pak. Allgem. Elektr.=Ges. Baroper Walzwerk Bochumer Guß. Bösperde Walzwerk Daimler Motoren..... Deutsch=Luxemburg Deutsche Kaliwerke... Dynamit Elberf. Farbw. Essener Steinkohlen...... Gelsenkirch. Bergw Gasmot. Deutz.... Harpener Bergw. Hoesch Humbold! Masch. Mannesmann Oberschles Eisenb-Bed. Orenstein& Koppel........... Phönix Bergbau Peisholz Pap. Rhein. Stahlwerke.. Rombacher Schucker! Siegen=Solingen Ver. Di. Nickelwerke Wests. Draht=Ind. Wests. Eisen, Lagendreer.. Auslands-Wechselkurse der Berliner (Oenisenburfe Man zahlle deutsche Mark: für ai 2. 5. am 100 belgische Franken.. 2466,90 254 100 dänische Kronen... 6152,30 650 1 englisches Pfund... 1288,35 133 100 französische Franken. 2686,80 275 100 holländische Gulden 11036,15 1173 100 italienische Lire.... 1553.05 160 100 polnische Mark.... 7,20 100 schwedische Kronen 7530,55 78 100 schweizerische Franken 5642,90 588 100 tschechische Kronen. 588,30 59 Ein Dollar........ 291,13 304 um am letzten Tage des Monats die ansehn Börsenverluste zu decken. Auch er führte Buch über das Nevengesch schon um das Verzinsen auf den Banken nich versäumen, was nicht ratsam war, dann aber behufs einer wohlgeordneten Neihenfolge iun Rückzahlung der geborgten Gelder. Es war der beiden Brüdern gebliebene Anteil am nien lichen Idealismus, das Unrecht nur mit dem behalte zu üben, es mit Fortunas Hülfe rech tig gutzumachen und nicht etwa zugrunde zu hen. Das hielt ihren leichten Mut auch nach Falle aufrecht und gab ihnen das Bewußt# nicht zum Trosse verächtlicher Sünder zu gel# 18. Marie Salander stieg am nächsten Nachmi wirklich in den Zeisig hinauf, die alten Wegen sie einst gegangen, als der kleine Arnold harrte. Sie traf den alten Weidelich in sei Gemüsegarten. Als Frau Salander sich zwischen den langsam näherte, stieß er die Schaufel in die und ging, seinen alten Hut lüftend, ihr entg## „Lassen Sie sich nicht stören! Ich wollte# sehen, wie es Ihnen geht und was die## macht! Wir haben gehört, sie sei krank.“ „Es ist eine freundliche Nachfrage!“ sagte kob Weidelich.„Leider liegt die Frau im und ist schlecht dran! Sie hat einen Schlaga bekommen, als es hieß, der Julian habe sich flüchtet, er sei auch soweit wie der andere. len Sie nicht einen Augenblick hineingehen ich darf fast nicht sagen Frau Schwäher!" (Fortsetzung folg * Ent bell=Gärten Ratgeber zur Garten- und Jeldbestellung Schwerter Zeitung Ueber Vorfrucht und Düngung beim Braugerstenanbau. Man baue die Gerste möglichst nach Hackfrüchten, de diese einen unkrautfreien Boden hinterlassen. Am besten steht die Gerste nach Zuckerrüben, aber auch die Kartoffeln gelten als gute Vorsrucht. Nach Leguminosen(Klee und Hülsenfrüchte) soll Gerste nicht gebaut werden. Böden mit alter Kraft sind für den Braugerstenbau die geeignetsten. Daher bilden stark gedüngte Hackfrüchte(Rüben, Kartoffeln) die besten Vorfrüchte. Sie hinterlassen den Boden nicht nur in einem für die Gerste günstigen mechanischen Zustand, sondern auch verhältnismäßig rein von Unkraut; gleichzeitig haben sie bei normaler Entwicklung den vorhandenen Stickstoffüberschuß des Bodens verbraucht. Leguminosen lassen das Feld infolge ihrer stickstofssammelnden Tätigkeit durch Fixierung des Luftstickstoffes in einem zu guten Stickstoffdüngerzustande zurück, was besonders nach Kleearten zutrifft. Deshalb leidet die nachfolgende Geiste häufig unter Lager und gibt auch durch zu hohen. Eiweißgehalt schlechte Qualität. Die Gerste verlangt einen reichlichen und leicht assimilierbaren Nahrungsvorrat. Man trage diesem Bedürfnis Rechnung durch reichliche Phosphorsäure und Kalizufuhr. Kalkarme Böden sind unbedingt mit Kalk anzureichern, der auch zu anderen Früchten der Fruchtfolge verabreicht werden kann, Für leichte Böden ist die Kalidüngung besonders wichtig. Die Kalidüngung erfolge frühzeitig, möglichst schon im Herbst oder spätestens im Winter...... M„„6—fäure giht nief „Kali macht die Gerste dia, Phospholsaule giol viel Stück.“ Die Gerste verfügt nur über ein schwaches, wenig verbreitetes Wurzelsystem, daher kommen für sie schwerer erschließbare Nährstoffe des Bodens weniger in Betracht. Ihre Entwickelung erfolgt schnell, so daß sie ihren gesamten Nahrungsbedarf schon in verhältnismäßig kurzer Zeit decken muß, und zwar in der Hauptmenge in der Jugendperiode. Die Gerste verlangt besonders für ihre Jugendentwickelung einen reichlichen Vorrat an Nähr, stoffen in leicht aufnehmbarer Form, weil in dieser Hauptbedarfsperiode die Aneignungsenergie für die Bodennahrung durch die noch schwach entwickelten Aufnahmeorgane gering ist. Für konzentrierte Nährlösungen ist die Gerste besonders dankbar. Als Kalidünger spielen besonders die Rohsalze: Kainit, Karnallit, Sylvenit usw. eine Hauptrolle, und ihre frühe Anwendung im Herbst oder Winter gewährleistet eine gute Verteilung und Verbreitung dieses im Boden schwerer beweglichen Nährstoffes und hiermit zugleich eine rechtzeitige Wirkung. Dem Kochsalzgehalt des Kainits wird ein fördernder Einfluß auf die Entwickelung der Gerste zugeschrieben. Andererseits vermögen gerade diese chlorreichen Rohsalze infolge ihrer wasseranziehenden Eigenschaft leichte Böden wasserhaltender, bindiger zu machen und aufschließend auf das im Boden ausgespeicherte Nährstoffkapital zu wirken. Falls bei schweren Böden und verspäteter Anwondung eine Verkrustung des Ackens zu befürchten steht, ist das 40prozentige Kalidüngesalz zu bevorzugen. Die ganz verschiedenen Verhältnisse lassen allgemein gültige Angaben über eine zweckmäßige Höhe der Kali=Phosphorsäuredüngung nicht zu. Um wenigstenannähernde Angaben zu machen, würden etwa 700 bis 800 Kilogramm Kainit und ungefähr 200 Kilogramm hochprozentiges Superphosphat für eine Hektarernte von 3000 Kilogramm in Rechnung zu stellen sein, vorausgesetzt, daß der Boden annähernd die Hälfte der erforderlichen stofse aus seinen natürlichen Vorräten bereitzustellen vermag. Als Phosphorsäuredünger hat sich Superphosphal am besten bewährt; dasselbe wird vorteilhaft bei Vorbereitung des Ackers zur Saat gegeben. Da das Kalkbedürfnis der Gerste sich höher als das anderer Körner. früchte stellt, ist der Boden von Zeit zu Zeit mit Kalk zu versehen, wofür Mergel, Aetzkalk, kohlensaurer Kalk, Scheideschlamm in Frage kommen; auf schweren Böden wirkt überdies Kalk gut zermürbend. Bei der Stickstoffdüngung ist große Vorsicht notwendig, weil reichliche Stickstossversorgung die Gerste eiweißreich und damit für Brauzwece geringwertig macht. Man beachte auch die Stickstoffdüngung zur Vorfrucht, so wie die Ernteerträge der Vorsrucht, und man bemesse hiernach die Stickstoffdüngergabe. Direkte Stallmistdüngung vermeide man. Bestimmte- Angaben über die zulässige Höhe einer Stickstofidüngung lassen sich nicht machen. Die stark gedüngten Jackfrüchte als Vorfrüchte der Gerste lassen selbst bei guter Ausnutzung der Stickstossvorräte des Bodens immer noch genügende Mengen hiervon zurück, so daß oft eine erneute Sticlstoffzufuhr zur Gerste ganz unterbleiben kann. Wo dieses nicht zutrifft, hat sich die Stickstoffdüngung in jedem Falle nur in bescheidenen Grenzen zu halten, wegen Begünstigung der Lagerfrucht und Entstehung eiweißreicher Geisten. Ein Zuwenig ist stets besser als ein Zuviel. 