* Gih Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt n Unterhaltungs- u. Romanbeilage. u Spie, Sport und Curnen. m Ledensbild. Kunst u. Wissen. u Gartenratschläge. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Welthofener Zeitung Apierbecker Zeitung Langscheder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Börde. Holzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Zeitung“ erscheint werktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Car Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Dostscheck Dortmund 2522 Verontwortliche Schriftleitung: Karl Richter; Stadt und Provinz: Fliedr. Kraas; sämtlich in Schwerte. Nr. 103 3. Mai 1922. 55. Jahrgang Zum Ziel erkannt, Kraft gespannt, Pflicht getan, Herz obenan. Heinrich von Stephan(1831—07). Für eilige Leser. Neuigkeiten aus Nah und Fern. Nach dem Zahlungsplane des Londoner Ultimatums beträgt die Kriegsschuld Deutschlands und seiner ehemaligen Verbündeten 9240 Milliarden Papiermark. * Dr. Hermes und Dr. Havenstein werden heute und morgen den Parteiführern Bericht über den Gang der Verhandlungen in Genua erstatten. Bei der zu Ostern im Völkerbundspalast in Genf abgehaltenen internationalen Konferenz betr. Esperanto in Schulen waren ständig Vertreter des Völkerbundes als Gäste anwesend. Die gewonnenen Eindrücke werden nicht ohne Rückwirtung auf die im Herbst stattfindende Tagung des Völterbundes bleiben, die sich mit der Einführung des Esperanto beschäftigen wird. * Ein Deutscher, der als wahrhaftiger„König" in Amerika lebte, ist kürzlich in San Francisko gestorben. Vor 30 Jahren ging er auf die F#dschkiInseln, einer englischen Inselgruppe in Ozeanien, heiratete dort eine junge Prinzeffin und wurde später nach dem Tode ihres Vaters von den Instilanern zum„König" ausgerufen. und sogar feierlich„gekrönt". Die Bundesregierung, mußte diesen eigenartigen König, der über 132 Eilande herrschte, als solchen anerkennen. Um dem russischen Volke zu beweisen, wie ungeheuer viel die eigene Hilfskommission für die Hungernden tut und wie wenig das Ausland für sie übrig hat, gab die Sowjet=Regierung ein 50 Seiten starkes Heft am 15. März heraus. Nur 17 Zeilen sind der Auslandshilfe gewidmet! Der Sammlungsertrag in Holland wird darin mit „ca. 3000(holländische) Gulden“ angegeben er betrug aber in Wirtlichteit 791000 Gulden!! Von diesen kamen allein 750000 Gulden(1967000 K) aus Deutschland. * Die Vereinigung der deutschen ArbeitgeberVerbände wurde im Jahre 1913 mit 61 Verbänden und rund 1,5 Millionen Arbeitern gegründet. ist sie einer der stärksten Organisationen. dem Geschäftsbericht für 1921 gehören ihr heute 215 Verbände mit rund 100000 Betrieben und fast 8 Millionen Arbeitern an. Der Schreiber der„Nic Carters"=Romane, Rensalleraden, der in seinen Werken, deren Zahl weit über 1000 beträgt, erfolgreich mit den zahllosen„Sherlock Holmes“=Geschichten konkurrierte, hat sich in einem Newyorker Hotel erschofsen. Der fruchtbare Schxiftsteller hat mit seinen Einfällen fast die gesamte Produktion der amerikanischen Filmmanuskriptproduktion beherrscht. * Der Herzog Ernst August von Braunschweig, der Schwiegersohn des Kaisers, wird mit seiner Familie nach München übersiedeln. * Die erste Lordentliche Mitgliederversammlung des deutschen Roten Kreuzes wurde vom 26. bis 28. April unter starker Beteiligung aus ganz Deutschland in Berlin abgehalten. * Einen übereilten Selbstmord durch Erschießen beging in Ansbach der Steuerassistent Franz Weber, nachdem bei ihm ein Fehlbetrag von einigen tausend Mark festgestellt worden war. Nach der in Verwirrung und Kränkung vollbrachten Tat stellte sich heraus, daß bei der Abrechnung nur ein Irrtum unterlaufen war. In Lehe in Westfalen hielt sich ein angeblicher Eugen Nonn ein Jahr lang unangemeldet auf. In dieser Zeit verstand er es, sich 33 Bräute anzuschaffen, von denen er sich mit Geld und Wertsachen beschenken ließ. Nun ist er von Lehe mit kaufmännischen Angestellten, die ihrem Arbeitgeber 30000 Mk. unterschlagen haben, durchgebrannt. Von Bremen hat der Don Juan an sämtliche „Bräuto“ geschrieben. Auf Schloß Wendgraben bei Magdeburg wurde der Rittergutsbesitzer von Lübeck und Ballenstedt, als er mit seiner Braut, Fräulein von Wulffen, im Walde spazieren ging, von einem Forftlehrling der ein Gewehr einschießen wollte, aus Versehen erschossen. Eine lebendige junge Eidehse verschluckte im Sommer 1917 eine ältere Frau beim Trinken aus dem Bache Die Frau litt seitdem mehr und mehr an Appetitlosigkeit. In letzter Zeit fühlte sie immer stärkeres Kratzen und Wühlen im Magen, glaubte aber an ein Magenleiden. Wohl wegen Nahrungsmangel kletterte die Eidechse den Mazenkanal hoch, was die Frau fast zum Ersticken brachte. Sie konnte das etwa 15 Zentimeter großr, noch lebende Reptil greisen und von sich schleudern. Aus Konstantinopel wird mitgeteilt, daß dort socben das jüngste Ehepaar der Welt, wie es die dortige Presse nennt, geschieden wurde. Die Frau, #rencinze zwölf Jahre zählt, verlangte die Trennung ihrer Ehe von ihrem im reifen Alter von dreizehn Jahren stehenden Mann wegen„unüberwindlicher Abneigung". Die beiden waren im ganzen sechs Monate verheiratet. Anläßlich der Beratung über das Wohnungsabgabengesetz wandte sich der deutschnationale Abgeordnete Bazille scharf gegen den Achtstundentag, der zu einer Verelendung der Massen führe. nopol über die Naphtha=Erzeugung und den Naphthaverkauf in Rußland übertragen und ihnen die Petroleumgebiete von Baku und Grosuy in Pacht geben. Die Amerikaner in Genua verhehlen ihr lebhaftes Mißvergnügen über diesen Vertrag nicht, weil nun die Standard Oil Company weniger Aussichten hat, Petroleumkonzessionen zu erhalten. Was Genua den Deutschen kostet. Die kosten für die deutsche Genuadelegation betragen täglich etwa 150000 Mark. Unterkunft und Verpflegung belaufen sich allein auf 100000 Mark pro Tag. Diese Preise gelten noch als sehr bescheiden, Deutschland tritt in Genua äußerst sparsam im Gegensatz zur Entente auf. Lenins Befinden. Lenin Nach einem sorben erschienenen, unter anderem von dim deutschen Prosessor Borchardt unterzeichneten Kommuniquee ist Lenin operiert worden Es wurde eine Kugel, die er beim Attentat der revolutionären Sozialisten im Jahre 1918 erhalten hatte, entfernt, wobei das Vorhandensein einer tieren Wunde se###gestellt wurde, die die Form eines Kreuzes trug. Die Wunde wurde genäht ind am 27 Zäden der Nahi entfernt werden. Als nach dem Weltkriege die Throne zusammenbrachen, hat es wohl nicht an Menschen gefehlt, die felsenfest überzeugt waren, daß die Einigung aller Völker erzielt sei, und daß hierbei die Arbeiter eine führende Rolle erlangen würden. Im politischen Leben Deutschlands ist der Arbeiterschaft eine hervorragende Stellung zuteil geworden, aber bei der Entente ist ihr Einfluß auf die Staatsgeschäfte gering, so gering, daß dort überhaupt kein ernster Anlauf unternommen wurde, um Deutschland zu einem kleinen Bruchteil seines guten Rechts zu verhelfen. Jeder Arbeiter im Lager der Kriegsgegner wußte oder mußte wissen, daß Deutschland unter Voraussetzung der 14 Punkte Wilsons den Waffenstillstand abgeschlossen hatte und daß uns diese Voraussetzungen nicht gehalten sind. Und wenn auch die französischen Arbeiter von einer Weltmaifeier reden, so haben sie doch die Rede ruhig hingenommen, die der Ministerpräsident Poincaree in Bar-le=Duc gehalten hat, und die alles andere eher bedeutet, als den Frieden in der Welt zu fördern— blutige Schlacht! Statt eines Bechers voll reiner Maifreude und froher Lebenslust wird Europa ein Pokal voll Sorgentropfen und unabsehbarer Zukunftsmöglichkeiten dargeboten. Wird das Unwetter, das Deutschland 1918 heimsuchte, auch die Ernte des Chauvinismus in Frankreich zerschlagen? Man sollte annehmen, daß nach den mehr als vier Jahren Weltkrieg und den folgenden Jahren wirtschaftlicher Misere sich kein Volk einen neuen zug aufzwingen lassen wird, auch wenn seine Möglichkeit an die Wand gemalt wird. Es ist ja auch damit zu rechnen, daß sich hier noch ein Stück Aprilwetter zeigt, daß den rauhen Worten wieder besänftigende Töne folgen werden, aber darüber gibt es keine Täuschung, daß in der Welt nicht weniger, sondern mehr Zündstoff für eine Katastrophe aufgehäuft ist als 1914. Russisches aus Genua. Genna, 2. Mai. Die Unterkommission für russische Angelegenheiten beriet von 4 bis 7 Uhr. Sämtliche Artikel des für Rußland bestimmten Memorandums wurden durchberaten und angenommen. Der Vorschlag Jaspars betreffend die Rückstellung des Privateigentums wurde abgelehnt; deshalb unterzeichnete dieser das Protokoll nicht. Barthou dagegen stimmte diesem zu, allerdings unter der Voraussetzung, daß die französische Regierung diesen Beschluß ratifiziere. Barthou wird morgen früh Genua verlassen. Genna, 2. Mai. In der gestrigen Sitzung der Unterkommission für russische Angelegenheiten wurde Artikel 2 in folgender Fassung angenommen: Entsprechend der Resolution von Cannes erkennt die Sowjetregierung alle Schulden und öffentlichen Verpflichtungen an, welche der russische Staat einging oder garantierte, und zwar die kaiserlich=russische Regierung sowohl als die provisorische von Kerenski. Um Rußland die Wiederherstellung und den Aufbau seiner Kredite zu erleichtern, sind die Gläubigerstaaten bereit, für den Augenblick von Rußland weder die Zahlung des Kapitals noch der Zinsen von jenen Vorschüssen zu fordern, welche der russischen Regierung während des Krieges gemacht wurden. Die Alliierten könnten aber nicht zugeben, daß sie irgend eine Verantwortlichkeit für die Schäden zu tragen hätten, welche Rußland während der Revolution erlitten habe. Petroleumkonzessionen in Sowjetrußland. Paris, 2. Mai. Der Genueser Korrespondent des Oeuvre meldet, daß zwischen der russischen Abordnung und englischen, holländischen, belgischen und deutschen Petroleumgesellschaften, namentlich von der Shell=Company und der Royal Dutch=Company, gestern ein Abkommen unterzeichnet wurde. Die Sowjetregierung wird den genannten Gesellschaften das Morgen. Selbst im Mai 19¼, als der Welttrieg nur noch drei Monate entfernt war, lag über Europa nicht eine solche Beklemmung wie heute. Es fehlte damals nicht an Leuten, welche den Zusammenstoß in Bälde erwarteten, aber sie rechneten damit, daß er wie ein Gewitter die Luft reinigen und wieder ruhige Verhältnisse für Handel und Wandel" schaffen werde. Daß acht Jahre später die Zustände in unserem Erdteil noch schlimmer sein würden, als damals, das konnte niemand ahnen, und noch weniger, daß wenige Jahre nach einem großen Kriege von einer Wiederholung desselben gesprochen werden würde, wie es jetzt in Genua geschehen ist. Die Möglichkeiten von 1911 bestehen 1922 wieder, nur daß sich die Front geändert hat durch die deutsche Niederlage. Es sind nur Möglichkeiten, die hoffentlich keine Tatsachen werden und das alte Volkswort sagt:„Du sollst den Teufel nicht an die Wand malen." Als vor Jahren die Arbeiterparole durch die Welt klang:„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!