Schwerter Hausfran und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt. n Unterhaltungs- u. Romandeilage. n Spiel. Sport und Curnen. u Lebensbild Kunst u. Wilsen. n Gartenrats##l##g2. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Delkszeitung Schwerter Oelksblatt Wettbetene Zeitung Apterdecker Zeitung Langscheim Zeitung Amtliches Kreisblau für den Kreis Börde. bolzwichetm Zeitung Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Dle„Schwerter Jeitung“ erscheint verktäglich. n Hauptgeschäft Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr. Braus. Schwerterudr. Cel. 62. Postscheck: Dortmund 2832 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richter; Stadt und Provinz Friedr. Kraas; sämtlich in Schwerte. Nr. 93 Freitag, 21. April 1922 55. Jahrgang Zum Geleit. Zwei Sintfluten hat das Geschlecht der Menbhen erlebt, vor der dritten steht es.— Die erste innen die Urkunden aller Völker: das rohe Eleent besiegte die ganze Menschheit und ihre Kulhr!“— Die zweite nemt die Geschichte Völkersanderung. Und die dritte?— Sie kommt, sie mmt! Wachet, wachet! Wilhelm Raabe. Für eilige Leser. Neuigkeiten aus Nah und Fern. Die nunmehr abgeschlossenen Betriebsratuahlen im Ruhrbergbau zeigen einen ansehnlichen rfolg des christlichen Gewerkvereins, der 17000 timmen und 127 Sitze gewonnen hat. * Der amerikanische Bankier Morgan kommt iich Genua, um wegen der internationalen Anbe zu verhandeln. Der bisherige Privatsekretär des. Ministers lathonau, Oberstleutnant a. D. Dr. Simon, ist im Vortragenden Legationsrat im Auswärtigen ute ernannt worden. Der Regierungspräsident Graßhoff in Stade hitt in den Ruhestand. An seiner Stelle ist der Geh. Rat Dr. Rose(D. Vp.) mit der Fühbng der Geschäfte des Regterungspräsidenten beftragt worden. Wue" Der Deutsche Landwirtschaftsrat wird am 30. #d 31. Mai seine diesjährige Plenarversammlung München abhalten. Diese Tagung erhält ihe ksonderes Gepräge durch die Feier des 50jährigen #stehens des Deutschen Landwirtschaftsrates. * Die rheinische Festung Ehrenbreitfrein soll wege Stunden nach dem Abzug der amerikanischen #ppen gesprengt werden. Die Oppelner Ententekommissipn hat alle ##ndgebungen für den 1., 2. und 3. Mai verboten, mit das Land in Ruhe der Uebergabe entgegen#e. Mit Polen sollen, nachdem die Genfer Unter#ndlungen zum Erfolg geführt haben, direkte Betungen über den Abschluß eines Handelsabkomens gepflogen werden. * Nach einer Feststellung des Evangelischen Kirgenamtes in Halle a. S. sind im Jahre 1921 aus gr Kirchengemeinde der Stadt 211 Personen ausstreten, aber 378 wieder in die Kirchengemeinde Frgetreten. Petersburg soll nach einer Absicht der Sowjetegierung abermals umgetauft werden, und zwar #s Petrograd in Leninburg zu Ehren des Herrn ##in In einem Dorfe bei Roßla wurde ein altes #oa für 130 Mark verkauft. Der Käufer fand dem alten Möbel zwei 20=Mark=Stücke, die In beim heutigen Goldwert 2400 Mark einFachten. Vor Schreck die Sprache wiedergewonnen hat An Mann aus Wahnheim in Hessen. In der schlacht bei Arras 1916 erlitt er einen Nervanhock und verlor die Sprache. Als er kürzlich kazieren ging, fiel in seiner Nähe ein Schuß. Der schreck hierüber war so groß, daß der Mann plötzsch wieder sprechen konnte. * * In Zweibrücken wurde ein Schachtmeister, der Rbei erwischt wurde, wie er 30 Pfund Butter über Saargrenze schaffen wollte, zu 1 Jahr Zucht18, 3000 Mark Geldstrafe, 5 Jahre Ehrenhtsverlust und Polizeiaufsicht verurteilt!! Im zeß sagten die Zollbeamten aus, in den knationalen Zügen werde Butter zentnerweise in Aborten geschmuggelt. Die Teuerung in denriehlen Rionaten. 13 000 72000 11060 10000 9900 8000 7oc0 6000 S100 4000 3000 — 2000 1000 Aerst Wies Jund Joli Hug, Sapr. U.k. Hov, Dür. Jeh. Fedr.N19 21 1 1922 Mark 8n 2. den letzten Wochen hat die Teuerung Formen angenommen, wie sie uns bisher noch nicht bekannt waren. Die Weltmarktpreise für die notwendigsten Lebensmittel; vor allem Getreide, sind gestiegen. Wir werden also in der nächsten Zett unser Einfuhrgetreide noch teurer bezahlen müssen. Mit dem 1. April sind weitere inländische Faktoren hinzugetreten, die ihre Wirkung in allernächster Zeit zeigen werden, desgleichen sind die Eisenbahnfrachttarife gesteigert worden. Es werden in der nächsten Zeit alle Verkehrstarife erhöht werden müssen, und davon werden auch die Personentaufe der Eisenbahn nicht verschont bleiben Dazu treten die Wirkungen der neuen Steuern, die nunmehr in dritter Lesung vom Reichstag angenommen sind. Eine Aenderung in der steigenden Tendenz der Preise wird also nicht eintreten können. Optimisten reden von dem Zustandekommen einer Auslandsanleihe in absehbarer Zeit, wodurch die Reparationslasten gemildert werden würden. Deutschland ist aber vor kurzem von der Bank von England eine absagende Antwort zuteil geworden und mit der Begründung, daß das Deutschland, das an die Verträge von Versailles und London gebunden sei, nicht kreditwürdig sei. Seit jener Zeit hat sich unsere internationale Lage verschlechtert. Aussicht für die Gewährung einer Anleihe ist erst dann vorhanden, wenn die Reparationsleistungen nicht vorübergehend, sondern dauernd geregelt werden. Das Reparationsproblem kann aber nicht in politischem Sinne geregelt werden, sondern nur im wirtschaftlichen. Bisher sind aber politische Gesichtspunkte dabei maßgebend gewesen. Es gibt also nur einen Weg zur wirtschaftlichen Wiedergesundung Deutschlands: Die Einsicht der Gegner, daß mit den bisher angewandten Methoden etwas Dauerndes nicht erreicht wird. Die Steuern können nicht mehr erhöht werden; dem Reich bleibt kein anderer Weg, als kurzfristige Schulden in Form von Reichsschatzanweisungen aufzunehmen, um zu Geld zu kommen. Das bedeutet aber keine Lösung der Frage, sondern bringt uns immer tiefer in den Sumpf. Es ist möglich, daß die Entscheidung der Reparationskommission in Genua abgeändert wird. Eine solche Ueberraschung wäre denkbar. Das deutsche Volk aber ist zu oft getäuscht worden, als daß es übergroße Hoffnungen auf Genua setzte. Die Neutralen in Genua mit Dänemark an der Spitze haben beschlossem einer französischerglischen Aktion“ zwecks Ausschließung Deutschlands festen Widerstand zu leisten. * Am Mittwoch setzten in Genua die Unterkommissionen ihre Arbeit fort. Die politische kommission bleibt vorläufig vertagt. * Der italicnische Finanzminister Peang erklärte, daß die Konferenz voraussichtlich bis Ende April dauern wird. Ueber die Kreise Gleiwitz und Hindenburg wurde durch diee Interalliierte Kommission der Belagerungszustand verhängt. In Berlin wurde heute der 46. Deutsche Chirurgen=Kongreß eröffnet. Berlin, 20. Appll. Der amerikanische Botschafter Houghton ist heute hier eingetroffen. Geh.=Rat v. Gühlich vom Auswärtigen Amte war zum Empfange auf dem Bahnhof. das Tohuwabohu in Genua. Die Nachrichten aus Genua lauten sehr widerspruchsvoll. Eine große Entspannung und Beruhigung scheint eingetreten zu sein, neue Konflikte sind aber nicht ausgeschlossen. Auf italienische Veranlassung fand die bekannte Unterredung zwischen Schanzer und Rathenau statt, an die sich eine längere Besprechung zwischen dem Reichskanzler Dr. Wirth, Rathenau und Lloyd George anschloß. Vorher und nachher trat die deutsche Gesamtdelegation zu einer Besprechung zusammen. Die Italiener drangen in die Deutschen, auf den Vertrag zu verzichten. Gegenüber diesen Argumenten sollen die Deutschen nicht unempfindlich geblieben sein. Sie baten, daß Lloyd George Vertreter der deutschen Abordnung empfange. Lloyd George lehnte es ab, Rathenau bei sich zu sehen, stimmte aber zu, den Kanzler Wirth zu empfangen. Im Verlauf der Besprehung zwischen Dr. Wirth und Lloyd George versuchte der deutsche Kanzler darzulegen, daß die Alltierten über das Projekt, einen Vertrag zwischen Deutschland und Rußland abzuschließen, unterrichtet gewesen seien. Doch sei es angeblich dem Kanzler nicht gelungen, zu sagen, wem Deutschland derartige Mitteilungen gemacht habe. Lloyd George stellte sich auf dem Standpunkt, daß es nur zwei Lösungen gebe, entweder verzichte Deutschland darauf. in der russischen Kommission weiter vertreten zu sein, oder es zerreiße den Vertrag von Rapallo. Dr. Wirth bedauerte die Härte dieser Antwort, zeigte sih aber nicht abgeneigt, den Vorschlag grundsätzlich anzunehmen und den Vertrag für aufgehoben zu erklären. Man befürchtet, daß es zu einer Spaltung in der deutschen Abordnung kommen könne, um so mehr, da Rathenau sich dieser Lösung gegenüber durchaus feindlich zeigt. Die französische Abordnung begrüßt diesen Zwischenfall natürlich aufs höchste und erklärt, daß man ihn, wenn nicht ministertelle Komplikationen in Deutschland eintreten würden, bald als abgeschlossen betrachtet werde. In Kreisen der französischen Abordnung wird erklärt, daß die Deutschen beim Abschluß des Vertrages mit den Russen einem russischen Mamöver zum Opfer gefallen seien. Die Russen hätten glauben gemacht, daß sie unmittelbar vor dem Abschluß eines Wirtschaftsvertrages mit den Alliierten stünden, aus dem Deutschland ausgeschlossen bleiben solle. Andererseits hätten nach französischer Darstellung einige Mttglieder der deutschen Delegation Rathenau dazu getrieben, die Unterzeichnung