50 bis 100 Kilogramm schwefelsaures Ammoniak pro ein Hektat, je nach den vorliegenden Verhältnissen, werden in der Regel genügen. Der Stickstossdünger wird zusammen mit dem Superphosphat bei Vorbereitung des Feldes zur Saat mit untergebracht. Chilesalpeter gibt man Zweckmäßig nur nach Bedarf und in mäßigen Teilgaben als Kopfdüngung, etwa zwei bis drei Wochen nach Aufgang der Saat, jedenfalls aber vor dem Beginne des Schossens. Die nachteiligen Qualitätswirkungen der Stickstoffdüngung lassen sich aber zum Vorteile der Ertragshöhe burch rechtzeitig verabfolgte reichliche Kali= und Phosphorsäureversorgung, sowie durch sorgsame Bodenkultur weitgehend einschränken. Es ist zu berücksichtigen, daß sich mit einem im Acker befindlichen Stickstoffvorrat verschieden hohe Ernten erzielen lassen. Je günstiger die außerhalb des Stickstoffs stehenden Vegetationssaktoren Kali, Phosphorsäure, Kalk, Wasser gestaltet werden, um so mehr steigen die Ernten; je großer die mit einer gegebenen Stickstoffmenge erzeugte Ernte ist, um so stickstoffärmer werden die Ernteerzeugnisse. Viehzucht. Die Räude der Pferde. (Nachdruck verboten.) Roch nie ist unter den Pferden die Räude so start wie mn der jetzigen Kriegszeit aufgetreten. Die Ursache liegt in dem Erwekb von Beutepferden, namentlich den russischen, welche die Krankheit mitgebracht und undere mit ihnen in Berührung kommende hiesige Tiere angesteckt haben. Obwohl die Räude anzeigepflichtig ist, so geschieht dieses in vielen Fällen teils aus Unkenntnis, teils aps Bequemlichkeit nicht. Zur Feststellung der Räudbedari es des mikroskopischen Milvennachweises nicht; deni bei keiner Hautkrankheit ist der Juckreiz und die im Ver laufe mit der Haut auftretende krustige, haarlose Veränderung so stark. Infolge des äußerst starken Juckreizes scheuern sich die Pferde an allen erreichbaren Gegen ständen nicht nur, sondern beißen sich sogar manchmal die Haut irund. Die Räude wird auf gesunde Pferde durch gegenseitige Verührung, also namentlich durch Zusammenspannen, dann durch das Putzgeschirr und durch alle ungereinigten Gegenstände, an welchen sich die räudigen gescheuert haben, übertragen. Die veraltele Ansicht, daß diese Krankheit ein Ausfluß übler Säste, gegen welche zur blutreinigende Mittel helfen, sei, ist längst durch den Nachweis der Räudemilbe wissenschaftlich widerlegt. gibt si gar 3 verschiedene Milben mit verschiedenen Namen und Lieblingssitzen n der Haut. Mit bloßen ist die Milbe nicht zu sehen; dazu bedarf es des Mikroskopes. Der Verlauf der Hauterkrankung und deren Ausbreitung ist je nach der Milbenart bald rascher, bald langsamer. Es vergehen indessen vom Tage der Ansteckung an immer zwei Wochen, bevor sich das Pferd scheuert und durch juckende, kleine Hautknötchen, haarlose Stellen, Schörfe usw. die Räude zu erkennen gibt. Geschieht nichts, so breilet sich das Leiden zuletzt über den ganzen Körper aus, so daß das Tier abmagert, ja sogar eingehen kann. Je länger die Räude dauert, ohne behandelt zu sein, desto mehr treten Hautveränderungen in Form von Haarausfall, Schörfen, Krusten, Faltenbildungen, Verdickungen, blutigen, nässenden Stellen usw. au, so daß das Tier ein trauriges, ekelhaftes Bild Die Behandlung ist eine rein äußerliche und zeitigt, je eher sie vorgenommen wird, ein rascheres oder langinmeres Resultat. Unter den vielen Mitteln sind Diehlol, Räudinol und andere Linimente den Waschungen vorzuziehen. In veralteten Fällen ist: die Räude schwer heilbar. Nach beendeter Kur müssen Geschirr, Putzgeschirr, Krippe, Wände usw. desinfiziert(Kalk und Soda) werden. Tierarzt Ehlers i. S. Geflügelzucht. Zur Auszucht der Kücken in den ersten Lebenslagen. (Nachdruck verboten.) Weit verbreitet ist noch immer die Annaime, daß die Kücken in den ersten Lebenslagen am besten mit hartgekochtem Ei aufzuziehen seien; ja manche setzen ihnen diese Speise schon vor, wenn die Tierchen kaum trocken geworden sind. Letzteres ist völlig falsch und verderblich; aber auch der Eisütterung an sich können wir nicht das Wort reden.— In den ersten 24 Stunden, besser noch in den ersten 48 Stunden, sollen die jungen Tierchen überhaupt kein Futter erhalten. Der kurz vor dem Schlüpfen eingezogene Dottersack gibt ihnen für eit ausreichende Nahrung. Eine weitere Zufuhr wirkt nur schädlich.— Hartgekochte Eier sind unserem Dasürhalten nach auch kein geeignetes Futter für den zarten Organismus. Es werden dadurch nur Verdauungsbeschwerden heraufbeschworen. Hirse, etwas Buchweizen= oder Hafergrütze, zerkrümeltes, altes Weißbrot, mit etwas Kleie verrührte Küchenabfälle, die im Ofen gebacken und dann zerkleinett werden, sind, ein viel besseres Futter für die ersten Tage. An kleingehacktem Grün darf es auch nicht sehlen. Will man spater etmas Eisutter reichen, sosern man die Schiereier dafür ausgehoben hat, so koche man dieselven mindestens eine halbe Stunde lang, da sie dann leichter verdaut werden. Frisches, klares Wasser muß den Tierchen vom ersten Tage an stets zur Verfügung stehen. Möglichst früy lasse man die kleine Schar auf kunz gehaltenen Rasen, aber nur bei warmem, trockenem Weiter. In nasses oder auch nur taufeuchtes Gras dürfen Nügken nicht gebracht werden. Auch zum Scharren gebe n ihnen stets Gelegenheit. Spreu oder Häcksel, mit k.einen Sämereien untermischt, sind vorzüglich dafür geeignet. Svigt man dann noch für genügende Wärme, eine garte Bodenschicht; die Erde unter der Overslacht bleibt naß und kalt, und die Folge ist, daß die Pflanzen von der mit Recht so gefürchteten Wurzelfäule befallen . allzu reichliche Di zung mit Jauche ist nicht immer empfeblenswert, da sehr viele Gemüse=Arten, wie z. B. Salat, Porree, Sellerie, Spinat, Kohl und Rüben einen schlechten Geschmack zeigen, wenn der Boden überdüngt ist. Ec gilt also auch hier, den goldenen Mittelweg einzuhalten, wenn nicht das Gegenteil von dem, was beobsichtigt ist, erreicht werden soll. Alle Gemüse, deren verdickte Wurzeln in der Küche Verwendung finden, dürfen nicht mit Jauche gedüngt werden: eine Ausnahme hiervon macht der Sellerie, der einen sehr großen Bedarf an Nährstossen hat. Grünkohl und Rosenkohl, die erst im November geerntet werden, konnen