“— galt sie den Meinungsverschiedenheiten im Arbeitsleben. Es ist heute, nach mehreren Jahrzehnten, nicht zu einem solchen allgemeinen Bruche zwischen Unternehmern und Arbeitern gekommen; trotz allem, was die Menschheit erlebt hat,(uns es war schwer genug) hat sich die Erkenntnis stets von neuem durchgesetzt, daß die verschiedenen Faktoren auf einander angewiesen sind, wie Kopf und Hand, daß sie sich gegenseitig nicht entbehren können. Das ist die eigentliche Maifreude gewesen, darin liegt die Hoffnung auf eine ständige Weiterentwicklung zum Guten in der Zukunft. Die Kontraste sind groß, aber die Einsicht, daß schließlich doch die Einigung die Vorbedingung der Existenz ist, beseitigt Schroffheiten, die sonst gefährlich werden könnten. Diese Einsicht tritt heute mehr und mehr hervor, wo feststeht, daß eine internationale Einigung der Arbeiter selbst in Fragen der schlichten Gerechtigkeit nicht herbeizuführen war. Sonst wären die Maisorgen in Europa nicht so groß, wie die sid 3 # 0 Die Zeitung zu teuer! lange haven die deutschen Zeitungen, die von eher willig den berechtigten Notrufen aus allen Kreisen des Volkes ihre Spalten öffneten, das eigene wirtschaftliche Mitgeschick schweigend getragen. Erst in letzter Zeit hat auch die deutsche Presse in ihrer Gesamtheit unter dem Druck unerhörter Preissteigerung aus dem Rohmaterialien= markt und unerträglicher steuerlicher Belastungen lauter und eindringlicher ihre Stimme in der Oeffentlichkeit erhoben und auf die Gefahren hingewiesen, die den hohen geistigen und Kulturinteressen des deutschen Volkes bei einem Niedergang des Zeitungswesens drohen. Die Regierung hat sich der Erkenntnis von der Notwendigkeit der Erhaltung einer leistungsfähigen Presse nicht länger verschließen können und zunächst Maßnahmen zur Unterbindung der wilden Papierausfuhr ins Auge gefaßt. Auch der Reichstag hat durch die angenommene Staffelung der Inseratensteuer der schweren Not der deutschen Presse Rechnung tragen wollen. Fahnenflucht wäre es, wenn in dieser schwierigen Lage die Leser ihrer Zeitung untreu werden wollen, weil diese in etwa ihren Abonnementspreis den Unkosten angleichen muß. Man bedenke, daß der Papierpreis nach und nach auf das Fünfzig= bis Sechzigfache der Vorkriegszeit gestiegen ist. Diese Zahlen sprechen für sich selbst. Sie, beleuchten blitzartig die Schwierigkeiten, mit denen die Zeitungen heute zu kämpfen haben. Dazu kommen die gewaltigen Ausgaben für die übrigen sprunghaft gestiegenen Materialien zur Herstellung der Zeitungen, die Unsummen für Maschinen, Kohlen, Berichterstattung, Telephongebühren, Transport= und Postgebühren und die fortgesetzt gestiegenen Löhne und Gehälter. In Wirklichkeit ist aber die Zeitung in der. Preissteigerung hinter anderen Dingen des täglichen Bedarfs erheblich zurückgeblieben; jeder kann sich durch einfache Vergleiche davon überzeugen. Man vergleiche den monatlichen Bezugspreis der „Schwerter Zeitung" und das dafür Gelieferte mit der Leistung irgend eines anderen Gewerbes für den gleichen Betrag: der klaffende Unterschied wird in Erstannen setzen. Wie verhältnismäßig ### Nor 203 72.50 #o#. en 1 ##: 450 nu. Jain Ane 2 25 Sse. billig auch vom 1. April ab noch bei einem monatlichen Bezugspreis von 30 Mark die Zeitung ist, beweist die Tatsache, daß man für den Betrag, füt den man einen ganzen Monat lang die „Schwerter Zeitung" erhält, in dieser ganzen Zeit sich nur 10„rauchbare“ Zigarren oder etwa 30 gute Zigaretten leisten oder kaum zehnmal mit der Straßenbahn fahren kann. Tatsächlich aber gibt man für diese oder ähnliche Dinge wesentlich mehr im Monat aus. Der Leser bedenke ferner noch bei alledem, welche Fülle des Wissenswer test und Wissensnotwendigen auf allen Gebieten ihm die Zeitung in jeder Ausgabe zuführt, wieviel er wohl dem Buchhändler bezahlen müßte, wollte er sich die Romane und den übrigen Unter haltungsstoff kaufen, der ihm in der Zeitung regelmäßig geliefert wird. Welche andere Quelle bietet ihm die Kenntnisnahme tausendfältiger Dinge, die ihm der Anzeigenteil der Zeitung regelmäßig vermittelt? Woher soll nun die Zeitung Mittel und Kräfte hernehmen, um das Hunderttäusende verschlingende Unternehmen aufrechtzu erhälten, wenn nicht der nutznießende Leserkreis selbst mit einem auch heute noch bescheidenen Beiträg daran teilnimmt? Wer einigermaßen klar denkt und sich das oben Gesagte ohne Voreingenommenheit durch den kopf gehen läßt, der wird im Ernst nicht behaupten können, die Zeitung sei zu teuer geworden, sondern auch die neue Preiserhöhung verstehen. Wir rechnen die Mehrzahl der Leser dazu. Aus Stadt und Land. Schwerte, 3. Mai 1922. Erinnerungen. 1060 Friede zu Oliva, Anerkennung des Herzogtums Preußen. ** Der Himmel im Mai. Wenn am 21. Mai die Sonne in das Zeichen der Zwillinge tritt, hat sich die Tagesspanne, die am 1. Mai 14 Stunden mitd 41 Minuten betrug, auf 15 Stunden und 43 Minuten erweitert. Am 4. Mai haben wir zunehmenden Mond, am 11. Vollmond, am 18. abnehmenden Mond und am 26. Mai Neu mond. Von den Planeten ist zu erwähnen: Merkur ist mit Ausnahme der ersten Woche den ganzen Monat abends im Nordwesten sichtbar, um die Mitte d. M. herum ¾ Stunde. Die Sichtbarkeitsdauer der Venus nimmt auf eine bis ¾ Stunde zu. Mars ist vom 26. diesen Monats an die ganze Nacht sichtbra. Jupiter geht von Mitte Mai an vor Sonnenaufgang unter und ist Ende Mai noch 5 Stunden lang sichtbar. Saturn kulminiert Mitte Mai bei Sonnenuntergang und ist bis dahin noch die ganze Nacht hindurch sichtbar. ** Zur Wetterlage. In ganz Mitteleuroper dauerte das veränderliche, bald heitere, bald regnerische Wetter fort. Unter dem Einfluß mehreret vom Westen heranziehender Tiefdruckgebiete fielen besonders in den Küstengebieten ziemlich erhebliche Niederschläge. Die Temperaturen waren im Vergleich zur vorletzten Aprilwoche etwas höher, erreichten aber doch nicht die Normalwerte für die Zeit. So betrug die Durchschnittstemperatur in Berlin am 26. April 7,/6 Grad und am 27. April 7,3 Grad Celsius gegenüber einem Nor malwert von 10,2 bezw. 97 Grad Celsius. Am 28. April lag der Kern des Tiefdruckgebietes über der Ostsee; über der Nordsee stieg der Luftdruck außerordentlich stark. Die Nachrichten aus England ließen indessen das Nahen einer neuen Depiession erkennen, so daß auch für die nächsten Tage eine Aenderung der allgemeinen Wetterlage kaum zu erwarten ist ** Der neue Oberpräsident. Die Ernennung des Abg. Gronowski zum Oberpräsidenten von Westfalen ist in der Sitzung des preußischen Ministeriums am Freitag vollzogen worden. Gronowski wird in den nächsten Tagen nach Münster übersiedeln. ** Kirmes heißt das Zauberwort, welches heute ganz Schwerte in seinen Bann schlägt. Zwar hat sich der Aufbau der Budenstadt gegenüber den Vorjahren in sehr bescheidenen Grenzen gehalten, aber in den Lokalen unserer Stadt sind umfangreiche Vorbereitungen für die würdige Feier des großen vaterstädtischen Festtages getroffen. Ueber all finden Künstler=Konzerte, Festbälle und andere Kirmes=Belustzigungen statt und von„selbstge. machter“ Rinderwurst, einer besonderen Speziali tät der Schwerter Kirmes, sind hunderte von Meern angefertigt worden. Also, die nötige Anzahl Papierlappen“ eingesteckt und dann„rinn ins Vergnügen"! ** Unsere Kinder auf Binz. Ein im Erholungsheim auf der Insel Binz weilendes Kind hat an seine Eltern folgendes geschrieben: Nun ist die lange Fahrt zu Ende und euere Kinder sind wohlbehalten im„Jugendglück“ angelangt. Ihr habt sie sicher immer in Gedanken begleitet: was mögen sie erleben. Sehr lustig wars in dem Wagen. Zuerst gab's nur ein Staunen und Schauen was da alles draußen vorüberflog. Als es anfing dunkel zu werden, wurde eifrig erzählt, Vermutungen ausgetauscht, wie wohl das Wasser aussehen würde und wie lange man darüber fahren müßte. Wer schon einmal das große Wasser gesehen hatte, wie konnte der sich wichtig tun! Gesungen wurde und gespielt, bis die kleine Gesellschaft allmählich still wurde. Da konnte man die Lampe so schön dunkel machen und bald lagen die Köpfchen auf den Schultern der Nachbarn. Bloß ein paar fanden es viel zu interessant, um zu verschlafen, bis auch ihre Zeit kam. In Berlin gab es den Spaß, daß man vom Bahnhof Friedrichstr. bis zum Stettiner Bahnhof durch die menschenlec ren Straßen marschierte. Es war eben hell geworden, jetzt konnte man schon sagen:„heute nachmittag sind wir in Binz. Immer höher stieg die Spannung in den folgenden Stunden, bis dann endlich der Augenblick kam, da die Eisenbahnwagen auf die große Fähre geschoben wurden, da lag es vor ihnen das Wasser. Die Sonne schlen so schön auf die grünliche Fläche, da fuhr sogar ein Dampfer, und die Türme von Stralsund blikken so stolz und hoch herüber. Ganz stumm waren die Kinder vor Staunen, nur leider, als es gerade am schönsten wurde, war die Seereise schon wieder zu Ende. Aber nun kam die„Insel", dawar das Staunen fast noch größer. Man fuhr durch Felder und Wälder, an Ortschaften vorüber, vom Wasser war nichts mehr zu sehen. So groß hatte ich mir die nicht vorgestellt, die ist ja noch größer als Dortmund. Die Ungeduld war ganz vergessen vor lauter Staunen. Um 5 Uhr konnte man dann in Binz aussteigen und voller Erwartung noch ein Stück laufen bis zum„Jugendglück" und zur„Heckenrose". Da war eine grüne Girlande um die Tür gewunden und man wurde gleich mit Kaffce und Kuchen empfangen. Hinterher durfte man das Meer und den Strand sehen. Nun, davon werden euch eure Kinder selbst erzählen, das war etwas Wunderbares: das weite, weite Wasser und die langen Wellen, die herangerauscht kamen, und der tiefe, weiche Sand und die vielen, vielen Muscheln. Ganz erfüllt von dem Vielen, Neuen ist die kleine Gesellschaft dann bald schlafen gegangen. Alle lassen euch sehr schön grüßen, bald werden sie euch selber schreiben.