des Vertrages mit den Ruffen zu überstürzen. Das beruhigende Bestessen. Die Note der Entente an die deutsche Regierung fand erst in der Nacht um 1 Uhr statt, da man verhindern wollte, daß das von dem italienischen Ministerpräsidenten de Facta veranstaltete gemeinsame Festessen gestört würde. Es war nämlih laut geworden, daß die Deutschen und wahrscheinlich auch die Russen nicht geneigt sein würden, der Einludung Folge zu leisten, wenn sie kurz vorher eine schaefe Erklärung der Entente hätten einstecken sollen. So fand das Festessen statt, und beide Delegationen nahmen vollständig daran teil. Das bildete natürlicherweise hauptsächlich der neue Vertrag. Bevor die volitische kommission in ihrer neuen Form, das heißt ohne Deutschland, zusammentritt, wird noch eine Konferenz der Alliierten stattfinden. Die Arbeit der Kommissionen beginnt wieder. Für Mittwoch vormittag war eine Sitzung der Finanzkommission einberufen. Minister Hermes, Staatssekretär Schröder und die übrigen deutschen Sahverständigen sollten teilnehmen. Die Sitzung mußte jedoch vertagt werden, da die Russen und Holländer infolge verspäteter Mitteilung nicht an der Sitzung teilnehmen konnten. Aus dem gleichen Grunde mußte die Sitzung der Transportkommission ausfallen. Allerhand dunkle Pläne. Basel, 20. April. Eine Privatmeldung aus Genua besagt, daß während die Deutschen über eine Antwort an die Alliierten beraten, Versuche gemacht werden, die Russen von den Deutschen abzufangen, um so eine absolute Isolierung der Deutschen vorzubereiten, für den Fall, daß ihre Antwort nicht einen Verzicht auf die weitere Beteiligung an der Konferenz enthält.— Daneben sollen auch deutsch=russische Verhandlungen über ein gemeinsames Aktionsprogramm für Genug laufen. * Verständigung über die deutsche Antwort. TU. Genua, 21. April. Der Zwischenfall, der mit dem deutsch=russischen Vertrag heraufbeschworen war, scheint aus der Welt geschafft. Die Ueberreichung der deutschen Antwortnote, soll heute morgen erfolgen. Der wichtigste Inhalt ist den Alliierten bereits bekannt. Aus Stadt und Land. Schwerte, 21. April. Erinnerungen. 1488 Ulrich von Hutten geb. 1500 Pedro Alvarez Cavral entdeckt Südamerika. 1730 Prinz Eugen, gest. 1782 Der Pädagoge Friedrich Frövel=geb. 1898 Beginn des Krieges zwischen den Vereinigten Staaten und Spanien. ** Weitere Erhöhung des Milchpreises. Der Westfälische Milchpreisausschuß mußte sich in einer auf Antrag von Landwirien und Molkereien einberufenen Sitzung mit der Frage einer Erhöhung des Milchpreises befassen. Nach eingehender Beratung kam man zu dem Ergebnis, daß mit Rücksicht auf das in den letzten Wochen eingetreteme Steigem der Preise aller Lebens= und Wirtschaftsbedürfnisse, von der auch die Landwirte# und Molkreten betroffen werden, sowie ferner mit Rücksicht auf das kalte Wetter der letzten Wochen und die dadurch bedingte Verzögerung des Weldeganges, die wiederum die Verfütterung teurer ausländischer Futtermittel notwendig macht, eine Erhöhung des Milchpreises nicht zu umgehen sel. Demgemäß wurde mit Wirkung vom 15. April an der Milchpreis von 4,50 Mark auf 5 Mark je Liter ab Hof des Erzeugers und die Verdienstspanne der Molkereien von 90 Pfg. auf 1,10 Mark je Liter erhöht. Diese Erhöhung gilt bis zum 15. Mai diesen Jahres, weil vor diesem Zettpunkte infolge der ungünstigen Witterung mit dem Auftrieb des Weideviehes nicht zu rechnen ist. ** Deutschnationale Volkspartei. Auf den heute(Freitag) nachmittag 5 Uhr im Saale des „Kaiserhof" stattfindenden Frauenvortrag sei auch an dieser Stelle nochmals besonders aufmerksam gemacht. Frau Tewaag=Dortmund, spricht über„Selbsterlebtes in Deutsch=Oesterreich", ein Thema, welches sicherlich levhaftes Interesse auslösen dürfte. ** Ehret das Alter! Im Interesse der alten Leute und der Kleinrentner hat Bishof Caspar von Padervorn einem Erlaß herausgegeben, in dem es u. a. heißt: Die Arbeitskraft der vielen alten und alleinstehenden Leute, die von irgend einer Rente oder kleinen Pension leben müssen, ist entweder völlig erlahmt und erschöpft, oder doch stark herabgemindert, daß sie sich durch eigene Arbeit den Lebensunterhalt nicht mehr verdienen können. Was sie sich vielleicht in jungen und gesunden Tagen als Zehrpfennig erworben und gespart haben, ist bei der herrschenden Teuerung aller Lebensbedürfnisse dahinges schmolzen. Rein Wunder, daß täglich geradezu erschütternde Beispiele der furchtbarsten Not aus den gedachten Kreisen der Bevölkerung vor unsere Augen treten. Ein großer Heroismus gehört dazu, um in solch bdrängten Verhältnissen die Geduld zu bewahren. Im weiteren Verlauf seines Schreibens empfiehlt der Bischof die von den großen haritativen Verbänden Deutschlands durch Zusammenschluß gebildete Altershilfe des deutschen Volkes aufs wärmste und bittet den Klerus und die charikativen Ortsausschüsse recht dringend, diese Volkssammlung nach besten Kräften zu fördern. Denn: Das Alter zu ehren, ist heilige Pflicht. In jeder Ktrche und Filtalkirche soll für die genannte Altershilfe bis Mitte Mai eine Kollekte abgehaltem werden. ** Verein zur Schiffbarmachung der Ruhr. Wie alljährlich im Frühjahre, so hat auch in diesem Jahre der Vorstand des Ruhrvereins die Mitglieder zur satzungsgemäßen Hauptversammlung nach Witten eingeladen. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden, Sssm Martin Salander. Roman von Gottftiel Keller. 65(Nachdruck verboten.) Salander vergaß über der friedlichen Verhandlung, die ihm jä unverhofft altverdientes Geld zurückbrachte, alles, was er wegen Wohlwend erduldet und selbst schon über ihn geredet hatte. Er schüttelte ihm fteundlich die Hand, wie ein gutmütiger Mann, dem ein Stein vom Herzen fäll:, wenn er auch einen gerechten alten Groll loswerden kann.: Er ließ den halb asiatisch aussehenden und auch einen so klingenden angenommenen Deutschdialekt sprechenden Louis gewähren, der auch bis zur Mittagsstunde schwatzend dablieb, nach allem fragte, die kommenden und gehenden Geschäftsversonen betrachtete und abwechselnd Salanders Glück pries. Und als dieser aufbrach, um nach Häus und zu Tisch zu geben, ging er Wohlwends Gesellschäft nicht aus dem Wege, der ihn ein Stück begleiten wollte. Sie kamen bei einem Gasthofe an, in welchem Herr Louis Wohlwend wohnte. Er blieb an der Pforte stehen und hielt Salander fest. „Tu mir den Gefallen und geh nur einen Augenblick mit herein! Ich möchte dir gar zu gern meine Familie, Frau und Buben und die Schwä. gerin vorsteillen!! „Aber das kann ja leicht ein andermal geschehent Jetzt etwartet man mich zum Essen!“ ent schuldigte sich Salander. „Versteh!“ dkängte Wohlwend,„ich möchte motgan früh mit ihnen auf den Rigi, um sie ein Stück von unserer Herrlichkeit sehen zu lassen! Und es kann noch anderes dazwischen kommen Nur ein Allgenblickchen!“ Herrn Oberbürgermeister Laue=Witten, erstattete der Synditus des Vereins, Herr Dr. jur. et phil. Ismer, den Geschäftsvericht uno bezeichnete al. wesentlichste Aufgade die Aufbringung der Kosten zu einem neuen Entwurf der Wasserkraftgewünrnung aus der Ruhr. Im weiteren Verlauf berichtete Herr Abgeordneter Martin=Berlin über das neue Ruhrberggesetz, welches am 6. ds. Mts. im preußischen Landtag in 2. und 3. Lesung einstinmmig zur Genehmigung gelangte. Anschließend gab der Vortragende noch einen Bericht über den augenblicklichen Stand der Ruhrkanalisierung. ** Westhosen, 21. April. Wer ist der Tote? An der austelle der Wasserkraftanlage wurde gestern achmittag eine männliche Leiche angeschweimnt, die anscheinend schon einige Wochen im Wasser gelegen hat. Es handelt sich um eine dem Arbeiterstande angebörende Person im Alter von 40—45 Jahren, die etwa 1,60 Meter groß ist und duntlen Schnurrbart trägt. Als besondere Kennzeichen dienen eine 8 Zentimeter lange Narbe über dem Schädel, außerdem ist die linke Hand verkrüppelt. Bisher ist über die Persönlichkeit des Toten noch nichts berannt und werden zweckdienliche Angaben an die hiesige Polizeiverwaltung erbeten. Aplerbeck, 20. April. Uhrendiebstaahl. Bei einer Frau Hermes, wohnhaft in Gevelsberg, wurde vor einigen Wochen ein Einbruchsdieb stahl verübt, bei welchem der Dieb eine goldene Damenuhr mitgehen hieß. Als Dieb konmte jetzt ihr eigener Sohn ermittelt werden, der sich bis zirla 14 Tage vor dem Diebsrahl bei den Landwirt H. Stamm hier als Knecht besand, am Tage nach dem Diebstahl aber auf kurze Zeit hier gewesen und die Uhr an einem andern Unecht für 50 Mark verkauft hatte, der diese Uhr dann wieder gegen eine Herrenuhr und 100 Mark an den jugendlichen Ernst Diedden, Weststraße hier, versetzte. Die Uhr wurde von der Polizei beschlagnahmt und soll der Bestohlenen wieder zugestellt werden. ** Holzwickede, 20. April. Eine dunkle Geschichte. Am hiesigen Baynhof wurde unter der Bahnunterführung von zwei Bahnbeamten ein Mädchen in bewußtlosem Zustande aufgesundem Zur Station gebracht, kam es wieder zu sich. Sie gab an, am Nachmittag vorher gegen 6 Uhr auf der Chaussee von Unna nach Frömern von einem Autofahrer nach dem Wege nach Unna gefragt worden zu sein, der ihr etwas ins Gesicht gespritzt habe, worauf sie ohnmächtig geworden sei. Gemerkt habe sie noch, wie man sie in das Auto getragen habe. In