Regelnätige Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatdlätter u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung. Unser Blott. nUnterhaltungs- u. Nomanbeilage. n Spiel. Sport und Curnen. u Ledensbüd Kunst u. Wissen. n Gartenratschlsg2. Verbunden mit: Schioerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung SSwerter Velksblatt Deicheiene Zeitung Spierdechen Zeitung Langscheim Zeitung Seizwichedm Zeitung Antliches Kreisblatt für den Kreis börds. und ökestes Cogesorgan des Kreues.— Genetalamzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jeitung“ erscheint verktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel. 62. Dostscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richter; Stadt und Provm# Friedr. Kraas; sämtlich in Schwerte. Nr. 98 Donnerstag, 27. April 1922 55. Jahrgang Zum Geleit. In jedes gute Herz ist das edle Gefühl von der Natur gelegt, daß es für sich allein nicht glücklich sein kann, daß es sein Glück in dem Wohle anderer suchen muß. Goethe. Für eilige Leser. Neuigkeiten aus Nah und Fern. der Botschafterkonferenz der Alliierten ist angeblich beschlossen worden, daß Polen die Gesamtheit des ihm zugesprochenen Gebietes auf dem rechten Weichselufer erst dann besetzen soll, wenn die vorläufigen deutsch=polnischen Vereinbarungen über die Frage des Zuganges zur Weichsel abgeschlossen sind. Die Einigungsverhandlungen im Baugewerbe welche gestern in Dortmund stattfanden, waren ergebnislos, so daß die allgemeine Aussperrung jetzt restlos durchgeführt wird. * Eine Havasmeldung berichtet mit besonderer Beflissenheit von einer Zusammenkunft Lloyd Georges mit Barthou, die„sehr herzlich“ gewesen sei und von Zugeständnissen, die Lloyd George an Barthou gemacht habe. In der Berliner Staatsoper fand die feftliche Begrüßung des Kölner Männergesangvereins statt, bei der Reichspräsident Ebert und Minister Dr. Boelitz Ansprachen hielten. Ebert wies auf drohende weitere Gewaltmaßnahmen(Rede Poincarees) hin und sprach den Rheinländern den Dank für ihre Treue aus. Die bolschewistische Zeitung„Iswestijaj“ vom 1 Nov. 1921 berichtet über einen Prozeß gegen die Leitung der Staatlichen Schweinezüchterei in Busuluck, weil sie die Leichen der an Cholera, Typhus und anderen Krankheiten Verstorbenen, die sie von Sanitätern und Kirchhofsdienern zugetragen erhielt, gekocht und zu Schweinefutter verwendet habe. Der angeklagte Direktor entschuldigte sich damit, daß die Sowjetvertreter die Verfütterung gestattet hätten, weil die Arbeiter das eigentlich für die Schweine bestimmte Futter selbst aufgegessen hätten. Er erhielt trotzdem 3 Monate Gefängnis. * Das Sächs. Kultusministerium hat den Direktoren der höheren Schulen des Landes empfohlen, die häuslichen und sonstigen schriftlichen Arbeiten um ein Viertel zu verringern! Immer weniger Schularbeiten! Als Ersatz der Glocken der kleinen Gemeinde Marhorst, die im Kriege abgeliefert werden mußten, wurden die metallenen Hülsen zweier großer Artilleriegeschosse in dem Kirchturm aufgehängt und mit Eisenklöppeln versehen. Nun rufen die 1 Granaten zum Gottesdienst. * * Um seine Schwestern aus dem Wege zu räumen und einen Unglücksfall vorzutäuschen, öffnete ein Fabrikarbeiter in Bonn Nachts die Gashähne. Das Verbrechen wurde durch die Mutter vereitelt, der Unmensch verhaftet. Die Moskauer Regierung hat nach eigener Angabe bisher über 1„Trillion" Rubel zur kämpfung der Hungersnot ausgegeben. 1 Trillion ist eine 1 mit 18 Nullen daran!(1000 Millionen sind erst 1 Milliarde, 1000 solcher Milliarden, gleich 1 Million mal 1 Million, sind 1 Billion, und 1 Mill. dieser Billionen sind 1 Trillion!) * In Graz ist die 44jährige Klavierlehrerin Lohenstein von einer ihrer Schülerinnen ermordet worden. Die Klavierlehrerin wurde mit eingeschlagener Schädeldecke vorgefunden. Zweifellos liegt Raubmord vor. Aus einer Münchener Privatwohnung ist ein als Rembrandt bezeichnetes Gemälde im Werte von 400000 Mark, darstellend„Josephs Rettung aus dem Brunnen“, gestohlen worden. * Nach einer Meldung des„Berl. Tageblatts" aus Rom ist zwischen dem Vatikan und der Sowjetregierung ein Abkommen zum Schutze der Katholiken abgeschlossen worden. Das deutsche Generalkonsulat in Antwerpen ist eröffnet und wird von Generalkonsul Franoux geleitet. Erhihtes Vlut. Eine Hetzrede Poincarees. In einer großen Rede in Bar le Duc gedachte Poincaree Lothringens, seines Heimatlandes, das bisher zunächst am schlimmsten unter der deutschen Invasion gelitten habe. Er erinnerte an die Verwüstungen des Krieges und an den Versailler Vertrag, der die schweren Finanzlasten Frankreichs hätte erleichtern sollen, aber dies nicht tue, weil Deutschland nicht wolle. Poincaree erklärte weiter, daß ihn an dem Zustandekommen der Konferenz von Genua keine Schuld treffe, da sie bei der Regierungsübernahme bereits beschlossen war. Die Rede gipfelte in folgenden Sätzen: „Der Vertrag von Rapollo hat das europäische Gleichgewicht gestört, vielleicht umgestürzt. Frankreich, das die Gefahr vor sich fieht, will versuchen, seine Alliierten davon zu überzeugen, daß die beste Abwehr dieser Gefahr darin besteht, niemals mit Schwäche auf Einschüchterung zu antworten. Wir sind auf jeden Fall entschlossen, alles zu fordern, was uns der Vertrag von Versailles zuspricht. Wir bleiben nur unter der Bedingung in Genua, wenn weder an Deutschland, noch an Rußland irgend welche Konzessionen gemacht werden. Wenn Deutschland bis 31. Mai die Bestimmungen der Reparationskommission nicht erfüllt, so werden wir mit oder ohne die anderen Alliterten die nötigen Maßnahmen zur Verteidigung unserer Interessen ergreifen. Den Schluß der Rede bildet ein Appell an die französische Einheit zu einer Stunde, wo sich Frankreich von einer Gefahr bedroht sieht, die zwar weniger schlimm ist als die von 1914, aber desto hinterlistiger.“ Pariser Pressestimmen zur Rede Poincarees. Die Meinung der gestrigen Abendblätter bildet den Kehrreim von Poincarees Rede. Die „Liberte“ schreibt: Es wäre ein Zugeständnis der Machtlosigkeit, wenn wir uns länger in Genua aufhalten würden. Es war schon stark genug, daß wir den Zwischenfall vom 17. 4. duldeten. Der Vertrag von Versailles gibt den Alliierten das Recht, Sanktionen zu ergreifen. Frankreich wird sie also ergreisen, wenn die Alliierten es unterlassen. Der„Intransigeant“ schreibt: Wir nähern uns dem 31. Mai. Deutschland muß den Forderungen der Reparationskommission nachkommen. Wenn aber Deutschland wieder Ausflüchte macht, so ist Frankreich entschlossen, diesmal jede Ausflucht nicht, zu erlauben. Auch der Lärm, den Lloyd George in Genua vollführte, kann diese Sorge bei ms nicht übertönen. Wer immer, für den Frieden ist; kann uns nur Recht geben. Wir haben diesem Geiste den Frieden zu garantieren. : Das ganze englische Kabinett hinter Lloyd George. Wie die Blätter aus Genua melden, hielt der aus London in Genua eingetroffene Lord Birkenhead eine Ansprache an die Pressevertreter, in der er mitteilte, daß das amtliche England durchaus die Richtlinien Lloyd Georges auf der Genueser Konferenz billige. Das ganze englische Kabinett stehe unbedingt himter Lloyd George. Hinsichtlich Rußlands erklärte Lord Birkenhead, England stehe auf dem Standpunkte, daß jedes zivilisierte Land berechtigt sei, sich selbst seine Verfassungsform zu gehen. Frankreich droht den Russen mit einem Ultimatum. London, 25. April. Einer hier verbreiteten Meldung zufolge soll die französische Delegation klare Instruktionen erhalten haben, auf den von Poincaree gestellten Bedingungen zu bestehen. Sie würden ein 48stündiges Ultimatum für Rußland verlangen oder die Konferenz verlassen. Lloyd George gegen Poincaree. London, 25. April. Die Abendblätter veröffentlichen folgende Meldung: Lloyd George sagte in einer in Genua an England gerichteten Botschaft, die Rede Poincarees sei eine sehr ernste Erklärung. Sie sei nicht dazu angetan, das Zusammenwirken der Alliierten zu bessern. Großbritannien sei entschlossen, zu verhindern, daß Europa wieder ein Schlachthaus werde. Der Reichskanzler über den RapalloVertrag. Antwort auf Poincarees Fragen. Genua, 25. April. Anläßlich eines Empfanges der deutschen Pressevertreter in Genua gab Reichskanzler Dr. Wirth heute abend folgende Erklärung ab: Von Frankreich aus ist an uns die Frage gerichtet worden:„Ist der Vertrag von Rapollo vollständig veröffentlicht worden. Enthält er geheime Bestimmungen. Dient er militärischen oder politischen Bestimmungen als Vorwand?