— 1 glückliche W ochen sollen ihnen hier bereitet werden. Liebe Eltern, trübt ihnen auch nicht unbedacht die Freude. Schreibt ihnen nur fröhliche Briefe. nichts, was sie traurig machen können, und sollte sich bei dem einen oder anderen ja einmal das Heimweh zeigen, helft ihnen darüber weg durch guten Zuspruch in euren Briefen und freut euch Martin Salander. Roman von Gottfried Keller. 70:(Nachdruck verboten.) Martin Salander schloß also heraus, daß solches auf ihn ganz besonders gemünzt sein müsse, und indem er mit geheimem Ergötzen die alten Schnurren darin erkannte, wunderte er sich mir, zu was sie jetzt noch nötig seien, und daß Wohlwend die beleidigende Form nicht selbst gefühlt habe. Solange er ihn kannte oder zu kennen glaubte, ahnte er doch nicht, daß der gute Freund allmählich auch von einer gewissen Bos heit gefüllt worden, welche ohne sein Wissen dutch sickerke, wo er es am wenigsten wünschte, da der Zusammenhalt sich lockerte. Am Nachmittag machte er dann mit dem alten Bekannten und den Frauen und Kindern eine Bahfche 16. An einem Sonntagmorgen, als die Glocken verklangen und unversehens die„wohlige Stille dieser Skunde eintrat, nahm Marie Salander ein Buch zur Hand. Da trat Frau Amalie Weidelich in die Stube. Unsere Söhne, so fing sie an, die ans leider nicht mehr viel nachfragen, kommen nur zut Seltenheit einmal gelaufen. Früher kamienk sie zuweilen miteinander, jetzt scheinen ste sich zu meiden, und wenn sie bei uns unverhofft zusammentreffen, so schwatzen sie etwas Weniges, und der eine oder andere macht, daß er fortkommt. Erscheint ader einer allein, das geht nun seit eistem halben Jahr oder länger, und man fragt nech seinem Bruder, so heißts immer:„Weiß nichts von ihm, hab' ihn nicht gesehen! Seh' ihn überhaupt wenig die Zeit her!" So heißt's bei Isidor, und so bei Julian! Und doch stecken sie immer hier in der Stadt und haben Geschäfte, jede Woche müssen wir ein paarmal hören, sie seien da und dort gesehen worden, so müssen sie sich doch selber auch begegnen und sollten nicht sagen, sie wüßten nichts von einander. Da haben wir gesagt, ich und mein Mann, Herr Salander und Frau sind durch ihre Töchter eher auf dem Laufenden, gefährlich wird's am End' nicht sein, sonst würde man uns doch Kundschaft geben! Da bin ich denn heut richtig abgeschwenkt und zu Euch gekommen!“ Frau Salander schwieg verwundert einen Augenblick, indem sie zugleich überlegte, ob sie der Frau Gegenschwäherin die zum Teil ähnliche Erfahrung an den Töchtern mitteilen solle. Es könne nur zur besseren Erleuchtung der beunruhigten Leute beitragen, dachte sie, wenn sie davon Kenntnis erhielten, die ihnen offenbar ganz abgehe. „Unsere Töchter“, sagte sie,„haben uns von diesen Dingen nichts avertraut, wahrscheinlich, weil sie ihnen unbekannt sind; wir haben in letzter Zeit nur gelegentlich von ihnen gehört, daß die jungen Männer viel abwesend seien.“ „Natürlich, das glaub' ich schon!“ warf Amalie Weidelich ein.„Das ist kein Geheimnis bei der Arbeit, die sie haben! Sonst wußten sie nichts, die Frauen?“ „Diesmal, ich will sagen von diesem Umstande wenigstens nicht!“ „Wie diesmal und von diesem Umstand? Aber ein andermal wußten sie, haben sie geplaudert, e! shon auf den Tag, da eure Kinder frisch und gekräftigt wieder zu euch kommen werden. ** Von der Elettrischen, Infolge der drückenden Notlage der Verkehrsunternehmungen sieht sich auch die Hoerder Kreisbahn veranlaßt, auf einigen Strecken schaffnerlose Wagen lausen zu lassen. Die Wagen erhalten deutlich kennbare Aufschriften, durch welche die Fahrgäste angewiesen werden, nur beim Fahrer rechts ein und auszusteigen. Die anderen Türen sind verschlossen. Der Fahrer nimmt das Fahrgeld entgegen und fertigt den Fahrschein aus. Um Aufenthalt an den Haltestellen zu vermeiden, ist es erforderlich, daß die Fahrgäste beim Einsteigen das Fahrgeld abgezählt bereit halten, da der Fahrer zum Wechseln keine Zeit hat. Am 4. ds. Mts. wird der erste dieser schaffuerlosen. Wagen auf der Westhofener Linie laufen. ** Der jugendliche Xylophon=Künstler H. Jahn legte gestern abend in einem Familienabend in den„Astoria"=Diele eine Probe seiner großen Künstlerschaft ab und erfreute die Zuhörer durch seine guten Vorträge. Es ist erstaunlich, welche große Fertigkeit der kleine Künstler auf seinem Instrument bbesitzt und welche Klangwirkungen er mit demselben erzielt. Nicht nur Märsche, leichtere Salonstücke etc., sondern auch Bruchteile aus Opern wurden dargeboten und fanden lebhaften Beifall. Der kleine Künstler wird am heutigen Kirmesabend nochmals auftreten und zwar im Rähmen eines größeren Konzertes im„Astoria". Allen Musikfreunden kann ein Besuch nur empfohlen werden. ** Warum das Zeitungspapier 18 Mark pro Kilo kostet gegen 21 Pfg. im Frieden. Die Ammendorfer Papierfabrik kann mit einem annähernd gleich günstigen Ergebnis abschließen wie im Vorjahre(40 v. H. auf Stammaktien, 20 v. H. Bonus und 6 v. H. auf Vorzugsaktien!). Der neue Dampfer„Minden“ des Norddeutschen Lloyd hat eben im Hamburger Hafen 6000 Tonnen(also 120000 Zent.) Zeitungspapier geladen, mit denen er im Begriff ist, die Ausreise nach Südamerika anzutreten. Inzwischen stöhnen wir hier über die Papiernot der Zeitungen und die Regierung und Reichstag zerbrechen sich angeblich den Kopf, wie der Not abgeholfen werden könnte. ** Neu=Deutschland, eine Vereinigung kathol. Schüler höherer Lehranstalten, die auch in unserer Stadt eine rege Ortsgruppe besitzt, veranstaltet am kommenden Sonntag, 7. Mai, einen Unterhaltungs= und Werbeabend im Vereinshause. Das Programm ist ein sehr reichhaltiges und besteht neben musikalischen und deklamatorischen Vorträgen in der Aufführung eines ernsten und eines heiteren Theaterstückes und zwar gelangt die Attighausenszene aus„Wilhelm Tell“, diesem hohen Lied der Liebe zu Heimat und Vaterland, und das Lustspiel„Fürst Kuno von Spatzenstein“ zur Aufführung. Die Festansprache hat Professor Dünnebacke=Dortmund, der geistliche Beirat des Gaues, übernommen, der über die Ziele dieser Jugendbewegung sprechen wird. ** Gebet um Gedeihen der Feldfrüchte. Die bischöfliche Behörde Paderborn ordnete an, daß bis zum 1. Oktober d. J. an den Wochentagen während der Schulmesse, an den Sonn= und Feiertagen bei der Nachmittagsandacht das Gebet um Gedeihen der Feldfrüchte(Sursum corda) verrichtet werde. Auch möchten die Geistlichen in der Predigt und Christenlehre auf die Bedeutung der sogenannten Bittage besonders aufmerksam machen und die Gläubigen zum inständigen Gebet aufmuntern. ** Der evangelische Verein junger Männer veranstaltet heute Abend 8¼ Uhr im Geineindehause einen Tee=Abend u. ladet seine Mitglieder u. deren Freunde dazu herzlichst ein. Für Unterhaktung ist in bester Weise gesorgt. *e Gerechte Strafe. Im vergangenen He## wurven verschiedentlich Schulmädchen in der### des Güterbahnhofes, an der Iserlohnerstraße an anderen Stellen von einem jungen Burs### überfallen, der sich in unsittlicher Weise an Kindern verging. In zwei Fällen gelang es. Lüstling in der Person des etwa 22 Jahre au# Arbeiters Re. von hier zu ermitteln. Vorgesch hatte sich dieser nun wegen dieser Straftaten der Hagener Strafkammer zu verantworten, ihn für ein Jaht ins Gesängnis schickte. ** Westhofen, 3. Man Persönlich Sein Ingenieur=Hauptexamen bestand an Handels= und Gewerbe=Hochschule der cand i K. Beyet von hier. Aus den Provinzen. Dortmund, 2. Mai. Das Messer.## gestern abend entstand an der Ecke SchützenGrünstraße, wahrscheinlich infolge eines vorg gegangenen Wirtshausstreites, unter einer An## Arbeitern eine Schlägerei, bei der das Messer Hauptrolle spielte. In dem Tumult erhielt Arbeiter Friedrich Jüngst aus der Kirchensug schwere Bauch= und Köpfstiche. Einer der k#### stiche war so tief geraten, daß das Messer nach aus der Wunde gewaltsam herausgezag werden mußte. Der Mann starb auf dem Traf port zum Krankenhause. Marten, 2. Mai. Auf der Schachtanlage### der Zeche„Germania“ fuhren in einem Brei## schacht acht Bergleute unbefugterweise auf Breinskorb. Während der Fahrt fiel ein sch rer eiserner Gegenstand in den Schacht herun und auf die Leute. Der Schlepper Andreas mann aus Marten wurde sofort getötet und Hauer Heinrich Pforr aus Lütgendortmund schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus Be# mannsheil nach Bochum gebracht werden mu Hagen, 2. Mai. Eisl obdachloser Hau besitzer. Ein Wärt in der Frankfurterstcch hatte sein Besitztum verkauft, ohne sich vorher# andere Wohnung zu sichern. Da er freiwillig se# Wohnung nicht verlassen wollte, so strengte neue Besitzer die Räumungsklage an, der geri### lich auch stattgegeben wurde. Demzufolge folgte am Freitag abend, 6½ Uhr, durch den richtsvollzieher die Räumung der Wohnung, der der neue Besitzer sogleich Besitz ergriff. alte Hausbesitzer war nun gezwungen, für# seine Frau und drei Kinder Obdach bei der Politz zu erbitten. Hamm, 2. Mai. Eisenbahnunfal Vorgestern ist im Bahnhof Hamm auf der Bri# über die Bahnhofstraße eine aus einigen lee# Personenwagen bestehende Rangierabteilung, in die Abstellgeleise fahren wollte, zur Ental## sung gekommen. Im selben Augenblick wollte Eilzug 12,50 Uhr ab Hamm nach Unna aus d# Bahnhof Hamm fahren und wäre fast in den## gleisten Leerzug gefahren. Vom Zugperson# wurde indessen die Gefahr noch rechtzeitig erkan und der Eilzug, der auch noch nicht in voller Fa### war, konnte zum Stehen gebracht werden, er die leeren Wagen nur gestreift. Zwei dieser M gen sind umgefallen, sodaß wohl nicht unerhe licher Sachschaden entstanden ist, Personen wurd aber glücklicherweise nicht verletzt. Der Eil fuhr zum Bahnhof zurück und wurde von den umgeleitet. Barmen, 2. Mai. Mord. Der Maler#u# Anstreicher Adolf Göbel wurde in seiner Wohnu## Nordsträße ermordet aufgefunden. Die Lei wies schwere Stichwunden am kopfe auf. Unt dem Verdacht, das Verbrechen begangen zu habtt wurde ein Mann verhaftet. Als Marie nicht sogleich zu antworten vermochte, redete die andere Mutter mit gespannterem Tone fort: „Seien Sie nur offen und hinterhalten Sie nichts! Sehen Sie, wir haben auch davon gesprochen, ob nicht ein Familienzwist, eheliches Zerwürfnis und dergleichen vorhanden sei; ob die jungen Weiber auch sich in die Verhältnisse schikken oder vielleicht unzufrieden seien und den Männern zu Haus das Leben schwer machen? Sie müssen es nicht übel nehmen, Frau Schwäherin, man hat Beispiele, daß zwei Schwestern, die in die gleiche Familie geheiratet haben, zusammenhalten und gern miteinander Komplott machen, wenn es Unfrieden gibt, und imstande sind, alles auf den Kopf zu stellen! Ich will ja nichts damit gesagt haben, nur die Spur suchen!" Nach nochmaligem kurzen Besinnen fand Marie Salander es an der Zeit, ihr ohne weiteren Rückhalt auf die Spur zu helfen. „So?