einem Walde sei sie wieder zu sich gekommen, woselbst sie der Mann des Autos habe vergewaltigen wollen, Nach kräftiger Gegenwehr sei sie aus dem Auto gesprungen, der Mann sei mit dem Auto dann davongefahren. Mit einer Begleiterin ist das gerettete Mädhen, das sich in Unna als Stütze bei einer Herrschaft befand, nach Bielefeld zu ihren Eltern gefahren. Aus den Provinzen. Dortmund, 20. April. Wegen Falsch= münzerei festgenommen. Von einem Pollzeiveamten wurde am ersten Feiertage ein Händler aus Köln und ein hier wohnender Kaufmann unter dem Verdacht der Falschmünzerei und der Hehlerei festgenommen. Die beiden führten Silbersachen und Besteckzeug von hohem Wert mit sich, das sie für 8000 Mark zum Kruf angeboten hatten. Ferner fand man bei ihnen einen falschen 50=Mark=Schein und für mehrere 1000 Mark Rubelscheine. Hagen, 20. Aprll. Tödlich überfahren. Am Donnerstag abend fiel auf der Fahrt von Gevelsberg nach Hagen in der Nähr der Haltestelle Stennertstraße von dem Vorderperron des Motorwagens der Straßenbahn ein angetrunkener Fahrgast. Dabei wurde dem Unglücklichen von dem Anhängewagen das rechte Bein abgefahren. Nach der Operation starb der Mann. Olpe, 20. Aprtl. Lustmord. In Köhling= hausen bei Drolshagen hat der Knecht des Landwirts Syürholz die 15jährige Tochter der Landwirtswitwe Lütticke vergewaltigt und gewürgt. Als der Unhold später auf dem Rückwege das Mädchen noch lebend fand, hat er es mit einem Stein erschlagen. Der Mörder wurde verhaftet. Hattingen, 20. April. Die verlorene Tochter. Ein tvauriges Wiedersehen feierte ein Vater mit seiner Tochter. Der Mann, der im Badischen eine angesehene Stellung bekleidet, befand sich seit über 14 Tagen auf der Suche mnach seiner 20jährigen Tochter, die um Weihnachten herum mit einem 24jährigen Burschen auf und davon gegangen ist. Da die Spur nach Hattingen wies, nahm sich die Polizei der Sache an, ermittelte das Mädchen und nahm es in Gewahrsam. Die Begegnung zwischen Vater und Kind war tief bewegt; das Mädchen befand sich in einem verwahrlosten, geradezu verwilderten Zustande. Buer, 20. April. In der Notwehr erschossen. Zwei Beamte der Kriminalpoltzei wurden nachts gegen 11 Uhr auf der Straße von den angetrunkenen Atbeitern Olschewski(Vater und Sohn) aus Drewer bei Marl überfallen. Nach einer wüsten Rauferei, bei der es auf beiden Seiten Blut und Wunden absetzte, mußten die Beanrten in höchster Lebensgefahr von ihren Waffen Gebrauch machen, dabei wurde der Sohn O. von einem Beamten erschossen. Der Vater O. wurde von herbeigccilten Schutzpolizeibeamten verhaftet. Mülheim=Ruht, 20. April. Schrecklicher Tod. Das 4jährige Töchterchen des Fabrikarbeiters Burgsmüller in Broich wurde seit zwei Tagen vermißt. Als man auf Veranlassung der Polizei eine Dürgergrube entleerte, ffand man das bedauernswerte Kind auf dem Boden der Grube als Leiche. Anköchte, 20. April. Ein gemeiner Bur bemstreich wurde hier am erften Ostertag verübt. Der Kaufmann Marx aus Mellrich hatte auf dem Bahnhof einen mit Heu beladenen Eisenbahnwagen stehen. Der Inhalt des Wagens schien verschiedenen jungen Burschen sehr geeignet, um zu einem Osterfeuer gebraucht zu werdem Denn um ½12 Uhr abends stand der Wagen mitsamt Inhalt in hellen Flammen. An ein Löschen war nicht zu denken, da das Feuer im Nu sich über den ganzen Wagen ausgebreitet hatte und die ganze Ladung vernichtete. Der Schaden dürfte nicht unerheblich sein. Herne, 20. April. Nach Südfrankreich verschleppt. Der Selterswasserfabrikant Schmerfeldt aus dem benachbarten S# wird seit mehreren Wochen vermißt. Auf Geschäftsreise ins besetzte Geviel begriffen er zuletzt einen Bekannten auf dem Hauptbahnhof zum Zuge gebracht und selbst gleich darauf die Heimfahrt antreten. dem fehlt jede Spur von ihm. Jetzt ist bei Frau durch Vermittlung eines Neutralen Brief von ihm aus Südfrankreich einge in dem er mirteilt, daß er kurz vor seiner von der Besatzungspolizei verhaftet worde## über den Grund könne er erst etwas mit wenn er wieder in Freiheit sei. Als er zu sich gekommen sei, habe er sich auf Gute in Südfrankreich wiedergefunden. genaue Angabe über seinen jetzigen Auffehlt in dem Brief. Anscheinend wird Schu Frankreich zu Zwangsarbeiten verwendet. fentlich gelingt es dem Auswärtigen An Berlin, das um diplomatisches Eingreifen worden ist, dem Verschkeppten bald die wiederzuverschaffen. Köln, 20. April. Gefährlicher Auf einem Grundstück der alten Dynami Schlebusch fanden die beiden 12 und 10 alten Kinder der Famtlie kierspel aus buscherath, die nach dem alten Eisen eine Sprengkapsel, an der sie sich zu machten. Plötzlich entzündete sich die Kapse durch das 12jährige Kind in Stücke zerrisse getötet wurde; während das andere Kin leichte Verletzungen erlitt. Jedoch ist dur Eitzündung die Herztätigheit des Kind schwach geworden, daß man für sein fürchtet. Aus dem Ein deutsch=finnisches Handelsabkon TU Helsingfors, 19. April. Nach eintreffenden Nachrichten sind in Berl Verhandlungen über ein Handelsabko zwischen Deutschland und Finnland e# worden. Sie nehmen einen günstigen 2# und dürften bald zu einem Abschluß kon Zu Otto Hués Tode. Genna, 20. Aprtl. Auf die Nachricht vo Tode Otto Hués, der bekanntlich auch der schen Abordnung nach Genua angehören hat der Reichskanzler an die Witwe, die demokratische Reichstagsfraktion und den schen Bergarbeiterverband herzliche Beile gramme abgesandt. Ferner hat der Vizel Bauer ein Telegramm an die Witwe Hué sandt. Hué, 1868 in Hörde geboren, arbeitete bei Krupp, dann im Bergbau. Ab 1894# Redakteur der„Bergarbeiterzeitung" und standsmitglied des Bergarbeiterverbande chum. Hué war der bekannteste Führer der schen und der internationalen Bergarbeite gung und Mitglied der meisten internat# Kongresse. Er konnte der Sendung als ter nach Genua nicht folgen, weil er tags schwer erktankte. Dir wirds so leic ∆ 5 8 Dein Haar schuppen# s schön umd gesund halten: durch regelin ##at dem. Krasstechserwosser Javol.“ B 4 Ehes an und Nerven, macht d Salander ließ sich, um das Unvermeidliche abzukürzen, die Treppe hinausdrängen und sah sich in einem Salonzimmer zwei stattlichen Frauenzimmern gegenüber, deren Schönheit verschieden aber gleich sremdartig erschien, ebenso wie ihre Haltung und Reisetracht. „Dies ist nun mein alter Freund Martin Salander!" verkündete er ihnen, und zu letzterem gewendet: „Dies ist meine Frau Alexandra Wohlwend, geborene Glawicz, und dies sind meine Unaben Georg und Louis!" Salander bot ihnen allen, die ihn mit etwas linkischer Respekterweisung begrüßten, die Hand und sprach einiges zu thnen über die Reise, die sie gemacht, und dergleichen. In der Zeit war Louis Wohlwend hinausgeschlüpft und kam wieder herein. „So, alter Freund! Du erweisest uns die Ehre, mit uns zu essen! Ich have den Lohndiener in dein Haus gesandt mit dem Bericht, du seiest bei uns und gut aufgehoben!" „Aber, gutet Freund, das geht doch wohl nicht an!“ meinte der sich sträubende Salandet. Doch half es ihm nichts, und er ließ sich zwingen. Es dauerte eine Viertelstunde, bis es zur Tärl schellte, und das Gespräch wat nicht eben fließend, besonders wen Wohlwend nicht schwatzte. über es wurde Salandern nicht lanzweilig, da er die fkemden Leute unbefangen betrachtete. Als es endlich zu Tisch ging, bekam er die Schwestet der Frau Wohlwend zu führen und mußte auch neben ihr sitzen. „Nititm dich in acht!“ sägte Louis Wohlwend cherzend,„es flleßt wahrscheinlich hellenisches Brut in ibten Adern. Mein seliger Hekr Schwieyctpapa hat ihre selige Mama vom Schwarzen Meere herübergeholt und deren Vorfahren sollen aus Thessalten dorthin gekommen sein.“ Martin blickt die stille Nachbarin von der Seite an, die ihm jetzt nahe war. Er sah ein Paar leuchtende Augen, die sich ihm wie in gleichgültiger Trauer zuwendeten, aus dem dunklen Haarknoten eine tadellose Stirn- und Nasenlinie sich niedersenken und unter dem schwellenden Munde das schönste Kinn sich runden, alles wie nach dem Rezept für altgriechische Frauenköpfe. Salander fühlte ein prickelndes Bebagen neben der seltenen Gestalt, und als Wohlwend Champag= ner kommen ließ und er ein paar Gläser genossen hatte, war es ihm, wie wenn er einen neuen Weltteil oder ein neues Prinzip entdeckt, kurz, das Ei des Kolumbus gefunden hätte. Die an der Tafel gewesenen Fremden hatten alle schon den Speisesaäl verlassen, nicht ohn: daß die meisten unter ihnen im Vorbeigehen einen Blick auf die neben Martin sitzende Schönheit war fen. Jetzt kam auch der Kellner und anerbot der noch beim Champagner sitzenden Herrschaft, den Apparat in das Nebengemach zu tragen, da in diesem Saale in zwei Stunden wieder gespeist nud der Tisch neu gedeckt werden müsse. Zugleich hob er die Flasche aus den Kühletmer und beschaute sie, die aber leer war. Durch diese Schnödigkeit, der Flasche sowohl, wie des Kellners, wurde Martin Salander aus einem traumartigen Zustande geweckt. Er stand auf und lehnte Wöhlwends dringenden Antrag. dem Vorschlage des Kellners zu folgen, entschieden ab, „Nun, alter Freund!