bis zum November mit Jauche gedüngt werden. Bei allen andern Kohlarten sollte die Düngung mit Jauche vom September ab eingestellt weckten. Haltung und Pflege des Goldsisches. (Nachdruck verboten.) Leider werden die armen Tierchen noch recht oft stiefmütterlich behandelt, teils aus Nachlässigkeit, teils aus Unwissenheit, und manch ein Tierchen stirbt, ohne daß man den eigentlichen Grund dazu kennt. Fast immer ist aber unrichtige Pflege schuld. Da ist zunachst das Futter. Man reiche dem Fischchen kleine Würmer, Eidotter, Fliegen, Ameiseneier, aber nur so viel, als es nur gerade frißt, dazu hin und wieder ein Blättchen Salat oder Brunnenkresse. Semmel und getrocknetes Brot ist den Tieren schädlich. Es stellt sich leicht Brand ein, die Tiere werden dickleivig, bekommen Verstopfung und gehen ein. Ferner sind die Behälter, in denen die Tiere gehalten werden, meist ungeeignet. Ein zu euges Beisammensein können sie nicht vertragen. Aus einen Fisch rechnet man 1½2 Liter Wasser. Sie lieben es auch, auf= und abzusteigen, weswegen höhere Gefäße vorzuziehen sind. Gläser, die sich nach oben verengen, sind zu empfehlen. Gegen das Herausspringen spanne man ein leichtes Netz über das Glas; auf den Boden streue man etwa fingerbreit hoch mittelstarken Sand und einige kleine glatte Kieselsteine. Es ist recht gut, wenn man einige Wasserpflanzen einsetzt, nur darf man des Guten nicht zuviel tun, damit die Fische in ihrer Bewegung nicht gehindert werden. Das Wasser muß ter erheuert werden und immer von derselben Art sein: r. muß stets aus derselben Leitung, demselben Brunnen, Dach oder Fluß genommen werden. Auch darf es nicht zu kalt sein; es muß ungefähr dieselbe Temperatur haben wie dus, das man eben sortgetan hat. Zum Ausfangen bediene man sich eines kleinen Netzes. Mit der Hand dür en die Fische nicht angefaßt werden. Auch die Steine und der Sand sind hin und wieder zu erneuern. Bei Beachtung obiger Winke wird man immer seine Freude an den muntern Tierchen haben, die bei liebevoller und sachgemäßer Pflege ein hohes Alter erreichen konnen. M. Tr. so nird man bringen. seine Lieblinge schon ohne Verluste hochSch. Gartenbau. Erdbeere Sankt Josef. (Nachdruck verboten.) Das letzte Jahrzehnt hat viele neue Erdbeerzüchlungen entstehen lassen, die teilweise von hohem Wert Aber es ist doch bezeichnend, daß diese Neuzüchim en nicht nur nicht die älteren Sorten verdrängt haben, sonvern daß vielmehr seit langer Zeit bekannte Sorten, die aber wenig gebaut wurden, trotz der vortrefflichen Nenzüchtungen an Verbreitung mehr und mehr gewinnen. Das pflegt doch ein gutes Zeichen zu sein, weil in ihnen ein guter Kern stecken muß, ohne den ein Erfolg nicht möglich sein würde. Zu Sorten dieser Art gehört ausZur Kultur der Tomake. (Nachdruck verboten.) Die Kultur der Tomaten im Freien ist nicht schwierig und dazu dankbar. Nur will die Pflanze einen gutgedüngten Gartenboden und einen recht sonnigen Stand zur vollkommenen Ausreife ihrer Früchte haben. Sonnige Südwände sind daher am geeignetsten, und wer solch ein warmes Plätzchen hat, möge getrost einen Versuch machen, * Junge Pflanzen müssen mit unzerdrücktem Wurzelhällen in die Erde kommen, damit keine Wachstumsstörung eintritt. Nach dem Anpflanzen gieße man durchdringend und binde dann die Pflanzen an vorher eingesteckte Stäbe. Die Pflanze darf nicht freistehen; denn sie überwindet die sich durch Umknicken ergebenden Schäden nur schwer, oft gar nicht. Bei anhaltender Trockenheit, besonders zur Zeit der Blüte, muß gut gegossen werden. Ein Jaucheguß, abends oder frühmorgens gut verdünnt gegeben, fördert besonders die gute Enzwickelung. teilhaft ist es, wenn man die Pflanzen am Spalier zieht. Stehen Wandflächen nicht zur Verfügung, dann pflanzt man zwei Reihen auf ein Beet und gibt in den Reihen gehörigen Abstand, da die Pflanzen später viel Raum gebrauchen. Will man Buschpfsanzen auf Beeten ziehen, so wird denselben die Triebspitze abgeknissen, sobald sich mehrere Blattknospen gebildet haben. Von den jo entstehenden Trieben bleiben am besten 3—4 stehen. Diese bindet man dann an einen Pfahl in gewohnter Weise. Sobald die Pflanzen blühen und gut angesetzt haben, bricht man den Trieben die Spitze aus und unterdrückt durch Entspitzen über dem zweiten Blattknoten die übermäßige Entwickelung neuer Seitentriebe. Bei Spalierpflanzen entspitzt man das erstemal, um die Bildung von Seitentrieben herbeizuführen. Diese werden dann nach genügendem Ansatz von neuem entspitzt. Alles Weitere muß dem richtigen Verständnis für Pflanzenkultur überlassen bleiben, dann wird die Kultur der Tomate dem Züchter nicht nur Freude, sondern auch Nutzen schaffen. Hv. Ueber Anwendung der Jauche im Gemüsegarten. (Nachdruck verboten.) Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, daß nach dem Düngen mit Jauche die Gartenbeete immer sogleich wieder aufzulockern sind, damit Licht und Würme ungehindert Zutritt zu den Wurzeln erhalten. Dort, wo die Lockerung unterbleibt, bildet sich um die Pflanzen „Saukt Josef“, die man in Kennerkreisen von jeher, aber allgemein erst neuerdings anerkannt hat. Diese Sorte ist verhältnismäßig hart gegen Spätfröste; auch das Auswintern, wie man es bei manchen echten Ananaserdbreren(Weiße Anangs, Uhü#e#pine apple u. a.) beobachtet, ist bei ihr ungentein selten. Die Fruchtbarkeit erreicht nicht zanz diejenige der Sorten, die wir zu den fruchtbarsten zühlen, dafür hat sie aber auch nicht den Fehler der merten dieser Ueberfruchtbaren, nämlich in der zweiten der Tragbarkeit viele verkrüppelte kleine Früchte zu bringen ohne Wohlgeschmack und Duft. Die urnet der Santt Josef ist trefflich zum Einmachen geeignet, weil sie nicht so stark zusammenfällt, wie die meisten anderen Sorten. Sie wird auch dabei nicht unangenehm lauschleimig an der Oberflache, läßt aber an der Saftürdung noch zu münschen übrig. Sie erreicht also nicht die deste Sorte zur Sastbereitung, die Bluterddeere. Sie en wickelt ihre Eigenschuften am besten in gutem Garten#rund oder altgearbeitetem, nahrhaftem Lehm, wird auch mint, wie etwa die sonst so vortreffliche„Deutsch=Evern“, in tielen, eingeschlossenen, nevligen, feuchten Lagen vom Meitau befallen. Nur trockene Böden sagen ihr nicht zu. Dort wird sie besser durch„Kaisers Sämling“ ersetzt. Soll man sein Urteil zusammenfassen, so muß man sagen, daß man bei dieser Sorte es mit einer gut, vornehmlich aber sinner tragenden Sorte für ziemlich jeden Boden und jede Lage zu tun hat, die den meisten der heute üblichen Massenträger an Wohlgeschmack und Verwendungsfähigkeit überlegen ist. Sie ist daher mehr eine vortreffliche Sorte für den Gartensreund, als für den Vernssobstzüchter. Gartendirektor Janson. 