“ Dazu diene meine Erklärung: „Der Vertrag ist vollständig veröffentlicht worden. Er enthält keinerlei Bestimmungen politischen oder militärischen Charakters. Er ist nach unserer Auffassung als Friedensinstrument zu würdigen und er ist auch der erste wahrhafte Friedensvertrag zwischen zwei Völkern, die miteinander im blutigen Ringen gestanden haben. Er macht mit der Vergangenheit zwischen Deutschland und Rußland reinen Tisch. Worauf es ankommt, ist, mit dem russischen Volke in Frieden zu leben und es der Handelswelt zu ermöglichen, im Osten arbeiten zu können. Wer uns darin nachkommt, und nachfolgt, der ist uns willkommen. Wir können es nur begrüßen, wenn die Westmächte in Genua zu einem ähnlichen Vertrag wie dem von Rapollo kommen, der friedliche Wege ebnet.“ Das Kofferpacken beginnt. Genua, 25. April. Theunis und Hermes sind abgereist und auch in den Kreisen der Sachverständigen hat das kofferpacken begonnen. Von einem amerikanischen Journalisten wurde heute erzählt, daß Reichskanzler Dr. Wirth Lloyd George habe wissen lassen, daß sich auch für die Führer der deutschen Abordnung die Notwendigkeit einer baldigen Rückreise immer stärker erweise. Und das Ergebnis? Genua, 25. April. Man kann heute die Hoffnung, daß die Konferenz irgend ein brauchbares und praktisches Ergebnis hat, fast aufgeben. Zwei Punkte waren es noch, auf die man sich beschränkt hatte: die russische Frage und die Frage der sogenannten Kreditgewährung an Ungarn. Diez russische Frage scheint nach dem gestrigen Ergebnis nicht gelöst worden zu sein. Heute nachmittag treten die Verbandssachverständigen ohne die Mitglieder der russischen Abordnung zusammen. Die Russen erklärten heute ausdrücklich, daß es für sie ohne politische Grundlage unmöglich sei, in der Frage der Wiederherausgabe des nationalisierten Eigentums Zugeständnisse zu machen. Die Frage der Kreditgewährung an Ungarn scheint auch auf dem toten Punkt angekommen zu sein. Fortsetzung der Konferenzarbeiten durch den Völkerbund. Genua, 25. April. Die Arbeiten, die auf der Konferenz nicht beendet werden können, sollen dem Völkerbund übergeben werden. Ein Komitee von Sachverständigen soll eingesetzt werden, um diese Arbeiten zu vollenden,(d. h. wohl, ihnen ein ehrenvolles Begräbnis zu sichern.) Man behauptet in Genna allgemein, daß eine ganze Reihe weiterer Konferenzen folgen werde. Die internationale Anleihe. 4 Milliarden Goldfrank? Die Gerüchte, daß bereits konkrete Verhandlungen über eine internationale Anleihe für Deutschland schweben, nehmen immer festere Gestalt an. In den bisherigen Besprechungen sind, wie der„Berliner Lokal-Anzeiger“ aus Genua meldet, bereits feste Zahlen über die Verteilung der Anleihe auf die verschiedenen Mächte genannt worden. Danach sollen 3 Milliarden Goldfranken von den Ententeländern, in erster Linie vom englischen und amerikanischen Kapital, aufgebracht werden, während die Neutralen 1 Milliarde Goldfranken aufbringen sollen. Die ersten drei Milliarden sind zur Befriedigung der französischen und belgischen Bedürfnisse während der nächsten zwei Jahre bestimmt. Deutschland braucht in diesen zwei Jahren keine baren Reparationsleistungen an die beiden Länder abzuführen und erhält Gelegenheit, seinen inneren Haushalt und seine Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Die Stabilisierung der deutschen Valuta soll mit Hilfe der vierten von den Neutralen aufzubringenden Goldmilliarde erreicht werden. Die englischen Sachverständigen schlugen in dieser Frage vor, die deutsche Mark auf der Grundlage von fünfzehn Goldpfennigen zu stabilisieren, ein Fuß, der zwar von den deutschen Sachverständigen als nicht zu hoch angesehen wird, aber doch wohl dem englischen Wunsch entspringt, das unfreiwillige Dumping zu bekämpfen. Nach dem bisherigen Verlauf darf erwartet werden, daß die Verhandlungen auch weiterhin einen günstigen Fortgang nehmen. Aus Stadt und Land. Schwerte, 27. April. „ Erinnerungen. 1868 Eröffnung des 1. deutschen Zollparlaments. 1898 Kiautschou wird zum deutschen Schutzgebiet erklärt. ** Der 1. Kindertransport nach Binz ist, wie wir soeben durch ein Telegramm erfahren, gut in Binz angekommen. ** Volkshochschule Das Sommersemester beginnt Anfang Mai. Die Arbeitspläne, Hörerund Mitgliedskarten sind inzwischen eingetroffen und an den durch Aushang bekannt gegebenen Stellen zu haben. Wer sich weiter zu bilden wünscht, versäume nicht, sich beizeiten mit dem Arbeitsplan vertraut zu machen, der angibt, welche Lehrgebiete behandelt werden, wo u. zu welchen Stunden der Lehrgang stattfindet. Der Lehrplan kommt heute' in unserer Zeitung zum Abdruck. ** Bismarckgevenkfeier. Auf die morgen, tag, abend 8 Uhr,(bitte pünktlich) im Saale des Kaiserhof, Bahnhofstraße, stattfindende Veranstaltung der Deutschnationalen Volkspartei wird nochmals empfehlend hingewiesen. Alle Freunde volksfreundlicher nationaler Politik, Damen und Herren, sind bestens dazu eingeladen. Parteizugehörigkeit ist nicht nötig, da jedermann als Gast freies Wort und freien Zutritt hat. Die Erinnerung an vergangene große Zeit darf alle für die Tage der Gegenwartsnöte stärken und erheben, ohne daß Parteifanatismus nötig ist. ** Patenterteilung. Wie uns das Patentbüro Conrad Köchling=Hagen mitteilt, ist Herrn Wilhelm Ostermann von hier auf eine Vorrichtung zum Kleben von Buchrücken ein Patent erteilt werden. ** Chormeister=Fortbildungstag. Dev erste, von dem Westfälischen Sängerbunde am 19. April in Dortmund veranstaltete Chormeister-Fortbildungstag wies eine Besucherzahl von 108 Dirigenten auf. Die Tagung gestaltete sich zu einer großen Rundgebung für das deutsche Lied und für den deutschen Männergesang. Als erster Redner sprach Bundeschormeister Weisbach=Hagen über die künstlerischen Eigenschaften und Aufgaben des deutschen Chormeisters, der sich gerade in heutiger Zeit als ein Priester am Heiligtum des deutschen Liedes verpflichtet fühlen müsse, wahre und vor 4 allem deutsche Kunst darzubieten. Bundeschormeister Hoffmann=Bochum verpreitete ssich über den Rhuthmus und seine richtige Ausdeutung beim Dirigieren. Gesangopädagoge Pabolit=Essen hielt einen fachmännischen Vortrag über Ton= und Stimmbildung, dem eine sehr kevhafte Ausspeache über die Hilfsmittel für die Entwicklung und Verbesserung der Stimmen der Chorsänger vonzzte. Den Höhepunkt der Tagung bildeten die Ausführungen des Professors Wohlgemuth=Leipzig, der sowohl im Vortrag als auch in der Probe am Flügek unter Nitwirkung des Dortmunder Lebrergesangvereins neue Anregungen gab. ** Der neue Fahrplan wird am 1. Juni in Kraft treten und sein Hauptgewicht auf die Einführung von beschleunigten Zügen mit Wagen 4. Klasse legen. Auch die Gesamtzahl der Züge soll nach Möglichkeit vermohrt werden. Wer jetzt einen Eisenbahnzug betrachtet, der sieht auf den ersten Blick, welche Bedeutung die vierte Wagenklasse erlangt hat, denn den paar Wagen zweiter und dritter Klasse schließt sich die lange Kette „vierter“ an. Die Gewöhnung daran ist beim Publikum sehr groß geworden, wenn auch mitunter manche Eigenschaften etwas„auf Nerven und Nase" fallen. Eine Zugbeschleunigung ist also wirklich beifällig zu begrüßen. ** Feühjahes=Konzert der„Cäcilie“. Am kommenden Sonntag gibt der M.=G.=V.