Welthofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Verbunden mit: Schwerter Cageblau und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Velksblatt Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreise s. Die„Schwerter Zeitung“ gew'hrt i9 en Avonamten für jeden mit Tok er denden Un al a ud) brsn Sr. 500 Mark Unfau. Aaguger 50 Drncku. Uhr ag; Can Brau, Stwe ie Rabr) Bernsprech=Anschluß Rummer 6 Telegramm=Adrise: Braus, Scwone(Au r. Duscheas: Dorimnund 28 2, Hannooer 21;“. at steun sem; euinr uch eie Feiestags. Bezugspooie mamsich 14.—#., be ann Pol 14.—#. Aüns Gehaiges. 81 mm Phl. R un iun dur 8 eiemamt erhecher. en al Aahaumshes md ersthn te huasdte. Snmsssmgatte guüttschnbtrgn une Ghschm der senachn gchesngaugr Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde. Nr. 40 Donnerstag, 16. Februar 1922 55. Jahrgang Das Ringen um die Aegiekung Wilth. Zum Geleit. Sprich nicht von des Feuers Wüten, Nicht vom Zorn der wilden Wasser, Nicht vom Göttergroll.— Die Menschen Sind der Menschen schlimmste Hasser. F. W. Weber. Für eilige Leser. Neuigkeiten ans Nah und Nachrichten zufolge hat die Braunschweigische Landlugsfraktion einstimmig beschlossen, den Abgeordnelen Sepp Oerter aus der Fraktion auszuschließen. General Nollet ist gestern nacht in Paris eingetroffen, Girraud, der Kommissar der französischen Republik in den Rheinlanden, ist gestern morgen angekommen. Die Aufforderung des Generals Smuts an die Streitenden von Transval, die Arbeit wieder aufzunehmen, wurde von den Bergleuten abgelehnt. Man befürchtet lebhafte Zwischenfälle. * Vor einiger Zeit war der Plan aufgetaucht, englische Arbeitslose in die zerstörten Gebiete Nordfrankreichs zu senden. Heute wird bekannt, daß dieser Plan scheiterte, weil die von den französischen Unternehmern gebotenen Löhne viel zu niedrig sind. * Die Nachricht von einer bevorstehenden Reise des belgischen Königs Albert nach Paris wird offiziell aus Brüssel dementiert. Die irischen Republikaner haben ihren Wahlfeldzug zusammen mit einer großen Demonstration begonnen, in deren Verlauf Devalera erklätte, daß die Republikaner in keiner Weise sich durch das Abkommen von London gebunden fühlten. Wie die„Agenzia Stefani“ meldet, ist in Verfolg des zwischen Italien und Rußland geschlossenen Wirtschaftsabkommens der Briefverkehr zwischen beiden Ländern wieder ausgenommen worden. * Das dänische Fährschiff zwischen Gjedser und Warnemünde ist am Sonntag nachmittag vor Warnemünde im Eise stecken geblieben. Die D=Züge nach Hamburg und Berlin mußten ohne die skandinavischen Reisenden abgelassen werden. * Wie aus Dublin gemeldet wird, hat die irische Regierung eine allgemeine Amnestie für alle während der letzten Feindseligkeiten verurteilten Personen erlassen. In der chemischen Fabrik Gialini in Mundenheim stahlen Einbrecher 1000 Gramm Platin im Werte von 500000 Mark. Es gelang, die Diebe zu ermitteln. * Die drei Söhne des Schiffers Ruspold aus Havelberg, im Alter von 17, 14 und 12 Jahren, die mit ihrem Vater in den Havelberger Wald gingen, um Holz zu holen, sind auf dem Rückwege, nachdem sie sich verirrt hatten, erfroren. Der Vater konnte sich noch bis Havelberg schleppen. * Der ehem. Reichskanzler Dr. Michaelis tritt mit seiner Gemahlin eine Reise nach China an. * Er wurde zur Konferenz des Studentenweltbundes in Peking eingeladen. Die Nationalversammlung in Angora bewilligte 2 Millionen türkische Pfund Vorschuß für das Heer. Von italienischen Sozialisten gesammelte Lebensmittel und Kleider für die hungernden Russen, im Werte von 3 Millionen Lire, wurden abgesandt. Die vorberatungen der Fraktionen.- Das Verlangen des Kanzlers. Berlin, 15. Febr.(Drahtber.) Die Demokraten und das Zentrum nahmen am Dienstag in Fraktionssitzungen zu der innenpolitischen Lage Stellung, wie sie durch das vom Reichskanzler verlangte Vertrauensvotum geschaffen worden ist. Die Beratungen des Zentrums, an denen auch der Reichskanzler Dr. Wirth teilnahm, ergab dem Tageblatt zufolge, daß das Zentrum für die Annahme des Vertrauensvotums stimmen wird. In der Sitzung der demokratischen Fraktion wurde nach dem gleichen Blatte beschlossen, dem vorliegenden Vertrauensantrag zuzustimmen unter Hinzufügung einer Erklärung, in der die Gründe für die Zustimmung der Demokraten aufgeführt sind. Das Blatt teilt ferner mit, daß in Unterhandlungen zwischen Vertretern der Mehrheitssozialdemokraten und der Unabhängigen über eine Aenderung der Fassung des Vertrauensantrages gesprochen worden sei, insbesondere mit Hervorhebung der außenpolitischen Lage, um dadurch zum mindesten eine teilweise Stimmenthaltung der Unabhängigen zu ermöglichen. Der Reichskanzler soll aber, wie der Soz. Parl.=Dienst schreibt, gestern den soz. Abg. Wels und Müller und anderen führenden Politikern erklärt haben, daß er Klarheit wünsche und deshalb eine Verschleierung des Vertrauensvotums nicht zulassen werde. Auch werde er es ablehnen, die Regierung zu behalten, wenn sich nur eine Mehrheit von wenigen Stimmen ergeben sollte. Schonung der deutschen Krast. „Wir zerbrechen uns die Köpfe“ so schrieb dieser Tage ein Pariser Blatt, halb im Ernst, halb verdrießlich,„was wir Deutschland gegenüber tun sollen. Das Gescheiteste scheint wirklich zu sein, daß wir einige Jahre lang gar nichts tun, sondern Deutschland erst wieder zu Kräften kommen lassen.“ Das war nicht in voller Aufrichtigkeit ausgesprochen, sondern mehr aus Aerger über die fortwährenden Meinungsverschiedenheiten unter den Ententestaaten, durch die die wirtschaftliche Lage in Europa nur verschlimmert wird. Aber wenn man die Dinge genau betrachtet, so könnten die Entente=Regierungen wirklich nichts Besseres tun, als garnichts und einfach abwarten, was Deutschland in etwa drei Jahren fertig bringt. Das dürfte so viel sein, daß es imstande ist, einen guten Teil seiner Verpflichtungen abzuwälzen. Deutschland ist heute in der Lage eines Ackers, der in einer langen Periode des Raubbaues mehr geleistet hat, als ihm bei bester Düngung zugemutet werden konnte. Es muß Ruhe vor Experimenten haben, damit es sich wieder auf sich selbst besinnen und die natürliche Kraft schonen kann. Aus der Schonung erwächst die Entwicklung. Die Natur muß sich helfen, und sie tut das auch, wenn ihr keine Hemmnisse in den Weg gelegt werden. Das Moratorium, über welches die Revarationskommission verhandeln soll, bedeutet noch keine Schonung dieser natürlichen deutschen Kräfte, wenigstens so lange nicht, als es mit neuen Sanktionen verquickt werden soll, welche eine große Hauptsache für uns, die Ruhe, beeinträchtigen. Damit wird der Blick von der großen Aufgabe des Wiederaufbaues zum Teil abgelenkt, denn wir müssen uns fortwährend umschauen, ob uns nicht eine brutale Faust an den Kragen will. Die Pariser Reparationskommission wird diesen mehr unfreiwilligen Rat des französischen Blattes kaum sofort beherzigen, das duldet Poincars nicht, obwohl die französische Staatskasse bei gutem Willen sich sehr wohl mit kleinen deutschen finanziellen Leistungen behelfen kann, aber Die Entscheidung zugunsten der Regierung Dr. Wirth mit 35 Stimmen Mehrheit. Unter größter Spannung des Hauses wurde gestern nachmittag die Abstimmung vorgenommen, die namentlich zu erfolgen hatte. Ihr Ergebnis war, wie uns gestern abend noch telephonisch mitgeteilt wurde: Von den 421 abgegebenen Stimmen waren 220 für das Vertrauensvotum, 185 dagegen, bei 16 Stimmenthaltungen. Die Regierungsparteien haban selbstverständlich geschlossen für das Kabinett gestimmt, anscheinend haben aber auch die 14 Stimmen des Bauernbundes sich ihnen angeschlossen. Von den Unabhängigen sind eine Reihe von Abgeordneten, auch Führer, der Abstimmung fern geblieben. Damit war das Kabinett Wirth mit einer Mehrheit von 35 Stimmen gerettet. Für das Vetrauensvotum im Reichstage haben gestimm:: 107 Sozialdemoiraten, 38 Demokraten, 68 Abgeordnete des Zentrums einschließlich der Welfen, 3 Abgeordnete der Bayrischen Volkspartei, 3 Abgeordnete des Bayrischen Bauernbundes. Gegen das Votum stimmten 34 Unabhängige, 68 Deutschnationale, 61 Volksparteiler, 22 Kommunisten. Die 16 Stimmenthaltungen entfallen auf die Bayrische Volkspartei. Vom Zentrum waren 3 Abgeordnete wegen Krankheit abwesend und Pfeiffer, der in Wien ist. Von der Deutschen Volkspartci waren wegen Krankheit abwesend 5 Abgeo dnete von den Demokraten 2, von den Deutschnationalen 2, von den Sozialdemokraten 1 Abgeordneter. Von den Unabhängigen haben 14 an der Abstimmung nicht teilgenommen, 12 fehlten überhaupt. leicht möglich erweist sich die Macht der Verhältnisse doch stärker, als seine Politik, Deutschland unter der Faust zu halten. Der Vertrag von Versailles wie das Londoner Ultimatum vom Mai 1921 haben sich schon jetzt, nach so kurzer Zeit, als phantastische Theorien ohne praktischen hohen Wert erwiesen. Frankreich könnte nur dann die volle Durchführung des Ultimatums erzwingen, wenn es sich aus eigenen Mitteln aus aller wirtschaftlichen Misere befreien könnte. Daran ist aber nicht zu denken. Wenn wir die Ruhe von außen her als unbedingt notwendig für unsere finanzielle und wirtschaftliche Lage bezeichnen müssen, so ist die innere Ruhe aber nicht weniger Voraussetzung für eine Erholung. Kein Deutscher braucht seine Ueberzeugung aufzugeben, aber Experimente mit Streiks, politischen Kraftproben und Krisen wollen wir doch lieber so lange verschieben, bis wir erst wieder solche Kräfte gesammelt haben, daß wir ihnen eine Strapazierung zumuten können. Ein jeder Deutscher muß sich endlich einmal darüber klar werden, was eigentlich Politik bedeutet. Nämlich das, ein mögliches Ziel mit vorhandenen Mitteln zu erreichen. Wir können alle nur ein einziges Ziel haben, Deutschland wieder gesund zu machen. Meinungsverschiedenheiten können über die Mittel bestehen Diese Mitte! sind Volkskräfte. Geben sie keinen Erfolg, so bringen sie Schwächung. Daher bedürfen sie der Schonung. Schalten wir also für eine Reihe von Jahren die Differenzen aus, arbeiten und sparen wir so erfüllen wir, was uns nach Außen Nutzen, im Innern Segen brirgt. Es heißt, sich diesem Ziele unterzuordnen, einer zielbewußten Führung zu folgen. Deutscher Reschstag. Sitzung vom 14. Februar. Berlin, 15. Februar. Zu Beginn der Dienstagssitzung im Reichstag gedachte Prisident Loebe des verstorbenen demokratischen Abgeordneten Konrad Haußmann, der 30 Jahre lang dem Hause, eine Zeitlang auch als Minister, angehörte. Der Präsident rühmte die Mitarbeit des Verstorbenen an der Verfassung und teilte mit, daß der Vizepräsident Dr. Riesser im Namen des Reichstages einen Kranz an der Bahre des Verstorbenen niedergelegt habe. Eine Reihe von Anträgen beschäftigte dann das Haus. Die Behauptung der unabhängigen Sozialisten, Aktenstücke die ein Gesuch des Generals von Lüttwitz um Zuerkennung der Reichspensionsbezüge zum Gegenstand hatten, seien verschwunden, wurde als unrichtig zurückgewiesen. Die ganze Angelegenheit unterliegt noch der Prüfung. Die furchtbare Not der Wolga=Deutschen wurde in einer Ansprache des Abgeordneten Wulle(deutsch=nat.) gelennzeichnet, der die Einreise=Erlaubnis für 4000 Wolga=Kolonisten fordert. Die Regierung läßt erklären, daß der Zuzug von Ausländern unerwünscht sei. „Ein Antrag des Abg. Strahtmann(D.