Regelmäßige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter u Lustiges Alleriei. Kinderzeitung. Unser Blatt.n Unterhaltungs- u. Romanbeilage. u Spiet, Sport und Curnen. u Ledensbild. Kunst u. Wissen. u Gartenratschläge. Verbunden mit: Schwerter Cagedlatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Westhotener Zeitung Apierbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Amtliches Kreisblatt für den Kreis Börde. Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jeitung" erscheint werktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck Dortmund 2852 Verantwortsiche Schriftleitung: Karl Richter; Stadt und Provinz: Friedr Krags; sämtlich in Schwerte. Nr. 102 Dienstag, 2. Mai 1922. 55. Jahrgang Die Ausgabe der neuen Hartmünzen. Die neuen Reichsadler und das neue deutsche Reichssiegen Remo vorgeschlagen haben. Man müsse vor allem vor dem 31. Mai darüber einig werden, was an Tue 8 Reichsadler aut der##r Das kleine R. Reichsadler als Lien: Standarte des Rleiche Reichssiege!# schmuck im Druck Präsidenten(Eahworf: Rotof koch, (Ertwurf, K Hoch. Offenbech ½/)(Erhw S-Wesch, Munchen) Ofenbech aM.) Zum Geleit. Zu seinen besten Gütern ist der Mensch durch Unfälle gelangt, und tausend Entdeckungen wären ihm verborgen geblieben, hätte sie die Not nicht erfunden. Sie ist das Gewicht an der Uhr, das alle Räder derselben treibt. Herder. Für eilige Leser. Neuigkeiten aus Nah und Fern. Die Botschafterkonferenz lehnte den französisischen Vorschlag, den deutsch=russischen Vertrag zu prüfen, ab. * In Altona stiegen Einbrecher in das gerade leerstehende„Pesthaus“ der Krankenanstalt ein und nahmen sämtliche Wäsche, Decken und Betten mit. Jetzt hat die ganze Stadt Angst vor einer Blattern=Epidemie, die durch den Verkauf der gestohlenen Sachen nicht unmöglich ist. * Nachdem die Lohnverhandlungen im Tarifausschuß der Buchdrucker ergebnislos verlaufen waren, wurde am Freitag in später Nachtstunde im Reichsarbeitsministerium ein Schiedsspruch gefällt, der den Buchdruckergehilfen und dem Hilfspersonal eine weitere Lohnerhöhung im gleichen Ausmaß, wie sie für den April vereinbart war, zusprach. * Der Gesamtvorstand des preußischen Landgemeindeverbandes hat einen Beschluß gefaßt, in dem er sich gegen die erneute Getreideumlage für 1922 ausspricht. Eine solche Umlage würde die Landgemeinden in Erregung bringen, die sich auch gegen die Gemeindevorstände richten würde. sodaß diese aufs neue ernstlich gefährdet werden. * Infolge der Verwundung eines bolgischen Unteroffiziers durch einen Ziegelstein ist der Verkehr in den Straßen Aachens nach 10 Uhr abends untersagt. Die russische Delegation richtete eine scharfe dte an den Präsidenten der Konferenz, worin sie sich über die Nichteinberufung der ersten Kommise sion und der politischen Unterkommission beschwert. Der Aeltestenausschuß des Reichstages beschloß, in Rücksicht auf die notwendig gewordene Verlängerung des Aufenthaltes der deutschen Delegation in(enun die nächste Vollsitzung auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Die deutsche Kohlonerzeugung ist im Vorjahre auf rund 27,3 Millionen Tonnen gestiegen, das ist ein Mehr von 11,5 Proz. gegen 1920. Bei Steinkohlen ist die Förderung, mit Ausschluß des Saarbeckens und Lothringens. noch immer um 21 Prozent geringer als im Frieden, bei Koks um 9,4 Prozent. Im Ruhrgebiet stieg die Belegschaft um 25000 auf 575000 Mann gegen 390 500 im Jahre 1913. * Mit seiner Braut im Tode vereint wurde der Major von Rhöneck in Philippsthal. Er hantierte mit einer Pistole, die sich plötzlich entlud und ihn tödlich verletzte. Vor Schreck und Gram wurde seine Braut, die er in wenigen Wochen heimführen wollte, so schwer leidend, daß sie bald danach starb. Eine Teilstrecke auf der Moskauer Straßenbahn kostet jetzt 75000 Rubel. Für zwei Teilstrecken braucht man aber„bloß“ 120000 Rubel zu zahlen. Ein Viehhändler in Neumarkt i. Schles. kaufte in einem nahen Dorfe einen Mastochsen und gab dem Verkäufer als Anzahlung zwei Tausendmarkscheine. Der Händler legte die zwei Scheine einstweilen auf die Futterkrippe. Bald danach bemerkte er, daß der Ochse die Scheine verspeist hatte. Zur Strafe wurde er sofort geschlachtet. Die Ausgabe der neuen Hartmünzen, welche aus Aluminium mit Kupfer hergestellt sind und Wertstücke von einer Mark und fünf Mark repräsentieren werden, hat sich verzögert. Nunmehr ist in aber man fand im Mageninhalt nur noch einige Fetzen der Scheine vor. Ein Ei 76 c! Soviel nämlich betrug der amtlich notierte Preis für ein kibitzei zu Ostern im Berliner Markthallen=Großhandel. Auf dem Wege zum Konsumenten ist der Preis natürlich noch viel höher geworden. Aber Absatz finden sie alle, diese teuersten Ostereier! * Die Sarotti=Gesellschaft soll eine scharfe Konkurrenz erhalten. Der ehemalige Generaldirektor der Gesellschaft, Hoffmann, hat das Grundstück der Brauerei Pfefferberg nebst Maschinen usw. erworben, um hier eine große Schokoladenfabrik zu errichten. * Die Internationale PetroleumUnion, die ihre Geschäftsführung in Berlin hat, übernimmt gegenwärtig Arbeiten großen Stils auf ihren mexikanischen Petroleumfeldern. Der Betrieb ist bereits ausgenommen. Jetzt werden Lagertanks. Tankschiffe und Oelleitungen gebaut. Die Gesellschaft will die Tätigkeit so steizern, daß sie baldigst imstande ist, die zentraleuropätschen Märkte, besonders Deutschland, mit merikanischem Petroleum zu versorgen. * Rumänien hat in England 400 Loko motiven im Werte von 5 Millionen Pfund Sterling in Auftrag gegeben. Genua, der Oberste Rat und die Sanktionen. In den Boulogner Abmachungen zwischen Lloyd George und Poincaree war seinerzeit mit aller Schärfe zum Ausdruck gebracht worden, daß die Reparationen unter keinen Umständen einen Punkt des Konferenzprogramms bilden dürften. Frankreich hatte geradezu von der strikten Innehaltung dieser Vereinbarung seine Beteiligung an der Genueser Konferenz abhängig gemacht. Und doch, wenn nicht alle Zeichen trügen, wird diese so streng verpönte und vom Einlaß durch die Vordertür zurückgewiesene Reparationsfrage jetzt durch die Hintertür ihren Einzug in die geheiligten Konferenzräume halten. Denn, ob Herr Poincaree es nun will oder nicht, das Problem der Sanktionen ist nun einmal angeschnitten worden— nicht zuletzt durch Frankreichs Ministerpräsidenten selber—, und wer die Sanktionsfrage berührt, wirft damit zugleich die damit in untrennbarem Zusammenhang stehende Reparationsfrage auf. Wenn also demnächst der Operste Rat in Genua oder am anderen Orte die Sanktionen zum Gegenstande seiner Beratungen macht, so ist„damit unverkennbar in die Boulogner Beschlüsse eine Bresche gelegt, eine Tatsache, die wir Deutsche an sich nur begrüßen könnten, wenn sich die Beratung über diesen heillen und für Deutschland so dornenvollen Gegenstand in dem gleichen Geiste vollzieht, aus dem der Gedanke der Genueser Konferenz gevoren wurde. Nach allen bisherigen Erfahrungen aber dürfen Aussicht genommen, diese Münzen Ende Mai, spätestens Anfang Juni in den Verkehr zu bringen. wir in dieser Hinsicht keinerlei weitgehende sionen hegen. Immerhin hat Lloyd George in seiner glänzenden Rede vor den englischen und amerikanischen Journalisten die Gedankenrichtung aufgezeigt, in der sich die englisch-italienische Beweisführung bei der Diskussion des Obersten Rates bewegen dürfte. Er hat es so unumwunden ausgesprochen, daß nur ein Blinder sich einbilden könne, durch irgendeine Kombination zwei große Völker wie Deutschland und Rußland, die zwei Drittel von Europa repräsentieren, niederhalten zu können. Er hat mit der gleichen Offenheit erklärt, daß ihm die Wirkungen der bisherigen Ententepolitik gegenüber Deutschland, die letzten Endes zu dem Vertrag von Rapollo führen mußte, in keiner Weise überrascht haben. In geradezu hellseherischer Einsicht in die ungeheuren Gefahren der gegenwärtigen politischen Konstellation hat dann Lloyd George den bemerkenswerten Satz geprägt:„Wenn unser Sieg in Unterdrückung ausartet, werden wir rach dem Gefühl der Menschheit den Sieg mißbraucht haben und die Strafe wird unvermeidlich folgen. Wir müssen uns in der Stunde des Triumphes beschränken, sonst wird Europa ein Chaos sein. Ich bin erschrocken über das Sturmwetter, das sich am Horizont zusammenzieht. Es wird unvermeidlich losbrechen, wenn nicht auf irgend eine Weise die Atmosphäre gereinkgt wird.“ Zieht der britische Premier aus Ddieser klaren Erlenntnis die unvermeidlichen Folgerungen, so könnte Deutschland mit einiger Beruhigung der bevorstebenden Tagung des Obersten Rates entgegensehen. Waltet aber der Geist Poincarce's, der Geist blinder Unvernunft und kriegerischer Drohungen, über den Beratungen, ist ihr Leitstern das Drohwort„Sanktionen“, dann allerdings darf man für Genua fürchten. Dann werden schnell die„schwersten Sturmzeichen" sichtbar werden, von deren Lloyd George mit so tiefem Ernste gesprochen hat. Dem Ende entgegen! TU. Genua, 1. Mai. Die Arbeit der Ausschüsse, die sich mit wirtschaftlichen und finanziellen Fragen zu beschäftigen haben, wird im Laufe der Woche beendet sein. Voraussichtlich wird ein Teil der deutschen Delegation und einige Sachverständige in den nächsten Tagen nach Deutschland zurückkehren und ein allmählicher Abbau der deutschen Vertretung in Genua durchgeführt werden. Genua, 2. Mai. Das Memnorandum über die russische Frage wird voraussichtlich heute, Dienstag. nachmittag zwischen 5 und ½6 Uhr der russischen Abordnung zugestellt werden. Eine Frist für die Beantwortung ist nicht gestellt. Am Mittwoch um 10,30 Uhr wird eine Plenarsitzung der Konferenz stattfinden. Nach San Remo. Genna, 1. Mai. Wie verlautet, hat Lloyd George am Sonntag in einer längeren Unterredung mit Barthou erklärt, er bestehe darauf, daß die Vertragsmächte von Versailles, mit Ausnahme Deutschlands, baldigst zusammentreten. Lloyd Georgo soll als Ort der Zusammenkunft San man zu unternehmen gedenke, wenn Deutschland nicht in der Lage sei, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Der Zweck des päpstlichen Briefes. TU. Rom, 1. Mai. Die Vatikankreise weisen darauf hin, daß der Brief des Papstes eine Warnung an Frankreich sei, Deutschland und Rußland durch Unnachgiebigkeit nicht zur Verzweiflung zu treiben. Aus Stadt und Land. Schwerte, 2. Mai. Erinnerungen. 1519 Der ital. Maler und Bildhauer Leonardo da Vinci gest. 1813 Schlachten bei Großgörschen und Lützen. 1864 Der Opernkomponist Giacomo Meyerbeer gestorben. 1896 Der Dichter Julius Sturm gest. **„Komm, lieber Mai und mache die Erde wieder grün.“ Dieses alte, traute Mailied will uns in diesem Jahre so recht nicht über die Lippen, da die Natur noch gar nichts von ihrem wonnigen Maikleid angelegt hat. Wie konnte sie das auch? War doch der April garstig und bösartig wie selten zuvor. Regen, Schnee und Kälte waren seine Merkmale. Welchen Schaden er namentlich unserer Landwirtschaft angerichtet hat, läßt sich heute noch nicht annähernd übersehen. Feld und Garten sind gewaltig im Rückstande. Möge der Mai seinem Namen eine besondere Ehre machen und nachholen, was sein Vorgänger versäumt hat, damit unsere Ernährung keiner Katastrophe zutreibt. Er muß uns auch die so notwendige Preissenkung auf dem Lebensmittelmarkte bringen. Der Mai ist ein Zauberwort, das jung und alt die Herzen öffnet und Liebe und Freude erzeugt. Er wird uns schon noch bringen, wonach wir verlangen: „Saatengrün, Veilchenduft, Lerchenwirbel, Amselschlag, Sonneregen, linde Luft.