„Cäcilia" am Freischütz sein diesjähriges Frühjahrs=Konzert, welches seit Jahren am 2. Ostertage stattfand, diesmal jedoch verschoben werden mußte. Im Mittelpunkt des reichhaltigen Programms, welhes Meister Hanemann mit Sorgfalt und feinem Geschmack zusammengestellt hat, steht an Vortrögen des Vereins, der etwa 80 Sänger stark in dem Konzert auftritt, der prächtige Chor„Abendfeier in Venedig" für Sopran=Soli, Männerchor und Klavierbegleitung. Der kkomponist Thelen hat das bekannte Geibel'sche Gedicht in kunstvoller Weise verkont, den poetischen Stimmungsgehalt restlos erschöpfend. Auf die Einstudierung des umfangreichen Werkes ist großer Wert gelegt, sodaß mit einer in jeder Hinsicht einwandfreien Wiedergabe gerechnet werden kann, nicht minder auf die ungemein schwietige Neumann'sche Ballade„Der Feuerreiter“ mit deren Vortrag der Verein das Konzert eröffnet. Im zweiten Teil des Programms wird das Volkslied in Werken von Silcher und Hirsch und weiter auch der Humor im Gesang in Chören von Nahl und Geyer zu Worte kommen. Von den vom Verein gewonnenen Solokräften dürfte vor allem die gefeierte Sopranistin: Frau Regina Rezoni aus Köln interessierei über denen ganz hervorragende künstlerische Leistungen uns die glänzendsten Kritiken vorliegen. Rußer der umfangreichen Partie in der „Abendseier“ wird die Künstlerin mit 2 Liedern von Schubert und der Arie der Leonore aus Flotows„Stradella“ aufwarten. Herr Harry Königsberg, Soko=Trompeter des Duisburger Stadtorchesters, wird erneut den Beweis erbeingen, daß auch das Piston seinen Platz im Konzertsaal verdient. Der Künstler, der in Schwerte kein Fremdling ist, wird Kompositionen von Brahms: Wiegenlied, Hab' ich nur deine Liebe, Hill: Das Herz am Rhein, Schmidt: Bravour=Polka und lers bekanntes„Behüt dich Gott" zum Vortrag bringen. Man sieht, ein Programm, wie es reichhaltiger und interessanter nicht geboten werden kann. Ein allseitiger Besuch des Konzerts ist nur bestens zu empfehlen. Es sei noch darauf hingewiesen, daß das Konzert erst um 5 Uhr seinen Anfang nimmt, nicht um 4 Uhr, wie es bei den Veranstaltungen unserer Vereine sonst üblich ist. ** Verpfändung der Rente zum Zwecke der Kreditbeschaffung. Nach dem Mannschaftsversorgungsgesetz von 1906 waren die Versorgungsgebührnisse entlassener beschädigter Personen des Soldatenstandes der Pfändung nicht unterworfen. Die Gebührnisse konnten infolgedessen auch nicht auf dritto Personen übertragen werden. Hierdurch sollte verhütet worden, daß sie nicht dem Beschädigten selbst, sonden dritten Personen zuflossen. Diese Vorschrift diente also an sich dem Schutze des Versorgungsberechtigten, sie konnte für ihn aber auch von Nachteil sein, denn es wurde dadurch unmöglich, eine Rente zum Zwecke der Kreditbeschaffung nutzbar zu machen. Im Gegensatz hierzu bietet nun das Reichsversorgungsgesetz im Interesse der Erleichterung einer Kreditbeschaffung die Möglichkeit, unter bestimmten Vorausfotzungen die Rente abzutreten oder zu verpfänden, um dafür einen Vorschuß oder ein Darlehen zu erlangen. Diese Vorschrift findet auch auf diejenigen Renten des alten Rechts Anwendung; welche gemäß Bestimmung des Reichsversorgungsgesetzes bis zur endgültigen Umanerkennung weitergezahlt werden. Wilk ein Beschädigter auf diese Weise ein Darlehen oder einen Vorschuß erhalten, so wendet er sich an die Ortsgruppen oder die Landesgeschäftsstelle des Zentralverban des b#utscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener in Bochum, Wörthstraße 2. Von der Möglichkeit der Beschaffung einer größeren Gumme wird besondens dann Gebrauch gemacht werden konnen, wenn jemand im Wego der Kapitalabfindung Grund und Boden erworben hat, daneben aber noch Mittel zum Ankauf von Inventar usw. benztnge. * Uoderführung von Kriegerleichen in die Heimat: Die Ueberführung deutscher Kriegerleichen aus dem Auslande in die Heimat wird jetzt regelmäßig genehmigt, wenn die Angehörigen des Toten bereit sind, die Kosten zu tragen und die Identität einwandfrei feststeht. Anträge auf Ueberführung sind zu richten an das Zentralnachweiseamt für Kriegerverluste und Kriegergräder in Spandau, Schmidt=Knobelsdorfstraße, durch dessen Vermittlung die Zustimmung des betrofsenden Freindstaates eingeholt wird. Anträge auf Ueverführung von Kriegerleichen aus Deutschland sind gleichfalls an das Zentralnachweiseamt in Spandau zu richten. ** Zeitungs=Neubestellungen werden zum 1. Mai von den Postämtern, Briefträgern und der Expedition entgegengenommen. Edenso wie die Politik, beansprucht jetzt auch das Wirtschaftsleben das erhöhte Interesse des Zeitungslesers, und die Angebote von Levensmitteln neuer Ernte im Anzeigenteil fesseln jetzt die Hausfrauen. Für alle Produzenten aber erschoint es selbstverständlich, daß sie mit ihren Früchten vor allem ihrer Nachbarn in der Heimat gedenken und fremde Aufkäufer abweisen. Reelle Preise zahlt ein jeder, und den Wucherern die Tür zu weisen, sollte eine Ehrensache sein. ** Westhofen, 27. April. Eineöffentliche Musik=Probe veranstaltet die vor kurzem neugegründete Schwerter Kapelle(20 Musiker) unter Leitung des Herrn Kümper am Sonntag nachmittag im Saale des Herrn Fritzenkötter. Es soll damit einem größeren Publikum Gelegenheit gegeben werden, sich von der Leistungsfähigkeit des neuen Tonkörpers zu überzeugen. An die musikalischen Vorträge soll sich ein Tänzchen anschließen und wird Näheres noch durch Anzeige bekannt gegeben. ** Bürenbruch, 27. April. Theateraben d. Der Turnverein„Grüne Eiche“ veranstaltet am kommenden Sonntag in den Lokalitäten des Herrn Tönnis(Kreuzschlenke) einen Theaterabend mit nachfolgendem Tanz. Die ganze Veranstaltung ist in allerbester Weise vorbereitet und wird Näheres noch durch Anzeige mitgeteilt. ** Holzwickede, 26. April. EisenbahnAnlagen. Für den im vorigen Jahre in Angriff genommenen Bau einer neuen Lokomotivschuppenanlage sind für das laufende Jahr weitere 3 Millionen Mark vorgesehen. Nach dem Voranschlage erfordert der Bau im ganzen 13 420 000 Mark. Aus den Provinzen. Kirchhörde, 26. April. Neue kohlenzeche. In der nächsten Zeit wird das Steinkohlenberg= werk Auguste in der Gemeinde RüdinghausenKirchhörde„auf dem Schnee“ gelegen, in Betrieb genommen. Die Grubenfelder wurden bereits im Jahre 1906 von dem Bergwerksunternehmer Möller in Bochum gemutet. Zur Zeit der Mutung bestand die Lex Camp, die im Jahre 1920 gesetzlich aufgehoben wurde, so daß heute einer Inbetriebnahme der Zeche nichts im Wege steht. Die Felder besitzen Mager= und Fettkohle, und die Dichtigkeit der einzelnen Flötze ist 60 Ztm. bis 1,50 Meter. Dortmund, 26. April. Menschenjätzer. Am 31. vorigen Monats wurde ein auf einem hiesigen Werk beschäftigter Bote am Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofes von einem besseo gekleideten Herrn nach einer unbekannten Straße gefragt. Im Verlaufe des Gesprächs wurde der Bote zu einem Glase Bter in einem in der Nähe befindlichen Lokal eingeladen. Hier wurde er überreichlich mit Wein, Schnaps und Bier traktiert, so daß er bald total betrunken war und nicht mehr wußte, was mit ihm geschah. Er kam erst wieder zur Besinnung, als er in Euskirchen auf dem Bahnhof durch zwei farbige Soldaten in eine Kaserne transportiert wurde. Er fand dort 20 Leidensgenossen, die ebenfalls für die Fremdenlegion geworben waren, vor, u. a. auch einen Dortmunder. Bei der Untersuchung durch einen französischen Arzt wurde der zuletzt Verschleppts als militärtauglich befunden. Am 5. d. M. gelang es ihm, beim Kaffeeholen aus der Kaserne zu entfliehen und wieder nach Dortmund zu gelangen. Hohenlimburg, 28. April. Gingestelltes Vorfahren. Das Verfahren gegen den Mörder des Landwirts Welken in Reh, ist eingestellt. Welken wurde im November 1920 nachts ermordet. Während es der Hagener Kriminalpolizei gelang, einen Täter in Dortmund festzunehmen, konnte der zweite Mörder im Saargebiet festgenommen werden. Gegen ersteren, den 35jährigen Arbeiter Johann von Studeinsky aus Dortmund, einem gebürtigen Westpreußen, war in der letzten Schwurgerichtsperiode schon verhandelt worden, jedoch wurde das Verfahren eingestellt, da er nach ärztlichem Gutachten für geisteskrank erklärt wurde. Er wird nunmehr einer Irrenanstalt zugeführt. Der zweite Mördes, ein Arbeiter Cafpari, wird von einem saarländischen Gericht abPe Wickede=Asseln, 26. upril. Tod im Gump' Verhaftet und dem Landgericht Dortmund zugeführt wurde eine Ehefrau von der Chaussee wegen dringenden Verdachts, an dem rätselhaften Tode der Dienstmagd Sch. beteiligt zu sein. Man fand das Mädchen vor einigen Wochen mit dem Kopf in einem Sumpf steckend tot vor. Die Verhaftete soll das Mädchen einer Frau zugeführt haben, die ein Verbrechen gegen§ 218 Str.