143 205 Bobach=Schnitte sind zu haben im Verlage dieser Zeitung Bell=Keichse der Aldde Bobach=Schnitte „ sind zu haben im Verlage dieser Zeitung K inderkleidung XOzranen, die wohl ihre eiggne Garderobe oder weutgzens einen Leit derselben arbeiten, jedoch nicht diei dieser Umstand mag im ersten Moment desremden. Ragen wir diese Frauen, warum sie die Kinderkleider rbeiten, ein Kinderkleid, an dem doch alles klein und zierlich ist, dann werden wir in vielen Fällen die Antwe as innen die Arbeit für Kinder nicht glückt und das sie ihnen deshalb keine Freude macht. Diese Antwort Dieser arbei das hnen die Atbeit für Lährend bete Aruyegue ie, euge guzgheer Biuder aufeziugs zuent Leif Hetzesgen glseiger. erfleider nicht selbt Antwort erhalten, r Kinder nicht glückt und daß sie ihnen deshalb keine Freude macht. Diese Antwort ist ein BeKinder nicht gmnat und uug f...... weis, daß für das Arbeiten der Kinderkleider ein besonderes Talent ersorderlich ist, aber auch, daß die Kinderkleidung von einem anderen Geist getragen sein soll als die Kleidung der Erwachsenen. Man muß selbst kindlichen=Gemütes sein, um zu wissen, was dem Kinde siteht und was es liebt, denn wir müssen auch etwas Rücksicht nehmen auf die Wünsche des Kindes: es liebt ja nur das, was seinem Sinn entspricht. Die meisten Frauen werden bei der Wahl der Kinderkleidung die Modenzeitung zu Rate ziehen, aber schließlich enthält sie vielerlei Schönes, daß schließlich auch die Wahl schwer werden und falsch ausfallen kann. Wie die Mode der Erwachsenen einfach und schlicht in den Linien ist, so natürlich auch die der Kinder. Und gibtes bei den Großen nichts, was drückt und beengt, warum sollen wir es den Kleinen zumuten? Die Jugend will toben, springen und lustig sein, einem Schmetterling gleich nirgends und überall sein. Das soll natürlich nicht heißen, daß das Röclchen so kurz ist, daß man nach einem neuen Wort sucht, denn selbst Röckchen ist zuviel gesagt. Das Wesen des Kindes bedeutet Helligkeit und Freude, also muß diesem 5 in der Kleidung entsprochen werden. Frische Lippen und leuchtende Augen verlangen frische Farben. Und sind diese Farben für den Schulgang nicht praktisch, dann wähle man ruhig eine dunklere gedämpfte Farbe und belebe diese durch irgendeinen freudig gestimmten Besatz und eine leuchtende Stickerei. An einem Kinderkleidchen ist eine beledende Wirtung so schnell erreicht. An unseren Vorlagen läßt sich dies erkennen. Selbstverständlich muß getade die Wahl freudiger irben vom guten Geschmack geleitet werden. Will man zu dem gemusterten Tragerröckchen, Abb. 1, eine farbige Bluse wählen, mus sie natilich mit einer Farbe, die im Rock vertreten ist, Abereinstimmen, während Weiß und Sand= oder Naturfarben eigentlich zu jeder anderen Farbe passen. Wird das Röckchen umgekehrt aus glattem Stoff hergestellt, dann kann die Bluse gemustert sein, nur zwei verschiedene Musterungen sind ausgeschlossen. Der immer hübsche und praktische, weiß=rot gemusterte Waschstof an Abb. 2 wird durch den weißen Pikeetragen mit seiner flotten schwarzen oder dunkelblauen Schleife ergänzt. Der schmale Gürtel harmoniert mit der Schleife. Ein wichtiges Kapitel in der Kinderkleidung bildet natürlich auch die Ueberkleidung, die wir ja auch im Sommer nicht ganz entbehren können, besonders dann nicht, wenn unserer, wie mann sagt, ein kühler Sommer erwartet. Natürlich muß die Ueberkleidung ebenfalls dem kindlichen Charakter angepaßt sein, wenn sie auch, sagen wir mal, ein Grad ernster gestimmt ist. Eine kleidsame Form ergibt der Raglanmantel mit dem schmalen Gürtel und den großen, aufgesteppten Taschen. Nur bei den Mäntelchen der Kleinen herrscht die Phantasie. Hübsch und auch praktisch sind die Mäntel aus schwarzem Taft, die oft allerliebst, wie an Abb. 3, mit kurzer Taille und Stuockverzierung gealbeitet werden. Auch leichte Wollswsse sind hierfür geeignet. P. Gratz. + Abv. 1. Trägerrock mit Unterziehnie Hlerzu Linzach= 3chn it P11.20 ur 8 0. 10—12 oder 12-14 Jah e für M. 6.— nedsit M. sur Horia pug Versand ernstuta Abb. 2. Schulkleid mit seitlich eingeschobenen Jalten u. d zp ihm Umlegekragen. Hierzu Schnitt 117221 für 4—6, 6—8 oder 8..50 Junte für M. 6.— netst M.: für Poria und Versand erkättt# 4488 M 4) ∆ 0 R M N Abb. 3. Abb. 4. Abb. 5. Jackenkleid aus zweierlei Stoff. Hierzu Vobach=Schnitt H17261 für 12—14 oder 14—16 Jahre für M. 6.— nebst M. 2.— für Porto und Versand erhältlich. Abb. 4. Mantel und dazu passende Kappe mit Kurbeistickerei. Hier, u Roduch=Schnittf i 4540 für 2-4, 4=6 oder d-8 Jahte für M.6.— nebst M. 2.— für Porto und Versand erhältlich. Abb. 8. Kindermantel mit Smocks.(Anleitung dem Schnitt beigefaltet.) Hierzu Vovach=Schnitt H1 7263 für 1—2, 9—4 oder 4—6 Jahre für N. 6.— nebsit vi. 2.— für Porto und Versand erhältlich. Baus un Sezton, eunstuch, üir Lens u0d Grgno), ehütsck. 3.4 1 O MEEER TSTE- SOSSCREEWRT-Tuzs Socnn-Säni i. Kreeenzs Romet- Zisu Auf Grund der§§ 149 bis 151 R. V. O. werden die Ortslöhne im Bezirk des OberNeuers Canz=Kursus beginnt Freitag, den 5. Mai im Lokale Mölders in Holzen, Rosenweg 18. Unterrichtsstunden jeden Mittwoch und Freitag von 8—10 Uhr. P. Möller, Lehrer der modernen Kanzkunst. Dortmund, den 27. April 1922. Nr. 1 493 Schwerte(Ruhr), den 2. T.=B. 969 II Wird hiermit veröffentlicht. Mai 1922. Oberversicherungsamt: gez. Noetel. Das Versicherungsamt Schwerte(Ruhr) Der Vorsitzende: gez Rohrmann. Kllltllllllltllllll..l Damen meiverzuralt... und vorzügliche Ainder=Gurderöde fertigen saubergan Frau Mallg=Schulte;: Marie Gins Benaurtr 12. Alltttltltlllll.r Für sofort einige fräfige gesucht. Ketten=Fabrik J. d. Theile, Schwerte. HCHW Weich PUDOING· VENwEISSP CANEIR D CHIN 4 SODVE PGVEN A ZUegeg R Dr. Oelker eicher Mädchen zur 1. Juni für lEtagenaushall von 4 Personen gesucht. Fahrt wird vergötet. Vorsiellung von 2—4 Uhr. Boelerheide bei hagen Haus Ruhreck. Saut= Kartoffeln wie Odenwälder Blaue geldLleischige Industrie(Westpr.) Jowie priaa Speise=Kurtossein (weiße) ebleh olenge Noratricht! Hans Müller Bahnzofstraße 27. Tel. 100. Fabrikate sind Glanzleistungen küchenchemischer Errungenschaften u. werden von erfahrenen Hausfrauen als Perlen im Küchenschatz bezeichnet. 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Aber ich mochte ihn doch nicht von seinem Amte entbinden, denn er war ein kluger Mensch und ein überaus tüchtiger Jäger; das bewies er auch jetzt wieder, wie er mich schadlos zu halten suchte. „Herr Kugler,“ sagte er,„annoncieren Sie ooch in eder Jagdzeitung: Zahme Füchse zu verkaufen. Ungefährliches Spielzeug für Knaben.