“ Das verspricht uns Ludwig Uhland vom Mai, um dann sein Preislied fortzusetzen: „Wenn ich solche Worte singe. Braucht es dann noch große Dinge Dich zu preisen.. ** Die gestrige Maiseier der sozialdemokratie schen Parteien von Schwerte, Westhofen und Umgegend wurde morgens bereits gegen 6 Uhr durch einen musikalischen Weckruf eingeleitet. Gegen 3 Uhr bewegte sich dann unter Begleitung zweier Musikchöre und mehrerer Trommler= und Pfeiferkorps von der„Reichskrone“ aus ein stattlicher Festzug mit Fahnen und Schildern durch einige Straßen zum Marktplatz, wo Herr Gewerkschaftssekretär Winkler vom Kandelaber aus eine kurze Ansprache an die Massen richtete. Man demonstriere für die Erhaltung des Achtstundentages, für den Völkerfrieden, gegen Ausbeutung und Wucher, gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Seine Worte klangen aus in ein Hoch auf die internationale Sozialdemokratie. Nach einem Chorliede des Allgem. Arbeiter-Gesangvereins marschierte man über die Ostenstraße nach Lichtendorf, wo in zwei Lokalen auf dem Eichholz die weitere Feier mit Konzert, Gesang, turnerischen Aufführungen und späterem Tanz stattfand. ** Zur Erleichterung und Belebung des Ausflugsverkehrs ist auf der Strecke Schwerte—Iserlohn an den Sonntagen für den Sommerfahrplan ein Frühzug eingelegt worden, der die Ausflügler schon frühzeitig nach Iserlohn und Arnsberg, den Ausgängen zahlreicher Wanderstrecken, bringt. Die Eisenbahndirektion Essen hat sich bereit erklärt, diesen Sonntagszug schon vom 7. Mai ab verkehren zu lassen, wenn günstige Witterung einen verstärkten Ausflugsverkehr erwarten läßt. ** Das Handwerk des Kreises Hörde war am Sonntag zu einer großen Kundgebung in Hörde versammelt. Nach Erledigung einer umfangreichen Tagesordnung geschäftlicher Natur hielt der Ehrenobermoister Schnittker=Hagen, einen Vortrag über„Handwerks Aufgaben Handwerksnot, Handwerks Ansehen Handwerts Macht". Die nächste Tagurg soll auf Antrag des Schwerter Handwei#erbundes im Oktgver am„Freischütz" abgehalten werden. ** Volkshochschule. Der für Donnerstag an gesetzte Lehrgang: Einführung in die Elektrizität des Herrn Stud.=Ass. Warthmann kann aus technischen Gründen noch nicht beginneen. Der Beginn des Lehrganges wird durch die Zeitung noch bekannt gegehen. Der Lehrgang über Literatur von Frl, Studienrat Dubois findet nicht statt. Auf Wunsch, soll, noch ein Lehrcang im bürgerlichen Rechnen eingerichtet werden. Anmeldungen hierfür werden nach angenommen. Bei sämtlichen Anmeldungen wird darum g##eten, auch die Nummer des Lehrgangs mit einzutragen. ** Die Mutterberatung in Schwerte fällt am morgigen kirmestage aus und wird erst am Mittwoch, 10. Mai wieder abgehalten. ** Im Silberkranz. Am gestrigen 1. Mai konnten die Eheleute Eisenbahnsekretär Rose. Dammstr. und Eisenbahn=Wagenmeister Geil born, Rosenweg wohnend, das schüne Fest der silhernen Hochzeit feiern. Wir schließen uns den zahlreichen Glückwünschen, die beiden Jubelpaa ren von allen Seiten dargebracht wurden, nachträglich an und hoffen gern, daß sich das jetzige Silber dereinst in Gold verwandelt. ** In der Astoria=Diele gibt der jugendliche Xylophenkünstler H. Jahn am morgigen kirmestage ein großes Konzert, unter Mitwirkung eines größeren Orchesters. Der Künstler ist kein Fremder in unserer Stadt und haben seine ganz hervorragenden Leistungen seinerzeit großes Auf sehen erregt, sodaß allen Freunden edler Musik ein Besuch des Konzerts nur bestens zu empfehlen ist.— Auch heute abend spielt der Künstler gelegentlich eines Familienabends für jedermann im Astoria. ** Die neuen Einheitswagen 4. Klasse kommen nun langsam in den Verkehr. Die Breslauer Waggonfabrik übergab kurz vor dem Osterfeste 100 solcher Wagen dem Verkehr. Die Wagen zeichnen sich von den bisherigen Personenwagen dadurch aus, daß sie breiter gebaut sind und große Fenster, sog. Aussichtsfenster, besitzen. Der Wagen ist in zwei Abteile geteilt und umfaßt in dem größeren Abteil 38 Sitzplätze, dieser Raum ist für Nichtraucher bestimmt; der andere Raum umfaßt 28 Sitzplätze, von denen Raucher Besitz ergreifen dürfen. Die Sipzplätze sind mit Rückenlehnen versehen. In der Mitte des Wagens ist der Gang. In jedem solchen Wagen sind zwei Aborte eingebaut. Schon die äußere Aufschrift an den neuen Wagen verrät, daß diese nur für Reisende mit kleinen Traglasten eingerichtet sind, für die in den Abreilen ringsherum Auflegebretter angebrachtt sind. Der Eingang zu den Wagen ist nur von der Stirnseite; die neuen Wagen erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit, dürften aber bald den Verkehr mit großen Traglasten ausschalten. Aus den 1. Mai. Durch Spielen mit einem Brennglas entzündete ein Bursche von etwa 15 Jahren in der Geschäftsstelle der „Westdeutshen Rundschau“, eine Zeitung, dais Feuer ergeiff einen Vorhang, konnte aber noch rechtzeilig gelöscht werde.. Durch die Hitze zersprang eine Spiegelscheibe, infolgedessen ist der entstandene Schaden nicht unbedeutend. Hagen. 30. April. Tödlicher Unfall. Ein schweter Unglücksfall hat sich gestern abend in dem Kerckhoff'schen Lager in der Potthoffstraße zugetragen. Dort waren einige Maurer Martin Salander. Roman von Gottfried Keller. 69(Nachdruck verboten.) „Hat gar nichts zu sagen! Du siehst, ich war auch beschäftigt, ich bin ein armer Teufel und habe stets mit dem Vermögen meiner Frau zu schaffen, es ist eine etwas schwierige Gegend dort hinten! Und meine Schwägerin hat zwar ihren eigenen Sachverwalter, aber auch dem muß ich fortwährend auf die Finger sehen, ich habe eben seine letzte Abrechnung unter den Händen. Jetzt wollen wir aber sehen, wo die Frauenzimmer bleiben!“ Ex packte einige Papiere zusammen, die auf dem. Tischchen lagen, und verschloß sie in eine Kommode. „Schau einmal dies Möbel, wie gut es gemalt ist!“ sagte er,„reines Tannenholz und sieht au wie Nußbaum! Wir sitzen nämlich ganz in gemietntem Hausrat, Botten und alles, bis das Propisorium entschieden ist. Auch das Essen ha ben, wir heute vom Restaurant, haben zwar eine Köchin mitgebracht, die aber mit den hiesigen Einrichtungen noch nicht auszukommen versteht.“ Eine Tür ging auf, durch welche Frau Alexan dra Volpend-Glavicz eintrat. Sie ging in rau schender Seide daber und war ziemlich so groß, wie ihr Mann; dennoch schien sie ihm auf die Augen zu sehen, wie wenn sie sich scheute, etwas nicht gut zu machen. Das Gesicht war wohlgebildet, aber ausdruckslos und tiefer gefurcht, als den vielleicht bald vierzig Jahren angemessen war, die sie zählte. „Siehst du,“ wendete sich Wohlwend an sie, „hier heißtis nicht: Küß die Hand, meine Guä dami beschäftigt, eine Mauer hochzuführen. Nach Bcendigung der Arbeitszeit nahmen die Azheiter ihr Werkzeug zusammen und verls#eben die Arbeitsstelle. Im gleichen Augenblick stürzle die Mauer zusammen und begrub einen Ardeiter unler sich, der nur als Leiche geborgen werden konnte. * Hamer, 30. Apri. Zusammenlegung dreier Gemeinden. Die Gemeindevertrelung hat einstimmig die Zusammenlegung der drei Gemeinden Hemer, Sundwig und Westig beschlossen. Die in der letzten Sitzung beschlossene Wohnungsluxussteuer ist bei nochmaliger Beralung abgelehnt worden. Menden, 1. Mai. Leichenöffnung. Bei der Ueberführung der Leichenteile des so plötzlich verstorbenen Stratmann wurde festgesteellt, daß St. infolge Arsenikvergiftung gestorben ist. Es wurden dann unter dem dringenden Verdacht des Mordes der Arbeiter Hufnagel und die Frau Stratmann, mit der Hufnagel ein sträfliches Ver hältnis unterhielt, verhaftet, aber die Frau St. wird nicht für schuldig gehalten. Zehn Wochen nach dem Tode des Stratmann ist auch sein Söhn. chen gestorben. Da der Verdacht vorliegt, daß auch das Kind vergistet worden ist, hat die Staatsanwaltschraft die Ausgrabung und Obduktion des Kindes angeordnet. Arnsberg, 1. Mai. Durch Ueberfahren getötet. In dem nahen Wennemen ist das 12jährige Kind der Eheleute Berghoff von einem Auto überfahren und so schwer verletzt worden, daß es bald nachher gestorben ist. Oeventrop, 1. Mai. Auf leichtsiunige Weise ist vier der 9jährige Sohn der Eheleute Krick zu Tode gekommen. Er kletterte auf einen nngehängten Lastkraftwagen, wobei er zu Fall kam und unter die Räder geriet. * Bratel, 1. Mai. Einen Beitrag zum Kapitel Teuerung, der einer gewissen Komik nicht entbehrt, finden wir im„Brateler An zeiger". In Nr. 48 vom 25. April d. J. veröffentlichten die Waschfrauen folgende Anzeige:„We gen täglicher Teuerung sehen wir uns gezwungen, unsern Tariflohn auf 50 c und kost pro Tag sestzusetzen. Die vereinigten. Waschfrauen vont Brakel."— Daraufhin erschien in der folgenden. Nummer desselben Blattes folgende Anzeige: „Wegen täglicher Teuerung sehen wir uns gezwungen, unsere Wäsche selbst zu waschen. Die vereinigten Hausfrauen von Brakel.“ Buer, 1. Maj. Jeder Spatz eine Mark. Um das Abschießen der Spatzen zu fördern, hat der Magistrat beschlossen, für jeden abgelieferten Sperling eine Marl zu zahlen. Ohligs, 30. April. Nach 9 Jahren verurteilt. Bei dem Juwelier Duhr hier wurden im August 1913 Schmucksachen im Werte von 5000 Goldmark gestohlen. Als Diebe kamen der Einbrecher Schmitz und der Mechaniker Johann Grenz aus Köln in Fage. Bis Amsterdam wurde Schmitz verfolgt und dort festgenommen. Er erhielt von der Strafkammer vor einiger Zeit 5 Jahre Zuchthaus, zwei Hehler wurden zu 2 und 4 Jahre Gefängnis verurteilt. Der erst Ende des Vorjahres verhaftete Grenz erhielt als Mittäter unter Zubilligung mildernder Umstände 15 Monate Gefängnis. Dutshurg. 