= N.) verweist auf eine Zeitungsanzeige, in der wöchentlich 5—6000 Eier zur Herstellung von Eierkognak gesucht werden. Auch in Bayern sollen Eier für diesen Zweck waggonweise aufgekauft werden. Von der Regierung wurde mitgeteilt, daß die meisten Eier zur Herstellung von Eierkognak aus China kommen. Von den in Deutschland erzeugten 6 Milliarden Stück jährlich werden nur sehr wenig zu Eierkognak verwandt. Sollte sich hier ein Nachteil für die Volksernährung herausstellen, so würde ein Verbot dieser Verwendung erwogen werden. Vemerkenswert war das Zugeständnis des Schahzamtes, daß eine Schuh=Industrie A.=G. gebildet werden sollen, um die Arbeiter der Reichsbetleidungswerke zu beschäftigen. Das Reichsmietengesetz steht dann zur 2. Lesung. Durch die Vorl der Begriff der gesetzlichen Miete angeführt. Bei der Berechnung wird von der Friedensmiete ausgegangen. Der in der Friedensmiete für die Betriebs= und Instandsetzungskosten enthaltene Betrag wird abgerechnet. Das gleiche gilt für Vergütungen für die Heizstoffe. Die oberste Landesbehörde hat für die abzurechnenden Beträge Hundertsätze der Friedensmiete festzusetzen. Der sich nach Abzug dieser Hundertsätze ergebende Betra, bildet die Grundmiete. Zu der Grundmiete treten Zuschläge für die Steigerung der Zinsen einer in der Vorkriegszeit vorhandenen Belastung allgemeiner Art und für die Belriebskosten, sowie für die Kosten für laufende Instandsetzungsarbeiten. Den Mietern ist ein Mitbestimmungsrecht zugesichert. In der Aussprache traten weitgehende Gegensätze zutage. Während der Deutschnationale Gutknecht die Vorlage ablehnte, weil sie das Selbstbestimmungsrecht des Hausbesitzers vernichtet, forderte der Sozialist Silberschmidt eine Erweiterung der Mieterrechte. Der Zentrumsabgeordnete Schlack suchte die Vorlage aus dem volkswirtschaftlichen Zwange der Jetztzeit zu erklären, während der deutsche Volksparteiler Beythien aus seinen schweren Bedenken kein Hehl machte. Der Unabhängige Kuhnert fordert schäfste Maßnahmen gegen den Wohnungswucher. Darauf wurde die Beratung abgebrochen. Sie soll am Mittwoch fortgeführt werden. Am gleichen Tage soll die Besprechung der Regierungserklärung zum Eisenbahnerstreik fortgesetzt werden. Anschließen wird sich die Abstimmung über die dazu vorliegenden Anträge(Mißtrauensvotum resp. Vertrauensvotum). Ein bedeutungsvoller Tag steht also bevor. Nach sieben Jahren. Am 15. Februar tritt für das Brot der neue Preis in Kraft. Wir erblicken in diesem Brotpreis das kraffeste Bild unserer finanziellen und wirtschaftlichen Notlage, und es bleibt uns nichts anderes als die Hoffnung, daß die beispiellos ma 9 geren sieben Jahre der Vergangenheit und Gegenwart nun endlich ihren Höhepunkt erreicht haben und sich zu besseren Zeiten neigen werden. Denn es sind sieben Jahre verflossen, seitdem wir die Zwangswirtschaft für das Brot haben Als das Kriegsbrot ins Leben trat, bestand die zuversichtliche Erwartung auf einen vollen Sieg. Der Schützengrabenkampf hatte begonnen und schien langwierig zu werden, aber es war nicht schwer, in der Ernährung durchzuhalten, wenn am Ende des Feldzuges der Sieg winkte. Die Jahre vergingen, und mit ihnn änderte sich auch das tägliche Brot. Quantität und Qualität wurden geringer, denn der Schleichhandel verkaufte große Mehlmengen für die Herstellung von Kuchen. Ueber das„gestreckte“ Brot wurden mancherlei Klagen laut, aber die Mehrheit des Volles aß es schweigend. Es mußte doch wieder anders werden. Nach dem Friedensschluß von Versailles wurde infolge des Bezuges von amerikanischem Brotmehl das Gebäck besser, aber unter den Wirtungen der Friedensbedingungen büßte, wie bekannt, die deutsche Mark rapide an Wert ein. So sah sich die Reichsregierung gezwungen, MilliardenZuschüsse zur Brotbeschaffung zu leisten, um einen noch ungefähr erträglichen Preis aufrecht zu erhalten. Es hat der Entente gefallen, diese Zuschüsse unter dem Vorwande zu streichen, daß durch sie die Zahlungsfähigkeit Deutschlands in der Erfüllung seiner Reparationsverpflichtungen geschmälert würde. Infolgedessen schnellt der Brotpreis erheblich nach oben, und besonders für kinder reiche Familien entstehen bei der Kartoffelknapp heit schwere Lasten. Dieses Stück der Entente ist ein Pendant zur Hungerblockade im Kriege, ein trauriger Beweis für Clemenceaus Wort, daß der Friede nur eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln sei. Teueres Brot beeinflußt gebieterisch alle Lebensmittelpreise und Lebensmittelverhältnisse. Die Entente mußte sich vor allen Dingen aber sagen, daß diese Verteuerung auch die Gesundheit des deutschen Volkes beeinträchtigen und damit die Arbeitskraft lähmen würde. Je weniger kräftig wir sind, um so weniger können wir naturgemäß in der Lieferung von Sachwerten, Fabrikaten und Rohmaterialien für die Entente leisten. Diese schneidet sich also in das eigene Fleisch. Wenn man es wirklich von Paris aus fertig bringt, die deutsche Bevölkerung zu dezimieren, so wird man dort erst recht vergeblich darauf ware ten müssen, daß die Bedingungen des Ultimatums erfüllt werden. Das einzige Mittel gegen die drohende Gefahr der wachsenden körperlichen und geistigen Verelendung in Deutschland ist tatkräftige Selbsthilfe. Die Landwirtschaft hat schon außerordentlich viel getan in der Erweiterung des Landbaues und in der Hebung der Viehzucht, und diese Anstrengungen sollen von jetzt ab, wie bekannt ist, vervielfältigt werden. Alle Landleute wollen die Hände rühren, und alle übrigen Volksgenossen, die über einen Fleck Landes verfügen, sollten es tun. Und die Erhöhung dieser Leistungen muß in Permanenz erklärt, von Jahr zu Jahr dauernd gesteigert werden, nicht nur, um den Magen zu füllen, weil Hunger weh tut, sondern weil darin die Sicherung für unsere Arbeit und unseren Welthandel zu erblicken ist. Auf fette Jahre nach diesen mageren sieben Jahren werden wir noch lange warten können. Wir wollen schon mit einer erträglichen Zukunft zufrieden sein und uns bemühen, daß wir diese erreichen. Ein Aufruf der christlichen Gewerkschaften. Das Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften Deutschlands veröffentlicht in seiner letzten Nummer einen Aufruf an die Mitglieder der christlichen Gewerkschaften, der vom gesamten Vorstand und Ausschuß des Verbandes unterzeichnet ist. In dem Aufrufe heißt es, daß die Zahl der Mitglieder der christlichen Gewerkschaften gegen die Vorkriegszeit um das Dreifache gewachsen ist. Im Deutschen Gewerkschaftsbund sind rund zwei Millionen Arbeiter, Angestellte und Beamte vereinigt, Die Bewegung müsse deshalb mehr sein als ein Organ zur Beeinflussung und Besserung der Lohnund Arbeitsverhältnisse, sie muß sich auswachsen zu einem starken Träger des Staates, der Wirtschaft und der Kultur des deutschen Volkes. Der Aufruf geht sodann des Näheren auf die gegenwärtigen Aufgaben der christlichen Gewerkschaftsbewegung ein und verlangt, daß zu diesen alle christlichen Gewertschaftler einen Stundenlohn als Sonderbeitrag zur Verfügung stellen. Des weiteren teilt der Aufruf mit, daß Stegerwald, der seit Bestehen des Gesamtverbandes an dessen Spitze gestanden hat, in die hauptamtliche Leitung zurückgekehrt ist. Zwecks Schulung neuer Kräfte sollen Lehrgänge gewerkschaftlicher Art eingerichtet werden. Der Presse= und Literaturbewegung, sowie der Tagespresse wird durch Ein richtung eines Zeitungsdienstes erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Die am 1. Januar d. Is. geschaffene Deutsche Volksbank soll mit den Gewerkschaften und Genossenschaften zu einheitlichem Wirken verbunden werden. Stadt und Lund. Schwerte, den 16. Februar. Erinnerungen. 1497 wird der Mitreformator Philipp Me lanchthon geboren(f 1560); 1620 der große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg(F 1688); 1826 der Dichter V. v. Scheffel (+ 1886); 1834 der Naturforscher Ernst Häckel (F 1920).„Was des Menschen Herzenswunsch ist, dazu läßt er sich gern befehligen".(Scheffel, Ekkehard) ** Erwerbslosen=Unterstützung. Mit Rücksicht auf die Erhöhung des Brotpreises und die allgemeine Steigerung der Lebenshaltungskosten hat der Reichsarbeitsminister in einem Rundschreiben an die Regierungen der Länder vom Februar 1922 sich damit einverstanden erklärt, daß die Unterstützungssätze für die Erwerbslosen und ihre Angehörigen um durchschnittlich 25 Prozent erhöht werden, für die jugendlichen Ledigen um durchschnittlich 15 Prozent. Die Regierungen der Länder werden die notwendigen Anweisungen an die Gemeinden unverzüglich ergehen lassen. ** Die Erhöhung der Postgebührensätze. Seit dem Jahre 1916 hat die Postverwaltung fünfmal die Gebührensätze erhöht und beträgt die Erhöhung bei Postkarten im Orts= und Fernverkehr das 25fache, Briefen im Ortsverkehr bis zu 20 Gr. das 25fache, von 20—100 Gr. das 40fache, im Fernverkehr bis 20 Gr. das 20fache, von 20—100 Gr. das 15fache, von 100—250 Gr. das 20fache, Drucksachen bis 50 Gr. das 17fache, von 50—100 Gr. das 20fache, Paketen in der Nahzone bis 5 Klg. das 24fache, in der Fernzone bis 5 Klg. das 18fache, Telegrammen das 20fache. ** Volkshochschule. Es wird nochmals daran erinnert, daß Herr Dr. Appens heute(Donverstag) im Realgymnasium mit dem Lehrgang „Staatsbürgerkunde" beginnt. Die nächste Sonderveranstaltung findet am Mittwoch, den 22. Febr. statt. Es ist ein Kammermusikabend des Dortmunder Pöhlmannquartetts geplant. Fertenordnung für die Landschulen. Die Regierung in Arnsberg setzte für die Landschulen folgende Ferienordnung für das Schuljahr 1922=23 fest: Ostern von Mittwoch, den 5. April bis Freitag, den 21. April. Pfingsten von Freitag, den 2. Juni bis Dienstag, den 13. Juni. Weihnachten von Donnerstag, den 21. Dezember bis Donnerstag, den 4. Januar 1923.