“ folgte ihm, und wir hatten mit dem roten Gelichter bald zu guten Preisen geräumt, so daß ich wieder einigermaßen auf meine Kosten kam. Ob mir Michael im nächsten Jahr wieder einen anderen Streich spielen wird? * Einst und Jetzt. Das Feuer in prählstorischer Zeit. Es ist heute erwiesen, daß das Feuer eine der ältesten Erfindungen oder Erwerbungen der Menschen ist, daß es schon in der paläolithischen Zeit bekannt war und sich seitdem ohne Unterbrechung fortvererbt hat. Auf der ganzen Erde ist bis jetzt kein Mensch gefunden worden, der nicht das Feuer besessen hätte. Ueber das Feuer in prähistorischer Zeit hat der bekannte dänische Forscher Dr. Georg Sarauw alles Material in einer inhaltreichen Arbeit zusammengestellt, der wir folgende interessante Daten entnehmen. Daß der prähistorische Mensch der Renntierzeit Feuer besessen hat, beweisen die Holzkohlen und Feuerstätten, die man in den Höhlen der Vézère, Dordogne usw. zusammen mit Artefakten gefunden hat. Das älteste Verfahren, Feuer zu erzeugen, scheint nicht das Reiben oder Bohren von zwei Hölzern gewesen zu sein, sondern das Aneinanderschlagen von harten Steinen. Das zeigen die zahlreichen Funde, bei denen Knollen von Pyrit(Schwefelkies) und Feuersteingeräte von besonderer Form zusammen vorkommen, aus deren Abnutzung man deutlich erkennt, daß sie als Schlagsteine benutzt wurden. Die Belege werden aus verschiedenen Ländern angeführt, zumal aus Skandinavien und Norddeutschland; sie reichen durch die Steinzeit bis in die Bronzezeit, und man hat sogar Funde gemacht, bei denen der Schlagstein aus Feuerstein noch durch Rost mit dem zugehörigen Pyritknollen zusammengekittet ist. Die Pyritknollen, die man vereinzelt in Gräbern gefunden hat, zeigen deutlich Gebrauchsrillen. Zu Beginn unserer Zeitrechnung kommt in Nordeuropa ein Feuerschlagstein aus Quarzit von länglicher Form auf, der mit Stahl geschlagen wird. Die Benutzung von Stahl, Stein und Schwamm zur Feuererzeugung erhielt sich übrigens neben den Schwefelhölzern bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts; dann kam die Herrschaft der schwedischen Zündhölzer, die sich heute schon bis in das innerste Afrika verbreitet haben, Der Scheinwerfer. vermeidet man den Schreibkrampf? Es scheint daß der Schreibkrampf immer häufiger wird. Die Untersuchungen über die Entstehung dieser Krankheit haben gezeigt, daß bei der physischen Cebermüdung und Ueberanstrengung der Handmuskeln auch der psychische Zustand des Schreibenden eine wesentliche Rolle spielt. Die Hast, die rasch dahingleitenden Gedanken schriftlich zu fixieren, treibt den Schreibenden dazu, die Bewegungen der Hand immer mehr zu beschleunigen und damit verändert er die Bedingungen, unter denen die Muskeln beim Schreiben ihren Dienst versehen. Jeder Mensch bringt je nach seiner Handschrift eine bestimmte Muskelgruppe der Hand in eine bestimmte Tätigkeitsform; die Art, die Feder zu halten, die Handschrift, die Form des Arbeitstisches, die Haltung des Unterarmes, all das ist von wesentlichem Einfluß darauf, welche Handknöchel und Armmuskeln angestrengt werden. Um nun das Schreiben weniger anstrengend zu machen, kommt alles darauf an, die Arbeit unter den verschiedenen Muskeln so viel als möglich zu verteilen und zu wechseln, damit jeder Anstrengung auch eine Ruhepanse folgt. Daß dies nicht geschieht, das ist die Ursache des Schreibkrampfes. Und daraus erklärt sich auch, daß alle Mittel gegen den Schreibkrampf, Massage, Elektrizität usw., nie dauernde Abhilfe schaffen.„Wenig,= langsam, rund, groß, steil“, das sind die fünf Worte, die jeder im Auge haben soll, den sein Beruf dazu zwingt, täglich längere Zeit zu schreiben. Wer unter dem Schreibkrampf zu leiden hat, soll wenig schreiben, d. h. nach einer Weile eine kleine Pause machen, um den Muskeln Erholung zu gönnen. Das rasche Schreiben wird oft zum Anlaß des Krampfes, weil die hastigen Bewegungen gewaltsame Muskelkontraktionen herbeiführen. Mit dem Worte„rund“ ist gemeint, daß man scharfe Ecken in der Schrift so viel als möglich vermeiden soll. In allen eckigen Schrifte# zeigen die Schriftzeichen eine viel genauere und größere Aenlichkeit, als in den anderen: d. h. daß die Muskelbewegung stets die gleiche bleibt. Groß schreiben soll man deshalb, weil die Muskeln um so mehr ausruhen, je größer die Buchstaben sind. Ueber die Vorzüge der Steilschrift ist in letzter Zeit viel gesprochen worden. Bei ihr liegt die Hand etwas einwärts gebeugt, während sie sich bei der Schrügschrift nach außen abbiegt; zahlreiche Versuche haben gezeigt, daß die Einwärtsstellung der Hand ungleich weniger anstrengend ist als die andere Haltung. Die Kraftwerke des Niagarafalles. Rund eine Million Pferdekräfte können die sechs großen fast vollständig ausgebauten Kraftwerke im ganzen leisten, die zur Ausnutzung der Wasserkräfte des Niagarafalles angelegt sind. Das sind 600 000 Pferdekräfte mehr, als man in Bayern überhaupt gewinnen kann. Drei Gesellschaften davon liegen am linken kanadischen Ufer und leisten zusammen 550000 Pferdekräfte; die anderen drei haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten. Bei den kanadischen Gesellschaften sind deutsche Turbinen von einer Einzelleistung von 11 400 Pferdekräften aufgestellt. Welt und Zeit. Zu liebenswürdig. Eine Dame, die viele Jahre in Japan zugebracht hat, schildert die dortigen Einwohner als sehr nette, angenehme Menschen.„Aber,“ sagt sie,„die Leute sind zu liebenswürdig, man sehnt sich bei ihnen ordentlich nach ein bißchen Individualität, ja, man würde ganz gern ein wenig Grobheit mit in den Kauf nehmen, um nur einmal etwas anderes zu hören. Als Gast in einem japanischen Haus hat man das Gefühl, als ob alle Familienmitglieder unsere untertänigsten Sklaven wären. Alle Gewohnheiten und Liebhabereien des Gastes werden auf das eingehendste studiert und berücksichtigt, während die Hausbewohner sich ihm in jeder Hinsicht fügen müssen und nicht wagen dürsen, auch nur das geringste Besondere für sich in Anspruch nehmen zu wollen. Dies geht so weit, daß es geradezu peinlich für den Besucher ist, der doch auch gerne einmal seinen Wirten eine Aufmerksamkeit erzeigen möchte. Ich glaube, wenn der Gast am Tage schlafen und in der Nacht wachen möchte, so würde in den meisten Fällen sofort der ganze Haushalt danach abgeändert. Die Japaner besitzen eine ungeheuer große Selbstzucht, sie unterdrücken ihre natürlichen Anlagen, sie verbergen ihre Gefühle und verstehen es, ihr wirkliches Selbst in einer Weise zu verwischen und sich derartig unterzuordnen, daß der europäische Besucher manchmal eine„goldene Rücksichtslosigkeit" als erfrischend begrüßen würde. Man kann sich nie ganz des Gefühls erwehren, daß bei so viel Liebenswürdigkeit„a bissel Falschheit alleweil dabei“ sein muß.“ Erstes und ältestes Haupt-Annoncenblatt. 