“ sagte Louis Wöhlwend, also auf ein anderes Mal! Ich hoffe, wit werden uns wieder verstehen lernen! Die schaft ist keines der schlechtesten Ideale, ini wenn sie alt ist, wie guter Wein!" Salander, der wieder ganz wach geworde# zwar den Vergleich nicht zutreffend, da sen Weine heutzutage nicht mehr so hoch geschät den, wie früher. Jedoch unterdrückte er die merkung und eille, sich im Kreise herum vo dastehenden Personen zu verabschieden. Die war Fräulein Myrrah Glawicz mit dem schen Blut und stand hinter ihm, er suchte der unrechten Stelle, so daß er sich in einige wirrung um sich selbst drehte und beinahe## eh' er der schweigsamen Dame die Hand und endlich abreisen konnte. „Es dünkte mich wie das Schweigen des Himmels dort im alten Hellas!“ sagte er selbst, mit beschwingtem Gange die Straße lang schreitend. „Es ist doch, bei Gott! eine schöne das Schöne, das klassisch Schöne!" Darbei er unbewußt ein Schnippchen in die Luft: ei zwei Vorübergehende sahen ihm verwunde## „Was ist denn das für ein Fremdenbesu## dem du im Gasthof gesessen hast?" fragte Gattin Marie, bei der er für ein Stündch# sprach. „Hat man dir's nicht gesagt?“ fragte verblüfft. „Das kannst du ja wissen, da du nur ließest, du kämst nicht zu Tisch und würde speisen!“ „Ich habe gar nichts melden lassen, er ohne mein Wissen!" „Wer Et?“ „Jasol Nust rate— der Louis Wohll „Der ist da? Und du hast mit ihm ge mste maste 1 Am 2 Juli 1724 wurde in QuedSklinburg— das am 22. April sein tausendHommisionerat FKommissionsrat von Mansfeld das erste SKKind, von sechzehn weiteren, geboren. Es #war der Dichter FFriedr. Goktlieb Klopstock. 89 In Schulpsorta erzogen, kam er 1713 #als Student nach Leipzig und schuf vrei 4Gesänge einer Dichtung, die durch packende FhGewalt der Phantasie und durch einherZwogende Sprache eine allgemeine shervoriesen. Das waren, ase Bylezg# #größten Kloppstockwerkes, des Klopstock studierte noch in Jena weiter, purde Hauslehrer in Langensalza. sing, nach Zürich und auf Einladung des Königs (von Dänemark nach Kopenhagen, 175### F##schloß er die Ehe mit Mera Mouer, die## Zihm aber nach vier Jahren burch den Tod issen wurde Er eam nach Hamburg Prentrissen wurde er kum nach Hamburg und vermählte sich 1782 zum zweitenmal #mit Johanna Elisabeth von Winthem, die 11803 stard.„ en. Als sie nun noch einen Prozeß gegen ihn verloren hatte, beschloß sie sich zu rächen. Sie wartete in einer dei letzten Nächte, bis alle Beohner der Mühle, 28 Personer# nach Hause zurückgetehrt und zur Ruhe gegangen waren. Dann chichtete sie vor sämtlichen Wohnungstüren Reisig und Stroh auf, verbaute außerdem noch die Tür zur Wohnung des Besitzers, riß in ihrem eigenen Zimmer die Matratze aus dem Bett und stellte sie hoch, stopfte die Kommoden und Schränkvoll Stroh, übergoß die so geschaffenen Brandheröe mit Petroleum und zündete sie dan an. Das Feuer wurde jedoch sofort bemerkt und die Bewohner gerettet. Frau Dölle hatte sich, als sie sah, daß ihr Plän mißlang, mit einem Messer mehrere sschwere Schnittwunden beigebracht, an deren Folgen sie verstarb. Drühtmieirungen. Kapps Augenkrankheit. Hündel und Vörse! Espe anlo. Neue Anzeichen beweisen, daß das Esperanto als internationale Sprache das Interesse amtlicher Stellen weckt. So nahm der Völkerbund in seiner letzten September=Sitzung in Genf den Antrag an, daß die Frage über Einführung des Esperanto-Unterrichts in den Schulen von seinem Generalsekretär studiert und behandelt soll. Ferner hat die Leitung der Pariser Messe Esperanto als Hilfésprache benutzt und ihre Rundschreiben in Esperanto versandt. Klopstock übte großen Einstug aus gu die deutsche Poesie, besonders durch Wahl ernster und nationaler Stoffe aus# der nordischen Göttersage, Hermannsschlacht# kund besonders durch sein Hauptwerk, den Messias, einem religiösen Epos in antikem### ABersmot. Nn 90s gehet, m. 99, Märt4 Friedlich ju. ign dus Estor. Am an.*. Zward er fast fürstlich in Altona-Ottensen 4#bestattet. Seine Dichtung:„Auferstehn, is auferstehn wirst du, mein Staub!“ kerklang über die offene. Grust Herders X widmete ihm den Nachruf.(10.—.# Französische Lügen. Berlin, 20. April. Pariser Blätter stellen die Behauptung auf, die deutsche Regierung habe etwa 12000 Mann Stoßtruppen nach dem Ruhrgebiet abgehen lassen, und in Overschlesien kündigte sie an, daß sie bereit sei zum Widerstand. Diese Nachricht ist in allen Teilen erfunden. Racheakt einer Greisin. Dresden, 19. April. In Zerre bei Hoverswerda wohnte in einer Mühle die über 70 Jahre alte Frau Dölle, die wegen ihrer Bosheit im ganzen Dorfe gefürchtet war. Sie lebte mit dem Besitzer der Mühle schon jahrelang im StreitigkeiLeipzig, 19. April. Nach einer Meldung des „Vorwärts“ hat die in der Universitätskltnit vorgenommene Untersuchung Kapps ergeben, daß er an einer schweren Augenkrankheit leidet, die eine Operation notwendig macht. Kapp wird unter Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft einem Krankenhause überwiesen werden. Kapp operiert. TU. Leipzig, 21. April. Kurz nach der Einlieferung Kapps in das städtische Krankenhaus St. Georg mußte die Operation vorgenommen werden, da die Geschwulst hinter dem linken Auge stark zugenommen hatte. Verhaftung der Türkenmörder? Berlin, 20. April. Gestern wurden in Leipzig zwei armenishe Studenten verhaftet, die dringend verdächtig sind, an dem Attentat auf die beiden jungtürkischen Politiker beteiligt zu sein. Schulstreik. Berlin, 20. April. Der von der Elternschaft dreier evangelischer Gemeindeschulen in Neukölln beschlossener Streik hat mit Schulbeginn nach den Osterserien voll eingesetzt. Von 2500 Kindern erschienen heute nur einige wenige, die von den Streikposten aber wieder nach Hause geschickt wurden. 3 Schulen blieben irfolgedessen geschlossen. Der Norddeutsche Lloyd hat, wie der Vorsitzende in der Hauptversammlung berichtete, seit Beginn dieses Jahres wieder eigene Linien nach Nordamerika und Ostafien eröffnet und den Südamerikadienst durch Einstellung neuer Dampfer erweitert. Die Aussichten sind zufriedenstellend. Beschlossen wurde die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent. 1100 910 1850 1399 680 1485 Gelsenkirch Bergw Gusmot. Deutz Harpener Bergw. Hoesch Gumboldt Masch. Mannesmann Oberschles Eisenb=Bed. 1129 Otenstein& Koppel.......... Phönix Bergbau 124 Beisholz Pay............ z3 Stahlwerhe Rombacher Schuckert Siegen=Solingen Ver. Dt. Richelwerhe......... 1175 Wests. Draht=Ind. Westf. Eisen, Logendreer.......... 700 4 Auslands=Wechselkurse der Verliner Börse (Devisenkurse) A Man zahlte deutsche Mark: Die Süd=Pacisiic=Bahn in Amerika hat jetzt Dampflokomotiven herstellen lassen, die bei einer „Steigerung von 1:39 kast 16000 Zentner schwere Züge beförderten. An diese Mamuth=Maschinen, die Oelfeuerung haben, reichen in der LeistungsIjähigkeit unsere neuesten und schwersten Lokomotiven auch nicht annähernd heran. Ebenso gigantische, aber elektrische Lokomotiven baut die Chikago= und Milwankee=Bahn. für 100 belgische Franken 100 dänische Kronen.. 1 englisches Pfund.. 100 französische Franken 100 holländische Gulden 100 italienische Lire... 100 polnische Mark... 100 schwedische Kronen.. 100 schweizerische Franken 5662,90 5433.20 100 tsche rische Kronen.. 585,25 560,40 Berliner Börsenkurse vom 20. April 1922 mitgeleill vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe Barmer Bank=Verein Deuische Bank... Diskonto Dresdner Bank... Hamb.=Amer.=Pak. Allgem. Elektr.=Ges. Baroper Walzwerk Bochumer Guß... Bösperde Walzwerk Daimler Motloren Deutsch=Luxemburg Deutsche Kaliwerke. „Dynamit Elderf Farbw. 77¼ 289 600 448 344 461 .. 725 1300 am 19 4, am 20. 4. 2486,85 2406,95 6182,25 5972,50 1285,85 1240,90 2701,69 2609,20 11111,05 10686,60 1583.—B1518.10 — 7,45 7540,50 7290,85 Ein Dollar........ 291,13 281, 1035 496 1050 1862 Frau Ch. H. Für die Abvermietung leerer Zimmer ist keine Umsatzsteuer zu zahlen, wohl über, und zwar jetzt 2 Prozent, wenn Sie ständig ein möbliertes Zimmer vermieten. Vermieten Sie nur gelegentlich auf nicht länger als drei Monate zu einem Preise, der 5 Mark täglich übersteigt, dann müssen Sie die sog. Beherbergungssteuer von 10 Prozent bezahlen. Paul Weiße. Die Flugpreise im innerdeutschen Verkehr sind den Fahrpreisen 1. Klasse der D=Züge ziemlich nahe. Unsere Fluggesellschaften arbeiten zur Zeit mit nur etwa 150 Flugzeugen. Am 1. Mai läuft das Bauverbot der Entente ab, dann wird der Flugverkehr bedeutend zunehmen. D 756 Stadttheater Dortmund. Sonnabend, 22. April, 3—5¼ Uhr:„Rotkäpphen". Poodemarchen in 1 Kstern. Teret Schwerter Zeitung A 1 Das Katzenspiel in Genua. Ho# Gterstatternöch is Genuch. In Genua die Leun und Katzen Reden und schwatzen Und haben alle scharfe Tatzen. Spricht eine: „Ich bin nicht für die Krallen, Wir schneiden sie uns allen!“ Auf schreit eine andre: „Das gehört nicht hinein In die Devatte. Ja ode##nein. Nein oder ja!“'s ist einerlei, Die Katzen gehen um den heißen Brei. Spräch eine andre:„Revision von Versailles“ Oder gar:„Wer war die Canaille Die angefangen die ganze Bataille. Gleich hieß es: „Das sind beschlossene facta. Punktum! ad acta!“ Und alle andern: „Vergleichen Probleme lasse man sein Unsere Kinder lösen. Ja oder nein! Nein oder ja!“'s ist einerlei, Die Katzen gehen um den heißen Brei. Und kämen der Fragen noch so viele, In dem europäischen Katzenspiele, Ueber der Zetten Lauf und Ziele, Gleich hieß es: „Alle guten Geister, Wir sind keine Hexenmeister!