(Das erste Datum bezeichnet Schluß des Unterrichts, das letzte Beginn des Unterrichts). Die Sommer= und Herbstferien in der Gesamtdauer von 6 Wochen werden gemäß des Ministerialerlasses von den Landräten nach Anhörung der Schulvorstände festgesetzt und veröffentlicht. Die Kurse der Kriegsanleihen. Auf die Anfrage eines besorgten Kleinrentners hat die Reichsanleihe=Aktiengesellschaft in Berlin geantwortet,„daß die zur Fortsetzung unserer Aufnahmetätigkeit erforderlichen Mittel in genügendem Umfange bereitgestellt sind und daß eine Herabsetzung des Kurses, von der vielerorts gerüchtweise verlautet, nicht beabsichtigt ist. Zu den Gerüchten über die Herabsetzung des Zinsfußes hat der Reichsminister der Finanzen in der letzten Zeit wieder erklärt, daß eine solche nach den Anleihebedingungen bis zum 1. Oktober 1924 ausgeschlossen ist und auch von diesem Zeitpunkte ab nur im Wege eines besonderen Gesetzes und allein auf der Grundlage erfolgen könnte, daß denjenigen Besitzern, die mit der Zinsermäßigung nicht einverstanden sind, die Einlösung der Stücke zum Nennwert angeboten wird. Wir sind ermächtigt, von dieser Erklärung im Interesse des Publikums jeden geeigneten Gebrauch zu machen. Wir bitten auch Sie, dafür Sorge zu tragen, daß die Mit teilungen in möglichst weiten Kreisen bekannt wer den, und auch ihrerseits allen anders lautenden Gerüchten mit größter Entschiedenheit entgegenzutreten. ** Aus der evangelischen#gendbewegung. Der deutsche Verband des Jugendbundes für entschiedenes Christentum umfaßt 967 Jugendbünde mit zusammen 33000 Mitgliedern, dazu 215 Kinderbünde mit 7000 Kindern und 460 Sonntagsschulen mit 40000 Kindern. ** Die Sicherheit der Postpakete. Der Verlust von gewöhnlichen Paketen wird von der Post nur noch auf Antrag des Empfängers oder des Absenders gemeldet. In vielen Fällen ist der Empfänger nicht darüber unterrichtet, daß er ein Paket zu erhalten habe, der Absender wiederum in dem Glauben, die Sendung sei dem Empfänger ausgehändigt. So beantragt weder der eine noch der andere Nachforschungen. Der Fortfall der Fehlmeldungen bringt deshalb eine große Unsicherheit des Paketverkehrs und reizt zur Veruntreuung. Der Deutsche Industrie= und Handelstag hat deshalb sich in einer Eingabe an den Reichspostminister mit dem Antrag gewandt, das alte Verfahren der Fehlmeldung auch ohne Antrag von Absender oder Empfänger wieder eintreten osen.„ Hiae Marie ** Verband der kath. Vereine. Die Vorstände sämtlicher kath. Vereine unserer Stadt sind für heute Abend in das Lokal Böcker(Becke= und Wilhelmstr.=Ecke) zu einer Sitzung eingeladen. Außer der Wahl eines ersten Vorsitzenden soll über die Veranstaltung eines Bazars für Beschaffung einer neuen Kirchenorgel Beschluß gefaßt werden. ** Strafvollstreckung trotz Aussetzung. Die bedingte Aussetzung kann auch zurückgenommen werden, wenn das Gericht einem Verurteilten bedingte Strafaussetzung gewährt hat und ihm nachträglich Tatsachen bekannt werden, die es, wenn sie ihm zurzeit des Beschlusses bekannt gewesen wären, bei Würdigung des Wesens der bedingten Strafaussetzung von der Gewährung dieser Vergünstigung abgehalten haben würden. So kann es nach einer neuen Verfügung des Justizministers je nach den Umständen des Falles den gefaßten Beschluß wieder aufheben und die Vollstreckung der erkannten Strafe anordnen. Es ist dabei notwendig, daß eine schlechte Führung des Verurteilten seit der Strafaussetzung festgestellt worden ist. Als Gründe für eine nachträgliche Aufhebung werden als Beispiele erhebliche Vorstrafen und andere schwebende Strafverfahren angeführt. ** Geisecke, 16. Febr. Im Silberkranz. Am heutigen Tage können die Eheleute Gast= und Landwirt Friedr. Schulte=Höppe die Wiederkehr des Tages festlich begehen, an dem sie vor einem Vierteljahrhundert den Bund fürs Leben schlossen. Den zahlreichen Glückwünschen, welche dem allseits beliebten und geachteten Jubelpaare sicherlich von allen Seiten zugehen werden, schließen wir unsrigen gern an; möge sich das jetzige Silber dereinst in Gold verwandeln. ** Hennen, 15. Febr. Bestrafter Kartoffelwucher. Vom Landratsamt Iserlohn wird mitgeteilt, daß die Ehefrau Heinr. R. zu Reingsen wegen übermäßiger Preisforderung im Kartoffelhandel zu einer Geldstrafe von 500 Mt verurteilt wurde. Aus den Provinzen. Dortmund, 15. Febr. Verhaftete Eisenbahnräuber. In den letzten Monaten wurden auf der Eisenbahnstrecke Altenbeten—Köln Beraubungen des Eilgüterzuges ausgeführt. Kürzlich wurden in der Nähe von Massen bei Königsborn, in einer Strohmiete versteckt, eine Menge Waren, die aus einer Beraubung des Zuges herrühren vorgefunden. Der Gesamtwert der g=e raubten Waren soll zirka 1 Million Mark betragen. Auf Grund der von der Dortmunder Kriminalpolizei in Verbindung mit der Eisenbahnkriminalabteilung zu Elberfeld und Hagen angestellten Ermittelungen wurden der 28jährige Händler Ludwig Bezella, der 25 Jahre alte Händler Heinr. Ullrich und der 30jährige Schlosser Stanislaus Kurzewski als Täter festgenommen. Dortmund, 15. Febr. Der flüchtige Postsekretär. Albert Wunderlich, der nach Unterschlagung von amtlichen Geldern flüchtig geworden war, ist in München(vollständig mittellos) verhaftet worden. Wunderlich ist bekanntlich am 8. Oktober v. Is. nach Unterschlagung von 55000 Mark amtlicher Gelder beim hiesigen Telegraphenamt verschwunden. Haspe, 15. Febr. Der teure Hund. Die Stadtverordneten haben die Hundesteuer auf 400 Mark erhöht. Da außerdem eine Kreissteuer von 300 Mark erhoben wird, beträgt künftig die Steuer für einen Hund 700 Mark.(Ist das nicht ein wenig viel? Schriftl.) Arnsberg, 15. Febr. Opfer der Grippe. Die Sterblichkeit in unserer Stadt infolge Grippe ist derart groß, daß im Laufe des Monats Januar allein ungefähr die Hälfte der Todesfälle des ganzen Jahres 1921 zu verzeichnen ist. Beckum, 15. Febr. Opfer der Kälte. Der aus Braunschweig gebürtige Arbeiter August Böning wurde hier in der Nordenfeldmark erfroren aufgefunden. Er hatte sich vor zwei Tagen bei Martin Salander. Roman von Gottfried Keller. 24)(Nachdruck verboten). Der Umstand, daß wahrscheinlich hier zwei Hechte am nämlichen Karpfen stehen, hindert mich auch, Herr Wighart, Sie jetzt schon zu ersuchen, Sie möchten Ihren Gewährsmann um genaue Bezeichnung von Orts= und Personennamen angehen. Ich will mir meine Phantasiearbeit noch einige Tage überlegen und werde mir dann erlauben, bei Ihnen anzutlopfen, natürlich im Ein verständnis meines Herrn Klienten, sofern er sich überhaupt noch als solchen betrachtet! Eigentlich aber würde es sich sofort um eine Kriminalsache handeln und für die Behörden der Anlaß da sein, von sich aus vorzugehen.“ „Ueberlegen Sie, Herr Fürsprech!", erwiderte Salander;„am Ende schadet es nichts, wenn wir den Schadenmüller, den Hecht, wenigstens ein bißchen aufstören und herumjagen können!" Die drei Männer unterhielten sich noch eine Viertelstunde und brachen dann auf, um sich, jeder an geeigneter Stelle, zu verabschieden. Martin Salander ging nach Hause. Der Eindruck, den er von seinem Gang durch das neue Volk und von dem Auftritt mit dem Maulhelden davongetragen, erwachte wieder, als er unter dem alten Sternenhimmel dahinschritt, und das quälende Verhältnis zu dem alten Freunde Wohlwend, an den er wie mit eisernen Ketten gebunden schien, verdunkelte die trübe Stimmung noch mehr, die ihn befallen. Er nahm sich vor, den Advokaten von der weiteren Verfolgung Wohlwends abzumahnen, damit der Mensch aus seinem Gedächtnis eher verschwinde. Aber trotz dieses Vorsatzes bedurfte es des freundlich erleuchteten Wohngemaches, in das er trat, und der um den Tisch versammelten Kinder, die seiner harrten, um ein leichteres Herz zu gewinnen. Die Gattin, die seine trüben Augen noch schnell gesehen, kam mit einer sorglichen Ansprache schon zu spät. Als Martin bald darauf zu seinem Advokaten ging, fand er diesen schon selbst von dem Gedan ken abgekommen, amtliche Nachforschungen über die Natur des Wohlwendschen Frauenvermögens zu veranlassen. Es schien ihm doch nicht tunlich, auf Grund unbestimmter Gerüchte und einer bloßen witzigen Vermutung in entlegenen Ländern so vorzugehen.„Wenn wir die Angel jetzt auswerfen“, sagte er,„so wird sie uns kurz abgerissen; halten wir sie aber noch zurück, so kann sie uns unversehens einmal nützlich werden.“ 7.