104 Donnerstag, den 4. Mai — far Herieire Roman von (27. as heißt,“ fuhr Joachim gleich fort, eine hastende Sprechweise beginnend,„ich ahne, ich vermute nur. Ich kann mich verständlich irren, es ist möglich, daß ich ganz falsch denke...!“ Er brach ab und stand ebenfalls auf. Nun schien er ruhiger. Er stemmte die Rechte hart auf den Schreibtisch, daß die Knöchel weiß hervortraten und die Adern anschwollen.„Erlauben Sie, daß ich ganz ossen zu Ihnen rede, Herr Kommerzienrat...!“ Seine Gesichtsmuskeln strafften sich zu fester Entschlossenheit und seine Stimme war ohne das leise Zittern der Erregung von vorhin. „Es werden hier eifersüchtige Regungen zugrunde liegen, die meine Person angehen. Fräulein Edith glaubte wohl Fräulein von Groening durch mich bevorzugt In der Folge kam es zu einer erregten Aussprache zwischen den beiden Damen, an die sich das andere schloß. Er beobachtete Burmanns ungläubig zweifelnden Blick und fuhr entschiedener fort:„Jedensalls ist erwiesen, daß Fräulein Edith sich verlassen fühlte, wie aus Aufzeichnungen, die sie vor ihrem Fortgange machte, unzweifelhaft hervorgeht Sie begannen:„Es will mich niemand!“...( f g 5 Joachim machte abermas eine Pause. er fagte sich, daß jetzt der geeignete Moment sei, an diese Mitteilung die von seiner Verlobung zu knüpfen. Sekundenlang zauderte er noch. Er glaubte, von unsichtbaren Händen in einen gähnenden Abgrund gestoßen zu werden. Es zuckte und flimmerte von rötlichen und grünlichen Lichtern vor seinen Augen Und sein Herz schien den Schlag auszusetzen. Dann faßte er sich und sagte, die Hände auf den Rücken wersend und ruckartig einen Schritt vortretend:„Womit Fräulein Edith einer völlig unbegründeten Vermutung Ausdruck gegeben hat. Es wollte sie wohl wer! Ich, Herr Kommerzienrat... Ich meine, die Stunde ist schlecht gewählt, Ihnen davon Mitteilung zu machen, aber es ist nun nicht mehr anders möglich... Erlauben Sie daher, daß ich Ihnen sage: Ich habe mich mit Edith verlobt und gestatte mir, Sie zu bitten, dazu Ihre Einwilligung Alles hätte Burmann zu hören erwartet, das eben Vernommene keinesfalls. Er war so grenzenlos überrascht, daß er Joachim mit weitgeöffneten Augen austarrte und für Sekunden keiner Entgegnung fähig war. „Wie?“ konnte er endlich fragen, als habe er falsch verstanden„Mit meiner Tochter verlobt?... Allerdings, auf diese Mitteilung war ich nicht gesaßt. Sie kommt mir völlig unerwartet...!“ (Ra bdruck verbeten.) unangenehm berührend?“ Fritz Gantzer. Fortsetzung.) Hoffentlich aber nicht unangenehm b.„ fragte Joachim, wie in toter Eleichgültigreit sprechend, als müsse er nur die Stille mit einer Phrase ausfüllen. Der Kommerzienrat sah Joachim voll an und streckte ihm bedenklos die Hand hin.„Lieber Herr von Brandt,“ sagte er warm,„ich kann Ihnen zu meiner Freude das Gegenteil sagen... Aber der Ernst der Stunde gebietet, die Sache damit vorläusig erledigt sein zu gelleszm glaube, ganz in Ihrem Sinne zu sprechen... Je. das Dunkel der Todesgefahr über meinem Kinve. Wenn nicht eine stärkere Hand sein Leben an sich reißt, dann Burmanns ziternde Hand lag in Joachime elsg. kalter Rechten. Sie spürte einen her haften Druck, volle Wärme und Gewißheit. Eine Erwiderung ging nicht von Der Hesselvörder Herr verbeugte sich hart und jagte mit trockener, ihm klanglos erscheinender Stimme:„Ich danke Ihnen, Herr Kommerzienrat!“ Die stärkere Hand, von der Burmann gesprochen, schien wirklich Siegerin zu bleiben. Tagelang schwankte der Odem der Kranken zwischen Leben und Sterben. Und mitunter schien es, als habe sich der finstere Gewalthaber seiner bereits bemächtigt Aver immer wieder riß ihn die Helle des Lebens an sich, entwand ihn nach hartem Kampfe dem Gierenden, nach ihm Der Geheimrat war auf Burmanns instän dige Bitte noch bis zum ükernächsten Tage gebieben. Dann hatten ihn andere Pflichten nach Berlin gerufen. Er war aber mit Versprechen abgefahren, wiederzukommen, obwohl er es für überflüssig hielt, da er die Kranke unter der Behandlung seines Kollegen Erselius in besten Händen sah und im übrigen davon überzeugt war, daß hier niemand Als er drei Tage später wieder in Hesselvörde eintraf. dachte er gewiß, eine Tote zu finden. Er sah sich zu seiner Freude enttäuscht. Nach der Untersachung sagte er zu Burmann:„Die ärztliche Kunst ist mit ihrer Fähigkeit, Prognosen zu stellen, wieder mal gründlich hereingefallen. Wir bleiben elende Stümper trotz aller Wissenschaft. Ich gratuliere: Ihr Fraulein Tochter wird wieder gesund!“ Diese Prognose traf ein. Es ging zwar alles in kargem, schrittweisem Vorwärtskommen, es schien manchmal sogar noch so, als ginge es nimmer weiter vorwärts. Aber als dann die ersten grauen Nebeischwaden des November durch den laublosen Park trochen und den Blick in die Weite hemmend abschlossen, war Edith so weit, daß sie zum ersten Male das Bett verlassen durfte. Elend matt, blaß und abgemagert, anscheinend um # 9 855— S— S 3.— S agn 5 8 8— 5 E: 9 2 i Jahre gealtert, saß sie, in wärmende Decken gehüllt, im tiesen, beqnemen Korbsessel in der Nähe des Feusters und sah mit glanziosen Augen hinaus in den trübseligen Vorwintertag. Joachim hatte eben das Zimmer verlassen. Dort auf dem kleinen Tische stand der süßduftende Strauß lieber Beilchen, den er ihr gebracht. Die leisen Wellen seines seinen Atems schwebten ihr zu und umwehten sie zärtlich und liebkosend. Ihr Blick fand sich mit einem verlorenen Suchen zu dem Spender des ersrischenden Duftes hin, und um ihren Mund zuckte es weh.... Warum konnte sie nicht fröhlich sein? Was hinderte sie, sich zu freuen? Das, was sie gewünscht, hatte sich erf lt. Joachim war der Ihre. Und der gewissen Genesung gn sie auch entgegen. Da hatte sie doch allen Grund, mit hellen Augen in die Zukunft zu sehen. Daß sie es nicht vermochte, noch nicht vermochte, lag vielleicht an ihrer elenden körperlichen Verfassung, die ihr Gemütsleben beeinflußte. Aber sie sah an dieser Möglichkeil vorüber. Wenn sie grübelnd forschte, stieg immer wieder die Stunde vor ihr auf, in der sie sich mit Joachim verlobt. Und so ungewiß ihr auch die Einzelheiten waren, ais Gesamtvorstellung hatte sie doch jedesmal die gewiß: er hat damals nicht unter der Einwirkung einer triebhaften Liebe gestanden, sondern in Unkiarheit seiner Gefühle, in einer Art Betäubung gehandelt. Sein ganzes Wesen jetzt bestätigte ihr dies klar und sharf. Er blieb immer von der gleichmäßigen Freundlichkeit, fast Höflichkeit, ihr gegenüver. Nie brach ein wärmeres Gefühl durch.