“ Aber hinter den andern Einer lachte in sich hinein, Der Bolschewikenkater.— Ja oder Nein oder ja!'s ist einerlei, Die Katzen gehen um den heißen Brei. Köbes. Angleich. Jedem Oberammergauer wallen Locken um die Ohren. Dafür wird dann der Beschauer um so gründlicher geschoren Im Joo „Du brauchst keine Angst zu haben, Peler, die Tiere wollen nur ihr Essen haben und da macht der Löwe immer solchen Lärm.“ „Ich habe ja gar keine Angst, Onkel. Papu brüllt auch so, wenn das Essen nicht zur rechten Zeit fertig ist.“ Auf der Gebiegslokolbahn. „Mutta, warum stehl denn der Herr d' ganze Zeit auf da Platiform bei dera Käll'n?" „Mei', schlecht werd eahm halt sei— oder er is a Naturfreind!" („Simplizisstmus“) Der wahre G und. „Warum ist denn der Rolwein teurer als der U soche und Wikung Ich frage mich immer, wie es eigentlich komme, daß die Männer so viel lügen?" „Das kommt daher, weil die Frauen so viel fragen!“ pochfudien. „Der junge Amerikaner hält sich nun schon das zweite Jahr in München auf!“ „Da spricht er wohl schon fließend deutsch?“ „Nein, aber er trinkt schon fließend Bayrisch!“ Modeen Papa(zu Fritz, der am selben Morgen sein nstes Geschwisterchen bekommen hal:„Was schreibst du denn da?“ Fritzchen:„Ich mache dem Storch einen Abrüstungsvorschlag.“ Der Barbier in schlechtes Laune. Kunde:„Na, was fehlt Ihnen deyn heute? Bardter:„O, ich bin in einer Stimmung, ich könnte— ich könnte die ganze Welt durch meinen Lehrling rasieren lassen!“ Ein Ausweg. Sie:„Der Arzt hat mir soeben geralen, auf einen Monat nach dem Süden zu gehen. Die Frage ist nun: wohin gehen?" Er: was schleunigst zu einem anderen Arzt!“ Teurer Frühling. Die Welt geht ihren alten Gang,] Wenn eines sich den Wunsch erlaudt, Nüte. Dann unter Seelenqualen et der Völkerscharen weiße?“ „Na, vielleicht nichts?“ meinen Farbe Sie kostet („Brummbär“) Neue Zeit Inseral:„Schöne Reisigbesen sind wieder eingetroffen. Abgabe auch gegen Ratenzahlung.“ Ein Weltfremder. Richter;„Wieso vermuleten Sie, daß der Angeklagte ein entsprungener Zuchthäusler Jeuge:„Et verlangle in meinem Laden, sel: bevor er in die Kasse griff, eine Zigarre für fünf Pfennige.“ Bollgesp äch. Er:„Ach, Fräulein Suse, nun habe ich doch wieder vergessen, was ich Ihnen sagen wollte!“ et n Sie„9, das macht nichis, sagen Sie dann elwas Aehnliches!“ Trotz aller ihrer Non, Steis strahlt nach Winters Sium und Drang Des Frühlings Morgenröse. Wenn im April der Schnee zerrinnt, Vergeßt des Winters Bangen, Und eine neue Jeit beginnt, Der Frühling kommt gegangen. Bald wird an Wundern sonder Zahl Das Augel'sich erfreuen. Der Frühling sleigt von Berg zu Tal, Die Fluren zu erneuen. Die erste Lerche steigt empor Und rückt der Sonne näher Bis sie im Aelher sich verlor Der Dollar nur steigt höher! Esfühlt beim erllen Frühlingshauch Die Welt den Drang nach oben, Drum werden wohl die Preise auch Noch weiter hochgeschoben. Die Schraube siehet nimmer sill, Od Mehl man kauf, ob Jucker, Man kann verdienen, was man will, Man bleibt ein armer Schlucker. Sonst pflegle sich das Menschenkind Zum Lenz neu einzukleiden Doch dort, wo viele Kinder sind, Muß man sich heut bescheiden. Bonn uns. W Stöhnt das Familien=Overhaupt: Wer soll das heut bezahlen? Den Schneider selbst erfüllt ein Gram, Bald wird die Nadel rosten. Soviel, wie sonst ei Anzug kam, Soll heut ein Knopfloch kosten. Des Hauses Mutter greift geschicht Hier ein mit fleiß'gen Händen, Da wird gestopft, da wirdgeflickt. Da muß sich alles wenden. Der Winler nahm uns böse mit Trotz allem Fleiß und Hasten. Es wuchs und wuchs das Defizik, Nun gibt es neue Lasten. Die Steuer wird, das ist gewiß, Das Dasein uns verleuern. Im Winter kam das Kompromiß. Der Frühling bringt die Steuern. Und doch geht ihren alten Gang Die Well trotz aller Nöle, Slets strahil nach Winters Sturm und Drang Des Frühlings=Morgenröle. Der Frühling lieferi weil und breit Den schönsten Schmuck auch weiter Mit staunenswerter Billigkeit. Wie eheden! Ernst Heiter. Bekanntmachung. In Abänderung der Behannlmachung des Kommunalverbandes Hörde= Land vom 17. Februar 1922 werden die Mischpreise für den Landkreis Hörde wie folgt festgesetz!: a) dei Abgabe der Milch von dem Erzeuger an den Händler je Liter M. 6,10 b) bei Abgabe der Milch von dem Erzeuger unmitleldar an die Verbraucher je Liter M. 7,30 c) bei Abgabe der Milch von dem Händler on die Verbraucher je Liler M. 7,30 Im übrigen behält die Bekanntmachung vom 17. Fedruar 1922 sinngemäße Anwendung. 1799 Hörde, den 15. April 1922. Der Kommunalverband Hörde=Land. Renderung der Schlachtvieh- und Fleischbeschauund Trichinenschau=Gebührenordnung. Meine Schlachwieh- und Fleischbeschauund Trichinenschau=Gebührenordnung vom 28. August 1921, veröffentlicht im Amtsblatte der Regierung zu Arnsberg vom 3. September 1921 Stück 36 S. 478 bis 481, kerfährt mit Wirkung vom 1. April 1922 ab folgende Aenderungen: 1. Die unler Ziffer I A uud B Spalte 2 festgesetzten, von den Tierbesitzern zu entrichtenden Gedühren für die ordentliche Schlachlvieh= und Fleischuntersuchung erhöhen sich um 50 Prozent. Dementsprechend erhöhen sich auch die den Tierärzten, Laienfleischbeschauern und den Ergänzungsbeschaukassen zufließenden Ankeile. 2. Die unter Zisser II aufgeführten Gebühren für die den Tierärzlen vorbehallene Schlachivieh- und Fleischuntersuchung(Ergänzungsbeschau) erhöhen sich gleichfalls um 50 Prozenl. 3. Die für Landwegreisen unter Iiffer II und Ziffer I A für Tierärzte bei Ausübung der Ergänzungsbeschau und der Untersuchung von Schlachtpferden festgelegten Wegegebüdren erhöhen sich um 100 Prozent. Hinsichtlich der unter Benutzung der Eisenbahn ausgeführten Reisen dehufs Ausführung der Ergänzungsdeschau verbleidt es bei den seilberigen Bestimmungen. Auch bleibt es bei Ausübung der Ergänzungsbeschau den Tierärzten nach wie vor überlassen, Gebühren oder Tagegelder zu wählen. Jedoch wird darauf hingewiesen, daß die Gewährung von Tagegeldern bei der Ausüdung der Ergänzungsbeschau zur Zeit gegenstandslos ist, da die Tagegelder der Kreistierärzte und gleichgestelllen Beamten für kurzfristige Reisen nicht erhöht worden sind, diese also den künftigen Gebührensätzen von 30.— M. gleichstehen. Im übrigen bleibt meine vorbezeichnete Gebührenordnung vom 28. August 1921 in Krafi. Arnsberg, den 3. April 1922. Der Regierungspräsidenk. Zur vorübergehenden Beschäftigung suchen wir 2r3 Täger=Arbeiter zum Verpacken von Eisenwaren. 1795 Jul. Aschermann G. m. b. H. Schwerte=Ruhr. R W ** 4 o c h e bei uns anzufragen, wenn Sie eine gute, vornehme 2 Drucksache benötigen. 22 sauber, schnell und tragen allen Wünschen Rechnung für einige Stunden des Morgens gesucht. 1796 Zu erfr. in der Geschst. Schweine- Verscherungeverein, Schwertt. Außerordentliche Generalversammlungs, am Sonntag, dem 28. ds. Mis, nachm. 5 Uhr im Lokale Eimershaus, Wesienstr. Tagesordnung: Auflösung des Vereins. Da die Generalversammlung vom 9. Aprll nich deschlutzsähig war, werder die Mitglieder darauf ausmerksam gemacht, daß diese Versammlung ohne Rücksicht auf die Jahl der anwesenden Mitglieder beschlußjähig in 1794 Der Vorstand. Sanderes 1902 CagesMädchen bei hohem Lohn gesucht. sagt d. Geschäftsst Anständiger junger Mann sucht per sofort mvbt. Fimmer eotl. mit voller Pension. Offerten unter D. 1804 a d. Geschällsst. Bekanntmachung. Die zum Besuche der gewerdlichen Fortbildungsschule der Gemeinde Westhofen Verlpflichteten(Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge und Fabrikardetter) haben sich am Freitag, dem 21. April, abends von 5—6 Uhr, in der alten Schule(Kirchplatz) zur Aufnahme zu meldeu und daselbst Schulzeugnisse vorzulegen. Diejenigen, welche ohne ausreichende Entschuldigung den Unterricht versäumen, werden nach§ 150 Nr. 4 der Gewerbeordnung mit einer Geldstrafe bis zu 20.— Mark oder mit Haft bis zu 8 Tagen bestraft; eine gleiche Strafe trifft die Arbeitgeber sowie die Eliern und Vormünder, welche schulpflichtige Lehrlinge usw. von dem Besuche der gewerblichen Fortlbildungsschule abhalten bezw. eine Anmeldung unterlassen. 1801 Westhofen, den 19. April 1022. Der Amimann: Arndt. Buchöru üer Aeltere Frau empftehlt sich zur Aenderung von Kindergarderobe. Angedote unter D 1798 an die Geschäftsst. d. Jt eastester hen. facht Sielte als Lebrling auf Sile Angebote unter D. 1307 and Geschäftsst. Habe 60=70 Jtr. gulen Gebildeler, jüngerer Herr, sucht zum 1. Mai möbliertes dimmer auch bei einfachen Leuten angenehm. Offerken unter D. 1808 an die Geschst. mit Industries u. Hanbeleblet! Zuverlässigen für villigst gegen guten Lohn für sofort gesucht. Ventralorgan der Deutschen Balksvarke! erstbeint zweimal täglich! * Senderbeilagen: „Dolk und Wehrtraft“ Schaltence Whante Ssichumen * Vom 1. Aprik an kegt der„Zeit“ allwöchentlich die Attente deutsche nationale Wochenscheint an. ie er chee. gratis bei 7„Zeit“ monos 9n 25.— tro 3 Dastzeitungs uis 1922) Bonanstalten und bei der Bertig S 10 48, Wilhelmstr. 8/9 De et e e e abzugeben. 1797 Zu erfr. in d. Geschst. Möbl. Wohnund Schlafzimmer für 2 Herren zu mielen gesucht. Gefl Angebote unter D. 1809 an d. Geschst Möbliertes Zimmer von 3 Personen zum 1. Mai gesucht.