* Martin säumte nun nicht, seine Handelsgeschäfte wieder aufzunehmen, d. h. sich für deren Fortführung auf dem Platze Münsterburg einzurichten. Er mietete die nötigen Räume für Kontor und Magazine, und bald saß auch ein Schreiber am Pult und lief ein Lehrling ab und zu. Frau Marie bat sehr, ihr die kleine Handelsanstalt im Hause zu lassen und er tat es mit Vergnügen, da er ihr gewisse Gegenstände zuzuweisen gedachte, deren Bewältigung ihm selbst zu umständlich und wenig lohnend schien. Aber es stellte sich heraus, daß die wackere Frau nicht so leicht auf alles einging, sondern bereits so gut ihre Grundsätze besaß, wie ein altbewährtes Handelshaus. Sie wollte sich mit nicht vielen, aber als gut bekannten Waren begnügen, für welche sie eine sichere Kundschaft wußte; diese vermehrte sich unausgesetzt, aber gemächlich und ohne Gedränge, so daß sie nie genötigt war, den Bedarf in ungeordneter Weise zu decken; kurz, ihr Geschäft war eines von denen, welche man ein stilles Goldgrüblein zu nennen pflegt. Der Mann hütete sich, sie hierin zu stören, und ließ sie gerne fernerhin ihre besondere Rech. nung führen, die er geprüft und in Ordnung befunden hatte. Freilich mußte er dabei die buchmäßigen Posten des Soll und Haben aus ihren verschiedenen Heften und Büchelchen zusanimenfischen, und Marie Salander schaute ihm etwas ängstlich zu, was wohl herauskommen werde; doch lachte sie vergnügt, als schließlich bis auf den letzten Franken alles in schwarzer und roter Tinte an seinem Orte stand, mit Bilanz und Nachweis. So hauste Martin Salander wieder mit den Seinen auf altem Grunde und konnte beruhigt in die Welt und in die Jahre hinausschauen, soweit es der Mensch verlangen kann; denn wer auch nicht Welt und Zeit zu überholen strebte, dem kamen sie von selbst vor die Füße gerollt. Trotz der Täuschung, die ihm auf seinem Sonntagsspaziergang ins Volk so trübselig zerflossen war, mußte er die Augen doch wieder auf die öfsentlichen Dinge richten und sich näher mit ihnen vertraut machen, wie sie sich nun darstellten. Die neue Verfassung, die die Münsterburger angenommen hatten, wurde von den vorgeschrittensten Staats= und Gesellschaftsfreunden fremder Länder als etwas Zufriedenstellendes belobt, womit sich erreichen lasse, was man mit Entschlossenheit wolle; und die gleichen Grundsätze, welche man dem Volke in einem gemäßigten, ja bescheidenen Sinne hatte belieben können, sollten schon in ihrer jetzigen wörtlichen Gestalt genügen, von Tag zu Tag die ungeheuersten Veränderungen einzuführen, an welche dasselbe Volk nicht gedacht hatte. In diesen ersten Jahren summte es denn auch wie ein Bienenkorb von Gesetzesvorschlägen und Abstimmungen, und Salander sah mit Verwunderung, wie im Halbdunkel eines Bierstübchens zwei Projektenmacher den Entwurf eines kleinen Millionen kostenden Gesetzes oder Volksbeschlusses fix und fertig formulieren konnten, ohne daß die vom Volke gewählte Regierung ein Wort dazu zu sagen bekam. Dazu erhielten die massenhaften Wahlen aller kleinen und großen Beamten in Verwaltung, Gericht, Schule und Gemeinde, sich in kurzen Zwischenräumen drängend, die stimmberechtigte Bevölkerung unaufhörlich auf den Beinen, und da Martin Salander keine dieser Pflichten versäumte, so befand er sich unvermerkt mitten in der Strömung. Um sich besser zu unterrichten, besuchte er die politischen Versammlungen, fing an mitzureden und Vorschläge zu machen, und da seine Unabhängigkeit bekannt war und man daher wußte, daß er für sich nichts wollte, wurde er in allerhand Ausschüsse gewählt, deren Arbeiten er sich mit ehrlichem Eifer unterzog, obgleich ein Umherreisen im Lande damit verbunden und er eigentlich kein Vagant war. Auf diesem weitläufigen Wege geriet er in die unmittelbare Volksleitung oder unterschlächtige Regie hinein, welche in Gestalt von Wanderlehrern dem Volke die schwierigeren Punkte seiner Selbstbestimmung zu erklären, d. h. vom übel unterrichteten an das besser zu unterrichtende Volk zu appellieren hatte. (Pertsetzuung folgt). Verurteilten bedingte und ihm nachträglich e es, wenn sie ihm int gewesen wären, der bedingten Strafung dieser Vergünürden. So kann es des Justizministers Falles den gefaßten n d d i e V o l l s t r e c k u n g n. Es ist dabei notFührung des Verurng festgestellt worden chträgliche Aufhebung liche Vorstrafen und ahren angeführt. m Silberkranz. e Eheleute Gast= und *= Höppe die Wiesehen, an dem sie vor en Bund fürs Leben Glückwünschen, welche geachteten Jubelpaare ugehen werden, schliemöge sich das jetzige zandeln. Bestrafter Karandratsamt Iserlohn hefrau Heinr. R. zu er Preisforderung im eldstrafe von 500 Mt. erhaftete Eisentzten Monaten wurden Altenbeken—Köln, Bees ausgeführt. Kürzin Massen bei Königsversteckt, eine Menge nbung des Zuges herGesamtwert der g=e Million Mark betraer Dortmunder Krimiiit der Eisenbahnkrimiund Hagen angestellten der 28jährige Händler sre alte Händler Heinr. Schlosser Stanislaus mnommen. er flüchtige Postserlich, der nach UnterGeldern flüchtig gewor(vollständig mittellos) rlich ist bekanntlich am iterschlagung von 55000 beim hiesigen Telegrateure Hund. Die ie Hundesteuer auf 400 em eine Kreissteuer von trägt künftig die Steuer (Ist das nicht ein weOpfer der Grippe. er Stadt infolge Grippe ufe des Monats Januar der Todesfälle des ganeichnen ist. fer der Kälte. Der ge Arbeiter August BöNordenfeldmark erfroren ich vor zwei Tagen bei en, sollten schon in Bestalt genügen, von en Veränderungen einelbe Volk nicht gedacht ahren summte es denn von Gesetzesvorschlägen Salander sah mit Verdunkel eines Bierstübden Entwurf eines Gesetzes oder Volksformulieren konnten, ewählte Regierung ein n. Dazu erhielten die kleinen und großen bericht, Schule und Geschenräumen drängend, erung unaufhörlich auf in Salander keine diebefand er sich unvermung. Um sich besser er die politischen Verzureden und Vorschläge Unabhängigkeit bekannt daß er für sich nichts and Ausschüsse gewählt, ehrlichem Eifer untereisen im Lande damit ch kein Vagant war. n Wege geriet er in die oder unterschlächtige n Bestalt von Wandervierigeren Punkte seiner ren, d. h. vom übel unzu unterrichtende Volk (Pertsetzuung folgt). der Behörde obdachlos gemeldet, war aber nicht erschienen.. 9 9 2. Stift Münster, 15. Fedr. Rriche Siif#lung. Der vor turzem verstorbene Kaufmann Heinrich Alexander Keller hat in seinem letzten Willen die Stadt Münster zum Erben seines gesamten Vermögens(etwa 1½ Millionen Mark) eingesetzt, das für verschämte Arme, insbesondere für verarmte kaufmannische Familien, Verwendung finden soll. Bottrop, 15. Febr. Raubmord, Gestern vormittag wurde an der hiesigen Schleierstraße, unweit der Zeche Prosper 3, die Leiche eines dem Arbeiterstande angehörenden Mannes gefunden, die völlig entkleidet nur mit einigen Lumpen zugedeckt war. Das Gesicht war völlig zerschnitten und zerschlagen und in Schnee und Eis hineingedrückt worden. Die Persönlichkeit des Toten ist bis jetzt nicht festgestellt worden. Es steht jedoch fest, daß es sich um einen Raubmord handelt, da sämtliche Gegenstände und sämtliche Kleidungsstücke fehlten. In unmittelbarer Nähe der Leiche fanden sich zwei etwa ein Quadratmeter große Blutlachen, ein Zeichen, daß ein Kampf mit dem Opfer stattgefunden hat. Bottrop, 15. Febr. Vom Kostgänger erschossen. Gestern vormittag 9 Uhr hat der Bergmann Ladislaus Luckewitz, Essenerstraße 179, seine Kostgeberin, die Witwe Frau Sweda, mittels dreier Revolverschüsse getötet. Luckewitz hatte der Frau seit längerer Zeit nachgestellt, sie hatte sich jedoch stets ablehnend verhalten. Gestern morgen forderte er eine Aussprache und nach kurzem Wortwechsel schoß er die Frau nieder. Der Mörder ergriff die Flucht und konnte bis jetzt noch nicht gefaßt werden. Die Frau war 28 Jahre alt, Luckewitz steht im 34. Lebensjahre. Wattenscheid, 15. Febr. Ueber Nacht zum Millionär geworden ist ein Eisenbahner in Wattenscheid. Er erhielt vom in St. Louis(Amerika) die Nachricht, daß ihm eine dort verstorbene Tante eine Erbschift von 6230 Dollars hinterlassen habe. Das sind nach Stande des Dollarkurses et dem heutigen 1264700 Mark Buer, 15. Febr. In der Heimat gestorben. Der 31jährige Sohn des Rentners Bertlich in Westerholt, der seit zwölf Jahren in Ame rika weilte, trat von dort aus in kränklichem Zustande die Heimreise an, weil er seine Heimat wiedersehen wollte. Während des Eisenbahnerstreiks mußte er die Fahrt von Rotterdam aus unter schwierigen Umständen— streckenweise auf offener Lokomotive— zurücklegen. Nur einen Tag weilte er in der Heimat, dann starb er. Duisburg, 15. Febr. Vom Spiel in den Tod. In Duisburg=Meiderich kam ein 6jähriges Mädchen beim Spielen mit einer Puppe einem Ofen zu nahe. Dabei fingen seine Kleider Feuer. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es bald nach der Ueberführung ins Krankenhaus starb. Radevormwald, 15. Febr. Eierhandgranaten in Kohlen. Durch Zufall ist in einem Werk in Herbeck ein großes Unglück verhütet worden. Als der Heizer im Begriff war, eine Schüppe Kohlen in die Feuerung zu werfen, bemerkte er unter den Kohlen eine Eierhandgranate. Eine Untersuchung des Kohlenvorrates fördersse drei weitee Eierhandgranaten zutage. Polizeiliche Ermittelungen über die Herkunft der gefährlichen Explosionskörper sind im Gange. Köln, 15. Febr. Treibeis auf dem Rhein. Der Rhein führt seit einigen Tagen Treibeis. Der Schiffsverkehr ist infolgedessen stark behindert. Die Baggerarbeiten im Strombett unmittelbar an der Hängebrücke mußten eingestellt werden. Die Mülheimer Schiffsbrücke mußte infolge des Eisganges eingefahren werden. Koblenz, 15. Febr. Gegen die Tanzwut. Durch eine neue Polizeiverordnung ist es im Stadtbezirk Koblenz weiblichen Personen bis zum vollendeten 20. Lebensjahre verboten, Tanzräume zu besuchen, in denen regelmäßig mehr als einmal im Monat Gelegenheit zu öffentlichem Tanz geboten wird. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 300 Mark bestraft. Diese Strafe trifft neben dem Wirt auch die die Anordnung übertretenden weiblichen Personen. Aus dem Der Milliarden=Schaden des Eisenbahnerstreiks. Die Reichsverkehrsverwaltung berechnet den Einnahmeausfall während des Eisenbahnerstreiks auf 1,8 Milliarden Mark, den Schaden durch Ma terialzerstörung usw. auf 500 Millionen Mark. Dazu kommen die Ausgaben für die Technische Not hilfe, so daß für das Reich ein vorläufiger Sch den von rund 2,3 Milljarden Mark entstanden ist. Bei dieser Berechnung sind nicht berücksichtigt die Schäden der Reichspostverwaltung, der Verlust des Handels usw. Wieder Privatposten? Die Wiederzulassung der Privatpostanstalten für den Ortsverkehr verlangt der Deutsche In dustrie= und Handelstag. Die Reichspost werde dadurch nicht geschädigt, da ihr aus dem Ortspost verkehr ohnehin keine erheblichen Einnahmen mehr zufließen. Es hätte aber keinen Zweck, ein Momopol für die Reichspostverwaltung aufrechtzuerhalten, zu dessen Ausübung diese selbst nicht fü hig ist und das lediglich dazu dient, die erheblich billigere Besorgung des Ortsverkehrs durch Pr vatanstalten zu verhindern. Die autgestimmte Bärsé. Die Berliner Borse zeigte am Wochenanfang wieder auf allen Märkten eine sehr feste Tendenz. Die ausländischen Zahlungsmittel stiegen fortgesetzt im Kurse. Amtlich notierten: Kabel Newyork 203, London 852½, Holland 7580. Am Effektenmarkt, führte die Aufwärtsbewegung der letzten Woche bereits zu einer regelrechten Hausse. Diese ist auf umfangreiche Käufe des Auslandes in deut schen Industriewerten zurückzuführen. Außerdem begünstigen zufriedenstellende Gerüchte über den geschäftlichen Gang von Handel und Gewerbe die Börsenstimmung. Wohnungsämter— Bestechung. Berlin, 15. Febr, Wegen Bestechung wurden zwei Beamte von Berliner Wohnungsämtern, Zweck und Buchholz, verurteilt, der erstere zu 6 Monaten Gefängnis und 10000 Mark Geldstrafe, der letztere zu 5 Monaten Gefängnis und 8000, Mark Geldstrafe. Ein Angestellter der Erwerbslosenfürsorge erhielt wegen Beihilfe dazu einen Monat Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe. Die Verurteilten hatten durch den Inhaber einer Wohnungstauschzentrale gegen hohe Provision Wohnungen vermittelt. Gold in Thüringen. Ob die Bildung einer Gesellschaft zur Förderung von Gold in den Thüringer Bergen sich lohnen wird, ist mit Recht bezweifelt worden. Damit wird aber nicht die interessante Tatsache beseitigt, daß im Herzen Deutschlands im Mittelalter, nicht unerhebliche Mengen Gold gewonnen worden sind. Allerdings nur zum geringsten Teil von Deutschen, hingegen in größerem Maßstabe von Italienern, den sogenannten venetianischen Gold suchern. Sie kehrten Jahr für Jahr wieder, ben teten im Sommer das Gold aus und kehrten im Winter mit dem gewonnenen Reichtum nach Hause zurück. Es handelte sich also nicht um Bergbau, sondern um Ausnützung eines Fundes. Regelrechter Goldbergbau wurde von Deutschen bei dem hochgelegenen Orte Steinheid im Meininger Oberland am großen Blaßberg betrieben. Dieses Bergwerk und die Urkunden darüber wurden im dreißigjährigen Kriege vernichtet. Versuche, im vorigen Jahrhundert, das Gold wiederzufinden, ergaben keine befriedigende Resultate. Aber nicht nur die Berge, sondern auch verschiedene Flüsse Thüringens führten Gold mit sich, namentlich die Schwarza. Auch die Werra in ihrem Quellge biet. Die Trauringe der Fürsten von Schwarzburg=Rudolstadt, das von der Schwarza durchflossen wird, sind aus Schwarza=Gold angefertigt worden. Vom sechsten deutschen Kartoffelntag. Berlin, 15. Febr. Der heute zusammengetretene und von über 1500 Kartoffelerzeugern besuchte 6. deutsche Kartoffeltag faßte einstimmig eine längere Entschließung, in der die Bereitwilligkeit ausgesprochen wird, die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln dauernd zu gewährleisten, wenn die Eisenbahnverwaltung für ausreichende Wagengestellung sorgt, die Frachttarife entsprechend gestaltet und die Tarife für Düngemittel ermäßigt, und daß die Lasten der Zwangswirtschaft und der Wuchergesetze aufgehoben werden. Der letzte Gefangenen=Transport nach Rußland. Berlin, 15. Febr. Wie die Sowjet=russische Botschaft in Berlin bekannt gibt, wird am 31. März der letzte Transport russischer Kriegsgefangener und Internierter von Stettin nach Rußland abgehen. Sämtliche rusfischen Kriegsgefangenen und Internierte, die den Wunsch haben, nach Rußland zurückzukehren, müssen sich am 1. März im Lager Altdamm bei Stettin einfinden. Nach Abfertigung, dieses Transportes verlieren alle in Deutschland verbliebenen Gefangenen und Internierten das Recht, kostenlos nach Rußland zurückzureisen. Sie werden dann vielmehr als in Deutschland levende russische Staatsangehörige betrachtet. Jahren nicht mehr erlebt. Im Tal der Glatt und der Thur wurden Kältegrade von 22 Grad unter Null- verzeichnet. Die Actterwarte auf dem San tis meldet vom 8. morgens heitigen Nordoststurm von etwa 80 Kilometer Stundengeschwindigkeit, für die Jahreszeit ebenfalls eine ganz merkwür dige Erscheinung. Selbst in dem sonst so milden Lugano fiel das Thermometer bis sieben Grad unter Null. In St. Moritz herrscht eine Temperatur von 23, in Davos von 24 und in Klosters von 27 Grad unter Null. Dagegen hat merkwür digerweise eine beträchtliche Erwärmung plötzlich in den höheren Schichten der Atmosphäre stattgefunden, so daß z. B. der Gotthard nur ein Grad unter Null hat. Englands Bedingungen für die Kredithilfe an Oesterreich. Wien, 16. Febr. Die Bedingungen der englischen Regierung bezwecken vor allem die Einstellung der Lebensmittelzuschüsse, einen weitgehenden Abbau der Beamtenschaft, die gründliche Reform der Staatsbetriebe und eine Reihe anderer Sparmaßnahmen im Staatshaushalt. Endlich wird die englische Regierung die Durchführung von Maßnahmen verlangen, die eine ziffernmäßige Verringerung des Banknotenumlauss zur Folge haben. Es ist fraglich, ob Oesterreich diese harten Bedingungen annehmen tann. Der weßfälische evangelische Elternbund der sich vor einiger Zeit gebildet hat, ist in starkem Wachstum begriffen. Vorsitzender ist Rektor Bohnenkamp, Minden. Von überall laufen Nach richten ein, daß neue evangelische Elternvereini gungen in Orten, wo bisher derartiges noch nicht bestand, gegründet sind. Der evangelische Eltern verband wird sich nach Kreisen und Regierungs bezirken gliedern. Im Westen bestanden schon seit längerer Zeit die evangelischen Schulgemeinden. Anderswo haben wir die evangel. Elternvereini gungen, die unter dem Namen„Haus und Schule" oder lutherischer Schulverein bekannt sind. Außerch freie Organisationen, die sich nd Pflege der evang. Schule in gab es nocc ich die Erh end chlos. Weltrundschau. zum Ziel gesetzt haben, aber nisen hatten. Der Reichselternbund, dem der west fälische Provinzialverband untergeordnet ist, will in keiner Weise diese bestehenden Organisationen hemmen. Im Gegenteil, er will sie fördern und alle verschiedenen Gruppen zusammenschließen. So wird es seine Aufgabe hier in Westfalen sein, auch möglich in enge Fühlung mit den kräftigen und verdienstvollen evangelischen Schulgemeinden zu treten. Wie segensreich die Elternbundgrün dung auch auf diese Organisationen schon gewirkt hat, geht daraus hervor, daß am Sonntag, dem 12. Februar, die Vertreterversammlung der evangelischen Schulgemeinden von Rheinland und Westfalen beschlossen hat, sich ebenfalls nach Krei sen und Regierungsbezirken zu gliedern. An diesem Wege ist es möglich, nicht nur in der Provinz, sondern auch in den einzelnen Kreisen und Regierungsbezirken eine in jeder Weise einheit: liche Einheitsfront der evangelischen Elternschaft herzustellen. Einc derartige Einheitsfront tut uns, die wir die Erhaltung und Pflege der evang. Schule erstreben, in der Gegenwart überall in deutschen Reiche dringend not, da Kräfte an der Arbeit sind, uns unsere evang. Bekenntnisschule zu zerschlagen. Es ist eine Freude zu sehen, mit welcher freudigen Begeisterung die evangelischen Eltern sich um das Banner der evangelischen kenntnisschule scharen. Sie wissen es, daß diese Schulkampf zum Segen ihrer Kinder geführt wird, und die überall hergestellte Einheitsfront muß und wird sicher zum Ziele führen. schießenden Funken und Flammen gegenüberstanden und nicht wußten, wie sie der Gefahr Herr werden sollten, stürzte sich der Pfarrer des Dorfes ohne Besinren auf die Drähte und riß sie mit den Händen auseinander. Er wurde sofort getötet. Der Mörder des finnländischen Innen Ministers. Helsingfors, 16. Fedr. Der Mörder des finnländischen Innen=Ministers ist ein Kaufmann Ernst Taudefelt, der in der Politik keine Rolle spielt. Der Mörder wird nicht für vollständig zurechnungsfähig erklärt. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Buchhandlung Carl Braus zu haben. „Brauchen wir jetzt noch ein Groß=Preußen?“ Volkswirtschaftliche Untersuchung über die Preußische Frage, unter besonderer Berücksichtigung der Möglichkeit des Ausscheidens Hannovers aus dem preußischen Staatsverband an Hand der Statistik und der geschichtlichen Quellen von Fr. Wilh. Megander 1921. Verlags=Gesellschaft m. v. H., Hannover. Preis 10 Mark, zuzüglich Buchhändler=Teuerungs=Aufschlag. Wer sich irgendwie mit preußischer Politik beschäftigt oder sich über die wichtigste Lebensfrage Preußens unterrichten will, der wird vorteilhaft zu diesem gemeinverständlich geschriebenen Buche greifen, das mit seinem reichen Inhalt den Besuch einer Rednerschule ersetzt, Besonders auch der heranreifenden Jugend sollte man dieses ausgezeichnete Quellenwerk in die Hand geben, um sie mit den Lebensnotwendigkeiten ihres Vaterlandes vertraut zu machen. Denn schließlich ist die Preußische Frage eine deutsche Frage: von dem Bestehen Preußens wird letzten Endes das Bestehen des Deutschen Reiches überhaupt abhängen. Die größte Geschwindigkeit—— sich aus dem grauen Alltag in die Behaglichkeit fröhlicher Stunden zu versetzen, wird durch die Lektüre einer wirklich lustigen, mit Witz und Satire geschriebenen humoristischen Zeitschrift erreicht. Ein Blitzzug in dieser Beziehung sind die Meggendorfer Blätter. Ihr immer fröhlicher, erfreulicher Inhalt, der die komischen Seiten des täglichen Lebens in Humoresken, Anekdoten, Witzen und Gedichten festnagelt und mit ausgezeichneten Illustrationen auch bildlich in Erscheinung treten läßt, machen die Lektüre zu einer Quelle steter Unterhaltung und unbedingter Erheiterung. Da sich die Meggendorfer=Blätter, ihrer steten Uebung entsprechend, jeder politischen Stellungnahme enthalten, garantiert ihr Inhalt für eine harmlose Fröhlichkeit, ohne daß auch nur ein Leser befürchten müßte, in seinen politischen Anschauungen gekränkt zu werden. Das Abonnement auf die Meggendorfer Blätter kann jederzeit begonnen werden. Bestellungen nimmt jede Buchhandlung entgegen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich nur 21,90 Mk., die einzelne Nummer kostet 1,75 Mark(ohne Porto). Die seit Beginn eines Vierteljahres bereits erschienenen Nummern werden neuen Abonnenten auf Wunsch nachgeliefert. Ungarischer Steckbrief gegen die Erzberger Mörder. Wien, 14. Febr. Die Budapester Stadtoberhauptmannschaft hat einen Steckbrief gegen die der Ermordung Erzbergers Beschuldigten, Kauf, mann Heinrich Schulz und Oberleutnant Heinz Tillessen, erlassen. Auf die Ergreifung ist eine Belohnung von 20000 Mark ausgesetzt. Französische Rüstungsabsichten. Straßdurg, 15. Febr. Die„Information“ meldet aus Paris: Im Heeresausschuß erklärte Poin caré, daß eine Abrüstung zu Lande in Frankreich undentbar sei und daß die augenblickliche mili tärische Stärte noch ungenügend sei, um die Grenzen zu sichern oder um nötigenfalls Sanktionen gegen Deutschland durchzuführen. Für die nächsten Etatsjahre sei eine wesentliche Vermehrung der Armeebestände nicht zu umgehen. 