=Oft sprach Abwesenheit aus seinen Augen, mitunter Trotz, ja Härte. Würde das einmal anders werden? Mußte sie etwas tun, daß es anders wurde? Mochte die Zeit fester fügen, was jetzt nur wie lose nebeneinandergelegt war? Und wie oft mußte sie Renates gedenken! Und immer, wenn sich ihr Sinnen zu ihr hinfand, fühlte sie etwas in ihrer Seele, das einem schmerzenden Stiche glich. Als der Dezember mit stillem, zagem Flockengeriesel ins Land kam, war sie so weit, daß sie nach Berlin zurückkehren konnte. Burmann holte seine Tochter von Hesselvörde heim, und Jvachim fuhr beide zur Bahn. Unterwegs erkundigte sich der Kommerzienrat, wie es Joachim mit der Verössentlichung der Verlobung wünsche. Edity, sollte für den Winter zur Nachkur nach dem Süden gehen. Es handelte sich darum, ob man die Verlobung nich vor ihrer Abreise oder erst nach ihrer Rückkehr zu publiziern gedenke. Ehe er eine entscheidende Antwort zu geven vermochte, sprach Edith. Sie meinte, daß es ihr lieber wäre, bis zum Frühjahr zu warten. irmann schüttelte verwundert den Kopf.„Holla, Kindchen, das ist merkwürdig! Warum?" „Wieso, Papa? Ich möchte erst ganz gesund sein,“ gab sie in einem Anfluge ihres alten Trotzes zurück. Joachim stimmte ihr zu. Er würde sich ganz ihren Wün chen unterordnen. Es war ihm, als wenn eine große Erlei. terung über ihn komme. „Nun, mir ist es natürlich auch egal,“ sagte Burmann. „Macht, was Ihr wollt!“ Und seine Gedanken fuhren fort: Merkwürdiges Brautpaar. Kühl, gesetzt, fast eisig. Gar nicht'n binchen verliebt. Stimmte die Sache? Der Abschied der Verlobten war, den bestehenden Verhältnissen entsprechend, ziemlich förmlich. Joachim küßte die Hand seiner Braut und redete etwas von gutem Erfolge der Nachtur. Edith dankte mit knappen Worten. Vom Abteil aus streckte sie ihm noch einmal die Hand hin und versprach, bald zu schreiben. Er möchte es auch häufiger tun. Er ging. ihre Hand festhaltend, noch ein Stück neben dem anfahrenden Zuge her.„Gewißl“ versprach er. Dann mußte er zurücktreten. Der Train begann seine Fahrt zu beschleunigen. Winkend blieb er stehen. Bis die Wagenreihe hinter einer Kurve verschwand. Ein wulstiges Dampfband wälzte sich über den Schienenstrang und zersiatterte zu kleinen Wolken, verwehte und zerstob. Mit langsamen Schritten ging Joachim zu seinem Wagen zurück. 10. Kapitel, Klaus Halm, der Sezessionist und der Gatte Sybillens, tat im elend knappen Geviert des Zimmers, das dem Ehepaare draußen am Gesundbrunnen als Wohnung diente, gewichtige, weitausholende Schritte und blieb nach seinem aufgeregten Hin und Her in Pose vor seinem Weibe stehen. „Es wird anders,“ sagte er, 4½ gebend, daß sie pathetisch klang, seiner Stimme Schwung „verlaß dich darauf! Es muß anders werden!" Er unterstrich das„muß“ mit einer formvollendeten Handbewegung und fuhr sich hastend durch den bichten Haarschopf.„Ich bin überzeugt, unsere augenblicklich nicht gerade als besonders günstig anzusprechende finanzielte Lage in Kürze zu einer glänzenden gestalten zu können, wenn ich meine künstlerischen Pläne zur Ausführung gebracht und lächelte hoheitsvoll. deren Künst nach Brot habe.“ Er warf den Kopf auf „Ich gehöre nicht zu denen, geht... Das kann ich meiner Muse nicht zumuten, sich so knechtisch zu erniedrigen. Ich folge dem genialen Einfall der Sekunde, lasse ihn zur Reife gelangen und gebe ihm dann in einem Werk, das Kunst darstellt, Ausdruck. All das elende Gesindel der Kärrner verachte ich, speie ich an!“ Er spie wirklich aus, mit wegwerfender, verabscheuender Geste und steckte die Daumen in die Taschen seiner Beinkleider. Sybille saß zusammengekauert in einem Winkel des dürftigen Raumes, der kalt und dezemberdunkel war. Sie fror: sie fror, daß ihre Zähne auseinanderschlugen und ein Schauer über ihren Rücken rann. Sie fror auch innerlich. Es war ihr, als ob ihre Seele ein langsames Erstarren ankam, das die Lebensfähigkeit ihres inneren Menschen unterband und zum Sterben brachte. Sie hatte von dem, was ihr Gatte gesprochen, kaum ein Wort verstehend erfaßt. Nur der hohle, protzende Klung seiner Stimme war ihrem Ohr eingegangen. Ihre Sinne lagen im Rückwärtsschauen verankert und gingen dem Elende ihres Lebens nach, wie es war, seitdem sie in einer leichtsinnigen, gedankenleeren Stunde, betört von Worten, gefesselt von einer eingebildeten Neigung, das Alte hinter sich geworsen hatte und einem neuen Wege gefolgt war. Er hatte sich bald in dornenvolles Gestrüpp verlausen, und der anfänglichen schwülen Helle— erzeugt durch einen kurzen Sinnenrausch— entbehrt. Die Barmittel ihres Mannes waren schon drei Tage nach dem Schließen des Ehebündnisses erschöpft gewesen. Freunde in Berlin hatten ihm so viel gesandt, daß er von England zurückkehren konnte. Er hatte seine junge Frau nach Berlin geführt und ihr in hochtönenden Worten einen in Kürze zu erwartenden Aufstieg seiner Lage ausgemalt. Das war seine Kunst, mit vielen Worten nichts zu sagen. Er war ein Blender. Sybille hatte sich anfänglich auch noch in Berlin blenden lassen. Sie glaubte. Mit allem war sie zufrieden gewesen: mit der erbärmlichen Wohnung— nach wenigen Wochen schon würden sie im vornehmsten Viertel des Westens wohnen, hatte er ihr ja versprochen—, mit seinem Lungerleben, das nichts vor sich brachte— er müsse seine Ideen erst zur Reife gelangen lassen, wußte er sie zu beruhigen—, und auch damit, daß sie mitunter nichts zu essen gehabt hatten— denn das sei das Los jedes vor seiner Vollendung stehenden Künstlers... Und zu allem diesen, das sie in gewisser Erwartung eines Besserwerdens ertragen; weil sie an sein Können, an seine Künstlerschaftgeglaubt, jenes andere, das sie nicht zu ertragen vermocht, was sie angewidert, abgestoßen; die Art derer, die sich seine Freunde nannten. Sie redeten von tausend Aufgaben, die sie zu erfüllen hatten, und sie erfüllten keine. Und vor allem immer der Ton, der ihren Worten das Gepräge gab: frivol. Als Sybille entdeckte, daß die Frivolität sich der Schlüpirigkeit zugeneigt, war sie jedesmal ausgegangen, wenn die Freunde ihres Mannes gekommen waren. Da hatten sie Halm gesagt, er habe sich ein„prüdes Gänschen“ geheiratet. (Fortsetzung folgt.) 