30 April. Opfer belgischer Bestialität. Die 17jährige Tochler eines hie sigen Wirts, die bei einer Kontrolle in der Wirtschaft von einem belgischen Soldaten ohne Grund durch einen Leberschuß verletzt worden war, ist gestorben und unter großer Beteiligung der Bürgschaft beerdigt worden. Der Täter ist vom Kriegsgericht in Aachen zu sieben Jahren Zuchthaus, 5000 Franken Geldstrafe und Degrada ion verurteilt worden. Aachen, 1. Mai. Jugend von heute. Wie schon die früheste Jugend von der allgemei nen Sucht, schnell zu Geld zu kommen, angesteckt wird, zeigt folgender Fall eines jugendlichen Schmugglers: Ein 10jähriger(1) Junge aus Kohlscheid hatte hinter dem Rücken seiner Mutter aus der Sparbüchse Geld genommen und sich dafür 10 Eier gekauft. Er wollte damit nach Holland, wurde aber abgefaßt. Die über den Vorsall sehr erstaunte Mutter wurde, da sie von dem Vorfall in der Tat nichts wußte, vor Gericht freigesprochen. Kaldentirchen, 1. Mai. Verschüttet. In einer Sandgrube wurden drei spielende Knaben von plötzlich abstürzenden Sandmassen verschüt tet. Zwei der Knaben konnten nur noch als Leichen geborgen werden, während es gelang, den dritten zu retten. Neumünster, 1. Mai. Fünf kinder durch Gas vergiftet. Ein furchtbares Unglück hat sich hier zugetragen. In sechs separaten Betten des städtischen Krankenhauses waren für die Nacht die gleiche Zahlen Knaben und Mädchen im Alter von 1 bis 3 Jahren untergebracht. Als gestern morgen die aufsichtführende Pflegeschwester den Raum betrat, bemerkte sie einen starken Gasgeruch. Zu ihrem Entsetzen stellte sie fest, daß bereits sünf Kinder durch Gasvergiftung während der Nacht den Tod gefunden hatten, während das sechste, ein zweijähriges Mädchen, noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Ein sofort herbeigerufener Arzt stellte den Tod der fünf Kinder durch Gasvergiftung fest. Das Unglück ist durch einen schadhaften Gasofen entstanden, der sich im Raume befand. Eigener Deveschen dienst. Die Maifern sind fast überall im Reiche ruhig verlaufen. Aehnlich, wie bei uns in Schwerte war der Verlauf in Dortmund, Bochum, Essen, Elberfeld. Auf den Ruhrzechen war im Durchschnitt die Hälfte der Belegschaft angefahren. In Köln waren ausländische Redner angekündigt. Die französischen und belgischen Genossen blieben aber aus. Nur ein Holländer sprach, die Kommunisten machten ihre Feier allein. In Berlin war das Straßenbild mie an den übrigen Wochentagen. Die Selbstzucht versagte hier und da. Das Straßenbahnpersonal wurde beschimpft und als„Streikbrecher",„Speckjäger" oder„Gelbe" bezeichnet. Infolge des Regens kürzten die Redner ihre Ansprachen erheblich ab. Schon nach 15 Minuten schloß die Kundgebung. Die Menge verlief sich. Bei der Leipziger Maifeier kam es zu einem blutigen Zwischenfall. Auf der am Augustusplatz befindlichen Universität war gemäß Anordnung der Regierung die Reichsflagge gehißt. Als die Demonstration gegen 12 Uhr ihr Ende ereichte, wurde die Reichsflagge heruntergeholt und die Universitätsflagge gehißt. Es kam zu einem Handgemenge, wobei Schutzleute von ihrer Waffe Gebrauch machen mußten und eine Anzahl der Täter zum Teil schwer verletzten. In Augsburg wurde die Maifeier nur von einem geringen Teil der Arbeiterschaft mitgemacht. In den großen Textilfabriken arbeiteten ungefähr 90 Prozent der Belegschaft. Die verschiedenen Arbeiterorganisationen von Paris veranstalteten schon am Sonntag eine bigste! wenn ein Herr kommt! Die Hand gegeben und geschüttelt, damit Punktum!" Salander erleichterte der guten Dame das Manöver, indem er es nach der soeben vernommenen Vorschrift ausführte und ihr aufrechtstehend die Hand bot. „Guten Tag, Herr Staatsrat von Salander, sagte sie mit fast rauher Stimme,„es freut mich, wenn Sie mit unserm einfachen Tisch vorlieb nehmen wollen!" Dabei machte sie statt seiner einen Bückling, genau wie vorhin ihr Sohn Georg. „Nicht so!“ rief Wohlwend lachend,„du darfst deswegen noch kein Kompliment machen, wenn man dir schon nicht die Hand küßt!" Sie errötete stark, weil sie trotz des Lachens den stechenden Blick auffing, den er zugleich damit abgap. Denn er war zornig über die offenbar eingelernte und verkehrt vorgebrachte Phrase ihrer Begrüßung. Zum Glück für sie die furchtsam dastand, ging die Türe wieder auf und ihre Halbschwester erschien, Salanders Augen sogleich auf sich ziehend und festhaltend. Sie war jetzt wirklich eine schöne Erscheinung, ebenso groß wie ihre Schwester, war sie wohl zwanzig Jahre jünger, und in dem weißen Kleide, das sie trug, von tadellosem Wuchse. Das Kleid war einfach gearbeitet, ohne alles Gebausche, indem der Haupt zierrat in einem ebenfalls weißen Spitzenkragen bestand, weltber die schönston Schultern und Arme spärlich durchschimmern ließ, aber von ihnen um so schönere Falten erhielt. Einen feineren Glanz verlieh alledem die sanfte Schüchternheit, die darüber ausgegossen war und die bescheiden auftretende Gestalt. Sie lächelte leicht, als sie Herrn Salander grüßte, aber mehr wie um Atem zu schöpfen, as um ihn oder irgend jemand anzulächeln, und er verbeugte sich bei diesem Anlaß unfreiwillig, trotz seiner demokratischen Gesinnung, und nahm sogar die Hände hervor, die er auf dem Rücken gehalten hatte. Jetzt kamen auch die Knaben gelaufen und zeigten an, daß die Suppe auf dem Tische stehe. „So laßt uns gehen, eh' sie kalt wird!" mahnte Wohlwend.„Es ist das einzige, was die Köchin heute geleistet hat, eine gute österreichisch=ungarische Suppe, eine Mehlspeise nicht zu vergessen! Herr Großrat, darf ich dich bitten, meiner Frau den Arm zu bieten und voranzugehen, links durch!“ Martin mußte sich zusammennehmen, der Einladung rasch zu gehorchen.„Woher hat er nur diese verfluchten Künste?" dachte er,„hier wußte er den Teufel davon, so wenig als ich!“ Am Tische kam er heute natürlich neben die Frau zu sitzen, erhielt aber dafür die herrliche Myrrha von hellenischer Abkunft zum Gegenüber. Zu seiner Verwunderung ergriff Louis Wohlwend sofort den Suppenlöffel und tauchte denselben in die Schüssel, nachdem die Köchin, auch eine merkwürdige Erscheinung, den Deckel wegge nommen hatte. „Das ist mein Amt!“ sagte er zu Salander. der ihm zuschaute,„darf ich um die Teller bitten, wir wollen sie einfach weitergeben, da wir unser so wenig sind!“ Die Frau war sichtlich etwas beschämt, so regiert zu werden; allein er schöpfte einen Taller um den andern voll, indem er jedem seinen Anteil an den guten Sachen herausfischte, die auf dem Grunde der Schüssel ruhten, und so gerechtes Maß übte, auch dafür sorgte, daß kein Teller im Herumreichen überschnappte. Martin Salander befolgte in allen Lagen Kundgebung in einem Pariser Vorort Mehrere Rednet sprachen gegen die herausfordernde Politik Poincarees und verlangten Geborsamsverweigerung im Falle eines bewaffneten Konfliktes. Nach Beendigung der Versammlung bildete sich ein Zug von zirta 12000 Manifestanten, die mit roten Fahnen nach Paris zurücktehrten. Es dam zu Zusammenstößen mit der Polizei, wobei drei Polizisten verlepzt wurden, zwei davon schwer. Die Not der Zeitungen. Das im 35. Jahrgang erscheinende Iserlohner Tageblatt, zuletzt eine Nebenausgabe der Berg.=Märkischen Zeitung, Elverfeld, laut Westf. Tageblatt, vor der Einstellung seines Erscheinens. Dem gesamten Personal wurde gekündigt. Das Zentralorgan der Unabhängigen in Berlin die„Freiheit" erscheint seit gestern nur noch einmal täglich. Die Wiener Arbeiterzeitung teilt mit, daß sie gezwungen sei, das Erscheinen ihres Abendblattes einzustellen. Berliner Börsenkurse vom 1. Mai 1922 vllgeteill vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein Deutsche Bank Diskonto Dresdner Bank Hamb.=Amer.=Pak Allgem. Eleklr.=Ges. Baroper Walzwerk Bochumer Guß... Bösperde Walzwerk 250½ 600 440 328 435 725 1200 1130 951 Daimler Motoren........... 479¾ Deutsch=Luxemburg. 1003½ Deutsche Kaliwerke... 1750 Dynamit 720 Elbers Farbw. 715 Essener Steinkohlen 1280 Gelsenkirch. Bergw 1089 Gasmot. Deutz. 901 Harpener Bergw 1850 Hoesch 1318 Humboldt Masch 650 Mannesmann 1335 Oberschles Eisenb.=Bed. 1005 Orenstein&a Koppel....... 1115 Phönix Bergbau..... 1189 Peisbolz Pap. 600 Rhein. Stahlweike.... 1052 Rombacher 975 Schuckert 660 Siegen=Solingen........... 489 Ver. Di. Nickelwerne..... 1155 Westf. Drahl=Ind. 585 Westf. Eisen, Lagendreer......... 650 Auslands=Wechselkurse der Berliner Börse (Deoisenkurse) Man zahlte deutsche Mark: für. am 28. 4. ain 1. 5 100 belgische Franken. 2384,50 2387,— 100 dänische Kronen... 6022,45 5962,50 1 englisches Pfund... 1253.40 1247,40 100 französische Franken 2586,25 2596.75 100 holländische Gulden 10786,50 10736.55 100 italienische Lire.... 1498,10 1498,10 100 polnische Mark...— 6,90 100 schwedische Kronen.. 7340,80 7280,85 100 schweizerische Franken 5483,10 5468,15 100 tschechische Kronen 551.30 554,30 seines Lebens, wo eine Suppe vorkam, die Angewöhnung, ohne Verzug mit dem Genusse derselben zu beginnen, sobald er sie im Teller hatte. Da nun das Schöpfen beendigt war, säumte er auch nicht länger, versenkte seinen Löffel in die Brühe und führte ihn zum Munde. Als er damit auf dem halben Wege angelangt war, und auf diesen Augenblick schien der Tischherr gewartet zu haben, sagte Wohlwend unversehens mit troklenem Tone: „Georg, bete!“ Verblüfft hielt Martin Salander den Löffel schwebend in der Luft und schaute auf. Alle hielten die Hände gefaltet vor sich hin, während der Knahe ein Tischgebet verrichtete. So blieh jenem nichts anderes übrig, als seinen Löffel niedergehen zu lassen und die Hände wenigstens vor sich cuf den Tisch zu legen. Zu einem geheuchelten Mitfalten fehlte es ihm doch an Unverfrorenheit. Inzwischen betrachtete er den Louis Wohlwend genz unbefangen, wie er ernsthaft vor sich niederblickte und unter seinem tatarischen Schnurrbart die Lippen schloß, wie wenn er einen Schluck Wein auf der Zungenspitze hätte. Als das Gebet zu Ende, wurde die Suppe ohne weiteres Hindernis verzehrt, und da hierbei wenig gesprochen, zu werden pflegt, fand Salander Zeit, über den Vorfall seine Gedanken zu machen Daß in einer Familie mit Kindern das Tischgebet fortgeführt wird und auch Wohlwend, der die Sitte wahrscheinlich im Hause des Schwiegervaters vorfand, es tat, fiel ihm nicht so auf, wie die unverkennbare Absicht, mit welcher er den arglosen Gast den Löffel hatte ergreifen lassen, eh' er den Befehl erteilte, KE* (Fortsetzung folgt). Ein neuer Reisterberuf, Mwad, längeren Vorarleiten sind in einer im Preukiscen Landwirtschaftsministerinm algehaltenen allgemeinen Bespreclung mit Vertretern der Landwirtschaftskammern und des Reichskundes deutscher Schäfervereine Leitsätze für die Ausbilduing und Prüfung von Schäfern angenommen worden, die die Ausbildung und Prüfung innerhalb einheitlich regeln. Es hat danach die Ausbildung der Schäfer in gut geleiteten landwirtschaftlichen Betrieben zu erfolgen, in denen die Schafzucht mit dem Gesamtbetriebe in enger betriebswirtschaftlicher Beziehung steht und in einem derartigen Umsange betrieben wird, daß die Lehrlinge im Schäfereibetriebe ihre volle Beschäftigung finden. Auch gut geleiteten Gemeindeschäfereien kann die Ausbildung erDie Lehrzeit kann planmäßig frühestens nach Abgang von der Elementarschule beginnen und hat sich auf volle drei Jahre zu erstrecken, von denen mindestens die beiden ersten Jahre in ein und derselben Wirtschaft abzuleisten sind. Es ist anzustreben, daß der Lehrling während der praktischen Lehrzeit an einem Lehrgange für Schäfer teilnimmt. Mit den Lehrgängen sind praktische Unterweisungen in einer Schäferei zu verbinden. Der gesamte Lehrstoff ist in allgemein verständlicher Weise vorzutragen. Ueber die Teilnahme am Lehrgange sind von dessen Leiter (dem zuständigen Tierzuchtinspektor der Landwirtschaftskammer) Bescheinigungen auszustellen. Nach Ablauf der dreijährigen praktischen Lehrzeit hat der Schäferlehrling eine Prüfung abzulegen. Dem Prüfungsausschuß gehören der zuständige Tierzuchtinspektor der Landwirtschaftskammer, ein von der Landwirtschaftskammer zu benennender Schäfereibesitzer(möglichst Mitglied einer Schafzüchter=Vereinigung), und ein ebenfalls von der