=G=B vorgenommen hat, wobei die Unglückliche zu Tode gekommen ist Es wurbe dann von den Beteiligten ein Unglücksfall vorgetäuscht Lünen, 26. April. Gefährliches Spiek. Gestern abend spielten Kinder an dem Auto des Hotelbesitzers Rensmann an dur katholischon Kirche und vorgnügten sich damit, das aus dem undichten Behälter entflossene Benzol zu entzünden. Pkötzlich fkammte der ganze Behälter auf und eine riesige Flamme umzüngelte das ganze Lastauto. Nur dem beherzten Zugreifen des Herrn Schmölders ist es zu verdanken, daß nicht das in der unmittelvaren Nähe stehende Küsterhaus ebenfalls in Brand geriet. Zum großen Glück befanden sich im Augenblick der Explosion keine Kinder auf dem Auto, sonst wäro ein schweres Unglück unabwendbar gewesen. Das Auto selbst wurde fast gänzlich zerstört. Castrop, 20. April. Dodessturz aus 150 Meter. Der Steiger August Weskamp stürzte auf der Zeche Erwin bei der Einfahrt vom Förderkorb 150 Meter tief in den Schacht und war sofort tot. Der auf solch tragische Weise tödlich Verunglückte war 35 Jahre auf der Zeche tätig. Menden, 26. April. 110 Bewerber. Auf die Ausschreibung der hiesigen Bauratsstelle sind bisher 110 Bewerbungsschreiben eingegangen. Die Meldefrist ist noch nicht abgelaufen. Letmathe, 26. April. Kein Brückengeld. Auf Antrag der Brückenbaugesellschaft hat der Regierungspräsident verfügt, daß vom 19. ds. M. an für Personen kein Brückengeld mehr erhoben werden soll.(Dieser alte Zopf war für viele Passanten recht unangenehm empfunden worden. Man verlangte 3 Pfg. Brückenzoll, für den in Wirklichkeit doch stets das Kupfergeld fehlte. Die Redaktion.) Krefeld, 26. April. Ein schwerer Einbruch wurde in der Krefelder Innungsbank verübt. Die Einbrecher, die mit den örtlichen Verhältnissen durchaus vertraut sein mußten, hatten sich schon tags zuvor in den oberen Stockwerken des Gebäudes einschließen lassen und durchbrachen dann von oben die Decke, nachdem sie, um unbekummert vergehen zu können, zunächst sämtliche Fenster nach der Eiranenseite hin mit Tüchern verhängt hatten. Bei voller Beleuchtung machten sie sich dann an ihr Werl. Mit einem autogenischen Schweiß### varal dur hlächerten sie die Geldschränke, aus denen sic###000 Mark in deutschen: Papiergeld und 100##lländische Gulden entwendeten. Von den Tätere fohlt jede Spur. Emmerich, 26. Aprik. Teure Hasen. Den gewaltigen Unterschied der Jagdpreise von einst und jetzt, dor mehr als das 70fache beträgt, zeigt einmal wieder die Verpachtung der Jagd in der Feldmark Emmerich, wobei ein Pachtprois von 30 000 Mark gegen 410 Mark früher erzielt wurde. — Ein anderes Beispiel zeigt die Verpachtung einer Jagd an der Bergstraße, wo einem Mann. heimer Neureichen die Jagd der Gemeinde Schrießheim um die Pachtsumme von 182000 Mk. je Jahr zugeschlagen wurde. Der Steigever zahlte der Gemeinde sogar sofort eine Million aus. Aachen, 26. April. Raubmord. Der Eisenbahnhelfer Johann Grebaus Hauset wurde vergestern im Aachener Stadtwalde mit einer Schußwunde tot aufgefunden. Nach Ansicht der Untersuchungsbehörde liegt Raubmord vor. Der Regierungspräsident hat auf die Ergreifung des Täters 10000 Mark Belohnung ausgesetzt. Der Nachfolger Hues im Reichstag. Pertin, 26. Aprik. Als Nachfolger des Abg. Hue zieht Gewortschaftssekretär Karl SpiegelBielefeld in den Reichstag ein. Eine neue Eisenbahnbeamten-Gewertschaft. Am 21. April wurde in Berlin seitens der Fachgewerkschaften und Fachgruppen, die zu der Politik, der jetzigen Leitung der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten im Gegensatz stehen, eine neue Eisenbahnbeamten-Organisation, die „Gewerkschaft Deutscher Reichseisenbahnbeamten“ gegründet mit mehr als 80000 Mitgliedern. Der Reichstag wird seine Verhandlungen nach den Osterferien Dienotag, 2. Mai, wieder aufnehmen. Sein(nächstes Arbeitsprogramm hängt naturgemäß davon ab, ob der Reichskanzler und die Minister bis dahin von Genua zurückgekehrt sein werden. Wenn nicht, wird der Haushaltsplan des Außenministeriums von der Tagesordnung abgesetzt werden und der Reichstag wird sich dann zunächst mit dem Post= oder Eisenbahnetat beschäftigen. Landtagswahlen in Schaumburg=Lippe. Bückeburg, 26. April. Die in SchaumburgLippe abgehaltenen Landtagswahlen hatten folgendes Ergebnis: Abgegeben wurden insgesamt 24301 Stimmen. Hiervon entfielen auf die sozialistischen Parteien 12349 und zwar 10283 auf die Sozialdemokraten und 1566 auf die Unabhängigen, auf die bürgerlichen Parteien 11582 Stimmen, und zwar erhielten hier: Wirtschaftliche Vereinigung 296, Parteilose Fortschrittsgruppe 544, Landbund 2857, Handwerkerbund 1771, Deutsche Volkspartei 2545, Demokraten 1192, Deutschnationale 1590, Bürgerliste 916, Nationalsozialisten 140. Wo war die bürgerliche Einheitsfront? Der Beieliong on Finnen und Mitessern empflehlt Dr. med. Dn in V Obermeyer's Med zinal-Herba= Seife. Während sonst dagegen vielfach Schwefelpräparate zur Auwendung gelangten, wird nunmehr von den Herren Aerzten schon seit längerer Zeit Obermeyer's MedizinalHerba=Seife verwendet, nachdem sich folche ganz besonders bewührt hat. Aus dem Reich. Deutschlands Ankeiheaussichten. London, 26. April.„Times“ meldet, von amerikanischen Bantiers werde erklärt, daß unter geeigneten Bedingungen ein beträchtlicher Teil der dautschen Obligationen in Amerika unsergebracht werden könne. * London, 26. Aprik.„Reuter“ meldet, daß, Morgan die Einladung der Reparationskommission, Mitglied des Ausschusses zur Erwägung der Möglichkeit der Ausgabe einer internationalen Anleihe für Deutschland zu werden, angenommen hat. Morgan wird Mitte Mai nach Europa abfahren. Der Justizetat im Hauptausschuß des Landtages. Berlin, 26. Aprik. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages fetzte gestern die Vorberatung des Justizhaushalts fort: Im Laufe der Debatte teilte der Justizminister mit, daß im Jahre 1021 124 Personen bedingt begnadigt worden seien. Ausweisung eines deutschon. Konsuls in Georgien. Berbin, 25. Aprik. Zu den Meldungen, daß in Georgien große Deutschenausweifungen statzdgesunven hätten, erfahren wir von zuständiger Stelle, daß lediglich ein deutscher Annsul ausgewiefen worden ist. Die Gründe für diese Maßnehme sind noch nicht bekannt, dn es schwer ist, die in Georgien und der Kaukasusrepublik hausschenden Verhältnisse zu durchschauen. Lehls Brühimeitungen. Eigener Depeschendienst. Eisenbahner=Forderungen. Berlin, 27. April. Betriebsräte=Versammlungen in den Berliner Eisenbahn-Werkstätten nahmen gestern einstimmige Resolutionen an für eine nochmalige 30 prozentige Lohnerhöhung der Eisenbahner zum 1. Juni. Schwere Operation Kapps. Leipzig, 27. April. Kapp, der vorgestern wegen eines Geschwulstes in der linken Augenhöhle operiert werden mußte, wurde, da die Geschwulft bereits große Abschnitte der Augenhöhlenrandung ergriffen hatte, das linke Auge entfernt. Evenso erkrankten Deilo des Schädels in großer Ausdehnung. Das Allgemeinbefinden Kapps ist entsptechend beeinträchtigt. Die Aerzte hoffen, das rechte Auge zu erhalten. Die Konfereuz der Zeutralnotenbanken. Berlin, 27. Aprtl. Der Delegierte der Finanzkonnnission in Genug, der Reichsbankpräsident Havenstein, wird morgen nach Berlin zurückkehten, nachdem die dortige Finanzkommission ihre Arbeiten beendet hat. Die Arbeiten können, wie wir erfahren, insofern als befriedigend bezeichnet werden, als beschlossen worden ist, eine Konferenz der Zentralnotenbanken einzuberufen, die voraussichtlich schon in kürzester Zeit in London unter Führung der Bank von England zusammentreten wird. An der Konferenz werden nicht nur die Zentralnotenbanken Europas, sondern auch die General=Resetvebank in Amerika teilnehmen. Kämpfe in China. Paris, 27. April. Aus Tientsin wird gemeldet: Zwischen den Truppen des Generals Schan Tso Tin, dem Gouverneur der Mandschurei, und den Truppen des Generals Wu Tei Fu sind heute Vormittag die Feindseligkeiten eröffnet worden. Die Konferenz der deutschen Finanzminister. Berlin, 27. April. Auf der Tagesordnung der heute in Würzburg stattfindenden Konferenz der deutschen Finanzminister stehen die Fragen über die Verteilung der Reichssteuern zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, sowie die Frage inwieweit die Vorschriften des Reiches an die Länder und Gemeinden für die Erhöhung der Beamtenbesoldung vom Reich oder von den Ländern und Gemeinden übernommen werden. Reichsfinanzminister Dr. Hermes wird an der Konferenz teilrehmen. „bntur 5länzt im Nu underhält die Schuh Regelmäßige