— Angebote an Carl Nahl, Scharn= horst bei Dortmund, am Westbeck 329. 1775 Frankf. 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Stadt bei 32 25 35 95 35 935 33 9n 95 33 33 93 33 95 #2 95 23 2 95 33 33 55 5 3 2 5 3 33 9 3 33 3 Carl Vergleiche den Artikel in der letzten Mittwoch-Nummer. raus. 95 5 S RRSRSSSSRRSSEE SMSSSSSRER empfehle: Tornister,-Tafeln, Griffel-, Zeichen-, Malkästen, Reisszeuge, Reissbretter, alle Bücher der Volks- und höheren Schulen. Ogelnlälrurung Safl Braus, Bellwerte. 371 M IF verrotten muß, er klammert sich mit tausend Händen an den lebenden Nachbar, wie ein sterbender Mensch sich ans Leben klammert, bis die Seele müde wird, und endlich röchelnd nachgibt. So wird auch ein Zweig nach dem andern verdorrend brechen, bis der mächtige Ast hinabsinkt in den erdigen Leichenduft von Nesseln und Bilsenkraut, um selber zu faulen und nachts ein zitterndes Irrlicht durch Bruch und Park zu senden. Und die Kirche... ein eckiges, kleines Ziegelhaus mit einem altertümlichen Turm, auf dem sich die Wettersahne in winselndem Pfeisen dreht. Sie trägt die eingehauene Jahreszahl 1774 und weist in die Zeit des Einzigen, der die Döberitzer Gegend für militärische Zwecke schon damals wert hielt. Am Hasenheidenberg auf dem weiten Platz hat er ein Denkmal, zur Erinnerung, daß er dort einmal längere Zeit biwakierte. Mitten in diesem Frieden des Vergehens mutet ein Korb für Stullenpapier vor der Kirche und eine Inschrift in wackligem Fraktur auf weißer Tafel wie ein böser Anachronismus an. Aber der Kommandanturschreiber hatte einen Anflug von Humor, und darum sollen seine jambischen Blankverse nicht einer verständnislosen Granate zum Opfer fallen: „Hier liegt so viel Papier umher! Gewiß ist dies ein sogenannter schöner Punkt; denn wo es schön ist, frühstückt gern der Mensch auswickelnd froh die mitgebrachte. Stulle!“ Dann folgt ein kurzer Befehl„Das Stullenpapier also bitte“ und eine weiße Hand mit mächtigem Zeigefinger. Schatten und Einsamkeit bleiben zurück, Sonne und weite Ferne tun sich auf, noch ein Wald mit zerschossenen Bäumen, eine sandige Oede, ein Drahtzaun... uno das Weltleben beginnt wieder. Roggenmieten mit einer Dresch= maschine, ein klaffender Köter in einer alten Heringstonne, ein Gutshof, rasselnde Dreigespanne, die Frucht einfahren wollen, dann ein Wirtsgarten und Berliner Sonntagsgäste als erste Vorposten der Großstadt. Dort hinten aber liegt das tote Dorf, langsam sich selbst vernichtend, Wandelbilder.: Der größte Gepser der Welt. Eines der größten Wunder der Welt ist der gewaltige Geyser, der zu Rotura in Neu=Seeland liegt und als„Waimangu“ bekannt ist. Der Waimangu trat vor einer Reihe von Jahren zum erstenmal in die Erscheinung. Er ist auf der Linie jener großen vulkanischen Klüfte und Spaltungen gelegen, die durch den furchtbaren Ausbruch des Mount Tarawera im Jahre 1866 entstanden sind, und ist nur eine kurzo Strecke entfernt von den einst so berühmten Terrassen von Rotomahara, deren Schönheiten durch die unheilvolle Eruption völlig vom Erdboden vertilgt worden sind. Der Krater, aus dem der Waimangu aufsteigt, hat nach einer Schilderung, die Oliver Johnson im„Scientific American" veröffentlicht, eine Ausdehnung von vollen 40 Hektar und ist von ungeheurer Tiese. Bei einem Ausbruch füllt sich dieser ganze gewaltige Trichter mit einer dicken Säule aus schwarzem kochenden Schlamm und Steinen, die bis zu einer Höhe von jast tausend Fuß emporsteigt. Der dabei aufströmende Dampf und Dunst hüllt diese Säule ein und steigt bei=ruhigem Wetter viele tausend Fuß in die Höhe. Der Ausbruch des Geyser erfolgt mit jäher Plötzlichkeit und so unheimlich wächst dieses kolossale Schauspiel aus dem Schlunde des Kraters, daß die Besucher kaum noch Zeit finden, nach einem sichern Ort zu entfliehen. Eine ungeheure Kraft stößt diese Massen empor, kochendes Wasser und riesige Steine werden mit höchster Wucht emporgeschleudert; das Brausen und Zischen des heißen Dampfes, das Poltern und Dröhnen der Felsen erhöht noch den mächtigen Druck. Der Waimangu liegt im Mittelpunkte der wundersamen heißen Seen und Quelken, die sich in dem NoturaBezirk befinden und die der Tourist in wenigen Stunden von Auckland, der früheren Hauptstadt Neu=Seelands und dem Hauptplatz der Kolonie, aus erreichen kann. Da findet man kleine und größere Teiche, die alle die verschiedensten Wärmegrade aufweisen. Einige sind wie kochende Kessel, andera wie sprudelnde Brunnen von Schlamm und Schwefel, die schwere Wolken von Dampf und schwefligem Rauch ausstoßen, während andere wieder klar und ruhig liegen und in hellstem Grün und tiefstem reinen Blau ihren fleckenlosen Spiegel darbieten. Die heilsamen Wirkungen dieser heißen Quellen sind weithin berühmt und anerkannt, denn wie ein Zauber vertreiben sie Hautausschläge, Rheumatismus, Gicht und andere Leiden. Tausende von Kranken kommen von fern und nah, und ebenso strömen Scharen von Zuschauern herbei, die Heilungen zu sehen. Ter berückende und rätselvolle Reiz dieser ganzen Gegend wird noch erhöht durch den Umstand, daß sie die Heimat der Maori, dieses edlen, von Legenden und Sagen umwobenen Stammes, ist. Auch die merkwürdigen und grotesken Formationen der Felsen und Steine, die in zerklüfteten und zerrissenen Linien einsam sich aufrichten, verleihen der Gegend um den großen Geyser Waimangu den Reiz eines bizarren und exotischen Zauberreiches. Welt und Zeit. Die Wasserkräfte Skandinaviens. Wegen seiner zahlreichen Wasserkräfte hat der bekannte amerikanische Physikor Nicola Tesla Skandinavien eine führende Stellung in der Weltindustrie der Zukunft prophezeit, und die betreffenden Regierungen sind eifrig bemüht, sich das Eigentumsrecht an den wichtigsten Wasserkräften des Landes zu sichern, damit der wertvolle Besitz dem ganzen Volke zugute komme. Schweden verfügt in seinen natürlichen Wasserkräften über etwa zehn Millionen Pferdestärke, Finnland über vier Millionen und Norwegen sogar über 28 Millionen; hiervon können in absehbarer Zeit für Schweden zwei, für Finnland 086 und für Norwegen 1,5 Millionen nutzbar gemacht werden. Bei vollständiger Ausnutzung dieser natürlichen Energiequellen erhofft man eine Steigerung der jährlichen skandinavischen Ausfuhr um 125 Millionen und eine Minderung der Einfuhr um 60 Millionen Kronen. Die schwedische Regierung besitzt schon das Verfügungsrecht über sieben der bedeutendsten, für eine technische Ausbeutung zumeist in Betracht kommenden Wasserfälle; zehn weitere Wasserfälle des sudlichen Schwedens und fünf hochgelegene Torfmoore will sie ankaufen und hat dafür die Bereitstellung von vier Millionen Kronen gefordert. An dem berühmten Trollhättan=Fall hat die Ausbeutung der Wasserkraft zu technischen Zwecken durch private Unternehmungen schon einen bedenklich hohen erreicht, indem das Landschaftsbild durch die industriellen Werke in der Hauptsache zerstört worden ist. Es ist daher hohe Zeit, daß die Regierung der privaten Spekulation einen Riegel vorschiebt. Sie will zudem durch die Erwerbung der Wasserfälle das Mittel gewinnen, um sich für die geplante Elektrisierung der schwedischen Staatsbahn eine billige Kraftquelle zu sichern. Auch Norwegen will nicht nur die Wasserfälle, sondern auch die sonstigen Naturschätze des Landes, die Wälder und Gruben, durch Gesetze vor einer für das Land nutzlosen Ausbeutung schützen. So sorgen die beiden skandinavischen Reiche dafür, daß sie dereinst den vollen Nutzen haben werden, wenn die technische Entwicklung auf dem Punkt angelangt ist, wo die natürlichen Wasserkräfte gleichwertig neben der aus Kohle gewonnenen Energie dastehen und als bedeutsamer Faktor allerersten Ranges in die geographische Verteilung der Industrie über die Kulturländer eingreifen werden. * S 2 ** A#C 55 S S Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises. General=Anzeiger für den Kreis Hörde „„ Haupt-Annoncenblatt. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 93 Freitag, den 21. Aur Herterrorde. Roman von Fritz Gautzer. (1. Fortsetzung.) linkfeuerartig tauchten Renates Gedanken möglich sein würde, in die Stunden vorher zurück. (Rabdruck verboten.) abzufinden. Aber das Die stille, sonnige Höhe..... Das reine, kleine Glück... Die zarten, blaßblauen Kelche.... Wie hatte sie zaudernd überlegt, um nicht zu verletzen, um der Freundin neue— wenn auch übe flüssige — Aufregungen zu ersparen.... Und nun alles in den Schmutz eines gemeinen Verdachts gezogen. O. es war schändlich!——— Sie faßte sich und sagte mit einer Stimme, die zersprungen klang: 128en bab 64 „Ich brauche es wohl nicht erst zu sagen, daß sich heute zwei Wege für immer scheiden. Ich gehe. Es ist zerrissen, was mich band...!