196000 russische Kinder gestorben. Berlin, 15. Febr. Bis zum 1. Februar sind aus den russischen Hungergebieten gegen 62000 Kinder weggebracht worden. Etwa 80000 Kinder harten noch der Beförderung. Im ganzen waren etwa 338000 Kinder angemeldet; die übrigen sind gestorben. Die Kälte in der Schweiz. In Zürich und in der ganzen nördlichen Schweiz herrscht eine wahrhaft sibirische Kälte, wie seit Lehts Trahtnirirungen. Eigene: Deveschendienst. Schlimme Folgen des Eisenbahnerstreiks. Siegen, 16. Jehr. Nach einer Meldung der „K. V.“ hat der Eisenbahnerstreik für die Siegerländer Industrie schwerwiegende Folgen gezeitigt. Die Siegerländer Hütten mußten die Hochöfe. dämpfen. Außerdem sind bis jetzt 1200 Bergleute beschäftigungslos. Graf Wilhelm Hoensbroech F. Köln, 16. Fehr. Wie die„Köln. Volkoztg. mi teilt, ist am 13. Februar abends auf Schloß Haag bei Geldern im Alter von 73 Jahren das frühere Mitglied des Reichstages und des Preußischen Landtages, Wilhelm Graf von und zu Hoensbrocch gestorben. Er wurde 1900 als lebens. längliches Mitglied ins preußische Herrenhaus, berufen. Ums deutsche Gold. Paris, 16. Febr. Im englischen Unterhause ließ die Regierung auf eine Anfrage erklären, daß zwischen, Frankreich und England über die Verteilung der ersten Gold=Milliarde noch kein Ein vernehmen hergestellt wurde. Heldentod eines Dorfpfarrers. Ancona, 16. Febr. In einem kleinen italienischen Dorfe nahe bei Ancona ist durch einen heftigen Sturm die Telephonleitung mit einer Start stromleitung in Berührung gekommen, sodaß Kurz schluß entstand, der das Dorf mit einer Feuersbrunft bedrohte. Während die Bauern und die Karabiniere hilflos den aufzuckenden und emporGirkiker Eorstatarst vom 15 Februar 1922 mitgeteilt vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein. 313 Deutsche Bank 540 Diskonto 45 Dresdner Bank 362 Hamb.=Amer.=Pak........... Allgem. Elektr.=Ges. Baroper Walzwerk 920 Bochumer Guß 1025 Bösperde Walzwerk............ 888 Daimler Moloren 590 Deutsch=Luxemburg.......... Deutsche Kaltwerke 1640 Dynamit 839 Elberf., Farbw. 650 Essener Steinkohlen........... 1450 Gelsenkirch. Bergw 1035 Gasmol. Deutz........ 775 Harpener Bergw.— Hasper Eisen...— Hoesch. Humboldt Auasch.— Mannesmann— Oberschles. Eisenb.-Bed. 1315 Orenstein& Koppel........... 1090 Phönix Bergbau............ 1100 Reisholz Pap. 700 Rhein. Stahlwerke..... 1190 Rombacher 809½ Schucker! 702 Siegen=Solingen 650 Ver. Di. Nichelwerke..... 1575 Westf. Draht=Ind. 590 Westf. Eisen, Langendreer....... 640 S Für die Schriftleitung verantwortlich: Karl Richter; für Lokales und Provinzielles: Friedrich Kraan beide in 793 Dienstag abend 3½ Uhr starb nach kurzer Krankheit unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Grohmutter, Schwester und Tante Witwe Ludwig Lenz Inlie geb. im Alter von 76 Jahren. Um stille Teilnahme bitten die trauernden hinterbliebenen. Schwerte, Holzen, Riga, Villigst, den 15. Februar 1922. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause, Mittelstraße 6, aus statt. Sollte jemand aus Versehen keine Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. stellen ein Gebrüder Beckmann Halingen(Kreis Iserlohn.) * Tuchlager westfälische Vekleidungsindustrie * Hagenerstraße 26 4*** Hagenerstraße 26 4 F. Maßanfertigung v. Herren- u. Damengarderobe* : Eigene Maßwerkstatt im Hause mit nur guten Arbeitskräften! * FTraus-Ariens Bricharei k. Braus Taget Aas kn Gimmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmimmmmmmmmmmmmmmmim= Ein Lebensbild von Dr. theol. Bierbaum= am Campe Santo dei Tedeschi nel Vatieano in Ron Dies ist das erste Lebenebild des neuen Papstes s— aus der berufenen Feder eines Mannes, der die= Ereignisse im Vatikan ale unmittelbarer Nachbar= in nächster Nähe miterlebte. 2 Gut ausgestattet Preisl etwal O. bis#8 Mk. Nur vorbestellte Exemplare werden gelisfest,= deshalb rasche Bestellungen erbeten. Buchhandlung Carl Braus— Zusammenkunft der Jagdgenossen Sonntag, den 19. Februar, nachmittags 5 Uhr, in der Wirtschaft Brinkmann. viele Zagögenossen. die Abfuhr der kohlen und Nebenprodukte für das städtische Gaswerk soll für die Zeit vom 1. April 1922 bis 31. März 1923 vergeben werden. Bedingungen liegen auf dem Gaswerksbüro zur Einsicht offen, und es können von dort Angebots=Formulare zum Preise von 3.— Mk. bezogen werden. Angebote mit entsprechender Aufschrift sind dis zum 23. Februar 1922, vormittags 11 Uhr, auf dem Gas= und Wasse werksbüro. hier, Liethstraße, einzureichen und werden sin Gegenwart der Anbieter geöffnet. 779 Schwerte, den 5. Februar 1922. Verwaltung des Gas- und Wasserwerks. Beranntmachung. Zur Unterstützung notleidender Kleinrentner sind Mittel zur Verfügung gestelli. Als Kleinrentner gelten bedürftige, im Inlande wohnende Deutsche, die selbst oder deren Ehegalten durch Arbeit ihren Lebensunterhalt erworben haben, sich vor dem 1. Januar 1920 für das Alter oder die Erwerbsunfähigkeit ein Vermögen(auch Renke) mit einem Jahreseinkommen von wenigstens 600 Mk. sichergestell! haben und jetzt wegen Alters und Erwerbsunmöglichkeit im wesentlichen auf dieses Jahreseinkommen angewiesen find. Ihnen können bedürftige Personen gleichgestellt werden, die wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen keine Arbeit finden konnten, denen aber aus Vorsorge ihrer Angehörigen ein entsprechendes Einkommen gesichert ist. Arbeit im Sinne dieser Bestimmungen ist auch eine Tätigkeit in häuslicher Gemeinschaft, die üblicherweise ohne Enlgelt erfolgt, aber im Falle der Einstellung fremder Kräfte vergütel werden müßle. Ebenso gilt wissenschaftliche oder ehrenamtliche Täligkeit im Dienste der Allgemeinheit als Arneit im Sinne dieser Bestimmungen, wenn sie Jahre hindurch die Arbeitskraft wesentlich in Anspruch genommen hat. Anträge auf Erlangung der Unterstützung können beim städtischen Wohlfahrtsamt bis zum 25. Februar 1922 gestellt werden. Schwerte, den 15. Februar 1922. Städtisches Wohlfahrtsamt: Rohrmann. Viehfeachengenhelliche smeronung Zum Schutze gegen die Waul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909(R. G. Bl. S. 519), mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindviehbestande des Guls pächlers Karl Hollberg zu Renninghausen Ais Sperrbezirk wird bestimmt: Das Seuchengehöst. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 7. Juni 1921 Anwendung, die im amll. Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 18. Juni 1921 Nr. 140 enthallen ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte III- VII einschl der genannten Anordnung bleiden mit der Maßgabe bestehen, das der erste Satz des§ 5 Zisser 1 wie solg geändert wird: In der Ortschaft Renninghausen wird verboten. Hörde, den 13. Februar 1922. Der Landrat. 790 J. 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Da lächelte sie sehnsüchtig und sogte:„„ „Hunger: Ich habe Hunger!“ Aber essen mochte sie nicht.—— Sie wiederholte seltsamerweise in allen ihren Phantasien immer wieder diese Worte, und als das Ende kam, sagte sie noch einmal laut und deutlich: Teder Heroid noch die Töchter begrissen recht, was sie erge### meinte. Hatte sie denn nicht immer genug zu eisen L Ralschläge fürs haus# von Laura Uinsent. Neue Kartoffeln lassen sich oft sehr schwer schaben. Um dies zu erleichtern, lege man sie etwa fünf Minuten in Wasser, dem ein kleines Stückchen Soda zugefügt wurde. Nicht nur schaben sie sich dann leichter, sondern die Finger werden auch weniger fleckig. Das Verschlucken einer Fischgräte hat schon manchen: viel Beschwerden verursacht, ja, es kann sogar lebensgefährlich werden. Sobald jemand eine Gräte verschluckt hat, schneide er eine Zitrone in der Mitte durch und sange langsam den Saft aus einer Hälfte heraus. Die Säur: der Zitrone zerstört das Gewebe der Gräte, und man wird sehr bald Erleichterung verspüren. Der Vogel wird häufig von Ungeziefer geplagt. Um dies zu verhüten, hänge man in dem Käfig ein kleines Säckchen mit Schwesel auf. Dies hält das Ungezieser ab und ist außerdem gesund für den Vogel. Die leidigen Fingerspuren an den Türen sind der Aerger gar vieler Hausfrauen, und das häufige Abwaschen mit Wasser und Seise zerstört mit der Zeit die Oelfarbe. Man versuche das Reinigen auf folgende Weise: Ein reiner Flanellappen wird in Petroleum getaucht und damit die Fingerspuren fortgewischt, die außerordentlich schnell verschwinden. Hierauf wringt man ein reines Tuch in heißem Wasser aus uno wischt damit nach, um den Geruch fortzunehmen. G 2 75 Der Strumpf im Volksglauben. Noch heute spielt in den abergläubischen Vorstellungen des englischen Volkes der Strumpf eine besondere Roil: durch die Jahrhunderte ging vom Vater zum Sohne sich vererbend, der Glaube an die glückbringende Kraft des Strumpses weiter, und wenn auch das nüchterne Großstadtleben jene poetisch reizvollen alten Sitten immer mehr verschwinden läßt, auf dem Lande will man auch heute noch von der liebgewordenen alten Tradition nicht lassen. Taß ein salsch angezogener Strumpf Glück bringt, war schon im Mittelalter bekannt. Das darf aber nur zufällig geschohen. Wer merkt, daß er seinen linken Strumpf über den rechten Fuß gezogen hat, möge sich hüten, diesen Irrtum zu verbessern, denn er zerstört damit unsehlbar ein frohes Vorzeichen auf kommendes Glück. Wer Freude an Träumen hat, wird seine Strümpfe auch stets mit besonderer Liebe betrachten. Nach einem alten schottischen Glauben kann man sich mit ihrer Hilfe schöne und auch bedeutungsvolle Träume verschaffen, aber freilich nur in einem Bette oder Zimmer, in dem man noch nie geschlafen hat. Macht man aber eine Reise oder logiert mau bei Bekannten, so versäume man nie, beim Schlafengehen