Frauenbeilage zur Schwerter Zeitung ster haussrau und Rlaller Sraerische Tlerrung jAe Haus unis Derch Modenberichte Erziehungsfragen, Humor Haus und Küche des ist heutzutage im Hinblick auf die hohen, für manchen überhaupt unerschwinglichen G' Preise eine unbedingt erforderliche Notwendigteit für die meisten Frauen, bei Anschaffung neuer Kleidung vor allen Dingen die Zweckmäßigkeit im Auge zu behalten. In erster Linie gilt das natürlich für die Haus= und Berufskleidung. Man hört so oft Ausrufe wie:„Der helle Stoff gefällt mir aber viel besser als diese gedeckte Farbe“ oder „Diese Machart ist doch bedeutend flotter", usw. Ob Kleidungsstücke, die nur unter solchen Gesichtspunkten eingekauft werden, sich dann auch praktisch bewähren, ist noch sehr die Frage. Ein Kleid, das man täglich im Beruf tragen will, darf nicht zu hell sein. Vorzüglich eignen sich karierte, gestreifte oder gemusterte Stoffe dazu. Natürlich sind auch einfardige, falls sie nicht zu hell sind, nicht zu verwerfen. Doch muß man sich darüber klar sein, daß auf einfarbigen Stoffen jedes kleinste Fleckchen viel leichter zu sehen ist als auf karierten oder gestreiften. Auch bei der Wahl der Machart soll zunächst die Tätigkeit, die man ausübt, ausschlaggebend sein und nicht das mehr oder weniger flotte Aussehen, das erst in zweiter Linie berücksichtigt werden soll. Es soll natürlich keineswegs unbeachtet bleiben, sondern jede Frau sollte sich bemühen, das Zweckmäßige mit dem Kleidsamen zu vereinen. Allen Anforderungen genügen in dieser Hinsicht die außerordentlich praktischen Leibchenröcke mit auswechselbaren Blusen, siehe Abb. 8046 u. 8047. Wer jedoch seine Kleidung recht schonend behandeln will, trägt zu ihrem Schutze im Beruf meist einen Arbeitskittel aus Nessel oder GW720 W 03825 Leinen. Er schützt das ganze Kleid und ist besonders da am Platze, wo mit Farben, Säuren und anderen scharfen Stoffen gearbeitet wird und es infolgedessen schwer zu entfernende Flecke gibt. Da diese Arbeitskittel oft gewaschen werden müssen, ist es sehr zu empfehlen, die Knöpfe nicht anzunähen, son###rn den Kittel auf beiden Seiten mit A.nopflöchern zu versehen und die Knöpfe auf eine doppelte Stoffleiste oder ein starkes Band zu setzen. Man kann sie dann bei der Wäsche ohne Schwierigkeit herausknöpfen. Zur Hauskleidung ist die Schürze unentbehrlich. Am praktischsten ist eine sogenannte Kleiderschürze mit langen Armeln, die den ganzen Anzug bedeckt, siehe Abb. 4020. Doch sind auch Latzschürzen, wie sie Abb. 03825 zeigt, ein guter Schutz der Kleidung. Hat man nur leichte Hausarbeit zu verrichten, so genügt wohl ein zierliches Teeschürzchen, das mit Handstickerei verziert, besonders nett aussieht. GW 7623. Der praktische Arbeitskittel ist aus kräftigem Baumwollstoff, Nessel oder Leinen gearbeitet. Er ist mit großen Taschen ausgestattet. Schnitte für 44, 48 u. 52 cm Oberweite.— W03825. Neuartig ist an der hübschen Latzschürze die Schnittform der breiten Träger. Sie werden allmählich schmäler und bilden, im Rücken kreuzweis übereinandergelegt, gleichzeitig den Gürtel. Schnitte für 42 und 46 cm Ober= weite.— 6W 4020. Bunter Kattun dient zur Herstellung der großen Kleiderschürze. Die Armelbündchen werden zum Knöpfen eingerichtet. Schnitte für 42 und 46 cm Oberweite.— W 61462. Die zierliche Teeschürze ist mit hübschen Mustern in Weißstickerei geschmückt und ringsum mit Hohlnaht gesäumt. Schnitt erhältlich. Abplättmuster Nr. 30375/III, Preis 3 Ml.— K53209. Graublau karierter Wollstoff gibt das Material zu dem schlichten Blusenkleid. Kragen und Armelaufschläge aus einfarbigem Stoff sind mit bunter Wolle bestickt. Schnitte für 40 und 42 cm Oberweite. Abplättmuster es etpirgern D#r MK 53209 53253 Nr. 10617/III, Preis für 1 m 3Mk.— K53251. Das hübsche Kittel=Schlupfkleid aus blauem Cheviot hat langes Leibchen und angesetzten Dreibahnenrock mit durchgeleitetem schwarzen Lackbandgürtel. Zum Ausputz verwendet man schwarz=weiß gestreifte Seide. Schnitte für 42 und 44 cm Oberweite.— K53255. Zu dem rostbraunen Gabardin des einfachen Kittel=Schlunfkleides gibt stahlblaue Tresse den Besatz. Die eingesetzte Vorderbahn des im Kimonoschnitt gearbeiteten Kleides ist in Falten geplättet. Schnitte für 40 und 42 cm Oberweite.— K53206. Gestreifter Wollstoff dient zur Herstellung des jugendlichen Kleides. Dazu passender einfarbiger Wollstoff ist zum Kragen und Gürtel, sowie zu den Armelaufschlägen verwendet. Schnitte für 40 und 44 cm Oberweite.— B12214. Die einfache Hemdbluse ist aus hellem Flauell gearbeitet. Schnitte für 44, 46 und 48 cm Oberweite.— R8046. Der praktische Leibchenrock aus sandfarbenem, schwarz kariertem Wollstoff hat einen schmalen Sthatkragen. Der Rock ist eingereiht dem Leibchen untergesetzt. Schnitte für 44, 46 und 48 cm Oberweite.— B12118. Für die mit Stickerei verzierte Kimono= bluse eignet sich leichter Wollstoff oder Waschkrepp gleich gut zur Verarbeitung. Man stickt mit offenem Glanzgarn in zwei Farben. Schnitte für 44, 46 und. 48 cm Oberweite. Abplättmuster Nr. 10576/VI, für 6 Mf.- R8047. Der aus braunem Cheviot gefertigte Leibchenrock ist ringsum mit gleichfarbiger Treise. besetzt. Das lange Leibchen wird durch einen Gürtel aus braunem Lackband zusammengehalten. Schnitte für 44, 46 und 48 cm Oberweite.— K52237. Zur Anfertigung des hübschen Schlupfkleides dient dunkelblauer Trikotstoff. Kragen u. Armelaufschläge sind aus buntgestreiftem Trikot gearbeitet. Schnitte für 42 und 46 cm Ober= weite. Beyer's Handarbeitsbücher, Beyer's Lehrbuch der Wäsche, Beyer's Buch der Jinderkleidung, Beyer's Modeführer und Veyer's Schnittmuster ampsiehit und beforg Carl Braus, Buchthondtung nnamuac a s 1.5.6. Voltehöchschalt Schwerik. Sommer-Semester. — 1 1# Lehrgänge: Uebungen im Gebrauch der deutschen Sprache. Lehrer Honsalek. Beginn: Dienstag, 9. Mai. 8 Uhr, Lyzeum. Preis 30.— Mb. Uebungen im Gebrauch der deutschen Sprache. Erklärung von Gedichten, Einführung in die Grammatik, Aussatzlehre. Studienrat Frieder. Beginn: Montag, 8. Mai, 8 Uhr, Lyzeum Dreis 30.— Mb. Einübung von Kunstschriften Ihre Anwendung im täglichen Leden.(Für Anfänger und Fortgeschrittene.) Lehrer Möller. Beginn: Miltwoch, 10. Mai, 8 Uhr, Realoymnasum. Preis 30.— Mb. Herstellung geschmackvoller Papparbeiten mit selbstgeferliglen Buntpapieren:(Für Anfänger und Fortgeschrittene). Lehrer Möller. Beginn: Montag. 8. Mai. 8 Uhr, Realhymnasium. Preis 30.— Mk. Die Entstehung der Steinkohle und die Entwicklung des Kohlenbergbaues. Mittelschullehrer Schluchtmann. Beginn: Donnerstag, 4. Mai, 8 Uhr, Lyzeum Preis 30.— Mk. Die Gewerkschaften u. die Arbeilgeberverbände. Werdegang, Kampf, Leistungen, Erfolgsmöglichkeiten. Miltelschullehrer Hogrese. Beginn: Montag, 8. Mai, 8 Uhr, Realgymnasium. Preis 30.— Mk. Algebra.(Forlsetzung) Rektor Lecking. Beginn: Mittwoch, 10. Mai. 8 Uhr, Bismarckschule. Preis 30— Mk. Einführung in die Lehre von den elektrischen Strömen. Studienassessor Warthmann. Beginn: Donnerslag, 4. Mai, 8 Uhr, Realgymnasium. Preis 15.— Mk. Einführung in die Pflanzenkunde(Botanik.) Wanderungen durch die Natur an den Sonntag-Nachmittagen. Rektor Lecking. Beginn der ersten Stunde: Sonntag, 7. Mai, nachm. 3 Uhr Preis 30.— Mk Französisch(Für Fortgeschrittene) Siudienrat Hofffmann. Beginn: Freitag, 5. Mai, 8 Uhr, Lyzeum. Preis 30.— Mk. Englisch(Für Fortgeschrittene.) Frl. Theobald. Beginn: Donnerstag, 4. Mai, 8 Uhr, Lyzeum. Preis 30.— Mb. Esperanto. Eisenbahn=Ingenieur Bierhoff Beginn: Mittwoch, 10. Mai, 8 Uhr, Lyzeum Preis 30.— Mk Für Geisecke. Uebungen im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der deutschen Sprache. Lehrer Schulte. Beginn: Dienstag, 9. Mai, 6 Uhr. Preis 30.— Mk. Bürgerliches Rechnen. Lehrer Olten. Beginn: Mittwoch, 10. Mai, 6 Uhr. Preis 30.— Mk. Verdingung. Die Erd=, Bekon=, Maurer= und Zimmerarbeiten zum Neubau eines Wohnhauses in der Liethgasse sollen in öffentlicher Ausschreidung erfolgen. Die beiden Angedolshefte Los 1 umfassend Erd=, Beton- und Maurerardeiten sowie Los II umfassend die Zimmerarbetten sind vom Stadtbauamt Zimmer 24, woseldst auch die Zeichnungen zur Einsicht ausliegen, soweit der Vorrat reicht, gegen Erstattung von 40.