“„„in 1c Edith wagte keine verstellende Geste, kein schauspielerndes Verletztsein. Sie stand regungslos. Sekundlang bebte der Gedanke:„Bekenne deine Schmählichkeit“ sie gab ihm nicht nach... Eine Draußen verklang ein hastender wu durch ihre Seele. Aver Tür wurde geschlossen. Tritt von Frauenfüßen. So war das Leben: eine kurze Strecke, eine ganz kurze, kleine oft nur, lief es einen sonnigen Weg und ließ die, die es an der Hand führte, das Frohsein über den hellen Tag als etwas Dauerndes, von den Fingern der Zeit nicht Berührtes empfinden. Und dann zog es seine Leute plötzlich seitab, riß sie förmlich hinweg von der klarverlausenden Straße, die so schön und gut war, auf der man so gern gegangen, stieß die Vertrauensseligen in eine düstere Schiucht und eilte davon. Wohl gar ohne ein Wort zu sagen. Etwa das: Warte, warte eine kurze Zeit. ich komme wieder und helfe dir zurecht. Ich will dich zurückbringen in die Helle. Oder: Es war ein Fehltritt, den ich versehentlich tat... Es tut mir leid, daß du mit mir hinab mußtest.... Nein, das alles sicher nicht! Wenn vielleicht ein Wort kam, dann am Ende das: So siehe nun, wie du wieder herauskommst aus der Dunkelheit. Ich kann dir nicht helfen, da ich weiter muß.... War das Leben nicht so?..... Renate dachte in diesen Minuten über seine Wesensart nicht anders. Und sie dachte es voller Bitternis. Die hellen Sonnenwege hatten ohne Urlaub von ihr ] Abschied genommen und einem lichtlosen, nebelgrauen Tale das Feld geräumt. Sie war davon überzeugt, daß dieser Wechsel in einer Schroffheit sich ereignet hatte, wie sie es nie gedacht. Und sie wußte noch nicht, wie es ihr sich damit ste sie: es gibt einen harten Kampf. ind das war ihre Frage an das Leben: ist Art überhaupt, die Menschen so zu behandeln, oder erwäl lst du dir einige wenige, so auch mich, dazu aus, nach Zu wirer Lein ließ sie ane Beantwvortung aus. Eine solche sich selbst zu geben, fand sie auch keine Zeit mehr. Denn als sie den langen Flurgang hinabschritt, noch von halber Unschlüssigkeit erfüllt, was sie als Nächstes nun zu tun habe, trat Joachim aus seinem Zimmer. Er blieb in bestürztem Erschrecken stehen, als er sie erblickte. Sofort war er daven überzeugt, daß sie etwas, ihr Inneres stark Erschütterndes eriebt haben müsse. Er sah es an der bleichen Färbung ihres Gesichts, an ihrer Sie wur sich bei seinem Aublick plötzlich klar: zu ihm Er schen svre Abscht zu einen, Przigegiest er fört:„die wollin zu mir.“ Es wür keine Frage. Er sagte es aus einer Ueberzeugung heraus. Sie nickte.„Wenn Sie ein paar Minuten Zeit für „Aber das ist doch selbstverständlich, Fräulein Renate! Ich stehe völlig zu Ihrer Verjügung!" Er hatte schon die Tür zu seinem Zimmer geöffnet.„Vitte sehr!" Als sie auf dem Stuhle, den er ihr zurechtgerückt, Platz genommen ha te, fragte er:„Es ist hossentlich nichts Unangenehmes? Ich glaube Sie errege zu sehe. Sie rang nach Worten und wand die Hänor ineinander.„Ich komme mit einer dringlichen Bitte, Herr von Wenn es in meiner Macht steht, sie zu ersällen, so i# sie schon vorher gewährt.“ is ist etwas, das Ihnen gar keine Schwierigkeiten machen wird... Lassen Sie mich, bitte, sofort zur Bahn Er blickte sie in starrer Verständnislosigkeit an.„Sie wollen zur Bahn?.. Warum? Ich weiß nicht, was ich davon denken soll! Sind Nachrichten für Sie eingetroffen, die Sie zur Abreise veranlassen?“ „Nein, nein! Aber ich muß trotzdem fert. Will fort!“ Sie stieß das letzte leidenschaftlich heraus, mit schwankender Stimme sprechend.„„ 168 Lig elist Er tat ein paar hantige Schritte zu ihr har, schroff stehen und war im Augenblick nicht fähig, die Art der ihn bewegenden Gefühle zu ersassen. 6g „Sie wollen fort?“ fragte er endlich tonlos, während s10 sich seine Augen mit einem Ausdruck von Angst auf ihr Gescht hefteten.„Was veranlaßt Sie dazu?“ Sie zitterte und sah an ihm vorüber.„Herr von Brandt, verlangen Sie keine Antwort! Es würde mir nicht möglich sein, Ihnen die mich bewegenden Gründe anzugeben.“ Er glaubte plötzlich zu wissen, daß sie bei Edith lagen und sagte ihr das... Und als sie nicht sofort erwiderte, sprach er erregt weiter:„Ich lasse Sie unter diesen Umständen auf keinen Fall reisen!" Sie erhob sich langsam und sah bittend in sein Ge=, sicht.„Herr von Brandt, dann muß ich ohne Ihre Zustimmung fort! Seien Sie davon überzeugt, daß es mir nicht möglich ist, zu bleiben!“ Er hatte das Gefühl, in einen dunklen Raum zu treten, in dem er sich nicht zurechtzufinden vermochte. Zu angestrengtem Grübeln spannte er sein Denken an. Was konnte geschehen sein, daß Renate so unwiderruflich an ihrem Entschluß festhielt? Von einem heimlichen Zwange getrieben, fanden seine forschend auf ihrem Gesicht ruhenden Augen sich zu den Glocenblumen an ihrer Brust hin... Und nun glaubte er splötzlich einen wegweisenden Lichtstrahl zu erblicken. Er erinnerte sich des zagen, scheuen Wesens Renatens, als er ihr die Blumen überreicht, ihres bedenkenden Zauderns, ihrer Unschlüssigkeit. Er rief sich die ganze Szene ins Bewußtsein zurück und mußte mit besonderer Schärfe daran denken, wie sie sich zuletzt, mit einer Art stillen verhaltenen Trotzes, mit den Blumen geschmückt. Und sein in jener Stunde unklares Empfinden wurde ihm jetzt zur starren Gewißheit: Edith neigte eifersüchtigen Regungen zu und hatte aus ihnen heraus Renate verletzt, so tief verletzt, daß es zu einem Bruche gekommen war, der als letzte Konsequenz Renatens Entschluß gezeitigt hatte. In schnellem, fast jagendem Erwägen war ihm das Verstehen gekommen, und er war gewiß, daß er sich nicht täuschte. „Ich glaube, die Veranlassung zu Ihrem Entschlusse zu kennen,“ sagte er..„Ich kann mich irren, gewiß. Aber es wird wohl doch so sein, wie ich denke. Und...“ Sie erhob die Hand mit einer bittenden Gebärde, als fürchte sie, daß er weiter sprechen und das Richtige sagen könne. „Nein, nein,“ beruhigte er, sie verstehend.„Seien Sie ohne Sorge. Ich ehre die Größe Ihrer Gesinnung und schweige wie Sie.... Und ich bin natürlich in keiner Weise berechtigt, Sie an der Ausführung Ihres Entschlusses zu hindern.... Aber ehe Sie gehen, muß ich Gewißheit über etwas mich tief Bewegendes besitzen...“ Er schwieg und atmete schwer. Seine Augen ruhten voll verlangender Innigkeit auf ihrem Gesicht.... Sie erschauerte. In schnellem, pochendem Kreisen rann ihr Blut. Und doch war sie bleich bis in die Lippen... Da stand das Glück abermals vor ihr, wieder wie draußen auf der Höhe, und reichte ihr lächelnd beide Hände hin: Nimm mich! Und sie brauchte nur die ihren hineinzulegen. Dann blieb es und wurde ihr eigen... Was hinderte sie? Hatte sie kein Recht auf Glück?..... Das häßliche Wort Ediths von der„Geldheirat“ zuckte ihr stechend durch den Sinn..... Und sie? Was half ihm das arme, ganz arme Mädchen, das sich in fremden Häusern ihr Brot verdienen mußte und augenbliclich stellungslos war?..... Nein, sie durfte seine Existenzmöglichkeit nicht gefährden... Es galt nur eins: ein tapierer Mensch zu sein und dem wartenden Glücke zu sagen: So gehe nur weiter... Ich darf dich nicht begehren. Sagte es nicht: Aber bedenke, ich komme nie wieder. Nie! Du siehst mich heute zum letzten Male?! Ja, so sagte es wohl. Und es sagte es vorwurfsvoll, kopfschüttelnd, mit traurigen Augen Oder mit unzufriedenen, verweisenden... Ach, es ging wohl auf Nimmerwiederkehr. Aber sie mußte es gehen lassen. Sie war sich dieser Pflicht völlig klar. Sie hätte Joachim sagen mögen, daß er schweigen solle. Aber sie bekam ken Wort über die Lippen. Sie lagen wie in Ketten geschlossen, herb, hart auseinandergepreßt. Und so hörte sie denn:„Es ist wundersam schnell über mich gekommen..! Das erste Sehen schon ließ mich erkennen, verstehen. Ich verstand, ich wußte, daß in Ihnen, Renate, mein Leben beschlossen liegt mit starker nein, bitte, lassen Sie mich zu Kraft... Und daß Ende kommen... Ich muß es Ihnen sagen: daß es mich mit aller Gewalt, deren das Herz eines Menschen fähig ist, zu Ihnen treibt.....“ Er hatte mit sich steigernder Hast gesprochen und war Renate unwillkürlich näher getreten. So dicht stand er jetzt vor ihr, daß ihr stiegender Atem sein Gesicht küßte. Er genoß seine Wirkung mit allen Sinnen, stand wie unter dem Einflusse ein: Rausches Sein heißer Blick umschloß ihre Gestalt und schien sie in sich aussaugen zu wollen. Mit harter Gewalt zwang sich Renate zur Nüchternheit des Empfindens. Fast wäre sie dem treibenden Strome der Glücksslut, die während seiner Worte über ihre Seele dahinbrauste, unterlegen, in seinen Wirbeln mit hinabgezogen worden.... Sie mußte alle Kräfte gebrauchen, um sich hochzuringen, zum Bewußtsein zu kommen. Sie arbeitete mit dem Verzweiflungsmute eines vom Tode des Ertrinkens Bedrohten.. Und nun kam sie hinan. Mit einem letzten Stoße bis aufs äußerste angespannter Energie entwich sie den lichtgrünschimmernden, glücksbraufenden Wassern der Flutwelle. Das weiße, erbarmungslos heile Licht des Tages grellte ihr in das Gesicht... Eine Planke schwamm ihr zu, an die sie sich mit zitternden Händen klammerte:„Geldheirat“ stand in grellleuchtenden, riesengroßen Leitern darauf.. Sie war gerettet... Und doch elend vernichtet.—— Sekundenlang nur hatte der Kampf in ihrer Seele getobt. Sekundenlang nur hatte sie nach Joachims Worten geschwiegen. Nun, da er so hart vor ihr stand, raffte sie sich zum Sprechen auf. Beide Hände wie zur Abwehr erhebend, den Blick ins Leere gerichtet, sagte sie:„Herr von Brandt, ich bitte Sie, ich bitte Sie inständig, lassen Sie mich gehen!“ Er verfärbte sich und trat einen Schritt zurück.„Ist das Ihre ganze Entgegnung auf meine Worte? Dieses kalte, herzlose... ja, ich finde keinen anderen Ausdruck ... Fordern:„Lassen Sie mich gehen?" Ist das wirklich alles?