Landwirtschaftskämmer zu benennender, anerkannt tüchtiger Schafmneister, der möglichst Mitglied eines SchäferVereins ist und unweit der Prüfungsstelle seinen WohnDie Prüfung erstreckt sich auf die Feststellung aller derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten, deren Beherrschung nach beendeter Lehrzeit billigerweise gefordert werden muß. Nach bestandener Prüfung wird dem Prüfling von der Landwirtschaftslammer ein Lehrbrief ausgestellt, in dem zum Ausdruck kommt, daß der Schäferlehrling seine Gehilfenprüfung bestanden und damit nachgewiesen hat, daß er über die zur Wahrnehmung einer Schäfergehilfenstellung erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt. Nachper Lehrzeit beginnt die Gehilfenzeit, Die schwierigste Arbest- die der Bilderarzt zu volllriußen hat, ist das Uebertkagen der Farbschicht von### allen“ Hotz oder der alten Leitzwand auf eine haus mir Leinwand. Die Maiftäche witd dann zunächst wieder durch eine Leinwand geschützt, dann das Bild auf eine glatte Flüche aufgelegt, so daß die morsche alte Leinwand oberst liegt; diese wird dann mit heißem Wasser etweicht und streifen= vder jädenweise algezogen. Dann wird d# nene Leinwand ausgeklebt. Bei einer Holztafel ist es so, daß das alte schlechte Holz durch Sägen, Hobeln und Krätzen bis auf einige Millimeter abgenommen wird. Ist auch diese winzige letzte Schicht morsch, so wird fernt. Das Bild erhält eine neue Gruüdièrung und wird auf eine neue Holztafel oder Leinwand übertragen. Operation ersordert die größte Sorgfalt und Geschicklichkeit, wird aber in neuester Zeit mit vollkommenem Gelingen durchgeführt,„ 4/88 Rund um Berlin. + Die Kölner Sängerschaft in Berlin, Zu der Begrüßungsfeier für den Kölner Männergesangverein im Staatlichen Opernhause erschienen mu dem Reichspräsidenten Ebert der Ministerpräsident Braun, die Minister Severing, Siering, Dr. von Richter, Dr. Pendorff, Hirtsiefer, Giesberts und Bauer. Ferner bemerkte man den Reichstagspräsidenten Löbe, den Präsidenten des Staatsrats Oberbürgermeister von Köln Dr. Adenauer, den Oberbürgermeister Bocß, den Stadtverordneten=Vorsteher Caspari, sowie viele Vertreter der hiesigen rheinischen Vereine. Die Kapelle der Staatsoper eröffnete unter Leitung des Intendanten Dr. Max v. Schillings mit Beethovens Ouverture zu„Egmont“ den Festatt. Tann sang die Berliner Liedertafel das von Max Bruch komponierte ergreisende„Aecdlia vita“ aus Schafels„Erlehzzi gisal dem der brausende Veifall verhaltt war, erhob sich, Reichspräsident Ebert zu einer Ansprache, die vielfach durch laute Bravorufe unterbrochen wurde. * „Prich beginur die Gehil die Nachwr Lehrzeit beginnt die Gehilfenzeit, die eine Zeitspanne von 10 Jahren umsaßt. Sie kann in verschiedenen Wirtschaften abgeleistet werden. Während dieser Zeik hat der Schäfer nach Möglichkeit an Schäferlehrgängen teilzunehmen. Nach beendeter Gehilfenzeit findet die Schafmeisterprüfung statt, in der von dem Prüfling in einer sremden Wirtschaft vor einem Ausschuß der Nachweis zu erbringen ist, daß ihm in Zukunft eine Schafherde anvertraut werden kann. Der Prüfungsausschuß setzt sich in derselben Weise zusammen, wie er für die Lehrlingsprüfung vorgesehen ist. Nach bestandener Prüfung wird dem Prüling von der Landwirtschaftskammer der Meisterbrief ausgestellt. Mit der Erwerbung des Meisterbriefes hat der Schafmeister den Nachweis der Befähigung zur Ausbildung von Schäferlehrlingen erbracht. Als Uebergangsbestimmung wurde folgendes beschlossen; allen über 40 Jahre alten Schäfern, die zur Zeit des Inkrafttretens dieser Bestimmungen mindestens 20 Jahre im Dienste stehen, kann nach Anhörung des zuständigen Schäferverbandes die Befähigung zuerkannt werden, Lehrlinge im Sinne der obigen Bestimmungen auszubilden. Die Ablegung einer Prüfung ist daher für diese älteren Schäfer nicht erforderlich. Erfahrungen eines„Bilderarztes“. ist daher „ 4Setir zn Lo Bilder haben ein kostbares Leben, und es nicht verwunderlich, daß die Heilkunde, die diese Werte zu erhalten und wiederherzustellen sucht, allmählich einen hohen Grad der Vollendung erreicht hat. Ein Bild muß schon in einem ganz furchtbaren Zustande sein, wenn der erjahrene Bilderarzt es für unheilbar erklärt. Mag das alte Familienbild noch so schmutzig, zerborsten und unansehnlich erscheinen, aus den Händen des geschickten Restaurators geht es in jugendlicher Frische und Schönheit hervor. Gewähnlich werden nur jene Parade fälle bekannt, in denen bedeutende Restautatoren der Museen weltberühmte Bilder wiederherstellen. Die alltägliche Arbeit des Bilderarztes, die sich an weniger ausgezeichnelen Bildern vollzieht, bleibt meist im Verborgenen. Aus seinen langjährigen Erfährungen teilt ein englischer Bilderrestaurator in einem Londoner Blatt allerlei Wissenswertes mit. Die„Kranken“, die er zur Behandlung erhält, sind meistens alte Familienbilder, bei denen weniger der hohe Kunstwert, als die geschichtliche Tradition und das Gefühlsmoment mitsprechen. Die Wiederherstellungsarbeit beschränkt sich gewöhnlich auf Reinigen und Wiederfirnissen. Der Oelfirnis, der sich im allgemeinen auf alten Bildern findet, wird mit der Zeit immer dunkler, bis das Bild kaum noch sichtbar ist. Die Entfernung dieses alten-Firnis bringt sehr häufig die völlige Frische der ursprünglichen Farben wieder hervor. Zunächst muß man dabei die Zusammensetzung des Originalfirnis genau feststellen. Dann erst kann der Bilderarzt eine Lösung zusammenmischen, die den oltzu P. hütetes Geheimnis des Restaurators, u lichen Arzt kommt es auch beim Bilderarzt auf das richtige „Rezepk“ an. Die Lösung wird dann mit einer weichen Bürste aufgetragen, und wenn der alte Firnis herunter ist, wird das Bild mit einem guten modernen Firnis versehen. Ein zerrissenes Bisd wird gewöhnlich dadurch geheilt, daß man es mit einer neuen Leinwand süttert. Dieses „Unterziehen“ geschieht auf die Weise, daß das Bild aus dann auf eine glatte unten ausgebreitet dem Blendrahmen genommen und Fläche mit der bemalten Seite nach unten ausgebreit wird, nachdem die Malerei mit einem Leinenstück überdeckt ist. Auf die Kehrseite des alten Bildes wird dann die neue Leitwand aufgeleimt und mit einem heißen Eisen festgebügelt. Dann wird das Leinen von der Oberfläche des Bildes durch Tampf enisernt. Sprünge werden mit besonderen„Füllmikteln“ beseitigt und übermalt, so daß nur das Auge des Kenners sie noch entdecken kann. Mdmutfl. U. a. führte er nach einigen begrüßenden Worten aus: Groß sind Ihre Sorgen und Kümmernisse, die Sie neben der allgemeinen unseres Volkes tragen müssen. Seien Sie versichert, daß auf uns allen schwer das Bewußtsein lastet, daß unsere regsamen und arbeitsfreudigen Voltsgenossen im Westen gehindert werden, ihre Kräfte frei zu entfalten, und ungehemmt mitzuarbeiten an der Wiederaufrichtung unseres staatlichen und wirtschaftlichen Lebens. Die fremde militärische Besetzung im Frieden und die Art ihrer Durchführung ist für ein Volk von der kulturellen und wirtschaf lichen Bedeutung des deutschen ein hartes Schicksal, ein Schicksal, das in der Geschichte wohl ohne Beispiel ist. Ich erinnere nur an die zermürbende Wirkung der Rechtsunsicherheit, an die riesigen Kosten für die übergroße Zahl der Besatzungsstreitkräfte, an die Ansprüche auf Unterbringung, die die Wohnungsnot außerordentlich steigern. Dazu kommt, daß wir trotz äußerster Anstrengungen für die Erfüllung der Friedensbedingungen fortgesetzt mit weiteren Gewaltmaßregeln bedroht werden. Wie soll dabei die Atmosphäre des Friedens aufkommen? Und doch braucht die Welt, braucht jedes Volk den, Frieden so notwendig wie das tägliche Brot. Ohne gegenseitiges Vertrauen, ohne friedlichs Zusammenarbeit aller Völker ist das Schicksal Europas besiegelt. Diese Gefahr für die Anbahnung eines wahrhaften Friedens muß immer wieder der Welt vor Augen geführt werden. Die rheinische Bevölkerung ist in erster Linie von diesen Leiden betroffen; ich bitte Sie aber überzeugt zu sein, daß wir in brüderlichem Mitgefühl Ihre Last mittragen und im Gefühl unserer nationalen Zusammengehörigkeit mit ihr unter dem Druck fremder Gewalten leiden. Sie bringen uns nun Grüße Ihrer liederfrohen Heimat; deutsche Kunst hat von jehec in jeder Form und Betätigung am Rhein besondere Pflege gefunden. Sie wollen uns zeigen, daß das deutsche Lied wie in besseren Tagen, so besonders in dieser Zeit der Not, noch Herz und Sinne erheben kann. Der Kölner Männergesangverein blickt in diesen Tagen auf eine achtzigjährige überaus erfolgreiche Vergangenheit zurück. Weit über seine Heimatstabt hinaus ist sein Ruf als einer der allerersten und besten Männerchöre bekannt und gefestigt. So bieten Ihre hiesigen Sangesbrüder und die Reichs= und Staatsbehörden Ihnen heute freudig herzlichsten Empfang. Prügelszeuen im Berliner Rathaus. In der Berliner Stadiverördnetenversammlung am Dienstag, in der man sich über die Deckungsfrage für die bewilligten neuen Gehälter und Löhne unterhalten wollte, kam es zu geradezu wüsten Szenen, wie sie selbst der schon an mancherlei nette Vorgänge gewöhnte Berliner Stadtverordnetensaal noch niht erlebt hat. Es entstand ein Kampf, der nicht nur mit unflätigsten Worten, sondern guch mit Fäusten und Stühlen ausgefochten wurde. Die Debatté wurde mit der Maiseierfrage eröffnet. Nach dem Wunsche der Linksparteien sollte der 1. Mai— Berlin hat ja so unendlich viel Geld— für die Arbeiter der Stadt ein bezahlter Streiktag werden. Da aber die Mehrheit des Hauses nicht mehr, wie früher, sozialistisch is., holten sich die Sozialisten eine Niederlage. Der Antrag wurde indes entschieden und sicher abgelehnt. Als sich die Empörung der Linken über diese Niederlage gelegt hatte, begann man mit der Dectungsfrage für die Löhne. Der Deutschuationale Dr. Koch bemängelte, daß der Unterschied zwischen dem Stundenlohn eines Ungelernten und eines Angciernten nur 50 Pf. betrage, und daß die Löhne der Jugendlichen unverhältnismäßig hoch seien. Er könne in dieser Beziehung die Tarifpolitik des Magistrats nicht mitmachen. Nach kurzer weiterer Debatte brach der Sturm los, als der Unabhängige Dr. Koelitz dem Oberbürgermeister die Worte:„Sie Lümmel" zurief. Von allen Seiten drangen nun die Stadtverordneten auf ihn ein. Es erhob sich ein Höllenlärm. Man sah zunächst nur ein dichtes Knäuel tohender Menschen. Erhobene Fäuste, ein Stuhl über den Köpfen der Vordersten, Schläge, Stöße, bleiche, wutentbrannte Gesichter. Dem Stadtverorductenvorsitzenden Dr. Caspari blieb nichts übrig, als die Sitzung vorübergehend zu schließen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung tobten Unabhängige und Kommunisten noch eine geraume Weile, man beendigte indes rasch die Sitzung, indem man einen Schlußantrag annahm, und die Vorlage dem Etatsausschuß kerwies W7441 42 Atrick. Urabstimmung in den städtischen Betriehen, In den städtischen Werken haben Dienstag morgen die Urabstimmungen der Arbeiterschaft über die Annahme oder Ablehnung des letzten Schiedsspruchs für den städtischen Manteltarif begonnen. Die Abstimmung soll bis Mittwoch mittag abgeschlossen sein die. Auszählung der Stimmen oürste dann noch einige Zeit dauern. Inzwischen gehen die Veryandlungen zwischen, den Arbeitergewerkschaften und dem Magistrat über die nicht vom Schiedsspruch erfaßten strittigen Punkte des Manteltarifs weiter. Es besteht die Absicht, auch diese Restverhandlungen, sei es durch Vereinbarungen odex neuen Schiedsspruch, zu einem baldigen Absah itzst zu bringen.