den linken Strumpf über die Fußwand des Bettes zu hängen: dann werden unsehlbar herrliche Traumgesichte unseren Schlummer begleiten. In manchen englischen Dörfern wird noch heute bei Heiratsfesten der uralte Brauch des Strumpswerfens mit Eiser ausgeübt. Das jungvermählte Paar muß sich hinlegen, man zieht ihnen die Strümpfe aus, und nun nehmen die Brautjungfern und die Brautführer vor den jungen Gatten Aufstellung. Man steht dabei an den Füßen des Paares, mit abgewandtem Gesicht, und nun tut jeder die große Frage an die Zukunft. Die Brautjungfern nehmen einen Strumpf des Bräutigams, die Brautführer den Strumpf der Braut, knüllen ihn zusammen und schleudern ihn, ohne sich umzusehen, über den eigenen Kopf nach dem geduldig wartenden Paare. Wer dabei mit seinem Wurfgeschoß den Kopf der Braut oder des Bräutigams trifft, darf fröhlich in die Zukunft blicken, denn er wird bald und glücklich freien. Wer aber nicht trifft, muß sich einstweilen mit Geduld wappnen. Die Braut, die auf eine glückliche Ehe Wert legt, darf es auch nicht versäumen, an ihrem Hochzeitstage einen neuen und einen alten Strumpf anzuziehen. Auf dem Lande tun das die Mädchen noch heute, in der Stadt freilich ist der alte Brauch verschwunden oder doch umgewandelt worden: hier zieht die Braut am Hochzeitstage gern irgendein anderes nicht neues Kleidungsstück an, das weniger auffällt als ein alter Strumpf neben einem neuen. Eine englische Zeitschrift verrät noch ein drittes unsehlbares Mittel zur Erlangung eines harmonischen Ehelebens: Man trage am Hochzeitstage einen Strumpf mit einem Loche, so daß eine Zehe hindurchschaut. Das kann unter Umständen lästig sein, aber ohne Mühe kein Preis. 92 Bumor. Eine merkwürdige Grabschrift findet sich auf einem Friedhof eines kleinen englischen Städtchens: Sie lebte ein tugendreiches Leben und starb an der Cholera infolge Essens von unreifem Obst in der Hoffnung auf ein ewiges Leben in dem jugendlichen Alter von 21 Jahren 7 Monaten und 16 Tagen. Der du dieses liesest, gehe hin und tue desgleichen. Nur kurze Zeit. A.:„Uebrigens, alter Freund, hast du ganz vergessen, daß du dir vor einem halben Jahre 10 Mark von mir geborgt hast?“ :„Nein, durchaus nicht.“ A.:„Aber du hast doch gesagt, du brauchtest das Geld nur ganz kurze Zeit.“ B.:„Das stimmt auch. Du kannst es mir glauben, es war wirtlich nicht länger als 20 Minuten in meinen Händen.“ 65 # e 95 S S SS 8 s • S 9 49 ** und ältestes Cagesorgan des Kreises. General-Anzeiger für den Kreis Hörde Haupt-Annoncenblatt. Mar fätscher Roman von Max Esch. (23 Fortsetzung.) (Nachdruck verhote Als die Viehhirten die Ausrüstung der Jagdexpedition in Augenschein nahmen, glänzten ihre Augen vor Habsucht, sie funkelten vor Mordlust, als sie nun gar noch hörten, daß der Sennor Baron viel Geld bei sich trage. Nur mit Mühe konnten sie von den drei Knechten zurückgehalten werden, die Schlafenden niederzuschlagen und die Sachen zu rauben. Das Wagnis am hellen Tage erschien den Knechten zu riskant, da die Europaer ihre Waffen neben sich liegen hatten, und diese verfehlten niemals ihr Ziel. Das geringste Geräusch konnte die Sennores aus dem Schlafe erwecken, so daß ein Ueberfall jetzt zu gefährlich erschien, in der Nacht war er auf jeden Fall nicht so riskant. Scheu blickten die Gauchos nach dem Zelte hinüber. Im nächsten Augenblick aber stürzten sich die fremden Burschen ins Gras und schlichen schlangengleich aus dem Lager. Ehlert, der bereits eine ganze Zeit wach, wenn auch mit geschlossenen Augen dagelegen, richtete sich, als die fremden Laute sein Ohr trasen, halb auf und blickte verwundert zu den Gauchos hinüber. Wohl waren die Fremden plötzlich wie weggeblasen, dieses Verschwinden geschah aber doch nicht so schnell, daß die scharsen Augen des Waldmannes das nicht wahrgenommen hätte. Er fragte sich erstaunt, was die fremden Gestalten hier gewollt und warum sie so plötzlich verschwunden seien, wie vom Erdboden fortgeblasen. Auch den Pfadfinder erblickte er nicht. Sollte dem Baron und ihm ein Ueberfall bevorstehen? Den halbwilden Bewohnern der Pampas war das schon zuzutrauen. Oftmals hatte er ja von Gewalttaten gehört, die von ihnen ausgeführt wurden und für die die Räuber fast niemals die gerechte Strafe traf, da die weiten Flächen Schlupfwinkel genug boten, in die sich die Schuldigen stüchten konnten, wenn selbst Regierungstruppen zu ihrer Einfangung aufgeboten wurden, was indes der großen Entfernungen wegen nur in Ausnahmesällen geschah. Es herrschte eben das Faustrecht in diesen weiten Einöden, deshalb war der Expedition des Professors Holsten auch eine Truppenabteilung unter Führung eines Wachtmeisters beigegeben worden. Nun konnte die Zusammenkunft der Gauchos ganz harmlos sein und die Abwesenheit des Pfadfinders eine zufällige Ursache haben, auf jeden Fall aber nahm sich Ehlert vor, auf der Hut zu sein. Lange schwankte er, ob er dem Baron Mitteilung von seiner Beobachtung machen solle, schließlich entschloß er sich, die Sache zu verschweigen, um dem Baron keine unruhigen Stunden zu vereiten. Es war vazu immer noch Zeit, wenn er sich davon überzeugt haben würde, daß in der Tat Gefahr im Anzuge sei. Seine treue Büchse im Arm, hielt Ehlert nach allen Seiten scharfe Ausschau, aber nichts konnte er von den fremden Gauchos erblicken, Ruhe und Stille herrschte im Lager. Nach einiger Zeit sah er den Pfadfinder durch den Fluß nach dem Lager reiten und hier sein Tier absatteln, dann war alles wieder still, nur aus dem Zelte drangen die regelmäßigen Atemzüge des Schlummernden zu ihm herüber. Erst nach einigen Stunden der Rast erhob sich der Baron gekräftigt von seinem Lager. Der Schlaf hatte eine wohltuende Wirkung gehabt. Nicht lange danach saß er gleich dem Pfadfinder und Ehlert im Sattel. Das Lager ließ er nicht abbrechen, da der Pfadfinder das Lager des Pumas zwei Meilen entsernt in einem Schilfdickicht am Flusse festgestellt hatte. Das Lager wäre also bequem wieder zu erreichen, ganz gleich, ob die Jagd erfolgreich wäre oder nicht. Aber der Baron hatte Glück. Vorsichtig waren alle drei an das ausgekundschaftete Lager des Pumas herangeritten, es hatte aller ganzen Reitkunst bedurft, die Maultiere an das Schilfdickicht heranzubringen, und nun standen sie zitternd und schnaubend davor. Ehlert und der Baron sprangen aus den Sätteln und überreichten die Zügel dem Pfadfinder. Aufmerksam beobachtete Ehiert die in das Dickicht führende Fährte. „Es sind zwei Löwen,“ hatte der Pfadfinder gemeldet, breit genug war die Fährte jedenfalls, so daß sich sowohl der Baron als auch Ehlert schußfertig machten, ehe sie der Fährte folgten. Langsam, auf jedes Geräusch und jede Bewegung achtend, schlichen sie behutsam weiter, die treuen Waffen schußbereit zur Hand. Ueber ihren Köpfen schlugen die hohen Schilfhalme zusammen. Da blieb der voranschreitende Baron plötzlich stehen. Sein Auge hatte in dem Schilfmeere vor sich eine Bewegung wahrgenommen, die sich sortzupflanzen schien. Sollte der Augenblick da sein, da er dem größten Raubtiere der Gegend gegenüberstehen würde? Zwar sollte der Puma feige sein und den Menschen nicht angreifen, aber konnte das Tier, sails er es nicht tödlich traf, sich nicht auf ihn stürzen? Wenn das geschah, war der Silberlöwe ein nicht zu verachtender Gegner. Nur mühsam konnte der Baron seine Aufregung unterdrücken. Als er sich davon überzeugt, daß auch Ehlert die Bewegung wahrgenommen und 5 □ S 4.3 8 mit schußbereiter Waffe hinter ihm stand, pürschte er sich vorsichtig weiter in das Schilf hinein, gefolgt von Dann standen beide überrascht still, vor ihnen, nur durch eine dünne Schilfwand verdeckt, befand sich ein Kessel niedergedrückten Schilfes, in dem ein männlicher und ein weiblicher Silberlöwe lagen und ein leises Knurren vernehmen ließen. Beide mußten ihre Feinde gewittert haben, obgleich der Wind den beiden Jägern entgegenstand. Die Köpfe der Tiere windeten. Dann aber änderte sich das Bild im Nu. Vom Baron war Ehlert zugeflüstert worden, daß letzterer den weiblichen Löwen aufs Korn nehmen solle, während er den männlichen schießen wolle. Obgleich er in ganz gedämpftem Tone gesprochen, vernahmen die Bestien die menschlichen Laute, im Nu standen sie auf den Füßen und ließen ein drohendes Fauchen vernehmen. mußten sie die beiden Jäger gewittert haben; denn sie dunkten sich zum Sprunge, wahrend ihre Schweise den Boden peitschten, daß es weithin schallte. Zu gleicher Zeit dröhnten zwei Schüsse durch die Stille, hochauf sprangen die Bestien, gerade auf die Schützen zu, doch abermals knallten zwei Schüsse, und sterbend brachen die Tiere zusammen.. g.“ Jux Baran.. 