— Mk. für jedes Heft zu beziehen. Die Eröffnung der Angebote sindet ebendaselbst am 3. Mai 1922, vormittags 10 Uhr, statt, zu welchem Termin die Angebote verschlossen und versiegelt mit der Aufschrift: „Angebot Neubau Lielhgasse" daselbst eingereicht sein müssen. 1691 Schwerte, den 22. April 1922. Der Magistrat. Viehffrachenpolzelliche zindronung Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909(R G. Bl. S 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. Zt. unter den Rindviehbeständen des Landwirts Becker zu Annen, Tiefendorf 4. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Das Seuchengehöft. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 7. Juni 1921 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 18. Juni 1921 Nr. 140 enthalten ist. Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte 11I—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Ziffer 1 wie folgt geändert wird: „In der Ortschaft Tiefendorf wird verboten.“ Körde, den 74. April 1922. Der Landrak. I. V.: ges. Drevcs. Walter Koenig Hermine Keenig geb. Brinkmann Vermählte, Hennen, Kr. Iserlobn, den 27. April 1922¼ Aehmen noch fortlaufend Aufträge in Neu=Aufarbeitung von Bestecken- Bügeleisen- Jahrrad#teilen- Ofenbeschlägen usw.] ———— entgegen.!— Schleiferei und vernickelungs- Anstalts W. Kötter& Comp. Westhofen!(Westf.) Wiesenstraße 65(Eickhof.) P WIer, Schuhregsratgren Nur dadurch, daß ich„echwarzie Schlen“ verwenden lasse. Dieselben sind zu haben bei H. 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Schwager und Ondei Kriegsbeschädigter Otto Born im Aller von 30 Jahren. 1897 Um stille Teilnahme ditten die trauernden hinterbliebenen. Schwerle, den 27. April 1922. Die Berdigung findel am Freitag, den 28. April, nachmittags 3 Uhr. vom evangelischen Krankenhause aus statt. Vidlige Lerenonnart. f. Margarine Pid= Pokel. Bse=. 27,78 Schweineschmaldal“- ce 95.=s. 42,-— Palmbutter Wizona#####o. ms. 38,Hüßrahmbutter p#o. md. 56,Kunsthonig in 1 V/s. Porgsz ms 10,— Cacao, Reichard Pobaken“ und. # pf0. anb. 30, 40, Welnderg. 10 Berliner=Börsenkurse vom 26. April 1922 mitgeleill vom Barmer Bank=Verein, Schwerle 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein...... 280 Deutsche Bank 600 Diskonto 441 Dresdner Bank 328 Hamd.=Amer.=Pak. 425 Allgem. Elektr.=Ges. 724 Baroper Walzwerk 1200 Bochumer Guß.... 1098 Bösperde Walzwerk 949 Daimler Motoren.. 485 Deutsch=Luxemburg....... 1020 Deutsche Kaliwerke...... 1720 Dynamit 725 Eldecf. Farbw. 710 Essener Steinkohlen........... 1251 Gelsenkirch. Bergw 1060 Gasmot. Deutz....... 776 Harpener Bergw. 1785 Hoesch.......... 1250 Humboldt Masch. 650 Mannesmann 1410 Oberschles. Eisenb-Bed. 933 Orenstein& Koppel........... 1109 Phönix Bergbau......... 118.9 Peisholz Pap. 573 Rhein. Stahlwerke............ 1150 Rombacher 6s2 Schuckert 650 Siegen=Solingen.............. 500 Ver. Di. Nickelwerke........ 1100 Westf. Drahl=Ind. 585 Westf. Eisen, Lagendreer..........610 Auslands=Wechselkurse der Berliner Börse :( D e v i s e n k u r s e) Man zahlle deutsche Mark: für 100 belgische Franken 100 dänische Kronen.. 1 englisches Pfund 100 französische Franken 100 holländische Gulden 100 italienische Lire... 100 polnische Mark.. 100 schwedische Kronen.. 6546,80 100 schweizerische Franken 4903,85 100 tsche nische Kronen..“— am 25. 4. 2167,30 5358,85 1113,60 2339.55 9563.— 1363.25 am 26. 4 2401,95 5912,60 1240,90 2636,70 10586,75 1528 05 6,90 7260,90 5578,— 548.30 Ein Dollar........ 252,18 279,40 unserrirenen Eestem billigst, denen wir aus Mangel an einem Boten, nach dem wir dauernd Ausschau halten, die Zeitung nicht in's Haus bringen lassen können, müssen wir bitten, sich das Blatt je nach der Nähe der Wohnung entweder bei Herrn Gastwirt Penkmann oder in der Kolonialwarenhandlung Althoff abholen zu lassen Die Zeitung wird täglich etwa nachm. 4 Uhr dort niedergelegt. Wir bitten ferner sreundlichst, uns umgehend auf einen Träger aufmerksam zu machen, falls sich ein solcher in Villigst zum Dienst für unsere Zeitung bereit finden läßt. Ein guter Lohn soll ihm zuteil werden Die Geschäftsstelle. Og-sseggss aag SpSSigs O3EEEE 8 F SSROS LELFE S SSpTS Sanaras GS 6.-910n. cnnoo cccm □S HOES-S, GCCCDMSNE # T0ug. Sl Sohacenct „„ „„„„„„„„„„„„„„„„„„„„„„„„„„*** ... B B o--OrANUJerUUUSTCoPATOTSNAS S=öocorolcop-GuganügWTOl-AÖSNUOROSS " SüSochoussdssonnsredeonooSkao-Se. a S 3 S SSr. **** 8 □* 1333511 „„„„* F S 1. 0 F 8 92 * * und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hörde. Haupt=Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 98 Donnerstag, den 27. Rpril 1922 Aur Herseiterae. Roman von Fritz Gantzer. (21. Fortsetzung.) ante Malve nickte Joachim bedeutsam zu. „Ja, ich höre, daß sie kommt. Es ist also nichts passiert.“ Er lächelte spöttisch und trat etwas vor. Allerdings hätte man glauben können, daß etwas passiert sei; denn Ediths Gesicht war fahl wie grauer Tag. Es lag Ausdruck in ihren Augen. Sie schienen unnatürlich groß und waren ins Leere gerichtet, und über ihre ganze Gestalt war etwas wie grenzenlose Müdigkeit und Gleichgültigkeit gegossen. Tante Malve erschrak.„Siehst Du," flüsterte sie Joachim erschrocken zu,„doch etwas, über das man Sorge haben muß!“ 5 Er zuckte die Schultern.„Wer soll's wissen?.. Vielleicht, vielleicht auch nicht!“ Das Näherkommen Ediths unterbrach das leise Sprechen der beiden. Sie trat sofort zu Joachim, schien die Anwesenheit Fräulein von Ebertys gar nicht zu beachten und sagte mit heiserer Stimme, abgerissen sprechend:„Darf ich Sie um eine kurze Unterredung bitten?" Er wurde mit eindringlicher Schärfe an dieselbe Situation erinnert, in der er sich vor Stunden Renate gegenüber befunden hatte. Die Aehnlichkeit war so frappierend, daß er jäh zusammenzuckte. Der starke Wunsch, rund ablehnend zu entgegnen, regte sich in ihm. Er erfüllte ihn mit solcher Aufdringlichkeit, daß er sich zusammennehmen mußte, um ihr nicht ein schroffes„Nein in das Gesicht zu schreien. Erst nach einer geraumen Weile hatte er sich so weit in der Gewalt, höflicherweise und im Bewußtsein seiner Pflichten als Hausherr und Kavalier bejahend zu entgegnen. Aber er sprach kalt, formell. Selbst die elende Verfassung, in der Eoith sich offenbar befand und die er beobachtete, vermochte nicht ihn zu einem wärmeren Ton zu veranlassen. Er war ganz auf eisige Abwehr und Zurückhaltung eingestellt. Er bat Tante Malve, daß sie entschuldigen möchte, und öffnete die Tür zu seinem Zimmer.„Bitte sehr, gnädiges Fräulein!" Edith trat taumelnd ein. Die formelle Anrede traf sie wie ein harter Schlag. Nun war sie vollends davon überzeugt, daß er ihr zürnte, wohl noch mehr: sie verachtete. Offenbar hatte Renate sie angeklagt, ihm den ganzen Hergang berichtet. Hätte sie gewußt, daß er sich nur auf Vermutungen stützte, so würde sie ihm mit einer ]! weit größeren Unbefangenheit gegenübergetreten sein. 1I Da saß sie nun, auf demselben Platze, auf demselben (Nabdruck verbeten.) Stuhle, den Renate am Vormittage eingenommen hatte sie gewollt? In welcher Absicht war sie gekommen? Die Unklarheit ihrer Pläne steigerte sich. Es ging alles wirr und wild in ihrer Seele durcheinander. Sie glaubte von ihrem ursprünglichen Vorhaben noch so viel zu wissen, daß sie gekommen war, um festzustellen, wie er zu ihr stand. Aber das zah, fühlte sie ja nun schon. Oder täuschte sie sich? Was wollte sie ihm sagen? Ihre Verwirrung wuchs, ihre Unsicherheit nahm zu. Sie empfand das Bestreben, hinauszustürzen. Der kalte, forschende Ausdruck seiner Augen, sein gemessenes, überlegenes Abwarten flößten ihr Furcht ein. Nun fragte er:„Womit kann ich dienen, gnädiges Fräulein?“ Wieder das entsetzliche Wort, das vernichtend in ihre Hoffnungen fuhr. Sie hätte ihm zuschreien mögen, daß er sie nicht so anreden möchte. Sie fühlte sich versucht, ihm ihr innerstes Fühlen rückhaltlos zu offenbaren. Alles auf eine Karte zu setzen. Sich ihm einfach an den zu wersen, selbst auf die Gefahr hin, von ihm kaltlächelnd zurückgestoßen zu werden: Was fällt dir ein? Ich will dich nicht! Noch immer schwieg sie. Das leise Aufslackern von Spott in seinen Augen nahm ihr den letzten Rest von Ueberlegen. Irgend etwas mußte sie sagen, wenn sie sich nicht lächerlich machen wollte. Nicht mehr fähig, die Tragweite ihrer Worte abzuschätzen, erhob sie— obwohl sie das vor Sekunden noch gar nicht gewollt— bittere Anklage gegen Renate. Es sei unverantwortlich von ihr, daß sie abgereist, sagte sie. Unerhört ihr ganzes Tun. Und... Sie wollte, in einen treibenden Strom geraten, der sie mit seinem Brausen jeglicher Ueberlegung beraubte, die Beschuldigungen fortsetzen. Ungerechtigkeit auf Ungerechtigkeit häufen. Aber Joachim erhob einhaltgebietend die Hand„Bitte, gnädiges Fräulein, von Fräulein von Groening in dieser Weise kein Wort mehr! Ich erlaube das nicht!“ Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Das war gewisse Klerheit. Er trat für die Abwesende ein und stieß sie selbst zurück.... Er wollte sie nicht. Er hatte für sie nichts weiter als wirklich nur kalte Verachtung.. Wirklich Verabtung!“„ Sie glaubte das jetzt ganz gewiß zu sehen. Sie war davon überzeugt: Der Mann da vor dir ist für dich verloren. Die Gefahr, die sie in Renate für die Er#üllung ihres Wunsches gewittert hatte, war nußlat, zweckkos aus dem Wege geräumt... Ihr eigenwilliger Trotz sah keinen Erfolg. Das verwand sie nicht. Darüber kum sie nicht hinweg. 2 59SES S. S S#5SzAS P D6 S0 S ce 9 4 S S 2•5 In Empörung, Zorn erhob sie sich. Ihre Augen junkelten Joachim an. Eine siebrische Röte brannte auf ihren Wangen „Was veranlaßt Sie, das nicht zu erlauben, Herr von Brandt?" „Die Wertschätzung, die ich für die Person Fräulein von Groenings besitze.“ „Sie drücken sich vorsichtig aus Warum nennen Sie es nicht beim rechten Namen?“ Ihre Stimme klang blechern vor Erregung. Krallend griffen ihre Hände in ihr Gewand. Er sah, daß eine von maßloser Eifersucht Gefolterte vor ihm stand. War dies Gefühl natürlich oder krankhaft? Vielleicht mehr das letztere; denn sie war ja nervös, sagte er sich. In Rücksichtnahme auf ihr Leiden versuchte er einzulenken:„Wir wollen doch nicht mehr davon reden!" sagte er ruhig. „Doch, ich will es, daß Sie mir die Wahrheit sagen!" „Sie hörten sie!“ sagte er ernst. Ah, er wollte sie täuschen, er wich ihr aus! Sie sollte im unklaren bleiben. Er glaubte wohl gar, sie wisse nicht, wie er zu Renate stehe? In blinder Besinnlosigkeit trat sie einen Schritt vor. „Soil ich Ihnen die Wahrheit sagen?“ „Aber, Fräulein Burmann! Ich bitte Sie! Wohin treibt Sie Ihre Erregung? Nein, ich wünsche in dieser Sache von Ihnen kein Wort mehr!" Und in hellem Empörtsein über ihre Anmaßung wandte er sich und tat ein paar große, weitausholende Schritte in den Raum Edith stand noch einen Augenblick in zitterndem, wogendem Empfinden. Dann sagt: sie:„So weiß ich gewiß, woran ich bin. Ich werde darnach zu handeln wissen!" Mit ein paar hastigen Schritten war sie zur Tür. Ehe Joachim noch recht wußte, was geschehen war, hatte sie das Zimmer schon verlassen. Ein harter Klang rann durch den stillen Raum. Im ersten Besinnen wollte er ihr nacheilen. Dann überlegte er: Es veranlaßt mich nichts, es zu tun. Lauschendstand er und hörte den schnellen Tritt im Flur verklingen. „Es wird vorübergehen,“ sagte er sich.„Wenn sie zur Besinnung kommt, muß sie die Torheit ihres Benehmens einsehen und sich mit einer Unmöglichkeit abfinden.“ Und laut, wie zu einem Anwesenden sprechend, jagte er:„Ich kann nicht. Ich bin nicht imstande, ihr in ihren Gefühlen entgegenzukommen.“ Dann fuhr ihm durch den Sinn:„Vielleicht reist sie nun ab? Ja, eigentlich muß sie nun abreisen. Denn es ist ja kaum noch möglich, daß sie bleiben kann....“ Und dann? Kam dann doch der Sturz für Hesselvörde, ging dann seine Existenz doch noch in die Brüche? Was würde Burmann tun, wenn Edith Hesselvörde verließ?—.—„sen 420 Joachim atmete schwer. Graue Sorgen ballten sich abermals zusammen. Zu jungen Nöten bitterster Art kamen alte, abgetan gewähnte. Er wollte zu Tante Malve gehen, um mit ihr zu sprechen. Einem Menschen wenigstens wollte er sich ganz anvertrauen können. Zu einem sein Herz leicht machen. Es war so übervoll an schmerzlichen Erfahrungen und neuer Sorgennot.... Die gute Tante Malve würde ihm schon ein gutes, helsendes Wort sagen können.— Sie war ja erfahren in den Nöten des Lebens. Und wenn am Ende weiter nichts war— aber das Aussprechen können würde gut tun und beruhigen... ......„Mein lieber Junge,“ sagte Tante Malve zuletzt, als sie mit Joachim eine lange Weile über die ganze Sachlage gesprochen hatte und über alles unterrichtet war,„mein lieber Junge, es tut mir sehr leid, daß Du gar nicht einmal zum rechten Frohsein kommst! Es scheint so, als wenn es das Leben mit Dir nicht besonders gut meint. Nach allerhand wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam die Geschichte mit Sybille.....“ Er wandte sich mit einer ruckartigen Bewegung vom Fenster zurück, durch das er, die Stirn tief gefurcht und die Lippen hart geschlossen, büsteren Auges in Freie gestarrt hatte, nach den Dammwiesen zu, und unterbe# „Bitte, Tanie Malve, nichts von Subille.... der Fall ist abgetan, für immer abgetan. Es ist unnütz, de Sache noch zu erwähnen, nein, nicht unnütz nur, töricht direkt.. Denn ich errege mich jedesmal von neuem!“ „Also doch nicht abgetan,“ lächelte Tante Malve fein. „Denn was uns noch Erregung ins Blut gibt, ist noch lange nicht tot.“ „Oh, man regt sich auch manchmal noch über Tote auf!“ „Nein,“ sagte Tante Malve ernst.„Tote läßt man ruhen! Und Du bist ja auch gar nicht die Natur, anders zu denken. Du bist nur in einem eingebildeten Gefühl befangen, wenn Du Sybille als jemand betrachtest, der Dch nichts mehr anginge.... Schließlich mußt Du eines Tages... Aber ich sehe, Du willst nichts mehr davon hören heute. Es führt uns auch se.l ab, davon zu sprechen. Alsolassen wir's!“ Tante Malve seufzte und schwieg einen Augenblick. „Ja, lassen wir's, Tante, es ist besser!“ Aber er seufzte auch, Die alte Dame dachte:„Da haben wir's ja. Er hat sie noch lange, lange nicht vergessen. Und ich glaube, er denkt recht oft an sie.“ Dann kam sie auf ihre unterbrochenen Auseinandersetzungen zurück.„Ja, und weiter: Als Du nach den Sorgen um die Existenz aufatmen konntest, gewannst Du Renate lieb und erlebtest eine harte Enttäuschung. Du bist davon überzeugt, wie Du mir vorhin sagtest, daß ihr Herz bereits anderweitig entschieden hat. Es kann sein. Es ist auch möglich, daß Du Dich irrst und die Beweggründe für ihr Tun ganz woanders zu suchen sind... Wer ist imstande, da klar zu sehen? Ich sehe vielleicht klar, wenn ich Renate für ein tapferes Mädchen halte.“ Er blickte auf.„Ich verstehe das nicht!“ „Nun, Joachim, so schwer dürfte das nicht sein: Renate kennt Deine Verhältnisse Sie selbt ist arm. Da ist es doch leicht, die Tapferkeit, von der ich sprach, zu erkennen. Sie sagt sich eben, ich meine, es ist möglich, daß sie sich sagt: Ich muß die Regungen meines Herzens in Abwehr und Abweisen kleiden, denn ich bin arm. Und er braucht notwendigerweise eine reiche Frau.“ „Herr Gott, Tante Malve, ziehe doch nicht solche materiellen Dinge heran!“ Er war ärgerlich, daß sie die Person Renatens mit dem Begriff„Geld“ zusammenbrachte.„Sie denkt viel zu ideal, um sich in Herzensangelegenheiten mit Geldhändeln zu befassen.“ „Nein. Das wäre gar nicht ideal, wenn sie so in blauen Dunst hinein Deine Frau werden wollte, nur um eben Deine Frau zu sein. Das wäre berechnend, herzlos, direkt töricht" „Meine Vorstellungen über den Begriff ideal sind völlig entgegengesetzter Art, liebe Tante,“ sagte Joachim etwas spöttisch.„Wirkliche, aufrichtige Liebe fragt überhaupt nicht. Weder nach wirtschaftlicher Lage des anderen Teils noch nach sonst was. Die ist eben so großzügig, so über alle materiellen Dinge erhaben....“ „Ja, gewiß," unterbrach Tante Malve,„soweit die Person des so Denkenden in Betracht kommt. Aber im Hinblick auf das geliebte Wesen fragt sich wahre Liebe sehr wohl: was kann ich dem anderen Teil sein? Und wenn sie zu der Einsicht gelangt, daß die Zukunft dieses anderen Teils durch eine ungünstige Verbindung in Frage gestellt werden könnte, so ist es nach meiner Ueberzeugung nicht ideal, wenn sie eine Verbindung trotzdem herbeiführt. Ganz gewiß: wo nichts auf dem Spiele steht, nichts zu verlieren ist, da soll man's wagen im guten Glauben an die Gewißheit auf ein Stück Brot und ein Dach über dem Haupte. Der Himmel hat der treuen armen Liebe von jeher seinen Segen nicht versagt. Aber in Deinem Fall? Denke einmal nach! Willst Du, daß Hesselvörde Dir verloren geht? Du hängst doch daran. Und Renate wird von dieser Ueberzeugung aus ihre Entscheidung getroffen haben. Ich glaube es sicher: sie hat Dir zu Liebe ein Opfer gebracht und ihre Neigung verborgen gehalten. Und das ist ideale Liebe, die sich still verblutet, um dem geliebten Wesen zu dienen.