“ sagte die arme Frau Weidelich mit gedehntem Laute, höchst betroffen und bleich geworden, denn trotz ihrer anzüglichen Reden von vorhin traf sie die Eröffnung so unerwartet, wie ein Blitz aus blauem Himmel. Sie fühlte das schöne Lebensgebäude schwanken, das sie mit so viel Sorge und Kunst ihren Söhnen aufgerichtet. Der erste Gedanke war das große Erbgut, das viele Geld, und der zweite, daß nicht einmal Kinder da seien. Während sie noch dasaßzen, trat ganz aufgeregt Vater Weidelich ins Zimmer und brachte die Kunde, daß Isidor wegen Amtsunterschlagung verhaftet und der andere der sauberen Söhne desgtrichen Vergehens wegen flüchtig geworden sei. Marie Salander benutzte die herrschen Stille, um nach einem Glase frischen Wassers gehen und sich dann still in eine Ecke zu setzen,# der Absicht, nicht nur selbst einen Augenblick#### Sammlung zu gewinnen, sondern auch das vo##Unheil ergriffene Ehepaar zu einer kurzen Ru## zu verlocken. Es gelang ihr auch, beinah ein bes Stündchen zu überstehen, ohne daß die Stit anders als durch ein Stöhnen oder Seufzen u# terbrochen wurde. Mit rascheren Schritten als gewöhnlich ka## ihr Mann heran. Sie dankte dem Himmel, sie ihn hörte, und ward doch über seinen Anbi## betroffen, der von Sorge und großem Aer### Zeugnis gab. „Da sind wir ja alle beisammen!“ sagte er,### Zimmer stehend,„augenscheinlich wißt ihr Neuigkeit schon!" „Leider sa!“ ließ sich Vater Weidelich vernei# men, der über Salanders Ankunft erwacht un aufgestanden war.„Ich bin zuerst hierher gekon men, Herr Salander, um Sie um Rat zu ersuche was zu tun sei. Es Est hoffentlich doch nicht arg, wie es im ersten Schrecken aussieht!“ „Es ist schlimm genug!“ erwiderte Salande# der die üble Verfassung Weidelichs und auch jenige der Frau bemerkte. Diese war scheinbe### teilnahmslos in ihrem Lehnstuhle sitzen geblieben mit abgewandtem Gesicht, und Frau Marie, di aus ihrem Winkel hervortrat, deutete gegen ihren Mann auf sie hin. Dieser suchte sich deshalb schonender auszudrücken, als er gestimmt wak. bung folgt). Bochum, 2. M hütte. Mehrer eine Zacd vorn zur Rast in der Herren wollt tierte dabei etw Schuß löste. Die Dr. med. Grüge verletzte den Arz verschied, Corsfeid, 2. trunken ist der Abwesenheit des Bildhauers Mülheim(R Unglück. In riet eine junge? Schneckengetriebe zu befreien, muf holten Arzt ein Krefeld, 2. 2 der Eisenba besonders verschl Seide nach Kreft Sie war für n Nachdem der### eingelaufen und den war, ergab be verletzt und versehen war. terwegs auf de lenz—Köln bere Es fehlten acht Millionen Mar Nachforschungen ermittelt, daße Posten Seide u Kauf anboten. auf der Eisenb stätigte sich. Di Diebe oder Heh Köln, 2. Bei den Aufrä an einem Stütz 11 wurden dor von einem Gen in einen Haus diese. Durch Frauen und 2 mußten ins K Köln, 2. M Radium ve verhaftete drei dium im Werte land verschiebe Bonn, 2. M lingen. Dr. letzten Nächte drei Burschen Begelo * KSA Das Mu verlierbarste im ganzen A Wir Gr Pflicht zu u auch, wie d Pflicht sich Kinde gleich moderne Pl rungen Be pflichtfreudig das zu erre sierung, son Massenbeitri ziehung beg vom zarteste strebt sein, geregelte B Kind an e Hier schon. 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Messser.### Ecke Schützenlge eines vora# nter einer Anz# er das Messer umult erhielt der Kirchensug Einer der ko## das Messer m herausgeza b auf dem Trat Schachtanlage 2 in einem Bren# terweise auf rt fiel ein sch Schacht herun per Andreas B### t getötet und tgendortmund ankenhaus Be# ht werden mus chloser Hau Frankfurtersuch ohne sich vorher# er freiwillig se# 2, so strengte se an, der geri## Demzufolge hr, durch den er Wohnung, Besitz ergriff. swungen, für ach bei der Poliz nbahnunfal im auf der Bri## us einigen leen gierabteilung, llte, zur Ental## genblick wollte ch Unna aus d## e fast in den# om Zugperson rechtzeitig erkan cht in voller Fah ht werden, er Zwei dieser ihl nicht unerh Personen wurh etzt. Der Eil wurde von### Der Maler u# r s e i n e r W o b n u# den. Die Le kopfe auf. 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Im Waschkübel er trunken ist am Dienstag nachmittag während der Abwesenheit der Mutter das 1% jährige Kind des Bildhauers Keppler. Mülheim(Ruhr), 2. Mai. Schreckliches Unglück. In der Schroerschen Malzfabrik geriet eine junge Arbeiterin aus Oberhausen in das Schneckengetriebe des Silos. Um die Unglückliche zu befreien, mußte ihr von einem rasch herbeigeholten Arzt ein Bein abgenommen werden. Krefeld, 2. Mai. Seidendiebstahl auf der Eisenbahn. Aus Basel war in einem besonders verschlossenen Wagen ein großer Posten Seide nach Krefeld zum Versand gebracht worden. Sie war für mehrere hiesige Firmen bestimmt. Nachdem der Wagen auf dem hiesigen Bahnhof eingelaufen und zur Entladung bereitgestellt worden war, ergab sich beim Oeffneu, daß eine Plombe verletzt und der Wagen mit falschen Schlössern versehen war. Der Verdacht, daß der Wagen unterwegs auf der Strecke BaselKarlsruhe-Rod lenz—Köln beraubt worden war, bestätigte sich. Es fehlten acht Ballen Seide im Werte von 5 Millionen Mark." Sofort wurden umassende Nachforschungen angestellt. Inzwischen wurde ermittelt, daß einige Personen in Elberfeld große Pösten Seide unter verdäichtigen Untständen zum Kauf anboten. Die Vermutung, daß es sich um die auf der Eisenbahn geraubte Seide hundele bestätigte sich. Die Seide wurde beschlagnahmt. Die Diebe oder Hehler wurden verhaftet. Köln, 2. Mai. Explosionsungllück. Bei den Aufräumungs= und Sprengungsarbeiten an einem Stützpunkt zwischen den Forts 9a und 11 wurden dort arbeitende Frauen und Mädchen von einem Gewitter überrascht. Der Blitz schlug in einen Haufen Leuchtkugeln ein und zündete diese. Durch die Stichflamme wurden mehrere Frauen und Mädchen verbrannt; drei derselben mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Köln, 2. Mai. Für 1½ Millionen A Radium verschoben. Die Kriminalpolizei verhaftete drei Personen, die 59 Milligramm Radium im Werte von 1½ Millionen Mark ins Ausland verschieben wollten. Bonn, 2. Mai. In der Gewalt von Rohlingen. Dr. Roth aus Erpel wurde in einer der letzten Nächte auf der Remagener Brückenseite von drei Burschen überfallen, die ihn seiner Barschaft beraubten und ihn dann aufforderten, ins Wasser zu springen. Als Dr. Roth sich weigerte, versuchten ihn die Banditen mit Gewalt hinabzustoßen. In seiner Todesangst klammerte sich der Ueberfallene an das Eisen an. Jetzt zogen die Rohlinge ihre Messer und brachten Dr. Roth Schnitte in die Finger bei, so daß er, von Schmerz gepeinigt, loslassen mußte. Im Sturz erfaßte er glücklicherweise eine Eisenstange, wodurch es ihm möglich wurbe, ein unter der Brücke hängendes Gerüst zu erhaschen. Auch dorthin folgte ihm einer der Kerle, schlug ihm das Nasenbein entzwei und richtete ihn furchtbar zu. Nach Verübung dieser Heldentaten verschwanden die Uebeltäter, während Dr. Roth sich blutüberströmt zu seiner Wohnung schleppte. Lehle Brähtmeibungm. Preußischer Landtag. Berlin, 3. Mai. Der preußische Landtag nimmt heute wieder seine Beratungen auf. Die Plenarsitzung beginnt um 3 Uhr nachmittags. Reichstagsabgeordneter Haas in Genua. Genua, 2. Mai. Der demokratische Reichstagsabgeordnete Haas ist heute hier enigetroffen. Er hatte Besprechungen mit dem Reichskanzler und mit dem Außenminister, die ihn über den bisherigen Gang und den Stand der Verhandlungen in Genua unterrichteten. Bumbenexplosion in Budapest. Budapest, 3. Mai. Gestern abend um 8 Uhr explodierte eine Bombe im Kellerfenster unter dem Offiziersspeisesaal der Franz Josefkaserne. Die Vombe riß eine Mauer durch. Menschenleben sind nicht zu veklagen. Die sofort eingeleitet: Untersuchung verlief bisher ergebnislos. Barthon ist abgereist. Genua, 3. Mai. Barthon ist heute vormittag mit dem Kabinettschef Lamirault nach Paris abgereist. Blutiger Zwischenfall. Berlin, 3. Mai. Die„Deutsche Zeitung", die einzige heute ftüh in Berlin erschienene Zeitung, meldet, daß in Jena gestern vormittag zwischen kommunistischen Arbeitern und einer Studente: verbindung eine schwere Schlägetei stattgefunden hat, wobei das Verbindungshaus der Burschenschaftler Germania von den Arbeitern gestürmt wurde Evangel. Stadtmission, Kuhstraße 7. Heute, Mittwoch abend 8 Uhr: Familien878 Wetter=Aussichten für mehrere Tage im voraus. 3. Mai wenig verändert. 4. Mai kaum verändert. 5. Mai veränderlich, Tags angenehm. 6. Mai wenig verändert, fruchtbäres Wetter. Stadttheater Dortmund.