“. 42.# + Eine Arbeitsgemeinschaft der deutschen Presse ist auf der Grundlage des von den beauftragten Kommissionen fertiggestellten Entwurfs vom 16. Dezember 1921 am 25. April 1922 von den Bevollmächtigten des Arbeitgeberverbandes für das deutsche Zeitungsgewerbe und des Reichsverbandes der deutschen Presse abgeschlossen worden. Zugleich ist für die dem Entwurf angefügte Vereinbarung die Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit durch das Reichsarbeitsministerinm beantragt worden. dem Reiche. Deutscher Epangelischer Gemeindetag. Am Montag hat in Essen der 9. Deutsche Evangelische Gemeindetag begonnen. Zur Einleitung fanden drei Festgottesdienste statt. Die Tagung will dem inneren Erstarken und Aufbau unseres Voltslebens und der Kräftigung des evangelischen Gemeindelebens dienen. In einer Begrüßungsversammlung im Evangelischen Vereinshause sprachen namhafte Vertreter der evangelischen Kirche aus den verschiedensten Teilen Deutschlands.: 8. 4m Massendiebstahl von Eisenbahngut. Die Kriminalpolizei zu Erfurt hat den schon seit längerer Zeit wegen schwerer amtlicher Verfehlungen verdächtigen EisenbahnObergütervorsteher Paul Poetzsch verhaftet. Er konnte einer Reihe von Diebstählen an Eisenbahngut, die er in den Jahren 1917—1919 ausgeführt hatte, überführt werden. Als Mittäter wurden noch verhaftet der Bahnwärter August Poste aus Apfelstädt, der Vorarbeiter Richard Schnelle, Eisenbahnassistent Karl Schneider und die Braut des Poetzsch, Frau Emma Goedicke. Weitere Verhaftungen stehen noch bevor. Soweit sich bis jetzt feststellen läßt; wburden etwa 15 Zentner Leder, 600 Paar Stiefel, Kisten mit Wein, Spirituosen, Zigarren usw. gestohlen, deren Wert sich nach bisherigen Schätzungen auf mindestens eine halbe Million beläuft.... ewarda Jekt eins Eine Megäre. In Zerre bei Hoyersweroa lebt eine wegen ihrer Bosheit im ganzen Orte gefürchtete und gehaßte 70 Jahre alte Frau, namens Dölle, mit ihrem Hausbesitzer, einem Müller, schon seit Jahren in bitterer Fehde. Vor kurzem verlor sie nun noch einen Prozeß gegen den Mann, was ihre ohnehin schon nicht geringe Wut zur Siedehitze entfachte und einen wahrhaft teuflischen Plan verursachte. Das Weib wartete in einer der letzten Nächte, bis alle Bewohner der Mühle, 28 Personen, nach Hause zurückgekehrt waren, dann schichtete sie vor sämtlichen Wohnungstüren Reisig und Stroh auf, riß in ihrem eigenen Zimmer die Matratze aus dem Bett, stopfte die Komode und Schränke voll Stroh, übergoß die so geschaffenen Brandherde mit Petroleum und zündete sie an. Das Feuer wurde sofort bemerkt und die Bewohner gerettet. Frau Dölle brachte sich, nachdem sie sah, daß ihr Plan mißlang, mehrere Messerstiche bei, an deren Folgen sie bald darauf verstarb. P# Großfeuer in einem pommerschen Dorf. In Grupenhagen bei Rügenwalde brach auf dem Boden eines Bauerngutsbesitzers ein Großfeuer aus, während die Bewohner auf dem Felde waren. Da die Häuser meist noch mit Stroh gedeckt waren, sprang das Feuer schnell auf andere Gehöfte über. Zehn Gehöfte und das Schulgebäude wurden vollständig eingeäschert. Der Gebäudeschaden allein wird auf sechs Millionen Mark geschätzt. Zahlreiche Familien sind obdachlos geworden. Das Vieh konnte zum größten Teil gerettet werden. Brandstiftung und Mordattentat. Auf dem Grund stück des Landwirts Baumeister in Wispitz bei Calb krach ein Brand aus, dem das Stallgebäude zum Opfer siel. Als der Besitzer ein Stück Vieh aus dem Stall holen wollte, fiel aus, dem Hinterhalte ein Schuß, durch den Baumeister glücklicherweise nur leicht verletzt wurde Auch auf seine Tochter wurden zwei Schüsse abgegeben die das Mädchen im Gesicht verletzten. Der Täter, der maskiert war, war in der Dunkelheit entkommen, aber später erkannt worden. Es handelt sich um einen Einwohrker des Ortes, der die Tat vermutlich aus Eifersucht begangen hat Eine junge Dame verschwunden. Seit dem 15. Apri wird die Tochter des Theologen Geh. Hofrat Prof. Salomon Fräulein Hildegard Salomon=Calvi in Heidelberg vermißt Die 23 Jahre alte Dame hatte am 15. April eine Erholungsreise nach Helmstadt(Kreis Heidelberg) unternommen, von der sie nicht zurückkehrte. Alle Nachforschun. gen der Staatsanwaltschaft blieben bisher ergebnislos. Aus aller Welt. Das Automobil des Reichskanzlers angehalten. An Sonntag unternahm der Reichskanzler in seinem Auto mobil eine Spazierfahrt bei Genug. Bei der Fahrt, durc Nervi hatte anscheinend der Schofför ein zu rasches Tempgenommen. Karabinieri hielten den Wagen an, und trotz dem der Reichstanzler sich legitimierte, holten sie der Schofför von seinem Sitz und brachten ihn zur Polizei Den führerlosen Wagen mit dem Reichskanzler ließen si auf der Straße stehen, und es blieb dem Reichskanzle nichts übrig, als zu Fuß nack Genua zu gehen, um vor dort nach einem zweiten Wagen zu telephenierenz,#### zwischen hatte man auf der Polizei in Nexvi festgestellt, das es sich um den dem Reichskanzler zur Verfügung gestellter Schofför handelte. Vier Beamte der Polizei erschienen tür darauf in großer Uniform, beim Reichskanzler, um sich zu entschuldigen.— Dr. Wirth soll sich über den Zwischen fall sehr amüsiert haben. Vermischtes. Die Frau ohne Magen. Der Fall einer Frau, die ohne Magen seit zwei Jahren lebt und sich dabei sehr wohl befindet, wurde in einer Sitzung der Pariser Akademi für Medizin von Dr. Victor Pauchet berichtet. Die Patientir litt an schweren Magengeschwüren; ihr wurde der ganz Magen herausgenommen, und die Verlängerung der Speise röhre wurde direkt an den Zwölffingerdarm angenäht, si daß die Nahrung unmittelbar zu den Eingeweiden ge langte. Eine Woche lang erhielt daraufhin die Patienti keine Nahrung. Dann aber durfte sie wieder normal Speisen zu sich nehmen, und sie befindet sich seit zwe Jahren bei vollkommener Gesundheit, hat auch ihr Gewicht wiedererreicht. MAIN MHHHMNP AHMME EMM ME MERNARRANAMMMANMMMA Beyer's Handarbeitsbücher, Beyer's Lehrbuch der Wäsche, Beyer's Buch der Kinderkleidung, Beyer's Modeführer und Beyer's Schnittmuster empfiehlt und besorg! Cagl Praus, Buchhandlung. 1 A WRRRRRRR MAINHIHAMA A AL P AL LCHI LPL-CANPPAA Ruihll! „„„** Uio Curnen lelegramm=Rdresfe: Zeitung, Schwerte Beilage zur Schwerter Zeitung Eechmer Kr Turnen. Am vergangenen Mittwoch hielt der Schwerter Turnverein(D T. seine Generalversammlung ab, die der Vorsitzende, Turngenosse Pötsch, leitete. Hierbei wurde beschlossen, an der am Sonntag, dem 11. Juni stattfindenden Einweibungsfeier des flädtischen Sportplotzes am Schützenhof aktio teilzunehmen. Veranstalter des Festes ist Spielund Sport=Club Union. Auch der Turn= und Ballspielverein hat seine aktive Beteiligung zugesagt— Versammlung hielt einen früheren beschluß aufrecht, am Sonntag, dem 14. Mai auf dem Sportplatz ein Jugend=Werbeturnen abzuhalten. Es soll hierbei gezeigt werden, wie im Verein gearbeitet wird, um unserer Jugend die notwendige Körverpflege angedeihen zu lassen. Die Eltern und Erzieher sollen davon überzeugt werden, daß ihre Schützlinge besten Händen anvertraut sind und die rege Arbeit der JugendTurnwarte bereits mit ersprießlicken Erfolgen in jeder Hinsicht belohnt sei. Das Jugend Werbeturnen soll schließlich immer mehr Freunde für die Bestrebungen der Deutschen Turnerschaft gewinnen und auch den letzten noch Fernstehenden zu der Erkenntnis bringen, daß dieser Weg der richtige ist, unsere Jugend gesund und kräftig zu erhalten und vor jeglichen schädlichen Einflüssen an Leib und Seele zu bewahren.— Am 13. August feiert der Verein sein diesjähriges Sommerfest me Freischütz und wourde Vorstand nebst Festausschuß beauftragt, die notwendigen Vorarbeiten in Angriff zu nehmen.— Wie alle Jahre, so wird auch in diesem der Himmelfahrtstag(25. Mai) mit einer Turnfahrt ausgefüllt. Ziel und Zeitpunkt des Abmarsches werden noch bekannt gegeben.— Mit Befriedigung wurde allgemein festgestellt, daß nach den kalten Wintermonaten der Turnbetrieb auf der Halle wieder ein reger geworden ist.„Diese Tatsache ist freudig zu begrüßen und möge auch die noch Fehlenden an die regelmäßigen Turnabende(Dienstag und Freitag) erinnern. und Lusibarkeitssleuer. Das 31. Turnfest des Wemelgaues wurde am 11. Juli 1920 abgehalten. Der Magistrat verlangte 635,20 Mark Lustbarkeitssteuer. Hiergegen erhob der Besteuerte Einspruch bei der Regierung, well Veranstaltungen von Vereinen, die der Das Obervewaltungsgericht stellte jetzt den Kläger steuerfrei, da sportliche Veranstaltungen steuerfrei sind. An dem Charakter der Veranstaltungen wird auch dadurch nichts geändert, daß zwischen den Vorführungen musiziert wird und am Schlusse ein Tanzvergnügen stattfindet. Schwimmen. Auf dem 32. Verbandstage des Deutschen Schwimmverbandes, Ostern dieses Jahres in Erfurt, beleuchtete der Verbandsvorsitzende, Dr Geisow=Franksurt a. M., das Verhältnis des Deutschen Schwimmverbandes zu den ausländischen Sportverbänden wie folgt: Wenn wir uns mit den schwimmsportlichen Vertretern bestimmter Länder heute noch nicht im offenen Wettstreit messen, so geschieht das nicht, weil wir uns ihnen nicht gewachsen glauben, sondern er hat seinen, Grund in der Art, wie man uns als Deutschex noch zu behandeln wagt. Solange man den sportlichen internationalen Wettstreit von ders gütigen Aufnahme unseres Vaterlandes in den 9 ölkerbund abhängig macht, gibt es nur die# Internationalität, die wir wollen Diplomatischen# Annäherungsversuchen von Paris aus, die ihren Weg hinter den Kulissen suchen, gegenüber bleiben. wir kalt. Unsere einzige klare und zielbewußte Politik ist die unsere eigenen Leistungen so noch ausstehenden Entscheidung bezüglich der Spielberechtigung Guthoffs, westdeutscher Meister. Jeder Westfale wird sich aufrichtig darüber freuen, denn die drave Kampfmannschaft der Bieleselder Turner hat den glänzenden Erfolg wahrlich verdient und es ist zudem zum ersten Male ein westfälischer Verein Verbandsmeister geworden— Die Vorrunde um die Deutsche Meisterschaft findet am 21. Mai statt. Aiminia muß in Süddeutschland gegen den Südentschen Meister (voraussichtlich Wacker=Wünchen!) antreten und hat damit dann gleich den stärksten Gegner vor sich * Wacker=München schlug Sonntag Spielvereinigung Fürth und errang die Bayrische Meisterschaft. Weilere Ergebnisse. Rheingau— Berg=Warke=Gau 1:1(abgebr.); Kreis Berg—Kreis Düsseldorf 0: 3 Duisburg 08—T2 Fürth 0: 1; Ungarn— Oesterreich 1: 1(vor 35000 Zuschauern, Leitung Dr. Bauwens=Köln); Holstein=Kiel— Arminia=Hannover 7: 1!(Der Altmeister „Holstein“=Kiel zeigte in letzter Zeit wieder keine glänzende Form; Spielv Leipzig—Ring= Polnn ist die, unfere eigenen Teistungen so zu Dresden 3: 1.