“— (Fortsetzung folgt.) b Mt Wi 8 * S 5 S S #S # 5. 8 2 2 2 5 ** * 8 2 2 E 8 S 2 S 2. 5 8 ##•81 ###m SE — 55# SC5 E= 02 0 S 5 3 S 6 5 * E S= S 9 m Sp 8 5 G."** SE S•8„.„ #n S On* S E„EES ES 2 S:S8 3 S 5 8 S gEgS S# 5 55 6 S 3 * 8 * S * 5 E 5 Denkspruch. Weist ihr die Kinder treu behüten, laßt Eure Sorge Liebe sein. Gelleitzen doch die zarten Blüten Am in der liebe Sonnenschein. Heilt auch das Leben manche Wunden. Die erste schließt sich nimmermehr. Und ganz wird nie das Herz gesunden, War seine kinaheit liebeleer. Albert Craeger. im Walde. Von Aloys Kugler. (Nachdruck verboten.) Es wird Nacht im Walde. Das Licht, das noch in den höchsten Spitzen der Bäume hängt, verschwindet mehr und mehr, die Farben schwimmen in ein einfaches Grau zusammen. Der Himmel wird tiefer und tiefer, durch das schwache Blättergewirr schimmern die Sterne. Der Geist des Schweigens schreitet durch den Wald, er tritt aus Lager des Wildes, aus Nest des Vogels, Ruhe spendend, Schlaf gebietend. Nur über einige Wenige hat er keine Macht, über die Räuber und Mörder in der Natur: Sie kriechen hervor aus ihren Höhlen und huschen über den Waldboden, sie steigen auf aus den Löchern der Bäume und schießen mit leisem Flügelschlag zwischen den Aesten hin, ohne jemals anzustoßen, ohne irgendein Geränsch zu verursachen. All diese nächtlichen Gesellen haben scharfe Augen und einen unbarntherzigen Sinn, sie morden ihre Opfer im Schlafe, ohne die große Ruhe der Nacht zu stören. Und was hat der Mensch zu jener Zeit im Walde zu tun? Der Jäger schützt sein Revier vor Wilddieben und vierfüßigen Räubern, der Tourist gerät nur durch Verspätung, der rüstige Wanderer nie in dieses Reich der Geheimnisse. Jeder aber wird einen eigentümlichen Druck empfinden, der sich erst wie eine Betlemmung der Luft, dann wie ein leichtes Fieber äußert: das Grauen. Es ist nicht die Furcht vor einer bestimmten Gefahr, denn man weiß aus tausend und aber tausend Fällen, daß Wegelagerer sich nie im tiefen Walde zur Nachtzeit aufhalten, es wäre ebenso töricht, als wenn man im Sande Forellen fangen wollte. Auch wilde Tiere, die den Menschen annehmen, birgt der deutsche Wald nicht, und Wilddiebe tun dem, der sie nicht belästigt, niemals etwas zuleide. Was also erzeugt das Grauen? Ist es das geheimnisvolle, nur durch leise zunerklärliche Geräusche gebrochene Schweigen? Ist es die Einsamkeit? Auch auf der öden Eisfläche eines Gietschers herrscht Ruhe, Todesuihe, und doch fühlen wir uns dort nicht beeugt. Wüstenwanderer haben mir erzählt, daß die Einsamkeit von Himmel und Sand und Sand und Himmel nichts Schauriges habe, die Einsamkeit des Meeres beruhigt sogar. Aber nur deshalb, weil der Blick ins Ungemessene schweift, weil selbst die Nacht ihm kein Hindernis bietet, denn sie ist klar und lichtvoll. Aber im Wald können wir laum die nächsten Gegenstände erkennen. Das ungewisse blitzende Licht der Sterne täuscht unsere Sinne über die Dinge um uns. Die Bäume stehen neben uns wie schwarze Riesengeister, die ihre Arme nach allen Seiten ausrecken, jeder Stumpf, jeder Strauch wächst zu einem Ungehener auf, das uns schreckt und beängstigt. Selbst beherzte Männer, die mit der Nacht und dem Walde vertraul sind, können sich dem Grauen nicht entziehen; es beschleicht sie, ohne daß sie begreifen können, woher es kommt. Sie versichern, daß sie nicht die mindeste Furcht kennen, daß sie jeder Gefahr= ruhig ins Auge sehen würden, und doch überkommt sie das Grauen, wenn sie von der Nacht im Walde überrascht werden, oder wenn sie durch ihren Beruf gezwungen sind, draußen zu bleiben. Was eigentlich das Grauen erzeugt, ist vielleicht zunächst das ganz natürliche Gefühl der Unsicherheit. Das Durkel hemmt unsere Schritte, und allenthalben bauen sich Hindernisse vor uns auf. Dann wirkt auf uns die Suggestion unserer Erziehung. Alie haben wir Märchen gelesen, alle Gespenstergeschichten; und wenn selbst ein so verständiger Mann wie Hamlet behauptet, es gebe Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere weisheit nichts träumen lasse, wie sollte uns da der und die dunkle Nacht nicht mit Märchen schrecken. Ein sehr couragierter Förster sprach oft d.von, daß er keinen unbekannten Hochschlag zur Nachtzeit beereten könne, ohne ein Vaterunser zu beten.„Es ist mir,“ sagte er,„als ob ich in ein fremdes Land eintrete, in dem ich nicht Weg und Steg kenne, und doch ist der Wal am schönsten zur Nacht, ich gehe gern spazieren, wenn die anderen schlasen.“.... Giebhaberei mit dam GosDieser Sonderling hat seine Liedyavelei mit dem Tode gebüßt. Eines Nachts war er draußen und vernahm plötzlich aus einer niederen Fichtendickung ein eigentümliches Geräusch. Sofort verschwand das Grauen, er wußte, das war keine Stimme des Waldes, das war ein Wilddieb# Er warf die Büchse ab, die ihn beim Durchdringen des Dickichts nur hinderte, und kroch dem Feinde entgegen. Sie trafen aufeinander, beide ohne Wassen, und es entspann sich ein heftiger Kampf, in dem der baumstarte Förster den Wildsteller besiegte und weidgerecht durchprügelte. Nachzuweisen aber war dem abgefaßten Geselten nichts, er hatte noch keine der Lapinschlingen, die sich im Dickicht vorfanden, gelöst, und so mußte er entlassen werden. Drei Tage später fand man den Förster erschossen auf einer Blöße des Hochwaldes liegen, gegenüber der Diekung, wo das erste Renkontre stattgefunden. Auf dem Denkstein des Gefallenen habe ich einmal lange gesessen und in die Nacht hinein gewartet. war unheimlich dunkel und still wie in einem Grab. Ich wollte mich bezwingen und dem Grauen wehren. In der Zuft klang plötzlich das widerliche, langgezogene Lachen einer Eule. Ich richtete ruhig das Gewehr auf den Störenfried und schoß ihn herunter. Der Knall hatte einen wahren Hexensabbat erzeugt. Dicht neben mir schossen dunkle Gestalten vorbei, ein Kaninchen sprang über meine! Füße, Nachtgevögel strich kreischend durch den dunkeln Forst. Darauf sank die Natur langsam wieder in ihre Ruhe.=Mir aber wollte das Grauen nicht kommen. Gegen Mitternacht brach ich auf und ging quer durch den Wald nach Hause. Als ich aus dem Hochwald in einen niederen Schlag trat, wurde mir plötzlich ganz beklommen, vorsichtig maß ich jeden Schritt, und ich war froh, als ich mich endlich in meinen vier Pfählen sand. Das Grauen ist also nur durch das Dunkel erzeugt, und es verstärkt sich, wenn wir in der Ungewißheit gehen. Als ich ruhig auf dem Leichenstein des erschossenen Försters saß, hatte ich nichts Ich habe noch einen Oberförster und eine Anzahl Wilderer befragt. Der erstere meinte, der nächtliche Wald sei wohl unheimlich, aber man gewöhne sich daran, besonders wenn man lange ein Revier begehe. Also mit der wachsenden Sicherheit schwindet das Grauen, im unbekannten Walde ist es stärker. Die Wilderer erklärten, daß sic es nie empfunden hätten, einmal seien sie fast nie allein und dann zu sehr mit ihrem Gewerbe beschäftigt. Derselbe Oberförster gilt als ein sehr kluger und sehr mutiger Mann, vor dem die Wildschützen der ganzen Gegend einen unheimlichen Respekt haben. Daß die Grauen erzeugenden Gefahren des nächtlichen Waldes oft sehr lustige Szenen erzeugen, mag das folgende Geschichtchen aus dem Leben jenes Forstmannes lehren: Er ging einst zum Frühanstand auf einen starken Bock, es war dunkel und unheimlich. Ihm wurde seltsam ängstlich zumute, schien belebt, und feindliche Fratzen blickten aus dem Rindenund Aestegewirr. Plötzlich sah er vor sich eine Riesengestalt mit borstigem Rücken und auf dem Kopfe zwez, eaxrende Hörner: der leibhaftige Gottseibeinns. Der ging, trotzdem ihn gruselte, hinter dem Gespenst her und bemerkte bald, daß die Dunkelheit ihm einen Wilddieb, der den erlegten Bock auf dem Kopfe nach einer Lichtung schleppte, als Teufel hatte erscheinen lassen. Jetzt warf der Raubschütz seine Bürde ab, lehnte sein . 9 S