1 3 2 9 (9 E S 8 0 8•— 8 5 r S S 6E — 5 S S:: 85 S SEyu* 9SS 12— 5 S 8 5 55 #BET 2 9 5E. 5 55 „—= 8 2• B GS• 8 Denkspruch. Nur eine Mutter weiß allein. was lieben heißt und glücklich sein. 3 Chamillo. Der geheimnisvolle Humobeske von Aloys Kugler (Nachdruck verboten.) Wer die nachfolgende Geschichte nicht glauben will, der mag sie nur in der Empfindung lesen, daß sie ein charakteristischer Ausdruck des Jägerlateins sei, und vielleicht würde ich das auch selbst tun, wenn sie mir nicht persönlich auf meinem eigenen Revier passiert wäre. Unter den Jägern— ich meine den Jagdbesitzern oder Jagdpächtern— gibt es gemeinhin zwei Arten: solche, welche das Raubzeug mit allen Mitteln von der Wildbahn vertilgen, und solche, welche in einer Art Protektionsverhältnis zu Freund Reinecke und Genossen skehen, weil sie der Ansicht sind, daß das Raubzeug in der Wildbahn dieselben Funktionen habe, wie der Hecht im Karpfenteich. * Ich gehöre zu der ersten Gruppe, und ich behaupte, es muß die Tendenz eines Jägers sein, wenn er es ehrlich mit seinem Wildstand meint, dem Raubzeug auf Tod und Leben nachzustellen. Trotz alledem wird es ihm nicht gelingen, bei der ungeheuren Fruchtbarkeit Reineckes, der Schlauheit der Marder und Wiesel, der scheuen Vorsicht aller gesiederten Räuber, die schlimme Gesellschaft ganz auszurotten. Immerhin wird es ihm gelegentlich doch einmal passieren, daß bei einer großen Treibjagd ein roter Satan zwischen gesuchtem Wild durchschnürt. Als ich meine Jagd übernahm— ein schönes, ausgedehntes Revier mit Wald und Wasser und langen Strichen von Feld—, bemerkte ich bei dem ersten Begang, mit weich beispielloser Liberalität mein Vorgänger dem Raubzeug gegenüber zu Werke gegangen war. Er war einer von der zweiten Jägergruppe gewesen und hatte dazu noch den Jagdausseher für jedes Stück Raubzeug mit dem Balg bezahlt. Da nun die Bälge im Sommer nichts wert sind, so hegte und pflegte jener Förster das Raubzeug, bis er es im Winter so weit hatte, um es bei gutem Balg abzuschießen. Die Folge davon war eine beispiellose Verwüstung unter dem Wildstand. Höchst selten sah man ein jugendliches Stück, Hühner fast gar nicht. Kein Wunder: das von Jagdherr und Jagdaufseher gehegte Raubzeug hatte derartig überhand genommen, daß ich mich entschloß, zu dem unjägerischen Mittel des Giftstreuens zu greifen. Dann aber änderte ich vor allen Dingen die Abmachung mit dem Jagdausseher, den ich von dem früheren Pächter übernahm, weil er sich als ausgezeichneter Jäger dokumentierte, und versprach ihm anstatt des Balges ein Schußgeld, während ich selbst den Winter hindurch so viel als möglich mit Falle, Gift, Pulver und Blei gegen die vierbeinigen und gesiederten Räuber focht. Als sich der Winter zum Ende neigte, als die ersten Frühlingsstürme über unser Revier hinsegten, machten wir uns an das Fuchsgraben und hoben ein Nest nach dem andern aus, schossen die alten Banditen ab, und die junge Brut gab ich dem Aufseher, daß er sie umbringen sollte. Trotz alledem und alledem war der Sommer keineswegs günstig, aus dem einfachen Grunde, weil alles, was ich aus meiner Jagd herausschoß, an Schußgeldern für Füchse verloren ging. Ich nahm mir den Jagdaufseher vor: „Sagen Sie mal, Michael: Wir haben doch alle Fuchsbaue, die wir kannten, ausgenommen. Wie ist es möglich, daß Sie fast täglich einen Balg abliefern?" „Ja, Herr Kugler,“ meinte der Alte, und in seinen grauen Jägeraugen blitzte es bedenklich,„ich weiß es nicht. Der vorige Pächter war viel zu mild gegen das Raubzeug, und wir können noch zwei Jahre arbeiten, ehe wir die Wildbahn vollkommen gereinigt haben.“ Ich mußte mich natürlich bei dieser Antwort bescheiden; und wir gingen ins Dorf, wo der Aufseher ein hübsches Häuschen und eine nicht übermäßig große, aber sehr gut eingerichtete Wirtschaft besaß. Er war auch sehr stolz darauf, zeigle mir sein Milchvieh, seine Schweine, seine Hühner; nur an einer Stalltür ging er immer vorüber, ohne daß er mich eintreten ließ. Das fiel mir auf und ich. fragte ihn:„Was haben Sie denn da drin?" „Ach das ist eine Rumpelkommer, ist weiter nichts drin,“ und als ich auf die Tür zuging, um sie zu öffnen, meinte er: „Lassen Sie doch, was sehen Sie an dem„alten' Schmutz!“ Warum sollte ich den Mann kränken; er wollte offeuber nicht, daß ich da hineintreten sollte. Aber Gedanken machte ich mir doch darüber, denn es war ein ziemlich großer Stacl und zur Rumpelkammer eigentlich zu geräumig, zumal in einer Wirtschaft wie der meines Jagdaussehers der Raum immer knapp ist und man mit dem Quadratfuß rechnet, also eine Rumpel= oder Gerätekammer lieber in einer Hofecke, die man abschlägt und überdacht, anlegt, als in einem festen Gebäude. Ich vergaß natürlich den verschlossenen Stall sehr bald und mußte mich immer nur wundern, daß die gar nicht abnehmen wollten und der Mann mir immer Irisch geschossene Reineckes vorlegte, die ich natürlich unserer Abmachung gemäß honorieren mußte. Eines Tages, als er mir wieder— es mochte wohl der sechzigste Fuchs sein— eine schlanke, jugendliche Füchsin, die mit einem prächtigen Kopsschuß gestreckt wur, vorlegte, sagte ich leichthin: „Richael, ich glaube, Sie züchten Füchse?“ Der Aufseher kratzte sich hinter den Ohren, meinte aber: „Wie kommen Sie nur auf den Gedanken, Herr Kugler? Das Revier steckt eben voll Raubzeug, und wir müssen froh sein, wenn wir es allmählich abschießen.“ Ich sagte nichts, nur fiel mir der Umstand auf, daß Michael so wenig ältere Füchse schoß. Es waren meist Räuber von diesem Jahr, die freilich im Hochsommer schon recht ansehnlich sind und in ihrem Wachstum einen Hunger und eine Raubgier entwickeln, die sie viel gefährlicher als ihre Eltern, Onkels oder vorjährigen Brüder erscheinen läßt. Nach dem Begang lud mich der Jagdausseher ein, einen Augenblick bei ihm einzutreten und einen selbst angesetzten Wacholder zu kosten. Als wir über den Hof gingen, fiel mir die geheimnisvoll verschlossene Stalltür wieder auf, und ich versäumte nicht, den Jagdaufseher darauf aufmerksam zu machen, wie verschwenderisch er mit seinem Platz umginge. Er erwiderte nichts; aber meine Neugier erwachte von frischem, und ich beschloß, unter allen Umständen, festzustellen, welcher Art das Gerümpel hinter der Tür sei. Als ich aber nach beendetem Frühstück auf den Hof hinausging, begleitete mich Michael wie ein treuer Hund. Ich mußte daher eine List anwenden, die mir das Geheimnis enthüllen sollte.— Drei Tage später schrieb ich an den Jagdaufseher, er möge doch einmal schnell zu mir nach der Stadt kommen, ich habe etwas Wichtiges mit ihm zu sprechen,— und nachdem ich annehmen konnte, er sei unterwegs, warf ich die Büchse über, klemmte meinen Menschen aufs Fahrrad, um meinem zwölf Kilometer entfernt liegenden Revier zuzuradeln. Im Dorfwirtshaus erfuhr ich, Michael sei nach der Stadt. Dort stellte ich auch mein Rad ab und begab mich die hintere Dorfstraße entlang, am Waldsaum vorbei, nach Michaels Gehöft, das ich von hinten her durch die Ausfahrt betrat. Seine Frau bemerkte mich sofort durch das Küchenfenster und kam heraus; ich aber hatte schon den Drücker der geheimnisvollen Tür in der Hand, und ehe sie mich hindern konnte, riß ich sie auf. Aber als ob das wilde Heer losgelassen würde, schossen zehn bis zwölf verhungerte Füchse auf mich zu, fuhren mir mit heiserem Bellen zwischen die Beine oder sprangen an mir empor, wie Hunde, die auf ihr Futter warten. Nun wußte ich's. Der alte Sünder hatte alle die