9.ch. Triumphierend betrachtete der Baron seine Jagobeute, aber auch Ehlert stand leuchtenden Auges da. Nach einiger Zeit häutete er die Tiere ab. Mit den Fellen beladen, traten beide den Rückweg an, die abawer blieben den zahlreichen Füchsen und den Rauboögeln als Beule überlassen. Bei dem Erblicken der mit den blutigen Trophäen beladenen beiden Jäger bäumten sich die Maultiere und wollten davonralen, so daß der Pfadfinder, oowohl er das Scheuen der Tiere vorausgesehen und seine Maßnahmen dagegen getroffen, große Mühe. hatte, die störrischen Manltiere zu bändigen. Nach allen Seiten verzuchten sie auszubrechen; denn die Witterung, die von den Fellen ihres Todseindes ausging, schien sie förmlich in Raserei zu versetzen. Nur vierigkeiten gelang das Befestigen der Trorhäen an den Sätteln. Die Mauktiere woülten u Tragen der ünheimlichen Lasten nten und bockten sie. Endgelang es den beiden Europäern nach vielen mißlückten Versuchen, sich in den Sattel zu schwingen und zu ergreiten. Kanm aber war das geschehen, ais die geüngstigten Tiere im wilden Galopp in die Pampas rasten, so daß die Reiter sich nur mit Mühe I in den Sätteln halten konnten. Erst nach längerem es dem Pfadfinder, sein Tier wieder in seine Gewalt zu bekommen und es zu zwingen, dem Zügel zu genorchen. Wie auf Kommando schwenkten auch die beiden anderen ab und folgten dem Was#inder Der Avend dämmerte bereits, als die Jüger wieder auf dem Lagerpiatze anlangten. Die Zeit der Abwesenheit der Europäer hatten die Gauchos nicht unbenntzt verstreichen lassen, auch sie waren auf die Jagd gegangen und brachten als Beute zwei Hasen zurück, die sie mit ihren Lassos gefangen hatten. Diese Hasen brieten bereits em Spieße, als der Baron von seinem uge Sorgf ückkehrte. in praparierten die Gauchos die Felle, sie dann ausspannend und mit dem Extratt einer Wurzel einreibend. In dieser Zeit sah Ehlert nach den Hasen. Das Mahl war verzehrt. Der Baron saß mit Ehlert vor dem Zeite, die Ereignisse des heutigen Jagdausfluges besprechend. Am Himmelsgewölbe zog das gewaltige Heer der fernen Welten in silbernem Glanze herauf, des treuen Erdtrabanten große Bogenlampe ließ ihre magischen Strahlen überall hin leuchten, vom Flusse herüber tönte in vollen Akkorden ein urgewaltiger Froschchor, unterbrochen von dem Flötenkonzert der Millionen von Heimchen und Grillen in den weiten Grasstächen. Ein Abend, wie zum Träumen geschaffen. Vor dem Zelte brannte ein Feuer, ebenso loderte bei den abseits lagernden Gauchos ein s auf. Letztere führten eine lebhafte Unterhaltung, doch besaßen die Europäer nur eine mangelhafte Kenntnis des Spanischen, so daß sie kaum einen Brocken des Gespräches verstanden. Aber selbst wenn sie der Sprache vollkommen mächtig gewesen wären, würden sie kaum auf die Unterhaltung geachtet haben; denn beider Gedanken weilten weitab. Ein Bild sonnigen Glückes ershaute der Baron im Geiste, ein blasses, anklagendes Totenantlitz Ehlert. Er konnte das Bild des erschossenen Bruders seines Herrn nicht bannen. Im Wachen wie in seinen Träumen verfolgte es ihn. Der Anblick im Walde war zu entsetzlich gewesen. Und dann die Entdeckung! Ja, Klara war ein falsches Geschöpf, eine durch und durch leichtfertige Person, das zeigte ihm die Schleife noch ganz zuletzt, die er aus der kalten Hand des Barons gelöst und die er bei trug. Jedenfalls hatte der Baron vor seinem Ende noch eine Zusammenkunst mit der Treulosen im „Nenschenskind, Ehlert,“ redete der Baron, der zuerst aus seinen Träumereien erwachte, den düster in das Feuer starrenden Diener an,„was blasen Sie denn fortwährend Trübsal und lassen den Kopf hangen? Nun kommen Sie einmal heraus mit der Sprache. Wo drückt der Schuh? Das Heimweh allein kann dieses Kopfhängen bei Ihnen nicht hervorgebracht haben; denn als echter Weidmann müßten Sie Ihre helle Freude an unserm romantischen Leven empfinden, zumal am heutigen Tage, an dem uns solch Weidmannsheil widerjahren ist. Wo fehlt's also? Jedenfalls steckt ein Femininum dahinter. Nun, sehen Sie mich nur nicht so erschrocken an, Ehlert. Ich habe also doch recht vermutet. Aber jetzt wird einmal gebeichtet, damit Herz und Gemüt wieder erleichtert werden.“ Erschrocken war Ehlert bei der unvermuteten Anrede aus seinen Gedanken ausgefahren und hatte den Baron versländnislos angesehen, erst allmählich hatte er sich so weit in die Wirklichkeit zurückgerufen, daß er vernahm, was sein Herr von ihm wollte. Aufseufzend „Sehen Sie, Ehlert,“ bemerkte der Baron,„ie recht. Wie mir scheint, ist es eine unglückliche Liebe, sonst hätten Sie es ja nicht nötig, fortwährend den Kopf hängen zu lassen. Erzählen Sie, erleichtern Sie Ihr Inneres, das wird Ihnen wohltun. Sie glauben gar nicht, was eine Mitteilung, einem befreundeten Menschen gegenüber, für eine leichterung schaffen kann. Auchich, Ehlert, habe mit aller Glur ein edles Geschöpf geliebt, das indes meine Liebe nicht erwiderte. Und seyen Sie, Ehlert, ich bin daran nicht zugrunde gegangen, sondern ertangte mein seelisches Gleichgewicht wieder. Ich habe volliommen vunden. Der feste Wille vermag viel. Darum rafsen auch Sie sich enerdisch) uzag Prirhe zimmer vergessen haben sollten. Erleichtern Sie vor erzählte darauf Ehlert von seiner Liebe zu Klara und von seiner Entdeckung des von dieser ihm begangenen Verratz, ogg verschwies, gr. den Namen der Zose, auch daß der Bruder des es gewesen, mit dem sie ihn betrogen.„ 8# Teilnehmend hörte der Baron zu.„Armer Ehlert schwieg, vor sich hin. Nach einiger Zeit, während der er das Gehörte überdachte, fragte er:„Sie haben also Gewißheit, daß das Frauenzimmer Sie betroa?“ (Fortsetzung folgt.) S ruger nir ter ungrntimer wruerrer unge uun uur wegee wugge uggrer gaem reee 5 11 * 6 — S 5 05 Denkspruch. Wie herrlich leuchtet mir die Naiut! Wie glänzt die Sonnel Wie lacht die Flurt Es dringen Blüten aus jedem Zweig. und tausend Stimmen aus dem Gesträuch. Und Freud' und Wonne aus jeder Brust. 0 Erd'. o Sonne! 0 Glück, o Lust! freute sich in seiner Art gemütlich seines Lebens. Einmal i hatte sie schuchtern gesagt. „Eigentlich könnten wir jetzt fortziehen von hier—“ 6oethe. Hunger. Von A. Hottner=Grefe. (Schluß.)Nandruck verdosen Die Mädchen waren fort. Das Haus war leer. Frau Malwe war jetzt noch mehr allein als früher. Aber sie kränkte sich nicht darüber. Sie wartete. Herr Herold war unzufrieden mit ihr. Jetzt hätte man doch ein bißchen was tun tönnen, sie hätte sich auch ein wenig vergönnen dürfen! „Was vergönnen?“ fragte die Frau ruhig zurück. „Soll ich in ein Kufseekränzchen eintreten oder zu den Abenden des Männergesangvereins gehen? Du weißt, ich habe mich nie sehr interessiert für Häkelmuster und Dienstbotengespräch, und der Gesangverein singt furchtbar. Ich spiele auch nicht gern Karten, und die lieben Nächsten sind mir ziemlich gleichgültig bis auf einige wenige. Also, was soll ich tun?“ „Nan muß vorliebnehmen,“ entgegnete Herr Herold wüster g „Ich habe nie vorliebnehmen wollen,“ sagte sie still. „Weil du innerlich hochmütig bist,“ fuhr er auf. Sie sah ihn ernsthaft an. Da mußte er daran denken, daß sie immer so gut umzugehen verstand mit den Armen und Elenden, und daß sie so gar nicht pharisäisch war.... Und er brummte irgend etwas, strich ihr über das Haar, ging seinen gewohnten Weg weiter und dachte eine halbe Stunde später an nichts mehr, als an die Chancen seiner Tarockpartie.—„ Frau Malwe wartele auf die Ferien. Da wurven die Mädchen heimkommen und würden ihr berichten und erzühlen und einen Schimmer von all dem Schönen, das sie sahen, auch in ihr Leben tragen. Aber die Mädchen samen nicht. Sie wollten so gern was von der Welt sehen, eine kleine Reise machen. Himmel— wie sie jetzt schon herabsahen auf das Nest, in dem sie groß gewonden waren! Sie hatten nun die Freiheit gelostet, und der Trank berauschte sie! Frau Walwe sagte nichts und lebte weiter. Die Briese ihrer Töchter wurden immer kürzer. Es war dies nicht unnatürlich; denn sie lebten doch jetzt in ganz anderen Verhältnissen, in weiteren Kreisen. Die Vergangenheit versank hinter ihnen. Die Welt war so bunt und so wechselvoll! War es ein Wunder, daß sie innerlich ganz hinauswuchsen über die stille Frau, welche so weitab stand von allen ihren Interessen? Frau Malwe sagte auch jetzt nie etwas. Aber in ihre Augen kam oft ein seltsam unruhiges Flackern, ihre Wangen wurden schmal, ihr Haar weiß. Und wenn abends die Sonne unterging, dann verdunkelten oft Tränen ihren Blick. Herr Herold hatte sich pensionieren lassen und Aber sie kam nicht weiter. Herr Heroio lehnte ganz entschieden ab. Nun sollte er fort? Jetzt, wo es gerade schön wurde? Und wo er etwas genießen konnte, wo man endlich lebte? Jeben“.“ Ganz leise sprach sie das Wort nach mit einer eigenen Betonung. Aber er beachtete es nicht, wollte sie auf andere Gedanken bringen. „Gott sei Dank,“ sagte er behaglich.„Nun hört auch endlich einmal diese Schlamperei da unten au — Er wies nach der Gartenmaner.—„Ja! Der Nachbar läßt das eingestürzte Stück dort ausbauen.“ Sie entgegeneie gar nichts. Was hätte sie auch sagen sollen? Nun brauckhte sie eben auf nichts mehr zu warten. Auch nicht auf die paar goldenen Minuten am Ende des Tages. Aber als dann wirklich die Arbeiter kamen und Stein an Slein fügten, als sie zum ersten Male, da die Schatien leise sanken, den roien Sonnensall nicht sah, sondern die öde, graue Mauer, da legte sie plötzlich den Kopf auf den Tisch. Es schwindelte ihr so... Kurz darauf erhielten die drei Töchter ein Telegramm des Vaters: „Kommt heim, Mutter ist krank.“ Sie sahen sich erstaunt an. „Mutter! wieso? die Mutter war doch nie krani gewesen! Mutter war einsach immer da, schickte pünktlich die sauber geglättete Wäsche, die hergerichteten ch: geschrieben hat. Aber manche Leute schreiben doch nicht gern! Das wußten sie von sich selbst. Es war recht seltsam, daß die Mutter nun plötzlich Geschichten machte!“ 1 Aber als sie am nächsten Morgen, müde und überwacht von der Bahn tommend, um Frau Maiwes Bett standen, da sahen sie es sofort, daß der Valer sie nicht umsonst gerusen hatte. Eine Schwerkranke lag fiebernd in den Kissen und erkannte sie nicht. „Der Arzt sagt: Lungenentzündung!“ flüsterte Herold mit tränenden Augen.„Na ja! Wenn sie aber auch solchen Wahnsinn macht! Frauen sind oft ganz unzurechnungsfähig. Seit die Mauer dort aufgebaut war, ist sie jeden Tag und bei jedem Wetter aufs Feld hinausgegangen und hat von dort zugesehen, wie die Sonne untergeht! Und sie war doch immer ein wenig empfindlich. Da draußen pfeift der Wind greulich—“ Er redete weiter, ganz haltlos. „Warum sie das nur getan hat?“ fragte er immer wieder. „Ja, warum?“„ W., Eizm u Die. Mädchen sahen sich an. Sie begrissen noch nicht, aber ein Ahnen dämmerte in ihnen, eine halbe Erienntnis. Und eine Angst überkam sie plötzlich, daß die stille Frau doch sehr gelitten habe und sehr einsam gewesen sei. Daß da ein Leben dahinschwand, das ein einziges, ungeheures Opser war— Gegen Abend wurde die Kranke sehr unruhig. „Willst du etwas essen?“ fragte Herr Herold. Sie schien klarer, schüttelte ablehnend den Kopf. Erst jetzt erkannten die Mädchen die ungeheure Veränderung, welche mit der Mutter vorgegangen war. Sie begannen zu schluchzen. „Was hast du nur gemacht, Mama?“ fragte Sophie, die Aelteste. Frau Malwes Augen glitten von einer zur anderen. „Ich habe gewartet.“ Mehr sagte sie nicht. Und dann hing sie den wieder an das Stück neue Mauer... Die. Tage kamen und gingen. Frau Malwe wurde nicht besser. Einmal, als eben draußen die Sonne zur Rüste ging, flatierte ein rosiger Schimmer auch durch 5 P =