“ Donnerstag, 1. Mai, 7½ 10½ Uhr:„Zar und Zimmermann". Konkische Oper mit Ballett in 3 Aufzügen von Albert Lortzing. K Handel und Börse olkswirtschaft Mut ulliock onbnbendeudbnrhibebnschbrushnindnsbnbsichummffe Schwerter Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt zeichnete sich trotz der Kirmes wieder durch einen großen Mange! an Gemüse aus, während sonstige Händler mit allem möglichen Kleintram bereits recht zahlreich erschienen waren und flotten Absatz fanden. Rhaharber kostete 5 cA das Pfd., Zwiebeln 10 und 13 A. Apfelsinen 5, 6 und 8 M das Stück, Eier 3,70) M. Reichlich war wieder das Angebot in Seefischen(frischen) aller Art, die je nach Qualität §, 10 und 13 c kosteten und mit Rücksicht auf die hohen Fleischpreise viel gekauft wurden; Heringe kosteten 1—1,20 M. Außerordentlich lebhaft war auch der Handel in Gartensämereien. Schweinemarkt. Der heutige Schweinemartt, früher der Hauptmarkt des Jahres, war mit ca. 150 Tieren beschickt. Für 6 Wochen=Fertel mußten 350—300(K angelegt werden, ältere Borstenträger kosteten bis zu 1000 M. Der Handel war recht schleppend. * Die großen Bankfirmen Mendelssohn& Co. in Berlin und Amsterdam und die Bayerische Vereinsbank in München und Nürnberg haben ein „Freundschaftsverhältnis“ geschlossen. In köln wurde unter demn Namen„Textilunion A. G.“ eine Webwarengroßhandlung mit einem Aktienkapital von 2,5 Millionen Mk. gegründet. Der Anteil der deutschen Flagge in den deutschen Häfen betrug in Hamburg im Jahre 1921 nur 20,1 Prozent gegen 60 Prozent im Jahre 1913, in Bremen 28,3 gegen früher 66,6 Prozent. 418 deutsche Schiffe wurden allein nach England abgeliefert und dort verkauft. 280 neue Schiffe sind dagegen von uns wieder gebaut oder im Ausland angelauft worden, und 230 Schiffe mit 1¼ Millionen Tonnen Tragfähigkeit befinden sich noch im Bau. In Rußland, namentlich auf der Moskauer Börse herrscht eine stürmische Nachfrage nach deutscher Mark. Die Russen wollen ihr Geld in deutscher Mark anlegen, da der Rubelwert immer tiefer sinkt. Für eine einzige deutsche Mark zahlt man zur Zeit 100000 Papierrubel! Dem Präsidenten des Nordbeutschen Lloyd, in Bremen verlieh die Technische Hochschule zu Danzig die Würde eines DoktorIngenieurs ehrenhalver. Verliner Börlenkurse vom 2 Mai 1922 aitgeleill vom Barmer Bank=Verein, Schwerle 5.2„Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein......... 265¾ Deutsche Bank............... 600 shonto ½ resdner Bank 328 amb.=Amer.=Pat. 435 Allgem. Elektr.=Ges. Baroper Walzwerk........... 1250 Bochumer Guß.............. 1100 Bösperde Wälzwerk............ 950 Daimler Motoren 481 Deutsch=Luxemdurg......... 1015 Deutsche Kaliwerke............ 1900 Dynamit 705 elbec Forbm.. Essener Steinkohlen 400 Gelsenkirch Bergw Gasmok. Deutz............... 715 Harpener Bergw. 1810 Hoesch Humboldt Masch............610 Mannesmann 9 Oberschles Eisenb-Bed..... 985 Orenstein 8 Koppel........... 1050 Bergbau 1190 Peisholz Pap. 580 Rhein. Stohlwerke........ 1070 Rombacher 595 Schucker! 660 Stegen=Solingen...............9 Ver. Dt Nickelwerke....... 1129 Westf. Draht-Ind. 610 Westf. Eisen, Lagendreer.......... 650 Auslands-Wechselkurse der Berliner Börse (Devisenkurse) Man zahlke deutsche Mark: för am 1. 5. 2387.— 5962.50 1247.40 100 belgische Franken 100 dänische Kronen“. 1 engltsches Pfund 100 französische Franken: 2596.75 100 holländische Gülden 10736.55 100 italienische Lire.... 1498,10 100 polnische Mark.... 6,90 100 schwedische Kronen.. 7280,85 100 schweizerische Franken 5468,15 100 tschechische Kronen.. 554,30 am 2. 5 2466,90 6152,30 1288.35 2686,80 11036,15 1553.05 7.20 7530,55 5642,90 588,30 Ein Dolar..... 281/64 291,13 Regelmäßige Frauenbeilage 1 Schwerter Zeitung Berker=Hausfra uns Näder Modenberichte Erziehungsfragen, Humor Haus und Küche Worte füe Frauen Mutter. Das Mutterherz ist der schönste und unverlierbarste Platz des Menschen, und jeder hat im ganzen Welttal nur ein einziges solches Herz Stifter. Mutter und Kind: Der Pflichtgedanke. Wir Großen wissen, wie sehr uns die Pflicht zu unserer Arbeit ruft, und wir wissen auch, wie doch oft recht herzlich sauer diese Pflicht sich uns darstellt. Wer möchte seinem Kinde gleiche Bitlernisse erleben lassen. Die moderne Pädagogik trägt den trüben Erfahrungen Rechnung, sie will lebenskräftige, pflichtfreudige Menschen heranziehen und sucht das zu erreichen durch möglichste Individualisierung, sowelt eine solche im Rahmen ihres Massenbetriebes möglich ist. Aber die Erziehung beginnt nicht erst in der Schule Schon vöm zarkesten Alter an muß die Mutter be strebt sein, das Triebleden ihres Kindes in geregelte Bahnen zu lenken, sie muß das Kind an eine bestimmte Ordnung gewöhnen. Hier schon, bei der„Gewöhnung“, hat der Pflichtgedanke einzusetzen, hier schon muß die noch zarte Pflanze des Pflichtbewußtseins eingewurzelt werden! Mit dem noch kleinen Menschlein selbst wächst auch sie dann auf und erleschtert das fernere Erziehungswerk. Zuerst der kalegorische Imperativ von außen her! Du sollst— das muß der Leitmotio in der Kleinkinderschule sein, später ist es unendlich schwerer, die Kinder so zu formen, wie wir es wünschen, wie es zu ihrem Besten dienk. Aus einen inneren Drang heraus, aus Gewohnheit muß schon bei den Kindern die treue Ersüllung der Pflichten geschehen, dann schadet es auch vichts, wenn sie sich selbst weiterformen wollen und ihre Interessen dörthin richten, wohin sie Golt gelenkf hat, Sie werden nicht untergehen im Strom des Lioens, nicht die Arbeit als Ansirenguitig bitrachten, nicht die Pflichten als eine Last. Rudolf von Habsburg sagt in dem bekannten Gedicht von Schiller:„Was ich als Ritter gepflegt und getan, nicht will ich's als Kaiser entbehren!“ Der Pflichtgedanke, der schon dem Kinde in Fleisch und Blut übergegangen, bleibt ein Leben lang und führt allein zum währen Glück und zum Befriedigtsein. Auslandshilfe für deutsche Kinder. In Peru wurden 1,5 Millionen Mark gesammelt. Davon wurden 200000 Mark für Wien bestimmt, je 100.000 Mark erdielten die Erzbischöfe von Köln, München und Paderdorn für bedürftige Waisenhäuser, der Rest wurde den Behörden großer Städte zur Unterstützung von Kindern zur Verfügung gestellt. Die Methodisten haben im vorigen Sommer in ihren vier deutschen Erholungsheimen über 1000 Kinder verpflegt und werden die Fürsorge auch in diesem Jahre fortsetzen. Englische Quäcker spendelen wiederum für tuberkulöse deutsche Kinder 72 Tonnen Lebertran, 300 Kisten Schmalz und 75 Zentner Zucker. Ein Deutsch=Amerikaner, der schon häufig große Summen spendele und ungenannt dleiben will, stellte abermals rund eine Million Mark zur Verjügung für deutsche Kinderheilstätten, Säuglingsheime und Walderholungsstätten. die Frau in der Oeffentlichkeit nung ausgesprochen, daß die Frauen, die den Weg zur Kleinkinderschule an den dunklen Winterabenden gescheut haben, an den helleren Sommerabenden das alte Band der Treue zum Verein wieder knüpfen. Schwerker Frauenbund. Am Sonnabend, dem 6. d. M., nachm. 3 Uhr wird in der„Reichskrone“ auf Veranlassung des Kreiswohlfahrisamtes zu Hörde ein Film über Säugtingspflege, vorgeführt. Die Vorführung wird durch einen Vortrag des Kreismedizinatrates Dr. Polten begleilet. Der Eintrittspreis beträgt 4 Mark. Zahlreicher Besuch erwünscht. Der Provinzialverband für die epangelische weibliche Jugend Westfalens hatte seine Jahreslagugg am 22.4—25. April in Witten. Der Höhepunkt war eine gewältige Kundgebung am 23 Aptil auf dem Hohenstein bei Witten, an dem wohl an 3000 junge Mädchen aus dem Industriegebiet teilnahmen. Diese Kundgehung brachte in erhebender Weise zum Ausdruck, wie gewaltig die christliche Jugendardeit in jetzter Jeit zu: genommen hat. Die folgenden Tage gehörten gernster Arbeil in kleinerem Kreise. Die Vereine (Wesisalens halten dazu als Vertreter die Leitung und je zwei jugendliche Mitglieder entsandt. Die bekannte Romandichterin Ida Boy=Ed seierte am 17. April ihren 70 Geburtslag. Zuytreiche Werke sind aus ihrer Feder heroorgegängen. Tochter eines Lüdecker Buchdruckers Eo heirgteie sie mit 17 Jahren den Lübecker Kaufmann Voy. Der Kaiser ehrte sie, indem er ihr und ihren Söhnen den Doppelnamen Boy=Ed verlleh. Die Vaterstadt Lübeck gewährk ihr seit zehn Jahren das Ehrenwohnrecht im„Burghaus“ leiner Stätte allet, vörnehmer Haseatenkullur. Für Küche und Haus Schwerter Frauenleben Die Mitglieder des Gustdv=AdolfFrauenvereins haben beschlossen, auch im Sommer— was bisher nicht Brauch war— pte Arben fortzusetzen“. Es würde die HossSardellen= oder Heringskunlle. Hierzu muß man Schalolten und Mehl in Butter hellbraun werden lassen, dann Fleischdrühe(Knochenbrühe) aufgießen, etwas Nelken, Pfeffek. Zitronenschale und einige Tropfen Zitronensaft oder Essig anfügen. Dies läßt man zusammenkochen, fügt seih gewiegte Sardellen oder Heringe an, läßt nöch einmal aufkochen und schlägt sie durch. Juckhtrbrozeln. 250 Gramm Butler, 255 Gramm Méhl, 125 Gramm Zuckerz 1/ Liter skurer Rahm, 3 Eigelb, 1 Eiweiß knete matt zu einem Teig, sorme 18 Jentimeter lange, fingerdicke Ssengel, bilde Brezelntinge daraus, bestreiche sle mit Elweiß, bestreue sie mit grobgestonerlem % 5 Zucker, geschällen und gehackten Mandeln und dachke sie helbraun. Gesundheitspfloge. Hygienische Nachlässigkeiten. In Hinsicht der Gesundheitspflege ist schon viel Aufklärung ins Volk hineingetragen worden, und wenn auch besonders die sorgende Hausfrau weiß, daß„Reinlichkeit Zeit und Geld kostel“, so weiß doch auch jeder andere, daß gerade alle auf die Reinlichkeit des Körpers und Sauberkeit des Heimes aufgegewendeten Kosten und Arbeiten sich reichlich lohnen. Und dennoch, es gidl noch immer hygienische Nachlässigkeiten. Man bedenke einmal. wie oft und von wie vielen Personen die Türklinken angefaßt werden! Es geschiehl wahrhaftig, nicht immer mit blitzsauberen Händen, schon der Schweiß der Hand setzt sich an den Klinken fest, er wird zersetzt, es bilden sich unsichtbare Schimtelgebilde, in der Luft umherfliegende Bakterien setzen sich daran, andere tragen sie dann weiter. Namentlich in den Büros öffentlicher Behörden, in denen die Menschen eine und ausgehen, sollte man auch die Türklinken entschieden tagläglich mit einem desinfizierenden Mittet abwaschen und reinigen lassen. Man rieche uur einmal an schmutzigen Türklinken; man wird entsetzt zurückprallen vor dem Geruch. Auch die Griffe der Schirme und Söcke; die man oft stundenlang in der warmen, schwitzenden Hand trägt, werden nur selten gereinigt. Ueber den Schmutz an unserem Paptergeld, das fortwährend von einer Hans' in die andere wanderk, ist schon genügend geschrieben worden. Die Gelehiten haben tausende oft sehr gefährlicher Krunkheitskeime und Bakterien nachgewiesen. Reinigen kann man das Papier freilich nicht, ader man kann zu seinem Vorteil danach trachten, möglichst wenig mit dem Geld in Berüyrung zu kommen. Die Hausfrau kaufe, soweit angängig, immer gleich größere Mengen ein oder bezahle ihre ständigen Lieferanten wöchentlich oder monatlich. Und dem Kaufmann stehen die Vorteile des Scheckverkehts zur Seite, bei dem er Milliondn umsetzen kand, ohe einen Pfennig in die Hand nehmen zu müssen Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Verstorbenen sprechen wir allen unseren innigsten Dank aus. Familie H. Weber. „„„„ a. N g Hinsberg Fischer& Toms. Ainsbergy rischerSs Sear! Kommanditgesellschaft auf Aktien. Bilanz vom 31. Dezember 1921. Waderariele liefert schnellsten: Druckerei E. Braus Praufeln findet Lehrstelle im hiesigen Fabrikgeschäft. Selbstgeschriebene Angebole unter E. 2001 an die Geschäftsstelle der Zeitung erbeten. Weide-Vieh zum Mitweiden auf I a. hiesiger Ruhrweide wird noch angenommen.