(Leipzig wurde durch diesen verbessern, daß die Welt erkennt, daß eine Internationalität ohne Deutschland eine Farce ist Diese Politik hat sich bisher bewährt. Mit Holland, Schweden, Ungarn, Norwegen und der Schweiz bestehen freundschaftliche Beziebungen, dies sich mit der uns in Antwerpen zugedachten, aber „m voraus parierten Ohrfeige schlecht vertragen zuch den Amerikanern, die uns mit der nötigen Archtung begegnen, soll die deutsche Kampfbahn geöffnet sein. Aber ein eisernes Fallgitter trennt Luns noch von denen, die glauben, daß wir Weltgeltung als ein Gnadengeschenk von Paris oder London erbitten müßten. Fußball. Miserables Wetter unterband Sonntag jegliche sportliche Betätigung. Wo man sich, den Elementen trotzend, zum Spiel entschloß, war„Abbruch“ meist die Folge Die Veranstaltung des Rasensportverbandes Schwerte mußte verschoben werden Als Kampfspiel=Opfertag ist hier der nächste Sonntag in Aussicht genommen. Näheres wird noch bekannt gegeben. Arminia=Bielefeld Westdeutscher Meister! Zum vorgestrigen Entscheidungsspiel KBC=KölnArminia=Bielefeld trat der Kölner Verein nicht an. Infolgedessen ist Arminia, abgesehen von der 48 Sieg mitteldeutscher Meister.); FC. NürnbergEintracht=Frankfurt 6: 2: Düsseldorf 99—. Pforzheim 0: 0(abgebr.); BC. Düsseldorf—TB Fürth 0; 2(abgebr.); Hörder SC.— Alemannia=Dortmund 0: 0. Der Entente=Boykolt durchbrochen! Celtic=Glasgow(Schottland) wird am 30. Mai in Berlin gegen Preußen=Berlin antreten und damit der erste englische Fußballverein sein, der nach dem Kriege offiziell in Deutschland spielt Es sei besonders bemerkt, daß für dieses Spiel die Spielerlaubnis der schottischen Liga ausdrücklich erteilt wurde. Wieder einmal zeigt sich, daß der Sport eines der besten Mittel zur Herbeiführung vormaler Beziehungen zwischen den Völkern und damit auch zur Befriedigung der Welt ist. * Für den am 23.59ai stattfindenden Staffeltag ist ein Staffellauf von Hohensyburg(Denkmalstraße) nach Schwerte(Rathaus) vorgesehen. Die Streckeneinteilung lautet: 1500, 1200, 1000, 800, 600, 600, 500, 400, 300, 300, 200, 200, 100, 100 Meter(15 Läuser jede Mannschaft). Die Jugend läuft vom Amtshaus Westhofen nach Schwerte(Rathaus). Für diese Strecke gilt als Einteilung die gleiche wie für die letzten 11 Teilstrecken der Senioren=Staffel. Wir kommen auf die bedeutende Veranstaltung noch demnächst zurück. Ein Sportlehrer in Schwerke. In einer Versammlung der Schwerter Sportvereinigung 1906 e. V. hielt am Samstag abend der Sportlehrer Köckeritz einen sehr deifällig ausgenommenen Vortrag. Herr Köckeritz, ein alter, erfahrener Sportpionier und langjähriger sportlicher Leiter großer, hervorragender Sportvereine, wie„Herlha"=Berlin, „Sportfreunde"=Breslau usw., der auchhäufiger als Repräsentativer in Verbandsmannschaften (für Südostdeutschland und Brandenburg) und in der deutschen National=Elf mitwirkte, ist für den hiesigen Verein unter günstigen Bedingungen als Sportlehrer gewonnen worden. Mit ihm soll eine Kraft nach Schwerte kommen, die zu sehr segensreicher Tätigkeit berufen sein könnte. Wie wir aus seinen Ausführungen entnahmen, sind theoretische und praktische Unterweisungen vorgesehen; Hygiene, Gymnastik, Organisation u. a. m. werden dabei Berücksichtigung finden. Auf die Heranbildung einer verläßlichen FußballKampfmannschaft und guten Ersatzes soll große Sorgfalt verwendet werden. Aeußerst sympatisch berührte es uns, daß Herr Köckeritz für sein Vorhaben, vor allem für die sportliche Erziehung der Jugend als Richtschnur das Wort: „Sportsmann sein heißt, ein Charakter sein!" wählt. Mit der körperlichen Kräftigung des Volkes— wir sind mit ihm in voller Uebereinstimmung— ist es allein nicht getan, unbedingt muß auch bei der Pflege der Leibesübungen auf die moralische und sittliche Erneuerung großer Wert gelegt werden. Das Unternehmen der Schwerter Sportvereinigung 06 und des Herrn Köckeritz. demsein in Vorbereitung befindlicher Arbeitsplan zugrunde liegt, verdient in diesem Sinne die weilgehendste Unterstützung Die entstehenden Unkosten will man durch eine unverzinsliche Anleihe aufbringen, über die nach Auslosung rückzahlbäre Anteilscheine ausgegeben werden. Namhafte Zeichnungen erfolgten darauf bereits in derl gut verlaufenen Versammlung. Sonnabend, nachmiltags 5½ Uhr stard nach kurzem schweren Leiden. unser liebes Söhnchen und Brüdercher im zarken Aller von 5½ Jahren. In tiefer Trauer Jamilie Josef Degenhardt. Schwerte, den 1. Mai 1922. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 4. Mai. nachmitlags 4 Uhr vom Trauerhause. Hörderstr. 18, aus stalt.— Von Beileidsbesuchen ditten wir absehen zu wollen. KT Empfehle für Kirmes: primafettes Fleischt primafettes ff. Gehacktes, ff., Wurstwaren zu angemessenen Preisen—. Kaufe laufend Schlachtferde zu höchsten Tagespreisen. Roßschlächterei Johann Rrtini, Mährstr. 5, Cel. 305. Biüe ungeschene Fahrit bechn,. Oebe u Fouse in Westfalen für dortige Bezirke Vertreter oder sonstige Verkäufer die Beziehungen zur Industaie und Landwirtschaft nachweisen können. Ausführliche Angedote unter G. 2219 an die Geschätsst. d. Itg Heinrich Wältermann Wilhelmine Wältermann geb. Waldor, verw. Feit Vermählte Schwerte 2. Mai 1922. Dortmund Feldstr. 9 Ihre heute vollzogene Vermählung zeigen an: Marineingenieur a. D. Max Niederschulte Frau Lusse geb. Hohenschwert Merklinde u. Holzen, den 2. Mai 1922 Mittwoch, den 3. Mai: Hotel„terig.. Jungesbiuf KONZERT Pehiggsig Besinn 6 Uh Schwurts Spezialität: Garantiert Hausmacher Rinderwurst Gedrauchter 1978 Andee Kleppwagen m't Verdeck zu verhaufen. Anzulressen nur vormitlags. In erst. in d. Geschöfpoß. DrehstromTlotor 2 P.S. sofort zu kaufen gesucht. Angedote unter E. 1986 an d Geschältest. * Kstoria=Diele Hagenerstraße 14 Am Kirmestage: Erstklassiges Künstlerkonzert unter Mitwirkung des beliebten 12jährig. bekannten Tylophonkünstlers hurrg fahll Beginn nachmittags 4 Uhr. BUnzOr- Bewirtschaftung ist.aufgehoben Auskunft erteilt und Bestellungen nimmt entgegen: BEANCKL& WENKER Fernruf: 656 u. 4908 DORTMUND Telegr.-Adr.: Blaucke Wenker Hauptverkaufsstelle des Benzol-Verbandes.— Benzin- u. AutomobilbedarfsArtikel.— Tankstellen, Petrelenmhafen, Tankweg 16 und Hnnsels Hintiinin tiitummm Dortmand- Süd. Mm Blawedo-Autoöle und- Fette. Solider Handwerker sucht Gut erhaltener Zimmer allein. Offerten unter E. 1974 an die Geschöftsst. Barachol ein Triumph der deutschen Medizin. Nur durch Einreiben der Hände beseitigt Barachol Die Wirkung unseres Präparates ist von verblüffendem Erfolg. Barachol erübrigt außer Schmierkur die Desintektion der Wäsche haben in Schwerte: drogerie Mohlhose. Wir legen in unseren Gärten Gllt und bitten, Hühner und Hunde festzuhalten Diedrich Wewer, Ww. Filkhaus, Ww. Wewer. Ciose W zu kausen gesucht. Zu erfr. in d. Geschäftsf. □ Alle Schreib- und Zeichen-Liiensilien für Schule u. Haers kauftman billig bei CARL BRAUS Rottannen= Bohnentangen Stück 2.50 Mk Carbolineum, Brennhols, Seurug hagenerstr. 18, 2. Eig. KE. Homel, Schwerte. Sommersprossen! Ein einfaches wunderbares Mittel teile ich gern jedem kostenlos mit. Frau M. Polon, Hannover L 204, Schließfach 106 Alleinhersteller: Werner& Mertz A- C. Meinz. Sdor S• sart #0 Eine ganze Woche lang wiederholte sich diese Szene bei jedem Mittagstisch, bis Miß Norris endlich schwach zu werden schien und erklärte, sie wolle sich's überlegen. „Mir scheint, die Festung kapituliert jetzt,“ sagte der Professor beim Abschied zum Bankier. Und richtig, als dieser am nächsten Tage noch einen energischen Sturm versuchte, ließ sich Miß Norris bereit finden, den Ring zu verkaufen, und bald glänzte der Solitär am Finger des Bankiers, und fünfzehn Tausendmarksch ine wanderten in die Tasche der Amerikanerin.(..— Stammtas 6.3 Gatela Niemand war glücklicher als der Stammgast des Hotels „Zum weißen Falken“. Nur ein wenig wurde seine Freude dadurch getrübt, daß Miß Norris am solgenden Tagr. erschien und den Stein an seiner Hand nicht oewundern konnte. Wahrscheinlich tat es ihr leid. Gegen Ende der Mahlzeit trat der Wirt an den Stammtisch heran und erzählte, daß Miß Norris heute früh abgereist sei und sich den Herren aufs angelegentlichste empfehlen lasse. Da wurde der Doktor mißtrauisch, und auch dem Bankier schien es, als ob sein Ring das eigentümliche Finanzmann, mit Ihnen hat sich etwas zugetragen. Sehen Sie doch mal Ihren Ring an! Die Abreise der Miß ist mir zu verdächtig.“ „Mir schien es auch heute morgen so, als ob der Stein nicht so feurig wäre als früher; aber das kann auch an meiner Beschäftigung liegen: der Staub im Kontor, auf der Börse. Ich habe ihn gewaschen, und da ging es wieder. Aber Sie machen mich mißtrauisch. Wollen wir doch einmal Die bier Stammischfreunde tranken aus und gingen hinüber nach dem Laden. Der Juwelier nahm den Ring in die Hand und erklärte auf den ersten Blick, das sei derselbe, den vor einigen Tagen das Fräulein gebracht habe; der sei keine hundert Mark wert. Der Bankier war verblüfft; aber die anderen lachten und meinten, jede Liebhaberei, die zur Leidenschaft werde, müsse bestraft werden, und es treffe ja keinen Armen. Gestern und Heute. Historisches vom Schuh. Nachdem erst einmal die Sandalen und Wadenbinden des frühen Mittelalters überwunden waren, hat sich im 12. Jahrhundert der Schuh eingebürgert in ganz ähnlichen Formen, wie er auch heute noch getragen wird. Bald freilich war dem üppigen und gezierten Geiste des Rittertums und Minnegesangs die einfache Form zu simpel. Die spitze und schlanke Eleganz dieser Zeit bildete zuerst die Formen eines äußerst schmalen, engen, festanliegenden Schuhes heraus, der eine lange Spitze zur besonderen Verschönerung hielt. Ein schwebendes Auftreten, ein Wippen auf den Zehenspitzen galt damals als vornehmste Art des Ganges und der Bewegung. So wurde also dieser lange spitze Schuh das Symbol für die pagenhafte Anmut jener Zeit. Derbere und kraftvollere Epochen folgten. Das flötende Minnespiel war vorbei; die Roheit und ausgelassene Lustigkeit der Fastnachtsspiele war beliebt. Da mußten denn auch die Schuhe abenteuerliche und tolle Formen erhalten; denn das von keinem Geschmack gebändigte Schmuckbedürfnis des deutschen Volksgeistes konnte sich nicht genug tun. Bald bog man die Spitze nach oben, ließ sie sich krümmen und aufsteigen, verzierte sie mit Pompons, Schnallen und Bändern. Der Schnabelschuh ward geschaffen, und er entwickelte sich zu ungeheuren Dimensionen; zwölf Zoll waren für die Spitze allein die rechte Länge. Die Kirche und die städtischen Gesetze haben sich dieser merkwürdigen Ausartung bald entgegengestellt und den Schnabelschuh bekämpft; doch stets ist er wieder aufgetaucht; auch wir haben den Schnabelschuh der„Gigerl“ in den achtziger Jahren schaudernd miterlebt. So zwischen spitz und stumpf pendelt die Mode des Schuhs immer wieder hin und her. Hatte die Gothik den spitzen enganligenden Schuh bevorzugt, der die Fläche zum Auftreten möglichst schmal machte, den Schuh völlig an das enge Beinkleid anschloß, so bot die Renaissance breite, gerundete Schuhe dar. Ihre Menschen mußten auftreten können. In den Zeiten der großen Religionskriege drückte natürlich der schwere Reiterstiefel, vielfach mit Stulpen und Krausen verziert, dem Schuh etwas vom Krieger und Reitersmann auf. Im Stöckelschuh fand dann das zierliche trippelnde Rokoko seinen Ausdruck. Schuhe mit hohen Absätzen waren auch schon früher modern gewesen, aber die reizend dekorierten kapriziösen Schuhe mit dem ganz engen Spann und dem hohen Absatz erzählen am besten von dem leichten, tänzelnden und schwankenden Wesen dieser Epoche. So sind die Variationen der Form beim Schuhwerk sehr gering, desto reicher ist die Abwechselung in den Stoffen, aus denen die Schuhe hergestellt wurden. Welt und Zeit. Eine sonderbare Reise. Vor einer Reihe von Jahren wettete ein Handlungsreisender aus Salzburg, der sich gerade in Neuyork aufhielt, mit einem Millionär, daß er ein ganzes Jahr lang Tag und Nacht auf der Eisenbahn, und zwar die ganze Zeit über auf derselben Strecke reisen würde. Der Einsatz der Wette betrug 40000 Frank, und zu ihrem Austrag wurde die Strecke Wien—Linz—Salzburg—Innsbruck gewählt. Im März 1908 gewann der Reisende seine Wette. 