“ Er griff nach der Lehne eines Stuhles und spannte seine Rechte mit hartem Zusassen um das Holz, als bedürfe er eines Halts. „Ich wollte Ihnen nicht wehe tun!“ „Wenn Sie wüßten, wie wehe Sie mir getan haben!“ „Das bedauere ich aufrichtig!“ Er lächelte bissig, wie er es an der Art hatte, wenn er sich einem Abgrunde auf dem Wege, Leben genannt, gegenüber sah. Und das heißen sollte: Ich würde wohl hinübersetzen mit wagehalsigem Sprunge, wenn ich nicht genau wüßte, daß ich rettungslos in die gähnende Tiefe stürzte. Da kehre ich lieber um und suche auf einem anderen Wege weiter zu kommen.:„Warum wechseln wir banale Redensarten, Fräulein von Groening?.. Die Sache ist erledigt. Denn ich weiß jetzt, daß ich nutzlos hoffte... Wenngleich ich diesen Ausgang nie erwartet hätte... Oder ist es anders? Doch noch anders?" Es klang wie ein Aufschimmern von letzter Hoffnung aus seiner Frage. Seine Augen wagten einen letzten anklammernden Blick nach ihrem Gesicht. Renate beobachtete ihn nicht. Sie stand gesentten Hauptes. Aber der Ton seiner Stimme schnitt ihr ins Herz. Sie empfand ihn wie ein körperliches Wehtun, wie einen schmerzenden Stich. Sie mußte sich mit hartem Zusammenraffen ihrer Willensstärke zu einem leisen Kopfschütteln zwingen. Zu sprechen vermochte sie nicht Hatte er doch eine Antwort im gegenteiligen Sinne erhofft? Trotz allem Voraufgegangenen doch noch ein Ja? (Fortsetzung folgt.) 1 *2 S 3 5 S 5 9 0 6# 5 55 # S 9 J 50 85 * " S 8 55 S e 95 22 5 — 5 2 22 4 9 36 □ 1. 5 F 85 s # g: 5 5 2 8 ###2 5 5 S S 5 9 5 * 8 9 85 93— 2 8 6 25 8 ** 5 8 * 8 an 8 * S 5 2 8 8 S 8 5 8 F 5. 5 9 S 5 ** ** * S 2 22 8 2 08 s* 8 2 5 E * # 5 E 5 S 2. S 8 S 8 * 2 5 E * 8 6 * * ESSchiller. Denkspruch. Schöne(ceit, wo bist du? Kehre wieder, Helckes Bistenaiter der Natur! Iich, nur in dem Feenland der Lieder lebt noch deine fabeihafte Spur. Ausgestorden trauert das Getilde, keine Contheit zeigt sich meinem Blick; Ach. von jenem lebenswarmen Bude, blieb der Schatten nur zurück. Ein Bild aus der Vorkriegszeit. E. von Geiersberg. (Nachdruck verbeten.) Ein Stück Einsamkeit in unmittelbarer Nähe der beKebtesten Ausflüge des sonntäglichen Berlin, aber tiefe Einsamkeit mit verfalsenden Manern, verdämmernden Lauben, faulendem Obst, einer traumhaft einsamen Kirche mit wodernden Totenkrenzen, weißen, starrenden Wänden, an denen das menschliche Wort wie das gespenstige Stammeln einer abgeschiedenen Seele widerklingt.... so etmas gibt es in nächster Umgebung. Döberitz heißt die Einsamkeit, ein Name, mit dem sich sofort der Klang von Rezimentsmusiken, Trommelwirbeln, Hapfenstweich und Retraite verbindet, kurz. der ganze Rausch und Pomp altpreußischen Soldateniums. Was ist ein Truppenübungsplatz, wa. mit Wellblech= und ein Lager? früchten, solchen und eine blaue Saat von Sprengstücken zeigt, daß hier der Tod auf den Sturmflügeln der Stahlgranaten eingefallen ist. Bäume von einem Fuß Durchmesser sind geknickt wie dünne Gerten, andere starren mit fleischlosen Armen in die stille Luft, weil ein spitzer Splitter ihren Lebensnerv getroffen. Wenn ein Herbststurm über die Höhe fährt, wird er das dürre Geäst herunterhauen, und niemand wird ihm wehren. Werden und Vergehen reichen sich hier die Hand zu einem stillen Bunde nach den e###ig ungeschriebenen, kosmischen Gesetzen, Das Zieldorf hat eine spielende Architeitenlaune im Waffenrock des Pioniers aus Brettern und Balken aufgebaut, mit Vorhallen und allerlei putzigen Details, sogar die diskretesten Baulichkeiten sind nicht vergessen, um dem zielenden Artikleristen die Eine kleine Stadt, KaiserWilhelmstraße, einem Königsplatz, mit Mannschaftsküchen und Kantinen, Wachtstuben und einem Offizierskafino. In dem Lager wallt und wogt eine engkonzentrierte Militärmacht, eber dahinter, wo die Nauener Chanssee mit ihren bomartigen Rüstern malerisch hinzieht, träumt in tiefer Verlassenheit der Uebungspsatz, fern von aller Menschenkunst und Menschenarbeit. Nur die Technik des Krieges hat hier versteckte Unterstände für die Scheibenarbeiter angelegt, wenn blaue Granätsplikter in singendem Höllentanz das weite Feld übersprühen oder die sausenden Infanteriegeschosse wie ein wilder Vienenschwarm auf die Scheibengesichter der Papiersoldaten niederprasseln. Sonst wuchert und treibt die ungebändigte Natur ein Höllenfenn, das mit seinen geisterhaften Birken, seinen brannen Schilfden Kanonenwischern, malerische Motive in einer Fülle bietet, daß die gesamte Berliner Künstler= zunft damit versorgt werden könnte. Ueberhaupt ist der malerische Reiz des Döberitzer Platzes ganz einzigartig. Die widerwillig herbe mäckische Landschaft hat hier ihren konsequentesten Ausbruck gesunden. Nichts hat der originellen Entwicklung Einhalt getan, und die Armcekorps, die Tag um Tag das weite Gebiet durchqueren, die rasselnden Batterien, die stürmenden Schwabronen konnten die Stimmung nicht zerstören, die an stillen Sonntagen leise und heimlich aus den Wäldern und Ginsterschluchten aufsteigt. Nur an Sonntagen kann sich der Spaziergänger in diese militärisch gehütete Verschwiegenheit begeben, nur an Sonntagen, wo im Lager Appelle abgehalten werden, läuft der Zivilist nicht Gefahr, unter der Sprenggarbe einer Granate oder dem Hagel eines Schrapnels begraben zu werden. Von der Nauener Chaussee am Forsthaus Sperlingshof vorüber streicht man über die Kesselbrücken, tiefe Defileen, die ein weites Bruch überschreiten. Noch kann man die Uhr auf der Kommandautur erkennen, noch sieht man die Radfahrer auf der Chaussee; ist man aber einmal über die Höhe hinüber, in dem baufälligen Zieldorf Warendorf, so hat die Welt der Großstadt ihren weitreichenden Einfluß verloren, die Einsamkeit beginnt die Sinne zu umstricken, die ewige Vergänglichkeit legt sich wie ein süßer Schlaf auf die Nerven. Noch vor einem Jahr stand hier am Eingang eines wild zerschossenen Kiefenwäldchens ein großes rotes Haus, von dem man, gut gedeckt, das Vorgelände beobachten konnte; jetzt ist es niedergebrochen, 1 erfal Turm, der nie Glockenklang gehört, auf dessen Friedhof nur krepierte Granaten liegen und gestorbene Hoffnungen manches Truppenführers, der sich aus den schwierigen Ginsterfenns in den Wurstkessel manövrierte. Ah... diese herrliche, stanbsreie Luft; in tiefen Atemzügen hauchen die Wälder ihren Duft aus, und die blühende Erika strömt matten Wohlgeruch herüber. Er mischt sich mit dem leisen Moder, der vom fautenden Laub aus feuchten Tiesen ahnungsvoll emporsteigt. Den fernen Horizont begrenzen elegante Linien flacher Höhenrücken, die sich bis nach Nedlitz ziehen. Abgewandt####on steigt aus lebendigem Grau der Kaiser=Wilhelm=Turm aus, wo es schon von Menschen und Stullenpapier wimmelt. Allmählich senkt sich der Weg, grüne, saftige Rasenflächen lösen die traurige Wüstenflora des märkischen Sandes ab, ein linsenübersponnener Tümpel flimmert auf dem„Weg, verwilderter Roggen streckt lange Halme in die Luft, und plötzlich öffnet sich der Clon des ganzen Platzes, däs tote Dorf Döberitz. Von allen Seiten laufen Straßen herein, gewaltige, ragende Linden überschütten die feuchte Niederung mit grünlichem Schatten, in beisen abgeschiedener Heimlichkeit die Bauernhäuschen, die Ställe und Scheunen verfallen und vergehen. Alte Schilsdächer neigen sich bedenklich auf die Obstbäume herab, die ohne eine pflegende Hand ihren Segen hüten. Ein Volk Rebhühner geht mit lauten Brr-Brr aus einem verwilderten Garten auf. Hier und da hat eine unbarmherzige Granate ein friedliches Dach zerschlagen und Haufen von Schutt und Ziegelbrocken in die Zimmer geschleudert. Gegenüber der Kirche liegt der is## 310f mit seinem mächtigen Scheunenquadrat. Der Ei#####uck ist von einer gräusigen, beeugenden Poesie. Uebcra##t wandelt der hohläugige Geist der Verwesung, die unnahbare Majestät des Todes. In den großen, leeren Säten des Herrenhauses huschen die verblaßten Schemen märkischer Landjunker und rundlicher Frauen, die mit nicht allzu weicher Hand die Zügel in Haus und Milchkeller führten. Die Sonntags in der weißgetünchten Kirche saßen und sich mit kernhafter Främmigkeit eine Weltanschauung aufbauten, die oft gar nicht in das Konzept des Pastors hineinwollte. Die sich dann nach mühewllem Erdenwerk auf ihrer Sandtli#che unter den hohen Kastanien nahe beim rauschenden Ried schlafen legten. Wir finden dort heute noch ihre eingesuntenen Grabsteine mit langen Abschiedsgedichten, die keineswegs alle die Vergessenheit verdienen, womit Schorf und Moos sie umhüllen. Dem großen Park hat die Zeit nichts anhaben können. Freilich sind die Wege übergrünt, Unkraut schießt in Misse auf, aber dazwischen blühen die seltensten Blumen. Ein gwosses Bilsenkrant mit seinen tötenden Blütenbechern lacht schillernden Todeaus harmlosem wucherndem Grün. Birken mit mächtigen Stämmen biinken wie Gardedukorpsvedetten im weißen Koller am Parkrand. Linden und Pappelz, von hochhäuptigen Lärchen durchsetzt, streben ungehindert in die Höhe. Aber die Sprenggrangte sorgt auch hier, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Ein gewaltiger Ast, der seine letzten Zweige in den benachbarten Bruderbaum streckte, ist abgerisson; schon ist er gunz verdorrt, aber er will nicht herunter, wo er verfaulen und