— Näheres 5. Flügge in Grevenstein(Kreis Arnsberg) Oeffentliche Fernsprechstelle. 1998 So1 Nicht eingezahltes Aktienkapital Kasse, fremde Geldsorten, Zinsscheine und Guthaben bei Noten- und Abrechnungs.Banken Wechsel und unverzinsliche Sehatzanwelsungen Guthaben bei Banken und Bankfirmen Vorschüsse gegen börsengängige Wertpapiere Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffüngen Eigene Wertpapiere Beteiligungen an Gemeinschaftsgeschäften Dauernde Beteiligung bei anderen Gesellschaften Aussenstände in laufender Rechnung Aval- und Bürgschaftstorderungen M. 833.939.048.53 Bankgebäude Einrichtunken Sonstige Liegenschaften 236 900 94855 noch zu vorteilhaften Preisen, ferner echten G. A. Hanewacker-Kautabak Mk. 830.— pro 100 Rollen. Maschwitz& Ostermann Hagener Straße 1. Haben Aktien- Kemmandit- Kapital und Biolage- Rechnung der Geschäftsinhaber Rücklagen Gläubiger Akzepte und Schecks Aval- und Bürgschaftsverpflichtungen M Rückstellung für Kriegssteuer Rückstellung für Talonsteuer Rückstellung für Grunderwerbssteuer Bau Rücklage Aktien-Dividende. Rechnung 1917120 Aktien-Dividende-Rechnung 1921 Gewinn- und Verlust-Rechnung 1922 4,443,425 916/24 Gewinn- und Verlust-Rechnung vom 31. Dezember 192 der evangelische Verein junger Männer veranstallet heute Abend 8½ Uhr im Gemeindehause einen So1! Verwaltungskosten Steuern und öffentliche Lasten Abschreibungen und Rückstellungen Reingewinn Haben Vortrag aus 1920 Gebühren-Rechnung Zinsen-Rechnung Gewinn auf Wertpapiere A 173,365.830 10.906,949 722.047 49.571,362 234 566,89 A. 697.153/90 80,965,871/35 122,980,827 29.922,337 Das Töchterheim„Elim“ Dornholzhausen bei Bad Homburg v. d. Höhe,(fr. Vandsburg) Haushaltungspensionat und Kochschul vermittelt den heranwachsenden Töchtern gründlich Ausbildung auf christl. Grundlage. Ferner ist dem Töchterheim Elim“ die Frauendienstschule angegliedert. Dieselbe erteilt bekehrten Mädchen und alleinstehenden Frauen, welche einen Beruf in christl. sozialer Tätigkeit suchen, die erforderlich Ausbildung. Nähere Auskunft und Prospekt durch die Hausleitung. Oberschleiter überall! Wer über die Vorgünge in der Heimat unterrichtet sein will, der bestelle bei der Post den oberschlesischen Wanderer (Bezugspreis monatlich 25 Mk.) die älteste und bei weitem verbreitetste das bewührteste Anzeigenblatt Oberschlesiens. Wer Personal oder Stellung sucht, etwas kausen oder vertaufen will, wer Geschäftsverbindungen im kaufkräftigen Oberschlesien antnüpfen will erreicht dieses am schnellsten durch eine Anzeige im „Wanderer".— Zur Zeit werden von vielen Leuten die das polnisch werdende Gebiet verlassen wollen ieue Existenzen im Reiche gesucht. 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Zu erfragen in der schäftsstelle dieser ZeituJunger Bursch für Botengänge u. Verka gesucht. Zu melden in Bahnhofsbuchhandlung Daselbst kann auch Schulknabe beschäftigt werden. Eine junge Wolfshündin sehr scharf und wachsam u zwei 16 Wochen alte Ferl zu verhaufen. 20 Bechestraße 94. S 8 5 * SgE. S 6 S 32 Aaräe S 3•S S 2„SyE S 3— 8 s s SS S a SSsgzg 9 5 S 8 8 — 85 8839. S 2 Si E 2 6 jahrhundert nach Heidelberg kommen; es kannte ihn ja doch niemand mehr hier! „Ganz gemeiner Bandit war er doch!“ rief mein Nachbar jetzt wieder. „Nein, meine Herren, das war er nicht; er war ein durchaus edler Räuber. Er führte Krieg mit der Gesellschaftsordnung und schützte die Armen, er war so ein Stück Sozialist. Wenn er einen reichen Engländer gekupft oder mit vieren aus seiner weit verbreiteten Bande einen Postwagen überfallen hatte, wurde ein großer Teil an die Armen verschenkt. Deshalb war er auch nicht zu fassen, weil ihn die ärmere Bevölkerung schützte. Wissen Sie, daß ich eine ganze Anzahl Männer in hohen Stellungen kenne, die Schawinsky hat studieren lassen! Sie kennen heute ihren Wohltäter nicht, denn er näherte sich ihnen stets unter falschem Namen.“ „Prost, Schawinsky soll leben!“ riefen wir alle zugleich. „Es war nicht nur der Schrecken, sondern auch der gute Geist des Gebirges, so ein Stück Rübezahl, halb Kobold, halb Engel.“ „Meine Herren!“ unterbrach jetzt der Wirt das Gespräch,„wenn Sie jetzt Punsch trinken wollen, das Wasser kocht!“ „Und wie!“ rief Alberich,„immer anfahren!“ „Bleiben Sie noch lange hier oben?“ fragte der Fremde und sah nach der Uhr:„Es ist bereits halb zwölf, und je mehr Sie trinken, desto schwerer finden Sie den Weg!“ „Ach was, den Berg rollt man ja nur so herunter!“ meinte Alberich,„und das neue Jahr muß man doch wenigstens erwarten.“— Damit war der Punkt erledigt. Und als der Kuckuck in der alten Schwarzwälder zwölf rief, stieß man an auf Glück im Examen und Gesundheit und langes Leben. Der Fremde war auffallend ruhig geworden. Schon eine ganze Zeit hatte er nichts getrunken. Mein Nebeumann flüsterte mir zu:„Du, der Schawinsky will sich einen klaren Kopf halten.“ „Wozu? Erwa um ein paar Studenten, die nichts haben als Durst, zu überlisten? Glaub' das nicht! Der Räuber hatte ja auch seine guten Seiten, vielleicht poniert er etwas.“ Als ob der Rätselhafte meine Flüsterworte gehört hätte, rief er dem Wirt zu:„Haben Sie Sekt“ im Keller?“ „Gewiß, Herr!“ „Nun, dann bringen Sie einen Korb herauf. Ich will mit den Herren noch einmal anstoßen.“ Wir saßen noch lange beisammen; endlich drängte uns der freundliche Wirt hinaus.„Haben Sie keine Angst!“ sagte er,„es ist sternhell!“ Es war eine herrliche Nacht. Ein weicher, feuchter Dust stieg aus den Wäldern auf, und im Tale schoß ein matter Lichtstreif hin, der Bafeler Schnellzug,— sonst belebte nichts die Nacht. Punsch und Sekt taten ihre Wirkung: wir sangen und jubelten; der Fremde schritt gelassen vorauf. „Wollen wir nicht in den Bärenzwinger hinuntersteigen?“ fragte er; ich zeige Ihnen dann den Schlupfwinkel Schawinskys, es weiß ihn außer mir niemand.“ Ein Steinkanz flog schreiend auf, und sein Schatten huschte riesengestaltig über die Schloßruine. Wir kletterten immer tieser hinnnter und machten endlich vor einem verjallenen Keller halt. Der Fremde zeigte auf eine vermauerte Bresche:„Hier ging es hinein, hier hatte er sein Absteigequartier eingerichtet!“ Tausend Fragen hatten wir noch an den Fremden zu richten, die er alie mit der größten Liebensvürd. gkeit beautwortete, ehe wir aus dem dunkten Bärenzwinger die schlüpfrigen Treppen hinausstiegen. Es war früh vier Uhr, als wir in Heideiberg durch das Karlstor marschierten. Der Fremde zog die Uhr. Wer weiß, wem die frützer gehörte? dachte ich, denn ich war sicher, daß wir er mit dem Schawinsky zu tun hatten. „Reine Herren, Ihre Geseltschaft war mit sehr anich gehe nach dem Hotei s genehm! Leben Sie wohl, schlafen.“ „Adieu, Herr von Schawinsky!“ rief ich jetzt und reichte ihm die Hand. „Meinen Sie?“ sagte er jovial lächelnd. Dann zog er höflich den Hut:„Mein Name ist... Schmidt, Li.örfabrikant aus Essen.“.... Kunst und Wissen. Wissenl. Kleischvergiftung durch Natureis. Diese Veraiftuna vin Eßwaren wird hauptsächlich durch Paratyphusbazillen hervorgerusen, die sich in Fleisch und Fischen vermehren und giftige Stoffwechselprodukte anhäusen. Da wir vor der Gefahr, daß solche gistbildenden Batterien durch bereits kranke Schlichttiere übertragen werden, durch das Reichsfleischbeschaugesetz geschützt sind, so wird die Möglichkeit am häufigsten sein, daß Fleisch oder Fische erst beim Transport oder Verkauf mit solchen Bazillen infiziert werden. Eine wichtige Erklärung für eine solche Infektion gibt Dr. H. Conradi, indem er darauf hinweist, daß dieselbe sehr leicht durch Natureis entstehen kann. Er untersuchte 151 Proben von soichem Eis und fand in 18 den Paratyphusbazillus. Das in den Handel gelangende Natureis, das diesen geführlichsten Erreger der Fleischvergiftung enthielt, entstammte einem Flusstauf des dicht bevölkerten Saargebiets, dessen Wasser durch die ungeklärten Abflüsse mehrerer Ortschaften in erheblichem Maße vernnreinigt war. In zahlreichen Haushaltungen und Gewerbebetrieben besteht noch die Gewohnheit, im Sommer zur Konservierung das Fleisch direkt aufs. Eis zu legen. Die Unterseite des Fleisches wird hierbei allmählich durchfeuchtet; mit den Eisbakterien geraten auch die Paratyphusbazillen in das Fleisch, vermehren sich, bilden Gifte und erregen so beim Genuß schwere Krankheitserscheinungen. Ferner setzen die Menger in der warmen Jahreszeit bei der Wurstbereitung dem Fleischbrei Eisstückchen zu und können so. wenn das Eis giftige Bazillen enthielt, ahnungslos eine Wurstvergiftung herbeiführen. Die gleichen Vorgänge ließen sich bei der Fischvergistung beobachten, da sich im Transporteis von Seefischen unter 98 Eisproben zwölsmal Paratyphuskeime nachweisen ließen. Da die Versorgung des Binnenlandes mit Seefischen nur in Eisverpackung möglich ist und zum Versand fast stets Natureis verwendet wird, so ist die Gefahr eine sehr große, daß während des Trausportes durch die Bazillen im Eis die Fische infiziert werden und späterhin eine Fischvergiftung veranlassen. Dr. Conradi hält es daher für unbedingt notwendig, daß das in den Handel gelangende Ratureis genau untersucht werde. Der Scheinpel Wie entstehen die Meeresströmungen? Zum Studi#m der Meeresströmungen hat Sandström in Christiania sehr in teressante dyuamische Versuche mit Meerwasser angestellt. Sie bezogen sich auf das Verhalten von Wasser, das aus einzenen Schichten von verschiedener Dichte besteht, gegen Wind und gegen thermische Arnderungen. Sowohl durch die Einwirkung von Winden wie von Erwärmung und Abtühlung können an verschiedenen Stellen des Wassers ganz verschiedene Strömungssysteme hervorgerufen werden. Mechanische Einflüsse, wie Winde usw., konnten nur kreisende Bewegungen in einer Schicht hervorbringen, währeno Vorgänge, die eine Veränderung der Dichte bewirkten, wie Erwärmung, Abkühlung, Vergrößerung des Salzgehaltes, wirbelfreie Strömungen in mehreren Schichten erzeugten. Durch diese Experimente will Sandström nachweisen, duß m. a. der Beifstrom nicht durch den Wind, sondern durch #hermische Faktoren und Veränderungen der Dichte hervorgerüfen ist. R e e ecse Pssiee S E S 27 5 5 □ 2.