365 Tage lang hat er unter Kontrolle der Stationsvorsteher, die dazu vom Eisenbahnminister ermächtigt waren, ununterbrochen die Strecke von Wien bis Innsbruck und zurück befahren, hat im Zuge gegessen und geschlasen, Kleider und Wäsche gewechselt. Von Zeit zu Zeit kam seine Frau, die in Salzburg wohnt, wenn der Zug diese Stadt passierte, auf die Station, ihm guten Tag zu sagen und seine Garderobe zu erneuern. Der unermüdliche Reisende hat unter diesem ständigen Aufenthalt im Eisenbahnzuge nicht im geringsten gelitten, und die einzige üble Folge für ihn war, daß er, als er den Zug verlassen hatte, im gewöhnlichen Bett nicht mehr schlafen konnte. Der Amerikaner aber hat seelenruhig seine 40000 Frank bezahlt und ist durchuus der Meinung, daß er bei diesem sonderbaren Experiment genug für sein Geld gehabt hatte er Scher# ser. seinwer Die Schädlichkeit schnellen Rauchens. Daß schnelles Tabakrauchen schädlicher ist als langsames Rauchen, haben Professor von Liebermann und Dr. Davidowics durch wissenschaftliche Versuche nachgewiesen und so eine Anschauung begründet, die erfahrene Raucher sich ber; auf Grund eigener Beobachtungen gebildet hatten. Stößt man Tabaksrauch gegen Leinwand oder Watte aus, so bleiben auf diesen gelblich=braune Flecken zurück, teerartige Produkte, die durch den Verbrennungsprozeß des Tabaks gebildet werden und die giftiger Natur sind. Die Versuche der genannten Forscher haben nun ergeben, daß die gleiche Gewichtsmenge Tabak um so mehr teerartige, also giftige Produkte liefert, je kürzer die Zeit des Abrauchens ist. Bei einem Versuch waren sogar bei einer Brenndauer von fünf Minuten fast dreimal so viel dieser Produkte entstanden, wie bei der Brenndauer von fünfzehn Minuten. Ein Schnellraucher nimmt also mehr giftige Substanzen in sich, auf als der Phlegmatiker und erleidet daher gesundheitlich größeren Schaden. S S6 S 1 9 0• C 0 3 45 BEE S E. 0 1 en SSSg. S O 1.E B SSETSSBSTP„BDLES -AEE 0•4 „„AUmEHSUTSSSTTATESS .. T WTPS.SOT-OE S SüIOPSSES S 8UAUgöSE." SS—BOSSEEDEG . 5 0 S 885 5 „— Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hördo. Haupt=Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 101 Montag, den 1. Mai Aar-Berteiverue. dith hatte die bestimmte habt, daß ein Wagen für sie unterwegs sei. Als sie die Bahre sah, schrie sie auf... Nein, nimmermehr! Die würde sie nicht benutzen. Es wäre entsetzlich, sich da hinaufzulegen. Sie sei doch nicht tot. Joachim suchte sie zu beruhigen„Wir glaubten Sie tot,“ sagte er,„als wir Sie fanden. Darum wurde die Bahre geholt. Es ist ja auch jetzt nur die Hauptsache, Sie so schnell wie möglich nach Hause zu bringen!“ Sie wich schaudernd zurück Er trat dicht neben sie und flüsterte:„Edith, ich bitte Sie, nicht töricht zu sein! Es geht nun nicht anders.“ Sie erhob beide Hände und schrie gellend auf:„Nein, ich kann nicht! Ich vermag es nicht!“.... In Ratlosigkeit sahen sich Klemke und die vier mitgekommenen Leute an. Auch in lächelnder Verwunderung War das Fräulein penibel! Was schadete es, sich auf dieser Bahre nach Hesselvörde tragen zu lassen? Joachim tat ein paar erregte Schritte.„Aber es ist wirklich nötig, daß Sie sich fügen, es ist im Interesse Ihrer Gesundheit Pflicht, sich nicht länger zu sträuben. Ich bitte!“ Er griff nach ihrer Hand und versuchte sie zur Bahre zu führen. Sie riß ihre Hand aus der seinen und wollte zurückweichen. Da verließ sie das Bewußtsein von neuem. Sie taumelte. Joachim mußte hinzustürzen, um sie vor dem Fall zu schützen. In beiden Armen griff er sie auf. „Kommen Sie, Klemke!" Man bettete sie auf mitgebrachten Tüchern. Seinen Mantel breitete Joachim selbst vorsorglich über sie. „Gott sei Dank!“ stöhnte er auf. Kleinke und die vier Knechte hoben die Bahre auf und schritten langsam davon. Wie ein Leidtragender folgte Joachim. Er ging gesenkten Hauptes und starrte auf die Bahre. Es war ihm, als trüge man sein Glück zu Grabe... Gegen Mitternacht war man daheim. Edith war nicht wieder zum Bewußtsein gekommen... Erst als sie im Bett lag, kehrte es zurück. Das Fieber brannte in ihrem Blut. Hinrich Baasch war schon auf dem Wege nach Iderstedt. Er holte den Arzt. ** Es war schon gegen das erste Grau des neuen Tages hin, als sich Doktor Erselius von Joachim verabschiedete. Der grauköpfige alte Herr hatte seine bei besonders schweren Fällen charakteristische Handbewegung, die eine Roman von Fritz Gautzer. (25. Fortsetzung.) Vorstellung ge*(Nachdruck verboten.) Unsumme von Bedenken zum Ausdruck brachte, und hob zum Ueberfluß noch die Schultern so krumm und spitz, daß man allein schon daraus überzeugte Hoffnungslosigkeit zu erkennen vermochte „Tia, mein liebster, sehr verehrter Herr von Brandt, tja,“— er riß das„Tja“ immer ganz kurz ab—.„die Sache ist erbärmlich ernst, ganz hundserbärmlich ernst!“ Sein Organ knarrte wie ein ungeschmiertes Rad, obwohl die böse Jama von dem guten Doktor Erselius behauptete, er„schmiere“ zu viel und hätte es besonders auf Kognak abgesehen, und seine kleinen Augen schwammen in Wasser, daß er die Brille auf die Stirn schieven und nach dem riesigen rot= und gelbgestreiften Schnupftuch# greifen mußte. Als er die Augen trocken getupft hatte, fuhr er sort:„Es handelt sich um ein höchst veritables Nervenfieber. Um eins von der greulichsten Sorte. Tja, und bei der vollständig kaputten Verfassung des Nervensystems der jungen Dame, tja, da wäre es ein Wunder... Aber, es ist natürlich nicht ausgeschlossen. Es ist selbstverständlich nicht unmöglich, daß... Hil, da eben noch gar nischt sagen. Sie müsse..### erst die Krisis abwarten, mein sehr verehrter Herr von Brandt. Morgen, das heißt heute mittag— es wird ja schon hell — da muß ich machen, daß ich noch ein paar Augen vonl Schlaf kriege,— komme ich wieder.“ Er knöpfte seinen grauen Flauschmantel zu und gab Joachim die Hand.„Guten Morgen,'n Morjen, mein sehr lieber Herr von Brandt... Wie,'n Tobak?... Na ja bitte, bin kein Unmensch! Aber leicht, bitte! „Ganz leicht,“ versicherte der Hesselvörder Herr mit müder, zerfallener Stimme. Seine Hand zitterte, als er dem Doktor die Zigarrenkiste reichte. Im Gesicht sah er „Hm, tia,“ meinte Doktor Erselius, unter dem Anzünden der Zigarre stoßweis sprechend,—„es ist natürlich zu Klageliedern noch nicht Zeit. Die kommen immer noch zurecht.... Uebrigens ist die Zigarre doch schwer. Sie wollen mich vergiften, hm?“ Joachim hatte gar nicht zugehört.„Ja,“ sagte er gedankenlos.,„..#. K2. g. 125 M4 „Na, behalten Sie den Kopf oben! Es gehr nichts über die Ruhe... Und die Medizin muß schleunigst ran. Reitender Bote. Sosort ab. Tja, und was ich noch sagen wollte: Möchten Sie'ne Schwester herhaben?“ „Würden Sie dafür sorgen, Herr Doktor?“ „Na gewiß, ich bringe am besten gleich eine mit. Na, und dann wäre wohl nischt mehr zu besprechen. Guten Morgen, 'n Morjen, mein lieber, sehr verehrter Herr von Brandt!“ Ker B 0 SSSSESES S SrSaE Jo 08.516. Der Abschied war nun mit einem Male sehr Joachim wollte den Arzt vor das Haus begleiten. bastig. Joachim wollte den Arzt vor das Haus begleiten. Aber Doktor Erselius schob ihn zurück.„Bitte, ich finde! Bleiben Sie drin! Nee, nee, nischt is!“ Und er zog die Tür schnell zu und stapfte in Eile über den Flur.... Joachim hatte nach dem Abgang des Vielsprechenden, beim Eintritt der totenähnlichen Ruhe, das Gesühl einer Leere im Hirn. Völlig erschöpft, am ganzen Körper wie zerschlagen, ließ er sich in einen Stuhl fallen und las von der gegenüberhängenden Uhr mechanisch die Zeit ab. ½41 Vor ungefähr vierundzwanzig Stunden hatte er sich zu dem mit Renate verabredeten Frühgange gerüstet. Und von da an war eine Kette der buntesten Wirrsale in ununterbrochener Folge an ihm vorübergegangen. Bis zu dieser Stunde. Da war es kein Wunder, wenn man das Bedürfnis empfand, nichts mehr hören und sehen zu müssen. Er schloß die Augen. Sie schmerzten und brannten. Und hinter den Schläfen hämmerte es rasend. Im Gefühl halber Bewußtlosigkeit vernahm er das Oefinen und Schließen der Tür. Tante Malve kam. Sie sah seit dem letzten Morgen um Jahre älter aus. Ein paar lose Strähnen ihres grauen Haares hingen ihr wirr ins Gesicht. „Ich habe Klemke wecken lassen, Joachim,“ sagte sie mit klangloser Stimme, damit er zur Apotheke reitet.“ Er nickte. „Es wird am besten sein, wenn er es tut. Man kann sich wenigstens auf ihn verlassen.“ Wieder das Nicken. Halbgeschlossenen Auges sah Joachim zu Tante Malve hin. „Die Mamsell hat mich ein Weilchen abgelöst,“ sagte ste...„Ach Gott, Joachim, es ist entsetzlich!“ Sie nahm in seinem Schreibsessel Platz und schraubte die Lampe höher. Er sprang hart in die Höhe und warf die Hände auf den Rücken. „#a, es ist entsetzlich!“ wiederholte er, dem Sinn seiner Worte eine andere Bedeutung gebend, als Fräulein von Eberty es für die ihren deabsichtigt hatte. Mit grausamer Aufdringlichkeit war ihm, sich im Augenblick über alles andere hinwegsetzend, der Gedanke an seine Verlobung gekommen. Seit der Rückkehr aus dem Walde hatte er, völlig von anderen Dingen in Anspruch genommen, keine ruhige Minute gehabt, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Nun kam es mit ekeinentarer Heftigkeit zum Ausbruch. Tante Malve glaubte, er sage es auch, wie sie, im Gedanken an Ediths Erkrankung und fragte: „Was hat Doktor Erselius gesagt?“ Er schien zu überhören, lief mit stürmenden, jagenden Schritten im Zimmer auf und ab und starrte düster zu Boden. Dann stieß er ruckweise, abgerissen heraus:„Ich muß von Sinnen gewesen sein... Mein Denken, mein Handeln kann sich nicht in normalen Grenzen bewegt haben..... Tante Malve!“ schrie er auf,„hilf mir heraus aus den Folgen meines wahnsinnigen Tuns! Oder ich gehe daran zugrunde!" Sein Auf= und Abstürmen blieb, nahm noch an Heftigkeit zu. In Zittern verharrte die alte Dame.„Mein Gott, Joachim, was ist denn?“ Er blied brüsk stehen.