— S 2 S • 8 * 8 2 9 5 5 5 * 8 8 4 S S5gS3S"S5ESPERN 8833 8 S S S .gyEEg SS S 5 S 27 S 5 5 51 50 * 8 2 für den Kreie Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 103 Mittnoch, den 3. Mai Aur Herseiterde. ritz Gantzer. Roman von (26. Fortictzung.) s war gegen ein Uhr, als der Mercedes(Nahdruck verbeten) ich um einem Tropfen Kölnisches Wasser bitken...“ Und um ein Glas Zitronenlimonade? O ja, bitte, ich würde Ihnen dankbar sein...“ Und darf ich mich in einem Zimmer für Augenblicke sammeln. Ich bin völlig.. Aufregung mit Edith konnte in der Dame Frau Melanie Wessel begrücen und ließ sich nach ihr dem Begleiter Burmanns, einem berühmten Spezialisten für Nervenkrankheiten, vorstellen. Die Kapazität, Geheimrat Howard, ein hagerer Fünfziger, offenbar sehr korrekt, sehr zugeknöpft, anscheinend das Gegenstück zu dem guten Doktor Erselius, war gleich Beruf Er fragte sofort nach der Kranken und war der erste, der nach der Vorstellungsszene sprach. Frau Melanie tat merklich erschöpft, gab sich ungemein angegriffen und lag noch apathisch im Wagen zurückgelehnt. Sie sprach daher auch nicht. Und Burmann war wohl so von Sorge und Angst um das Leben seines Kindes umlauert, daß er nicht zu reden vermochte. Er starrte nach der Frage des Geheimrats mit verzerrtem Gesicht auf Joachim, was der sagen würde. Der ließ alle Tore der Hoffnung offen, als er von dem Befinden der Kranken sprach. Sein Hausarzt hätte den Zustand zwar als ernst erkannt „Nun, wir wollen sehen,“ ichnitt der berühmte Arzt ab. Ueberlegen lächelnd. Wie alle berühmten Leute lächeln.„Herr Kommerzienrat, bitte kommen Sie!“ Burmann nickte, war seiner Hausdame, die die Front des Hesselvörder Herrenhauses mit kritischen Blicken überflog, beim Aussteigen behilflich, während Joachim schon führend voraufging, und folgte dann rasch. Im Flur kam ihnen Tante Malve entgegen. Wieder Herr Geheimrat!“ sagte er ein paarmal, wie ein ängstliches Kind. Frau Melanie Wessel war in erster Linie um sich besorgt. Während die drei Herren nach den Zimmern Ediths hinübergingen, hielt sie Tante Malve, die folgen wollte zurück und sagte „Meine Liebe, verzeihen Sie, aber ich kann nach dieser wahnsinnigen Fahrt, die meine Nerven chokiert weiße Stirn und die biaugeäderten Schläen und schloß die Augen, während sie tief und qualvoll seuizte:„Darf Automobil... Ich hasse es, ich liebe dieses levensgefährliche Jagen nicht. Mein Ideal ist der Erpreß... Und wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir ihn auch benutzt.. Aber Tante Malve schnitt den Erguß energievoll ab. Wer weiß, was sie noch alles zu hören bekommen, wenn sie licht kurz und bündig unterbrochen häute:„Ich werde für alles Sorge tragen, treten Sie, bitte, hier ein!“ Sie öffnete die Tür zu ihrem Zimmer, bat, Platz zu nehmen und sie für kurze Zeit zu entschuldigen. Nach ein paar Minuten kehrte sie wieder und brachte das Kölnische Wasser. Die Zitronenlimonade würde so ort bereitet und herbesorgt werden. Die Hausdame Burmanns tat gerührt: Gute,“ sagte sie mit Augenaufschiag.„Ich „Sie Liebe, bin entzückt, eine gleichgestimmte Seele gesunden zu haben, wie es ja von Ihnen als einer Angehorigen eines alten Abelsgeschlechts nicht anders zu erwarten ist!" Sie roch an dem Wasser und fragte:„Sie kennen die Familie derer von Stranz? Ich bin nämlich eine geborene von Stranz.“ Tante Maive verneinte heitig. Es war iht höchst gleichgültig, daß Frau Melanie eine gevorene von Stranz war. Sie hatte jetzt Dinge von größerer Wichtigkeit zu bedenken. Und si. verstand nicht, daß man zu dieser Stunde von solchen nebensächlichen Angelegenheiten sprechen konnte. Bei Frau Melanie Wessel geborenen von Stranz hutte sie aber mit ihrer schroffen Enigegnung vollständig verloren. Wie durfte man so unwissend sein, die Stranz nicht zu kennen! „Aber meine Liebe,“ sagte sie spitz„ich bitte Sie! Eine Seitenlinie der Stranz' war ehedem reichsgräflich... Und mein seliger Großvater genoß die Ehre, kurbessischer Overlandesstallmeister zu sein.“ Tante Malve hob die Schultern„Es kut mir leid, daß ich so wenig informiert din. Aver es ist eben so.“ „Unglaublich!“ dachte die Wessel empört und roch abermals an dem Wasser. Dann brachte ein Mädchen die Limonade Und Tame Mulve lenkte das Gespräch auf Edith. Sie erzählte von dem Anlaß zu ihrer Erkrantung. Frau Melanie trank ihre Zitrone gedankenvoll und ellte heimlich fest, daß sie viel zu süß sei. Ja. allerdin: "S209 Oggc S0e 2 * 2.5 S SFy. G 9 95gg E * 8 — 3 S 6 S % n P SS0" E S SuxE S S 59 S###s B E 5 5 S 65 * 2 5 8 8 E S 5 3 8 2 6 F BS „ E 8 * EES 9 L 93 " S S 8 ## 2 5 — S 80 S Sy#: E***E Braße „* E 55 ##.. S 2 S 66 2 S 8 6 ###EE E 11— — 8* E 2 9" P D 1 S 6 G 5E S i 2 55 S am 5. 8 S S 05 T S „** ## 5 O S E (S wenn man in Hesselvörde nicht mal einwandfreie Limonade zu bereiten vermochte, dann war es ja auch kein Wunder, wenn man die Stranz' nicht kannte. „Wie?“ warf sie jetzt ein.—„Ist es möglich? Fortgelausen, in der Absicht, nicht wiederzukommen? O, das ist unverantwortlich von ihr! Aber gar nicht verwunderlich. Denn sie ist maßlos exzentrisch, nie Herrin ihrer Handlingen. Wenn es nun diesmal einen bösen Ausgung nahme?... Das ist die Folge verkehrter Erziehung. Ich habe stets Protest erhoben. Aber Georg Wilhelm... ich meine Herr Burmann, war nie für meinen gutgemeinten Einspruch zu haben. Ediths Wünsche waren Besehl. Ihre Launen hatte jedermann zu respektieren.. Damals als sie sich die Sache mit Hesselvörde in den Kopf gesetzt hatte, warnte ich sofort... Es war umsonst. Es mußte eben sein, weil sie es wünschte...“ Tante Malve schob die Augenbrauen zusammen. Die „Warnung“ vor Hesselvörde mißfiel ihr entschieden. „Hesselvörde an sich ist natürlich unschuldig an diesem Ausgang,“ sagte sie fest. Die Wessel biß sich auf die Lippen.„Gewiß,“ beeilte sie sich zu versichern.„Ich wollle nur sagen, daß es nicht gut war, Edith fortzulassen Es wäre besser gewesen, wenn man sie sich nicht so selbständig überlassen hätte. Aber ihr Vater ist ihr gegenüber eben immer von einer unverantwortlichen Nachziedigkeit gewesen. Und sie tyrannisierte ihn und das ganze Hauswesen. O, meine Liebe, was mußte ich nicht leiden! Wie arrogant ist sie mir gegenüber oft gewesen...!“ Die Tür ging, und der Eintritt Joachims machte der Anilage ein jähes Ende. Frau Melanie wurde plötzlich ganz Teilnahme und erkundigte sich wortreich nach dem Zustande Ediths und dem Ergebnis der Untersuchung durch Geheimrat Howard. Joachim gab Auskunft.„Ernst, aber nicht durchaus hoffnungslos, gnädige Frau.“ Sie erging sich in beglückten, überschwänglichen Redewendungen und machte es unmöglich, daß ein anderer zu Worte kam. Endlich verschaffte sich Joachim Geltung. Er sagte Tante Maloe, daß der Geheimrat bis morgen bleiben würde und daß für seine Unterkunft gesorgt werden müsse. Dasselbe gelte natürlich auch für Burmann. „Und auch Sie, gnädige Frau,“ wandte er sich zuletzt an die Wessel,„werden uns doch wohl das Vergnügen machen, für Ihr längeres Verweilen Sorge tragen zu dürsen?“ Frau Melanie erklärte huldvollst, daß er recht vermute. Solange sie über den Zustand Ediths keine endgültige Gewißheit besitze, würde es ihr nicht möglich sein, abzureisen.—— Für Tante Malve ergab sich infolge dieses unerwarteten Logierbesuches eine Fülle von Arbeit. Sie hatte bis zum Abend alle Hände voll zu tun und konnte sich um etwas anderes kaum kümmern. Frau Wessel langweilte sich und war davon überzeugt, daß man sie unverantwortlich vernachlässige. Sie fand Hesselvörde abscheulich, weil es an Zerstreuungen gar nichts bot. Es war ihr unbegreiflich, wie man hier dauernd leben konnte. Daß Edith es in dieser Oede wochenlang ausgehalten hatte, galt ihr als Rätsel. In der Abendstunde saß sie ganz allein. Der Geheimrat war in das Krankenzimmer gegangen, um Edith zu beobachten, und Burmann hatte sich mit Joachim auf dessen Bitte zu einer Unterredung zurückgezogen. Im Arbeitszimmer des Hesselvörder Herrn saßen sich beide gegenüber. Joachim sah abgespannt aus. Seine tiefliegenden Augen waren schwarz umrändert und flackerten im unruhigen, flirrenden Schein düster auf. Er hatte den Kopf müde in die Hand gestützt und blickte Burmann zersorgt an. Edirhs Vater trug nicht minder schwer an der großen, grauen Ungewißheit der nächsten Zukunft. Mit halber Aufmerksamkeit hörte er zu, als Joachim zu sprechen begann. Ihm erschien es Pflicht, dem Vater Ediths die Ursachen ihrer Erkrankung klarzulegen. Mit ein paar knappen Strichen streifte er die Vorgeschichte und erwähnte, daß Renate einige Zeit in Hesselvörde gewesen sei. Diese Mitteilung ließ Burmann überrascht aufsehen. „Verstand ich recht: Fräulein von Groening weilte hier?" „Gewiß! Ihr Fräulein Tochter wünschte die Anwesenheit Fräulein von Groenings dringend, weil sie meinte, ohne sie den Aufenthalt in der ländlichen Einsamkeit nicht ertragen zu können. Ich glaubte Sie übrigens danon unterrichtet.“ „Nein, nein, man hat mir nichts davon geschrieben. ... Und nun, wo ist Fräulein von Groening jetzt? Sie ist nicht mehr hier?" Joachim schüttelte den Kopf.