„Es ist etwas, das man sich beinahe zu sagen schämt, wenn man an die Unehrlichkeit denkt, deren man sich dabei schuldig gemacht hat. Ich habe gelogen, beirogen, Tante Maive, mich, einen anderen Menschen..!" „Höre auf, Joachim!“ bat die fassungslos Zuhörende. „Das kann ich nicht ertragen, Dein Sprechen in dieser Weise. Sage, was ist!" „Jo.“ Er sagte es ganz ruhig. Blieb vor ihr stehen und stützte seine Rechte auf den Schreibtisch.„Aber vermute nicht, daß ich... Ich will keine Redensarten machen.“ Noch einmal brach er ab und schluckte heftig.„Ich habe mich mit Edith verkobt.... Ja, sieh mich nicht so an, so entgeistert, foffungslos. Es ist, wie ich sagte. Edith ist meine Braut. „Mein Junge!“ sagte Tante Malde nar. Es schien bedeuten zu sollen:„Denke doch mal nach, überlege, was Du gesagt hast. Denn das kann doch nicht wahr sein!“ Ihre Augen bückten groß und starr. Sie griff nach seiner schlaff herabhängenden freien Linken, preßte sie und sagte noch einmal:„Mein Junge...!“ Joachims entsetzliche Gemütsverfassung erreichte ihren Höhepunkt. „Das soll ein Glückwunsch sein?“ fragte er voll beißenden Spotts. „Tu mir die Liebe, Joachim, und laß diesen Ton!“ Ihre Stimme zitterte, als sei ein heimliches Weinen in ihr.„Wie es möglich sein kann, was du mir da mitteilst, das ist mir nicht faßbar. Das ist ein Rätsel ohne die Möglichkeit einer Lösung für mich... Und wir wollen jetzt nicht mehr darüber sprechen. Zu gelegener Zeit. Jetzt nicht. Nein, jetzt nicht! Ich bin nicht fähig dazu nach allem, was der vorige Tag gebracht hat, und in Angst vor dem, was der neue uns bringen kann.“ Sie legte sich in den Sessel zurück, in müder Resignation, und schloß sekundenlang die Augen. Ihre zitternden Hände ruhten gefaltet im Schoß In leiser Bewegung schüttelte sie den Kopf. Ein heftiges Pochen an der Tür ließ sie erschreckend hochfahren Die Mamsell stand auf der Schwelle.„Gnä' Fräulein, bitte, kommen Sie... Das guä' Fräulein ist... mein Gott, gnä' Fräulein..!“ „Gestorben?" rief Tante Malve angstvoll. Und Joachim trat einen erregten Schritt vor „Nein, nein, aber man denkt, es könnte jeden Augenblick passieren!" „Gehen Sie,“ atmete Tante Malve schwer heraus. „Ich komme sofort!“ Sie wandte sich Joachim zu:„Was hat Doktor Erselius Dir gesagt?“ „Es ist wenig Hoffnung, Tante Maive!“ „Es wäre nicht auszudenken, Joachim, wenn sie uns sierben sollie! Alles andere, auch das, was Dich angeht, tritt vor dieser Möglichkeit als Nebensache zurück....“ Sie schwieg einen Augenblick und preßte die Hand gegen die Stirn.„Ach, nun weiß ich es wieder, was ich Dir vorhin sagen wollte... Du mußt an Ediths Vater telegraphieren... Auf alle Fälle... Es ist Deine zunächstliegende Pflicht!“ nickte und sagte dumpf:„Ja, ich will sofort selbst nach Iderstedt reiten und die Depesche aufgeben. Tante Malve ging in Hast. Er zog den Schreibsessel heran, nahm Platz und griff mit zitternden Händen nach Feder und Papier. Minuten später saß er schon im Sattel. * Der Arzt zeigte bei seinem zweiten Besuche am Mittag die alte Besorgnis. Er fand den Zustand Ediths sogar noch bedenklicher als am Morgen. Eine Pflegerin hatte er mitgebracht. Sie begann ihres Amtes sofort mit Umsicht zu walten und löste Tante Malve am Krankenlager ab.——— Als Erselius fort war— er hatte es nach der Untersuchung Ediths sehr eilig gehabt und sich gar nicht ausgehalten—. lag es wie eine harte, drückende Schwüle der Spannung über Hesselvörde. Im Hause rührte sich nichts. Auch nicht das leiseste Geräusch war vernehmbar. Im Erdgeschoß schlich man auf den Fußspitzen einher und flüsterte sich scheu zu, daß das junge gud' Fräulein wohl sterben würde. Die Mamsell sage es für bestimmt. Und die müsse es wissen, weil sie oben gewesen. Und vom Hause aus schien sich die totenähnliche Stille auf seine Umgebung zu übertragen. Die Knechte pfissen während des Fütterns nicht wie sonst lose Schelmenstückchen und klotzten behutsam über den Hof. Inspektor Klemke hatte sogar den laut schreienden, quietschenden Pumpenschwengel schmieren lassen. Die klappernden Wagen durften nicht ins Feld. Dazu der grauverhangene Himmel des Spätsommertages. Lastend.— So hoffnungsarm machend.— Und die regungslos in die Lust starrenden Baumkronen, wohl schon an das nahe Sterben ihrer leicht beweglichen, heiteren Kinder denkend.—— (Fortsetzung folgt.) S 5 5 5 SSÖs Ss## S SueSSES * S S S S S gens GEUEGTSSE BgeTy # S „ S5 S:2 S 01c 5* * O 2 65 9 * ∆ 85 * S 6 - PE * GegE5 5 S 55gE S S SEEE Denkspruch. Was eine Kindesseele Aus jedem Blick verswicht, So reich ist doch an Hoffnung Ein ganzer Frühling nicht. Wie uns ein Ueilchen küncet Den Frühling schon im März. So ward dein Kind ein Frühling Füf dich, o Mutterherz. o. Fallersteben. Der Solitär. Humoreske von E. von Geiersberg. (Nachdruck verboten.) Im Hotel„Zum weißen Falken“ kamen regelmäßig drei bis vier Herren zum Mitlagessen zusammen. Ursprünglich hatte sie der Zufall dahin verschlagen; aber wie das so geht: die Kontinnität erzeugte schließlich eine Art von Freundschaft. Ursprünglich war es nun der gleiche Geschmuck an den Diners des Hotels, dann hielt das Bedürfnis nach mack i## tündchen K 11 einer guten Unterhaltung die Gäste noch ein beim Schoppen zusammen. Mau sagt ja, daß der Wein die Zungen löst; und mit der Zeit wußte jeder einzige von den Stammgästen über den anderen genau Bescheid, jeder war in die kleinen Leiden und Freuden des anderen— es waren nämlich lauier Junggesellen— eingeweiht und nahm auch Anteil daran. jemals ein Bild von sich zeigte, mit dem Bemerken, es könne so aussehen, als ob er ihnen etwas verkaufen wollte. Die drei lächetten dann, und der reiche Bankier, seiner außerordentlichen, fast zur Manie gerdenen Liebyaberei für schone Frillanten Mani auch Intcresse der neben wordenen Liebhaberei für schone Brillanten au Inl für Vilder hatle, kaufte ihm doch hin und wieder heimlich ein Bild ab, um den feurigen, jungen Künstler zu unterVordringen auf der steilen Bahn des die Zahl der Mittagsgäste um das stützen und Ruhmes zu erleichtern. Eines Tages wurde einen vermehrt. „Meine Herren,“ mit diesen Worten trat der Hotelbesitzer an den Stammtisch,„seit gestern wohnt bei mir im Hofel eine junge Dame, nicht ganz jung mehr, auch nicht hübsch,— ich glaube, sie ist eine Amerikanerin und studiert hier an der Universität. Würden Sie gestatten, daß sie an Ihrem Tische Platz nimmt? Sie hat niemand in Berlin und möchte gern ein bißchen Auschluß finden.“ „Wenn sie nett und anständig ist,“ sagte der Doktor, „und wenn sie Mosizin studiert.“ „Ach was, Dektor! Wenn sie Philologie studiert, kann sie auch herkommen.“ „Aber, meine Herren, soll ich vielleicht verlangen, daß sie Malerin ist?“ warf der Maler ein. „Sie haben recht,“ schloß der Bankier die Diskussion, „ihr Beruf muß uns ganz gleichgültig sein, sonst könnte ich ja verlangen, sie wäre Baukière.“ Alle lachten und erklärten dem Hotelbesitzer, er möge ihnen nur die amerikanisch: Miß zuführen. Sie kam auch, war sehr dezeut und elegant angezogen, ausgangs der Zwanziger, höchstens aufängs der Dreißiger, nicht hübsch, aber gut erzogen und machte den Eindruck einer vornehmen Dame. „Gestatten Sie, meine Herren: Miß Norris!" Die Herren standen auf, verbeugten sich, und die Amerikanerin nahm in ihrer Mitte Platz. Während des Essens wurde nicht viel gesprochen,— man beobachtete; und besonders der Baukier konnte seine Augen nicht von den zierlichen, aristokratischen Händen der Amerikanerin wenden, die so geschickt die Speisen für den Weg vom Teller zum Munde vorzubereiten verstanden. Aber es war nicht die Art zu essen, die den Bankier anzog, nicht die wirklich schöne Hand, die das Auge des Makers reizte, sondern es war der herrliche Brillant, der an ihrem Ringsinger sunkelte. Zu der winterlichen Dinerstunde leuchtete die elektrische Krone, und der prachtvolle Stein schoß funkelnde Strahlen, die fast blendend in das Auge des Bankiers fielen. Er verstand sich auf schöne Solitärs, und er glaubte keinen schöneren je gesehen zu haben. Dazu fehlte ein solcher Stein in seiner Sammlung. Die Sehnsucht, ihn zu besitzen, wuchs mit jeder Minute; nur wußte er nicht, wie er es anfangen sollte, das herrliche Kleinod in seinen Besitz zu bringen. Er wär ein gut erzogener Mann, und es hätte sich der alleinstehenden Dame gegenüber durchaus nicht geschickt, wenn er gleich am ersten Tage mit dem Verlangen, ihr einen Ring abzukaufen, herausgétreten wäre. Er schwieg auch noch am folgenden und am dritten Tage; als aber Miß Norris, die sich recht gut in den Kreis der Junggesellen eingewöhnt und als eine Dame von Humor erwiesen halte, am vierten Tage zur gewöhnlichen Stunde wiederkehrte, als vor dem Käse die anregende Unterhältung einen Augenblick zu stocken begann, wagte der Bankier den ersten schüchternen Vorstoß. „Sie haben da einen herrlichen Diamant am Finger, gnädiges Fräulein!“ „Ach,“ antwortete sie und lächelte ungläubig,„das ist ein ganz wertloser Ring. Nur für mich hat er eine gewisse Bedeutung, da er ein Erbstück ist und ich ihn gerne trage.“ „Der Ring ist nicht wertlos, verlassaSie sich auf mich, ich bin ein Kenner. Ich zahle Ihnen gleich fünftausend Taler auf den Tisch. Die Amerikauerin lächelte noch mehr und noch ungläubiger, aber der Maler sagte: „Der Bankier, gnädiges Fräulein, ist ein großer Kenner, auf den können Sie sich verlassen!“ Miß Norris schüttelte den Kopf: „Der Stein ist nicht wertvoll, sicher nicht.“ „Aber ich habe schon manchen Brillanten in der Hand gehabt, gnädiges Fräulein, Sie können mir vertrauen. Fünftausend Taler!“ und dabei geiff er schon nach der Brieftasche. „Ich glaube es Ihnen nicht, und wenn ich es glaubte, würde ich den Ring doch nicht verkaufen. Aber Sie können überzeugt sein, er ist keine fünfhundert Mark wert.“ „Nun, das käme doch auf einen Versuch an. Hier, gerade gegenüber, wohnt der erste Juwelier, dem Sie ganz gewiß Vertrauen schenken. Wollen wir hinüber gehen und den Stein abschätzen lassen?“ Die Miß schüttelte immer noch lächelnd den Kopf; aber als ihr schließlich die anderen Herren zuredeten, erfüllte sie das Verlangen des Bankiers, und der ganze Stammtisch brach auf nach dem Laden des Juweliers, der den Ring in Empfang nahm und nach eingehender Prüfung erklärte, er sei mindestens fünftausend Mark wert. „Sehen Sie, mein gnädiges Fräulein," begann der Bankier triumphierend, als sie den Laden verlassen hatten, „Sie besitzen da ein Kleinod und wissen es gar nicht.“ „Ach, ich glaub's immer noch nicht.“ Damit trennte man sich. Am nächsten Tage kam Miß Norris nicht zu Tisch. Aber den Tag darauf erschien sie wieder zur regelmäßigen Stunde, und schöner als je funfelte der Solitär an ihrem Finger. Das Verlangen nach dem Kleinod in dem Herzen des Baukiers wurde unbezwinglich. Er ließ jede Beachtung der Etikette faklen und begann ganz offen ehrlich um den Stein zu handeln. Aber Miß Norris setzte seinen Bemühungen ein ruhiges„Nein“ entgegen. Sie glaube nicht an den Wert des Steines; außerdem sei er ein Erbstück, und sie trenne sich nicht gern davon. Er möge sie nicht quälen.