„Es muß zu einem Zerwürfnis zwischen den beinen Damen gekommen sein. Gestern mittag ist Fräulein von Groening wieder abgereist...... Die Harmonie zwischen ihr und Fräulein Edith schien mir von vornherein getrübt.“ „Das ist fast unglaublich, Herr von Brandt! Verzeihen Sie, aber ich kann das kaum für möglich halten.“ „Es ist aber so. Und nach einer, wahrscheinlich sehr heitig verlausenen Aussprache kam es wohl zum Bruch. Fräulein ron Groening bestand mir gegenüber darauf, sofort abreisen zu wollen, und hat dies Vorhaben dann auch trotz meiner Vorstellungen zur Ausführung gebracht. Ihres Fräulein Tochter bemächtigte sich hierauf wohl eine starke Erregung, die sich so weit steigerte, daß sie mit Selbstmordgedanken umging. Sie entfernte sich heimlich, irrte stundenlang umher und wurde endlich in bewußtlosem Zustande aufgesunden. Die seelische Erschütterung und die kühle Nacht haben wohl dann zusammengewirkt, um die Krankheit hervorzurnfen.“ Burmann nickte und starrte mit sorgenvollem Gesicht in das Lampenlicht. Nach einer Weile erhob er sich schwerfällig und ging ein paar Mal zwischen Schreibtisch und Tür hin und her. Sein grauer Kopf lag tief auf die Brust gesenkt. Düstere Schatten spannten sich über seine Stirn. „Ich verstehe das alles nicht, ich sehe Rätsel über Rätsel,“ sagte er endlich grübelnd.„Es muß sich da um Geheimnisse handeln, die ich nicht zu ergründen vermag." Er sah Joachim forschend an:„Sind Sie imstande, mir irgend einen Fingerzeig zu geben?“ Joachim zuckle zusammen. Er hatte nach Beendigung der kurzen sachlichen Mitteilungen ganz im Banne seiner Not gestanden und sich die Frage vorgelegt, ob er schon heute, wo Burmann noch ganz von der Sorge um das Leben seines Kindes erfüllt war, von seiner Verlobung mit Eeith zu ihm sprechen dürfe. Sein Blick war abwesend und irrte verloren durch den Raum.„Herr Burmann,“ sagte er, halb unbewußt, von den Regungen seiner Seele geknechtet. „Sie wissen etwas?“ fragte Burmann zwingend und blieb, aufmerksam geworden, stehen. Er sah. den schlaff auf dem Stuhle Sitzenden forschend an. Joachim reckte sich auf und knöpfte an seinem Rocke. Nervös fingerte er daran hinauf und hinab. Er dachte seiner Vermutungen, die er während des Suchens nach Edith gehegt, und die wohl nicht salsch gewesen. Sollte er zu Vurmann davon sprechen? Er zauderte. Es war ihm peinlich, seine heimlichsten Gedanken, eine so delikate Sache betreffend, in Worte umzusetzen. Außerdem fürchtete er, dann auch nicht umhin zu können, von seiner Verlobung zu sprechen. Und das deuchte ihm plötzlich eine bare Unmöglichkeit. Denn Burmann würde das Sonderbare, Außergewöhnliche dieses Geschehens nicht begreifen. In einer Art Hilflosigkeit fanden sich seine Augen zu dem Gesicht des Kommerzienrats hin, in dem noch immer der forschende, zwingende Ausdruck stand. Er kam nicht wieder davon los. Und von dem harten Drucke eines „Du mußt!“ sich getrieben fühlend, beantwortete er die Frage Burmanns mit einem Ja. (Fortsetzung folgt.) n ###!!, 2 #n S E 9 S 65 5 * 95 2 S 20 ** S S SS 9* 80 ** 2 S 5 E* * B S E 5 S 8 5 8— 2 8 2" 5#E S 8 S 5 S#sts 9 9.5 ** S S S S S• 5 #ger: 5. • 8 5 5 5 * 8 2 . 28 8*2 S* * GS 5— # 5 S * * F 55811 72 S 5 85 S S 8 S 1— 5 S S ### S5ET * ∆ Denkspruch. Man muß seine krrtümer teuer bezahlen, wenn man sie los werden will, und dann hat man noch von Glück zu sagen. Geeibe. 17 Von E. von Geiersberg. (Nachdruck verboten.) Es war ein Winter mild und feucht. Ein kleines Häuflein Heidelberger Studenten waren wir aus Geldmangel in den Armen der Alma mater zurückgeblieben, hatten die Weihnachtsfeiertage bei Skat und Trunk verbracht und berieten nun im„Waldhorn ob der Bruck“, wie das Neujahr am besten anzufangen sei. Alberich, unser kleiner Archäologe, blickte sinnend zum Fenster hinaus. Aus dem Neckar dampften Nebel und hüllten die gegenüberliegenden Kuppen in weichen, blauen Duft. „Auf der Molkenkur!“ wirft Alberich hin, unsere Frage zu beantworten. So ein Vorschlag wird nie ohne Protest ausgenommen, denn Studenten teilen sich ihrer Individualität nach stets in drei Gattungen: jugendliche Schwärmer, phlegmatische Bierscelen und trockene Streber. Die letzte Gattung war in unserem Kreise nicht vertreten. Es erhob sich also ein Streit zwischen den beiden ersten. Die Schwärmer stimmten dem Alberich begeistert zu, die anderen schalten, daß man zu solcher Jahreszeit in die kahlen Berge klettern sollte— es wäre hier unten feucht genug. Die Vierseelen werden überstimmt. Wir brechen auf. Es ist gegen drei Uhr. Wir gehen am Neckar entlang. 111 Auf den Wassern wogt der Nebel gleich weißen, verführein rischen Nixenleibern hin und her; ein süßes Murmeln und Rauschen klingt aus den Wellen, geheimnisvoll, zauberisch. Nun gehts über die alte Brücke und dann in die Berge. Bunte, feuchte Blätter bedecken in Masse den Boden, und ein schwerer Duft von verfaultem Holz und Laub steigt auf. Durch die kahlen Bäume blickt lächelnd der blaue Himmel. Im Steigen wird uns behaglich warm. Bis wir die nebligen Berggipfel erreicht haben, fühlen wir den Mantel als eine Last. Endlich kreuzen wir die Zahnradbahn auf die Molkenkur und steigen am Hang in die Höhe. Tort oben winkt das gastliche Haus mit seiner schönen Glashalle, von wo der Blick weit hinaus in das Neckartal schweifen kann. Was werden wir dort oben bekommen? Die Saison ist längst geschlossen. „Seinen Heurigen hat der Wirt im Keller und Rum auch zu einem steifen Grog,“ meint Alberich,„darauf können wir es wagen. Der Wirt war nicht wenig erstaunt, als er uns am letzten Tag des scheidenden Jahres auf sein Haus zusteuern sah. Aber wir waren beliebte Sommergäste, und deshalb ließ er uns mit freundlichen Gruß ein. „Ein echter Studentenstreich,“ sagte er,„aber ich bin auf Aehnliches getaßt gewesen. Sie treffen's gut. Ein Gläschen Neuen zum Zuspitz!“ „Rechtschaffen!“ In der Halle war's zu kühl. Wir folgten unserem Wirte in ein kleines, intimes Kneipzimmerchen, und bald saßen wir am weißgedeckten Tisch, und vor uns perlte in hoher, geschliffener Karaffe der goldene Wein, kaum ausgegorener Most von diesem Jahre. „Wollen die Herren das alte Jahr bei mir schließen?“ fragte der Wirt. „Nicht allein das, wir wollen auch das neue beginnen, und zwar mit Punsch, wenn Sie haben.“ „Alles da, alles da.... Aber... die Herren...“ „Nun, was denn?“ fragten wir ungeduldig. „Die Herren können doch nicht in der Nacht hinuntergehen, und Betten haben wir nicht.“ (GE „So zechen wir bis in den Tag.“ „Und ich alter Mann soll auch so lange wach bleiben. #.. Nein, nein, meine Herren, das geht nicht.. „Dann geht schlafen, guter Mann,“ sagte Alberich mit Pathos.. Wir finden schon hinunter. Uns leuchten die Sterne; wir fürchten weder Steig noch Sumpf, weder Fels noch Schlucht.“ „Und der Schawinsky treibt doch auch sein Wesen nicht mehr in den Bergen!" warf einer hin, —„Der Schawinsky?! Nein!“ „Hat es nie gegeben.“ „Irren Sie sich nicht, meine Herren, es hat einen Schawinsky gegeben, ich weiß das besser!“ Diese Worte waren nicht von dem Wirt gesprochen. Hinter ihm stand ein Fremder, eine hohe, aristokratische Gestalt zwischen Fünfzig und Sechzig. Sein langer Schnurrbart war eisgrau und hing bis auf das dunkle Samtjacket herab. Die Nase war lang und stark gebogen, das Gesicht tief gebräunt, und die schwarzen Augen blitzten durchdringend unter den buschigen Brauen hervor. Der ganze Kerl hatte etwas Sarmatisches. Der Wirt erschrak über den seltsamen Gast. Aber da bestellte er einen Liter Wein, und mit einem leicht hingeworfenen:„Wenn die Herren gestatten!“ setzte er sich an den Tisch.„Ich bin von Neckargemünd über das Gebirge herübergekommen, eine verrückte Idee; ich weiß es, aber was tut man nicht alles, um die Zeit totzuschlagen. Ich laufe gerne, und die Jahreszeit ist mir kein Hindernis. Eigentlich wollte ich direkt hinunter; aber da mich die Nacht überraschte und ich hier Licht sah, trat ich ein. Es ist Ihnen doch nicht unangenehm?“ „Im Gegenteil... aber Sie wollten von Schawinsky—“ „Ja, den hat es gegeben und gibt ihn vielleicht noch. Wer weiß?!“ „Sie kannten ihn?“ „Gut, so gut, wie mich selbst. Es sind jetzt reichlich zwanzig Jahre, da machte er das Gebirge unsicher. Er mochte damals vielleicht Ende der Zwanzig, Anfang der Dreißig sein. Warum sollte er nicht mehr leben, irgendwo im Ausland; er müßte jetzt Mitte der Fünfzig sein; gewiß noch ein ganz schönes Alter, um das Geld, das er hier mit Dolch und Pistole verdient, in Ruhe zu genießen?!“ „Was war er denn eigentlich? Erzählen Sie doch!“ „Von Geburt war er ein ruthenischer Graf, hier im Gebirge trat er auf— halb Karl Moor, halb Schinderhannes.“ Jetzt kam der Wirt mit dem Wein. Der rätselhafte Fremde schenkte sein Glas voll und leerte es auf einen Zug. „Ach, das tut wohl! Lange, lange habe ich diesen Genuß entbehrt. Dieser Schawinsky spottete aller Bemühungen der Polizei. Und warum? Weil ihn keiner kannte. Es war damals eine Panik im Gebirge. Irgendein eleganter Herr begleitete eine Dame, zeigte ihr zufällig die Schönheiten des Heidelberger Schlosses, und plötzlich an einer abgelegenen Stelle forderte er ihr galant Uhr, Juwelen und Portemonnaie ab, indem er mit einem kleinen scharfen Dolche spielte. Hatte er sein Ziel erreicht, so küßte er der Erschreckten die Hand, und sich höflich verbeugend, nannte er seinen Namen:„Fedor von Schawinsky“. Ehe sich die Verblüfste von ihrem Schrecken erholt hatte, war er verschwunden, als ob ihn der Wind weggesegt.“ „Gemeiner Kerl!“ sagte ich und stieß mit dem Fremden an. Vom anderen Ende des Tisches rief ein Kamerad: „Prost, Herr Schawinsky!“ „Prost!“ antwortete der Fremde, und in seinen dunklen Augen blitzte es seltsam auf. Ich hätte darauf geschworen, daß es der Räuberhauptmann selbst war. Und nun erinnerte ich mich der Erzählungen meiner Mutter. Sie war ihm nur einmal im Gebirge begegnet, aber es kamen bald Menschen, so daß er sich zurückzog; selbstverständlich hatte er sich nicht vorgestellt. Aber ihre Beschreibung von dem Aeußeren des gefährlichen Räubers paßte auf unseren Tischgast. Und warum auch nicht. Warum sollte er nicht von irgendwoher nach einem Biertel